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Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175

8 May 1917

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Siebzehnter Vortrag

Lecture X

[ 1 ] Es könnte leicht scheinen, als ob in den Zeiten, die auf das Mysterium von Golgatha folgten, keine Strahlen innerer geistiger Erleuchtung die Menschheit erhellt hätten; und es könnte scheinen, als ob ein solcher Zustand der allgemeingültige in der Menschheit wäre, in besonderer Steigerung noch bis in unsere Tage herein. Allein dies ist durchaus nicht so, und man muß, wenn man diese Dinge klar überschauen will, schon ein wenig einen Unterschied machen zwischen dem, was gewissermaßen allgemein in der Menschheit herrschend ist, und zwischen dem, was sich doch innerhalb der Menschheit da und dort abspielt, auch so abspielt, daß es für die Menschen immerhin bemerklich sein kann auf den verschiedensten Gebieten des Lebens. Es wäre ja mutlos machend für viele Menschen der Gegenwart, wenn sie sich nur immer sagen müßten: Ja, uns wird erzählt von einer geistigen Welt, aber die Wege in diese geistige Welt hinein sind doch eigentlich den heutigen Menschen verschlossen. - Und mancher kommt in der Gegenwart zu diesem mutlos machenden Urteil. Aber dieses mutlos machende Urteil kommt eigentlich nur davon her, daß man doch den anderen, größeren Mut nicht har, dort rückhaltlos Ja zu sagen, wo Wege in die geistige Welt hinein sich deutlich zeigen. Man hat auch nicht den Mut, auf diesem Gebiete immer ein unbefangenes Urteil zu fällen. Daher kann es scheinen, aber es ist wirklich nur scheinbar, daß wir mit unserer Zeit allzuferne stehen denjenigen Zeiten, in denen in atavistischem Hellsehen die geistige Welt bis zu einem gewissen Grade der ganzen Menschheit offen war, oder den späteren Zeiten, in denen sie einzelnen geöffnet werden konnte durch die Einweihung in die Mysterien. Man muß gewisse Fäden ziehen, welche alte Zeiten der Menschheitsentwickelung verbinden mit der Gegenwart, um zu einem vollen Verständnis der Geheimnisse des Menschendaseins zu kommen, namentlich auch solcher Erscheinungen zu kommen, wie wir sie im Hinblick auf das Mysterienwesen gerade in diesen Betrachtungen besprochen haben. Ich möchte also ein Beispiel aus der neueren Zeit herausgreifen, etwas herausgreifen, das jedem zugänglich sein kann, und das so wirken kann, daß es Mut macht, wenn es sich darum handelt, den Entschluß zu fassen, die Wege in die geistige Welt hinein zu suchen. Und gerade ein solches Beispiel möchte ich aus der Fülle der Beispiele, die man wählen könnte, herausheben, an dem man zugleich sehen kann, wie solche Erscheinungen doch wiederum in der Gegenwart - ich meine natürlich eine weitere Gegenwart — aus der materialistischen Gesinnung heraus falsch beurteilt werden.

[ 1 ] It might seem at first sight that in the centuries immediately following the Mystery of Golgotha mankind had not been touched by the light of spiritual illumination; that this was the normal condition of mankind and increasingly so up to the present day. This is not so, however. If we wish to see these things in perspective we must distinguish between the prevailing spirit of mankind and that which occurs here and there in the life of mankind and may play a decisive part in the different spheres of life. It would be most discouraging for many today to be told of the existence of a spiritual world, but that the doors to this world were closed to them. And there are many at the present time who have come to this depressing conclusion. The reason for this is not far to seek. Where there is a clear possibility of gaining insight into the spiritual world they refuse to commit themselves unreservedly. Nor have they the courage to pass an objective judgement on this issue. It may seem therefore—but in reality it is only apparently so—that today we are far removed from those early times when the spiritual world was revealed to the whole of mankind through atavistic clairvoyance, or from the later times when the few could find access to the spirit through initiation into the Mysteries. We must draw together certain strands which link early periods of human evolution with the present if we wish to arrive at a full understanding of the mystery of man's destiny and especially of those phenomena we have discussed in these lectures in connection with the nature of the Mysteries. I should like to select an example from recent times which is accessible to all and which will lend encouragement to those who are faced with the decision of choosing paths leading to the spiritual world. From the many examples at our disposal I would like to take an example which demonstrates at the same time how these phenomena are none the less misjudged from the materialistic point of view of the present day—and will also be misjudged in the immediate future.

[ 2 ] Sie alle werden schon etwas gehört haben von dem Dichter Otto Ludwig, der in demselben Jahre — 1813 — geboren ist wie Hebbel und wie Richard Wagner. Otto Ludwig war nicht nur ein Dichter - vielleicht kann man sogar die Meinung haben, daß er kein besonders hervorragender Dichter war, darauf kommt es in diesem Augenblick nicht an —, sondern er war ein Mensch, welcher sich darauf eingestellt hatte, sich selber viel zu beobachten, der gesucht hat, Selbsterkenntnis zu gewinnen und dem es auch gelungen ist, mancherlei Blicke hinter jenen Schleier zu tun, welcher für die meisten Menschen der Gegenwart über das eigene Innere zunächst gezogen ist. Und so beschreibt einmal Otto Ludwig sehr schön, was er bemerkt, wenn er Dichtungen, die er selbst ausführen will, konzipiert, oder wenn er Dichtungen von anderen Leuten liest und auf sich wirken läßt. Er kommt da darauf, daß er nicht so liest oder konzipiert wie andere Menschen, sondern daß da etwas außerordentlich Regsames in seinem Innern sich zu betätigen beginnt, also sowohl beim Selbstdichten wie beim Lesen, beim Auf-sich-wirkenLassen von anderen Dichtungen. Und das beschreibt Otto Ludwig sehr schön. Ich will Ihnen diese Stelle mitteilen, weil Sie daraus ein Stück Selbsterkenntnis eines durchaus modernen Menschen sehen werden, der ja erst in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gestorben ist, und der bei der Wiedergabe dieser Selbsterkenntnis von Dingen redet, die allerdings unserem materialistischen Zeitalter wie Dinge wüstester Phantastik dünken. Aber Otto Ludwig war nicht ein Phantast. Er war vielleicht ein Grübler in bezug auf sein eigenes Selbst; aber derjenige, der seine Dichtungen auf sich wirken läßt, wird sehen, daß in dem Manne etwas durchaus Gesundes war. Und wer die Mitteilungen, die wir über sein Leben haben, auf sich wirken läßt, wird neben einer gewissen Grüblersucht etwas durchaus Gesundes in diesem Manne finden. Nun, so beschreibt er das Wirken in der eigenen Seele, wenn er selber dichtet oder Dichtungen auf sich wirken läßt:

[ 2 ] No doubt you have all heard of Otto Ludwig 1Otto Ludwig (1813–65). Best known for his realist novels Der Erbförster and Zwischen Himmel and Erde, genre painting with careful observation of detail. He coined the term “poetischer Realismus”. His “Shakespeare Studien” showed preoccupation with dramatic theory. During his process of poetic creation he experienced a spectrum of colours and forms, known as “synaesthesia”. who was born in 1813, in the same year as Hebbel and Richard Wagner. Otto Ludwig was not only a poet—some may feel perhaps that he was not in the front rank of poets, but that does not concern us at the moment—but he was a man given to introspection, who sought self-knowledge and who succeeded in penetrating into the inner life which is veiled from the majority today. Otto Ludwig describes very beautifully what he experiences in the process of poetic composition or when he reads the poetry of others and surrenders to its appeal. He then realizes that he does not read or compose like other men, but that an extraordinary ferment is set up within him. And Otto Ludwig gives a beautiful description of this in a passage I will now read to you because it reveals a piece of self-knowledge of a typically modern man who, in the course of this self-revelation, speaks of things which our present materialistic age regards as the wildest fantasy. But Otto Ludwig was no visionary or idle dreamer. By nature he was perhaps introspective, but if we take into consideration the information we have about his life, we shall find that alongside this introspective tendency there was something eminently sane and balanced in his make-up. He describes his own creative experience and his response to the poetry of others in these words:

[ 3 ] «Es geht eine Stimmung voraus, eine musikalische, die wird mir zur Farbe, dann seh’ ich Gestalten, eine oder mehrere, in irgendeiner Stellung und Gebärdung für sich oder gegeneinander, und dies wie einen Kupferstich auf Papier von jener Farbe, oder genauer ausgedrückt, wie eine Marmorstatue oder plastische Gruppe, auf welche die Sonne durch einen Vorhang fällt, der jene Farbe hat. Diese Farbenerscheinung hab’ ich auch, wenn ich ein Dichtungswerk gelesen, das mich ergriffen hat; versetz’ ich mich in eine Stimmung, wie sie Goethes Gedichte geben, so hab ich ein gesättigt Goldgelb, ins Goldbraune spielend; wie Schiller, so hab ich ein strahlendes Karmesin; bei Shakespeare ist jede Szene eine Nuance der besondern Farbe, die das ganze Stück mir hat. Wunderlicherweise ist jenes Bild oder jene Gruppe gewöhnlich nicht das Bild. der Katastrophe, manchmal nur eine charakteristische Figur in irgendeiner pathetischen Stellung, an diese schließt sich aber sogleich eine ganze Reihe, und vom Stücke erfahr’ ich nicht die Fabel, den novellistischen Inhalt zuerst, sondern bald nach vorwärts, bald nach dem Ende zu von der erst gesehenen Situation aus, schießen immer neue plastisch-mimische Gestalten und Gruppen an, bis ich das ganze Stück in allen seinen Szenen habe; dies alles in großer Hast, wobei mein Bewußtsein ganz leidend sich verhält, und eine Art körperlicher Beängstigung mich in Händen hat. Den Inhalt aller einzelnen Szenen kann ich mir dann auch in der Reihenfolge willkürlich reproduzieren; aber den novellistischen Inhalt in eine kurze Erzählung zu bringen ist mir unmöglich. Nun findet sich zu den Gebärden auch die Sprache. Ich schreibe auf, was ich aufschreiben kann, aber wenn mich die Stimmung verläßt, ist mir das Aufgeschriebene nur ein toter Buchstabe. Nun geb’ ich mich daran, die Lücken des Dialogs auszufüllen. Dazu muß ich das Vorhandne mit kritischem Auge ansehen.»

[ 3 ] “I experience first of all a musical impression which is transformed into colour.2“Synaesthesia” had first been foreshadowed by E. P. A. Hoffman in Kreisleriana. The hearing of a word or sound evokes a sensation of colour varying in accordance with the quality of the sound (cf. Baudelaire's sonnet “Correspondances”—“les parfums, les couleurs et les sons se repondent” and Rimbaud's sonnet “Voyelles” in which a definite colour-value is ascribed to each of the five vowels). F. W. H. Myers described synaesthesia as follows: “When the hearing of an external sound carries with it, by some arbitrary association of ideas, the seeing of some form or colour.” Then I see one or more figures in various postures executing formalized gestures, singly or facing each other, the whole resembling a copper engraving on parchment, coloured paper or, more precisely, like a marble statue or sculptural group on which the sun falls through a veil of that colour. I experience this colour phenomenon after reading poetry which has stirred me deeply. If I put myself in the mood which Goethe's poetry evokes I see a deep golden yellow passing over into golden brown. When I read Schiller I experience a brilliant crimson; with Shakespeare every scene is a particular nuance of the particular colour I associate with the whole drama. Strangely enough the image or the group evoked is not usually a representation of the denouement, sometimes it is only a characteristic figure in some moving posture which is immediately joined by a succession of other figures. At first I know nothing of the plot or content of the drama, but ever fresh miming figures, seemingly three-dimensional, are rapidly added, now from the beginning, now from the end of the initial dramatic situation until I experience the whole drama complete with all its scenes. The whole passes before me in rapid succession; meanwhile I remain passive and a kind of physical anxiety grips me. I can then reproduce at will the content of the individual scenes as they unfold; but I find it impossible to condense the narrative content into a brief account. Next the gestures are accompanied by speech. I write down what I can recall, but, once the mood forsakes me, what I have noted down becomes a dead letter. Then I proceed to fill in the gaps in the dialogue, but for this purpose I must cast a critical eye over what I have written.”

[ 4 ] Sie sehen also hier einen merkwürdigen Menschen, der, es ist wirklich horribel für den matenalistisch denkenden Menschen der Gegenwart, wenn er Schillers Stücke liest, Karmesinrot empfindet, wenn er Goethes Stücke oder Gedichte liest, Goldgelb ins Goldbraune empfindet; der bei jedem Stück von Shakespeare eine Farbenempfindung hat, und bei jeder Szene eine Nuance dieser Farbenempfindung; der, wenn er eine Dichtung konzipiert oder liest, Gestalten wie einen Kupferstich auf einem bestimmten farbigen Hintergrunde hat, oder gar plastischmimische Gestalten sieht mit Gebärden, auf welche die Sonne durch einen Vorhang fällt, der jenes Licht verbreitet, das ihm die Gesamtstimmung abgibt.

