Human Soul-Life and Spiritual Striving
GA 212
29 April 1922, Dornach
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Menschliches Seelenleben und Geistesstreben, 2nd ed.
Zweiter Vortrag
Zweiter Vortrag
[ 1 ] Ich habe Ihnen gestern von den Sinnesorganen gesprochen, und ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie sich der Anblick der Sinnesorgane dann ausnimmt, wenn wir ihn so fassen, daß wir zu dem, was das gewöhnliche Bewußtsein liefert, dazunehmen die Erkenntnis der übersinnlichen Welten. Ich habe gesagt, daß in dem Augenblicke, wo wir uns aufschwingen zu einem geistigen Schauen der übersinnlichen Welten, daß dann andere Organe - ich führte gestern das Beispiel der Lunge an — ebenso Sinnesorgane werden, wie es unsere gewöhnlichen Sinnesorgane sind. So daß wir gerade dadurch die Anschauung bekommen müssen, daß unsere Organe in einem Wandel, in einem Werden begriffen sind, und daß, wenn wir die Welt ebenso anschauen, wie wir sie - wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf - im Alltag anschauen können, wir eigentlich immer nur etwas bekommen, was festgehalten ist, was uns einen augenblicklichen Zustand zeigt, während wir sein Vorher und Nachher nicht überblicken können.
[ 1 ] Ich habe Ihnen gestern von den Sinnesorganen gesprochen, und ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie sich der Anblick der Sinnesorgane dann ausnimmt, wenn wir ihn so fassen, daß wir zu dem, was das gewöhnliche Bewußtsein liefert, dazunehmen die Erkenntnis der übersinnlichen Welten. Ich habe gesagt, daß in dem Augenblicke, wo wir uns aufschwingen zu einem geistigen Schauen der übersinnlichen Welten, daß dann andere Organe - ich führte gestern das Beispiel der Lunge an — ebenso Sinnesorgane werden, wie es unsere gewöhnlichen Sinnesorgane sind. So daß wir gerade dadurch die Anschauung bekommen müssen, daß unsere Organe in einem Wandel, in einem Werden begriffen sind, und daß, wenn wir die Welt ebenso anschauen, wie wir sie - wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf - im Alltag anschauen können, wir eigentlich immer nur etwas bekommen, was festgehalten ist, was uns einen augenblicklichen Zustand zeigt, während wir sein Vorher und Nachher nicht überblicken können.
[ 2 ] Wir müssen uns ja das Folgende sagen. Wenn uns einfach das Aufrücken in die imaginative Welt, wie ich sie genannt habe in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», den Übergang zeigt unserer Lunge aus einem bloßen Lebensorgan in ein Sinnesorgan, so können wir diese Lunge nicht mehr so ansehen, wie wir sie im gewöhnlichen Leben ansehen. Wir müssen uns sagen: Unser gewöhnliches Leben zeigt uns einen Zustand, der festgehalten ist. - Und wenn wir diesen Zustand, der festgehalten ist in der Lunge, vergleichen mit dem Zustand, der festgehalten ist gewissermaßen in unseren Augen, dann bekommen wir die Anschauung: Das, was uns unsere Lunge zeigt, ist gewissermaßen ein jüngerer Zustand als dasjenige, was uns unser Auge zeigt.
[ 2 ] Wir müssen uns ja das Folgende sagen. Wenn uns einfach das Aufrücken in die imaginative Welt, wie ich sie genannt habe in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», den Übergang zeigt unserer Lunge aus einem bloßen Lebensorgan in ein Sinnesorgan, so können wir diese Lunge nicht mehr so ansehen, wie wir sie im gewöhnlichen Leben ansehen. Wir müssen uns sagen: Unser gewöhnliches Leben zeigt uns einen Zustand, der festgehalten ist. - Und wenn wir diesen Zustand, der festgehalten ist in der Lunge, vergleichen mit dem Zustand, der festgehalten ist gewissermaßen in unseren Augen, dann bekommen wir die Anschauung: Das, was uns unsere Lunge zeigt, ist gewissermaßen ein jüngerer Zustand als dasjenige, was uns unser Auge zeigt.
[ 3 ] Ich habe gestern gesagt — die Frage können wir wenigstens aufwerfen -: War das Auge in der Weltenentwickelung einmal so ein Lebensorgan, wie es die Lunge heute ist? - Bleiben wir dabei, daß wir, um möglichst vorsichtig zu sein, das zunächst als Frage aufwerfen. Sagen wir uns, es gibt wenigstens eine Möglichkeit, daß die Lunge und das Auge sich so verhalten, sagen wir, wie ein Knabe zu einem erwachsenen Menschen, so daß das eine die junge Form ist, das andere die alte Form ist, daß also einmal das Auge in der Weltentwikkelung in der Jugend auch ein Lebensorgan gewesen sein könnte, jetzt ein Sinnesorgan geworden ist, daß die Lunge jetzt ein Lebensorgan ist, später ein Sinnesorgan werden könnte. Doch wird sich uns die Wahrheit erst ergeben, wenn wir weiter eintauchen in übersinnliche Erkenntnisse gerade auf diesem Gebiete. Dazu wollen wir heute die andere Seite, gewissermaßen den anderen Pol des menschlichen Seelenlebens betrachten, den Willenspol. Wir haben ihn gestern, ich möchte sagen, rein äußerlich charakterisiert.
[ 3 ] Ich habe gestern gesagt — die Frage können wir wenigstens aufwerfen -: War das Auge in der Weltenentwickelung einmal so ein Lebensorgan, wie es die Lunge heute ist? - Bleiben wir dabei, daß wir, um möglichst vorsichtig zu sein, das zunächst als Frage aufwerfen. Sagen wir uns, es gibt wenigstens eine Möglichkeit, daß die Lunge und das Auge sich so verhalten, sagen wir, wie ein Knabe zu einem erwachsenen Menschen, so daß das eine die junge Form ist, das andere die alte Form ist, daß also einmal das Auge in der Weltentwikkelung in der Jugend auch ein Lebensorgan gewesen sein könnte, jetzt ein Sinnesorgan geworden ist, daß die Lunge jetzt ein Lebensorgan ist, später ein Sinnesorgan werden könnte. Doch wird sich uns die Wahrheit erst ergeben, wenn wir weiter eintauchen in übersinnliche Erkenntnisse gerade auf diesem Gebiete. Dazu wollen wir heute die andere Seite, gewissermaßen den anderen Pol des menschlichen Seelenlebens betrachten, den Willenspol. Wir haben ihn gestern, ich möchte sagen, rein äußerlich charakterisiert.


[ 4 ] Wenn wir nun den Willenspol aber auch so betrachten, daß wir uns die Frage vorlegen: Wie ergibt sich sein Anblick, wenn wir uns imaginative Erkenntnis erwerben? — Ja, wenn wir uns imaginative Erkenntnis erwerben, dann ergibt sich das, daß zunächst alles, was Organe des Willens sind, abblassen, verblassen vor dem geistigen Schauen. Wir haben an uns als Organe unseres Willens zunächst unsere Gliedmaßen; diese Gliedmaßen blassen ab. Und das ist das Charakteristische, daß eigentlich der Mensch, indem er sich zum imaginativen Erkennen erhebt, wenn er seinen äußeren Organismus betrachtet, die Gliedmaßen und dasjenige, was damit zusammenhängt nach innen, das Stoffwechselsystem, verliert; im Anblick verliert er es. Es ist einfach nicht mehr in der Stärke da wie vorher, wie für den sinnlichen Anblick. Und wenn wir alles das, was wir da gewissermaßen verlieren, was sich für den höheren Anblick uns entzieht, vergleichen mit etwas, was in der Sinneswelt vorhanden ist, dann kommen wir zu einem ganz merkwürdigen Ergebnis.
[ 4 ] Wenn wir nun den Willenspol aber auch so betrachten, daß wir uns die Frage vorlegen: Wie ergibt sich sein Anblick, wenn wir uns imaginative Erkenntnis erwerben? — Ja, wenn wir uns imaginative Erkenntnis erwerben, dann ergibt sich das, daß zunächst alles, was Organe des Willens sind, abblassen, verblassen vor dem geistigen Schauen. Wir haben an uns als Organe unseres Willens zunächst unsere Gliedmaßen; diese Gliedmaßen blassen ab. Und das ist das Charakteristische, daß eigentlich der Mensch, indem er sich zum imaginativen Erkennen erhebt, wenn er seinen äußeren Organismus betrachtet, die Gliedmaßen und dasjenige, was damit zusammenhängt nach innen, das Stoffwechselsystem, verliert; im Anblick verliert er es. Es ist einfach nicht mehr in der Stärke da wie vorher, wie für den sinnlichen Anblick. Und wenn wir alles das, was wir da gewissermaßen verlieren, was sich für den höheren Anblick uns entzieht, vergleichen mit etwas, was in der Sinneswelt vorhanden ist, dann kommen wir zu einem ganz merkwürdigen Ergebnis.
[ 5 ] Ich will Ihnen dies Ergebnis schematisch aufzeichnen. Nehmen Sie an, wir haben hier den Menschen, wie wir ihn in der Sinneswelt sehen (Zeichnung links). Jetzt beginnen wir diesen Menschen mit der imaginativen Erkenntnis anzuschauen. Die Gliedmaßen werden blaß, verlieren sich. Aber auch alles das wird blaß, was Knochensystem ist. Und das wird immer blasser und blasser vor der imaginativen Erkenntnis.
[ 5 ] Ich will Ihnen dies Ergebnis schematisch aufzeichnen. Nehmen Sie an, wir haben hier den Menschen, wie wir ihn in der Sinneswelt sehen (Zeichnung links). Jetzt beginnen wir diesen Menschen mit der imaginativen Erkenntnis anzuschauen. Die Gliedmaßen werden blaß, verlieren sich. Aber auch alles das wird blaß, was Knochensystem ist. Und das wird immer blasser und blasser vor der imaginativen Erkenntnis.
