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Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175

8 May 1917

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Siebzehnter Vortrag

Siebzehnter Vortrag

[ 1 ] Es könnte leicht scheinen, als ob in den Zeiten, die auf das Mysterium von Golgatha folgten, keine Strahlen innerer geistiger Erleuchtung die Menschheit erhellt hätten; und es könnte scheinen, als ob ein solcher Zustand der allgemeingültige in der Menschheit wäre, in besonderer Steigerung noch bis in unsere Tage herein. Allein dies ist durchaus nicht so, und man muß, wenn man diese Dinge klar überschauen will, schon ein wenig einen Unterschied machen zwischen dem, was gewissermaßen allgemein in der Menschheit herrschend ist, und zwischen dem, was sich doch innerhalb der Menschheit da und dort abspielt, auch so abspielt, daß es für die Menschen immerhin bemerklich sein kann auf den verschiedensten Gebieten des Lebens. Es wäre ja mutlos machend für viele Menschen der Gegenwart, wenn sie sich nur immer sagen müßten: Ja, uns wird erzählt von einer geistigen Welt, aber die Wege in diese geistige Welt hinein sind doch eigentlich den heutigen Menschen verschlossen. - Und mancher kommt in der Gegenwart zu diesem mutlos machenden Urteil. Aber dieses mutlos machende Urteil kommt eigentlich nur davon her, daß man doch den anderen, größeren Mut nicht har, dort rückhaltlos Ja zu sagen, wo Wege in die geistige Welt hinein sich deutlich zeigen. Man hat auch nicht den Mut, auf diesem Gebiete immer ein unbefangenes Urteil zu fällen. Daher kann es scheinen, aber es ist wirklich nur scheinbar, daß wir mit unserer Zeit allzuferne stehen denjenigen Zeiten, in denen in atavistischem Hellsehen die geistige Welt bis zu einem gewissen Grade der ganzen Menschheit offen war, oder den späteren Zeiten, in denen sie einzelnen geöffnet werden konnte durch die Einweihung in die Mysterien. Man muß gewisse Fäden ziehen, welche alte Zeiten der Menschheitsentwickelung verbinden mit der Gegenwart, um zu einem vollen Verständnis der Geheimnisse des Menschendaseins zu kommen, namentlich auch solcher Erscheinungen zu kommen, wie wir sie im Hinblick auf das Mysterienwesen gerade in diesen Betrachtungen besprochen haben. Ich möchte also ein Beispiel aus der neueren Zeit herausgreifen, etwas herausgreifen, das jedem zugänglich sein kann, und das so wirken kann, daß es Mut macht, wenn es sich darum handelt, den Entschluß zu fassen, die Wege in die geistige Welt hinein zu suchen. Und gerade ein solches Beispiel möchte ich aus der Fülle der Beispiele, die man wählen könnte, herausheben, an dem man zugleich sehen kann, wie solche Erscheinungen doch wiederum in der Gegenwart - ich meine natürlich eine weitere Gegenwart — aus der materialistischen Gesinnung heraus falsch beurteilt werden.

[ 1 ] Es könnte leicht scheinen, als ob in den Zeiten, die auf das Mysterium von Golgatha folgten, keine Strahlen innerer geistiger Erleuchtung die Menschheit erhellt hätten; und es könnte scheinen, als ob ein solcher Zustand der allgemeingültige in der Menschheit wäre, in besonderer Steigerung noch bis in unsere Tage herein. Allein dies ist durchaus nicht so, und man muß, wenn man diese Dinge klar überschauen will, schon ein wenig einen Unterschied machen zwischen dem, was gewissermaßen allgemein in der Menschheit herrschend ist, und zwischen dem, was sich doch innerhalb der Menschheit da und dort abspielt, auch so abspielt, daß es für die Menschen immerhin bemerklich sein kann auf den verschiedensten Gebieten des Lebens. Es wäre ja mutlos machend für viele Menschen der Gegenwart, wenn sie sich nur immer sagen müßten: Ja, uns wird erzählt von einer geistigen Welt, aber die Wege in diese geistige Welt hinein sind doch eigentlich den heutigen Menschen verschlossen. - Und mancher kommt in der Gegenwart zu diesem mutlos machenden Urteil. Aber dieses mutlos machende Urteil kommt eigentlich nur davon her, daß man doch den anderen, größeren Mut nicht har, dort rückhaltlos Ja zu sagen, wo Wege in die geistige Welt hinein sich deutlich zeigen. Man hat auch nicht den Mut, auf diesem Gebiete immer ein unbefangenes Urteil zu fällen. Daher kann es scheinen, aber es ist wirklich nur scheinbar, daß wir mit unserer Zeit allzuferne stehen denjenigen Zeiten, in denen in atavistischem Hellsehen die geistige Welt bis zu einem gewissen Grade der ganzen Menschheit offen war, oder den späteren Zeiten, in denen sie einzelnen geöffnet werden konnte durch die Einweihung in die Mysterien. Man muß gewisse Fäden ziehen, welche alte Zeiten der Menschheitsentwickelung verbinden mit der Gegenwart, um zu einem vollen Verständnis der Geheimnisse des Menschendaseins zu kommen, namentlich auch solcher Erscheinungen zu kommen, wie wir sie im Hinblick auf das Mysterienwesen gerade in diesen Betrachtungen besprochen haben. Ich möchte also ein Beispiel aus der neueren Zeit herausgreifen, etwas herausgreifen, das jedem zugänglich sein kann, und das so wirken kann, daß es Mut macht, wenn es sich darum handelt, den Entschluß zu fassen, die Wege in die geistige Welt hinein zu suchen. Und gerade ein solches Beispiel möchte ich aus der Fülle der Beispiele, die man wählen könnte, herausheben, an dem man zugleich sehen kann, wie solche Erscheinungen doch wiederum in der Gegenwart - ich meine natürlich eine weitere Gegenwart — aus der materialistischen Gesinnung heraus falsch beurteilt werden.

[ 2 ] Sie alle werden schon etwas gehört haben von dem Dichter Otto Ludwig, der in demselben Jahre — 1813 — geboren ist wie Hebbel und wie Richard Wagner. Otto Ludwig war nicht nur ein Dichter - vielleicht kann man sogar die Meinung haben, daß er kein besonders hervorragender Dichter war, darauf kommt es in diesem Augenblick nicht an —, sondern er war ein Mensch, welcher sich darauf eingestellt hatte, sich selber viel zu beobachten, der gesucht hat, Selbsterkenntnis zu gewinnen und dem es auch gelungen ist, mancherlei Blicke hinter jenen Schleier zu tun, welcher für die meisten Menschen der Gegenwart über das eigene Innere zunächst gezogen ist. Und so beschreibt einmal Otto Ludwig sehr schön, was er bemerkt, wenn er Dichtungen, die er selbst ausführen will, konzipiert, oder wenn er Dichtungen von anderen Leuten liest und auf sich wirken läßt. Er kommt da darauf, daß er nicht so liest oder konzipiert wie andere Menschen, sondern daß da etwas außerordentlich Regsames in seinem Innern sich zu betätigen beginnt, also sowohl beim Selbstdichten wie beim Lesen, beim Auf-sich-wirkenLassen von anderen Dichtungen. Und das beschreibt Otto Ludwig sehr schön. Ich will Ihnen diese Stelle mitteilen, weil Sie daraus ein Stück Selbsterkenntnis eines durchaus modernen Menschen sehen werden, der ja erst in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gestorben ist, und der bei der Wiedergabe dieser Selbsterkenntnis von Dingen redet, die allerdings unserem materialistischen Zeitalter wie Dinge wüstester Phantastik dünken. Aber Otto Ludwig war nicht ein Phantast. Er war vielleicht ein Grübler in bezug auf sein eigenes Selbst; aber derjenige, der seine Dichtungen auf sich wirken läßt, wird sehen, daß in dem Manne etwas durchaus Gesundes war. Und wer die Mitteilungen, die wir über sein Leben haben, auf sich wirken läßt, wird neben einer gewissen Grüblersucht etwas durchaus Gesundes in diesem Manne finden. Nun, so beschreibt er das Wirken in der eigenen Seele, wenn er selber dichtet oder Dichtungen auf sich wirken läßt:

[ 2 ] Sie alle werden schon etwas gehört haben von dem Dichter Otto Ludwig, der in demselben Jahre — 1813 — geboren ist wie Hebbel und wie Richard Wagner. Otto Ludwig war nicht nur ein Dichter - vielleicht kann man sogar die Meinung haben, daß er kein besonders hervorragender Dichter war, darauf kommt es in diesem Augenblick nicht an —, sondern er war ein Mensch, welcher sich darauf eingestellt hatte, sich selber viel zu beobachten, der gesucht hat, Selbsterkenntnis zu gewinnen und dem es auch gelungen ist, mancherlei Blicke hinter jenen Schleier zu tun, welcher für die meisten Menschen der Gegenwart über das eigene Innere zunächst gezogen ist. Und so beschreibt einmal Otto Ludwig sehr schön, was er bemerkt, wenn er Dichtungen, die er selbst ausführen will, konzipiert, oder wenn er Dichtungen von anderen Leuten liest und auf sich wirken läßt. Er kommt da darauf, daß er nicht so liest oder konzipiert wie andere Menschen, sondern daß da etwas außerordentlich Regsames in seinem Innern sich zu betätigen beginnt, also sowohl beim Selbstdichten wie beim Lesen, beim Auf-sich-wirkenLassen von anderen Dichtungen. Und das beschreibt Otto Ludwig sehr schön. Ich will Ihnen diese Stelle mitteilen, weil Sie daraus ein Stück Selbsterkenntnis eines durchaus modernen Menschen sehen werden, der ja erst in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gestorben ist, und der bei der Wiedergabe dieser Selbsterkenntnis von Dingen redet, die allerdings unserem materialistischen Zeitalter wie Dinge wüstester Phantastik dünken. Aber Otto Ludwig war nicht ein Phantast. Er war vielleicht ein Grübler in bezug auf sein eigenes Selbst; aber derjenige, der seine Dichtungen auf sich wirken läßt, wird sehen, daß in dem Manne etwas durchaus Gesundes war. Und wer die Mitteilungen, die wir über sein Leben haben, auf sich wirken läßt, wird neben einer gewissen Grüblersucht etwas durchaus Gesundes in diesem Manne finden. Nun, so beschreibt er das Wirken in der eigenen Seele, wenn er selber dichtet oder Dichtungen auf sich wirken läßt:

[ 3 ] «Es geht eine Stimmung voraus, eine musikalische, die wird mir zur Farbe, dann seh’ ich Gestalten, eine oder mehrere, in irgendeiner Stellung und Gebärdung für sich oder gegeneinander, und dies wie einen Kupferstich auf Papier von jener Farbe, oder genauer ausgedrückt, wie eine Marmorstatue oder plastische Gruppe, auf welche die Sonne durch einen Vorhang fällt, der jene Farbe hat. Diese Farbenerscheinung hab’ ich auch, wenn ich ein Dichtungswerk gelesen, das mich ergriffen hat; versetz’ ich mich in eine Stimmung, wie sie Goethes Gedichte geben, so hab ich ein gesättigt Goldgelb, ins Goldbraune spielend; wie Schiller, so hab ich ein strahlendes Karmesin; bei Shakespeare ist jede Szene eine Nuance der besondern Farbe, die das ganze Stück mir hat. Wunderlicherweise ist jenes Bild oder jene Gruppe gewöhnlich nicht das Bild. der Katastrophe, manchmal nur eine charakteristische Figur in irgendeiner pathetischen Stellung, an diese schließt sich aber sogleich eine ganze Reihe, und vom Stücke erfahr’ ich nicht die Fabel, den novellistischen Inhalt zuerst, sondern bald nach vorwärts, bald nach dem Ende zu von der erst gesehenen Situation aus, schießen immer neue plastisch-mimische Gestalten und Gruppen an, bis ich das ganze Stück in allen seinen Szenen habe; dies alles in großer Hast, wobei mein Bewußtsein ganz leidend sich verhält, und eine Art körperlicher Beängstigung mich in Händen hat. Den Inhalt aller einzelnen Szenen kann ich mir dann auch in der Reihenfolge willkürlich reproduzieren; aber den novellistischen Inhalt in eine kurze Erzählung zu bringen ist mir unmöglich. Nun findet sich zu den Gebärden auch die Sprache. Ich schreibe auf, was ich aufschreiben kann, aber wenn mich die Stimmung verläßt, ist mir das Aufgeschriebene nur ein toter Buchstabe. Nun geb’ ich mich daran, die Lücken des Dialogs auszufüllen. Dazu muß ich das Vorhandne mit kritischem Auge ansehen.»

[ 3 ] «Es geht eine Stimmung voraus, eine musikalische, die wird mir zur Farbe, dann seh’ ich Gestalten, eine oder mehrere, in irgendeiner Stellung und Gebärdung für sich oder gegeneinander, und dies wie einen Kupferstich auf Papier von jener Farbe, oder genauer ausgedrückt, wie eine Marmorstatue oder plastische Gruppe, auf welche die Sonne durch einen Vorhang fällt, der jene Farbe hat. Diese Farbenerscheinung hab’ ich auch, wenn ich ein Dichtungswerk gelesen, das mich ergriffen hat; versetz’ ich mich in eine Stimmung, wie sie Goethes Gedichte geben, so hab ich ein gesättigt Goldgelb, ins Goldbraune spielend; wie Schiller, so hab ich ein strahlendes Karmesin; bei Shakespeare ist jede Szene eine Nuance der besondern Farbe, die das ganze Stück mir hat. Wunderlicherweise ist jenes Bild oder jene Gruppe gewöhnlich nicht das Bild. der Katastrophe, manchmal nur eine charakteristische Figur in irgendeiner pathetischen Stellung, an diese schließt sich aber sogleich eine ganze Reihe, und vom Stücke erfahr’ ich nicht die Fabel, den novellistischen Inhalt zuerst, sondern bald nach vorwärts, bald nach dem Ende zu von der erst gesehenen Situation aus, schießen immer neue plastisch-mimische Gestalten und Gruppen an, bis ich das ganze Stück in allen seinen Szenen habe; dies alles in großer Hast, wobei mein Bewußtsein ganz leidend sich verhält, und eine Art körperlicher Beängstigung mich in Händen hat. Den Inhalt aller einzelnen Szenen kann ich mir dann auch in der Reihenfolge willkürlich reproduzieren; aber den novellistischen Inhalt in eine kurze Erzählung zu bringen ist mir unmöglich. Nun findet sich zu den Gebärden auch die Sprache. Ich schreibe auf, was ich aufschreiben kann, aber wenn mich die Stimmung verläßt, ist mir das Aufgeschriebene nur ein toter Buchstabe. Nun geb’ ich mich daran, die Lücken des Dialogs auszufüllen. Dazu muß ich das Vorhandne mit kritischem Auge ansehen.»

[ 4 ] Sie sehen also hier einen merkwürdigen Menschen, der, es ist wirklich horribel für den matenalistisch denkenden Menschen der Gegenwart, wenn er Schillers Stücke liest, Karmesinrot empfindet, wenn er Goethes Stücke oder Gedichte liest, Goldgelb ins Goldbraune empfindet; der bei jedem Stück von Shakespeare eine Farbenempfindung hat, und bei jeder Szene eine Nuance dieser Farbenempfindung; der, wenn er eine Dichtung konzipiert oder liest, Gestalten wie einen Kupferstich auf einem bestimmten farbigen Hintergrunde hat, oder gar plastischmimische Gestalten sieht mit Gebärden, auf welche die Sonne durch einen Vorhang fällt, der jenes Licht verbreitet, das ihm die Gesamtstimmung abgibt.

[ 4 ] Sie sehen also hier einen merkwürdigen Menschen, der, es ist wirklich horribel für den matenalistisch denkenden Menschen der Gegenwart, wenn er Schillers Stücke liest, Karmesinrot empfindet, wenn er Goethes Stücke oder Gedichte liest, Goldgelb ins Goldbraune empfindet; der bei jedem Stück von Shakespeare eine Farbenempfindung hat, und bei jeder Szene eine Nuance dieser Farbenempfindung; der, wenn er eine Dichtung konzipiert oder liest, Gestalten wie einen Kupferstich auf einem bestimmten farbigen Hintergrunde hat, oder gar plastischmimische Gestalten sieht mit Gebärden, auf welche die Sonne durch einen Vorhang fällt, der jenes Licht verbreitet, das ihm die Gesamtstimmung abgibt.

