Menschliches Seelenleben und Geistesstreben
im Zusammenhange mit Welt- und Erdentwickelung
GA 212
17 Juni 1922, Dornach
Neunter Vortrag
[ 1 ] Es wird mir heute obliegen, einiges auseinanderzusetzen aus einem dem Menschen naheliegenden Gebiete der Anthroposophie. Morgen werde ich Ihnen dann einiges mitteilen in Anknüpfung an den eben abgelaufenen Wiener West-Ost-Kongreß. Heute jedoch möchte ich einiges Anthroposophische besprechen.
[ 2 ] Nicht wahr, wir stehen in Verbindung mit der Welt als Menschen zunächst durch unsere Sinne, und zwar, wie für jeden ganz offensichtlich ist, vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Wir nehmen durch die verschiedenen Sinne die verschiedenen Gebiete des Daseins wahr und setzen durch eine gewisse seelische Tätigkeit uns dadurch ein Weltbild zusammen. Ich will das nur andeuten. Jeder wird durch eine solche Andeutung aufmerksam darauf gemacht, wie er den wachenden Verlauf des Lebens selber betrachten kann und was in ihm enthalten ist.
[ 3 ] Nun aber sind wir als Menschen nicht bloß wachend in die Welt hineingestellt, sondern auch schlafend. Und schlafend sind wir mit unserem Ich und unserem seelischen Wesen außerhalb unseres Leibes in eine Weltumgebung hineingestellt, die für das gewöhnliche Bewußtsein dem Menschen zunächst unbekannt ist.
[ 4 ] Alles, was ich Jetzt sage, ist zunächst für den Menschen der Gegenwart gesagt, das heißt für den Menschen, wie er sich in seinem seelischen Leben herausgebildet hat seit jenem Zeitpunkte, den wir oftmals als einen so außerordentlich wichtigen für die neuere Menschheitsentwickelung bezeichnet haben, seit dem 15. Jahrhundert.
[ 5 ] Nun müssen wir uns aber doch fragen: Wie stehen wir zu einer Welt, die allerdings dem gewöhnlichen Bewußtsein verschlossen ist, als schlafender Mensch in Beziehung? Da allerdings kommen wir gerade in diesem Zeitraum der Menschheitsentwickelung, in dem wir heute leben, gleich in eine Schwierigkeit der Beschreibung hinein, wenn wir nicht Rücksicht darauf nehmen, daß die Menschheit eben sich entwickelt hat und in ihrem Seelenleben die verschiedensten Zustände durchgemacht hat.
[ 6 ] Wenn wir das Seelenleben des Menschen betrachten, dann finden wir, daß der Mensch unserer heutigen, wie wir es nennen, zivilisierten Welt sich die mannigfaltigste Mühe geben muß, seine Vorstellungen, seine Begriffe zu bilden. Wir schauen oftmals recht gedankenlos in frühere Menschheitsperioden zurück, in denen ein solches Erziehungswesen, wie es heute für den Menschen notwendig ist, nicht vorhanden war. Wir schauen gewissermaßen gedankenlos auf jene menschliche ältere Kultur, die sich im Oriente drüben entwickelt hat, und die ihren Bestand hatte, ohne daß der Mensch von Kindheit auf in einer solchen Weise durch die Erziehung hindurchgeführt wurde, wie es heute der Fall ist. In Europa selber ist es heute fast unmöglich, sich auch nur eine Vorstellung davon zu machen, wie anders über die Erziehung gedacht worden ist in früheren orientalischen Zeiten, in denen aber doch so Gewaltiges, Herz und Geist des Menschen so Erhebendes geschaffen worden ist, wie das orientalische Schrifttum, wie die Veden, wie alles das, was in der orientalischen Weisheit enthalten ist. Man beurteilt eben heute alles, was im Geiste zustande kommt, darnach, wie der heutige Mensch von Kindheit auf aufwachsen, wie er erzogen und unterrichtet werden muß, und was er dann aus dieser Erziehung, aus diesem Unterricht heraus weiter durch das Leben unserer heutigen Außenwelt wird. Und da stellt sich zunächst für das Vorstellungsleben dieses heraus, daß wir erzogen und unterrichtet werden müssen, weil wir uns unsere Gedanken über das Leben selber machen müssen. Wir wären heute hilflos in der Welt, wenn wir nicht in der Lage wären, uns selber Gedanken über das Leben zu machen. Der Mensch ist eigentlich heute noch nicht sehr weit in der Kunst, möchte ich sagen, sich Gedanken zu machen. Und gerade im Unterrichts- und Erziehungswesen muß darauf gesehen werden, daß wir immer weiter und weiter kommen in der Kunst, aus unserer eigenen Anstrengung heraus uns Gedanken zu machen über die Dinge der Welt.
