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The Rudolf Steiner Archive

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Menschliches Seelenleben und Geistesstreben
im Zusammenhange mit Welt- und Erdentwickelung
GA 212

5 Mai 1922, Dornach

Dritter Vortrag

[ 1 ] Wir müssen uns heute einiges vor Augen rücken, das uns von gewissen Seiten her schon bekannt ist, um die weiteren Betrachtungen anzustellen, die sich anschließen an das in der vorigen Woche Gesagte. Wenn wir den Menschen so, wie er einmal in der Welt zwischen Geburt und Tod steht, betrachten, so zerfällt uns sein Leben in Gliederungen, die von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachtet werden können. Wir haben ja oftmals unsere Aufmerksamkeit auf den Wechselzustand gelenkt zwischen Wachen und Schlafen. Wir wissen, daß ein Zwischenzustand zwischen Wachen und Schlafen der des Träumens ist. Das sind die drei Zustände, in denen das Bewußtsein des gewöhnlichen Lebens verläuft: Wachen, Träumen, Schlafen. Aber diese drei Zustände, sie finden sich auch sonst als Gliederungen der menschlichen Wesenheit vor. Wenn wir die Inhalte, die Erlebnisse dieses gewöhnlichen Bewußtseins verfolgen, so haben wir das Erlebnis des Denkens, des Vorstellunghabens, und ich habe oft gesagt: Wir sind eigentlich nur dann wirklich wach, wenn wir in diesem Zustand oder insofern wir in diesem Zustande des Vorstellunghabens sind. Jeder, der sich mit unbefangenem Sinn selbst beobachtet, wird erkennen können, daß das Fühlen einen viel dumpferen Bewußtseinszustand darstellt als das Denken. Die Gefühle, sie durchwogen unsere Seele, ohne daß wir in einer so bestimmten Weise sie beziehen können auf irgend etwas in der Außenwelt oder auf Erinnerungen, wie die Vorstellungen. Wir haben auch durchaus das Bewußtsein, oder können es wenigstens haben, daß in dem Augenblicke unseres Wachens diese Gefühle kommen und gehen, wirklich so ähnlich, wie in dem Zwischenzustande zwischen Wachen und Schlafen die Träume kommen und gehen. Und wer einen Sinn dafür hat, solche Dinge des Bewußtseins wirklich miteinander zu vergleichen, der wird sich eben sagen müssen: Die Träume sind Bilder; die Gefühle sind etwas wie unbestimmte, in uns wogende Kräfte. Aber in allem übrigen, wenn wir von diesem Inhaltlichen absehen, in allem übrigen kommen und gehen die Träume, wie die Gefühle kommen und gehen. Und aus einem, ich möchte sagen, allgemein Finsteren und Dumpfen des Bewußtseins heraus tauchen die Träume auf, wie aus einem allgemeinen Innenbefinden die Gefühle herauftauchen und wiederum sich hinuntersenken.

[ 2 ] Mit dem Wollen ist es so, daß dasjenige, was eigentlich in unserem Inneren vorgeht, wenn wir einen Willensimpuls haben, uns so unbekannt bleibt wie das, was wir verschlafen. Klar ist von dem, was beim Wollen vor sich geht, eben nur der Gedanke, der den Zweck einer Willenshandlung in sich hat. Es ist dann die Anschauung etwa unserer Bewegung oder desjenigen, was durch unser Wollen äußerlich geschieht, wieder vor unserer Seele, in unserem Bewußtsein. Aber das, was, sagen wir, im Bein oder im Arm vor sich geht, während wir das Bein heben, mit dem Bein ausschreiten wollen, oder während wir den Arm heben wollen, das ist etwas, was so unbewußt bleibt wie dasjenige, was sich abspielt zwischen Einschlafen und Aufwachen. So daß wir, auch während wir wachen, schon gleichzeitig in einem gewissen Sinne diese drei Zustände des Bewußtseins erleben: Wachen, Träumen, Schlafen.

[ 3 ] Nun kommen wir aber zu einer vollständigen Erkenntnis des Menschen nur, wenn wir dies, was uns damit gegeben ist, daß wir auf der einen Seite Schlafen, Träumen, Wachen, auf der anderen Seite Wollen, Fühlen, Denken betrachten, nun eben einer vernünftigen, wenn ich so sagen darf, Betrachtung unterziehen.

[ 4 ] Nehmen wir einmal den schlafenden Menschen einerseits, den wollenden Menschen andererseits. Der schlafende Mensch, er ist dadurch charakterisiert, daß derjenige Inhalt des Bewußtseins, der sonst uns eigentlich zum Menschen macht, das Ich-Erlebnis, nicht da ist. Das Ich-Erlebnis also ist nicht da. Wir bezeichnen das gewöhnlich dadurch, daß wir sagen: Das Ich ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen außerhalb dessen, was als physischer Mensch vor uns ist.

