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Goethe's Worldview
GA 6

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Die Metamorphosenlehre

[ 1 ] Man kann Goethes Verhältnis zu den Naturwissenschaften nicht verstehen, wenn man sich bloß an die Einzelentdeckungen hält, die er gemacht hat. Ich sehe als leitenden Gesichtspunkt für die Betrachtung dieses Verhältnisses die Worte an, die Goethe am 18. August 1787 von Italien aus an Knebel gerichtet hat: «Nach dem, was ich bei Neapel, in Sizilien von Pflanzen und Fischen gesehen habe, würde ich, wenn ich zehn Jahre jünger wäre, sehr versucht sein, eine Reise nach Indien zu machen, nicht um etwas Neues zu entdecken, sondern um das Entdeckte nach meiner Art anzusehen.» Auf die Art, wie Goethe die ihm bekannten Naturerscheinungen in einer seiner Denkungsart gemäßen Naturansicht zusammengefaßt hat, scheint es mir anzukommen. Wenn alle die Einzelentdeckungen, die ihm gelungen sind, schon vor ihm gemacht gewesen wären, und er uns nichts als seine Naturansicht gegeben hätte, so schmälerte dies die Bedeutung seiner Naturstudien nicht im geringsten. Ich bin mit Du Bois-Reymond einer Meinung darüber, daß « auch ohne Goethe die Wissenschaft überhaupt so weit wäre, wie sie ist», daß die ihm gelungenen Schritte früher oder später andere getan hätten. (Goethe und kein Ende, S.1) Ich kann diese Worte nur nicht, wie es Du Bois-Reymond tut, auf den ganzen Umfang von Goethes naturwissenschaftlichen Arbeiten beziehen. Ich beschränke sie auf die in ihrem Verlaufe gemachten Einzelentdeckungen. Keine einzige derselben würde uns wahrscheinlich heute fehlen, wenn Goethe sich nie mit Botanik, mit Anatomie usw. beschäftigt hätte. Seine Naturansicht aber ist ein Ausfluß seiner Persönlichkeit; kein anderer hätte zu ihr kommen können. Ihn interessierten auch nicht die Einzelentdeckungen. Sie drängten sich ihm während seiner Studien von selbst auf, weil über die Tatsachen, die sie betreffen, zu seiner Zeit Ansichten Geltung hatten, die unvereinbar mit seiner Art, die Dinge zu betrachten, waren. Hätte er mit dem, was die Naturwissenschaft ihm überlieferte, seine Anschauung aufbauen können: so würde er sich nie mit Detailstudien beschäftigt haben. Er mußte ins Einzelne gehen, weil das, was ihm über das Einzelne von den Naturforschern gesagt wurde, seinen Forderungen nicht entsprach. Und nur wie zufällig ergaben sich bei diesen Detailstudien die Einzelentdeckungen. Ihn beschäftigte zunächst nicht die Frage: ob der Mensch wie die übrigen Tiere einen Zwischenkieferknochen in der oberen Kinnlade habe. Er wollte den Plan entdecken, nach dem die Natur die Stufenfolge der Tiere und auf der Höhe dieser Stufenfolge den Menschen bildet. Das gemeinsame Urbild, das allen Tiergattungen und zuletzt in seiner höchsten Vollkommenheit auch der Menschengattung zu Grunde liegt, wollte er finden. Die Naturforscher sagten ihm: es besteht ein Unterschied im Bau des tierischen und des menschlichen Körpers. Die Tiere haben in der oberen Kinnlade den Zwischenknochen, der Mensch habe ihn nicht. Seine Ansicht war, daß sich der menschliche physische Bau nur dem Grade der Vollkommenheit nach von dem tierischen unterscheiden könne, nicht aber in Einzelheiten. Denn, wenn das letztere der Fall wäre, könnte nicht ein gemeinsames Urbild der tierischen und der menschlichen Organisation zu Grunde liegen. Er konnte mit der Behauptung der Naturforscher nichts anfangen. Deshalb suchte er nach dem Zwischenknochen bei dem Menschen und fand ihn. Ähnliches ist bei allen seinen Einzelentdeckungen zu beobachten. Sie sind ihm nie Selbstzweck. Sie müssen gemacht werden, um seine Vorstellungen über die Naturerscheinungen als berechtigt erscheinen zu lassen.

[ 2 ] Im Gebiete der organischen Naturerscheinungen ist das Bedeutsame in Goethes Ansicht die Vorstellung, die er vom Wesen des Lebens aus bildete. Nicht auf die Betonung der Tatsache, daß Blatt, Kelch, Krone usw. Organe an der Pflanze sind, die miteinander identisch sind, und sich aus einem gemeinschaftlichen Grundgebilde entwickeln, kommt es an. Sondern darauf, welche Vorstellung Goethe von dem Ganzen der Pflanzennatur als einem Lebendigen hatte und wie er sich das Einzelne aus diesem Ganzen hervorgehend dachte. Seine Idee von dem Wesen des Organismus ist seine ureigenste zentrale Entdeckung im Gebiete der Biologie zu nennen. Daß sich in der Pflanze, in dem Tiere etwas anschauen lasse, was der bloßen Sinnenbeobachtung nicht zugänglich ist, war Goethes Grundüberzeugung. Was das leibliche Auge an dem Organismus beobachten kann, scheint Goethe nur die Folge zu sein des lebendigen Ganzen durcheinander wirkender Bildungsgesetze, die dem geistigen Auge allein zugänglich sind. Was er mit dem geistigen Auge an der Pflanze, an dem Tier erschaut, das hat er beschrieben. Nur wer ebenso wie er zu sehen fähig ist, kann seine Idee von dem Wesen des Organismus nachdenken. Wer bei dem stehen bleibt, was die Sinne und das Experiment liefern, der kann Goethe nicht verstehen. Wenn wir seine beiden Gedichte lesen «Die Metamorphose der Pflanzen» und «Die Metamorphose der Tiere», so scheint es zunächst, als ob die Worte uns nur von einem Glied des Organismus zum andern führten, als ob bloß äußerlich Tatsächliches verknüpft werden sollte. Wenn wir uns aber durchdringen mit dem, was Goethe als Idee des Lebewesens vorschwebt, dann fühlen wir uns in die Sphäre des Lebendig-Organischen versetzt, und aus einer zentralen Vorstellung wachsen die Vorstellungen über die einzelnen Organe hervor.


[ 3 ] Als Goethe anfing, selbständig über die Erscheinungen der Natur nachzusinnen, nahm vor allem andern der Begriff des Lebens seine Aufmerksamkeit in Anspruch. In einem Briefe aus der Straßburger Zeit vom 14. Juli 1770 schreibt er von einem Schmetterling: «Das arme Tier zittert im Netz, streift sich die schönsten Farben ab; und wenn man es ja unversehrt erwischt, so steckt es doch endlich steif und leblos da; der Leichnam ist nicht das ganze Tier, es gehört noch etwas dazu, noch ein Hauptstück, und bei der Gelegenheit, wie bei jeder andern, ein sehr hauptsächliches Hauptstück: das Leben.-» Daß ein Organismus nicht wie ein totes Naturprodukt betrachtet werden kann, daß noch mehr darin steckt als die Kräfte, die auch in der unorganischen Natur leben, war Goethe von vornherein klar. Wenn Du Bois-Reymond meint, daß «die rein mechanische Weltkonstruktion, welche heute die Wissenschaft ausmacht, dem Weimarschen Dichterfürsten nicht minder verhaßt gewesen wäre, als einst Friederikens Freund das 9systeme de la nature:», so hat er unzweifelhaft Recht; und nicht minder hat er Recht mit den andern Worten: von dieser Weltkonstruktion, die «durch die Urzeugung an die Kant-Laplace'sche Theorie grenzt, von der Entstehung des Menschen aus dem Chaos durch das von Ewigkeit zu Ewigkeit mathematisch bestimmte Spiel der Atome, von dem eisigen Weltende - von diesen Bildern, welche unser Geschlecht so unfühlend ins Auge faßt, wie es an die Schrecknisse des Eisenbahnfahrens sich gewöhnte - hätte Goethe sich schaudernd abgewandt» (Goethe und kein Ende, S.35 f.). Gewiß hätte er sich schaudernd abgewandt, weil er einen höheren Begriff des Lebendigen suchte und ihn auch fand als den eines komplizierten, mathematisch bestimmten Mechanismus. Nur wer unfähig ist, einen solchen höhern Begriff zu fassen und das Lebendige mit dem Mechanischen identifiziert, weil er am Organismus nur das Mechanische zu sehen vermag, der wird sich für die mechanische Weltkonstruktion und ihr Spiel der Atome erwärmen und unfühlend die Bilder ins Auge fassen, die Du Bois-Reymond entwirft. Wer aber den Begriff des Organischen im Sinne Goethes in sich aufnehmen kann, der wird über seine Berechtigung ebensowenig streiten wie über das Vorhandensein des Mechanischen. Man streitet ja auch nicht mit dem Farbenblinden über die Farbenwelt. Alle Anschauungen, welche das Organische sich mechanisch vorstellen, verfallen dem Richterspruch, den Goethe seinen Mephistopheles sagen läßt:

Wer will was Lebendig's erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist herauszutreiben,
Dann hat er die Teile in der Hand.
Fehlt, leider! nur das geistige Band.


[ 4 ] Die Möglichkeit, sich intimer mit dem Leben der Pflanzen zu beschäftigen, fand sich für Goethe, als ihm der Herzog Karl August am 21. April 1776 einen Garten schenkte. Auch durch die Streifzüge im Thüringerwald, auf denen er die Lebenserscheinungen der niederen Organismen beobachten konnte, wird Goethe angeregt. Moose und Flechten nehmen seine Aufmerksamkeit in Anspruch. Am 31. Oktober bittet er Frau von Stein um Moose von allen Sorten, womöglich mit den Wurzeln und feucht, damit er sie benützen könne, um die Fortpflanzung zu beobachten. Es ist wichtig, im Auge zu behalten, daß Goethe sich im Anfange seiner botanischen Studien mit den niederen Pflanzenformen beschäftigte. Denn er hat später bei der Konzeption seiner Idee der Urpflanze nur die höheren Pflanzen berücksichtigt. Dies kann also nicht davon herrühren, daß ihm das Gebiet der niederen fremd war, sondern davon, daß er die Geheimnisse der Pflanzennatur an den höheren deutlicher ausgeprägt glaubte. Er wollte die Idee der Natur da aufsuchen, wo sie sich am klarsten offenbart und dann von dem Vollkommenen zum Unvollkommenen herabsteigen, um dieses aus jenem zu begreifen. Nicht das Zusammengesetzte wollte er durch das Einfache erklären; sondern jenes mit einem Blick als wirkendes Ganzes überschauen und dann das Einfache und Unvollkommene als einseitige Ausbildung des Zusammengesetzten und Vollkommenen erklären. Wenn die Natur fähig ist, nach unzähligen Pflanzenformen noch eine zu machen, die sie alle enthält, so muß auch dem Geiste beim Anschauen dieser vollkommenen Form das Geheimnis der Pflanzenbildung in unmittelbarer Anschauung aufgehen, und er wird dann leicht das an dem Vollkommenen Beobachtete auf das Unvollkommene anwenden können. Umgekehrt machen es die Naturforscher, die das Vollkommene nur als eine mechanische Summe der einfachen Vorgänge ansehen. Sie gehen von diesem Einfachen aus und leiten das Vollkommene von demselben ab.

[ 5 ] Als sich Goethe nach einem wissenschaftlichen Führer für seine botanischen Studien umsah, konnte er keinen andern finden als Linné. Wir erfahren von seiner Beschäftigung mit Linné zuerst aus den Briefen an Frau von Stein vom Jahre 1782. Wie ernst es Goethe mit seinen naturwissenschaftlichen Bestrebungen war, geht aus dem Interesse hervor, das er an Linnés Schriften genommen hat. Er gesteht, daß nach Shakespeare und Spinoza auf ihn die größte Wirkung von Linné ausgegangen ist. Aber wie wenig konnte ihn Linné befriedigen. Goethe wollte die verschiedenen Pflanzenformen beobachten, um das Gemeinsame, das in ihnen lebt, zu erkennen. Er wollte wissen, was alle diese Gebilde zu Pflanzen macht. Und Linné hatte sich damit begnügt, die mannigfaltigsten Pflanzenformen in einer bestimmten Ordnung nebeneinander zu stellen und zu beschreiben. Hier stieß Goethes naive, unbefangene Naturbeobachtung in einem einzelnen Falle auf die durch einseitig aufgefaßten Platonismus beeinflußte Denkweise der Wissenschaft. Diese Denkweise sieht in den einzelnen Formen Verwirklichungen ursprünglicher, nebeneinander bestehender, platonischer Ideen oder Schöpfungsgedanken. Goethe sieht in dem einzelnen Gebilde nur eine besondere Ausgestaltung eines ideellen Urwesens, das in allen Formen lebt. Jene Denkweise will möglichst genau die einzelnen Formen unterscheiden, um die Vielgliedrigkeit der Ideenformen oder des Schöpfungsplanes zu erkennen; Goethe will die Vielgliedrigkeit des Besonderen aus der ursprünglichen Einheit erklären. Daß vieles in mannigfaltigen Formen da ist, ist für jene Denkungsart ohne weiteres klar, denn schon die idealen Urbilder sind für sie das Mannigfaltige. Für Goethe ist das nicht klar, denn das Viele gehört nach seiner Ansicht nur zusammen, wenn sich Eines darin offenbart. Goethe sagt deshalb, was Linné «mit Gewalt auseinander zu halten suchte, mußte nach dem innersten Bedürfnis meines Wesens zur Vereinigung anstreben». Linné nimmt die vorhandenen Formen einfach hin, ohne danach zu fragen, wie sie aus einer Grundform geworden sind: «Spezies zählen wir so viele, als verschiedene Formen im Prinzip geschaffen worden sind »: dies ist sein Grundsatz. Goethe sucht im Pflanzenreich das Wirksame, das durch Spezifizierung der Grundform das Einzelne schafft.

[ 6 ] Ein naiveres Verhältnis zur Pflanzenwelt als bei Linné fand Goethe bei Rousseau. Am i6. Juni 1782 schreibt er an Karl August: «In Rousseaus Werken finden sich ganz allerliebste Briefe über die Botanik, worin er diese Wissenschaft auf das faßlichste und zierlichste einer Dame vorträgt. Es ist recht ein Muster, wie man unterrichten soll und eine Beilage zum Emil. Ich nehme daher Anlaß, das schöne Reich der Blumen meinen schönen Freundinnen aufs neue zu empfehlen.» In seiner «Geschichte meines botanischen Studiums»legt Goethe dar, was ihn zu Rousseaus botanischen Ideen hingezogen hat: «Sein Verhältnis zu Pflanzenfreunden und -kennern, besonders zu der Herzogin von Portland, mag seinen Scharfblick mehr in die Breite gewiesen haben, und ein Geist wie der seinige, der den Nationen Ordnung und Gesetz vorzuschreiben sich berufen fühlt, mußte doch zur Vermutung gelangen, daß in dem unermeßlichen Pflanzenreiche keine so große Mannigfaltigkeit der Formen erscheinen könnte, ohne daß ein Grundgesetz, es sei auch noch so verborgen, sie wieder sämtlich zur Einheit zurückbrächte.» Ein solches Grundgesetz, das die Mannigfaltigkeit zur Einheit zurückbringt, von der sie ursprünglich ausgegangen ist, sucht auch Goethe.

[ 7 ] Zwei Schriften vom Freiherrn von Gleichen, genannt Rußwurm, fielen damals in Goethes geistigen Horizont. Sie behandeln beide das Leben der Pflanze in einer Weise, die für ihn fruchtbar werden konnte: «Das Neueste aus dem Reiche der Pflanzen»(Nürnberg 1764) und «Auserlesene mikroskopische Entdeckungen bei den Pflanzen» (Nürnberg 1777–1781). Sie beschäftigen sich mit den Befruchtungsvorgängen der Pflanzen. Blütenstaub, Staubfäden und Stempel sind in ihnen sorgfältig beschrieben, und in gut ausgeführten Tafeln die Vorgänge bei der Befruchtung dargestellt. Goethe macht nun selbst Versuche, um die von Gleichen-Rußwurm beschriebenen Ergebnisse mit eigenen Augen zu beobachten. Er schreibt am 12. Januar 1785 an Jacobi: «Ein Mikroskop ist aufgestellt, um die Versuche des v. Gleichen, genannt Rußwurm, mit Frühlingseintritt nachzubeobachten und zu kontrollieren.» Zur selben Zeit studiert er die Wesenheit des Samens, wie aus einem Bericht an Knebel vom 2. April 1785 hervorgeht: «Die Materie vom Samen habe ich durchgedacht, so weit meine Erfahrungen reichen.» Diese Beobachtungen Goethes erscheinen erst im rechten Lichte, wenn man berücksichtigt, daß er schon dazumal nicht bei ihnen stehen geblieben ist, sondern eine Gesamtanschauung der Naturvorgänge zu gewinnen suchte, der sie zur Stütze und Bekräftigung dienen sollten. Am 8. April desselben Jahres meldet er Merck, daß er nicht nur Tatsachen beobachtet, sondern auch «hübsche Entdeckungen und Kombinationen» über diese Tatsachen gemacht habe.


[ 8 ] Von wesentlichem Einfluß auf die Ausbildung der Ideen Goethes über organische Naturwirkungen war der Anteil, den er an Lavaters großem Werke: «Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe» nahm, das in den Jahren 1775-1778 erschienen ist. Er hat selbst Beiträge zu diesem Werke geliefert. In der Art, wie er sich in diesen Beiträgen ausspricht, ist seine spätere Weise, das Organische anzusehen, schon vorgebildet. Lavater blieb dabei stehen, die Gestalt des menschlichen Organismus als Ausdruck der Seele zu behandeln. Er wollte aus den Formen der Körper die Charaktere der Seelen deuten. Goethe fing bereits damals an, die äußere Gestalt um ihrer selbst willen zu betrachten, ihre eigene Gesetzmäßigkeit und Bildungskraft zu studieren. Er beschäftigt sich zugleich mit den Schriften des Aristoteles über die Physiognomik und versucht es, auf Grundlage des Studiums der organischen Gestalt, den Unterschied des Menschen von den Tieren festzustellen. Er findet diesen in dem durch das Ganze des menschlichen Baues bedingten Hervortreten des Kopfes, in der vollkommenen Ausbildung des menschlichen Gehirns, zu dem alle Teile wie zu einem Organ hindeuten, auf das sie gestimmt sind. Im Gegenteil ist bei dem Tiere der Kopf an den Rückgrat bloß angehängt, das Gehirn, das Rückenmark haben nicht mehr Umfang als zur Auswirkung der untergeordneten Lebensgeister und zur Leitung der bloß sinnlichen Verrichtungen unbedingt notwendig ist. Goethe sucht schon damals den Unterschied des Menschen von den Tieren nicht in irgend einem einzelnen, sondern in dem verschiedenen Grade der Vollkommenheit, den das gleiche Grundgebilde in dem einen oder anderen Falle erreicht. Es schwebt ihm bereits das Bild eines Typus vor, der sowohl bei den Tieren wie beim Menschen sich findet, der bei den ersteren so ausgebildet ist, daß der ganze Bau den animalischen Funktionen dient, während bei letzterem der Bau das Grundgerüste für die Entwicklung des Geistes abgibt.

[ 9 ] Aus solchen Betrachtungen heraus erwächst Goethes Spezialstudium der Anatomie. Am 22. Januar 1776 berichtet er an Lavater: «Der Herzog hat mir sechs Schädel kommen lassen, habe herrliche Bemerkungen gemacht, die Euer Hochwürden zu Diensten stehen, wenn dieselben Sie nicht ohne mich fanden.» Im Tagebuche Goethes lesen wir unter dem i Oktober 1781, daß er in Jena mit dem alten Einsiedel Anatomie trieb und in demselben Jahre fing er an, sich von Loder in diese Wissenschaft genauer einführen zu lassen. Er erzählt davon in Briefen an Frau von Stein vom 29. Oktober 1781 und an den Herzog vom 4. November. Er hat auch die Absicht, den jungen Leuten an der Zeichenakademie «das Skelett zu erklären und sie zur Kenntnis des menschlichen Körpers anzuführen». - «Ich tue es», sagt er, «um meinet- und ihretwillen; die Methode, die ich gewählt habe, wird sie diesen Winter über völlig mit den Grundsäulen des Körpers bekannt machen. » Er hat, wie aus dem Tagebuch zu ersehen, diese Vorlesungen auch gehalten. Auch mit Loder hat er in dieser Zeit über den Bau des menschlichen Körpers manches Gespräch geführt. Und wieder ist es seine allgemeine Naturansicht, die als treibende Kraft und als eigentliches Ziel dieser Studien erscheint. Er behandelt die« Knochen als einen Text, woran sich alles Leben und alles Menschliche anhängen läßt» (Briefe an Lavater und Merck vom 14. November 1781). Vorstellungen über das Wirken des Organischen, über den Zusammenhang der menschlichen Bildung mit der tierischen beschäftigen damals seinen Geist. Daß der menschliche Bau nur die höchste Stufe des tierischen ist, und daß er durch diesen vollkommeneren Grad des Tierischen die sittliche Welt aus sich hervorbringt, ist eine Idee, die bereits in der Ode «das Göttliche »vom Jahre 1782 niedergelegt ist.