[ 4 ] Here then we have the remarkable case of a man who experiences crimson-red on reading Schiller, or golden yellow passing over into golden brown on reading the dramas or poems of Goethe, who experiences a colour sensation with every drama of Shakespeare; who, when he composes or reads a poem sees figures like those of a copper engraving printed on a parchment-coloured background, or three-dimensional miming figures on which the sun falls through a veil which diffuses the light that evokes the total mood.

[ 5 ] Sehen Sie, solch eine Sache muß man richtig verstehen. Solch eine Sache ist noch nicht hellseherisch, aber sie ist der Weg in die geistige Welt hinein. Wer sie aus der Geisteswissenschaft heraus richtig verstehen will, diese Stimmung, der kann sie verstehen, wenn er sich sagt: Otto Ludwig wird sich bewußt des Auges, des geistigen Auges. Denn, würde er auf diesem Wege weiterschreiten, so würde er nicht nur solche Stimmungen haben, sondern es würden ihm, so wie dem äußeren Auge die physischen Gegenstände entgegentreten, dem geistigen Auge die geistigen Wesenheiten entgegentreten und erfaßt werden als sein eigenes Empfinden. Geradeso wie, wenn Sie im Dunkeln mit dem Auge nur ganz geringe Druckbewegungen machen, Sie, ich möchte sagen, sprühendes Licht sehen, Licht, das, ich möchte sagen, wie vom Auge ausströmend, den Raum erfüllt, so ist es bei Otto Ludwig. Seine Seele strahlte Stimmungen aus, aber diese Stimmungen, das sind Farbenstimmungen, sind Tonstimmungen. Mit dem Musikalischen, wie er mit Recht sagt, als Tonstimmungen, beginnen sie. Er verwendet sie nicht, indem er sich geistige Anschauungen verschafft; aber wir sehen, wie seine Seele durchaus geeignet ist, in die geistige Welt hinein den Weg zu finden.

[ 5 ] Now we must understand this experience in the correct way. It is not yet a clairvoyant perception, but it is a step towards spiritual vision. In order to have a right understanding of this mood from the standpoint of Spiritual Science we must realize that Otto Ludwig was no stranger to spiritual vision. For if he were to advance further along this path he would not only experience these visions, but, just as physical objects are visible to the physical eye, spiritual beings would be visible to his spiritual eye and he would know them as an inner experience. Just as we see scattered light when we gently rub our eyes in the dark, light that seemingly radiates from the eye and fills the room, so from his inner life Ludwig radiates impressions of colour and tone. As he rightly says, he experiences them first as musical impressions. He does not exploit them in order to gain spiritual insight; but we perceive that he is mature enough spiritually to embark on the path leading to the spiritual world.

[ 6 ] Man darf also nicht sagen, daß in der neueren Zeit es solche Menschen nicht gibt, die gewahr werden, daß dies eine Realität ist, was wir das Seelenauge nennen können, was geöffnet wurde für die Schüler der Mysterien in der Weise, wie ich das in den vorigen Betrachtungen erzählt habe. Denn diese Veranstaltungen waren im Grunde genommen nichts anderes als die Veranstaltungen dazu, zunächst das Seelenauge bemerkbar zu machen, der Menschenseele bewußt zu machen, daß dieses Seelenauge vorhanden ist. Daß man solche Dinge, wie das eben Mitgeteilte, in der Gegenwart doch nicht richtig beurteilt, das können Sie gerade sehen aus den Bemerkungen, die Gustav Freytag macht, indem er über Otto Ludwig spricht. Gustav Freytag sagt:

[ 6 ] It is no longer possible to deny that there exist people who are aware that “spiritual vision” is a reality, the vision that the neophytes learned to develop in the Mysteries in the way described in earlier lectures. For the real purpose of these ceremonies was primarily to call attention to the eye of the soul, to awaken man to the fact of its existence. That the phenomena which I have just described to you are not rightly understood today is evident from the observations of Gustav Freytag.3Freytag (1816–95). Author of realistic novels which extolled the virtues of the German middle class—Soll and Haben, Die Ahnen. When speaking of Otto Ludwig, he says:

[ 7 ] «Das Schaffen dieses Dichters aber war, wie sein ganzes Wesen, ähnlich der Art eines epischen Sängers aus der Zeit, wo die Gestalten dem Dichter lebendig, mit Klang und Farbe, in der Dämmerung des Völkermorgens um das Haupt schwebten.»

[ 7 ] “The work of this writer and indeed his whole makeup, was akin to that of an epic poet of the time when, in the early dawn of nations, the poetic figures were visioned by the poet as living Imaginations imbued with colour and sound.”

[ 8 ] Die Tatsache ist durchaus richtig, nur hat sie mit dem Dichten eigentlich nichts zu tun. Denn dasjenige, was da Otto Ludwig erlebte, das erlebten in alten Zeiten nicht bloß die Dichter, sondern alle Menschen, und in späteren Zeiten diejenigen, die in die Mysterien eingeweiht waren, ob sie zu Dichtern oder nicht zu Dichtern geworden sind. Also mit der eigentlichen Dichtungskraft hat es nichts zu tun. Und da, wohin nur das materialistisch orientierte Auge des Gegenwartsmenschen den Blick nicht richtet hinter einem gewissen Schleier in der eigenen Seele, ist dasjenige, was Otto Ludwig beschreibt, heute auch bei jedem Menschen, nicht bloß etwa beim Dichter, sondern bei jedem Menschen. Daß Otto Ludwig ein Dichter war, das hat mit dieser Erscheinung nichts zu tun, sondern das ist etwas, was parallel läuft. Es kann einer ein viel größerer Dichter sein als Otto Ludwig, und das, was er zu beschreiben vermag, das kann ganz im Unterbewußten bleiben. Im Untergrund des Unterbewußtseins ist es allerdings vorhanden, aber es braucht nicht heraufzudringen. Denn Dichtkunst, überhaupt Kunst, besteht heute in etwas anderem als in dem bewußten Verarbeiten von hellsichtigen Eindrücken.

[ 8 ] This statement is perfectly correct, but has nothing to do with poetic composition. For the experiences of Otto Ludwig were not only shared by poets in ancient times, but by all men, and were shared in later times by those who had been initiated into the Mysteries irrespective of whether they were poets or not. These experiences have therefore no connection with poetic invention. Behind the barrier which the materialist of today has erected in his own soul there is to be found that which Otto Ludwig describes. It is found not only in the poet, but in every man today. The fact that he was a poet has nothing to do with the phenomenon of poetic vision, but is something that accompanies it. One may be a far greater poet than Otto Ludwig and that which one is able to describe may remain entirely in the subconscious. It is present in the substratum of the subconscious, but need not manifest itself. For poetry, indeed art as a whole today, is something other than the conscious fashioning of clairvoyant impressions.

[ 9 ] Das also habe ich anführen wollen, um Ihnen ein Beispiel zu geben für einen Menschen — und die Menschen dieser Art sind eben durchaus nicht selten, sie sind sehr, sehr häufig -, für einen Menschen, der durchaus auf dem Wege in die geistige Welt hinein ist. Es wird eben, wenn man die Dinge anwendet auf sich, die in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben sind, nicht etwas Neues erzeugt, sondern dasjenige, was in der Seele schon vorhanden ist, wird ins Bewußtsein heraufgehoben, so daß der Mensch lernt, es bewußt zu brauchen, es bewußt anzuwenden. Das ist dasjenige, was wir festhalten wollen. Die Schwierigkeit liegt viel weniger darin, daß heute gewissermaßen der Schleier schwer zu durchdringen ist zu dem, was unbewußt in der Seele lebt, sondern die Schwierigkeiten liegen darin, daß man heute nicht leicht den Mut gewinnen kann, auf diese Dinge sich einzulassen; daß zumeist diejenigen selbst, die sich gerne einlassen wollen aus gewissen Sehnsuchten und Bedürfnissen des Herzens und der Erkenntnis heraus, sich gedrängt und getrieben fühlen, die Sache doch nur so ein bißchen verschämt anzuerkennen im engsten Kreise und ja nichts davon merken zu lassen, wenn sie wiederum in den Umkreis der ganz gescheiten Leute der Gegenwart heraustreten. Gewiß, es braucht nicht überall gleich dasjenige da zu sein, was man vielleicht heute deshalb, weil wir nach dem Jahre 1879 leben, als das Richtige bezeichnen müßte auf diesem Gebiete, sondern es kann, wenn wir die jüngstverflossenen Zeiten betrachten, bei manchem auch ein hoher Grad hellsichtiger Kräfte auftreten, wirklich hellsichtiger Kräfte, die man deshalb nicht auf der einen Seite entweder voll anerkennen, sich restlos ihnen ergeben muß, oder auf der anderen Seite gleich als etwas Gefährliches, Abzulehnendes betrachten muß.

[ 9 ] I quote the case of Otto Ludwig as an example of a man—and men of his type are by no means rare today—who stands on the threshold of the spiritual world. If one practises the exercises given in my book, Knowledge of the Higher Worlds, that which already exists in the soul is raised into consciousness, so that one learns to use it or to apply it consciously. It is important to bear this in mind. The problem is not so much that it is difficult to reach the hidden depths of the soul, but that people today lack the courage to embark upon a spiritual training; and that for the most part those who would willingly do so from a heartfelt need to know and to understand, none the less feel constrained to admit this need, albeit somewhat shamefacedly in their own intimate circle, but conceal it when they later find themselves in the company of contemporary intellectuals. What we should characterize today as the right path, perhaps because we live in the Michael Age since 1879, need not of necessity be regarded as the only right path. Looking back over the recent past it is possible that many may have attained a high degree of clairvoyance, genuine clairvoyance; there is no need for us therefore either to recognize fully or to accept this clairvoyance unreservedly, nor to regard it as something dangerous and to be rejected.

[ 10 ] Allerdings sind viele Faktoren vorhanden, welche den Mut, Hellsichtiges anzuerkennen, seit langem erschlaffen machen, und so ist es denn gekommen, daß der ja in Ihrem Kreise auch schon öfter erwähnte Swedenborg eine so sonderbare Beurteilung gefunden hat. Er könnte für viele in der Weise auch anregend wirken, daß man in ihm eine Individualität schen könnte, welche gewisse Schleier zur geistigen Welt hin für sich durchsichtig gemacht hat. Swedenborg ist bis in einem hohen Grade zu dem Gebrauche, zu der Anwendung desjenigen gekommen, was man imaginative Erkenntnis nennen kann. Diese imaginative Erkenntnis, die braucht jeder, der in die geistige Welt hinein will. Er kann sie nicht entbehren, aber sie ist doch nichts anderes als eine Art Übergang zu den höheren Erkenntnisstufen. Swedenborg hatte gerade seinen hellsichtigen Sinn für die imaginative Erkenntnis offen. Allein gerade dadurch, daß diese imaginative Erkenntnis in ihm wallte und wirkte und wogte, konnte er Aussagen machen über die Beziehungen der geistigen Welt zug äußeren Welt, welche in hohem Grade bemerkenswert sind für denjenigen, der an Beispielen das Hellsehertum sich klar macht. Ich möchte Ihnen da an einem Beispiel zeigen, wie Swedenborg in seiner Gesinnung, ich möchte sagen, zu sich selbst stand, wie er dachte und fühlte, um die Seele im Zusammenhang zu erhalten mit der geistigen Welt. Er ging nicht etwa aus darauf, in egoistischer Weise in die geistige Welt hineinzuschauen. Er, Swedenborg, war ja schon fünfundfünfzig Jahre alt, als ihm die geistige Welt eröffnet worden ist. Er war also ein durchaus reifer Mann, und er hatte eine gründliche, energische wissenschaftliche Laufbahn hinter sich. Die wichtigsten wissenschaftlichen Werke Swedenborgs werden erst jetzt von der Stockholmer Akademie der Wissenschaften in vielen Bänden veröffentlicht, und sie enthalten Dinge, die für lange Zeit hinaus werden richtunggebend sein können für die äußere Wissenschaft. Allein, man bringt ja heute das Kunststück fertig, daß man einen Menschen, der für seine Zeit den Gipfel der Wissenschaft erstiegen hat, wie Swedenborg, anerkennt soweit man das selber mag, und wo man es nicht mehr mag, erklärt man ihn für einen Narren. Dieses Kunststück bringt man ja heute mit einer sehr großen Flinkigkeit zustande. Man gibt nichts darauf, daß ein Mensch wie Swedenborg, der nicht nur dasjenige geleistet hat in seiner Wissenschaft, was die anderen auch konnten — das wäre ja schon genug -, sondern der turmhoch alle seine Zeitgenossen als Wissenschafter überragte, daß der von seinem fünfundfünfzigsten Jahre ab sich zum Zeugen der geistigen Welt macht.

