Human Soul-Life and Spiritual Striving
GA 212
17 June 1922, Dornach
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Contrasting World Conceptions of East and West, tr. Unknown
Neunter Vortrag
Contrasting World Conceptions of East and West
[ 1 ] Es wird mir heute obliegen, einiges auseinanderzusetzen aus einem dem Menschen naheliegenden Gebiete der Anthroposophie. Morgen werde ich Ihnen dann einiges mitteilen in Anknüpfung an den eben abgelaufenen Wiener West-Ost-Kongreß. Heute jedoch möchte ich einiges Anthroposophische besprechen.
[ 1 ] To-day I feel called upon to explain to you a few anthroposophical facts closely connected with the human being.
[ 2 ] Nicht wahr, wir stehen in Verbindung mit der Welt als Menschen zunächst durch unsere Sinne, und zwar, wie für jeden ganz offensichtlich ist, vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Wir nehmen durch die verschiedenen Sinne die verschiedenen Gebiete des Daseins wahr und setzen durch eine gewisse seelische Tätigkeit uns dadurch ein Weltbild zusammen. Ich will das nur andeuten. Jeder wird durch eine solche Andeutung aufmerksam darauf gemacht, wie er den wachenden Verlauf des Lebens selber betrachten kann und was in ihm enthalten ist.
[ 2 ] We are, to begin with, connected with the world through our senses; we are connected with it—and this is clearly evident—from the moment of waking up to the moment of falling asleep. We perceive the various spheres of life through our senses, and a certain soul-activity within us constructs a picture of the world from these perceptions. I only allude to this, in order to draw attention to the way in which we can study our waking life and all that it concerns.
[ 3 ] Nun aber sind wir als Menschen nicht bloß wachend in die Welt hineingestellt, sondern auch schlafend. Und schlafend sind wir mit unserem Ich und unserem seelischen Wesen außerhalb unseres Leibes in eine Weltumgebung hineingestellt, die für das gewöhnliche Bewußtsein dem Menschen zunächst unbekannt ist.
[ 3 ] Yet we do not only live in the world during our waking condition, but also when we are asleep. During our sleep, we live outside our body with our Ego and our soul, in an environment, which is, at first, unknown to the ordinary human consciousness.
[ 4 ] Alles, was ich Jetzt sage, ist zunächst für den Menschen der Gegenwart gesagt, das heißt für den Menschen, wie er sich in seinem seelischen Leben herausgebildet hat seit jenem Zeitpunkte, den wir oftmals als einen so außerordentlich wichtigen für die neuere Menschheitsentwickelung bezeichnet haben, seit dem 15. Jahrhundert.
[ 4 ] All that I am telling you now, applies to the present-day human being; that is, to man and the way in which he has developed his soul-life from the time which I have often indicated as an extraordinarily significant moment in the evolution of humanity—from the 15th century onwards.
[ 5 ] Nun müssen wir uns aber doch fragen: Wie stehen wir zu einer Welt, die allerdings dem gewöhnlichen Bewußtsein verschlossen ist, als schlafender Mensch in Beziehung? Da allerdings kommen wir gerade in diesem Zeitraum der Menschheitsentwickelung, in dem wir heute leben, gleich in eine Schwierigkeit der Beschreibung hinein, wenn wir nicht Rücksicht darauf nehmen, daß die Menschheit eben sich entwickelt hat und in ihrem Seelenleben die verschiedensten Zustände durchgemacht hat.
[ 5 ] Yet we must ask ourselves: How are we connected with a world which is closed to our ordinary consciousness? How are we connected with it, when we are asleep? When we ask this question, we immediately encounter an obstacle, particularly in the present moment of human evolution, unless we bear in mind the development of humanity, and the fact that its soul-life has passed through many stages.
[ 6 ] Wenn wir das Seelenleben des Menschen betrachten, dann finden wir, daß der Mensch unserer heutigen, wie wir es nennen, zivilisierten Welt sich die mannigfaltigste Mühe geben muß, seine Vorstellungen, seine Begriffe zu bilden. Wir schauen oftmals recht gedankenlos in frühere Menschheitsperioden zurück, in denen ein solches Erziehungswesen, wie es heute für den Menschen notwendig ist, nicht vorhanden war. Wir schauen gewissermaßen gedankenlos auf jene menschliche ältere Kultur, die sich im Oriente drüben entwickelt hat, und die ihren Bestand hatte, ohne daß der Mensch von Kindheit auf in einer solchen Weise durch die Erziehung hindurchgeführt wurde, wie es heute der Fall ist. In Europa selber ist es heute fast unmöglich, sich auch nur eine Vorstellung davon zu machen, wie anders über die Erziehung gedacht worden ist in früheren orientalischen Zeiten, in denen aber doch so Gewaltiges, Herz und Geist des Menschen so Erhebendes geschaffen worden ist, wie das orientalische Schrifttum, wie die Veden, wie alles das, was in der orientalischen Weisheit enthalten ist. Man beurteilt eben heute alles, was im Geiste zustande kommt, darnach, wie der heutige Mensch von Kindheit auf aufwachsen, wie er erzogen und unterrichtet werden muß, und was er dann aus dieser Erziehung, aus diesem Unterricht heraus weiter durch das Leben unserer heutigen Außenwelt wird. Und da stellt sich zunächst für das Vorstellungsleben dieses heraus, daß wir erzogen und unterrichtet werden müssen, weil wir uns unsere Gedanken über das Leben selber machen müssen. Wir wären heute hilflos in der Welt, wenn wir nicht in der Lage wären, uns selber Gedanken über das Leben zu machen. Der Mensch ist eigentlich heute noch nicht sehr weit in der Kunst, möchte ich sagen, sich Gedanken zu machen. Und gerade im Unterrichts- und Erziehungswesen muß darauf gesehen werden, daß wir immer weiter und weiter kommen in der Kunst, aus unserer eigenen Anstrengung heraus uns Gedanken zu machen über die Dinge der Welt.
[ 6 ] If we reflect upon the soul-life of modern man, we find that the human being belonging to our so-called civilised world must make the greatest effort to form his ideas and concepts. Nowadays we frequently look back into earlier epochs of human development without any clear thoughts. At that time there was no educational system of the kind required to-day, and we look back without really thinking about it into that ancient culture which developed and flourished in the East, when it was not necessary for man to have the education through childhood upwards, that he has to-day. In Europe it is almost impossible at this time to imagine how differently the men of earlier epochs regarded education in the Orient. In those times, powerful Eastern teachings were created, which uplifted heart and spirit, such as the Vedas and all that is contained in the wisdom of the East. To-day all that arises through the spirit is judged in accordance with the way in which we have been educated and taught from childhood upwards, and the way in which we have developed through our education, and what we have learned through our life in the external world. At first, it seems obvious to our ordinary way of thinking that we must be educated, for we must learn to form our thoughts on life. If we were unable to do so, we should be helpless in the present-day world. I might say, that at the present time, we have not yet progressed very far in the art of forming thoughts. One of the aims of education should be that of more and more perfecting in us by our own effort this art of forming thoughts about the things in the world.
[ 7 ] In der Griechenzeit wurde das schon vorbereitet. Das griechische Leben war das erste kulturelle Leben innerhalb Europas, war aber in einer gewissen Beziehung durchaus noch vom Oriente beeinflußt und entwickelte daher ein solches Erziehungswesen, das auf die Ausbildung der Kräfte des Vorstellens hinging erst in den allerersten Stadien. Es strömte noch hinein in dieses griechische Kulturleben die orientalische Art, die den Menschen nicht dazu brachte, sich gedankenhaft anzustrengen, um, wenn ich es trivial ausdrücken darf, nun selber Vorstellungen über die Dinge zu machen.