Edel sei der Mensch,
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.

- - - - - -

Nach ewigen, ehrnen,
Großen Gesetzen
Müssen wir alle
Unsers Daseins
Kreise vollenden.

[ 10 ] Die «ewigen, ehrnen Gesetze» wirken im Menschen gerade so wie in der übrigen Organismenwelt; sie erreichen in ihm nur eine Vollkommenheit, durch die es ihm möglich ist, «edel, hilfreich und gut» zu sein.

[ 11 ] Während in Goethe sich solche Ideen immer mehr festsetzten, arbeitete Herder an seinen «Ideen zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit». Alle Gedanken dieses Buches wurden von den beiden durchgesprochen. Goethe war von Herders Auffassung der Natur befriedigt. Sie fiel mit seinen eigenen Vorstellungen zusammen. «Herders Schrift macht wahrscheinlich, daß wir erst Pflanzen und Tiere waren... Goethe grübelt jetzt gar denkreich in diesen Dingen und jedes, was erst durch seine Vorstellung gegangen ist, wird äußerst interessant», schreibt am 1. Mai 1784 Frau von Stein an Knebel. Wie sehr man berechtigt ist, von Herders Ideen auf die Goethes zu schließen, zeigen die Worte, die Goethe am 8. Dez. 1783 an Knebel richtet: «Herder schreibt eine Philosophie der Geschichte, wie Du Dir denken kannst, von Grund aus neu. Die ersten Kapitel haben wir vorgestern zusammen gelesen, sie sind köstlich.» Sätze wie die folgenden liegen ganz in Goethes Denkrichtung. «Das Menschengeschlecht ist der große Zusammenfluß niederer organischer Kräfte.» « Und so können wir den vierten Satz annehmen: daß der Mensch ein Mittelgeschöpf unter den Tieren, d. i. die ausgearbeitete Form sei, in der sich die Zuge aller Gattungen um ihn her im feinsten Inbegriff sammeln.»

[ 12 ] Mit solchen Vorstellungen war allerdings die Ansicht der damaligen Anatomen nicht zu vereinigen, daß der kleine Knochen, den die Tiere in der oberen Kinnlade haben, der Zwischenkiefer, der die oberen Schneidezähne enthält, dem Menschen fehle. Sömmering, einer der bedeutendsten Anatomen der damaligen Zeit, schrieb am 8. Oktober 1782 an Merck: «Ich wünschte, daß Sie Blumenbach nachsähen, wegen des ossis intermaxillaris, der ceteris paribus der einzige Knochen ist, den alle Tiere vom Affen an, selbst der Orang-Utang eingeschlossen, haben, der sich hingegen nie beim Menschen findet; wenn Sie diesen Knochen abrechnen, so fehlt Ihnen nichts, um nicht alles vom Menschen auf die Tiere transferieren zu können. Ich lege deshalb einen Kopf von einer Hirschkuh bei, um Sie zu überzeugen, daß dieses os intermaxillare (wie es Blumenbach) oder os incisivum (wie es Camper nennt) selbst bei Tieren vorhanden ist, die keine Schneidezähne in der oberen Kinnlade haben.» Das war die allgemeine Meinung der Zeit. Auch der berühmte Camper, für den Merck und Goethe die innigste Verehrung hatten, bekannte sich zu ihr. Der Umstand, daß der Zwischenknochen beim Menschen links und rechts mit den Oberkieferknochen verwachsen ist, ohne daß bei einem normal gebildeten Individuum eine deutliche Grenze zu sehen ist, hat zu dieser Ansicht geführt. Hätten die Gelehrten recht gehabt mit derselben, dann wäre es unmöglich, ein gemeinsames Urbild für den Bau des tierischen und menschlichen Organismus aufzustellen; eine Grenze zwischen den beiden Formen müßte angenommen werden. Der Mensch wäre nicht nach dem Urbilde geschaffen, das auch den Tieren zu Grunde liegt. Dieses Hindernis seiner Weltanschauung mußte Goethe hinwegräumen. Es gelang ihm im Frühling 1784 in Gemeinschaft mit Loder. Nach seinem allgemeinen Grundsatze, «daß die Natur kein Geheimnis habe, was sie nicht irgendwo dem aufmerksamen Beobachter nackt vor die Augen stellt», ging Goethe vor. Er fand bei einzelnen abnorm gebildeten Schädeln die Grenze zwischen Ober- und Zwischenkiefer wirklich vorhanden. Freudig berichtet er von dem Fund am 27. März an Herder und Frau von Stein. An Herder schreibt er: «Es soll Dich auch herzlich freuen, denn es ist wie der Schlußstein zum Menschen, fehlt nicht, ist auch da! Aber wie! Ich habe mirs auch in Verbindung mit Deinem Ganzen gedacht, wie schön es da wird.» Und als Goethe die Abhandlung, die er über die Sache geschrieben hat, im November 1784 an Knebel schickt, deutet er die Bedeutung, die er der Entdeckung für seine ganze Vorstellungswelt beilegt, mit den Worten an: «Ich habe mich enthalten, das Resultat, worauf schon Herder in seinen Ideen deutet, schon jetzt merken zu lassen, daß man nämlich den Unterschied des Menschen vom Tier in nichts einzelnem finden könne.» Goethe konnte erst Vertrauen zu seiner Naturansicht gewinnen, als die irrtümliche Ansicht über das fatale Knöchelchen beseitigt war. Er gewann allmählich den Mut, seine Ideen über die Art, wie die Natur, mit einer Hauptform gleichsam spielend, das mannigfaltige Leben hervorbringt, «auf alle Reiche der Natur, auf ihr ganzes Reich auszudehnen». In diesem Sinne schreibt er im Jahre 1786 an Frau von Stein.


[ 13 ] Immer lesbarer wird Goethe das Buch der Natur, nachdem er den einen Buchstaben richtig entziffert hat. «Mein langes Buchstabieren hat mir geholfen, jetzt wirkts auf einmal und meine stille Freude ist unaussprechlich», schreibt er der Frau von Stein am 15. Mai 1785. Er hält sich jetzt auch bereits für fähig, eine kleine botanische Abhandlung für Knebel zu schreiben. Die Reise, die er 1785 nach Karlsbad mit diesem zusammen unternimmt, wird zu einer förmlichen botanischen Studienreise. Nach der Rückkehr werden mit Hilfe Linnés die Reiche der Pilze, Moose, Flechten und Algen durchgegangen. Er teilt am 9. November der Frau von Stein mit: «Ich lese Linné fort, denn ich muß wohl, ich habe kein anderes Buch. Es ist das die beste Art, ein Buch gewiß zu lesen, die ich öfters praktizieren muß, besonders da ich nicht leicht ein Buch auslese. Dieses ist aber vorzüglich nicht zum Lesen, sondern zum Rekapitulieren gemacht und tut mir nun treffliche Dienste, da ich über die meisten Punkte selbst gedacht habe.» Während dieser Studien bekommt auch die Grundform, aus welcher die Natur alle mannigfaltigen Pflanzengebilde herausarbeitet, einzelne, wenn auch noch nicht deutliche Umrisse in seinem Geiste. In einem Briefe an die Frau von Stein vom 9. Juli 1786 sind die Worte enthalten: «Es ist ein Gewahrwerden der wesentlichen Form, mit der die Natur gleichsam nur immer spielt und spielend das mannigfaltige Leben hervorbringt.»


[ 14 ] Im April und Mai 1786 beobachtete Goethe durch das Mikroskop die niederen Organismen, die sich in Aufgüssen verschiedener Substanzen (Pisangmark, Kaktus, Trüffeln, Pfefferkörnern, Tee, Bier usw.) entwickeln. Er notiert sorgfältig die Vorgänge, die er an diesen Lebewesen beobachtet und verfertigt Zeichnungen dieser organischen Formen (vgl. Goethes naturwissenschaftliche Schriften in der Sophien-Ausgabe, 2. Abteilung, Band 7, S.289-309). Man kann auch aus diesen Notizen ersehen, daß Goethe der Erkenntnis des Lebens nicht durch solche Beobachtung niederer und einfacher Organismen näher zu kommen sucht. Es ist ganz offenbar, daß er die wesentlichen Züge der Lebensvorgänge an den höheren Organismen ebenso zu erfassen glaubt, wie an den niederen. Er ist der Ansicht, daß sich an dem Infusionstierchen dieselbe Art von Gesetzmäßigkeit wiederholt, die das Auge des Geistes an dem Hund wahrnimmt. Die Beobachtung durch das Mikroskop lehrt nur Vorgänge kennen, die im Kleinen das sind, was das unbewaffnete Auge im Großen sieht. Sie bietet eine Bereicherung der sinnlichen Erfahrung. Einer höheren Art des Anschauens, nicht einer Verfolgung der den Sinnen zugänglichen Vorgänge bis in ihre kleinsten Bestandteile, offenbart sich das Wesen des Lebens. Goethe sucht dieses Wesen durch die Betrachtung der höheren Pflanzen und Tiere zu erkennen. Er würde diese Erkenntnis ohne Zweifel in derselben Weise gesucht haben, auch wenn zu seiner Zeit die Pflanzen- und Tieranatomie schon ebenso weit vorgeschritten gewesen wäre, wie sie gegenwärtig ist. Wenn Goethe die Zellen, aus denen sich der Pflanzen- und Tierkörper aufbaut, hätte beobachten können, so würde er erklärt haben, daß sich an diesen elementaren organischen Formen dieselbe Gesetzmäßigkeit zeigt, die auch am Zusammengesetzten wahrzunehmen ist. Er hätte sich durch dieselben Ideen, durch die er sich die Lebensvorgänge der höheren Organismen erklärte, auch die Erscheinungen an diesen kleinen Wesen begreiflich gemacht.

[ 15 ] Den lösenden Gedanken des Rätsels, das ihm die organische Bildung und Umbildung aufgegeben hat, findet Goethe erst in Italien. Am 3. September verläßt er Karlsbad, um nach dem Süden zu gehen. In wenigen, aber bedeutsamen Sätzen schildert er in seiner «Geschichte meines botanischen Studiums » (Kürschner, Band 33, S. 61 ff.) die Gedanken, welche die Beobachtung der Pflanzenwelt in ihm aufregt bis zu dem Augenblicke, da ihm in Sizilien eine klare Vorstellung darüber sich offenbart, wie es möglich ist, daß den Pflanzenformen «bei einer eigensinnigen, generischen und spezifischen Hartnäckigkeit eine glückliche Mobilität und Biegsamkeit verliehen ist, um in so viele Bedingungen, die über dem Erdkreis auf sie einwirken, sich zu fügen und darnach bilden und umbilden zu können». Beim Übergang über die Alpen, im botanischen Garten von Padua und an anderen Orten zeigte sich ihm das «Wechselhafte der Pflanzengestalten». «Wenn in der tiefern Gegend Zweige und Stengel stärker und mastiger waren, die Augen näher aneinander standen und die Blätter breit waren, so wurden höher ins Gebirge hinauf Zweige und Stengel zarter, die Augen rückten auseinander, so daß von Knoten zu Knoten ein größerer Zwischenraum stattfand und die Blätter sich lanzenförmiger bildeten. Ich bemerkte dies bei einer Weide und einer Gentiana und überzeugte mich, daß es nicht etwa verschiedene Arten wären. Auch am Walchensee bemerkte ich längere und schlankere Binsen, als im Unterland» (Italienische Reise, 8. Sept.). Am 8. Oktober findet er in Venedig am Meere verschiedene Pflanzen, an denen ihm die Wechselbeziehung des Organischen zu seiner Umgebung besonders anschaulich wird. «Sie sind alle zugleich mastig und streng, saftig und zäh, und es ist offenbar, daß das alte Salz des Sandbodens, mehr aber die salzige Luft ihnen diese Eigenschaften gibt; sie strotzen von Säften wie Wasserpflanzen, sie sind fest und zäh wie Bergpflanzen; wenn ihre Blätterenden eine Neigung zu Stacheln haben, wie Disteln tun, sind sie gewaltig spitz und stark. Ich fand einen solchen Busch Blätter; es schien mir unser unschuldiger Huflattig, hier aber mit scharfen Waffen bewaffnet, und das Blatt wie Leder, so auch die Samenkapseln, die Stiele, alles mastig und fett» (Italienische Reise). Im botanischen Garten zu Padua bekommt der Gedanke in Goethes Geiste eine bestimmtere Gestalt, wie man sich alle Pflanzengestalten vielleicht aus einer entwickeln könne (Italienische Reise, 27. Sept.); im November teilt er Knebel mit: «So freut mich doch mein bißchen Botanik erst recht in diesen Landen, wo eine frohere, weniger unterbrochene Vegetation zu Hause ist. Ich habe schon recht artige, ins allgemeine gehende Bemerkungen gemacht, die auch Dir in der Folge angenehm sein werden.» Am 25. März 1787 kommt ihm eine «gute Erleuchtung über botanische Gegenstände». Er bittet Herdern zu sagen, daß er mit der Urpflanze bald zustande sei. Nur fürchtet er, «daß niemand die übrige Pflanzenwelt darin wird erkennen wollen » (Italienische Reise). Am ,7. April geht er mit dem «festen, ruhigen Vorsatz, seine dichterischen Träume fortzusetzen, nach dem öffentlichen Garten». Allein ehe er sichs versieht, erhascht ihn das Pflanzenwesen wie ein Gespenst. «Die vielen Pflanzen, die ich sonst nur in Kübeln und Töpfen, ja die größte Zeit des Jahres nur hinter Glasfenstern zu sehen gewohnt war, stehen hier froh und frisch unter freiem Himmel, und indem sie ihre Bestimmung vollkommen erfüllen, werden sie uns deutlicher. Im Angesicht so vielerlei neuen und erneuten Gebildes, fiel mir die alte Grille wieder ein: ob ich nicht unter dieser Schar die Urpflanze entdecken könnte? Eine solche muß es denn doch geben! woran würde ich sonst erkennen, daß dieses oder jenes Gebilde eine Pflanze sei, wenn sie nicht alle nach einem Muster gebildet wären.» Er bemüht sich, die abweichenden Gestalten zu unterscheiden, aber immer wieder werden seine Gedanken zu dem einen Urbild, das ihnen allen zu Grunde liegt, hingelenkt (Italienische Reise, 7. April 1787). Goethe legt sich ein botanisches Tagebuch an, in dem er alle während der Reise über das Pflanzenreich gemachten Erfahrungen und Reflexionen einzeichnet (vgl. Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 7, S.273 ff.). Diese Tagebuchblätter zeigen, wie unermüdlich er damit beschäftigt ist, Pflanzenexemplare ausfindig zu machen, die geeignet sind, auf die Gesetze des Wachstums und der Fortpflanzung hinzuleiten. Glaubt er irgend einem Gesetze auf der Spur zu sein, so stellt er es zunächst in hypothetischer Form auf, um es sich dann im Verlauf seiner weiteren Erfahrungen bestätigen zu lassen. Die Vorgänge der Keimung, der Befruchtung, des Wachstums notiert er sorgfältig. Daß das Blatt das Grundorgan der Pflanze ist, und daß die Formen aller übrigen Pflanzenorgane am besten zu verstehen sind, wenn man sie als umgewandelte Blätter betrachtet, leuchtet ihm immer mehr ein. Er schreibt in das Tagebuch: «Hypothese: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit wird die größte Mannigfaltigkeit möglich.» Und am ,7. Mai teilt er Herder mit: « Ferner muß ich Dir vertrauen, daß ich dem Geheimnis der Pflanzenzeugung und Organisation ganz nahe bin, und daß es das Einfachste ist, was nur gedacht werden kann. Unter diesem Himmel kann man die schönsten Beobachtungen machen. Den Hauptpunkt, wo der Keim steckt, habe ich ganz klar und zweifellos gefunden; alles übrige sehe ich auch schon im Ganzen und nur einige Punkte müssen bestimmter werden. Die Urpflanze wird das wunderlichste Geschöpf von der Welt, um welches mich die Natur selbst beneiden soll. Mit diesem Modell und dem Schlüssel dazu kann man alsdann noch Pflanzen ins unendliche erfinden, die konsequent sein müssen, das heißt: die, wenn sie auch nicht existieren, doch existieren könnten, und nicht etwa malerische oder dichterische Schatten und Scheine sind, sondern eine innerliche Wahrheit und Notwendigkeit haben. Dasselbe Gesetz wird sich auf alles übrige Lebendige anwenden lassen..... «Vorwärts und rückwärts ist die Pflanze immer nur Blatt, mit dem künftigen Keime so unzertrennlich vereint, daß man eins ohne das andere nicht denken darf Einen solchen Begriff zu fassen, zu ertragen, ihn in der Natur aufzufinden, ist eine Aufgabe, die uns in einen peinlich süßen Zustand versetzt» (Italienische Reise).


[ 16 ] Goethe nimmt zur Erklärung der Lebenserscheinungen einen Weg, der gänzlich verschieden ist von denen, welche die Naturforscher gewöhnlich gehen. Diese scheiden sich in zwei Parteien. Es gibt Verteidiger einer in den organischen Wesen wirkenden Lebenskraft, die gegenüber anderen Naturursachen eine besondere, höhere Kräfteform darstellt. Wie es Schwerkraft, chemische Anziehung und Abstoßung, Magnetismus usw. gibt, so soll es auch eine Lebenskraft geben, welche die Stoffe des Organismus in eine solche Wechselwirkung bringt, daß dieser sich erhalten, wachsen, nähren und fortpflanzen kann. Die Naturforscher, welche dieser Meinung sind, sagen: in dem Organismus wirken dieselben Kräfte wie in der übrigen Natur; aber sie wirken nicht wie in einer leblosen Maschine. Sie werden von der Lebenskraft gleichsam eingefangen und auf eine höhere Stufe des Wirkens gehoben. Den Bekennern dieser Meinung stehen andere Naturforscher gegenüber, welche glauben, daß in den Organismen keine besondere Lebenskraft wirke. Sie halten die Lebenserscheinungen für komplizierte chemische und physikalische Vorgänge und geben sich der Hoffnung hin, daß es einst vielleicht gelingen werde, einen Organismus ebenso durch Zurückführung auf unorganische Kraftwirkungen zu erklären wie eine Maschine. Die erste Ansicht wird als Vitalismus, die andere als Mechanismus bezeichnet. Von beiden ist die Goethesche Auffassungsweise durchaus verschieden. Daß in dem Organismus noch etwas anderes wirksam ist, als die Kräfte der unorganischen Natur, erscheint ihm selbstverständlich. Zur mechanischen Auffassung der Lebenserscheinungen kann er sich nicht bekennen. Ebensowenig sucht er, um die Wirkungen im Organismus zu erklären, nach einer besonderen Lebenskraft. Er ist überzeugt, daß zur Erfassung der Lebensvorgänge eine Anschauung gehört, die anderer Art ist als diejenige, durch welche die Erscheinungen der unorganischen Natur wahrgenommen werden. Wer zur Annahme einer Lebenskraft sich entschließt, der sieht zwar ein, daß die organischen Wirkungen nicht mechanisch sind, aber es fehlt ihm zugleich die Fähigkeit, jene andere Art der Anschauung in sich auszubilden, durch die ihm das Organische erkennbar werden könnte. Die Vorstellung der Lebenskraft bleibt dunkel und unbestimmt. Ein neuerer Anhänger des Vitalismus, Gustav Bunge, meint: «In der kleinsten Zelle - da stecken schon alle Rätsel des Lebens drin, und bei der Erforschung der kleinsten Zelle - da sind wir mit den bisherigen Hilfsmitteln bereits an der Grenze angelangt» («Vitalismus und Mechanismus», Leipzig 1886, S. 7). Es ist durchaus im Sinne der Goetheschen Denkweise, darauf zu antworten: Dasjenige Anschauungsvermögen, welches nur das Wesen der unorganischen Erscheinungen erkennt, ist mit seinen Hilfsmitteln an der Grenze angelangt, die überschritten werden muß, um das Lebendige zu erfassen. Dieses Anschauungsvermögen wird aber nie innerhalb seines Bereiches Mittel finden, die zur Erklärung des Lebens auch nur der kleinsten Zelle geeignet sein können. Wie zur Wahrnehmung der Farbenerscheinungen das Auge gehört, so gehört zur Auffassung des Lebens die Fähigkeit, in dem Sinnlichen ein Übersinnliches unmittelbar anzuschauen. Dieses Übersinnliche wird demjenigen immer entschlüpfen, der nur die Sinne auf die organischen Formen richtet. Goethe sucht die sinnliche Anschauung der Pflanzengestalten auf eine höhere Art zu beleben und sich die sinnliche Form einer übersinnlichen Urpflanze vorzustellen (vgl.« Geschichte meines botanischen Studiums»in Kürschner, Band 33, S.80). Der Vitalist nimmt seine Zuflucht zu dem inhaltleeren Begriff der Lebenskraft, weil er das, was seine Sinne im Organismus nicht wahrnehmen können, überhaupt nicht sieht. Goethe sieht das Sinnliche von einem Übersinnlichen so durchdrungen, wie eine gefärbte Fläche von der Farbe.

