Goethe's Worldview
GA 6
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Die Metamorphosenlehre
[ 1 ] Man kann Goethes Verhältnis zu den Naturwissenschaften nicht verstehen, wenn man sich bloß an die Einzelentdeckungen hält, die er gemacht hat. Ich sehe als leitenden Gesichtspunkt für die Betrachtung dieses Verhältnisses die Worte an, die Goethe am 18. August 1787 von Italien aus an Knebel gerichtet hat: «Nach dem, was ich bei Neapel, in Sizilien von Pflanzen und Fischen gesehen habe, würde ich, wenn ich zehn Jahre jünger wäre, sehr versucht sein, eine Reise nach Indien zu machen, nicht um etwas Neues zu entdecken, sondern um das Entdeckte nach meiner Art anzusehen.» Auf die Art, wie Goethe die ihm bekannten Naturerscheinungen in einer seiner Denkungsart gemäßen Naturansicht zusammengefaßt hat, scheint es mir anzukommen. Wenn alle die Einzelentdeckungen, die ihm gelungen sind, schon vor ihm gemacht gewesen wären, und er uns nichts als seine Naturansicht gegeben hätte, so schmälerte dies die Bedeutung seiner Naturstudien nicht im geringsten. Ich bin mit Du Bois-Reymond einer Meinung darüber, daß « auch ohne Goethe die Wissenschaft überhaupt so weit wäre, wie sie ist», daß die ihm gelungenen Schritte früher oder später andere getan hätten. (Goethe und kein Ende, S.1) Ich kann diese Worte nur nicht, wie es Du Bois-Reymond tut, auf den ganzen Umfang von Goethes naturwissenschaftlichen Arbeiten beziehen. Ich beschränke sie auf die in ihrem Verlaufe gemachten Einzelentdeckungen. Keine einzige derselben würde uns wahrscheinlich heute fehlen, wenn Goethe sich nie mit Botanik, mit Anatomie usw. beschäftigt hätte. Seine Naturansicht aber ist ein Ausfluß seiner Persönlichkeit; kein anderer hätte zu ihr kommen können. Ihn interessierten auch nicht die Einzelentdeckungen. Sie drängten sich ihm während seiner Studien von selbst auf, weil über die Tatsachen, die sie betreffen, zu seiner Zeit Ansichten Geltung hatten, die unvereinbar mit seiner Art, die Dinge zu betrachten, waren. Hätte er mit dem, was die Naturwissenschaft ihm überlieferte, seine Anschauung aufbauen können: so würde er sich nie mit Detailstudien beschäftigt haben. Er mußte ins Einzelne gehen, weil das, was ihm über das Einzelne von den Naturforschern gesagt wurde, seinen Forderungen nicht entsprach. Und nur wie zufällig ergaben sich bei diesen Detailstudien die Einzelentdeckungen. Ihn beschäftigte zunächst nicht die Frage: ob der Mensch wie die übrigen Tiere einen Zwischenkieferknochen in der oberen Kinnlade habe. Er wollte den Plan entdecken, nach dem die Natur die Stufenfolge der Tiere und auf der Höhe dieser Stufenfolge den Menschen bildet. Das gemeinsame Urbild, das allen Tiergattungen und zuletzt in seiner höchsten Vollkommenheit auch der Menschengattung zu Grunde liegt, wollte er finden. Die Naturforscher sagten ihm: es besteht ein Unterschied im Bau des tierischen und des menschlichen Körpers. Die Tiere haben in der oberen Kinnlade den Zwischenknochen, der Mensch habe ihn nicht. Seine Ansicht war, daß sich der menschliche physische Bau nur dem Grade der Vollkommenheit nach von dem tierischen unterscheiden könne, nicht aber in Einzelheiten. Denn, wenn das letztere der Fall wäre, könnte nicht ein gemeinsames Urbild der tierischen und der menschlichen Organisation zu Grunde liegen. Er konnte mit der Behauptung der Naturforscher nichts anfangen. Deshalb suchte er nach dem Zwischenknochen bei dem Menschen und fand ihn. Ähnliches ist bei allen seinen Einzelentdeckungen zu beobachten. Sie sind ihm nie Selbstzweck. Sie müssen gemacht werden, um seine Vorstellungen über die Naturerscheinungen als berechtigt erscheinen zu lassen.
[ 2 ] Im Gebiete der organischen Naturerscheinungen ist das Bedeutsame in Goethes Ansicht die Vorstellung, die er vom Wesen des Lebens aus bildete. Nicht auf die Betonung der Tatsache, daß Blatt, Kelch, Krone usw. Organe an der Pflanze sind, die miteinander identisch sind, und sich aus einem gemeinschaftlichen Grundgebilde entwickeln, kommt es an. Sondern darauf, welche Vorstellung Goethe von dem Ganzen der Pflanzennatur als einem Lebendigen hatte und wie er sich das Einzelne aus diesem Ganzen hervorgehend dachte. Seine Idee von dem Wesen des Organismus ist seine ureigenste zentrale Entdeckung im Gebiete der Biologie zu nennen. Daß sich in der Pflanze, in dem Tiere etwas anschauen lasse, was der bloßen Sinnenbeobachtung nicht zugänglich ist, war Goethes Grundüberzeugung. Was das leibliche Auge an dem Organismus beobachten kann, scheint Goethe nur die Folge zu sein des lebendigen Ganzen durcheinander wirkender Bildungsgesetze, die dem geistigen Auge allein zugänglich sind. Was er mit dem geistigen Auge an der Pflanze, an dem Tier erschaut, das hat er beschrieben. Nur wer ebenso wie er zu sehen fähig ist, kann seine Idee von dem Wesen des Organismus nachdenken. Wer bei dem stehen bleibt, was die Sinne und das Experiment liefern, der kann Goethe nicht verstehen. Wenn wir seine beiden Gedichte lesen «Die Metamorphose der Pflanzen» und «Die Metamorphose der Tiere», so scheint es zunächst, als ob die Worte uns nur von einem Glied des Organismus zum andern führten, als ob bloß äußerlich Tatsächliches verknüpft werden sollte. Wenn wir uns aber durchdringen mit dem, was Goethe als Idee des Lebewesens vorschwebt, dann fühlen wir uns in die Sphäre des Lebendig-Organischen versetzt, und aus einer zentralen Vorstellung wachsen die Vorstellungen über die einzelnen Organe hervor.
[ 3 ] Als Goethe anfing, selbständig über die Erscheinungen der Natur nachzusinnen, nahm vor allem andern der Begriff des Lebens seine Aufmerksamkeit in Anspruch. In einem Briefe aus der Straßburger Zeit vom 14. Juli 1770 schreibt er von einem Schmetterling: «Das arme Tier zittert im Netz, streift sich die schönsten Farben ab; und wenn man es ja unversehrt erwischt, so steckt es doch endlich steif und leblos da; der Leichnam ist nicht das ganze Tier, es gehört noch etwas dazu, noch ein Hauptstück, und bei der Gelegenheit, wie bei jeder andern, ein sehr hauptsächliches Hauptstück: das Leben.-» Daß ein Organismus nicht wie ein totes Naturprodukt betrachtet werden kann, daß noch mehr darin steckt als die Kräfte, die auch in der unorganischen Natur leben, war Goethe von vornherein klar. Wenn Du Bois-Reymond meint, daß «die rein mechanische Weltkonstruktion, welche heute die Wissenschaft ausmacht, dem Weimarschen Dichterfürsten nicht minder verhaßt gewesen wäre, als einst Friederikens Freund das 9systeme de la nature:», so hat er unzweifelhaft Recht; und nicht minder hat er Recht mit den andern Worten: von dieser Weltkonstruktion, die «durch die Urzeugung an die Kant-Laplace'sche Theorie grenzt, von der Entstehung des Menschen aus dem Chaos durch das von Ewigkeit zu Ewigkeit mathematisch bestimmte Spiel der Atome, von dem eisigen Weltende - von diesen Bildern, welche unser Geschlecht so unfühlend ins Auge faßt, wie es an die Schrecknisse des Eisenbahnfahrens sich gewöhnte - hätte Goethe sich schaudernd abgewandt» (Goethe und kein Ende, S.35 f.). Gewiß hätte er sich schaudernd abgewandt, weil er einen höheren Begriff des Lebendigen suchte und ihn auch fand als den eines komplizierten, mathematisch bestimmten Mechanismus. Nur wer unfähig ist, einen solchen höhern Begriff zu fassen und das Lebendige mit dem Mechanischen identifiziert, weil er am Organismus nur das Mechanische zu sehen vermag, der wird sich für die mechanische Weltkonstruktion und ihr Spiel der Atome erwärmen und unfühlend die Bilder ins Auge fassen, die Du Bois-Reymond entwirft. Wer aber den Begriff des Organischen im Sinne Goethes in sich aufnehmen kann, der wird über seine Berechtigung ebensowenig streiten wie über das Vorhandensein des Mechanischen. Man streitet ja auch nicht mit dem Farbenblinden über die Farbenwelt. Alle Anschauungen, welche das Organische sich mechanisch vorstellen, verfallen dem Richterspruch, den Goethe seinen Mephistopheles sagen läßt:
Wer will was Lebendig's erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist herauszutreiben,
Dann hat er die Teile in der Hand.
Fehlt, leider! nur das geistige Band.
[ 4 ] Die Möglichkeit, sich intimer mit dem Leben der Pflanzen zu beschäftigen, fand sich für Goethe, als ihm der Herzog Karl August am 21. April 1776 einen Garten schenkte. Auch durch die Streifzüge im Thüringerwald, auf denen er die Lebenserscheinungen der niederen Organismen beobachten konnte, wird Goethe angeregt. Moose und Flechten nehmen seine Aufmerksamkeit in Anspruch. Am 31. Oktober bittet er Frau von Stein um Moose von allen Sorten, womöglich mit den Wurzeln und feucht, damit er sie benützen könne, um die Fortpflanzung zu beobachten. Es ist wichtig, im Auge zu behalten, daß Goethe sich im Anfange seiner botanischen Studien mit den niederen Pflanzenformen beschäftigte. Denn er hat später bei der Konzeption seiner Idee der Urpflanze nur die höheren Pflanzen berücksichtigt. Dies kann also nicht davon herrühren, daß ihm das Gebiet der niederen fremd war, sondern davon, daß er die Geheimnisse der Pflanzennatur an den höheren deutlicher ausgeprägt glaubte. Er wollte die Idee der Natur da aufsuchen, wo sie sich am klarsten offenbart und dann von dem Vollkommenen zum Unvollkommenen herabsteigen, um dieses aus jenem zu begreifen. Nicht das Zusammengesetzte wollte er durch das Einfache erklären; sondern jenes mit einem Blick als wirkendes Ganzes überschauen und dann das Einfache und Unvollkommene als einseitige Ausbildung des Zusammengesetzten und Vollkommenen erklären. Wenn die Natur fähig ist, nach unzähligen Pflanzenformen noch eine zu machen, die sie alle enthält, so muß auch dem Geiste beim Anschauen dieser vollkommenen Form das Geheimnis der Pflanzenbildung in unmittelbarer Anschauung aufgehen, und er wird dann leicht das an dem Vollkommenen Beobachtete auf das Unvollkommene anwenden können. Umgekehrt machen es die Naturforscher, die das Vollkommene nur als eine mechanische Summe der einfachen Vorgänge ansehen. Sie gehen von diesem Einfachen aus und leiten das Vollkommene von demselben ab.
[ 5 ] Als sich Goethe nach einem wissenschaftlichen Führer für seine botanischen Studien umsah, konnte er keinen andern finden als Linné. Wir erfahren von seiner Beschäftigung mit Linné zuerst aus den Briefen an Frau von Stein vom Jahre 1782. Wie ernst es Goethe mit seinen naturwissenschaftlichen Bestrebungen war, geht aus dem Interesse hervor, das er an Linnés Schriften genommen hat. Er gesteht, daß nach Shakespeare und Spinoza auf ihn die größte Wirkung von Linné ausgegangen ist. Aber wie wenig konnte ihn Linné befriedigen. Goethe wollte die verschiedenen Pflanzenformen beobachten, um das Gemeinsame, das in ihnen lebt, zu erkennen. Er wollte wissen, was alle diese Gebilde zu Pflanzen macht. Und Linné hatte sich damit begnügt, die mannigfaltigsten Pflanzenformen in einer bestimmten Ordnung nebeneinander zu stellen und zu beschreiben. Hier stieß Goethes naive, unbefangene Naturbeobachtung in einem einzelnen Falle auf die durch einseitig aufgefaßten Platonismus beeinflußte Denkweise der Wissenschaft. Diese Denkweise sieht in den einzelnen Formen Verwirklichungen ursprünglicher, nebeneinander bestehender, platonischer Ideen oder Schöpfungsgedanken. Goethe sieht in dem einzelnen Gebilde nur eine besondere Ausgestaltung eines ideellen Urwesens, das in allen Formen lebt. Jene Denkweise will möglichst genau die einzelnen Formen unterscheiden, um die Vielgliedrigkeit der Ideenformen oder des Schöpfungsplanes zu erkennen; Goethe will die Vielgliedrigkeit des Besonderen aus der ursprünglichen Einheit erklären. Daß vieles in mannigfaltigen Formen da ist, ist für jene Denkungsart ohne weiteres klar, denn schon die idealen Urbilder sind für sie das Mannigfaltige. Für Goethe ist das nicht klar, denn das Viele gehört nach seiner Ansicht nur zusammen, wenn sich Eines darin offenbart. Goethe sagt deshalb, was Linné «mit Gewalt auseinander zu halten suchte, mußte nach dem innersten Bedürfnis meines Wesens zur Vereinigung anstreben». Linné nimmt die vorhandenen Formen einfach hin, ohne danach zu fragen, wie sie aus einer Grundform geworden sind: «Spezies zählen wir so viele, als verschiedene Formen im Prinzip geschaffen worden sind »: dies ist sein Grundsatz. Goethe sucht im Pflanzenreich das Wirksame, das durch Spezifizierung der Grundform das Einzelne schafft.