[ 5 ] Sehen Sie, solch eine Sache muß man richtig verstehen. Solch eine Sache ist noch nicht hellseherisch, aber sie ist der Weg in die geistige Welt hinein. Wer sie aus der Geisteswissenschaft heraus richtig verstehen will, diese Stimmung, der kann sie verstehen, wenn er sich sagt: Otto Ludwig wird sich bewußt des Auges, des geistigen Auges. Denn, würde er auf diesem Wege weiterschreiten, so würde er nicht nur solche Stimmungen haben, sondern es würden ihm, so wie dem äußeren Auge die physischen Gegenstände entgegentreten, dem geistigen Auge die geistigen Wesenheiten entgegentreten und erfaßt werden als sein eigenes Empfinden. Geradeso wie, wenn Sie im Dunkeln mit dem Auge nur ganz geringe Druckbewegungen machen, Sie, ich möchte sagen, sprühendes Licht sehen, Licht, das, ich möchte sagen, wie vom Auge ausströmend, den Raum erfüllt, so ist es bei Otto Ludwig. Seine Seele strahlte Stimmungen aus, aber diese Stimmungen, das sind Farbenstimmungen, sind Tonstimmungen. Mit dem Musikalischen, wie er mit Recht sagt, als Tonstimmungen, beginnen sie. Er verwendet sie nicht, indem er sich geistige Anschauungen verschafft; aber wir sehen, wie seine Seele durchaus geeignet ist, in die geistige Welt hinein den Weg zu finden.

[ 5 ] Sehen Sie, solch eine Sache muß man richtig verstehen. Solch eine Sache ist noch nicht hellseherisch, aber sie ist der Weg in die geistige Welt hinein. Wer sie aus der Geisteswissenschaft heraus richtig verstehen will, diese Stimmung, der kann sie verstehen, wenn er sich sagt: Otto Ludwig wird sich bewußt des Auges, des geistigen Auges. Denn, würde er auf diesem Wege weiterschreiten, so würde er nicht nur solche Stimmungen haben, sondern es würden ihm, so wie dem äußeren Auge die physischen Gegenstände entgegentreten, dem geistigen Auge die geistigen Wesenheiten entgegentreten und erfaßt werden als sein eigenes Empfinden. Geradeso wie, wenn Sie im Dunkeln mit dem Auge nur ganz geringe Druckbewegungen machen, Sie, ich möchte sagen, sprühendes Licht sehen, Licht, das, ich möchte sagen, wie vom Auge ausströmend, den Raum erfüllt, so ist es bei Otto Ludwig. Seine Seele strahlte Stimmungen aus, aber diese Stimmungen, das sind Farbenstimmungen, sind Tonstimmungen. Mit dem Musikalischen, wie er mit Recht sagt, als Tonstimmungen, beginnen sie. Er verwendet sie nicht, indem er sich geistige Anschauungen verschafft; aber wir sehen, wie seine Seele durchaus geeignet ist, in die geistige Welt hinein den Weg zu finden.

[ 6 ] Man darf also nicht sagen, daß in der neueren Zeit es solche Menschen nicht gibt, die gewahr werden, daß dies eine Realität ist, was wir das Seelenauge nennen können, was geöffnet wurde für die Schüler der Mysterien in der Weise, wie ich das in den vorigen Betrachtungen erzählt habe. Denn diese Veranstaltungen waren im Grunde genommen nichts anderes als die Veranstaltungen dazu, zunächst das Seelenauge bemerkbar zu machen, der Menschenseele bewußt zu machen, daß dieses Seelenauge vorhanden ist. Daß man solche Dinge, wie das eben Mitgeteilte, in der Gegenwart doch nicht richtig beurteilt, das können Sie gerade sehen aus den Bemerkungen, die Gustav Freytag macht, indem er über Otto Ludwig spricht. Gustav Freytag sagt:

[ 6 ] Man darf also nicht sagen, daß in der neueren Zeit es solche Menschen nicht gibt, die gewahr werden, daß dies eine Realität ist, was wir das Seelenauge nennen können, was geöffnet wurde für die Schüler der Mysterien in der Weise, wie ich das in den vorigen Betrachtungen erzählt habe. Denn diese Veranstaltungen waren im Grunde genommen nichts anderes als die Veranstaltungen dazu, zunächst das Seelenauge bemerkbar zu machen, der Menschenseele bewußt zu machen, daß dieses Seelenauge vorhanden ist. Daß man solche Dinge, wie das eben Mitgeteilte, in der Gegenwart doch nicht richtig beurteilt, das können Sie gerade sehen aus den Bemerkungen, die Gustav Freytag macht, indem er über Otto Ludwig spricht. Gustav Freytag sagt:

[ 7 ] «Das Schaffen dieses Dichters aber war, wie sein ganzes Wesen, ähnlich der Art eines epischen Sängers aus der Zeit, wo die Gestalten dem Dichter lebendig, mit Klang und Farbe, in der Dämmerung des Völkermorgens um das Haupt schwebten.»

[ 7 ] «Das Schaffen dieses Dichters aber war, wie sein ganzes Wesen, ähnlich der Art eines epischen Sängers aus der Zeit, wo die Gestalten dem Dichter lebendig, mit Klang und Farbe, in der Dämmerung des Völkermorgens um das Haupt schwebten.»

[ 8 ] Die Tatsache ist durchaus richtig, nur hat sie mit dem Dichten eigentlich nichts zu tun. Denn dasjenige, was da Otto Ludwig erlebte, das erlebten in alten Zeiten nicht bloß die Dichter, sondern alle Menschen, und in späteren Zeiten diejenigen, die in die Mysterien eingeweiht waren, ob sie zu Dichtern oder nicht zu Dichtern geworden sind. Also mit der eigentlichen Dichtungskraft hat es nichts zu tun. Und da, wohin nur das materialistisch orientierte Auge des Gegenwartsmenschen den Blick nicht richtet hinter einem gewissen Schleier in der eigenen Seele, ist dasjenige, was Otto Ludwig beschreibt, heute auch bei jedem Menschen, nicht bloß etwa beim Dichter, sondern bei jedem Menschen. Daß Otto Ludwig ein Dichter war, das hat mit dieser Erscheinung nichts zu tun, sondern das ist etwas, was parallel läuft. Es kann einer ein viel größerer Dichter sein als Otto Ludwig, und das, was er zu beschreiben vermag, das kann ganz im Unterbewußten bleiben. Im Untergrund des Unterbewußtseins ist es allerdings vorhanden, aber es braucht nicht heraufzudringen. Denn Dichtkunst, überhaupt Kunst, besteht heute in etwas anderem als in dem bewußten Verarbeiten von hellsichtigen Eindrücken.

[ 8 ] Die Tatsache ist durchaus richtig, nur hat sie mit dem Dichten eigentlich nichts zu tun. Denn dasjenige, was da Otto Ludwig erlebte, das erlebten in alten Zeiten nicht bloß die Dichter, sondern alle Menschen, und in späteren Zeiten diejenigen, die in die Mysterien eingeweiht waren, ob sie zu Dichtern oder nicht zu Dichtern geworden sind. Also mit der eigentlichen Dichtungskraft hat es nichts zu tun. Und da, wohin nur das materialistisch orientierte Auge des Gegenwartsmenschen den Blick nicht richtet hinter einem gewissen Schleier in der eigenen Seele, ist dasjenige, was Otto Ludwig beschreibt, heute auch bei jedem Menschen, nicht bloß etwa beim Dichter, sondern bei jedem Menschen. Daß Otto Ludwig ein Dichter war, das hat mit dieser Erscheinung nichts zu tun, sondern das ist etwas, was parallel läuft. Es kann einer ein viel größerer Dichter sein als Otto Ludwig, und das, was er zu beschreiben vermag, das kann ganz im Unterbewußten bleiben. Im Untergrund des Unterbewußtseins ist es allerdings vorhanden, aber es braucht nicht heraufzudringen. Denn Dichtkunst, überhaupt Kunst, besteht heute in etwas anderem als in dem bewußten Verarbeiten von hellsichtigen Eindrücken.

[ 9 ] Das also habe ich anführen wollen, um Ihnen ein Beispiel zu geben für einen Menschen — und die Menschen dieser Art sind eben durchaus nicht selten, sie sind sehr, sehr häufig -, für einen Menschen, der durchaus auf dem Wege in die geistige Welt hinein ist. Es wird eben, wenn man die Dinge anwendet auf sich, die in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben sind, nicht etwas Neues erzeugt, sondern dasjenige, was in der Seele schon vorhanden ist, wird ins Bewußtsein heraufgehoben, so daß der Mensch lernt, es bewußt zu brauchen, es bewußt anzuwenden. Das ist dasjenige, was wir festhalten wollen. Die Schwierigkeit liegt viel weniger darin, daß heute gewissermaßen der Schleier schwer zu durchdringen ist zu dem, was unbewußt in der Seele lebt, sondern die Schwierigkeiten liegen darin, daß man heute nicht leicht den Mut gewinnen kann, auf diese Dinge sich einzulassen; daß zumeist diejenigen selbst, die sich gerne einlassen wollen aus gewissen Sehnsuchten und Bedürfnissen des Herzens und der Erkenntnis heraus, sich gedrängt und getrieben fühlen, die Sache doch nur so ein bißchen verschämt anzuerkennen im engsten Kreise und ja nichts davon merken zu lassen, wenn sie wiederum in den Umkreis der ganz gescheiten Leute der Gegenwart heraustreten. Gewiß, es braucht nicht überall gleich dasjenige da zu sein, was man vielleicht heute deshalb, weil wir nach dem Jahre 1879 leben, als das Richtige bezeichnen müßte auf diesem Gebiete, sondern es kann, wenn wir die jüngstverflossenen Zeiten betrachten, bei manchem auch ein hoher Grad hellsichtiger Kräfte auftreten, wirklich hellsichtiger Kräfte, die man deshalb nicht auf der einen Seite entweder voll anerkennen, sich restlos ihnen ergeben muß, oder auf der anderen Seite gleich als etwas Gefährliches, Abzulehnendes betrachten muß.

[ 9 ] Das also habe ich anführen wollen, um Ihnen ein Beispiel zu geben für einen Menschen — und die Menschen dieser Art sind eben durchaus nicht selten, sie sind sehr, sehr häufig -, für einen Menschen, der durchaus auf dem Wege in die geistige Welt hinein ist. Es wird eben, wenn man die Dinge anwendet auf sich, die in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben sind, nicht etwas Neues erzeugt, sondern dasjenige, was in der Seele schon vorhanden ist, wird ins Bewußtsein heraufgehoben, so daß der Mensch lernt, es bewußt zu brauchen, es bewußt anzuwenden. Das ist dasjenige, was wir festhalten wollen. Die Schwierigkeit liegt viel weniger darin, daß heute gewissermaßen der Schleier schwer zu durchdringen ist zu dem, was unbewußt in der Seele lebt, sondern die Schwierigkeiten liegen darin, daß man heute nicht leicht den Mut gewinnen kann, auf diese Dinge sich einzulassen; daß zumeist diejenigen selbst, die sich gerne einlassen wollen aus gewissen Sehnsuchten und Bedürfnissen des Herzens und der Erkenntnis heraus, sich gedrängt und getrieben fühlen, die Sache doch nur so ein bißchen verschämt anzuerkennen im engsten Kreise und ja nichts davon merken zu lassen, wenn sie wiederum in den Umkreis der ganz gescheiten Leute der Gegenwart heraustreten. Gewiß, es braucht nicht überall gleich dasjenige da zu sein, was man vielleicht heute deshalb, weil wir nach dem Jahre 1879 leben, als das Richtige bezeichnen müßte auf diesem Gebiete, sondern es kann, wenn wir die jüngstverflossenen Zeiten betrachten, bei manchem auch ein hoher Grad hellsichtiger Kräfte auftreten, wirklich hellsichtiger Kräfte, die man deshalb nicht auf der einen Seite entweder voll anerkennen, sich restlos ihnen ergeben muß, oder auf der anderen Seite gleich als etwas Gefährliches, Abzulehnendes betrachten muß.

[ 10 ] Allerdings sind viele Faktoren vorhanden, welche den Mut, Hellsichtiges anzuerkennen, seit langem erschlaffen machen, und so ist es denn gekommen, daß der ja in Ihrem Kreise auch schon öfter erwähnte Swedenborg eine so sonderbare Beurteilung gefunden hat. Er könnte für viele in der Weise auch anregend wirken, daß man in ihm eine Individualität schen könnte, welche gewisse Schleier zur geistigen Welt hin für sich durchsichtig gemacht hat. Swedenborg ist bis in einem hohen Grade zu dem Gebrauche, zu der Anwendung desjenigen gekommen, was man imaginative Erkenntnis nennen kann. Diese imaginative Erkenntnis, die braucht jeder, der in die geistige Welt hinein will. Er kann sie nicht entbehren, aber sie ist doch nichts anderes als eine Art Übergang zu den höheren Erkenntnisstufen. Swedenborg hatte gerade seinen hellsichtigen Sinn für die imaginative Erkenntnis offen. Allein gerade dadurch, daß diese imaginative Erkenntnis in ihm wallte und wirkte und wogte, konnte er Aussagen machen über die Beziehungen der geistigen Welt zug äußeren Welt, welche in hohem Grade bemerkenswert sind für denjenigen, der an Beispielen das Hellsehertum sich klar macht. Ich möchte Ihnen da an einem Beispiel zeigen, wie Swedenborg in seiner Gesinnung, ich möchte sagen, zu sich selbst stand, wie er dachte und fühlte, um die Seele im Zusammenhang zu erhalten mit der geistigen Welt. Er ging nicht etwa aus darauf, in egoistischer Weise in die geistige Welt hineinzuschauen. Er, Swedenborg, war ja schon fünfundfünfzig Jahre alt, als ihm die geistige Welt eröffnet worden ist. Er war also ein durchaus reifer Mann, und er hatte eine gründliche, energische wissenschaftliche Laufbahn hinter sich. Die wichtigsten wissenschaftlichen Werke Swedenborgs werden erst jetzt von der Stockholmer Akademie der Wissenschaften in vielen Bänden veröffentlicht, und sie enthalten Dinge, die für lange Zeit hinaus werden richtunggebend sein können für die äußere Wissenschaft. Allein, man bringt ja heute das Kunststück fertig, daß man einen Menschen, der für seine Zeit den Gipfel der Wissenschaft erstiegen hat, wie Swedenborg, anerkennt soweit man das selber mag, und wo man es nicht mehr mag, erklärt man ihn für einen Narren. Dieses Kunststück bringt man ja heute mit einer sehr großen Flinkigkeit zustande. Man gibt nichts darauf, daß ein Mensch wie Swedenborg, der nicht nur dasjenige geleistet hat in seiner Wissenschaft, was die anderen auch konnten — das wäre ja schon genug -, sondern der turmhoch alle seine Zeitgenossen als Wissenschafter überragte, daß der von seinem fünfundfünfzigsten Jahre ab sich zum Zeugen der geistigen Welt macht.