[ 17 ] Die Anhänger des Mechanismus sind der Ansicht, daß es einmal gelingen könne, lebende Substanzen auf künstlichem Wege aus unorganischen Stoffen herzustellen. Sie sagen, vor noch nicht vielen Jahren wurde behauptet, daß es im Organismus Substanzen gebe, die nicht auf künstlichem Wege, sondern nur durch die Wirkung der Lebenskraft entstehen können. Gegenwärtig ist man bereits imstande, einige dieser Substanzen künstlich im Laboratorium zu erzeugen. Ebenso könne es dereinst möglich sein, aus Kohlensäure, Ammoniak, Wasser und Salzen ein lebendiges Eiweiß herzustellen, welches die Grundsubstanz der einfachsten Organismen ist. Dann, meinen die Mechanisten, werde unbestreitbar erwiesen sein, daß Leben nichts weiter ist, als eine Kombination unorganischer Vorgänge, der Organismus nichts weiter als eine auf natürlichem Wege entstandene Maschine.

[ 18 ] Vom Standpunkte der Goetheschen Weltanschauung ist darauf zu erwidern: die Mechanisten sprechen ineiner Weise von Stoffen und Kräften, die durch keine Erfahrung gerechtfertigt ist. Und man hat sich an diese Weise zu sprechen so gewöhnt, daß es sehr schwer wird, diesen Begriffen gegenüber die reinen Aussprüche der Erfahrung geltend zu machen. Man betrachte aber doch einen Vorgang der Außenwelt unbefangen. Man nehme ein Quantum Wasser von einer bestimmten Temperatur. Wodurch weiß man etwas von diesem Wasser? Man sieht es an und bemerkt, daß es einen Raum einnimmt und zwischen bestimmten Grenzen eingeschlossen ist. Man steckt den Finger oder ein Thermometer hinein, und findet es mit einem bestimmten Grade von Wärme behaftet. Man drückt gegen seine Oberfläche und erfährt, daß es flüssig ist. Das sind Aussprüche, welche die Sinne über den Zustand des Wassers machen. Nun erhitze man das Wasser. Es wird sieden und zuletzt sich in Dampf verwandeln. Wieder kann man sich durch die Wahrnehmung der Sinne von den Beschaffenheiten des Körpers, des Dampfes, in den sich das Wasser verwandelt hat, Kenntnis verschaffen. Statt das Wasser zu erhitzen, kann man es dem elektrischen Strom unter gewissen Bedingungen aussetzen. Es verwandelt sich in zwei Körper, Wasserstoff und Sauerstoff. Auch über die Beschaffenheit dieser beiden Körper kann man sich durch die Aussagen der Sinne belehren. Man nimmt also in der Körperwelt Zustände wahr und beobachtet zugleich, daß diese Zustände unter gewissen Bedingungen in andere übergehen. Über die Zustände unterrichten die Sinne. Wenn man noch von etwas anderem als von Zuständen, die sich verwandeln, spricht, so beschränkt man sich nicht mehr auf den reinen Tatbestand, sondern man fügt zu demselben Begriffe hinzu. Sagt man, der Sauerstoff und der Wasserstoff, die sich durch den elektrischen Strom aus dem Wasser entwickelt haben, seien schon im Wasser enthalten gewesen, nur so innig miteinander verbunden, daß sie in ihrer Selbständigkeit nicht wahrzunehmen waren, so hat man zu der Wahrnehmung einen Begriff hinzugefügt, durch den man sich das Hervorgehen der beiden Körper aus dem einen erklärt. Und wenn man weitergeht und behauptet, Sauerstoff und Wasserstoff seien Stoffe, was man schon durch die Namen tut, die man ihnen beilegt, so hat man ebenfalls zu dem Wahrgenommenen einen Begriff hinzugefügt. Denn tatsächlich ist in dem Raume, der vom Sauerstoff eingenommen wird, nur eine Summe von Zuständen wahrzunehmen. Zu diesen Zuständen denkt man den Stoff hinzu, an dem sie haften sollen. Was man von dem Sauerstoff und dem Wasserstoff in dem Wasser schon vorhanden denkt, das Stoffliche, ist ein Gedachtes, das zu dem Wahmehmungsinhalt hinzugefügt ist. Wenn man Wasserstoff und Sauerstoff durch einen chemischen Prozeß zu Wasser vereinigt, so kann man beobachten, daß eine Summe von Zuständen in eine andere übergeht. Wenn man sagt: es haben sich zwei einfache Stoffe zu einem zusammengesetzten vereinigt, so hat man eine begriffliche Auslegung des Beobachtungsinhaltes versucht. Die Vorstellung« Stoff» erhält ihren Inhalt nicht aus der Wahrnehmung, sondern aus dem Denken. Ein ähnliches wie vom «Stoffe» gilt von der «Kraft». Man sieht einen Stein zur Erde fallen. Was ist der Inhalt der Wahrnehmung? Eine Summe von Sinneseindrücken, Zuständen, die an aufeinanderfolgenden Orten auftreten. Man sucht sich diese Veränderung in der Sinnenwelt zu erklären, und sagt: die Erde ziehe den Stein an. Sie habe eine «Kraft», durch die sie ihn zu sich hinzwingt. Wieder hat unser Geist eine Vorstellung zu dem Tatbestande hinzugefügt und derselben einen Inhalt gegeben, der nicht aus der Wahrnehmung stammt. Nicht Stoffe und Kräfte nimmt man wahr, sondern Zustände und deren Übergänge in einander. Man erklärt sich diese Zustandsänderungen durch Hinzufügung von Begriffen zu den Wahrnehmungen.

[ 19 ] Man nehme einmal an, es gebe ein Wesen, das Sauerstoff und Wasserstoff wahrnehmen könnte, nicht aber Wasser. Wenn wir vor den Augen eines solchen Wesens den Sauerstoff und Wasserstoff zu Wasser vereinigten, so verschwänden vor ihm die Zustände, die es an den beiden Stoffen wahrgenommen hat, in nichts. Wenn wir ihm nun die Zustände auch beschrieben, die wir am Wasser wahrnehmen: es könnte sich von ihnen keine Vorstellung machen. Das beweist, daß in den Wahrnehmungsinhalten des Sauerstoffes nichts liegt, aus dem der Wahrnehmungsinhalt Wasser abzuleiten ist. Ein Ding besteht aus zwei oder mehreren anderen, heißt: es haben sich zwei oder mehrere Wahrnehmungsinhalte in einen zusammenhängenden, aber den ersteren gegenüber durchaus neuen, verwandelt.

[ 20 ] Was wäre also erreicht, wenn es gelänge, Kohlensäure, Ammoniak, Wasser und Salze künstlich zu einer lebenden Eiweißsubstanz im Laboratorium zu vereinigen? Man wüßte, daß die Wahrnehmungsinhalte der vielerlei Stoffe sich zu einem Wahmehmungsinhalt vereinigen können. Aber dieser Wahmehmungsinhalt ist aus jenen durchaus nicht abzuleiten. Der Zustand des lebenden Eiweißes kann nur an diesem selbst beobachtet, nicht aus den Zuständen der Kohlensäure, des Ammoniaks, des Wassers und der Salze herausentwickelt werden. Im Organismus hat man etwas von den unorganischen Bestandteilen, aus denen er aufgebaut werden kann, völlig verschiedenes vor sich. Die sinnlichen Wahrnehmungsinhalte verwandeln sich bei der Entstehung des Lebewesens in sinnlich-übersinnliche. Und wer nicht die Fähigkeit hat, sich sinnlich-übersinnliche Vorstellungen zu machen, der kann von dem Wesen eines Organismus ebensowenig etwas wissen, wie jemand vom Wasser etwas erfahren könnte, wenn ihm die sinnliche Wahrnehmung desselben unzugänglich wäre.


[ 21 ] Die Keimung, das Wachstum, die Umwandlung der Organe, die Ernährung und Fortpflanzung des Organismus sich als sinnlich-übersinnlichen Vorgang vorzustellen, war Goethes Bestreben bei seinen Studien über die Pflanzen- und die Tierwelt. Er bemerkte, daß dieser sinnlich-übersinnliche Vorgang in der Idee bei allen Pflanzen derselbe ist, und daß er nur in der äußeren Erscheinung verschiedene Formen annimmt. Dasselbe konnte Goethe für die Tierwelt feststellen. Hat man die Idee der sinnlich-übersinnlichen Urpflanze in sich ausgebildet, so wird man sie in allen einzelnen Pflanzenformen wiederfinden. Die Mannigfaltigkeit entsteht dadurch, daß das der Idee nach Gleiche in der Wahrnehmungswelt in verschiedenen Gestalten existieren kann. Der einzelne Organismus besteht aus Organen, die auf ein Grundorgan zurückzuführen sind. Das Grundorgan der Pflanze ist das Blatt mit dem Knoten, an dem es sich entwickelt. Dieses Organ nimmt in der äußeren Erscheinung verschiedene Gestalten an: Keimblatt, Laubblatt, Kelchblatt, Kronenblatt usw. «Es mag nun die Pflanze sprossen, blühen oder Früchte bringen, so sind es doch nur immer die selbigen Organe, welche in vielfältigen Bestimmungen und unter oft veränderten Gestalten die Vorschrift der Natur erfüllen.»


[ 22 ] Um ein vollständiges Bild der Urpflanze zu erhalten, mußte Goethe die Formen im allgemeinen verfolgen, welche das Grundorgan im Fortgang des Wachstums einer Pflanze von der Keimung bis zur Samenreife durchmacht. Im Anfang ihrer Entwicklung ruht die ganze Pflanzengestalt in dem Samen. In diesem hat die Urpflanze eine Gestalt angenommen, durch die sie ihren ideellen Inhalt gleichsam in der äußeren Erscheinung verbirgt.

Einfach schlief in dem Samen die Kraft; ein beginnendes Vorbild
Lag, verschlossen in sich, unter die Hülle gebeugt,
Blatt und Wurzel und Keim, nur halb geformet und farblos
Trocken erhält so der Kern ruhiges Leben bewahrt,
Quillet strebend empor, sich milder Feuchte vertrauend,
Und erhebt sich sogleich aus der umgebenden Nacht.

Kürschner, Band 33, S.105

[ 23 ] Aus dem Samen entwickelt die Pflanze die ersten Organe, die Kotyledonen, nachdem sie «ihre Hüllen mehr oder weniger in der Erde» zurückgelassen und «die Wurzel in den Boden » befestigt hat. Und nun folgt im weiteren Verlaufe des Wachstums Trieb auf Trieb; Knoten auf Knoten türmt sich übereinander, und an jedem Knoten findet sich ein Blatt. Die Blätter erscheinen in verschiedenen Gestalten. Die unteren noch einfach, die oberen mannigfach gekerbt, eingeschnitten, aus mehreren Blättchen zusammengesetzt. Die Urpflanze breitet auf dieser Stufe der Entwicklung ihren sinnlich-übersinnlichen Inhalt im Raume als äußere sinnliche Erscheinung aus. Goethe stellt sich vor, daß die Blätter ihre fortschreitende Ausbildung und Verfeinerung dem Lichte und der Luft schuldig sind. «Wenn wir jene in der verschlossenen Samenhülle erzeugten Kotyledonen, mit einem rohen Safte nur gleichsam ausgestopft, fast gar nicht oder nur grob organisiert und ungebildet finden, so zeigen sich uns die Blätter der Pflanzen, welche unter dem Wasser wachsen, gröber organisiert als andere, der freien Luft ausgesetzte; ja, sogar entwickelt die selbige Pflanzenart glättere und weniger verfeinerte Blätter, wenn sie in tiefen, feuchten Orten wächst, da sie hingegen, in höhere Gegenden versetzt, rauhe, mit Haaren versehene, feiner ausgebildete Blätter hervorbringt.» (Kürschner, Band 33, S.25 f.) In der zweiten Epoche des Wachstums zieht die Pflanze wieder in einen engeren Raum zusammen, was sie vorher ausgebreitet hat.

Mäßiger leitet sie nun den Saft, verengt die Gefäße,
Und gleich zeigt die Gestalt zärtere Wirkungen an.
Stille zieht sich der Trieb der strebenden Ränder zurücke,
Und die Rippe des Stiels bildet sich völliger aus.
Blattlos aber und schnell erhebt sich der zärtere Stengel,
Und ein Wundergebild zieht den Betrachtenden an.
Rings im Kreise stellet sich nun, gezählet und ohne
Zahl, das kleinere Blatt neben dem ähnlichen hin.
Um die Achse gedrängt, entscheidet der bergende Kelch sich,
Der zur höchsten Gestalt farbige Kronen entläßt.

[ 24 ] Im Kelch zieht sich die Pflanzengestalt zusammen; in der Blumenkrone breitet sie sich wieder aus. Nun folgt die nächste Zusammenziehung in den Staubgefäßen und dem Stempel, den Organen der Fortpflanzung. Die Bildungskraft der Pflanze entwickelte sich in den vorhergehenden Wachstumsperioden in einerlei Organen als Trieb, das Grundgebilde zu wiederholen. Dieselbe Kraft verteilt sich auf dieser Stufe der Zusammenziehung auf zwei Organe. Das Getrennte sucht sich wieder zusammenzufinden. Dies geschieht im Befruchtungsvorgang. Der in dem Staubgefäß vorhandene männliche Blütenstaub vereinigt sich mit der weiblichen Substanz, die im Stempel enthalten ist; und damit ist der Keim zu einer neuen Pflanze gegeben. Goethe nennt die Befruchtung eine geistige Anastomose und sieht in ihr nur eine andere Form des Vorgangs, der in der Entwicklung von einem Knoten zum andern stattfindet. «An allen Körpern, die wir lebendig nennen, bemerken wir die Kraft, ihresgleichen hervorzubringen. Wenn wir diese Kraft geteilt gewahr werden, bezeichnen wir sie unter dem Namen der beiden Geschlechter.» (Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 6, S.361.) Von Knoten zu Knoten bringt die Pflanze ihresgleichen hervor. Denn Knoten und Blatt sind die einfache Form der Urpflanze. In dieser Form heißt die Hervorbringung Wachstum. Ist die Fortpflanzungskraft auf zwei Organe verteilt, so spricht man von zwei Geschlechtern. Auf diese Weise glaubt Goethe die Begriffe von Wachstum und Zeugung einander näher gerückt zu haben. In dem Stadium der Fruchtbildung erlangt die Pflanze ihre letzte Ausdehnung; in dem Samen erscheint sie wieder zusammengezogen. In diesen sechs Schritten vollendet die Natur einen Kreis der Pflanzenentwicklung, und sie beginnt den ganzen Vorgang wieder von vorne. In dem Samen sieht Goethe nur eine andere Form des Auges, das sich an den Laubblättern entwickelt. Die aus den Augen sich entfaltenden Seitenzweige sind ganze Pflanzen, die, statt in der Erde, auf einer Mutterpflanze stehen. Die Vorstellung von dem sich stufenweise, wie auf einer «geistigen Leiter » vom Samen bis zur Frucht sich umbildenden Grundorgan ist die Idee der Urpflanze. Gleichsam um die Verwandlungsfähigkeit des Grundorgans für die sinnliche Anschauung zu beweisen, läßt die Natur unter gewissen Bedingungen auf einer Stufe statt des Organs, das nach dem regelmäßigen Wachstumsverlaufe entstehen sollte, ein anderes sich entwickeln. Bei den gefüllten Mohnen z. B. treten an der Stelle, wo die Staubgefäße entstehen sollten, Blumenblätter auf Das Organ, das der Idee nach zum Staubgefäß bestimmt war, ist ein Blumenblatt geworden. In dem Organ, das im regelmäßigen Fortgang der Pflanzenentwicklung eine bestimmte Form hat, ist die Möglichkeit enthalten, auch eine andere anzunehmen.

[ 25 ] Als Illustration seiner Idee von der Urpflanze betrachtet Goethe das Bryophyllum calicinum, die gemeine Keim-Zumpe, eine Pflanzenart, die von den Molukkeninseln nach Kalkutta und von da nach Europa gekommen ist. Aus den Kerben der fetten Blätter dieser Pflanzen entwickeln sich frische Pflänzchen, die, nach ihrer Ablösung, zu vollständigen Pflanzen auswachsen. Goethe sieht in diesem Vorgang sinnlich-anschaulich dargestellt, daß in dem Blatte eine ganze Pflanze der Idee nach ruht (vgl. Goethes Bemerkungen über das Bryophyllum calicinum in der Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band VI, S. 336 ff.).

[ 26 ] Wer die Vorstellung der Urpflanze in sich ausbildet und so beweglich erhält, daß er sie in allen möglichen Formen denken kann, die ihr Inhalt zuläßt, der kann mit ihrer Hilfe sich alle Gestaltungen im Pflanzenreiche erklären. Er wird die Entwicklung der einzelnen Pflanze begreifen; aber er wird auch finden, daß alle Geschlechter, Arten und Varietäten nach diesem Urbilde geformt sind. Diese Anschauung hat Goethe in Italien ausgebildet und in seiner 1790 erschienenen Schrift: «Versuch, die Metamorphose der Pflanzen zu erklären» niedergelegt.


[ 27 ] Auch in der Entwicklung seiner Ideen über den menschlichen Organismus schreitet Goethe in Italien vor. Am 20 Januar [1787] schreibt er an Knebel: «Auf Anatomie bin ich so ziemlich vorbereitet, und ich habe mir die Kenntnis des menschlichen Körpers, bis auf einen gewissen Grad, nicht ohne Mühe erworben. Hier wird man durch die ewige Betrachtung der Statuen immerfort, aber auf eine höhere Weise, hingewiesen. Bei unserer medizinisch-chirurgischen Anatomie kommt es bloß darauf an, den Teil zu kennen, und hierzu dient auch wohl ein kümmerlicher Muskel. In Rom aber wollen die Teile nichts heißen, wenn sie nicht zugleich eine edle schöne Form darbieten. - In dem großen Lazarett San Spirito hat man den Künstlern zulieb einen sehr schönen Muskelkörper dergestalt bereitet, daß die Schönheit desselben in Verwunderung setzt. Er könnte wirklich für einen geschundenen Halbgott, für einen Marsyas gelten. - So pflegt man auch, nach Anleitung der Alten, das Skelett nicht als eine künstlich zusammengereihte Knochenmasse zu studieren, vielmehr zugleich mit den Bändern, wodurch es schon Leben und Bewegung erhält.» Auch nach seiner Rückkehr aus Italien treibt Goethe fleißig anatomische Studien. Es drängt ihn, die Bildungsgesetze der tierischen Gestalt ebenso zu erkennen, wie ihm dies für diejenigen der Pflanze gelungen war. Er ist überzeugt, daß auch die Einheit des Tier-Organismus auf einem Grundorgan beruht, welches in der äußeren Erscheinung verschiedene Formen annehmen kann. Verbirgt sich die Idee des Grund-Organs, so erscheint dieses ungeformt. Es stellt dann die einfacheren Organe des Tieres dar; bemächtigt sich die Idee des Stoffes so, daß sie ihn sich völlig ähnlich macht, dann entstehen die höheren, die edleren Organe. Was in den einfacheren Organen der Idee nach vorhanden ist, das schließt sich in den höheren nach außen auf. Es ist Goethe nicht geglückt glückt, die Gesetzmäßigkeit der ganzen tierischen Gestalt in eine einzige Vorstellung zu fassen, wie er es für die Pflanzenform erreicht hat. Nur für einen Teil dieser Gestalt hat er das Bildungsgesetz gefunden, für das Rückenmark und Gehirn mit den diese Organe einschließenden Knochen. In dem Gehirn sieht er eine höhere Ausbildung des Rückenmarks. Jedes Nervenzentrum der Ganglien gilt ihm als ein auf niederer Stufe stehengebliebenes Gehirn. (Vgl. Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 8, S. 360) Und die das Gehirn einschließenden Schädelknochen deutet er als Umformungen der Wirbelknochen, die das Rückenmark umhüllen. Daß er die hintern Schädelknochen (Hinterhauptbein, hinteres und vorderes Keilbein) als drei umgebildete Wirbel anzusehen hat, ist ihm schon früher aufgegangen; für die vorderen Schädelknochen behauptet er dasselbe, als er im Jahre 1790 auf den Dünen des Lido einen Schafschädel findet, der so glücklich geborsten ist, daß in dem Gaumbein, der oberen Kinnlade und dem Zwischenknochen drei Wirbel in verwandelter Gestalt unmittelbar sinnlich sich darzustellen scheinen.

