Human Soul-Life and Spiritual Striving
GA 212
27 May 1922, Dornach
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Menschliches Seelenleben und Geistesstreben, 2nd ed.
Siebenter Vortrag
Siebenter Vortrag
[ 1 ] Ich möchte heute auf die Art hinweisen, wie zu verschiedenen Zeiten Menschen dazu gekommen sind, Erkenntnisse zu gewinnen, wie ich sie gestern mit Bezug auf die Entwickelung des menschlichen ätherischen und des menschlichen astralischen Leibes hier dargelegt habe. Aus einer Schilderung, wie man zu solchen Anschauungen kommt, wird sich immerhin auch einiges erhellen können über das Wesen des Menschen, über das Verhältnis des Menschen zur Welt und so weiter. Es ist durchaus nicht nötig, daß etwa jeder solche Dinge gewissermaßen nachmachen kann, aber aus den Schilderungen, wie sie da oder dort vor sich gegangen sind oder noch vor sich gehen, wird man schon einiges gewinnen, das dann wiederum Licht zurückwirft auf die Ergebnisse, die für jeden Menschen so wichtig sind. Die Art und Weise, wie in sehr alten Zeiten die Menschen zu ihren übersinnlichen Erkenntnissen gekommen sind, und die Art und Weise, wie man heute solche Erkenntnisse gewinnt, sind durchaus voneinander verschieden. Ich habe ja öfter darauf aufmerksam gemacht, wie in älteren Zeiten der Menschheit ein gewisses instinktives Hellsehen vorhanden war, wie dann dieses Hellsehen sich allmählich durch verschiedene Zwischenphasen zu der Anschauung von der Welt entwickelt hat, die heute der Mensch seine eigene nennen muß, und wie aus diesem allgemeinen Bewußtsein heraus dann ein gewisses höheres Bewußtsein entwickelt werden kann. Wie heute der Mensch, wenn er seine Zeit und sein Verhältnis zu dieser Zeit richtig erfaßt, zu höheren Erkenntnissen kommen kann, das ist geschildert im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in anderen Schriften. Aber heute möchte ich Ihnen eine Schilderung von einem gewissen Gesichtspunkte aus geben, gerade mit Rücksicht auch auf das, was ich gestern hier ausgeführt habe.
[ 1 ] Ich möchte heute auf die Art hinweisen, wie zu verschiedenen Zeiten Menschen dazu gekommen sind, Erkenntnisse zu gewinnen, wie ich sie gestern mit Bezug auf die Entwickelung des menschlichen ätherischen und des menschlichen astralischen Leibes hier dargelegt habe. Aus einer Schilderung, wie man zu solchen Anschauungen kommt, wird sich immerhin auch einiges erhellen können über das Wesen des Menschen, über das Verhältnis des Menschen zur Welt und so weiter. Es ist durchaus nicht nötig, daß etwa jeder solche Dinge gewissermaßen nachmachen kann, aber aus den Schilderungen, wie sie da oder dort vor sich gegangen sind oder noch vor sich gehen, wird man schon einiges gewinnen, das dann wiederum Licht zurückwirft auf die Ergebnisse, die für jeden Menschen so wichtig sind. Die Art und Weise, wie in sehr alten Zeiten die Menschen zu ihren übersinnlichen Erkenntnissen gekommen sind, und die Art und Weise, wie man heute solche Erkenntnisse gewinnt, sind durchaus voneinander verschieden. Ich habe ja öfter darauf aufmerksam gemacht, wie in älteren Zeiten der Menschheit ein gewisses instinktives Hellsehen vorhanden war, wie dann dieses Hellsehen sich allmählich durch verschiedene Zwischenphasen zu der Anschauung von der Welt entwickelt hat, die heute der Mensch seine eigene nennen muß, und wie aus diesem allgemeinen Bewußtsein heraus dann ein gewisses höheres Bewußtsein entwickelt werden kann. Wie heute der Mensch, wenn er seine Zeit und sein Verhältnis zu dieser Zeit richtig erfaßt, zu höheren Erkenntnissen kommen kann, das ist geschildert im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in anderen Schriften. Aber heute möchte ich Ihnen eine Schilderung von einem gewissen Gesichtspunkte aus geben, gerade mit Rücksicht auch auf das, was ich gestern hier ausgeführt habe.
[ 2 ] Wenn wir in sehr alte Zeiten der Menschheitsentwickelung zurückgehen und das geistige Streben jener Zeiten ins Auge fassen, dann finden wir unter anderem das Geistesstreben, das im alten Orient vorhanden war, in derjenigen Kultur, deren spätere Zeit dann als die indische Kultur bekanntgeworden ist und zu der heute viele Menschen zurückkehren, weil sie sich nicht dazu aufschwingen können, einzusehen, daß jede Zeit eben ihren eigenen Weg gehen muß, um in die übersinnlichen Welten einzudringen.
[ 2 ] Wenn wir in sehr alte Zeiten der Menschheitsentwickelung zurückgehen und das geistige Streben jener Zeiten ins Auge fassen, dann finden wir unter anderem das Geistesstreben, das im alten Orient vorhanden war, in derjenigen Kultur, deren spätere Zeit dann als die indische Kultur bekanntgeworden ist und zu der heute viele Menschen zurückkehren, weil sie sich nicht dazu aufschwingen können, einzusehen, daß jede Zeit eben ihren eigenen Weg gehen muß, um in die übersinnlichen Welten einzudringen.
[ 3 ] Ich habe schon einmal auch hier angedeutet, daß sich aus der Gesamtmasse der Menschen, die innerhalb jenes Zeitraumes gelebt haben, den ich in meiner «Geheimwissenschaft» den urindischen Zeitraum genannt habe, einzelne Persönlichkeiten so, wie es der damaligen Zeit angemessen war, innere Kräfte der menschlichen Wesenheit zur Entwickelung brachten, die sie dann hinaufführten in die übersinnlichen Welten. Einen dieser Wege, den ich in anderem Zusammenhange hier schon angedeutet habe, bezeichnet man als den Weg der Yoga.
[ 3 ] Ich habe schon einmal auch hier angedeutet, daß sich aus der Gesamtmasse der Menschen, die innerhalb jenes Zeitraumes gelebt haben, den ich in meiner «Geheimwissenschaft» den urindischen Zeitraum genannt habe, einzelne Persönlichkeiten so, wie es der damaligen Zeit angemessen war, innere Kräfte der menschlichen Wesenheit zur Entwickelung brachten, die sie dann hinaufführten in die übersinnlichen Welten. Einen dieser Wege, den ich in anderem Zusammenhange hier schon angedeutet habe, bezeichnet man als den Weg der Yoga.
[ 4 ] Der Yogaweg kann am besten begriffen werden, wenn man zunächst auf die übrigen Menschen hinschaut, aus denen heraus sich der Yogi, also derjenige, der auf diesem Wege zu höheren Erkenntnissen kommen wollte, heraushob. In jenen älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung war das allgemeine Bewußtsein ein ganz anderes, als es heute ist. Wir Menschen von heute schauen in die Welt hinaus, nehmen durch unsere Sinne zum Beispiel die Farben, nehmen die Töne wahr und so weiter. Wir suchen in dieser sinnlichen Welt die Gesetzmäßigkeiten auf, aber wir sind uns bewußt, daß, wenn wir weitergehen, wenn wir uns in die äußeren Dinge gewissermaßen geistig-seelisch hineinleben wollen, daß wir dann aus unserer Phantasie heraus schöpfen. Das war in jenen älteren Zeiten nicht so. Da sahen die Menschen in der äußeren Welt, wie wir wissen, mehr, als der normale Mensch heute sieht. In Blitz und Donner, in allen einzelnen Gestirnen, in den Wesen der verschiedenen Naturreiche sahen die alten Menschen zugleich ein Geistig-Seelisches. Sie nahmen geistige Wesenheiten, wenn auch niederer Art, in allem Festen, in allem Flüssigen, im Luftförmigen und so weiter wahr. Heute sagt eine intellektualistische Gelehrsamkeit: Diese alten Menschen haben eben durch ihre Phantasie in die Umgebung, die sie geschaut haben, allerlei Geistig-Seelisches hineingeträumt. Man nennt das Animismus.
[ 4 ] Der Yogaweg kann am besten begriffen werden, wenn man zunächst auf die übrigen Menschen hinschaut, aus denen heraus sich der Yogi, also derjenige, der auf diesem Wege zu höheren Erkenntnissen kommen wollte, heraushob. In jenen älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung war das allgemeine Bewußtsein ein ganz anderes, als es heute ist. Wir Menschen von heute schauen in die Welt hinaus, nehmen durch unsere Sinne zum Beispiel die Farben, nehmen die Töne wahr und so weiter. Wir suchen in dieser sinnlichen Welt die Gesetzmäßigkeiten auf, aber wir sind uns bewußt, daß, wenn wir weitergehen, wenn wir uns in die äußeren Dinge gewissermaßen geistig-seelisch hineinleben wollen, daß wir dann aus unserer Phantasie heraus schöpfen. Das war in jenen älteren Zeiten nicht so. Da sahen die Menschen in der äußeren Welt, wie wir wissen, mehr, als der normale Mensch heute sieht. In Blitz und Donner, in allen einzelnen Gestirnen, in den Wesen der verschiedenen Naturreiche sahen die alten Menschen zugleich ein Geistig-Seelisches. Sie nahmen geistige Wesenheiten, wenn auch niederer Art, in allem Festen, in allem Flüssigen, im Luftförmigen und so weiter wahr. Heute sagt eine intellektualistische Gelehrsamkeit: Diese alten Menschen haben eben durch ihre Phantasie in die Umgebung, die sie geschaut haben, allerlei Geistig-Seelisches hineingeträumt. Man nennt das Animismus.
[ 5 ] Nun kennt man die menschliche Natur und vor allen Dingen die menschliche Natur jener älteren Zeiten schlecht, wenn man glaubt, daß diese Menschen aus ihrer Phantasie heraus allerlei Wesenheiten in Blitz und Donner, in Quelle und Fluß, in Wind und Wetter hineingeträumt hätten. Nein, das ist nicht der Fall. Sie haben sie gesehen. Geradeso wie wir Rot und Blau sehen oder cis und g hören, so haben diese älteren Menschen in den Dingen der Außenwelt Geistig-Seelisches gesehen. Es war ihnen so natürlich, dieses Geistig-Seelische zu sehen, wie es uns natürlich ist, Blau und Rot zu sehen. Aber damit war etwas anderes verknüpft. Damit war verknüpft, daß die Menschen kein deutliches Selbstbewußtsein hatten.
