Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175
10 April 1917
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Building Stones for an Understanding of the Mystery of Golgotha, tr. Parker
Zehnter Vortrag
Lecture III
[ 1 ] Ich möchte heute zunächst darauf hinweisen, daß man in unserer Zeit sehr leicht das Wesen des Mysteriums von Golgatha verkennen kann, insofern als man nicht leicht aufmerksam darauf wird, wie schwierig es der gewöhnlichen Erkenntnis, die man heute sucht, überhaupt wird, ein Verhältnis, ein tieferes Verhältnis zu diesem Mysterium von Golgatha zu gewinnen. Man kann zum Beispiel sehr leicht glauben: Vertiefst du dich mystisch, suchst du ein mystisches Innenleben, den Gott in deinem Innern, so findest du den Christus. Die meisten Menschen, die in unserer Gegenwart und schon seit längerer Zeit so sprechen, finden auf diesem Wege den Christus nicht. Man findet nicht den Christus, wenn man etwa wie manche, die sich Theosophen nennen, sagt, man müsse in seinem eigenen Innern gewahren das mit diesem eigenen Innern verbundene Göttliche, dann ginge der Christus in dem Menschen auf. Das ist nicht der Fall. Dasjenige, was dann höchstens aufgehen kann, was im Innern gewissermaßen als ein inneres Licht erscheinen kann, das kann niemals, richtig verstanden, der Christus genannt werden, sondern das könnte nur ein göttliches Wesen im allgemeinen genannt werden. Und nur weil man sich heute nicht gewöhnt, auch nur theoretisch die Dinge zu unterscheiden, glauben manche Mystiker, durch das, was man gewöhnlich Mystik nennt, durch die gewissermaßen sich selbst überlassene Mystik, zu dem Christus kommen zu können. Das ist nicht der Fall. Und es ist wichtig, einmal dies vor seine Seele hinzustellen, ebenso wie es wichtig ist, darauf zu achten, daß ja auch die Philosophien des abgelaufenen Zeitraumes des neunzehnten Jahrhunderts bis in unsere Zeit herein, als Teile von sich, Religionsphilosophien erzeugt haben, und daß diese Philosophien gar oftmals glauben, vom Christus reden zu können. In Wahrheit können sie nichts anderes finden — und man findet auch in diesen Philosophien nichts anderes — als dasjenige, was ein göttliches Wesen im allgemeinen, aber nicht der Christus genannt werden kann. Nehmen Sie selbst einen Philosophen, der nach einer gewissen Vertiefung gesucht hat, wie Lotze. Lesen Sie seine Religionsphilosophie und Sie werden finden: er spricht von einem göttlichen Wesen im allgemeinen, aber er spricht nicht so, daß er dieses göttliche Wesen, von dem er denkt, sinnt, mit dem ChristusNamen bezeichnen könnte. — Noch weniger kann man auf den Wegen, die durch solche Mystik, durch solche Philosophie gesucht werden, das Wesen des Mysteriums von Golgatha finden. Wir wollen uns, um dies näher einzusehen, einmal einige Eigenschaften der Vorstellungen vom Mysterium von Golgatha vor die Seele führen. Ich möchte sagen, zunächst wie bloße Behauptungen wollen wir uns diese Vorstellungen des Mysteriums von Golgatha vor die Seele führen.
[ 1 ] In our lecture today I should like to remind you how easy it is to misunderstand the real nature of the Mystery of Golgotha because we fail to recognize how difficult it is to achieve a deeper insight into that Mystery with our present mode of cognition. We may readily believe, for example, that through mystical contemplation, by turning inwards to seek the divine within, we shall find the Christ. The majority of those who have followed the path of mysticism have not found the Christ. We shall not find the Christ if we maintain, as many Theosophists maintain, that we must first become aware of the divine within and we shall then experience the Christ. That is not so. What, at most, under these circumstances may suggest the presence of an inner light, can never, if rightly understood, be called the Christ, but might be called a Universal Divine Being. And because we are not accustomed to differentiate today, even theoretically, many mystics believe that they can find the Christ through what is usually called mysticism, through a mysticism that is relatively uncontrolled. This is a delusion. And it is important to bear this in mind, just as it is important to note that the philosophies of the late nineteenth century down to our own times have developed, as subsidiary branches of philosophy, philosophies of religion which imagine that they are in a position to speak of the Christ. In effect, they portray—and can only portray—what may be called a Universal Divine Being, but not the Christ. The philosopher Lotze, for example, who attempted to probe deeply into this question speaks of such a Universal Being, but he would never dream of calling this Divine Being the Christ. Neither the mystical path nor the path followed by such philosophers can lead to an understanding of the true nature of the Mystery of Golgotha. In order to arrive at a fuller understanding of this Mystery I propose to call attention to certain characteristics of the conceptions attaching to it. Let us regard these conceptions in the first place purely as expressions of opinion.
[ 2 ] Zunächst gehört es, wenn das Mysterium von Golgatha überhaupt das sein soll, was der Menschheit in ihrer geschichtlichen Erdenentwickelung nötig ist, zu dem Wesen dieses Mysteriums von Golgatha, daß diejenige Wesenheit, also die Christus-Wesenheit, die durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, mit dem Mysterium von Golgatha etwas verrichtet hat, das seine Beziehung hat zur ganzen Weltordnung. Wenn wir den Ausdruck nicht gebrauchen wollen, können wir sagen, zur ganzen kosmischen Ordnung. Sieht man bei dem Wesen, das durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, ab von einer Beziehung zur ganzen Welt, dann hat man nicht mehr dieses Wesen, dann kann man von irgendeinem göttlichen Wesen im allgemeinen sprechen, aber man kann nicht von dem Christus-Wesen sprechen.
[ 2 ] It pertains to the essence of the Mystery of Golgotha, if it is to answer to the historical evolution of mankind, that Christ, by His death on the Cross, has thereby established a relationship with the whole cosmic order. If we deny the universality of Christ we are no longer in touch with Him. We may, in that event, speak of some kind of Universal Divine Being, but we cannot speak of the Christ.
[ 3 ] Es sind viele Dinge, die verstanden werden müssen, wir wollen einige heute anführen. Ein weiteres, das verstanden werden muß, wenn man richtig an das Mysterium von Golgatha herankommen will, ist dies: Welches ist eigentlich die Vorstellung’ von dem, was der Christus Jesus selber den Glauben, das Vertrauen nennt? Man hat heute eine viel zu theoretische, viel zu abstrakte Vorstellung von dem Glauben. Denken Sie einmal, was sich heute der Mensch sehr häufig vom Glauben vorstellt, wenn er von dem Gegensatze des Glaubens zum Wissen redet. Da stellt er sich vor: Dasjenige, was man durch irgend etwas beweisen kann, das ist ein Wissen; was man nicht durch irgend etwas beweisen kann, aber was man doch für wahr hält, das ist ein Glaube. Es kommt dem Menschen darauf an, auf eine gewisse Art etwas zu erkennen, etwas einzusehen. Nur, wenn er dieses Erkennen, dieses Einsehen einen Glauben nennt, denkt er daran, daß man dieses Erkennen, dieses Einsehen nicht vollständig beweisen kann.
[ 3 ] There are many problems to be elucidated in connection with the Mystery of Golgotha and I propose to refer to some of them today. If we are to understand this Mystery aright we must come to terms with the problem: what did Christ Jesus mean by faith or trust? We have a far too theoretic, a far too abstract conception of faith today. Consider for a moment man's usual conception of faith 1St. Anselm's remark is interesting in this context: “Credo ut intelligam” (I believe in order that I may understand). when he speaks of the antithesis between faith and knowledge. Knowledge is that which can be demonstrated or proved; faith is that which is not susceptible of proof, and yet is held to be true. It is a question of the particular way in which we know or understand something. It is only when we speak of knowledge as faith or belief that we think of it as something which is not susceptible of final proof.
[ 4 ] Vergleichen Sie einmal ganz oberflächlich diese Glaubensvorstellung mit jener Vorstellung, die der Christus Jesus hervorruft. Ich will nur einmal hinweisen auf die Evangelienstelle: Wenn ihr glaubet, der Berg, der vor euch steht, soll sich ins Meer stürzen, und ihr habt den wirklichen Glauben, so wird er sich ins Meer stürzen! -— Welch gewaltiger Abstand ist zwischen dieser Glaubensvorstellung der heutigen Menschheit, die eigentlich eine bloße Surrogat-Vorstellung für das Wissen ist, und jener Glaubensvorstellung, die, ich möchte sagen, vielleicht paradox, aber radikal in diesem Christus-Worte ausgedrückt ist! Aber man kann gleich herausfinden, wenn man nur ein wenig aufmerksam ist, worin das Wesentliche der Glaubensvorstellung, die der Christus gibt, eigentlich liegt. Was soll der Glaube? Er soll etwas bewirken, etwas hervorbringen. Er soll nicht bloß eine Vorstellung, ein Wissen erwekken; wenn man ihn hat, den Glauben, soll etwas geschehen können durch den Glauben. Sehen Sie sich daraufhin das Evangelium an. Überall, wo Sie es aufschlagen können, und wo Sie die Ausdrücke «Vertrauen» und «Glauben» finden, werden Sie überall finden, daß es sich um diese tätige Vorstellung handelt, daß man etwas haben soll, wodurch etwas verrichtet, etwas getan wird, wodurch etwas geschieht. Das ist außerordentlich wichtig.
[ 4 ] Compare this idea of faith with the conception which Christ Jesus preached. Let me refer you to this passage in the Gospels: “If ye have faith and doubt not ... but also if ye shall say unto this mountain, Be thou removed and be thou cast into the sea; it shall be done.” (Matt. XXI, 21) How great is the contrast between this conception of faith, paradoxically yet radically expressed in the words of Christ, and the present-day conception which in reality sees in faith simply a substitute for knowledge. A little reflection will show what is the essence of Christ's conception of faith. Faith must be an active force, a force that accomplishes something. Its purpose is not simply to evoke an idea or to awaken knowledge. He who possesses faith shall be able to move mountains. If you refer to the Gospels you will find that wherever the words “faith” or “trust” appear, they are associated with the idea of action, that one is to be granted a power through which something can be effected or accomplished, something that is productive of positive results. And this is extremely important.
[ 5 ] Und von all dem Wichtigen will ich noch ein Drittes heute anführen. In den Evangelien wird sehr häufig gesprochen von den Geheimnissen des Reiches Gottes oder des Reiches der Himmel, von den Mysterien des Reiches Gottes, dem Mysterium des Reiches der Himmel. In welchem Sinne wird hier von Geheimnissen gesprochen? In welchem Sinne wird gesprochen von dem Reiche Gottes oder dem Reiche der Himmel? Dies ist eine Vorstellung, zu der man schon etwas schwierig kommt. Aber derjenige, der sich viel, gerade vom okkultistischen Standpunkte aus, mit den Evangelien befaßt hat, kommt immer mehr und mehr zu der Anschauung: In den Evangelien ist jeder Satz wie von Granit hingebaut, und nicht einmal der Schnörkel eines Satzes ist irgend etwas Gleichgültiges, sondern etwas ungeheuer Wichtiges. Alle Kritik, die man begreifen kann, wenn sie bei einer Anschauung über die Evangelien einsetzt, alle Kritik hört dann auf, wenn man tiefer und immer tiefer gerade vom geisteswissenschaftlichen Erkenntnisstandpunkt in die Evangelien eindringt. Nun will ich Sie, um von diesem Geheimnis, von diesem Mysterium, von dem da die Rede ist, sprechen zu können, gleich hinweisen auf etwas außerordentlich Charakteristisches.
[ 5 ] I should like to draw your attention today to another important question. The Gospels often speak of the mysteries of the Kingdom of God or the mysteries of the Kingdom of Heaven. In what sense do they speak of mysteries? It is somewhat difficult to grasp this idea. Those who have made a careful study of the Gospels from the occult standpoint are increasingly of the opinion that every sentence in the Gospels is immutable, every detail is of the greatest moment. All criticism is reduced to silence as one penetrates ever more deeply into the Gospels from the standpoint of Spiritual Science. Now before speaking of the mystery of the Kingdom of Heaven I must draw your attention to something that is highly characteristic.