[ 6 ] Nun denken Sie einmal, ich zeichne das heraus, was vor der imaginativen Erkenntnis blaß wird; was bekomme ich dann? Ich bekomme immer mehr das Bild des menschlichen Leichnams. Das heißt aber nichts anderes als: Das, was vom Menschen nach dem Tode übrig bleibt und was ich in die Erde versenke, wenn ich den Menschen begrabe, oder was verbrannt wird, wenn der Mensch verbrannt wird, das hört auf, sichtbar zu sein in demselben Maße, in dem man die übersinnliche Erkenntnis anwendet auf den Menschen. Aber etwas anderes wird sichtbar. Da, wo die Arme, die physischen Arme immer mehr und mehr erblassen, da wird allerlei sichtbar, was die ältere instinktive Erkenntnis gar nicht so unrichtig gesehen hat, indem sie von Flügeln gesprochen hat, indem sie gesagt hat, daß an der Stelle, wo der physische Mensch Arme hat, das geistige Wesen und natürlich auch der geistige Mensch nach dem Tode dann geflügelt wird. Aber das ist dann eine grobe Vorstellung, ich möchte sagen, eine gespenstisch grobe Vorstellung, wenn man so wie eine Art Symbolum so ein geflügeltes Wesen, einen besseren Vogel, an die Stelle des Geistwesens setzt. Denn wenn man die Erkenntnis der höheren Welten fortsetzt, wenn man aufsteigt, so wie ich es beschrieben habe, von der imaginativen Erkenntnis zu der inspirierten Erkenntnis, dann merkt man, was das eigentlich ist. Das ist ein ziemlich unregelmäßiges Gebilde beim Menschen, was da grob als Flügel gefaßt werden könnte. Es ist auch gar nicht so leicht herauszubekommen, was das ist, was man da sieht. Wenn man aber darauf eingeht, bekommt man nach und nach durch subtiles Anschauen heraus, was das eigentlich ist, was, sagen wir, an der Stelle meines rechten Armes auftritt und meiner rechten Hand, wenn ich von der imaginativen zur inspirierten Erkenntnis mich hinaufschwinge. Ich will die Sache noch anders sagen: Nicht wahr, die Arme machen ja zum Entsetzen der Herren Materialismuskritiker, besonders bei der Eurythmie, schreckliche Bewegungen, viele Bewegungen. Das können die Leute nicht leiden, die die Eurythmie nicht verstehen. Aber wenn Sie dasjenige, was in Eurythmie an Bewegungen gemacht wird, mit der inspirierten Erkenntnis betrachten - nicht der Arm ist da, nicht die Hand ist da, aber alle Bewegungen sind da, alle einzelnen Bewegungen; das alles ist da. Und weil das alles ineinandergeht, weil das so vieles ist, weil das immer ineinandergreift, so nimmt sich das aus wie Flügel.
[ 6 ] Nun denken Sie einmal, ich zeichne das heraus, was vor der imaginativen Erkenntnis blaß wird; was bekomme ich dann? Ich bekomme immer mehr das Bild des menschlichen Leichnams. Das heißt aber nichts anderes als: Das, was vom Menschen nach dem Tode übrig bleibt und was ich in die Erde versenke, wenn ich den Menschen begrabe, oder was verbrannt wird, wenn der Mensch verbrannt wird, das hört auf, sichtbar zu sein in demselben Maße, in dem man die übersinnliche Erkenntnis anwendet auf den Menschen. Aber etwas anderes wird sichtbar. Da, wo die Arme, die physischen Arme immer mehr und mehr erblassen, da wird allerlei sichtbar, was die ältere instinktive Erkenntnis gar nicht so unrichtig gesehen hat, indem sie von Flügeln gesprochen hat, indem sie gesagt hat, daß an der Stelle, wo der physische Mensch Arme hat, das geistige Wesen und natürlich auch der geistige Mensch nach dem Tode dann geflügelt wird. Aber das ist dann eine grobe Vorstellung, ich möchte sagen, eine gespenstisch grobe Vorstellung, wenn man so wie eine Art Symbolum so ein geflügeltes Wesen, einen besseren Vogel, an die Stelle des Geistwesens setzt. Denn wenn man die Erkenntnis der höheren Welten fortsetzt, wenn man aufsteigt, so wie ich es beschrieben habe, von der imaginativen Erkenntnis zu der inspirierten Erkenntnis, dann merkt man, was das eigentlich ist. Das ist ein ziemlich unregelmäßiges Gebilde beim Menschen, was da grob als Flügel gefaßt werden könnte. Es ist auch gar nicht so leicht herauszubekommen, was das ist, was man da sieht. Wenn man aber darauf eingeht, bekommt man nach und nach durch subtiles Anschauen heraus, was das eigentlich ist, was, sagen wir, an der Stelle meines rechten Armes auftritt und meiner rechten Hand, wenn ich von der imaginativen zur inspirierten Erkenntnis mich hinaufschwinge. Ich will die Sache noch anders sagen: Nicht wahr, die Arme machen ja zum Entsetzen der Herren Materialismuskritiker, besonders bei der Eurythmie, schreckliche Bewegungen, viele Bewegungen. Das können die Leute nicht leiden, die die Eurythmie nicht verstehen. Aber wenn Sie dasjenige, was in Eurythmie an Bewegungen gemacht wird, mit der inspirierten Erkenntnis betrachten - nicht der Arm ist da, nicht die Hand ist da, aber alle Bewegungen sind da, alle einzelnen Bewegungen; das alles ist da. Und weil das alles ineinandergeht, weil das so vieles ist, weil das immer ineinandergreift, so nimmt sich das aus wie Flügel.
[ 7 ] Nun, die Menschen, die nicht Eurythmisten sind, machen ja auch mit ihren Armen Bewegungen, und der Mensch macht mit den Armen die meisten Bewegungen. Alle diese Bewegungen, die Bewegungsformen, die Bewegungskurven, die werden sichtbar (siehe Zeichnung, orange). Dasjenige, was physisch ist, der Muskel, das Fleisch, die Knochen, die hören auf, sichtbar zu sein. Die Bewegungen, sie werden sichtbar. Ja, sehen Sie, ebenso ist es mit den Beinen. Aber ich habe Ihnen gestern gesagt: Der Mensch bewegt ja nicht nur sich; ich habe gestern, um nicht gerade Gedankenformen zu erregen, die auf unnützes Leben hinweisen, nicht das Sportwesen genannt, sondern ich habe das Holzhacken genannt. Nun, da führt der Mensch fortwährend Bewegungen aus, wenn er Holz hackt. Alle diese Bewegungen sind aber auch da, wenn man von der imaginativen Erkenntnis zu der inspirierten Erkenntnis aufsteigt. Aber der Mensch führt nicht nur durch seinen Leib Dinge aus; er führt gedachte Dinge aus, vielleicht durch andere Menschen und so weiter. Alles das beginnt nach und nach sichtbar zu werden, namentlich wenn der Mensch dann von der inspirierten Erkenntnis zu der intuitiven Erkenntnis aufsteigt. Kurz, in bezug auf den Willenspol hört nach und nach auf sichtbar zu sein, was wir mit dem Menschen ins Grab legen, während all das, was er getan hat, anfängt sichtbar zu werden. Und wenn der Mensch gestorben ist, so ist zunächst hauptsächlich von ihm dasjenige da, was er getan hat. Das ist es, was sich weiter fortbewegt im Leben, was weiter Existenz hat im Leben. Es ist wie eine Willensgeburt, was da durch den Tod hindurchgeht. Sie sehen also, wir müssen einen anderen Weg wählen, wenn wir von dem Physischen auf das Seelische kommen wollen mit Bezug auf die Gliedmaßennatur des Menschen. Und mit demjenigen, was Stoffwechsel ist, geht es genau ebenso.
[ 7 ] Nun, die Menschen, die nicht Eurythmisten sind, machen ja auch mit ihren Armen Bewegungen, und der Mensch macht mit den Armen die meisten Bewegungen. Alle diese Bewegungen, die Bewegungsformen, die Bewegungskurven, die werden sichtbar (siehe Zeichnung, orange). Dasjenige, was physisch ist, der Muskel, das Fleisch, die Knochen, die hören auf, sichtbar zu sein. Die Bewegungen, sie werden sichtbar. Ja, sehen Sie, ebenso ist es mit den Beinen. Aber ich habe Ihnen gestern gesagt: Der Mensch bewegt ja nicht nur sich; ich habe gestern, um nicht gerade Gedankenformen zu erregen, die auf unnützes Leben hinweisen, nicht das Sportwesen genannt, sondern ich habe das Holzhacken genannt. Nun, da führt der Mensch fortwährend Bewegungen aus, wenn er Holz hackt. Alle diese Bewegungen sind aber auch da, wenn man von der imaginativen Erkenntnis zu der inspirierten Erkenntnis aufsteigt. Aber der Mensch führt nicht nur durch seinen Leib Dinge aus; er führt gedachte Dinge aus, vielleicht durch andere Menschen und so weiter. Alles das beginnt nach und nach sichtbar zu werden, namentlich wenn der Mensch dann von der inspirierten Erkenntnis zu der intuitiven Erkenntnis aufsteigt. Kurz, in bezug auf den Willenspol hört nach und nach auf sichtbar zu sein, was wir mit dem Menschen ins Grab legen, während all das, was er getan hat, anfängt sichtbar zu werden. Und wenn der Mensch gestorben ist, so ist zunächst hauptsächlich von ihm dasjenige da, was er getan hat. Das ist es, was sich weiter fortbewegt im Leben, was weiter Existenz hat im Leben. Es ist wie eine Willensgeburt, was da durch den Tod hindurchgeht. Sie sehen also, wir müssen einen anderen Weg wählen, wenn wir von dem Physischen auf das Seelische kommen wollen mit Bezug auf die Gliedmaßennatur des Menschen. Und mit demjenigen, was Stoffwechsel ist, geht es genau ebenso.


[ 8 ] Nun habe ich also in einem gewissen Zusammenhänge betrachtet das, was Sinneswesenheit im Menschen ist, und dasjenige, was in gewissem Sinne Willenswesenheit, Tatwesenheit ist. Wir werden noch um ein Stück weiterkommen, wenn wir nun wiederum zurückgehen zu der Sinneswesenheit, zu dem einen Pol des menschlichen Wesens, wenn wir mit der entwickelten imaginativen und inspirierten Erkenntnis zurückschauen auf dasjenige, was nun aus unserem Sinnesorgan, sagen wir aus dem Auge wird, dann noch, wenn wir in dem Stadium leben, daß uns, sagen wir, die Lunge zum Sinnesorgan geworden ist.
[ 8 ] Nun habe ich also in einem gewissen Zusammenhänge betrachtet das, was Sinneswesenheit im Menschen ist, und dasjenige, was in gewissem Sinne Willenswesenheit, Tatwesenheit ist. Wir werden noch um ein Stück weiterkommen, wenn wir nun wiederum zurückgehen zu der Sinneswesenheit, zu dem einen Pol des menschlichen Wesens, wenn wir mit der entwickelten imaginativen und inspirierten Erkenntnis zurückschauen auf dasjenige, was nun aus unserem Sinnesorgan, sagen wir aus dem Auge wird, dann noch, wenn wir in dem Stadium leben, daß uns, sagen wir, die Lunge zum Sinnesorgan geworden ist.
