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Truth and Sciences
GA 3

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VII. Gibt es Grenzen des Erkennens?

[ 1 ] Wir haben festgestellt, daß die Elemente zur Erklärung der Wirklichkeit den beiden Sphären: dem Wahrnehmen und dem Denken zu entnehmen sind. Unsere Organisation bedingt es, wie wir gesehen haben, daß uns die volle, totale Wirklichkeit, einschließlich unseres eigenen Subjektes, zunächst als Zweiheit erscheint. Das Erkennen überwindet diese Zweiheit, indem es aus den beiden Elementen der Wirklichkeit: derWahrnehmung und dem durch das Denken erarbeiteten Begriff das ganze Ding zusammenfügt. Nennen wir die Weise, in der uns die Welt entgegentritt, bevor sie durch das Erkennen ihre rechte Gestalt gewonnen hat, die Welt der Erscheinung im Gegensatz zu der aus Wahrnehmung und Begriff einheitlich zusammengesetzten Wesenheit. Dann können wir sagen: Die Welt ist uns als Zweiheit (dualistisch) gegeben, und das Erkennen verarbeitet sie zur Einheit (monistisch). Eine Philosophie, welche von diesem Grundprinzip ausgeht, kann als monistische Philosophie oder Monismus bezeichnet werden. Ihr steht gegenüber die Zweiweltentheorie oder der Dualismus. Der letztere nimmt nicht etwa zwei bloß durch unsere Organisation auseinandergehaltene Seiten der einheitlichen Wirklichkeit an, sondern zwei voneinander absolut verschiedene Welten. Er sucht dann Erklärungsprinzipien für die eine Welt in der andern.

[ 2 ] Der Dualismus beruht auf einer falschen Auffassung des sen, was wir Erkenntnis nennen. Er trennt das gesamte Sein in zwei Gebiete, von denen jedes seine eigenen Gesetze hat, und läßt diese Gebiete einander äußerlich gegenüberstehen

[ 3 ] Einem solchen Dualismus entspringt die durch Kant in die Wissenschaft eingeführte und bis heute nicht wieder herausgebrachte Unterscheidung vonWahrnehmungsobjekt und «Ding an sich». Unseren Ausführungen gemäß liegt es in der Natur unserer geistigen Organisation, daß ein besonderes Ding, nur als Wahrnehmung gegeben sein kann. Das Denken überwindet dann die Besonderung, indem es jeder Wahrnehmung ihre gesetzmäßige Stelle im Weltganzen anweist. Solange die gesonderten Teile des Weltganzen als Wahrnehmungen bestimmt werden, folgen wir einfach in der Aussonderung einem Gesetze unserer Subjektivität. Betrachten wir aber die Summe aller Wahrnehmungen als den einen Teil und stellen diesem dann einen zweiten in den «Dingen an sich» gegenüber, so philosophieren wir ins Blaue hinein. Wir haben es dann mit einem bloßen Begriffsspiel zu tun. Wir konstruieren einen künstlichen Gegensatz, können aber für das zweite Glied desselben keinen Inhalt gewinnen, denn ein solcher kann für ein besonderes Ding nur aus der Wahrnehmung geschöpft werden.

[ 4 ] Jede Art des Seins, das außerhalb des Gebietes von Wahrnehmung und Begriff angenommen wird, ist in die Sphäre der unberechtigten Hypothesen zu verweisen. In diese Kategorie gehört das «Ding an sich». Es ist nur ganz natürlich, daß der dualistische Denker den Zusammenhang des hypothetisch angenommenen Weltprinzipes und des erfahrungsmäßig Gegebenen nicht finden kann. Für das hypothetische Weltprinzip läßt sich nur ein Inhalt gewinnen, wenn man ihn aus der Erfahrungswelt entlehnt und sich über diese Tatsache hinwegtäuscht. Sonst bleibt es ein inhaltsleerer Begriff, ein Unbegriff, der nur die Form des Begriffes hat. Der dualistische Denker behauptet dann gewöhnlich: der Inhalt dieses Begriffes sei unserer Erkenntnis unzugänglich; wir könnten nur wissen, daß ein solcher Inhalt vorhanden ist, nicht was vorhanden ist. In beiden Fällen ist die Überwindung des Dualismus unmöglich. Bringt man ein paar abstrakte Elemente der Erfahrungswelt in den Begriff des Dinges an sich hinein, dann bleibt es doch unmöglich, das reiche konkrete Leben der Erfahrung auf ein paar Eigenschaften zurückzuführen, die selbst nur aus dieser Wahrnehmung entnommen sind. Du Bois-Reymond denkt, daß die unwahrnehmbaren Atome der Materie durch ihre Lage und Bewegung Empfindung und Gefühl erzeugen, um dann zu dem Schlusse zu kommen: Wir können niemals zu einer befriedigenden Erklärung darüber kommen, wie Materie und Bewegung Empfindung und Gefühl erzeugen, denn «es ist eben durchaus und für immer unbegreiflich, daß es einer Anzahl von Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Sauerstoff, usw. Atomen nicht sollte gleichgültig sein, wie sie liegen und sich bewegen, wie sie lagen und sich bewegten, wie sie liegen und sich bewegen werden. Es ist in keiner Weise einzusehen, wie aus ihrem Zusammenwirken Bewußtsein entstehen könne». Diese Schlußfolgerung ist charakteristisch für die ganze Denkrichtung. Aus der reichen Welt der Wahrnehmungen wird abgesondert: Lage und Bewegung. Diese werden auf die erdachte Welt der Atome übertragen. Dann tritt die Verwunderung darüber ein, daß man aus diesem selbstgemachten und aus der Wahrnehmungswelt entlehnten Prinzip das konkrete Leben nicht herauswickeln kann.

[ 5 ] Daß der Dualist, der mit einem vollständig inhaltleeren Begriff vom An-sich arbeitet, zu keiner Welterklärung kommen kann, folgt schon aus der oben angegebenen Definition seines Prinzipes.

[ 6 ] In jedem Falle sieht sich der Dualist gezwungen, unserem Erkenntnisvermögen unübersteigliche Schranken zu setzen. Der Anhänger einer monistischen Weltanschauung weiß, daß alles, was er zur Erklärung einer ihm gegebenen Erscheinung der Welt braucht, im Bereiche der letztem liegen müsse. Was ihn hindert, dazu zu gelangen, können nur zufällige zeitliche oder räumliche Schranken oder Mängel seiner Organisation sein. Und zwar nicht der menschlichen Organisation im allgemeinen, sondern nur seiner besonderen individuellen.

[ 7 ] Es folgt aus dem Begriffe des Erkennens, wie wir ihn bestimmt haben, daß von Erkenntnisgrenzen nicht gesprochen werden kann. Das Erkennen ist keine allgemeine Weltangelegenheit, sondern ein Geschäft, das der Mensch mit sich selbst abzumachen hat. Die Dinge verlangen keine Erklärung. Sie existieren und wirken aufeinander nach den Gesetzen, die durch das Denken auffindbar sind. Sie existieren in unzertrennlicher Einheit mit diesen Gesetzen. Da tritt ihnen unsere Ichheit gegenüber und erfaßt von ihnen zunächst nur das, was wir als Wahrnehmung bezeichnet haben. Aber in dem Innern dieser Ichheit findet sich die Kraft, um auch den andern Teil der Wirklichkeit zu finden. Erst wenn die Ichheit die beiden Elemente der Wirklichkeit, die in der Welt unzertrennlich verbunden sind, auch für sich vereinigt hat, dann ist die Erkenntnisbefriedigung eingetreten: das Ich ist wieder bei der Wirklichkeit angelangt.

[ 8 ] Die Vorbedingungen zum Entstehen des Erkennens sind also durch und für das Ich. Das letztere gibt sich selbst die Fragen des Erkennens auf. Und zwar entnimmt es sie aus dem in sich vollständig klaren und durchsichtigen Elemente des Denkens. Stellen wir uns Fragen, die wir nicht beantworten können, so kann der Inhalt der Frage nicht in allen seinen Teilen klar und deutlich sein. Nicht die Welt stellt an uns die Fragen, sondern wir selbst stellen sie.