[ 5 ] Nun aber betrachten wir den träumenden Menschen auf der einen Seite und den fühlenden Menschen auf der anderen Seite. Es wird Ihnen ohne weiteres bei einer gewöhnlichen Selbstbeobachtung klar sein, daß die Träume gewissermaßen als neutrale Bilder vor der Seele stehen, daß, indem Sie, sagen wir, beim Aufwachen oder vor dem Einschlafen träumen, diese Bilder wie ein Gewebe, man kann nicht gut sagen, vor, aber im Seelischen schweben und weben. Das unterscheidet sich, was da im Seelischen vorgeht, von demjenigen, was bei vollem Wachen da ist. Beim vollen Wachen wissen wir, daß wir die Bilder, die wir dann auch haben, gewissermaßen innerlich festhalten, daß wir sie mit unserem menschlichen Wesen ergreifen; sie schweben nicht so nebelhaft im Unbestimmten wie beim Träumen. Wir ergreifen sie mit unserem menschlichen Wesen.

[ 6 ] Ich will das, was ich jetzt eben ausgesprochen habe, einmal schematisch auf die Tafel zeichnen (Zeichnung links). Nehmen wir einfach schematisch den Menschen (hell), und zeichnen wir das, was wir uns vorstellen können als das Schema für die webenden Träume (rot), etwa in der folgenden Weise an den Menschen heran. Man möchte sagen, das, was ich da rot an die Tafel gezeichnet habe, das ist ein Gewebe, das die Seele erlebt, indem es ihr fortwährend entschlüpft, wiederum an sie herankommt.

[ 7 ] In dem Augenblicke des Aufwachens hat der Mensch ein solches Gewebe im seelischen Erleben nicht. Dagegen hat er dasjenige, was er so erlebt, jetzt innerlich. Ich will jetzt aufzeichnen (Zeichnung rechts), wie es nun beim Wachzustand ist. Er hat dieses Gewebe, das sonst gewissermaßen außerhalb ist, jetzt im Inneren, er faßt es mit seinem Leib, und dadurch ist es nicht ein unbestimmtes Gewebe, sondern es ist etwas, was der Mensch innerlich beherrscht.

[ 8 ] An diesem Verhältnis dessen, was als Traum verwebt und verschwebt, und dessen, was dann im Inneren des Menschen der Gedanke ist, wenn der Mensch völlig wach ist und von sich aus das, was jetzt als solche Bildgedanken in seinem Seelischen lebt, beherrscht, an dem können Sie, ich möchte sagen, bis zum seelischen Greifen wahrnehmen: da ist einfach etwas aus dem Äußeren in das Innere hineingezogen. Und wir schildern, indem wir so etwas darstellen, nichts anderes als den Einzug dessen, was zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein in den Träumen verwebt und verschwebt, was wir den astralischen Leib nennen, in das Innere des Menschen. So daß wir sagen können: Wenn wir nach dem Aufwachen anfangen zu denken, so ist der astralische Leib in unserem Inneren. Wir stellen dann vor. Aber wir wissen, wir haben diese Vorstellungen in unserer Gewalt. Solange sie Träume sind, verschweben sie da draußen. Sie brauchen sich nur vorzustellen eine Art Wolke, die in Ihrer Nähe ist und in der sich die Träume weben. Sie saugen gewissermaßen diese Wolke ein; Sie beherrschen sie von innen aus. Sie ist nicht mehr draußen. Sie träumen daher nicht mehr. Aber so, wie Sie irgendeinen Gegenstand mit den Händen ergreifen, so ergreifen Sie diesen Traum mit Ihrem Inneren. Und Sie haben Ihren astralischen Leib eingesogen, Sie haben ihn jetzt drinnen.

[ 9 ] Wir müssen uns allerdings genauer fragen: Was haben wir denn da drinnen? Wenn wir uns das einmal genauer ansehen, was wir da drinnen haben, so können wir vielleicht einen Anhaltspunkt dafür gewinnen, indem wir auf manche Träume, die nicht nur Bilder bleiben, sondern die schon beginnen, unbestimmte Gefühle zu werden, hinschauen. Bedenken Sie nur einmal, wie manche Träume recht unangenehm sind; sie sind einfach ein Bildergewebe. Manche Träume sind mit Angstzuständen verbunden. Sie wachen aus Angstzuständen auf. Sie sehen in diesen unbestimmten Angstzuständen, auch oftmals in unbestimmten Freudenzuständen, aber zumeist sind es eigentlich beängstigende Zustände, in denen sehen Sie schon, ich möchte sagen, das Aufglimmen von etwas, was, indem es sich weiter entwickelt, dann beim völligen Erwachen da ist. Was glimmt denn da auf, wenn der Traum Ihnen zum Beispiel Angst macht?

[ 10 ] Ja, der Traum verwebt sich mit dem Gefühl. Angst ist ein Gefühl. Der Traum ist noch halb draußen; dadurch ist das Gefühl unbestimmt. Aber er verwebt sich schon mit dem Gefühl. Dadurch tritt es auf, das Gefühl. Aber er verwebt sich mit dem, was sonst in der Seele lebt beim Fühlen. Und erst wenn Sie den Astralleib nun ganz herinnen haben, dann haben Sie diese bestimmten, in Ihrer physischen Organisation bedingten Gefühle da, die Ihnen jetzt die Vorstellungen des astralischen Leibes durchsetzen können.