[ 5 ] Nun kennt man die menschliche Natur und vor allen Dingen die menschliche Natur jener älteren Zeiten schlecht, wenn man glaubt, daß diese Menschen aus ihrer Phantasie heraus allerlei Wesenheiten in Blitz und Donner, in Quelle und Fluß, in Wind und Wetter hineingeträumt hätten. Nein, das ist nicht der Fall. Sie haben sie gesehen. Geradeso wie wir Rot und Blau sehen oder cis und g hören, so haben diese älteren Menschen in den Dingen der Außenwelt Geistig-Seelisches gesehen. Es war ihnen so natürlich, dieses Geistig-Seelische zu sehen, wie es uns natürlich ist, Blau und Rot zu sehen. Aber damit war etwas anderes verknüpft. Damit war verknüpft, daß die Menschen kein deutliches Selbstbewußtsein hatten.
[ 6 ] Das deutliche Selbstbewußtsein, von dem wir heute als normale Menschen durchdrungen sind, das fehlte jenen älteren Zeiten. Der Mensch unterschied sich gewissermaßen nicht von der äußeren Welt. Was etwa meine Hand sehen würde, wenn sie ein Bewußtsein hätte, nämlich daß sie nicht selbständig ist, daß sie nur ein Glied meines Organismus ist, das haben, wenn sie es auch nicht ausgesprochen haben, jene älteren Menschen gefühlt. Sie fühlten sich als Glieder des ganzen Universums. Sie trennten ihre eigene menschliche Wesenheit gar nicht in intensiver Weise von der Umgebung ab. Solch ein älterer Mensch ging meinetwillen den Fluß entlang. Wenn wir heute einen Fluß entlanggehen in der Richtung, wie der Fluß fließt, dann haben wir als heutige gescheite Menschen selbstverständlich das Gefühl: wir schreiten mit unseren Beinen aus und bewegen uns nach abwärts; mit dem Fluß hat das nichts zu tun. — So fühlte im allgemeinen der ältere Mensch nicht. Wenn er an dem Ufer des Flusses stromabwärts ging — das ist ihm durchaus natürlich gewesen -, so fühlte er die geistigen Wesenheiten, die mit dem Strom-abwärts-Fließen des Flusses verbunden sind so, wie heute sich etwa der Schwimmer vom Wasser, also von einem Materiellen, getragen fühlt. So fühlte er sich von dem Geistigen hinuntergeführt. Das ist nur ein herausgegriffenes Beispiel. Es war alles, was der Mensch in der Außenwelt erlebte, so von ihm gedacht und empfunden, daß er sich von Wind-, von Stromesgöttern, von allem, was da draußen ist, getragen, getrieben, können wir sagen, fühlte. Er fühlte die Elemente der Natur in sich. Dieses Sich-Hineinfühlen in die Natur ist dem Menschen verlorengegangen. Er hat sich aber dafür auch sein intensives Selbständigkeitsgefühl, sein Ich-Gefühl allmählich erobert.
[ 6 ] Das deutliche Selbstbewußtsein, von dem wir heute als normale Menschen durchdrungen sind, das fehlte jenen älteren Zeiten. Der Mensch unterschied sich gewissermaßen nicht von der äußeren Welt. Was etwa meine Hand sehen würde, wenn sie ein Bewußtsein hätte, nämlich daß sie nicht selbständig ist, daß sie nur ein Glied meines Organismus ist, das haben, wenn sie es auch nicht ausgesprochen haben, jene älteren Menschen gefühlt. Sie fühlten sich als Glieder des ganzen Universums. Sie trennten ihre eigene menschliche Wesenheit gar nicht in intensiver Weise von der Umgebung ab. Solch ein älterer Mensch ging meinetwillen den Fluß entlang. Wenn wir heute einen Fluß entlanggehen in der Richtung, wie der Fluß fließt, dann haben wir als heutige gescheite Menschen selbstverständlich das Gefühl: wir schreiten mit unseren Beinen aus und bewegen uns nach abwärts; mit dem Fluß hat das nichts zu tun. — So fühlte im allgemeinen der ältere Mensch nicht. Wenn er an dem Ufer des Flusses stromabwärts ging — das ist ihm durchaus natürlich gewesen -, so fühlte er die geistigen Wesenheiten, die mit dem Strom-abwärts-Fließen des Flusses verbunden sind so, wie heute sich etwa der Schwimmer vom Wasser, also von einem Materiellen, getragen fühlt. So fühlte er sich von dem Geistigen hinuntergeführt. Das ist nur ein herausgegriffenes Beispiel. Es war alles, was der Mensch in der Außenwelt erlebte, so von ihm gedacht und empfunden, daß er sich von Wind-, von Stromesgöttern, von allem, was da draußen ist, getragen, getrieben, können wir sagen, fühlte. Er fühlte die Elemente der Natur in sich. Dieses Sich-Hineinfühlen in die Natur ist dem Menschen verlorengegangen. Er hat sich aber dafür auch sein intensives Selbständigkeitsgefühl, sein Ich-Gefühl allmählich erobert.
[ 7 ] Von der gesamten Masse der Menschen, die so fühlte, hob sich nun der Yogagelehrte, der Yogi, heraus. Er machte gewisse Übungen, und ich habe da von jenen Übungen zu sprechen, die in der späteren Zeit sehr in die Dekadenz gekommen sind, die, während sie einer älteren Menschennatur als etwas Gutes angepaßt waren, später fast bloß, ich möchte sagen, zu schädlichen Zwecken verwendet worden sind. Das sind die Übungen, die ich hier schon öfter angeführt habe: die Übungen des Yoga-Atmens. Was ich also jetzt schildere, gilt sozusagen nur für die Menschen einer sehr alten orientalischen Kultur als ein rechtmäßiger Weg, um in die höheren Welten hinaufzukommen.
[ 7 ] Von der gesamten Masse der Menschen, die so fühlte, hob sich nun der Yogagelehrte, der Yogi, heraus. Er machte gewisse Übungen, und ich habe da von jenen Übungen zu sprechen, die in der späteren Zeit sehr in die Dekadenz gekommen sind, die, während sie einer älteren Menschennatur als etwas Gutes angepaßt waren, später fast bloß, ich möchte sagen, zu schädlichen Zwecken verwendet worden sind. Das sind die Übungen, die ich hier schon öfter angeführt habe: die Übungen des Yoga-Atmens. Was ich also jetzt schildere, gilt sozusagen nur für die Menschen einer sehr alten orientalischen Kultur als ein rechtmäßiger Weg, um in die höheren Welten hinaufzukommen.
[ 8 ] Im gewöhnlichen Leben verfließt das Atmen beim Menschen ja unbewußt. Der Mensch atmet ein, hält den Atem, atmet aus, und nur, wenn er in irgendeiner Weise nicht ganz gesund ist, wird ihm dieses Atmen bewußt. Im gewöhnlichen Leben bleibt es zum weitaus größten Teil ein unbewußter Vorgang. Der Yogi aber verwandelte durch gewisse Zeiten des Übens den Atem dadurch in einen bewußten inneren Vorgang, daß er die Zeitstrecken, in denen er einatmete, den Atem hielt und wieder ausatmete, daß er also den ganzen Rhythmus des Atmungsprozesses änderte. Er atmete eine längere Zeit ein, hielt den Atem länger, atmete wiederum anders aus in einer anderen Zeit, kurz, er gab sich einen anderen Atmungsrhythmus, als der gewöhnliche ist. Dadurch wurde ihm der ganze Atmungsprozeß ein bewußter. Er lebte sich sozusagen in sein Atmen hinein. Das Gefühl, das er von sich selbst bekam, war das eines fortwährenden Mitgehens mit dem Einatmen, mit dem Ausbreiten des Atems im Leibe und mit dem wiederum Ausatmen. Der Mensch zog sich dadurch mit seinem ganzen seelischen Wesen in das Atmen hinein.
[ 8 ] Im gewöhnlichen Leben verfließt das Atmen beim Menschen ja unbewußt. Der Mensch atmet ein, hält den Atem, atmet aus, und nur, wenn er in irgendeiner Weise nicht ganz gesund ist, wird ihm dieses Atmen bewußt. Im gewöhnlichen Leben bleibt es zum weitaus größten Teil ein unbewußter Vorgang. Der Yogi aber verwandelte durch gewisse Zeiten des Übens den Atem dadurch in einen bewußten inneren Vorgang, daß er die Zeitstrecken, in denen er einatmete, den Atem hielt und wieder ausatmete, daß er also den ganzen Rhythmus des Atmungsprozesses änderte. Er atmete eine längere Zeit ein, hielt den Atem länger, atmete wiederum anders aus in einer anderen Zeit, kurz, er gab sich einen anderen Atmungsrhythmus, als der gewöhnliche ist. Dadurch wurde ihm der ganze Atmungsprozeß ein bewußter. Er lebte sich sozusagen in sein Atmen hinein. Das Gefühl, das er von sich selbst bekam, war das eines fortwährenden Mitgehens mit dem Einatmen, mit dem Ausbreiten des Atems im Leibe und mit dem wiederum Ausatmen. Der Mensch zog sich dadurch mit seinem ganzen seelischen Wesen in das Atmen hinein.
[ 9 ] Wenn wir einsehen wollen, was dadurch eigentlich erreicht worden ist, so können wir sagen: Wenn wir zum Beispiel einatmen, so geht der Atemstoß in unseren Organismus hinein, er geht dann durch den Rückenmarkskanal in das Gehirn und breitet sich dort innerhalb derjenigen Vorgänge aus, welche sich im Nervenorganismus, im Sinnesorganismus vollziehen. Wenn wir also als Menschen denken, haben wir niemals etwa bloß die Sinne und den Nervenorganismus als Werkzeuge dieses Denkens, sondern Sinnes- und Nervenorganismus werden fortwährend durchrhythmisiert, durchschlagen, durchströmt, durchwellt von dem Atmungsprozeß, von dem Atmungsrhythmus. Wir denken nicht, ohne daß dieser Atmungsrhythmus unseren Nerven-Sinnesprozeß rhythmisch durchsetzt. Nur weil der ganze Atmungsprozeß beim heutigen normalen Menschen unbewußt bleibt, bleibt auch das natürlich unbewußt.