[ 6 ] Ich habe schon bei früheren Besprechungen der Evangelien hingewiesen auf jene bedeutsame Stelle, wo es sich handelt um die Heilung, oder man könnte sie auch eine Erweckung nennen, des zwölfjährigen Töchterchens des Jairus. Wir reden ja hier unter Erwachsenen, daher kann ich diese, ich möchte sagen, tiefere medizinisch-okkulte Erkenntnis, die sich an diese Erweckung für den, der geisteswissenschaftlich in sie eindringt, ergibt, anführen. Zwölfjährig ist das Töchterchen. Der Christus Jesus naht sich ihr — Sie können die näheren Umstände ja in den Evangelien lesen —, um sie, die schon für tot gehalten wird, zu heilen. Es ist merkwürdig, daß man gerade bei solchen Dingen niemals zu einem Verständnis kommen kann, wenn man solch eine Stelle nicht prüft nach dem, was vorhergeht, und auch nach dem, was nachfolgt. Man reißt gerade beim Evangelium gern zu stark die einzelnen Partien heraus, liest immer das oder jenes, aber sie hängen miteinander zusammen. Unmittelbar vorher — Sie werden sich erinnern - steht in den Evangelien jene Stelle, da der Christus eben sich hinbegibt, gerufen zu dem zwölfjährigen Töchterchen des Jairus, wo er berührt wird, sein Mantel berührt wird von dem sogenannten blutflüssigen Weibe, von der Frau, die zwölf Jahre den Blutfluß hatte. Sie berührt sein Kleid. Was geschieht? Sie wird geheilt. Er fühlt, daß eine Kraft von ihm ausströmt. Das Wort fällt wiederum, das man nur versteht, wenn man die vorher eben angeführte Glaubensvorstellung richtig versteht: Dein Vertrauen, dein Glaube hat dich gesund gemacht. — Nun ist tiefsinnig an dieser Stelle des Evangeliums gesagt: Zwölf Jahre hatte sie die Krankheit; und das Töchterchen ist zwölf Jahre alt, lebte zwölf Jahre hier auf der physischen Erde. Was hatte das Töchterchen des Jairus nicht, was fehlte ihr? Sie kann nicht reif werden, sie kann nicht zur Reife gelangen; sie kann . zu dem nicht gelangen, was die Frau zwölf Jahre zu viel hatte. Und indem er die Frau heilt, die zwölf Jahre das zu viel hat, fühlt er die Kraft von sich ausströmen. Die überträgt er nun, indem er hingeht, auf das zwölfjährige Töchterchen, gibt ihr die Möglichkeit, reif zu werden, das heißt, weckt in ihr die Kraft auf, ohne die sie hinwelken müßte, und erweckt sie gewissermaßen dadurch zum Leben. Was liegt da vor? Es liegt nichts Geringeres vor, als daß der Christus mit seiner ganzen substantiellen Wesenheit nicht in sich lebt, sondern in seiner ganzen Umgebung lebt, und die Kräfte von einer Person auf die andere zu übertragen vermag; daß er die Kräfte, in denen er selbstlos nach außen hin lebt, von einer Person auf die andere hinüber verwandelt. Das liegt da vor. Er kann aus sich herausgehen, tätig aus sich herausgehen. Das liegt in der Kraft, die er gerade verspürt, wie sie in ihm entsteht, als das Weib seinen Mantel berührt und das große Vertrauen hat.
[ 6 ] In my earlier lectures on the Gospels I referred to that important passage which deals with the healing, or, one might call it, the raising of the twelve-year-old daughter of Jairus. Since we can speak openly here, I am able to refer to the deeper medical knowledge of an occult nature which is disclosed to those who study this miracle of healing from the standpoint of Spiritual Science. Christ went into the ruler's house and took Jairus’ daughter who was thought to be dead by the hand in order to heal her (Matt. IX, 22-25; Mark V, 22; Luke VII, 41). Now I must remind you that we can never arrive at an understanding of such matters if we do not relate the passage in question to the earlier and later passages. People are only too ready to detach certain passages from their context and study them in isolation, whereas they are interdependent. You will recall that as Jesus was summoned to the daughter of Jairus, a woman who was diseased with an issue of blood for twelve years came behind Him and touched the hem of His garment and was healed. Christ felt that “virtue” had gone out of Him. He turned round and said: “Daughter, thy faith hath made thee whole.” We can understand these words only if we grasp in the right way the idea of faith referred to above: “Thy faith (or trust) hath made thee whole.” Now this passage in the Gospels has deep implications. The woman had suffered from an issue of blood for twelve years. Jairus’ daughter was twelve years old. She was sexually retarded and was unable to develop the maturity of the woman who had suffered from hemorrhage for twelve years. When Christ healed the woman He felt that “virtue” or power had issued from Him. When He entered the ruler's house He took the girl by the hand and transferred this power to her and so enabled her to reach sexual maturity. Without this power she must have wasted away. And thus she was restored to life. This shows that the real living Being of Christ was not confined to His person, but was reflected in His whole environment, that Christ was able to transfer powers from one person to another by virtue of His selfless regard for others. He was able to surrender the self in active service for others and this is reflected in the power which He felt arise in Him when the woman who had great faith touched the hem of His garment.
[ 7 ] Mit diesem hängt es zusammen, daß er öfters zu den Jüngern sagte: Ihr, die ihr meine Schüler seid, ihr dürft erfahren die Geheimnisse des Reiches der Himmel, des Reiches Gottes; aber diejenigen, die draußen stehen, dürfen das nicht erfahren. - Nehmen Sie an, das Geheimnis, von dem wir jetzt gesprochen haben - ich meine nicht bloß die theoretische Schilderung, sondern dasjenige, was zu tun ist, um diese Verwandlung hervorzubringen —, nehmen wir an, das Geheimnis teilte er den Schriftgelehrten und Pharisäern mit. Was würde geschehen, wenn die würden verwandeln können Kräfte, die an dem einen Menschen haften? Sie würden sie nicht immer richtig verwandeln. Man sieht, wenn man das Evangelium durchliest, daß der Christus das nicht immer voraussetzt von den Pharisäern, noch weniger von den Sadduzäern und anderen. Nicht immer würden sie die Kräfte dazu verwenden, um, wenn sie sie von dem einen Menschen nehmen, sie dem anderen richtig zu geben, sondern sie würden Unheil über Unheil anrichten. Denn das liegt in ihrer Gesinnung. Deshalb muß es das Geheimnis der Eingeweihten bleiben, dasjenige, was er meint. Ich wollte es an einem besonders drastischen Beispiel erläutern, um was es sich dabei handelt.
[ 7 ] This mystery is related to the observation He frequently made to His disciples: “Unto you it is given to know the mystery of the Kingdom of God; but unto them that are without all these things are done in parables.” (Mark IV, 11) Let us assume that the mystery of which I have just spoken—I do not mean simply the theoretic description I have given of it, but the power that was necessary before this transference could be effected—had been imparted to the Scribes and Pharisees. What would have happened if they had been able to transfer powers from one person to another? They would not always have transferred them wisely. It is evident from the Gospels that Christ did not expect the Pharisees, still less the Sadducees, to act responsibly. When transferring this force from one person to another they would have abused it, for such was their mentality, and would have caused untold harm. This mystery therefore had to remain a secret of the Initiates.
[ 8 ] Sehen Sie, da haben wir vor allen Dingen drei wichtige Dinge. Ich könnte noch viele anführen. Übermorgen werden wir noch einiges dazu sagen, aber ich will nur zu dem Wichtigsten hinüberleiten. Da haben wir drei Dinge, die wir charakterisieren müssen, wenn wir von alledem sprechen, was mit der großen, überragenden Weltbedeutung des Mysteriums von Golgatha zusammenhängt. Ich werde genötigt sein, um wenigstens einigermaßen einiges beizubringen zu unserem Thema, an diesem Abend mehr aphoristisch zu sprechen.
[ 8 ] There are three significant factors to be considered in connection with the Mystery of Golgotha. I could mention many others. I will say more about this in my next lecture but for the moment I will confine myself to the essentials.
[ 9 ] Ich sagte eben, wir müssen uns eine Vorstellung machen von dem, was in dem Worte liegt: das Mysterium von dem Reiche der Himmel. Das ist etwas sehr Konkretes, wie wir es an dem Beispiel haben erläutern können. Nun sagt Johannes der Täufer bei der Gelegenheit, da er die Taufe vornimmt: die Reiche der Himmel oder die Reiche Gottes seien nahe. Da haben wir diese Vorstellung. Und was tut Johannes der Täufer? Offenbar — das geht aus dem ganzen Zusammenhang hervor -, weil die Reiche der Himmel, die Reiche des Gottes nahe sind, tut er folgendes. Er tauft mit Wasser, wie er selbst definiert. Er tauft mit Wasser zur Vergebung der Sünden; und er sagt vorher, daß da kommen wird Einer, der mit dem Heiligen Geiste taufen wird. Was ist der Unterschied zwischen der Taufe, die Johannes der Täufer vornimmt, und der Taufe, von der er spricht, daß sie die Taufe mit dem Heiligen Geiste ist?
[ 9 ] We must have a clear idea of what is meant by the expression: the Mystery of the Kingdom of Heaven. This has a quite precise meaning, as I was able to show in the example I quoted. Now when John the Baptist was about to baptize Jesus in the Jordan. he said: “The Kingdom of Heaven is at hand.” Here is the idea I want you to grasp. What did John the Baptist do? We are told—and this is clear from the context—that he baptized with water, as he himself said because the Kingdom of Heaven was nigh. He baptized with water for the remission of sins, saying “There cometh one mightier than I ... I have indeed baptized you with water, he shall baptize you with the Holy Ghost” (Mark I, 7 and 5). What is the difference between the baptism of John and the baptism with the Holy Ghost?
[ 10 ] Man versteht nicht, was eigentlich mit der Wassertaufe — die Art, wie sie vorgenommen wurde, habe ich ja öfter erzählt — gemeint ist, worauf angespielt ist, wenn man nicht eben gerade versucht, geisteswissenschaftlich sich der Sache zu nähern. Ich habe mich jahrelang bemüht, gerade hinter diese Dinge ein wenig zu kommen mit Hilfe derjenigen Mittel, die eben die Geisteswissenschaft an die Hand gibt. Da geht einem plötzlich auf, daß die ganze Charakteristik, in der uns der Täufer Johannes entgegentritt, etwas sehr, sehr Bedeutsames ist. Was sind es eigentlich letzten Endes für Wasser, mit denen Johannes tauft? Selbstverständlich, äußerlich sind es die Wasser des Jordan. Aber wir wissen ja: die betreffenden Täuflinge wurden ganz untergetaucht, so daß in der Tat während des Untertauchens eine Art Lockerung ihres Ätherleibes von dem physischen Leibe stattfand, daß sie für einen Augenblick sich hellsichtig sehen konnten. Das ist ja die wirkliche Bedeutung der Johannes-Taufe und ähnlicher Taufen gewesen. Aber Johannes meint nicht das allein, indem er von der Wassertaufe spricht, sondern er meint vor allen Dingen einen Hinweis auf jene Stelle des Alten Testamentes, wo gesagt wird: Der Geist der Götter schwebte über den Wassern. Denn was soll erreicht werden durch die Wassertaufe im Jordan? Durch die Wassertaufe im Jordan soll das erreicht werden, daß die Täuflinge in ihrem Bewußtsein durch jene Lockerung des Ätherleibes, durch all dasjenige, was mit ihnen vorgeht, sich zurückversetzt fühlen in die Zeit vor dem, was man den Sündenfall nennt. Es soll gewissermaßen aus ihrem Bewußtsein ganz ausgelöscht werden all dasjenige, was seit dem Sündenfall vorgegangen ist; sie sollen in den UnschuldsUrzustand zurückversetzt werden, damit sie sehen, was der Mensch vor dem Sündenfall gewesen ist. Gewissermaßen soll den Täuflingen klar werden: Der Mensch hat durch den Sündenfall einen Irrweg eingeschlagen, und wenn er auf diesem Irrweg weitergeht, so kann es mit ihm nicht gut ausgehen. Er muß umkehren bis zum Anfang, er muß gewissermaßen aus seiner Seele ausreißen alles dasjenige, was durch den Irrweg in diese Seele hineingekommen ist.
[ 10 ] We cannot understand what is meant by the baptism with water, nor what it alludes to—I have often described the manner in which the ceremony was performed—unless we summon to our aid the teachings of Spiritual Science. For many years I have been at great pains to elucidate this mystery by means of spiritual investigation. It suddenly dawned on me that the way in which John the Baptist is presented to us in the Gospels carries most important implications. What was the significance of baptism with water? Externally, of course, John the Baptist baptized with the waters of Jordan. We know that the candidates for baptism suffered total immersion. During the immersion they experienced a kind of loosening of the etheric body, which bestowed on them a temporary clairvoyance. This is the real significance of the baptism by John and of similar baptisms. But when John spoke of baptism with water he was referring not only to this form of baptism, but more especially to the passage in the Old Testament which says: “The Spirit of God moved upon the face of the waters.” What was the purpose of the baptism with water in Jordan? It was intended that through the loosening of their etheric bodies and the experiences they underwent the candidates for baptism should feel themselves transposed into the condition of consciousness of the time before the “Fall”. Everything that had occurred since the Fall was to be erased from their consciousness. They were to be restored to their pre-lapsarian state in order that they might experience the condition of man before the Fall. They were made aware that through the Fall man had entered upon a wrong path and that to continue on this path would be to court disaster. He had to return to his original state of innocence, to cleanse his soul of the evil which this aberration had brought.