[ 7 ] In der Griechenzeit wurde das schon vorbereitet. Das griechische Leben war das erste kulturelle Leben innerhalb Europas, war aber in einer gewissen Beziehung durchaus noch vom Oriente beeinflußt und entwickelte daher ein solches Erziehungswesen, das auf die Ausbildung der Kräfte des Vorstellens hinging erst in den allerersten Stadien. Es strömte noch hinein in dieses griechische Kulturleben die orientalische Art, die den Menschen nicht dazu brachte, sich gedankenhaft anzustrengen, um, wenn ich es trivial ausdrücken darf, nun selber Vorstellungen über die Dinge zu machen.
[ 8 ] Man bewundert heute innerhalb des abendländischen Geisteslebens — mit einem gewissen Recht - Sokrates als einen der ersten, der die Menschen dazu angehalten hat, sich selber Vorstellungen über die Dinge zu machen. Aber es wäre durchaus falsch, wenn man daraus nun etwa den Schluß ziehen wollte: weil Europa gezwungen worden ist, aus der menschlichen Anstrengung heraus sich selber Vorstellungen zu machen über die Dinge, daß der Orient kein Gedankenleben gehabt hätte. Der Orient hat ein ganz mächtiges Gedankenleben gehabt, und wir finden dieses Gedankenleben um so mächtiger ausgebildet, je weiter wir zurückgehen in dem orientalischen Kulturleben. Und gehen wir zurück in die Zeiten, in denen die Veden und die Vedantaphilosophie noch nicht da waren - denn die Veden und die Vedantaphilosophie zeigen, wie ich oftmals erwähnt habe, nicht die allerersten Stufen des orientalischen Geisteslebens; die sind nie aufgeschrieben worden -, da war ein mächtiges Gedankenleben im Oriente der alten Zeit schon da. Alles das ist durchaus schon seit zwei bis drei Jahrtausenden im Orient selbst in die Dekadenz gekommen, ist durchaus schon im Niedergang begriffen. Der Orientale bewundert heute die letzten Reste, möchte ich sagen, eines einstmals ganz wunderbaren Gedankenlebens. Aber dieses Gedankenleben, das war nicht so wie das unsrige, bei dem wir - verzeihen Sie den materialistischen Ausdruck, er ist nur als Bild gemeint -, bei dem wir innerlich schwitzen müssen, um es zustande zu bringen, bei dem wir uns anstrengen müssen, damit es wird. Das orientalische Gedankenleben war ein inspiriertes. Dem ÖOrientalen gaben sich die Gedanken in ihrer Zusammenfügung wie von selbst. Er bekam sein Weltbild so, daß dieses Weltbild durchaus einer Eingebung entsprach. Er hatte auch immer das Gefühl: Das, was ich denke, ist mir gegeben. — Und die Anstrengung, die innerliche Seelenanstrengung, Gedanken zusammenzusetzen, kannte er nicht. Vom Aufwachen bis zum Einschlafen fühlte er, daß ihm Gedanken geschenkt wurden. Es hatte auch sein ganzes Seelenleben eine entsprechende Färbung. Wenn er Gedanken hegen durfte, war er den Göttern dankbar, weil sie ihm Gedanken schenkten. Er fühlte es wie ein Einströmen der göttlich-geistigen Mächte, wenn er sich sagen konnte: In mir als Mensch leben Gedanken. - Es war eine ganz andere Stellung zum Gedankenleben.
[ 9 ] Daher war auch das orientalische Gedankenleben der älteren Zeit nicht so abgetrennt vom Fühlen und Empfinden, von den Herzensangelegenheiten der Menschheit, wie es heute für das normale Bewußtsein ist. Gerade weil der Mensch sich so fühlte, daß ihm die Gedanken geschenkt waren, fühlte er sich auch bei jedem Gedanken als Mensch gehoben, und mit jedem Gedanken war zugleich ein religiöses Empfinden verknüpft. Der Mensch fühlte, daß er mit einer Art religiöser Frömmigkeit den Mächten entgegenkommen müsse, welche ihm fertige Gedanken schenkten, nicht so sehr einzelne Gedanken als vielmehr die Zusammenfügung von Gedanken.
