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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

Writings on the History of the
Anthroposophical Movement and Society
1902–1925
GA 37

27 April 1914

Translated by SteinerOnline Library

To the Members of the Anthroposophical Society

Dear Friends.

Unfortunately, the Central Board has been obliged to state, for the protection of the spiritual property of our movement, that a longer stay of Mr. Haugen in the Anthroposophical Society is not compatible with the principles and aims of our movement. Anyone who is truly willing to embrace the teachings of our movement knows that one cannot rely on purely psychic powers today.

Of course, the Anthroposophical Society will never feel called upon to sit in judgment on the behavior of its members, which it must respect as a private matter in the strictest sense of the word. Such was not the case with Mr. Haugen. The measure that was taken had to be carried out because his behavior, stepping completely out of the sphere of the private, took on the character of psychic acts that are in contradiction to the basic principles of the Anthroposophical Society.

Even if the Society always refrains from observing such behavior in narrower circles, it could not remain silent in this case, because Mr. Haugen's behavior took on such proportions that it gradually gave the entire Society a contradictory character and could have a highly detrimental effect. Mr. Haugen was using the framework of the society for practices that are not compatible with it.

One cannot blame the members if they do not always immediately see the full significance of such behavior; however, the leadership of the Society must endeavor to express its will unequivocally in such cases, so that members are not hampered in their judgment by the Society seemingly condoning the behavior by tolerating what is incompatible with it. To accomplish this, there was no other way than for the Central Board to declare that a personage acting as Mr. Haugen does could not be a member of the Society. Such a measure is not considered a punishment, but only a detailed statement of the fundamental principles of the Society in a particular case. It is necessary to realize that any other measure would truly be a penalty; this, however, is nothing more than a declaration by the Society of its recognized principles.

The Central Committee hopes that this highly unwelcome measure will be spared it in the future, because if members become more careful in their judgments on such matters, the Society will be what it should be: a place where personalities like Mr. Haugen can develop quietly as ordinary members, without being driven to acts that cannot be approved by the nimbus that a false judgment casts around them.

With warm regards
the Central Board
of the Anthroposophical Society.

An Die Mitglieder Der Anthroposophischen Gesellschaft

Liebe Freunde.

Leider sieht sich der Zentral-Vorstand veranlasst, zum Schutze des Geistesgutes unserer Bewegung auszusprechen, dass ein längeres Verbleiben des Herrn Haugen in der Anthroposophischen Gesellschaft nicht vereinbar ist mit den Grundsätzen und Zielen unserer Bewegung. Wer wirklich gewillt ist, sich das Lehrgut unserer Bewegung zu Eigen zu machen, weiß, dass man sich heute nicht auf rein psychische Kräfte einlassen darf.

Die Anthroposophische Gesellschaft wird sich selbstverständlich niemals berufen fühlen, irgendwie zu Gericht zu sitzen über das Verhalten ihrer Mitglieder, das sie als Privatsache im allerstrengsten Sinne des Wortes respektieren muss. Solches kam auch im Falle des Herrn Haugen nicht in Betracht. Die charakterisierte Maßregel musste vielmehr vollzogen werden, weil dessen Verhalten, aus dem Kreise des Privaten völlig heraustretend, den Charakter psychischer Handlungen annahm, die in Widerspruch stehen mit den Grundprinzipien der Anthroposophischen Gesellschaft.

Wenn auch die Gesellschaft stets absieht von der Beachtung einer solchen Handlungsweise in engeren Kreisen, durfte sie in diesem Falle nicht ruhig zusehen, weil das Gebaren des Herrn Haugen einen Umfang annahm, der allmählich der ganzen Gesellschaft einen ihr widersprechenden Charakter geben musste und im höchsten Maße schädlich wirken könnte. Herr Haugen bediente sich durchaus des Rahmens der Gesellschaft zu Praktiken, die mit dieser Gesellschaft nicht vereinbar sind.

Man kann es den Mitgliedern nicht übel nehmen, wenn sie die ganze Bedeutung einer solchen Handlungsweise nicht immer gleich durchschauen; die Leitung der Gesellschaft aber muss bestrebt sein, den Willen derselben gerade in solchen Fällen in unzweideutiger Weise zum Ausdruck zu bringen, damit den Mitgliedern ihr Urteil nicht dadurch erschwert werde, dass die Gesellschaft durch Duldung des mit ihr Unvereinbaren dieses scheinbar billigt. Um solches zu erreichen, gab es kein anderes Mittel, als vonseiten des Zentralvorstandes zu erklären, dass eine Persönlichkeit, die so wirkt wie Herr Haugen, nicht Mitglied der Gesellschaft sein könne. Solch eine Maßregel wird nicht als eine Strafe angesehen, sondern nur als eine Offenbarung der Grundprinzipien der Gesellschaft im einzelnen Fall. Es wird notwendig sein, sich klarzumachen, dass jede andere Maßregel wirklich den Charakter einer Strafe trüge; diese dagegen nichts weiter ist als eine Erklärung der Gesellschaft über ihr als richtig erkanntes Wesen.

Der Zentralvorstand hofft, dass diese ihm höchst unwillkommene Maßregel ihm künftig erspart wird, denn wenn die Mitglieder in den Urteilen über eine solche Angelegenheit sorgfältiger werden, wird die Gesellschaft sein, was sie sein soll: eine Stätte, in der Persönlichkeiten wie Herr Haugen als einfache Mitglieder sich ruhig entwickeln können, ohne dass sie durch den Nimbus, den eine falsche Beurteilung um sie verbreitet, zu nicht zu billigenden Handlungen getrieben werden.

Mit herzlichen Grüßen
der Zentralvorstand
der Anthroposophischen Gesellschaft.