[ 11 ] Es war ein Zug bei sehr vielen Menschen der damaligen Zeit - die Geschichte schildert hier keineswegs genau -, sich zurückzuversetzen in die Zeit der Unschuld, abzustreifen das, was die Irrwege gebracht haben, das Leben der Erde gewissermaßen noch einmal zu beginnen von dem Anfangspunkte aus, bevor die Erbsünde begangen worden ist; nicht zu erleben dasjenige, was sich abgespielt hat und festgelegt hat in der sozialen und völkischen Ordnung seit dem Sündenfall und bis zu jenem römischen Reiche oder bis zu jenem Judenreiche, in welchem Johannes der Täufer lebte. Daher ziehen sich solche Menschen, die dieser Anschauung sind, daß man sich eigentlich herausreißen müsse aus dem, was die Welt gebracht hat nach dem Sündenfall, zurück in Wüsten und Einsamkeit, führen ein mönchisches Leben. Das wird uns an Johannes dem Täufer sehr genau geschildert, indem er uns dargestellt wird als lebend in der Wüste und nur sich ernährend von Honig und Tieren, wie man sie in der Wüste findet, mit einem Fell von Kamelhaaren bekleidet. So richtig als der Wüstenmensch, der Einsamkeitsmensch, wird der Täufer Johannes hingestellt.
[ 11 ] Many people at that time felt an urge to return to the age of innocence—history is far from accurate on this question—to forgo their errant ways, to start life afresh as it had been before the Fall; to refuse participation in the changes and developments of the social order and national life which had taken place since the Fall up to the time of the Roman Empire or the time of Herod the Tetrarch when John the Baptist preached in the wilderness. Those who felt that they must break with the past withdrew from the world and became anchorites. John the Baptist is a case in point. We are told that his meat was locusts 2Compare with Deeper Secrets of Human History in which Steiner explains this bible verse as a mischaracterization of locust as referring to the insect rather than the locust (carob) bean. —RS Archive and wild honey and his raiment was of camel hair (Matt. III, 4). He is depicted as the typical desert father, the typical anchorite.
[ 12 ] Vergleichen Sie mit dem eine breite Strömung in der damaligen Zeit, die das, was im Johannes-Evangelium angedeutet ist, in der verschiedensten Weise zum Ausdruck brachte. Man sagte, man müsse sich zurückziehen von der Materie, man müsse sich vergeistigen. In der Gnosis hat das noch, ich möchte sagen, seinen geistigsten Nachklang, dieses Nicht-mit-der-Welt-leben-Wollen. Und im Mönchtum ist es zum Ausdruck gekommen. Ja, aber warum denn das? Warum kam gerade dieser starke Johannes-Zug — er war verhältnismäßig nicht alt —, warum kam dieser Zug über die Welt? Die Antwort liegt in dem Satze: Das Reich der Himmel oder das Reich des Gottes ist nahe.
[ 12 ] Compare this with a widespread movement of the time which reflected in various ways what was indicated in the Gospel of St. John. People declared that one must renounce the world and follow the life of the spirit. An echo of this desire to “withdraw from the world” is still to be found in Gnosis and in monachism. Now why did this powerful impulse of the Baptist which was a comparatively recent development become so widespread? The answer is found in the words: “The Kingdom of Heaven is at hand.”
[ 13 ] Und hier müssen wir verstehen das, was wir das letztemal gesagt haben von den Seelen, die seit dem Sündenfall immer schlechter und schlechter geworden sind, die immer weniger und weniger geeignet waren, dem menschlichen Leibe dasjenige zu sein, was sie ihm sein sollen, die gewissermaßen immer mehr und mehr korrumpiert worden sind. Das konnte eine gewisse Wegstrecke der Erdenentwickelung gehen, aber das mußte einmal ein Ende finden, dann ein Ende finden, wenn diese ganze Erdenentwickelung ergriffen wird von der Himmelsentwikkelung, wenn die Himmelsentwickelung sich bemächtigt der Erdenentwickelung. Das sahen solche Menschen wie Johannes prophetisch voraus: Jetzt kommt die Zeit, wo es nicht mehr geht, daß die Seelen gerettet werden; jetzt kommt die Zeit, daß die Seelen verfallen müssen, wenn nicht irgend etwas Besonderes eintritt. Entweder müssen die Seelen sich zurückziehen vom ganzen Leben seit der Erbsünde, welche dasjenige gebracht hat, wodurch die Seelen korrumpiert worden sind also die Erdenentwickelung muß vergeblich sein —, oder es muß etwas anderes geschehen! Das drückte Johannes der Täufer eben aus, indem er sagte: Es wird einer kommen, der da mit dem Heiligen Geiste taufen wird. Johannes konnte die Menschen nur erretten vor den Folgen des Sündenfalles, indem er sie herausriß aus der Welt. Der Christus Jesus wollte sie auf eine andere Weise erretten; er wollte sie drinnen lassen in der Welt und sie dennoch retten. Er wollte sie nicht zurückführen zu dem Zeitpunkt vor dem Sündenfall, sondern er wollte sie die weiteren Wegstrecken der Erdenentwickelung durchlaufen lassen und dennoch sie Anteil nehmen lassen an dem Reiche der Himmel.
[ 13 ] At this point we must recall what was said in the last lecture about the soul—that since the Fall it had progressively deteriorated, was less and less fitted to perform its function as intermediary between the spirit and the body. This continuous decline could persist for a certain period of Earth evolution but ultimately had to be arrested. This moment will arrive when Divine evolution takes over Earth evolution. Men such as John the Baptist had a prophetic intimation of this moment. The time is now at hand, he felt, when souls can no longer be saved, when souls must perish without some special dispensation. He realized that either the souls of men would have to withdraw from life as it had been since the Fall, the cause of their corruption—and in that event Earth evolution would have been in vain—or something else must supervene. And this realization found expression in the following words: “He that cometh after me shall baptize you with the Holy Ghost.” John felt that only by withdrawing from the world could man be saved from the consequences of the Fall. Christ wished to save mankind in another way: he wished them to remain in the world and yet find salvation. He had no wish that mankind should return to the time before the Fall, but that they should experience the further stages of Earth evolution and yet participate in the Kingdom of Heaven.
[ 14 ] Ein weiteres, was man nun verstehen muß, ist: Was lag denn eigentlich in dem Willen des Christus? Es pulsiert das schon durch die Evangelien hindurch, was in dem Willen des Christus Jesus liegt, aber man muß es nur mit allem tiefen, tiefsten Ernste wirklich fühlen. Sie wissen, wir haben die vier Evangelien. Jedes dieser vier Evangelien enthält trotz allen scheinbaren Widersprüchen einen gewissen Grundstock von Tatsachen und Wahrheiten, die durch den Christus Jesus getan oder verkündet worden sind, aber es enthält jedes Evangelium, ich möchte sagen, eingegossen diesen Grundstock in eine ganz bestimmte Stimmung. Und da kommt wirklich das in Betracht, was ich Ihnen angeführt habe, als ich Sie auf Richard Rothe hinwies. Da kommt in Betracht, daß man die Evangelien anders lesen muß, als man das heute tut: daß man sie lesen muß mit jenem Hauche, der sie durchzieht, mit jener eigentümlichen Stimmung, die in ihnen waltet. Man liest allerdings die Evangelien heute so, daß man hineinträumt dasjenige, was man als so ein allgemeines menschliches Ideal ansieht. In der Zeit der Aufklärung hat man einen aufgeklärten Menschen in dem Christus Jesus gesehen; aus protestantenvereinlerischen Strömungen ist ein Jesus-Bild hervorgegangen, wo Jesus ein richtiger Protestanten-Vereinler des neunzehnten Jahrhunderts ist; Ernst Haeckel hat es sogar zustande gebracht, aus dem Jesus einen richtigen Monisten seiner Sorte zu machen. Das sind Dinge, über die die Menschheit wird hinauskommen müssen. Das, worum es sich handelt, ist, wirklich mit der Atmosphäre der Zeit richtig zu fühlen, was in den Evangelien gelegen ist. Aber das muß mehr oder weniger empfunden werden.
[ 14 ] A further question calls for an answer: What was Christ's real intention? His purpose breathes through every page of the Gospels and we must seek to feel and experience it with all the earnestness at our command. Despite apparent contradictions in the Gospels each contains a core of facts and truths which were announced or proclaimed by Christ Jesus; but the core of each Gospel has its own particular atmosphere. I must remind you of what I said in reference to Richard Rothe, namely, that we must change our whole approach to the reading of the Gospels. We must read them in the spirit that breathes through them, become responsive to the atmosphere that pervades them. People who read the Gospels today invest them with their own preconceived picture of a generalized human ideal. The age of “enlightenment” envisaged Christ Jesus as an enlightened man. Protestant groups or sects have created an image of Jesus which depicts Him as a typical representative of nineteenth-century Protestantism. Ernst Haeckel even managed to depict Jesus as a thorough-going monist of his own brand. Now these are attitudes which mankind must learn to outgrow. It is important that we should really respond to the contents of the Gospels in the atmosphere and setting of their own time.
[ 15 ] Nehmen Sie zunächst das Matthäus-Evangelium. Man kann die Frage aufwerfen: Mit welchem Ziel ist es geschrieben, was will das Matthäus-Evangelium? Man kann sich sehr leicht täuschen lassen durch allerlei Dinge, die man gerne annimmt in diesen Evangelien, die man aber falsch interpretiert. Trotzdem der Satz drinnen steht — ja, eben weil gerade der Satz drinnen steht: Von dem Gesetze soll kein Jota und Häkchen geändert werden -, trotzdem gilt doch: Das Matthäus-Evangelium ist von seinem Verfasser geschrieben in der Absicht, volle Gegnerschaft gegen das herkömmliche Judentum zu entwickeln. Es ist eine Gegenschrift gegen das herkömmliche Judentum. Der Verfasser des Matthäus-Evangeliums nimmt es auf mit dem ganzen herkömmlichen Judentum und erklärt, daß es der Wille des Christus Jesus war, das herkömmliche Judentum voll zu unterbinden.
[ 15 ] Let us take first of all the Gospel of St. Matthew and ask ourselves: what is the purpose of this Gospel? It is so fatally easy to be misled by all kinds of things which we readily accept in the Gospels, but which we interpret falsely. We find, for example, the statement that “not one jot or tittle of the law shall be changed”. In spite of this statement, perhaps even because of it, the fact remains that the Gospel of St. Matthew was written to discredit traditional Judaism. It is a polemic against Judaism, a challenge to traditional Judaism, and the author declares that it was the will of Christ that it should be suppressed.
[ 16 ] Und das Markus-Evangelium? Das Markus-Evangelium ist für Römer geschrieben, gegen dasjenige, was im äußeren Römischen Reiche, im Reiche der Welt, sich herausgebildet hatte. Es ist gegen die Gesetzesordnung des Römischen Reiches, gegen die soziale Ordnung des Römischen Reiches geschrieben; es ist eine Gegenschrift gegen das Römische Reich. Jene Juden wußten ganz gut, was sie meinten, oder eigentlich, besser gesagt, was sie fühlten, die da sagten: Wir müssen ihn töten, denn sonst wird das ganze Volk sein Anhänger, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Reich. — Gegen das Judentum, gegen das Römertum sind Matthäus- und Markus-Evangelium geschrieben. Richtige opponierende Schriften ernstester Art, nicht gegen das Judentum seinem Wesen nach, selbstverständlich, auch nicht gegen das Römertum seinem Wesen nach, sondern gegen dasjenige, was Judentum und Römertum äußerlich geworden sind, was sie als Reiche der Welt gegenüber dem Reiche der Himmel oder des Gottes in der damaligen Zeit waren. Man nimmt diese Dinge allerdings auch in unserer Zeit, wie ähnliche Dinge, wahrhaftig nicht mit jenem Ernste, mit dem sie genommen werden wollen; man weiß es gar nicht einmal, daß man sie nicht mit dem Ernste nimmt, mit dem sie genommen werden wollen. Der Zar, der jetzt abgesetzt worden ist, schrieb wenige Jahre vor dem Krieg auf einen seiner Erlasse die folgenden eigenhändigen Worte: Riesen des Gedankens und der Tat werden erscheinen, ich vertraue fest darauf, und werden das Heil und die Wohlfahrt Rußlands bringen! Denken Sie, wenn das gekommen wäre, auf das der Zar fest vertraut hat: Riesen des Gedankens und der Tat - in die Peter-Pauls-Festung hätte er sie geschickt oder nach Sibirien, selbstverständlich! Das ist der Ernst, der heute hinter den Worten lebt. Aber mit diesem Ernste versteht man die Tiefen der Evangelien nicht.