[ 7 ] This was prepared for in the Greek epoch. The Grecian life was to a certain extent completely under the influence of the Orient, and consequently the education there aimed only at a very elementary development of the thinking forces. Oriental influences streamed into Greek cultural life, and these did not encourage thought-efforts, they did not induce man to form ideas himself on the objects around him, if I may express this trivially.
[ 8 ] Man bewundert heute innerhalb des abendländischen Geisteslebens — mit einem gewissen Recht - Sokrates als einen der ersten, der die Menschen dazu angehalten hat, sich selber Vorstellungen über die Dinge zu machen. Aber es wäre durchaus falsch, wenn man daraus nun etwa den Schluß ziehen wollte: weil Europa gezwungen worden ist, aus der menschlichen Anstrengung heraus sich selber Vorstellungen zu machen über die Dinge, daß der Orient kein Gedankenleben gehabt hätte. Der Orient hat ein ganz mächtiges Gedankenleben gehabt, und wir finden dieses Gedankenleben um so mächtiger ausgebildet, je weiter wir zurückgehen in dem orientalischen Kulturleben. Und gehen wir zurück in die Zeiten, in denen die Veden und die Vedantaphilosophie noch nicht da waren - denn die Veden und die Vedantaphilosophie zeigen, wie ich oftmals erwähnt habe, nicht die allerersten Stufen des orientalischen Geisteslebens; die sind nie aufgeschrieben worden -, da war ein mächtiges Gedankenleben im Oriente der alten Zeit schon da. Alles das ist durchaus schon seit zwei bis drei Jahrtausenden im Orient selbst in die Dekadenz gekommen, ist durchaus schon im Niedergang begriffen. Der Orientale bewundert heute die letzten Reste, möchte ich sagen, eines einstmals ganz wunderbaren Gedankenlebens. Aber dieses Gedankenleben, das war nicht so wie das unsrige, bei dem wir - verzeihen Sie den materialistischen Ausdruck, er ist nur als Bild gemeint -, bei dem wir innerlich schwitzen müssen, um es zustande zu bringen, bei dem wir uns anstrengen müssen, damit es wird. Das orientalische Gedankenleben war ein inspiriertes. Dem ÖOrientalen gaben sich die Gedanken in ihrer Zusammenfügung wie von selbst. Er bekam sein Weltbild so, daß dieses Weltbild durchaus einer Eingebung entsprach. Er hatte auch immer das Gefühl: Das, was ich denke, ist mir gegeben. — Und die Anstrengung, die innerliche Seelenanstrengung, Gedanken zusammenzusetzen, kannte er nicht. Vom Aufwachen bis zum Einschlafen fühlte er, daß ihm Gedanken geschenkt wurden. Es hatte auch sein ganzes Seelenleben eine entsprechende Färbung. Wenn er Gedanken hegen durfte, war er den Göttern dankbar, weil sie ihm Gedanken schenkten. Er fühlte es wie ein Einströmen der göttlich-geistigen Mächte, wenn er sich sagen konnte: In mir als Mensch leben Gedanken. - Es war eine ganz andere Stellung zum Gedankenleben.
[ 8 ] In the spiritual life of the West, we now admire Socrates, and rightly so, as one of the first who stimulated man to form thoughts about surrounding objects. Yet it would be wrong to jump to the conclusion that there was no thought-life in the Orient, simply because in Europe man had to develop a thought-life through his own effort. The Orientals had a powerful life of thought, which we find all the more powerful, the further we go back into the cultural life of the East. A rich spiritual life existed in the East, even before the time of the Vedas and of the Vedanta philosophy. As I have frequently explained, the Vedas and the Vedanta philosophy are not the first stages of spiritual life of the East, for these first stages were never recorded in writing. During the last two or three thousand years before Christ, this powerful Oriental life had already reached a decadent stage. What the Oriental now admires, is but the last remnant of this ancient spiritual life. This life of thought was not like ours, which makes us (please forgive the materialistic expression, which is only used as a comparison) grow hot inwardly and perspire in our efforts to bring it into being. The Oriental life of thought was an inspired one. For the Oriental, the thoughts ordered themselves, as if of their own accord. He obtained his world-picture in the form of an inspiration. He always had the feeling: “My thoughts are given to me,” and he did not know the inner soul-effort which we must make in order to construct our thoughts. From the moment of waking up to the moment of falling asleep, he felt that his thoughts were gifts bestowed upon him. His whole soul-life had a corresponding nuance. When he nurtured thoughts, he felt grateful to the gods who gave him these thoughts. When he was able to say: “Thoughts live in me, who am a human being,” he felt in these thoughts the instreaming of divine-spiritual powers. Thus it was quite a different way of thinking.
[ 9 ] Daher war auch das orientalische Gedankenleben der älteren Zeit nicht so abgetrennt vom Fühlen und Empfinden, von den Herzensangelegenheiten der Menschheit, wie es heute für das normale Bewußtsein ist. Gerade weil der Mensch sich so fühlte, daß ihm die Gedanken geschenkt waren, fühlte er sich auch bei jedem Gedanken als Mensch gehoben, und mit jedem Gedanken war zugleich ein religiöses Empfinden verknüpft. Der Mensch fühlte, daß er mit einer Art religiöser Frömmigkeit den Mächten entgegenkommen müsse, welche ihm fertige Gedanken schenkten, nicht so sehr einzelne Gedanken als vielmehr die Zusammenfügung von Gedanken.
[ 9 ] For this reason, the Oriental life of thoughts of remoter epochs was not so severed from the life of feeling and from the life of the heart, as it is to-day, for the normal human consciousness. Just because man could feel that thoughts were given to him, he felt uplifted as a human being, and a religious feeling was connected with every one of his thoughts. Man felt that he must meet the divine powers who gave him his thoughts with a kind of religious piety, and he experienced these thoughts more as a united whole, than as single thoughts.
[ 10 ] Was war denn aber die objektive, die äußerliche Ursache, daß das für den orientalischen Menschen so war? Die äußerliche objektive Ursache war, daß der Mensch in diesen älteren Zeiten anders schlief, als wir heute schlafen. Wir verlassen ja als Ich und als seelischer Mensch im Schlafe vorzugsweise das Haupt, den Kopf. Nicht in demselben Maße stark getrennt vom Menschen sind die vorzüglichsten Stoffwechselorgane und die Gliedmaßen. In den GliedmaßenStoffwechselleib ragt noch, wenn der Mensch schläft, das Seelische und das Ich hinein. Man sollte nicht eigentlich die Vorstellung haben, daß das Ganze des Menschen verlassen ist im Schlafe vom Ich und von dem Seelischen, sondern man sollte sich vorstellen, daß vorzugsweise das Haupt es ist, das da verlassen ist. Ich habe das öfter auseinandergesetzt, und ich möchte es schematisch noch einmal vor Sie hinstellen, so daß etwa das der wachende Mensch sei (Zeichnung S$. 172, links), daß Ich und Seelenwesen, die ich rot zeichne, den physischen Leib und den Ätherleib durchsetzen. Es wäre falsch, wenn ich jetzt den schlafenden Menschen so zeichnen würde, daß ich hier den physischen Leib und den Ätherleib habe, die im Bette liegen bleiben, und nun einfach daneben zeichnen würde das Ich und den astralischenLeib oder das Seelische. Ich möchte es so zeichnen, daß wenn hier (hell) die physischen Organe sind, die Gliedmaßen sind aber die Arme gehören eigentlich dazu -, daß ich eigentlich nur beim Haupte zeichne, wie sich das Ich und das Seelische des Menschen außerhalb des Menschen befinden, denn ganz streng genommen ist nur in bezug auf das Haupt der Mensch im Schlafe von seinem physischen Leibe und von seinem Ätherleib getrennt (rot).