[ 10 ] Allerdings sind viele Faktoren vorhanden, welche den Mut, Hellsichtiges anzuerkennen, seit langem erschlaffen machen, und so ist es denn gekommen, daß der ja in Ihrem Kreise auch schon öfter erwähnte Swedenborg eine so sonderbare Beurteilung gefunden hat. Er könnte für viele in der Weise auch anregend wirken, daß man in ihm eine Individualität schen könnte, welche gewisse Schleier zur geistigen Welt hin für sich durchsichtig gemacht hat. Swedenborg ist bis in einem hohen Grade zu dem Gebrauche, zu der Anwendung desjenigen gekommen, was man imaginative Erkenntnis nennen kann. Diese imaginative Erkenntnis, die braucht jeder, der in die geistige Welt hinein will. Er kann sie nicht entbehren, aber sie ist doch nichts anderes als eine Art Übergang zu den höheren Erkenntnisstufen. Swedenborg hatte gerade seinen hellsichtigen Sinn für die imaginative Erkenntnis offen. Allein gerade dadurch, daß diese imaginative Erkenntnis in ihm wallte und wirkte und wogte, konnte er Aussagen machen über die Beziehungen der geistigen Welt zug äußeren Welt, welche in hohem Grade bemerkenswert sind für denjenigen, der an Beispielen das Hellsehertum sich klar macht. Ich möchte Ihnen da an einem Beispiel zeigen, wie Swedenborg in seiner Gesinnung, ich möchte sagen, zu sich selbst stand, wie er dachte und fühlte, um die Seele im Zusammenhang zu erhalten mit der geistigen Welt. Er ging nicht etwa aus darauf, in egoistischer Weise in die geistige Welt hineinzuschauen. Er, Swedenborg, war ja schon fünfundfünfzig Jahre alt, als ihm die geistige Welt eröffnet worden ist. Er war also ein durchaus reifer Mann, und er hatte eine gründliche, energische wissenschaftliche Laufbahn hinter sich. Die wichtigsten wissenschaftlichen Werke Swedenborgs werden erst jetzt von der Stockholmer Akademie der Wissenschaften in vielen Bänden veröffentlicht, und sie enthalten Dinge, die für lange Zeit hinaus werden richtunggebend sein können für die äußere Wissenschaft. Allein, man bringt ja heute das Kunststück fertig, daß man einen Menschen, der für seine Zeit den Gipfel der Wissenschaft erstiegen hat, wie Swedenborg, anerkennt soweit man das selber mag, und wo man es nicht mehr mag, erklärt man ihn für einen Narren. Dieses Kunststück bringt man ja heute mit einer sehr großen Flinkigkeit zustande. Man gibt nichts darauf, daß ein Mensch wie Swedenborg, der nicht nur dasjenige geleistet hat in seiner Wissenschaft, was die anderen auch konnten — das wäre ja schon genug -, sondern der turmhoch alle seine Zeitgenossen als Wissenschafter überragte, daß der von seinem fünfundfünfzigsten Jahre ab sich zum Zeugen der geistigen Welt macht.

[ 11 ] Eine Frage, die Swedenborg ganz besonders interessiert hat, war die Frage: Wie wirken Seele und Leib aufeinander? — Über diese Frage: Wie wirken Seele und Leib aufeinander? — hat Swedenborg nach seiner Erleuchtung eine schöne Abhandlung geschrieben. Er hat in dieser Abhandlung ungefähr das Folgende gesagt: Es sind nur drei Fälle möglich, wie man über die Wechselbeziehungen zwischen Seele und Leib denken kann. Die eine Ansicht ist diejenige: Der Leib ist maßgebend; durch den Leib werden die Sinneseindrücke gemacht, die Sinneseindrücke wirken auf die Seele, die Seele empfängt diese Einflüsse vom Leibe, und das ist das Maßgebende. Sie ist also gewissermaßen vom Leibe abhängig. Eine zweite Anschauung ist möglich, sagt Swedenborg, es ist diese: Der Leib ist von der Seele abhängig; die Seele ist dasjenige, was die geistigen Impulse enthält. Sie schafft sich den Leib, sie gebraucht den Leib während des Lebens. Man muß nicht vom physischen Einfluß sprechen, sondern vom psychischen, vom seelischen Einfluß. Die dritte Anschauung, die noch möglich ist, sagt Swedenborg, das ist die: Beide, Leib und Seele, sind nebeneinander, wirken gar nicht aufeinander, aber ein Höheres bewirkt eine Harmonie, eine Übereinstimmung, wie zwischen zwei Uhren eine Übereinstimmung ist, wovon die eine die andere nicht beeinflußt, wenn sie gleiche Zeit zeigt. Ein höherer Einfluß bewirkt eine Harmonie. Also wenn ein äußerer Eindruck auf meine Sinne gemacht wird, so denkt die Seele, aber beides hat nichts miteinander zu tun, sondern von einer höheren Macht wird in die Seele einfach ein entsprechender Eindruck gemacht, wie von außen durch die Sinne ein Eindruck auf die Seele gemacht wird. — Swedenborg setzt auseinander, wie die erste und die dritte Anschauung demjenigen, der in die geistige Welt hineinschauen kann, unmöglich ist, wie für den Erleuchteten es klar ist, daß die Seele im Zusammenhang steht durch ihre Kräfte mit einer geistigen Sonne, so wie der Leib mit der leiblichen Sonne, mit der physischen Sonne, daß aber alles das, was physisch ist, von GeistigSeelischem abhängig ist. Also er setzt auseinander, ich möchte sagen, in einer neuen Weise dasjenige, was wir mit Bezug auf die Mysterien das Sonnengeheimnis genannt haben, dasjenige Geheimnis, das Julian dem Apostaten vorgeschwebt hat, als er von der Sonne als einem geistigen Wesen sprach, was ihn namentlich zu einem Gegner des Christentums gemacht hat, weil das Christentum seiner Zeit es ablehnen wollte, den Christus mit der Sonne in Zusammenhang zu bringen. Swedenborg erneuerte für seine Zeit, soweit das möglich ist, durch seine imaginative Erkenntnis das Sonnengeheimnis.

[ 11 ] Eine Frage, die Swedenborg ganz besonders interessiert hat, war die Frage: Wie wirken Seele und Leib aufeinander? — Über diese Frage: Wie wirken Seele und Leib aufeinander? — hat Swedenborg nach seiner Erleuchtung eine schöne Abhandlung geschrieben. Er hat in dieser Abhandlung ungefähr das Folgende gesagt: Es sind nur drei Fälle möglich, wie man über die Wechselbeziehungen zwischen Seele und Leib denken kann. Die eine Ansicht ist diejenige: Der Leib ist maßgebend; durch den Leib werden die Sinneseindrücke gemacht, die Sinneseindrücke wirken auf die Seele, die Seele empfängt diese Einflüsse vom Leibe, und das ist das Maßgebende. Sie ist also gewissermaßen vom Leibe abhängig. Eine zweite Anschauung ist möglich, sagt Swedenborg, es ist diese: Der Leib ist von der Seele abhängig; die Seele ist dasjenige, was die geistigen Impulse enthält. Sie schafft sich den Leib, sie gebraucht den Leib während des Lebens. Man muß nicht vom physischen Einfluß sprechen, sondern vom psychischen, vom seelischen Einfluß. Die dritte Anschauung, die noch möglich ist, sagt Swedenborg, das ist die: Beide, Leib und Seele, sind nebeneinander, wirken gar nicht aufeinander, aber ein Höheres bewirkt eine Harmonie, eine Übereinstimmung, wie zwischen zwei Uhren eine Übereinstimmung ist, wovon die eine die andere nicht beeinflußt, wenn sie gleiche Zeit zeigt. Ein höherer Einfluß bewirkt eine Harmonie. Also wenn ein äußerer Eindruck auf meine Sinne gemacht wird, so denkt die Seele, aber beides hat nichts miteinander zu tun, sondern von einer höheren Macht wird in die Seele einfach ein entsprechender Eindruck gemacht, wie von außen durch die Sinne ein Eindruck auf die Seele gemacht wird. — Swedenborg setzt auseinander, wie die erste und die dritte Anschauung demjenigen, der in die geistige Welt hineinschauen kann, unmöglich ist, wie für den Erleuchteten es klar ist, daß die Seele im Zusammenhang steht durch ihre Kräfte mit einer geistigen Sonne, so wie der Leib mit der leiblichen Sonne, mit der physischen Sonne, daß aber alles das, was physisch ist, von GeistigSeelischem abhängig ist. Also er setzt auseinander, ich möchte sagen, in einer neuen Weise dasjenige, was wir mit Bezug auf die Mysterien das Sonnengeheimnis genannt haben, dasjenige Geheimnis, das Julian dem Apostaten vorgeschwebt hat, als er von der Sonne als einem geistigen Wesen sprach, was ihn namentlich zu einem Gegner des Christentums gemacht hat, weil das Christentum seiner Zeit es ablehnen wollte, den Christus mit der Sonne in Zusammenhang zu bringen. Swedenborg erneuerte für seine Zeit, soweit das möglich ist, durch seine imaginative Erkenntnis das Sonnengeheimnis.

[ 12 ] Nun, ich habe Ihnen dieses nur vorausgeschickt, weil ich Ihnen daran zeigen möchte, was in Swedenborgs Seele, indem sie auf dem Wege nach der geistigen Erkenntnis ist, eigentlich vorgeht. Swedenborg gibt über diese Frage, die ich eben kurz angedeutet habe, mit Bezug auf die Betrachtung, die er angestellt hat, eine Art philosophischer Abhandlung, aber eine solche Abhandlung, wie einer sie gibt, der in die geistige Welt hineinsieht, nicht wie sie ein moderner, an einer Universität angestellter Philosoph gibt, der ja nicht in die geistige Welt immer hineinsieht. Nun, aber am Schlusse dieser Abhandlung führt Swedenborg dasjenige an, was er ein «Gesicht» nennt. Und mit diesem Gesicht meint er nun nicht etwa irgend etwas, was er sich ausgedacht hat, sondern etwas, was er nun wirklich geschaut hat, das wirklich vor seinem Geistesauge gestanden hat. Swedenborg geniert sich nämlich nicht, von seinen geistigen Schauungen zu sprechen. Er erzählt wiederum, was ihm der oder jener Engel gesagt hat, weil er es weiß; weil er es so gut weiß, wie ein anderer weiß, daß ihm irgendein physischer Erdenmensch dies oder jenes mitgeteilt hat. Er sagt: Ich war einmal im Schauen; da erschienen mir drei Vertreter der Anschauung vom physischen Einfluß, drei Scholastiker, Aristoteliker, Anhänger des Aristoteles, also drei Anhänger jener Lehre, welche alles von außen durch physischen Einfluß in die Seele hineinströmen läßt. Die waren auf der einen Seite. Auf der anderen Seite erschienen drei Anhänger des Cartesius, die in einer gewissen unvollkommenen Weise, aber doch von geistigen Einflüssen auf die Seele sprachen. Und hinter ihnen erschienen drei Anhänger des Leibniz, die von der prästabilierten Harmonie, also von der Unabhängigkeit von Leib und Seele und der von außen hergestellten Harmonie sprachen. Neun Gestalten, sagt er, umgaben mich. Das sah er nämlich. Und besonders glänzende Führer jeder Gruppe von den drei Gestalten, das waren Leibniz, Cartesius, Aristoteles selber. - Also er erzählt, daß er diese Schauung gehabt hat, ganz wie man etwas erzählt aus dem physischen Leben. Dann, sagt er, stieg aus dem Untergrund herauf ein Genius mit einer Fackel in der rechten Hand. Und als er diese Fackel schwang vor den Gestalten, da fingen sie sogleich an zu streiten. Die Aristoteliker behaupteten den physischen Einfluß von ihrem Gesichtspunkte aus, die Cartesianer den geistigen Einfluß von ihrem Gesichtspunkte aus, die Leibnizianer mit ihrem Meister ebenfalls. - Solche Dinge, solche Schauungen können bis in die Einzelheiten hinein gehen. Swedenborg erzählt, daß Leibniz in einer Art von Toga erschien, und die Zipfel hat sein Anhänger Wolff gehalten. Solche Kleinigkeiten erscheinen immer bei diesen Schauungen, in denen diese Züge sehr charakteristisch sind. Sie kamen ins Streiten. Die Gründe waren alle gut, denn man kann ja alles in der Welt verteidigen. Da erschien nach einiger Zeit, nachdem sie lange genug gestritten hatten, der Genius wiederum, aber jetzt hatte er die Fackel in der linken Hand und beleuchtete die Hinterköpfe. Da kamen sie erst recht in den Kampf. Da sagten sie: Jetzt können weder unser Leib, noch unsere Seele unterscheiden, was das Richtige ist. Und da kamen sie überein, in ein Kästchen drei Zettel zu werfen. Auf einem stand «physischer Einfluß», auf dem zweiten «geistiger Einfluß», auf dem dritten «prästabilierte Harmonie». Dann zogen sie und zogen heraus «geistiger Einfluß» und sagten: also wollen wir den geistigen Einfluß anerkennen. Da stieg von der Oberwelt herunter ein Engel und sagte: Das ist aber nicht bloß deshalb, daß ihr zufällig herausgezogen hättet den Zettel mit «geistiger Einfluß», sondern das ist von der weisen Weltenlenkung so vorgesehen gewesen, weil das der Wahrheit entspricht.

[ 12 ] Nun, ich habe Ihnen dieses nur vorausgeschickt, weil ich Ihnen daran zeigen möchte, was in Swedenborgs Seele, indem sie auf dem Wege nach der geistigen Erkenntnis ist, eigentlich vorgeht. Swedenborg gibt über diese Frage, die ich eben kurz angedeutet habe, mit Bezug auf die Betrachtung, die er angestellt hat, eine Art philosophischer Abhandlung, aber eine solche Abhandlung, wie einer sie gibt, der in die geistige Welt hineinsieht, nicht wie sie ein moderner, an einer Universität angestellter Philosoph gibt, der ja nicht in die geistige Welt immer hineinsieht. Nun, aber am Schlusse dieser Abhandlung führt Swedenborg dasjenige an, was er ein «Gesicht» nennt. Und mit diesem Gesicht meint er nun nicht etwa irgend etwas, was er sich ausgedacht hat, sondern etwas, was er nun wirklich geschaut hat, das wirklich vor seinem Geistesauge gestanden hat. Swedenborg geniert sich nämlich nicht, von seinen geistigen Schauungen zu sprechen. Er erzählt wiederum, was ihm der oder jener Engel gesagt hat, weil er es weiß; weil er es so gut weiß, wie ein anderer weiß, daß ihm irgendein physischer Erdenmensch dies oder jenes mitgeteilt hat. Er sagt: Ich war einmal im Schauen; da erschienen mir drei Vertreter der Anschauung vom physischen Einfluß, drei Scholastiker, Aristoteliker, Anhänger des Aristoteles, also drei Anhänger jener Lehre, welche alles von außen durch physischen Einfluß in die Seele hineinströmen läßt. Die waren auf der einen Seite. Auf der anderen Seite erschienen drei Anhänger des Cartesius, die in einer gewissen unvollkommenen Weise, aber doch von geistigen Einflüssen auf die Seele sprachen. Und hinter ihnen erschienen drei Anhänger des Leibniz, die von der prästabilierten Harmonie, also von der Unabhängigkeit von Leib und Seele und der von außen hergestellten Harmonie sprachen. Neun Gestalten, sagt er, umgaben mich. Das sah er nämlich. Und besonders glänzende Führer jeder Gruppe von den drei Gestalten, das waren Leibniz, Cartesius, Aristoteles selber. - Also er erzählt, daß er diese Schauung gehabt hat, ganz wie man etwas erzählt aus dem physischen Leben. Dann, sagt er, stieg aus dem Untergrund herauf ein Genius mit einer Fackel in der rechten Hand. Und als er diese Fackel schwang vor den Gestalten, da fingen sie sogleich an zu streiten. Die Aristoteliker behaupteten den physischen Einfluß von ihrem Gesichtspunkte aus, die Cartesianer den geistigen Einfluß von ihrem Gesichtspunkte aus, die Leibnizianer mit ihrem Meister ebenfalls. - Solche Dinge, solche Schauungen können bis in die Einzelheiten hinein gehen. Swedenborg erzählt, daß Leibniz in einer Art von Toga erschien, und die Zipfel hat sein Anhänger Wolff gehalten. Solche Kleinigkeiten erscheinen immer bei diesen Schauungen, in denen diese Züge sehr charakteristisch sind. Sie kamen ins Streiten. Die Gründe waren alle gut, denn man kann ja alles in der Welt verteidigen. Da erschien nach einiger Zeit, nachdem sie lange genug gestritten hatten, der Genius wiederum, aber jetzt hatte er die Fackel in der linken Hand und beleuchtete die Hinterköpfe. Da kamen sie erst recht in den Kampf. Da sagten sie: Jetzt können weder unser Leib, noch unsere Seele unterscheiden, was das Richtige ist. Und da kamen sie überein, in ein Kästchen drei Zettel zu werfen. Auf einem stand «physischer Einfluß», auf dem zweiten «geistiger Einfluß», auf dem dritten «prästabilierte Harmonie». Dann zogen sie und zogen heraus «geistiger Einfluß» und sagten: also wollen wir den geistigen Einfluß anerkennen. Da stieg von der Oberwelt herunter ein Engel und sagte: Das ist aber nicht bloß deshalb, daß ihr zufällig herausgezogen hättet den Zettel mit «geistiger Einfluß», sondern das ist von der weisen Weltenlenkung so vorgesehen gewesen, weil das der Wahrheit entspricht.