[ 28 ] Die Anatomie der Tiere war zu Goethes Zeit noch nicht so weit vorgeschritten, daß er ein Lebewesen hätte anführen können, welches wirklich an Stelle von entwickelten Schädelknochen Wirbel hat und das also im sinnlichen Bilde das zeigt, was bei den vollkommenen Tieren nur der Idee nach vorhanden ist. Durch die Untersuchungen Carl Gegenbauers, die im Jahre 1872 veröffentlicht worden sind, ist es gelungen, eine solche Tierform anzugeben. Die Urfische oder Selachier haben Schädelknochen und ein Gehirn, die sich deutlich als Endglieder der Wirbelsäule und des Rückenmarkes erweisen. Nach dem Befund an diesen Tieren scheint allerdings eine größere Zahl von Wirbeln in die Kopfbildung eingegangen zu sein (mindestens neun), als Goethe angenommen hat. Dieser Irrtum über die Zahl der Wirbel und auch noch die Tatsache, daß im Embryonalzustand der Schädel der höheren Tiere keine Spur einer Zusammensetzung aus wirbelartigen Teilen zeigt, sondern sich aus einer einfachen knorpeligen Blase entwickelt, ist gegen den Wert der Goetheschen Idee von der Umwandlung des Rückenmarks und der Wirbelsäule angeführt worden. Man gibt zwar zu, daß der Schädel aus Wirbeln entstanden ist. Aber man leugnet, daß die Kopfknochen in der Form, in der sie sich bei den höheren Tieren zeigen, umgebildete Wirbel seien. Man sagt, daß eine vollkommene Verschmelzung der Wirbel zu einer knorpeligen Blase stattgefunden habe, in der die ursprüngliche Wirbelstruktur vollständig verschwunden sei. Aus dieser Knorpelkapsel haben sich dann die Knochenformen herausgebildet, die an höheren Tieren wahrzunehmen sind. Diese Formen haben sich nicht nach dem Urbilde des Wirbels gebildet, sondern entsprechend den Aufgaben, die sie am entwickelten Kopfe zu erfüllen haben. Man hätte also, wenn man nach einem Erklärungsgrund für irgendeine Schädelknochenform sucht, nicht zu fragen: wie hat sich ein Wirbel umgebildet, um zu dem Kopfknochen zu werden; sondern welche Bedingungen haben dazu geführt, daß sich diese oder jene Knochengestalt aus der einfachen Knorpelkapsel herausgetrennt hat? Man glaubt an die Bildung neuer Gestalten, nach neuen Bildungsgesetzen, nachdem die ursprüngliche Wirbelform in eine strukturlose Kapsel aufgegangen ist. Ein Widerspruch zwischen dieser Auffassung und der Goetheschen kann nur vom Standpunkte des Tatsachenfanatismus aus gefunden werden. Was in der Knorpelkapsel des Schädels nicht mehr sinnlich wahrnehmbar ist, die Wirbelstruktur, ist in ihr gleichwohl der Idee nach vorhanden und tritt wieder in die Erscheinung, sobald die Bedingungen dazu vorhanden sind. In der knorpeligen Schädelkapsel verbirgt sich die Idee des wirbelförmigen Grundorgans innerhalb der sinnlichen Materie; in den ausgebildeten Schädelknochen tritt sie wieder in die äußere Erscheinung.


[ 29 ] Goethe hofft, daß sich ihm die Bildungsgesetze der übrigen Teile des tierischen Organismus in derselben Weise offenbaren werden, wie es diejenigen des Gehirns, Rückenmarks und ihrer Umhüllungsorgane getan haben. Über die am Lido gemachte Entdeckung läßt er am 30.April 1790 Herdern durch Frau von Kalb sagen, daß er «der Tiergestalt und ihren mancherlei Umbildungen um eine ganze Formel näher gerückt ist, und zwar durch den sonderbarsten Zufall» (Goethe an Frau von Kalb). Er glaubt, seinem Ziele so nahe zu sein, daß er noch in demselben Jahre, das ihm den Fund gebracht hat, eine Schrift über die tierische Bildung vollenden will, die sich der «Metamorphose der Pflanzen» an die Seite stellen läßt. (Briefwechsel mit Knebel, S. 98.) In Schlesien, wohin er im Juli 1790 reist, treibt er Studien zur vergleichenden Anatomie und beginnt an einem Aufsatz « Über die Gestalt der Tiere» zu schreiben. (Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 8, S. 261 ff.) Es ist Goethe nicht gelungen, von dem glücklich gewonnenen Ausgangspunkte aus zu den Bildungsgesetzen der ganzen Tiergestalt fortzuschreiten. So viel Ansätze er auch dazu macht, den Typus der tierischen Gestalt zu finden: etwas der Idee der Urpflanze Analoges ist nicht zustande gekommen. Er vergleicht die Tiere untereinander und mit dem Menschen und sucht ein allgemeines Bild des tierischen Baues zu gewinnen, nach welchem, als einem Muster, die Natur die einzelnen Gestalten formt. Eine lebendige Vorstellung, die sich nach den Grundgesetzen der tierischen Bildung mit einem Gehalt erfüllt und so das Urtier der Natur gleichsam nachschafft, ist dieses allgemeine Bild des tierischen Typus nicht. Ein allgemeiner Begriff ist es nur, der von den besonderen Erscheinungen abgezogen ist. Er stellt das Gemeinsame in den mannigfaltigen Tierformen fest; aber er enthält nicht die Gesetzmäßigkeit der Tierheit.

Alle Glieder bilden sich aus nach ew'gen Gesetzen,
Und die seltenste Form bewahrt im Geheimen das Urbild.

Gedicht «Die Metamorpbose der Tiere»

[ 30 ] Wie dieses Urbild durch gesetzmäßige Umformung eines Grundgliedes sich als vielgliedrige Urform des tierischen Organismus entwickelt, davon konnte Goethe eine einheitliche Vorstellung nicht entwickeln. Sowohl der Versuch über «die Gestalt der Tiere» als auch der 1795 in Jena entstandene «Entwurf einer vergleichenden Anatomie, ausgehend von der Osteologie» und seine spätere ausführlichere Gestalt «Vorträge über die drei ersten Kapitel des Entwurfs einer allgemeinen Einleitung in die vergleichende Anatomie» (1796) enthalten nur Anleitungen darüber, wie die Tiere zweckmäßig zu vergleichen sind, um ein allgemeines Schema zu gewinnen, nach dem die schaffende Gewalt die «organischen Naturen erzeugt und entwickelt »,eine Norm, nach welcher die «Beschreibungen auszuarbeiten» und auf welche, «indem solche von der Gestalt der verschiedenen Tiere abgezogen wäre, die verschiedensten Gestalten wieder zurückzuführen» sind (vgl. die genannten «Vorträge»). Bei der Pflanze hingegen hat Goethe gezeigt, wie ein Urgebilde durch aufeinanderfolgende Modifikationen sich gesetzmäßig zu der vollkommenen organischen Gestalt ausbildet.


[ 31 ] Wenn er auch nicht die schaffende Naturgewalt in ihrer Bildungs- und Umbildungskraft durch die verschiedenen Glieder des tierischen Organismus hindurch verfolgen konnte, so ist es Goethe doch gelungen, einzelne Gesetze zu finden, an die sich die Natur bei der Bildung der tierischen Formen hält, welche die allgemeine Norm zwar festhalten, doch aber in der Erscheinung verschieden sind. Er stellt sich vor, daß die Natur nicht die Fähigkeit habe, das allgemeine Bild beliebig zu verändern. Wenn sie in einer Form ein Glied in besonders vollkommener Form ausbildet, so kann dies nur auf Kosten eines andern geschehen. Im Urorganismus sind alle Glieder enthalten, die bei irgendeinem Tiere vorkommen können. Bei der einzelnen Tierform ist das eine ausgebildet, das andere nur angedeutet; das eine besonders vollkommen entwickelt, das andere vielleicht für die sinnliche Beobachtung gar nicht wahrzunehmen. Für den letzteren Fall ist Goethe überzeugt, daß in jedem Tiere das, was von dem allgemeinen Typus an ihm nicht sichtbar, doch in der Idee vorhanden ist.

Siehst du also dem einen Geschöpf besonderen Vorzug
Irgend gegönnt, so frage nur gleich, wo leidet es etwa
Mangel anderswo, und suche mit forschendem Geiste.
Finden wirst du sogleich zu aller Bildung den Schlüssel,
Denn so hat kein Tier, dem sämtliche Zähne den obern
Kiefer umzäunen, ein Horn auf seiner Stirne getragen,
Und daher ist den Löwen gehörnt der ewigen Mutter
Ganz unmöglich zu bilden und böte sie alle Gewalt auf:
Denn sie hat nicht Masse genug, die Reihen der Zähne
Völlig zu pflanzen und auch ein Geweih und Hörner zu
treiben.

«Die Metamotphose der Tiere»

[ 32 ] Im Urorganismus sind alle Glieder ausgebildet und halten sich das Gleichgewicht; die Mannigfaltigkeit des Einzelnen entsteht dadurch, daß die Kraft der Bildung sich auf das eine Glied wirft und dafür ein anderes in der äußeren Erscheinung gar nicht oder nur andeutungsweise entwikkelt. Dieses Gesetz des tierischen Organismus nennt man heute das von der Korrelation oder Kompensation der Organe.


[ 33 ] Goethe denkt sich in der Urpflanze die ganze Pflanzenwelt, in dem Urtiere die ganze Tierwelt der Idee nach enthalten. Aus diesem Gedanken entsteht die Frage: wie kommt es, daß in dem einen Falle diese bestimmten Pflanzen- oder Tierformen, in dem andern Falle andere entstehen? Unter welchen Bedingungen wird aus dem Urtiere ein Fisch? Unter welchen ein Vogel? Goethe findet zur Erklärung des Baues der Organismen in der Wissenschaft eine Vorstellungsart vor, die ihm zuwider ist. Die Anhänger dieser Vorstellungsart fragen bei jedem Organ: wozu dient es dem Lebewesen, an dem es vorkommt? Einer solchen Frage liegt der allgemeine Gedanke zugrunde, daß ein göttlicher Schöpfer oder die Natur jedem Wesen einen bestimmten Lebenszweck vorgesetzt und ihm dann einen solchen Bau gegeben habe, daß es diesen Zweck erfüllen könnte. Goethe findet eine solche Frage ebenso ungereimt, wie etwa die: zu welchem Zwecke bewegt sich eine elastische Kugel, wenn sie von einer anderen gestoßen wird? Eine Erklärung der Bewegung kann nur gegeben werden durch Auffinden des Gesetzes, nach welchem die Kugel durch einen Stoß oder eine andere Ursache in Bewegung versetzt worden ist. Man fragt nicht: wozu dient die Bewegung der Kugel, sondern: woher entspringt sie? Ebenso soll man, nach Goethes Meinung, nicht fragen: wozu hat der Stier Hörner, sondern: wie kann er Hörner haben. Durch welche Gesetze tritt in dem Stier das Urtier als hörnertragende Form auf? Goethe hat die Idee der Urpflanze und des Urtiers gesucht, um in ihnen die Erklärungsgründe für die Mannigfaltigkeit der organischen Formen zu finden. Die Urpflanze ist das schaffende Element in der Pflanzenwelt. Will man eine einzelne Pflanzenart erklären, so muß man zeigen, wie dieses schaffende Element in dem besonderen Falle wirkt. Die Vorstellung, ein organisches Wesen verdanke seine Gestalt nicht den in ihm wirkenden und bildenden Kräften, sondern sie sei ihm zu gewissen Zwecken von außen aufgedrängt, wirkt auf Goethe geradezu abstoßend. Er schreibt: «Neulich fand ich in einer leidig apostolisch-kapuzinermäßigen Deklamation des Züricher Propheten die unsinnigen Worte: Alles, was Leben hat, lebt durch etwas außer sich. Oder so ungefähr klang's. Das kann nun so ein Heidenbekehrer hinschreiben, und bei der Revision zupft ihn der Genius nicht beim Ärmel.» (Italienische Reise, 5.Oktober 1787.) Goethe denkt sich das organische Wesen als eine kleine Welt, die durch sich selbst da ist und sich nach ihren Gesetzen gestaltet. «Die Vorstellungsart, daß ein lebendiges Wesen zu gewissen Zwecken nach außen hervorgebracht und seine Gestalt durch eine absichtliche Urkraft dazu determiniert werde, hat uns in der philosophischen Betrachtung der natürlichen Dinge schon mehrere Jahrhunderte aufgehalten, und hält uns noch auf, obgleich einzelne Männer diese Vorstellungsart eifrig bestritten, die Hindernisse, welche sie in den Weg legt, gezeigt haben... Es ist, wenn man sich so ausdrücken darf, eine triviale Vorstellungsart, die eben deswegen, wie alle trivialen Dinge, trivial ist, weil sie der menschlichen Natur im ganzen bequem und zureichend ist.» (Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 7, S. 217 f.) Es ist allerdings bequem zu sagen: ein Schöpfer hat bei Erschaffung einer organischen Art einen gewissen Zweckgedanken zu Grunde gelegt, und ihr deswegen eine bestimmte Gestalt gegeben. Goethe will aber die Natur nicht aus den Absichten irgendeines außer der Natur befindlichen Wesens, sondern aus den in ihr selbst liegenden Bildungsgesetzen erklären. Eine einzelne organische Form entsteht dadurch, daß Urpflanze oder Urtier in einem besonderen Falle sich eine bestimmte Gestalt geben. Diese Gestalt muß eine solche sein, daß die Form innerhalb der Bedingungen, in denen sie lebt, auch leben kann. «... die Existenz eines Geschöpfes, das wir Fisch nennen, sei nur unter der Bedingung eines Elementes, das wir Wasser nennen, möglich ...» (Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 7, S. 221.) Will Goethe begreifen, welche Bildungsgesetze eine bestimmte organische Form hervorbringen, so hält er sich an seinen Urorganismus. In ihm liegt die Kraft, sich in den mannigfaltigsten äußeren Gestalten zu verwirklichen. Um einen Fisch zu erklären, würde Goethe untersuchen, welche Bildungskräfte das Urtier anwendet, um von allen Gestalten, die der Idee nach in ihm liegen, gerade die Fischgestalt hervorzubringen. Würde das Urtier innerhalb gewisser Verhältnisse sich in einer Gestalt verwirklichen, in der es nicht leben kann, so ginge es zugrunde. Erhalten kann sich eine organische Form innerhalb gewisser Lebensbedingungen nur, wenn es denselben angepaßt ist.

Also bestimmt die Gestalt die Lebensweise des Tieres,
Und die Weise zu leben, sie wirkt auf alle Gestalten
Mächtig zurück. So zeigt sich fest die geordnete Bildung,
Welche zum Wechsel sich neigt durch äußerlich wirkende Wesen

«Die Metamorphose der Tiere»

[ 34 ] Die in einem gewissen Lebenselemente dauernden organischen Formen sind durch die Natur dieses Elementes bedingt. Wenn eine organische Form aus einem Lebenselemente in ein anderes käme, so müßte sie sich entsprechend verändern. Das wird in bestimmten Fällen eintreten können, denn der ihr zugrunde liegende Urorganismus hat die Fähigkeit, sich in unzähligen Gestalten zu verwirklichen. Die Umwandlung der einen Form in die andere ist aber, nach Goethes Ansicht, nicht so zu denken, daß die äußeren Verhältnisse die Form unmittelbar nach sich umbilden, sondern so, daß sie die Veranlassung werden, durch die sich die innere Wesenheit verwandelt. Veränderte Lebensbedingungen reizen die organische Form, sich nach inneren Gesetzen in einer gewissen Weise umzubilden. Die äußeren Einflüsse wirken mittelbar, nicht unmittelbar auf die Lebewesen. Unzählige Lebensformen sind in Urpflanze und Urtier der Idee nach enthalten; diejenigen kommen zur tatsächlichen Existenz, auf welche äußere Einflüsse als Reize wirken.


[ 35 ] Die Vorstellung, daß eine Pflanzen- oder Tierart sich im Laufe der Zeiten durch gewisse Bedingungen in eine andere verwandle, hat innerhalb der Goetheschen Naturanschauung ihre volle Berechtigung. Goethe stellt sich vor, daß die Kraft, welche im Fortpflanzungsvorgang ein neues Individuum hervorbringt, nur eine Umwandlung derjenigen Kraftform ist, die auch die fortschreitende Umbildung der Organe im Verlaufe des Wachstums bewirkt. Die Fortpflanzung ist ein Wachstum über das Individuum hinaus. Wie das Grundorgan während des Wachstums eine Folge von Veränderungen durchläuft, die der Idee nach gleich sind, so kann auch bei der Fortpflanzung eine Umwandlung der äußeren Gestalt unter Festhaltung des ideellen Urbildes stattfinden. Wenn eine ursprüngliche Organismenform vorhanden war, so konnten die Nachkommen derselben im Laufe großer Zeiträume durch allmähliche Umwandlung in die gegenwärtig die Erde bevölkernden mannigfaltigen Formen übergehen. Der Gedanke einer tatsächlichen Blutsverwandtschaft aller organischen Formen fließt aus den Grundanschauungen Goethes. Er hätte ihn sogleich nach der Konzeption seiner Ideen von Urtier und Urpflanze in vollkommener Form aussprechen können. Aber er drückt sich, wo er diesen Gedanken berührt, zurückhaltend, ja unbestimmt aus. In dem Aufsatz: «Versuch einer allgemeinen Vergleichungslehre», der nicht lange nach der «Metamorphose der Pflanzen» entstanden sein dürfte, ist zu lesen: «Und wie würdig ist es der Natur, daß sie sich immer derselben Mittel bedienen muß, um ein Geschöpf hervorzubringen und es zu ernähren! So wird man auf eben diesen Wegen fortschreiten und, wie man nur erst die unorganisierten, undeterminierten Elemente als Vehikel der unorganisierten Wesen angesehen, so wird man sich nunmehr in der Betrachtung erheben und wird die organisierte Welt wieder als einen Zusammenhang von vielen Elementen ansehen. Das ganze Pflanzenreich zum Exempel wird uns wieder als ein ungeheures Meer erscheinen, welches ebensogut zur bedingten Existenz der Insekten nötig ist als das Weltmeer und die Flüsse zur bedingten Existenz der Fische, und wir werden sehen, daß eine ungeheure Anzahl lebender Geschöpfe in diesem Pflanzenozean geboren und ernährt werde, ja wir werden zuletzt die ganze tierische Welt wieder nur als ein großes Element ansehen, wo ein Geschlecht auf dem andern und durch das andere, wo nicht entsteht, doch sich erhält.» Rückhaltloser ist folgender Satz der «Vorträge über die drei ersten Kapitel des Entwurfs einer allgemeinen Einleitung in die vergleichende Anatomie»(1796): «Dies also hätten wir gewonnen, ungeschult behaupten zu können: daß alle vollkommeneren organischen Naturen, worunter wir Fische, Amphibien, Vögel, Säugetiere und an der Spitze der letzten den Menschen sehen, alle nach einem Urbilde geformt seien, das nur in seinen beständigen Teilen mehr oder weniger hin- und hersieht und sich noch täglich durch Fortpflanzung aus- und umbildet.» Goethes Vorsicht dem Umwandlungsgedanken gegenüber ist begreiflich. Der Zeit, in welcher er seine Ideen ausbildete, war dieser Gedanke nicht fremd. Aber sie hatte ihn in der wüstesten Weise ausgebildet. «Die damalige Zeit (schreibt Goethe 1807, vgl. Kürschner, Band 33, S. 15) jedoch war dunkler, als man es sich jetzt vorstellen kann. Man behauptete zum Beispiel, es hänge nur vom Menschen ab, bequem auf allen Vieren zu gehen, und Bären, wenn sie sich eine Zeitlang aufrecht hielten, könnten zu Menschen werden. Der verwegene Diderot wagte gewisse Vorschläge, wie man ziegenfüßige Faune hervorbringen könne, um solche in Livre'e, zu besonderem Staat und Auszeichnung, den Großen und Reichen auf die Kutsche zu stiften.» Mit solchen unklaren Vorstellungen wollte Goethe nichts zu tun haben. Ihm lag daran, eine Idee von den Grundgesetzen des Lebendigen zu gewinnen. Dabei wurde ihm klar, daß die Gestalten des Lebendigen nichts Starres, Unveränderliches, sondern daß sie in einer fortwährenden Umbildung begriffen sind. Wie diese Umbildung sich im einzelnen vollzieht, festzustellen, dazu fehlten ihm die Beobachtungen. Erst Darwins Forschungen und Haeckels geistvolle Reflexionen haben einiges Licht auf die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse einzelner organischer Formen geworfen. Vom Standpunkte der Goetheschen Weltanschauung kann man sich den Behauptungen des Darwinismus gegenüber, soweit sie das tatsächliche Hervorgehen einer organischen Art aus der andern betreffen, nur zustimmend verhalten. Goethes Ideen dringen aber tiefer in das Wesen des Organischen ein als der Darwinismus der Gegenwart. Dieser glaubt die im Organischen gelegenen inneren Triebkräfte, die sich Goethe unter dem sinnlich-übersinnlichen Bilde vorstellt, entbehren zu können. Ja, er spricht Goethe sogar die Berechtigung ab, von seinen Voraussetzungen aus von einer wirklichen Umwandlung der Organe und Organismen zu sprechen. Jul. Sachs weist Goethes Gedanken mit den Worten zurück, er übertrage «die vom Verstand vollzogene Abstraktion auf das Objekt selbst, indem er diesem eine Metamorphose zuschreibt, die sich im Grunde genommen nur in unserem Begriffe vollzogen hat.» Goethe soll, nach dieser Ansicht, nichts weiter getan haben, als Laubblätter, Kelchblätter, Blumenblätter usw. unter einen allgemeinen Begriff gebracht und mit dem Namen Blatt bezeichnet haben. «Ganz anders freilich wäre die Sache, wenn ... wir annehmen dürften, daß bei den Vorfahren der uns vorliegenden Pflanzenform die Staubfäden gewöhnliche Blätter waren usw.» (Sachs, «Geschichte der Botanik» 1875, S.169). Diese Ansicht entspringt dem Tatsachenfanatismus, der nicht einsehen kann, daß die Ideen ebenso objektiv zu den Dingen gehören, wie das, was man mit den Sinnen wahrnehmen kann. Goethe ist der Ansicht, daß von Verwandlung eines Organes in das andere nur gesprochen werden kann, wenn beide außer ihrer äußeren Erscheinung noch etwas enthalten, das ihnen gemeinsam ist. Das ist die sinnlich-übersinnliche Form. Das Staubgefäß einer uns vorliegenden Pflanzenform kann nur dann als das umgewandelte Blatt der Vorfahren bezeichnet werden, wenn in beiden die gleiche sinnlich-übersinnliche Form lebt. Ist das nicht der Fall, entwickelt sich an der uns vorliegenden Pflanzenform einfach an derselben Stelle ein Staubgefäß, an der sich bei den Vorfahren ein Blatt entwickelt hat, dann hat sich nichts verwandelt, sondern es ist an die Stelle des einen Organes ein anderes getreten. Der Zoologe Oskar Schmidt fragt: «Was sollte denn auch nach Goethes Anschauung umgebildet werden? Das Urbild doch wohl nicht» («War Goethe Darwinianer?» Graz 1871, S. 22). Gewiß wandelt sich nicht das Urbild um, denn dieses Ist ja in allen Formen das gleiche. Aber eben weil dieses gleich bleibt, können die äußeren Gestalten verschieden sein und doch ein einheitliches Ganzes darstellen. Könnte man nicht in zwei auseinander entwickelten Formen das gleiche ideelle Urbild erkennen, so könnte keine Beziehung zwischen ihnen angenommen werden. Erst durch die Vorstellung der ideellen Urform kann man mit der Behauptung, die organischen Formen entstehen durch Umbildung auseinander, einen wirklichen Sinn verbinden. Wer nicht zu dieser Vorstellung sich erhebt, der bleibt innerhalb der bloßen Tatsachen stecken. In ihr liegen die Gesetze der organischen Entwicklung. Wie durch Keplers drei Grundgesetze die Vorgänge im Sonnensystem begreiflich sind, so durch Goethes ideelle Urbilder die Gestalten der organischen Natur.