[ 9 ] Wenn wir einsehen wollen, was dadurch eigentlich erreicht worden ist, so können wir sagen: Wenn wir zum Beispiel einatmen, so geht der Atemstoß in unseren Organismus hinein, er geht dann durch den Rückenmarkskanal in das Gehirn und breitet sich dort innerhalb derjenigen Vorgänge aus, welche sich im Nervenorganismus, im Sinnesorganismus vollziehen. Wenn wir also als Menschen denken, haben wir niemals etwa bloß die Sinne und den Nervenorganismus als Werkzeuge dieses Denkens, sondern Sinnes- und Nervenorganismus werden fortwährend durchrhythmisiert, durchschlagen, durchströmt, durchwellt von dem Atmungsprozeß, von dem Atmungsrhythmus. Wir denken nicht, ohne daß dieser Atmungsrhythmus unseren Nerven-Sinnesprozeß rhythmisch durchsetzt. Nur weil der ganze Atmungsprozeß beim heutigen normalen Menschen unbewußt bleibt, bleibt auch das natürlich unbewußt.
[ 10 ] Bei dem Yogi wurde dieser veränderte Atem bewußt in den Nerven-Sinnesprozeß hineingezogen. Dadurch erlebte der Yogi einen inneren Vorgang, der sich zusammensetzte aus dem, was durch den Nerven-Sinnesprozeß erfolgte, und dem, was durch das Gehirn und auch durch die Sinne hindurchwellte und hindurchwirbelte durch den veränderten Atmungsrhythmus. Er lebte dadurch aber auch das Seelische seines Denkens in den Atmungsrhythmus hinein.
[ 10 ] Bei dem Yogi wurde dieser veränderte Atem bewußt in den Nerven-Sinnesprozeß hineingezogen. Dadurch erlebte der Yogi einen inneren Vorgang, der sich zusammensetzte aus dem, was durch den Nerven-Sinnesprozeß erfolgte, und dem, was durch das Gehirn und auch durch die Sinne hindurchwellte und hindurchwirbelte durch den veränderten Atmungsrhythmus. Er lebte dadurch aber auch das Seelische seines Denkens in den Atmungsrhythmus hinein.
[ 11 ] Dadurch kam an diesen Yogi etwas ganz Besonderes heran. Er strahlte gewissermaßen das Denken, das sonst kaum als ein Kopfesvorgang gefühlt wird, in seinen ganzen Organismus hinein. Er dachte nicht bloß, sondern er fühlte, wie der Gedanke, ich möchte sagen, wie so ein Tierchen durchlief durch den Atmungsvorgang, den er als einen künstlichen Vorgang hervorgerufen hatte.
[ 11 ] Dadurch kam an diesen Yogi etwas ganz Besonderes heran. Er strahlte gewissermaßen das Denken, das sonst kaum als ein Kopfesvorgang gefühlt wird, in seinen ganzen Organismus hinein. Er dachte nicht bloß, sondern er fühlte, wie der Gedanke, ich möchte sagen, wie so ein Tierchen durchlief durch den Atmungsvorgang, den er als einen künstlichen Vorgang hervorgerufen hatte.
[ 12 ] Er fühlte also das Denken nicht nur als etwas so logisch Verlaufendes und Schattenhaftes, sondern er fühlte, wie das Denken mitging mit dem Atmungsprozeß. Wenn er einatmete, da fühlte er, da nimmt er etwas aus der Außenwelt herein; jetzt läßt er den Atmungsprozeß in sein Denken hineinfließen. Da greift er mit seinen Gedanken gewissermaßen dasjenige an, was er mit der Atemluft eingesogen hat, und jetzt verbreitet er das durch den ganzen Organismus. Dadurch aber kam über den Yogi ein erhöhtes Ich-Gefühl, ein erhöhtes Selbstgefühl. Er verbreitete sein Denken empfindungsgemäß über sein ganzes inneres Wesen. Er wurde sich dadurch seines Denkens in der Luft bewußt, und zwar in dem regelmäßigen Luftvorgang, der in seinem Inneren vor sich ging.
[ 12 ] Er fühlte also das Denken nicht nur als etwas so logisch Verlaufendes und Schattenhaftes, sondern er fühlte, wie das Denken mitging mit dem Atmungsprozeß. Wenn er einatmete, da fühlte er, da nimmt er etwas aus der Außenwelt herein; jetzt läßt er den Atmungsprozeß in sein Denken hineinfließen. Da greift er mit seinen Gedanken gewissermaßen dasjenige an, was er mit der Atemluft eingesogen hat, und jetzt verbreitet er das durch den ganzen Organismus. Dadurch aber kam über den Yogi ein erhöhtes Ich-Gefühl, ein erhöhtes Selbstgefühl. Er verbreitete sein Denken empfindungsgemäß über sein ganzes inneres Wesen. Er wurde sich dadurch seines Denkens in der Luft bewußt, und zwar in dem regelmäßigen Luftvorgang, der in seinem Inneren vor sich ging.
[ 13 ] Nun, das hatte für ihn eine ganz besondere Folge. Wenn sich der Mensch heute in der sinnlichen Welt fühlt, so ist das ja ganz richtig, daß er in seinem Denken etwas hat, auf das er kaum hinschaut. Seine Sinne unterrichten ihn schon über das, was in der Außenwelt ist, und wenn er zurückschaut auf sich, so sieht er wenigstens Teile von sich selber. Er bekommt dadurch ein Bild von der Art und Weise, wie der Mensch in der Außenwelt drinnensteht zwischen Geburt und Tod. Aber der Yogi, der strahlte gewissermaßen sein Seelisch-Gedankliches über den Atmungsprozeß aus. Er trieb mehr in sich hinein dieses ganze seelische Denken. Und die Folge davon war, daß jetzt aus seiner Seele ein besonderes Selbstgefühl, ein besonderes Ich-Gefühl auftauchte. Aber er fühlte das jetzt nicht als ein Mensch hier zwischen Geburt und Tod in der natürlichen Umgebung, sondern dadurch, daß er sein SeelischGedankliches in den Atmungsprozeß ausgestrahlt hatte, fühlte er sich wie zurückerinnert an die Zeit, bevor er heruntergestiegen war auf die Erde, an die Zeit, als er ein geistig-seelisches Wesen innerhalb einer geistig-seelischen Welt war. Geradeso wie der heutige Mensch bei normalem Bewußtsein- wenn er zum Beispiel eine besonders lebhafte Erinnerung hat an etwas, was vor zehn Jahren geschehen ist -, wie er sich da hineinfühlen kann in dieses Ereignis, aber auch meinetwillen in den Wald, in dem er dieses Ereignis erlebt hat, in die ganze Stimmung von dazumal, so fühlte sich der Yogi durch diesen veränderten Atmungsprozeß in die ganze Stimmung, in die ganze Umgebung hinein, in der er als geistig-seelisches Wesen innerhalb einer geistig-seelischen Welt gewesen war. Da fühlte er ganz anders gegenüber der Welt, als er hier als Mensch fühlte. Und aus dem, was ihn überkam, aus dem Verhältnis dieses jetzt erweckten Selbstes zu dem ganzen Universum, entstanden dann jene wunderbaren alten Dichtungen, von denen ein schönes Ergebnis zum Beispiel die Bhagavad Gita ist.
[ 13 ] Nun, das hatte für ihn eine ganz besondere Folge. Wenn sich der Mensch heute in der sinnlichen Welt fühlt, so ist das ja ganz richtig, daß er in seinem Denken etwas hat, auf das er kaum hinschaut. Seine Sinne unterrichten ihn schon über das, was in der Außenwelt ist, und wenn er zurückschaut auf sich, so sieht er wenigstens Teile von sich selber. Er bekommt dadurch ein Bild von der Art und Weise, wie der Mensch in der Außenwelt drinnensteht zwischen Geburt und Tod. Aber der Yogi, der strahlte gewissermaßen sein Seelisch-Gedankliches über den Atmungsprozeß aus. Er trieb mehr in sich hinein dieses ganze seelische Denken. Und die Folge davon war, daß jetzt aus seiner Seele ein besonderes Selbstgefühl, ein besonderes Ich-Gefühl auftauchte. Aber er fühlte das jetzt nicht als ein Mensch hier zwischen Geburt und Tod in der natürlichen Umgebung, sondern dadurch, daß er sein SeelischGedankliches in den Atmungsprozeß ausgestrahlt hatte, fühlte er sich wie zurückerinnert an die Zeit, bevor er heruntergestiegen war auf die Erde, an die Zeit, als er ein geistig-seelisches Wesen innerhalb einer geistig-seelischen Welt war. Geradeso wie der heutige Mensch bei normalem Bewußtsein- wenn er zum Beispiel eine besonders lebhafte Erinnerung hat an etwas, was vor zehn Jahren geschehen ist -, wie er sich da hineinfühlen kann in dieses Ereignis, aber auch meinetwillen in den Wald, in dem er dieses Ereignis erlebt hat, in die ganze Stimmung von dazumal, so fühlte sich der Yogi durch diesen veränderten Atmungsprozeß in die ganze Stimmung, in die ganze Umgebung hinein, in der er als geistig-seelisches Wesen innerhalb einer geistig-seelischen Welt gewesen war. Da fühlte er ganz anders gegenüber der Welt, als er hier als Mensch fühlte. Und aus dem, was ihn überkam, aus dem Verhältnis dieses jetzt erweckten Selbstes zu dem ganzen Universum, entstanden dann jene wunderbaren alten Dichtungen, von denen ein schönes Ergebnis zum Beispiel die Bhagavad Gita ist.
[ 14 ] Wenn Sie in der Bhagavad Gita diese wunderbaren Schilderungen von dem menschlichen Selbst lesen, wie es mitlebt mit allem, wie es untertaucht in alle Vorgänge der Natur, in alle einzelnen Geheimnisse der Welt, wie es in allem darinnen ist, so ist das eben die Wiedergabe jener durch den Yoga-Atmungsprozeß hervorgerufenen Erinnerungen an die Art, wie die Seele, als sie noch bloß Seele war, in einem geistigen Universum drinnen lebte. Und wenn Sie die Bhagavad Gita mit dem Bewußtsein lesen, daß eigentlich die in die geistige Welt zurückversetzte Seele mit dem erhöhten Selbstgefühl es war, die das alles sagt, was Krishna oder andere zu solchem Selbstgefühl gekommene alte Eingeweihte aushauchten, dann erst lesen Sie diese alten Dichtungen richtig.