[ 10 ] There are certainly many factors which for some time have undermined our courage to accept the validity of clairvoyance, and for this reason the assessment of Swedenborg (who has often been mentioned in your circle) has been so strange. He could act as a stimulus to many, in that people might see in him an individuality who had lifted to some extent the veils that concealed the spiritual world. Swedenborg had developed a high degree of Imaginative cognition which is a necessity for all who would penetrate to the spiritual world. It was indispensable to him; it was simply a kind of transition to higher stages of knowledge. And it was especially his clairvoyant sense for Imaginative cognition that he had developed. But precisely because this Imaginative cognition was stirring and pulsating in him he was able to make observations about the relations between the spiritual world and the phenomenal world, observations which are highly significant for those who seek to clarify their ideas about clairvoyance by studying the development of particular personalities. I should like to take Swedenborg as an example in order to illustrate how he came to self-understanding, how he thought and felt in order to keep his inner life attuned to the spiritual world. He was not motivated by egoism in his search for the spirit. He was already fifty-five years old when the doors of the spiritual world were opened to him.4Swedenborg (1688–1772), engineer, scientist, philosopher and theologian. In his Arcana Caelestia he wrote: “... it has been granted me now for some years to be constantly and continuously in the company of spirits and angels, hearing them speak and speaking with them in turn. It has been given to me to hear and see the wonderful things which are in the other life ... I have been instructed there in regard to different kinds of spirits; the state of souls after death ... and especially concerning the doctrine of faith which is acknowledged in the universal Heaven.” He was therefore a man of ripe experience; he had received a sound scientific training and had long been active in this field. The most important scientific works of Swedenborg have just been published in many volumes by the Stockholm Academy of Sciences and they contain material that may well determine the course of science for many years to come. But people today have learned the trick of recognizing a man such as Swedenborg (who was the leading scientist of his day) only in so far as they agree with him; otherwise they label him a fool. And they perform this trick with consummate skill. They attach no importance to the fact that from the age of fifty-five Swedenborg bears witness to the reality of the spiritual world—a man whose scientific achievement not only compares favourably with that of others—in itself no mean feat—but who, as a scientist, stood head and shoulders above his contemporaries.

[ 11 ] Eine Frage, die Swedenborg ganz besonders interessiert hat, war die Frage: Wie wirken Seele und Leib aufeinander? — Über diese Frage: Wie wirken Seele und Leib aufeinander? — hat Swedenborg nach seiner Erleuchtung eine schöne Abhandlung geschrieben. Er hat in dieser Abhandlung ungefähr das Folgende gesagt: Es sind nur drei Fälle möglich, wie man über die Wechselbeziehungen zwischen Seele und Leib denken kann. Die eine Ansicht ist diejenige: Der Leib ist maßgebend; durch den Leib werden die Sinneseindrücke gemacht, die Sinneseindrücke wirken auf die Seele, die Seele empfängt diese Einflüsse vom Leibe, und das ist das Maßgebende. Sie ist also gewissermaßen vom Leibe abhängig. Eine zweite Anschauung ist möglich, sagt Swedenborg, es ist diese: Der Leib ist von der Seele abhängig; die Seele ist dasjenige, was die geistigen Impulse enthält. Sie schafft sich den Leib, sie gebraucht den Leib während des Lebens. Man muß nicht vom physischen Einfluß sprechen, sondern vom psychischen, vom seelischen Einfluß. Die dritte Anschauung, die noch möglich ist, sagt Swedenborg, das ist die: Beide, Leib und Seele, sind nebeneinander, wirken gar nicht aufeinander, aber ein Höheres bewirkt eine Harmonie, eine Übereinstimmung, wie zwischen zwei Uhren eine Übereinstimmung ist, wovon die eine die andere nicht beeinflußt, wenn sie gleiche Zeit zeigt. Ein höherer Einfluß bewirkt eine Harmonie. Also wenn ein äußerer Eindruck auf meine Sinne gemacht wird, so denkt die Seele, aber beides hat nichts miteinander zu tun, sondern von einer höheren Macht wird in die Seele einfach ein entsprechender Eindruck gemacht, wie von außen durch die Sinne ein Eindruck auf die Seele gemacht wird. — Swedenborg setzt auseinander, wie die erste und die dritte Anschauung demjenigen, der in die geistige Welt hineinschauen kann, unmöglich ist, wie für den Erleuchteten es klar ist, daß die Seele im Zusammenhang steht durch ihre Kräfte mit einer geistigen Sonne, so wie der Leib mit der leiblichen Sonne, mit der physischen Sonne, daß aber alles das, was physisch ist, von GeistigSeelischem abhängig ist. Also er setzt auseinander, ich möchte sagen, in einer neuen Weise dasjenige, was wir mit Bezug auf die Mysterien das Sonnengeheimnis genannt haben, dasjenige Geheimnis, das Julian dem Apostaten vorgeschwebt hat, als er von der Sonne als einem geistigen Wesen sprach, was ihn namentlich zu einem Gegner des Christentums gemacht hat, weil das Christentum seiner Zeit es ablehnen wollte, den Christus mit der Sonne in Zusammenhang zu bringen. Swedenborg erneuerte für seine Zeit, soweit das möglich ist, durch seine imaginative Erkenntnis das Sonnengeheimnis.

[ 11 ] Swedenborg was particularly interested in the question of the interaction of soul and body. After his spiritual enlightenment he wrote a superb treatise on this subject. The content was approximately as follows: In considering the interrelation of body and soul there are three possibilities. First, the body is the decisive factor; sense-impressions are mediated by the body and react upon the soul. The soul therefore is to some extent dependent upon the body. The second possibility is that the body is dependent upon the soul which is the source of the spiritual impulses. The soul fashions the body and makes use of the body during its lifetime. In this case one must speak not of a physical influence, but of a psychic influence. The third possibility is as follows: body and soul are contiguous, but do not interact; a higher power brings about a harmony or agreement between them just as two clocks which are independent of each other agree when they show the time. When therefore an external impression is made upon the senses, a thought process is set up within the soul, but both are unrelated; a corresponding impression is made upon the soul from within by a higher power, just as an impression is made upon the soul through the senses from without. Swedenborg points out that the first and third possibilities are impossible for those who are able to see into the spiritual world, that it is evident to the spiritually enlightened that the soul by virtue of its inner forces is related to a spiritual sun in the same way as the (physical) body is related to the physical sun. And he also shows that everything of a physical nature is dependent upon soul and spirit. He throws fresh light upon what we called the Sun mystery (when speaking of the Mysteries), that mystery of which Julian the Apostate had a dim recollection when he spoke of the sun as a spiritual being. It was this which was the cause of his hostility to Christianity because the Christianity of his day sought to deny Christ's relation to the sun. Through Imaginative cognition Swedenborg restored the Sun mystery as far as was possible for his time.

[ 12 ] Nun, ich habe Ihnen dieses nur vorausgeschickt, weil ich Ihnen daran zeigen möchte, was in Swedenborgs Seele, indem sie auf dem Wege nach der geistigen Erkenntnis ist, eigentlich vorgeht. Swedenborg gibt über diese Frage, die ich eben kurz angedeutet habe, mit Bezug auf die Betrachtung, die er angestellt hat, eine Art philosophischer Abhandlung, aber eine solche Abhandlung, wie einer sie gibt, der in die geistige Welt hineinsieht, nicht wie sie ein moderner, an einer Universität angestellter Philosoph gibt, der ja nicht in die geistige Welt immer hineinsieht. Nun, aber am Schlusse dieser Abhandlung führt Swedenborg dasjenige an, was er ein «Gesicht» nennt. Und mit diesem Gesicht meint er nun nicht etwa irgend etwas, was er sich ausgedacht hat, sondern etwas, was er nun wirklich geschaut hat, das wirklich vor seinem Geistesauge gestanden hat. Swedenborg geniert sich nämlich nicht, von seinen geistigen Schauungen zu sprechen. Er erzählt wiederum, was ihm der oder jener Engel gesagt hat, weil er es weiß; weil er es so gut weiß, wie ein anderer weiß, daß ihm irgendein physischer Erdenmensch dies oder jenes mitgeteilt hat. Er sagt: Ich war einmal im Schauen; da erschienen mir drei Vertreter der Anschauung vom physischen Einfluß, drei Scholastiker, Aristoteliker, Anhänger des Aristoteles, also drei Anhänger jener Lehre, welche alles von außen durch physischen Einfluß in die Seele hineinströmen läßt. Die waren auf der einen Seite. Auf der anderen Seite erschienen drei Anhänger des Cartesius, die in einer gewissen unvollkommenen Weise, aber doch von geistigen Einflüssen auf die Seele sprachen. Und hinter ihnen erschienen drei Anhänger des Leibniz, die von der prästabilierten Harmonie, also von der Unabhängigkeit von Leib und Seele und der von außen hergestellten Harmonie sprachen. Neun Gestalten, sagt er, umgaben mich. Das sah er nämlich. Und besonders glänzende Führer jeder Gruppe von den drei Gestalten, das waren Leibniz, Cartesius, Aristoteles selber. - Also er erzählt, daß er diese Schauung gehabt hat, ganz wie man etwas erzählt aus dem physischen Leben. Dann, sagt er, stieg aus dem Untergrund herauf ein Genius mit einer Fackel in der rechten Hand. Und als er diese Fackel schwang vor den Gestalten, da fingen sie sogleich an zu streiten. Die Aristoteliker behaupteten den physischen Einfluß von ihrem Gesichtspunkte aus, die Cartesianer den geistigen Einfluß von ihrem Gesichtspunkte aus, die Leibnizianer mit ihrem Meister ebenfalls. - Solche Dinge, solche Schauungen können bis in die Einzelheiten hinein gehen. Swedenborg erzählt, daß Leibniz in einer Art von Toga erschien, und die Zipfel hat sein Anhänger Wolff gehalten. Solche Kleinigkeiten erscheinen immer bei diesen Schauungen, in denen diese Züge sehr charakteristisch sind. Sie kamen ins Streiten. Die Gründe waren alle gut, denn man kann ja alles in der Welt verteidigen. Da erschien nach einiger Zeit, nachdem sie lange genug gestritten hatten, der Genius wiederum, aber jetzt hatte er die Fackel in der linken Hand und beleuchtete die Hinterköpfe. Da kamen sie erst recht in den Kampf. Da sagten sie: Jetzt können weder unser Leib, noch unsere Seele unterscheiden, was das Richtige ist. Und da kamen sie überein, in ein Kästchen drei Zettel zu werfen. Auf einem stand «physischer Einfluß», auf dem zweiten «geistiger Einfluß», auf dem dritten «prästabilierte Harmonie». Dann zogen sie und zogen heraus «geistiger Einfluß» und sagten: also wollen wir den geistigen Einfluß anerkennen. Da stieg von der Oberwelt herunter ein Engel und sagte: Das ist aber nicht bloß deshalb, daß ihr zufällig herausgezogen hättet den Zettel mit «geistiger Einfluß», sondern das ist von der weisen Weltenlenkung so vorgesehen gewesen, weil das der Wahrheit entspricht.