[ 11 ] Wenn Sie gewisse Alp- und Angstträume richtig ins Auge fassen, so haben Sie es wiederum, ich möchte sagen, bis zum seelischen Greifen nahe, was da eigentlich bei diesem Einzug, wie wir es nennen, des astralischen Leibes in den physischen Menschen geschieht. Dasjenige nämlich, was die Beängstigung macht, die zuweilen den Traum begleitet, werden Sie immer entdecken als etwas, was nicht in der Ordnung ist in Ihrem Atmungsprozeß..

[ 12 ] Sie sehen daraus ganz deutlich, daß der astralische Leib durch das, was in der Atmung liegt, einzieht und auch wiederum auszieht. Es ist wirklich nicht so, daß man diese Dinge, wenn man das Leben nur unbefangen beobachten will, nicht beobachten könnte. Man stellt nur nicht gehörig solche Beobachtungen an. Aber es ist etwas da, was uns durchaus die Anleitung dazu gibt, zu erkennen, daß dasjenige, was in den Träumen webt und was in der Wirklichkeit der astralische Leib ist, in unseren Organismus hineingeht, indem es den Atmungsprozeß beim Erwachen ergreift.

[ 13 ] Das führt uns zu einer Betrachtung über den Menschen, die außerordentlich wichtig ist, die aber gewöhnlich nicht angestellt wird. Man sieht den Menschen gewöhnlich so an, als ob er eigentlich ganz und gar ein Organismus wäre, ein Körper wäre, der aus festen Bestandteilen aufgebaut ist. Das ist aber doch nicht wahr. Der menschliche Organismus besteht eigentlich zum geringsten Teile, kaum zu zehn Prozent, aus Festem. Im übrigen ist er ein Wasserorganismus, ein Flüssigkeitsorganismus. So daß wir in Wahrheit diesen Organismus uns so aufgebaut denken müssen, daß wir sagen: Da ist der Organismus, und in einer gewissen Beziehung ein Zehntel fest (siehe Zeichnung, hell); aber dieses Feste ist durchsetzt von dem wässerigen Elemente (blau). Und dann erst stellen Sie sich den menschlichen Organismus ordentlich vor, wenn Sie ihn eigentlich als Wassersäule vorstellen, die das Feste eingelagert hat.

[ 14 ] Aber das genügt noch nicht. Wir müssen den menschlichen Organismus auch als einen Luftorganismus vorstellen. Die Luft ist draußen; wir atmen sie ein. Da ist ein Teil der Luft, die da draußen ist, nun in unserem Inneren drinnen. Die atmen wir wieder aus. Wir sind zu gleicher Zeit ein Luftorganismus. Wollen wir auch das schematisch zeichnen (rot). Aber gerade dieser Luftorganismus ist es, der beim Aufwachen von dem astralischen Leib ergriffen wird. Wir atmen die Luft ein. Die Luft macht ferner einen Prozeß durch; ihre Wirkungen ergießen sich in den ganzen Organismus. Der Sauerstoff nimmt den Kohlenstoff auf, verwandelt sich in Kohlensäure. So ein Luftvorgang findet fortwährend in uns statt.

[ 15 ] Beim Wachen ist aber dieser Luftvorgang durchsetzt von dem astralischen Leib. Auf denselben Bahnen, die die Luft in unserem Organismus durchmacht, läuft die Bewegung des astralischen Leibes. Der Luftvorgang ist ein Luftvorgang ja nur, wenn wir schlafen; wenn wir wach sind, dann schwimmen gewissermaßen die Bewegungen dieses astralischen Leibes in demjenigen, was als Luftvorgang in uns lebt. Aber jetzt denken Sie sich einmal: indem der astralische Leib da einzieht in dasjenige, was ich in Rot schematisch aufgezeichnet habe, und innerhalb des Luftorganismus seine Bewegungen ausführt, dasjenige ausführt, was er überhaupt tut, geht das in dem blau schematisch Gezeichneten, in dem wäßrigen Organismus vor sich. Diese Luftvorgänge, die eigentlich beim Wachen die Vorgänge des astralischen Leibes sind, stoßen immer heran an den wäßrigen Organismus.

[ 16 ] Im wäßrigen Organismus ist aber nun Tag und Nacht der ätherische Leib des Menschen. Und da haben Sie zu gleicher Zeit eine Wechselwirkung des astralischen und des ätherischen Leibes, aber auch das physische Abbild davon: die Luftvorgänge und die Wasservorgänge im Menschen. Sie können sich also durchaus vorstellen, daß im Menschen zunächst diese physischen Prozesse vorhanden sind, die ablaufen zwischen seinem Atmen und den Bewegungen seiner Säfte, überhaupt alledem, was da flüssig im Organismus vor sich geht. Das aber ist wieder nur ein Abbild von dem, was zwischen astralischem und ätherischem Leib vor sich geht.