[ 6 ] Ein naiveres Verhältnis zur Pflanzenwelt als bei Linné fand Goethe bei Rousseau. Am i6. Juni 1782 schreibt er an Karl August: «In Rousseaus Werken finden sich ganz allerliebste Briefe über die Botanik, worin er diese Wissenschaft auf das faßlichste und zierlichste einer Dame vorträgt. Es ist recht ein Muster, wie man unterrichten soll und eine Beilage zum Emil. Ich nehme daher Anlaß, das schöne Reich der Blumen meinen schönen Freundinnen aufs neue zu empfehlen.» In seiner «Geschichte meines botanischen Studiums»legt Goethe dar, was ihn zu Rousseaus botanischen Ideen hingezogen hat: «Sein Verhältnis zu Pflanzenfreunden und -kennern, besonders zu der Herzogin von Portland, mag seinen Scharfblick mehr in die Breite gewiesen haben, und ein Geist wie der seinige, der den Nationen Ordnung und Gesetz vorzuschreiben sich berufen fühlt, mußte doch zur Vermutung gelangen, daß in dem unermeßlichen Pflanzenreiche keine so große Mannigfaltigkeit der Formen erscheinen könnte, ohne daß ein Grundgesetz, es sei auch noch so verborgen, sie wieder sämtlich zur Einheit zurückbrächte.» Ein solches Grundgesetz, das die Mannigfaltigkeit zur Einheit zurückbringt, von der sie ursprünglich ausgegangen ist, sucht auch Goethe.
[ 7 ] Zwei Schriften vom Freiherrn von Gleichen, genannt Rußwurm, fielen damals in Goethes geistigen Horizont. Sie behandeln beide das Leben der Pflanze in einer Weise, die für ihn fruchtbar werden konnte: «Das Neueste aus dem Reiche der Pflanzen»(Nürnberg 1764) und «Auserlesene mikroskopische Entdeckungen bei den Pflanzen» (Nürnberg 1777–1781). Sie beschäftigen sich mit den Befruchtungsvorgängen der Pflanzen. Blütenstaub, Staubfäden und Stempel sind in ihnen sorgfältig beschrieben, und in gut ausgeführten Tafeln die Vorgänge bei der Befruchtung dargestellt. Goethe macht nun selbst Versuche, um die von Gleichen-Rußwurm beschriebenen Ergebnisse mit eigenen Augen zu beobachten. Er schreibt am 12. Januar 1785 an Jacobi: «Ein Mikroskop ist aufgestellt, um die Versuche des v. Gleichen, genannt Rußwurm, mit Frühlingseintritt nachzubeobachten und zu kontrollieren.» Zur selben Zeit studiert er die Wesenheit des Samens, wie aus einem Bericht an Knebel vom 2. April 1785 hervorgeht: «Die Materie vom Samen habe ich durchgedacht, so weit meine Erfahrungen reichen.» Diese Beobachtungen Goethes erscheinen erst im rechten Lichte, wenn man berücksichtigt, daß er schon dazumal nicht bei ihnen stehen geblieben ist, sondern eine Gesamtanschauung der Naturvorgänge zu gewinnen suchte, der sie zur Stütze und Bekräftigung dienen sollten. Am 8. April desselben Jahres meldet er Merck, daß er nicht nur Tatsachen beobachtet, sondern auch «hübsche Entdeckungen und Kombinationen» über diese Tatsachen gemacht habe.
[ 8 ] Von wesentlichem Einfluß auf die Ausbildung der Ideen Goethes über organische Naturwirkungen war der Anteil, den er an Lavaters großem Werke: «Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe» nahm, das in den Jahren 1775-1778 erschienen ist. Er hat selbst Beiträge zu diesem Werke geliefert. In der Art, wie er sich in diesen Beiträgen ausspricht, ist seine spätere Weise, das Organische anzusehen, schon vorgebildet. Lavater blieb dabei stehen, die Gestalt des menschlichen Organismus als Ausdruck der Seele zu behandeln. Er wollte aus den Formen der Körper die Charaktere der Seelen deuten. Goethe fing bereits damals an, die äußere Gestalt um ihrer selbst willen zu betrachten, ihre eigene Gesetzmäßigkeit und Bildungskraft zu studieren. Er beschäftigt sich zugleich mit den Schriften des Aristoteles über die Physiognomik und versucht es, auf Grundlage des Studiums der organischen Gestalt, den Unterschied des Menschen von den Tieren festzustellen. Er findet diesen in dem durch das Ganze des menschlichen Baues bedingten Hervortreten des Kopfes, in der vollkommenen Ausbildung des menschlichen Gehirns, zu dem alle Teile wie zu einem Organ hindeuten, auf das sie gestimmt sind. Im Gegenteil ist bei dem Tiere der Kopf an den Rückgrat bloß angehängt, das Gehirn, das Rückenmark haben nicht mehr Umfang als zur Auswirkung der untergeordneten Lebensgeister und zur Leitung der bloß sinnlichen Verrichtungen unbedingt notwendig ist. Goethe sucht schon damals den Unterschied des Menschen von den Tieren nicht in irgend einem einzelnen, sondern in dem verschiedenen Grade der Vollkommenheit, den das gleiche Grundgebilde in dem einen oder anderen Falle erreicht. Es schwebt ihm bereits das Bild eines Typus vor, der sowohl bei den Tieren wie beim Menschen sich findet, der bei den ersteren so ausgebildet ist, daß der ganze Bau den animalischen Funktionen dient, während bei letzterem der Bau das Grundgerüste für die Entwicklung des Geistes abgibt.
[ 9 ] Aus solchen Betrachtungen heraus erwächst Goethes Spezialstudium der Anatomie. Am 22. Januar 1776 berichtet er an Lavater: «Der Herzog hat mir sechs Schädel kommen lassen, habe herrliche Bemerkungen gemacht, die Euer Hochwürden zu Diensten stehen, wenn dieselben Sie nicht ohne mich fanden.» Im Tagebuche Goethes lesen wir unter dem i Oktober 1781, daß er in Jena mit dem alten Einsiedel Anatomie trieb und in demselben Jahre fing er an, sich von Loder in diese Wissenschaft genauer einführen zu lassen. Er erzählt davon in Briefen an Frau von Stein vom 29. Oktober 1781 und an den Herzog vom 4. November. Er hat auch die Absicht, den jungen Leuten an der Zeichenakademie «das Skelett zu erklären und sie zur Kenntnis des menschlichen Körpers anzuführen». - «Ich tue es», sagt er, «um meinet- und ihretwillen; die Methode, die ich gewählt habe, wird sie diesen Winter über völlig mit den Grundsäulen des Körpers bekannt machen. » Er hat, wie aus dem Tagebuch zu ersehen, diese Vorlesungen auch gehalten. Auch mit Loder hat er in dieser Zeit über den Bau des menschlichen Körpers manches Gespräch geführt. Und wieder ist es seine allgemeine Naturansicht, die als treibende Kraft und als eigentliches Ziel dieser Studien erscheint. Er behandelt die« Knochen als einen Text, woran sich alles Leben und alles Menschliche anhängen läßt» (Briefe an Lavater und Merck vom 14. November 1781). Vorstellungen über das Wirken des Organischen, über den Zusammenhang der menschlichen Bildung mit der tierischen beschäftigen damals seinen Geist. Daß der menschliche Bau nur die höchste Stufe des tierischen ist, und daß er durch diesen vollkommeneren Grad des Tierischen die sittliche Welt aus sich hervorbringt, ist eine Idee, die bereits in der Ode «das Göttliche »vom Jahre 1782 niedergelegt ist.
Edel sei der Mensch,
Hilfreich und gut!
Denn das allein
Unterscheidet ihn
Von allen Wesen,
Die wir kennen.- - - - - -
Nach ewigen, ehrnen,
Großen Gesetzen
Müssen wir alle
Unsers Daseins
Kreise vollenden.
[ 10 ] Die «ewigen, ehrnen Gesetze» wirken im Menschen gerade so wie in der übrigen Organismenwelt; sie erreichen in ihm nur eine Vollkommenheit, durch die es ihm möglich ist, «edel, hilfreich und gut» zu sein.
[ 11 ] Während in Goethe sich solche Ideen immer mehr festsetzten, arbeitete Herder an seinen «Ideen zu einer Philosophie der Geschichte der Menschheit». Alle Gedanken dieses Buches wurden von den beiden durchgesprochen. Goethe war von Herders Auffassung der Natur befriedigt. Sie fiel mit seinen eigenen Vorstellungen zusammen. «Herders Schrift macht wahrscheinlich, daß wir erst Pflanzen und Tiere waren... Goethe grübelt jetzt gar denkreich in diesen Dingen und jedes, was erst durch seine Vorstellung gegangen ist, wird äußerst interessant», schreibt am 1. Mai 1784 Frau von Stein an Knebel. Wie sehr man berechtigt ist, von Herders Ideen auf die Goethes zu schließen, zeigen die Worte, die Goethe am 8. Dez. 1783 an Knebel richtet: «Herder schreibt eine Philosophie der Geschichte, wie Du Dir denken kannst, von Grund aus neu. Die ersten Kapitel haben wir vorgestern zusammen gelesen, sie sind köstlich.» Sätze wie die folgenden liegen ganz in Goethes Denkrichtung. «Das Menschengeschlecht ist der große Zusammenfluß niederer organischer Kräfte.» « Und so können wir den vierten Satz annehmen: daß der Mensch ein Mittelgeschöpf unter den Tieren, d. i. die ausgearbeitete Form sei, in der sich die Zuge aller Gattungen um ihn her im feinsten Inbegriff sammeln.»
[ 12 ] Mit solchen Vorstellungen war allerdings die Ansicht der damaligen Anatomen nicht zu vereinigen, daß der kleine Knochen, den die Tiere in der oberen Kinnlade haben, der Zwischenkiefer, der die oberen Schneidezähne enthält, dem Menschen fehle. Sömmering, einer der bedeutendsten Anatomen der damaligen Zeit, schrieb am 8. Oktober 1782 an Merck: «Ich wünschte, daß Sie Blumenbach nachsähen, wegen des ossis intermaxillaris, der ceteris paribus der einzige Knochen ist, den alle Tiere vom Affen an, selbst der Orang-Utang eingeschlossen, haben, der sich hingegen nie beim Menschen findet; wenn Sie diesen Knochen abrechnen, so fehlt Ihnen nichts, um nicht alles vom Menschen auf die Tiere transferieren zu können. Ich lege deshalb einen Kopf von einer Hirschkuh bei, um Sie zu überzeugen, daß dieses os intermaxillare (wie es Blumenbach) oder os incisivum (wie es Camper nennt) selbst bei Tieren vorhanden ist, die keine Schneidezähne in der oberen Kinnlade haben.» Das war die allgemeine Meinung der Zeit. Auch der berühmte Camper, für den Merck und Goethe die innigste Verehrung hatten, bekannte sich zu ihr. Der Umstand, daß der Zwischenknochen beim Menschen links und rechts mit den Oberkieferknochen verwachsen ist, ohne daß bei einem normal gebildeten Individuum eine deutliche Grenze zu sehen ist, hat zu dieser Ansicht geführt. Hätten die Gelehrten recht gehabt mit derselben, dann wäre es unmöglich, ein gemeinsames Urbild für den Bau des tierischen und menschlichen Organismus aufzustellen; eine Grenze zwischen den beiden Formen müßte angenommen werden. Der Mensch wäre nicht nach dem Urbilde geschaffen, das auch den Tieren zu Grunde liegt. Dieses Hindernis seiner Weltanschauung mußte Goethe hinwegräumen. Es gelang ihm im Frühling 1784 in Gemeinschaft mit Loder. Nach seinem allgemeinen Grundsatze, «daß die Natur kein Geheimnis habe, was sie nicht irgendwo dem aufmerksamen Beobachter nackt vor die Augen stellt», ging Goethe vor. Er fand bei einzelnen abnorm gebildeten Schädeln die Grenze zwischen Ober- und Zwischenkiefer wirklich vorhanden. Freudig berichtet er von dem Fund am 27. März an Herder und Frau von Stein. An Herder schreibt er: «Es soll Dich auch herzlich freuen, denn es ist wie der Schlußstein zum Menschen, fehlt nicht, ist auch da! Aber wie! Ich habe mirs auch in Verbindung mit Deinem Ganzen gedacht, wie schön es da wird.» Und als Goethe die Abhandlung, die er über die Sache geschrieben hat, im November 1784 an Knebel schickt, deutet er die Bedeutung, die er der Entdeckung für seine ganze Vorstellungswelt beilegt, mit den Worten an: «Ich habe mich enthalten, das Resultat, worauf schon Herder in seinen Ideen deutet, schon jetzt merken zu lassen, daß man nämlich den Unterschied des Menschen vom Tier in nichts einzelnem finden könne.» Goethe konnte erst Vertrauen zu seiner Naturansicht gewinnen, als die irrtümliche Ansicht über das fatale Knöchelchen beseitigt war. Er gewann allmählich den Mut, seine Ideen über die Art, wie die Natur, mit einer Hauptform gleichsam spielend, das mannigfaltige Leben hervorbringt, «auf alle Reiche der Natur, auf ihr ganzes Reich auszudehnen». In diesem Sinne schreibt er im Jahre 1786 an Frau von Stein.