[ 9 ] Wenn uns die Lunge zum Sinnesorgan geworden ist, dann beginnt nämlich für uns eine Wahrnehmung einer ganz anderen Welt, ich meine, für den höheren Menschen, der sich allmählich loslöst aus dem gewöhnlichen Menschen. Der gewöhnliche Mensch steht immer kontrollierend daneben - das habe ich ja wiederholt auch öffentlich ausgeführt —, aber ich meine, für den Menschen, der da entsteht, der sich herausentwickelt aus dem anderen. Nun, sobald unsere Lunge beginnt, Sinnesorgan zu werden, beginnen wir auch die Welt wahrzunehmen so, daß wir ihr Wesen als Rhythmus mehr musikalisch erleben, ja daß wir alles dasjenige erleben, was ich dargestellt habe zum Teil in der Beschreibung der Seelenwelt, zum Teil in der Beschreibung des Geisterlandes in meiner «Theosophie». Wir beginnen eben etwas anderes als Umgebung zu erleben, wenn die Lunge Sinnesorgan wird. Ich habe gestern bemerkt, sie wird in ihrem ätherischen Teil Sinnesorgan. Was wird dann aus dem gewöhnlichen Sinnesorgan?
[ 9 ] Wenn uns die Lunge zum Sinnesorgan geworden ist, dann beginnt nämlich für uns eine Wahrnehmung einer ganz anderen Welt, ich meine, für den höheren Menschen, der sich allmählich loslöst aus dem gewöhnlichen Menschen. Der gewöhnliche Mensch steht immer kontrollierend daneben - das habe ich ja wiederholt auch öffentlich ausgeführt —, aber ich meine, für den Menschen, der da entsteht, der sich herausentwickelt aus dem anderen. Nun, sobald unsere Lunge beginnt, Sinnesorgan zu werden, beginnen wir auch die Welt wahrzunehmen so, daß wir ihr Wesen als Rhythmus mehr musikalisch erleben, ja daß wir alles dasjenige erleben, was ich dargestellt habe zum Teil in der Beschreibung der Seelenwelt, zum Teil in der Beschreibung des Geisterlandes in meiner «Theosophie». Wir beginnen eben etwas anderes als Umgebung zu erleben, wenn die Lunge Sinnesorgan wird. Ich habe gestern bemerkt, sie wird in ihrem ätherischen Teil Sinnesorgan. Was wird dann aus dem gewöhnlichen Sinnesorgan?
[ 10 ] Für die Gliedmaßen-Stoffwechselorgane mußte ich sagen: sie verschwinden vor dem Anblick. Bei den Sinnesorganen ist das nicht der Fall; sie verschwinden nicht, sie zeigen sich uns als dasjenige, was sie jetzt sind. Sie zeigen sich uns nämlich in ihrer Geistigkeit. Die Sinnesorgane werden wahmehmbar, sie werden Objekte, aber sie werden etwas wie geistige Wesenheiten. Sie sind da als dasjenige, was - wenn ich mich so ausdrücken darf - nunmehr unsere Geistwelt bevölkert. Und es ist in einem gewissen Sinne die Empfindung stark vorhanden, daß sich diese Sinnesorgane selbst zur Welt vergrößern, daß wir ein Weltenall auferbaut bekommen aus unseren Sinnesorganen. Und dieses Weltenall, das wir da auferbaut bekommen, das verbindet sich für unser seelisches Erleben jetzt mit etwas anderem. Es verbindet sich für unser seelisches Erleben mit dem in uns, was wir im gewöhnlichen Leben unsere Erinnerungs-, unsere Gedächtnisvorstellung nennen.
[ 10 ] Für die Gliedmaßen-Stoffwechselorgane mußte ich sagen: sie verschwinden vor dem Anblick. Bei den Sinnesorganen ist das nicht der Fall; sie verschwinden nicht, sie zeigen sich uns als dasjenige, was sie jetzt sind. Sie zeigen sich uns nämlich in ihrer Geistigkeit. Die Sinnesorgane werden wahmehmbar, sie werden Objekte, aber sie werden etwas wie geistige Wesenheiten. Sie sind da als dasjenige, was - wenn ich mich so ausdrücken darf - nunmehr unsere Geistwelt bevölkert. Und es ist in einem gewissen Sinne die Empfindung stark vorhanden, daß sich diese Sinnesorgane selbst zur Welt vergrößern, daß wir ein Weltenall auferbaut bekommen aus unseren Sinnesorganen. Und dieses Weltenall, das wir da auferbaut bekommen, das verbindet sich für unser seelisches Erleben jetzt mit etwas anderem. Es verbindet sich für unser seelisches Erleben mit dem in uns, was wir im gewöhnlichen Leben unsere Erinnerungs-, unsere Gedächtnisvorstellung nennen.
[ 11 ] Ich muß da auf ein bedeutsames Erlebnis hinweisen, das man hat beim Aufsteigen aus der imaginativen in die inspirierte Erkenntnis. Die Sinnesorgane werden gewissermaßen selbständige Wesenheiten, aber sie nehmen an sich unser Gedächtnis, unseren Erinnerungsinhalt. Und wenn wir dies beachten, dann tritt etwas von dem Wesen unseres Seelischen ganz deutlich vor uns auf.
[ 11 ] Ich muß da auf ein bedeutsames Erlebnis hinweisen, das man hat beim Aufsteigen aus der imaginativen in die inspirierte Erkenntnis. Die Sinnesorgane werden gewissermaßen selbständige Wesenheiten, aber sie nehmen an sich unser Gedächtnis, unseren Erinnerungsinhalt. Und wenn wir dies beachten, dann tritt etwas von dem Wesen unseres Seelischen ganz deutlich vor uns auf.
[ 12 ] Nehmen Sie das menschliche Auge. Dieses menschliche Auge ist zunächst ein Organ, so wie ich es gestern beschrieben habe. Jetzt, wenn wir beginnen, imaginative Erkenntnisse zu entwickeln, aufzusteigen zur inspirierten Erkenntnis, dann verschwindet nicht das Auge, aber alles Physische am Auge verschwindet. Das Auge aber wird immer geistiger und geistiger. Wir bekommen einen mächtigen, ich möchte sagen, zum Weltinhalt erweiterten Inhalt. Aber der verbindet sich mit unserem Erinnerungsinhalt (gelb), mit unseren Gedanken, die in der Erinnerung, im Gedächtnisse sind (Zeichn. S. 39).
[ 12 ] Nehmen Sie das menschliche Auge. Dieses menschliche Auge ist zunächst ein Organ, so wie ich es gestern beschrieben habe. Jetzt, wenn wir beginnen, imaginative Erkenntnisse zu entwickeln, aufzusteigen zur inspirierten Erkenntnis, dann verschwindet nicht das Auge, aber alles Physische am Auge verschwindet. Das Auge aber wird immer geistiger und geistiger. Wir bekommen einen mächtigen, ich möchte sagen, zum Weltinhalt erweiterten Inhalt. Aber der verbindet sich mit unserem Erinnerungsinhalt (gelb), mit unseren Gedanken, die in der Erinnerung, im Gedächtnisse sind (Zeichn. S. 39).
[ 13 ] Dadurch ringen wir uns allmählich zu einer ganz bestimmten Erkenntnis herauf. Sehen Sie, eine sehr triviale Vorstellung der gangbaren Seelenkunde oder Psychologie ist diese, daß der Mensch sinnlich wahrnimmt, an der sinnlichen Wahrnehmung die Vorstellungen, die Gedanken entwickelt. Dann gehen diese Gedanken - ja, irgendwo hin. Besonders die Herbartsche Philosophie war darin groß, daß sie diese Gedanken unter irgendeine Schwelle hinunter verschwinden läßt; dann, wenn man sich erinnert, spazieren sie wieder herauf und erscheinen wiederum im Bewußtsein.
[ 13 ] Dadurch ringen wir uns allmählich zu einer ganz bestimmten Erkenntnis herauf. Sehen Sie, eine sehr triviale Vorstellung der gangbaren Seelenkunde oder Psychologie ist diese, daß der Mensch sinnlich wahrnimmt, an der sinnlichen Wahrnehmung die Vorstellungen, die Gedanken entwickelt. Dann gehen diese Gedanken - ja, irgendwo hin. Besonders die Herbartsche Philosophie war darin groß, daß sie diese Gedanken unter irgendeine Schwelle hinunter verschwinden läßt; dann, wenn man sich erinnert, spazieren sie wieder herauf und erscheinen wiederum im Bewußtsein.
[ 14 ] Mich erinnert diese Art von Seelenkunde, Psychologie, immer an ein kleines neckisches Kinderspielchen, das ich als ein ganz kleiner Knabe oftmals wahrgenommen habe: man fährt mit den zwei Händen einem Kinde über den Rücken des Armes bis hinauf zum Kopfe und sagt dann: Das Mauserl rennt übers Hauserl. Wo wird’s rasten? Im Sepperl sein'm Kasten — und so weiter. Nun, dieses Kinderspiel stellt sich dem Kinde so vor, wie wenn ein Mauserl, eine Maus, über den Arm laufen könnte und dann in dem Kasten, also da irgendwo drinnen, im Kopfe, ist. Aber nicht viel gescheiter ist diese Seelenkunde. Die läßt auch Gedanken an den Sinneswahrnehmungen erregen; die spazieren dann in diesen Kasten, in diesen Seelenkasten hinein, und aus dieser Sparbüchse stehen sie wiederum auf, wenn sie dann erinnert werden. Nun, es ist eine sehr banale Vorstellung, aber es ist eine Vorstellung, mit der in der Psychologie vielfach eben auch spazierengegangen wird. Aber lernt man so den ganzen Vorgang durch die imaginative und inspirierte Erkenntnis kennen, dann stellt sich erst recht die Wahrheit der Sache heraus. Dann merken wir erst das Folgende.
[ 14 ] Mich erinnert diese Art von Seelenkunde, Psychologie, immer an ein kleines neckisches Kinderspielchen, das ich als ein ganz kleiner Knabe oftmals wahrgenommen habe: man fährt mit den zwei Händen einem Kinde über den Rücken des Armes bis hinauf zum Kopfe und sagt dann: Das Mauserl rennt übers Hauserl. Wo wird’s rasten? Im Sepperl sein'm Kasten — und so weiter. Nun, dieses Kinderspiel stellt sich dem Kinde so vor, wie wenn ein Mauserl, eine Maus, über den Arm laufen könnte und dann in dem Kasten, also da irgendwo drinnen, im Kopfe, ist. Aber nicht viel gescheiter ist diese Seelenkunde. Die läßt auch Gedanken an den Sinneswahrnehmungen erregen; die spazieren dann in diesen Kasten, in diesen Seelenkasten hinein, und aus dieser Sparbüchse stehen sie wiederum auf, wenn sie dann erinnert werden. Nun, es ist eine sehr banale Vorstellung, aber es ist eine Vorstellung, mit der in der Psychologie vielfach eben auch spazierengegangen wird. Aber lernt man so den ganzen Vorgang durch die imaginative und inspirierte Erkenntnis kennen, dann stellt sich erst recht die Wahrheit der Sache heraus. Dann merken wir erst das Folgende.