[ 14 ] Wenn Sie in der Bhagavad Gita diese wunderbaren Schilderungen von dem menschlichen Selbst lesen, wie es mitlebt mit allem, wie es untertaucht in alle Vorgänge der Natur, in alle einzelnen Geheimnisse der Welt, wie es in allem darinnen ist, so ist das eben die Wiedergabe jener durch den Yoga-Atmungsprozeß hervorgerufenen Erinnerungen an die Art, wie die Seele, als sie noch bloß Seele war, in einem geistigen Universum drinnen lebte. Und wenn Sie die Bhagavad Gita mit dem Bewußtsein lesen, daß eigentlich die in die geistige Welt zurückversetzte Seele mit dem erhöhten Selbstgefühl es war, die das alles sagt, was Krishna oder andere zu solchem Selbstgefühl gekommene alte Eingeweihte aushauchten, dann erst lesen Sie diese alten Dichtungen richtig.
[ 15 ] Man kann also sagen: Jene alten Weisen hoben sich heraus aus der Gesamtmasse der damaligen Bevölkerung und sonderten ihr Selbst streng ab von der Außenwelt. Sie sonderten es ab. Aber sie sonderten es nicht etwa durch egoistische Gedanken ab, sondern durch einen verwandelten Atmungsprozeß, der gewissermaßen mit dem Seelischen untertauchte in den inneren Luftrhythmus. Das war jene Art, in der in alten Zeiten ein Weg gesucht worden ist in die geistige Welt hinein.
[ 15 ] Man kann also sagen: Jene alten Weisen hoben sich heraus aus der Gesamtmasse der damaligen Bevölkerung und sonderten ihr Selbst streng ab von der Außenwelt. Sie sonderten es ab. Aber sie sonderten es nicht etwa durch egoistische Gedanken ab, sondern durch einen verwandelten Atmungsprozeß, der gewissermaßen mit dem Seelischen untertauchte in den inneren Luftrhythmus. Das war jene Art, in der in alten Zeiten ein Weg gesucht worden ist in die geistige Welt hinein.
[ 16 ] In späteren Zeiten wurde dieser Weg verändert. Man versetzte sich also in alten Zeiten in ein solch anderes Atmen. Man fühlte, wie die Gedanken durch die Atmungsströmungen gingen, und mit diesem Untertauchen der Gedanken, die da, ich möchte sagen, wie Schlangen durch die Atmungsströmungen gingen, fühlte man sein Selbst in dem Allweben der Welt drinnen, und man sprach dann das, was aus dieser Empfindung heraus sich offenbaren konnte, in gewissen Worten und Sprüchen aus. Man merkte, man redet anders, wenn man durch die Sprache offenbart, was in dieser Weise erlebt wurde. Und allmählich kam man davon ab, das, was ich geschildert habe, so stark, so intensiv zu erleben, daß das Erleben im Atmungsprozeß selbst drinnensteckte. Man erlebte nach und nach, wie sich die Worte aushauchten, wie sich die Worte von selber zu Sprüchen skandierten, von selber in das Rezitativ hineinkamen.
[ 16 ] In späteren Zeiten wurde dieser Weg verändert. Man versetzte sich also in alten Zeiten in ein solch anderes Atmen. Man fühlte, wie die Gedanken durch die Atmungsströmungen gingen, und mit diesem Untertauchen der Gedanken, die da, ich möchte sagen, wie Schlangen durch die Atmungsströmungen gingen, fühlte man sein Selbst in dem Allweben der Welt drinnen, und man sprach dann das, was aus dieser Empfindung heraus sich offenbaren konnte, in gewissen Worten und Sprüchen aus. Man merkte, man redet anders, wenn man durch die Sprache offenbart, was in dieser Weise erlebt wurde. Und allmählich kam man davon ab, das, was ich geschildert habe, so stark, so intensiv zu erleben, daß das Erleben im Atmungsprozeß selbst drinnensteckte. Man erlebte nach und nach, wie sich die Worte aushauchten, wie sich die Worte von selber zu Sprüchen skandierten, von selber in das Rezitativ hineinkamen.
[ 17 ] Und so bildeten sich aus dem veränderten Atmungsprozeß heraus, indem man die Worte, die von diesem Atmungsprozeß getragen wurden, gewissermaßen abhob, so bildeten sich die mantrischen Sprüche heraus, die Mantrams. Und während in älteren Zeiten das Wesentliche der Atmungsprozeß und sein Erleben war, wurden es dann diese Sprüche. Das ging in die Tradition, das ging in das historische Bewußtsein der Menschen über, und daraus entstand im wesentlichen dann der spätere Rhythmus, Takt und so weiter der Dichtung.
[ 17 ] Und so bildeten sich aus dem veränderten Atmungsprozeß heraus, indem man die Worte, die von diesem Atmungsprozeß getragen wurden, gewissermaßen abhob, so bildeten sich die mantrischen Sprüche heraus, die Mantrams. Und während in älteren Zeiten das Wesentliche der Atmungsprozeß und sein Erleben war, wurden es dann diese Sprüche. Das ging in die Tradition, das ging in das historische Bewußtsein der Menschen über, und daraus entstand im wesentlichen dann der spätere Rhythmus, Takt und so weiter der Dichtung.
[ 18 ] Wenn wir aber von dem, was in den älteren griechischen Zeiten zum Beispiel schon durchaus Gesetzmäßigkeit, zu erfühlende Gesetzmäßigkeit der Sprache war, was schon zum Hexameter, zum Pentameter geworden war, wenn wir von dem zurückgehen, so finden wir ein altes Atmungserlebnis. Das aber war bestimmt, den Menschen herauszutragen aus der Welt, in der er lebt zwischen Geburt und Tod, und hineinzutragen in eine geistig-seelische Welt.
[ 18 ] Wenn wir aber von dem, was in den älteren griechischen Zeiten zum Beispiel schon durchaus Gesetzmäßigkeit, zu erfühlende Gesetzmäßigkeit der Sprache war, was schon zum Hexameter, zum Pentameter geworden war, wenn wir von dem zurückgehen, so finden wir ein altes Atmungserlebnis. Das aber war bestimmt, den Menschen herauszutragen aus der Welt, in der er lebt zwischen Geburt und Tod, und hineinzutragen in eine geistig-seelische Welt.
[ 19 ] Es kann nicht die Aufgabe des heutigen Menschen sein, auf diese Weise, wie es in älteren Zeiten der Fall war, seinen Weg hinein in die geistige Welt zu suchen. Der heutige Mensch soll nicht auf dem Umwege durch das Atmen, sondern er soll auf einem seelischeren Wege, auf einem Wege mehr des Gedankens selber sich in die geistigen Welten hinaufleben. Daher ist es heute richtig, wenn der Mensch in der Meditation, in der Konzentration seiner Gedanken und Bilder das, was sonst bloßer logischer Zusammenhang ist, in einen, ich möchte sagen, musikalischen Zusammenhang innerhalb des Gedankens selbst verwandelt. Immer ist aber das heutige Meditieren zunächst ein Erleben in Gedanken, ein Übergang des einen Gedankens in den anderen, ein Übergang der einen Vorstellung in die andere.
[ 19 ] Es kann nicht die Aufgabe des heutigen Menschen sein, auf diese Weise, wie es in älteren Zeiten der Fall war, seinen Weg hinein in die geistige Welt zu suchen. Der heutige Mensch soll nicht auf dem Umwege durch das Atmen, sondern er soll auf einem seelischeren Wege, auf einem Wege mehr des Gedankens selber sich in die geistigen Welten hinaufleben. Daher ist es heute richtig, wenn der Mensch in der Meditation, in der Konzentration seiner Gedanken und Bilder das, was sonst bloßer logischer Zusammenhang ist, in einen, ich möchte sagen, musikalischen Zusammenhang innerhalb des Gedankens selbst verwandelt. Immer ist aber das heutige Meditieren zunächst ein Erleben in Gedanken, ein Übergang des einen Gedankens in den anderen, ein Übergang der einen Vorstellung in die andere.
[ 20 ] Während der alte indische Yogi von einer Atemart zu der anderen übergegangen ist, muß der heutige Mensch versuchen, lebendig sich mit seiner ganzen Seele zum Beispiel hineinzuleben in das Rot. Er bleibt also im Gedanklichen. Er lebt sich dann in das Blau hinein. Er macht den Rhythmus durch: Rot, Blau; Blau, Rot; Rot, Blau was ein Gedankenrhythmus ist, aber nicht so, wie er im logischen Denken abläuft, sondern als ein viel lebendigeres Denken.
[ 20 ] Während der alte indische Yogi von einer Atemart zu der anderen übergegangen ist, muß der heutige Mensch versuchen, lebendig sich mit seiner ganzen Seele zum Beispiel hineinzuleben in das Rot. Er bleibt also im Gedanklichen. Er lebt sich dann in das Blau hinein. Er macht den Rhythmus durch: Rot, Blau; Blau, Rot; Rot, Blau was ein Gedankenrhythmus ist, aber nicht so, wie er im logischen Denken abläuft, sondern als ein viel lebendigeres Denken.
[ 21 ] Wenn der Mensch genügend lange solche Übungen macht - genügend lange mußte auch der alte Yogi seine Übungen machen -, wenn er gewissermaßen den Schwung, den Rhythmus, die innere Qualitätsänderung: Rot, Blau; Blau, Rot; Hell, Dunkel; Dunkel, Hell erlebt kurz, wenn er solche Anweisungen befolgt, wie Sie ja einzelne in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» finden; wenn der Mensch also stehenbleibend im Denken nun nicht gewissermaßen den Atem hineintreibt in den Nerven-Sinnesprozeß, sondern wenn er gleich beim Nerven-Sinnesprozeß beginnt und den Nerven-Sinnesprozeß selber in einen inneren Schwung und Rhythmus und in eine Qualitätsänderung hineinbringt, dann erlangt er gerade das Gegenteil von dem, was der alte Yogi erlangt hat. Der alte Yogi schaltete gewissermaßen den Denkprozeß mit dem Atmungsprozeß zusammen; er machte eines aus dem Denkprozeß und dem Atmungsprozeß. Wir versuchen heute den letzten Zusammenhang zwischen dem Atmungsprozeß und dem Denkprozeß, der ja ohnehin sehr unbewußt ist, noch zu lösen. Wenn Sie im gewöhnlichen Bewußtsein sind, wenn Sie im gewöhnlichen Bewußtsein nachdenken über Ihre natürliche Umgebung, so haben Sie niemals in Ihren Vorstellungen etwa einen bloßen Nerven-Sinnesprozeß, sondern da geht immer noch der Atem hinein. Sie denken, indem fortwährend Ihr Atem Ihren Nerven-Sinnesprozeß durchwellt und durchströmt.