[ 13 ] Ja, sehen Sie, dieses Gesicht erzählt Swedenborg. Gewiß, es steht jedem frei, dieses Gesicht höchst unbedeutend, vielleicht sogar einfältig zu finden; aber darum handelt es sich nicht, ob es einfältig ist oder nicht, sondern darum, daß man es hat. Und dasjenige, was vielleicht am einfältigsten erscheint, das ist gerade das Tiefste. Denn was hier in der physischen Welt als das Gesetzlose erscheint, das Zufällige, gewissermaßen das Überlassen dem Zufall, das ist als Symbolum, in der geistigen Welt gesehen, etwas ganz anderes. Und man kommt so schwer zu einer Erkenntnis des Zufalls, weil der Zufall nur ein Schattenbild von höheren Notwendigkeiten ist. Aber Swedenborg will etwas Besonderes andeuten, das heißt, nicht er will es, verständlicherweise, sondern «Es» will es in ihm. Es bildet sich dieses Bild, weil «Es» es will in ihm. Es ist dies nämlich ein genauer Ausdruck der Art, wie er zu seinen Wahrheiten gekommen ist, ein genauer Ausdruck des Geistes, aus dem heraus er diese Abhandlung geschrieben hat. Was haben die Cartesianer gemacht? Sie haben aus menschlichen Vernunftgründen, aus Verstandesgründen den geistigen Einfluß beweisen wollen. Da kann man ja auf das Richtige kommen; aber es ist, wie wenn ein blindes Huhn ein Körnchen findet. Die Aristoteliker sind nicht dümmer gewesen als die Cartesianer; die haben den physischen Einfluß behauptet, wiederum mit menschlichen Gründen. Die Leibnizianer waren gewiß nicht törichter als die beiden anderen, aber sie haben die prästabilierte Harmonie behauptet. Swedenborg ging überhaupt nicht auf diesen Wegen zum Geiste, sondern er entwickelte alles dasjenige, was Menschenkunst vermag, um sich vorzubereiten, und dann die Wahrheit zu empfangen. Und dieses Empfangen der Wahrheit — nicht das Machen der Wahrheit, sondern dieses Empfangen der Wahrheit -, dieses Entgegennehmen der Wahrheit, das wollte er, oder das wollte sich mit dem Ziehen des Zettelchens aus dem Kästchen ausdrücken. Das ist das Wesentliche.

[ 13 ] Ja, sehen Sie, dieses Gesicht erzählt Swedenborg. Gewiß, es steht jedem frei, dieses Gesicht höchst unbedeutend, vielleicht sogar einfältig zu finden; aber darum handelt es sich nicht, ob es einfältig ist oder nicht, sondern darum, daß man es hat. Und dasjenige, was vielleicht am einfältigsten erscheint, das ist gerade das Tiefste. Denn was hier in der physischen Welt als das Gesetzlose erscheint, das Zufällige, gewissermaßen das Überlassen dem Zufall, das ist als Symbolum, in der geistigen Welt gesehen, etwas ganz anderes. Und man kommt so schwer zu einer Erkenntnis des Zufalls, weil der Zufall nur ein Schattenbild von höheren Notwendigkeiten ist. Aber Swedenborg will etwas Besonderes andeuten, das heißt, nicht er will es, verständlicherweise, sondern «Es» will es in ihm. Es bildet sich dieses Bild, weil «Es» es will in ihm. Es ist dies nämlich ein genauer Ausdruck der Art, wie er zu seinen Wahrheiten gekommen ist, ein genauer Ausdruck des Geistes, aus dem heraus er diese Abhandlung geschrieben hat. Was haben die Cartesianer gemacht? Sie haben aus menschlichen Vernunftgründen, aus Verstandesgründen den geistigen Einfluß beweisen wollen. Da kann man ja auf das Richtige kommen; aber es ist, wie wenn ein blindes Huhn ein Körnchen findet. Die Aristoteliker sind nicht dümmer gewesen als die Cartesianer; die haben den physischen Einfluß behauptet, wiederum mit menschlichen Gründen. Die Leibnizianer waren gewiß nicht törichter als die beiden anderen, aber sie haben die prästabilierte Harmonie behauptet. Swedenborg ging überhaupt nicht auf diesen Wegen zum Geiste, sondern er entwickelte alles dasjenige, was Menschenkunst vermag, um sich vorzubereiten, und dann die Wahrheit zu empfangen. Und dieses Empfangen der Wahrheit — nicht das Machen der Wahrheit, sondern dieses Empfangen der Wahrheit -, dieses Entgegennehmen der Wahrheit, das wollte er, oder das wollte sich mit dem Ziehen des Zettelchens aus dem Kästchen ausdrücken. Das ist das Wesentliche.

[ 14 ] Solche Dinge aber finden in unserem Gemüt nicht die rechte Wertigkeit, wenn wir sie ausdenken, sondern unser Gemüt stellt sich erst in der richtigen Weise zu diesen Sachen, wenn wir sie im Bilde haben, selbst wenn das Bild für einfältig genommen werden kann von verständigen Leuten. Denn das Bild wirkt anders in unserer Seele als der Verstandesbegriff, das Bild bereitet unsere Seele dazu, die Wahrheit aus der geistigen Welt heraus entgegenzunehmen. Das ist das Wesentliche der Sache. Und wenn man diese Dinge gehörig ins Auge faßt, dann wird man sich allmählich hineinfinden in Begriffe und Vorstellungen, die den Menschen der Gegenwart wirklich notwendig sind, die der Mensch der Gegenwart erringen muß, und die heute nur aus Abneigung — nicht aus einem anderen Grunde -,:aus Abneigung, die aus dem Materialismus entspringt, den Menschen unzugänglich erscheinen.

[ 14 ] Solche Dinge aber finden in unserem Gemüt nicht die rechte Wertigkeit, wenn wir sie ausdenken, sondern unser Gemüt stellt sich erst in der richtigen Weise zu diesen Sachen, wenn wir sie im Bilde haben, selbst wenn das Bild für einfältig genommen werden kann von verständigen Leuten. Denn das Bild wirkt anders in unserer Seele als der Verstandesbegriff, das Bild bereitet unsere Seele dazu, die Wahrheit aus der geistigen Welt heraus entgegenzunehmen. Das ist das Wesentliche der Sache. Und wenn man diese Dinge gehörig ins Auge faßt, dann wird man sich allmählich hineinfinden in Begriffe und Vorstellungen, die den Menschen der Gegenwart wirklich notwendig sind, die der Mensch der Gegenwart erringen muß, und die heute nur aus Abneigung — nicht aus einem anderen Grunde -,:aus Abneigung, die aus dem Materialismus entspringt, den Menschen unzugänglich erscheinen.

[ 15 ] Der ganze Geist unserer Betrachtungen ging ja darauf hinaus, die Menschheitsentwickelung gewissermaßen so zu betrachten, daß sie zuerst in ihrer Strömung bis zu einem gewissen Einschnitte ging. In diesen Einschnitt fällt das Mysterium von Golgatha hinein. Dann geht die Geschichte weiter. Beide Strömungen sind ja gewissermaßen radikal voneinander verschieden; und wir haben ja genügend charakterisiert, inwiefern die beiden Strömungen radikal verschieden sind. Aber stellen Sie sich noch einmal das Folgende vor, um diese Verschiedenheit genügend in Ihrer Seele zu empfinden. Stellen Sie sich vor, daß in alten Zeiten es immer möglich war, daß, ohne daß der Mensch besondere Vorbereitungen in seiner Seele machte, die mit der Aktivität zusammenhängen, denn in den Mysterien hingen sie mit äußeren Veranstaltungen, mit Kultushandlungen zusammen — der Mensch dadurch, daß gewissermaßen Äußeres verrichtet wurde, Äußeres geschah, zur Überzeugung der geistigen Welt kam und damit auch seiner eigenen Unsterblichkeit, weil das noch veranlagt war in seiner Leiblichkeit vor dem Mysterium von Golgatha. Mit der Zeit des Mysteriums von Golgatha hörte die Möglichkeit des Menschenleibes auf, gewissermaßen aus sich selber heraus die Überzeugung von der Unsterblichkeit aufdunsten zu lassen; verstehen Sie den Ausdruck recht: aufdunsten zu lassen. Die Möglichkeit hörte auf. Der Leib läßt nicht mehr aus sich herauspressen die Anschauung der Unsterblichkeit. Das bereitete sich in den Jahrhunderten vor dem Mysterium von Golgatha vor, und es ist wirklich außerordentlich interessant zu sehen, wie dieser Koloß von einem Denker, Aristoteles, ein paar Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha alle Anstrengungen macht, die Seelenunsterblichkeit zu begreifen, aber zu nichts anderem kommt als zu einer solchen Unsterblichkeit, die nun wirklich eine recht sonderbare Unsterblichkeitsvorstellung ist. Der Mensch ist ja für Aristoteles nur ein vollständiger Mensch, wenn er seinen Leib hat, wenn er richtig seinen Leib hat. Und Franz Brentano, einer der besten Aristoteliker der neueren Zeit, sagt in seiner Betrachtung über Aristoteles, der Mensch sei schon kein vollständiger mehr, wenn ihm irgendein Glied fehle; wie soll er ein vollständiger Mensch sein, wenn ihm der ganze Leib fehlt? So daß also die Seele für Aristoteles, wenn sie durch die Pforte des Todes geht, dann weniger ist, als sie hier im Leibe war. Das ist das Unvermögen, das Seelische wirklich noch zu schauen, demgegenüber das alte Vermögen stand, das Seelische wahrzunehmen, in seiner Unsterblichkeit wahrzunehmen. Aber nun tritt das Eigentümliche ein, daß dieser Aristoteles durch das Mittelalter hindurch der tonangebende Philosoph ist. Was man überhaupt wissen kann, so sagen sich die Scholastiker, das hat Aristoteles gewußt, und als Philosophen können wir nichts anderes tun, als uns auf Aristoteles zu verlassen, ihm nachzuleben. Man will nicht mehr geistige Fähigkeiten, geistige Kräfte entwickeln, die über das Maß des Aristotelismus hinausgehen. Das ist sehr bedeutsam. Und das führt, ich möchte sagen, erst zu der Kardinalerkenntnis über das Faktum: warum Julian der Apostat in der Konstantinischen Zeit das Christentum, wie es sich ausgelebt hat in der damaligen Kirche, abgelehnt hat. Man muß wirklich diese Dinge, ich möchte sagen, in einem höheren Lichte sehen. Ich habe selbst noch außer Franz Brentano einen der allerbesten Aristoteliker der Gegenwart kennen gelernt, den Vincenz Knauer, der Benediktinermönch war, und der tatsächlich aus seinem katholischen Bewußtsein heraus zu Aristoteles im Grunde genommen ganz in der Art gestanden hat, wie die Scholastiker zu Aristoteles gestanden haben, der also, indem er über Aristoteles sprach, durchaus so sprach, daß er dabei ins Auge fassen wollte, was man durch menschliches Wissen über die Unsterblichkeit der Seele eben wissen könne. Und da faßte Vincenz Knauer seine Meinung in der folgenden Weise zusammen, das ist sehr interessant:

[ 15 ] Der ganze Geist unserer Betrachtungen ging ja darauf hinaus, die Menschheitsentwickelung gewissermaßen so zu betrachten, daß sie zuerst in ihrer Strömung bis zu einem gewissen Einschnitte ging. In diesen Einschnitt fällt das Mysterium von Golgatha hinein. Dann geht die Geschichte weiter. Beide Strömungen sind ja gewissermaßen radikal voneinander verschieden; und wir haben ja genügend charakterisiert, inwiefern die beiden Strömungen radikal verschieden sind. Aber stellen Sie sich noch einmal das Folgende vor, um diese Verschiedenheit genügend in Ihrer Seele zu empfinden. Stellen Sie sich vor, daß in alten Zeiten es immer möglich war, daß, ohne daß der Mensch besondere Vorbereitungen in seiner Seele machte, die mit der Aktivität zusammenhängen, denn in den Mysterien hingen sie mit äußeren Veranstaltungen, mit Kultushandlungen zusammen — der Mensch dadurch, daß gewissermaßen Äußeres verrichtet wurde, Äußeres geschah, zur Überzeugung der geistigen Welt kam und damit auch seiner eigenen Unsterblichkeit, weil das noch veranlagt war in seiner Leiblichkeit vor dem Mysterium von Golgatha. Mit der Zeit des Mysteriums von Golgatha hörte die Möglichkeit des Menschenleibes auf, gewissermaßen aus sich selber heraus die Überzeugung von der Unsterblichkeit aufdunsten zu lassen; verstehen Sie den Ausdruck recht: aufdunsten zu lassen. Die Möglichkeit hörte auf. Der Leib läßt nicht mehr aus sich herauspressen die Anschauung der Unsterblichkeit. Das bereitete sich in den Jahrhunderten vor dem Mysterium von Golgatha vor, und es ist wirklich außerordentlich interessant zu sehen, wie dieser Koloß von einem Denker, Aristoteles, ein paar Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha alle Anstrengungen macht, die Seelenunsterblichkeit zu begreifen, aber zu nichts anderem kommt als zu einer solchen Unsterblichkeit, die nun wirklich eine recht sonderbare Unsterblichkeitsvorstellung ist. Der Mensch ist ja für Aristoteles nur ein vollständiger Mensch, wenn er seinen Leib hat, wenn er richtig seinen Leib hat. Und Franz Brentano, einer der besten Aristoteliker der neueren Zeit, sagt in seiner Betrachtung über Aristoteles, der Mensch sei schon kein vollständiger mehr, wenn ihm irgendein Glied fehle; wie soll er ein vollständiger Mensch sein, wenn ihm der ganze Leib fehlt? So daß also die Seele für Aristoteles, wenn sie durch die Pforte des Todes geht, dann weniger ist, als sie hier im Leibe war. Das ist das Unvermögen, das Seelische wirklich noch zu schauen, demgegenüber das alte Vermögen stand, das Seelische wahrzunehmen, in seiner Unsterblichkeit wahrzunehmen. Aber nun tritt das Eigentümliche ein, daß dieser Aristoteles durch das Mittelalter hindurch der tonangebende Philosoph ist. Was man überhaupt wissen kann, so sagen sich die Scholastiker, das hat Aristoteles gewußt, und als Philosophen können wir nichts anderes tun, als uns auf Aristoteles zu verlassen, ihm nachzuleben. Man will nicht mehr geistige Fähigkeiten, geistige Kräfte entwickeln, die über das Maß des Aristotelismus hinausgehen. Das ist sehr bedeutsam. Und das führt, ich möchte sagen, erst zu der Kardinalerkenntnis über das Faktum: warum Julian der Apostat in der Konstantinischen Zeit das Christentum, wie es sich ausgelebt hat in der damaligen Kirche, abgelehnt hat. Man muß wirklich diese Dinge, ich möchte sagen, in einem höheren Lichte sehen. Ich habe selbst noch außer Franz Brentano einen der allerbesten Aristoteliker der Gegenwart kennen gelernt, den Vincenz Knauer, der Benediktinermönch war, und der tatsächlich aus seinem katholischen Bewußtsein heraus zu Aristoteles im Grunde genommen ganz in der Art gestanden hat, wie die Scholastiker zu Aristoteles gestanden haben, der also, indem er über Aristoteles sprach, durchaus so sprach, daß er dabei ins Auge fassen wollte, was man durch menschliches Wissen über die Unsterblichkeit der Seele eben wissen könne. Und da faßte Vincenz Knauer seine Meinung in der folgenden Weise zusammen, das ist sehr interessant:

[ 16 ] «Die Seele aber, das heißt hier der abgeschiedene Menschengeist» — also der abgeschiedene, der durch den Tod gegangene Menschengeist «befindet sich also nach Aristoteles nicht in einem vollkommeneren, sondern in einem ihrer Bestimmung nicht zusagenden, höchst unvollkommenen Zustande. Das Bild für sie ist keineswegs das vielfach verwendete, das eines Schmetterlings nämlich, der nach abgestreifter Puppenhülse sich im blauen Himmelsäther wiegt. Sie gleicht vielmehr einem Schmetterling, dem von grausamer Hand die Flügel ausgerissen wurden, und der nunmehr unbehilflich in der Gestalt des armseligsten Wurmes im Staube kriecht.»