[ 15 ] Das, was die inspirierte und imaginative Erkenntnis anschauen, das haben sie ja nicht gemacht. Es ist ja gerade so, wie, wenn man mit dem Auge die Kreide anschaut, das Auge die Kreide ja nicht erschafft; sie ist doch da. So ist auch dasjenige da, was da durch inspirative und imaginative Erkenntnis wahrgenommen wird. Also während das gewöhnliche Bewußtsein wirkt, ist das als Realität vorhanden. Es geht ja das alles vor. Es wird nur eben wahrnehmbar durch das übersinnliche Erkennen. Es geht in jedem wachen Augenblick in dem Menschen vor. Daß es aber etwas anderes gibt, als was man wahrnimmt durch das gewöhnliche Bewußtsein, daß es einen Parallelvorgang gibt, den man eben erst wahrnimmt, wenn man das höhere Bewußtsein hat, das zeigt sich durch diese Tatsache. Ich will so sagen: Im gewöhnlichen Leben ist alles das vorhanden, was man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein wahrnehmen kann; aber außerdem ist noch all das vorhanden, was man erst mit dem imaginativen, inspirierten Bewußtsein erlangt. Das ist also ein Vorgang, den man im gewöhnlichen Leben nicht kennt. Lernt man ihn durch das höhere Erkennen kennen, dann stellt er sich so dar, daß jetzt erst klar wird, daß die Erinnerungsbilder, die Gedächtnisvorstellungen, wenn wir sie im gewöhnlichen Bewußtsein haben, eben nur Bilder sind. Ihre Realität zeigt sich erst im höheren Bewußtsein, tritt Jetzt erst hervor im höheren Bewußtsein, so daß also die Gedächtnisvorstellungen da nicht heraufspazieren, nachdem sie zunächst als die gewöhnlichen Vorstellungen hinuntergegangen sind. Sondern, wenn ich eine Vorstellung mir bilde an einer Sinneswahrnehmung, mich dann von der Sinneswahrnehmung zurückziehe, so ist die Vorstellung da. Dann verschwindet sie nach einiger Zeit. Da sie nur ein Bild ist, ist sie vollständig verschwunden; weg ist sie. Aber die Sinne tun noch etwas anderes: sie vollziehen einen Prozeß, den ich nicht wahrnehme, sie vitalisieren mir in mein Inneres den realen Vorgang für das Vorstellen. So daß ich, wenn ich eine sinnliche Wahrnehmung habe, durch diese sinnliche Wahrnehmung mir zunächst die Vorstellung bilde (rot), dann aber ein zweiter Vorgang da ist (blau), durch den etwas Reales bewirkt wird, nicht ein bloßes Bild. Nun, das Bild verschwindet, wenn ich es nicht mehr habe. Wenn ich mich erinnere, so wirkt, geradeso wie vorher die Sinneswahrnehmung, diese Vorstellung herauf, und ich nehme dasjenige wahr, was real in mir erregt worden ist, als ich die Sinnesvorstellung hatte, was ich nur nicht wußte.
[ 15 ] Das, was die inspirierte und imaginative Erkenntnis anschauen, das haben sie ja nicht gemacht. Es ist ja gerade so, wie, wenn man mit dem Auge die Kreide anschaut, das Auge die Kreide ja nicht erschafft; sie ist doch da. So ist auch dasjenige da, was da durch inspirative und imaginative Erkenntnis wahrgenommen wird. Also während das gewöhnliche Bewußtsein wirkt, ist das als Realität vorhanden. Es geht ja das alles vor. Es wird nur eben wahrnehmbar durch das übersinnliche Erkennen. Es geht in jedem wachen Augenblick in dem Menschen vor. Daß es aber etwas anderes gibt, als was man wahrnimmt durch das gewöhnliche Bewußtsein, daß es einen Parallelvorgang gibt, den man eben erst wahrnimmt, wenn man das höhere Bewußtsein hat, das zeigt sich durch diese Tatsache. Ich will so sagen: Im gewöhnlichen Leben ist alles das vorhanden, was man mit dem gewöhnlichen Bewußtsein wahrnehmen kann; aber außerdem ist noch all das vorhanden, was man erst mit dem imaginativen, inspirierten Bewußtsein erlangt. Das ist also ein Vorgang, den man im gewöhnlichen Leben nicht kennt. Lernt man ihn durch das höhere Erkennen kennen, dann stellt er sich so dar, daß jetzt erst klar wird, daß die Erinnerungsbilder, die Gedächtnisvorstellungen, wenn wir sie im gewöhnlichen Bewußtsein haben, eben nur Bilder sind. Ihre Realität zeigt sich erst im höheren Bewußtsein, tritt Jetzt erst hervor im höheren Bewußtsein, so daß also die Gedächtnisvorstellungen da nicht heraufspazieren, nachdem sie zunächst als die gewöhnlichen Vorstellungen hinuntergegangen sind. Sondern, wenn ich eine Vorstellung mir bilde an einer Sinneswahrnehmung, mich dann von der Sinneswahrnehmung zurückziehe, so ist die Vorstellung da. Dann verschwindet sie nach einiger Zeit. Da sie nur ein Bild ist, ist sie vollständig verschwunden; weg ist sie. Aber die Sinne tun noch etwas anderes: sie vollziehen einen Prozeß, den ich nicht wahrnehme, sie vitalisieren mir in mein Inneres den realen Vorgang für das Vorstellen. So daß ich, wenn ich eine sinnliche Wahrnehmung habe, durch diese sinnliche Wahrnehmung mir zunächst die Vorstellung bilde (rot), dann aber ein zweiter Vorgang da ist (blau), durch den etwas Reales bewirkt wird, nicht ein bloßes Bild. Nun, das Bild verschwindet, wenn ich es nicht mehr habe. Wenn ich mich erinnere, so wirkt, geradeso wie vorher die Sinneswahrnehmung, diese Vorstellung herauf, und ich nehme dasjenige wahr, was real in mir erregt worden ist, als ich die Sinnesvorstellung hatte, was ich nur nicht wußte.
[ 16 ] Aber dieses Reale ist das eigentliche Seelische. Wenn Sie heute einen physischen Menschen vor sich haben und Sie beobachten ihn, sagen wir, nach acht, zehn Jahren wiederum, so ist nichts mehr von dem, was heute physisch in ihm ist, nach etwa zehn Jahren vorhanden. Sie schneiden sich die Nägel, von Ihrer Haut fallen die Schuppen; nach außen fällt immertfort der physische Leib ab. Er zerstäubt. Und nach einer solchen Zeit von sieben bis zehn Jahren ist dasjenige, was heute am tiefsten von Ihnen im Inneren ist, gerade so weit nach außen gekommen, daß es als Schuppen oder lange Nägel abstäubt. Sie können ruhig sagen: Dasjenige, was heute irgendwo in der Mitte von Ihnen sitzt, das ist nach und nach außen, wandert, fällt ab. Dieser physische menschliche Leib tropft fortwährend ab. Und was bleibt denn vorhanden? Dasjenige, was einzig und allein vorhanden bleibt von der menschlichen Wesenheit, das ist das, was da als Parallelvorgang (siehe Zeichnung, blau), als das Reale für das Vorstellungsbild nach innen entwickelt wird.
[ 16 ] Aber dieses Reale ist das eigentliche Seelische. Wenn Sie heute einen physischen Menschen vor sich haben und Sie beobachten ihn, sagen wir, nach acht, zehn Jahren wiederum, so ist nichts mehr von dem, was heute physisch in ihm ist, nach etwa zehn Jahren vorhanden. Sie schneiden sich die Nägel, von Ihrer Haut fallen die Schuppen; nach außen fällt immertfort der physische Leib ab. Er zerstäubt. Und nach einer solchen Zeit von sieben bis zehn Jahren ist dasjenige, was heute am tiefsten von Ihnen im Inneren ist, gerade so weit nach außen gekommen, daß es als Schuppen oder lange Nägel abstäubt. Sie können ruhig sagen: Dasjenige, was heute irgendwo in der Mitte von Ihnen sitzt, das ist nach und nach außen, wandert, fällt ab. Dieser physische menschliche Leib tropft fortwährend ab. Und was bleibt denn vorhanden? Dasjenige, was einzig und allein vorhanden bleibt von der menschlichen Wesenheit, das ist das, was da als Parallelvorgang (siehe Zeichnung, blau), als das Reale für das Vorstellungsbild nach innen entwickelt wird.
[ 17 ] Von dem, was Sie heute sind, sind Sie nach zehn Jahren nichts anderes, als was Sie aufgenommen haben und was Ihnen in der Erinnerung geblieben ist. Sie sind aus Ihren Erinnerungen gewoben; von dem, was Sie vor zehn Jahren waren, ist in Ihnen nichts mehr anderes vorhanden als dasjenige, was Ihre Erinnerung aus Ihnen gewoben hat. Das Physische ist abgeschuppt, das ist weggetropft. Wenn man in einer vernünftigen Weise bloß zusammenschaut, was jeder schon im gewöhnlichen Bewußtsein haben kann, so bekommt man doch durchaus mit dem gesunden Menschenverstand eine Vorstellung davon, daß das so sein muß, wie ich es jetzt mit Zuhilfenahme der Imagination und Inspiration vor Ihnen hier entwickelte.
[ 17 ] Von dem, was Sie heute sind, sind Sie nach zehn Jahren nichts anderes, als was Sie aufgenommen haben und was Ihnen in der Erinnerung geblieben ist. Sie sind aus Ihren Erinnerungen gewoben; von dem, was Sie vor zehn Jahren waren, ist in Ihnen nichts mehr anderes vorhanden als dasjenige, was Ihre Erinnerung aus Ihnen gewoben hat. Das Physische ist abgeschuppt, das ist weggetropft. Wenn man in einer vernünftigen Weise bloß zusammenschaut, was jeder schon im gewöhnlichen Bewußtsein haben kann, so bekommt man doch durchaus mit dem gesunden Menschenverstand eine Vorstellung davon, daß das so sein muß, wie ich es jetzt mit Zuhilfenahme der Imagination und Inspiration vor Ihnen hier entwickelte.