[ 13 ] Immer lesbarer wird Goethe das Buch der Natur, nachdem er den einen Buchstaben richtig entziffert hat. «Mein langes Buchstabieren hat mir geholfen, jetzt wirkts auf einmal und meine stille Freude ist unaussprechlich», schreibt er der Frau von Stein am 15. Mai 1785. Er hält sich jetzt auch bereits für fähig, eine kleine botanische Abhandlung für Knebel zu schreiben. Die Reise, die er 1785 nach Karlsbad mit diesem zusammen unternimmt, wird zu einer förmlichen botanischen Studienreise. Nach der Rückkehr werden mit Hilfe Linnés die Reiche der Pilze, Moose, Flechten und Algen durchgegangen. Er teilt am 9. November der Frau von Stein mit: «Ich lese Linné fort, denn ich muß wohl, ich habe kein anderes Buch. Es ist das die beste Art, ein Buch gewiß zu lesen, die ich öfters praktizieren muß, besonders da ich nicht leicht ein Buch auslese. Dieses ist aber vorzüglich nicht zum Lesen, sondern zum Rekapitulieren gemacht und tut mir nun treffliche Dienste, da ich über die meisten Punkte selbst gedacht habe.» Während dieser Studien bekommt auch die Grundform, aus welcher die Natur alle mannigfaltigen Pflanzengebilde herausarbeitet, einzelne, wenn auch noch nicht deutliche Umrisse in seinem Geiste. In einem Briefe an die Frau von Stein vom 9. Juli 1786 sind die Worte enthalten: «Es ist ein Gewahrwerden der wesentlichen Form, mit der die Natur gleichsam nur immer spielt und spielend das mannigfaltige Leben hervorbringt.»
[ 14 ] Im April und Mai 1786 beobachtete Goethe durch das Mikroskop die niederen Organismen, die sich in Aufgüssen verschiedener Substanzen (Pisangmark, Kaktus, Trüffeln, Pfefferkörnern, Tee, Bier usw.) entwickeln. Er notiert sorgfältig die Vorgänge, die er an diesen Lebewesen beobachtet und verfertigt Zeichnungen dieser organischen Formen (vgl. Goethes naturwissenschaftliche Schriften in der Sophien-Ausgabe, 2. Abteilung, Band 7, S.289-309). Man kann auch aus diesen Notizen ersehen, daß Goethe der Erkenntnis des Lebens nicht durch solche Beobachtung niederer und einfacher Organismen näher zu kommen sucht. Es ist ganz offenbar, daß er die wesentlichen Züge der Lebensvorgänge an den höheren Organismen ebenso zu erfassen glaubt, wie an den niederen. Er ist der Ansicht, daß sich an dem Infusionstierchen dieselbe Art von Gesetzmäßigkeit wiederholt, die das Auge des Geistes an dem Hund wahrnimmt. Die Beobachtung durch das Mikroskop lehrt nur Vorgänge kennen, die im Kleinen das sind, was das unbewaffnete Auge im Großen sieht. Sie bietet eine Bereicherung der sinnlichen Erfahrung. Einer höheren Art des Anschauens, nicht einer Verfolgung der den Sinnen zugänglichen Vorgänge bis in ihre kleinsten Bestandteile, offenbart sich das Wesen des Lebens. Goethe sucht dieses Wesen durch die Betrachtung der höheren Pflanzen und Tiere zu erkennen. Er würde diese Erkenntnis ohne Zweifel in derselben Weise gesucht haben, auch wenn zu seiner Zeit die Pflanzen- und Tieranatomie schon ebenso weit vorgeschritten gewesen wäre, wie sie gegenwärtig ist. Wenn Goethe die Zellen, aus denen sich der Pflanzen- und Tierkörper aufbaut, hätte beobachten können, so würde er erklärt haben, daß sich an diesen elementaren organischen Formen dieselbe Gesetzmäßigkeit zeigt, die auch am Zusammengesetzten wahrzunehmen ist. Er hätte sich durch dieselben Ideen, durch die er sich die Lebensvorgänge der höheren Organismen erklärte, auch die Erscheinungen an diesen kleinen Wesen begreiflich gemacht.
[ 15 ] Den lösenden Gedanken des Rätsels, das ihm die organische Bildung und Umbildung aufgegeben hat, findet Goethe erst in Italien. Am 3. September verläßt er Karlsbad, um nach dem Süden zu gehen. In wenigen, aber bedeutsamen Sätzen schildert er in seiner «Geschichte meines botanischen Studiums » (Kürschner, Band 33, S. 61 ff.) die Gedanken, welche die Beobachtung der Pflanzenwelt in ihm aufregt bis zu dem Augenblicke, da ihm in Sizilien eine klare Vorstellung darüber sich offenbart, wie es möglich ist, daß den Pflanzenformen «bei einer eigensinnigen, generischen und spezifischen Hartnäckigkeit eine glückliche Mobilität und Biegsamkeit verliehen ist, um in so viele Bedingungen, die über dem Erdkreis auf sie einwirken, sich zu fügen und darnach bilden und umbilden zu können». Beim Übergang über die Alpen, im botanischen Garten von Padua und an anderen Orten zeigte sich ihm das «Wechselhafte der Pflanzengestalten». «Wenn in der tiefern Gegend Zweige und Stengel stärker und mastiger waren, die Augen näher aneinander standen und die Blätter breit waren, so wurden höher ins Gebirge hinauf Zweige und Stengel zarter, die Augen rückten auseinander, so daß von Knoten zu Knoten ein größerer Zwischenraum stattfand und die Blätter sich lanzenförmiger bildeten. Ich bemerkte dies bei einer Weide und einer Gentiana und überzeugte mich, daß es nicht etwa verschiedene Arten wären. Auch am Walchensee bemerkte ich längere und schlankere Binsen, als im Unterland» (Italienische Reise, 8. Sept.). Am 8. Oktober findet er in Venedig am Meere verschiedene Pflanzen, an denen ihm die Wechselbeziehung des Organischen zu seiner Umgebung besonders anschaulich wird. «Sie sind alle zugleich mastig und streng, saftig und zäh, und es ist offenbar, daß das alte Salz des Sandbodens, mehr aber die salzige Luft ihnen diese Eigenschaften gibt; sie strotzen von Säften wie Wasserpflanzen, sie sind fest und zäh wie Bergpflanzen; wenn ihre Blätterenden eine Neigung zu Stacheln haben, wie Disteln tun, sind sie gewaltig spitz und stark. Ich fand einen solchen Busch Blätter; es schien mir unser unschuldiger Huflattig, hier aber mit scharfen Waffen bewaffnet, und das Blatt wie Leder, so auch die Samenkapseln, die Stiele, alles mastig und fett» (Italienische Reise). Im botanischen Garten zu Padua bekommt der Gedanke in Goethes Geiste eine bestimmtere Gestalt, wie man sich alle Pflanzengestalten vielleicht aus einer entwickeln könne (Italienische Reise, 27. Sept.); im November teilt er Knebel mit: «So freut mich doch mein bißchen Botanik erst recht in diesen Landen, wo eine frohere, weniger unterbrochene Vegetation zu Hause ist. Ich habe schon recht artige, ins allgemeine gehende Bemerkungen gemacht, die auch Dir in der Folge angenehm sein werden.» Am 25. März 1787 kommt ihm eine «gute Erleuchtung über botanische Gegenstände». Er bittet Herdern zu sagen, daß er mit der Urpflanze bald zustande sei. Nur fürchtet er, «daß niemand die übrige Pflanzenwelt darin wird erkennen wollen » (Italienische Reise). Am ,7. April geht er mit dem «festen, ruhigen Vorsatz, seine dichterischen Träume fortzusetzen, nach dem öffentlichen Garten». Allein ehe er sichs versieht, erhascht ihn das Pflanzenwesen wie ein Gespenst. «Die vielen Pflanzen, die ich sonst nur in Kübeln und Töpfen, ja die größte Zeit des Jahres nur hinter Glasfenstern zu sehen gewohnt war, stehen hier froh und frisch unter freiem Himmel, und indem sie ihre Bestimmung vollkommen erfüllen, werden sie uns deutlicher. Im Angesicht so vielerlei neuen und erneuten Gebildes, fiel mir die alte Grille wieder ein: ob ich nicht unter dieser Schar die Urpflanze entdecken könnte? Eine solche muß es denn doch geben! woran würde ich sonst erkennen, daß dieses oder jenes Gebilde eine Pflanze sei, wenn sie nicht alle nach einem Muster gebildet wären.» Er bemüht sich, die abweichenden Gestalten zu unterscheiden, aber immer wieder werden seine Gedanken zu dem einen Urbild, das ihnen allen zu Grunde liegt, hingelenkt (Italienische Reise, 7. April 1787). Goethe legt sich ein botanisches Tagebuch an, in dem er alle während der Reise über das Pflanzenreich gemachten Erfahrungen und Reflexionen einzeichnet (vgl. Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 7, S.273 ff.). Diese Tagebuchblätter zeigen, wie unermüdlich er damit beschäftigt ist, Pflanzenexemplare ausfindig zu machen, die geeignet sind, auf die Gesetze des Wachstums und der Fortpflanzung hinzuleiten. Glaubt er irgend einem Gesetze auf der Spur zu sein, so stellt er es zunächst in hypothetischer Form auf, um es sich dann im Verlauf seiner weiteren Erfahrungen bestätigen zu lassen. Die Vorgänge der Keimung, der Befruchtung, des Wachstums notiert er sorgfältig. Daß das Blatt das Grundorgan der Pflanze ist, und daß die Formen aller übrigen Pflanzenorgane am besten zu verstehen sind, wenn man sie als umgewandelte Blätter betrachtet, leuchtet ihm immer mehr ein. Er schreibt in das Tagebuch: «Hypothese: Alles ist Blatt und durch diese Einfachheit wird die größte Mannigfaltigkeit möglich.» Und am ,7. Mai teilt er Herder mit: « Ferner muß ich Dir vertrauen, daß ich dem Geheimnis der Pflanzenzeugung und Organisation ganz nahe bin, und daß es das Einfachste ist, was nur gedacht werden kann. Unter diesem Himmel kann man die schönsten Beobachtungen machen. Den Hauptpunkt, wo der Keim steckt, habe ich ganz klar und zweifellos gefunden; alles übrige sehe ich auch schon im Ganzen und nur einige Punkte müssen bestimmter werden. Die Urpflanze wird das wunderlichste Geschöpf von der Welt, um welches mich die Natur selbst beneiden soll. Mit diesem Modell und dem Schlüssel dazu kann man alsdann noch Pflanzen ins unendliche erfinden, die konsequent sein müssen, das heißt: die, wenn sie auch nicht existieren, doch existieren könnten, und nicht etwa malerische oder dichterische Schatten und Scheine sind, sondern eine innerliche Wahrheit und Notwendigkeit haben. Dasselbe Gesetz wird sich auf alles übrige Lebendige anwenden lassen..... «Vorwärts und rückwärts ist die Pflanze immer nur Blatt, mit dem künftigen Keime so unzertrennlich vereint, daß man eins ohne das andere nicht denken darf Einen solchen Begriff zu fassen, zu ertragen, ihn in der Natur aufzufinden, ist eine Aufgabe, die uns in einen peinlich süßen Zustand versetzt» (Italienische Reise).