[ 36 ] Kant, der dem menschlichen Geiste die Fähigkeit abspricht, ein Ganzes ideell zu durchdringen, durch welches ein Mannigfaltiges in der Erscheinung bestimmt wird, nennt es ein «gewagtes Abenteuer der Vernunft », wenn jemand die einzelnen Formen der organischen Welt aus einem Urorganismus erklären wolle. Für ihn ist der Mensch nur imstande, die mannigfaltigen Einzelerscheinungen in einen allgemeinen Begriff zusammenzufassen, durch den sich der Verstand ein Bild macht von der Einheit. Dieses Bild ist aber nur im menschlichen Geiste vorhanden und hat nichts zu tun mit der schaffenden Gewalt, durch welche die Einheit wirklich die Mannigfaltigkeit aus sich hervorgehen läßt. Das «gewagte Abenteuer der Vernunft» bestände darin, daß jemand annehme, die Erde ließe aus ihrem Mutterschoß erst einfache Organismen von minder zweckmäßiger Bildung hervorgehen, die aus sich zweckmäßigere Formen gebären. Daß ferner aus diesen noch höhere sich entwickeln, bis hinauf zu den vollkommensten Lebewesen. Wenn auch jemand eine solche Annahme machte, meint Kant, so könne er doch nur eine absichtsvolle Schöpferkraft zu Grunde legen, welche der Entwicklung einen solchen Anstoß gegeben hat, daß sich alle ihre einzelnen Glieder zweckmäßig entwickeln. Der Mensch nimmt eben eine Vielheit mannigfaltiger Organismen wahr; und da er nicht in sie hineindringen kann, um zu sehen, wie sie sich selbst eine Form geben, die dem Lebenselement angepaßt ist, in dem sie sich entwickeln, so muß er sich vorstellen, sie seien von außen her so eingerichtet, daß sie innerhalb ihrer Bedingungen leben können. Goethe legt sich die Fähigkeit bei, zu erkennen, wie die Natur aus dem Ganzen das Einzelne, aus dem Innern das Äußere schafft. Was Kant «Abenteuer der Vernunft» nennt, will er deshalb mutig bestehen (vgl. den Aufsatz «Anschauende Urteilskraft», Kürschner, Bd. 33, S.115 f.). Wenn wir keinen anderen Beweis dafür hätten, daß Goethe den Gedanken einer Blutsverwandtschaft aller organischen Formen innerhalb der hier angedeuteten Grenzen als berechtigt anerkennt, wir müßten es aus diesem Urteil über Kants «Abenteuer der Vernunft» folgern.


[ 37 ] Ein noch vorhandener skizzenhafter «Entwurf einer Morphologie»läßt erraten, daß Goethe den Plan hatte, die besonderen Gestalten in ihrer Stufenfolge darzustellen, die seine Urpflanze und sein Urtier in den Hauptformen der Lebewesen annehmen (vgl. Sophien-Ausgabe, z. Abt., Band 6, S.321). Er wollte zuerst das Wesen des Organischen schildern, wie es ihm bei seinem Nachdenken über Tiere und Pflanzen aufgegangen. Dann «aus einem Punkte ausgehend» zeigen, wie das organische Urwesen sich nach der einen Seite zu der mannigfaltigen Pflanzenwelt, nach der anderen zu der Vielheit der Tierformen entwickelt, wie die besonderen Formen der Würmer, Insekten, der höheren Tiere und die Form des Menschen aus dem allgemeinen Urbilde abgeleitet werden können. Auch auf die Physiognomik und Schädellehre sollte ein Licht fallen. Die äußere Gestalt im Zusammenhange mit den inneren geistigen Fähigkeiten darzustellen, machte sich Goethe zur Aufgabe. Es drängte ihn, den organischen Bildungstrieb, der sich in den niederen Organismen in einer einfachen äußeren Erscheinung darbietet, zu verfolgen in seinem Streben, sich stufenweise in immer vollkommeneren Gestalten zu verwirklichen, bis er sich in dem Menschen eine Form gibt, die diesen zum Schöpfer der geistigen Erzeugnisse geeignet macht.

[ 38 ] Dieser Plan Goethes ist ebensowenig zur Ausführung gekommen, wie ein anderer, zu dem das Fragment «Vorarbeiten zu einer Physiologie der Pflanzen» ein Anlauf ist (vgl. Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 6, S. 286 ff.). Goethe wollte zeigen, wie alle einzelnen Zweige des Naturerkennens: Naturgeschichte, Naturlehre, Anatomie, Chemie, Zoonomie und Physiologie zusammenwirken müssen, um von einer höheren Anschauungsweise dazu verwendet zu werden, Gestalten und Vorgänge der Lebewesen zu erklären. Er wollte eine neue Wissenschaft, eine allgemeine Morphologie der Organismen aufstellen, «zwar nicht dem Gegenstande nach, denn derselbe ist bekannt, sondern der Ansicht und der Methode nach, welche sowohl der Lehre selbst eine eigene Gestalt geben muß, als ihr auch gegen andere Wissenschaften ihren Platz anzuweisen hat ...». Was die Anatomie, Naturgeschichte, Naturlehre, Chemie, Zoonomie, Physiologie an einzelnen Naturgesetzen darbieten, soll von der lebendigen Vorstellung des Organischen ebenso aufgenommen und auf eine höhere Stufe gestellt werden, wie das Lebewesen selbst die einzelnen Naturvorgänge in den Kreis seiner Bildung aufnimmt und auf eine höhere Stufe des Wirkens stellt.


[ 39 ] Goethe ist zu den Ideen, die ihm durch das Labyrinth der lebendigen Gestalten durchhalfen, auf eigenen Wegen gelangt. Die herrschenden Anschauungen über wichtige Gebiete des Naturwirkens widersprachen seiner allgemeinen Weltanschauung. Deshalb mußte er sich selbst über solche Gebiete Vorstellungen ausbilden, die seinem Wesen gemäß waren. Er war aber überzeugt, daß es nichts Neues unter der Sonne gebe, und daß man «gar wohl in Überlieferungen schon angedeutet finden könne, was man selbst gewahr wird». Er teilt gelehrten Freunden aus diesem Grund seine Schrift über die «Metamorphose der Pflanzen» mit und bittet sie, ihm darüber Auskunft zu geben, ob über den behandelten Gegenstand schon etwas geschrieben oder überliefert ist. Er hat die Freude, daß in Friedrich August Wolf auf einen «trefflichen Vorarbeiter», Kaspar Friedrich Wolff, aufmerksam macht. Goethe macht sich mit dessen 1759 erschienenen «Theoria generationis» bekannt. Gerade an diesem Vorarbeiter aber ist zu beobachten, wie jemand eine richtige Ansicht über die Tatsachen haben und doch nicht zur vollendeten Idee der organischen Bildung kommen kann, wenn er nicht fähig ist, sich durch ein höheres als das sinnliche Anschauungsvermögen in den Besitz der sinnlich-übersinnlichen Form des Lebens zu setzen. Wolf ist ein ausgezeichneter Beobachter. Er sucht durch mikroskopische Untersuchungen sich über die Anfänge des Lebens aufzuklären. Er erkennt in dem Kelch, der Blumenkrone, den Staubgefäßen, dem Stempel, dem Samen, umgewandelte Blätter. Aber er schreibt die Umwandlung einer allmählichen Abnahme der Lebenskraft zu, die in dem Maße sich vermindern soll, als die Vegetation länger fortgesetzt wird, um endlich ganz zu verschwinden. Kelch, Krone usw. sind ihm daher eine unvollkommene Ausbildung der Blätter. Wolf ist als Gegner Hallers aufgetreten, der die Präformations- oder Einschachtelungslehre vertrat. Nach dieser sollten alle Glieder eines ausgewachsenen Organismus im Keim schon im Kleinen vorgebildet sein, und zwar in derselben Gestalt und gegenseitigen Anordnung wie im vollendeten Lebewesen. Die Entwicklung eines Organismus ist demzufolge nur eine Auswicklung des schon Vorhandenen. Wolf ließ nur das gelten, was er mit Augen sah. Und da der eingeschachtelte Zustand eines Lebewesens auch durch die sorgfältigsten Beobachtungen nicht zu entdecken war, betrachtete er die Entwicklung als eine wirkliche Neubildung. Die Gestalt eines organischen Wesens ist, nach seiner Ansicht, im Keime noch nicht vorhanden. Goethe ist derselben Meinung in Bezug auf die äußere Erscheinung. Auch er lehnt die Einschachtelungslehre Hallers ab. Für Goethe ist der Organismus im Keime zwar vorgebildet, aber nicht der äußeren Erscheinung, sondern der Idee nach. Die äußere Erscheinung betrachtet auch er als eine Neubildung. Aber er wirft Wolf vor, daß dieser da, wo er nichts mit den Augen des Leibes sieht, auch mit Geistesaugen nichts wahrnimmt. Wolf hatte keine Vorstellung davon, daß etwas der Idee nach doch vorhanden sein kann, auch wenn es nicht in die äußere Erscheinung tritt. «Deshalb ist er immer bemüht, auf die Anfänge der Lebensbildung durch mikroskopische Untersuchungen zu dringen, und so die organischen Embryonen von ihrer frühesten Erscheinung bis zur Ausbildung zu verfolgen. Wie vortrefflich diese Methode auch sei, durch die er soviel geleistet hat, so dachte der treffliche Mann doch nicht, daß es ein Unterschied sei zwischen Sehen und Sehen, daß die Geistesaugen mit den Augen des Leibes in stetem lebendigen Bunde zu wirken haben, weil man sonst in Gefahr gerät zu sehen und doch vorbeizusehen. - Bei der Pflanzenverwandlung sah er dasselbige Organ sich immerfort zusammenziehen, sich verkleinern; daß aber dieses Zusammenziehen mit einer Ausdehnung abwechsle, sah er nicht. Er sah, daß es sich an Volum verringere, und bemerkte nicht, daß es sich zugleich veredle, und schrieb daher den Weg zur Vollendung, widersinnig, einer Verkümmerung zu» (Kürschner, Band 33, S.107 f.).


[ 40 ] Bis zu seinem Lebensende stand Goethe mit zahlreichen Naturforschern in persönlichem und schriftlichem Verkehre. Er beobachtete die Fortschritte der Wissenschaft von den Lebewesen mit dem regsten Interesse; er sah mit Freuden, wie in diesem Erkenntnisgebiete Vorstellungsarten Eingang fanden, die sich der seinigen näherten und wie auch seine Metamorphosenlehre von einzelnen Forschern anerkannt und fruchtbar gemacht wurde. Im Jahre 1817 begann er seine Arbeiten zu sammeln und in einer Zeitschrift, die er unter dem Titel «Zur Morphologie» begründete, herauszugeben. Zu einer Weiterbildung seiner Ideen über organische Bildung durch eigene Beobachtung oder Reflexion kam er trotz alledem nicht mehr. Zu einer eingehenderen Beschäftigung mit solchen Ideen fand er sich nur noch zweimal angeregt. In beiden Fällen fesselten ihn wissenschaftliche Erscheinungen, in denen er eine Bestätigung seiner Gedanken fand. Die eine waren die Vorträge, die K. F. Ph.Martius über die «Vertikal- und Spiraltendenz der Vegetation» auf den Naturforscherversammlungen in den Jahren 1828 und 1829 hielt und von denen die Zeitschrift «Isis» Auszüge brachte; die andere ein naturwissenschaftlicher Streit in der französischen Akademie, der im Jahre 1830 zwischen Geoffroy de Saint-Hilaire und Cuvier ausbrach.

[ 41 ] Martius dachte sich das Wachstum der Pflanze von zwei Tendenzen beherrscht, von einem Streben in der senkrechten Richtung, wovon Wurzel und Stengel beherrscht werden; und von einem anderen, wodurch Blätter-, Blütenorgane usw. veranlaßt werden, sich gemäß der Form einer Spirallinie an die senkrechten Organe anzugliedern. Goethe griff diese Ideen auf und brachte sie mit seiner Vorstellung von der Metamorphose in Verbindung. Er schrieb einen längeren Aufsatz (Kürschner, Band 33), in dem er alle seine Erfahrungen über die Pflanzenwelt zusammenstellte, die ihm auf das Vorhandensein der zwei Tendenzen hinzudeuten schienen. Er glaubt, daß er diese Tendenzen in seine Idee der Metamorphose aufnehmen müsse. «Wir mußten annehmen: es walte in der Vegetation eine allgemeine Spiraltendenz, wodurch, in Verbindung mit dem vertikalen Streben, aller Bau, jede Bildung der Pflanzen nach dem Gesetze der Metamorphose vollbracht wird.» Das Vorhandensein der Spiralgefäße in einzelnen Pflanzenorganen faßt Goethe als Beweis auf, daß die Spiraltendenz das Leben der Pflanze durchgreifend beherrscht. «Nichts ist der Natur gemäßer, als daß sie das, was sie im ganzen intentioniert, durch das einzelnste in Wirksamkeit versetzt.» «Man trete zur Sommerzeit vor eine im Gartenboden eingesteckte Stange, an welcher eine Winde (Konvolvel) von unten an sich fortschlängelnd in die Höhe steigt, sich fest anschließend ihr lebendiges Wachstum verfolgt. Man denke sich Konvolvel und Stange, beide gleich lebendig, aus einer Wurzel aufsteigend, sich wechselweise hervorbringend und so unaufhaltsam fortschreitend. Wer sich diesen Anblick in ein inneres Anschauen verwandeln kann, der wird sich den Begriff sehr erleichtert haben. Die rankende Pflanze sucht das außer sich, was sie sich selbst geben sollte und nicht vermag.» Dasselbe Gleichnis wendet Goethe am 5. März 1832 in einem Briefe an den Grafen Sternberg an und setzt die Worte hinzu: «Freilich paßt dies Gleichnis nicht ganz, denn im Anfang mußte die Schlingpflanze um den sich erhebenden Stamm in kaum merklichen Kreisen herauswinden. Je mehr sie sich aber der oberen Spitze näherte, desto schneller mußte die Schraubenlinie sich drehen, um endlich (bei der Blüte) in einem Kreise auf einen Diskus sich zu versammeln, dem Tanze ähnlich, wo man sich in der Jugend gar oft Brust an Brust, Herz an Herz mit den liebenswürdigsten Kindern selbst wider Willen gedrückt sah. Verzeih diese Anthropomorphismen.» Ferdinand Cohn bemerkt zu dieser Stelle: «Hätte Goethe nur noch Darwin erlebt! ... wie würde er sich des Mannes erfreut haben, der durch streng induktive Methode klare und überzeugende Beweise für seine Ideen zu finden wußte ...» Darwin meint, von fast allen Pflanzenorganen zeigen zu können, daß sie in der Zeit ihres Wachstums die Tendenz zu schraubenförmigen Bewegungen haben, die er circummutation nennt.

[ 42 ] Im September 1830 spricht sich Goethe in einem Aufsatz über den Streit der beiden Naturforscher Cuvier und Geoffroy de Saint-Hilaire aus; im März 1832 setzt er diesen Aufsatz fort. Der Tatsachenfanatiker Cuvier trat im Februar und März 1830 in der französischen Akademie gegen die Ausführungen Geoffroy de Saint-Hilaires auf, der, nach Goethes Meinung, zu «einer hohen, der Idee gemäßen Denkweise gelangt» war. Cuvier ist ein Meister im Unterscheiden der einzelnen organischen Formen. Geoffroy bemüht sich, die Analogien in diesen Formen aufzusuchen und den Nachweis zu führen, die Organisation der Tiere sei «einem allgemeinen, nur hier und da modifizierten Plan, woher die Unterscheidung derselben abzuleiten sei, unterworfen». Er strebt die Verwandtschaft der Gesetze zu erkennen und ist der Überzeugung, das Einzelne könne aus dem Ganzen nach und nach entwickelt werden. Goethe betrachtet Geoffroy als Gesinnungsgenossen; er spricht das am 2August 1830 zu Eckermann mit den Worten aus: «Jetzt ist nun auch Geoffroy de Saint-Hilaire entschieden auf unserer Seite und mit ihm alle seine bedeutenden Schüler und Anhänger Frankreichs. Dieses Ereignis ist für mich von ganz unglaublichem Wert und ich juble mit Recht über den endlichen Sieg einer Sache, der ich mein Leben gewidmet habe und die ganz vorzüglich auch die meinige ist.» Geoffroy übt eine Denkweise, die auch die Goethes ist, er sucht in der Erfahrung mit dem sinnlich Mannigfaltigen zugleich auch die Idee der Einheit zu ergreifen; Cuvier hält sich an das Mannigfaltige, an das Einzelne, weil ihm bei dessen Betrachtung die Idee nicht zugleich aufgeht. Geoffroy hat eine richtige Empfindung von dem Verhältnisse des Sinnlichen zur Idee; Cuvier hat sie nicht. Deshalb bezeichnet er Geoffroys umfassendes Prinzip als anmaßlich, ja, erklärt es sogar für untergeordnet. Man kann besonders an Naturforschern die Erfahrung machen, daß sie absprechend über ein «bloß»Ideelles, Gedachtes sprechen. Sie haben kein Organ für das Ideelle und kennen daher dessen Wirkungskreise nicht. Goethe wurde dadurch, daß er dieses Organ in besonders vollkommener Ausbildung besaß, von seiner allgemeinen Weltanschauung aus zu seinen tiefen Einsichten in das Wesen des Lebendigen geführt. Seine Fähigkeit, die Geistesaugen mit den Augen des Leibes in stetem lebendigen Bunde wirken zu lassen, machte es ihm möglich, die einheitliche sinnlich-übersinnliche Wesenheit anzuschauen, die sich durch die organische Entwicklung hindurchzieht, und diese Wesenheit auch da anzuerkennen, wo ein Organ sich aus dem andern herausbildet, durch Umbildung seine Verwandtschaft, seine Gleichheit mit dem vorhergehenden verbirgt, verleugnet und sich in Bestimmung wie in Bildung in dem Grade verändert, daß keine Vergleichung nach äußeren Kennzeichen mehr mit dem vorhergehenden stattfinden könne. (Vgl. den Aufsatz über Joachim Jungius, Kürschner, Band 33.) Das Sehen mit den Augen des Leibes vermittelt die Erkenntnis des Sinnlichen und Materiellen; das Sehen mit Geistesaugen führt zur Anschauung der Vorgänge im menschlichen Bewußtsein, zur Beobachtung der Gedanken-, Gefühls- und Willenswelt; der lebendige Bund zwischen geistigem und leiblichem Auge befähigt zur Erkenntnis des Organischen, das als sinnlich-übersinnliches Element zwischen dem rein Sinnlichen und rein Geistigen in der Mitte liegt.

Versions Available:

Goethe's World View, Mercury Press 1985, tr. William Lindeman
  1. Goethe's Conception of the World, Anthroposophical Publishing Co 1928, H. Collison.
  2. Goethe's Worldview, Steiner Online Library
  3. Goethes Weltanschauung, 8th ed.