[ 17 ] Nun ist aber alles dasjenige, was nun da fester, flüssiger, gasförmiger Organismus ist, wiederum durchzogen von Wärme (Zeichnung S. 55, gelb). Der ganze Organismus hat seine eigene Wärme: WärmeÄther. Ich möchte sagen: Auf den Wellen des Luftigen im Menschen bewegt sich das Astralische, und auf demjenigen, was da als Wärme den Organismus durchspielt, da bewegt sich das eigentliche Ich.

[ 18 ] Jetzt haben Sie den physischen Leib als solchen; den flüssigen Leib, der auch physisch ist, aber der nun sich abgrenzt von dem festen physischen Leib, den flüssigen physischen Leib, der einen innigen Zusammenhang mit dem ätherischen Leib hat; den gasförmigen Organismus des Menschen, der einen inneren Zusammenhang hat mit dem astralischen Leib, und dasjenige, was Wärmevorgänge sind, was mit anderen Worten Wärme-Äther ist im Menschen, das einen innigen Zusammenhang hat mit dem menschlichen Ich. So daß wir im Physischen, ich möchte sagen, überall das Bild sehen des ganzen Menschen. Das Feste ist sozusagen etwas, was für sich besteht. Aber das Flüssige im Organismus, das kann nicht für sich bestehen. Wir haben sehr wenig in unserem Kopfe vom Festen. Dasjenige, was wir Festes haben, schwimmt im Gehirnwasser, also in Flüssigkeit. Sehen Sie auf dieses Flüssige innerhalb des menschlichen Kopfes, so haben Sie in diesem Flüssigen zunächst den Ätherteil des Kopfes.

[ 19 ] Das Atmen geht nun so vor sich: Sie atmen ein. Der Atem stößt nach innen, setzt sich fort durch das Rückenmarkswasser nach dem Gehirn. In dieser Stoßbewegung bewegt sich aber zu gleicher Zeit dasjenige, was das Astralische ist, nach dem Ätherischen des Kopfes herauf im Wachzustande. So daß wir auf der einen Seite ein Zusammenwirken der Bewegungen des Gehirnwassers mit den Atmungsbewegungen haben, auf der anderen Seite ein Zusammenwirken des Ätherteiles des Kopfes, von dem das, was im Gehirnwasser vor sich geht, nur ein Abbild ist, mit demjenigen, was Atmungsvorgänge sind, die wiederum nur ein Abbild sind desjenigen, was astralisch ist im Menschen. Und dann haben wir ein fortwährendes Spiel der Wärmezustände. Und das Blut in seiner Bewegung vermittelt diese Wärmezustände. Auf diesem Wogen des Wärmemeeres in uns bewegt sich zu gleicher Zeit unser Ich.

[ 20 ] Es handelt sich darum, daß wir uns dieses ganz lebendig vorstellen, daß wir uns darüber klar sind. Für sich können wir nur den festen Organismus betrachten. Sobald wir an den flüssigen Organismus herankommen, hat er gar nicht mehr die Möglichkeit, etwa bloß sich so zu bewegen, wie sich Wasserwellen draußen bewegen, sondern der bewegt sich so, daß sein Bewegungsspiel ein Abbild ist dessen, was im Ätherleib des Menschen vor sich geht. Wiederum dasjenige, was in den feineren Zuständen der Körperatmung vor sich geht, ist ein Abbild dessen, was astralisch im Menschen vor sich geht. Nun aber, wenn wir das ins Auge fassen, so müssen wir uns sagen: Sehen wir nur einmal auf das Gehirnwasser. Das hat in sich gewisse Bewegungen. Die sind ein Abbild des Ätherleibes. Aber den Ätherleib, den bekommt der Mensch, indem er aus den geistigen Welten in diese physische Welt heruntersteigt; innerhalb der geistigen Welten hat er ihn noch nicht. Aber indem der Mensch überhaupt seinen physischen Leib ergreift, hat er schon seinen Ätherleib. Er zieht gewissermaßen den Äther aus dem Kosmos heran. Und erst indem er den Äther herangezogen hat aus dem Kosmos, kann er sich mit dem Physischen, das ihm dann durch die Vererbung vermittelt wird, verbinden. So daß wir dasjenige, was innerlich im Ätherleib des Menschen lebt, schon mitbringen, indem wir unseren physischen Leib ergreifen.

[ 21 ] Nehmen Sie also an, im Leib des mütterlichen Organismus entsteht der Menschenkeim. Wir untersuchen dasjenige, was an diesem Menschenkeim das Flüssige ist. Man tut es nicht in der gewöhnlichen Physiologie. In der gewöhnlichen Physiologie untersucht man nur den Keim insofern, als er Festes enthält oder wenigstens sich so wie das Feste beobachten läßt. Das Flüssige wird gar nicht untersucht. Würde man aber das Flüssige untersuchen, dann würde man entdekken, wie in dem Flüssigen, namentlich im Gehirnwasser, ein Abbild dessen ist, was da hereingeschlüpft ist in den physischen Menschen und was zunächst schon im Ätherleib sich ausdrückte, als der Äther herangezogen worden ist.