[ 21 ] Wenn der Mensch genügend lange solche Übungen macht - genügend lange mußte auch der alte Yogi seine Übungen machen -, wenn er gewissermaßen den Schwung, den Rhythmus, die innere Qualitätsänderung: Rot, Blau; Blau, Rot; Hell, Dunkel; Dunkel, Hell erlebt kurz, wenn er solche Anweisungen befolgt, wie Sie ja einzelne in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» finden; wenn der Mensch also stehenbleibend im Denken nun nicht gewissermaßen den Atem hineintreibt in den Nerven-Sinnesprozeß, sondern wenn er gleich beim Nerven-Sinnesprozeß beginnt und den Nerven-Sinnesprozeß selber in einen inneren Schwung und Rhythmus und in eine Qualitätsänderung hineinbringt, dann erlangt er gerade das Gegenteil von dem, was der alte Yogi erlangt hat. Der alte Yogi schaltete gewissermaßen den Denkprozeß mit dem Atmungsprozeß zusammen; er machte eines aus dem Denkprozeß und dem Atmungsprozeß. Wir versuchen heute den letzten Zusammenhang zwischen dem Atmungsprozeß und dem Denkprozeß, der ja ohnehin sehr unbewußt ist, noch zu lösen. Wenn Sie im gewöhnlichen Bewußtsein sind, wenn Sie im gewöhnlichen Bewußtsein nachdenken über Ihre natürliche Umgebung, so haben Sie niemals in Ihren Vorstellungen etwa einen bloßen Nerven-Sinnesprozeß, sondern da geht immer noch der Atem hinein. Sie denken, indem fortwährend Ihr Atem Ihren Nerven-Sinnesprozeß durchwellt und durchströmt.
[ 22 ] Alle Übungen des Meditierens der neueren Zeit gehen darauf aus, das Denken ganz loszulösen von dem Atmungsprozeß. Dadurch reißt man es aber nicht etwa aus dem Rhythmus heraus, sondern man reißt es nur aus einem Rhythmus heraus, der der innere Rhythmus ist. Aber man verbindet dann allmählich das Denken mit einem äußeren Rhythmus. Indem man das Denken loslöst vom Atmungsrhythmus — darauf gehen unsere heutigen Meditationen aus -, läßt man das Denken gewissermaßen hineinströmen in den Rhythmus der äußeren Welt. Der Yogi ging zu seinem eigenen Rhythmus zurück. Der heutige Mensch geht zu dem Rhythmus der äußeren Welt zurück. Lesen Sie gleich die ersten Übungen, welche ich angegeben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», wo ich zeige, wie man, sagen wir, das Keimen und das Wachsen einer Pflanze verfolgen soll. Die Meditation geht darauf hin, die Vorstellung, das Denken von dem Atmen loszulösen und es untertauchen zu lassen in die Wachstumskräfte der Pflanze selber.
[ 22 ] Alle Übungen des Meditierens der neueren Zeit gehen darauf aus, das Denken ganz loszulösen von dem Atmungsprozeß. Dadurch reißt man es aber nicht etwa aus dem Rhythmus heraus, sondern man reißt es nur aus einem Rhythmus heraus, der der innere Rhythmus ist. Aber man verbindet dann allmählich das Denken mit einem äußeren Rhythmus. Indem man das Denken loslöst vom Atmungsrhythmus — darauf gehen unsere heutigen Meditationen aus -, läßt man das Denken gewissermaßen hineinströmen in den Rhythmus der äußeren Welt. Der Yogi ging zu seinem eigenen Rhythmus zurück. Der heutige Mensch geht zu dem Rhythmus der äußeren Welt zurück. Lesen Sie gleich die ersten Übungen, welche ich angegeben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», wo ich zeige, wie man, sagen wir, das Keimen und das Wachsen einer Pflanze verfolgen soll. Die Meditation geht darauf hin, die Vorstellung, das Denken von dem Atmen loszulösen und es untertauchen zu lassen in die Wachstumskräfte der Pflanze selber.
[ 23 ] Das Denken soll in den Rhythmus hinausgehen, der die äußere Welt durchzieht. In dem Momente aber, wo das Denken wirklich in dieser Weise sich befreit von den leiblichen Funktionen, wo es sich losreißt vom Atem, wo es sich allmählich zusammenbindet mit dem äußeren Rhythmus, da taucht es unter, jetzt nicht in die sinnlichen Wahrnehmungen, in die sinnlichen Eigenschaften der Dinge, sondern da taucht es unter in das Geistige der einzelnen Dinge.
[ 23 ] Das Denken soll in den Rhythmus hinausgehen, der die äußere Welt durchzieht. In dem Momente aber, wo das Denken wirklich in dieser Weise sich befreit von den leiblichen Funktionen, wo es sich losreißt vom Atem, wo es sich allmählich zusammenbindet mit dem äußeren Rhythmus, da taucht es unter, jetzt nicht in die sinnlichen Wahrnehmungen, in die sinnlichen Eigenschaften der Dinge, sondern da taucht es unter in das Geistige der einzelnen Dinge.
[ 24 ] Wenn Sie eine Pflanze anschauen - sie ist grün, sie ist in der Blüte rot. Das sagt Ihnen Ihr Auge. Darüber denkt dann Ihr Verstand nach. Von dem lebt unser gewöhnliches Bewußtsein. Ein anderes Bewußtsein entwickeln wir, wenn wir das Denken losreißen vom Atem, wenn wir es verbinden mit dem, was da draußen ist. Dieses Denken, das lernt mitvibrieren mit der Pflanze, wie sie heranwächst, wie sie sich in der Blüte entfaltet, wie sie, bei einer Rose zum Beispiel, aus dem Grün in das Rote hinübergeht. Das vibriert hinaus in das Geistige, das allen einzelnen Dingen der Außenwelt zugrunde liegt.
[ 24 ] Wenn Sie eine Pflanze anschauen - sie ist grün, sie ist in der Blüte rot. Das sagt Ihnen Ihr Auge. Darüber denkt dann Ihr Verstand nach. Von dem lebt unser gewöhnliches Bewußtsein. Ein anderes Bewußtsein entwickeln wir, wenn wir das Denken losreißen vom Atem, wenn wir es verbinden mit dem, was da draußen ist. Dieses Denken, das lernt mitvibrieren mit der Pflanze, wie sie heranwächst, wie sie sich in der Blüte entfaltet, wie sie, bei einer Rose zum Beispiel, aus dem Grün in das Rote hinübergeht. Das vibriert hinaus in das Geistige, das allen einzelnen Dingen der Außenwelt zugrunde liegt.
[ 25 ] Sehen Sie, das ist der Unterschied des modernen Meditierens von den Yogaübungen einer sehr alten Zeit. Dazwischen gibt es natürlich vieles, aber ich erwähne diese beiden Extreme. Und dadurch, daß der Mensch sich in diesen äußeren Rhythmus allmählich hineinlebt, geschieht nun folgendes.
[ 25 ] Sehen Sie, das ist der Unterschied des modernen Meditierens von den Yogaübungen einer sehr alten Zeit. Dazwischen gibt es natürlich vieles, aber ich erwähne diese beiden Extreme. Und dadurch, daß der Mensch sich in diesen äußeren Rhythmus allmählich hineinlebt, geschieht nun folgendes.
[ 26 ] Der Yogi tauchte unter in seinen eigenen Atmungsprozeß. Er senkte sich selber in sich hinein. Dadurch bekam er das Selbst wie eine Erinnerung. Er erinnerte sich gewissermaßen an das, was er früher war, bevor er auf die Erde heruntergestiegen war. Wir gehen mit unserer Seele aus unserem Leibe heraus. Wir verbinden uns mit dem, was da draußen im Rhythmus, also geistig lebt. Dadurch schauen wir jetzt dasjenige an, was wir waren, bevor wir auf die Erde heruntergestiegen sind.
[ 26 ] Der Yogi tauchte unter in seinen eigenen Atmungsprozeß. Er senkte sich selber in sich hinein. Dadurch bekam er das Selbst wie eine Erinnerung. Er erinnerte sich gewissermaßen an das, was er früher war, bevor er auf die Erde heruntergestiegen war. Wir gehen mit unserer Seele aus unserem Leibe heraus. Wir verbinden uns mit dem, was da draußen im Rhythmus, also geistig lebt. Dadurch schauen wir jetzt dasjenige an, was wir waren, bevor wir auf die Erde heruntergestiegen sind.
[ 27 ] Sehen Sie, das ist der Unterschied. Ich will es schematisch aufzeichnen: wenn das der Yogi war (Zeichnung 1, S. 138, hell), so entwickelte er sein starkes Ich-Gefühl (rot). Mit diesem Ich-Gefühl erinnerte er sich an dasjenige, was er war, bevor er auf die Erde heruntergestiegen ist, wo er in einer geistig-seelischen Umgebung war (blau). Es ging der Strom der Erinnerung zurück.
[ 27 ] Sehen Sie, das ist der Unterschied. Ich will es schematisch aufzeichnen: wenn das der Yogi war (Zeichnung 1, S. 138, hell), so entwickelte er sein starkes Ich-Gefühl (rot). Mit diesem Ich-Gefühl erinnerte er sich an dasjenige, was er war, bevor er auf die Erde heruntergestiegen ist, wo er in einer geistig-seelischen Umgebung war (blau). Es ging der Strom der Erinnerung zurück.
[ 28 ] Wenn das hier der moderne übersinnliche Erkenner ist (Zeichnung 2, S. 138, hell), so entwickelt er einen solchen Vorgang, daß er aus seinem Leibe herausgeht (blau), dadurch in dem Rhythmus der äußeren Welt lebt, und jetzt als einen äußeren Gegenstand dasjenige anschaut (rot), was er vorher war, bevor er auf die Erde heruntergestiegen ist.
[ 28 ] Wenn das hier der moderne übersinnliche Erkenner ist (Zeichnung 2, S. 138, hell), so entwickelt er einen solchen Vorgang, daß er aus seinem Leibe herausgeht (blau), dadurch in dem Rhythmus der äußeren Welt lebt, und jetzt als einen äußeren Gegenstand dasjenige anschaut (rot), was er vorher war, bevor er auf die Erde heruntergestiegen ist.


[ 29 ] So ist die Erkenntnis des vorgeburtlichen Zustandes für die alten Zeiten etwas wie ein Erinnern gewesen. So ist das Erkennen des vorgeburtlichen Zustandes, wenn es richtig entwickelt wird, in der Gegenwart ein Anschauen dessen, wie man war (rot). Das ist der Unterschied.