[ 10 ] Was war denn aber die objektive, die äußerliche Ursache, daß das für den orientalischen Menschen so war? Die äußerliche objektive Ursache war, daß der Mensch in diesen älteren Zeiten anders schlief, als wir heute schlafen. Wir verlassen ja als Ich und als seelischer Mensch im Schlafe vorzugsweise das Haupt, den Kopf. Nicht in demselben Maße stark getrennt vom Menschen sind die vorzüglichsten Stoffwechselorgane und die Gliedmaßen. In den GliedmaßenStoffwechselleib ragt noch, wenn der Mensch schläft, das Seelische und das Ich hinein. Man sollte nicht eigentlich die Vorstellung haben, daß das Ganze des Menschen verlassen ist im Schlafe vom Ich und von dem Seelischen, sondern man sollte sich vorstellen, daß vorzugsweise das Haupt es ist, das da verlassen ist. Ich habe das öfter auseinandergesetzt, und ich möchte es schematisch noch einmal vor Sie hinstellen, so daß etwa das der wachende Mensch sei (Zeichnung S$. 172, links), daß Ich und Seelenwesen, die ich rot zeichne, den physischen Leib und den Ätherleib durchsetzen. Es wäre falsch, wenn ich jetzt den schlafenden Menschen so zeichnen würde, daß ich hier den physischen Leib und den Ätherleib habe, die im Bette liegen bleiben, und nun einfach daneben zeichnen würde das Ich und den astralischenLeib oder das Seelische. Ich möchte es so zeichnen, daß wenn hier (hell) die physischen Organe sind, die Gliedmaßen sind aber die Arme gehören eigentlich dazu -, daß ich eigentlich nur beim Haupte zeichne, wie sich das Ich und das Seelische des Menschen außerhalb des Menschen befinden, denn ganz streng genommen ist nur in bezug auf das Haupt der Mensch im Schlafe von seinem physischen Leibe und von seinem Ätherleib getrennt (rot).
[ 11 ] Wenn wir nun in jene älteren Zeiten zurückgehen, von denen ich eben gesprochen habe, so ist es so, daß damals während des menschlichen Schlafzustandes die menschlichen Hauptesorgane, also im wesentlichen das Nerven-Sinnessystem und ein Teil des Atmungssystemes, das das Haupt durchsetzt, der Schauplatz waren, auf dem die göttlich-geistigen Wesenheiten, die mit der Erde etwas zu tun hatten, ihre Angelegenheiten abwickelten.
[ 12 ] Man kann durchaus, ohne bildlich zu sprechen, wenn man ganz ernsthaft auf Wirklichkeiten hindeutet, sagen: In den ältesten Zeiten der Menschheitsentwickelung wirkten die göttlich-geistigen Wesen auf der Erde so, daß sie sich von den Menschen zurückzogen, wenn diese wachten. Wenn aber die Menschen schliefen, so nahmen sie Wohnung in den Häuptern der Menschen. Das menschliche Ich und das menschliche Seelenwesen hatten das Haupt verlassen; die göttlich-geistigen Wesenheiten ordneten dort ihre Angelegenheiten. Und wenn der Mensch dann am Morgen wieder aufwachte, wenn er also wieder untertauchte in sein Haupt, dann fand er dort die Ergebnisse dessen vor, was zurückgeblieben war unter dem Einflusse der Taten der göttlich-geistigen Wesen, die vom Einschlafen bis zum Aufwachen in seinem Haupte so tätig waren, daß sie seine Nervenvorgänge nach ihren Gesetzen ordneten und bis in die Blutzirkulation hinein auf das Geschehen, auf das organische Geschehen im Ätherleib und im physischen Leib Wirkungen ausübten. Aber der Mensch sah nicht etwa deutlich jenen Tatbestand ein, den ich jetzt eben beschrieben habe - den sahen diejenigen ein, die in den Mysterien geschult wurden -, die große Masse der Menschheit sah diesen Tatbestand nicht ein, aber sie erlebte ihn. Der Mensch fand also beim Aufwachen die Taten der Götter in seinem Haupte vor. Und wenn er dann wachend lebte und die Gedanken in ihrer Zusammenfügung wahrnahm, so kam das dadurch, daß die Götter während des Schlafes in seinem Haupte tätig gewesen waren. Es fand gewissermaßen jeden Morgen der altorientalische Mensch das Erbe desjenigen vor, was die Götter als ihre Angelegenheiten während seines Schlafes abgemacht hatten. Und das nahm er dann wahr als Inspiration mit Gedanken. Es war also nicht so, daß ihn während des Wachens die göttlich-geistigen Wesenheiten unmittelbar inspiriert hätten, sondern sie inspirierten ihn während der Zeit seines Schlafens, indem sie ihre eigenen Angelegenheiten da abwickelten. Und alles, was dazu führte, daß sich in jenen älteren Zeiten der Mensch sozial so oder so benahm, das war im Grunde genommen Inspiration. Man möchte sagen: die göttlich-geistigen Wesen hatten damals durchaus die Möglichkeit, die irdischen Angelegenheiten so zu ordnen, daß sie von dem Schlafzustande aus das gegenseitige Vertrauen der Menschen zueinander, daß sie den Gehorsam, den die große Masse ihren Führern entgegenbrachte, ordneten und so weiter. Es war also durchaus gerade auf die Weise ein Zusammenwirken der göttlich-geistigen Welt mit der irdischen Welt in jener alten orientalischen Zeit vorhanden. Das war aber nur dadurch möglich, daß die ganze menschliche Organisation damals noch anders war.
