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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

Writings on the History of the
Anthroposophical Movement and Society
1902–1925
GA 37

25-26 October 1924

Translated by SteinerOnline Library

Rebuilding the Goetheanum

Sunday supplement of the Basler Nachrichten

Now that the Solothurn government has approved the model design of the new Goetheanum in principle, the Anthroposophical Society will begin its reconstruction in the very near future. In order to do justice to the suggestions for modification from the municipality of Dornach and the government, only a small amount of preparatory drawing and calculating work is needed before construction begins.

The new building will, however, differ greatly in form from the old Goetheanum. This is because it will not be made of wood like the old Goetheanum, but of concrete. The artistic sense must be allowed to express itself in the realization of the building idea. It is clear that the Goetheanum cannot be built in any old “style” determined by external factors. For it is meant to serve anthroposophy; and this is not a one-sided theoretical world view, but a comprehensive spiritual-spiritual way of life. When it presents itself to the world artistically, it can only do so by its spiritual view producing the style of art. Not building in this own style would mean denying the essence of anthroposophy in its own house.

An unbiased artistic observation will find that the Goetheanum style does not reject anything that is still significant today in historical styles; but it does not start from this or that 'inspiration' from given styles, but rather it is a matter of creating from the basic conditions of all sense of style. But the forms in which one can create a style are also dependent on the material. The old building was able to give its design in every detail to the space in which work was carried out, in the softness of the wood, from the spirit of anthroposophical contemplation; with concrete, forms had to be sought in which the space, by its very nature, could develop the formations that could accommodate the anthroposophical work. Essentially, straight lines and flat surfaces were used for the enclosing walls and roofing, which combine in their angular slopes to form the overall architectural concept. Only towards and in the portals do the lines and surfaces become somewhat smaller and their structure somewhat more varied. The whole building rises up on a ramp, which will have an artistic finish on all sides and will make it possible to walk around the building. As the visitor walks around it, the wonderful landscape of the surroundings will unfold before his eyes.

The building will enclose the following: a lower floor, which will house studios, lecture and practice rooms, workplaces, etc.; and an upper floor, which will contain the space designed for nine hundred to one thousand spectators or listeners. At the back, the lower floor is adjoined by a rehearsal stage, and the upper floor by the stage where public performances will take place. On the outside, the building is intended to be the artistic and true-to-life wrapping of what will unfold inside in terms of intellectual experience. Stylish staircases will lead up from the ground to the ramp at the portals. The necessary interior design of the two floors will have to follow the exterior forms; the roof – not in the form of a dome this time – will have to follow the lines and surfaces of the ascending auditorium on the one hand; on the other hand, it will have to be artistically integrated with the two stages and their storage rooms. Inside, the task will be to design the space for use as a lecture hall as well as a eurythmy and mystery theater. For example, the stretching of the space upwards in the configuration of columns can be seen. Thus, as in the old Goetheanum, what anthroposophy has to say can also be sensed in the building forms and in the overall architectural idea, in which it erects the house in which it is to work.

The fact that something monumental has emerged in the building idea has come about through the idea of the building; but what has been striven for in the whole and in every detail is not to be untrue in the building design, but to create in it an artistically completely truthful image of what is worked out within from spiritual knowledge. The builder is of the opinion that something is being created that the general, unbiased taste, which knows nothing about anthroposophy or wants to know, can definitely go along with.

Der Wiederaufbau des Goetheanums

Sonntagsblatt der Basler Nachrichten vom 25./26. Oktober 1924

Da die Solothurner Regierung dem Modell-Entwurf des neuen Goetheanums im Prinzip ihre Genehmigung erteilt hat, so wird in der allernächsten Zeit mit dessen Wiederaufbau durch die Anthroposophische Gesellschaft begonnen werden. Um den Abänderungsvorschlägen der Gemeinde Dornach und denen der Regierung gerecht zu werden, bedarf es bis zum Baubeginn nur noch geringer zeichnerischer und rechnerischer Vorarbeiten.