[ 16 ] «Die Seele aber, das heißt hier der abgeschiedene Menschengeist» — also der abgeschiedene, der durch den Tod gegangene Menschengeist «befindet sich also nach Aristoteles nicht in einem vollkommeneren, sondern in einem ihrer Bestimmung nicht zusagenden, höchst unvollkommenen Zustande. Das Bild für sie ist keineswegs das vielfach verwendete, das eines Schmetterlings nämlich, der nach abgestreifter Puppenhülse sich im blauen Himmelsäther wiegt. Sie gleicht vielmehr einem Schmetterling, dem von grausamer Hand die Flügel ausgerissen wurden, und der nunmehr unbehilflich in der Gestalt des armseligsten Wurmes im Staube kriecht.»

[ 17 ] Das ist sehr bedeutsam, daß diejenigen, die Aristoteles gut kennen, durchaus zugeben: menschliches Wissen sollte eigentlich zu nichts anderem als zu dieser Anerkenntnis kommen. — Daraus sieht man aber, daß schon einige Kraft angewendet werden muß, um sich zu stemmen gegen dasjenige, was aus dieser Entwickelung heraus gekommen ist. Denn ohne es zu wissen, steht der heutige Materialismus - ich habe das schon erwähnt - eigentlich ganz unter dem Einfluß jener Abschaffung des Geistes, die durch das Konstantinopeler Konzil 869 eingetreten ist, wo man den Menschen eben nicht mehr, wie ich sagte, zusammengesetzt aus Leib, Seele und Geist haben wollte, sondern wo man den Geist abschaffte, den Menschen nur aus Seele und Leib bestehen ließ.

[ 17 ] Das ist sehr bedeutsam, daß diejenigen, die Aristoteles gut kennen, durchaus zugeben: menschliches Wissen sollte eigentlich zu nichts anderem als zu dieser Anerkenntnis kommen. — Daraus sieht man aber, daß schon einige Kraft angewendet werden muß, um sich zu stemmen gegen dasjenige, was aus dieser Entwickelung heraus gekommen ist. Denn ohne es zu wissen, steht der heutige Materialismus - ich habe das schon erwähnt - eigentlich ganz unter dem Einfluß jener Abschaffung des Geistes, die durch das Konstantinopeler Konzil 869 eingetreten ist, wo man den Menschen eben nicht mehr, wie ich sagte, zusammengesetzt aus Leib, Seele und Geist haben wollte, sondern wo man den Geist abschaffte, den Menschen nur aus Seele und Leib bestehen ließ.

[ 18 ] Der moderne Materialismus geht nun noch weiter. Er schafft nun auch die Seele noch ab. Aber das ist eine ganz zusammenhängende Entwickelung. Es gehört also schon einige Kraft dazu und einiger Mut, um den Weg gewissermaßen wiederum zurückzufinden, namentlich in der richtigen Weise ihn zurückzufinden. Nicht wahr, Julian der Apostat, der in die eleusinischen Mysterien eingeweiht war, hatte ein Bewußtsein davon, daß man durch eine gewisse Entwickelung der menschlichen Seele zur Anerkennung des Unsterblichkeitscharakters der Seele kommen könne. Er hatte von diesem Sonnengeheimnis eine Erkenntnis. Und nun sah er von diesem Gesichtspunkte aus etwas, was ihm eigentlich furchtbar war. Er konnte nicht begreifen, daß es eine Notwendigkeit war, daß das für ihn Furchtbare eintrat; aber es war für ihn furchtbar. Was sah er denn eigentlich? Er sah, wenn er in alte Zeiten zurückblickte, wie die Menschen entweder direkt oder auf dem Umwege durch die Mysterien unter der Leitung der außerirdischen Gewalten und Wesen und Mächte standen. Das sah er, daß hier auf der Erde das geschehen könne, daß von geistigen Sphären aus das angeordnet wird, dadurch, daß die Menschen Erkenntnisse aus diesen geistigen Sphären haben. Das sah er. Und jetzt sah er das Christentum im Konstantinismus diejenige Form annehmen, welche auf die christliche Organisation, auf die christliche Gesellschaft anwendete die alten Grundformen des Imperium Romanum, daß sich das Christentum hineinschob in dasjenige, was das Imperium Romanum nur für die äußere soziale Ordnung ausgebildet hatte. Das sah er. Er sah gewissermaßen das Göttlich-Geistige unter das Joch des Imperium Romanum gespannt. Das war ihm das Furchtbare. Man muß nur einsehen, daß das für eine Zeitlang notwendig war, aber dazu konnte er sich nicht aufschwingen, und das bildete seinen Gegensatz gegenüber demjenigen, was sich äußerlich vollzog. Und man hat schon nötig, die große Zeit des Anhubes des Christentums vor der Konstantinischen Zeit ein wenig ins Auge zu fassen, ich habe schon darauf aufmerksam gemacht. Denn da waren die großen Impulse vorhanden, die dann nur verdunkelt, verdüstert worden sind, indem eingespannt worden ist das unter dem Einflusse des Christus-Impulses freie menschliche Erkennen in die Konzilsbeschlüsse.

[ 18 ] Der moderne Materialismus geht nun noch weiter. Er schafft nun auch die Seele noch ab. Aber das ist eine ganz zusammenhängende Entwickelung. Es gehört also schon einige Kraft dazu und einiger Mut, um den Weg gewissermaßen wiederum zurückzufinden, namentlich in der richtigen Weise ihn zurückzufinden. Nicht wahr, Julian der Apostat, der in die eleusinischen Mysterien eingeweiht war, hatte ein Bewußtsein davon, daß man durch eine gewisse Entwickelung der menschlichen Seele zur Anerkennung des Unsterblichkeitscharakters der Seele kommen könne. Er hatte von diesem Sonnengeheimnis eine Erkenntnis. Und nun sah er von diesem Gesichtspunkte aus etwas, was ihm eigentlich furchtbar war. Er konnte nicht begreifen, daß es eine Notwendigkeit war, daß das für ihn Furchtbare eintrat; aber es war für ihn furchtbar. Was sah er denn eigentlich? Er sah, wenn er in alte Zeiten zurückblickte, wie die Menschen entweder direkt oder auf dem Umwege durch die Mysterien unter der Leitung der außerirdischen Gewalten und Wesen und Mächte standen. Das sah er, daß hier auf der Erde das geschehen könne, daß von geistigen Sphären aus das angeordnet wird, dadurch, daß die Menschen Erkenntnisse aus diesen geistigen Sphären haben. Das sah er. Und jetzt sah er das Christentum im Konstantinismus diejenige Form annehmen, welche auf die christliche Organisation, auf die christliche Gesellschaft anwendete die alten Grundformen des Imperium Romanum, daß sich das Christentum hineinschob in dasjenige, was das Imperium Romanum nur für die äußere soziale Ordnung ausgebildet hatte. Das sah er. Er sah gewissermaßen das Göttlich-Geistige unter das Joch des Imperium Romanum gespannt. Das war ihm das Furchtbare. Man muß nur einsehen, daß das für eine Zeitlang notwendig war, aber dazu konnte er sich nicht aufschwingen, und das bildete seinen Gegensatz gegenüber demjenigen, was sich äußerlich vollzog. Und man hat schon nötig, die große Zeit des Anhubes des Christentums vor der Konstantinischen Zeit ein wenig ins Auge zu fassen, ich habe schon darauf aufmerksam gemacht. Denn da waren die großen Impulse vorhanden, die dann nur verdunkelt, verdüstert worden sind, indem eingespannt worden ist das unter dem Einflusse des Christus-Impulses freie menschliche Erkennen in die Konzilsbeschlüsse.

[ 19 ] Wenn man zurückgeht auf Origenes, auf Klemens von Alexandrien, überall findet man, daß diese Geister weitherzig sind, noch etwas durchaus Griechisches haben, nur daß sie ein Bewußtsein in ihren Seelen tragen von der Größe desjenigen, was durch das Mysterium von Golgatha sich vollzogen hat. Aber sie reden in einer Weise über dieses Mysterium von Golgatha und über den, der durch dasselbe gegangen ist, in einer Weise, die eben einfach gegenwärtig vor allen Konfessionen ketzerisch ist. Eigentlich sind die großen Kirchenväter der vorkonstantinischen Zeit die allerärgsten Ketzer. Sie werden anerkannt von der Kirche, aber sie sind trotzdem die allerärgsten Ketzer. Denn so sehr sie auf der einen Seite sich dessen bewußt sind, was Großes für die Erdenentwickelung mit dem Mysterium von Golgatha geschehen ist, so sind sie nicht darauf aus, den Weg zum Mysterium von Golgatha, den Weg der Mysterien, den Weg des alten Hellsehens, ausrotten zu wollen, was dann das konstantinische Christentum tun wollte, wie wir gesehen haben. Vor allen Dingen ist es bei Klemens von Alexandrien zu sehen, wie überall große Geheimnisse durch seine Werke durchleuchten, Geheimnisse, die in dem Grade geheim sind, daß dem gegenwärtigen Menschen es sogar schwer wird, sich bei dem entsprechenden Begriff überhaupt etwas zu denken. Klemens der Alexandriner redet zum Beispiel von dem Logos, von der die Welt durchwallenden und durchwellenden Weisheit. Er stellt sich diesen Logos schon vor als sinnerfüllte Sphärenmusik der Welt. Ganz lebendig stellt er sich ihn vor. Und er stellt sich vor, daß dasjenige, was äußerlich sichtbare Welt ist, gewissermaßen der Ausdruck ist der Sphärenmusik, so wie das sichtbare Schwingen der Saiten der Ausdruck ist für die musikalische Wellenbewegung. Und so wird ihm, dem Klemens von Alexandrien, die menschliche Gestalt zum Ebenbild des Logos. Das heißt: Klemens der Alexandriner appelliert an den Logos, und indem er die menschliche Gestalt ansieht, wird sie ihm wie ein Zusammenfluß von Tönen aus der Sphärenmusik heraus. Ein Ebenbild des Logos ist der Mensch, so sagt er. Und in manchen von den Aussprüchen Klemens’ von Alexandrien finden wir Spuren davon, daß höchste, höchste Weisheit in ihm gelebt hat, aber ganz durchleuchtet mit dem, was ausströmt von dem Mysterium von Golgatha. Vergleichen Sie mit dem, was heute vielfach herrscht, gerade solche Aussprüche, die ich da meine bei Klemens dem Alexandriner, dann werden Sie sonderbare Ansichten bekommen über das Recht, solch einen Menschen wie Klemens den Alexandriner anzuerkennen, ohne ihn zu verstehen.

[ 19 ] Wenn man zurückgeht auf Origenes, auf Klemens von Alexandrien, überall findet man, daß diese Geister weitherzig sind, noch etwas durchaus Griechisches haben, nur daß sie ein Bewußtsein in ihren Seelen tragen von der Größe desjenigen, was durch das Mysterium von Golgatha sich vollzogen hat. Aber sie reden in einer Weise über dieses Mysterium von Golgatha und über den, der durch dasselbe gegangen ist, in einer Weise, die eben einfach gegenwärtig vor allen Konfessionen ketzerisch ist. Eigentlich sind die großen Kirchenväter der vorkonstantinischen Zeit die allerärgsten Ketzer. Sie werden anerkannt von der Kirche, aber sie sind trotzdem die allerärgsten Ketzer. Denn so sehr sie auf der einen Seite sich dessen bewußt sind, was Großes für die Erdenentwickelung mit dem Mysterium von Golgatha geschehen ist, so sind sie nicht darauf aus, den Weg zum Mysterium von Golgatha, den Weg der Mysterien, den Weg des alten Hellsehens, ausrotten zu wollen, was dann das konstantinische Christentum tun wollte, wie wir gesehen haben. Vor allen Dingen ist es bei Klemens von Alexandrien zu sehen, wie überall große Geheimnisse durch seine Werke durchleuchten, Geheimnisse, die in dem Grade geheim sind, daß dem gegenwärtigen Menschen es sogar schwer wird, sich bei dem entsprechenden Begriff überhaupt etwas zu denken. Klemens der Alexandriner redet zum Beispiel von dem Logos, von der die Welt durchwallenden und durchwellenden Weisheit. Er stellt sich diesen Logos schon vor als sinnerfüllte Sphärenmusik der Welt. Ganz lebendig stellt er sich ihn vor. Und er stellt sich vor, daß dasjenige, was äußerlich sichtbare Welt ist, gewissermaßen der Ausdruck ist der Sphärenmusik, so wie das sichtbare Schwingen der Saiten der Ausdruck ist für die musikalische Wellenbewegung. Und so wird ihm, dem Klemens von Alexandrien, die menschliche Gestalt zum Ebenbild des Logos. Das heißt: Klemens der Alexandriner appelliert an den Logos, und indem er die menschliche Gestalt ansieht, wird sie ihm wie ein Zusammenfluß von Tönen aus der Sphärenmusik heraus. Ein Ebenbild des Logos ist der Mensch, so sagt er. Und in manchen von den Aussprüchen Klemens’ von Alexandrien finden wir Spuren davon, daß höchste, höchste Weisheit in ihm gelebt hat, aber ganz durchleuchtet mit dem, was ausströmt von dem Mysterium von Golgatha. Vergleichen Sie mit dem, was heute vielfach herrscht, gerade solche Aussprüche, die ich da meine bei Klemens dem Alexandriner, dann werden Sie sonderbare Ansichten bekommen über das Recht, solch einen Menschen wie Klemens den Alexandriner anzuerkennen, ohne ihn zu verstehen.

[ 20 ] Wenn man heute davon spricht, daß Geisteswissenschaft etwas sein will, was sich durchaus in der Strömung des Christentums bewegt, was durchaus aus dem Christentum hervorblühen muß für unsere Zeit, da kommen zahlreiche Menschen — wir haben es ja erlebt, wir erleben ja diese Dinge — und sagen: Aufleben der alten Gnosis! — und vor der Gnosis, nun, da fängt eine große Zahl derjenigen, die heute das Christentum vertreten, an, sich zu bekreuzigen wie vor dem lebendigen Teufel. Aber Gnosis für die heutige Zeit ist Geisteswissenschaft, nur daß die fortgeschrittene, die heutige Gnosis etwas anderes ist als die Gnosis, die Klemens der Alexandriner gekannt hat. Dennoch aber, wie spricht sich Klemens der Alexandriner aus, als in der zweiten Hälfte des zweiten christlichen Jahrhunderts lebend? Er sagt: Glaube, gut, das ist das, wovon man ausgeht. — Der heutige kirchliche Bekenner will dabei stehen bleiben. Der Glaube ist schon Gnosis, sagt er, aber gedrängte Erkenntnis des Nottuenden, die Gnosis aber der bestätigende und festigende Nachweis des im Glauben Aufgenommenen, durch die Unterweisung des Herrn auf den Glauben gebaut, ihn fortführend zur wissenschaftlichen Unwiderleglichkeit und Erfaßbarkeit. - Da haben Sie das ausgesprochen für seine Zeit bei Klemens dem Alexandriner, was für die heutige Zeit verwirklicht werden muß. Da haben Sie es als eine Forderung des Christentums ausgesprochen, daß Gnosis, die heutige Geisteswissenschaft, sich lebendig hineinstellen muß gerade in die christliche Entwickelung. Der Stumpfling von heute sagt: Wissenschaft auf der einen Seite — die will er beschränken auf die äußeren Tatsachen -, Glaube auf der anderen Seite; der Glaube soll sich nicht in die Wissenschaft hineinmischen. Klemens von Alexandrien sagt: Dem Glauben wird die Gnosis gegeben, der Gnosis die Liebe, der Liebe das Erbe. — Es ist dieses einer derjenigen Aussprüche, die zu dem Tiefsten überhaupt der Entwickelung des Menschengeistes gehören, weil er Zeugnis ablegt von einem tiefen Verbündnis mit dem geistigen Leben. Vom Glauben geht man aus; aber dem Glauben wird die Gnosis gegeben, das heißt das Wissen, die Erkenntnis. Und aus der lebendigen Erkenntnis, das heißt aus dem Untertauchen in die Dinge, fließt erst die rechte Liebe, und aus der rechten Liebe die Handhabung des Erbes des Göttlichen. Göttliches kann durch die Menschheit nur fließen, fortfließen, wie es im Urbeginn geflossen ist, wenn dem Glauben die Gnosis, der Gnosis die Liebe, der Liebe das Erbe gegeben werden. — Man muß solche Aussprüche auch so ansehen, daß man in ihnen sieht Zeugnisse für die Tiefe eines solchen Geistes.