[ 29 ] So ist die Erkenntnis des vorgeburtlichen Zustandes für die alten Zeiten etwas wie ein Erinnern gewesen. So ist das Erkennen des vorgeburtlichen Zustandes, wenn es richtig entwickelt wird, in der Gegenwart ein Anschauen dessen, wie man war (rot). Das ist der Unterschied.
[ 30 ] Nun ist das die eine Art gewesen, wodurch der Yogi sich in die geistigen Welten hinauflebte. Eine andere Art war diese, daß er seinem Leib bestimmte Stellungen gab. Er machte zum Beispiel die Übung: Mit seinen Armen ausgestreckt längere Zeit zu verharren, oder er nahm eine ganz bestimmte Stellung an, indem er ein Bein über das andere kreuzte und sich auf seine eigenen Beine setzte und so weiter. Was erlangte er dadurch?
[ 30 ] Nun ist das die eine Art gewesen, wodurch der Yogi sich in die geistigen Welten hinauflebte. Eine andere Art war diese, daß er seinem Leib bestimmte Stellungen gab. Er machte zum Beispiel die Übung: Mit seinen Armen ausgestreckt längere Zeit zu verharren, oder er nahm eine ganz bestimmte Stellung an, indem er ein Bein über das andere kreuzte und sich auf seine eigenen Beine setzte und so weiter. Was erlangte er dadurch?
[ 31 ] Dadurch, sehen Sie, kam er in die Möglichkeit hinein, wahrzunehmen, was diejenigen Sinne wahrnehmen, die man heute kaum berücksichtigt. Wir wissen ja, der Mensch hat nicht nur fünf, sondern zwölf Sinne. Er hat, wenn wir von den gewöhnlichen Sinnen absehen, zum Beispiel den Gleichgewichtssinn - ich habe über das öfter gesprochen -, durch den er wahrnimmt, wie er sich im Gleichgewicht erhält, daß er nicht nach links, rechts, rückwärts, vorne fällt. Geradeso wie man Farben wahrnimmt, so muß man auch sein Gleichgewicht wahrnehmen, sonst würde man nach allen Seiten gleiten und umfallen. Der Betrunkene oder der Ohnmächtige nimmt das eben nicht wahr, daher taumelt er auch. Nun, um sich diesen Gleichgewichtssinn zum Bewußtsein zu bringen, nahm der Yogi gewisse Attitüden des Organismus ein. Dadurch entwickelte er ein feines, starkes Gefühl für die Richtungen. Wir reden von Oben und Unten, Rechts und Links, Vorne und Hinten, als ob das alles ganz einerlei wäre. Das wurde für den Yogi allmählich etwas, was er sehr stark und fein empfand dadurch, daß er seinem Körper längere Zeit gewisse Stellungen gab. Er entwickelte dadurch gerade ein feines Gefühl für diese anderen Sinne, die ich außer den fünf Sinnen angeführt habe. Aber wenn diese anderen Sinne erlebt werden, haben sie einen viel geistigeren Charakter als die gewöhnlichen Sinne. Und der Yogi lebte sich dadurch wiederum hinein in ein Wahrnehmen für die Richtungen des Raumes.
[ 31 ] Dadurch, sehen Sie, kam er in die Möglichkeit hinein, wahrzunehmen, was diejenigen Sinne wahrnehmen, die man heute kaum berücksichtigt. Wir wissen ja, der Mensch hat nicht nur fünf, sondern zwölf Sinne. Er hat, wenn wir von den gewöhnlichen Sinnen absehen, zum Beispiel den Gleichgewichtssinn - ich habe über das öfter gesprochen -, durch den er wahrnimmt, wie er sich im Gleichgewicht erhält, daß er nicht nach links, rechts, rückwärts, vorne fällt. Geradeso wie man Farben wahrnimmt, so muß man auch sein Gleichgewicht wahrnehmen, sonst würde man nach allen Seiten gleiten und umfallen. Der Betrunkene oder der Ohnmächtige nimmt das eben nicht wahr, daher taumelt er auch. Nun, um sich diesen Gleichgewichtssinn zum Bewußtsein zu bringen, nahm der Yogi gewisse Attitüden des Organismus ein. Dadurch entwickelte er ein feines, starkes Gefühl für die Richtungen. Wir reden von Oben und Unten, Rechts und Links, Vorne und Hinten, als ob das alles ganz einerlei wäre. Das wurde für den Yogi allmählich etwas, was er sehr stark und fein empfand dadurch, daß er seinem Körper längere Zeit gewisse Stellungen gab. Er entwickelte dadurch gerade ein feines Gefühl für diese anderen Sinne, die ich außer den fünf Sinnen angeführt habe. Aber wenn diese anderen Sinne erlebt werden, haben sie einen viel geistigeren Charakter als die gewöhnlichen Sinne. Und der Yogi lebte sich dadurch wiederum hinein in ein Wahrnehmen für die Richtungen des Raumes.
[ 32 ] Das müssen wir uns wieder erringen, aber auf eine andere Weise. Wir können, aus Gründen, die ich bei einer anderen Gelegenheit weiter ausführen werde, nicht in solcher Weise üben, wie es in der alten Yoga geschah. Aber indem wir solche Übungen des Denkens vornehmen, wie ich sie eben beschrieben habe, die sich loslösen können vom Atmen, die sich einleben in den äußeren Rhythmus, da erleben wir auf diese Weise den Unterschied in den Richtungen. Wir erleben, was es heißt, daß das Tier lebenslänglich sein Rückgrat horizontal hat und daß der Mensch sein Rückgrat vertikal hat. Für die gewöhnliche unorganische Natur wissen die Menschen, daß die Magnetnadel nur nach der Richtung Nord-Süd weist, daß diese Nord-Süd-Richtung im Irdischen etwas Besonderes bedeutet für die Entwickelung der magnetischen Kraft, weil die Magnetnadel, die sich sonst neutral verhält, sich in diese Lage hineinfindet; daß das also eine besondere Richtung ist. Indem wir uns in den äußeren Rhythmus mit unseren Gedanken hineinfinden, lernen wir erkennen, wie anders es ist, die Horizontallinie mit dem Rückgrat einzuhalten als die Vertikallinie. Wir lernen das alles im Gedanken selber, indem wir im Gedanken bleiben. Der indische Yogi lernte das auch, indem er seine Beine kreuzte, sich auf die eigenen Beine setzte und dabei die Arme hoch hielt. Er lernte also aus dem Körperlichen heraus das unsichtbare Bedeutungsvolle von Raumrichtungen. Der Raum ist nicht ein beliebiges Nebeneinander, sondern nach allen Seiten hin so organisiert, daß die Richtungen verschiedenen Wert haben. Solche Übungen also, die den Menschen hineinführen in die höhere Welt, wie ich sie jetzt geschildert habe, sind mehr Übungen, die nach der Gedankenseite hingehen.
[ 32 ] Das müssen wir uns wieder erringen, aber auf eine andere Weise. Wir können, aus Gründen, die ich bei einer anderen Gelegenheit weiter ausführen werde, nicht in solcher Weise üben, wie es in der alten Yoga geschah. Aber indem wir solche Übungen des Denkens vornehmen, wie ich sie eben beschrieben habe, die sich loslösen können vom Atmen, die sich einleben in den äußeren Rhythmus, da erleben wir auf diese Weise den Unterschied in den Richtungen. Wir erleben, was es heißt, daß das Tier lebenslänglich sein Rückgrat horizontal hat und daß der Mensch sein Rückgrat vertikal hat. Für die gewöhnliche unorganische Natur wissen die Menschen, daß die Magnetnadel nur nach der Richtung Nord-Süd weist, daß diese Nord-Süd-Richtung im Irdischen etwas Besonderes bedeutet für die Entwickelung der magnetischen Kraft, weil die Magnetnadel, die sich sonst neutral verhält, sich in diese Lage hineinfindet; daß das also eine besondere Richtung ist. Indem wir uns in den äußeren Rhythmus mit unseren Gedanken hineinfinden, lernen wir erkennen, wie anders es ist, die Horizontallinie mit dem Rückgrat einzuhalten als die Vertikallinie. Wir lernen das alles im Gedanken selber, indem wir im Gedanken bleiben. Der indische Yogi lernte das auch, indem er seine Beine kreuzte, sich auf die eigenen Beine setzte und dabei die Arme hoch hielt. Er lernte also aus dem Körperlichen heraus das unsichtbare Bedeutungsvolle von Raumrichtungen. Der Raum ist nicht ein beliebiges Nebeneinander, sondern nach allen Seiten hin so organisiert, daß die Richtungen verschiedenen Wert haben. Solche Übungen also, die den Menschen hineinführen in die höhere Welt, wie ich sie jetzt geschildert habe, sind mehr Übungen, die nach der Gedankenseite hingehen.
[ 33 ] Es gibt aber auch Übungen, die nach der anderen Seite hingehen, und da finden wir unter den mannigfaltigen Übungen, die auf diesem Felde vorhanden sind, die des asketischen Lebens, wo die Funktionen des physischen Leibes heruntergestimmt wurden, wo dem physischen Leibe geradezu allerlei Entbehrungen, Leidensvolles zugefügt wurde. Dadurch wurde der physische Leib gewissermaßen aus seinen normalen Funktionen herausgebracht. Was ältere Asketen nach dieser Richtung geleistet haben, davon macht sich der moderne Mensch keine Vorstellungen, denn der moderne Mensch, der will so gründlich als möglich in seinen Organismus hinein. Jedes Mal, wenn der alte Asket diese oder jene körperlichen Funktionen schmerzvoll unterdrückte, zog sich sein Geistig-Seelisches aus dem Organismus heraus.
[ 33 ] Es gibt aber auch Übungen, die nach der anderen Seite hingehen, und da finden wir unter den mannigfaltigen Übungen, die auf diesem Felde vorhanden sind, die des asketischen Lebens, wo die Funktionen des physischen Leibes heruntergestimmt wurden, wo dem physischen Leibe geradezu allerlei Entbehrungen, Leidensvolles zugefügt wurde. Dadurch wurde der physische Leib gewissermaßen aus seinen normalen Funktionen herausgebracht. Was ältere Asketen nach dieser Richtung geleistet haben, davon macht sich der moderne Mensch keine Vorstellungen, denn der moderne Mensch, der will so gründlich als möglich in seinen Organismus hinein. Jedes Mal, wenn der alte Asket diese oder jene körperlichen Funktionen schmerzvoll unterdrückte, zog sich sein Geistig-Seelisches aus dem Organismus heraus.