[ 16 ] Now the Gospel of St. Mark, on the other hand, was written for the Romans. It was directed against the Roman Empire, the “kingdom of the world”. It was an attack upon the legal ordinances of the Empire and its social order. The Jews realized full well what they meant, or rather what they felt, when they said: We must kill Him, otherwise our people will follow Him and then the Romans will come and seize our land and our kingdom. The Gospels of St. Matthew and St. Mark were directed therefore against Judaism and Romanism respectively. They were broadsides directed not against the real essence of Judaism or Romanism, but against their outward forms as “kingdoms of the world”, in contradistinction to the “Kingdom of Heaven”. The special characteristics of these two Gospels are not taken today with the seriousness they deserve. A few years before the War, the Czar, who has now been deposed, wrote in his own hand on one of his edicts the following words: “Intellectual giants, giants of action will appear one day—of this I am firmly convinced—and bring salvation to Russia and provide for her greatest good.” Had these giants of thought and action in whom the Czar had implicit confidence, materialized, you can well imagine that he would promptly have imprisoned them in the Peter and Paul Fortress, or have exiled them to Siberia. So much for the reliance we can place upon words today. With such an attitude we cannot fathom the inner meaning of the Gospels.
[ 17 ] Und das Lukas-Evangelium, das dritte Evangelium? Sein Ernst kann einem schon aufgehen, wenn man nur nimmt die Stelle, die da steht, nachdem Jesus in der Synagoge sich hat geben lassen den Jesajas, nachdem er eine Stelle aus dem Jesajas gelesen hat, und dann, anknüpfend an die Jesajas-Stelle, die Worte sprach:
[ 17 ] Let us now turn to the third Gospel, the Gospel of St. Luke. Its real meaning becomes apparent if we study the passage where Jesus went into the synagogue: “And there was delivered to him the book of the prophet Esaias. And when he had opened the book he found the place where it was written:
[ 18 ] «Der Geist des Herrn liegt auf mir, dieweil er mich gesalbt hat, und er hat mich gesandt, den Armen frohe Botschaft zu bringen, den Gefangenen Freiheit, den Blinden das Gesicht, den Niedergebeugten die Befreiung.»
[ 18 ] The spirit of the Lord is upon me, because he hath anointed me to preach the Gospel to the poor; he hath sent me to heal the broken-hearted, to preach deliverance to the captives, and recovering of sight to the blind, to set at liberty them that are bruised.” (Luke IV, 17-18.)
[ 19 ] Dann aber legte er das aus, was er eigentlich meinte; besser gesagt, er legte die ganze Tiefe aus, die er meinte, in diesen Worten. Und indem er es auslegte, kontrastierte er das, was lebte in den Worten, mit dem, was ringsherum lebte. Er wollte sprechen aus dem Reiche der Himmel im Gegensatz zu den Reichen der Welt und charakterisierte das, indem er zunächst zu dem Reiche der Welt der Juden redete, indem er sprach in der Synagoge der Juden. Er sagte:
[ 19 ] Jesus then explained the deep inner meaning of these words, contrasting their spirit with the spirit which He found in the world around Him. He wished to contrast the Kingdom of Heaven with the kingdom of the world and characterized this difference in these words when He addressed the assembled Jews in the synagogue:
[ 20 ] «Ihr werdet mir freilich das Sprichwort entgegenhalten: Arzt, hilf dir selber! Was in Kapernaum geschehen sein soll, das tue auch hier in deiner Vaterstadt. - Wahrlich, ich sage euch: Kein Prophet wird in seiner Vaterstadt anerkannt. Es waren viele Witwen in Israel zu Elias Zeiten, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate keinen Regen hergab, und eine große Hungersnot in das Land kam; aber zu keiner wurde Elias gesandt, als nur zu einer Witwe in Sarepta im Lande Sidon. Und es gab viele Aussätzige in Israel zu der Zeit des Propheten Elisäus, und keiner wurde gereinigt, als nur der Syrer Naeman.»
[ 20 ] “Ye will surely say unto me this proverb, Physician, heal thyself: whatsoever we have heard done in Capernaum, do also here in thy country. Verily I say unto you, no prophet is accepted in his own country. But I tell you of a truth, many widows were in Israel in the days of Elias when the heaven was shut up three years and six months, when great famine was throughout all the land; but unto none of these was Elias sent, save unto Sarepta, a city of Sidon, unto a woman that was a widow. And many lepers were in Israel in the time of Eliseus the prophet; and none of them was cleansed, saving Naaman the Syrian.” (Luke IV, 23-27.)
[ 21 ] Keiner der Juden wurde weder von Elias, noch von Elisäus gereinigt und geheilt, sondern diejenigen, die nicht Juden waren. Das sagte er zur Interpretation seiner Worte, um die Umwelt zu charakterisieren im Gegensatz zum Reiche der Himmel. Und was geschah?
[ 21 ] None of the Jews was healed by Elias or Eliseus, but only the Gentiles. This was the interpretation Jesus gave to His words in order to distinguish between the Kingdom of Heaven and the kingdom of the world. What was the result?—
[ 22 ] «Alle diejenigen, die in der Synagoge waren, gerieten in Wut, als sie das hörten, standen auf und stießen ihn zur Stadt hinaus, führten ihn an den Steil-Absturz des Berges, auf dem die Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen. Er aber entwich ihnen unter den Händen.»
[ 22 ] “And all they in the synagogue, when they heard these things, were filled with wrath, and rose up and thrust him out of the city, and led him unto the brow of the hill whereon their city was built, that they might cast him down headlong. But he, passing through the midst of them, went his way.” (Luke IV, 28-30.)
[ 23 ] Sehen Sie, das ist der ganze Gegensatz hier im Lukas-Evangelium jetzt nicht bloß wie im Matthäus-Evangelium zu den Juden, nicht wie im Markus-Evangelium zu den Römern -, das ist der ganze Gegensatz zu den Leidenschaften, den Emotionen der Menschen im allgemeinen, wie sie rings um den Christus Jesus herum lebten. Daher muß man den ganzen großen, bedeutsamen Impuls nehmen, der in den Worten des Christus Jesus lag. Jenen Impuls, der nicht mit der Welt ging, sondern der aus dem Reiche der Himmel herausging.
[ 23 ] Here is the essential difference between the Luke Gospel and the other Gospels. Here the Jews are not condemned as in Matthew, nor the Romans as in Mark, but this Gospel condemns the passions and emotions of mankind as reflected in those who were associated with Christ Jesus. We must therefore give heed to that powerful and significant impulse behind the words of Christ Jesus, an impulse that was not of this world, but which proceeded from the Kingdom of Heaven.
[ 24 ] Das Johannes-Evangelium, der Impuls des Johannes-Evangeliums geht noch weiter. Im Johannes-Evangelium wird nicht bloß gegen ein kleines Volk wie die Juden, oder ein großes wie die Römer, oder die ganze Menschheit, so wie sie mit ihren Eigenschaften seit der Erbsünde lebt, gesprochen, sondern im Johannes-Evangelium wird auch gesprochen gegen die hinter der physischen Welt lebenden Geister, insofern diese abgefallen sind vom richtigen Wege. Und das Johannes-Evangelium versteht man nur richtig, wenn man weiß: So wie im Matthäus-Evangelium mit den Juden, im Markus-Evangelium mit den Römern, im Lukas-Evangelium mit den unter dem Sündenfall stehenden Menschen, so wird mit den Geistern der Menschen und noch mit den der Menschheit angrenzenden Geistern, die mit der Menschheit zusammen gefallen sind, im Johannes-Evangelium gesprochen. Auch mit der Geisteswelt selbst rechnet der Christus Jesus ab. — Es kann sehr leicht diese materialistische Zeit finden: wer so spricht, sei ein Fanatiker. Das muß man sich gefallen lassen, wenn man das sagt, aber die Wahrheit ist es doch! Und es zeigt sich immer mehr und mehr, je mehr man auf diese Dinge eingeht, daß es die Wahrheit ist.
[ 24 ] The John Gospel aims to go much further. In this Gospel it is not simply a small nation such as the Jews which is condemned, nor a great nation such as the Romans, nor even the whole of mankind with the negative characteristics it has developed since the Fall, but this Gospel is directed against those spirits behind the physical world in so far as they have turned aside from the true path. The Gospel of St. John can only be rightly understood when we realize that, as the Gospel of St. Matthew is concerned with the Jews, the Gospel of St. Mark with the Romans and the Gospel of St. Luke with all those who had succumbed to the Fall, so the Gospel of St. John is concerned with the spirits of men and those spirits bordering on humanity who fell along with man, whilst Christ Jesus is concerned with the spiritual world itself. It is very easy for our materialistic epoch to say that whoever holds these views is a fanatic. We must be prepared to put up with this criticism. Nevertheless what I have said is the truth; and we are the more convinced of this, the more closely we look into these things.
[ 25 ] Dieser bedeutsame Impuls, der also vierfach zum Ausdruck kommt, er zeigt uns, daß durch den Christus wirklich etwas in die Welt hineingebracht werden soll, was nicht in ihr ist. Das liebt ja die Welt nicht. Sie liebte es zu keiner Zeit. Aber das muß zu verschiedenen Zeiten gegeben werden. Und es wird uns hinlänglich gerade in den Evangelien gezeigt, daß richtig das Wort dieser Evangelien nur verstanden wird, wenn man es in den ganzen Kosmos hineinstellt, wenn man es als dem kosmischen Geschehen angehörend betrachtet. Das zeigt sich ja am besten — nehmen Sie das kürzeste, das prägnante Markus-Evangelium zur Hand -, wenn Sie sich aus dem Markus-Evangelium die Frage beantworten: Wer erkennt denn eigentlich zuallererst, daß durch den Christus Jesus etwas in die Welt hereingekommen ist, was ein grandioser Impuls von der Art ist, wie es eben gesagt worden ist? Wer erkennt es? Man könnte sagen: der Täufer Johannes. Aber der ahnt es mehr; das zeigt sich insbesondere bei der Schilderung der Begegnung des Christus Jesus mit dem Johannes im Johannes-Evangelium. Wer erkennt es denn zuerst? Die Dämonen in den Besessenen, die Jesus der Christus heilt. Die sind es, die zuerst aussprechen: «Du bist der Gottgesandte» oder «Du bist der Sohn des Gottes» oder dergleichen. Die Dämonen sind es. Den Dämonen muß der Christus zunächst verbieten, daß sie ihn verraten. Geistige Wesen sind es zuerst. Da sehen Sie, daß wir zuerst auf ein Verhältnis des Christus-Wortes zu der geistigen Welt hingewiesen werden. Bevor die Menschen auch nur ein Jota wissen von dem, was durch den Christus in der Welt lebt, sagen es die Dämonen aus ihrer übersinnlichen Erkenntnis heraus. Sie wissen es aus der Tatsache, daß er sie vertreibt, vertreiben kann.
[ 25 ] This powerful impulse which found fourfold expression in the Gospels shows that Christ was destined to introduce into the world something that had not existed before. The world disapproves and has always disapproved of change, but a new impulse must be given from time to time. It is amply demonstrated in the Gospels that we can only understand the message of these Gospels aright if we see it in the context of the entire Cosmos, as an expression of cosmic events. This is best illustrated—I refer you to the Mark Gospel, the shortest and most pregnant of the Gospels—if we turn to this Gospel for an answer to the question: who were the first to recognize that Christ Jesus had given to the world that sublime impulse which I have described above? Who first recognized this? One might be tempted to answer: John the Baptist. But he divined it rather, and this is clearly seen in the description of the meeting between Christ Jesus and John in the fourth Gospel. Who, then, were the first to recognize Him? None other than those that were possessed with devils whom Christ had healed. They were the first to cry out, saying, “Thou art the Son of God”—or “Thou art the Holy One of God. And Christ suffered not the devils to speak because they knew Him.” Spiritual beings therefore were the first to recognize Him, and we are here shown the connection between the word of Christ and the spiritual world. Out of their super-sensible knowledge the demons revealed Christ's contribution to the world long before mankind had the slightest inkling of it. They knew it because He was able to cast them out.