[ 9 ] Ich kann mir denken, daß mir jede Möglichkeit fehlt, eine Frage zu beantworten, die ich irgendwo aufgeschrieben finde, ohne daß ich die Sphäre kenne, aus der der Inhalt der Frage genommen ist.

[ 10 ] Bei unserer Erkenntnis handelt es sich um Fragen, die uns dadurch aufgegeben werden, daß einer durch Ort, Zeit und subjektive Organisation bedingten Wahrnehmungssphäre eine auf die Allheit der Welt weisende Begriffssphäre gegenübersteht. Meine Aufgabe besteht in dem Ausgleich dieser beiden mir wohlbekannten Sphären. Von einer Grenze der Erkenntnis kann da nicht gesprochen werden. Es kann zu irgendeiner Zeit dieses oder jenes unaufgeklärt bleiben, weil wir durch den Lebensschauplatz verhindert sind, die Dinge wahrzunehmen, die dabei im Spiele sind. Was aber heute nicht gefunden ist, kann es morgen werden. Die hierdurch bedingten Schranken sind nur vergängliche, die mit dem Fortschreiten von Wahrnehmung und Denken überwunden werden können.

[ 11 ] Der Dualismus begeht den Fehler, daß er den Gegensatz von Objekt und Subjekt, der nur innerhalb des Wahrnehmungsgebietes eine Bedeutung hat, auf rein erdachte Wesenheiten außerhalb desselben überträgt. Da aber die innerhalb des Wahrnehmungshorizontes gesonderten Dinge nur solange gesondert sind, als der Wahrnehmende sich des Denkens enthält, das alle Sonderung aufhebt und als eine bloß subjektiv bedingte erkennen läßt, so überträgt der Dualist Bestimmungen auf Wesenheiten hinter den Wahrnehmungen, die selbst für diese keine absolute, sondern nur eine relative Geltung haben. Er zerlegt dadurch die zwei für den Erkenntnisprozeß in Betracht kommenden Faktoren, Wahrnehmung und Begriff, in vier: 1. Das Objekt an sich; 2. die Wahrnehmung, die das Subjekt von dem Objekt hat; 3. das Subjekt; 4. den Begriff, der die Wahrnehmung auf das Objekt an sich bezieht. Die Beziehung zwischen dem Objekt und Subjekt ist eine reale; das Subjekt wird wirklich (dynamisch) durch das Objekt beeinflußt. Dieser reale Prozeß soll nicht in unser Bewußtsein fallen. Aber er soll im Subjekt eine Gegenwirkung auf die vom Objekt ausgehende Wirkung hervorrufen. Das Resultat dieser Gegenwirkung soll die Wahrnehmung sein. Diese falle erst ins Bewußtsein. Das Objekt habe eine objektive (vom Subjekt unabhängige), die Wahrnehmung eine subjektive Realität. Diese subjektive Realität beziehe das Subjekt auf das Objekt. Die letztere Beziehung sei eine ideelle. Der Dualismus spaltet somit den Erkenntnisprozeß in zwei Teile. Den einen, Erzeugung des Wahrnehmungsobjektes aus dem «Ding an sich», läßt er außerhalb, den andern, Verbindung der Wahrnehmung mit dem Begriff und Beziehung desselben auf das Objekt, innerhalb des Bewußtseins sich abspielen. Unter diesen Voraussetzungen ist es klar, daß der Dualist in seinen Begriffen nur subjektive Repräsentanten dessen zu gewinnen glaubt, was vor seinem Bewußtsein liegt. Der objektiv-realeVorgang im Subjekte, durch den die Wahrnehmung zustande kommt, und um so mehr die objektiven Beziehungen der «Dinge an sich» bleiben für einen solchen Dualisten direkt unerkennbar; seiner Meinung nach kann sich der Mensch nur begriffliche Repräsentanten für das objektiv Reale verschaffen. Das Einheitsband der Dinge, das diese unter sich und objektiv mit unserem Individualgeist (als «Ding an sich») verbindet, liegt jenseits des Bewußtseins in einem Wesen an sich, von dem wir in unserem Bewußtsein ebenfalls nur einen begrifflichen Repräsentanten haben könnten.

[ 12 ] Der Dualismus glaubt die ganze Welt zu einem abstrakten Begriffsschema zu verflüchtigen, wenn er nicht neben den begrifflichen Zusammenhängen der Gegenstände noch reale Zusammenhänge statuiert. Mit andern Worten: dem Dualisten erscheinen die durch das Denken auffindbaren Idealprinzipien zu luftig, und er sucht noch Realprinzipien, von denen sie gestützt werden können.

[ 13 ] Wir wollen uns diese Realprinzipien einmal näher anschauen. Der naive Mensch (naive Realist) betrachtet die Gegenstände der äußeren Erfahrung als Realitäten. Der Umstand, daß er diese Dinge mit seinen Händen greifen, mit seinen Augen sehen kann, gilt ihm als Zeugnis der Realität. «Nichts existiert, was man nicht wahrnehmen kann», ist geradezu als das erste Axiom des naiven Menschen anzusehen, das ebensogut in seiner Umkehrung anerkannt wird: «Alles, was wahrgenommen werden kann, existiert.» Der beste Beweis für diese Behauptung ist der Unsterblichkeits, und Geisterglaube des naiven Menschen. Er stellt sich die Seele als feine sinnliche Materie vor, die unter besonderen Bedingungen sogar für den gewöhnlichen Menschen sichtbar werden kann (naiver Gespensterglaube).

[ 14 ] Dieser seiner realen Welt gegenüber ist für den naiven Realisten alles andere, namentlich die Welt der Ideen, unreal, «bloß ideell». Was wir zu den Gegenständen hinzu-denken, das ist bloßer Gedanke über die Dinge. Der Gedanke fügt nichts Reales zu der Wahrnehmung hinzu.

[ 15 ] Aber nicht nur in bezug auf das Sein der Dinge hält der naive Mensch die Sinneswahrnehmung für das einzige Zeugnis der Realität, sondern auch in bezug auf das Geschehen. Ein Ding kann, nach seiner Ansicht, nur dann auf ein anderes wirken, wenn eine für die Sinneswahrnehmung vorhandene Kraft von dem einen ausgeht und das andere ergreift. Die ältere Physik glaubte, daß sehr feine Stoffe von den Körpern ausströmen und durch unsere Sinnesorgane in die Seele eindringen. Das wirkliche Sehen dieser Stoffe ist nur durch die Grobheit unserer Sinne im Verhältnis zu der Feinheit dieser Stoffe unmöglich. Prinzipiell gestand man diesen Stoffen aus demselben Grunde Realität zu, warum man es den Gegenständen der Sinnenwelt zugesteht, nämlich wegen ihrer Seinsform, die derjenigen der sinnenfälligen Realität analog gedacht wurde.

[ 16 ] Die in sich beruhende Wesenheit des ideell Erlebbaren gilt dem naiven Bewußtsein nicht in gleichem Sinne als real wie das sinnlich Erlebbare. Ein in der «bloßen Idee» gefaßter Gegenstand gilt so lange als bloße Schimäre, bis durch die Sinneswahrnehmung die Überzeugung von der Realität geliefert werden kann. Der naive Mensch verlangt, um es kurz zu sagen, zum ideellen Zeugnis seines Denkens noch das reale der Sinne. In diesem Bedürfnisse des naiven Menschen liegt der Grund zur Entstehung der primitiven Formen des Offenbarungsglaubens. Der Gott, der durch das Denken gegeben ist, bleibt dem naiven Bewußtsein immer nur ein «gedachter» Gott. Das naive Bewußtsein verlangt die Kundgebung durch Mittel, die der sinnlichen Wahrnehmung zugänglich sind. Der Gott muß leibhaftig erscheinen, und man will auf das Zeugnis des Denkens wenig geben, nur etwa darauf, daß die Göttlichkeit durch sinnenfällig konstatierbares Verwandeln von Wasser in Wein erwiesen wird.

[ 17 ] Auch das Erkennen selbst stellt sich der naive Mensch als einen den Sinnesprozessen analogen Vorgang vor. Die Dinge machen einen Eindruck in der Seele, oder sie senden Bilder aus, die durch die Sinne eindringen und so weiter.