[ 12 ] I have placed these facts before you in order to show what Swedenborg experienced inwardly in the course of developing his spiritual knowledge. His reflections upon the question I have just touched upon were embodied in a kind of philosophical treatise—the kind of treatise written by one who has insight into the spiritual world, not the kind of treatise written by the academic philosopher who is devoid of spiritual vision. At the conclusion of his treatise Swedenborg speaks of what he calls a “vision”. And by this vision he does not imply something he has conjured up, but something he has actually perceived with the eye of the spirit. Swedenborg is not afraid to speak of his spiritual visions. Furthermore he recounts what a particular angel said to him because he is certain of the fact. He no more doubts it than another doubts what a fellow human being has told him. He said: “I was once ‘in the spirit’; three Schoolmen appeared to me, disciples of Aristotle, advocates of his doctrine that attributes a physical influence to all that streams into the soul from without. They appeared on the one side. On the other side appeared three disciples of Descartes who spoke of spiritual influences upon the soul, albeit somewhat inadequately. And behind them appeared three disciples of Leibnitz who spoke of the pre-established harmony, i.e. of the independence of body and soul, of dissimilar monads existing and moving together in a state of absolute harmony pre-established by God. And I perceived nine figures who surrounded me. And the leaders of each group of the three figures were Leibnitz, Descartes and Aristotle, suffused in light”. Swedenborg spoke of this vision as one speaks of an event in everyday life. Then, he said, from out of the abyss there rose up a spirit with a torch in his right hand and as he swung the torch in front of the figures they immediately began to dispute amongst themselves. The Aristotelians defended, from their standpoint, the primacy of physical influences, the Cartesians defended spiritual impulses, and likewise the Leibnitzians defended, with the support of Leibnitz himself, the idea of preestablished harmony. Such visions may describe even the smallest details. Swedenborg tells us that Leibnitz appeared dressed in a kind of toga and the lappets were held by his disciple Wolf. Such details always accompany these visions in which such peculiarities are very characteristic. These figures, then, began to dispute amongst themselves. They all had a good case—and any and every case can be defended. Thereupon, after prolonged conflict, the spirit appeared a second time. He carried the torch in his left hand and lit up their heads from behind. Then the battle of words was really joined. They said: “We cannot distinguish which is our body and which is our soul.” And so they agreed to cast three slips of paper into a box. On the one slip was written “physical influence”, on the second, “spiritual influence” and on the third, “pre-established harmony”. Then they drew lots and drew out “spiritual influence” and said: “Let us agree to recognize spiritual influence.” At that moment an angel descended from the upper world and said: “It is not fortuitous that you drew out the slip of paper labelled ‘spiritual influence’; that choice had already been anticipated by the powers who in their wisdom guide the world because it accords with the truth.”

[ 13 ] Ja, sehen Sie, dieses Gesicht erzählt Swedenborg. Gewiß, es steht jedem frei, dieses Gesicht höchst unbedeutend, vielleicht sogar einfältig zu finden; aber darum handelt es sich nicht, ob es einfältig ist oder nicht, sondern darum, daß man es hat. Und dasjenige, was vielleicht am einfältigsten erscheint, das ist gerade das Tiefste. Denn was hier in der physischen Welt als das Gesetzlose erscheint, das Zufällige, gewissermaßen das Überlassen dem Zufall, das ist als Symbolum, in der geistigen Welt gesehen, etwas ganz anderes. Und man kommt so schwer zu einer Erkenntnis des Zufalls, weil der Zufall nur ein Schattenbild von höheren Notwendigkeiten ist. Aber Swedenborg will etwas Besonderes andeuten, das heißt, nicht er will es, verständlicherweise, sondern «Es» will es in ihm. Es bildet sich dieses Bild, weil «Es» es will in ihm. Es ist dies nämlich ein genauer Ausdruck der Art, wie er zu seinen Wahrheiten gekommen ist, ein genauer Ausdruck des Geistes, aus dem heraus er diese Abhandlung geschrieben hat. Was haben die Cartesianer gemacht? Sie haben aus menschlichen Vernunftgründen, aus Verstandesgründen den geistigen Einfluß beweisen wollen. Da kann man ja auf das Richtige kommen; aber es ist, wie wenn ein blindes Huhn ein Körnchen findet. Die Aristoteliker sind nicht dümmer gewesen als die Cartesianer; die haben den physischen Einfluß behauptet, wiederum mit menschlichen Gründen. Die Leibnizianer waren gewiß nicht törichter als die beiden anderen, aber sie haben die prästabilierte Harmonie behauptet. Swedenborg ging überhaupt nicht auf diesen Wegen zum Geiste, sondern er entwickelte alles dasjenige, was Menschenkunst vermag, um sich vorzubereiten, und dann die Wahrheit zu empfangen. Und dieses Empfangen der Wahrheit — nicht das Machen der Wahrheit, sondern dieses Empfangen der Wahrheit -, dieses Entgegennehmen der Wahrheit, das wollte er, oder das wollte sich mit dem Ziehen des Zettelchens aus dem Kästchen ausdrücken. Das ist das Wesentliche.

[ 13 ] This is the vision described by Swedenborg. It is open to anyone to regard this vision as of no importance, perhaps even as naive. The salient question however is not whether it is naive or not, but that he experienced it. And that which at first sight seems perhaps extremely naive has profound implications. For that which in the phenomenal world appears to be arbitrary, the vagary of chance, is something totally different when seen symbolically from the spiritual angle. It is difficult to come to an understanding of chance, because chance is only a shadow-image of higher necessities. Swedenborg wishes to indicate something of special importance, namely that it is not he who wills it, but “it” is willed in him. This vision arises because “it” is willed in him. And this is an accurate description of the way in which he arrived at his truths, an accurate description of the spirit in which the treatise was written. How did the Cartesians react? They sought to demonstrate the idea of spiritual influence on purely human and rational grounds. It is possible to arrive at the spirit in this way but that seldom happens. The Aristotelians were no better than the Cartesians; they defended the idea of the spiritual influence, again on human grounds. The Leibnitzians were certainly no better than the other two for they defended the idea of “pre-established harmony”. Swedenborg rejected these paths to the spirit; he did everything possible to prepare himself to receive the truth. And this waiting upon truth, not the determination of truth, this passive acceptance of truth was his aim and was symbolized by the drawing of the slips of paper from the box. This is of vital importance.

[ 14 ] Solche Dinge aber finden in unserem Gemüt nicht die rechte Wertigkeit, wenn wir sie ausdenken, sondern unser Gemüt stellt sich erst in der richtigen Weise zu diesen Sachen, wenn wir sie im Bilde haben, selbst wenn das Bild für einfältig genommen werden kann von verständigen Leuten. Denn das Bild wirkt anders in unserer Seele als der Verstandesbegriff, das Bild bereitet unsere Seele dazu, die Wahrheit aus der geistigen Welt heraus entgegenzunehmen. Das ist das Wesentliche der Sache. Und wenn man diese Dinge gehörig ins Auge faßt, dann wird man sich allmählich hineinfinden in Begriffe und Vorstellungen, die den Menschen der Gegenwart wirklich notwendig sind, die der Mensch der Gegenwart erringen muß, und die heute nur aus Abneigung — nicht aus einem anderen Grunde -,:aus Abneigung, die aus dem Materialismus entspringt, den Menschen unzugänglich erscheinen.

[ 14 ] We do not appreciate these things at their true worth when we approach them intellectually. We only appreciate them in the right way when they are presented symbolically, even though intelligent people may regard the symbol as naive. Our response to symbols is different from our response to abstract ideas. The symbol prepares our soul to receive the truth from the spiritual world. That is the essential. And if we give serious attention to these things we shall gradually understand and develop ideas and concepts which are necessary for mankind today, ideas which they must acquire by effort and which appear to be inaccessible today simply because people are antipathetic towards them—and for no other reason—an antipathy that springs from materialism.

[ 15 ] Der ganze Geist unserer Betrachtungen ging ja darauf hinaus, die Menschheitsentwickelung gewissermaßen so zu betrachten, daß sie zuerst in ihrer Strömung bis zu einem gewissen Einschnitte ging. In diesen Einschnitt fällt das Mysterium von Golgatha hinein. Dann geht die Geschichte weiter. Beide Strömungen sind ja gewissermaßen radikal voneinander verschieden; und wir haben ja genügend charakterisiert, inwiefern die beiden Strömungen radikal verschieden sind. Aber stellen Sie sich noch einmal das Folgende vor, um diese Verschiedenheit genügend in Ihrer Seele zu empfinden. Stellen Sie sich vor, daß in alten Zeiten es immer möglich war, daß, ohne daß der Mensch besondere Vorbereitungen in seiner Seele machte, die mit der Aktivität zusammenhängen, denn in den Mysterien hingen sie mit äußeren Veranstaltungen, mit Kultushandlungen zusammen — der Mensch dadurch, daß gewissermaßen Äußeres verrichtet wurde, Äußeres geschah, zur Überzeugung der geistigen Welt kam und damit auch seiner eigenen Unsterblichkeit, weil das noch veranlagt war in seiner Leiblichkeit vor dem Mysterium von Golgatha. Mit der Zeit des Mysteriums von Golgatha hörte die Möglichkeit des Menschenleibes auf, gewissermaßen aus sich selber heraus die Überzeugung von der Unsterblichkeit aufdunsten zu lassen; verstehen Sie den Ausdruck recht: aufdunsten zu lassen. Die Möglichkeit hörte auf. Der Leib läßt nicht mehr aus sich herauspressen die Anschauung der Unsterblichkeit. Das bereitete sich in den Jahrhunderten vor dem Mysterium von Golgatha vor, und es ist wirklich außerordentlich interessant zu sehen, wie dieser Koloß von einem Denker, Aristoteles, ein paar Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha alle Anstrengungen macht, die Seelenunsterblichkeit zu begreifen, aber zu nichts anderem kommt als zu einer solchen Unsterblichkeit, die nun wirklich eine recht sonderbare Unsterblichkeitsvorstellung ist. Der Mensch ist ja für Aristoteles nur ein vollständiger Mensch, wenn er seinen Leib hat, wenn er richtig seinen Leib hat. Und Franz Brentano, einer der besten Aristoteliker der neueren Zeit, sagt in seiner Betrachtung über Aristoteles, der Mensch sei schon kein vollständiger mehr, wenn ihm irgendein Glied fehle; wie soll er ein vollständiger Mensch sein, wenn ihm der ganze Leib fehlt? So daß also die Seele für Aristoteles, wenn sie durch die Pforte des Todes geht, dann weniger ist, als sie hier im Leibe war. Das ist das Unvermögen, das Seelische wirklich noch zu schauen, demgegenüber das alte Vermögen stand, das Seelische wahrzunehmen, in seiner Unsterblichkeit wahrzunehmen. Aber nun tritt das Eigentümliche ein, daß dieser Aristoteles durch das Mittelalter hindurch der tonangebende Philosoph ist. Was man überhaupt wissen kann, so sagen sich die Scholastiker, das hat Aristoteles gewußt, und als Philosophen können wir nichts anderes tun, als uns auf Aristoteles zu verlassen, ihm nachzuleben. Man will nicht mehr geistige Fähigkeiten, geistige Kräfte entwickeln, die über das Maß des Aristotelismus hinausgehen. Das ist sehr bedeutsam. Und das führt, ich möchte sagen, erst zu der Kardinalerkenntnis über das Faktum: warum Julian der Apostat in der Konstantinischen Zeit das Christentum, wie es sich ausgelebt hat in der damaligen Kirche, abgelehnt hat. Man muß wirklich diese Dinge, ich möchte sagen, in einem höheren Lichte sehen. Ich habe selbst noch außer Franz Brentano einen der allerbesten Aristoteliker der Gegenwart kennen gelernt, den Vincenz Knauer, der Benediktinermönch war, und der tatsächlich aus seinem katholischen Bewußtsein heraus zu Aristoteles im Grunde genommen ganz in der Art gestanden hat, wie die Scholastiker zu Aristoteles gestanden haben, der also, indem er über Aristoteles sprach, durchaus so sprach, daß er dabei ins Auge fassen wollte, was man durch menschliches Wissen über die Unsterblichkeit der Seele eben wissen könne. Und da faßte Vincenz Knauer seine Meinung in der folgenden Weise zusammen, das ist sehr interessant:

[ 15 ] The whole purpose of our investigations was to study the course of human evolution, first of all up to a decisive turning-point—and this turning-point was the Mystery of Golgotha. Then evolution continues and takes on a new course. These two courses are radically different from each other. I have already described in what respects they differed from each other. In order fully to understand this difference let us recall once again the following: in ancient times it was always possible for man without special training of his psychic life (in the Mysteries this was connected with external ceremonies and cult acts) to be convinced of the reality of the spiritual world through the performance of these rites and ceremonies and thereby of his own immortality, because this certainty of immortality was still latent in his corporeal nature. After the Mystery of Golgotha it was no longer possible for the physical body to “distil” out of itself the conviction of immortality; it could no longer “press” out of itself, so to speak, the perception of immortality. This had been prepared in the centuries before the Mystery of Golgotha. It is most interesting to see how Aristotle, this giant among philosophers, made every effort a few centuries before the Mystery of Golgotha to grasp the idea of the immortality of the soul; but the idea of immortality he arrived at was a most remarkable conception. Man, in Aristotle's opinion, is only a complete man when he possesses a physical body. And Franz Brentano, one of the best Aristotelians of recent time, says in his study of Aristotle that man is no longer a complete man if some member is lacking; how can he be a complete man when he lacks the whole body? Therefore, to Aristotle, when the soul passes through the gates of death it is of less significance than it was when in the body here on Earth. This shows that he had lost the capacity still to perceive the soul, whilst on the other hand the original capacity to accept the immortality of the soul still persisted. Now, strange to relate, Aristotle was the leading philosopher throughout the Middle Ages. All that can be known, said the Schoolmen, is known to Aristotle and as philosophers we have no choice but to rely upon him and follow in his footsteps. They had no intention of developing spiritual powers or capacities beyond the limits set by Aristotelianism. And this is very significant, for it explains clearly why Julian the Apostate rejected the Christianity that was practised by the Church during the age of Constantine. One must really see these things from a higher perspective. Apart from Franz Brentano, one of the leading Aristotelians of our time, I was personally acquainted with Vincenz Knauer, a Benedictine monk, whose relationship to Aristotle as a Roman Catholic was identical with that of the Schoolmen. In speaking of Aristotle he sought to discover at the same time what could be known of the immortality of the soul by purely human knowledge. And Knauer gave the following interesting summary of his opinion:

[ 16 ] «Die Seele aber, das heißt hier der abgeschiedene Menschengeist» — also der abgeschiedene, der durch den Tod gegangene Menschengeist «befindet sich also nach Aristoteles nicht in einem vollkommeneren, sondern in einem ihrer Bestimmung nicht zusagenden, höchst unvollkommenen Zustande. Das Bild für sie ist keineswegs das vielfach verwendete, das eines Schmetterlings nämlich, der nach abgestreifter Puppenhülse sich im blauen Himmelsäther wiegt. Sie gleicht vielmehr einem Schmetterling, dem von grausamer Hand die Flügel ausgerissen wurden, und der nunmehr unbehilflich in der Gestalt des armseligsten Wurmes im Staube kriecht.»