[ 26 ] Knüpfen wir nun an dasjenige an, was ich vorhin in einem konkreten Falle charakterisiert habe, an die Geheimnisse des Reiches der Himmel, aus denen heraus also der Christus Jesus solche Impulse gab. Sehen Sie, wenn wir uns fragen, so nach der Methode des heutigen Wissens uns fragen: Worin lag denn die besondere Zauberkraft, durch die der Christus Jesus wirkte? - so wird man mit den Mitteln, die die heutige geschichtliche Wissenschaft gewöhnlich aufsucht, wenn sie erkennen will, nichts erreichen. Man wird damit nichts erreichen, denn die Zeiten haben sich viel, viel mehr geändert, als man heute voraussetzt. Heute setzt man voraus: Nun ja, vor zweitausend, viertausend Jahren haben doch die Menschen ungefähr so ausgeschaut wie jetzt, sie sind zwar ungeheuer viel gescheiter geworden, aber so im allgemeinen waren doch die Menschenseelen so, wie sie jetzt sind. Und dann rechnet man zurück, und da kommt man zu Millionen Jahren. Ich habe ja neulich schon im öffentlichen Vortrage gesagt: Man rechnet die Jahrmillionen weiter und kommt zu einem Weltenende. Man hat sehr schön ausgerechnet, wie da die einzelnen Substanzen sein werden: wie Milch fest sein wird, aber leuchten wird — ich möchte wissen, wie diese Milch gemolken wird, aber das wollen wir nicht weiter berühren -, Eiweiß wird man verwenden, indem man die Wände damit anstreicht, weil es leuchten wird, so daß man dabei Zeitung lesen kann. Dewar in der Royal Institution brachte das vor einigen Jahren vor, indem er das Erdenende, so wie es die Physiker ausgerechnet haben, auseinandersetzte. Nun, ich hatte damals einen Vergleich gebraucht, indem ich sagte: Solche Berechnungen der Physiker sind geradeso, wie wenn jemand hergeht und beobachtet, was für Veränderungen vor sich gehen mit dem menschlichen Magen oder dem menschlichen Herzen in zwei, drei Jahren, und dann multipliziert und ausrechnet, was für Veränderungen dann vorgehen werden in zweihundert Jahren, wie also der menschliche Leib in zweihundert Jahren aussehen wird. Sie sind genau ebenso geistreich: nur, der Mensch wird längst verstorben sein in zweihundert Jahren. So ist es aber auch mit unserer Erde. Was da die Physiker so schön ausrechnen, was geschehen wird nach Jahrmillionen, das ist richtig gerechnet, nur wird die Menschheit der Erde als physische Menschheit längst vorher abgestorben sein. Und was die Geologen zurückrechnen für Jahrmillionen, das ist ebenso, nach derselben Methode gerechnet, wie wenn man einen Magen nehmen würde und zurückrechnet, nachdem das Kind sieben Jahre alt geworden ist, wie dann der Organismus des Kindes vor fünfundsiebzig Jahren gewesen ist. Nur merken es die Menschen nicht, was sie eigentlich in ihrem Denken anrichten, denn in denjenigen Zeiten, zu denen die Geologen zurückrechnen, hat die Menschheit als physische Menschheit noch nicht einmal existiert. Man muß, weil starke Arzeneien nötig sind gegen viele Irrtümer unserer Zeit, die mit großer Autorität auftreten, sich schon nicht scheuen, manchmal auch eine starke Arzenei für diejenigen, die sie brauchen können, gegen diese Dinge zu setzen. Starke Arzeneien wie die, daß man etwa sagt: Du rechnest aus, wie ein menschlicher Organismus nach seinen Veränderungen in zweihundert Jahren sein wird; aber er wird natürlich als menschlicher Organismus in zweihundert Jahren nicht mehr leben! Dem kann man, wie sich mir aus rein okkulten Forschungen ergeben hat, entgegensetzen - ich weiß selbstverständlich, das gilt der heutigen Wissenschaft als Narretei, aber wahr ist es —, daß, so wie die Menschheit jetzt ist, sie von heute an in 4000 Jahren nicht mehr wird sein können, ebensowenig wie ein Mensch nach | zweihundert Jahren, der heute zwanzig Jahre alt ist, noch leben wird. Denn man kann es herausfinden durch okkulte Forschung, daß im Laufe des sechsten Jahrtausends die Menschenfrauen, wie sie heute organisiert sind, unfruchtbar sein werden, keine Kinder mehr gebären werden. Und eine ganz andere Ordnung wird eintreten im sechsten Jahrtausend! Das zeigt uns die okkulte Forschung. Ich weiß, daß es dem, der im Sinne der heutigen Wissenschaft denkt, als etwas ganz Unsinniges erscheinen wird, das auszusprechen; aber es ist schon einmal so. Und so muß man sagen: Das, was Geschichte ist, was geschichtlicher Verlauf im Erdenwerden ist, darüber macht man sich gerade heute im materialistischen Zeitalter die konfusesten Begriffe. Deshalb versteht man auch selbst äußerlich durch die Geschichte auf uns gekommene feine Anspielungen auf anders geartete Seelenkonstitutionen in verhältnismäßig gar nicht weit zurückliegender Zeit nicht mehr.
[ 26 ] Let us now relate the concrete case described above (the raising of Jairus’ daughter) to the mysteries of the Kingdom of Heaven to which Christ owed His powers of healing. If we employ the usual technique of modern historical research in order to explore the source of the special supernatural power through which Christ worked, we shall never find an answer, for times have changed much more than people imagine. Today they assume that three or four thousand years ago men were to all appearances much the same as they are now, that though they have become far cleverer, they have changed very little on the whole. Such people then count back in time until they arrive at millions of years. As I mentioned recently in a public lecture, they count the millions of years ahead until they reach the end of time. They have calculated to a nicety the nature of individual substances millions of years hence: milk will be solid and luminous—I wonder how this milk will be obtained, but we will not go into that now—albumen will be used to decorate the walls so that it will be possible to read the newspaper in its phosphorescent light. Dewar put forward this idea a few years ago in a lecture before the Royal Institute when he discussed the end of the world as envisaged by physicists. At the time I made use of the following comparison in referring to these calculations. I said that if someone were to observe the changes that occur in the human stomach and heart over a period of two or three years, were then to multiply the figure arrived at and calculate the changes that would occur in two hundred years and what the body would look like in two hundred years’ time, then this would be comparable to the calculations of the physicists. Such calculations maybe ingenious, but in two hundred years the person will long have been dead. The same applies to the Earth. Those confident calculations on the part of physicists as to what will happen millions of years hence may be mathematically correct, but physically the inhabitants of the Earth will have perished long before this time. To estimate the geological conditions of the Earth millions of years ago on the same principle is comparable to deducing from the condition of a child's stomach at the age of seven what its condition had been seventy-five years before. People simply fail to realize how confused their thinking is, for man as a physical entity did not exist in that primordial time to which geologists look back. Because strong measures are necessary to combat the many errors of our time which have the weight of authority behind them, one must not be afraid on occasions to react strongly against such methods. One retorts to such people: you calculate from the organic changes in the human organism today what it will be like two hundred years hence. But in two hundred years, of course, the human organism will have ceased to exist. One can also reply that from the results of purely occult investigations—I am aware of course that modern science will regard this as nonsense, but it is none the less true—man as he is today cannot possibly exist six thousand years hence, any more than it is possible for a man who is now twenty years old to be alive in two hundred years time. We can discover through occult investigation that in the sixth millennium women as they are constituted today will become sterile and that an entirely different reproductive process will exist by that time. I realize that this will sound the purest nonsense to those who think along the lines of modern science; nevertheless the fact is undeniable. In our present materialistic age people have very confused ideas about history and historical evolution. Therefore we no longer understand even subtle indications transmitted by external history of differences in the constitution of the human soul which have taken place in relatively recent times.
[ 27 ] Sehen Sie, da gibt es eine sehr schöne Stelle bei dem Kirchenschriftsteller Tertullian, um die Wende des zweiten, dritten Jahrhunderts, zwei, drei Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha. Er sagt, er hätte selber noch gesehen die Lehrstühle der Apostel, wo deren Nachfolger an den verschiedenen Orten vorgelesen haben aus den Briefen der Apostel, die noch in der eigenen Handschrift der Apostel waren. ‘Und indem sie vorgelesen wurden, sagt Tertullian, wurde lebendig die Stimme der Apostel. Und indem man die Briefe anschaute, wurden vor dem Geist lebendig die Gestalten der Apostel. - Wer diesen Dingen okkult nachforscht, für den ist das keine Phrase. Es saßen die Gläubigen vor diesen Lehrstühlen so, daß sie aus dem Timbre der Stimme der Nachfolger der Apostel den Klang der Stimme der Apostel heraushörten, und daß sie aus der Handschrift sich Vorstellungen machen konnten über die Gestalten der Apostel. So daß man noch, als das dritte Jahrhundert begann, auch ganz äußerlich lebendig machen konnte die Gestalten der Apostel und in übertragener Bedeutung ihre Stimmen hören konnte. Und noch Clemens I., der römische Papst, der von 92 bis 101 den päpstlichen Stuhl innehatte, der kannte selber noch Apostelschüler, kannte solche, die den Christus Jesus noch gesehen haben. Wir haben schon eine fortlaufende Tradition in dieser Zeit! Und durch diese Stelle klingt etwas durch, was man wiederum okkult nachprüfen kann. Diejenigen, die als Apostelschüler die Apostel anhörten, hörten aus dem Klang der Worte die Art heraus, wie der Ton war, in dem der Christus Jesus sprach. Und das ist etwas ungeheuer Bedeutsames. Denn man muß vor allen Dingen reflektieren auf diesen Klang, auf dieses ganze eigentümliche Wesen, das in dem Sprechen des Christus Jesus war, wenn man einsehen will, warum die Zuhörer davon sagten, daß eine besondere Zauberkraft seinen Worten innewohnte. Es war etwas wie elementare Gewalt, was die Zuhörer ergriff, etwas von einer so elementaren Gewalt der Worte, wie das sonst nicht der Fall war bei irgendeinem anderen. Aber warum das? Warum denn eigentlich das?
[ 27 ] There is a very fine passage in the writings of the Church Father Tertullian t1Tertullian (A.D. 150–c. 220). Son of a Roman centurion, he was a convert to the African Church. His writings are doctrinal, apologetic and practical. In A.D. 202 he joined the Montanist sect which practised prophesying, a form of extempore preaching which was connected with ecstasy and trance. Tertullian wrote six books on ecstasy which are lost. His “Rule of Faith” was substantially the Apostles’ Creed. He believed that the Twelve Apostles had founded Apostolic Churches. All teaching which agrees with these Churches must be accepted as the truth since it is received from Christ. He believed that the soul derives from God, is immortal, corporeal, is endowed with free will, thinks and wills. The body is its necessary counterpart and swill rise again, but does not return to Earth. Though we are all infected with original sin, there is no total corruption. Tertullian was a voluminous writer, a bitter polemicist and inclined to fanaticism. To him we owe the famous sayings: “The blood of the martyrs is the seed of the Church”, “Christ is truth, not custom”, “Credo quia absurdum, certum est quia impossible”. He was the first of the three great Church Fathers of the African Church; the others were Cyprian and Augustine. at the turn of the second century, that touches upon this problem. He writes that he himself had seen the pulpits of the Apostles from which their successors had read aloud the epistles that were still in the Apostles’ handwriting. Whilst these epistles were being read, Tertullian tells us, the assembly of the faithful seemed to hear once again the living voices of the Apostles and when they examined the epistles, the features of the Apostles seemed to rise up before them. For those who investigate these matters clairvoyantly, these are not empty words. As they sat before the pulpit the faithful felt that they detected in the timbre of the voices of the Apostles’ successors the voices of the Apostles themselves and that from the handwriting of the Apostles they were able to picture the actual features of the Apostles. Thus, at the beginning of the third century, people were still able to evoke a living image of the Apostles and, metaphorically speaking, to hear their voices. And Clement I who occupied the Papal See from A.D. 92 to 101 also knew personally those pupils of the Apostles who had seen Christ Jesus. At this time, therefore, a continuous tradition was already in existence. And in this passage from Tertullian we catch an echo of something that can be investigated clairvoyantly. Those pupils of the Apostles who listened to the Apostles could detect from the tone and modulation of their voice the manner in which Christ Jesus spoke. This is something of great importance. We must bear in mind this tone of voice, this peculiar timbre characteristic of Christ's speech if we are to understand why those who heard Him spoke of the magic power that lay in His words. When He spoke, something akin to an elemental force gripped His listeners. His words possessed an elemental power that had never been known before. How is one to account for this?
[ 28 ] Ich habe Ihnen von Saint-Martin gesprochen. Saint-Martin ist einer noch von denjenigen, welche den Ausdruck in den Worten des Christus-Geistes verstanden haben. Man sieht, er versteht ihn. Freimaurergesellschaften des neunzehnten Jahrhunderts verstanden ihn nicht. Man sieht, Saint-Martin versteht ihn, den Ausdruck in jenen Worten, jener Sprache, die allen Menschen einmal gemeinschaftlich war, allen Wesen der Erde, die sich erst differenziert hat in verschiedene einzelne Sprachen; die nahestand dem, was das innere Wort ist. Äußerlich mußte sich der Christus Jesus natürlich so ausdrücken, wie es in der Sprache derer war, die ihm zuhörten; aber was er als innerliches Wort vor seiner Seele hatte, das war so, daß es nicht stimmte mit dem, wie die Sprachworte äußerlich geprägt sind, sondern daß es in sich hatte die verlorene Worteskraft, die undifferenzierte Sprachkraft. Und ohne daß man sich eine Vorstellung bildet von dieser von den einzelnen differenzierten Sprachen unabhängigen Kraft, die im Menschen ist, wenn das Wort ihn ganz durchgeistigt, kann man nicht aufsteigen zu der Kraft, die in dem Christus lebte, und auch nicht zu der Bedeutung desjenigen, was eigentlich gemeint ist, wenn geradezu von dem Christus als von dem «Wort» gesprochen wird, mit dem er sich ganz identifiziert hat, durch das er wirkte, durch das er auch seine Heilungen und die Dämonenaustreibungen vollbrachte. Dieses Wort mußte selbstverständlich verlorengehen; denn das liegt in der Entwickelung der Menschheit seit dem Mysterium von Golgatha. Es muß nur wieder gesucht werden, dieses Wort. Aber zunächst sind wir in einer Entwickelung darinnen, die noch nicht sehr viel Aussicht erweckt, daß man den Weg zurückfinden wird.