[ 18 ] Dasjenige, was der naive Mensch mit den Sinnen wahrnehmen kann, das hält er für wirklich, und dasjenige, wovon er keine solche Wahrnehmung hat (Gott, Seele, das Erkennen usw.), das stellt er sich analog dem Wahrgenommenen vor.

[ 19 ] Will der naive Realismus eine Wissenschaft begründen, so kann er eine solche nur in einer genauen Beschreibung des Wahrnehmungsinhaltes sehen. Die Begriffe sind ihm nur Mittel zum Zweck. Sie sind da, um ideelle Gegenbilder für die Wahrnehmungen zu schaffen. Für die Dinge selbst bedeuten sie nichts. Als real gelten dem naiven Realisten nur die Tulpenindividuen, die gesehen werden, oder gesehen werden können; die eine Idee der Tulpe gilt ihm als Abstraktum, als das unreale Gedankenbild, das sich die Seele aus den allen Tulpen gemeinsamen Merkmalen zusammengefügt hat.

[ 20 ] Den naiven Realismus mit seinem Grundsatz von der Wirklichkeit alles Wahrgenommenen widerlegt die Erfahrung, welche lehrt, daß der Inhalt der Wahrnehmungen vergänglicher Natur ist. Die Tulpe, die ich sehe, ist heute wirklich; nach einem Jahr wird sie in Nichts verschwunden sein. Was sich behauptet hat, ist die Gattung Tulpe. Diese Gattung ist aber für den naiven Realismus «nur» eine Idee, keine Wirklichkeit. So sieht sich denn diese Weltanschauung in der Lage, ihre Wirklichkeiten kommen und verschwinden zu sehen, während sich das nach ihrer Meinung Unwirkliche dem Wirklichen gegenüber behauptet. Der naive Realismus muß also neben den Wahrnehmungen auch noch etwas Ideelles gelten lassen. Er muß Wesenheiten in sich aufnehmen, die er nicht mit den Sinnen wahrnehmen kann. Er findet sich dadurch mit sich selbst ab, daß er deren Daseinsform analog mit derjenigen der Sinnesobjekte denkt. Solche hypothetisch angenommenen Realitäten sind die unsichtbaren Kräfte, durch die die sinnlich wahrzunehmenden Dinge aufeinander wirken. Ein solches Ding ist die Vererbung, die über das Individuum hinaus fortwirkt, und die der Grund ist, daß sich aus dem Individuum ein neues entwickelt, das ihm ähnlich ist, wodurch sich die Gattung erhält. Ein solches Ding ist das den organischen Leib durchdringende Lebensprinzip, die Seele, für die man im naiven Bewußtsein stets einen nach Analogie mit Sinnesrealitäten gebildeten Begriff findet, und ist endlich das göttliche Wesen des naiven Menschen. Dieses göttliche Wesen wird in einer Weise wirksam gedacht, die ganz dem entspricht, was als Wirkungsart des Menschen selbst wahrgenommen werden kann: anthropomorphisch.

[ 21 ] Die moderne Physik führt die Sinnesempfindungen auf Vorgänge der kleinsten Teile der Körper und eines unendlich feinen Stoffes, des Äthers oder auf Ähnliches zurück. Was wir zum Beispiel als Wärme empfinden, ist innerhalb des Raumes, den der wärmeverursachende Körper einnimmt, Bewegung seiner Teile. Auch hier wird wieder ein Unwahrnehmbares in Analogie mit dem Wahrnehmbaren gedacht. Das sinnliche Analogon des Begriffs «Körper» ist in diesem Sinne etwa das Innere eines allseitig geschlossenen Raumes, in dem sich nach allen Richtungen elastische Kugeln bewegen, die einander stoßen, an die Wände an- und von ihnen abprallen und so weiter.

[ 22 ] Ohne solche Annahmen zerfiele dem naiven Realismus die Welt in ein unzusammenhängendes Aggregat von Wahrnehmungen ohne gegenseitige Beziehungen, das sich zu keiner Einheit zusammenschließt. Es ist aber klar, daß der naive Realismus nur durch eine Inkonsequenz zu dieser Annahme kommen kann. Wenn er seinem Grundsatz: nur das Wahrgenommene ist wirklich, treu bleiben will, dann darf er doch, wo er nichts wahrnimmt, kein Wirkliches annehmen. Die unwahrnehmbaren Kräfte, die von den wahrnehmbaren Dingen aus wirken, sind eigentlich unberechtigte Hypothesen vom Standpunkte des naiven Realismus. Und weil er keine anderen Realitäten kennt, so stattet er seine hypothetischen Kräfte mit Wahrnehmungsinhalt aus. Er wendet also eine Seinsform (das Wahrnehmungsdasein) auf ein Gebiet an, wo ihm das Mittel fehlt, das allein über diese Seinsform eine Aussage zu machen hat: das sinnliche Wahrnehmen.

[ 23 ] Diese in sich widerspruchsvolle Weltanschauung führt zum metaphysischen Realismus. Der konstruiert neben der wahrnehmbaren Realität noch eine unwahrnehmbare, die er der erstem analog denkt. Der metaphysische Realismus ist deshalb notwendig Dualismus.

[ 24 ] Wo der metaphysischeRealismus eine Beziehung zwischen wahrnehmbaren Dingen bemerkt (Annäherung durch Bewegung, Bewußtwerden eines Objektiven usw.), da setzt er eine Realität hin. Die Beziehung, die er bemerkt, kann er jedoch nur durch das Denken ausdrücken, nicht aber wahrnehmen. Die ideelle Beziehung wird willkürlich zu einem dem Wahrnehmbaren Ähnlichen gemacht. So ist für diese Denkrichtung die wirkliche Welt zusammengesetzt aus den Wahrnehmungsobjekten, die im ewigen Werden sind, kommen und verschwinden, und aus den unwahrnehmbaren Kräften, von denen die Wahrnehmungsobjekte hervorgebracht werden, und die das Bleibende sind.

[ 25 ] Der metaphysische Realismus ist eine widerspruchsvolle Mischung des naiven Realismus mit dem Idealismus. Seine hypothetischen Kräfte sind unwahrnehmbare Wesenheiten mitWahrnehmungsqualitäten.Er hat sich entschlossen, außer dem Weltgebiete, für dessen Daseinsform er in dem Wahrnehmen ein Erkenntnismittel hat, noch ein Gebiet gelten zu lassen, bei dem dieses Mittel versagt, und das nur durch das Denken zu ermitteln ist. Er kann sich aber nicht zu gleicher Zeit auch entschließen, die Form des Seins, die ihm das Denken vermittelt, den Begriff (die Idee), auch als gleichberechtigten Faktor neben der Wahrnehmung anzuerkennen. Will man den Widerspruch der unwahrnehmbaren Wahrnehmung vermeiden, so muß man zugestehen, daß es für die durch das Denken vermittelten Beziehungen zwischen den Wahrnehmungen für uns keine andere Existenzform als die des Begriffes gibt. Als die Summe von Wahrnehmungen und ihrer begrifflichen (ideellen) Bezüge stellt sich die Welt dar, wenn man aus dem metaphysischen Realismus den unberechtigten Bestandteil hinauswirft. So läuft der metaphysische Realismus in eine Weltanschauung ein, welche für die Wahrnehmung das Prinzip der Wahrnehmbarkeit, für die Beziehungen unter den Wahrnehmungen die Denkbarkeit fordert. Diese Weltanschauung kann kein drittes Weltgebiet neben der Wahrnehmungs, und Begriffswelt gelten lassen, für das beide Prinzipien, das sogenannte Realprinzip und das Idealprinzip, zugleich Geltung haben.