Part II: Metamorphosis

[ 1 ] Goethe's relationship to the natural sciences cannot be understood if one confines oneself merely to the single discoveries he made. I consider the words which Goethe addressed to Knebel on August 18, 1787 from Italy to be the guiding point of view in looking at this relationship: “To judge by the plants and fish I have seen in Naples and Sicily, I would, if I were ten years younger, be tempted to make a trip to India, not in order to discover something new but rather in order to contemplate in my own way what has already been discovered.” What seems most significant to me is the way in which Goethe drew together the phenomena of nature known to him into a view of nature that accorded with his way of thinking. If all the single discoveries he succeeded in making had already been made before him, and if he had given us nothing more than his view of nature, this would not lessen the significance of his nature studies in the slightest. I agree with Du Bois-Reymond that “even without Goethe, science would be just as far along as it is,” that the steps he took would sooner or later have been taken by others (Goethe and More Goethe). Only I cannot extend these words, as Du Bois-Reymond does, to include the whole of Goethe's natural scientific work. I limit them to the single discoveries he made in the course of it. All of these discoveries would probably have been made by now even if Goethe had never concerned himself with botany, anatomy, etc. His view of nature, however, is an outgrowth of his personality; no one else could have come to it. Goethe's individual discoveries also did not interest him. During his studies they forced themselves upon him of their own accord, because certain views held sway in his time about facts relating to these discoveries, which were incompatible with his way of looking at things. If he had been able with what natural science provided him to build up his view, then he would never have occupied himself with study of the details. He had to go into the particulars because what was told him about the particulars by natural scientists did not meet his requirements. And only by chance, as it were, did the individual discoveries result from these studies of the details. He was not primarily concerned with the question as to whether man, like the other animals, has an intermaxillary bone in the upper jaw. He wanted to discover the ground-plan by which nature forms the sequence of animals and, at the highest level of this succession, forms man. He wanted to find the common archetype which underlies all species of animals and which finally, in its highest perfection, also underlies the human species. The natural scientists said to him that there is a difference between the structure of an animal's body and that of man. The animals have an inter-mediary bone in the upper jaw, and man does not have it. But his view was that man's physical structure could differ from that of the animal only in its degree of perfection but not in particulars. For, if the latter were the case, then a common archetype could not underlie both the animal and the human organization. Goethe could do nothing with this assertion of the natural scientists. Therefore he looked for the intermediary bone in man and found it. Something similar can be observed in all his individual discoveries. They are never for him a purpose in themselves. They must be made in order to show that his picture of the phenomena of nature is valid.

[ 2 ] In the area of organic natural phenomena the significant thing about Goethe's view is the mental picture he developed of the nature of life. The main thing is not his emphasis upon the fact that leaf, calyx, corolla, etc. are organs of the plant which are identical to each other and which develop from a common basic structure; the main thing is what mental picture Goethe had of the whole of plant nature as something living and how he thought of the particulars as coming forth out of this whole. His idea of the nature of the organism has to be called his most original and central discovery in the area of biology. Goethe's basic conviction was that something can be seen in the plant and in the animal that is not accessible to mere sense observation. What the bodily eye can observe about the organism seems to Goethe to be only the result of the living whole of developmental laws working through one another and accessible to the spiritual eye alone. What he saw about the plant and the animal with his spiritual eye is what he described. Only someone who is as capable of seeing as he was can think through his idea of the nature of the organism. Whoever stops short at what the senses and experiments provide cannot understand Goethe. When we read his two poems, the Metamorphosis of the Plants and the Metamorphosis of the Animals, it seems at first as though his words only lead us from one part of the organism to another, as though things of a merely external, factual nature are meant to be connected. But if we permeate ourselves with what hovered before Goethe as idea of the living being, we then feel ourselves carried into the sphere of the living organic, and the mental pictures of the individual organs grow out of one central mental picture.


[ 3 ] As Goethe began to think independently about the phenomena of nature, the concept of life occupied his attention above all else. In a letter of July 14, 1770 from his Strassburg period, he writes about a butterfly: “The poor creature trembles in the net, rubs off its most beautiful colors; and even if one captures it unharmed, it lies there finally stiff and lifeless; the corpse is not the whole creature; something else still belongs to it, a main part still, and in this case as in every other a most major main part: its life.” The fact that an organism cannot be regarded as a dead product of nature, that there is still more in it than the forces which also live in inorganic nature, was clear to Goethe from the beginning. Du Bois-Reymond is undoubtedly right when he states that “the constructing of a purely mechanical world, of which science consists today, would not have been less hated by the poet prince of Weimar than the ‘systeme de la nature’ once was by Friederike's friend”; and he is no less right with his other statement that “Goethe would have turned away shuddering from this world construct which, through its spontaneous generation, borders on the Kant-Laplace theory, from the view that man arose out of chaos through the mathematically determined play of atoms from eternity to eternity, from the ending of the world in freezing cold, from all these pictures which our generation looks so unfeelingly in the face, just as it has grown used to the horrors of railroad travel” (Goethe and More Goethe). For sure, he would have turned away shuddering, because he sought, and also found, a higher concept of the living than that of a complicated mathematically determined mechanism. Only someone who is incapable of grasping a higher concept such as this and who identifies the living with the mechanical because he is able to see in the organism only the mechanical, only he will warm to the mechanical construct of the world and its play of atoms and will look unfeelingly upon the pictures which Du Bois-Reymond conjures up. But someone who can take up into himself the concept of the organic in Goethe's sense will quarrel just as little about its validity as he will about the existence of mechanical. One does not quarrel, after all, with the color-blind about the world of colors. All views which picture as mechanical what is organic fall under the judgment which Goethe has Mephistopheles make:

Who'll know aught living and describe it well,
Seeks first the spirit to expel.
He then has the component parts in hand –
But lacks, alas! the spirit's band.
(Priest's translation)


[ 4 ] Goethe found it possible to occupy himself more intimately with the life of the plants when Duke Karl August presented him with a garden on April 21, 1776. Goethe was also stimulated by his walks in the Thüringen forest, on which he could observe how the life of the lower organisms manifested itself. The mosses and lichens drew his attention. On October 31 he asked Frau von Stein for mosses of all kinds, damp and with roots where possible, so that he could use them to observe their propagation. It is important to keep in mind the fact that Goethe, at the beginning of his botanical studies, occupied himself with the lower plant forms. For later, in conceiving his idea of the archetypal plant, he only took into account the higher plants. His doing so cannot therefore be due to the fact that the realm of the lower plants was unfamiliar to him, but rather was due to the fact that he believed the secrets of the plant's nature to be more distinct and pronounced in the higher plants. He wanted to seek out the idea of nature where it revealed itself most clearly and then to descend from the perfect to the imperfect, in order to understand the latter by the former. He did not want to explain what is complex by what is simple, but rather he wanted, with one look, to have an overview of what is complex as a working whole, and then explain what is simple and imperfect as a one-sided development out of what is complex and perfect. If nature is able, after innumerable plant forms, to make yet one more which contains them all, then also, as the spirit beholds this perfect form, the secret of plant development must be revealed to it in direct beholding, and it will then be able easily to apply what it has observed about what is perfect to what is imperfect. The natural scientists do it the other way around; they consider what is perfect to be only the mechanical sum total of simple processes. They start with what is simple and derive what is perfect from it.

[ 5 ] As Goethe looked around for a scientific guide for his botanical studies, he could find none except Linnaeus. We first hear about his study of Linnaeus in his letters to Frau von Stein in the year 1782. The interest he took in Linnaeus' books shows how serious Goethe was about his natural scientific strivings. He admits that, aside from Shakespeare and Spinoza, Linnaeus had the greatest effect upon him. But how little Linnaeus was able to satisfy him. Goethe wanted to observe the different plant forms in order to recognize the common element living in them. He wanted to know what made all these forms into plants. And Linnaeus had been content to place the manifold plant forms next to one another in a particular order and to describe them. Here in an individual case Goethe's naive, unprejudiced observation of nature ran up against science's way of thinking which was influenced by a one-sidedly understood Platonism. This way of thinking sees in the individual forms realizations of the archetypal Platonic ideas or thoughts of the creation, existing along side one another. Goethe sees in each individual form only one particular development out of one ideal archetypal being which lives in all forms. The first way of thinking wants to distinguish as exactly as possible the individual forms in order to recognize the manifold nature of idea-forms or of the plan of creation; Goethe wants to explain the manifold nature of the particulars out of their original unity. The fact that very much exists in manifold forms is immediately clear to the first way of thinking, because to it the ideal archetypes are already what is manifold. For Goethe this is not clear, since the many belong together, in his view, only if a oneness reveals itself in them. Goethe says, therefore, that what Linnaeus “sought forcibly to keep apart had to strive for unity, in accordance with the innermost need of my being.” Linnaeus simply accepts the existing forms without asking how they have come into being out of a basic form: “We can count as many species as there have been different forms created in principle”: this is his basic tenet. Goethe seeks what is working in the plant realm and creating the individual plants by bringing forth specific forms out of the basic form.

[ 6 ] Goethe found in Rousseau a more naive relationship to the plant world than in Linnaeus. On June 16, 1782 he wrote to Karl August: “Among Rousseau's works there are some most delightful letters about botany, in which he presents this science to a lady in a most comprehensible and elegant way. It is a real model of how one should teach, and it supplements Emil. I use it therefore as an excuse to recommend anew the beautiful realm of the flowers to my beautiful lady friends.” In his History of My Botanical Studies Goethe sets forth what it was that drew him to Rousseau's botanical ideas: “His relationship to plant lovers and connoisseurs, especially to the Duchess of Portland, could have given his sharp eye more breadth of vision, and a spirit like his, which feels itself called upon to proscribe order and lawfulness to the nations had, after all, to gain an inkling that such a great diversity of forms could not appear within the immeasurable realm of the plants, unless one basic law, no matter how hidden it may also be, brought all these forms back into unity.” Goethe also sought just such a basic law as this which brings the diversity back into the unity from which it originally went forth.

[ 7 ] Two books of Baron von Gleichen, called Russwurm, appeared back then on Goethe's spiritual horizon. They both treat the life of the plants in a way that could become fruitful for him: The Latest News from the Plant Realm (Nuernberg, 1764) and Special Microscopic Discoveries about Plants (Nürnberg, 1777-1781). They concern themselves with the fructification processes of plants. In them pollen, stamens, and pistil are carefully described, and the processes of fructification are presented in well-executed diagrams. Goethe now makes experiments himself in order to observe with his own eyes the results described by von Gleichen-Russwurm. On January 12, 1785 he writes to Jacobi: “A microscope is set up in order, when spring arrives, to re-observe and verify the experiments of von Gleichen, called Russwurm.” At the same time he studies the nature of the seed, as we can tell from a report to Knebel on April 2, 1785: “I have thought through the substance of the seed as far as my experiences reach.” These observations of Goethe's appear in the right light only when one takes into account that already then he did not stop short at them, but rather sought to gain a complete view of the processes of nature for which they were meant to serve as supports and substantiation. On April 8 of the same year he announces to Merck that he had not only observed the facts but had also “combined” these facts “nicely.”


[ 8 ] An essential influence on the development of Goethe's ideas about the organic workings of nature was his participation in Lavater's great work, Physiognomical Fragments for Furthering Human Knowledge and Human Love, which appeared in the years 1775-1778. He himself made contributions to this work. In the way he expresses himself in these contributions, his later way of regarding the organic is already prefigured. Lavater stopped short at dealing with the shape of the human organism as an expression of the soul. From the forms of bodies he wanted to read the characters of souls. Goethe began, even back then, to look upon the outer shape for its own sake and to study its own lawfulness and power of development. He occupies himself at the same time with the writings of Aristotle on physiognomy and attempts, on the basis of a study of organic form, to determine the difference between man and animals. He finds this difference in the way the whole human structure brings the head into prominence and in the perfect development of the human brain toward which all the other parts point as though to an organ to which they are attuned. On the other hand, with the animals the head is merely hung upon the spine; the brain and spinal cord have no more scope than is absolutely necessary for carrying out the lower instinctual life and for directing purely physical processes. Goethe sought already back then the difference between man and the animals, not in one or another detail but rather in the different level of perfection which the same basic form attains in the one or other case. There already hovered before him the picture of a prototype which is to be' found both in the animals and in man, which is developed in the former in such a way that the whole structure serves animal functions, whereas in the latter the structure provides the basic framework for the development of spirit.

[ 9 ] Goethe's special study of anatomy grows out of such considerations. On January 22, 1776 he lets Lavater know that “The duke had six skulls sent to me; have noticed some marvelous things which are at your honor's service, if you have not found them without me.” In Goethe's diary we read, under the October 15, 1781 date, that he studied anatomy with old Einsiedel in Jena and in the same year began to have Loder introduce him to this science in a more detailed way. He tells of this in letters to Frau von Stein on October 29, 1781 and to the Duke on November 4. He also has the intention of “explaining the skeleton” to the young people in the Art Academy, and of “introducing them to a knowledge of the human body.” “I do it,” he says, “for my sake and for theirs; the methods I have chosen will make them, over this winter, fully familiar with the basic pillars of the body.” One can tell from his diary that he also did give these lectures. Around this time he also had many conversations with Loder about the structure of the human body. And again it is his general view of nature which appears as the driving force and actual goal of these studies. He treats the, “bones as a text to which all life and everything human can be appended” (letter to Lavater and Merck, November 14,1781). Mental pictures about how the organic works, about the connection of human form with animal form, occupy his spirit at that time. The idea that the human structure is only the highest level of the animal one and that man, through this more perfect stage of animal structure, brings forth the moral world out of himself, this is an idea already incorporated into the ode, “The Divine,” from the year 1782.

Noble be man,
Helpful and good!
For that alone
Distinguishes him
From all the beings
That we know.

By iron laws
Mighty, eternal,
Must we all
Round off our
Circle of life.

[ 10 ] The “eternal iron laws” work in man in exactly the same way as in the rest of the world of organisms; only they attain in him a perfection through which it is possible for him to be “noble, helpful, and good.”

[ 11 ] While in Goethe such ideas as these were taking ever deeper root, Herder was working on his Ideas on a Philosophy of the History of Mankind. All the thoughts in this book were talked through by both men. Goethe was satisfied by Herder's conception of nature. It coincided with his own picture. “Herder's book makes it likely that we were first plants and animals ... Goethe is now digging very thoughtfully in these things, and each thing which has once passed through his mind becomes extremely interesting,” Frau von Stein writes to Knebel on May 1, 1784. The words which Goethe addresses to Knebel on December 8, 1783 show how very much one is justified in judging from Herder's ideas what Goethe's were: “Herder is writing a philosophy of history, as you can imagine, new from the ground up. We read the first chapters together the day before yesterday; they are exquisite.” Sentences like the following are entirely in the direction of Goethe's thinking. “The human race is the great confluence of lower organic forces.” “And so we can assume the fourth principle: that man is a central creation among the animals, i.e., that he is the form worked through in which the traits of all the species gather around him in their finest essence.”

[ 12 ] To be sure, this picture was irreconcilable with the view of the anatomists of that time that the small bone which animals have in the upper jaw, the intermaxillary bone which holds the upper incisors, was lacking in man. Sömmering, one of the most significant anatomists of his day, wrote to Merck on October 8,1782: “I wish you had consulted Blumenbach on the subject of the intermaxillary bone which, other things being equal, is the only bone which all animals have, from the ape on, including even the orangutan, but which is never found in man; except for this bone there is nothing keeping you from being able to transfer everything man has onto the animals. I enclose therefore the head of a doe in order to convince you that this ‘os intermaxillare’ (as Blumenbach calls it) or ‘os incisivum’ (as Camper calls it) is present even in animals which have no incisors in the upper jaw.” That was the general opinion of the time. Even the famous Camper, for whom Merck and Goethe had the deepest respect, adhered to this view. The fact that man's intermaxillary bone is ingrown, left and right, to the upper jaw bone without there being visible any clear line there in a normally developed individual led to this view. If the scholars had been right in this view, then it would be impossible to set up a common archetype for the structure of the animal and of the human organism; a boundary between the two forms would have to be assumed. Man would not be created according to the archetype that also underlies the animals. Goethe had to clear away this obstacle to his world view. He succeeded in this in the spring of 1784 in collaboration with Loder. Goethe proceeded in accordance with his general principle, “that nature has no secret which it does not somewhere present openly to the eye of an attentive observer.” He found in some abnormally developed skulls that the line between the intermaxillary bone and the upper jaw bone was actually present. On March 27 he joyfully announced his find to Herder and Frau von Stein. To Herder he writes: “It should heartily please you also, for it is like the keystone to man; it is not lacking; it is there too! And how! I thought of it also in connection with your whole picture, how beautiful it will be there.” And when, in November 1784, Goethe sends the treatise he has written about the matter to Knebel, he indicates the significance for his whole picture of the world which he attaches to the discovery with the words: “I have refrained from showing yet the result, to which Herder already points in his ideas, which is, namely, that one cannot find the difference between man and animal in the details.” Goethe could gain confidence in his view of nature only when the erroneous view about this fateful little bone was cleared away. He gradually gained the courage to “extend over all realms of nature, over its entire realm” his ideas about the way nature, playing as it were with one main form, brings forth its manifold life. He writes in this vein to Frau von Stein in the year 1786.


[ 13 ] The book of nature becomes ever more legible to Goethe after he has correctly deciphered this one letter. “My long efforts at spelling have helped me; now suddenly it is working, and my quiet joy is inexpressible,” he writes to Frau von Stein on May 15, 1785. He now considers himself already able to write a small botanical treatise for Knebel. The trip to Karlsbad which he undertakes with Knebel in 1785 turns into a journey of formal botanical studies. Upon his return the realms of mushrooms, mosses, lichens, and algae are gone through with reference to Linnaeus. On November 9 he shares with Frau von Stein that “I continue to read Linnaeus; I have to; I have no other book with me. It is the best way to read a book thoroughly, a way I must often practice, especially since I do not easily read a book to the end. This one, however, is not principally made for reading but rather for review, and it serves me now excellently, since I have thought over most of its points myself.” During these studies the basic form, from which nature produces all the varied plant shapes, also takes on some outlines in his spirit even though they are not yet clear ones. A letter to Frau von Stein on July 9, 1786 contains the words: “It is a becoming aware of the essential form with which nature is always only playing, as it were, and in playing brings forth its manifold life.”


[ 14 ] In April and May 1786 Goethe observed through a microscope the lower organisms which develop in infusions of different substances (banana pulp, cactus, truffles, peppercorns, tea, beer, etc.). He takes careful notes on the processes which he observes in these living entities and completes drawings of these organic forms. One can also see from these notes that Goethe does not seek, through such observation of lower and more simple organisms, to approach knowledge of life. It is entirely obvious that he believes he can grasp the essential traits of life processes just as well in the higher organisms as in the lower. He is of the view that in an infusorian the same kind of lawfulness repeats itself which the eye of the spirit perceives in a dog. Observation through a microscope only makes us familiar with processes which in miniature are what the unaided eye sees on a bigger scale. It provides an enrichment of sense experience. The essential being of life reveals itself to a higher kind of seeing, not to any tracing of sense-perceptible processes back to their smallest component parts. Goethe seeks to know this being by studying the higher plants and animals. He would without a doubt have sought this knowledge in the same way, even if the study of plant and animal anatomy had been just as far along then as it is now. If Goethe had been able to observe the cells out of which the plant and animal body builds itself up, he would have declared that in these elementary organic forms the same lawfulness is manifest which is also to be perceived in what they constitute. He would also have made sense out of the phenomena of these little entities by means of the same ideas by which he explained to himself the life processes of the higher organisms.