[ 28 ] I have already referred to Saint-Martin. He was one of those who still recognized the evocative or magical power of the words—(the Freemasons of the nineteenth century of course no longer had any understanding of this)—of that language which was once upon a time common to all mankind before it was split into separate languages and which was closely related to the “inner word”. Christ, of course, had to express Himself externally in the language of His day; the inner word which He felt within His soul however, differed from the spoken word of ordinary speech; it was imbued with the power which words have lost, with the power that the universal language once possessed before it was split into separate languages. Unless we are able to form some conception of this power which is independent of these separate languages and which is found in those whose words are fully inspired, we cannot understand the power that dwelt in Christ, nor the significance of what is meant when we speak of Christ as the incarnated “Word” through which He worked and by which He performed His acts of healing and cast out evil spirits. The loss of the “Word” was inevitable, for it was in accordance with human evolution after the Mystery of Golgotha. We must endeavour to recover the “Word” that has been lost. But meanwhile we have reached a stage of evolution which holds little prospect that our efforts will be rewarded.
[ 29 ] Ich erinnere Sie nur an eines. Eine bedeutsame Tatsache geht durch das ganze Evangelium, die man gerade sehr stark hervorheben muß. Das ist die, daß der Christus Jesus nie etwas aufgeschrieben hat. Es gibt nichts, was er aufgeschrieben hat! Man hat sich ja sogar darüber gestritten unter den Gelehrten, ob er überhaupt hat schreiben können, und diejenigen, die bejahen wollen, daß er hat schreiben können, wissen nur anzuführen die Stelle von der Ehebrecherin, wo er Zeichen in den Erdboden hinein gemacht hat. Aber sonst gibt es keine Zeugnisse, daß er hat schreiben können. Aber davon ganz abgesehen, jedenfalls hat er nicht wie andere Religionsstifter seine Lehren aufgeschrieben. Das ist kein Zufall, sondern das hängt innig zusammen mit der Gewalt des Wortes, der vollen Macht des Wortes.
[ 29 ] I would like to remind you of an important fact that is evident in all the Gospels, namely, that Christ Jesus never committed anything to writing. Indeed scholars have disputed amongst themselves whether He could write at all. Those who claim that He could write can only quote the passage from the story of the woman taken in adultery: “And again he stooped down and wrote on the ground.” (John VIII, 6.) But apart from this one instance there is no evidence that Christ could write. The fact remains that in contrast to other founders of religion, He never recorded His teachings in writing. This is not fortuitous but is inwardly connected with the full and inexhaustible power of the word.
[ 30 ] Man muß das allerdings, sonst wird man zu anzüglich gerade mit Bezug auf unsere Zeit, nur mit Bezug auf den Christus Jesus charakterisieren. Sehen Sie, hätte der Christus Jesus geschrieben, aufgeschrieben seine Worte, sie umgesetzt in diejenigen Zeichen, die dazumal die Sprache hatte, so würde Ahrimanisches eingeflossen sein; denn das ist Ahrimanisches, was in irgendeiner Form überhaupt fixiert wird. Die aufgeschriebenen Worte wirken anders, als wenn die Schülerschar herumsteht und einzig und allein angewiesen ist auf die eigene Kraft des Geistes. Man darf sich nicht vorstellen, daß der Schreiber des Johannes-Evangeliums daneben gesessen hat, wenn der Christus Jesus gesprochen hat, und seine Worte nachstenographiert hat wie die Herrschaften hier. Gerade daß es nicht geschah, darauf beruht eine ungeheure Kraft, eine ungeheure Bedeutung. Diese Bedeutung, die sieht man erst dann ganz ein, wenn man, ich möchte sagen, aus der AkashaChronik heraus verstehen lernt, was eigentlich in den Worten liegt, die der Christus Jesus immer gerade gegen Schriftgelehrte, gegen diejenigen einzuwenden hat, die ihre Weisheit aus den Schriften haben. Er hat das gegen sie einzuwenden, daß sie sie eben aus den Schriften haben, daß sie in ihren Seelen nicht unmittelbar zusammenhängen mit jenem Quell, aus dem das lebendige Wort unmittelbar ausfließt. Darinnen sieht er die Verfälschung des lebendigen Wortes, und muß sie sehen.
[ 30 ] The fact that Christ confined His message to the spoken word and left no record in writing applies only in His case, but such limitation would be totally unacceptable to our epoch. If Christ had written down His words and translated them into the current language of the day, Ahrimanic forces would have entered into them, for all set forms are Ahrimanic. The written word has a different effect from that of the spoken word when a group of pupils is gathered together and is entirely dependent upon the power of the spirit. One must not imagine that the author of the John Gospel sat beside Christ when He was speaking and recorded His words in shorthand like our stenographers who are recording this lecture. That this did not occur is of immense significance. We only realize the full significance of this when we learn from the Akashic Chronicle what really lies behind Christ's condemnation of the Scribes, of those who derived their knowledge from documents. He objected to the Scribes because their knowledge was derived from documents, because their souls were not directly in touch with the source from which the living word flowed. And this led, in Christ's opinion, to the debasement of the living word.
[ 31 ] Aber man versteht nicht die ganze Bedeutung der Tatsache, wenn man sich das Gedächtnis der Menschen, die in jener Zeit, um das Mysterium von Golgatha herum, gelebt haben, so vorstellt, wie jenes Seelensieb, das man heute Gedächtnis nennt. Diejenigen, die da hörten die Worte des Christus Jesus, die bewahrten sie treulich im Herzen und wußten sie wortwörtlich. Denn die Gedächtniskraft war in jener Zeit eine ganz, ganz andere als heute; dafür war aber auch die Kraft der Seele eine ganz andere. Aber es war überhaupt eine Zeit, in der in kurzem große Wandlungen vor sich gegangen sind. Das beachtet man heute nicht. Nicht wahr, man beachtet heute überhaupt nicht: Die morgenländische Geschichte wurde ja schon so geschrieben, daß die Menschen dasjenige in sie hineingesehen haben, was sie entweder heute auch haben, oder was sie höchstens aus der griechischen Geschichte übernommen haben. Die griechische Geschichte verlief schon so, daß sie mit der jüdischen Geschichte eine große Ähnlichkeit hatte; aber die morgenländische Geschichte verlief ganz anders, das heißt in der morgenländischen Zeit waren die Fähigkeiten der Seele ganz andere. Und so macht man sich gar keine Vorstellung davon, wie in kurzer Zeit gewaltige Änderungen vor sich gegangen sind, wie jene Riesenkraft des Gedächtnisses, die dazumal die Menschen hatten in diesem Dämmerzustand des alten atavistischen Hellsehens, verhältnismäßig schnell verlorengegangen ist, so daß dann die Notwendigkeit an die Menschen herantrat, die Jesus-Worte aufzuschreiben. Damit wurden diese JesusWorte demselben Schicksal überliefert, das der Christus Jesus bei den Schriftgelehrten fand, gegen die er sich auflehnte. Und ich überlasse es Ihnen, nachzudenken, was geschehen würde, wenn irgendein, dem Christus Jesus irgendwie nur von ferne ähnelnder Schüler heute auftreten würde, und würde mit demselben Impuls sprechen, mit dem der Christus Jesus in der damaligen Zeit gesprochen hat. Ob digjenigen, die sich heute Christen nennen, sich anders als die damaligen Hohenpriester benehmen würden, darüber nachzudenken überlasse ich Ihnen.
[ 31 ] But we miss the significance of this if we think of memory at the time of the Mystery of Golgotha as that “psychic sieve” which passes for memory today. Those who heard the words of Christ cherished them faithfully in their hearts and knew them verbatim. For the power of memory was totally different at that time; so too was the constitution of the soul. It was essentially a period when, in a brief space of time, great changes had taken place. We completely overlook the fact that the history of the East was written in such a way that men saw it either in terms of the present or at best in terms of borrowings from Greek history. The course of Greek history was very similar to that of the Jews, but oriental history followed a different course, because in the East the soul was differently constituted. Hence people have no idea of the great changes that have taken place in a short space of time, that the abnormally retentive memory was rapidly lost in the age of declining atavistic clairvoyance, so that of necessity men had to record the words of Christ in writing. In consequence, the words of Christ suffered the same fate that Christ Jesus suffered at the hands of the Scribes whom He opposed. And I leave it to your imagination to picture what would happen if some disciple, even remotely resembling Christ Jesus, were to speak today with the same impulse with which Christ spoke. Would those who call themselves Christians today act in any way differently from the high priests at that time? I leave you to judge.
[ 32 ] Nun handelt es sich aber darum, daß wir auch das Geheimnis des Wohnens des Christus in dem Jesus selber gerade von diesen Voraussetzungen aus etwas näher ins Auge fassen. Da müssen wir eben uns darauf besinnen, wie wir sagten, es komme darauf an, den Weg, der seit dem achten Konzil 869 gemacht worden ist, in gewissem Sinne wieder zurückzugehen, Leib, Seele und Geist als die Glieder der Menschenwesenheit wiederzufinden. Ohne daß man dies ins Auge faßt, wird man an das Mysterium von Golgatha nicht herankommen können.
[ 32 ] Bearing these assumptions in mind, let us now look more closely into the mystery of the incarnation of the Christ in Jesus. Let me remind you of what I said earlier, that we must retrace our steps along the path we have followed since the time of the Eighth Ecumenical Council and rediscover the tripartite division of man into body, soul and spirit. Unless we recognize this we cannot understand the Mystery of Golgotha.
[ 33 ] Leib: Wir beobachten dasjenige, was menschlicher Leib ist, von außen. Es tritt uns ja nur in der Außenwelt entgegen. Und wenn wir unseren eigenen Leib selber beobachten, beobachten wir ihn ja auch nur von außen. Wahrnehmung von außen liefert uns den Leib. Und die Wissenschaft, das, was man Wissenschaft nennt, beschäftigt sich mit diesem Leib.
[ 33 ] First let us consider the physical body. We only know the body as an object in the external world. We can observe it only from without. We owe our perception of the external world to the body. And it is with the body that science—or what is commonly called science—is concerned.
[ 34 ] Seele: Ich versuchte Sie hinzuführen zu dem Seelischen, indem ich Sie auf Aristoteles hinwies. Wenn man es mit dem Seelischen zu tun hat, dann muß man sogar sich klar sein darüber, daß die Vorstellungen des Aristoteles nicht so ganz falsche sind. Denn das Seelische, das, was man Seelisches nennen kann, entsteht in der Tat mehr oder weniger mit jedem einzelnen Menschen. Nur lebt Aristoteles in einer Zeit, in der er schon nicht mehr vollständig einsehen kann, welchen Zusammenhang die Seele mit dem Kosmos hat. Daher sagt er: Indem ein Mensch gezeugt wird, entsteht mit dem physischen auch das seelische Dasein. Er vertritt dasjenige, was man Kreatianismus nennen kann, aber er läßt die Seele nach dem Tode weiterleben in unbestimmter Art. Darüber spricht sich Aristoteles nicht weiter aus, denn die Seelenerkenntnis war in seiner Zeit schon getrübt. Wie dieses Seelische weiterlebt nach dem Tode, das hängt in der Tat mit dem zusammen, was man nun mehr oder weniger symbolisch - oder wie man es nennen will, auf diese Dinge kommt es ja so ganz und gar nicht an — die Erbsünde nennt. Denn das hat wirklich gewirkt auf das Seelische, was man die Erbsünde nennt. Und das hat bewirkt, daß um die Zeit, in der das Mysterium von Golgatha eintrat, die Seelen der Menschen in Gefahr waren, so weit korrumpiert waren, daß sie den Weg in die Reiche der Himmel nicht zurückfinden konnten, daß sie verbunden waren mit dem Erdensein, beziehungsweise mit dem, was mit dem Erdensein wird. Also dieses Seelische geht eigene Wege. Wir werden sie weiter charakterisieren in diesen Vorträgen.
[ 34 ] Let us now turn to the soul. I tried to indicate the nature of the soul when I referred you to Aristotle. In speaking of the soul we must realize that Aristotle's ideas were not far removed from the truth, for the psychic life, that which pertains to the inner life, originates more or less with each individual. Aristotle, however, lived in an age when he could no longer fully comprehend the soul's relationship to the Cosmos. He declared that with the birth of a human being a new soul is created. He was an advocate of “creationism”, but accepted that after death the soul continues to survive in some undefined way. He did not enter into further details because in his day knowledge of the soul had already become somewhat nebulous. The manner in which the soul lives after death is in fact bound up with what is called, more or less symbolically, “original sin”—or whatever we prefer to call it, the terminology is not of the slightest importance—for “original sin” has undoubtedly modified the whole life of the soul. Consequently, at the time of the Mystery of Golgotha the souls of men were in danger of such wholesale corruption that they could not find their way back to the Kingdom of Heaven. They were chained to earthly existence, to the destiny of the Earth. This psychic life therefore follows its own separate path which will be described in further detail later.