[ 26 ] Wenn der metaphysische Realismus behauptet, daß neben der ideellen Beziehung zwischen dem Wahrnehmungsobjekt und seinem Wahrnehmungssubjekt noch eine reale Beziehung zwischen dem «Ding an sich» der Wahrnehmung und dem «Ding an sich» des wahrnehmbaren Subjektes (des sogenannten Individualgeistes) bestehen muß, so beruht diese Behauptung auf der falschen Annahme eines den Prozessen der Sinnenwelt analogen, nicht wahrnehmbaren Seinsprozesses. Wenn ferner der metaphysische Realismus sagt: Mit meiner Wahrnehmungswelt komme ich in ein bewußt-ideelles Verhältnis; mit der wirklichen Welt kann ich aber nur in ein dynamisches (Kräfte) Verhältnis kommen, — so begeht er nicht weniger den schon gerügten Fehler. Von einem Kräfteverhältnis kann nur innerhalb der Wahrnehmungswelt (dem Gebiete des Tastsinnes), nicht aber außerhalb desselben die Rede sein.

[ 27 ] Wir wollen die oben charakterisierte Weltanschauung, in die der metaphysische Realismus zuletzt einmündet, wenn er seine widerspruchsvollen Elemente abstreift, Monismus nennen, weil sie den einseitigen Realismus mit dem Idealismus zu einer höheren Einheit vereinigt.

[ 28 ] Für den naiven Realismus ist die wirkliche Welt eine Summe von Wahrnehmungsobjekten; für den metaphysischen Realismus kommt außer den Wahrnehmungen auch noch den unwahrnehmbarenKräftenRealität zu;derMonismus setzt an die Stelle von Kräften die ideellen Zusammenhänge, die er durch sein Denken gewinnt. SolcheZusammenhänge aber sind die Naturgesetze. Ein Naturgesetz ist ja nichts anderes als der begriffliche Ausdruck für den Zusammenhang gewisser Wahrnehmungen.

[ 29 ] Der Monismus kommt gar nicht in die Lage, außer Wahrnehmung und Begriff nach anderen Erklärungsprinzipien der Wirklichkeit zu fragen. Er weiß, daß sich im ganzen Be reiche der Wirklichkeit kein Anlaß dazu findet. Er sieht in der Wahrnehmungswelt, wie sie unmittelbar dem Wahrnehmen vorliegt, ein halbes Wirkliches; in der Vereinigung derselben mit der Begriffswelt findet er die volle Wirklichkeit. Der metaphysische Realist kann dem Anhänger des Monismus einwenden: Es mag sein, daß für deine Organisation deine Erkenntnis in sich vollkommen ist, daß kein Glied fehlt; du weißt aber nicht, wie sich die Welt in einer Intelligenz abspiegelt, die anders organisiert ist als die deinige. Die Antwort des Monismus wird sein: Wenn es andere Intelligenzen gibt als die menschlichen, wenn ihre Wahrnehmungen eine andere Gestalt haben als die unsrigen, so hat für mich Bedeutung nur dasjenige, was von ihnen zu mir durch Wahrnehmen und Begriff gelangt. Ich bin durch mein Wahrnehmen, und zwar durch dieses spezifische menschliche Wahrnehmen als Subjekt dem Objekt gegenübergestellt. Der Zusammenhang der Dinge ist damit unterbrochen. Das Subjekt stellt durch das Denken diesen Zusammenhang wieder her.Damit hat es sich dem Weltganzen wieder eingefügt. Da nur durch unser Subjekt dieses Ganze an der Stelle zwischen unserer Wahrnehmung und unserem Begriff zerschnitten erscheint, so ist in der Vereinigung dieser beiden auch eine wahre Erkenntnis gegeben. Für Wesen mit einer andern Wahrnehmungswelt (zum Beispiel mit der doppelten Anzahl von Sinnesorganen) erschiene der Zusammenhang an einer andern Stelle unterbrochen, und die Wiederherstellung müßte demnach auch eine diesen Wesen spezifische Gestalt haben. Nur für den naiven und den metaphysischen Realismus, die beide in dem Inhalte der Seele nur eine ideelle Repräsentation der Welt sehen, besteht die Frage nach der Grenze des Erkennens. Für sie ist nämlich das außerhalb des Subjektes Befindliche ein Absolutes, ein in sich Beruhendes, und der Inhalt des Subjektes ein Bild desselben, das schlechthin außerhalb dieses Absoluten steht. Die Vollkommenheit der Erkenntnis beruht auf der größeren oder geringeren Ähnlichkeit des Bildes mit dem absoluten Objekte. Ein Wesen, bei dem die Zahl der Sinne kleiner ist, als beim Menschen, wird weniger, eines, bei dem sie größer ist, mehr von der Welt wahrnehmen. Das erstere wird demnach eine unvollkommenere Erkenntnis haben als das letztere.

[ 30 ] Für den Monismus liegt die Sache anders. Durch die Organisation des wahrnehmenden Wesens wird die Gestalt bestimmt, wo der Weltzusammenhang in Subjekt und Objekt auseinandergerissen erscheint. Das Objekt ist kein absolutes, sondern nur ein relatives, in bezug auf dieses bestimmte Subjekt. Die Überbrückung des Gegensatzes kann demnach auch nur wieder in der ganz spezifischen, gerade dem menschlichen Subjekt eigenen Weise geschehen. Sobald das Ich, das in dem Wahrnehmen von der Welt abgetrennt ist, in der denkenden Betrachtung wieder in denWeltzusammenhang sich einfügt, dann hört alles weitere Fragen, das nur eine Folge der Trennung war, auf.

[ 31 ] Ein anders geartetes Wesen hätte eine anders geartete Erkenntnis. Die unsrige ist ausreichend, um die durch unser eigenes Wesen aufgestellten Fragen zu beantworten.

[ 32 ] Der metaphysische Realismus muß fragen: Wodurch ist das als Wahrnehmung Gegebene gegeben; wodurch wird das Subjekt affiziert?

[ 33 ] Für den Monismus ist die Wahrnehmung durch das Subjekt bestimmt. Dieses hat aber in dem Denken zugleich das Mittel, die durch es selbst hervorgerufene Bestimmtheit wieder aufzuheben.

[ 34 ] Der metaphysische Realismus steht vor einer weiteren Schwierigkeit, wenn er die Ähnlichkeit der Weltbilder verschiedener menschlicher Individuen erklären will. Er muß sich fragen: Wie kommt es, daß das Weltbild, das ich aus meiner subjektiv bestimmten Wahrnehmung und meinen Begriffen aufbaue, gleichkommt dem, das ein anderes menschliches Individuum aus denselben beiden subjektiven Faktoren aufbaut? Wie kann ich überhaupt aus meinem subjektiven Weltbilde auf das eines andern Menschen schließen? Daraus, daß die Menschen sich miteinander praktisch abfinden, glaubt der metaphysische Realist die Ähnlichkeit ihrer subjektiven Weltbilder erschließen zu können. Aus der Ähnlichkeit dieser Weltbilder schließt er dann weiter auf die Gleichheit der den einzelnen menschlichen Wahrnehmungssubjekten zugrunde liegenden Individualgeister oder der den Subjekten zugrunde liegenden «Ich an sich».

[ 35 ] Dieser Schluß ist also ein solcher aus einer Summe von Wirkungen auf den Charakter der ihnen zugrunde liegenden Ursachen. Wir glauben aus einer hinreichend großen Anzahl von Fällen den Sachverhalt so zu erkennen, daß wir wissen, wie sich die erschlossenen Ursachen in andern Fällen verhalten werden. Einen solchen Schluß nennen wir einen Induktionsschluß. Wir werden uns gendtigt sehen, die Resultate desselben zu modifizieren, wenn in einer weitern Beobachtung etwas Unerwartetes sich ergibt, weil der Charakter des Resultates doch nur durch die individuelle Gestalt der geschehenen Beobachtungen bestimmt ist. Diese bedingte Erkenntnis der Ursachen reiche aber für das praktische Leben vollständig aus, behauptet der metaphysische Realist.