[ 10 ] But what was the objective external cause of this? It was caused by the fact that in these ancient times man's sleep was different from ours. When we are asleep now, we are forsaken especially in the head by the Ego and the soul. The metabolic organs and the extremities do not become separated so completely from the human being. Even when we are asleep, our soul and our Ego still penetrate into the extremities of the body and into its metabolic organs. We should not think that during sleep the Ego and the soul forsake our whole being, but instead we should picture to ourselves that the head is the most forsaken part. I have often explained this, and now I would like to put it before you schematically. In the waking human being, the Ego and the soul permeate the physical and the etheric body. Now it would be wrong to draw the sleeping man so as to indicate here the physical and etheric bodies lying on the bed, and the Ego and the astral body just there, beside them. Instead, they should be so drawn that if the physical organs and the extremities, including the arms, which are also extremities, are indicated here, then the Ego and the soul which are outside the human being would have to be drawn outside it only in the vicinity of the head. Strictly speaking, when we are asleep, the Ego and the soul are outside the physical and the etheric body only as far as the head is concerned.


[ 11 ] Wenn wir nun in jene älteren Zeiten zurückgehen, von denen ich eben gesprochen habe, so ist es so, daß damals während des menschlichen Schlafzustandes die menschlichen Hauptesorgane, also im wesentlichen das Nerven-Sinnessystem und ein Teil des Atmungssystemes, das das Haupt durchsetzt, der Schauplatz waren, auf dem die göttlich-geistigen Wesenheiten, die mit der Erde etwas zu tun hatten, ihre Angelegenheiten abwickelten.
[ 11 ] If we now return to those remoter times to which I have alluded, we find that when the human being was asleep, the organs of the head—that is, principally the nervous-sensory system and a part of the respiration which permeates the head—were the field of action used by the divine-spiritual beings connected with the earth.
[ 12 ] Man kann durchaus, ohne bildlich zu sprechen, wenn man ganz ernsthaft auf Wirklichkeiten hindeutet, sagen: In den ältesten Zeiten der Menschheitsentwickelung wirkten die göttlich-geistigen Wesen auf der Erde so, daß sie sich von den Menschen zurückzogen, wenn diese wachten. Wenn aber die Menschen schliefen, so nahmen sie Wohnung in den Häuptern der Menschen. Das menschliche Ich und das menschliche Seelenwesen hatten das Haupt verlassen; die göttlich-geistigen Wesenheiten ordneten dort ihre Angelegenheiten. Und wenn der Mensch dann am Morgen wieder aufwachte, wenn er also wieder untertauchte in sein Haupt, dann fand er dort die Ergebnisse dessen vor, was zurückgeblieben war unter dem Einflusse der Taten der göttlich-geistigen Wesen, die vom Einschlafen bis zum Aufwachen in seinem Haupte so tätig waren, daß sie seine Nervenvorgänge nach ihren Gesetzen ordneten und bis in die Blutzirkulation hinein auf das Geschehen, auf das organische Geschehen im Ätherleib und im physischen Leib Wirkungen ausübten. Aber der Mensch sah nicht etwa deutlich jenen Tatbestand ein, den ich jetzt eben beschrieben habe - den sahen diejenigen ein, die in den Mysterien geschult wurden -, die große Masse der Menschheit sah diesen Tatbestand nicht ein, aber sie erlebte ihn. Der Mensch fand also beim Aufwachen die Taten der Götter in seinem Haupte vor. Und wenn er dann wachend lebte und die Gedanken in ihrer Zusammenfügung wahrnahm, so kam das dadurch, daß die Götter während des Schlafes in seinem Haupte tätig gewesen waren. Es fand gewissermaßen jeden Morgen der altorientalische Mensch das Erbe desjenigen vor, was die Götter als ihre Angelegenheiten während seines Schlafes abgemacht hatten. Und das nahm er dann wahr als Inspiration mit Gedanken. Es war also nicht so, daß ihn während des Wachens die göttlich-geistigen Wesenheiten unmittelbar inspiriert hätten, sondern sie inspirierten ihn während der Zeit seines Schlafens, indem sie ihre eigenen Angelegenheiten da abwickelten. Und alles, was dazu führte, daß sich in jenen älteren Zeiten der Mensch sozial so oder so benahm, das war im Grunde genommen Inspiration. Man möchte sagen: die göttlich-geistigen Wesen hatten damals durchaus die Möglichkeit, die irdischen Angelegenheiten so zu ordnen, daß sie von dem Schlafzustande aus das gegenseitige Vertrauen der Menschen zueinander, daß sie den Gehorsam, den die große Masse ihren Führern entgegenbrachte, ordneten und so weiter. Es war also durchaus gerade auf die Weise ein Zusammenwirken der göttlich-geistigen Welt mit der irdischen Welt in jener alten orientalischen Zeit vorhanden. Das war aber nur dadurch möglich, daß die ganze menschliche Organisation damals noch anders war.
[ 12 ] If we refer quite seriously to realities, it can indeed be said, without speaking metaphorically, that in the most remote epochs of human evolution the divine-spiritual beings on earth withdrew from the human being when he was awake. But when he was asleep they took up their abode in his head. The human Ego and the human soul abandoned the head: and there, the divine-spiritual beings directed their activities. When the human being woke up in the morning, he once more dived into his head, and there he found the results of all that had taken place under the influence of the deeds of the divine-spiritual beings. These beings ordered man's nervous processes in accordance with their laws, and they exercised an influence even upon the circulation of the blood and penetrated into the organic processes in the etheric body and in the physical body. Yet this was not clearly realised; only those men who were schooled in the Mysteries had an insight into such things. The great majority of men did hot realise this, yet they could EXPERIENCE it. On waking up, the human being thus found in his head the deeds of gods. And when he then lived through his waking life and was able to perceive the structure of his thoughts, this was due to the fact that the gods had been active in his head while he was asleep. The ancient Oriental thus discovered within him every morning the heritage of the gods, the results of what they had done in him while he was asleep. He perceived this in thoughts, in the form of an inspiration. The divine-spiritual beings did not inspire him directly, when he was awake.. They inspired him when he was asleep, while they were active in his head. In those ancient times, everything that led to man behaving socially in this or in that way, was really inspiration. It might be said: At that time, the divine-spiritual beings still had the possibility of ordering earthly affairs in such a way that while human beings were asleep, they arranged the trust men felt in one another, and they brought about the obedience of the large masses to their leaders, etc. etc. In that ancient Oriental epoch there was still cooperation between the divine-spiritual world and the earthly world. But this was only possible, because the whole human organisation was different from the present one
[ 13 ] Ich habe es öfter erwähnt, wie sich der Mensch heute vorstellt, daß eigentlich alles bei ihm, das heißt, solange der Mensch auf Erden geschichtlich lebt, immer so war, wie es heute ist, das Physische des physischen Organismus, das Seelische der Seele, das Geistige des Ich. Wenn heute der Geschichtsschreiber daran geht, über das alte Ägypten zu schreiben und seine Urkunden enträtselt, dann denkt er sich, daß die Menschen zwar noch nicht so gescheit waren wie er, aber daß sie im wesentlichen doch so gedacht, gefühlt und gewollt haben, wie er es selber tut. Man hat die Anschauung: Wenn man ganz weit zurückgeht, dann werden die Menschen zu einer Art von höheren Affen, und von diesem Stadium gingen sie dann über zu dem - nun Ja, was man Ja nicht weiß, wie der Geschichtsschreiber es sich denkt. Aber als die Zeit begann, die einen geschichtlich interessieren kann, so ist die Ansicht: Da muß man die Menschen schon so hinnehmen, wie sie auch heute sind in ihrem Denken, Fühlen und Wollen, in der Art und Weise ihrer heutigen ätherisch-physischen Organisation.