[ 16 ] Goethe nimmt zur Erklärung der Lebenserscheinungen einen Weg, der gänzlich verschieden ist von denen, welche die Naturforscher gewöhnlich gehen. Diese scheiden sich in zwei Parteien. Es gibt Verteidiger einer in den organischen Wesen wirkenden Lebenskraft, die gegenüber anderen Naturursachen eine besondere, höhere Kräfteform darstellt. Wie es Schwerkraft, chemische Anziehung und Abstoßung, Magnetismus usw. gibt, so soll es auch eine Lebenskraft geben, welche die Stoffe des Organismus in eine solche Wechselwirkung bringt, daß dieser sich erhalten, wachsen, nähren und fortpflanzen kann. Die Naturforscher, welche dieser Meinung sind, sagen: in dem Organismus wirken dieselben Kräfte wie in der übrigen Natur; aber sie wirken nicht wie in einer leblosen Maschine. Sie werden von der Lebenskraft gleichsam eingefangen und auf eine höhere Stufe des Wirkens gehoben. Den Bekennern dieser Meinung stehen andere Naturforscher gegenüber, welche glauben, daß in den Organismen keine besondere Lebenskraft wirke. Sie halten die Lebenserscheinungen für komplizierte chemische und physikalische Vorgänge und geben sich der Hoffnung hin, daß es einst vielleicht gelingen werde, einen Organismus ebenso durch Zurückführung auf unorganische Kraftwirkungen zu erklären wie eine Maschine. Die erste Ansicht wird als Vitalismus, die andere als Mechanismus bezeichnet. Von beiden ist die Goethesche Auffassungsweise durchaus verschieden. Daß in dem Organismus noch etwas anderes wirksam ist, als die Kräfte der unorganischen Natur, erscheint ihm selbstverständlich. Zur mechanischen Auffassung der Lebenserscheinungen kann er sich nicht bekennen. Ebensowenig sucht er, um die Wirkungen im Organismus zu erklären, nach einer besonderen Lebenskraft. Er ist überzeugt, daß zur Erfassung der Lebensvorgänge eine Anschauung gehört, die anderer Art ist als diejenige, durch welche die Erscheinungen der unorganischen Natur wahrgenommen werden. Wer zur Annahme einer Lebenskraft sich entschließt, der sieht zwar ein, daß die organischen Wirkungen nicht mechanisch sind, aber es fehlt ihm zugleich die Fähigkeit, jene andere Art der Anschauung in sich auszubilden, durch die ihm das Organische erkennbar werden könnte. Die Vorstellung der Lebenskraft bleibt dunkel und unbestimmt. Ein neuerer Anhänger des Vitalismus, Gustav Bunge, meint: «In der kleinsten Zelle - da stecken schon alle Rätsel des Lebens drin, und bei der Erforschung der kleinsten Zelle - da sind wir mit den bisherigen Hilfsmitteln bereits an der Grenze angelangt» («Vitalismus und Mechanismus», Leipzig 1886, S. 7). Es ist durchaus im Sinne der Goetheschen Denkweise, darauf zu antworten: Dasjenige Anschauungsvermögen, welches nur das Wesen der unorganischen Erscheinungen erkennt, ist mit seinen Hilfsmitteln an der Grenze angelangt, die überschritten werden muß, um das Lebendige zu erfassen. Dieses Anschauungsvermögen wird aber nie innerhalb seines Bereiches Mittel finden, die zur Erklärung des Lebens auch nur der kleinsten Zelle geeignet sein können. Wie zur Wahrnehmung der Farbenerscheinungen das Auge gehört, so gehört zur Auffassung des Lebens die Fähigkeit, in dem Sinnlichen ein Übersinnliches unmittelbar anzuschauen. Dieses Übersinnliche wird demjenigen immer entschlüpfen, der nur die Sinne auf die organischen Formen richtet. Goethe sucht die sinnliche Anschauung der Pflanzengestalten auf eine höhere Art zu beleben und sich die sinnliche Form einer übersinnlichen Urpflanze vorzustellen (vgl.« Geschichte meines botanischen Studiums»in Kürschner, Band 33, S.80). Der Vitalist nimmt seine Zuflucht zu dem inhaltleeren Begriff der Lebenskraft, weil er das, was seine Sinne im Organismus nicht wahrnehmen können, überhaupt nicht sieht. Goethe sieht das Sinnliche von einem Übersinnlichen so durchdrungen, wie eine gefärbte Fläche von der Farbe.
[ 17 ] Die Anhänger des Mechanismus sind der Ansicht, daß es einmal gelingen könne, lebende Substanzen auf künstlichem Wege aus unorganischen Stoffen herzustellen. Sie sagen, vor noch nicht vielen Jahren wurde behauptet, daß es im Organismus Substanzen gebe, die nicht auf künstlichem Wege, sondern nur durch die Wirkung der Lebenskraft entstehen können. Gegenwärtig ist man bereits imstande, einige dieser Substanzen künstlich im Laboratorium zu erzeugen. Ebenso könne es dereinst möglich sein, aus Kohlensäure, Ammoniak, Wasser und Salzen ein lebendiges Eiweiß herzustellen, welches die Grundsubstanz der einfachsten Organismen ist. Dann, meinen die Mechanisten, werde unbestreitbar erwiesen sein, daß Leben nichts weiter ist, als eine Kombination unorganischer Vorgänge, der Organismus nichts weiter als eine auf natürlichem Wege entstandene Maschine.
[ 18 ] Vom Standpunkte der Goetheschen Weltanschauung ist darauf zu erwidern: die Mechanisten sprechen ineiner Weise von Stoffen und Kräften, die durch keine Erfahrung gerechtfertigt ist. Und man hat sich an diese Weise zu sprechen so gewöhnt, daß es sehr schwer wird, diesen Begriffen gegenüber die reinen Aussprüche der Erfahrung geltend zu machen. Man betrachte aber doch einen Vorgang der Außenwelt unbefangen. Man nehme ein Quantum Wasser von einer bestimmten Temperatur. Wodurch weiß man etwas von diesem Wasser? Man sieht es an und bemerkt, daß es einen Raum einnimmt und zwischen bestimmten Grenzen eingeschlossen ist. Man steckt den Finger oder ein Thermometer hinein, und findet es mit einem bestimmten Grade von Wärme behaftet. Man drückt gegen seine Oberfläche und erfährt, daß es flüssig ist. Das sind Aussprüche, welche die Sinne über den Zustand des Wassers machen. Nun erhitze man das Wasser. Es wird sieden und zuletzt sich in Dampf verwandeln. Wieder kann man sich durch die Wahrnehmung der Sinne von den Beschaffenheiten des Körpers, des Dampfes, in den sich das Wasser verwandelt hat, Kenntnis verschaffen. Statt das Wasser zu erhitzen, kann man es dem elektrischen Strom unter gewissen Bedingungen aussetzen. Es verwandelt sich in zwei Körper, Wasserstoff und Sauerstoff. Auch über die Beschaffenheit dieser beiden Körper kann man sich durch die Aussagen der Sinne belehren. Man nimmt also in der Körperwelt Zustände wahr und beobachtet zugleich, daß diese Zustände unter gewissen Bedingungen in andere übergehen. Über die Zustände unterrichten die Sinne. Wenn man noch von etwas anderem als von Zuständen, die sich verwandeln, spricht, so beschränkt man sich nicht mehr auf den reinen Tatbestand, sondern man fügt zu demselben Begriffe hinzu. Sagt man, der Sauerstoff und der Wasserstoff, die sich durch den elektrischen Strom aus dem Wasser entwickelt haben, seien schon im Wasser enthalten gewesen, nur so innig miteinander verbunden, daß sie in ihrer Selbständigkeit nicht wahrzunehmen waren, so hat man zu der Wahrnehmung einen Begriff hinzugefügt, durch den man sich das Hervorgehen der beiden Körper aus dem einen erklärt. Und wenn man weitergeht und behauptet, Sauerstoff und Wasserstoff seien Stoffe, was man schon durch die Namen tut, die man ihnen beilegt, so hat man ebenfalls zu dem Wahrgenommenen einen Begriff hinzugefügt. Denn tatsächlich ist in dem Raume, der vom Sauerstoff eingenommen wird, nur eine Summe von Zuständen wahrzunehmen. Zu diesen Zuständen denkt man den Stoff hinzu, an dem sie haften sollen. Was man von dem Sauerstoff und dem Wasserstoff in dem Wasser schon vorhanden denkt, das Stoffliche, ist ein Gedachtes, das zu dem Wahmehmungsinhalt hinzugefügt ist. Wenn man Wasserstoff und Sauerstoff durch einen chemischen Prozeß zu Wasser vereinigt, so kann man beobachten, daß eine Summe von Zuständen in eine andere übergeht. Wenn man sagt: es haben sich zwei einfache Stoffe zu einem zusammengesetzten vereinigt, so hat man eine begriffliche Auslegung des Beobachtungsinhaltes versucht. Die Vorstellung« Stoff» erhält ihren Inhalt nicht aus der Wahrnehmung, sondern aus dem Denken. Ein ähnliches wie vom «Stoffe» gilt von der «Kraft». Man sieht einen Stein zur Erde fallen. Was ist der Inhalt der Wahrnehmung? Eine Summe von Sinneseindrücken, Zuständen, die an aufeinanderfolgenden Orten auftreten. Man sucht sich diese Veränderung in der Sinnenwelt zu erklären, und sagt: die Erde ziehe den Stein an. Sie habe eine «Kraft», durch die sie ihn zu sich hinzwingt. Wieder hat unser Geist eine Vorstellung zu dem Tatbestande hinzugefügt und derselben einen Inhalt gegeben, der nicht aus der Wahrnehmung stammt. Nicht Stoffe und Kräfte nimmt man wahr, sondern Zustände und deren Übergänge in einander. Man erklärt sich diese Zustandsänderungen durch Hinzufügung von Begriffen zu den Wahrnehmungen.
[ 19 ] Man nehme einmal an, es gebe ein Wesen, das Sauerstoff und Wasserstoff wahrnehmen könnte, nicht aber Wasser. Wenn wir vor den Augen eines solchen Wesens den Sauerstoff und Wasserstoff zu Wasser vereinigten, so verschwänden vor ihm die Zustände, die es an den beiden Stoffen wahrgenommen hat, in nichts. Wenn wir ihm nun die Zustände auch beschrieben, die wir am Wasser wahrnehmen: es könnte sich von ihnen keine Vorstellung machen. Das beweist, daß in den Wahrnehmungsinhalten des Sauerstoffes nichts liegt, aus dem der Wahrnehmungsinhalt Wasser abzuleiten ist. Ein Ding besteht aus zwei oder mehreren anderen, heißt: es haben sich zwei oder mehrere Wahrnehmungsinhalte in einen zusammenhängenden, aber den ersteren gegenüber durchaus neuen, verwandelt.
[ 20 ] Was wäre also erreicht, wenn es gelänge, Kohlensäure, Ammoniak, Wasser und Salze künstlich zu einer lebenden Eiweißsubstanz im Laboratorium zu vereinigen? Man wüßte, daß die Wahrnehmungsinhalte der vielerlei Stoffe sich zu einem Wahmehmungsinhalt vereinigen können. Aber dieser Wahmehmungsinhalt ist aus jenen durchaus nicht abzuleiten. Der Zustand des lebenden Eiweißes kann nur an diesem selbst beobachtet, nicht aus den Zuständen der Kohlensäure, des Ammoniaks, des Wassers und der Salze herausentwickelt werden. Im Organismus hat man etwas von den unorganischen Bestandteilen, aus denen er aufgebaut werden kann, völlig verschiedenes vor sich. Die sinnlichen Wahrnehmungsinhalte verwandeln sich bei der Entstehung des Lebewesens in sinnlich-übersinnliche. Und wer nicht die Fähigkeit hat, sich sinnlich-übersinnliche Vorstellungen zu machen, der kann von dem Wesen eines Organismus ebensowenig etwas wissen, wie jemand vom Wasser etwas erfahren könnte, wenn ihm die sinnliche Wahrnehmung desselben unzugänglich wäre.
[ 21 ] Die Keimung, das Wachstum, die Umwandlung der Organe, die Ernährung und Fortpflanzung des Organismus sich als sinnlich-übersinnlichen Vorgang vorzustellen, war Goethes Bestreben bei seinen Studien über die Pflanzen- und die Tierwelt. Er bemerkte, daß dieser sinnlich-übersinnliche Vorgang in der Idee bei allen Pflanzen derselbe ist, und daß er nur in der äußeren Erscheinung verschiedene Formen annimmt. Dasselbe konnte Goethe für die Tierwelt feststellen. Hat man die Idee der sinnlich-übersinnlichen Urpflanze in sich ausgebildet, so wird man sie in allen einzelnen Pflanzenformen wiederfinden. Die Mannigfaltigkeit entsteht dadurch, daß das der Idee nach Gleiche in der Wahrnehmungswelt in verschiedenen Gestalten existieren kann. Der einzelne Organismus besteht aus Organen, die auf ein Grundorgan zurückzuführen sind. Das Grundorgan der Pflanze ist das Blatt mit dem Knoten, an dem es sich entwickelt. Dieses Organ nimmt in der äußeren Erscheinung verschiedene Gestalten an: Keimblatt, Laubblatt, Kelchblatt, Kronenblatt usw. «Es mag nun die Pflanze sprossen, blühen oder Früchte bringen, so sind es doch nur immer die selbigen Organe, welche in vielfältigen Bestimmungen und unter oft veränderten Gestalten die Vorschrift der Natur erfüllen.»
[ 22 ] Um ein vollständiges Bild der Urpflanze zu erhalten, mußte Goethe die Formen im allgemeinen verfolgen, welche das Grundorgan im Fortgang des Wachstums einer Pflanze von der Keimung bis zur Samenreife durchmacht. Im Anfang ihrer Entwicklung ruht die ganze Pflanzengestalt in dem Samen. In diesem hat die Urpflanze eine Gestalt angenommen, durch die sie ihren ideellen Inhalt gleichsam in der äußeren Erscheinung verbirgt.