Der neue Bau wird sich in seinen Formen allerdings stark von dem alten Goetheanum unterscheiden. Denn er wird ja nicht wie dieses aus Holz sein, sondern aus Beton. Dem hat sich das künstlerische Empfinden bei Ausgestaltung des Baugedankens zu fügen. Dass das Goetheanum nicht in einem beliebigen von außen bestimmten «Baustil» errichtet werden kann, ist klar. Denn es soll der Anthroposophie dienen; und diese will nicht einseitig eine theoretische Weltanschauung, sondern eine umfassende Gestaltung der menschlichen Lebensführung aus dem Geiste heraus sein. Wenn sie künstlerisch vor die Welt tritt, so kann sie das nur so tun, dass ihre Geistanschauung den Kunststil hervorbringt. Nicht in diesem eigenen Stil bauen, hieße das Wesen der Anthroposophie bei ihrem eigenen Haus verleugnen.

Man wird bei unbefangener künstlerischer Betrachtung finden, dass der Goetheanum-Stil nichts ablehnt, was an geschichtlichen Stilen heute noch Bedeutung hat; aber er geht nicht von dieser oder jener «Anregung» aus gegebenen Stilen aus, sondern es handelt sich bei ihm um ein Schaffen aus den Grundbedingungen alles Stilgefühles heraus. Aber die Formen, in denen man einen Stil schaffen kann, sind eben auch vom Material abhängig. Der alte Bau konnte in der Weichheit des Holzes aus dem Geiste anthroposophischer Anschauung dem Raums, in dem gearbeitet wurde, in allen Einzelheiten seine Gestaltung geben; beim Beton mussten Formen gesucht werden, in denen der Raum aus seiner Natur heraus die Bildungen entfaltet, die die anthroposophische Arbeit aufnehmen können. Man bekam im Wesentlichen gerade verlaufende Linien und ebene Flächen für Umfassungsmauern und Bedachung, die in ihren Winkelneigungen sich zur Gesamtheit des Baugedankens zusammenschließen. Nur gegen die Portale hin und in denselben werden Linien- und Flächenformen etwas kleiner und in ihrer Gliederung etwas mannigfaltiger. Der ganze Bau erhebt sich auf einer Rampe, die allseitig einen künstlerischen Abschluss haben wird, und die ein Umschreiten des Baues möglich machen wird. Bei diesem Umschreiten tritt das wunderbare Landschaftsbild der Umgebung vor das Auge des Besuchers.

Die Formen des Baues werden zu umschließen haben: ein unteres Geschoss, in dem Ateliers, Vortrags-, Übungsräume, Arbeitsstätten usw. sein werden; und ein oberes Geschoss, in dem der für neunhundert bis tausend Zuschauer oder Zuhörer berechnete Raum sich befindet. Nach hinten schließt sich an das untere Geschoss eine Versuchsbühne, an das obere die Bühne, auf der die öffentlichen Vorführungen stattfinden werden. Außen soll der Bau die künstlerisch wahr sich gebende Umhüllung dessen sein, was darinnen an geistigem Erleben sich entfaltet. Zu den Portalen werden stilvolle Treppen vom Erdboden zur Rampe hinaufführen. Der notwendigen inneren Raumgestaltung der beiden Geschosse werden die Außenformen zu folgen haben; das Dach - diesmal nicht in Kuppelform - wird in seinen Linien- und Flächenformen auf der einen Seite dem ansteigenden Zuschauerraum zu folgen haben; auf der anderen Seite wird es sich künstlerisch der Umhüllung der beiden Bühnen mit ihren Magazin-Räumen anzuschließen haben. Im Innern wird die Aufgabe zu lösen sein, die den Raum zugleich zum Vortragssaal wie auch zum Eurythmie- und MysterienAufführungsraum gestaltet. Man wird z.B. das Dehnen des Raumes nach oben in der Konfiguration von Säulen sehen. So wird wieder, wie beim alten Goetheanum, das, was Anthroposophie zu sagen hat, auch in den Bauformen und in dem ganzen Baugedanken empfunden werden können, in denen sie das Haus errichtet, in dem sie wirken soll.

Dass in dem Baugedanken etwas Monumentales sich herausgebildet hat, ist durch die Idee des Baues gekommen; was aber im Ganzen und in jeder Einzelheit angestrebt worden ist, das ist, in der Baugestaltung nicht unwahr zu sein, sondern in ihr ein künstlerisch völlig wahrheitsgetrenes Abbild von dem zu schaffen, was innerhalb aus Geist-Erkenntnis heraus erarbeitet wird. Bei dem Erbauer ist die Meinung vorhanden, dass damit etwas geschaffen wird, mit dem der allgemeine, unbefangene Geschmack, der nichts von Anthroposophie weiß oder wissen will, durchaus mitgehen kann.