[ 13 ] I have often mentioned that now people imagine that everything connected with man as he is to-day has always been the same; that the physical part of his physical organism, the psychic part of his soul, the spiritual element of his Ego, were then as they are now. When a modern historian writes about ancient Egypt and unriddles its documents, he believes that the Egyptians may not have been as clever as he is, but that essentially speaking, they had the same thoughts, feelings and impulses which we have to-day. One generally thinks that if we go far back into time, man was a kind of higher ape, and that from this stage he passed on to a condition which they only imagine. And when the time began which interests them from the historical standpoint, then they have to admit that man was more or less what he is to-day, with the thoughts, feelings and impulses which he now possesses.
[ 14 ] So ist es eben nicht. Die Menschen haben sich auch in geschichtlichen Zeiten ganz wesentlich geändert. Sie brauchen sich nur an dasjenige zu erinnern, was ich zum Beispiel als Einzelheit schon früher angeführt habe, wie der Grieche die Weltumgebung rein physisch ansah. Der Grieche sah noch nicht so das Blau, wie wir es heute sehen; er sah eigentlich nur die rötliche Farbnuance. Und wenn sich heute ein Mensch vorstellt, daß der blaue Himmel ja so schön ist, und daß daher der Grieche, weil er in Schönheit lebte, vorzugsweise diesen blauen Himmel gesehen haben müsse, so irrt sich der Mensch. Der Grieche hat gerade die warmen, die rötlichen, die gelben Farben geschaut, und Grün und Blau hat er schon nicht wesentlich voneinander unterschieden. Er hat daher den Himmel ganz anders geschen, als ihn heute ein normales Bewußtsein sieht. Auch die Augen selber sind im Laufe der Menschheitsentwickelung durchaus anders geworden, wenn das auch nur in intimeren und feineren Zügen der Fall ist. Die ganze Sinnesorganisation ist überhaupt im Laufe der geschichtlichen Zeit eine andere geworden. Und in jenen alten orientalischen Zeiten, von denen ich jetzt eben gesprochen habe, war in der Tat die Sinnesorganisation so, daß der Mensch nicht durch sie beirrt, gehindert wurde, sich dem hinzugeben, was da, wenn er wachte, aus seinem Organismus herauskam an Göttertaten, und was ihm geblieben war aus seinem Schlafzustande.
[ 14 ] Yet it is not so. Even in the course of history, man underwent considerable changes. You only have to remember how the Greek viewed the world, quite physically. The Greek did not see the colour blue, as we see it now. He only saw the reddish tones of colour. If a modern man contemplates the beautiful blue sky and thinks that the Greek, who was steeped in beauty, must have loved it, he is mistaken. The Greek saw the warm, reddish and yellow tints, and could not distinguish green from blue. He therefore saw the sky quite differently from the way in which we see it, with our normal consciousness. Even the eyes have changed completely in the course of human evolution, although this only applies to the more intimate and finer traits. The whole sense-organisation has changed in the course of history. During those ancient Oriental times of which I have spoken, the organisation of the senses did not prevent man from surrendering to that which came from his organism when he was awake, as the result of what remained to him from the activity of the gods in his body, while he was asleep.
[ 15 ] Allmählich wurde die Sinnesorganisation der Menschheit so, daß der Mensch so lebendig durch seine Sinne mit der Außenwelt verbunden wurde, daß diese lebendige Verbindung ihn gleich, wenn er aufwacht, daran hinderte, auch nur aufmerksam zu sein auf dasjenige, was etwa dasein könnte als Erbschaft aus dem Schlafe heraus. Selbst wenn die Götter noch ihre Angelegenheiten während des Schlafes in seinem Kopfe ordnen würden - sie tun es nicht mehr, weil der Mensch eben umorganisiert ist und es keine weitere Bedeutung mehr für die Entwickelung der Menschheit hat -, so würde der Mensch gar nichts mehr davon haben für seinen Fortschritt und seine Fortentwikkelung. Im Gegenteil, er würde, weil, wenn er aufwacht und er sogleich der Außenwelt durch seine jetzt entwickelten Sinne mächtig hingegeben ist, gar nicht aufmerksam sein können auf dasjenige, was er etwa an Erbschaft aus dem Schlafe übernehmen könnte. Und dadurch würde es zurückgehen in den Körper, statt daß es aufgenommen würde vom Bewußtsein. Der Mensch würde heute in sich nicht fühlen können durch das Inspirierte, was im Schlaf die Götter auf dem Schauplatze seiner Hauptesorganisation taten. Es würde in ihn zurückgehen und seinen Organismus früh altern machen.
[ 15 ] Gradually, man's sense-organs changed; his senses connected him with the external world in so living a way, that when he awoke, this connection prevented him from noticing what might still remain in him as a heritage from the gods, left there while he was asleep. Even if the gods were still to be active in his head during sleep (they are no longer active in it, for man's organisation has changed, and this would no longer have a meaning for the development of mankind), man's progress and further development would not profit by it. On the contrary, he would not be able to perceive this heritage which comes to him from his sleep, because on waking, his fully developed senses immediately attract him strongly to the external world. What remains from his sleep, would therefore pass over into his body, instead of being taken up by his consciousness. To-day man would not be able to experience himself through the inspiration of the gods in his sleep, and were they still to use his head-organisation as a field for their activities, these inspirations would retreat into his body and prematurely age his organism.
[ 16 ] In älteren Zeiten wurde das eben aufgenommen von dem Menschen im wachenden Zustande, was er schlafend erlebt hatte, weil seine Sinne nicht so hinorientiert waren auf die Außenwelt, wie das heute der Fall ist; und so konnte damals der Mensch im Vereine mit der Götterwelt leben. Dieses Leben war aber ein wirkliches Leben mit der Götterwelt. Die Götter kann man mit den Sinnen ohnedies nicht anschauen, und der alte Mensch war dazu veranlagt, nun wenigstens die Göttertaten zu erleben, dadurch, daß seine Sinne noch nicht so hinorientiert waren auf die Außenwelt, wie die heutigen es sind.
[ 16 ] In older times, man's sleep-experiences could be assimilated during his waking condition, because his senses were not directed so strongly towards the external world as they are to-day, and man could at that time live in union with the world of the gods. This existence was a real LIFE in union with the world of the gods. The gods cannot be perceived through the senses, and in ancient times, man had to rely on being able to experience at least the deeds of the gods. He could do this, because his senses were not yet so strongly turned towards the external world as to-day.