Einfach schlief in dem Samen die Kraft; ein beginnendes Vorbild
Lag, verschlossen in sich, unter die Hülle gebeugt,
Blatt und Wurzel und Keim, nur halb geformet und farblos
Trocken erhält so der Kern ruhiges Leben bewahrt,
Quillet strebend empor, sich milder Feuchte vertrauend,
Und erhebt sich sogleich aus der umgebenden Nacht.Kürschner, Band 33, S.105
[ 23 ] Aus dem Samen entwickelt die Pflanze die ersten Organe, die Kotyledonen, nachdem sie «ihre Hüllen mehr oder weniger in der Erde» zurückgelassen und «die Wurzel in den Boden » befestigt hat. Und nun folgt im weiteren Verlaufe des Wachstums Trieb auf Trieb; Knoten auf Knoten türmt sich übereinander, und an jedem Knoten findet sich ein Blatt. Die Blätter erscheinen in verschiedenen Gestalten. Die unteren noch einfach, die oberen mannigfach gekerbt, eingeschnitten, aus mehreren Blättchen zusammengesetzt. Die Urpflanze breitet auf dieser Stufe der Entwicklung ihren sinnlich-übersinnlichen Inhalt im Raume als äußere sinnliche Erscheinung aus. Goethe stellt sich vor, daß die Blätter ihre fortschreitende Ausbildung und Verfeinerung dem Lichte und der Luft schuldig sind. «Wenn wir jene in der verschlossenen Samenhülle erzeugten Kotyledonen, mit einem rohen Safte nur gleichsam ausgestopft, fast gar nicht oder nur grob organisiert und ungebildet finden, so zeigen sich uns die Blätter der Pflanzen, welche unter dem Wasser wachsen, gröber organisiert als andere, der freien Luft ausgesetzte; ja, sogar entwickelt die selbige Pflanzenart glättere und weniger verfeinerte Blätter, wenn sie in tiefen, feuchten Orten wächst, da sie hingegen, in höhere Gegenden versetzt, rauhe, mit Haaren versehene, feiner ausgebildete Blätter hervorbringt.» (Kürschner, Band 33, S.25 f.) In der zweiten Epoche des Wachstums zieht die Pflanze wieder in einen engeren Raum zusammen, was sie vorher ausgebreitet hat.
Mäßiger leitet sie nun den Saft, verengt die Gefäße,
Und gleich zeigt die Gestalt zärtere Wirkungen an.
Stille zieht sich der Trieb der strebenden Ränder zurücke,
Und die Rippe des Stiels bildet sich völliger aus.
Blattlos aber und schnell erhebt sich der zärtere Stengel,
Und ein Wundergebild zieht den Betrachtenden an.
Rings im Kreise stellet sich nun, gezählet und ohne
Zahl, das kleinere Blatt neben dem ähnlichen hin.
Um die Achse gedrängt, entscheidet der bergende Kelch sich,
Der zur höchsten Gestalt farbige Kronen entläßt.
[ 24 ] Im Kelch zieht sich die Pflanzengestalt zusammen; in der Blumenkrone breitet sie sich wieder aus. Nun folgt die nächste Zusammenziehung in den Staubgefäßen und dem Stempel, den Organen der Fortpflanzung. Die Bildungskraft der Pflanze entwickelte sich in den vorhergehenden Wachstumsperioden in einerlei Organen als Trieb, das Grundgebilde zu wiederholen. Dieselbe Kraft verteilt sich auf dieser Stufe der Zusammenziehung auf zwei Organe. Das Getrennte sucht sich wieder zusammenzufinden. Dies geschieht im Befruchtungsvorgang. Der in dem Staubgefäß vorhandene männliche Blütenstaub vereinigt sich mit der weiblichen Substanz, die im Stempel enthalten ist; und damit ist der Keim zu einer neuen Pflanze gegeben. Goethe nennt die Befruchtung eine geistige Anastomose und sieht in ihr nur eine andere Form des Vorgangs, der in der Entwicklung von einem Knoten zum andern stattfindet. «An allen Körpern, die wir lebendig nennen, bemerken wir die Kraft, ihresgleichen hervorzubringen. Wenn wir diese Kraft geteilt gewahr werden, bezeichnen wir sie unter dem Namen der beiden Geschlechter.» (Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 6, S.361.) Von Knoten zu Knoten bringt die Pflanze ihresgleichen hervor. Denn Knoten und Blatt sind die einfache Form der Urpflanze. In dieser Form heißt die Hervorbringung Wachstum. Ist die Fortpflanzungskraft auf zwei Organe verteilt, so spricht man von zwei Geschlechtern. Auf diese Weise glaubt Goethe die Begriffe von Wachstum und Zeugung einander näher gerückt zu haben. In dem Stadium der Fruchtbildung erlangt die Pflanze ihre letzte Ausdehnung; in dem Samen erscheint sie wieder zusammengezogen. In diesen sechs Schritten vollendet die Natur einen Kreis der Pflanzenentwicklung, und sie beginnt den ganzen Vorgang wieder von vorne. In dem Samen sieht Goethe nur eine andere Form des Auges, das sich an den Laubblättern entwickelt. Die aus den Augen sich entfaltenden Seitenzweige sind ganze Pflanzen, die, statt in der Erde, auf einer Mutterpflanze stehen. Die Vorstellung von dem sich stufenweise, wie auf einer «geistigen Leiter » vom Samen bis zur Frucht sich umbildenden Grundorgan ist die Idee der Urpflanze. Gleichsam um die Verwandlungsfähigkeit des Grundorgans für die sinnliche Anschauung zu beweisen, läßt die Natur unter gewissen Bedingungen auf einer Stufe statt des Organs, das nach dem regelmäßigen Wachstumsverlaufe entstehen sollte, ein anderes sich entwickeln. Bei den gefüllten Mohnen z. B. treten an der Stelle, wo die Staubgefäße entstehen sollten, Blumenblätter auf Das Organ, das der Idee nach zum Staubgefäß bestimmt war, ist ein Blumenblatt geworden. In dem Organ, das im regelmäßigen Fortgang der Pflanzenentwicklung eine bestimmte Form hat, ist die Möglichkeit enthalten, auch eine andere anzunehmen.
[ 25 ] Als Illustration seiner Idee von der Urpflanze betrachtet Goethe das Bryophyllum calicinum, die gemeine Keim-Zumpe, eine Pflanzenart, die von den Molukkeninseln nach Kalkutta und von da nach Europa gekommen ist. Aus den Kerben der fetten Blätter dieser Pflanzen entwickeln sich frische Pflänzchen, die, nach ihrer Ablösung, zu vollständigen Pflanzen auswachsen. Goethe sieht in diesem Vorgang sinnlich-anschaulich dargestellt, daß in dem Blatte eine ganze Pflanze der Idee nach ruht (vgl. Goethes Bemerkungen über das Bryophyllum calicinum in der Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band VI, S. 336 ff.).
[ 26 ] Wer die Vorstellung der Urpflanze in sich ausbildet und so beweglich erhält, daß er sie in allen möglichen Formen denken kann, die ihr Inhalt zuläßt, der kann mit ihrer Hilfe sich alle Gestaltungen im Pflanzenreiche erklären. Er wird die Entwicklung der einzelnen Pflanze begreifen; aber er wird auch finden, daß alle Geschlechter, Arten und Varietäten nach diesem Urbilde geformt sind. Diese Anschauung hat Goethe in Italien ausgebildet und in seiner 1790 erschienenen Schrift: «Versuch, die Metamorphose der Pflanzen zu erklären» niedergelegt.
[ 27 ] Auch in der Entwicklung seiner Ideen über den menschlichen Organismus schreitet Goethe in Italien vor. Am 20 Januar [1787] schreibt er an Knebel: «Auf Anatomie bin ich so ziemlich vorbereitet, und ich habe mir die Kenntnis des menschlichen Körpers, bis auf einen gewissen Grad, nicht ohne Mühe erworben. Hier wird man durch die ewige Betrachtung der Statuen immerfort, aber auf eine höhere Weise, hingewiesen. Bei unserer medizinisch-chirurgischen Anatomie kommt es bloß darauf an, den Teil zu kennen, und hierzu dient auch wohl ein kümmerlicher Muskel. In Rom aber wollen die Teile nichts heißen, wenn sie nicht zugleich eine edle schöne Form darbieten. - In dem großen Lazarett San Spirito hat man den Künstlern zulieb einen sehr schönen Muskelkörper dergestalt bereitet, daß die Schönheit desselben in Verwunderung setzt. Er könnte wirklich für einen geschundenen Halbgott, für einen Marsyas gelten. - So pflegt man auch, nach Anleitung der Alten, das Skelett nicht als eine künstlich zusammengereihte Knochenmasse zu studieren, vielmehr zugleich mit den Bändern, wodurch es schon Leben und Bewegung erhält.» Auch nach seiner Rückkehr aus Italien treibt Goethe fleißig anatomische Studien. Es drängt ihn, die Bildungsgesetze der tierischen Gestalt ebenso zu erkennen, wie ihm dies für diejenigen der Pflanze gelungen war. Er ist überzeugt, daß auch die Einheit des Tier-Organismus auf einem Grundorgan beruht, welches in der äußeren Erscheinung verschiedene Formen annehmen kann. Verbirgt sich die Idee des Grund-Organs, so erscheint dieses ungeformt. Es stellt dann die einfacheren Organe des Tieres dar; bemächtigt sich die Idee des Stoffes so, daß sie ihn sich völlig ähnlich macht, dann entstehen die höheren, die edleren Organe. Was in den einfacheren Organen der Idee nach vorhanden ist, das schließt sich in den höheren nach außen auf. Es ist Goethe nicht geglückt glückt, die Gesetzmäßigkeit der ganzen tierischen Gestalt in eine einzige Vorstellung zu fassen, wie er es für die Pflanzenform erreicht hat. Nur für einen Teil dieser Gestalt hat er das Bildungsgesetz gefunden, für das Rückenmark und Gehirn mit den diese Organe einschließenden Knochen. In dem Gehirn sieht er eine höhere Ausbildung des Rückenmarks. Jedes Nervenzentrum der Ganglien gilt ihm als ein auf niederer Stufe stehengebliebenes Gehirn. (Vgl. Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 8, S. 360) Und die das Gehirn einschließenden Schädelknochen deutet er als Umformungen der Wirbelknochen, die das Rückenmark umhüllen. Daß er die hintern Schädelknochen (Hinterhauptbein, hinteres und vorderes Keilbein) als drei umgebildete Wirbel anzusehen hat, ist ihm schon früher aufgegangen; für die vorderen Schädelknochen behauptet er dasselbe, als er im Jahre 1790 auf den Dünen des Lido einen Schafschädel findet, der so glücklich geborsten ist, daß in dem Gaumbein, der oberen Kinnlade und dem Zwischenknochen drei Wirbel in verwandelter Gestalt unmittelbar sinnlich sich darzustellen scheinen.
[ 28 ] Die Anatomie der Tiere war zu Goethes Zeit noch nicht so weit vorgeschritten, daß er ein Lebewesen hätte anführen können, welches wirklich an Stelle von entwickelten Schädelknochen Wirbel hat und das also im sinnlichen Bilde das zeigt, was bei den vollkommenen Tieren nur der Idee nach vorhanden ist. Durch die Untersuchungen Carl Gegenbauers, die im Jahre 1872 veröffentlicht worden sind, ist es gelungen, eine solche Tierform anzugeben. Die Urfische oder Selachier haben Schädelknochen und ein Gehirn, die sich deutlich als Endglieder der Wirbelsäule und des Rückenmarkes erweisen. Nach dem Befund an diesen Tieren scheint allerdings eine größere Zahl von Wirbeln in die Kopfbildung eingegangen zu sein (mindestens neun), als Goethe angenommen hat. Dieser Irrtum über die Zahl der Wirbel und auch noch die Tatsache, daß im Embryonalzustand der Schädel der höheren Tiere keine Spur einer Zusammensetzung aus wirbelartigen Teilen zeigt, sondern sich aus einer einfachen knorpeligen Blase entwickelt, ist gegen den Wert der Goetheschen Idee von der Umwandlung des Rückenmarks und der Wirbelsäule angeführt worden. Man gibt zwar zu, daß der Schädel aus Wirbeln entstanden ist. Aber man leugnet, daß die Kopfknochen in der Form, in der sie sich bei den höheren Tieren zeigen, umgebildete Wirbel seien. Man sagt, daß eine vollkommene Verschmelzung der Wirbel zu einer knorpeligen Blase stattgefunden habe, in der die ursprüngliche Wirbelstruktur vollständig verschwunden sei. Aus dieser Knorpelkapsel haben sich dann die Knochenformen herausgebildet, die an höheren Tieren wahrzunehmen sind. Diese Formen haben sich nicht nach dem Urbilde des Wirbels gebildet, sondern entsprechend den Aufgaben, die sie am entwickelten Kopfe zu erfüllen haben. Man hätte also, wenn man nach einem Erklärungsgrund für irgendeine Schädelknochenform sucht, nicht zu fragen: wie hat sich ein Wirbel umgebildet, um zu dem Kopfknochen zu werden; sondern welche Bedingungen haben dazu geführt, daß sich diese oder jene Knochengestalt aus der einfachen Knorpelkapsel herausgetrennt hat? Man glaubt an die Bildung neuer Gestalten, nach neuen Bildungsgesetzen, nachdem die ursprüngliche Wirbelform in eine strukturlose Kapsel aufgegangen ist. Ein Widerspruch zwischen dieser Auffassung und der Goetheschen kann nur vom Standpunkte des Tatsachenfanatismus aus gefunden werden. Was in der Knorpelkapsel des Schädels nicht mehr sinnlich wahrnehmbar ist, die Wirbelstruktur, ist in ihr gleichwohl der Idee nach vorhanden und tritt wieder in die Erscheinung, sobald die Bedingungen dazu vorhanden sind. In der knorpeligen Schädelkapsel verbirgt sich die Idee des wirbelförmigen Grundorgans innerhalb der sinnlichen Materie; in den ausgebildeten Schädelknochen tritt sie wieder in die äußere Erscheinung.