[ 22 ] So können wir sagen: Wenn hier der physische Leib ist (siehe Zeichnung), der physische Menschenkeim sich bildet - ich zeichne jetzt das Feste gar nicht; was ich da zeichne, soll der flüssige Menschenkeim sein (rot) -, es kommt aus der geistigen Welt herunter dasjenige, was als Ich und Astralisches vorhanden ist. Was schon an Äther herangezogen ist (gelb), das schlüpft hier hinein. Indem einfach der Mensch untertaucht in den physischen Leib, wird im flüssigen Organismus aufgenommen das, was der Mensch von außen hereinbringt. Würden Sie also das Gehirnwasser des Kindes in seinen Bewegungen untersuchen, so müßten Sie sagen: Das ist eigentlich eine Photographie dessen, was der Mensch war, bevor er sich mit seinem physischen Leib verbunden hat. Sehen Sie, das ist sehr wichtig, daß man eigentlich sagen kann: Im Gehirnwasser, das heißt, in den Bewegungen des Gehirnwassers würde man eine Photographie von dem, was der Konzeption vorangegangen ist, finden.

[ 23 ] Nun, vom Gehirnwasser können Sie das gut begreifen, daß Sie da eine Art Photographie finden dessen, was vorangegangen ist. Aber bedenken Sie den Atmungsprozeß. Der Atmungsprozeß tritt uns als ein sehr physischer Prozeß dadurch entgegen, daß unsere Lunge in einer gewissen Beziehung organisiert ist, daß die Luft eingesogen wird, daß der Atmungsprozeß sich sogar abspielt unter dem Einfluß der Außenwelt, wenn wir schlafen, wenn also unser Ewiges gar nicht mit unserem Zeitlichen verbunden ist. Man möchte sagen, für den Atmungsprozeß ist es ja so: er verläuft sowohl, wenn wir schlafen, als auch wenn wir wachen. Wenn wir schlafen, nun, dann geht eben die Bewegungswelle des Atmungsprozesses durch unseren Organismus; wenn wir wachen, trägt diese Welle den astralischen Leib. Sie kann ihn also tragen; sie braucht ihn auch nicht zu tragen. Das tut sie beim Schlafen, da trägt sie ihn nicht.

[ 24 ] Was folgt daraus? Daraus folgt, daß das Gehirnwasser, weil das im Inneren abgeschlossen ist, sich fortsetzen kann, eine Art Fortsetzung sein kann dessen, was früher da war. Nicht so innig kann sich aber in dieser selben Art etwa in unserem Atmen irgend etwas fortsetzen von früher. Daher geschieht folgendes: Wenn wir den menschlichen Kopf betrachten und dann den menschlichen Brustorganismus, so finden wir, daß da drinnen im menschlichen Kopf, gewissermaßen sagen wir durch das Gehirnwasser, also im physischen Organismus, richtig die Fortsetzung des vorgeburtlichen geistigen Menschen drinnen ist. Beim Atmungsprozeß ist es nicht so. Da verläuft der physische Atmungsprozeß für sich (siehe Zeichnung, gelb), und das Geistige ist viel weniger stark mit dem physischen Prozeß verbunden (rot). Man möchte sagen: Im Kopf ist der geistige Mensch, der geistig-seelische Mensch mit dem physischen Menschen fest zusammen verbunden; sie sind eine Einheit geworden. Im Brustmenschen ist das nicht so, da sind sie mehr getrennt; da ist der physische Organismus mehr für sich und das Geistig-Seelische auch wiederum für sich.

[ 25 ] Aber jetzt vergleichen Sie das mit dem Traumzustande. Im Traumzustande ist es für den ganzen Menschen so, daß wiederum das Ich und der astralische Leib heraußen sind, daß sie getrennt sind. Aber ein wenig sind sie für den Brustmenschen immer getrennt. Der Brustmensch, das heißt Atmungs- und Herzmensch, der rhythmische Mensch, der ist aber der Organismus für das Fühlen. Weil also das Geistig-Seelische mit dem physischen Organismus in bezug auf den rhythmischen Menschen nicht so kompakt verbunden ist, nicht so da drinnen ist in dem physischen Menschen, deshalb verläuft das Fühlen so wie das Träumen. Sie sehen, will man den ganzen Menschen betrachten, so muß man diese verschiedenen Arten des Zusammenwirkens des Seelischen mit dem Leiblichen ins Auge fassen.