[ 17 ] Nun kam aber später eine Zeit - es war im wesentlichen das Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha -, da begannen auch in der orientalischen Welt die Sinne, namentlich die Augen der Menschen empfänglich zu werden für die Eindrücke der Außenwelt, so wie das eben später der Fall war. Der Mensch kam dazu, die spätere Sinnesorganisation immer mehr und mehr anzunehmen und sie dem hinzuzufügen, was ihm innerlich noch geblieben war von älteren Zeiten, von seiner Nervenorganisation, die es ihm noch möglich machte, die göttlich-geistigen Taten zu erleben. In den älteren Zeiten hatte er die göttlich-geistigen Taten rein erlebt, ohne das Sinnliche hineinzumischen. Jetzt erlebten die Menschen zwar auch noch etwas, weil die Götter noch nicht ganz von ihnen fortgegangen waren, aber das nahm die Sinnesorganisation gleich in sich herein, und die Folge davon war, daß über einen großen Teil der Menschheit dieses Eigentümliche kam, daß die Götter, die geistigen Wesenheiten, gewissermaßen hereingeholt wurden in die sinnliche Organisation. Ich kann das so ausdrücken, daß ich sage: Aus der ehemaligen rein geistigen Anschauung der göttlich-geistigen Wesenheiten wurde der Glaube an Gespenster.
[ 17 ] Now, however, a time came—speaking generally, in the thousand years preceding the Mystery of Golgotha—when in the Eastern countries man's senses, especially the eyes, first began to be receptive to the impressions of the outer world; this receptivity developed as time went on. Man gradually developed the sense organisation which he now has, adding it to the nerve organisation, which still remained from former times and which enabled him to experience the divine-spiritual deeds. Earlier he had experienced these divine-spiritual deeds in their purity, without mingling them with sense experiences. At that time, the human being could still, experience something, because the gods had not as yet completely forsaken him, but these experiences were immediately absorbed by the sense-organisation, with the strange result that among the great majority of men, the gods, the spiritual beings, were, so to speak, drawn into the sense organisation. I might express this by saying that out of the former purely spiritual contemplation of divine-spiritual beings a belief in ghosts arose.
[ 18 ] Der Glaube an Gespenster ist nicht etwa etwas, was uralt ist in der Menschheit. Uralt ist das Anschauen der göttlich-geistigen Wesenheiten. Der Gespensterglaube entstand erst durch das Einmischen der Sinneswahrnehmung in die Anschauung des Göttlichen. Und als die Mysterienkultur des Orientes nach Europa herüberkam und zum Beispiel auch angenommen wurde von dem wunderbaren griechischen Geistesleben in der Kunst, in der Philosophie, da kam in großem Maße eben auch das Gespensterschauen herüber.
[ 18 ] This belief in ghosts does not reach back into very ancient times in man's history, but the contemplation of divine-spiritual beings is very ancient. The belief in ghosts only arose when sense perceptions were intermingled with the contemplation of the divine. When the Mystery-culture of the East came over to Europe and was taken up, for instance, by the wonderful spiritual life of Greece, flowing into Greek art and Greek philosophy, then the great masses of men coming from the East brought with them also the belief in ghosts.
[ 19 ] Man kann sagen: In diesem letzten Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha war die rein orientalische Anschauung schon in den Niedergang hineingekommen, und es war eine Art von Gespensterschauen gerade bei vielen Gliedern der großen breiten Masse vorhanden. Es wanderte herüber nach Europa der Gespensterglaube, die in das Sinnesgemäße verwandelte echte geistige Anschauung des Orients. So daß man sagen kann: der Gespensterglaube ist der letzte Ausläufer, das Ende einer hohen, wenn auch träumerischen geistigen Anschauung, die einmal eine hohe Kulturblüte in der Entwickelung der Menschheit bedeutet hat.
[ 19 ] So we may say, that during the last thousand years before the Mystery of Golgotha, the Oriental conception as such was already becoming decadent and a kind of belief in ghosts became widely prevalent among the masses of mankind. This belief came over into Europe from the East, and it was the transformation into sense-perception of the former, purely contemplative spirit of the East. We may therefore say that the belief in ghosts is the last ramification, the end of a lofty, though dreamy spiritual vision, which had once constituted a high stage of culture in the evolution of man.
[ 20 ] Sehen Sie, dasjenige, was ich da geschildert habe, wie der alte orientalische Mensch im Schlafzustande sein Haupt als den irdischen Schauplatz der Götterwelt empfinden mußte, das erlebte man eben nur als Mensch; der Mysterieneingeweihte wußte es aber. Das hat seinen Gegensatz nun schon heute in dem Aufkommen einer neuen Kultur.
[ 20 ] All that has been described to you, how that during sleep the ancient Oriental felt his head to be the earthly field of action for the world of the gods, this could only be experienced by him as man, but the initiate of the Mysteries knew it. This contrast can already be seen to-day, in the development of a new culture.
[ 21 ] Diese neue Kultur ist noch im Anfange, und sie drückt sich um so stärker aus, je weiter wir nach Westen hinüberkommen. Es hätte für den alten orientalischen Menschen keinen Sinn gehabt, etwa zu sagen: Die menschlichen Gedanken durchpulsen den menschlichen Willen nicht. - Denn er wußte: was in seinem Willen, selbst in seinem Blute lebte, das kam ihm von den Göttern. Die Götter machten seine Gedanken, und die Götter entwickelten eine mächtige Kraft in seinem Schlafzustande. Er empfand das als Inspiration.
[ 21 ] This culture is still in its infancy, and the further West we go, the more does it make itself felt. For an ancient Oriental it would have been meaningless to say, for instance, that human thoughts do not pulsate through the human will, for he knew that what lived in his will, and even in his blood, came to him from the gods. The gods made his thoughts and during his sleep condition the gods developed a mighty power in his head. This he felt as inspiration.
[ 22 ] Heute noch, wenn wir hinüberschauen nach dem Osten, nach den letzten Resten dessen, was zum Beispiel in Solowjow vorhanden ist als Philosophie, so gibt es etwas gerade bei diesem Solowjow, das zeigt, wie er gar nicht versteht, gar nicht verstehen würde, wenn man etwa sagen würde: Die Gedanken sind nicht impulsierend im Menschen, sie tragen nicht den Willen.
[ 22 ] Even to-day, when we look across to the East and view the last remnants of Eastern culture, still existing for instance in Solovieff's philosophy, we find, particularly in Solovieff, that he would have been quite unable to understand it, if he had been told that thoughts bring no impulses to man and have no bearing on his will.
[ 23 ] Das aber ist durchaus die heutige Meinung des westlichen, namentlich des amerikanischen Menschen. Der amerikanische Mensch schildert dasjenige, was sich ihm in diesem Sinne ergibt, bis in die Züge seiner Physiologie, seiner Biologie hinein. Die Wissenschaft Amerikas ist in dieser Beziehung, wenn man auf ihre intimeren Grundzüge eingeht, etwas ganz anderes als die europäische oder gar als die Wissenschaft des Ostens.
[ 23 ] Yet Western people, particularly the Americans, have this view. Americans describe what lies immediately before them; even their physiology and biology are represented in this way. If we penetrate into its more intimate fundamental character, we shall find that American science greatly differs from European science.
[ 24 ] Der Westmensch schildert, wie wenig Bedeutung eigentlich die Gedanken für den Willen des Menschen haben. Er weiß eben zu stark, daß es der Mensch ist, der die Gedanken macht. Der kann aber doch nicht die Gedanken aus dem Blauen heraus machen. Deshalb sagt sich zum Beispiel der Amerikaner von heute: Viel wichtiger, als was der Mensch an Gedanken aufnimmt, ist die Art und Weise, wie er in eine gewisse Familie, in eine Parteirichtung hineingewachsen ist durch seine sozialen Lebensverhältnisse, wie er in eine Sekte hineingewachsen ist. Das alles übt Emotionen auf ihn aus, das alles bestimmt seinen Willen. Und man kann eigentlich gar nicht von dem Gedanken aus den Willen bestimmen. Aus solchen Untergründen des Lebens heraus wie Familie, Parteirichtung, Land, Sekte und so weiter wird der Wille bestimmt. — Und der Amerikaner, der Westmensch überhaupt, sagt: Die Gedanken sind eigentlich nicht der Herrscher im Menschen; sie sind eigentlich nur der oberste Minister des Herrschers, der menschlichen Organisation, die Wille, Trieb, Instinkt ist, wenn sie auch — was dann Carlyle nachgesprochen wird - ein teurer Minister sind, diese Gedanken, aber sie sind nur das ausführende Organ.