[ 15 ] It is in Italy that Goethe first of all finds the thought which solves the riddle presented to him by organic forms and transformations. He leaves Karlsbad on September 3 and travels south. In few but significant sentences he describes, in his History of My Botanical Studies, the thought which his observation of the plant world stimulated in him up to the moment when, in Sicily, a clear mental picture revealed itself to him about how it is possible that to plant forms, “with all their self-willed, generic, and specific stubbornness, there is granted a felicitous mobility and pliancy, such that they are able to give themselves over to the many conditions which work upon them around the earth and can form and transform themselves accordingly.” In his journey over the Alps, in the botanical garden in Padua, and in other places, “the changeability of plant forms” showed itself to him. “Whereas in lower-lying regions branches and stems were stronger and thicker, the buds closer to each other and the leaves broad, higher in the mountains, branches and stems became more delicate, the buds moved farther apart so that there was more space between nodes, and the leaves were more lance-shaped. I noticed this in a willow and in a gentian and convinced myself that it was not because of different species, for example. Also, near the Walchensee I noticed longer and more slender rushes than in the lowlands” (Italian Journey, September 8). On October 8 he finds various plants by the sea in Venice in which the interrelationship of what is organic with its environment becomes particularly visible. “They are all at the same time both thick and spare, juicy and tough, and it is obvious that the old salt in the sandy ground, but even more the salty air gives them these qualities; they are bursting with sap like water plants, and they are firm and tough like mountain plants; if the ends of their leaves have a tendency to form spines, as thistles do, then they are exceedingly sharp and strong. I found such a bush of leaves; it seemed to me to be our innocent coltsfoot, but here it was armed with sharp weapons, and the leaf was like leather, as were the seedpods and the stems also; everything was thick and fat” (Italian Journey). In the botanical garden in Padua the thought takes on a particular form in Goethe's spirit as to how one might perhaps be able to develop all plant shapes out of one shape (Italian Journey, September 27); in November he shares with Knebel: “My little bit of botany is for the first time a real pleasure to have, in these lands where a happier, less intermittent vegetation is at home. I have already made some really nice general observations whose consequences will also please you.” On March 25, 1787 he has a “good inspiration about botanical objects.” He asks that Herder be informed that he will soon be ready with the archetypal plant. But he feared “that no one will want to recognize the rest of the plant world in it” (Italian Journey). On April 17, he goes “to the public gardens with the firm, calm intention of continuing his poetic dreaming.” Only, before he is prepared for it, the being of the plants seizes him like a ghost. “The many plants, which I otherwise was used to seeing only in tubs or pots and for the greater part of the year only behind glass windows, are growing here fresh and happy in the open air, and since they can totally fulfill what they are meant to be, they become more definite and clear to us. With so many new and renewed forms in front of me, my old fancy took hold of me again: as to whether I could not, after all, discover the archetypal plant among so great a multitude? There must after all be such a one! How would I otherwise know that this or that formation is a plant, if they were not all formed according to the same model.” He makes every effort to distinguish the varying forms, but his thoughts are always led back again to the one archetype which underlies them all (Italian Journey, April 17, 1787). Goethe begins to keep a botanical journal into which he enters all his experiences and reflections about the plant realm during his journey. The pages of this journal show how untiringly occupied he is in trying to find plant specimens which could lead him to the laws of growth and of reproduction. If he believes that he is on the track of some law or other, he sets it up first of all in a hypothetical form, in order then to let it become confirmed in the course of his further experiences. He carefully notes down the processes of germination, of fructification, of growth. It becomes more and more clear to him that the leaf is the basic organ of the plant, and that the forms of all the other plant organs can best be understood when one regards them as transformed leaves. He writes in his journal, “Hypothesis: everything is leaf, and through this simplicity the greatest manifoldness becomes possible.” And on May 17 he communicates to Herder: “Furthermore I must confide to you that I am very close to discovering the secret of plant generation and organization, and that it is the simplest thing one could imagine. One can make the most beautiful observations under these skies. I have altogether clearly and beyond any doubt found where the germ is located, and that is the main point; I also already see everything else as a whole, and only a few points must still become more definite. The archetypal plant will be the most wonderful creation in the world for which nature itself will envy me. With this model and the key to it one can then go on inventing plants forever which must follow lawfully; that means: which, even if they don't exist, still could exist, and are not, for example, the shadows and illusions of painters or poets but rather have an inner truth and necessity. The same law can be applied to all other living things.” “... Any way you look at it the plant is always only leaf, so inseparably joined with the future germ that one cannot think the one without the other. To grasp, to carry, to discover in nature a concept like this, is a task which puts us into a painfully sweet state” (Italian Journey)


[ 16 ] In order to explain the phenomena of life Goethe takes a path which is totally different from those usually taken by natural scientists. These can be divided into two categories. There are defenders of a life force, which works in organic beings and which, with respect to other natural causes, represents a special, higher form of forces. Just as there is gravity, chemical attraction and repulsion, magnetism, etc., so also there is thought to be a life force, which brings the substances of the organism into such interaction that it can maintain itself, grow, nourish, and reproduce itself. The natural scientists who hold this view say that the same forces are working in the organism as in the rest of nature, but that they do not work as though in a lifeless machine. They are taken up, as it were, by the life force and raised to a higher level of working. Opposing the proponents of this view, there are other natural scientists who believe that there is no special life force working in organisms. They regard all manifestations of life as complicated chemical and physical processes and cherish the hope that some day they may succeed in explaining an organism like a machine by tracing it back to the effects of inorganic forces. The first view is called “vitalistic,” the second one “mechanistic.” Goethe's way of grasping things is totally different from both. That in the organism something else is at work besides the forces of inorganic nature seems obvious to him. He cannot adhere to the mechanistic understanding of the phenomena of life. Just as little does he seek some special life force to explain the workings of the organism. He is convinced that a different way of looking at things is needed for grasping life processes than is used in perceiving the phenomena of inorganic nature. Whoever decides to acknowledge a life force does indeed see that organic processes are not mechanical, but at the same time he lacks the ability to develop in himself that other way of looking at things by which the organic could become knowable to him. His mental picture of the life force remains dim and indefinite. A recent adherent of vitalism, Gustav Bunge, believes, “In the smallest cell, and all the riddles of life are already present in it, and in the investigation of the smallest cell, we have already reached our limits with the tools we have now” (Vitalismus und Mechanismus, Leipzig, 1886). It would be completely in accordance with Goethe's way of thinking to answer this in the following way. That kind of seeing which only knows the nature of inorganic phenomena has, with its tools, reached the limits which must be transcended if one is to grasp what is alive. This kind of seeing, however, will never find within its domain the means which could be capable of explaining the life of even the smallest cell. Just as the eye is needed for perception of color phenomena, so, in order to grasp life, one needs the ability to behold directly, in what is sense perceptible, something which is supersensible. This supersensible something will always escape the person who directs only his senses upon the organic forms. Goethe seeks to enliven the sense perception of plant forms in a higher way and to picture to himself the sense-perceptible form of a supersensible archetypal plant (see The History of My Botanical Studies). The vitalist takes refuge in his empty concept of a life force, because he simply does not see anything in an organism except what his senses can perceive. Goethe sees the sense-perceptible permeated by something supersensible just as a colored surface is by color.

[ 17 ] The adherents of the mechanistic theory are of the view that we could someday succeed in creating living substances, in an artificial way, out of inorganic materials. They say that not too many years ago people maintained that there are substances in the organism which cannot arise through artificial means, but only through the working of the life force. But today, they say, one is already able artificially to create several of these substances in a laboratory. In the same way it could be possible some day, out of carbonic acid, ammonia, water, and salts, to produce a living protein, which is the basic substance of the simplest organisms. Then those of a mechanistic persuasion believe it will be irrefutably proven that life is nothing more than a combination of inorganic processes and the organism nothing more than a machine which has arisen in a natural way.

[ 18 ] From the standpoint of the Goethean world view one would reply that the adherents of the mechanistic view speak about substances and forces in a way that is not justified by any experience. And one has become so accustomed to speak in this way that it becomes very difficult in the face of these concepts to let pure experience have its say. But let us look, without any preconceptions, at some process in the outer world. Take a quantity of water of a definite temperature. How does one know anything about this water? One looks at it and notes that it occupies space and is contained within certain limits. One sticks one's finger or a thermometer into it and finds that it has a definite degree of warmth. One touches its surface and experiences that it is fluid. Those are statements which our senses make about the state of the water. Now heat the water. It will begin to boil and finally transform itself into steam. Again one can gain knowledge for oneself about the nature of the object, the steam, into which the water has transformed itself, by perceiving it with the senses. Instead of heating the water one can apply an electric current to it under specific conditions. It transforms itself into two bodies, hydrogen and oxygen. One can also learn about the characteristics of these two bodies by what our senses tell us. One therefore perceives certain states of things in the world of objects and observes at the same time that these states pass over into other ones under certain conditions. Our senses instruct us about these states. If one speaks about something other than these states, which transform themselves, then one is no longer limiting oneself to the pure facts, but rather one is adding concepts to them as well. If one says that the oxygen and hydrogen, which an electric current has caused to arise from the water, were already contained in the water, but so intimately united with each other that they could not be perceived as they are by themselves, then one has added to one's perception a concept by which to explain to oneself how the two bodies can arise out of one body. And if one goes further and states that oxygen (Sauerstoff) and hydrogen (Wasserstoff) are substances (Stoffe), which one does already by the names one gives them, then one has likewise added a concept to what one has perceived. For, factually, in the space occupied by the oxygen, there is present to perception only a certain number of states. One thinks the substance to which these states are supposed to be connected and adds it to them. What one thinks of about the oxygen and hydrogen as already present in the water, i.e., the substantial, is something thought which one adds to the content of perception. If one combines hydrogen and oxygen into water through a chemical process, then one can observe that one group of states passes over into another one. If one says that two simple substances have combined into a compound one, then one has attempted a conceptual explanation of the content of one's observation. The mental picture “substance” receives its content not from perception but rather from thinking. The same is true of “force.” One sees a stone fall to earth. What is the content of that perception? A certain number of sense impressions, of states, which occur in successive places. One seeks to explain to oneself this change in the sense world and says that the earth pulls the stone. It has a “force” by which it draws the stone to itself. Again our spirit has added a mental picture to the state of affairs and has given a content to it which does not stem from perception. One does not perceive substances and forces but rather states and their transitions into one another. One explains these changes of state to oneself by adding concepts to the perceptions.

[ 19 ] Imagine that there were a being who could perceive oxygen and hydrogen but not water. If we combined oxygen and hydrogen to form water before the eyes of such a being, then the states which he had perceived about the two substances would disappear before him into nothingness. If we now also described to him the states which we perceive in the water, he would not be able to picture them to himself. This proves that there is nothing in the perceptual content of oxygen from which the perceptual content water can be derived. To say that a thing consists of two or more other things means that two or more perceptual contents have changed into one unified content which, however, is a totally new one with respect to the original contents.

[ 20 ] What would therefore be achieved if someone succeeded in artificially combining carbonic acid, ammonia, water, and salts into a living protein substance in some laboratory? One would know that the perceptual contents of many substances can combine into one perceptual content. But this perceptual content is absolutely not derivable from those contents. The state of living protein can only be observed in this protein itself and cannot be developed from the states of carbonic acid, ammonia, water, and salts. In the organism one has something totally different from the inorganic parts out of which it can be constructed. In the arising of a living being, sense-perceptible contents change into contents which are both sense-perceptible and supersensible. And someone who does not have the ability to make mental pictures for himself which are both sense-perceptible and supersensible can know something about the being of an organism just as little as someone would be able to experience something about water if a sense impression of it were inaccessible to him.


[ 21 ] In his studies of the plant and animal worlds Goethe strove to picture to himself the organism's germination, growth, transformation of organs, nourishment, and propagation as a process both sense-perceptible and supersensible. He noted that this sensible-supersensible process in its idea is the same in all plants and that it takes on different forms only in its outer manifestation. Goethe could observe the same thing in the animal world. If one has developed in oneself the idea of the sensible-supersensible archetypal plant, then one will find it again in all individual plant forms. Diversity arises through the fact that something which is the same in idea can exist in different forms in the perceptual world. The individual organism consists of organs which can be traced back to a basic organ. The basic organ of the plant is the leaf with the node upon which it develops. In its outer manifestation this organ assumes different forms: seed leaf (cotyledon, Keimblatt), leaf (Laubblatt), sepal (Kelchblatt), corolla “leaf” (Kronenblatt), etc. “Whether the plant is sprouting, blooming, or bearing fruit, still it is always only the same organs which, under many different conditions and often in altered forms, are obeying the orders of nature.”

[ 22 ] In order to gain a complete picture of the archetypal plant Goethe had to follow in general the forms which the basic organ goes through in the process of a plant's growth from germination to seed maturation. At the beginning of its development, the whole plant form rests in the seed. In it the archetypal plant has taken on a shape by which it conceals its ideal content, as it were, in its outer manifestation.

Simple was the force in the seed; a beginning model
Lay, enclosed in itself, bent over under its husk,
Leaf and root and germ, half-formed and without any color
Thus the seed holds dry and protected peaceful life,
Wells striving upward, entrusting itself to mild moistness,
And lifts itself out of the surrounding night.

[ 23 ] Out of the seed the plant develops its first organs, the cotyledons, after it has more or less left “its husk behind in the earth” and has established “its roots in the ground.” And now shoot follows shoot in the further course of growth; node after node tower one above the other, and at every node there is a leaf. The leaves appear in different shapes. The lower ones are still simple, the upper ones variously serrated, notched, composed of several leaflets. At this stage of its development the archetypal plant spreads out its sensible-supersensible content as an outer sensible manifestation in space. Goethe pictures to himself that the leaves owe their ongoing development and refinement to the light and air. “While we find those cotyledons which are enclosed in their seed husks, to be, as it were, only stuffed with raw sap, to be not at all or only crudely organized and undeveloped, so the leaves of plants which grow under water appear to us as more crudely organized than other ones which are exposed to the open air; in fact, the same species of plant develops smoother and less refined leaves when it grows in low, moist areas, while, when transferred to higher regions, it brings forth rough, hairy leaves which are more finely developed.” In the second period of growth the plant draws together again into a narrower space what it had previously spread out.

Now it allows in less sap, it narrows its vessels,
And the shape introduces tenderer workings thereto.
Silent the drive of outspreading edges recedes,
And the ribs of the stalk become more fully pronounced.
Leafless, however, and quickly arises the tenderer stem,
And a wondrous shape attracts the observer to it.
Gathering around in a circle, counted and without
Number, the smaller leaf joins with its fellow.
Ordered round its axis, the rising chalice commits itself,
And its highest shape in colored crowns releases.

[ 24 ] In the calyx the plant shape draws itself together; in the corolla it spreads itself out again. Now the next contraction follows in the stamens and pistil, the organs of propagation. In the previous periods of growth the formative force of the plant developed itself in the single organs as the drive to repeat the basic form. This same force divides itself at this stage of contraction into two organs. What is thus separated seeks to find its way back together again. This occurs in the process of fructification. The male pollen present in the stamens unites itself with the female substance which is contained in the pistil; and through this the germ of a new plant is given. Goethe calls fructification a spiritual anastomosis (union) and sees in it only another form of the process which occurs in the development from one node to another. “In every body which we call living, we note the power to bring forth its own kind. When we become aware of this power in a separated form, we apply the name of the two sexes to it.” From node to node the plant brings forth its own kind. For node and leaf are the simple form of the archetypal plant. In this form the bringing forth is called growth. If the force of propagation is divided into two organs then one speaks of two sexes. In this way Goethe believes he has brought the concepts of growth and procreation closer to one another. In the stage of the forming of the fruit the plant achieves its final expansion; in the seed it seems to be contracted again. In these six steps nature completes the circle of plant development and begins the whole process again from the beginning. In the seed Goethe sees only another form of the bud which develops on the leaves. The side branches which unfold from the buds are whole plants which stand upon a mother plant rather than in the earth. The mental picture of the basic organ, transforming itself in stages from seed to fruit as though upon a “spiritual ladder,” is the idea of the archetypal plant. Almost as though to prove to physical vision the basic organ's ability to transform itself, nature, under certain conditions and at a particular stage, allows an organ to develop different from the one which should arise in the regular course of growth. In the double poppy, for example, at the place where stamens should arise, petals appear. The organ, which according to the idea was meant to be a stamen, has become a petal. In the organ, which in the normal course of plant development has a definite form, there is also contained the possibility of taking on a different form.

[ 25 ] Goethe considers the Bryophyllum calicinum to be an illustration of his idea of the archetypal plant; this is the ordinary life plant, a species which came from the Molucca Islands to Calcutta and from there to Europe. Little new plants develop from the indentations in the plump leaves of this plant and grow into complete plants when detached. For Goethe this process shows sense-perceptibly that in idea a whole plant lies in the leaf.

[ 26 ] Whoever develops within himself the mental picture of the archetypal plant and keeps it so mobile that he can think it in every possible form compatible with its content can, with its help, explain for himself all the configurations of the plant realm. He will grasp the development of the individual plant, but he will also find out that all families, species, and varieties are formed in accordance with this archetypal picture. Goethe developed this view in Italy and recorded it in his book, An Attempt to Explain the Metamorphosis of Plants, which appeared in 1790.


[ 27 ] In Italy Goethe also makes progress in developing his ideas about the human organism. On January 20 he writes to Knebel: “I am somewhat prepared for anatomy and have acquired, though not without effort, a certain level of knowledge of the human body. Here, through endless contemplation of statues, one's attention is continuously drawn to the human body, but in a higher way. The purpose of our medical and surgical anatomy is merely to know the parts, and for this a stunted muscle will also serve. But in Rome the parts mean nothing unless at the same time they present a noble and beautiful form.—In the big hospital of San Spirito they have set up for artists a very beautifully muscled body in such a way that the beauty of it makes one marvel. It could really be taken for a flayed demigod, a Marsyas.—It is also the custom here, following the ancients, to study the skeleton, not as an artificially arranged mass of bones but rather with the ligaments still attached from which it receives some life and movement.” Even after his return from Italy Goethe industriously pursues his anatomical studies. He feels impelled to know the developmental laws of animal form in the same way that he succeeded in knowing those of the plant. He is convinced that the unity of the animal organism also rests on one basic organ which can assume various forms in outer phenomena. If the idea of the basic organ conceals itself, then the basic organ appears in an unformed way. It then manifests as the simpler organs of the animal; if the idea masters substance in such a way that it makes the substance totally into its own likeness, then the higher, nobler organs arise. That which is present in the simpler organs as idea reveals itself outwardly in the higher organs. Goethe did not succeed in drawing together the lawfulness of the entire animal form into one single mental picture as he was able to do for the plant form. He found the developmental law of one part of this form only, the spinal cord and brain, along with the bones which enclose these organs. He sees in the brain a higher development of the spinal cord. Every ganglion, every nerve center, represents for him a brain which has remained behind on a lower level. And he interprets the skull bones which enclose the brain as transformations of the vertebrae which surround the spinal cord. It has already occurred to him earlier that the posterior cranial bones (occipital, posterior, and anterior sphenoid bones) are to be regarded as three metamorphosed vertebrae; he maintains the same about the anterior cranial bones after finding on the dunes of the Lido in 1790 a sheep'-s skull so felicitously cracked open that the hard palate, the upper jaw bone, and the intermaxillary bone seem to present directly to his view three transformed vertebrae.

[ 28 ] The study of animal anatomy had not yet progressed far enough in Goethe's time for him to be able to cite any creature which actually has vertebrae instead of developed cranial bones and which therefore manifests in a sense-perceptible picture what is present in the higher animals only as idea. Through the research of Carl Gegenbauer, published in 1872, it is possible to point to such an animal form. The primitive fish or selachii have cranial bones and a brain which clearly show themselves to be end parts of the spinal column and cord. According to findings about these animals, a greater number of vertebrae do seem to have gone into the head formation (at least nine) than Goethe had assumed. This error in the number of vertebrae has been brought forward against the validity of the Goethean idea of the transformation of the spinal cord and column, as has the fact that in its embryonic state the skull of the higher animals shows no trace of being composed of vertebra-like parts, but rather develops out of a simple cartilaginous sac. It is acknowledged indeed that the skull has arisen out of vertebrae. But it is denied that the cranial bones, in the form in which they manifest in the higher animals, are transformed vertebrae. It is said that a complete fusing of the vertebrae into a cartilaginous sac has occurred, in which the original vertebral structure has totally disappeared. The bone forms observable in the higher animals have then developed out of this cartilaginous capsule. These forms have not developed according to the archetype of the vertebra but rather in conformity with the tasks which they have to fulfill with the developed head. Therefore if one is seeking the explanation for one or another form of the cranial bones, one should not ask how a vertebra has metamorphosed in order to become a cranial bone but rather, what determining factors have led to the fact that this or that bone shape has separated out of the simple cartilaginous capsule? One believes in the formation of new shapes, according to new formative laws, after the original vertebral form has dissolved into a structureless capsule. Only from the standpoint of a fanaticism for facts can one find a contradiction between this view and the Goethean one. That which is no longer sense perceptible in the cartilaginous cranial capsule, i.e., the vertebral structure, is nevertheless present in it as idea and reappears as soon as the conditions for it are present. In the cartilaginous cranial capsule the idea of the basic organ in its vertebral form conceals itself within sense-perceptible matter; in the developed cranial bones this idea comes again into outer manifestation.


[ 29 ] Goethe hopes that the laws of development of the other parts of the animal organism will reveal themselves to him in the same way as did those of the brain, spinal cord, and the parts enclosing them. About his discovery at the Lido he asks Frau von Kalb, on April 30, 1790, to tell Herder that he “has gotten one whole principle nearer to animal form and to its manifold transformations, and did so through the most remarkable accident.” He believes himself so near his goal that in the same year which brought him his find, he wants to complete a book on animal development which could take its place beside the Metamorphosis of the Plants (Correspondence with Knebel). On a journey in Silesia in July 1790 he pursues his studies of comparative anatomy and begins to write an essay, On the Form of Animals. Goethe did not succeed in progressing from this felicitous starting point to the laws of development of the whole animal form. No matter how many attempts he makes to find the prototype of animal form, nothing analogous to the idea of the archetypal plant emerged. He compares the animals to each other and to the human being and seeks to gain a general picture of animal structure which nature uses as a model to form the individual shapes. This general picture of the animal prototype is not a living mental picture which fills itself with a content in accordance with the basic laws of animal development, thus recreating, as it were, the archetypal animal. It is only a general concept, which is abstracted from the particular phenomena. It ascertains what the manifold animal forms have in common; but it does not contain the lawfulness of the animal realm.

All the parts develop according to eternal laws,
And secretly the rarest form retains the archetypal picture.
(Metamorphosis of the Animals)

[ 30 ] Goethe could not develop a unified mental picture of how this archetypal image, by lawful transformation of one basic pan, develops itself as the archetypal form, with many parts, of the animal organism. His essay, Animal Form, and his Sketch of a Comparative Anatomy Proceeding from Osteology, written in 1795 in Jena and given a more detailed shape later as Lectures on the First Three Chapters of the Sketch of a General Introduction to Comparative Anatomy (1796) contain only preliminary instruction as to how animals can be purposefully compared in order to gain a general picture by which the creative power “produces and develops organic beings” in order to gain a norm by which “to work out the descriptions” and to which the most varied forms can be traced “by abstracting this norm from the various animals.” On the other hand Goethe showed how, with the plants, one archetypal entity develops itself lawfully through successive modifications into its complete organic shape.


[ 31 ] Even though he was not able to trace nature's creative force in its forming and transforming power through the different parts of the animal organism, still Goethe did succeed in finding individual laws to which nature holds in the development of animal forms which do adhere to the general norm but which are different in their manifestations. He pictures to himself that nature does not have the ability to change the general picture at will. If nature develops and forms one part with particular completeness, this can happen only at the expense of another part. In the archetypal organism all the parts are contained which can occur in any animal. In the individual animal form one part is developed, another part is only suggested; one is particularly well elaborated, another is perhaps totally imperceptible to sense observation. In this last case Goethe is convinced that that part of the general prototype which is not visible in each animal is nevertheless present as idea.