[ 29 ] Goethe hofft, daß sich ihm die Bildungsgesetze der übrigen Teile des tierischen Organismus in derselben Weise offenbaren werden, wie es diejenigen des Gehirns, Rückenmarks und ihrer Umhüllungsorgane getan haben. Über die am Lido gemachte Entdeckung läßt er am 30.April 1790 Herdern durch Frau von Kalb sagen, daß er «der Tiergestalt und ihren mancherlei Umbildungen um eine ganze Formel näher gerückt ist, und zwar durch den sonderbarsten Zufall» (Goethe an Frau von Kalb). Er glaubt, seinem Ziele so nahe zu sein, daß er noch in demselben Jahre, das ihm den Fund gebracht hat, eine Schrift über die tierische Bildung vollenden will, die sich der «Metamorphose der Pflanzen» an die Seite stellen läßt. (Briefwechsel mit Knebel, S. 98.) In Schlesien, wohin er im Juli 1790 reist, treibt er Studien zur vergleichenden Anatomie und beginnt an einem Aufsatz « Über die Gestalt der Tiere» zu schreiben. (Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 8, S. 261 ff.) Es ist Goethe nicht gelungen, von dem glücklich gewonnenen Ausgangspunkte aus zu den Bildungsgesetzen der ganzen Tiergestalt fortzuschreiten. So viel Ansätze er auch dazu macht, den Typus der tierischen Gestalt zu finden: etwas der Idee der Urpflanze Analoges ist nicht zustande gekommen. Er vergleicht die Tiere untereinander und mit dem Menschen und sucht ein allgemeines Bild des tierischen Baues zu gewinnen, nach welchem, als einem Muster, die Natur die einzelnen Gestalten formt. Eine lebendige Vorstellung, die sich nach den Grundgesetzen der tierischen Bildung mit einem Gehalt erfüllt und so das Urtier der Natur gleichsam nachschafft, ist dieses allgemeine Bild des tierischen Typus nicht. Ein allgemeiner Begriff ist es nur, der von den besonderen Erscheinungen abgezogen ist. Er stellt das Gemeinsame in den mannigfaltigen Tierformen fest; aber er enthält nicht die Gesetzmäßigkeit der Tierheit.
Alle Glieder bilden sich aus nach ew'gen Gesetzen,
Und die seltenste Form bewahrt im Geheimen das Urbild.Gedicht «Die Metamorpbose der Tiere»
[ 30 ] Wie dieses Urbild durch gesetzmäßige Umformung eines Grundgliedes sich als vielgliedrige Urform des tierischen Organismus entwickelt, davon konnte Goethe eine einheitliche Vorstellung nicht entwickeln. Sowohl der Versuch über «die Gestalt der Tiere» als auch der 1795 in Jena entstandene «Entwurf einer vergleichenden Anatomie, ausgehend von der Osteologie» und seine spätere ausführlichere Gestalt «Vorträge über die drei ersten Kapitel des Entwurfs einer allgemeinen Einleitung in die vergleichende Anatomie» (1796) enthalten nur Anleitungen darüber, wie die Tiere zweckmäßig zu vergleichen sind, um ein allgemeines Schema zu gewinnen, nach dem die schaffende Gewalt die «organischen Naturen erzeugt und entwickelt »,eine Norm, nach welcher die «Beschreibungen auszuarbeiten» und auf welche, «indem solche von der Gestalt der verschiedenen Tiere abgezogen wäre, die verschiedensten Gestalten wieder zurückzuführen» sind (vgl. die genannten «Vorträge»). Bei der Pflanze hingegen hat Goethe gezeigt, wie ein Urgebilde durch aufeinanderfolgende Modifikationen sich gesetzmäßig zu der vollkommenen organischen Gestalt ausbildet.
[ 31 ] Wenn er auch nicht die schaffende Naturgewalt in ihrer Bildungs- und Umbildungskraft durch die verschiedenen Glieder des tierischen Organismus hindurch verfolgen konnte, so ist es Goethe doch gelungen, einzelne Gesetze zu finden, an die sich die Natur bei der Bildung der tierischen Formen hält, welche die allgemeine Norm zwar festhalten, doch aber in der Erscheinung verschieden sind. Er stellt sich vor, daß die Natur nicht die Fähigkeit habe, das allgemeine Bild beliebig zu verändern. Wenn sie in einer Form ein Glied in besonders vollkommener Form ausbildet, so kann dies nur auf Kosten eines andern geschehen. Im Urorganismus sind alle Glieder enthalten, die bei irgendeinem Tiere vorkommen können. Bei der einzelnen Tierform ist das eine ausgebildet, das andere nur angedeutet; das eine besonders vollkommen entwickelt, das andere vielleicht für die sinnliche Beobachtung gar nicht wahrzunehmen. Für den letzteren Fall ist Goethe überzeugt, daß in jedem Tiere das, was von dem allgemeinen Typus an ihm nicht sichtbar, doch in der Idee vorhanden ist.
Siehst du also dem einen Geschöpf besonderen Vorzug
Irgend gegönnt, so frage nur gleich, wo leidet es etwa
Mangel anderswo, und suche mit forschendem Geiste.
Finden wirst du sogleich zu aller Bildung den Schlüssel,
Denn so hat kein Tier, dem sämtliche Zähne den obern
Kiefer umzäunen, ein Horn auf seiner Stirne getragen,
Und daher ist den Löwen gehörnt der ewigen Mutter
Ganz unmöglich zu bilden und böte sie alle Gewalt auf:
Denn sie hat nicht Masse genug, die Reihen der Zähne
Völlig zu pflanzen und auch ein Geweih und Hörner zu
treiben.«Die Metamotphose der Tiere»
[ 32 ] Im Urorganismus sind alle Glieder ausgebildet und halten sich das Gleichgewicht; die Mannigfaltigkeit des Einzelnen entsteht dadurch, daß die Kraft der Bildung sich auf das eine Glied wirft und dafür ein anderes in der äußeren Erscheinung gar nicht oder nur andeutungsweise entwikkelt. Dieses Gesetz des tierischen Organismus nennt man heute das von der Korrelation oder Kompensation der Organe.
[ 33 ] Goethe denkt sich in der Urpflanze die ganze Pflanzenwelt, in dem Urtiere die ganze Tierwelt der Idee nach enthalten. Aus diesem Gedanken entsteht die Frage: wie kommt es, daß in dem einen Falle diese bestimmten Pflanzen- oder Tierformen, in dem andern Falle andere entstehen? Unter welchen Bedingungen wird aus dem Urtiere ein Fisch? Unter welchen ein Vogel? Goethe findet zur Erklärung des Baues der Organismen in der Wissenschaft eine Vorstellungsart vor, die ihm zuwider ist. Die Anhänger dieser Vorstellungsart fragen bei jedem Organ: wozu dient es dem Lebewesen, an dem es vorkommt? Einer solchen Frage liegt der allgemeine Gedanke zugrunde, daß ein göttlicher Schöpfer oder die Natur jedem Wesen einen bestimmten Lebenszweck vorgesetzt und ihm dann einen solchen Bau gegeben habe, daß es diesen Zweck erfüllen könnte. Goethe findet eine solche Frage ebenso ungereimt, wie etwa die: zu welchem Zwecke bewegt sich eine elastische Kugel, wenn sie von einer anderen gestoßen wird? Eine Erklärung der Bewegung kann nur gegeben werden durch Auffinden des Gesetzes, nach welchem die Kugel durch einen Stoß oder eine andere Ursache in Bewegung versetzt worden ist. Man fragt nicht: wozu dient die Bewegung der Kugel, sondern: woher entspringt sie? Ebenso soll man, nach Goethes Meinung, nicht fragen: wozu hat der Stier Hörner, sondern: wie kann er Hörner haben. Durch welche Gesetze tritt in dem Stier das Urtier als hörnertragende Form auf? Goethe hat die Idee der Urpflanze und des Urtiers gesucht, um in ihnen die Erklärungsgründe für die Mannigfaltigkeit der organischen Formen zu finden. Die Urpflanze ist das schaffende Element in der Pflanzenwelt. Will man eine einzelne Pflanzenart erklären, so muß man zeigen, wie dieses schaffende Element in dem besonderen Falle wirkt. Die Vorstellung, ein organisches Wesen verdanke seine Gestalt nicht den in ihm wirkenden und bildenden Kräften, sondern sie sei ihm zu gewissen Zwecken von außen aufgedrängt, wirkt auf Goethe geradezu abstoßend. Er schreibt: «Neulich fand ich in einer leidig apostolisch-kapuzinermäßigen Deklamation des Züricher Propheten die unsinnigen Worte: Alles, was Leben hat, lebt durch etwas außer sich. Oder so ungefähr klang's. Das kann nun so ein Heidenbekehrer hinschreiben, und bei der Revision zupft ihn der Genius nicht beim Ärmel.» (Italienische Reise, 5.Oktober 1787.) Goethe denkt sich das organische Wesen als eine kleine Welt, die durch sich selbst da ist und sich nach ihren Gesetzen gestaltet. «Die Vorstellungsart, daß ein lebendiges Wesen zu gewissen Zwecken nach außen hervorgebracht und seine Gestalt durch eine absichtliche Urkraft dazu determiniert werde, hat uns in der philosophischen Betrachtung der natürlichen Dinge schon mehrere Jahrhunderte aufgehalten, und hält uns noch auf, obgleich einzelne Männer diese Vorstellungsart eifrig bestritten, die Hindernisse, welche sie in den Weg legt, gezeigt haben... Es ist, wenn man sich so ausdrücken darf, eine triviale Vorstellungsart, die eben deswegen, wie alle trivialen Dinge, trivial ist, weil sie der menschlichen Natur im ganzen bequem und zureichend ist.» (Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 7, S. 217 f.) Es ist allerdings bequem zu sagen: ein Schöpfer hat bei Erschaffung einer organischen Art einen gewissen Zweckgedanken zu Grunde gelegt, und ihr deswegen eine bestimmte Gestalt gegeben. Goethe will aber die Natur nicht aus den Absichten irgendeines außer der Natur befindlichen Wesens, sondern aus den in ihr selbst liegenden Bildungsgesetzen erklären. Eine einzelne organische Form entsteht dadurch, daß Urpflanze oder Urtier in einem besonderen Falle sich eine bestimmte Gestalt geben. Diese Gestalt muß eine solche sein, daß die Form innerhalb der Bedingungen, in denen sie lebt, auch leben kann. «... die Existenz eines Geschöpfes, das wir Fisch nennen, sei nur unter der Bedingung eines Elementes, das wir Wasser nennen, möglich ...» (Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 7, S. 221.) Will Goethe begreifen, welche Bildungsgesetze eine bestimmte organische Form hervorbringen, so hält er sich an seinen Urorganismus. In ihm liegt die Kraft, sich in den mannigfaltigsten äußeren Gestalten zu verwirklichen. Um einen Fisch zu erklären, würde Goethe untersuchen, welche Bildungskräfte das Urtier anwendet, um von allen Gestalten, die der Idee nach in ihm liegen, gerade die Fischgestalt hervorzubringen. Würde das Urtier innerhalb gewisser Verhältnisse sich in einer Gestalt verwirklichen, in der es nicht leben kann, so ginge es zugrunde. Erhalten kann sich eine organische Form innerhalb gewisser Lebensbedingungen nur, wenn es denselben angepaßt ist.
Also bestimmt die Gestalt die Lebensweise des Tieres,
Und die Weise zu leben, sie wirkt auf alle Gestalten
Mächtig zurück. So zeigt sich fest die geordnete Bildung,
Welche zum Wechsel sich neigt durch äußerlich wirkende Wesen«Die Metamorphose der Tiere»
[ 34 ] Die in einem gewissen Lebenselemente dauernden organischen Formen sind durch die Natur dieses Elementes bedingt. Wenn eine organische Form aus einem Lebenselemente in ein anderes käme, so müßte sie sich entsprechend verändern. Das wird in bestimmten Fällen eintreten können, denn der ihr zugrunde liegende Urorganismus hat die Fähigkeit, sich in unzähligen Gestalten zu verwirklichen. Die Umwandlung der einen Form in die andere ist aber, nach Goethes Ansicht, nicht so zu denken, daß die äußeren Verhältnisse die Form unmittelbar nach sich umbilden, sondern so, daß sie die Veranlassung werden, durch die sich die innere Wesenheit verwandelt. Veränderte Lebensbedingungen reizen die organische Form, sich nach inneren Gesetzen in einer gewissen Weise umzubilden. Die äußeren Einflüsse wirken mittelbar, nicht unmittelbar auf die Lebewesen. Unzählige Lebensformen sind in Urpflanze und Urtier der Idee nach enthalten; diejenigen kommen zur tatsächlichen Existenz, auf welche äußere Einflüsse als Reize wirken.