[ 16 ] “The soul, that is, in this connection, the departed spirit—i.e. the soul of man that has passed through the gates of death—finds itself, according to Aristotle, not in a more perfect state, but in a highly imperfect state, inappropriate to its destiny. The image of the soul is by no means that which is often employed, namely, the image of a butterfly which after shedding its chrysalis takes wing. Rather does the soul resemble a butterfly whose wings have been torn off by a cruel hand and now crawls helplessly in the dust in the form of a miserable worm.”

[ 17 ] Das ist sehr bedeutsam, daß diejenigen, die Aristoteles gut kennen, durchaus zugeben: menschliches Wissen sollte eigentlich zu nichts anderem als zu dieser Anerkenntnis kommen. — Daraus sieht man aber, daß schon einige Kraft angewendet werden muß, um sich zu stemmen gegen dasjenige, was aus dieser Entwickelung heraus gekommen ist. Denn ohne es zu wissen, steht der heutige Materialismus - ich habe das schon erwähnt - eigentlich ganz unter dem Einfluß jener Abschaffung des Geistes, die durch das Konstantinopeler Konzil 869 eingetreten ist, wo man den Menschen eben nicht mehr, wie ich sagte, zusammengesetzt aus Leib, Seele und Geist haben wollte, sondern wo man den Geist abschaffte, den Menschen nur aus Seele und Leib bestehen ließ.

[ 17 ] It is very significant that those who are well versed in Aristotle admit that human knowledge could arrive at no other conclusion. And a certain effort therefore is demanded of us to resist the consequences of this attitude of mind. The materialism of the present time is unwittingly influenced by the Conciliar decree of 869 which abolished the spirit and declared that man consisted of body and soul only.

[ 18 ] Der moderne Materialismus geht nun noch weiter. Er schafft nun auch die Seele noch ab. Aber das ist eine ganz zusammenhängende Entwickelung. Es gehört also schon einige Kraft dazu und einiger Mut, um den Weg gewissermaßen wiederum zurückzufinden, namentlich in der richtigen Weise ihn zurückzufinden. Nicht wahr, Julian der Apostat, der in die eleusinischen Mysterien eingeweiht war, hatte ein Bewußtsein davon, daß man durch eine gewisse Entwickelung der menschlichen Seele zur Anerkennung des Unsterblichkeitscharakters der Seele kommen könne. Er hatte von diesem Sonnengeheimnis eine Erkenntnis. Und nun sah er von diesem Gesichtspunkte aus etwas, was ihm eigentlich furchtbar war. Er konnte nicht begreifen, daß es eine Notwendigkeit war, daß das für ihn Furchtbare eintrat; aber es war für ihn furchtbar. Was sah er denn eigentlich? Er sah, wenn er in alte Zeiten zurückblickte, wie die Menschen entweder direkt oder auf dem Umwege durch die Mysterien unter der Leitung der außerirdischen Gewalten und Wesen und Mächte standen. Das sah er, daß hier auf der Erde das geschehen könne, daß von geistigen Sphären aus das angeordnet wird, dadurch, daß die Menschen Erkenntnisse aus diesen geistigen Sphären haben. Das sah er. Und jetzt sah er das Christentum im Konstantinismus diejenige Form annehmen, welche auf die christliche Organisation, auf die christliche Gesellschaft anwendete die alten Grundformen des Imperium Romanum, daß sich das Christentum hineinschob in dasjenige, was das Imperium Romanum nur für die äußere soziale Ordnung ausgebildet hatte. Das sah er. Er sah gewissermaßen das Göttlich-Geistige unter das Joch des Imperium Romanum gespannt. Das war ihm das Furchtbare. Man muß nur einsehen, daß das für eine Zeitlang notwendig war, aber dazu konnte er sich nicht aufschwingen, und das bildete seinen Gegensatz gegenüber demjenigen, was sich äußerlich vollzog. Und man hat schon nötig, die große Zeit des Anhubes des Christentums vor der Konstantinischen Zeit ein wenig ins Auge zu fassen, ich habe schon darauf aufmerksam gemacht. Denn da waren die großen Impulse vorhanden, die dann nur verdunkelt, verdüstert worden sind, indem eingespannt worden ist das unter dem Einflusse des Christus-Impulses freie menschliche Erkennen in die Konzilsbeschlüsse.

[ 18 ] Modern materialism goes even further; it proposes to abolish the soul as well. That of course is the logical sequel. We need therefore both courage and determination in order to find our way back again to the spirit in the right way. Now Julian the Apostate who had been initiated into the Eleusinian Mysteries was aware that a specific spiritual training could lead to the realization that the soul is immortal. This Sun mystery was known to him. And he now became aware of something that filled him with alarm. He was unable to grasp the fact that what he feared so much was a necessity. When he looked back to ancient times he realized that directly or indirectly through the Mysteries man was guided by Cosmic Powers, Beings and Forces. He realized that this may happen on the physical plane, that it is ordained from spiritual spheres because men have insight into these spiritual spheres. In Constantinism he saw a form of Christianity emerge which modelled Christian society and the organization of Christianity on the original principles of the Roman empire. He saw that Christianity had infiltrated into that which the Roman empire had intended for the external social order only. And he saw that the divine-spiritual had been harnessed to the Imperium Romanum. And this appalled him; he was unable to bring himself to admit that this was a necessity for a brief period. He realized that there was wide disparity between the mighty impulses of human evolution and what happened historically. I have often called attention to the need to bear in mind the golden age of the rise of Christianity before the era of Constantine. For at that time powerful spiritual impulses were at work which had been obscured solely because man's independent search for knowledge which he owed to the Christ Impulse had been harnessed to the Conciliar decrees.

[ 19 ] Wenn man zurückgeht auf Origenes, auf Klemens von Alexandrien, überall findet man, daß diese Geister weitherzig sind, noch etwas durchaus Griechisches haben, nur daß sie ein Bewußtsein in ihren Seelen tragen von der Größe desjenigen, was durch das Mysterium von Golgatha sich vollzogen hat. Aber sie reden in einer Weise über dieses Mysterium von Golgatha und über den, der durch dasselbe gegangen ist, in einer Weise, die eben einfach gegenwärtig vor allen Konfessionen ketzerisch ist. Eigentlich sind die großen Kirchenväter der vorkonstantinischen Zeit die allerärgsten Ketzer. Sie werden anerkannt von der Kirche, aber sie sind trotzdem die allerärgsten Ketzer. Denn so sehr sie auf der einen Seite sich dessen bewußt sind, was Großes für die Erdenentwickelung mit dem Mysterium von Golgatha geschehen ist, so sind sie nicht darauf aus, den Weg zum Mysterium von Golgatha, den Weg der Mysterien, den Weg des alten Hellsehens, ausrotten zu wollen, was dann das konstantinische Christentum tun wollte, wie wir gesehen haben. Vor allen Dingen ist es bei Klemens von Alexandrien zu sehen, wie überall große Geheimnisse durch seine Werke durchleuchten, Geheimnisse, die in dem Grade geheim sind, daß dem gegenwärtigen Menschen es sogar schwer wird, sich bei dem entsprechenden Begriff überhaupt etwas zu denken. Klemens der Alexandriner redet zum Beispiel von dem Logos, von der die Welt durchwallenden und durchwellenden Weisheit. Er stellt sich diesen Logos schon vor als sinnerfüllte Sphärenmusik der Welt. Ganz lebendig stellt er sich ihn vor. Und er stellt sich vor, daß dasjenige, was äußerlich sichtbare Welt ist, gewissermaßen der Ausdruck ist der Sphärenmusik, so wie das sichtbare Schwingen der Saiten der Ausdruck ist für die musikalische Wellenbewegung. Und so wird ihm, dem Klemens von Alexandrien, die menschliche Gestalt zum Ebenbild des Logos. Das heißt: Klemens der Alexandriner appelliert an den Logos, und indem er die menschliche Gestalt ansieht, wird sie ihm wie ein Zusammenfluß von Tönen aus der Sphärenmusik heraus. Ein Ebenbild des Logos ist der Mensch, so sagt er. Und in manchen von den Aussprüchen Klemens’ von Alexandrien finden wir Spuren davon, daß höchste, höchste Weisheit in ihm gelebt hat, aber ganz durchleuchtet mit dem, was ausströmt von dem Mysterium von Golgatha. Vergleichen Sie mit dem, was heute vielfach herrscht, gerade solche Aussprüche, die ich da meine bei Klemens dem Alexandriner, dann werden Sie sonderbare Ansichten bekommen über das Recht, solch einen Menschen wie Klemens den Alexandriner anzuerkennen, ohne ihn zu verstehen.

[ 19 ] If we look back to Origen and to Clement of Alexandria we find men who were open-minded, men still imbued with the Greek spirit: yet they were also conscious of the significance of what had been accomplished through the Mystery of Golgotha. Their conception of this Mystery and of the crucified Christ is considered to be pure heresy in the eyes of all denominations today. In reality the great Church Fathers of the pre-Constantine age who are recognized by the Church are the worst heretics of all. Though they were aware of the significance of the Mystery of Golgotha for the evolution of the Earth, they gave no indication of wishing to suppress the path to the Mystery of Golgotha, the gate to the Mysteries or the path of the old clairvoyance, which had been the aim of the Christianity of Constantine. In Clement of Alexandria especially we see that his works are shot through with great mysteries, mysteries which are so veiled that it is even difficult for contemporary man to make head or tail of them. Clement speaks of the Logos for example, of the wisdom that streams through and permeates the Universe. He pictures the Logos as music of the spheres fraught with meaning, and the visible world as the expression of the music of the spheres, just as the visible vibration of the strings of a musical instrument is the expression of the sound waves. Thus, in the eyes of Clement, the human form is made in the image of the Logos; that is, to Clement the Logos is a reality and he sees the human form as a fusion of tones from the music of the spheres. Man, he says, is made in the image of the Logos. And in many of Clement's utterances we find traces of that supernal wisdom that dwelt in him, a wisdom illuminated by the Christ Impulse. If you compare these utterances of Clement of Alexandria with the prevailing attitude today then the claim to recognize a man such as Clement of Alexandria without understanding him will appear as more than passing strange.