[ 13 ] Ich habe es öfter erwähnt, wie sich der Mensch heute vorstellt, daß eigentlich alles bei ihm, das heißt, solange der Mensch auf Erden geschichtlich lebt, immer so war, wie es heute ist, das Physische des physischen Organismus, das Seelische der Seele, das Geistige des Ich. Wenn heute der Geschichtsschreiber daran geht, über das alte Ägypten zu schreiben und seine Urkunden enträtselt, dann denkt er sich, daß die Menschen zwar noch nicht so gescheit waren wie er, aber daß sie im wesentlichen doch so gedacht, gefühlt und gewollt haben, wie er es selber tut. Man hat die Anschauung: Wenn man ganz weit zurückgeht, dann werden die Menschen zu einer Art von höheren Affen, und von diesem Stadium gingen sie dann über zu dem - nun Ja, was man Ja nicht weiß, wie der Geschichtsschreiber es sich denkt. Aber als die Zeit begann, die einen geschichtlich interessieren kann, so ist die Ansicht: Da muß man die Menschen schon so hinnehmen, wie sie auch heute sind in ihrem Denken, Fühlen und Wollen, in der Art und Weise ihrer heutigen ätherisch-physischen Organisation.
[ 14 ] So ist es eben nicht. Die Menschen haben sich auch in geschichtlichen Zeiten ganz wesentlich geändert. Sie brauchen sich nur an dasjenige zu erinnern, was ich zum Beispiel als Einzelheit schon früher angeführt habe, wie der Grieche die Weltumgebung rein physisch ansah. Der Grieche sah noch nicht so das Blau, wie wir es heute sehen; er sah eigentlich nur die rötliche Farbnuance. Und wenn sich heute ein Mensch vorstellt, daß der blaue Himmel ja so schön ist, und daß daher der Grieche, weil er in Schönheit lebte, vorzugsweise diesen blauen Himmel gesehen haben müsse, so irrt sich der Mensch. Der Grieche hat gerade die warmen, die rötlichen, die gelben Farben geschaut, und Grün und Blau hat er schon nicht wesentlich voneinander unterschieden. Er hat daher den Himmel ganz anders geschen, als ihn heute ein normales Bewußtsein sieht. Auch die Augen selber sind im Laufe der Menschheitsentwickelung durchaus anders geworden, wenn das auch nur in intimeren und feineren Zügen der Fall ist. Die ganze Sinnesorganisation ist überhaupt im Laufe der geschichtlichen Zeit eine andere geworden. Und in jenen alten orientalischen Zeiten, von denen ich jetzt eben gesprochen habe, war in der Tat die Sinnesorganisation so, daß der Mensch nicht durch sie beirrt, gehindert wurde, sich dem hinzugeben, was da, wenn er wachte, aus seinem Organismus herauskam an Göttertaten, und was ihm geblieben war aus seinem Schlafzustande.
[ 15 ] Allmählich wurde die Sinnesorganisation der Menschheit so, daß der Mensch so lebendig durch seine Sinne mit der Außenwelt verbunden wurde, daß diese lebendige Verbindung ihn gleich, wenn er aufwacht, daran hinderte, auch nur aufmerksam zu sein auf dasjenige, was etwa dasein könnte als Erbschaft aus dem Schlafe heraus. Selbst wenn die Götter noch ihre Angelegenheiten während des Schlafes in seinem Kopfe ordnen würden - sie tun es nicht mehr, weil der Mensch eben umorganisiert ist und es keine weitere Bedeutung mehr für die Entwickelung der Menschheit hat -, so würde der Mensch gar nichts mehr davon haben für seinen Fortschritt und seine Fortentwikkelung. Im Gegenteil, er würde, weil, wenn er aufwacht und er sogleich der Außenwelt durch seine jetzt entwickelten Sinne mächtig hingegeben ist, gar nicht aufmerksam sein können auf dasjenige, was er etwa an Erbschaft aus dem Schlafe übernehmen könnte. Und dadurch würde es zurückgehen in den Körper, statt daß es aufgenommen würde vom Bewußtsein. Der Mensch würde heute in sich nicht fühlen können durch das Inspirierte, was im Schlaf die Götter auf dem Schauplatze seiner Hauptesorganisation taten. Es würde in ihn zurückgehen und seinen Organismus früh altern machen.
[ 16 ] In älteren Zeiten wurde das eben aufgenommen von dem Menschen im wachenden Zustande, was er schlafend erlebt hatte, weil seine Sinne nicht so hinorientiert waren auf die Außenwelt, wie das heute der Fall ist; und so konnte damals der Mensch im Vereine mit der Götterwelt leben. Dieses Leben war aber ein wirkliches Leben mit der Götterwelt. Die Götter kann man mit den Sinnen ohnedies nicht anschauen, und der alte Mensch war dazu veranlagt, nun wenigstens die Göttertaten zu erleben, dadurch, daß seine Sinne noch nicht so hinorientiert waren auf die Außenwelt, wie die heutigen es sind.