[ 35 ] Die Vorstellung, daß eine Pflanzen- oder Tierart sich im Laufe der Zeiten durch gewisse Bedingungen in eine andere verwandle, hat innerhalb der Goetheschen Naturanschauung ihre volle Berechtigung. Goethe stellt sich vor, daß die Kraft, welche im Fortpflanzungsvorgang ein neues Individuum hervorbringt, nur eine Umwandlung derjenigen Kraftform ist, die auch die fortschreitende Umbildung der Organe im Verlaufe des Wachstums bewirkt. Die Fortpflanzung ist ein Wachstum über das Individuum hinaus. Wie das Grundorgan während des Wachstums eine Folge von Veränderungen durchläuft, die der Idee nach gleich sind, so kann auch bei der Fortpflanzung eine Umwandlung der äußeren Gestalt unter Festhaltung des ideellen Urbildes stattfinden. Wenn eine ursprüngliche Organismenform vorhanden war, so konnten die Nachkommen derselben im Laufe großer Zeiträume durch allmähliche Umwandlung in die gegenwärtig die Erde bevölkernden mannigfaltigen Formen übergehen. Der Gedanke einer tatsächlichen Blutsverwandtschaft aller organischen Formen fließt aus den Grundanschauungen Goethes. Er hätte ihn sogleich nach der Konzeption seiner Ideen von Urtier und Urpflanze in vollkommener Form aussprechen können. Aber er drückt sich, wo er diesen Gedanken berührt, zurückhaltend, ja unbestimmt aus. In dem Aufsatz: «Versuch einer allgemeinen Vergleichungslehre», der nicht lange nach der «Metamorphose der Pflanzen» entstanden sein dürfte, ist zu lesen: «Und wie würdig ist es der Natur, daß sie sich immer derselben Mittel bedienen muß, um ein Geschöpf hervorzubringen und es zu ernähren! So wird man auf eben diesen Wegen fortschreiten und, wie man nur erst die unorganisierten, undeterminierten Elemente als Vehikel der unorganisierten Wesen angesehen, so wird man sich nunmehr in der Betrachtung erheben und wird die organisierte Welt wieder als einen Zusammenhang von vielen Elementen ansehen. Das ganze Pflanzenreich zum Exempel wird uns wieder als ein ungeheures Meer erscheinen, welches ebensogut zur bedingten Existenz der Insekten nötig ist als das Weltmeer und die Flüsse zur bedingten Existenz der Fische, und wir werden sehen, daß eine ungeheure Anzahl lebender Geschöpfe in diesem Pflanzenozean geboren und ernährt werde, ja wir werden zuletzt die ganze tierische Welt wieder nur als ein großes Element ansehen, wo ein Geschlecht auf dem andern und durch das andere, wo nicht entsteht, doch sich erhält.» Rückhaltloser ist folgender Satz der «Vorträge über die drei ersten Kapitel des Entwurfs einer allgemeinen Einleitung in die vergleichende Anatomie»(1796): «Dies also hätten wir gewonnen, ungeschult behaupten zu können: daß alle vollkommeneren organischen Naturen, worunter wir Fische, Amphibien, Vögel, Säugetiere und an der Spitze der letzten den Menschen sehen, alle nach einem Urbilde geformt seien, das nur in seinen beständigen Teilen mehr oder weniger hin- und hersieht und sich noch täglich durch Fortpflanzung aus- und umbildet.» Goethes Vorsicht dem Umwandlungsgedanken gegenüber ist begreiflich. Der Zeit, in welcher er seine Ideen ausbildete, war dieser Gedanke nicht fremd. Aber sie hatte ihn in der wüstesten Weise ausgebildet. «Die damalige Zeit (schreibt Goethe 1807, vgl. Kürschner, Band 33, S. 15) jedoch war dunkler, als man es sich jetzt vorstellen kann. Man behauptete zum Beispiel, es hänge nur vom Menschen ab, bequem auf allen Vieren zu gehen, und Bären, wenn sie sich eine Zeitlang aufrecht hielten, könnten zu Menschen werden. Der verwegene Diderot wagte gewisse Vorschläge, wie man ziegenfüßige Faune hervorbringen könne, um solche in Livre'e, zu besonderem Staat und Auszeichnung, den Großen und Reichen auf die Kutsche zu stiften.» Mit solchen unklaren Vorstellungen wollte Goethe nichts zu tun haben. Ihm lag daran, eine Idee von den Grundgesetzen des Lebendigen zu gewinnen. Dabei wurde ihm klar, daß die Gestalten des Lebendigen nichts Starres, Unveränderliches, sondern daß sie in einer fortwährenden Umbildung begriffen sind. Wie diese Umbildung sich im einzelnen vollzieht, festzustellen, dazu fehlten ihm die Beobachtungen. Erst Darwins Forschungen und Haeckels geistvolle Reflexionen haben einiges Licht auf die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse einzelner organischer Formen geworfen. Vom Standpunkte der Goetheschen Weltanschauung kann man sich den Behauptungen des Darwinismus gegenüber, soweit sie das tatsächliche Hervorgehen einer organischen Art aus der andern betreffen, nur zustimmend verhalten. Goethes Ideen dringen aber tiefer in das Wesen des Organischen ein als der Darwinismus der Gegenwart. Dieser glaubt die im Organischen gelegenen inneren Triebkräfte, die sich Goethe unter dem sinnlich-übersinnlichen Bilde vorstellt, entbehren zu können. Ja, er spricht Goethe sogar die Berechtigung ab, von seinen Voraussetzungen aus von einer wirklichen Umwandlung der Organe und Organismen zu sprechen. Jul. Sachs weist Goethes Gedanken mit den Worten zurück, er übertrage «die vom Verstand vollzogene Abstraktion auf das Objekt selbst, indem er diesem eine Metamorphose zuschreibt, die sich im Grunde genommen nur in unserem Begriffe vollzogen hat.» Goethe soll, nach dieser Ansicht, nichts weiter getan haben, als Laubblätter, Kelchblätter, Blumenblätter usw. unter einen allgemeinen Begriff gebracht und mit dem Namen Blatt bezeichnet haben. «Ganz anders freilich wäre die Sache, wenn ... wir annehmen dürften, daß bei den Vorfahren der uns vorliegenden Pflanzenform die Staubfäden gewöhnliche Blätter waren usw.» (Sachs, «Geschichte der Botanik» 1875, S.169). Diese Ansicht entspringt dem Tatsachenfanatismus, der nicht einsehen kann, daß die Ideen ebenso objektiv zu den Dingen gehören, wie das, was man mit den Sinnen wahrnehmen kann. Goethe ist der Ansicht, daß von Verwandlung eines Organes in das andere nur gesprochen werden kann, wenn beide außer ihrer äußeren Erscheinung noch etwas enthalten, das ihnen gemeinsam ist. Das ist die sinnlich-übersinnliche Form. Das Staubgefäß einer uns vorliegenden Pflanzenform kann nur dann als das umgewandelte Blatt der Vorfahren bezeichnet werden, wenn in beiden die gleiche sinnlich-übersinnliche Form lebt. Ist das nicht der Fall, entwickelt sich an der uns vorliegenden Pflanzenform einfach an derselben Stelle ein Staubgefäß, an der sich bei den Vorfahren ein Blatt entwickelt hat, dann hat sich nichts verwandelt, sondern es ist an die Stelle des einen Organes ein anderes getreten. Der Zoologe Oskar Schmidt fragt: «Was sollte denn auch nach Goethes Anschauung umgebildet werden? Das Urbild doch wohl nicht» («War Goethe Darwinianer?» Graz 1871, S. 22). Gewiß wandelt sich nicht das Urbild um, denn dieses Ist ja in allen Formen das gleiche. Aber eben weil dieses gleich bleibt, können die äußeren Gestalten verschieden sein und doch ein einheitliches Ganzes darstellen. Könnte man nicht in zwei auseinander entwickelten Formen das gleiche ideelle Urbild erkennen, so könnte keine Beziehung zwischen ihnen angenommen werden. Erst durch die Vorstellung der ideellen Urform kann man mit der Behauptung, die organischen Formen entstehen durch Umbildung auseinander, einen wirklichen Sinn verbinden. Wer nicht zu dieser Vorstellung sich erhebt, der bleibt innerhalb der bloßen Tatsachen stecken. In ihr liegen die Gesetze der organischen Entwicklung. Wie durch Keplers drei Grundgesetze die Vorgänge im Sonnensystem begreiflich sind, so durch Goethes ideelle Urbilder die Gestalten der organischen Natur.
[ 36 ] Kant, der dem menschlichen Geiste die Fähigkeit abspricht, ein Ganzes ideell zu durchdringen, durch welches ein Mannigfaltiges in der Erscheinung bestimmt wird, nennt es ein «gewagtes Abenteuer der Vernunft », wenn jemand die einzelnen Formen der organischen Welt aus einem Urorganismus erklären wolle. Für ihn ist der Mensch nur imstande, die mannigfaltigen Einzelerscheinungen in einen allgemeinen Begriff zusammenzufassen, durch den sich der Verstand ein Bild macht von der Einheit. Dieses Bild ist aber nur im menschlichen Geiste vorhanden und hat nichts zu tun mit der schaffenden Gewalt, durch welche die Einheit wirklich die Mannigfaltigkeit aus sich hervorgehen läßt. Das «gewagte Abenteuer der Vernunft» bestände darin, daß jemand annehme, die Erde ließe aus ihrem Mutterschoß erst einfache Organismen von minder zweckmäßiger Bildung hervorgehen, die aus sich zweckmäßigere Formen gebären. Daß ferner aus diesen noch höhere sich entwickeln, bis hinauf zu den vollkommensten Lebewesen. Wenn auch jemand eine solche Annahme machte, meint Kant, so könne er doch nur eine absichtsvolle Schöpferkraft zu Grunde legen, welche der Entwicklung einen solchen Anstoß gegeben hat, daß sich alle ihre einzelnen Glieder zweckmäßig entwickeln. Der Mensch nimmt eben eine Vielheit mannigfaltiger Organismen wahr; und da er nicht in sie hineindringen kann, um zu sehen, wie sie sich selbst eine Form geben, die dem Lebenselement angepaßt ist, in dem sie sich entwickeln, so muß er sich vorstellen, sie seien von außen her so eingerichtet, daß sie innerhalb ihrer Bedingungen leben können. Goethe legt sich die Fähigkeit bei, zu erkennen, wie die Natur aus dem Ganzen das Einzelne, aus dem Innern das Äußere schafft. Was Kant «Abenteuer der Vernunft» nennt, will er deshalb mutig bestehen (vgl. den Aufsatz «Anschauende Urteilskraft», Kürschner, Bd. 33, S.115 f.). Wenn wir keinen anderen Beweis dafür hätten, daß Goethe den Gedanken einer Blutsverwandtschaft aller organischen Formen innerhalb der hier angedeuteten Grenzen als berechtigt anerkennt, wir müßten es aus diesem Urteil über Kants «Abenteuer der Vernunft» folgern.
[ 37 ] Ein noch vorhandener skizzenhafter «Entwurf einer Morphologie»läßt erraten, daß Goethe den Plan hatte, die besonderen Gestalten in ihrer Stufenfolge darzustellen, die seine Urpflanze und sein Urtier in den Hauptformen der Lebewesen annehmen (vgl. Sophien-Ausgabe, z. Abt., Band 6, S.321). Er wollte zuerst das Wesen des Organischen schildern, wie es ihm bei seinem Nachdenken über Tiere und Pflanzen aufgegangen. Dann «aus einem Punkte ausgehend» zeigen, wie das organische Urwesen sich nach der einen Seite zu der mannigfaltigen Pflanzenwelt, nach der anderen zu der Vielheit der Tierformen entwickelt, wie die besonderen Formen der Würmer, Insekten, der höheren Tiere und die Form des Menschen aus dem allgemeinen Urbilde abgeleitet werden können. Auch auf die Physiognomik und Schädellehre sollte ein Licht fallen. Die äußere Gestalt im Zusammenhange mit den inneren geistigen Fähigkeiten darzustellen, machte sich Goethe zur Aufgabe. Es drängte ihn, den organischen Bildungstrieb, der sich in den niederen Organismen in einer einfachen äußeren Erscheinung darbietet, zu verfolgen in seinem Streben, sich stufenweise in immer vollkommeneren Gestalten zu verwirklichen, bis er sich in dem Menschen eine Form gibt, die diesen zum Schöpfer der geistigen Erzeugnisse geeignet macht.
[ 38 ] Dieser Plan Goethes ist ebensowenig zur Ausführung gekommen, wie ein anderer, zu dem das Fragment «Vorarbeiten zu einer Physiologie der Pflanzen» ein Anlauf ist (vgl. Sophien-Ausgabe, 2. Abt., Band 6, S. 286 ff.). Goethe wollte zeigen, wie alle einzelnen Zweige des Naturerkennens: Naturgeschichte, Naturlehre, Anatomie, Chemie, Zoonomie und Physiologie zusammenwirken müssen, um von einer höheren Anschauungsweise dazu verwendet zu werden, Gestalten und Vorgänge der Lebewesen zu erklären. Er wollte eine neue Wissenschaft, eine allgemeine Morphologie der Organismen aufstellen, «zwar nicht dem Gegenstande nach, denn derselbe ist bekannt, sondern der Ansicht und der Methode nach, welche sowohl der Lehre selbst eine eigene Gestalt geben muß, als ihr auch gegen andere Wissenschaften ihren Platz anzuweisen hat ...». Was die Anatomie, Naturgeschichte, Naturlehre, Chemie, Zoonomie, Physiologie an einzelnen Naturgesetzen darbieten, soll von der lebendigen Vorstellung des Organischen ebenso aufgenommen und auf eine höhere Stufe gestellt werden, wie das Lebewesen selbst die einzelnen Naturvorgänge in den Kreis seiner Bildung aufnimmt und auf eine höhere Stufe des Wirkens stellt.