[ 36 ] Der Induktionsschluß ist die methodische Grundlage des modernen metaphysischen Realismus. Es gab eine Zeit, in der man aus Begriffen glaubte etwas herauswickeln zu können, was nicht mehr Begriff ist. Man glaubte aus den Begriffen die metaphysischen Realwesen, deren der metaphysische Realismus einmal bedarf, erkennen zu können. Diese Art des Philosophierens gehört heute zu den überwundenen Dingen. Dafür aber glaubt man, aus einer genügend großen Anzahl von Wahrnehmungstatsachen auf den Charakter des Dinges an sich schließen zu können, das diesen Tatsachen zugrunde liegt. Wie früher aus dem Begriffe, so meint man heute das Metaphysische aus den Wahrnehmungen heraus-wickeln zu können. Da man die Begriffe in durchsichtiger Klarheit vor sich hat, so glaubte man aus ihnen auch das Metaphysische mit absoluter Sicherheit ableiten zu können. Die Wahrnehmungen liegen nicht mit gleich durchsichtiger Klarheit vor. Jede folgende stellt sich wieder etwas anders dar, als die gleichartigen vorhergehenden. Im Grunde wird daher das aus den vorhergehenden Erschlossene durch jede folgende etwas modifiziert. Die Gestalt, die man auf diese Weise für das Metaphysische gewinnt, ist also nur eine relativ richtige zu nennen; sie unterliegt der Korrektur durch künftige Fälle. Einen durch diesen methodischen Grundsatz bestimmten Charakter trägt die Metaphysik Eduard von Hartmanns, der als Motto auf das Titelblatt seines ersten Hauptwerkes gesetzt hat: «Spekulative Resultate nach induktiv naturwissenschaftlicher Methode. »

[ 37 ] Die Gestalt, die der metaphysische Realist gegenwärtig seinen Dingen an sich gibt, ist eine durch Induktionsschlüsse gewonnene. Von dem Vorhandensein eines objektiv-realen Zusammenhanges der Welt neben dem «subjektiven» durch Wahrnehmung und Begriff erkennbaren, ist er durch Erwägungen über den Erkenntnisprozeß überzeugt. Wie diese objektive Realität beschaffen ist, das glaubt er durch Induktionsschlüsse aus seinen Wahrnehmungen heraus bestimmen zu können.

Zusatz zur Neuausgabe (1918)

[ 38 ] Für die unbefangene Beobachtung des Erlebens in Wahrnehmung und Begriff, wie sie in den vorangehenden Ausführungen zu schildern versucht worden ist, werden gewisse Vorstellungen immer wieder störend sein, die auf dem Boden der Naturbetrachtung entstehen. Man sagt sich, auf diesem Boden stehend, durch das Auge werden im Lichtspektrum Farben wahrgenommen vom Rot bis zum Violett. Aber über das Violett hinaus liegen im Strahlungsraum des Spektrums Kräfte, welchen keine Farbwahrnehmung des Auges, wohl aber eine chemische Wirkung entspricht; ebenso liegen über die Grenze der Rotwirksamkeit hinaus Strahlungen, die nur Wärmewirkungen haben. Man kommt durch Überlegungen, die auf solche und ähnliche Erscheinungen gerichtet sind, zu der Ansicht: der Umfang.der menschlichen Wahrnehmungswelt ist durch den Umfang der Sinne des Menschen bestimmt, und dieser würde eine ganz andere Welt vor sich haben, wenn er zu den seinigen noch andere, oder wenn er überhaupt andere Sinne hätte. Wer sich ergehen mag in den ausschweifenden Phantasien, zu denen, nach dieser Richtung hin, namentlich die glänzenden Entdeckungen der neueren Naturforschung eine recht verführerische Veranlassung bieten, der kann wohl zu dem Bekenntnisse kommen: In des Menschen Beobachtungsfeld fällt doch nur dasjenige herein, was auf die aus seiner Organisation heraus gestalteten Sinne zu wirken vermag. Er hat kein Recht, dieses von ihm durch seine Organisation begrenzte Wahrgenommene als irgendwie maßgeblich für die Wirklichkeit anzusehen. Jeder neue Sinn müßte ihn vor ein anderes Bild der Wirklichkeit stellen. — Dies alles ist, in den entsprechenden Grenzen gedacht, eine durchaus berechtigte Meinung. Wenn aber jemand sich durch diese Meinung in der unbefangenen Beobachtung des in diesen Ausführungen geltend gemachten Verhältnisses von Wahrnehmung und Begriff beirren läßt, so verbaut er sich den Weg zu einer in der Wirklichkeit wurzelnden Welt, und Menschenerkenntnis. Das Erleben der Wesenheit des Denkens, also die tätige Erarbeitung der Begriffswelt ist etwas durchaus anderes als das Erleben eines Wahrnehmbaren durch die Sinne. Welche Sinne immer der Mensch noch haben könnte: keiner gäbe ihm eine Wirklichkeit, wenn er nicht das durch ihn vermittelte Wahrgenommene denkend mit Begriffen durchsetzte; und jeder wie immer geartete Sinn gibt, so durchsetzt, dem Menschen die Möglichkeit, in der Wirklichkeit drinnen zu leben. Mit der Frage: wie der Mensch in der wirklichen Welt steht, hat die Phantasie von dem möglichen ganz anderen Wahrnehmungsbild bei anderen Sinnen nichts zu tun. Man muß eben einsehen, daß jedes Wahrnehmungsbild seine Gestalt erhält von der Organisation des wahrnehmenden Wesens, daß aber das von der erlebten denkenden Betrachtung durchsetzte Wahrnehmungsbild den Menschen in dieWirklichkeit führt. Nicht die phantastische Ausmalung, wie anders eine Welt für andere als die menschlichen Sinne aussehen müßte, kann den Menschen veranlassen, Erkenntnis zu suchen über sein Verhältnis zur Welt, sondern die Einsicht, daß jede Wahrnehmung nur einen Teil der in ihr steckenden Wirklichkeit gibt, daß sie also von ihrer eigenen Wirklichkeit hinwegführt. Dieser Einsicht tritt dann die andere zur Seite, daß das Denken in den durch die Wahrnehmung an ihr selbst verborgenen Teil der Wirklichkeit hineinführt. Störend für die unbefangene Beobachtung des hier dargestellten Verhältnisses zwischen Wahrnehmung und denkend erarbeitetem Begriff kann auch werden, wenn im Gebiete der physikalischen Erfahrung sich die Nötigung ergibt, gar nicht von unmittelbar anschaulich-wahrnehmbaren Elementen, sondern von unanschaulichen Größen wie elektrischen oder magnetischen Kraftlinien und so weiter zu sprechen. Es kann scheinen, als ob die Wirklichkeitselemente, von denen die Physik spricht, weder mit dem Wahrnehmbaren, noch mit dem im tätigen Denken erarbeiteten Begriff etwas zu tun hätten. Doch beruhte eine solche Meinung auf einer Selbsttäuschung. Zunächst kommt es darauf an, daß alles in der Physik Erarbeitete, insofern es nicht unberechtigte Hypothesen darstellt, die ausgeschlossen bleiben sollten, durch Wahrnehmung und Begriff gewonnen ist. Was scheinbar unanschaulicher Inhalt ist, das wird aus einem richtigen Erkenntnisinstinkt des Physikers heraus durchaus in das Feld versetzt, auf dem die Wahrnehmungen liegen, und es wird in Begriffen gedacht, mit denen man sich auf diesem Felde betätigt. Die Kraftstärken im elektrischen und magnetischen Felde und so weiter werden, dem Wesen nach, nicht durch einen andern Erkenntnisvorgang gewonnen als durch denjenigen, der sich zwischen Wahrnehmung und Begriff abspielt. — Eine Vermehrung oder Andersgestaltung der menschlichen Sinne würde ein anderes Wahrnehmungsbild ergeben, eine Bereicherung oder Andersgestaltung der menschlichen Erfahrung; aber eine wirkliche Erkenntnis müßte auch dieser Erfahrung gegenüber durch die Wechselwirkung von Begriff und Wahrnehmung gewonnen werden. Die Vertiefung der Erkenntnis hängt von den im Denken sich auslebenden Kräften der Intuition (vergleiche Seite 95) ab. Diese Intuition kann in demjenigen Erleben, das im Denken sich ausgestaltet, in tiefere oder weniger tiefe Untergründe der Wirklichkeit tauchen. Durch die Erweiterung des Wahrnehmungsbildes kann dieses Untertauchen Anregungen empfangen und auf diese Art mittelbar gefördert werden. Allein niemals sollte das Tauchen in die Tiefe, als das Erreichen der Wirklichkeit, verwechselt werden mit dem Gegenüberstehen von weiterem oder engerem Wahrnehmungsbild, in dem stets nur eine halbe Wirklichkeit, wie sie von der erkennenden Organisation bedingt wird, vorliegt. Wer nicht in Abstraktionen sich verliert, der wird einsehen, wie auch die Tatsache für die Erkenntnis des Menschenwesens in Betracht kommt, daß für die Physik imWahrnehmungsfelde Elemente erschlossen werden müssen, für welche nicht ein Sinn wie für Farbe oder Ton unmittelbar abgestimmt ist. Das konkrete Wesen des Menschen ist nicht nur durch dasjenige bestimmt, was er durch seine Organisation sich als unmittelbare Wahrnehmung gegenüberstellt, sondern auch dadurch, daß er anderes von dieser unmittelbaren Wahrnehmung ausschließt. Wie dem Leben neben dem bewußten Wachzustande der unbewußte Schlafzustand notwendig ist, so ist dem Sich-Erleben des Menschen neben dem Umkreis seiner Sinneswahrnehmung notwendig ein - viel größerer sogar - Umkreis von nicht sinnlich wahrnehmbaren Elementen in dem Felde, aus dem die Sinneswahrnehmungen stammen. Dies alles ist mittelbar schon ausgesprochen in der ursprünglichen Darstellung dieser Schrift. Deren Verfasser fügt hier diese Erweiterung des Inhaltes an, weil er die Erfahrung gemacht hat, daß mancher Leser nicht genau genug gelesen hat. - Bedacht sollte auch werden, daß die Idee von der Wahrnehmung, wie sie in dieser Schrift entwickelt wird, nicht verwechselt werden darf mit derjenigen von äußerer Sinnes-wahrnehmung, die nur ein Spezialfall von ihr ist. Man wird aus dem schon Vorangehenden, aber noch mehr aus dem später Ausgeführten ersehen, daß hier alles sinnlich und geistig an den Menschen Herantretende als Wahrnehmung aufgefaßt wird, bevor es von dem tätig erarbeiteten Begriff erfaßt ist. Um Wahrnehmungen seelischer oder geistiger Art zu haben, sind nicht Sinne von gewöhnlich gemeinter Art nötig. Man könnte sagen, solche Erweiterung des üblichen Sprachgebrauches sei unstatthaft. Allein sie ist unbedingt notwendig, wenn man sich nicht auf gewissen Gebieten eben durch den Sprachgebrauch in der Erkenntniserweiterung fesseln lassen will. Wer von Wahrnehmung nur im Sinne von sinnlicher Wahrnehmung spricht, der kommt auch über diese sinnliche Wahrnehmung nicht zu einem für die Erkenntnis brauchbaren Begriff. Man muß manchmal einen Begriff erweitern, damit er auf einem engeren Gebiete seinen ihm angemessenen Sinn erhält. Man muß auch zuweilen zu dem, was in einem Begriffe zunächst gedacht wird, anderes hinzufügen, damit das so Gedachte seine Rechtfertigung oder auch Zurechtrückung findet. So findet man auf Seite 107 dieses Buches gesagt: «Die Vorstellung ist also ein individualisierter Begriff.» Demgegenüber wurde mir eingewendet, das sei ein ungewöhnlicher Wortgebrauch. Aber dieser Wortgebrauch ist notwendig, wenn man dahinterkommen will, was Vorstellung eigentlich ist. Was sollte aus dem Fortgang der Erkenntnis werden, wenn man jedem, der in die Notwendigkeit versetzt ist, Begriffe zurechtzurücken, den Einwand machte: «Das ist ein ungewöhnlicher Wortgebrauch.»