[ 17 ] Nun kam aber später eine Zeit - es war im wesentlichen das Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha -, da begannen auch in der orientalischen Welt die Sinne, namentlich die Augen der Menschen empfänglich zu werden für die Eindrücke der Außenwelt, so wie das eben später der Fall war. Der Mensch kam dazu, die spätere Sinnesorganisation immer mehr und mehr anzunehmen und sie dem hinzuzufügen, was ihm innerlich noch geblieben war von älteren Zeiten, von seiner Nervenorganisation, die es ihm noch möglich machte, die göttlich-geistigen Taten zu erleben. In den älteren Zeiten hatte er die göttlich-geistigen Taten rein erlebt, ohne das Sinnliche hineinzumischen. Jetzt erlebten die Menschen zwar auch noch etwas, weil die Götter noch nicht ganz von ihnen fortgegangen waren, aber das nahm die Sinnesorganisation gleich in sich herein, und die Folge davon war, daß über einen großen Teil der Menschheit dieses Eigentümliche kam, daß die Götter, die geistigen Wesenheiten, gewissermaßen hereingeholt wurden in die sinnliche Organisation. Ich kann das so ausdrücken, daß ich sage: Aus der ehemaligen rein geistigen Anschauung der göttlich-geistigen Wesenheiten wurde der Glaube an Gespenster.
[ 18 ] Der Glaube an Gespenster ist nicht etwa etwas, was uralt ist in der Menschheit. Uralt ist das Anschauen der göttlich-geistigen Wesenheiten. Der Gespensterglaube entstand erst durch das Einmischen der Sinneswahrnehmung in die Anschauung des Göttlichen. Und als die Mysterienkultur des Orientes nach Europa herüberkam und zum Beispiel auch angenommen wurde von dem wunderbaren griechischen Geistesleben in der Kunst, in der Philosophie, da kam in großem Maße eben auch das Gespensterschauen herüber.
[ 19 ] Man kann sagen: In diesem letzten Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha war die rein orientalische Anschauung schon in den Niedergang hineingekommen, und es war eine Art von Gespensterschauen gerade bei vielen Gliedern der großen breiten Masse vorhanden. Es wanderte herüber nach Europa der Gespensterglaube, die in das Sinnesgemäße verwandelte echte geistige Anschauung des Orients. So daß man sagen kann: der Gespensterglaube ist der letzte Ausläufer, das Ende einer hohen, wenn auch träumerischen geistigen Anschauung, die einmal eine hohe Kulturblüte in der Entwickelung der Menschheit bedeutet hat.
[ 20 ] Sehen Sie, dasjenige, was ich da geschildert habe, wie der alte orientalische Mensch im Schlafzustande sein Haupt als den irdischen Schauplatz der Götterwelt empfinden mußte, das erlebte man eben nur als Mensch; der Mysterieneingeweihte wußte es aber. Das hat seinen Gegensatz nun schon heute in dem Aufkommen einer neuen Kultur.
[ 21 ] Diese neue Kultur ist noch im Anfange, und sie drückt sich um so stärker aus, je weiter wir nach Westen hinüberkommen. Es hätte für den alten orientalischen Menschen keinen Sinn gehabt, etwa zu sagen: Die menschlichen Gedanken durchpulsen den menschlichen Willen nicht. - Denn er wußte: was in seinem Willen, selbst in seinem Blute lebte, das kam ihm von den Göttern. Die Götter machten seine Gedanken, und die Götter entwickelten eine mächtige Kraft in seinem Schlafzustande. Er empfand das als Inspiration.
[ 22 ] Heute noch, wenn wir hinüberschauen nach dem Osten, nach den letzten Resten dessen, was zum Beispiel in Solowjow vorhanden ist als Philosophie, so gibt es etwas gerade bei diesem Solowjow, das zeigt, wie er gar nicht versteht, gar nicht verstehen würde, wenn man etwa sagen würde: Die Gedanken sind nicht impulsierend im Menschen, sie tragen nicht den Willen.
[ 23 ] Das aber ist durchaus die heutige Meinung des westlichen, namentlich des amerikanischen Menschen. Der amerikanische Mensch schildert dasjenige, was sich ihm in diesem Sinne ergibt, bis in die Züge seiner Physiologie, seiner Biologie hinein. Die Wissenschaft Amerikas ist in dieser Beziehung, wenn man auf ihre intimeren Grundzüge eingeht, etwas ganz anderes als die europäische oder gar als die Wissenschaft des Ostens.