[ 20 ] Wenn man heute davon spricht, daß Geisteswissenschaft etwas sein will, was sich durchaus in der Strömung des Christentums bewegt, was durchaus aus dem Christentum hervorblühen muß für unsere Zeit, da kommen zahlreiche Menschen — wir haben es ja erlebt, wir erleben ja diese Dinge — und sagen: Aufleben der alten Gnosis! — und vor der Gnosis, nun, da fängt eine große Zahl derjenigen, die heute das Christentum vertreten, an, sich zu bekreuzigen wie vor dem lebendigen Teufel. Aber Gnosis für die heutige Zeit ist Geisteswissenschaft, nur daß die fortgeschrittene, die heutige Gnosis etwas anderes ist als die Gnosis, die Klemens der Alexandriner gekannt hat. Dennoch aber, wie spricht sich Klemens der Alexandriner aus, als in der zweiten Hälfte des zweiten christlichen Jahrhunderts lebend? Er sagt: Glaube, gut, das ist das, wovon man ausgeht. — Der heutige kirchliche Bekenner will dabei stehen bleiben. Der Glaube ist schon Gnosis, sagt er, aber gedrängte Erkenntnis des Nottuenden, die Gnosis aber der bestätigende und festigende Nachweis des im Glauben Aufgenommenen, durch die Unterweisung des Herrn auf den Glauben gebaut, ihn fortführend zur wissenschaftlichen Unwiderleglichkeit und Erfaßbarkeit. - Da haben Sie das ausgesprochen für seine Zeit bei Klemens dem Alexandriner, was für die heutige Zeit verwirklicht werden muß. Da haben Sie es als eine Forderung des Christentums ausgesprochen, daß Gnosis, die heutige Geisteswissenschaft, sich lebendig hineinstellen muß gerade in die christliche Entwickelung. Der Stumpfling von heute sagt: Wissenschaft auf der einen Seite — die will er beschränken auf die äußeren Tatsachen -, Glaube auf der anderen Seite; der Glaube soll sich nicht in die Wissenschaft hineinmischen. Klemens von Alexandrien sagt: Dem Glauben wird die Gnosis gegeben, der Gnosis die Liebe, der Liebe das Erbe. — Es ist dieses einer derjenigen Aussprüche, die zu dem Tiefsten überhaupt der Entwickelung des Menschengeistes gehören, weil er Zeugnis ablegt von einem tiefen Verbündnis mit dem geistigen Leben. Vom Glauben geht man aus; aber dem Glauben wird die Gnosis gegeben, das heißt das Wissen, die Erkenntnis. Und aus der lebendigen Erkenntnis, das heißt aus dem Untertauchen in die Dinge, fließt erst die rechte Liebe, und aus der rechten Liebe die Handhabung des Erbes des Göttlichen. Göttliches kann durch die Menschheit nur fließen, fortfließen, wie es im Urbeginn geflossen ist, wenn dem Glauben die Gnosis, der Gnosis die Liebe, der Liebe das Erbe gegeben werden. — Man muß solche Aussprüche auch so ansehen, daß man in ihnen sieht Zeugnisse für die Tiefe eines solchen Geistes.

[ 20 ] When it is said that the aim of Spiritual Science is to follow in the main stream of Christianity, to be a new flowering of Christianity to meet the needs of our time, then the cry is raised—the ancient Gnosis is being revived! And at the mention of Gnosis many professing Christians today begin to cross themselves as if faced by the devil incarnate. Gnosis for today is Spiritual Science; but the more developed gnosis of the present time is different from the gnosis known to Clement of Alexandria. What were the views of Clement of Alexandria who lived in the latter half of the second century? Faith, he says, is our starting-point—the orthodox Christian of today is satisfied with faith alone and asks no more. Faith, according to Clement, is already knowledge, but concise knowledge of what is needed; gnosis however confirms and reinforces what we believe, is founded on faith through the teaching of Our Lord and so leads to a faith that is scientifically acceptable and irrefutable. In these words Clement of Alexandria expresses for his time what we must realize today. Christianity therefore demands that gnosis, the Spiritual Science of today, must actively participate in the development of Christianity. But the modern philistine protests: “We must distinguish between science (which he would limit to sense experience) and faith. Faith must have no part in science.” Clement of Alexandria however says: To faith is added gnosis, to gnosis love, and to love the “Kingdom”. This is one of the most profound utterances of the human spirit because it bears witness to an intimate union with the life of the spirit. First we are nourished in faith; but to faith is added gnosis, that is, knowledge or understanding. Out of this living knowledge, i.e. when we penetrate deeply into things, there is first born genuine love through which our Divine inheritance operates. Mankind can only be the vehicle of the influx of the Divine as it was in the “beginning” if to faith is added gnosis, to gnosis love and to love the “Kingdom”. We must look upon these utterances as bearing witness to the deep spirituality of Clement.

[ 21 ] Und so schwierig es auf der einen Seite ist, so notwendig ist es auf der anderen Seite, gerade die wahre Gestalt des christlichen Lebens den Menschen heute wiederum zugänglich zu machen. Denn werden heute gewisse Dinge in der richtigen Weise bezeichnet, so zeigt sich an diesen Dingen, worin eigentlich die Schäden unserer Zeit liegen. Diese Schäden wirken so, daß man gewöhnlich nicht durchschauen will, wie die Sachen eigentlich wirken. Sehen Sie, wenn ein Dorf in den Alpen verschüttet wird durch eine Lawine, so sieht jeder die Lawine ins Dorf stürzen; aber derjenige, der den Ursprung der Lawine suchen will, der muß sie vielleicht in einem Schneekörnchen da oben suchen. Das Zusammenstürzen des Dorfes durch die Lawine wird leicht zu beobachten sein; daß das durch ein Körnchen Schnee vielleicht verursacht wird, das wird nicht so leicht zu konstatieren sein, schon im Physischen nicht. Nun erst bei den großen Erscheinungen der Weltgeschichte! Daß wir jetzt in einer furchtbaren Katastrophe der Menschheit stehen, das ist zu sehen, das ist die Lawine, die heruntergestürzt ist. Wo wir die Ausgangspunkte zu suchen haben, das ist dort, wo die Körnchen anfangen zu rollen. Allerdings müssen wir dann verschiedene Körnchen suchen; aber man verfolgt diese Körnchen nicht bis dahin, wo sie dann Lawinen werden. Und man sieht es heute nicht gerne, wenn gewisse Dinge bei dem rechten Namen genannt werden.

[ 21 ] Difficult as it may seem we must make the true form of Christian life once again accessible to mankind today. It is important to see certain things for what they are today and we shall then know where to look for the real cause of our present tribulations (i.e. the War of 1914). The effect of these calamities is such that, as a rule, no attempt is made to discover what really lies behind them. When, for example, an Alpine village is buried beneath an avalanche, everyone sees the avalanche crash down; but if we want to discover the cause of the avalanche we must look for it perhaps in an ice-crystal where the snow-slip began. It is easy enough to observe the destruction of the village by the avalanche, but it is not so easy to provide tangible evidence that the disaster was caused by an ice-crystal. And so it is with the great events of history! It is evident that mankind is now caught up in a terrible catastrophe; this is the conflagration that has overwhelmed us. We have to look for the sparks—and they are many—which first set the conflagration alight. But we do not pursue our enquiries far enough in order to ascertain where the conflagration first began. Today we are afraid to see things for what they are.

[ 22 ] Nehmen wir einmal an: jemand will sich heute ein Urteil bilden, was auf diesem oder jenem Gebiete Wissenschaft ist. Wie macht er das? Durchschnittlich, wie macht er das? Nun, er verläßt sich auf das Urteil eines Mannes, der für das betreffende Fach angestellt ist. Warum ist dieses Urteil maßgebend? Nun, weil der betreffende Mann zum Professor an dieser oder jener Universität ernannt ist. Das ist ja in der Regel der Grund, warum das oder jenes heute als wissenschaftlich anerkannt ist. Aber nehmen wir einen einzigen konkreten Fall. Ich weiß sehr wohl, beliebt macht man sich nicht, wenn man diese Dinge bei ihrem Namen nennt, aber das nützt ja doch nichts; wenn die Dinge weiterhin in unserer Zeit nicht beim rechten Namen genannt werden von immer mehr und mehr Leuten, so wird man aus der Misere nicht herauskommen. Nehmen wir an, irgendeine der Autoritäten sagt folgendes: Da haben die Leute immerfort ihr Gerede von Leib und Seele, die sich beim Menschen finden. Das ist eigentlich ein unbefriedigender Dualismus, Leib und Seele. Daß wir von Leib und Seele heute noch reden, das kommt nur davon her, weil wir uns in der Sprache ausdrücken müssen, und die Sprache haben wir nicht geschaffen in der Gegenwart, sondern die ist uns überliefert aus einer früheren Zeit, wo die Menschen noch viel dümmer waren als die heutigen Universitätsprofessoren. Da haben diese dummen Menschen noch geglaubt an die Seele im Gegensatz zum Leibe. Und wenn wir heute von diesen Sachen reden, dann müssen wir uns dieser Worte bedienen; wir sind Sklaven der Sprache und mit der Sprache eigentlich der dummen Leute, die noch nicht solche gescheite Professoren angestellt haben, wie wir sind. - Nun sagt er weiter: Also, man muß ja schon reden von Leib und Seele; allein die Sache ist ganz unberechtigt. Denn wenn wirklich einmal einer kommt und redet, ganz unbeirrt von den Leuten der Vorzeit vom heutigen Standpunkte aus, so sagt er vielleicht: Ja, da sehe ich eine Blume und dann sehe ich einen anderen Menschen. Den anderen Menschen kann ich sehen mit Bezug auf seine Gesichtsfarbe, seine Gestalt, wie ich die Blume sehe. Das andere muß ich nur erschließen. - Nun könnte einer kommen und könnte sagen: Ja, aber der andere sieht auch die Blume, und das Bild der Blume lebt in seiner Seele. Aber das ist eitel Täuschung. Was mir eigentlich gegeben ist bei der Blumenempfindung, bei der Steinempfindung, ist Sinneseindruck, ist auch beim Menschen Sinneseindruck. Daß da noch etwas in der Seele lebt, das ist nur eitel Täuschung. Es sind überall nur Beziehungen gegeben.

[ 22 ] Let us assume that we wish to form an opinion about a certain field of science. Usually we rely upon the opinion of the specialist in that particular field. Why is his opinion accepted as authoritative? Simply because he is an expert in this field. Generally speaking it is the specialist or university professor who determines what is accepted as scientific today. Let us take a concrete case. I am well aware that it does not make for popularity to call a spade a spade, but that is no matter. But unless an increasing number of people is prepared to get to the root of things today we shall not overcome our present tribulations. Let us assume that a leading authority says the following: people are always talking about man in terms of body and soul. This idea of the dualism of body and soul is fundamentally unsatisfactory. That we still speak of body and soul today is due to the fact that we are dependent on a language that is already outmoded, which we have inherited from an earlier epoch when people were far more stupid than today. These people were so foolish as to believe that the body and soul were separate entities. When we speak of these matters today we are compelled to make use of these terms; we are victims of a language which belongs to the past. And our authority continues: we have to accept body and soul as separate entities, but this is quite unjustified. Anyone speaking from the present standpoint and wholly uninfluenced by the views of ancient times would perhaps say: let us assume here is a flower and here is a man. I see his form and complexion, his external aspect, just as I see that of the flower. The rest must be inferred.—Now someone might come along and object: that is true, but the man in question also sees the flower in his soul. But that is pure illusion. What I really receive from the perception of a flower or a stone is a sense-impression and the same is true of the man in question. The idea that an inner image persists in the soul is pure illusion. The only things we know are external relationships.

[ 23 ] Sie sagen sich: Was uns der da sagt, dabei kann man sich nichts vorstellen! Nun, Gott sei Dank, wenn Sie sich nur recht wenig dabei vorstellen können; denn die ganze Auseinandersetzung ist nämlich das törichteste Gerede, das es nur geben kann, ist gewissermaßen die personifizierte Torheit. Diese personifizierte Torheit wird in Zusammenhang gegeben mit allerlei ja sorgfältigen Untersuchungen, die in Laboratorien gemacht werden über das menschliche Hirn, über allerlei klinische Ergebnisse und so weiter. Das heißt, der Betreffende ist ein Tor. Er ist in der Lage, gute klinische Ergebnisse zu geben, weil er die Kliniken zur Verfügung hat; was er redet über diese Dinge, ist die reinste Torheit. Diese Toren sind heute gar nicht selten, sondern sie sind eigentlich das Gewöhnliche. Beliebt macht man sich selbstverständlich nicht, wenn man diese Sachen sagt. Die Vortragsserie, die als Buch veröffentlicht ist von dem betreffenden Mann - verzeihen Sie, er heißt nämlich kurioserweise noch dazu Verworn, aber das will ich selbstverständlich auf dem physischen Plan nur für einen Zufall gelten lassen —, das Buch, das die Artikelserie wiedergibt, heißt «Die Mechanik des Geisteslebens». Über die «Holzigkeit des Eisens» könnte man ebenso schreiben, wie über die Mechanik des Geisteslebens, das hätte ungefähr ebensoviel Sinn. Ja, wenn unser Geistesleben in seinen erleuchtetsten Köpfen von solcher «Gedankenschärfe» durchzogen ist - Verworn beschreibt, was er sieht, er mischt nur seine eigenen törichten Gedanken hinein -, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn grade diejenigen Disziplinen, die nicht das Glück haben, wenigstens in bezug auf das Äußerlich-Sinnliche wahr zu sein, die nichts Äußerliches anschauen können, sich absolut nicht zurechtfinden können. Namentlich die Staatswissenschaften, denen gewissermaßen die Krücke der äußeren Tatsachen fehlt, die müßten wirklichkeitstragfähige Gedanken haben, und die haben sie aus den angedeuteten Gründen nicht, wie ich Ihnen das letztemal ausgeführt habe. Mit der Nase werden aber die Leute selbst darauf gestoßen. Ich habe Ihnen einen sehr befähigten Menschen angeführt: Kjellén, den schwedischen Denker. Gewiß, es ist einer der allerbesten. Und sein Buch «Der Staat als Lebensform» ist geistreich; aber gegen den Schluß bringt er eine merkwürdige Idee vor, mit der er nichts machen kann, mit der aber auch andere in der Gegenwart nichts machen können. Er zitiert nämlich einen gewissen Fustel de Coulanges, der «La cit€ antique» geschrieben hat, und der in diesem Buche ausführt die Idee, daß es doch sehr merkwürdig ist, wenn man in die alten Staaten zurückgeht, die alten vorchristlichen Staaten untersucht, daß da fast der ganze Staat immer auf Kultus gebaut ist; der ganze Staat ist auf geistig-soziale Ordnung aufgebaut. — Also, Sie sehen, die Leute werden auf die Tatsachen gestoßen, denn ich habe Ihnen das letzte Mal erzählt, wie die soziale Ordnung aus den Mysterien herausgeflossen, wie sie wirklich ein Geistiges war. Indem die Leute diese Sachen studieren, kommen sie auf solche Dinge, aber sie können sie nicht verstehen, sie können sich unmöglich irgend etwas dabei denken. Sie können nichts machen mit dem, was ihnen selbst die Geschichte erzählt, der man so viele Dokumente weggenommen hat.