[ 18 ] Wenn wir uns nun ein Bild selber machen wollen von der Art und Weise, wie eigentlich menschliche Entwickelung ist mit Bezug auch auf das Seelische, können wir das nach der einen Seite hin - wir betrachten jetzt, ich bitte das zu berücksichtigen, den einen Pol, den Gedankenpol - nicht anders als so machen (Zeichnung). Zuerst, wenn wir geboren werden, ist von uns irgendein Leib vorhanden (hell). Dahinein füllen sich gewissermaßen die Parallelvorgänge zu den Sin neswahrnehmungen (gelb). Das alles (hell) tropft nach und nach ab. Sie essen, Sie nehmen durch die Luft allerlei auf. Das setzt sich da hinein in Ihre Gedächtnisvorgänge und bildet Ihnen den Leib immer neu. Aber das, was da als Stoffwechselsystem sich hineinimprägniert in Ihr Seelisches, das ist dasjenige, was Sie nach dem Tode begraben. Aber das eigentlich Seelische ist gewoben aus dem, was die Seele entwickelt an den Vorgängen, die Sie zunächst nur als Vorstellungen empfinden, als Vorstellungen erleben. Also Sie können gut sagen: Ich lebe in Gedanken, und ich mache mich fortwährend durch meine Gedanken. Dasjenige allerdings, was ich mit dem gewöhnlichen Bewußtsein als Gedanken wahmehme, das ist nur ein Bild von dem, was ich da mache. Das ist gewissermaßen eine Begleiterscheinung.
[ 18 ] Wenn wir uns nun ein Bild selber machen wollen von der Art und Weise, wie eigentlich menschliche Entwickelung ist mit Bezug auch auf das Seelische, können wir das nach der einen Seite hin - wir betrachten jetzt, ich bitte das zu berücksichtigen, den einen Pol, den Gedankenpol - nicht anders als so machen (Zeichnung). Zuerst, wenn wir geboren werden, ist von uns irgendein Leib vorhanden (hell). Dahinein füllen sich gewissermaßen die Parallelvorgänge zu den Sin neswahrnehmungen (gelb). Das alles (hell) tropft nach und nach ab. Sie essen, Sie nehmen durch die Luft allerlei auf. Das setzt sich da hinein in Ihre Gedächtnisvorgänge und bildet Ihnen den Leib immer neu. Aber das, was da als Stoffwechselsystem sich hineinimprägniert in Ihr Seelisches, das ist dasjenige, was Sie nach dem Tode begraben. Aber das eigentlich Seelische ist gewoben aus dem, was die Seele entwickelt an den Vorgängen, die Sie zunächst nur als Vorstellungen empfinden, als Vorstellungen erleben. Also Sie können gut sagen: Ich lebe in Gedanken, und ich mache mich fortwährend durch meine Gedanken. Dasjenige allerdings, was ich mit dem gewöhnlichen Bewußtsein als Gedanken wahmehme, das ist nur ein Bild von dem, was ich da mache. Das ist gewissermaßen eine Begleiterscheinung.
[ 19 ] Ja, aber daraus geht etwas außerordentlich Wichtiges und Bedeutsames hervor. Es geht daraus hervor, daß im Grunde genommen es für die menschliche Entwickelung viel wichtiger ist, was da außer dem, was ich durch das gewöhnliche Bewußtsein erkenne, in mir noch vorgeht. Schauen wir die Welt an. Ich erfreue mich an dem, was mir meine Augen zeigen, was mich meine Ohren hören lassen. Ich erlebe das andere, was mich meine Sinne wahrnehmen lassen. Aber während ich da sehe, höre, fühle, da schleicht sich in mein Inneres das herein, was später in der Erinnerung heraufgeholt werden kann; dasschleicht sich alles das herein, was mein Seelisches ist. Das ist in einer fortwährenden Tätigkeit, das ist nicht, das tut immer, das wogt und webt.
[ 19 ] Ja, aber daraus geht etwas außerordentlich Wichtiges und Bedeutsames hervor. Es geht daraus hervor, daß im Grunde genommen es für die menschliche Entwickelung viel wichtiger ist, was da außer dem, was ich durch das gewöhnliche Bewußtsein erkenne, in mir noch vorgeht. Schauen wir die Welt an. Ich erfreue mich an dem, was mir meine Augen zeigen, was mich meine Ohren hören lassen. Ich erlebe das andere, was mich meine Sinne wahrnehmen lassen. Aber während ich da sehe, höre, fühle, da schleicht sich in mein Inneres das herein, was später in der Erinnerung heraufgeholt werden kann; dasschleicht sich alles das herein, was mein Seelisches ist. Das ist in einer fortwährenden Tätigkeit, das ist nicht, das tut immer, das wogt und webt.
[ 20 ] Von dem, worauf ich hier hindeute, hat der, der sich in ganzem, vollem Ernste zu geistigen Erkenntnissen zu erheben versucht, eine starke Erlebnisvorstellung. Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen. Und da man vorzugsweise dieses Getröstetsein haben will in der heutigen Welt, da man die innere Unruhe nicht sehr liebt, so formt man heute auch alle Erkenntnisse so, daß sie aufgeschrieben werden können, daß sie getrost nach Hause getragen werden können. Bloß von den anthroposophischen Vorträgen sagt man, daß sie meistens «schlecht nachgeschrieben» werden, und daß man eigentlich nicht viel hat von dem, was da nachgeschrieben wird, daß man das nicht so sehr getrost nach Hause tragen kann.
[ 20 ] Von dem, worauf ich hier hindeute, hat der, der sich in ganzem, vollem Ernste zu geistigen Erkenntnissen zu erheben versucht, eine starke Erlebnisvorstellung. Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen. Und da man vorzugsweise dieses Getröstetsein haben will in der heutigen Welt, da man die innere Unruhe nicht sehr liebt, so formt man heute auch alle Erkenntnisse so, daß sie aufgeschrieben werden können, daß sie getrost nach Hause getragen werden können. Bloß von den anthroposophischen Vorträgen sagt man, daß sie meistens «schlecht nachgeschrieben» werden, und daß man eigentlich nicht viel hat von dem, was da nachgeschrieben wird, daß man das nicht so sehr getrost nach Hause tragen kann.
[ 21 ] Aber sehen Sie, das ist nur ein Abbild von den Erlebnissen bei den höheren Erkenntnissen. Wenn ein Student heute sich für ein Examen vorbereitet, da ist er wirklich froh, wenn es ihm nun gelungen ist, in dieses Organ etwas hereinzubekommen, und wenn er es vor drei, vier Wochen hereinbekommen hat und dann das Examen ist, dann will er es so, wie er es da hineingerammelt hat, auch wieder herausgeben können. Mit den höheren, mit den übersinnlichen Erkenntnissen ist es eben nicht so. Derjenige, der sich wirkliche übersinnliche Erkenntnisse erwirbt, der steht dem Leben dieser übersinnlichen Erkenntnisse gegenüber. Die leben fortwährend; die verhalten sich nicht so starr wie diejenigen Vorstellungen, die man heute als die wissenschaftlichen Abbilder der äußeren physischen Welt zum Trost sogar aufgeschrieben haben will. Ich will mich ganz radikal ausdrücken, weil dieses radikale Ausdrücken hindeutet auf eine sehr wichtige innere Tatsache.
[ 21 ] Aber sehen Sie, das ist nur ein Abbild von den Erlebnissen bei den höheren Erkenntnissen. Wenn ein Student heute sich für ein Examen vorbereitet, da ist er wirklich froh, wenn es ihm nun gelungen ist, in dieses Organ etwas hereinzubekommen, und wenn er es vor drei, vier Wochen hereinbekommen hat und dann das Examen ist, dann will er es so, wie er es da hineingerammelt hat, auch wieder herausgeben können. Mit den höheren, mit den übersinnlichen Erkenntnissen ist es eben nicht so. Derjenige, der sich wirkliche übersinnliche Erkenntnisse erwirbt, der steht dem Leben dieser übersinnlichen Erkenntnisse gegenüber. Die leben fortwährend; die verhalten sich nicht so starr wie diejenigen Vorstellungen, die man heute als die wissenschaftlichen Abbilder der äußeren physischen Welt zum Trost sogar aufgeschrieben haben will. Ich will mich ganz radikal ausdrücken, weil dieses radikale Ausdrücken hindeutet auf eine sehr wichtige innere Tatsache.
[ 22 ] Nehmen Sie einmal den Fall, irgend jemand hat sich ziemlich hochgehende übersinnliche Erkenntnisse erworben. Er hat sie nun. Er kann sie durch die Vorgänge, die ich öfter geschildert habe, später wieder haben. Er erlebt sie, sagen wir, wieder nach drei, vier Jahren. Die haben ein Leben gehabt in der Zwischenzeit. Dann, indem er sie jetzt wiederum sich bildet in sich, dringen sie so in seine Seele ein, daß sie behaftet sind mit dem Zweifel. Man lernt allmählich erkennen, daß das gar nichts Besonderes ist, daß das überhaupt die übersinnlichen Erkenntnisse haben, daß sie in ihrer weiteren Entwickelung, wenn sie gewissermaßen alt werden, den Menschen in Zweifel versetzen, und man muß sich ihre Gewißheit wieder neu erringen. Ja, bei den höchsten Erkenntnissen ist es so, daß sie einem schon am nächsten Tag ungewiß erscheinen, wenn man ihre Gewißheit sich nicht neu erringt, nicht neu erobert. Es sind immer niedere Erkenntnisse, welche im Menschen ersterben, Gespenster werden und dann wiederum auftreten. Der Mensch schaut sie an und ist zufrieden, daß er nun auch einmal in der höheren Welt etwas erlangt hat, wovon man mit Recht sagen kann: Schreibtafel her! - denn, wenn es da drauf ist, dann bleibt es. Er möchte im Inneren eine solche Schreibtafel haben.
[ 22 ] Nehmen Sie einmal den Fall, irgend jemand hat sich ziemlich hochgehende übersinnliche Erkenntnisse erworben. Er hat sie nun. Er kann sie durch die Vorgänge, die ich öfter geschildert habe, später wieder haben. Er erlebt sie, sagen wir, wieder nach drei, vier Jahren. Die haben ein Leben gehabt in der Zwischenzeit. Dann, indem er sie jetzt wiederum sich bildet in sich, dringen sie so in seine Seele ein, daß sie behaftet sind mit dem Zweifel. Man lernt allmählich erkennen, daß das gar nichts Besonderes ist, daß das überhaupt die übersinnlichen Erkenntnisse haben, daß sie in ihrer weiteren Entwickelung, wenn sie gewissermaßen alt werden, den Menschen in Zweifel versetzen, und man muß sich ihre Gewißheit wieder neu erringen. Ja, bei den höchsten Erkenntnissen ist es so, daß sie einem schon am nächsten Tag ungewiß erscheinen, wenn man ihre Gewißheit sich nicht neu erringt, nicht neu erobert. Es sind immer niedere Erkenntnisse, welche im Menschen ersterben, Gespenster werden und dann wiederum auftreten. Der Mensch schaut sie an und ist zufrieden, daß er nun auch einmal in der höheren Welt etwas erlangt hat, wovon man mit Recht sagen kann: Schreibtafel her! - denn, wenn es da drauf ist, dann bleibt es. Er möchte im Inneren eine solche Schreibtafel haben.