[ 24 ] The Westerner portrays how little significance thoughts really have for the human will, for he is far too strongly aware of the fact that it is man who forms the thoughts. Nevertheless he cannot form them out of the blue, and so the modern American declares it to be of far more importance than his actual thoughts, how a man is rooted in a certain family or political party through his social life-conditions, or in the way he has grown into a certain sect. All this, he declares, stirs up emotions in him and determines his will. It is really impossible to influence the will through thought. The will is determined by such life foundations as family, political party, nationality, sect, etc. The American and the Westerner in general argues that thought is not the real ruler in man, but is only the Prime Minister of the ruler, an expensive minister, as Carlyle expressed it. This ruler is the human organism, which is will, instinct, passion, and thought is only the executive organ.
[ 25 ] Und wir müssen eigentlich sagen, daß heute jene breiten Menschenmassen, die heranstürmen, um ihre eigenen Ansichten gegenüber dem Altüberkommenen in der Welt zur Geltung zu bringen, eigentlich auch so denken. Daher kommt es, daß man heute so gern studiert, wie der primitive Mensch gelebt hat, weil man meint, er habe in Instinkten, in Trieben gelebt, und seine Gedanken wären nur wie eine Art Spiegelbild der Instinkte, der Triebe gewesen.
[ 25 ] We really have to admit that this is the way of thinking of the great masses of people to-day, who rush forward to assert their own views in the face of old traditions in the world. This is why men like so much to study the ways of primitive man, because they think that he followed his instincts and passions, and that his thoughts were merely a kind of reflexion of these instincts and passions.
[ 26 ] So sieht man heute als Westmensch in den Menschen hinein und sagt, ihn treiben die Instinkte, die Triebe. Warum das? Weil er noch nicht organisiert ist, in diesen Trieben, Instinkten, das Geistige wahrzunehmen. Es gibt für ihn nichts als einen Trieb, als einen Instinkt, hinter dem nicht Geistiges steckt. Aber wenn im Menschen sich ein Instinkt, ein Trieb geltend macht, es mag meinetwillen etwas sehr bösartig Geistiges sein, was sich da geltend macht bei dem einen und bei dem anderen Menschen, aber selbst wenn es der brutalste Trieb ist, Geist ist es, der dahintersteckt. Nur kann der Mensch diesen Geist heute noch nicht fassen. Das Menschengeschlecht ist eben durchaus in Entwickelung begriffen. Es muß sich erst hinbewegen zu einer solchen Geistigkeit, daß, wenn der Mensch in sich hineinschaut, und er seine Triebe, Instinkte, Begierden wahrnimmt, er in ihnen überall Geistiges wahrnimmt. Das wird er einmal in Zukunft tun. Dabei macht es gar keinen Unterschied, ob der Mensch etwa böse oder gute Instinkte hat; es sind dann halt ahrimanische oder luziferische Geistigkeiten, die in ihm stecken, wenn es böse Instinkte sind, aber es sind Geistigkeiten.
[ 26 ] Consequently, regarding man in this way, the Westerner says he is driven by his instincts and passions. Why?—Because man is not yet organised in a way which enables him to perceive the spiritual behind these instincts and passions, he can only see an instinct or a passion and nothing spiritual behind them. Yet when an instinct or a passion rises up in man, evil though it may be, and no matter in what form it may appear in this or in that man, the SPIRIT lives behind this instinct or passion, even behind the most brutal ones. But to-day man cannot as yet perceive this spirit, for the human race is still in a state of development. It must gradually approach a spirituality which enables man to perceive the spirit whenever he looks within his own being and beholds his instincts and passions. In the future this will be possible. It is a matter of indifference whether a man has good or evil instincts. When he has evil instincts, then Ahrimanic or Luciferic beings lie hidden within him, but these are spiritual beings!
[ 27 ] Mit diesem Vorgeben, daß wir Triebe, Instinkte haben als die treibenden Motoren im Menschen, ist es nämlich gar nicht anders, als es mit den Gespenstern in bezug auf die Geistigkeit von früher war. Sehen Sie, da war einmal in der Anschauung von dem Orientalen eine alte Geistigkeit vorhanden (siehe Zeichnung). Das hat sich weiterentwickelt und ist als Endprodukt, also wie gesagt, in dem letzten Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha, zum Gespensterglauben, zum Gespensteranschauen geworden (siehe Zeichnung, blau).
[ 27 ] In advancing the view that instincts and passions are the driving powers, we have before us the same case as that of the ghosts in comparison with the spirituality of the past. You see, an ancient spirituality existed in the Oriental conception. This spirituality continued to develop, and as I have already said, during the last thousand years before the Mystery of Golgotha the final product was the belief in ghosts, in seeing ghosts.


[ 28 ] Jetzt stehen wir in der Weltentwickelung so drinnen, daß wir auf der einen Seite hinschauen, wie der Gespensterglaube aus einer alten Geistigkeit herausgekommen ist; aber wir schauen zu gleicher Zeit in der Perspektive nach einer Zukunft hinein; da wird einstmals wiederum eine reine Anschauung kommen. Aber jetzt ist noch ein Gespensterglaube da, ein innerer Gespensterglaube. So wie der Gespenstergläubige meint, die Gespenster seien sinnlich, schauen so aus, wie man mit dem Auge sieht, so sieht der heutige Mensch, der Westmensch, noch nicht die Geistigkeit, wenn er in sich selber hineinschaut, sondern nimmt das Gespenstische wahr. Alle Triebe, Instinkte, Begierden, das sind Gespenster, die heute vorangehen einer Geistigkeit (rot); während die alten Gespenster nachgefolgt sind einer früheren Geistigkeit (blau). Man kann also sagen: Vom Osten nach dem Westen entwickelte sich eine alte reine Geistigkeit; es folgt der Gespensterglaube im Laufe der Zeiten, und die Reste sind noch immer unter uns. Vom Westen herein gegen den Osten zu entwickelt sich, an uns herankommend und in einer fernen Zukunft sich realisierend, eine spätere Geistigkeit, die sich in ihren Anfängen zeigt durch etwas, was genauso gespenstig ist wie die alten Gespenster, nämlich Triebe, Instinkte, Begierden und so weiter, so wie sie der heutige Mensch ansieht. Der heutige Gelehrte muß aus der Anschauung heraus, die er hat, den Menschen Triebe, Instinkte, Begierden beilegen und sieht mit Verachtung auf den Gespensterglauben der großen Masse herab. Er weiß nicht, daß dieser Gespensterglaube der großen Masse genau ebensoviel Erkenntniswert und Erkenntniswesenheit hat wie sein Glaube an Begierden, Triebe und Instinkte. Er ist gespenstergläubig für die Gespenster des Anfangs, wie die große Masse gespenstergläubig ist für die Gespenster des Endes. Und unsere europäische Zivilisation ist deshalb so chaotisch geworden, weil in ihr zusammenstießen die alten Gespenster mit den neuen Gespenstern.