If you see in one creature an exceptional trait
In some way bestowed, then ask at once where it suffers
Elsewhere some lack, and search with investigative spirit.
At once you will find to each form the key.
For never did beast, with all kinds of teeth his upper
Jaw bone bedecking, bear horns on its forehead,
And therefore a horned lion the eternal mother
Could not possibly fashion though she apply her full strength;
For she has not mass enough, rows of teeth
To fully implant and antlers and horns also to push forth.
(Metamorphosis of the Animals)

[ 32 ] In the archetypal organism all the parts are developed and maintain a balance with each other; the diversity of the individual organisms arises through the fact that the formative power expends itself on one part and therefore does not develop the outer manifestation of another part at all or only suggests it. Today one calls this law of the animal organism the law of the correlation or compensation of organs.


[ 33 ] Goethe thinks the whole plant world to be contained as idea in the archetypal plant, and in the archetypal animal the whole animal world. From this thought there arises the question as to how it comes about that in one case these particular plant or animal forms arise, in another case other forms do. Under which conditions does the archetypal animal become a fish? Under which conditions a bird? The way science pictures things in order to explain the structure of organisms is repugnant to Goethe. The adherents of this way of picturing things ask with respect to each organ how it serves the living being in which it occurs. Underlying a question like this is the general thought that a divine creator or nature has prescribed a specific life's purpose for every being and has then given it a certain structure so that it can fulfill this purpose. A question like this seems just as nonsensical to Goethe as to ask what purpose a rubber ball has in moving when it is struck by another ball. An explanation of its motion can be given only by finding the laws by which the ball is set into motion by an impact or by some other cause. One does not ask what purpose the motion of the ball serves, but rather where its motion originates. In the same way, in Goethe's view, one should not ask for what purpose the bull has horns but rather how he can have horns. By which laws does the archetypal animal appear in the bull in a horn-bearing form? Goethe sought the idea of the archetypal plant and that of the archetypal animal in order to find in them the basis of an explanation for the diversity of organic forms. The archetypal plant is the creative element in the plant world. If one wants to explain an individual plant species, one must show how this creative element is working in a particular case. The mental picture that an organic being owes its form not to the forces working and shaping within it but rather that its form is imposed upon it from outside for certain purposes, this picture positively repels Goethe. He writes, “Recently I found, in a pitiful, apostolically monkish declamation of the Zurich prophet, the nonsensical words that everything which has life lives by something outside itself. Or it sounded something like that. Now a missionary can write down something like that, and when he is revising it no good spirit tugs at his sleeve” (Italian Journey, October 5, 1787). Goethe thinks of an organic being as a little world which is there through itself and which shapes itself according to its own laws. “The picture that a living being is brought forth for certain outer purposes and that its shape is determined by an intentional primal force to this end has already held us back in our philosophical consideration of natural things for several centuries, and still holds us back, although a few individuals have vigorously disputed this picture and shown what obstacles it lays in our path. . . It is, if one may put it so, a trivial picture, which, like all trivial things, is trivial precisely because it is comfortable and sufficient for human nature as a whole.” It is, of course, comfortable to say that a creator, in creating a species, has given it an underlying purposeful idea and therefore a definite shape. But Goethe wants to explain nature not by the intentions of some being located outside nature but rather by the laws of development lying within nature itself. An individual organic form arises through the fact that the archetypal plant or the archetypal animal gives itself a definite shape in a particular case. This shape must be such that the form, under the conditions in which it is living, can in fact live. “... the existence of a creature which we call fish is only possible under conditions of an element which we call water ...” If Goethe wants to grasp what laws of development bring forth a particular organic form, he then holds on to his archetypal organism. Within it lies the power to realize itself in the most diverse outer shapes. In order to explain a fish Goethe would investigate which formative powers the archetypal animal uses in order, out of all the shapes which lie in it as idea, to bring forth specifically the fish shape. If the archetypal animal were to realize itself under certain conditions in a shape in which it cannot live, then it would perish. An organic form can maintain itself under certain life conditions only when it is adapted to them.

Therefore, shape determines the way of an animal's living
And this way of living works back mightily, firmly,
Upon all shapes. Thus ordered formation manifests firmly.
That to change inclines through outwardly working beings.
(Metamorphosis of the Animals)

[ 34 ] The enduring organic forms in a certain life element are determined by the nature of this element. If an organic form were to come out of one life element into a different one, it would have to change itself accordingly. This can occur in particular cases, because the archetypal organism underlying the form has the ability to realize itself in countless shapes. But the transformation of the one form into the other, in Goethe's view, is not to be thought of as though outer conditions directly reshape the form in accordance with themselves but rather as though they become the stimulus by which the inner being transforms itself. Changed living conditions stimulate the organic form to reshape itself in a certain way according to inner laws. Outer influences work indirectly, not directly, upon the living being. Countless forms of life are contained as idea in the archetypal plant and archetypal animal; those forms come into actual existence upon which outer influences work as stimulus.

[ 35 ] The mental picture that a species of plant or animal transforms itself into another in the course of time under certain conditions is fully justified within the Goethean view of nature. Goethe pictures to himself that the power which brings forth a new individual through the reproductive process is only a transformation of that form of power which also causes the progressive reshaping of organs in the course of growth. Reproduction is a growth above and beyond the individual. Just as the basic organ during growth undergoes successive changes, which in idea are the same, so also, in reproduction, a transformation of the outer shape can take place while holding on to the ideal archetypal picture. When an original form of an organism was present, then its descendants could change over, through gradual transformation, in the course of great periods of time, into the diverse forms which populate the earth today. The thought of an actual blood tie between all organic forms does flow out of the basic views of Goethe. He could have expressed it right away in its complete form after conceiving his ideas of the archetypal animal and plant, but when he touches upon this thought he expresses himself hesitantly, even vaguely. One can read in the essay, Attempt at a Theory of Comparison, which was probably written not long after the Metamorphosis of the Plants, “And how worthy it is of nature that it must always employ the same means of bringing forth and nourishing a creature! Thus one will progress upon these same paths, and, just as one only at first regarded the unorganized, undetermined elements as the vehicle of the unorganized beings, so will one from now on raise one's contemplation and again regard the organized world as an interrelationship of many elements. The whole plant realm, for example, will again appear to us as an immense sea which is just as necessary for the qualified existence of the insects as the oceans and rivers are for the qualified existence of fish, and we will see that an immense number of living creatures are born and nourished in this ocean of plants; in fact, we will finally regard the whole animal world again as only one great element where one generation after another and through the other does not arise newly yet does maintain itself.” Goethe is less reserved in the following sentence from Lectures on the First Three Chapters of the Sketch of a General Introduction to Comparative Anatomy (1796): “This we would therefore have gained, that we could fearlessly assert that all the more perfect organic natures—by which we mean fish, amphibians, birds, mammals, and at the peak of the latter, man—are all formed according to one archetypal picture, which more or less diverges one way or another only in its permanent parts, and which still daily develops and transforms itself through reproduction.” Goethe's caution about the idea of transformation is understandable. This thought was not foreign to the age in which he was developing his ideas. But this age had developed this thought in the most muddled way. “But that was a darker age,” Goethe writes in 1807, “than one now pictures it to be. It was asserted, for example, that if the human being wanted to he could go around comfortably on all fours, and that bears could become human beings if they held themselves erect for a time. The audacious Diderot dared to suggest ways of producing goat-footed fauns to serve in uniform on the coaches of the rich and mighty, to bestow particular pomp and distinction.” Goethe wanted to have nothing to do with such unclear mental pictures. He was anxious to gain an idea of the fundamental laws of the living. In this it became clear to him that the shapes of the living are not rigid and unchangeable but rather are involved in continuous transformation. Goethe did not have enough data from observation to establish in detail how this transformation occurs. It is Darwin's investigations and Haeckel's intelligent reflections which have first shed some light on the actual conditions by which individual organic forms are related. From the standpoint of the Goethean world view one can only agree with the assertions of Darwinism, insofar as they relate to the actual emerging of one organic species from another. But Goethe's ideas penetrate more deeply into the being of the organic than does the Darwinism of our day. It believes it can do without the inner driving forces in the organic which Goethe pictures to himself as a sensible-supersensible image. Yes, Darwinism even denies that Goethe was justified in speaking, from his postulates, of any real transformation of organs and organisms. Jul. Sachs rejects Goethe's thoughts by saying that he transfers “the abstraction which his intellect has i made onto the object itself, by ascribing to the object a metamorphosis which actually has occurred only within our concept.” According to this view, Goethe did nothing more than bring leaves, sepals, petals, etc. under one general concept, and label them with the name “leaf.” “The matter would be quite different, to be sure, if ... we could believe that in the: ancestors of our present plant forms the stamens were ordinary leaves, etc.” (Sachs, History of Botany, 1875). This view arises from the fact fanaticism which cannot see that ideas belong just as objectively to the things as what one can perceive with the senses. Goethe is of the view that one can speak of the trans formation of one organ into another only if both, besides their outer manifestation, contain something else which is common,; to them both. This something is the sensible-supersensible 1 form. The stamen of a present plant form can be called the transformed leaf of its ancestors only if the same sensible-supersensible form lives in both. If that is not the case, if on the present plant there simply develops a stamen at the same place where a leaf had developed on its ancestors, then nothing has transformed itself but rather one organ has taken the place of another. The zoologist Oskar Schmidt asks, “What is it then in Goethe's view which is supposed to be transformed? Definitely not the archetypal picture.” (Was Goethe a Darwinian?, Graz, 1871). Certainly the archetypal picture does not transform itself for it is after all the same in all forms, but precisely because it remains the same, the outer shapes can be different and still represent a unified whole. If one could not recognize the same ideal archetypal picture in two forms which have developed away from each other, then one could assume no relationship between them. Only through the mental picture of the ideal archetypal form can one connect any meaning to the assertion that organic forms arise by developing out of each other. . Whoever cannot lift himself to this mental picture remains stuck in mere facts. In this mental picture lie the laws of organic development. Just as through Kepler's three basic laws the processes of the solar system are comprehensible, so through Goethe's ideal archetypal pictures are the shapes of organic nature.


[ 36 ] Kant, who denies to the human spirit the ability to penetrate with ideas a totality which brings forth diversity in phenomena, calls it a “daring adventure of reason” to want to explain the individual forms of the organic world from some archetypal organism. For him, man is only able to draw together the diverse individual phenomena into a general concept, by which the intellect makes itself a picture of the unity. But this picture is only present in the human mind and has nothing to do with the creative power by which the unity really allows diversity to go forth from itself. The “daring adventure of reason” would consist of someone's assuming that the earth first releases simple organisms from her mother's womb which are less purposefully formed and which then give birth to more purposeful forms. That furthermore, still higher forms develop out of these all the way up to the most perfect living beings. If someone did make such an assumption, in Kant's opinion, he could not avoid positing an underlying purposeful creative power which gave such a push to development that all its individual members develop purposefully. Man perceives, after all, a multiplicity of diverse organisms; and since he cannot penetrate into them in order to see how they give themselves a form adapted to the life element in which they develop he must then picture to himself that they are organized from outside in such a way that they can live under these conditions. Goethe attributes to himself the ability to recognize how nature creates the individual out of the totality, the external out of the internal. He therefore wants courageously to undertake what Kant calls the “adventure of reason” (see the essay, The Power to Judge in Beholding). If we had no other proof that Goethe accepted the thought of a blood relationship of all organic forms as justified within the limits indicated here, we would have to deduce it from this judgment about Kant's “adventure of reason.”


[ 37 ] One can guess, from Goethe's sketchy Outline of a Morphology which still exists that he planned to present in their successive levels the particular shapes which his archetypal plant and archetypal animal assume in the main forms of living beings. He wanted first of all to describe the being of the organic as it came to him in his reflections about animals and plants. Then, “starting at one point,” to show how the archetypal organic being develops itself on the one hand into the manifold plant world, on the other hand into the multiplicity of the animal forms, how the particular forms of the worms, insects, higher animals, and the human form can be drawn forth from the common archetypal picture. Light was also meant to be shed upon physiognomy and phrenology. Goethe set himself the task of presenting the outer shape in connection with inner spiritual abilities. He felt moved to trace the organic drive to develop, which presents itself in the lower organisms in a simple outer manifestation, in its striving to realize itself stage by stage in ever more perfect shapes until in man it gives itself a form which makes him able to be the creator of spiritual productions.

[ 38 ] This plan of Goethe's was not carried out, nor was another one which started with the fragment, Preliminary Work for a Physiology of the Plants. Goethe wanted to show how all the individual branches of natural science—natural history, physics, anatomy, chemistry, zoology, and physiology—must work together in order that a higher kind of contemplation may use them to explain the shapes and processes of living beings. He wanted to establish a new science, a general morphology of organisms, “not, indeed, with a new subject matter, for this is known, but rather with a new outlook and methodology; this new science would have to give a distinctive form to its findings and also indicate its place relative to other sciences ...” The individual laws of nature provided by anatomy, natural history, physics, chemistry, zoology, and physiology should be taken up by the living mental picture of the organic and placed on a higher level, in the same way that the living being itself takes up the individual natural processes into the sphere of its development and places them on a higher level of working.


[ 39 ] Goethe arrived along paths of his own at the ideas which helped him through the labyrinth of living forms. The dominant views on important areas of nature's working contradicted his general world view. He therefore had to develop mental pictures about these areas for himself that were in accordance with his nature. But he was convinced that there is nothing new under the sun and that one “could very well find indications in earlier works about what one is becoming aware of oneself.” For this reason he shares his writing on the Metamorphosis of the Plants with learned friends and asks them to inform him whether something has already been written or handed down on this subject. He is happy when Friedrich August Wolf draws his attention to a “first-rate precursor” in Kaspar Friedrich Wolff. Goethe acquaints himself with Wolff's Theoria Generationis, which appeared in 1759. But one can observe, precisely with this precursor, how someone can have a correct view about the facts and still not come to the complete idea of organic development unless he is able to grasp the sensible-supersensible form of life, through an ability to see which, is higher than that of his senses. Wolff is an excellent observer. He seeks through microscopic investigations to enlighten himself about the beginnings of life. He recognizes the calyx, corolla, stamens, pistil, and seed as transformed leaves. But he attributes the transformation to a gradual decrease in the life force, which supposedly diminishes to the same degree as the vegetation unfolds and then finally disappears entirely. Therefore calyx, corolla, etc. are for him an imperfect development of the leaves. Wolff came on the scene as an opponent of Haller, who advocated the doctrine of preformation or incapsulation. According to it all the parts of a full-grown organism were supposed to exist pre. formed already in miniature within the germ, and even in the same shape and interrelationship as in the complete living being. The development of an organism, consequently, is only the unfolding of what is already present. Wolff accepted as valid only what he saw with his eyes. And since, even with the most careful observations, he could not discover any incapsulated state of a living being, he regarded development as a truly new formation. The shape of an organic being is in his view not yet present in the germ. Goethe is of the same opinion with respect to outer manifestation. He also rejects the incapsulation doctrine of Haller. For Goethe the organism is in fact preformed within the germ, not as outer manifestation but rather as idea. He also regards the outer manifestation as a new formation. But he reproaches Wolff with the fact that where Wolff sees nothing with his physical eyes he also perceives nothing with his spiritual eyes. Wolff had no mental picture of the fact that something can still be present as idea, even if it does not come to outer manifestation. “Therefore his efforts are always to penetrate by microscopic investigations into the beginnings of life formation, and to trace in this way the organic embryos from their earliest manifestation up to full development. But no matter how excellent these methods may be, by which he has accomplished so much, still the admirable man did not think that there is a difference between seeing and seeing, that the spiritual eyes must work in continuous living alliance with the physical eyes, because one otherwise runs the danger of seeing and yet overlooking.—In plant transformation he saw the same organ continuously contracting, growing smaller; but he did not see that this contraction alternated with an expansion. He saw that this organ diminished in volume, and did not notice that it ennobled itself at the same time and therefore, nonsensically, he considered atrophy to be the path to perfection.”


[ 40 ] To the end of his life Goethe remained in personal and written contact with numerous investigators of nature. He observed with keenest interest the progress of the science of living beings; he was happy to see how in this realm of knowledge ways of picturing things arose which approached his own ways and also how his expositions on metamorphosis were recognized and made fruitful by individual investigators. In 1817 he began to gather his works together and to publish them in a journal which he founded under the title, On Morphology. In spite of all this he no longer achieved through his own observation or reflection a further development of his ideas about organic development. He was only stimulated two more times to occupy: himself more deeply with such ideas. In both cases his attention was caught by scientific phenomena in which he found a confirmmation of his thoughts. One was the lectures which K. F. Ph. Martius held in gatherings of natural scientists in 1828 and 1829 on the Vertical and Spiral Tendency of Vegetation and from; which the journal Isis published excerpts; the other one was a natural scientific dispute in the French Academy which broke I out between Geoffrey de Saint-Hilaire and Cuvier in 1830.

[ 41 ] Martius thought that the growth of plants was governed by two tendencies, by a striving in the vertical direction, which; governed root and stem, and by another one which caused leaf and blossom organs, etc. to array themselves on the vertical organ in accordance with the form of a spiral line. Goethe took up these ideas and brought them into connection with his mental picture of metamorphosis. He wrote a lengthy essay in, which he brought together all his experiences of the plant world; which seemed to him to indicate the presence of the two tendencies. He believes that he has to take up these tendencies into his idea of metamorphosis. “We had to assume that a general': spiral tendency holds sway in vegetation through which, in connection with the vertical striving, every structure, every formation of plants is completed according to the law of metamorphosis.” Goethe grasps the presence of spiral vessels in the individual plant organs as proof that the spiral tendency inherently rules the life of the plant. “Nothing is more in accordance with nature than the fact that what it intends as a whole it brings into activity down to the smallest detail.” “In the summertime go up to a stake driven into the garden upon which a bindweed (convovulus) is climbing, winding up around it from below, and follow its lively growth with close attention. Think of the convovulus and the stake as both equally alive, rising out of one root, alternately bringing each other fon, and in this way progressing ceaselessly. Whoever can transform this sight into an inner beholding will have made this concept much easier for himself. The climbing plant seeks outside itself what it should be giving itself but cannot.” Goethe uses the same comparison on March 15, 1832 in a letter to Count Sternberg and adds the words, “To be sure this comparison is not entirely apt, for at the beginning the creeper would have to wind around the rising stem in hardly noticeable circles. But the closer it came to the upper end the more quickly the spiral line would have to turn, in order finally (in the blossom) to gather together in a circle into a disk, as in dancing where quite often, when young, one was squeezed against one's will, even with the nicest children, breast to breast and heart to heart. Pardon my anthropomorphism.” Ferdinand Cohn remarks about this passage, “If only Goethe could have experienced Darwin! ... how this man would have pleased him who through rigorous inductive methods knew how to find clear and convincing proofs for his ideas ...” Darwin believes himself able to show, about. almost all plant organs, that during their growth period they have the tendency to spiral-like movements, which he calls circummutation.

[ 42 ] In September 1830 Goethe refers in an essay to the dispute between the natural scientists Cuvier and Geoffrey de Saint-Hilaire; in March 1832 he continues this essay. In February and March 1830 in the French Academy the fact fanatic Cuvier comes out against the work of Geoffrey de Saint-Hilaire, who, in Goethe's opinion, had “attained a high level of thinking in accordance with the idea.” Cuvier is a master in making distinctions between the individual organic forms. Geoffrey's efforts are to seek the analogies in these forms and to furnish proof that the organization of the animals “is subject to a general plan, modified here and there, from which their differences come.” He strives to know the relatedness of the laws and is convinced that the particular can gradually be developed from the whole. Goethe regards Geoffrey as a kindred spirit; he expresses this to Eckermann on August 2, 1830 in the words, “now Geoffrey de Saint-Hilaire is also definitely on our side and with him all his significant students and adherents in France. This event is of inconceivably great value to me, and I am right to jubilate about the final victory of something to which I have dedicated my life and which is pre-eminently also my own.” Geoffrey practices a way of thinking which is also Goethe's way; in his experience of the world he seeks to grasp, along with the diversity of what is sense-perceptible, also the idea of the unity. Cuvier holds fast to the diversity, to the particular, because when he observes them the idea does not arise for him at the same time. Geoffrey has a right feeling for the relationship of the sense-perceptible to the idea; Cuvier does not have it. He therefore labels Geoffrey's comprehensive principle as presumptuous, yes, even declares it to be inferior. One can have the experience, especially with natural scientists, that they speak derogatorily about what is “merely” ideal, thought. They have no organ for what is ideal and therefore do not know the sphere of its working. Through the fact that he possessed this organ in an especially well-developed form, Goethe was led from his general world view to his deep insights into the nature of the living. His ability to let his eyes of the spirit work in a continuous living alliance with the eyes of the body enabled him to behold the unified sensible-supersensible being that extends through organic development; it enabled him to recognize this being even where one organ develops out of another, where, through transformation, an organ conceals and denies its relatedness, its sameness with the preceding one, changing both in function and form to such a degree that no comparison of outer attributes with the preceding ones can any longer take place. Seeing with the eyes of the body transmits knowledge of the sense-perceptible and material; seeing with the eyes of the spirit leads to the beholding of processes in human consciousness, to the observation of the world of thoughts, of feeling, and of will; the living alliance of spiritual and bodily eye enables one to know the organic which, as a sensible-supersensible element, lies between the purely sense-perceptible and the purely spiritual.