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The Philosophy of Freedom 1916, tr. Prof. and Mrs. R. F. Alfred Hoernlé
  1. The Philosophy of Spiritual Activity 1949, tr. Hermann Poppelbaum
  2. The Philosophy of Spiritual Activity 1963, tr. Rita Stebbing
  3. The Philosophy of Freedom 1964, tr. Michael Wilson
  4. The Philosophy of Spiritual Activity 1986, tr. William Lindeman
  5. The Philosophy of Spiritual Activity, Steiner Online Library
  6. Die Philosophie der Freiheit, Rudolf Steiner Verlag, 16th ed.

VIII. Are There Limits to Knowledge

We have established that the elements for the explanation of reality are to be taken from the two spheres of perception and thought. It is due, as we have seen, to our organization that the full totality of reality, including our own selves as subjects, appears at first as a duality. Knowledge transcends this duality by fusing the two elements of reality, the percept and the concept, into the complete thing. Let us call the manner in which the world presents itself to us, before by means of knowledge it has taken on its true nature, “the world of appearance,” in distinction from the unified whole composed of percept and concept. We can then say, the world is given to us as a duality (Dualism), and knowledge transforms it into a unity (Monism). A philosophy which starts from this basal principle may be called a Monistic philosophy, or Monism. Opposed to this is the theory of two worlds, or Dualism. The latter does not, by any means, assume merely that there are two sides of a single reality, which are kept apart by our organization, but that there are two worlds totally distinct from one another. It then tries to find in one of these two worlds the principle of explanation for the other.

Dualism rests on a false conception of what we call knowledge. It divides the whole of reality into two spheres, each of which has its own laws, and it leaves these two worlds standing outside one another.

It is from a Dualism such as this that there arises the distinction between the object of perception and the thing-in-itself, which Kant introduced into philosophy, and which, to the present day, we have not succeeded in expelling. According to our interpretation, it is due to the nature of our organization that a particular object can be given to us only as a percept. Thought transcends this particularity by assigning to each percept its proper place in the world as a whole. As long as we determine the separate parts of the cosmos as percepts, we are simply following, in this sorting out, a law of our subjective constitution. If, however, we regard all percepts, taken together, merely as one part, and contrast with this a second part, viz., the things-in-themselves, then our philosophy is building castles-in-the-air. We are then engaged in mere playing with concepts. We construct an artificial opposition, but we can find no content for the second of these opposites, seeing that no content for a particular thing can be found except in perception.

>Every kind of reality which is assumed to exist outside the sphere of perception and conception must be relegated to the limbo of unverified hypotheses. To this category belongs the “thing-in-itself.” It is, of course, quite natural that a Dualistic thinker should be unable to find the connection between the world-principle which he hypothetically assumes and the facts that are given in experience. For the hypothetical world-principle itself a content can be found only by borrowing it from experience and shutting one's eyes to the fact of the borrowing. Otherwise it remains an empty and meaningless concept, a mere form without content. In this case the Dualistic thinker generally asserts that the content of this concept is inaccessible to our knowledge. We can know only that such a content exists, but not what it is. In either case it is impossible to transcend Dualism. Even though one were to import a few abstract elements from the world of experience into the content of the thing-in-itself, it would still remain impossible to reduce the rich concrete life of experience to these few elements, which are, after all, themselves taken from experience. Du Bois-Reymond lays it down that the imperceptible atoms of matter produce sensation and feeling by means of their position and motion, and then infers from this premise that we can never find a satisfactory explanation of how matter and motion produce sensation and feeling, for “it is absolutely and for ever unintelligible that it should be other than indifferent to a number of atoms of carbon, hydrogen, and nitrogen, etc., how they lie and move, how they lay or moved, or how they will lie and will move. It is in no way intelligible how consciousness might come into existence through their interaction.” This conclusion is characteristic of the whole tendency of this school of thought. Position and motion are abstracted from the rich world of percepts. They are then transferred to the fictitious world of atoms. And then we are astonished that we fail to evolve concrete life out of this principle of our own making, which we have borrowed from the world of percepts.

That the Dualist, working as he does with a completely empty concept of the thing-in-itself, can reach no explanation of the world, follows even from the definition of his principle which has been given above.

In any case, the Dualist finds it necessary to set impassable barriers to our faculty of knowledge. A follower of the Monistic theory of the world knows that all he needs to explain any given phenomenon in the world is to be found within this world itself. What prevents him from finding it can be only chance limitations in space and time, or defects of his organization, i.e., not of human organization in general, but only of his own.