[ 24 ] Der Westmensch schildert, wie wenig Bedeutung eigentlich die Gedanken für den Willen des Menschen haben. Er weiß eben zu stark, daß es der Mensch ist, der die Gedanken macht. Der kann aber doch nicht die Gedanken aus dem Blauen heraus machen. Deshalb sagt sich zum Beispiel der Amerikaner von heute: Viel wichtiger, als was der Mensch an Gedanken aufnimmt, ist die Art und Weise, wie er in eine gewisse Familie, in eine Parteirichtung hineingewachsen ist durch seine sozialen Lebensverhältnisse, wie er in eine Sekte hineingewachsen ist. Das alles übt Emotionen auf ihn aus, das alles bestimmt seinen Willen. Und man kann eigentlich gar nicht von dem Gedanken aus den Willen bestimmen. Aus solchen Untergründen des Lebens heraus wie Familie, Parteirichtung, Land, Sekte und so weiter wird der Wille bestimmt. — Und der Amerikaner, der Westmensch überhaupt, sagt: Die Gedanken sind eigentlich nicht der Herrscher im Menschen; sie sind eigentlich nur der oberste Minister des Herrschers, der menschlichen Organisation, die Wille, Trieb, Instinkt ist, wenn sie auch — was dann Carlyle nachgesprochen wird - ein teurer Minister sind, diese Gedanken, aber sie sind nur das ausführende Organ.
[ 25 ] Und wir müssen eigentlich sagen, daß heute jene breiten Menschenmassen, die heranstürmen, um ihre eigenen Ansichten gegenüber dem Altüberkommenen in der Welt zur Geltung zu bringen, eigentlich auch so denken. Daher kommt es, daß man heute so gern studiert, wie der primitive Mensch gelebt hat, weil man meint, er habe in Instinkten, in Trieben gelebt, und seine Gedanken wären nur wie eine Art Spiegelbild der Instinkte, der Triebe gewesen.
[ 26 ] So sieht man heute als Westmensch in den Menschen hinein und sagt, ihn treiben die Instinkte, die Triebe. Warum das? Weil er noch nicht organisiert ist, in diesen Trieben, Instinkten, das Geistige wahrzunehmen. Es gibt für ihn nichts als einen Trieb, als einen Instinkt, hinter dem nicht Geistiges steckt. Aber wenn im Menschen sich ein Instinkt, ein Trieb geltend macht, es mag meinetwillen etwas sehr bösartig Geistiges sein, was sich da geltend macht bei dem einen und bei dem anderen Menschen, aber selbst wenn es der brutalste Trieb ist, Geist ist es, der dahintersteckt. Nur kann der Mensch diesen Geist heute noch nicht fassen. Das Menschengeschlecht ist eben durchaus in Entwickelung begriffen. Es muß sich erst hinbewegen zu einer solchen Geistigkeit, daß, wenn der Mensch in sich hineinschaut, und er seine Triebe, Instinkte, Begierden wahrnimmt, er in ihnen überall Geistiges wahrnimmt. Das wird er einmal in Zukunft tun. Dabei macht es gar keinen Unterschied, ob der Mensch etwa böse oder gute Instinkte hat; es sind dann halt ahrimanische oder luziferische Geistigkeiten, die in ihm stecken, wenn es böse Instinkte sind, aber es sind Geistigkeiten.
[ 27 ] Mit diesem Vorgeben, daß wir Triebe, Instinkte haben als die treibenden Motoren im Menschen, ist es nämlich gar nicht anders, als es mit den Gespenstern in bezug auf die Geistigkeit von früher war. Sehen Sie, da war einmal in der Anschauung von dem Orientalen eine alte Geistigkeit vorhanden (siehe Zeichnung). Das hat sich weiterentwickelt und ist als Endprodukt, also wie gesagt, in dem letzten Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha, zum Gespensterglauben, zum Gespensteranschauen geworden (siehe Zeichnung, blau).
[ 28 ] Jetzt stehen wir in der Weltentwickelung so drinnen, daß wir auf der einen Seite hinschauen, wie der Gespensterglaube aus einer alten Geistigkeit herausgekommen ist; aber wir schauen zu gleicher Zeit in der Perspektive nach einer Zukunft hinein; da wird einstmals wiederum eine reine Anschauung kommen. Aber jetzt ist noch ein Gespensterglaube da, ein innerer Gespensterglaube. So wie der Gespenstergläubige meint, die Gespenster seien sinnlich, schauen so aus, wie man mit dem Auge sieht, so sieht der heutige Mensch, der Westmensch, noch nicht die Geistigkeit, wenn er in sich selber hineinschaut, sondern nimmt das Gespenstische wahr. Alle Triebe, Instinkte, Begierden, das sind Gespenster, die heute vorangehen einer Geistigkeit (rot); während die alten Gespenster nachgefolgt sind einer früheren Geistigkeit (blau). Man kann also sagen: Vom Osten nach dem Westen entwickelte sich eine alte reine Geistigkeit; es folgt der Gespensterglaube im Laufe der Zeiten, und die Reste sind noch immer unter uns. Vom Westen herein gegen den Osten zu entwickelt sich, an uns herankommend und in einer fernen Zukunft sich realisierend, eine spätere Geistigkeit, die sich in ihren Anfängen zeigt durch etwas, was genauso gespenstig ist wie die alten Gespenster, nämlich Triebe, Instinkte, Begierden und so weiter, so wie sie der heutige Mensch ansieht. Der heutige Gelehrte muß aus der Anschauung heraus, die er hat, den Menschen Triebe, Instinkte, Begierden beilegen und sieht mit Verachtung auf den Gespensterglauben der großen Masse herab. Er weiß nicht, daß dieser Gespensterglaube der großen Masse genau ebensoviel Erkenntniswert und Erkenntniswesenheit hat wie sein Glaube an Begierden, Triebe und Instinkte. Er ist gespenstergläubig für die Gespenster des Anfangs, wie die große Masse gespenstergläubig ist für die Gespenster des Endes. Und unsere europäische Zivilisation ist deshalb so chaotisch geworden, weil in ihr zusammenstießen die alten Gespenster mit den neuen Gespenstern.