[ 20 ] Wenn man heute davon spricht, daß Geisteswissenschaft etwas sein will, was sich durchaus in der Strömung des Christentums bewegt, was durchaus aus dem Christentum hervorblühen muß für unsere Zeit, da kommen zahlreiche Menschen — wir haben es ja erlebt, wir erleben ja diese Dinge — und sagen: Aufleben der alten Gnosis! — und vor der Gnosis, nun, da fängt eine große Zahl derjenigen, die heute das Christentum vertreten, an, sich zu bekreuzigen wie vor dem lebendigen Teufel. Aber Gnosis für die heutige Zeit ist Geisteswissenschaft, nur daß die fortgeschrittene, die heutige Gnosis etwas anderes ist als die Gnosis, die Klemens der Alexandriner gekannt hat. Dennoch aber, wie spricht sich Klemens der Alexandriner aus, als in der zweiten Hälfte des zweiten christlichen Jahrhunderts lebend? Er sagt: Glaube, gut, das ist das, wovon man ausgeht. — Der heutige kirchliche Bekenner will dabei stehen bleiben. Der Glaube ist schon Gnosis, sagt er, aber gedrängte Erkenntnis des Nottuenden, die Gnosis aber der bestätigende und festigende Nachweis des im Glauben Aufgenommenen, durch die Unterweisung des Herrn auf den Glauben gebaut, ihn fortführend zur wissenschaftlichen Unwiderleglichkeit und Erfaßbarkeit. - Da haben Sie das ausgesprochen für seine Zeit bei Klemens dem Alexandriner, was für die heutige Zeit verwirklicht werden muß. Da haben Sie es als eine Forderung des Christentums ausgesprochen, daß Gnosis, die heutige Geisteswissenschaft, sich lebendig hineinstellen muß gerade in die christliche Entwickelung. Der Stumpfling von heute sagt: Wissenschaft auf der einen Seite — die will er beschränken auf die äußeren Tatsachen -, Glaube auf der anderen Seite; der Glaube soll sich nicht in die Wissenschaft hineinmischen. Klemens von Alexandrien sagt: Dem Glauben wird die Gnosis gegeben, der Gnosis die Liebe, der Liebe das Erbe. — Es ist dieses einer derjenigen Aussprüche, die zu dem Tiefsten überhaupt der Entwickelung des Menschengeistes gehören, weil er Zeugnis ablegt von einem tiefen Verbündnis mit dem geistigen Leben. Vom Glauben geht man aus; aber dem Glauben wird die Gnosis gegeben, das heißt das Wissen, die Erkenntnis. Und aus der lebendigen Erkenntnis, das heißt aus dem Untertauchen in die Dinge, fließt erst die rechte Liebe, und aus der rechten Liebe die Handhabung des Erbes des Göttlichen. Göttliches kann durch die Menschheit nur fließen, fortfließen, wie es im Urbeginn geflossen ist, wenn dem Glauben die Gnosis, der Gnosis die Liebe, der Liebe das Erbe gegeben werden. — Man muß solche Aussprüche auch so ansehen, daß man in ihnen sieht Zeugnisse für die Tiefe eines solchen Geistes.

[ 21 ] Und so schwierig es auf der einen Seite ist, so notwendig ist es auf der anderen Seite, gerade die wahre Gestalt des christlichen Lebens den Menschen heute wiederum zugänglich zu machen. Denn werden heute gewisse Dinge in der richtigen Weise bezeichnet, so zeigt sich an diesen Dingen, worin eigentlich die Schäden unserer Zeit liegen. Diese Schäden wirken so, daß man gewöhnlich nicht durchschauen will, wie die Sachen eigentlich wirken. Sehen Sie, wenn ein Dorf in den Alpen verschüttet wird durch eine Lawine, so sieht jeder die Lawine ins Dorf stürzen; aber derjenige, der den Ursprung der Lawine suchen will, der muß sie vielleicht in einem Schneekörnchen da oben suchen. Das Zusammenstürzen des Dorfes durch die Lawine wird leicht zu beobachten sein; daß das durch ein Körnchen Schnee vielleicht verursacht wird, das wird nicht so leicht zu konstatieren sein, schon im Physischen nicht. Nun erst bei den großen Erscheinungen der Weltgeschichte! Daß wir jetzt in einer furchtbaren Katastrophe der Menschheit stehen, das ist zu sehen, das ist die Lawine, die heruntergestürzt ist. Wo wir die Ausgangspunkte zu suchen haben, das ist dort, wo die Körnchen anfangen zu rollen. Allerdings müssen wir dann verschiedene Körnchen suchen; aber man verfolgt diese Körnchen nicht bis dahin, wo sie dann Lawinen werden. Und man sieht es heute nicht gerne, wenn gewisse Dinge bei dem rechten Namen genannt werden.

[ 21 ] Und so schwierig es auf der einen Seite ist, so notwendig ist es auf der anderen Seite, gerade die wahre Gestalt des christlichen Lebens den Menschen heute wiederum zugänglich zu machen. Denn werden heute gewisse Dinge in der richtigen Weise bezeichnet, so zeigt sich an diesen Dingen, worin eigentlich die Schäden unserer Zeit liegen. Diese Schäden wirken so, daß man gewöhnlich nicht durchschauen will, wie die Sachen eigentlich wirken. Sehen Sie, wenn ein Dorf in den Alpen verschüttet wird durch eine Lawine, so sieht jeder die Lawine ins Dorf stürzen; aber derjenige, der den Ursprung der Lawine suchen will, der muß sie vielleicht in einem Schneekörnchen da oben suchen. Das Zusammenstürzen des Dorfes durch die Lawine wird leicht zu beobachten sein; daß das durch ein Körnchen Schnee vielleicht verursacht wird, das wird nicht so leicht zu konstatieren sein, schon im Physischen nicht. Nun erst bei den großen Erscheinungen der Weltgeschichte! Daß wir jetzt in einer furchtbaren Katastrophe der Menschheit stehen, das ist zu sehen, das ist die Lawine, die heruntergestürzt ist. Wo wir die Ausgangspunkte zu suchen haben, das ist dort, wo die Körnchen anfangen zu rollen. Allerdings müssen wir dann verschiedene Körnchen suchen; aber man verfolgt diese Körnchen nicht bis dahin, wo sie dann Lawinen werden. Und man sieht es heute nicht gerne, wenn gewisse Dinge bei dem rechten Namen genannt werden.

[ 22 ] Nehmen wir einmal an: jemand will sich heute ein Urteil bilden, was auf diesem oder jenem Gebiete Wissenschaft ist. Wie macht er das? Durchschnittlich, wie macht er das? Nun, er verläßt sich auf das Urteil eines Mannes, der für das betreffende Fach angestellt ist. Warum ist dieses Urteil maßgebend? Nun, weil der betreffende Mann zum Professor an dieser oder jener Universität ernannt ist. Das ist ja in der Regel der Grund, warum das oder jenes heute als wissenschaftlich anerkannt ist. Aber nehmen wir einen einzigen konkreten Fall. Ich weiß sehr wohl, beliebt macht man sich nicht, wenn man diese Dinge bei ihrem Namen nennt, aber das nützt ja doch nichts; wenn die Dinge weiterhin in unserer Zeit nicht beim rechten Namen genannt werden von immer mehr und mehr Leuten, so wird man aus der Misere nicht herauskommen. Nehmen wir an, irgendeine der Autoritäten sagt folgendes: Da haben die Leute immerfort ihr Gerede von Leib und Seele, die sich beim Menschen finden. Das ist eigentlich ein unbefriedigender Dualismus, Leib und Seele. Daß wir von Leib und Seele heute noch reden, das kommt nur davon her, weil wir uns in der Sprache ausdrücken müssen, und die Sprache haben wir nicht geschaffen in der Gegenwart, sondern die ist uns überliefert aus einer früheren Zeit, wo die Menschen noch viel dümmer waren als die heutigen Universitätsprofessoren. Da haben diese dummen Menschen noch geglaubt an die Seele im Gegensatz zum Leibe. Und wenn wir heute von diesen Sachen reden, dann müssen wir uns dieser Worte bedienen; wir sind Sklaven der Sprache und mit der Sprache eigentlich der dummen Leute, die noch nicht solche gescheite Professoren angestellt haben, wie wir sind. - Nun sagt er weiter: Also, man muß ja schon reden von Leib und Seele; allein die Sache ist ganz unberechtigt. Denn wenn wirklich einmal einer kommt und redet, ganz unbeirrt von den Leuten der Vorzeit vom heutigen Standpunkte aus, so sagt er vielleicht: Ja, da sehe ich eine Blume und dann sehe ich einen anderen Menschen. Den anderen Menschen kann ich sehen mit Bezug auf seine Gesichtsfarbe, seine Gestalt, wie ich die Blume sehe. Das andere muß ich nur erschließen. - Nun könnte einer kommen und könnte sagen: Ja, aber der andere sieht auch die Blume, und das Bild der Blume lebt in seiner Seele. Aber das ist eitel Täuschung. Was mir eigentlich gegeben ist bei der Blumenempfindung, bei der Steinempfindung, ist Sinneseindruck, ist auch beim Menschen Sinneseindruck. Daß da noch etwas in der Seele lebt, das ist nur eitel Täuschung. Es sind überall nur Beziehungen gegeben.

[ 22 ] Nehmen wir einmal an: jemand will sich heute ein Urteil bilden, was auf diesem oder jenem Gebiete Wissenschaft ist. Wie macht er das? Durchschnittlich, wie macht er das? Nun, er verläßt sich auf das Urteil eines Mannes, der für das betreffende Fach angestellt ist. Warum ist dieses Urteil maßgebend? Nun, weil der betreffende Mann zum Professor an dieser oder jener Universität ernannt ist. Das ist ja in der Regel der Grund, warum das oder jenes heute als wissenschaftlich anerkannt ist. Aber nehmen wir einen einzigen konkreten Fall. Ich weiß sehr wohl, beliebt macht man sich nicht, wenn man diese Dinge bei ihrem Namen nennt, aber das nützt ja doch nichts; wenn die Dinge weiterhin in unserer Zeit nicht beim rechten Namen genannt werden von immer mehr und mehr Leuten, so wird man aus der Misere nicht herauskommen. Nehmen wir an, irgendeine der Autoritäten sagt folgendes: Da haben die Leute immerfort ihr Gerede von Leib und Seele, die sich beim Menschen finden. Das ist eigentlich ein unbefriedigender Dualismus, Leib und Seele. Daß wir von Leib und Seele heute noch reden, das kommt nur davon her, weil wir uns in der Sprache ausdrücken müssen, und die Sprache haben wir nicht geschaffen in der Gegenwart, sondern die ist uns überliefert aus einer früheren Zeit, wo die Menschen noch viel dümmer waren als die heutigen Universitätsprofessoren. Da haben diese dummen Menschen noch geglaubt an die Seele im Gegensatz zum Leibe. Und wenn wir heute von diesen Sachen reden, dann müssen wir uns dieser Worte bedienen; wir sind Sklaven der Sprache und mit der Sprache eigentlich der dummen Leute, die noch nicht solche gescheite Professoren angestellt haben, wie wir sind. - Nun sagt er weiter: Also, man muß ja schon reden von Leib und Seele; allein die Sache ist ganz unberechtigt. Denn wenn wirklich einmal einer kommt und redet, ganz unbeirrt von den Leuten der Vorzeit vom heutigen Standpunkte aus, so sagt er vielleicht: Ja, da sehe ich eine Blume und dann sehe ich einen anderen Menschen. Den anderen Menschen kann ich sehen mit Bezug auf seine Gesichtsfarbe, seine Gestalt, wie ich die Blume sehe. Das andere muß ich nur erschließen. - Nun könnte einer kommen und könnte sagen: Ja, aber der andere sieht auch die Blume, und das Bild der Blume lebt in seiner Seele. Aber das ist eitel Täuschung. Was mir eigentlich gegeben ist bei der Blumenempfindung, bei der Steinempfindung, ist Sinneseindruck, ist auch beim Menschen Sinneseindruck. Daß da noch etwas in der Seele lebt, das ist nur eitel Täuschung. Es sind überall nur Beziehungen gegeben.

[ 23 ] Sie sagen sich: Was uns der da sagt, dabei kann man sich nichts vorstellen! Nun, Gott sei Dank, wenn Sie sich nur recht wenig dabei vorstellen können; denn die ganze Auseinandersetzung ist nämlich das törichteste Gerede, das es nur geben kann, ist gewissermaßen die personifizierte Torheit. Diese personifizierte Torheit wird in Zusammenhang gegeben mit allerlei ja sorgfältigen Untersuchungen, die in Laboratorien gemacht werden über das menschliche Hirn, über allerlei klinische Ergebnisse und so weiter. Das heißt, der Betreffende ist ein Tor. Er ist in der Lage, gute klinische Ergebnisse zu geben, weil er die Kliniken zur Verfügung hat; was er redet über diese Dinge, ist die reinste Torheit. Diese Toren sind heute gar nicht selten, sondern sie sind eigentlich das Gewöhnliche. Beliebt macht man sich selbstverständlich nicht, wenn man diese Sachen sagt. Die Vortragsserie, die als Buch veröffentlicht ist von dem betreffenden Mann - verzeihen Sie, er heißt nämlich kurioserweise noch dazu Verworn, aber das will ich selbstverständlich auf dem physischen Plan nur für einen Zufall gelten lassen —, das Buch, das die Artikelserie wiedergibt, heißt «Die Mechanik des Geisteslebens». Über die «Holzigkeit des Eisens» könnte man ebenso schreiben, wie über die Mechanik des Geisteslebens, das hätte ungefähr ebensoviel Sinn. Ja, wenn unser Geistesleben in seinen erleuchtetsten Köpfen von solcher «Gedankenschärfe» durchzogen ist - Verworn beschreibt, was er sieht, er mischt nur seine eigenen törichten Gedanken hinein -, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn grade diejenigen Disziplinen, die nicht das Glück haben, wenigstens in bezug auf das Äußerlich-Sinnliche wahr zu sein, die nichts Äußerliches anschauen können, sich absolut nicht zurechtfinden können. Namentlich die Staatswissenschaften, denen gewissermaßen die Krücke der äußeren Tatsachen fehlt, die müßten wirklichkeitstragfähige Gedanken haben, und die haben sie aus den angedeuteten Gründen nicht, wie ich Ihnen das letztemal ausgeführt habe. Mit der Nase werden aber die Leute selbst darauf gestoßen. Ich habe Ihnen einen sehr befähigten Menschen angeführt: Kjellén, den schwedischen Denker. Gewiß, es ist einer der allerbesten. Und sein Buch «Der Staat als Lebensform» ist geistreich; aber gegen den Schluß bringt er eine merkwürdige Idee vor, mit der er nichts machen kann, mit der aber auch andere in der Gegenwart nichts machen können. Er zitiert nämlich einen gewissen Fustel de Coulanges, der «La cit€ antique» geschrieben hat, und der in diesem Buche ausführt die Idee, daß es doch sehr merkwürdig ist, wenn man in die alten Staaten zurückgeht, die alten vorchristlichen Staaten untersucht, daß da fast der ganze Staat immer auf Kultus gebaut ist; der ganze Staat ist auf geistig-soziale Ordnung aufgebaut. — Also, Sie sehen, die Leute werden auf die Tatsachen gestoßen, denn ich habe Ihnen das letzte Mal erzählt, wie die soziale Ordnung aus den Mysterien herausgeflossen, wie sie wirklich ein Geistiges war. Indem die Leute diese Sachen studieren, kommen sie auf solche Dinge, aber sie können sie nicht verstehen, sie können sich unmöglich irgend etwas dabei denken. Sie können nichts machen mit dem, was ihnen selbst die Geschichte erzählt, der man so viele Dokumente weggenommen hat.