It follows from the concept of knowledge, as defined by us, that there can be no talk of any limits of knowledge. Knowledge is not a concern of the universe in general, but one which men must settle for themselves. External things demand no explanation. They exist and act on one another according to laws which thought can discover. They exist in indivisible unity with these laws. But we, in our self-hood, confront them, grasping at first only what we have called percepts. However, within ourselves we find the power to discover also the other part of reality. Only when the Self has combined for itself the two elements of reality which are indivisibly bound up with one another in the world, is our thirst for knowledge stilled. The Self is then again in contact with reality.

The presuppositions for the development of knowledge thus exist through and for the Self. It is the Self which sets itself the problems of knowledge. It takes them from thought, an element which in itself is absolutely clear and transparent. If we set ourselves questions which we cannot answer, it must be because the content of the questions is not in all respects clear and distinct. It is not the world which sets questions to us, but we who set them to ourselves.

I can imagine that it would be quite impossible for me to answer a question which I happened to find written down somewhere, without knowing the universe of discourse from which the content of the question is taken.

In knowledge we are concerned with questions which arise for us through the fact that a world of percepts, conditioned by time, space, and our subjective organization, stands over against a world of concepts expressing the totality of the universe. Our task consists in the assimilation to one another of these two spheres, with both of which we are familiar. There is no room here for talking about limits of knowledge. It may be that, at a particular moment, this or that remains unexplained because, through chance obstacles, we are prevented from perceiving the things involved. What is not found today, however, may easily be found tomorrow. The limits due to these causes are only contingent, and must be overcome by the progress of perception and thought.

Dualism makes the mistake of transferring the opposition of subject and object, which has meaning only within the perceptual world, to pure conceptual entities outside this world. Now the distinct and separate things in the perceptual world remain separated only so long as the perceiver refrains from thinking. For thought cancels all separation and reveals it as due to purely subjective conditions. The Dualist, therefore, transfers to entities transcending the perceptual world abstract determinations which, even in the perceptual world, have no absolute, but only relative, validity. He thus divides the two factors concerned in the process of knowledge, viz., percept and concept, into four: (1) the object in itself; (2) the percept which the subject has of the object; (3) the subject; (4) the concept which relates the percept to the object in itself. The relation between subject and object is “real”; the subject is really (dynamically) influenced by the object. This real process does not appear in consciousness. But it evokes in the subject a response to the stimulation from the object. The result of this response is the percept. This, at length, appears in consciousness. The object has an objective (independent of the subject) reality, the percept a subjective reality. This subjective reality is referred by the subject to the object. This reference is an ideal one. Dualism thus divides the process of knowledge into two parts. The one part, viz., the production of the perceptual object by the thing-in-itself, he conceives of as taking place outside consciousness, whereas the other, the combination of percept with concept and the latter's reference to the thing-in-itself, takes place, according to him, in consciousness.

With such presuppositions, it is clear why the Dualist regards his concepts merely as subjective representations of what is really external to his consciousness. The objectively real process in the subject by means of which the percept is produced, and still more the objective relations between things-in-themselves, remain for the Dualist inaccessible to direct knowledge. According to him, man can get only conceptual representations of the objectively real. The bond of unity which connects things-in-themselves with one another, and also objectively with the individual minds (as things-in-themselves) of each of us, exists beyond our consciousness in a Divine Being of whom, once more, we have merely a conceptual representation.

The Dualist believes that the whole world would be dissolved into a mere abstract scheme of concepts, did he not posit the existence of real connections beside the conceptual ones. In other words, the ideal principles which thinking discovers are too airy for the Dualist, and he seeks, in addition, real principles with which to support them.

Let us examine these real principles a little more closely. The naïve man (Naïve Realist) regards the objects of sense-experience as realities. The fact that his hands can grasp, and his eyes see, these objects is for him sufficient guarantee of their reality. “Nothing exists that cannot be perceived” is, in fact, the first axiom of the naïve man; and it is held to be equally valid in its converse: “Everything which is perceived exists.” The best proof for this assertion is the naïve man's belief in immortality and in ghosts. He thinks of the soul as a fine kind of matter perceptible by the senses which, in special circumstances, may actually become visible to the ordinary man (belief in ghosts).

In contrast with this, his real, world, the Naïve Realist regards everything else, especially the world of ideas, as unreal, or “merely ideal.” What we add to objects by thinking is merely thoughts about the objects. Thought adds nothing real to the percept.

But it is not only with reference to the existence of things that the naïve man regards perception as the sole guarantee of reality, but also with reference to the existence of processes. A thing, according to him, can act on another only when a force actually present to perception issues from the one and acts upon the other. The ancient Greek philosophers, who were Naïve Realists in the best sense of the word, held a theory of vision according to which the eye sends out feelers which touch the objects. The older physicists thought that very fine kinds of substances emanate from the objects and penetrate through the sense-organs into the soul. The actual perception of these substances is impossible only because of the coarseness of our sense-organs relatively to the fineness of these substances. In principle the reason for attributing reality to these substances was the same as that for attributing it to the objects of the sensible world, viz., their kind of existence, which was conceived to be analogous to that of perceptual reality.

The self-contained being of ideas is not thought of by the naïve mind as real in the same sense. An object conceived “merely in idea” is regarded as a chimera until sense-perception can furnish proof of its reality. In short, the naïve man demands, in addition to the ideal evidence of his thinking, the real evidence of his senses. In this need of the naïve man lies the ground for the origin of the belief in revelation. The God whom we apprehend by thought remains always merely our idea of God. The naïve consciousness demands that God should manifest Himself in ways accessible to the senses. God must appear in the flesh, and must attest his Godhead to our senses by the changing of water into wine.

Even knowledge itself is conceived by the naïve mind as a process analogous to sense-perception. Things, it is thought, make an impression on the mind, or send out copies of themselves which enter through our senses, etc.

What the naïve man can perceive with his senses he regards as real, and what he cannot perceive (God, soul, knowledge, etc.) he regards as analogous to what he can perceive.

On the basis of Naïve Realism, science can consist only in an exact description of the content of perception. Concepts are only means to this end. They exist to provide ideal counterparts of percepts. With the things themselves they have nothing to do. For the Naïve Realist only the individual tulips, which we can see, are real. The universal idea of tulip is to him an abstraction, the unreal thought-picture which the mind constructs for itself out of the characteristics common to all tulips.

Naïve Realism, with its fundamental principle of the reality of all percepts, contradicts experience, which teaches us that the content of percepts is of a transitory nature. The tulip I see is real today; in a year it will have vanished into nothingness. What persists is the species “tulip.” This species is, however, for the Naïve Realist merely an idea, not a reality. Thus this theory of the world finds itself in the paradoxical position of seeing its realities arise and perish, while that which, by contrast with its realities, it regards as unreal endures. Hence Naïve Realism is compelled to acknowledge the existence of something ideal by the side of percepts. It must include within itself entities which cannot be perceived by the senses. In admitting them it escapes contradicting itself by conceiving their existence as analogous to that of objects of sense. Such hypothetical realities are the invisible forces by means of which the objects of sense-perception act on one another. Another such reality is heredity, the effects of which survive the individual, and which is the reason why from the individual a new being develops which is similar to it, and by means of which the species is maintained. The soul, the life-principle permeating the organic body, is another such reality which the naïve mind is always found conceiving in analogy to realities of sense-perception. And, lastly, the Divine Being, as conceived by the naïve mind, is such a hypothetical entity. The Deity is thought of as acting in a manner exactly corresponding to that which we can perceive in man himself, i.e., the Deity is conceived anthropomorphically.

Modern Physics traces sensations back to the movements of the smallest particles of bodies and of an infinitely fine substance called ether. What we experience, e.g., as warmth is a movement of the parts of a body which causes the warmth in the space occupied by that body. Here again something imperceptible is conceived on the analogy of what is perceptible. Thus, in terms of perception, the analogon to the concept “body” is, say, the interior of a room, shut in on all sides, in which elastic balls are moving in all directions, impinging one on another, bouncing on and off the walls, etc.