[ 23 ] Das ist nicht der Fall bei den wirklichen höheren Erkenntnissen. Die leben; schafft man sie wiederum, und gerade die höchsten Erkenntnisse, schon am nächsten Tage herauf, dann kommt man in Unsicherheit über sie, und man muß sich ihre Gewißheit neu erobern. Man muß den Vorgang immer wieder durchmachen. Man kann gar nicht sich zu diesen höheren Erkenntnissen anders verhalten als zu dem, was Abbild der Realität und nicht die Realität selber ist hier in der physischen Welt. Es werden kaum sehr viele unter Ihnen sein, die heute am Sonntag, den 30. April, nicht essen, weil sie sich sagen: Ich habe ja vor acht Tagen ganz gut gegessen, das ist in mir; ich brauche doch heute nicht zu essen, das nährt mich noch heute. — Sie tun das nicht. Das ist ein realer Vorgang. Die physisch seelischen Inhalte unterscheiden sich davon. Die bleiben, und Sie können sie wieder hervorrufen, unverändert in vieler Beziehung, auch verändert. Aber nicht so ist es bei den geistigen Inhalten. Die sind nicht nur abgeblaßt, sondern die sind immer wiederum in ihrer Gewißheit erschüttert, und man muß die Gewißheit immer wieder erobern. Ja, das ist die eine Erscheinung.
[ 23 ] Das ist nicht der Fall bei den wirklichen höheren Erkenntnissen. Die leben; schafft man sie wiederum, und gerade die höchsten Erkenntnisse, schon am nächsten Tage herauf, dann kommt man in Unsicherheit über sie, und man muß sich ihre Gewißheit neu erobern. Man muß den Vorgang immer wieder durchmachen. Man kann gar nicht sich zu diesen höheren Erkenntnissen anders verhalten als zu dem, was Abbild der Realität und nicht die Realität selber ist hier in der physischen Welt. Es werden kaum sehr viele unter Ihnen sein, die heute am Sonntag, den 30. April, nicht essen, weil sie sich sagen: Ich habe ja vor acht Tagen ganz gut gegessen, das ist in mir; ich brauche doch heute nicht zu essen, das nährt mich noch heute. — Sie tun das nicht. Das ist ein realer Vorgang. Die physisch seelischen Inhalte unterscheiden sich davon. Die bleiben, und Sie können sie wieder hervorrufen, unverändert in vieler Beziehung, auch verändert. Aber nicht so ist es bei den geistigen Inhalten. Die sind nicht nur abgeblaßt, sondern die sind immer wiederum in ihrer Gewißheit erschüttert, und man muß die Gewißheit immer wieder erobern. Ja, das ist die eine Erscheinung.
[ 24 ] Diese eine Erscheinung stellt sich wirklich so dar, daß, wenn man sich übersinnliche Erkenntnisse erworben hat in einer Beziehung, es einem wirklich so vorkommt, wie wenn einem die Welt licht geworden wäre durch diese übersinnlichen Erkenntnisse, wie wenn man in einen hellerleuchteten Saal, in den hellerleuchteten Weltensaal getreten wäre. Nach acht Tagen hat man etwas in seinem Inneren, was einem — weil man diese höheren Erkenntnisse sich erobert hat, weil man gewissermaßen zu ihnen hingelangt ist, weil sie schon eine Wirkung auch auf den physischen Menschen gemacht haben - gewisse Erinnerungsreste da läßt; aber aus sich selbst heraus, in ihrem eigentlichen Wesen, leben sie sich so aus, daß man immer wieder mit ihnen in ein finsteres Zimmer kommt und das Licht immer wieder von neuem anzünden muß. Damit kann man das vergleichen, was das Schicksal der übersinnlichen Erkenntnisse in der menschlichen Seele ist.
[ 24 ] Diese eine Erscheinung stellt sich wirklich so dar, daß, wenn man sich übersinnliche Erkenntnisse erworben hat in einer Beziehung, es einem wirklich so vorkommt, wie wenn einem die Welt licht geworden wäre durch diese übersinnlichen Erkenntnisse, wie wenn man in einen hellerleuchteten Saal, in den hellerleuchteten Weltensaal getreten wäre. Nach acht Tagen hat man etwas in seinem Inneren, was einem — weil man diese höheren Erkenntnisse sich erobert hat, weil man gewissermaßen zu ihnen hingelangt ist, weil sie schon eine Wirkung auch auf den physischen Menschen gemacht haben - gewisse Erinnerungsreste da läßt; aber aus sich selbst heraus, in ihrem eigentlichen Wesen, leben sie sich so aus, daß man immer wieder mit ihnen in ein finsteres Zimmer kommt und das Licht immer wieder von neuem anzünden muß. Damit kann man das vergleichen, was das Schicksal der übersinnlichen Erkenntnisse in der menschlichen Seele ist.
[ 25 ] Derjenige, der sich übersinnliche Erkenntnisse erwirbt, kann gar nicht in derselben Weise Anspruch darauf machen, daß sie im Inneren gleichsam bleibende Gespenster werden, wie man es bei den instinktiv gespensterartigen, hellseherischen Vorstellungen glaubt. Es müssen immer wieder neu erobert werden diese Welten, in die man sich da hineinbegibt. Aber obwohl die Realität sich also nicht bewahren läßt im gewöhnlichen Gedächtnis, bewahrt sich natürlich die Wirkung. Sie bewahrt sich insbesondere dann, wenn derjenige, der übersinnliche Erkenntnisse hat, sie nach einiger Zeit aufgeschrieben oder gar schreckliche Welt! -gedruckt vor sich sieht, wenn er etwa eine folgende Auflage eines Buches, das er geschrieben hat, vor sich hat; da hat er die äußere Wirkung desjenigen, was er früher erlebt hat, vor sich.
[ 25 ] Derjenige, der sich übersinnliche Erkenntnisse erwirbt, kann gar nicht in derselben Weise Anspruch darauf machen, daß sie im Inneren gleichsam bleibende Gespenster werden, wie man es bei den instinktiv gespensterartigen, hellseherischen Vorstellungen glaubt. Es müssen immer wieder neu erobert werden diese Welten, in die man sich da hineinbegibt. Aber obwohl die Realität sich also nicht bewahren läßt im gewöhnlichen Gedächtnis, bewahrt sich natürlich die Wirkung. Sie bewahrt sich insbesondere dann, wenn derjenige, der übersinnliche Erkenntnisse hat, sie nach einiger Zeit aufgeschrieben oder gar schreckliche Welt! -gedruckt vor sich sieht, wenn er etwa eine folgende Auflage eines Buches, das er geschrieben hat, vor sich hat; da hat er die äußere Wirkung desjenigen, was er früher erlebt hat, vor sich.
[ 26 ] Ich kann mir Privatdozenten denken, die eine innige innere Freude haben, wenn sie nun diesen goldenen Saft dessen vor sich haben, was sie da fabriziert haben, wenn sie später wiederum folgende Auflagen etwa auf Grundlage dieses goldenen Saftes fabrizieren können. Es tut ihnen wohl. Das tun die Erzeugnisse der geistigen Wahrnehmung eben nicht. Die tun weh, die verursachen Schmerz. Denn dasjenige, was konserviert wird, was umgegossen, übergegossen wird in die physische Welt, das verursacht Schmerz, das tut weh. Das ist die andere Seite. Man geht mit seinen übersinnlichen Erkenntnissen nicht nur in ein dunkles Zimmer hinein, das man erst wieder hell machen muß, sondern man geht in ein Zimmer hinein, das Pfeile auf einen schießt von allen Seiten, die Schmerz machen, und man muß sich erst panzern gegen dasjenige, was einem als das Residuum, als der verkörperte Rest der übersinnlichen Welten entgegentritt.
[ 26 ] Ich kann mir Privatdozenten denken, die eine innige innere Freude haben, wenn sie nun diesen goldenen Saft dessen vor sich haben, was sie da fabriziert haben, wenn sie später wiederum folgende Auflagen etwa auf Grundlage dieses goldenen Saftes fabrizieren können. Es tut ihnen wohl. Das tun die Erzeugnisse der geistigen Wahrnehmung eben nicht. Die tun weh, die verursachen Schmerz. Denn dasjenige, was konserviert wird, was umgegossen, übergegossen wird in die physische Welt, das verursacht Schmerz, das tut weh. Das ist die andere Seite. Man geht mit seinen übersinnlichen Erkenntnissen nicht nur in ein dunkles Zimmer hinein, das man erst wieder hell machen muß, sondern man geht in ein Zimmer hinein, das Pfeile auf einen schießt von allen Seiten, die Schmerz machen, und man muß sich erst panzern gegen dasjenige, was einem als das Residuum, als der verkörperte Rest der übersinnlichen Welten entgegentritt.
[ 27 ] Damit deute ich Ihnen auf dasjenige hin, was das seelische Leben, das man mit diesen höheren Erkenntnissen erst erreicht, für das gewöhnliche Erleben ist. Das gewöhnliche Erleben ist nicht so, daß man das Seelische unmittelbar erlebt. Man erlebt es ja durch den physischen Leib. Es ist angepaßt diesem Erleben in dem physischen Leib. Aber das seelische Leben für sich ist anders, das ist etwas, was in fortwährendem Werden ist, in fortwährender Wandlung, in fortwährender Metamorphose, das einem entschlüpft bei diesen Metamorphosen, wenn man sich nicht jederzeit wiederum in diese Metamorphosen hineinlebt, das man nicht ertragen kann, weil es schmerzt, weil es Vergangenheit atmet. Indem es Vergangenheit aufnimmt, schmerzt es. Wenn es nicht Gegenwart ist, schmerzt es; und gegen das muß man sich wappnen. Sie sehen aber zu gleicher Zeit: Wenn man etwas erlebnisvoll aufgenommen hat von dem, was wirkliche höhere Erkenntnis ist, so ist diese höhere Erkenntnis nicht so gemütlich wie dasjenige, was sich unsere Studenten heute auf den Hochschulen anhören. Das tut höchstens weh, wenn sie es vergessen haben und ein schlechtes Examen machen; und vor allen Dingen tun den Studenten ihre eigenen Erkenntnisse nicht weh, sondern wohl, denn wenn sie sie haben, sind sie froh; das tut ihnen wohl. Ihre eigenen Erkenntnisse schmerzen sie höchstens später im Leben, wenn sie sehen, daß es etwas Besseres gibt als ihre eigenen Erkenntnisse, und diese dann wie die Ideen in ihnen haften.