[ 23 ] You will say that you can make nothing of this argument! And a good thing too, because it is a farrago of nonsense, it is the acme of stupidity. This crass stupidity is supported by all kinds of careful laboratory investigations into the human brain and sundry clinical findings and so on. In short the man is a fool. He is in a position to provide good clinical results because laboratories are at his disposal; but the conclusions which he draws from these findings are pure nonsense. Men of this type are a commonplace today. To say these things does not make for popularity. The cycle of lectures which has appeared in book form by the man I am referring to—strangely enough his name is Verworn, I take this to be pure coincidence—is called “The Mechanism of the Spiritual Life”. It would be about as sensible to write about the “ligneousness of iron” as about “the mechanism of spiritual life”. Now if this is typical of the intellectual acumen of our most enlightened minds it is not in the least surprising that if those disciplines which are far from being accurate at least in relation to external facts—and in this respect Verworn is capable of accurate observation because he describes what he sees, but unfortunately muddies everything with his own foolish ideas—that if those disciplines which are unsupported by external evidence such as political science, for example, are exposed to the scientific mode of thinking, then the greatest nonsense results. Political science should be supported by thoughts that are rooted in reality, but lacks these thoughts for reasons I have indicated in my last lecture. And people are forcibly reminded of this fact. I referred earlier in this lecture to Kjellén, one of the leading Swedish thinkers. His book The State as Organism is ingenious; towards the end of the book he puts forward a remarkable idea, but neither he, nor others today, can make anything of it. He quotes a certain Fustel de Coulanges,5Fustel de Coulanges (1830–89). Originator of the scientific approach to history. His Cité antique showed that ancient institutions derived from religious beliefs common to primitive peoples. It was a study of the part played by religion in the political and social evolution of Greece and Rome. author of La Cité antique, who showed that when we analyse pre-Christian political and social institutions we find that they are entirely founded on religious rites and observances; the entire State has a social and spiritual foundation. Thus people are willy-nilly brought face to face with the facts, for I pointed out in my last lecture that the social order stemmed from the Mysteries and had a spiritual origin. In studying the body politic or political science people are faced with these questions but are at a loss to understand them. They can make nothing of what even history reports when they can no longer rely upon documents.

[ 24 ] Um so weniger kann mit der anderen Idee etwas recht gemacht werden, die wiederum erstehen muß, und die wir gerade in den Mysterien, und, ich möchte sagen, in jenem wunderbarsten Nachklang an die Mysterien, bei Plato, wiederfinden, und die ich als einen neueren Weg, zum Christus zu kommen, angedeutet habe. Wenn Sie die Platonischen Werke durchlesen, tritt Ihnen eine eigentümliche Sache entgegen. Plato stellt in den Mittelpunkt seiner Betrachtung den Sokrates, Sokrates im Kreise seiner Schüler. Das Gespräch des Sokrates mit seinen Schülern ist es, innerhalb dessen entwickelt wird dasjenige, was Plato sagen will. Plato knüpft an den toten Sokrates an in seinen Schriften. Das ist nicht nur eine belletristische Einkleidung, sondern das ist mehr. Das ist, ich möchte sagen, die Fortsetzung, der Nachklang dessen, was in den Mysterien gelebt hat, wo die Mysterienschüler hingeführt wurden zum Verkehr mit den Verstorbenen, die von der geistigen Welt weiterregieren die äußere sinnliche Welt. Plato entwickelt eine Philosophie, indem er an einen Toten anknüpft. Diese Idee muß wieder erstehen, diese Idee muß wiederkommen. Und ich habe angedeutet, wie sie wiederkommen muß. Wir müssen die Möglichkeit finden, über die trockene Historie, über die Nacherzählung der äußeren Ereignisse hinauszukommen; wir müssen zu der Möglichkeit kommen, mit den Toten zu leben, die Gedanken der Toten in uns wieder auferstehen zu lassen. Wir müssen in diesem Sinne die Auferstehungsidee ernst nehmen können. Das ist der Weg, auf dem sich schon der Christus der Menschheit erschließt im subjektiven, im inneren Erleben, der Weg, auf dem sich der Christus bewahrheiten kann. Aber es gehört zu diesem Wege die Entwickelung dessen, was man nennen kann: den Willen im Denken. Wenn Sie sich die Gedanken nur so bilden können, wie sie sich bilden, wenn Sie die äußere Sinneswelt anschauen, dann kommen Sie nicht zu solchen Gedanken, die mit Toten in eine reale Verbindung kommen. Wir müssen die Fähigkeit gewinnen, Gedanken elementar aus dem eigenen Wesen heraufzuholen. Der Wille muß den Mut haben, mit der Wirklichkeit sich zu verbinden. Dann wird der Wille, der sich also vergeistigt, er wird, genau ebenso wie Ihre Hand an einen äußeren sinnlichen Gegenstand anstößt, anstoßen an Geistwesen. Und die ersten Geistwesen werden in der Regel sogar diejenigen sein, welche in irgendeiner Weise karmisch mit uns verbundene Tote sind. Das Notwendige bei allen diesen Dingen ist nur, daß Sie sich dafür nicht gewissermaßen Anleitungen suchen, die man leicht haben kann, gewissermaßen auf einen Bogen Papier aufgeschrieben, um sie in die Westentasche zu stecken. So einfach sind diese Dinge nicht. Man stößt auch bei gutwilligen Leuten darauf, daß sie sagen: Wie kann ich unterscheiden, was Traum und Wirklichkeit ist? Wie unterscheide ich, was Phantasie und Wirklichkeit ist? — Ja, im einzelnen Falle dieses zu unterscheiden nach einer bestimmten Regel, das ist gar nicht dasjenige, was man suchen soll. Die ganze Seele muß sich nach und nach so stimmen, daß sie sich urteilsfähig macht, im einzelnen Falle eben ein Urteil zu gewinnen, wie man ja auch in der sinnlichen Außenwelt urteilen will, ohne Anweisung für einen einzelnen Fall, sondern wie man sich erziehen muß für einen größeren Umkreis, um über den einzelnen Fall ein Urteil zu haben. Der Traum kann sehr ähnlich sein der Berührung mit der Realität, aber man kann nicht im einzelnen Falle die Angabe machen: Dadurch unterscheidest du einen bloßen Traum von einer Wirklichkeit. Es kann sogar dasjenige, was ich jetzt sage, für diesen oder jenen Fall wiederum falsch sein, weil wiederum andere Gesichtspunkte in Betracht kommen. Es handelt sich eben immer darum, daß man versucht, seine ganze Seele urteilsfähig zu machen für die geistige Welt.

[ 24 ] And still less can they make anything of the other idea which I indicated as a new path to the Christ. This idea which we find especially in the Mysteries and in Plato's writings, that remarkable echo of the Mystery teachings must arise once again. The central figure of Plato's dialogues is Socrates surrounded by his disciples. In the debate between Socrates and his disciples Plato unfolds his teachings. In his writings Plato was in communion with Socrates after the latter's death. Now this is something more than a literary device. It is the continuation, the echo of what was practised in the Mysteries where the neophytes were gradually prepared for communion with the souls of the dead who continue to direct the sensible world from the spiritual world. Plato's philosophy is developed out of his communion with Socrates, after the death of Socrates. This idea must be revived again and I have already indicated what form it must take. We must get beyond the dry bones of history, beyond the mere recording of external events. We must be able to commune with the dead, to let the thoughts of the dead arise in us once again. It is in this sense that we must be able to take seriously the idea of resurrection. It is through personal inner experience that Christ reveals Himself to mankind. It is by following this path that the truth of the Christ can be demonstrated. But this path demands of us that we develop the will in our thinking. If we can develop only such thoughts as are suited to the observation of the external world we cannot arrive at those thoughts which are really in touch with the dead. We must acquire the capacity to draw thoughts from the well of our inmost being. Our will must be prepared to unite with reality, and then the will which is thus spiritualised by its incorporation in our thinking will encounter spiritual beings, just as the hand encounters a physical object in the external world. And the first spiritual beings we encounter will, as a rule, be the dead with whom we are in some way karmically connected. You must not expect to find guidance in these abstruse matters from a set of written instructions which can be carried about in one's waistcoat pocket. Things are not as simple as that. One encounters well-intentioned people who ask: How do I distinguish between dream and reality, between phantasy and reality? In the individual case one should not attempt to distinguish between them in accordance with a fixed rule. The whole soul must be gradually attuned so that it can pass judgement in the individual case, just as in the external world we seek to pass judgement irrespective of the individual case. We must develop a wider perspective in order to form a judgement about the particular case. The dream may be a close approximation to reality, but it is not possible in the individual case to state categorically: this is the right and proper way to distinguish a mere dream from reality. Indeed what I am saying at the moment may not apply in specific cases, because other points of view must be taken into consideration. It is important to develop in ourselves the power to discriminate in spiritual matters.

