Writings on the History of the
Anthroposophical Movement and Society
1902–1925
GA 37
24 February 1924
Translated by SteinerOnline Library
The School of Spiritual Science VI
The Executive Council of the Anthroposophical Society at the Goetheanum is striving to establish the sections already mentioned, but it would like to add a further one. This will be possible if the intentions of the Executive Council meet with a positive response on the part of the General Anthroposophical Society. In every age, young people have been in a certain opposition to old age. This gypsy truth comforts many people about the life phenomena within today's youth.
But this consolation could easily become a disaster.
We should understand the young from the “spirit of the present” in both their questionable aberrations and their all too justified striving for something other than what the old give them.
First of all, there is the youth that is pushed into an academic career by the circumstances of life. They are offered “science”. Solid, secure, fruitful science for the outer life. It would be nonsense, in the manner of many laymen, to rail against this science. But youth still freezes spiritually in the face of this science before it comes to recognize its solidity, its security, its fertility for the outer life.
Science owes its greatness to the strong opposition it has faced since the mid-19th century. At that time, people realized how easily man can sail into the uncertainty of knowledge when he rises from the lowlands of research to the heights of a world view. It was believed that chilling examples of such a rise had been experienced.
And so they wanted to free “science” from world view. It should stick to the “facts” in the valleys of nature and avoid the high roads of the mind.
When they were opposing the world view, they got a certain satisfaction out of the opposition. The opponents of worldviews in the mid-19th century were happy in their fighting mood.
Today's youth can no longer share this happiness. They can no longer stir up satisfying feelings in their souls by experiencing the fight against the “insecurity” and “crush” of worldviews.
For today there is simply nothing left to fight against. It is impossible to free “science” from “worldview.” For the worldview has died in the meantime.
But young people's feelings have made a discovery. Not at all a discovery of the intellect, but one that comes from the whole, undivided human nature.
Young people have discovered that without a worldview, it is impossible to live a dignified human life. Many of the old have heard the “evidence” against the worldview. They have submitted to the power of the evidence. The youth no longer pays intellectual heed to this power of evidence; but they instinctively sense the powerlessness of all intellectual proof where the human heart speaks from an invincible urge.
Science presents itself to young people in a dignified way; but it owes its dignity to its lack of world view. Young people long for a world view. But science needs young people.
At the Goetheanum, we would like to understand young people in such a way that we can seek the paths to a worldview with them. And we hope that in the light of the worldview, a true love for science will be generated. We don't want to lose science in world view reverie, but rather to gain it through a waking spiritual experience.
The leadership of the Anthroposophical Society asks young people if they want to understand it too. If it finds this understanding, then the “Section for the Spiritual Striving of Youth” can become something vital. (To be continued in the next issue.
Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft VI
Zu den schon genannten Sektionen, nach deren Errichtung der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft am Goetheanum strebt, sollte noch eine weitere hinzukommen. Sie wird möglich sein, wenn das Wollen dieses Vorstandes auf entsprechender Seite Entgegenkommen findet. Die Jugend stand in jedem Zeitalter in einem gewissen Gegensatz zum Alter. Mit dieser Zigeunerwahrheit tröstet sich gar mancher über die Lebenserscheinungen innerhalb der heutigen Jugend hinweg.
Aber dieser Trost könnte leicht zum Unheil werden.
Man sollte die gegenwärtige Jugend aus dem «Geiste der Gegenwart» heraus sowohl in ihren bedenklichen Verirrungen wie in ihrem nur allzu berechtigten Streben nach anderem, als was die Alten ihnen geben, verstehen.
Da ist zunächst die Jugend, die durch die Lebenszusammenhänge in die akademische Laufbahn hineingedrängt wird. Ihr wird «Wissenschaft» entgegengebracht. Gediegene, sichere, für das äußere Leben fruchtbare Wissenschaft. Unsinn wäre es, nach der Art vieler Laien, über diese Wissenschaft zu zetern. Aber die Jugend erfriert doch seelisch an dieser Wissenschaft, ehe sie dazu kommt, ihre Gediegenheit, ihre Sicherheit, ihre Fruchtbarkeit für das äußere Leben einzusehen.
Die Wissenschaft verdankt ihre Größe einer starken Opposition, die sie von der Mitte des 19. Jahrhunderts an getrieben hat. Damals wurde man gewahr, wie der Mensch leicht in die Unsicherheit der Erkenntnis hineinsegelt, wenn er sich aus den Niederungen des Forschens in die Höhen einer Weltanschauung erhebt. Man glaubte, abschreckende Beispiele eines solchen Erhebens erlebt zu haben.
Und so wollte man denn die «Wissenschaft» befreien von der Weltanschauung. Sie sollte an die «Tatsachen» in den Tälern der Natur sich halten und die Höhenwege des Geistes meiden.
Man hatte, als man die Opposition gegen die Weltanschauung trieb, am Opponieren eine gewisse Seelenbefriedigung. Die Welt-Anschauung-Bekämpfer von der Mitte des 19. Jahrhunderts waren in ihrer Kampfesstimmung beglückt.
Die gegenwärtige Jugend kann diese Beglückung nicht mehr mitmachen. Sie kann befriedigende Gefühle in der Seele nicht mehr aufrühren, indem sie den Kampf gegen die «Unsicherheit» und «Schwarmgeisterei» der Weltanschauung miterlebt.
Denn es gibt heute eben nichts mehr, gegen das man kämpfen kann. Es ist unmöglich, dafür einzutreten, die «Wissenschaft» von der «Weltanschauung» zu befreien. Denn die Weltanschauung ist mittlerweile erstorben.
Dagegen aber hat das Fühlen der Jugend eine Entdeckung gemacht. Durchaus nicht eine Entdeckung des Verstandes, sondern eine solche, die aus der ganzen, ungeteilten Menschennatur kommt.
Die Jugend hat entdeckt, dass sich ohne Weltanschauung nicht menschenwürdig leben lässt. Viele Alte haben die «Beweise» gegen die Weltanschauung vernommen. Sie haben sich der Kraft der Beweise gefügt. Die Jugend kümmert sich verstandesmäßig nicht mehr um diese Kraft der Beweise; aber sie empfindet instinktiv die Ohnmacht alles Verstandes-Beweisens da, wo das Menschenherz aus einem unbesieglichen Drang spricht.
Die Wissenschaft tritt der Jugend gediegen entgegen; aber ihre Gediegenheit verdankt sie der Weltanschauungs losigkeit. Die Jugend verlangt nach Weltanschauung. Die Wissenschaft bedarf aber doch der Jugend.
Am Goetheanum möchte man die Jugend so verstehen, dass man mit ihr die Wege zur Weltanschauung sucht. Und man hat die Hoffnung, dass im Lichte der Weltanschauung die wahre Liebe zur Wissenschaft erzeugt werde. Man möchte da Wissenschaft nicht in Weltanschauungsträumerei verlieren, sondern in wachendem Geist-Erleben erst recht gewinnen.
Der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft fragt die Jugend, ob sie auch ihn verstehen möchte. Findet er dieses Verständnis, dann kann aus der «Sektion für das Geistesstreben der Jugend» etwas Lebenskräftiges werden. (Fortsetzung in nächster Nummer.)