[ 29 ] Ich habe das in einem Aphorismus der «West-Ost-Aphorismen», die Sie in der dieswöchigen Nummer des «Goetheanum» vorliegen haben, kurz charakterisiert, wie in der Tat die neuere Menschheit schon seit längerer Zeit auf der einen Seite berührt wurde von einer altvererbten orientalischen Geistigkeit, die zum Gespensterglauben sich verinnerlicht hatte, und auf der anderen Seite berührt wird von etwas jetzt Anfangendem, Keimendem, das aus dem Gespensterglauben an die Triebe, Instinkte und Begierden noch nicht entsinnlicht ist. Die Gespenster, die man gewöhnlich so nennt, sind durch die menschliche Organisation versinnlichte Geister, und die Triebe, Instinkte, Begierden und Leidenschaften sind noch nicht bis zur Geistigkeit gebrachte, noch nicht entsinnlichte, auf die Zukunft hinweisende moderne Gespenster.
[ 30 ] Das innere Seelenleben gerade des europäischen Menschen lebt in dieser besonderen chaotischen Form des Zusammenwirkens der alten und der neuen Gespenster, und es muß eine geistige Anschauung gefunden werden, welche über beides zur vollen Klarheit kommt. Nicht nur etwa das menschliche Weltanschauungsleben hängt mit diesen Dingen zusammen, sondern es hängt damit zusammen das universelle menschliche Leben auf der Erde. Und wie sollte es auch anders sein, als daß nicht nur das geistige Leben, sondern auch das rechtliche, das juristische Leben, das staatliche Leben und das ökonomische, das wirtschaftliche Leben damit zusammenhängen, da ja alle diese aus der besonderen Beschaffenheit des Menschen hervorgehen. Aber woher kommt denn diese ganze Entwickelung? - Das müssen wir uns fragen. Die Götter, sagte ich, die göttlich-geistigen Wesenheiten, hatten ihre irdischen Angelegenheiten im menschlichen Haupte. Wir unterscheiden ja den dreifachen Menschen, den Nerven-Sinnesmenschen vorzugsweise im Haupte, den rhythmischen Menschen, der in der Mitte lebt, und den Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen, der in den Gliedmaßen und in den Fortsetzungen nach innen, in den eigentlichen Stoffwechselorganen enthalten ist (siehe Zeichnung). Wir unterscheiden diesen dreigliedrigen Menschen, und wir wissen also jetzt, daß die Götter ihre irdischen Angelegenheiten während des Schlafzustandes auf der Erde durch die ältere Menschheit so geordnet haben, daß sie gewissermaßen ihre Werkstätte im Kopfe des Menschen aufschlugen, während der Mensch im Schlafzustand war. Was ist beim heutigen Menschen der Fall?
[ 31 ] Auch beim heutigen Menschen schlagen die Götter ihre Werkstätte während des Schlafzustandes im Menschen auf, aber nicht mehr im Kopfe, sondern im Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus. Aber der Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus - das ist jetzt das Wesentliche, das Bedeutungsvolle - bleibt auch während des Wachens dem Menschen unbewußt. Denken Sie doch, wie oft ich es gesagt habe: Die Vorstellungen, in denen wacht der Mensch. Aber was da vorgeht, wenn ich die Vorstellung habe: ich werde meinen Arm heben, ich werde meine Hand bewegen, was dann da unten vorgeht, damit der Muskel wirklich diese Bewegungen ausführt, das weiß der heutige Mensch und das normale Bewußtsein nicht. Es bleibt ihm dunkel dieses ganze Hineinwirken seines Vorstellungslebens in seinen Organismus. Das führt zum unbewußten Leben auch während des Wachzustandes. Die Götter haben also heute den Schauplatz ihres Wirkens auf der Erde so, daß der Mensch im Wachzustande zunächst durch seine eigene natürliche Entwickelung nicht die Erbschaft beim Aufwachen übernehmen kann.