[ 25 ] Nehmen Sie den Fall, der ja sehr häufig vorkommt: Sie träumen, Sie glauben zu träumen; aber die Menschen können ja nicht so leicht unterscheiden Traum und Wirklichkeit. Diejenigen, die heute übrigens über den Traum nachdenken, die denken etwa nach der Anleitung solcher Leute wie der des Herrn Verworn nach, der da sagt: Man kann ein schönes Experiment machen. Verworn führt zum Beispiel folgendes schöne Experiment an; das ist auch als Experiment sehr schön: Es schläft einer, und man geht ans Fenster mit einer Stecknadel und klopft. Der Betreffende träumt, wacht auf und erzählt einem, er hätte teilgenommen an einem Gewehrfeuer. Der Traum übertreibt, sagt Verworn. Was nur Stecknadelstöße waren, ist zu Schüssen geworden. Der Traum übertreibt. Wie können wir uns das erklären? Das erklären wir uns dadurch, sagt Herr Verworn, daß wir annehmen: Beim wachen Bewußtsein ist das Gehirn in voller Tätigkeit. Beim Traumbewußtsein, da ist das Gehirn in herabgeminderter Tätigkeit, da ist das Rindenbewußtsein tätig; das Rindenhirn nimmt sonst keinen Anteil, es ist das Gehirn von geringerer Intensität. Daher kommt es, daß der Traum so bizarr wird; deshalb kommt es dazu, daß Stecknadelstöße zum: Gewehrfeuer werden, und durch die Gehirntätigkeit wird der kleine Stecknadelstoß zu einem Feuergefecht. —- Nun ja, das Publikum ist gutgläubig, weil auf der Seite oben, wo das Betreffende steht, erzählt wird, daß der Traum übertreibt, und unten wird, nicht gerade mit den Worten, die ich jetzt gebraucht habe, dieses gesagt: Das Gehirn ist von geringerer Tätigkeit, daher erscheint der Traum bizarr - und der Leser hat schon vergessen dasjenige, was oben steht. Daher bringt er diese Dinge nicht in Zusammenhang. Er hat ja nur nötig zu glauben: Das sagt eine Autorität, die angestellt ist vom Staat, diese Dinge zu wissen, also muß man daran glauben. — Der Autoritätsglaube ist ja etwas, was in der Gegenwart ganz verpönt ist, wie Sie wissen. Nun ja, wer nicht so über den Traum denkt, der darf das Folgende sagen. Es könnte richtig sein, und in dieser Art zu denken liegt eben auf diesem Gebiet das Richtige. Nehmen wir an, Sie träumen von einem Freunde, der gestorben ist. Sie träumen mit diesem Freunde zusammen eine Situation; das heißt Sie glauben zu träumen — und wachen auf. Der Gedanke beim Aufwachen ist ja selbstverständlich der: Das ist ja ein Längstverstorbener! Aber das fiel Ihnen im Traum gar nicht ein, daß er verstorben ist. Nun können Sie allerlei gescheite Erklärungen finden für den Traum, nach der «Mechanik des Geistes»; aber, nicht wahr, wenn das ein Traum ist, und der Traum nichts ist als Reminiszenz des Tageslebens, so werden Sie schwer einsehen können, daß der stärkste Gedanke, den Sie haben können, nämlich sein Tod, daß der Freund verstorben ist, just nicht in den Traum hineinspielt, wenn Sie just eine Situation erlebt haben, von der Sie wissen — Sie wissen das ganz genau -, Sie hätten sie mit dem Lebenden nicht erleben können. Dann ist das folgende Urteil berechtigt, dann sagen Sie sich: Ich habe jetzt etwas erlebt mit dem X, das ich im Leben nicht hätte erleben können, das ich nicht nur nicht erlebt habe, sondern, wie das Zusammenleben mit ihm war, nicht hätte erleben können, und jetzt erlebe ich es. Angenommen, die Seele ist hinter diesem Traumbild, die wirkliche Seele, die durch die Pforte des Todes gegangen ist, ist hinter diesem Traumbild. Ist es nicht selbstverständlich, daß Sie den Tod nicht miterleben? Die Seele hat ja gar keine Veranlassung, sich Ihnen als gestorben zu zeigen, sie lebt ja weiter. Und Sie werden, wenn Sie diese beiden Dinge zusammennehmen und vielleicht noch mit etwas anderem verbinden, Sie werden dazu kommen, sich zu sagen: Mein Bild stülpt sich über eine wirkliche Begegnung mit der Seele. Und daß der Gedanke des Todes mir nicht kommt, das kommt daher, daß ich ja nicht eine Reminiszenz habe, sondern ein Herankommen des wirklichen Toten an mich. Mit dem erlebe ich jetzt etwas, das kleidet sich selbstverständlich in ein Bild, aber es gibt eine Situation, die nicht hätte da sein können. Außerdem kommt der Gedanke an den Tod nicht, weil die Seele lebt, weil gar keine Veranlassung dazu da ist, Und dann haben Sie allen Grund, sich zu sagen: Da lebe ich also in einer Region, wenn ich einen solchen sogenannten Traum habe, wo etwas nicht hineinspielt - und das, was ich jetzt sage, das ist wichtig, außerordentlich wichtig -, denn charakteristisch für unser physisches Leben ist die Intaktheit unseres physischen Gedächtnisses. Dieses Gedächtnis ist für die Welt des Geistes, in die wir eintreten, nicht in demselben Maße vorhanden, nicht in derselben Art sogar vorhanden, sondern das Gedächtnis, das da drüben notwendig ist, das müssen wir uns erst entwickeln. Das physische Gedächtnis ist schon an den physischen Leib gebunden. Daher weiß jeder, der mit dieser Region bekannt ist, daß das physische Gedächtnis in diese Region nicht hineingeht. Kein Wunder, daß überhaupt keine Erinnerung vorhanden ist an den Toten, sondern die Begegnung mit der lebendigen Seele.

[ 25 ] Let us take the familiar case of a person who is dreaming or who imagines he is dreaming. Now it is not easy to distinguish between dream and reality. People who study dreams today follow in the footsteps of Herr Verworn. He says that one can undertake an interesting experiment. He quotes the following example. Someone taps with a pin on the window of a house where the occupant is asleep. He is dreaming at the time, wakes up and says he had heard rifle-fire. The dream, according to Verworn, exaggerates. The tappings of the pin on the window-pane have become rifle-shots. Verworn explains this in the following way: we assume that in waking consciousness the brain is fully active. In dream consciousness the brain activity is diminished; only the peripheral consciousness is active. Normally the brain plays no part; its activity is diminished. That is why the dream is so bizarre and why, therefore, the tappings of the pin turn into rifle-fire. Now the public is highly credulous. They are first told in the relevant passage in Verworn's book that the dream exaggerates and then, later on, they are told (not precisely in the words I have used) that the brain is less active and therefore the dream appears bizarre. The reader has meanwhile already forgotten what was told in the first place. He is unable to relate the two statements and simply says: the State has appointed an expert in these matters and so we must accept his word. Now, as you know, belief in authority is taboo today. He who does not hold these views about the dream may none the less feel that the following way of thinking might well be the right approach. Let us assume you are dreaming of a friend who is dead. You dream, or believe you are dreaming that you are sharing some situation in common with him—and then you wake up. Your first thought on awakening is of course: but he died some time ago! But in the dream it never occurred to you that he was dead. Now you can find many ingenious explanations of this dream if you refer to Verworn's book, The Mechanism of the Spirit. But if this is a dream, and a dream is only a memory of everyday life, you will have difficulty in understanding why the foremost thought in your mind, namely the death of your friend, plays no part in the dream when you have just experienced a situation which you know for certain you could not have shared with him when alive. You are then justified in saying: I have now experienced with X something I could not have experienced in life, something that I have not only not experienced, but which would have been impossible in our normal relationship. Assuming that the soul of X, the real soul, which has passed through the gates of death is behind this dream-picture, is it not self-evident that you do not share his death experience? There is no reason why X's soul should appear to be dead since it still lives on. If you take these two factors into consideration—perhaps in conjunction with other factors—you will conclude: my dream-picture veils a real meeting with the soul of X. The thought of death never occurs to me because the dream is not a memory of everyday life: in the dream I receive an authentic visitation from the deceased (i.e. X). I now experience the visitation in the form of a dream-picture, a situation which could not have arisen under the normal circumstances of everyday life. Furthermore the thought of death never occurs to me because the soul of the deceased persists. And then you have every reason for saying: when I experience this apparent dream I inhabit a realm where physical memory does not operate—and what I am about to say is most important—for it is characteristic of our physical life that our physical memory remains unimpaired. This memory does not exist to the same extent, nor is it of the same nature in the world of spirit which we enter at death. The memory which we need for the world of the spirit we must first develop in ourselves. The physical memory is tied to the physical body. Therefore anyone who is familiar with the super-sensible realm knows that the physical memory cannot enter there. It is not surprising that we have no memory of the deceased; but we are aware that we are in communion with the living soul of X.

[ 26 ] Leute, die bekannt waren mit diesem, die reden gerade von dem, wie das, was wir hier für das physische Leben Gedächtnis nennen, etwas ganz anderes ist fürs geistige Leben. Wer jemals Dantes großes Bild, die Commediia, die «Göttliche Komödie» auf sich hat wirken lassen, der wird, wenn er dies Verständnis dann hat, keinen Zweifel haben können, daß Dante Schauungen gehabt habe, daß er bekannt war mit der geistigen Welt. Für denjenigen, der die Art der Sprache derjenigen kennt, die mit der geistigen Welt bekannt waren, liegt ja schon das beweiskräftige Zeugnis in der Einleitung, die Dante gewählt hat für seine Commedia. Aber Dante wußte Bescheid; er war kein Dilettant in den geistigen Welten, er war sozusagen Fachmann. Er wußte Bescheid. Ein solcher weiß auch, wie nicht das gewöhnliche Gedächtnis hineingeht in diejenige Sphäre, wo wir den Toten begegnen. Und Dante spricht viel von den Toten, wie in dem Lichte der geistigen Welt unsere Toten leben. Mit Bezug auf das Gedächtnis finden Sie in der «Göttlichen Komödie» das schöne Wort: «O höchstes Licht, so weit erhaben über den menschlichen Begriff, leih’ nur ein wen’ges von dem, wie du erschienst, dem Sinn mir wieder; und mein Zunge laß so mächtig werden, daß einen Funken deiner Herrlichkeit nur dem künft’gen Volk ich hinterlassen möge! Denn wenn ein wenig nur in mein Gedächtnis es kehrt, und etwas tönt in diesen Versen, wird mehr man deine Siegerkraft begreifen.» Da sehen Sie, wie Dante wußte, daß man nicht mit einem gewöhnlichen guten Gedächtnis das auffassen kann, was da aus den geistigen Regionen herkommen konnte. Manche Menschen der Gegenwart sagen: Wozu sollen wir uns in die geistige Welt erheben, wir haben genug zu tun mit der physischen Welt; der Tüchtige sucht hier in dieser Welt sich zurechtzufinden! - Ja, haben denn diese Leute ein Recht zu glauben, daß jene alten Menschen, die die Weisheit in den Mysterien empfingen, es weniger ehrlich mit der physischen Welt gemeint haben? Nur wußten diese, daß die geistige Welt hineinspielt in diese physische Welt, daß sie hineinwirkt, daß die Toten doch unter uns wirken, auch wenn man es ableugnet, und daß man nur Verwirrung stiftet mit diesem Ableugnen. Derjenige, der leugnet, daß die, welche durch die Pforte des Todes gegangen sind, hier auf diese Welt wirken, der gleicht einem Menschen, der sagt: Ach, was glaube ich daran, daß das heiß ist - und dann über eine glühende Platte geht. Nur kann man natürlich nicht so leicht den Schaden unmittelbar nachweisen, der angerichtet wird, wenn das Hineinspielen der geistigen in die physische Welt nicht berücksichtigt wird, sondern unter der Annahme des Ableugnenkönnens gehandelt wird. Unsere Zeit ist nicht sehr geneigt, jene Brücke zu bauen, die gebaut werden muß in das Reich hinüber, in dem die Toten und die hohen Geister sind. Unsere Zeit hat in vieler Beziehung, man kann schon sagen, sogar einen Haß, eine wirklich hassende Stimmung gegenüber der geistigen Welt. Und dem Geisteswissenschafter, der es ehrlich sein will, dem obliegt es schon ein bißchen, sich auch mit den feindlichen Mächten unserer geisteswissenschaftlichen Entwickelung bekanntzumachen, ein wenig darauf hinzusehen. Denn die Sache hat wirklich tiefe Gründe, sie hat ihre Gründe dort, wo die Gründe sind für alle dem wahren Menschheitsfortschritt heute entgegenwirkenden Kräfte.

[ 26 ] Those who are acquainted with this fact maintain that what we call memory in the physical life is something totally different in the spiritual life. Anyone who has succumbed to the impact of Dante's great work, the “Divine Comedy” will never doubt, if he has spiritual discernment, that Dante experienced spiritual visions, that he had insight into the world of the spirit. He who comprehends the language of those who were familiar with the world of the spirit will find convincing proof of this in Dante's introduction to the “Divine Comedy”. Dante was well versed in spiritual knowledge; he was no dilettante in matters of the spirit; he was, so to speak, an expert in this field. He was aware that normal memory does not operate in the realm where we are in communion with the dead. He often speaks of the dead, of how the dead dwell in the “Light”. In the “Divine Comedy” you will find these beautiful lines on the theme of memory: “O Light supreme, by mortal thought unscanned, Grant that Thy former aspect may return, Once more a little of Thyself relend. Make strong my tongue that in its words may burn. One single spark of all Thy glory's light. For future generations to discern. For if my memory but glimpse the sight. Whereof these lines would now a little say, Men may the better estimate Thy might.” —(Paradiso. Canto XXXIII) Thus Dante was aware that it is impossible with normal memory to grasp that which could originate in the spiritual world. There are many today who ask: why should we aspire to the spiritual world when we have enough to contend with in the physical world; the ordinary man seeks a practical answer to the problems of this life!—But have these people any reason to believe that those who were initiated into the Mysteries in ancient times were any less concerned with the physical world? The initiates knew that the spiritual world permeates the physical world, that the dead are unquestionably active amongst us even though people deny it. And they knew that this denial merely creates confusion. He who denies that those who have passed through the gates of death exercise an influence on this world resembles the man who says: “Nonsense! I don't believe a word you say”—and then proceeds to behave as if he did believe it. It is not so easy, of course, to give direct proof of the havoc that is wrought when the influx of the spiritual world into the physical world is not taken into account, when people act on the assumption that this interaction can be ignored. Our epoch shows little inclination to bridge the gap that separates us from the kingdom where the dead and the higher Beings dwell. In many respects our present epoch harbours a veritable antipathy towards the world of the spirit. And it is the duty of the spiritual scientist who is really honest and sincere to be aware of the forces that are hostile to the development of Anthroposophy. For there are deep underlying reasons for this hostility and they stem from the same sources which are responsible for all the forces which are today in active opposition to the true progress of mankind.