[ 34 ] Nicht wahr, wenn Sie leben, so wie eben im normalen Leben gelebt wird, dann ist das Geistig-Seelische mit dem physischen Organismus so verbunden, wie das eben zwischen Geburt und Tod nach der menschlichen Organisation sein soll. Wenn Sie die körperlichen Funktionen in asketischer Weise herabdrücken, dann geschieht etwas Ähnliches, wie es heute in minderem Grade bei den Menschen geschieht, die sich irgendwo etwas verletzen.
[ 34 ] Nicht wahr, wenn Sie leben, so wie eben im normalen Leben gelebt wird, dann ist das Geistig-Seelische mit dem physischen Organismus so verbunden, wie das eben zwischen Geburt und Tod nach der menschlichen Organisation sein soll. Wenn Sie die körperlichen Funktionen in asketischer Weise herabdrücken, dann geschieht etwas Ähnliches, wie es heute in minderem Grade bei den Menschen geschieht, die sich irgendwo etwas verletzen.
[ 35 ] Nun, wenn man weiß, wie der heutige Mensch ist, wenn ihm nur ein klein wenig etwas weh tut, dann ist es klar, daß es von da ein weiter Abstand ist zu dem, was zuweilen alte Asketen ertrugen, um nur ihren seelischen Organismus freizubekommen. Dann erlebten sie aber mit dem seelischen Organismus, der durch die Askese aus dem Körper herausgetrieben wurde, in der geistigen Welt. Im wesentlichen sind eigentlich auf diesem Wege alle älteren großen Religionsvorstellungen gewonnen.
[ 35 ] Nun, wenn man weiß, wie der heutige Mensch ist, wenn ihm nur ein klein wenig etwas weh tut, dann ist es klar, daß es von da ein weiter Abstand ist zu dem, was zuweilen alte Asketen ertrugen, um nur ihren seelischen Organismus freizubekommen. Dann erlebten sie aber mit dem seelischen Organismus, der durch die Askese aus dem Körper herausgetrieben wurde, in der geistigen Welt. Im wesentlichen sind eigentlich auf diesem Wege alle älteren großen Religionsvorstellungen gewonnen.
[ 36 ] Die modernen Erklärer des religiösen Bewußtseins machen sich die Sache etwas leicht. Sie erklären die religiösen Vorstellungen für eine Dichtung, weil sie vor allen Dingen an dem Satze festhalten: Dasjenige, was der Mensch über die Welt an solchen Erkenntnissen gewinnen soll, das darf nicht weh tun. — Auf diesem Standpunkt standen eben die alten Religionssucher nicht, sondern sie waren sich klar: Wenn der Mensch in seinem physischen Organismus voll drinnensteckt — was für seine irdische Arbeit selbstverständlich das Richtige ist; es soll nicht ein falsches, weltfremdes Wesen etwa als das Richtige geschildert werden -, kann er nichts erleben in der geistigen Welt. Dieses Erleben in der geistigen Welt, das suchten eben die alten Asketen dadurch, daß sie den Körper abstumpften, ihm sogar Schmerz zufügten. Denn jedesmal, wenn sie aus einem Glied durch Schmerz das Geistig-Seelische heraustrieben, erlebte dieses Stück Geistig-Seelisches in der geistigen Welt. Und die großen Religionen sind eben nicht schmerzlos errungen, sondern sie sind durch gründliches Erleiden errungen.
[ 36 ] Die modernen Erklärer des religiösen Bewußtseins machen sich die Sache etwas leicht. Sie erklären die religiösen Vorstellungen für eine Dichtung, weil sie vor allen Dingen an dem Satze festhalten: Dasjenige, was der Mensch über die Welt an solchen Erkenntnissen gewinnen soll, das darf nicht weh tun. — Auf diesem Standpunkt standen eben die alten Religionssucher nicht, sondern sie waren sich klar: Wenn der Mensch in seinem physischen Organismus voll drinnensteckt — was für seine irdische Arbeit selbstverständlich das Richtige ist; es soll nicht ein falsches, weltfremdes Wesen etwa als das Richtige geschildert werden -, kann er nichts erleben in der geistigen Welt. Dieses Erleben in der geistigen Welt, das suchten eben die alten Asketen dadurch, daß sie den Körper abstumpften, ihm sogar Schmerz zufügten. Denn jedesmal, wenn sie aus einem Glied durch Schmerz das Geistig-Seelische heraustrieben, erlebte dieses Stück Geistig-Seelisches in der geistigen Welt. Und die großen Religionen sind eben nicht schmerzlos errungen, sondern sie sind durch gründliches Erleiden errungen.
[ 37 ] Dasjenige, was sich da als Ergebnisse der menschlichen Entwickelung mitgeteilt hat, das wird heute durch den Glauben aufgenommen. Heute trennt man hübsch voneinander ab: Wissen auf der einen Seite, das Wissen soll Naturwissen der äußeren Welt sein. - Nun, das erwirbt man durch den Kopf. Der Kopf ist dickschädelig, dem tut das nicht weh, insbesondere weil auch die Erkenntnisse durch außerordentlich dünnmaschige Begriffe gewonnen werden. Und auf der anderen Seite: Was sich erhalten hat als ehrwürdige Traditionsvorstellungen, das nimmt man, wie man sagt, durch den Glauben auf. Aber eigentlich müßte man von einem gewissen Gesichtspunkt aus sagen: Der Unterschied zwischen dem Wissen und dem Glauben ist der, daß man heute den Willen hat, als Wissen nur dasjenige gelten zu lassen, was nicht weh tut, wenn man es erringt, und daß man durch den Glauben, der auch nicht weht tut, dasjenige zu erringen sucht, was einmal als ein Wissen, das allerdings nicht der sinnlichen Welt angehört, auf sehr schmerzvolle, leidvolle Art errungen worden ist.
[ 37 ] Dasjenige, was sich da als Ergebnisse der menschlichen Entwickelung mitgeteilt hat, das wird heute durch den Glauben aufgenommen. Heute trennt man hübsch voneinander ab: Wissen auf der einen Seite, das Wissen soll Naturwissen der äußeren Welt sein. - Nun, das erwirbt man durch den Kopf. Der Kopf ist dickschädelig, dem tut das nicht weh, insbesondere weil auch die Erkenntnisse durch außerordentlich dünnmaschige Begriffe gewonnen werden. Und auf der anderen Seite: Was sich erhalten hat als ehrwürdige Traditionsvorstellungen, das nimmt man, wie man sagt, durch den Glauben auf. Aber eigentlich müßte man von einem gewissen Gesichtspunkt aus sagen: Der Unterschied zwischen dem Wissen und dem Glauben ist der, daß man heute den Willen hat, als Wissen nur dasjenige gelten zu lassen, was nicht weh tut, wenn man es erringt, und daß man durch den Glauben, der auch nicht weht tut, dasjenige zu erringen sucht, was einmal als ein Wissen, das allerdings nicht der sinnlichen Welt angehört, auf sehr schmerzvolle, leidvolle Art errungen worden ist.
[ 38 ] Nun, auch der asketische Weg kann nicht der Weg des Menschen der Gegenwart sein, trotz alledem, was ich eben gesagt habe. Warum, das werden wir bei einer anderen Gelegenheit betrachten. Aber es ist heute durchaus möglich, durch eine innere Selbstzucht, durch eine Willenszucht, dadurch, daß man seine Entwickelung, die sonst nur das Leben und die Erziehung bringt, selbst in die Hand nimmt, in der eigenen Persönlichkeit in die Willenswachstumskräfte einzugreifen. Wenn man sich zum Beispiel sagt: Du mußt in fünf Jahren dir etwas angewöhnt haben, und du willst diese fünf Jahre alle Gewalt deines Willens darauf lenken, dir dieses anzugewöhnen - wenn man dann so die Entfaltung des Willens nach der inneren Vervollkommnung treibt, dann löst man das Geistig-Seelische auch ohne Askese aus dem Leiblichen heraus, dann fühlt man zunächst das, was man in dieser Selbstvervollkommnung unternehmen muß, als etwas, was unter fortwährender Eigentätigkeit vollzogen werden soll.
[ 38 ] Nun, auch der asketische Weg kann nicht der Weg des Menschen der Gegenwart sein, trotz alledem, was ich eben gesagt habe. Warum, das werden wir bei einer anderen Gelegenheit betrachten. Aber es ist heute durchaus möglich, durch eine innere Selbstzucht, durch eine Willenszucht, dadurch, daß man seine Entwickelung, die sonst nur das Leben und die Erziehung bringt, selbst in die Hand nimmt, in der eigenen Persönlichkeit in die Willenswachstumskräfte einzugreifen. Wenn man sich zum Beispiel sagt: Du mußt in fünf Jahren dir etwas angewöhnt haben, und du willst diese fünf Jahre alle Gewalt deines Willens darauf lenken, dir dieses anzugewöhnen - wenn man dann so die Entfaltung des Willens nach der inneren Vervollkommnung treibt, dann löst man das Geistig-Seelische auch ohne Askese aus dem Leiblichen heraus, dann fühlt man zunächst das, was man in dieser Selbstvervollkommnung unternehmen muß, als etwas, was unter fortwährender Eigentätigkeit vollzogen werden soll.
[ 39 ] Jeden Tag muß man irgend etwas innerlich verrichten. Es sind manchmal kleine Verrichtungen, aber sie müssen mit eisernem Fleiß und mit einer unwiderstehlichen Geduld ausgeübt werden. Man kann es ja öfter erleben, daß, wenn man den Leuten solche Übungen empfiehlt wie: Du sollst zum Beispiel an jedem Morgen einen ganz bestimmten Gedanken haben -, sie voller Feuereifer sind, das zu tun. Aber es dauert nicht lange, da erlahmt wiederum alles, und da soll die Sache von selber gehen. Da merken Sie, das wird mechanisch, weil sie die stärkere Kraft, die immer mehr und mehr nötig wird, nun nicht anwenden wollen. Erstens hat man also diesen Widerstand der eigenen Trägheit zu überwinden; dann aber kommt der andere Widerstand, der von dem Objektiven herrührt. Es ist, wie wenn man sich durch etwas Dichtes hindurcharbeiten müßte, und dann kommt wirklich jenes innere Erlebnis, daß das Denken, das sich allmählich entwickelt hat, das lebendig geworden ist, das jetzt Raumrichtungen, überhaupt Lebendiges wahrnimmt, das in den Rhythmus der äußeren Welt sich hineinfindet, daß das einem weh tut, daß jede Erkenntnis, die errungen wird, schmerzt.