[ 26 ] Nun, wenn man die menschliche Wesenheit so grob betrachtet, wie das heute in unserem materialistischen Zeitalter geschieht - denn Sie können sich überall überzeugen, wo Sie die heutige Wissenschaft ins Auge fassen, daß man eigentlich so betrachtet, als ob der ganze Mensch eben ein fester Organismus wäre und da drinnen irgendwie das Seelische wirkte -, dann kann man nicht darauf kommen, wie dieses Seelische, das man erlebt, zum Beispiel der rein seelisch erlebte Willensakt, wie der ein Bein hebt oder einen Arm hebt. Ja, gegenüber dem, was man auf der einen Seite als Seelisches des Willensaktes erlebt, ist das, was man sich heute in der Anatomie, in der Physiologie unter menschlichem Organismus vorstellt, eigentlich wie ein Stück Holz, so fremd dem Seelischen wie ein Stück Holz. Was Sie heute beschrieben finden als Beine des Menschen in der Physiologie, ist wirklich wie zwei Holzstücke, wie Holzbeine. So verhalten sie sich zum Seelischen. Ebensowenig wie, wenn hier zwei Hölzer liegen, Sie eine Beziehung finden können zwischen diesen zwei Hölzern und einem Seelischen, ebensowenig kann man eine Beziehung finden zwischen dem, was einem die Physiologie heute beschreibt als menschliche Beine und dem Seelischen. Aber diese menschlichen Beine, die die Physiologie beschreibt, die sind durchzogen von dem Wässerigen. Da kommen wir schon zu etwas, von dem sich leichter begreifen läßt, daß da ein Geistiges hineinwirkt. Aber es geht noch schwer.

[ 27 ] Kommen wir aber zu dem Gasförmigen, zu dem Luftförmigen, so sind wir in dem Physischen in einer so dünnen Materie, daß wir uns nun da das Seelische leichter drinnen vorstellen können. Und erst wenn wir zu den Wärmezuständen kommen! Bedenken Sie nur, wie naheliegend Sie es haben, diese Wärmezustände des physischen Organismus mit dem Seelischen in Zusammenhang zu bringen. Denken Sie doch nur einmal, wie Sie eventuell da oder dort eine heillose Angst bekommen haben, und es wird Ihnen ganz warm; da haben Sie schon eine innere Anschauung von der Beziehung des Seelischen zu demjenigen, was nun im physischen Organismus als Wärmezustände auftritt. Kurz, wenn wir in einer vernünftigen Weise den ganzen menschlichen Organismus so erfassen, daß wir ihn in bezug auf sein Festes, Flüssiges, Gasförmiges, Wärmeartiges fassen, dann kommen wir nach und nach an das Seelische heran.

[ 28 ] Wir können sagen: Das Ich greift in den Wärmezustand ein, der astralische Leib in den gasförmigen Zustand, der Ätherleib in den flüssigen Zustand; nur das Feste bleibt unangetastet. Da geht es nicht herein. Denken Sie sich einmal das, wie es nun im menschlichen Organismus ist: Hier haben wir das Gehirn, aber das ist noch wässerig. Jetzt sind da darinnen feste Bestandteile. Da, sagte ich, geht das Seelische nicht herein. Zeichnen wir uns einmal irgendwie schematisch diese festen Bestandteile darinnen (siehe Zeichnung $. 60). In Wirklichkeit sind es Salzablagerungen. Das, was wir Festes in uns haben, sind ja immer salzartige Ablagerungen. Unsere Knochen sind nur Bestandteile solcher Ablagerungen. Aber in unserem Gehirn geschehen fortwährend ganz feine, sich immer wieder auflösende Ablagerungen. Ich möchte sagen: In unserem Gehirn ist immer die Tendenz vorhanden, sich einfach zu solchen Knochen zu bilden, das Gehirn ganz knöchern zu machen; es löst sich nur immer wieder auf, weil alles beweglich ist. So daß, wenn wir gerade das Gehirn betrachten, da haben wir also zunächst die Wärmezustände des Gehirns, da drinnen lebt die Luft, die fortwährend ein- und ausgeatmet wird, aber die ins Gehirnwasser heraufspielt; der astralische Leib lebt darinnen. Wir haben das Gehirnwasser; der ätherische Leib lebt darinnen. Jetzt bekommen wir das Feste. Da kann das Seelische nicht herein. Es kann nicht herein, indem wir in uns Salze ablagern. Indem wir dieses nicht ganze Zehntel unseres Organismus, diese Salzbildung da drinnen haben, haben wir in uns etwas, in das unser Seelisches nicht herein kann.

[ 29 ] Bedenken Sie: Da stehen Sie als Mensch. Da haben Sie Ihren Organismus. Da haben Sie in Ihrem Organismus die Wärme, das Gasförmige, das Flüssige: da kann Ihr Seelisches überall herein. Aber da ist etwas drinnen, in das Ihr Seelisches nicht herein kann. Das ist so, wie wenn Sie hier allerlei Gegenstände haben, die vom Lichte bestrahlt werden, die das Licht wieder zurückwerfen. Sie haben eine Spiegelfläche, da kann das Licht nicht durch, wird zurückgestrahlt. So haben Sie in sich Ihren festen Salzorganismus. Da kann das Seelische nicht herein, da wird das Seelische fortwährend zurückgestrahlt.

[ 30 ] Ja, wenn Sie das nicht hätten, so würden Sie zunächst überhaupt gar kein Bewußtsein haben können, denn das, was Sie nun in sich als Bewußtsein haben, das sind die von Ihrem Salzorganismus zurückgestrahlten Seelenerlebnisse. Diejenigen, die hineingehen in Ihr Ich, in Ihren gasförmigen Organismus, in Ihren flüssigen Organismus, die erleben Sie zunächst nicht. Erst weil überall das, was da in der Wärme, was in dem Gasförmigen, was in dem Flüssigen als Seelenleben vor sich geht, ebenso wie die Lichtstrahlen vom Spiegel zurückgeworfen werden, am Salz zurückgeworfen wird, erst dadurch erleben Sie das, was Seelisches ist. Dadurch haben Sie diese innerliche Spiegelung, die nun innen als Vorstellungen lebt.