[ 28 ] We now stand within the evolution of the world in such a way, that on the one hand we see how the belief in ghosts arose out of an ancient spirituality; but at the same time, we see that in the future a purely spiritual contemplation will once more arise. To-day, however, there is still an inner belief in ghosts. Just as those who believe in ghosts think that ghosts are sensory things and look like something which the eyes can see, so a man of to-day, a Westerner, does not yet discern the spiritual, when he looks into himself; he only sees something spectral, something ghostly. All passions, instincts and desires are ghostly spectres, which to-day precede the spirituality of the future, whereas the old ghosts in which people believed succeeded the spirituality of the past. It might be said that the old pure spirituality developed from East to West, then came the belief in ghosts, and the last traces of this belief are still among us. From West to East a future spirituality is developing, which is gradually drawing near, and which will become a reality in a distant future. The first traces of this spirituality, however, appear to be just as spectral as the ancient ghosts, namely the instincts, passions, etc, such as we see them to-day. The scholar of to-day must necessarily from his own point of view attribute to man himself his instincts and passions, yet he regards with contempt the general belief in ghosts. He does not realise that this belief of the masses in ghosts has just as much cognitive value and substance as has his own belief in human desires, instincts and impulses. He too is a believer in ghosts, but they are the ghostly spectres which are only now beginning to appear, whereas the great masses believe in ghosts belonging to a time now coming to an end. That is why our European civilisation has become so chaotic, because the old and the new spectres collide with one another.
[ 29 ] Ich habe das in einem Aphorismus der «West-Ost-Aphorismen», die Sie in der dieswöchigen Nummer des «Goetheanum» vorliegen haben, kurz charakterisiert, wie in der Tat die neuere Menschheit schon seit längerer Zeit auf der einen Seite berührt wurde von einer altvererbten orientalischen Geistigkeit, die zum Gespensterglauben sich verinnerlicht hatte, und auf der anderen Seite berührt wird von etwas jetzt Anfangendem, Keimendem, das aus dem Gespensterglauben an die Triebe, Instinkte und Begierden noch nicht entsinnlicht ist. Die Gespenster, die man gewöhnlich so nennt, sind durch die menschliche Organisation versinnlichte Geister, und die Triebe, Instinkte, Begierden und Leidenschaften sind noch nicht bis zur Geistigkeit gebrachte, noch nicht entsinnlichte, auf die Zukunft hinweisende moderne Gespenster.
[ 29 ] There is a brief description in one of my “West-East Aphorisms” showing how humanity has been influenced for a long period by an ancient traditional Oriental spirituality on the one hand (a spirituality which had condensed itself into a belief in ghosts), and on the other hand in the belief in the spectres of instincts and passions, which is only now beginning to spring into life and which has not yet lost its sensory character. Ghosts, as they are generally called, are spirits which have acquired a sensory-physical character (or have become tangible) through the human organisation, whereas impulses, instincts, desires and passions are modern spectres pointing towards the future, spectres which have not yet been raised to spirituality.
[ 30 ] Das innere Seelenleben gerade des europäischen Menschen lebt in dieser besonderen chaotischen Form des Zusammenwirkens der alten und der neuen Gespenster, und es muß eine geistige Anschauung gefunden werden, welche über beides zur vollen Klarheit kommt. Nicht nur etwa das menschliche Weltanschauungsleben hängt mit diesen Dingen zusammen, sondern es hängt damit zusammen das universelle menschliche Leben auf der Erde. Und wie sollte es auch anders sein, als daß nicht nur das geistige Leben, sondern auch das rechtliche, das juristische Leben, das staatliche Leben und das ökonomische, das wirtschaftliche Leben damit zusammenhängen, da ja alle diese aus der besonderen Beschaffenheit des Menschen hervorgehen. Aber woher kommt denn diese ganze Entwickelung? - Das müssen wir uns fragen. Die Götter, sagte ich, die göttlich-geistigen Wesenheiten, hatten ihre irdischen Angelegenheiten im menschlichen Haupte. Wir unterscheiden ja den dreifachen Menschen, den Nerven-Sinnesmenschen vorzugsweise im Haupte, den rhythmischen Menschen, der in der Mitte lebt, und den Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen, der in den Gliedmaßen und in den Fortsetzungen nach innen, in den eigentlichen Stoffwechselorganen enthalten ist (siehe Zeichnung). Wir unterscheiden diesen dreigliedrigen Menschen, und wir wissen also jetzt, daß die Götter ihre irdischen Angelegenheiten während des Schlafzustandes auf der Erde durch die ältere Menschheit so geordnet haben, daß sie gewissermaßen ihre Werkstätte im Kopfe des Menschen aufschlugen, während der Mensch im Schlafzustand war. Was ist beim heutigen Menschen der Fall?
[ 30 ] The inner soul-life of a modern European lives in this particularly chaotic co-operation of old and new spectres and a spiritual conception must be found which throws light on both. These questions are not only connected with man's conception of the world, but with the universal human life upon the earth. How can it be otherwise, seeing that not only the spiritual life, but also the juridical, political and economic life depend on such questions, since they all proceed from the particular constitution of man. What, then, is the origin of this whole development?—we must ask ourselves. I have said that the divine-spiritual beings have their earthly concerns in the human head. In man we distinguish a threefold being: The nervous-sensory being centred chiefly in the head, the rhythmical being which lives in the middle part, and the metabolic limb being, which is contained in the extremities and in their inner ramifications, that is to say, in the real metabolic organs. Now we know that the gods ordered their earthly concerns during the sleeping condition of the older type of humanity; that they opened their workshop, as it were, in the head of man while he was asleep. What takes place in the man of to-day?
[ 31 ] Auch beim heutigen Menschen schlagen die Götter ihre Werkstätte während des Schlafzustandes im Menschen auf, aber nicht mehr im Kopfe, sondern im Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus. Aber der Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus - das ist jetzt das Wesentliche, das Bedeutungsvolle - bleibt auch während des Wachens dem Menschen unbewußt. Denken Sie doch, wie oft ich es gesagt habe: Die Vorstellungen, in denen wacht der Mensch. Aber was da vorgeht, wenn ich die Vorstellung habe: ich werde meinen Arm heben, ich werde meine Hand bewegen, was dann da unten vorgeht, damit der Muskel wirklich diese Bewegungen ausführt, das weiß der heutige Mensch und das normale Bewußtsein nicht. Es bleibt ihm dunkel dieses ganze Hineinwirken seines Vorstellungslebens in seinen Organismus. Das führt zum unbewußten Leben auch während des Wachzustandes. Die Götter haben also heute den Schauplatz ihres Wirkens auf der Erde so, daß der Mensch im Wachzustande zunächst durch seine eigene natürliche Entwickelung nicht die Erbschaft beim Aufwachen übernehmen kann.
[ 31 ] It happens also at the present time that the gods open their workshop in man while he sleeps, but they no longer work in his head, they work now in his metabolic system. But the limb-metabolic organism—and this is what is now most significant and fundamental—remains unconscious even when the human head is awake. Remember how often I have told you that man is awake in his thoughts and ideas; but when, for instance, the thought comes to him, “Now I will raise my arm, I will move my hand,” he does not really know what takes place below, so that the muscle may carry out these movements. This is not known to the man of to-day through his normal consciousness. The whole way in which his thought-life influences his organism remains in the dark. This leads to an unconscious life even when man is awake. The gods' field of action upon the earth to-day is therefore of such a kind that during his waking life man's own natural development no longer enables him to receive this inheritance of the gods when he wakes up.