[ 39 ] Jeden Tag muß man irgend etwas innerlich verrichten. Es sind manchmal kleine Verrichtungen, aber sie müssen mit eisernem Fleiß und mit einer unwiderstehlichen Geduld ausgeübt werden. Man kann es ja öfter erleben, daß, wenn man den Leuten solche Übungen empfiehlt wie: Du sollst zum Beispiel an jedem Morgen einen ganz bestimmten Gedanken haben -, sie voller Feuereifer sind, das zu tun. Aber es dauert nicht lange, da erlahmt wiederum alles, und da soll die Sache von selber gehen. Da merken Sie, das wird mechanisch, weil sie die stärkere Kraft, die immer mehr und mehr nötig wird, nun nicht anwenden wollen. Erstens hat man also diesen Widerstand der eigenen Trägheit zu überwinden; dann aber kommt der andere Widerstand, der von dem Objektiven herrührt. Es ist, wie wenn man sich durch etwas Dichtes hindurcharbeiten müßte, und dann kommt wirklich jenes innere Erlebnis, daß das Denken, das sich allmählich entwickelt hat, das lebendig geworden ist, das jetzt Raumrichtungen, überhaupt Lebendiges wahrnimmt, das in den Rhythmus der äußeren Welt sich hineinfindet, daß das einem weh tut, daß jede Erkenntnis, die errungen wird, schmerzt.
[ 40 ] Ich kann mir ganz gut moderne Menschen vorstellen, die den Weg in die höheren Welten hinein gehen wollen. Sie fangen an. Die allererste leise Erkenntnis kommt. Das tut weh. Also bin ich krank, sagen sie. Es ist selbstverständlich, wenn einem etwas weh tut, so ist man krank. Aber wenn man höhere Erkenntnisse erringt, dann kann es einem manchmal sehr vielweh tun, und man ist doch nicht krank. Es ist allerdings bequemer, anstatt fortzuschreiten auf dem Wege, den die höhere Erkenntnis notwendig macht - denn die seelischen Leiden werden immer größer -, es ist leichter, statt zu streben, diese seelischen Leiden zu überwinden, sich kurieren zu lassen. Man läßt sich etwas verschreiben, statt daß man aufdem Wege weitergeht. Selbstverständlich ist dies bequemer. Aber man kommt in der Erkenntnis nicht weiter dadurch. Für den modernen Menschen ist es so, daß auch dieses Hineintauchen in den Schmerz, in das Leiden ein innerer seelischer Weg wird, so daß es sich rein seelisch abspielt, daß der Körper daran zunächst nicht eigentlich teilnimmt, insofern als der Körper robust und stark und der Außenwelt gewachsen bleibt, wie er es sonst bei den Menschen heute ist. Dadurch aber, daß der Mensch beginnt, seine Erkenntnisse wie etwas an sich herankommen zu lassen, das Leid bedeutet, dadurch kommt er heute wiederum in diejenigen Regionen des geistigen Lebens hinein, aus denen einstmals die großen Religionswahrheiten geholt worden sind. Die großen Religionswahrheiten, das heißt diejenigen Wahrheiten, die religiös stimmen durch den Eindruck, den die höhere Welt, die übersinnliche Welt, die Welt, in der unsere Unsterblichkeit zum Beispiel wurzelt, macht, diese Wahrheiten können nicht ohne schmerzliche innere Erlebnisse errungen werden.
[ 40 ] Ich kann mir ganz gut moderne Menschen vorstellen, die den Weg in die höheren Welten hinein gehen wollen. Sie fangen an. Die allererste leise Erkenntnis kommt. Das tut weh. Also bin ich krank, sagen sie. Es ist selbstverständlich, wenn einem etwas weh tut, so ist man krank. Aber wenn man höhere Erkenntnisse erringt, dann kann es einem manchmal sehr vielweh tun, und man ist doch nicht krank. Es ist allerdings bequemer, anstatt fortzuschreiten auf dem Wege, den die höhere Erkenntnis notwendig macht - denn die seelischen Leiden werden immer größer -, es ist leichter, statt zu streben, diese seelischen Leiden zu überwinden, sich kurieren zu lassen. Man läßt sich etwas verschreiben, statt daß man aufdem Wege weitergeht. Selbstverständlich ist dies bequemer. Aber man kommt in der Erkenntnis nicht weiter dadurch. Für den modernen Menschen ist es so, daß auch dieses Hineintauchen in den Schmerz, in das Leiden ein innerer seelischer Weg wird, so daß es sich rein seelisch abspielt, daß der Körper daran zunächst nicht eigentlich teilnimmt, insofern als der Körper robust und stark und der Außenwelt gewachsen bleibt, wie er es sonst bei den Menschen heute ist. Dadurch aber, daß der Mensch beginnt, seine Erkenntnisse wie etwas an sich herankommen zu lassen, das Leid bedeutet, dadurch kommt er heute wiederum in diejenigen Regionen des geistigen Lebens hinein, aus denen einstmals die großen Religionswahrheiten geholt worden sind. Die großen Religionswahrheiten, das heißt diejenigen Wahrheiten, die religiös stimmen durch den Eindruck, den die höhere Welt, die übersinnliche Welt, die Welt, in der unsere Unsterblichkeit zum Beispiel wurzelt, macht, diese Wahrheiten können nicht ohne schmerzliche innere Erlebnisse errungen werden.
[ 41 ] Wenn sie so errungen werden, können sie dann wiederum dem allgemeinen Menschenbewußtsein übergeben werden. Die Menschen sträuben sich heute gegen solche Wahrheiten aus dem einfachen Grunde, weil sie den Dingen anspüren, sie sind nicht so, wie man es gerne haben möchte.
[ 41 ] Wenn sie so errungen werden, können sie dann wiederum dem allgemeinen Menschenbewußtsein übergeben werden. Die Menschen sträuben sich heute gegen solche Wahrheiten aus dem einfachen Grunde, weil sie den Dingen anspüren, sie sind nicht so, wie man es gerne haben möchte.
[ 42 ] Denken Sie doch nur einmal, daß manchem schon recht fatal sein könnte, daß ich gestern gesagt habe: In diesen sich umwandelnden Astralleib, der dann im Herzen eingreift in den Ätherleib, da wird alles eingeschrieben, was der Mensch an Tätigkeit vollbringt, sogar dasjenige, was er einem anderen aufträgt, schreibt sich ein. Schon dieser Gedanke macht manchen zappelig im Inneren. Und die großen Wahrheiten fordern eben auch in gewissem Sinne einen inneren Mut der Seele, der sich dazu aufschwingt, sich zu sagen: Erlebst du diese Dinge, dann muß du bereit sein, Erkenntnis dir zu erringen durch Entbehrung und Schmerz.
[ 42 ] Denken Sie doch nur einmal, daß manchem schon recht fatal sein könnte, daß ich gestern gesagt habe: In diesen sich umwandelnden Astralleib, der dann im Herzen eingreift in den Ätherleib, da wird alles eingeschrieben, was der Mensch an Tätigkeit vollbringt, sogar dasjenige, was er einem anderen aufträgt, schreibt sich ein. Schon dieser Gedanke macht manchen zappelig im Inneren. Und die großen Wahrheiten fordern eben auch in gewissem Sinne einen inneren Mut der Seele, der sich dazu aufschwingt, sich zu sagen: Erlebst du diese Dinge, dann muß du bereit sein, Erkenntnis dir zu erringen durch Entbehrung und Schmerz.
[ 43 ] Das soll nicht zur Entmutigung gesprochen sein, obwohl es heute für viele Menschen zur Entmutigung gesprochen ist, aber es ist eben einfach aus der Wahrheit heraus gesprochen. Was nützt es, den Menschen zu sagen, sie können im Wohlergehen in die höchsten Welten einziehen, wenn es doch nicht wahr ist, wenn das Eindringen in die höheren Welten erfordert, daß Überwindungen geschehen, daß Leidvolles überwunden werde.
[ 43 ] Das soll nicht zur Entmutigung gesprochen sein, obwohl es heute für viele Menschen zur Entmutigung gesprochen ist, aber es ist eben einfach aus der Wahrheit heraus gesprochen. Was nützt es, den Menschen zu sagen, sie können im Wohlergehen in die höchsten Welten einziehen, wenn es doch nicht wahr ist, wenn das Eindringen in die höheren Welten erfordert, daß Überwindungen geschehen, daß Leidvolles überwunden werde.
[ 44 ] Und so versuchte ich Ihnen heute zu schildern, meine lieben Freunde, wie man zu dem Menschlichen vordringt. Dieses Menschlich-Seelisch-Geistige ist Ja tief innerlich im Menschen verborgen. Man muß erst zu ihm vordringen. Aber der Mensch muß auch, wenn er nicht selber vordringt, wissen, daß da in ihm ein Verborgenes ist, und er muß kennenlernen aus den Anforderungen der heutigen Zeit heraus, wie solche Dinge, wie sie gestern geschildert worden sind, in Wahrheit verlaufen.
[ 44 ] Und so versuchte ich Ihnen heute zu schildern, meine lieben Freunde, wie man zu dem Menschlichen vordringt. Dieses Menschlich-Seelisch-Geistige ist Ja tief innerlich im Menschen verborgen. Man muß erst zu ihm vordringen. Aber der Mensch muß auch, wenn er nicht selber vordringt, wissen, daß da in ihm ein Verborgenes ist, und er muß kennenlernen aus den Anforderungen der heutigen Zeit heraus, wie solche Dinge, wie sie gestern geschildert worden sind, in Wahrheit verlaufen.
[ 45 ] Finden kann man solche Dinge nur auf solchen Erkenntniswegen, wie ich sie heute wieder angedeutet habe und wie sie in verschiedener Weise gegangen worden sind in alten und in neuen Zeiten.
[ 45 ] Finden kann man solche Dinge nur auf solchen Erkenntniswegen, wie ich sie heute wieder angedeutet habe und wie sie in verschiedener Weise gegangen worden sind in alten und in neuen Zeiten.
[ 46 ] Morgen wollen wir dann die gestrigen und die heutigen Betrachtungen verbinden in eine solche, die uns weiter hineinführen soll in die geistigen Welten, wie wir das auch heute versuchten.
[ 46 ] Morgen wollen wir dann die gestrigen und die heutigen Betrachtungen verbinden in eine solche, die uns weiter hineinführen soll in die geistigen Welten, wie wir das auch heute versuchten.