Without such assumptions the world of the Naïve Realist would collapse into a disconnected chaos of percepts, without mutual relations, and having no unity within itself. It is clear, however, that Naïve Realism can make these assumptions only by contradicting itself. If it would remain true to its fundamental principle, that only what is perceived is real, then it ought not to assume a reality where it perceives nothing. The imperceptible forces of which perceptible things are the bearers are, in fact, illegitimate hypotheses from the standpoint of Naïve Realism. But because Naïve Realism knows no other realities, it invests its hypothetical forces with perceptual content. It thus transfers a form of existence (the existence of percepts) to a sphere where the only means of making any assertion concerning such existence, viz., sense-perception, is lacking.

This self-contradictory theory leads to Metaphysical Realism. The latter constructs, beside the perceptible reality, an imperceptible one which it conceives on the analogy of the former. Metaphysical Realism is, therefore, of necessity Dualistic.

Wherever the Metaphysical Realist observes a relation between perceptible things (mutual approach through movement, the entrance of an object into consciousness, etc.), there he posits a reality. However, the relation of which he becomes aware cannot be perceived but only expressed by means of thought. The ideal relation is thereupon arbitrarily assimilated to something perceptible. Thus, according to this theory the world is composed of the objects of perception which are in ceaseless flux, arising and disappearing, and of imperceptible forces by which the perceptible objects are produced, and which are permanent.

Metaphysical Realism is a self-contradictory mixture of Naïve Realism and Idealism. Its forces are imperceptible entities endowed with the qualities proper to percepts. The Metaphysical Realist has made up his mind to acknowledge, in addition to the sphere for the existence of which he has an instrument of knowledge in sense-perception, the existence of another sphere for which this instrument fails, and which can be known only by means of thought. But he cannot make up his mind at the same time to acknowledge that the mode of existence which thought reveals, viz., the concept (or idea), has equal rights with percepts. If we are to avoid the contradiction of imperceptible percepts, we must admit that, for us, the relations which thought traces between percepts can have no other mode of existence than that of concepts. If one rejects the untenable part of Metaphysical Realism, there remains the concept of the world as the aggregate of percepts and their conceptual (ideal) relations. Metaphysical Realism, then, merges itself in a view of the world according to which the principle of perceptibility holds for percepts, and that of conceivability for the relations between the percepts. This view of the world has no room, in addition to the perceptual and conceptual worlds, for a third sphere in which both principles, the so-called “real” principle and the “ideal” principle, are simultaneously valid.

When the Metaphysical Realist asserts that, besides the ideal relation between the perceived object and the perceiving subject, there must be a real relation between the percept as “thing-in-itself” and the subject as “thing-in-itself” (the so-called individual mind), he is basing his assertion on the false assumption of a real process, imperceptible but analogous to processes in the world of percepts. Further, when the Metaphysical Realist asserts that we stand in a conscious ideal relation to our world of percepts, but that to the real world we can have only a dynamic (force) relation, he repeats the mistake we have already criticized. We can talk of a dynamic relation only within the world of percepts (in the sphere of the sense of touch), but not outside that world.

Let us call the view which we have just characterized, and into which Metaphysical Realism merges when it discards its contradictory elements, Monism, because it combines one-sided Realism and Idealism into a higher unity.

For Naïve Realism the real world is an aggregate of percepts; for Metaphysical Realism, reality belongs not only to percepts but also to imperceptible forces; Monism replaces forces by ideal relations which are supplied by thought. These relations are the laws of nature. A law of nature is nothing but the conceptual expression for the connection of certain percepts.

Monism is never called upon to ask whether there are any principles of explanation for reality other than percepts and concepts. The Monist knows that in the whole realm of the real there is no occasion for this question. In the perceptual world, as immediately apprehended, he sees one-half of reality; in the union of this world with the world of concepts he finds full reality. The Metaphysical Realist might object that, relatively to our organization, our knowledge may be complete in itself, that no part may be lacking, but that we do not know how the world appears to a mind organized differently from our own. To this the Monist will reply: Maybe there are intelligences other than human; and maybe also that their percepts are different from ours, if they have perception at all. But this is irrelevant to me for the following reasons. Through my perceptions, i.e., through this specifically human mode of perception, I, as subject, am confronted with the object. The nexus of things is thereby broken. The subject reconstructs the nexus by means of thought. In doing so it re-inserts itself into the context of the world as a whole. As it is only through the Self, as subject, that the whole appears rent in two between percept and concept, the reunion of those two factors will give us complete knowledge. For beings with a different perceptual world (e.g., if they had twice our number of sense-organs) the nexus would appear broken in another place, and the reconstruction would accordingly have to take a form specifically adapted to such beings. The question concerning the limits of knowledge troubles only Naïve and Metaphysical Realism, both of which see in the contents of mind only ideal representations of the real world. For to these theories whatever falls outside the subject is something absolute, a self-contained whole, and the subject's mental content is a copy which is wholly external to this absolute. The completeness of knowledge depends on the greater or lesser degree of resemblance between the representation and the absolute object. A being with fewer senses than man will perceive less of the world, one with more senses will perceive more. The former's knowledge will, therefore, be less complete than the latter's.

For Monism the matter is different. The point where the unity of the world appears to be rent asunder into subject and object depends on the organization of the percipient. The object is not absolute but merely relative to the nature of the subject. The bridging of the gap, therefore, can take place only in the quite specific way which is characteristic of the human subject. As soon as the Self, which in perception is set over against the world, is again re-inserted into the world-nexus by constructive thought all further questioning ceases, having been but a result of the separation.

A differently constituted being would have a differently constituted knowledge. Our own knowledge suffices to answer the questions which result from our own mental constitution.

Metaphysical Realism must ask, What is it that gives us our percepts? What is it that stimulates the subject?

Monism holds that percepts are determined by the subject. But in thought the subject has, at the same time, the instrument for transcending this determination of which it is itself the author.

The Metaphysical Realist is faced by a further difficulty when he seeks to explain the similarity of the world-views of different human individuals. He has to ask himself, How is it that my theory of the world, built up out of subjectively determined percepts and out of concepts, turns out to be the same as that which another individual is also building up out of these same two subjective factors? How, in any case, is it possible for me to argue from my own subjective view of the world to that of another human being? The Metaphysical Realist thinks he can infer the similarity of the subjective world-views of different human beings from their ability to get on with one another in practical life. From this similarity of world-views he infers further the likeness to one another of individual minds, meaning by “individual mind” the “I-in-itself” underlying each subject.

We have here an inference from a number of effects to the character of the underlying causes. We believe that after we have observed a sufficiently large number of instances, we know the connection sufficiently to know how the inferred causes will act in other instances. Such an inference is called an inductive inference. We shall be obliged to modify its results, if further observation yields some unexpected fact, because the character of our conclusion is, after all, determined only by the particular details of our actual observations. The Metaphysical Realist asserts that this knowledge of causes, though restricted by these conditions, is quite sufficient for practical life.

Inductive inference is the fundamental method of modern Metaphysical Realism. At one time it was thought that out of concepts we could evolve something that would no longer be a concept. It was thought that the metaphysical reals, which Metaphysical Realism after all requires, could be known by means of concepts. This method of philosophizing is now out of date. Instead it is thought that from a sufficiently large number of perceptual facts we can infer the character of the thing-in-itself which lies behind these facts. Formerly it was from concepts, now it is from percepts that the Realist seeks to evolve the metaphysically real. Because concepts are before the mind in transparent clearness, it was thought that we might deduce from them the metaphysically real with absolute certainty. Percepts are not given with the same transparent clearness. Each fresh one is a little different from others of the same kind which preceded it. In principle, therefore, anything inferred from past experience is somewhat modified by each subsequent experience. The character of the metaphysically real thus obtained can therefore be only relatively true, for it is open to correction by further instances. The character of Von Hartmann's Metaphysics depends on this methodological principle. The motto on the title-page of his first important book is, “Speculative results gained by the inductive method of Science.”

The form which the Metaphysical Realist at the present day gives to his things-in-themselves is obtained by inductive inferences. Consideration of the process of knowledge has convinced him of the existence of an objectively-real world-nexus, over and above the subjective world which we know by means of percepts and concepts. The nature of this reality he thinks he can determine by inductive inferences from his percepts.