[ 32 ] Es ist auch heute so, daß ein göttlich-geistiges Geschehen im Menschen vor sich geht vom Einschlafen bis zum Aufwachen, aber durch seinen natürlichen Zustand ist der Mensch nicht in der Lage, beim Aufwachen Eindrücke zu haben von dem, was die Götter getan haben. Der alte Mensch war einfach durch seine Organisation so beschaffen, daß er sich mit seinen Gedanken inspiriert fühlte. Der heutige Mensch macht seine Gedanken. Aber in diese Tätigkeit wirken noch nicht die göttlich-geistigen Taten hinein. Das muß erst entwickelt werden in der Menschheit. Und das ist die Aufgabe, die sich, ich möchte sagen, als eine kosmische Aufgabe eben die Geisteswissenschaft stellen muß. Sie muß den Menschen zu einer solchen Entwickelung bringen. Und auch das Erziehungswesen muß eingeschlossen werden in eine solche Entwickelung, so daß der Mensch mit vollem Bewußtsein die göttlich-geistigen Taten aus sich heraus erkennen kann. Gleichzeitig damit wird es geschehen, daß er nicht mehr etwas sieht wie diese inneren Gespenster, denn wie man sich heute Triebe, Instinkte vorstellt, so sind das gegenüber dem wirklichen menschlichen Inneren eben geradeso Gespenster, wie man äußerlich Gespenster sieht. Die sind ja auch nicht bloße Einbildungen, sondern sind göttlich-geistige Kräfte, die nur von den Sinnen versinnlicht werden und unrichtig, unwahr vorgestellt werden.
[ 32 ] However, there is a divine-spiritual activity at work in man to-day, from the time of falling asleep to the moment of his awakening, but his surrounding natural conditions no longer enable him to gain an impression of the gods' activity. In the past, man's organisation was so constituted that he felt inspired by his thoughts. To-day, man forms his own thoughts, but in this activity the divine spiritual deeds do not yet work. This capacity must first be developed in mankind. This is the task—I might call it a cosmic task—which spiritual science must set itself. It must bring man forward in his development, and even pedagogy must be encompassed within such development, enabling him to recognise out of his own inner being and in full consciousness the divine-spiritual deeds. At the same time it will come about that he will no longer see these inner spectres. Pacing man's real inner being, the instincts and passions, as they are imagined to-day, are nothing but spectres, even as ghosts are seen outwardly, though these ghosts are not merely fragments of :he imagination; they are divine-spiritual forces which have become- delusively perceptible to the senses and which are incorrect, untrue imaginings. Similarly the divine-spiritual forces which are active in man's inner being are. thought of in the wrong way to-day if we think of them as instincts and passions.
[ 33 ] Ebenso werden aber auch die göttlich-geistigen Kräfte, die im Menschen wirken, unwahr vorgestellt, wenn sie im Sinne der heutigen Triebe, Instinkte vorgestellt werden. Das, was man heute verachtet, sind die äußerlichen Gespenster. Das, was man heute als eine Wissenschaft ansieht, ist eben auch nichts anderes als Gespenster, nur innerliche Gespenster, und der Mensch muß eben durchaus, ich möchte sagen, diese Umwandelung, die ihm durch die kosmische Entwickelung vorgezeichnet ist, mitmachen. Unsere ganze Kultur muß durchdrungen werden von Impulsen, die nach dieser Richtung gehen. Darin liegt eine Möglichkeit, aus Niedergangskräften - oder aus einem chaotischen Zusammenwirken von Niedergangskräften mit Aufgangskräften, gegen die sich die Menschheit heute noch wehrt - herauszukommen und, vom Geistigen inspiriert und impulsiert, den möglichen Zukunftsentwickelungsstadien der Menschheit entgegenzugehen und in der Richtung nach diesen möglichen Zukunftsstadien der Menschheitsentwickelung vorwärtszukommen. Das ist es, worauf es ankommt.
[ 33 ] External ghosts are now despised, but what is regarded as so-called science is but a collection of spectres, of inner spectres, and these must be transformed with man's co-operation during the course of cosmic development. Our whole culture must be permeated by impulses which go in this direction. Therein will lie the possibility of breaking away from the forces of decay, or from the chaotic interplay of such decadent forces with constructive forces (though mankind still struggles against the latter). Then we can advance to future stages of human development inspired and driven by the spirit. All this is essentially important.
[ 34 ] Was ich Ihnen heute geben wollte, ist auch eine Art Ost-WestBetrachtung, nur mehr für das Esoterische, möchte ich sagen, geprägt. Diese Ost-West-Betrachtungen sind heute schon durchaus «zeitgemäß», wobei ich das Wort nicht so trivial gebrauche, wie es vielfach gebraucht wird, denn nur dadurch, daß solche Betrachtungen angestellt werden, kommt die Menschheit zu einem gewissen Bewußtsein.
[ 34 ] What I wished to explain to you to-day is even a kind of East-West contemplation, but expressed, I might say, more esoterically. These East-West contemplations are to-day quite in harmony with the times, and this is not meant trivially. Only by such thoughts and considerations can humanity attain a certain degree of consciousness.
[ 35 ] Man muß also sagen: Einstmals, in älteren Zeiten der Erdenentwikkelung, war der Mensch auch im Schlafe - denn er ist ja Mensch, auch während er schläft, wenn er seinen Leib äußerlich nicht mit sich herumträgt - in einem solchen Verhältnisse zu den Göttern, daß er sogar hinblicken konnte mit Seelenaugen, mit Geistesaugen, wie die Götter in seinem Haupte Wohnung nahmen. Dann blieb mehr oder weniger nur das Nachgefühl beim Aufwachen zurück. Der Mensch kam immer mehr und mehr heraus aus der göttlich-geistigen Welt, die er allerdings traumhaft wahrnahm, indem er nach dem Heraustauchen aus dem Leibe zurückschaute. Das war früher; später nahm er sie dann bei dem Hineintauchen in den Leib nur als eine Inspiration wahr.
[ 35 ] We must therefore say: In past times of earthly evolution, man was even in sleep (for he is a human being when he is asleep, even though he does not carry his body about with him) connected with the gods in such a way, that he could perceive with his soul's eyes, with spiritual eyes, how the gods took up their abode in his head, but when he woke up, only the echo of these feelings remained. Man gradually withdrew from this divine-spiritual world, although he could still perceive it dreamily.
[ 36 ] Aber indem die Götter gewissermaßen weiter heruntergezogen sind in seine physische Gestalt, ist der Mensch jetzt in einen solchen Zusammenhang mit den Göttern einbezogen, daß diese sich in seinem Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus ihre Werkstätte für das Erdenwesen ausgesucht haben. Dieses Erdenwesen aber verläßt der Mensch nicht vollständig im Schlafe. Und weil er es im Schlafe nicht vollständig verläßt, wird der Mensch wieder aus der Götterwelt heraus einen Impuls für seinen Willen, für sein soziales Wesen erleben können, aber nicht im Schlafe, sondern er muß ihn so als ganzer Mensch erleben auch während des Wachens. Das heißt, immer mehr und mehr muß der Mensch sich bewußt Erkenntisse der geistigen Welt aneignen. Das ist dasjenige, dem wir zusteuern müssen. Das wollte ich Ihnen als den Beitrag einer West-Ost-Betrachtung heute geben. Morgen will ich Ihnen dann von diesem West-Ost-Kongreß berichten, so wie er sich mir dargestellt hat.
[ 36 ] The gods descended deeper into the human physical form, and man is connected with them at the present time in such a way that they have now chosen his metabolic system and his extremities as a workshop for the earthly being. But man does not completely abandon this earthly being during sleep. And because this abandonment is not complete, he will once more be able to experience, from the world of the gods will-impulses, impulses for his social life, and these he will experience not only in sleep, but also as a complete human being, when he is awake. In other words: Man must acquire mere and more consciously the knowledge of the spiritual world.