[ 35 ] Das Dritte ist das Geistige. Das Leibliche finden wir, wenn wir den Weg verfolgen: Vater - Sohn. Der Sohn wird wieder Vater, der Sohn wird wieder Vater und so weiter, da vererben sich die Eigenschaften von Generation zu Generation. Das Seelische, das wird geschaffen als solches mit der Entstehung eines Menschen, bleibt bestehen nach dem Tode. Sein Schicksal hängt davon ab, wie verwandt bleiben kann die Seele mit dem Reiche der Himmel. Das Dritte ist der Geist. Der Geist lebt in wiederholten Erdenleben. Sehen Sie, für den Geist hängt es davon ab, welche Leiber er findet bei seinen wiederholten Erdenleben. Es geht ja auf der einen Seite unten die Vererbungslinie vor sich. Gewiß, er wirkt da mit; aber die Vererbungslinie ist durchzogen von den physisch vererbten Eigenschaften. Welche Eigenschaften die Geister finden, die sich verkörpern bei den Wiederverkörperungen, das hängt davon ab, wie die Menschheit aufsteigt oder degeneriert. Man kann nicht vom Geiste aus die Leiber machen, wie man sie will. Man kann sich diejenigen wählen, die relativ am besten zu dem Geiste passen, der sich verkörpern will; aber man kann sie nicht machen, wie man will.
[ 35 ] The third member of man's being is the spirit. The physical or corporeal is expressed in the line of descent from father to son. The son becomes a father and this son in his turn becomes a father and so on through the generations. In this way inherited characteristics are transmitted from one generation to another. The psychic life as such is created with the birth of the individual and persists after death. Its destiny is determined by the extent to which the soul can remain in touch with the Kingdom of Heaven. The spirit persists through repeated incarnations on Earth and everything depends upon the kind of bodies it can find in the course of its successive lives on Earth. On the one hand there is the line of descent on the physical plane, in which the spirit participates; but the line of descent is permeated with physically inherited characteristics. What potentialities the spirit finds in the course of its successive incarnations depends upon whether mankind has progressed or deteriorated. Out of the spirit one cannot create bodies to order; one can only select those which are relatively best suited to the spirit that is about to incarnate; one cannot tailor them to measure.
[ 36 ] Das ist dasjenige, was ich in meiner «Theosophie» aussprechen wollte, als ich die Stelle hinschrieb, die ich Ihnen neulich vorlas, von den drei Wegen: Geist, Seele, Leib. Hier liegt etwas vor, was man genau einsehen muß. Denn man kommt zur allgemeinen Gottes-Idee immer, wenn man nur den Weg der äußeren Betrachtung zu Ende geht, indem man das Leibliche betrachtet. Indem man das Leibliche betrachtet, kommt man zur allgemeinen Gottes-Idee, zu jener Idee, welche diese Mystik, die ich heute im Beginne genannt habe, und diese Philosophie allein findet. Will man aber die Seele betrachten, dann braucht man den Weg zu derjenigen Wesenheit, die man den Christus nennt, den man nicht in der Natur finden kann, obwohl er Beziehungen zur Natur hat; den man in der Geschichte als ein geschichtliches Wesen finden muß. Die Selbstbetrachtung bezieht sich dann auf den Geist und auf die wiederholten Erdenleben des Geistes.
[ 36 ] I tried to express this in my book Theosophy, in which I described the three paths leading to the spirit—the paths of body, soul and spirit. This is something that must be clearly understood. For if we follow to its conclusion the path of sense-perception alone, if we recognize only the physical or corporeal, then we arrive at the idea of a Universal God, an idea that was known only to the philosophers and mystics whom I mentioned at the beginning of this lecture. If, however, we wish to study the soul, then we must needs follow the path that leads to that Being whom we call the Christ who is not to be found in nature, although He is related to nature. He must be found in history as an historical being. If we follow the path of self-observation, this leads to the spirit and to the repeated incarnations of the spirit.
[ 37 ] Betrachtung des Kosmos und der Natur führt zu dem göttlichen Wesen im allgemeinen, das zugrunde liegt unserem Geborenwerden: Ex deo nascimur.
[ 37 ] Study of the cosmos and nature leads to a knowledge of the Universal Being to whom we owe our incarnation: Ex Deo Nascimur.
[ 38 ] Die Betrachtung der wirklichen Geschichte führt zu der Erkenntnis des Christus Jesus, wenn wir nur weit genug gehen; zu der Erkenntnis, die wir brauchen, wenn wir wissen wollen über das Schicksal der Seele: In Christo morimur.
[ 38 ] The study of true history, if pursued in sufficient depth, leads to the knowledge of Jesus Christ, to the knowledge which is necessary if we wish to know the destiny of the soul: In Christo Morimur.
[ 39 ] Innenanschauung, geistiges Erleben, führt zu der Erkenntnis des Wesens des Geistes in wiederholten Erdenleben und führt, wenn sie in Verbindung gebracht wird mit dem, worinnen sie lebt, mit dem Spirituellen, zu der Betrachtung des Heiligen Geistes: Per spiritum sanctum reviviscimus.
[ 39 ] Inward contemplation, experience of the spirit, leads to the knowledge of the fundamental nature of the spirit in repeated lives on Earth and, when united with the spiritual element in which it dwells, leads to the intuitive perception of the Holy Ghost: Per Spiritum Sanctum Reviviscimus.
[ 40 ] Es liegt nicht nur die Trichotomie Leib, Seele und Geist zugrunde, es liegt die Trichotomie auch den Wegen zugrunde, die wir gehen müssen, wenn wir wirklich mit der Welt zurechtkommen wollen. Sehen Sie, unsere Zeit, die chaotisch denkt, kommt natürlich mit diesen Dingen nicht leicht zurecht und sucht es oftmals gar nicht. Sie wissen, es gibt Atheisten, Gottes-Leugner; es gibt auch Jesus-Leugner; es gibt GeistLeugner, Materialisten. Atheist werden, das ist eigentlich nur möglich, wenn man keine Anlage hat, die Vorgänge der äußeren Natur, der Leiblichkeit, klar zu beobachten. Das kann man aber wiederum nur, wenn die leiblichen Kräfte zu stumpf sind. Denn sind die leiblichen Kräfte nicht stumpf, so kann man eigentlich nicht Atheist werden; man erlebt ja den Gott fortwährend. Atheismus ist eine wirkliche Seelenkrankheit. — Jesus Christus leugnen ist nicht eine Krankheit, denn man muß ihn finden im Werden der Menschheitsentwickelung. Findet man ihn nicht, so findet man diejenige Kraft nicht, welche die Seele rettet über den Tod hinaus. Das ist ein Unglück der Seele. Atheist sein ist eine Krankheit der Seele, eine Krankheit des menschlichen Selbstes. Jesus-Leugner sein, Christus-Leugner sein, ist ein Unglück der menschlichen Seele. Merken Sie wohl den Unterschied. — Den Geist leugnen ist Selbsttäuschung.
[ 40 ] Not only does the trichotomy of body, soul and spirit lie at the root of an understanding of man, but a trichotomy determines the path we must follow if we really wish to arrive at an understanding of the universe. Our epoch which is so chaotic in thought does not easily grasp such ideas and for the most part is indifferent to them. As you know, there are atheists, those who deny the existence of God; there are also deniers of Jesus; and there are materialists, deniers of the spirit. To be an atheist is possible only for those who are wholly insensitive to the phenomena of external nature. For if the physical forces in us are not blunted, we are continually aware of the presence of God. Atheism is really sickness of the soul, a disease of the human personality. To deny Christ is not a sickness; we must make every effort to find Him in the unfolding of human evolution. If we do not find Him we are lost to the power that redeems the soul from death. This is a misfortune of the soul. Atheism is a sickness of the soul, of the human personality. To deny Christ is a misfortune of the human soul. Note the difference. To deny the Spirit is to be guilty of self-deception.
[ 41 ] Diese drei Begriffe einmal sich durchzumeditieren ist wichtig: Atheist sein ist Krankheit der Seele; Jesus-Leugner sein ist ein Unglück der Seele; Geist-Leugner sein ist Selbsttäuschung. So haben Sie wiederum die drei bedeutsamen Irrwege der menschlichen Seele: Seelenkrankheit, Seelenunglück, Seelentäuschung - Selbsttäuschung.
[ 41 ] It is important to meditate upon these three conceptions. Sickness of the soul, misfortune of the soul, deception of the soul, i.e. self-deception—these are the three significant aberrations of the human soul.
[ 42 ] Alles das ist im Grunde notwendig, wenn man Bausteine zusammentragen will, um sich dem Mysterium von Golgatha zu nähern, denn man muß kennenlernen die Beziehung des Christus Jesus zu der menschlichen Seele. Dann muß man aber die Schicksale der menschlichen Seele selber im Laufe des Erdenwerdens wohl betrachten. Dann wiederum muß man die Zurückwirkung jenes Impulses, der von dem Christus auf die menschliche Seele ausgeht, auf den menschlichen Geist ins Auge fassen.
[ 42 ] It is necessary to be aware of all this if we are to develop an understanding of the Mystery of Golgotha, for we must learn to recognize the relationship of Christ to the human soul. We must carefully follow the destiny of the soul itself in the course of terrestrial evolution. We must also bear in mind the reaction upon the human spirit of the impulse that Christ transmits to the human soul.
[ 43 ] Nun kann ich Ihnen heute zum Schluß, damit wir alle bis übermorgen darüber ein wenig nachdenken können, am besten vielleicht in folgender Art etwas zur Vorbereitung geben, um das Tiefere des Mysteriums von Golgatha hier zu betrachten.
[ 43 ] To conclude my lecture today I can perhaps best offer you a few suggestions in order to prepare the ground for what is to follow, so that we can all meditate upon them and so arrive at a deeper understanding of the Mystery of Golgotha.
[ 44 ] Sehen Sie, der Mensch betrachtet heute nach seiner Erziehung die Natur. Sie verläuft nach ihren natürlichen Gesetzen. Man denkt nach diesen natürlichen Gesetzen über Erdenanfang, Erdenmitte, Erdenende. Man betrachtet alles nach diesen natürlichen Gesetzen. Daneben hat man die moralische Weltordnung. Gewiß, man fühlt sich - gerade Kantianer tun das zum Beispiel - dem kategorischen Imperativ unterworfen: man fühlt sich verbunden der moralischen Weltordnung. Aber denken Sie, wie schwach schon in unserer Zeit geworden ist der Gedanke, die Vorstellung, daß diese moralische Weltordnung eine objektive Realität für sich hat, wie die Natur. Nicht wahr, selbst der Haeckel, selbst der Arrhenius und so weiter, wenn sie noch so sehr Materialisten sind, sie denken: Gewiß, die Erde, sie geht einem Vereisungsprozeß oder einem ähnlichen Prozeß oder einer Entropie entgegen, oder wie man es heißen will. Aber sie denken: die kleinen Götzen, die sie Atome nennen, die werden auseinandertreiben, doch die erhalten sich wenigstens. Also auch die Erhaltung der Materie, des Stoffes! Da ist es ja so ziemlich in Ordnung bei der gegenwärtigen Weltanschauung. Aber es lassen diese Vorstellungen über den Stoff die Erwägung nicht zu: Wenn die Erde einmal vereist ist oder bei der Entropie angelangt sein wird, was wird dann mit der moralischen Weltordnung? Im ganzen so gedachten Erdensein hat sie keinen Platz! Wenn das physische Menschengeschlecht einmal verschwunden ist, wo ist dann die ganze moralische Weltordnung? Das heißt: Die moralischen Vorstellungen, an die man sich gebunden fühlt, zu denen das Gewissen sich hindrängt, den Menschen hindrängt, diese moralischen Vorstellungen erscheinen gewiß notwendig; aber mit der Naturordnung, mit dem, was real notwendig, von der Naturanschauung notwendig genannt wird, hat es keinen Zusammenhang, wenn man ganz ehrlich ist! Sie sind schwach geworden, die Vorstellungen. Sie sind so stark, daß man seine Taten danach einrichtet; so stark sind sie, daß man sich an diese Vorstellungen durch sein Gewissen gebunden fühlt; aber sie sind nicht so stark, daß man denken könnte: Was du heute dir ausdenkst über irgendeine Moralidee, das ist ein real Wirksames! Dazu braucht es etwas, damit das real wirksam sein kann. Wo ist das, was dasjenige, was in unserer moralischen Idee lebt, real wirksam macht? Das ist der Christus — das ist der Christus! Das ist eine Seite des Christus-Wesens!