[ 27 ] Damit deute ich Ihnen auf dasjenige hin, was das seelische Leben, das man mit diesen höheren Erkenntnissen erst erreicht, für das gewöhnliche Erleben ist. Das gewöhnliche Erleben ist nicht so, daß man das Seelische unmittelbar erlebt. Man erlebt es ja durch den physischen Leib. Es ist angepaßt diesem Erleben in dem physischen Leib. Aber das seelische Leben für sich ist anders, das ist etwas, was in fortwährendem Werden ist, in fortwährender Wandlung, in fortwährender Metamorphose, das einem entschlüpft bei diesen Metamorphosen, wenn man sich nicht jederzeit wiederum in diese Metamorphosen hineinlebt, das man nicht ertragen kann, weil es schmerzt, weil es Vergangenheit atmet. Indem es Vergangenheit aufnimmt, schmerzt es. Wenn es nicht Gegenwart ist, schmerzt es; und gegen das muß man sich wappnen. Sie sehen aber zu gleicher Zeit: Wenn man etwas erlebnisvoll aufgenommen hat von dem, was wirkliche höhere Erkenntnis ist, so ist diese höhere Erkenntnis nicht so gemütlich wie dasjenige, was sich unsere Studenten heute auf den Hochschulen anhören. Das tut höchstens weh, wenn sie es vergessen haben und ein schlechtes Examen machen; und vor allen Dingen tun den Studenten ihre eigenen Erkenntnisse nicht weh, sondern wohl, denn wenn sie sie haben, sind sie froh; das tut ihnen wohl. Ihre eigenen Erkenntnisse schmerzen sie höchstens später im Leben, wenn sie sehen, daß es etwas Besseres gibt als ihre eigenen Erkenntnisse, und diese dann wie die Ideen in ihnen haften.
[ 28 ] Aber wenn man in das Übersinnliche sich hineinlebt, dann wird das eben durchaus lebendig. Dann lernt man erkennen, wie man es erobern muß, wie man es ertragen muß. Man lernt an der Erkenntnis selber die Freude, die Befriedigung, man lernt an der Erkenntnis den Schmerz kennen. Dadurch aber lernt man erst das Seelische in seiner Realität kennen. Das Seelische im gewöhnlichen Alltagsleben ist, ich möchte sagen, so weit heruntergefallen in die Materialität, daß es in blassen Gedanken erscheint, die wir erst in die Wärme des Gefühles hineingießen müssen, damit sie überhaupt nicht blasse kalte Gedanken sind, und die außerdem nicht wehe tun. Es sind eben Bilder, und Bilder, die leben nicht. Dasjenige aber, was als übersinnliche Erkenntnisse erworben wird, lebt, ist lebendiger Seeleninhalt.
[ 28 ] Aber wenn man in das Übersinnliche sich hineinlebt, dann wird das eben durchaus lebendig. Dann lernt man erkennen, wie man es erobern muß, wie man es ertragen muß. Man lernt an der Erkenntnis selber die Freude, die Befriedigung, man lernt an der Erkenntnis den Schmerz kennen. Dadurch aber lernt man erst das Seelische in seiner Realität kennen. Das Seelische im gewöhnlichen Alltagsleben ist, ich möchte sagen, so weit heruntergefallen in die Materialität, daß es in blassen Gedanken erscheint, die wir erst in die Wärme des Gefühles hineingießen müssen, damit sie überhaupt nicht blasse kalte Gedanken sind, und die außerdem nicht wehe tun. Es sind eben Bilder, und Bilder, die leben nicht. Dasjenige aber, was als übersinnliche Erkenntnisse erworben wird, lebt, ist lebendiger Seeleninhalt.
[ 29 ] Und dieser lebendige Seeleninhalt, der gibt uns erst einen wirklichen Begriff von dem, was wir sind. Denn unsere Erinnerungsvorstellungen, die sind ein schwaches Abbild dessen, was wir eigentlich sind. Und durchschlagen wir diesen Teppich der Erinnerungen nach innen, so kommen wir eben auf dasjenige, was ich Ihnen jetzt schildere als lustvolles, befriedigendes, lichtvolles Erleben der Welt, als schmerzvolles Erleben der Welt; wo unsere Seele mit dabei ist. Unsere Seele wird also hineingefügt in eine Erkenntnis, die selbst seelisches Leben enthält. Die Vergangenheit gießt sich in den Schmerz. Und dasjenige, was wir als freudevoll, lustvoll empfinden, das ist es, wovon wir gewahr werden, daß es mit uns durch die Pforte des Todes geht; das ist Zukunft.
[ 29 ] Und dieser lebendige Seeleninhalt, der gibt uns erst einen wirklichen Begriff von dem, was wir sind. Denn unsere Erinnerungsvorstellungen, die sind ein schwaches Abbild dessen, was wir eigentlich sind. Und durchschlagen wir diesen Teppich der Erinnerungen nach innen, so kommen wir eben auf dasjenige, was ich Ihnen jetzt schildere als lustvolles, befriedigendes, lichtvolles Erleben der Welt, als schmerzvolles Erleben der Welt; wo unsere Seele mit dabei ist. Unsere Seele wird also hineingefügt in eine Erkenntnis, die selbst seelisches Leben enthält. Die Vergangenheit gießt sich in den Schmerz. Und dasjenige, was wir als freudevoll, lustvoll empfinden, das ist es, wovon wir gewahr werden, daß es mit uns durch die Pforte des Todes geht; das ist Zukunft.
[ 30 ] In die physische Erkenntnis muß sich ein Abbild davon, aber jetzt ein lebensvolles Abbild hineinergießen von dem, was ich sagte. Geschichte, also die rückwärtsgehende Menschheitsentwickelung, in den bloßen kalten Geschichtsideen angesehen, ist eben Bild, Bild, das im Grunde genommen nur so lange Bedeutung hat, als wir es im Kopfe tragen. Geradeso wie die an der Sinneswahrnehmung gebildete Vorstellung nur so lange Bedeutung hat, als wir sie im Kopfe tragen, wie sie gar nicht herunterspaziert in «Sepperls Kasten», sondern wie sie eben sich verändert, wenn sie nicht mehr im Bewußtsein präsent ist, geradeso haben schließlich diejenigen Vorstellungen, die man rein vorstellungsgemäß von der Geschichte bildet, nur für den Kopf Bedeutung, das, «was ihr den Geist der Zeiten heißt, das ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln».
[ 30 ] In die physische Erkenntnis muß sich ein Abbild davon, aber jetzt ein lebensvolles Abbild hineinergießen von dem, was ich sagte. Geschichte, also die rückwärtsgehende Menschheitsentwickelung, in den bloßen kalten Geschichtsideen angesehen, ist eben Bild, Bild, das im Grunde genommen nur so lange Bedeutung hat, als wir es im Kopfe tragen. Geradeso wie die an der Sinneswahrnehmung gebildete Vorstellung nur so lange Bedeutung hat, als wir sie im Kopfe tragen, wie sie gar nicht herunterspaziert in «Sepperls Kasten», sondern wie sie eben sich verändert, wenn sie nicht mehr im Bewußtsein präsent ist, geradeso haben schließlich diejenigen Vorstellungen, die man rein vorstellungsgemäß von der Geschichte bildet, nur für den Kopf Bedeutung, das, «was ihr den Geist der Zeiten heißt, das ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln».
[ 31 ] Wirkliche Geschichte lernt man erst erkennen, wenn man sich mit solcher lebendigen Erkenntnis in die Realität der Weltenentwickelung und auch der Menschheitsentwickelung einlebt, wenn man Lust und Leid bis zum höchsten Maße empfinden kann in demjenigen, was sich äußerlich in der Welt abspielt; wenn man zum Beispiel den Seelenblick zurückwendet, sagen wir in die urpersischen, urindischen oder griechischen Zeiten oder in irgendeine Zeit, wenn man zum Beispiel mit den Griechen empfindet, wie sie ihre Tragödie nicht so erlebt haben, wie der heutige Mensch seine Theaterstücke erlebt. Schon Goethe hat noch elementar unterschieden zwischen der griechischen Tragödie und dem modernen Drama, indem er gesagt hat: Das moderne Drama ist ein ganz Abgelähmtes, Abgeschattetes. Ein das Weltgeschick Bezwingendes, das war die griechische Tragödie. Aber deshalb hat derjenige, der die griechische Tragödie empfunden hat, auch nicht so empfunden wie der moderne Mensch, der zum Amüsement in das Theaterstück geht und es dann über sich sehr neutral hinströmen läßt. Der Grieche empfand, indem er seiner Tragödie gegenübersaß, so, daß ihn das erschütterte, durchrüttelte bis in die physische Leiblichkeit hinein; daß er etwas Wesentliches sah darinnen, ob er eine Gänsehaut über den Rücken empfand bei dem oder jenem. Und er empfand in der Tragödie etwas wie ein Heilmittel, denn die Vorstellung war auch bei den Griechen vorhanden, daß das Leben von der Sünde, von der Schuld, also Krankheit durchzogen ist, daß man in den öffentlichen Schaustellungen Heilmittel braucht, welche das Leben immer wieder und wiederum aus einem schuldhaft kranken Leben hinaufheben in seine eigentliche, ihm gemäße Wesenheit. So war die griechische Tragödie das Heilmittel für dasjenige, was immer wiederum im sozialen Leben krank wurde, nicht dasjenige, was in der Ecke des Lebens zum Amüsement da war.
[ 31 ] Wirkliche Geschichte lernt man erst erkennen, wenn man sich mit solcher lebendigen Erkenntnis in die Realität der Weltenentwickelung und auch der Menschheitsentwickelung einlebt, wenn man Lust und Leid bis zum höchsten Maße empfinden kann in demjenigen, was sich äußerlich in der Welt abspielt; wenn man zum Beispiel den Seelenblick zurückwendet, sagen wir in die urpersischen, urindischen oder griechischen Zeiten oder in irgendeine Zeit, wenn man zum Beispiel mit den Griechen empfindet, wie sie ihre Tragödie nicht so erlebt haben, wie der heutige Mensch seine Theaterstücke erlebt. Schon Goethe hat noch elementar unterschieden zwischen der griechischen Tragödie und dem modernen Drama, indem er gesagt hat: Das moderne Drama ist ein ganz Abgelähmtes, Abgeschattetes. Ein das Weltgeschick Bezwingendes, das war die griechische Tragödie. Aber deshalb hat derjenige, der die griechische Tragödie empfunden hat, auch nicht so empfunden wie der moderne Mensch, der zum Amüsement in das Theaterstück geht und es dann über sich sehr neutral hinströmen läßt. Der Grieche empfand, indem er seiner Tragödie gegenübersaß, so, daß ihn das erschütterte, durchrüttelte bis in die physische Leiblichkeit hinein; daß er etwas Wesentliches sah darinnen, ob er eine Gänsehaut über den Rücken empfand bei dem oder jenem. Und er empfand in der Tragödie etwas wie ein Heilmittel, denn die Vorstellung war auch bei den Griechen vorhanden, daß das Leben von der Sünde, von der Schuld, also Krankheit durchzogen ist, daß man in den öffentlichen Schaustellungen Heilmittel braucht, welche das Leben immer wieder und wiederum aus einem schuldhaft kranken Leben hinaufheben in seine eigentliche, ihm gemäße Wesenheit. So war die griechische Tragödie das Heilmittel für dasjenige, was immer wiederum im sozialen Leben krank wurde, nicht dasjenige, was in der Ecke des Lebens zum Amüsement da war.