[ 23 ] Sie sagen sich: Was uns der da sagt, dabei kann man sich nichts vorstellen! Nun, Gott sei Dank, wenn Sie sich nur recht wenig dabei vorstellen können; denn die ganze Auseinandersetzung ist nämlich das törichteste Gerede, das es nur geben kann, ist gewissermaßen die personifizierte Torheit. Diese personifizierte Torheit wird in Zusammenhang gegeben mit allerlei ja sorgfältigen Untersuchungen, die in Laboratorien gemacht werden über das menschliche Hirn, über allerlei klinische Ergebnisse und so weiter. Das heißt, der Betreffende ist ein Tor. Er ist in der Lage, gute klinische Ergebnisse zu geben, weil er die Kliniken zur Verfügung hat; was er redet über diese Dinge, ist die reinste Torheit. Diese Toren sind heute gar nicht selten, sondern sie sind eigentlich das Gewöhnliche. Beliebt macht man sich selbstverständlich nicht, wenn man diese Sachen sagt. Die Vortragsserie, die als Buch veröffentlicht ist von dem betreffenden Mann - verzeihen Sie, er heißt nämlich kurioserweise noch dazu Verworn, aber das will ich selbstverständlich auf dem physischen Plan nur für einen Zufall gelten lassen —, das Buch, das die Artikelserie wiedergibt, heißt «Die Mechanik des Geisteslebens». Über die «Holzigkeit des Eisens» könnte man ebenso schreiben, wie über die Mechanik des Geisteslebens, das hätte ungefähr ebensoviel Sinn. Ja, wenn unser Geistesleben in seinen erleuchtetsten Köpfen von solcher «Gedankenschärfe» durchzogen ist - Verworn beschreibt, was er sieht, er mischt nur seine eigenen törichten Gedanken hinein -, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn grade diejenigen Disziplinen, die nicht das Glück haben, wenigstens in bezug auf das Äußerlich-Sinnliche wahr zu sein, die nichts Äußerliches anschauen können, sich absolut nicht zurechtfinden können. Namentlich die Staatswissenschaften, denen gewissermaßen die Krücke der äußeren Tatsachen fehlt, die müßten wirklichkeitstragfähige Gedanken haben, und die haben sie aus den angedeuteten Gründen nicht, wie ich Ihnen das letztemal ausgeführt habe. Mit der Nase werden aber die Leute selbst darauf gestoßen. Ich habe Ihnen einen sehr befähigten Menschen angeführt: Kjellén, den schwedischen Denker. Gewiß, es ist einer der allerbesten. Und sein Buch «Der Staat als Lebensform» ist geistreich; aber gegen den Schluß bringt er eine merkwürdige Idee vor, mit der er nichts machen kann, mit der aber auch andere in der Gegenwart nichts machen können. Er zitiert nämlich einen gewissen Fustel de Coulanges, der «La cit€ antique» geschrieben hat, und der in diesem Buche ausführt die Idee, daß es doch sehr merkwürdig ist, wenn man in die alten Staaten zurückgeht, die alten vorchristlichen Staaten untersucht, daß da fast der ganze Staat immer auf Kultus gebaut ist; der ganze Staat ist auf geistig-soziale Ordnung aufgebaut. — Also, Sie sehen, die Leute werden auf die Tatsachen gestoßen, denn ich habe Ihnen das letzte Mal erzählt, wie die soziale Ordnung aus den Mysterien herausgeflossen, wie sie wirklich ein Geistiges war. Indem die Leute diese Sachen studieren, kommen sie auf solche Dinge, aber sie können sie nicht verstehen, sie können sich unmöglich irgend etwas dabei denken. Sie können nichts machen mit dem, was ihnen selbst die Geschichte erzählt, der man so viele Dokumente weggenommen hat.

[ 24 ] Um so weniger kann mit der anderen Idee etwas recht gemacht werden, die wiederum erstehen muß, und die wir gerade in den Mysterien, und, ich möchte sagen, in jenem wunderbarsten Nachklang an die Mysterien, bei Plato, wiederfinden, und die ich als einen neueren Weg, zum Christus zu kommen, angedeutet habe. Wenn Sie die Platonischen Werke durchlesen, tritt Ihnen eine eigentümliche Sache entgegen. Plato stellt in den Mittelpunkt seiner Betrachtung den Sokrates, Sokrates im Kreise seiner Schüler. Das Gespräch des Sokrates mit seinen Schülern ist es, innerhalb dessen entwickelt wird dasjenige, was Plato sagen will. Plato knüpft an den toten Sokrates an in seinen Schriften. Das ist nicht nur eine belletristische Einkleidung, sondern das ist mehr. Das ist, ich möchte sagen, die Fortsetzung, der Nachklang dessen, was in den Mysterien gelebt hat, wo die Mysterienschüler hingeführt wurden zum Verkehr mit den Verstorbenen, die von der geistigen Welt weiterregieren die äußere sinnliche Welt. Plato entwickelt eine Philosophie, indem er an einen Toten anknüpft. Diese Idee muß wieder erstehen, diese Idee muß wiederkommen. Und ich habe angedeutet, wie sie wiederkommen muß. Wir müssen die Möglichkeit finden, über die trockene Historie, über die Nacherzählung der äußeren Ereignisse hinauszukommen; wir müssen zu der Möglichkeit kommen, mit den Toten zu leben, die Gedanken der Toten in uns wieder auferstehen zu lassen. Wir müssen in diesem Sinne die Auferstehungsidee ernst nehmen können. Das ist der Weg, auf dem sich schon der Christus der Menschheit erschließt im subjektiven, im inneren Erleben, der Weg, auf dem sich der Christus bewahrheiten kann. Aber es gehört zu diesem Wege die Entwickelung dessen, was man nennen kann: den Willen im Denken. Wenn Sie sich die Gedanken nur so bilden können, wie sie sich bilden, wenn Sie die äußere Sinneswelt anschauen, dann kommen Sie nicht zu solchen Gedanken, die mit Toten in eine reale Verbindung kommen. Wir müssen die Fähigkeit gewinnen, Gedanken elementar aus dem eigenen Wesen heraufzuholen. Der Wille muß den Mut haben, mit der Wirklichkeit sich zu verbinden. Dann wird der Wille, der sich also vergeistigt, er wird, genau ebenso wie Ihre Hand an einen äußeren sinnlichen Gegenstand anstößt, anstoßen an Geistwesen. Und die ersten Geistwesen werden in der Regel sogar diejenigen sein, welche in irgendeiner Weise karmisch mit uns verbundene Tote sind. Das Notwendige bei allen diesen Dingen ist nur, daß Sie sich dafür nicht gewissermaßen Anleitungen suchen, die man leicht haben kann, gewissermaßen auf einen Bogen Papier aufgeschrieben, um sie in die Westentasche zu stecken. So einfach sind diese Dinge nicht. Man stößt auch bei gutwilligen Leuten darauf, daß sie sagen: Wie kann ich unterscheiden, was Traum und Wirklichkeit ist? Wie unterscheide ich, was Phantasie und Wirklichkeit ist? — Ja, im einzelnen Falle dieses zu unterscheiden nach einer bestimmten Regel, das ist gar nicht dasjenige, was man suchen soll. Die ganze Seele muß sich nach und nach so stimmen, daß sie sich urteilsfähig macht, im einzelnen Falle eben ein Urteil zu gewinnen, wie man ja auch in der sinnlichen Außenwelt urteilen will, ohne Anweisung für einen einzelnen Fall, sondern wie man sich erziehen muß für einen größeren Umkreis, um über den einzelnen Fall ein Urteil zu haben. Der Traum kann sehr ähnlich sein der Berührung mit der Realität, aber man kann nicht im einzelnen Falle die Angabe machen: Dadurch unterscheidest du einen bloßen Traum von einer Wirklichkeit. Es kann sogar dasjenige, was ich jetzt sage, für diesen oder jenen Fall wiederum falsch sein, weil wiederum andere Gesichtspunkte in Betracht kommen. Es handelt sich eben immer darum, daß man versucht, seine ganze Seele urteilsfähig zu machen für die geistige Welt.

[ 24 ] Um so weniger kann mit der anderen Idee etwas recht gemacht werden, die wiederum erstehen muß, und die wir gerade in den Mysterien, und, ich möchte sagen, in jenem wunderbarsten Nachklang an die Mysterien, bei Plato, wiederfinden, und die ich als einen neueren Weg, zum Christus zu kommen, angedeutet habe. Wenn Sie die Platonischen Werke durchlesen, tritt Ihnen eine eigentümliche Sache entgegen. Plato stellt in den Mittelpunkt seiner Betrachtung den Sokrates, Sokrates im Kreise seiner Schüler. Das Gespräch des Sokrates mit seinen Schülern ist es, innerhalb dessen entwickelt wird dasjenige, was Plato sagen will. Plato knüpft an den toten Sokrates an in seinen Schriften. Das ist nicht nur eine belletristische Einkleidung, sondern das ist mehr. Das ist, ich möchte sagen, die Fortsetzung, der Nachklang dessen, was in den Mysterien gelebt hat, wo die Mysterienschüler hingeführt wurden zum Verkehr mit den Verstorbenen, die von der geistigen Welt weiterregieren die äußere sinnliche Welt. Plato entwickelt eine Philosophie, indem er an einen Toten anknüpft. Diese Idee muß wieder erstehen, diese Idee muß wiederkommen. Und ich habe angedeutet, wie sie wiederkommen muß. Wir müssen die Möglichkeit finden, über die trockene Historie, über die Nacherzählung der äußeren Ereignisse hinauszukommen; wir müssen zu der Möglichkeit kommen, mit den Toten zu leben, die Gedanken der Toten in uns wieder auferstehen zu lassen. Wir müssen in diesem Sinne die Auferstehungsidee ernst nehmen können. Das ist der Weg, auf dem sich schon der Christus der Menschheit erschließt im subjektiven, im inneren Erleben, der Weg, auf dem sich der Christus bewahrheiten kann. Aber es gehört zu diesem Wege die Entwickelung dessen, was man nennen kann: den Willen im Denken. Wenn Sie sich die Gedanken nur so bilden können, wie sie sich bilden, wenn Sie die äußere Sinneswelt anschauen, dann kommen Sie nicht zu solchen Gedanken, die mit Toten in eine reale Verbindung kommen. Wir müssen die Fähigkeit gewinnen, Gedanken elementar aus dem eigenen Wesen heraufzuholen. Der Wille muß den Mut haben, mit der Wirklichkeit sich zu verbinden. Dann wird der Wille, der sich also vergeistigt, er wird, genau ebenso wie Ihre Hand an einen äußeren sinnlichen Gegenstand anstößt, anstoßen an Geistwesen. Und die ersten Geistwesen werden in der Regel sogar diejenigen sein, welche in irgendeiner Weise karmisch mit uns verbundene Tote sind. Das Notwendige bei allen diesen Dingen ist nur, daß Sie sich dafür nicht gewissermaßen Anleitungen suchen, die man leicht haben kann, gewissermaßen auf einen Bogen Papier aufgeschrieben, um sie in die Westentasche zu stecken. So einfach sind diese Dinge nicht. Man stößt auch bei gutwilligen Leuten darauf, daß sie sagen: Wie kann ich unterscheiden, was Traum und Wirklichkeit ist? Wie unterscheide ich, was Phantasie und Wirklichkeit ist? — Ja, im einzelnen Falle dieses zu unterscheiden nach einer bestimmten Regel, das ist gar nicht dasjenige, was man suchen soll. Die ganze Seele muß sich nach und nach so stimmen, daß sie sich urteilsfähig macht, im einzelnen Falle eben ein Urteil zu gewinnen, wie man ja auch in der sinnlichen Außenwelt urteilen will, ohne Anweisung für einen einzelnen Fall, sondern wie man sich erziehen muß für einen größeren Umkreis, um über den einzelnen Fall ein Urteil zu haben. Der Traum kann sehr ähnlich sein der Berührung mit der Realität, aber man kann nicht im einzelnen Falle die Angabe machen: Dadurch unterscheidest du einen bloßen Traum von einer Wirklichkeit. Es kann sogar dasjenige, was ich jetzt sage, für diesen oder jenen Fall wiederum falsch sein, weil wiederum andere Gesichtspunkte in Betracht kommen. Es handelt sich eben immer darum, daß man versucht, seine ganze Seele urteilsfähig zu machen für die geistige Welt.

[ 25 ] Nehmen Sie den Fall, der ja sehr häufig vorkommt: Sie träumen, Sie glauben zu träumen; aber die Menschen können ja nicht so leicht unterscheiden Traum und Wirklichkeit. Diejenigen, die heute übrigens über den Traum nachdenken, die denken etwa nach der Anleitung solcher Leute wie der des Herrn Verworn nach, der da sagt: Man kann ein schönes Experiment machen. Verworn führt zum Beispiel folgendes schöne Experiment an; das ist auch als Experiment sehr schön: Es schläft einer, und man geht ans Fenster mit einer Stecknadel und klopft. Der Betreffende träumt, wacht auf und erzählt einem, er hätte teilgenommen an einem Gewehrfeuer. Der Traum übertreibt, sagt Verworn. Was nur Stecknadelstöße waren, ist zu Schüssen geworden. Der Traum übertreibt. Wie können wir uns das erklären? Das erklären wir uns dadurch, sagt Herr Verworn, daß wir annehmen: Beim wachen Bewußtsein ist das Gehirn in voller Tätigkeit. Beim Traumbewußtsein, da ist das Gehirn in herabgeminderter Tätigkeit, da ist das Rindenbewußtsein tätig; das Rindenhirn nimmt sonst keinen Anteil, es ist das Gehirn von geringerer Intensität. Daher kommt es, daß der Traum so bizarr wird; deshalb kommt es dazu, daß Stecknadelstöße zum: Gewehrfeuer werden, und durch die Gehirntätigkeit wird der kleine Stecknadelstoß zu einem Feuergefecht. —- Nun ja, das Publikum ist gutgläubig, weil auf der Seite oben, wo das Betreffende steht, erzählt wird, daß der Traum übertreibt, und unten wird, nicht gerade mit den Worten, die ich jetzt gebraucht habe, dieses gesagt: Das Gehirn ist von geringerer Tätigkeit, daher erscheint der Traum bizarr - und der Leser hat schon vergessen dasjenige, was oben steht. Daher bringt er diese Dinge nicht in Zusammenhang. Er hat ja nur nötig zu glauben: Das sagt eine Autorität, die angestellt ist vom Staat, diese Dinge zu wissen, also muß man daran glauben. — Der Autoritätsglaube ist ja etwas, was in der Gegenwart ganz verpönt ist, wie Sie wissen. Nun ja, wer nicht so über den Traum denkt, der darf das Folgende sagen. Es könnte richtig sein, und in dieser Art zu denken liegt eben auf diesem Gebiet das Richtige. Nehmen wir an, Sie träumen von einem Freunde, der gestorben ist. Sie träumen mit diesem Freunde zusammen eine Situation; das heißt Sie glauben zu träumen — und wachen auf. Der Gedanke beim Aufwachen ist ja selbstverständlich der: Das ist ja ein Längstverstorbener! Aber das fiel Ihnen im Traum gar nicht ein, daß er verstorben ist. Nun können Sie allerlei gescheite Erklärungen finden für den Traum, nach der «Mechanik des Geistes»; aber, nicht wahr, wenn das ein Traum ist, und der Traum nichts ist als Reminiszenz des Tageslebens, so werden Sie schwer einsehen können, daß der stärkste Gedanke, den Sie haben können, nämlich sein Tod, daß der Freund verstorben ist, just nicht in den Traum hineinspielt, wenn Sie just eine Situation erlebt haben, von der Sie wissen — Sie wissen das ganz genau -, Sie hätten sie mit dem Lebenden nicht erleben können. Dann ist das folgende Urteil berechtigt, dann sagen Sie sich: Ich habe jetzt etwas erlebt mit dem X, das ich im Leben nicht hätte erleben können, das ich nicht nur nicht erlebt habe, sondern, wie das Zusammenleben mit ihm war, nicht hätte erleben können, und jetzt erlebe ich es. Angenommen, die Seele ist hinter diesem Traumbild, die wirkliche Seele, die durch die Pforte des Todes gegangen ist, ist hinter diesem Traumbild. Ist es nicht selbstverständlich, daß Sie den Tod nicht miterleben? Die Seele hat ja gar keine Veranlassung, sich Ihnen als gestorben zu zeigen, sie lebt ja weiter. Und Sie werden, wenn Sie diese beiden Dinge zusammennehmen und vielleicht noch mit etwas anderem verbinden, Sie werden dazu kommen, sich zu sagen: Mein Bild stülpt sich über eine wirkliche Begegnung mit der Seele. Und daß der Gedanke des Todes mir nicht kommt, das kommt daher, daß ich ja nicht eine Reminiszenz habe, sondern ein Herankommen des wirklichen Toten an mich. Mit dem erlebe ich jetzt etwas, das kleidet sich selbstverständlich in ein Bild, aber es gibt eine Situation, die nicht hätte da sein können. Außerdem kommt der Gedanke an den Tod nicht, weil die Seele lebt, weil gar keine Veranlassung dazu da ist, Und dann haben Sie allen Grund, sich zu sagen: Da lebe ich also in einer Region, wenn ich einen solchen sogenannten Traum habe, wo etwas nicht hineinspielt - und das, was ich jetzt sage, das ist wichtig, außerordentlich wichtig -, denn charakteristisch für unser physisches Leben ist die Intaktheit unseres physischen Gedächtnisses. Dieses Gedächtnis ist für die Welt des Geistes, in die wir eintreten, nicht in demselben Maße vorhanden, nicht in derselben Art sogar vorhanden, sondern das Gedächtnis, das da drüben notwendig ist, das müssen wir uns erst entwickeln. Das physische Gedächtnis ist schon an den physischen Leib gebunden. Daher weiß jeder, der mit dieser Region bekannt ist, daß das physische Gedächtnis in diese Region nicht hineingeht. Kein Wunder, daß überhaupt keine Erinnerung vorhanden ist an den Toten, sondern die Begegnung mit der lebendigen Seele.