[ 44 ] Today man approaches nature in the light of the education he has received. Nature proceeds in obedience to natural laws. We think of the birth, maturity and death of the Earth in terms of natural laws. Everything is seen from the standpoint of natural laws. In addition to the laws of nature there is the moral law. We feel—and especially the Kantians, for example—that we are subject to the categorical imperative, that we are an integral part of the moral world order. But think how anaemic has become the idea today that this moral world order has, like nature, its own objective reality. After all, even Haeckel, even Arrhenius and others, for all their materialism, were convinced that the Earth was moving towards a new glacial epoch or towards entropy. But they also believed that the little “idols” they called atoms are dissociated and cannot be destroyed—hence the conservation of matter! This accords more or less with the modern scientific outlook. But these ideas about matter ignore the following problem: if, one fine day, the Earth becomes glaciated or reaches total entropy, what becomes of the moral world order? It has no place in Earth conditions of this nature! Once the human species has died out, what becomes of the moral order? In other words, the moral ideas which man feels to be an integral part of himself, the source of his moral values and the goal of his conscience, appear to be a necessity; but if we are really honest, moral ideas are unrelated to the natural order, to that which natural science regards as fundamental realities. Moral ideas have become emasculated. They are powerful enough to determine men's actions and the dictates of conscience; they are not strong enough, however, to give the impression that what one imagines to be a moral idea today is a concrete, vital force in the world. Something more is needed to realize this. Who is it that can awaken our moral conceptions to vigorous and active life? It is the Christ! This is one aspect of the Christ Being.
[ 45 ] Lassen Sie all dasjenige, was in Stein, Pflanze, Tier, im Menschenleibe lebt, was im Wärme- und im Luftelement der Erde lebt, lassen Sie das die Wege gehen, von denen die Naturforschung spricht, und lassen Sie alle Menschenleiber das Grab finden am Erdenende — nach der Naturforschung müßte dasjenige, wonach wir moralisch gelebt haben, dann, ja, man kann nicht einmal sagen, zerstoben sein, denn das wäre schon eine zu starke Vorstellung —, nach der christlichen Vorstellung liegt in dem Christus-Wesen die Kraft, welche unsere moralischen Vorstellungen nimmt und eine neue Welt daraus bildet: «Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.» Es ist die Kraft, welche zum Jupiter hinüberträgt das Moralische der Erdenwelt.
[ 45 ] Though all that lives in stone, plant, animal and the human body, all that lives in the elements of warmth and air, may perish (as science foretells), though all human bodies will taste of death at the end of time—for according to natural science all our moral values must ultimately become—one cannot say dust and ashes, for that would be going too far—yet, according to Christian belief there lives in the Christ Being a power that lays hold of our moral conceptions and creates out of them a new world: “Heaven and Earth may pass away, but my words shall not pass away.” This is the power that will carry over to Jupiter the moral element developed on the Earth.
[ 46 ] Nun, stellen Sie sich die Erde vor als physische Natur, so wie Sie sich die Pflanze vorstellen, die moralische Ordnung wie den Keim der Pflanze, und die Christus-Kraft als dasjenige, was den Keim aufgehen läßt als die künftige Erde, als den Jupiter: Sie haben dann die ganze Evangelienvorstellung aus der Geisteswissenschaft wiederum auferbaut!
[ 46 ] Now picture the Earth as an organism, like a plant, the moral law as the seed which is formed within the organism, and the Christ force as the impulse which stimulates the seed to grow into the future Earth, into Jupiter. We then have a totally new conception of the Gospels from the standpoint of Spiritual Science.
[ 47 ] Aber wie kann das sein? Wie kann dasjenige, was nur im Gedanken lebt nach den naturalistischen Vorstellungen, was nur eine Vorstellung ist, zu der man sich moralisch verbunden fühlt, wie kann das umgesetzt werden in solche Realität, wie diejenige ist, die in der Steinkohle brennt oder mit der Flintenkugel in die Luft fliegt? Wie kann das eine dichte Vorstellung sein, was so dünn ist als moralische Vorstellung? Dazu braucht es eines Impulses. Es muß ergriffen werden diese moralische Vorstellung von einem Impulse. Wo ist er, dieser Impuls? Jetzt erinnern Sie sich an das, was wir vorher gesagt haben: Der Glaube soll nicht bloß ein Surrogat des Wissens sein; der Glaube soll etwas wirken. Das, was er wirken soll, ist: er soll unsere moralischen Vorstellungen real machen. Er soll sie hinübertragen und eine neue Welt daraus bilden. Darauf kommt es an, daß die Glaubensvorstellungen nicht bloß ein unbewiesenes Wissen sind, etwas, was man glaubt, weil man es nicht weiß, sondern darauf kommt es an, daß in dem, was man glaubt, die Kraft liegt, welche imstande ist, den Keim «Moral» zum Weltenkörper zu realisieren. Diese Kraft mußte durch das Mysterium von Golgatha in die Erdenentwickelung hereingetragen werden. Diese Kraft mußte in die Seele der Jünger hereingesenkt werden, indem ihnen gesprochen wurde von dem, was diejenigen nicht mehr hatten, die nur die Schrift hatten. Auf die Kraft des Glaubens kommt es an. Und wenn man nicht versteht, was der Christus hereinbringt, gerade indem das Wort «Vertrauen», «Glaube» so oftmals ausgesprochen wird, versteht man nicht, was in der Zeit, in der das Mysterium von Golgatha eintrat, in die Erdenentwickelung hereinkam.
[ 47 ] But how can this be? How can that which belongs solely to the realm of thought according to the materialist, which is only an idea or theory towards which one feels a moral obligation—how can that be transformed into real force such as the one which burns in coal or which causes the bullet to fly through the air? How can such ideas which are so tenuous possess solid reality? To achieve this transformation a new impulse is needed and these moral ideas must be inbued with the impulse. What impulse is this? You will recall that we said earlier that faith must not be merely a substitute for knowledge: it must be an active agent that effects something. It must make our moral ideas a reality, lift them to a new plane and create a new world out of them. It is important that our articles of faith are not simply a form of unverified knowledge, a blind faith, but that our faith has the power to transform the seed “morality” into a cosmic reality. It was the mission of the Mystery of Golgotha to imbue Earth evolution with this power. This power had to be implanted in the souls of the disciples. At the same time they were reminded of the loss suffered by those who possessed only the written records. It is the power of faith which is of paramount importance. And if we do not understand what we owe to Christ when one so often hears the words “faith” or “belief”, then neither do we understand what entered Earth evolution at the time of the Mystery of Golgotha.
[ 48 ] Und jetzt sehen Sie auch, daß es sich um eine kosmische Bedeutung handelt. Denn dasjenige, was wir als äußere Naturordnung haben, es geht seinen Naturweg. Aber so, wie auf einer gewissen Stufe der Entwickelung die natürliche Pflanze ihren Keim in sich entwickelt, so trat das Mysterium von Golgatha auf als ein neuer Keim, der da wird zu der künftigen Jupiter-Entwickelung, die dann der sich wiederverkörpernde Mensch mitmachen wird.
[ 48 ] You will now realize that the Mystery of Golgotha has cosmic significance. That which belongs to the natural order is subject to the laws of nature. And just as at a certain stage of its evolution a plant bears seed, so too at a certain point of time the Mystery of Golgotha will bring a new impulse in preparation for the new Jupiter evolution in which the future incarnation of man can participate.
[ 49 ] Da haben Sie, ich möchte sagen, aus der Betrachtung der eigenen Natur der Christus-Wesenheit angedeutet, wie diese Christus-Wesenheit im ganzen Kosmischen darinnensteht, wie sie an einem bestimmten Punkte des Erdenwerdens in dieses Erdenwerden eine junge Kraft hereinträgt. Das kommt zuweilen grandios zum Vorschein, allerdings nur für denjenigen, der in imaginativer Erkenntnis solches ergreift. Aber das tat zum Beispiel der Schreiber des Markus-Evangeliums. Als auf des Judas Verrat hin Christus gefangen wird, als der Schreiber des Markus-Evangeliums hinschaut auf diese Szene im Geist, sieht er, wie unter den Fliehenden ein Jüngling ist, nur mit einem Hemde bekleidet. Das Hemd wird ihm herabgerissen, aber er reißt sich los und entflieht. Das ist derselbe Jüngling, der dann gerade im Markus-Evangelium am Grabe im Talar, im weißen Kleide ankündigt, daß der Christus auferstanden ist. Es ist die Stelle so aus imaginativer Erkenntnis gerade im Markus-Evangelium enthalten. Da haben Sie das Zusammentreffen des alten Leibes des Christus-Jesus und des neuen Keimes einer neuen Weltenordnung in imaginativer Erkenntnis erschaut.
[ 49 ] From our study of the unique nature of the Christ Being I have indicated the relation of this Being to the whole Cosmos and how, at a definite point in time, Earth evolution was imbued with a new vitalizing force, which is revealed from time to time with impressive effect, but only to those who can apprehend such manifestations intuitively. The author of the Mark Gospel, for example, was a case in point. When Christ was led away after the betrayal by Judas and the author of that Gospel had a clairvoyant vision of the scene, he saw, among the multitude that had forsaken Him, a certain young man clad only in a linen cloth. The linen cloth is torn from him, but he wrests himself free and flees from them naked (Mark XIV, 51). This was the same young man who, according to the Mark Gospel was sitting clothed in a long white garment on the right of the sepulchre and announced: Christ is risen. This is the account given in the Gospel of St. Mark as the result of Imaginative cognition. Here is portrayed the encounter between the former body of Christ-Jesus and the “seed” of a new world order as seen by Imaginative cognition.
[ 50 ] Fühlen Sie das im Zusammenhang — damit wollen wir für heute die Betrachtung abschließen -, fühlen Sie das im Zusammenhang mit dem, was ich neulich sagte, daß eigentlich der Menschenleib in seiner ursprünglichen Bedeutung nicht zum Sterben organisiert ist, sondern daß er als Leib zur Unsterblichkeit organisiert ist. Und denken Sie das im Zusammenhang mit der Wahrheit, daß das Tier durch seine Organisation sterblich ist, daß aber der Mensch nicht durch seine Organisation sterblich ist, sondern durch seine Seele, die korrumpiert ist, deren Korruption aber durch den Christus wiederum hinweggenommen wird. Denken Sie das, dann werden Sie begreifen, daß gerade mit dem Menschenleibe einmal etwas geschehen muß durch die reale Kraft, die durch das Mysterium von Golgatha in die Erdenentwickelung ausgegossen wird. Am Ende der Erdenentwickelung wird die Kraft, die verlorengegangen ist durch den Sündenfall, die den Menschenleib auflöst, wiedergewonnen sein, wird durch die Kraft des Christus wieder zurückgegeben sein, und die Menschenleiber werden dann wirklich in ihrer physischen Gestalt erscheinen. Erkennt man die Trichotomie Leib, Seele und ‘Geist, dann gewinnt auch die « Auferstehung des Fleisches» ihre Bedeutung. Sonst kann man sie nicht einsehen. Gewiß, der heutige Aufklärer wird gerade das für eine der reaktionärsten Ideen halten, aber derjenige, der aus der Wahrheit Quell heraus die wiederholten Erdenleben erkennt, erkennt auch die reale Bedeutung der Auferstehung der menschlichen Leiber am Ende des Erdendaseins. Und hat Paulus mit Recht gesagt: «Ist der Christus nicht auferstanden, so ist eitel unsere Predigt und eitel euer Glaube», so bezeugt dieses — wie wir ja auch aus den geisteswissenschaftlichen Betrachtungen wissen —, es bezeugt dieses die Wahrheit. Ist dieses wahr, so ist auch auf der anderen Seite das andere wahr: Führte die Erdenentwickelung nicht zur Konservierung der Gestalt, die der Mensch innerhalb des Erdenwerdens leiblich ausbilden kann, ginge diese Gestalt im Erdenwerden zugrunde, könnte der Mensch nicht auferstehen durch die Christus-Kraft, dann wäre das Mysterium von Golgatha eitel, und eitel der Glaube, den es gebracht hat. — Das ist die notwendige Ergänzung des Paulus-Wortes.
[ 50 ] Try to feel this in connection with what I said recently—and on this note I propose to conclude my lecture today—namely, that the human body, in virtue of its original constitution, was destined for immortality. Compare this with the fact that the animal is mortal by virtue of its organization, whilst this does not apply to man. He is mortal because of the corruption of his soul and this stain will be washed away by Christ. If you reflect upon this you will understand that the physical body must be transformed by the living force that streams into Earth evolution through the Mystery of Golgotha. When Earth evolution comes to an end the power which has been lost through the “Fall” and which brought death to the body will be restored through the power of Christ, and the body of man will be seen in its true physical form. If we recognize the trichotomy of body, soul and spirit, then the “ressurrection of the body takes on meaning also, otherwise it cannot be understood. The modern rationalist will no doubt regard this as a most reactionary idea, but he who derives his knowledge of reincarnation from the wellspring of truth is also aware of the real significance of the resurrection of the body at the end of time. And when Paul rightly said: “If Christ be not risen, then is our preaching vain, and your faith is also vain” (Cor. I.XV. 14), we know from the investigations of Spiritual Science that he bore witness to the truth. If this dictum of Paul be true, then it is equally true to say: if earthly evolution does not lead to the conservation of the corporeal form which man can perfect in the course of evolution, if the human form were to perish, if man could not rise again through the power of Christ, then the Mystery of Golgotha would have been in vain and vain also the faith that it inspired. This is the necessary complement of the words of Paul.