[ 31 ] Wenn also ein Mensch zum Beispiel viel Salz absetzt — aber das Salz entsteht überall in Formen -, dann bekommt er viele solche Bilder, das heißt, er wird gedankenreich. Wenn er zuwenig Salz absondert, dann bekommen die Gedanken solche unbestimmte Konturen, wie von einem nicht ordentlichen Spiegel die Bilder die Konturen erhalten. Wir können das auch noch anders aussprechen: Wenn einer überflüssig viel Salz absondert, da überwiegen in ihm die Gedanken in seinem Inneren. Sie werden sehr bestimmt, aber er wird ein Pedant. Er glaubt, in seinen Gedanken, weil sie aus so viel Festen in ihm herrühren, etwas Reales zu haben. Er wird materialistisch. Wenn er zuwenig Salz absondert, oder sagen wir, wenn er zuviel Salz in seinen übrigen Organismus absondert und zuwenig in seinen Kopf, dann werden seine Gedanken unbestimmt; er wird ein Phantast oder vielleicht ein Mystiker. Es hängt schon zusammen mit materiellen Vorgängen in unserem Inneren, wie unser Seelenleben beschaffen ist.

[ 32 ] Es ist zum Beispiel manchmal notwendig, wenn einer zu phantastisch ist, daß man ihm Gelegenheit gibt durch irgendwelche Heilmittel, mehr Salz abzulagern oder das abgelagerte Salz besser zu gestalten. Dadurch wird er seiner Phantastik entrissen. Aber das Umgekehrte ist noch wichtiger; denn das sollte man eigentlich nicht sehr weit treiben, daß man die Menschen auf physischem Wege von Phantastik oder von Pedanterie heilt; es ist zunächst auch nicht viel zu machen. Aber das Umgekehrte hat einen großen Wert. Derjenige, der Menschenbeobachtung hat, für das Seelische ebenso wie für das Körperliche, der bemerkt genau, wenn zum Beispiel ein Mensch nach der einen oder nach der anderen Richtung, sagen wir im Kopfe oder in den Organen des rhythmischen Organismus oder in den Organen des Stoffwechselorganismus zuviel Ablagerungen hat. Er bemerkt dies daran, daß die ganze Gedankenkonfiguration anders wird, und die Art und Weise, wie der Mensch seine Gedanken verändert, kann zu der Diagnose außerordentlich viel beitragen. Nur beobachten die meisten Menschen solche feinen Vorgänge nicht.

[ 33 ] Es wird zum Beispiel sehr häufig nicht beobachtet, wie zusammenhängt, sagen wir, die Tatsache, daß nun plötzlich einmal ein Mensch sich immer wieder und wieder verspricht. Er hat es sonst nicht in seiner Gewohnheit, aber einmal fängt er an, sich immer wieder zu versprechen. Es dauert ein paar Tage, dann geht es vorüber. Es ist eine leise Erkrankung in ihm vor sich gegangen, und dieses Versprechen, das ist lediglich ein Symptom für die leichte Erkrankung. Zuweilen kann man solche Dinge sehr genau beschreiben.

[ 34 ] Nehmen wir zum Beispiel an, ein Mensch sondert einmal ein paar Tage, durch irgendwelche Vorgänge, zuviel Magensäure ab. Was geschieht? Diese Magensäure, die löst einmal schon im Magen gewisse Stoffe auf, die weitergehen sollten als in den Magen. Jetzt hat er das eben nicht in dem Organismus; jetzt hat er nicht die nötige Schärfe seiner inneren Spiegelbilder, jetzt werden seine Gedanken lose, er verspricht sich. Merken Sie den Hasen, der da läuft, und merken Sie, wie dieser Hase läuft, dann versuchen Sie eben, ihm irgendwo beizukommen, daß er weniger Magensäure hat, dann werden seine Gedanken wiederum ordentlich. Im Grunde genommen aber wird seine Verdauung ordentlich, und er hört auch wieder auf, sich zu versprechen.

[ 35 ] Oder aber, nehmen wir an, durch irgend etwas — es kann zum Beispiel durch Abnormitäten der Milztätigkeiten geschehen - sauge jemand seine Magensäure zu stark auf, er macht sich ganz zum Magen; er leitet die Magensäure überall hin. Solche Säureablagerungen, die sind eigentlich die Ursache für sehr viele Erkrankungen. Wenn es nicht bis zum Kopfe geht, dann entstehen sogar sehr eigentümliche prickelnde Schmerzen; wenn es bis zum Kopfe geht, entsteht Dumpfheit des Kopfes. Wenn Sie einen solchen Menschen dann anschauen, so sehen Sie oftmals, daß er in sich dieses ganze Aufsaugen des Säureartigen zu einer gewissen Gier macht; er wird ganz durchsäuert. Und wenn der Mensch durchsäuert wird, dann leidet zum Beispiel der freundliche Ausdruck seiner Augen darunter: Sie können es seinen Augen ansehen, wenn der Mensch durchsäuert ist, und Sie können unter Umständen, indem Sie ihm eine Säure beibringen, die er nun wirklich im Magen verarbeitet, weil sie nicht die Neigung hat, in den Organismus überzugehen, diesen Menschen wiederum freundlicher kriegen in seinem äußeren Ausdrucke.