[ 25 ] Nehmen Sie den Fall, der ja sehr häufig vorkommt: Sie träumen, Sie glauben zu träumen; aber die Menschen können ja nicht so leicht unterscheiden Traum und Wirklichkeit. Diejenigen, die heute übrigens über den Traum nachdenken, die denken etwa nach der Anleitung solcher Leute wie der des Herrn Verworn nach, der da sagt: Man kann ein schönes Experiment machen. Verworn führt zum Beispiel folgendes schöne Experiment an; das ist auch als Experiment sehr schön: Es schläft einer, und man geht ans Fenster mit einer Stecknadel und klopft. Der Betreffende träumt, wacht auf und erzählt einem, er hätte teilgenommen an einem Gewehrfeuer. Der Traum übertreibt, sagt Verworn. Was nur Stecknadelstöße waren, ist zu Schüssen geworden. Der Traum übertreibt. Wie können wir uns das erklären? Das erklären wir uns dadurch, sagt Herr Verworn, daß wir annehmen: Beim wachen Bewußtsein ist das Gehirn in voller Tätigkeit. Beim Traumbewußtsein, da ist das Gehirn in herabgeminderter Tätigkeit, da ist das Rindenbewußtsein tätig; das Rindenhirn nimmt sonst keinen Anteil, es ist das Gehirn von geringerer Intensität. Daher kommt es, daß der Traum so bizarr wird; deshalb kommt es dazu, daß Stecknadelstöße zum: Gewehrfeuer werden, und durch die Gehirntätigkeit wird der kleine Stecknadelstoß zu einem Feuergefecht. —- Nun ja, das Publikum ist gutgläubig, weil auf der Seite oben, wo das Betreffende steht, erzählt wird, daß der Traum übertreibt, und unten wird, nicht gerade mit den Worten, die ich jetzt gebraucht habe, dieses gesagt: Das Gehirn ist von geringerer Tätigkeit, daher erscheint der Traum bizarr - und der Leser hat schon vergessen dasjenige, was oben steht. Daher bringt er diese Dinge nicht in Zusammenhang. Er hat ja nur nötig zu glauben: Das sagt eine Autorität, die angestellt ist vom Staat, diese Dinge zu wissen, also muß man daran glauben. — Der Autoritätsglaube ist ja etwas, was in der Gegenwart ganz verpönt ist, wie Sie wissen. Nun ja, wer nicht so über den Traum denkt, der darf das Folgende sagen. Es könnte richtig sein, und in dieser Art zu denken liegt eben auf diesem Gebiet das Richtige. Nehmen wir an, Sie träumen von einem Freunde, der gestorben ist. Sie träumen mit diesem Freunde zusammen eine Situation; das heißt Sie glauben zu träumen — und wachen auf. Der Gedanke beim Aufwachen ist ja selbstverständlich der: Das ist ja ein Längstverstorbener! Aber das fiel Ihnen im Traum gar nicht ein, daß er verstorben ist. Nun können Sie allerlei gescheite Erklärungen finden für den Traum, nach der «Mechanik des Geistes»; aber, nicht wahr, wenn das ein Traum ist, und der Traum nichts ist als Reminiszenz des Tageslebens, so werden Sie schwer einsehen können, daß der stärkste Gedanke, den Sie haben können, nämlich sein Tod, daß der Freund verstorben ist, just nicht in den Traum hineinspielt, wenn Sie just eine Situation erlebt haben, von der Sie wissen — Sie wissen das ganz genau -, Sie hätten sie mit dem Lebenden nicht erleben können. Dann ist das folgende Urteil berechtigt, dann sagen Sie sich: Ich habe jetzt etwas erlebt mit dem X, das ich im Leben nicht hätte erleben können, das ich nicht nur nicht erlebt habe, sondern, wie das Zusammenleben mit ihm war, nicht hätte erleben können, und jetzt erlebe ich es. Angenommen, die Seele ist hinter diesem Traumbild, die wirkliche Seele, die durch die Pforte des Todes gegangen ist, ist hinter diesem Traumbild. Ist es nicht selbstverständlich, daß Sie den Tod nicht miterleben? Die Seele hat ja gar keine Veranlassung, sich Ihnen als gestorben zu zeigen, sie lebt ja weiter. Und Sie werden, wenn Sie diese beiden Dinge zusammennehmen und vielleicht noch mit etwas anderem verbinden, Sie werden dazu kommen, sich zu sagen: Mein Bild stülpt sich über eine wirkliche Begegnung mit der Seele. Und daß der Gedanke des Todes mir nicht kommt, das kommt daher, daß ich ja nicht eine Reminiszenz habe, sondern ein Herankommen des wirklichen Toten an mich. Mit dem erlebe ich jetzt etwas, das kleidet sich selbstverständlich in ein Bild, aber es gibt eine Situation, die nicht hätte da sein können. Außerdem kommt der Gedanke an den Tod nicht, weil die Seele lebt, weil gar keine Veranlassung dazu da ist, Und dann haben Sie allen Grund, sich zu sagen: Da lebe ich also in einer Region, wenn ich einen solchen sogenannten Traum habe, wo etwas nicht hineinspielt - und das, was ich jetzt sage, das ist wichtig, außerordentlich wichtig -, denn charakteristisch für unser physisches Leben ist die Intaktheit unseres physischen Gedächtnisses. Dieses Gedächtnis ist für die Welt des Geistes, in die wir eintreten, nicht in demselben Maße vorhanden, nicht in derselben Art sogar vorhanden, sondern das Gedächtnis, das da drüben notwendig ist, das müssen wir uns erst entwickeln. Das physische Gedächtnis ist schon an den physischen Leib gebunden. Daher weiß jeder, der mit dieser Region bekannt ist, daß das physische Gedächtnis in diese Region nicht hineingeht. Kein Wunder, daß überhaupt keine Erinnerung vorhanden ist an den Toten, sondern die Begegnung mit der lebendigen Seele.

[ 26 ] Leute, die bekannt waren mit diesem, die reden gerade von dem, wie das, was wir hier für das physische Leben Gedächtnis nennen, etwas ganz anderes ist fürs geistige Leben. Wer jemals Dantes großes Bild, die Commediia, die «Göttliche Komödie» auf sich hat wirken lassen, der wird, wenn er dies Verständnis dann hat, keinen Zweifel haben können, daß Dante Schauungen gehabt habe, daß er bekannt war mit der geistigen Welt. Für denjenigen, der die Art der Sprache derjenigen kennt, die mit der geistigen Welt bekannt waren, liegt ja schon das beweiskräftige Zeugnis in der Einleitung, die Dante gewählt hat für seine Commedia. Aber Dante wußte Bescheid; er war kein Dilettant in den geistigen Welten, er war sozusagen Fachmann. Er wußte Bescheid. Ein solcher weiß auch, wie nicht das gewöhnliche Gedächtnis hineingeht in diejenige Sphäre, wo wir den Toten begegnen. Und Dante spricht viel von den Toten, wie in dem Lichte der geistigen Welt unsere Toten leben. Mit Bezug auf das Gedächtnis finden Sie in der «Göttlichen Komödie» das schöne Wort: «O höchstes Licht, so weit erhaben über den menschlichen Begriff, leih’ nur ein wen’ges von dem, wie du erschienst, dem Sinn mir wieder; und mein Zunge laß so mächtig werden, daß einen Funken deiner Herrlichkeit nur dem künft’gen Volk ich hinterlassen möge! Denn wenn ein wenig nur in mein Gedächtnis es kehrt, und etwas tönt in diesen Versen, wird mehr man deine Siegerkraft begreifen.» Da sehen Sie, wie Dante wußte, daß man nicht mit einem gewöhnlichen guten Gedächtnis das auffassen kann, was da aus den geistigen Regionen herkommen konnte. Manche Menschen der Gegenwart sagen: Wozu sollen wir uns in die geistige Welt erheben, wir haben genug zu tun mit der physischen Welt; der Tüchtige sucht hier in dieser Welt sich zurechtzufinden! - Ja, haben denn diese Leute ein Recht zu glauben, daß jene alten Menschen, die die Weisheit in den Mysterien empfingen, es weniger ehrlich mit der physischen Welt gemeint haben? Nur wußten diese, daß die geistige Welt hineinspielt in diese physische Welt, daß sie hineinwirkt, daß die Toten doch unter uns wirken, auch wenn man es ableugnet, und daß man nur Verwirrung stiftet mit diesem Ableugnen. Derjenige, der leugnet, daß die, welche durch die Pforte des Todes gegangen sind, hier auf diese Welt wirken, der gleicht einem Menschen, der sagt: Ach, was glaube ich daran, daß das heiß ist - und dann über eine glühende Platte geht. Nur kann man natürlich nicht so leicht den Schaden unmittelbar nachweisen, der angerichtet wird, wenn das Hineinspielen der geistigen in die physische Welt nicht berücksichtigt wird, sondern unter der Annahme des Ableugnenkönnens gehandelt wird. Unsere Zeit ist nicht sehr geneigt, jene Brücke zu bauen, die gebaut werden muß in das Reich hinüber, in dem die Toten und die hohen Geister sind. Unsere Zeit hat in vieler Beziehung, man kann schon sagen, sogar einen Haß, eine wirklich hassende Stimmung gegenüber der geistigen Welt. Und dem Geisteswissenschafter, der es ehrlich sein will, dem obliegt es schon ein bißchen, sich auch mit den feindlichen Mächten unserer geisteswissenschaftlichen Entwickelung bekanntzumachen, ein wenig darauf hinzusehen. Denn die Sache hat wirklich tiefe Gründe, sie hat ihre Gründe dort, wo die Gründe sind für alle dem wahren Menschheitsfortschritt heute entgegenwirkenden Kräfte.

[ 26 ] Leute, die bekannt waren mit diesem, die reden gerade von dem, wie das, was wir hier für das physische Leben Gedächtnis nennen, etwas ganz anderes ist fürs geistige Leben. Wer jemals Dantes großes Bild, die Commediia, die «Göttliche Komödie» auf sich hat wirken lassen, der wird, wenn er dies Verständnis dann hat, keinen Zweifel haben können, daß Dante Schauungen gehabt habe, daß er bekannt war mit der geistigen Welt. Für denjenigen, der die Art der Sprache derjenigen kennt, die mit der geistigen Welt bekannt waren, liegt ja schon das beweiskräftige Zeugnis in der Einleitung, die Dante gewählt hat für seine Commedia. Aber Dante wußte Bescheid; er war kein Dilettant in den geistigen Welten, er war sozusagen Fachmann. Er wußte Bescheid. Ein solcher weiß auch, wie nicht das gewöhnliche Gedächtnis hineingeht in diejenige Sphäre, wo wir den Toten begegnen. Und Dante spricht viel von den Toten, wie in dem Lichte der geistigen Welt unsere Toten leben. Mit Bezug auf das Gedächtnis finden Sie in der «Göttlichen Komödie» das schöne Wort: «O höchstes Licht, so weit erhaben über den menschlichen Begriff, leih’ nur ein wen’ges von dem, wie du erschienst, dem Sinn mir wieder; und mein Zunge laß so mächtig werden, daß einen Funken deiner Herrlichkeit nur dem künft’gen Volk ich hinterlassen möge! Denn wenn ein wenig nur in mein Gedächtnis es kehrt, und etwas tönt in diesen Versen, wird mehr man deine Siegerkraft begreifen.» Da sehen Sie, wie Dante wußte, daß man nicht mit einem gewöhnlichen guten Gedächtnis das auffassen kann, was da aus den geistigen Regionen herkommen konnte. Manche Menschen der Gegenwart sagen: Wozu sollen wir uns in die geistige Welt erheben, wir haben genug zu tun mit der physischen Welt; der Tüchtige sucht hier in dieser Welt sich zurechtzufinden! - Ja, haben denn diese Leute ein Recht zu glauben, daß jene alten Menschen, die die Weisheit in den Mysterien empfingen, es weniger ehrlich mit der physischen Welt gemeint haben? Nur wußten diese, daß die geistige Welt hineinspielt in diese physische Welt, daß sie hineinwirkt, daß die Toten doch unter uns wirken, auch wenn man es ableugnet, und daß man nur Verwirrung stiftet mit diesem Ableugnen. Derjenige, der leugnet, daß die, welche durch die Pforte des Todes gegangen sind, hier auf diese Welt wirken, der gleicht einem Menschen, der sagt: Ach, was glaube ich daran, daß das heiß ist - und dann über eine glühende Platte geht. Nur kann man natürlich nicht so leicht den Schaden unmittelbar nachweisen, der angerichtet wird, wenn das Hineinspielen der geistigen in die physische Welt nicht berücksichtigt wird, sondern unter der Annahme des Ableugnenkönnens gehandelt wird. Unsere Zeit ist nicht sehr geneigt, jene Brücke zu bauen, die gebaut werden muß in das Reich hinüber, in dem die Toten und die hohen Geister sind. Unsere Zeit hat in vieler Beziehung, man kann schon sagen, sogar einen Haß, eine wirklich hassende Stimmung gegenüber der geistigen Welt. Und dem Geisteswissenschafter, der es ehrlich sein will, dem obliegt es schon ein bißchen, sich auch mit den feindlichen Mächten unserer geisteswissenschaftlichen Entwickelung bekanntzumachen, ein wenig darauf hinzusehen. Denn die Sache hat wirklich tiefe Gründe, sie hat ihre Gründe dort, wo die Gründe sind für alle dem wahren Menschheitsfortschritt heute entgegenwirkenden Kräfte.