[ 32 ] Es ist auch heute so, daß ein göttlich-geistiges Geschehen im Menschen vor sich geht vom Einschlafen bis zum Aufwachen, aber durch seinen natürlichen Zustand ist der Mensch nicht in der Lage, beim Aufwachen Eindrücke zu haben von dem, was die Götter getan haben. Der alte Mensch war einfach durch seine Organisation so beschaffen, daß er sich mit seinen Gedanken inspiriert fühlte. Der heutige Mensch macht seine Gedanken. Aber in diese Tätigkeit wirken noch nicht die göttlich-geistigen Taten hinein. Das muß erst entwickelt werden in der Menschheit. Und das ist die Aufgabe, die sich, ich möchte sagen, als eine kosmische Aufgabe eben die Geisteswissenschaft stellen muß. Sie muß den Menschen zu einer solchen Entwickelung bringen. Und auch das Erziehungswesen muß eingeschlossen werden in eine solche Entwickelung, so daß der Mensch mit vollem Bewußtsein die göttlich-geistigen Taten aus sich heraus erkennen kann. Gleichzeitig damit wird es geschehen, daß er nicht mehr etwas sieht wie diese inneren Gespenster, denn wie man sich heute Triebe, Instinkte vorstellt, so sind das gegenüber dem wirklichen menschlichen Inneren eben geradeso Gespenster, wie man äußerlich Gespenster sieht. Die sind ja auch nicht bloße Einbildungen, sondern sind göttlich-geistige Kräfte, die nur von den Sinnen versinnlicht werden und unrichtig, unwahr vorgestellt werden.
[ 33 ] Ebenso werden aber auch die göttlich-geistigen Kräfte, die im Menschen wirken, unwahr vorgestellt, wenn sie im Sinne der heutigen Triebe, Instinkte vorgestellt werden. Das, was man heute verachtet, sind die äußerlichen Gespenster. Das, was man heute als eine Wissenschaft ansieht, ist eben auch nichts anderes als Gespenster, nur innerliche Gespenster, und der Mensch muß eben durchaus, ich möchte sagen, diese Umwandelung, die ihm durch die kosmische Entwickelung vorgezeichnet ist, mitmachen. Unsere ganze Kultur muß durchdrungen werden von Impulsen, die nach dieser Richtung gehen. Darin liegt eine Möglichkeit, aus Niedergangskräften - oder aus einem chaotischen Zusammenwirken von Niedergangskräften mit Aufgangskräften, gegen die sich die Menschheit heute noch wehrt - herauszukommen und, vom Geistigen inspiriert und impulsiert, den möglichen Zukunftsentwickelungsstadien der Menschheit entgegenzugehen und in der Richtung nach diesen möglichen Zukunftsstadien der Menschheitsentwickelung vorwärtszukommen. Das ist es, worauf es ankommt.
[ 34 ] Was ich Ihnen heute geben wollte, ist auch eine Art Ost-WestBetrachtung, nur mehr für das Esoterische, möchte ich sagen, geprägt. Diese Ost-West-Betrachtungen sind heute schon durchaus «zeitgemäß», wobei ich das Wort nicht so trivial gebrauche, wie es vielfach gebraucht wird, denn nur dadurch, daß solche Betrachtungen angestellt werden, kommt die Menschheit zu einem gewissen Bewußtsein.
[ 35 ] Man muß also sagen: Einstmals, in älteren Zeiten der Erdenentwikkelung, war der Mensch auch im Schlafe - denn er ist ja Mensch, auch während er schläft, wenn er seinen Leib äußerlich nicht mit sich herumträgt - in einem solchen Verhältnisse zu den Göttern, daß er sogar hinblicken konnte mit Seelenaugen, mit Geistesaugen, wie die Götter in seinem Haupte Wohnung nahmen. Dann blieb mehr oder weniger nur das Nachgefühl beim Aufwachen zurück. Der Mensch kam immer mehr und mehr heraus aus der göttlich-geistigen Welt, die er allerdings traumhaft wahrnahm, indem er nach dem Heraustauchen aus dem Leibe zurückschaute. Das war früher; später nahm er sie dann bei dem Hineintauchen in den Leib nur als eine Inspiration wahr.
[ 36 ] Aber indem die Götter gewissermaßen weiter heruntergezogen sind in seine physische Gestalt, ist der Mensch jetzt in einen solchen Zusammenhang mit den Göttern einbezogen, daß diese sich in seinem Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus ihre Werkstätte für das Erdenwesen ausgesucht haben. Dieses Erdenwesen aber verläßt der Mensch nicht vollständig im Schlafe. Und weil er es im Schlafe nicht vollständig verläßt, wird der Mensch wieder aus der Götterwelt heraus einen Impuls für seinen Willen, für sein soziales Wesen erleben können, aber nicht im Schlafe, sondern er muß ihn so als ganzer Mensch erleben auch während des Wachens. Das heißt, immer mehr und mehr muß der Mensch sich bewußt Erkenntisse der geistigen Welt aneignen. Das ist dasjenige, dem wir zusteuern müssen. Das wollte ich Ihnen als den Beitrag einer West-Ost-Betrachtung heute geben. Morgen will ich Ihnen dann von diesem West-Ost-Kongreß berichten, so wie er sich mir dargestellt hat.