[ 36 ] Ich sage das alles aus dem Grunde, um Ihnen zu zeigen, wie die Geisteswissenschaft, die hier gemeint ist, nicht ein unbestimmtes Seelisches bloß ins Auge faßt, sondern wie das Seelische, das nun wirklich der Herrscher des Leiblichen ist, das der Erbauer des Leiblichen ist, überall hereinwirkt ins Leibliche.

[ 37 ] Aber wenn man das, was heute beschrieben wird als menschlicher Organismus so, als wenn dieser Organismus eben durch und durch ein Festes wäre, wenn man das ins Auge faßt, wenn man nicht dazunimmt das Flüssige, das Gasförmige, das Wärmeartige des Organismus, was sich wenigstens dem Seelenleben nähert, so kommt man eben nicht zu einem Begreifen, wie dieses Seelische im Menschen lebt. Denn im festen menschlichen Organismus lebt eben das Seelische nicht. In den festen Organismus geht das Seelische so wenig hinein, wie das Licht durch den Spiegel durchgeht; daher wird es zurückreflektiert. Und so geht das Seelische gerade am Salz überall zurück.

[ 38 ] Wenn wir hier unseren Fuß haben und hier den Knochen, so hat eben gerade das Seelische das Eigentümliche, daß es sich am Knochen bricht (siehe Zeichnung, rot), daß wir unseren Knochen in uns so tragen, daß er leer ist vom Seelischen. Da ist es nicht drinnen; aber es strahlt wiederum in den Organismus zurück.

[ 39 ] Unsere Schädelknochen, die sind gar nicht so dumm angebracht an uns; denn das Seelische, das strahlt nach allen Seiten und wiederum nach dem Inneren zurück. Wir sind auch in unseren Schädelknochen, aber nur als physisch-feste Menschen drinnen. Aber unser Seelisches strahlt in uns hinein. So daß wir eigentlich, wenn wir vollständig unseren Kopf aufzeichnen, sagen müssen: Zunächst breitet sich da drinnen das Seelische aus (rot). Aber ich möchte sagen, das würde uns in einem dumpfen, unbewußten Zustande lassen. Aber nun, da kann es nicht hinein, wo die Schädelknochen sind, da wird es überall zurückgestrahlt, überall hinein in uns (Pfeile). Und erst wenn es da zurückgeht, dann haben wir es als Seelisches. So daß Sie wirklich in Ihrem Inneren Ihr Seelisches wie von allen Seiten an dem Spiegel der Schädelknochen zurückgeworfen haben. Das ist so.

[ 40 ] Geisteswissenschaft schließt nicht etwa das Materielle aus, sondern macht das Materielle erst recht verständlich, indem das Seelische so betrachtet wird, wie es das Materielle beherrscht. Nicht wahr, den Bäcker lernt man auch nicht dadurch kennen, daß er bloße Bewegungen ausführt, sondern die Bewegungen, die er ausführt, machen dann die Semmeln und die Gipferl. Die Seele lernen wir nicht dadurch kennen, daß wir sie nur in Abstraktionen betrachten, sondern was die Seele da macht, das tritt uns als Bild in unserem Organismus entgegen. Wir müssen gerade verstehen, diesen Organismus in der richtigen Weise als ein Bild des Seelischen zu betrachten. Wenn wir nicht den Willen haben, auf den Menschen einzugehen, auch wie er uns entgegentritt im Bilde des Physischen, wenn wir sozusagen zu bequem sind, den Menschen kennenzulernen als physischen Menschen, lernen wir auch das Seelische nicht kennen; denn das, was gewöhnlich so als Seelisches beschrieben wird von den Leuten, die das Physische nicht geistig auffassen wollen, das sind eigentlich Dinge, die ebenso real sind, wie wenn Sie eine leckere Speise hier haben und Sie stellen sich einen Spiegel her und dann essen Sie nicht die Speise, sondern das, was Ihnen der Spiegel zurückwirft. Sie werden nicht satt. So werden Sie auch nicht seelenkundig, wenn Sie die Seele nicht in ihrem Schöpferischen, Aktiven betrachten, in dem, was sie tut, sondern sie nur betrachten wollen als Bild. Man muß daher durchaus nicht auf dem Standpunkte stehen, daß man ein richtiger Geisteswissenschafter ist, wenn man das Materielle verachtet. Man muß das Materielle eben geistig fassen, dann wird es durch und durch Geist. Sonst lebt man in Abstraktionen, in Intellektualismen; die führen von dem Erkennen ab, nicht zu ihm hin.