[ 32 ] Ich möchte sagen: Was ist das moderne Drama für den Menschen der gegenwärtigen Sozietät? Nun, damit ich nicht sage: es ist bloß dasjenige, was je nach dem Geschmack der Friseur und die Friseuse tun, wenn sie den Menschen frisieren, möchte ich sagen: Es ist dasjJenige, was der Friseur und die Friseuse tun, wenn sie dem Menschen den Kopf waschen! - Dasjenige aber, was die griechische Tragödie war, war das, was der Arzt tut, der wirklich verständige Arzt, der den kranken Organismus mit innerlich wirkenden, gesundenden Heilmittelkräften durchsetzt, die diesen kranken Organismus innerlich dynamisch durch und durch wirksam durchsetzen. Der Grieche appellierte eben noch viel mehr an das Seelische als der moderne Mensch. Ja, wenn man aber die Geschichte so betrachtet, wenn man sich so hineinversetzt in die Lage, in der ein Grieche war, wenn er der Tragödie zusah, dann ist eine solche geschichtliche Betrachtung schon etwas anderes als diejenige, die man gewöhnlich hat, wobei man ganz unteilnahmsvoll bleibt.
[ 32 ] Ich möchte sagen: Was ist das moderne Drama für den Menschen der gegenwärtigen Sozietät? Nun, damit ich nicht sage: es ist bloß dasjenige, was je nach dem Geschmack der Friseur und die Friseuse tun, wenn sie den Menschen frisieren, möchte ich sagen: Es ist dasjJenige, was der Friseur und die Friseuse tun, wenn sie dem Menschen den Kopf waschen! - Dasjenige aber, was die griechische Tragödie war, war das, was der Arzt tut, der wirklich verständige Arzt, der den kranken Organismus mit innerlich wirkenden, gesundenden Heilmittelkräften durchsetzt, die diesen kranken Organismus innerlich dynamisch durch und durch wirksam durchsetzen. Der Grieche appellierte eben noch viel mehr an das Seelische als der moderne Mensch. Ja, wenn man aber die Geschichte so betrachtet, wenn man sich so hineinversetzt in die Lage, in der ein Grieche war, wenn er der Tragödie zusah, dann ist eine solche geschichtliche Betrachtung schon etwas anderes als diejenige, die man gewöhnlich hat, wobei man ganz unteilnahmsvoll bleibt.
[ 33 ] Wenn man wirklich Geschichte lernt, geht man mit seiner Seele in die alten Zeiten hinein. In der gegenwärtigen Welt leidet man - wenn Sie jetzt nachher hinausgehen und keinen Regenschirm haben, werden Sie es schon sehen. Es wird zwar kein ganz schweres Leiden sein, aber aus dem gegenwärtigen Leiden kann es sehr leicht der Fall sein, daß etwas Schlimmes entsteht und Sie wirklich physische Schmerzen erdulden müssen -, aber man gebraucht kein Heilmittel gegen das Leiden. Die Griechenzeit hat es getan; und versetzt man sich wirklich hinein in das griechische Zeitalter, so versetzt man sich eben, wenn man das Anthroposophische in Betracht zieht, mit seiner Seele hinein. Man geht da hinein mit seiner Seele. Ich möchte sagen, wenn ich mich trivial ausdrücken darf: Auf diese Art fangen Sie erst das Seelische ab, während Sie es sonst heute in der gewöhnlichen Menschlichkeit unterdrücken. Sie fangen das Seelische ab, Sie lernen das Seelische erst erleben in der Weltbetrachtung.
[ 33 ] Wenn man wirklich Geschichte lernt, geht man mit seiner Seele in die alten Zeiten hinein. In der gegenwärtigen Welt leidet man - wenn Sie jetzt nachher hinausgehen und keinen Regenschirm haben, werden Sie es schon sehen. Es wird zwar kein ganz schweres Leiden sein, aber aus dem gegenwärtigen Leiden kann es sehr leicht der Fall sein, daß etwas Schlimmes entsteht und Sie wirklich physische Schmerzen erdulden müssen -, aber man gebraucht kein Heilmittel gegen das Leiden. Die Griechenzeit hat es getan; und versetzt man sich wirklich hinein in das griechische Zeitalter, so versetzt man sich eben, wenn man das Anthroposophische in Betracht zieht, mit seiner Seele hinein. Man geht da hinein mit seiner Seele. Ich möchte sagen, wenn ich mich trivial ausdrücken darf: Auf diese Art fangen Sie erst das Seelische ab, während Sie es sonst heute in der gewöhnlichen Menschlichkeit unterdrücken. Sie fangen das Seelische ab, Sie lernen das Seelische erst erleben in der Weltbetrachtung.
[ 34 ] Das ist es, was ich schildern wollte, um Ihnen zu zeigen, wie man erst aus seinen Verborgenheiten heraus das Seelische aufsuchen muß, wenn man zu der Betrachtung des Seelischen kommen will, wie man nichts vom Seelischen bekommt, wenn man an die bloßen Bilder sich wendet, die die Menschen zunächst im gewöhnlichen Bewußtsein von der Welt sich machen. Und dann beschreiben das die Psychologen als Seeleninhalt. Schlagen Sie heute ein Buch auf über Seelenkunde, da haben Sie zuerst Kapitel über Vorstellungen, aber die Vorstellungen so, wie sie sind im gewöhnlichen Bewußtsein, nicht wie sie da unten sind. Was verlöscht in jedem Augenblick (Zeichnung S. 39, rot), das wird einem geschildert, nicht dasjenige, was da unten sich als Parallelvorgang abspielt. Kurz, wenn man heute Seelenkunde betrachtet, dann ist es ungefähr so, nun, sagen wir, wie wenn man eine Versammlung veranstaltet, wo die Menschen sich beraten sollen.
[ 34 ] Das ist es, was ich schildern wollte, um Ihnen zu zeigen, wie man erst aus seinen Verborgenheiten heraus das Seelische aufsuchen muß, wenn man zu der Betrachtung des Seelischen kommen will, wie man nichts vom Seelischen bekommt, wenn man an die bloßen Bilder sich wendet, die die Menschen zunächst im gewöhnlichen Bewußtsein von der Welt sich machen. Und dann beschreiben das die Psychologen als Seeleninhalt. Schlagen Sie heute ein Buch auf über Seelenkunde, da haben Sie zuerst Kapitel über Vorstellungen, aber die Vorstellungen so, wie sie sind im gewöhnlichen Bewußtsein, nicht wie sie da unten sind. Was verlöscht in jedem Augenblick (Zeichnung S. 39, rot), das wird einem geschildert, nicht dasjenige, was da unten sich als Parallelvorgang abspielt. Kurz, wenn man heute Seelenkunde betrachtet, dann ist es ungefähr so, nun, sagen wir, wie wenn man eine Versammlung veranstaltet, wo die Menschen sich beraten sollen.
[ 35 ] Nehmen wir an, Engländer beraten sich hier; die haben es gern, wenn Lloyd George mitspricht. Sie sagen: Wir wollen jetzt eine Beratung abhalten. Lloyd George soll mitsprechen. - Jetzt holen sie sein Porträt, setzen es auf einen Stuhl, und da haben sie ihn auch als einen Mitberater. Die Franzosen ebenfalls den Clemenceau, die Deutschen sogar Bismarck. Nun, nicht wahr, das ist auch da! Ja, in bezug auf die Welt verhalten sich diese Bilder so, wie sich das menschliche Vorstellungsleben, wenn man es nach dem gewöhnlichen Bewußtsein schildert, zur Realität verhält. Man hat es eben bloß mit Bildern zu tun. Man muß erst darauf kommen, was hinter diesen Bildern für eine Realität steckt.
[ 35 ] Nehmen wir an, Engländer beraten sich hier; die haben es gern, wenn Lloyd George mitspricht. Sie sagen: Wir wollen jetzt eine Beratung abhalten. Lloyd George soll mitsprechen. - Jetzt holen sie sein Porträt, setzen es auf einen Stuhl, und da haben sie ihn auch als einen Mitberater. Die Franzosen ebenfalls den Clemenceau, die Deutschen sogar Bismarck. Nun, nicht wahr, das ist auch da! Ja, in bezug auf die Welt verhalten sich diese Bilder so, wie sich das menschliche Vorstellungsleben, wenn man es nach dem gewöhnlichen Bewußtsein schildert, zur Realität verhält. Man hat es eben bloß mit Bildern zu tun. Man muß erst darauf kommen, was hinter diesen Bildern für eine Realität steckt.
[ 36 ] Das habe ich mich bemüht zu zeigen, was hinter diesen Bildern für eine Realität steckt. Man hat nicht das Seelische für das gewöhnliche Bewußtsein; man muß es erst aus seinen Tiefen heraufholen. Das ist das Wichtige. Das ist es, was man eben durchaus ins Auge fassen muß, wenn man über die menschliche Seele sprechen will in ihrem Verhältnisse zur Weltentwickelung. Denn man kommt allmählich mit dem Seelischen in die Weltentwickelung selber hinein, wenn man das Seelische in seiner Wahrheit betrachtet.
[ 36 ] Das habe ich mich bemüht zu zeigen, was hinter diesen Bildern für eine Realität steckt. Man hat nicht das Seelische für das gewöhnliche Bewußtsein; man muß es erst aus seinen Tiefen heraufholen. Das ist das Wichtige. Das ist es, was man eben durchaus ins Auge fassen muß, wenn man über die menschliche Seele sprechen will in ihrem Verhältnisse zur Weltentwickelung. Denn man kommt allmählich mit dem Seelischen in die Weltentwickelung selber hinein, wenn man das Seelische in seiner Wahrheit betrachtet.
[ 37 ] Ich habe mit diesen zwei ersten Vorträgen versucht, Ihnen zu zeigen, wie okkulte Erkenntnis sich allmählich das Seelische erobert. Wir werden nun in den nächsten drei Vorträgen das menschliche Seelenleben in seiner Verbindung mit der Weltentwickelung, nachdem die gesunde Grundlage jetzt geschaffen ist, in einer möglichst populären Form betrachten.
[ 37 ] Ich habe mit diesen zwei ersten Vorträgen versucht, Ihnen zu zeigen, wie okkulte Erkenntnis sich allmählich das Seelische erobert. Wir werden nun in den nächsten drei Vorträgen das menschliche Seelenleben in seiner Verbindung mit der Weltentwickelung, nachdem die gesunde Grundlage jetzt geschaffen ist, in einer möglichst populären Form betrachten.