[ 39 ] Goethe ist zu den Ideen, die ihm durch das Labyrinth der lebendigen Gestalten durchhalfen, auf eigenen Wegen gelangt. Die herrschenden Anschauungen über wichtige Gebiete des Naturwirkens widersprachen seiner allgemeinen Weltanschauung. Deshalb mußte er sich selbst über solche Gebiete Vorstellungen ausbilden, die seinem Wesen gemäß waren. Er war aber überzeugt, daß es nichts Neues unter der Sonne gebe, und daß man «gar wohl in Überlieferungen schon angedeutet finden könne, was man selbst gewahr wird». Er teilt gelehrten Freunden aus diesem Grund seine Schrift über die «Metamorphose der Pflanzen» mit und bittet sie, ihm darüber Auskunft zu geben, ob über den behandelten Gegenstand schon etwas geschrieben oder überliefert ist. Er hat die Freude, daß in Friedrich August Wolf auf einen «trefflichen Vorarbeiter», Kaspar Friedrich Wolff, aufmerksam macht. Goethe macht sich mit dessen 1759 erschienenen «Theoria generationis» bekannt. Gerade an diesem Vorarbeiter aber ist zu beobachten, wie jemand eine richtige Ansicht über die Tatsachen haben und doch nicht zur vollendeten Idee der organischen Bildung kommen kann, wenn er nicht fähig ist, sich durch ein höheres als das sinnliche Anschauungsvermögen in den Besitz der sinnlich-übersinnlichen Form des Lebens zu setzen. Wolf ist ein ausgezeichneter Beobachter. Er sucht durch mikroskopische Untersuchungen sich über die Anfänge des Lebens aufzuklären. Er erkennt in dem Kelch, der Blumenkrone, den Staubgefäßen, dem Stempel, dem Samen, umgewandelte Blätter. Aber er schreibt die Umwandlung einer allmählichen Abnahme der Lebenskraft zu, die in dem Maße sich vermindern soll, als die Vegetation länger fortgesetzt wird, um endlich ganz zu verschwinden. Kelch, Krone usw. sind ihm daher eine unvollkommene Ausbildung der Blätter. Wolf ist als Gegner Hallers aufgetreten, der die Präformations- oder Einschachtelungslehre vertrat. Nach dieser sollten alle Glieder eines ausgewachsenen Organismus im Keim schon im Kleinen vorgebildet sein, und zwar in derselben Gestalt und gegenseitigen Anordnung wie im vollendeten Lebewesen. Die Entwicklung eines Organismus ist demzufolge nur eine Auswicklung des schon Vorhandenen. Wolf ließ nur das gelten, was er mit Augen sah. Und da der eingeschachtelte Zustand eines Lebewesens auch durch die sorgfältigsten Beobachtungen nicht zu entdecken war, betrachtete er die Entwicklung als eine wirkliche Neubildung. Die Gestalt eines organischen Wesens ist, nach seiner Ansicht, im Keime noch nicht vorhanden. Goethe ist derselben Meinung in Bezug auf die äußere Erscheinung. Auch er lehnt die Einschachtelungslehre Hallers ab. Für Goethe ist der Organismus im Keime zwar vorgebildet, aber nicht der äußeren Erscheinung, sondern der Idee nach. Die äußere Erscheinung betrachtet auch er als eine Neubildung. Aber er wirft Wolf vor, daß dieser da, wo er nichts mit den Augen des Leibes sieht, auch mit Geistesaugen nichts wahrnimmt. Wolf hatte keine Vorstellung davon, daß etwas der Idee nach doch vorhanden sein kann, auch wenn es nicht in die äußere Erscheinung tritt. «Deshalb ist er immer bemüht, auf die Anfänge der Lebensbildung durch mikroskopische Untersuchungen zu dringen, und so die organischen Embryonen von ihrer frühesten Erscheinung bis zur Ausbildung zu verfolgen. Wie vortrefflich diese Methode auch sei, durch die er soviel geleistet hat, so dachte der treffliche Mann doch nicht, daß es ein Unterschied sei zwischen Sehen und Sehen, daß die Geistesaugen mit den Augen des Leibes in stetem lebendigen Bunde zu wirken haben, weil man sonst in Gefahr gerät zu sehen und doch vorbeizusehen. - Bei der Pflanzenverwandlung sah er dasselbige Organ sich immerfort zusammenziehen, sich verkleinern; daß aber dieses Zusammenziehen mit einer Ausdehnung abwechsle, sah er nicht. Er sah, daß es sich an Volum verringere, und bemerkte nicht, daß es sich zugleich veredle, und schrieb daher den Weg zur Vollendung, widersinnig, einer Verkümmerung zu» (Kürschner, Band 33, S.107 f.).
[ 40 ] Bis zu seinem Lebensende stand Goethe mit zahlreichen Naturforschern in persönlichem und schriftlichem Verkehre. Er beobachtete die Fortschritte der Wissenschaft von den Lebewesen mit dem regsten Interesse; er sah mit Freuden, wie in diesem Erkenntnisgebiete Vorstellungsarten Eingang fanden, die sich der seinigen näherten und wie auch seine Metamorphosenlehre von einzelnen Forschern anerkannt und fruchtbar gemacht wurde. Im Jahre 1817 begann er seine Arbeiten zu sammeln und in einer Zeitschrift, die er unter dem Titel «Zur Morphologie» begründete, herauszugeben. Zu einer Weiterbildung seiner Ideen über organische Bildung durch eigene Beobachtung oder Reflexion kam er trotz alledem nicht mehr. Zu einer eingehenderen Beschäftigung mit solchen Ideen fand er sich nur noch zweimal angeregt. In beiden Fällen fesselten ihn wissenschaftliche Erscheinungen, in denen er eine Bestätigung seiner Gedanken fand. Die eine waren die Vorträge, die K. F. Ph.Martius über die «Vertikal- und Spiraltendenz der Vegetation» auf den Naturforscherversammlungen in den Jahren 1828 und 1829 hielt und von denen die Zeitschrift «Isis» Auszüge brachte; die andere ein naturwissenschaftlicher Streit in der französischen Akademie, der im Jahre 1830 zwischen Geoffroy de Saint-Hilaire und Cuvier ausbrach.
[ 41 ] Martius dachte sich das Wachstum der Pflanze von zwei Tendenzen beherrscht, von einem Streben in der senkrechten Richtung, wovon Wurzel und Stengel beherrscht werden; und von einem anderen, wodurch Blätter-, Blütenorgane usw. veranlaßt werden, sich gemäß der Form einer Spirallinie an die senkrechten Organe anzugliedern. Goethe griff diese Ideen auf und brachte sie mit seiner Vorstellung von der Metamorphose in Verbindung. Er schrieb einen längeren Aufsatz (Kürschner, Band 33), in dem er alle seine Erfahrungen über die Pflanzenwelt zusammenstellte, die ihm auf das Vorhandensein der zwei Tendenzen hinzudeuten schienen. Er glaubt, daß er diese Tendenzen in seine Idee der Metamorphose aufnehmen müsse. «Wir mußten annehmen: es walte in der Vegetation eine allgemeine Spiraltendenz, wodurch, in Verbindung mit dem vertikalen Streben, aller Bau, jede Bildung der Pflanzen nach dem Gesetze der Metamorphose vollbracht wird.» Das Vorhandensein der Spiralgefäße in einzelnen Pflanzenorganen faßt Goethe als Beweis auf, daß die Spiraltendenz das Leben der Pflanze durchgreifend beherrscht. «Nichts ist der Natur gemäßer, als daß sie das, was sie im ganzen intentioniert, durch das einzelnste in Wirksamkeit versetzt.» «Man trete zur Sommerzeit vor eine im Gartenboden eingesteckte Stange, an welcher eine Winde (Konvolvel) von unten an sich fortschlängelnd in die Höhe steigt, sich fest anschließend ihr lebendiges Wachstum verfolgt. Man denke sich Konvolvel und Stange, beide gleich lebendig, aus einer Wurzel aufsteigend, sich wechselweise hervorbringend und so unaufhaltsam fortschreitend. Wer sich diesen Anblick in ein inneres Anschauen verwandeln kann, der wird sich den Begriff sehr erleichtert haben. Die rankende Pflanze sucht das außer sich, was sie sich selbst geben sollte und nicht vermag.» Dasselbe Gleichnis wendet Goethe am 5. März 1832 in einem Briefe an den Grafen Sternberg an und setzt die Worte hinzu: «Freilich paßt dies Gleichnis nicht ganz, denn im Anfang mußte die Schlingpflanze um den sich erhebenden Stamm in kaum merklichen Kreisen herauswinden. Je mehr sie sich aber der oberen Spitze näherte, desto schneller mußte die Schraubenlinie sich drehen, um endlich (bei der Blüte) in einem Kreise auf einen Diskus sich zu versammeln, dem Tanze ähnlich, wo man sich in der Jugend gar oft Brust an Brust, Herz an Herz mit den liebenswürdigsten Kindern selbst wider Willen gedrückt sah. Verzeih diese Anthropomorphismen.» Ferdinand Cohn bemerkt zu dieser Stelle: «Hätte Goethe nur noch Darwin erlebt! ... wie würde er sich des Mannes erfreut haben, der durch streng induktive Methode klare und überzeugende Beweise für seine Ideen zu finden wußte ...» Darwin meint, von fast allen Pflanzenorganen zeigen zu können, daß sie in der Zeit ihres Wachstums die Tendenz zu schraubenförmigen Bewegungen haben, die er circummutation nennt.
[ 42 ] Im September 1830 spricht sich Goethe in einem Aufsatz über den Streit der beiden Naturforscher Cuvier und Geoffroy de Saint-Hilaire aus; im März 1832 setzt er diesen Aufsatz fort. Der Tatsachenfanatiker Cuvier trat im Februar und März 1830 in der französischen Akademie gegen die Ausführungen Geoffroy de Saint-Hilaires auf, der, nach Goethes Meinung, zu «einer hohen, der Idee gemäßen Denkweise gelangt» war. Cuvier ist ein Meister im Unterscheiden der einzelnen organischen Formen. Geoffroy bemüht sich, die Analogien in diesen Formen aufzusuchen und den Nachweis zu führen, die Organisation der Tiere sei «einem allgemeinen, nur hier und da modifizierten Plan, woher die Unterscheidung derselben abzuleiten sei, unterworfen». Er strebt die Verwandtschaft der Gesetze zu erkennen und ist der Überzeugung, das Einzelne könne aus dem Ganzen nach und nach entwickelt werden. Goethe betrachtet Geoffroy als Gesinnungsgenossen; er spricht das am 2August 1830 zu Eckermann mit den Worten aus: «Jetzt ist nun auch Geoffroy de Saint-Hilaire entschieden auf unserer Seite und mit ihm alle seine bedeutenden Schüler und Anhänger Frankreichs. Dieses Ereignis ist für mich von ganz unglaublichem Wert und ich juble mit Recht über den endlichen Sieg einer Sache, der ich mein Leben gewidmet habe und die ganz vorzüglich auch die meinige ist.» Geoffroy übt eine Denkweise, die auch die Goethes ist, er sucht in der Erfahrung mit dem sinnlich Mannigfaltigen zugleich auch die Idee der Einheit zu ergreifen; Cuvier hält sich an das Mannigfaltige, an das Einzelne, weil ihm bei dessen Betrachtung die Idee nicht zugleich aufgeht. Geoffroy hat eine richtige Empfindung von dem Verhältnisse des Sinnlichen zur Idee; Cuvier hat sie nicht. Deshalb bezeichnet er Geoffroys umfassendes Prinzip als anmaßlich, ja, erklärt es sogar für untergeordnet. Man kann besonders an Naturforschern die Erfahrung machen, daß sie absprechend über ein «bloß»Ideelles, Gedachtes sprechen. Sie haben kein Organ für das Ideelle und kennen daher dessen Wirkungskreise nicht. Goethe wurde dadurch, daß er dieses Organ in besonders vollkommener Ausbildung besaß, von seiner allgemeinen Weltanschauung aus zu seinen tiefen Einsichten in das Wesen des Lebendigen geführt. Seine Fähigkeit, die Geistesaugen mit den Augen des Leibes in stetem lebendigen Bunde wirken zu lassen, machte es ihm möglich, die einheitliche sinnlich-übersinnliche Wesenheit anzuschauen, die sich durch die organische Entwicklung hindurchzieht, und diese Wesenheit auch da anzuerkennen, wo ein Organ sich aus dem andern herausbildet, durch Umbildung seine Verwandtschaft, seine Gleichheit mit dem vorhergehenden verbirgt, verleugnet und sich in Bestimmung wie in Bildung in dem Grade verändert, daß keine Vergleichung nach äußeren Kennzeichen mehr mit dem vorhergehenden stattfinden könne. (Vgl. den Aufsatz über Joachim Jungius, Kürschner, Band 33.) Das Sehen mit den Augen des Leibes vermittelt die Erkenntnis des Sinnlichen und Materiellen; das Sehen mit Geistesaugen führt zur Anschauung der Vorgänge im menschlichen Bewußtsein, zur Beobachtung der Gedanken-, Gefühls- und Willenswelt; der lebendige Bund zwischen geistigem und leiblichem Auge befähigt zur Erkenntnis des Organischen, das als sinnlich-übersinnliches Element zwischen dem rein Sinnlichen und rein Geistigen in der Mitte liegt.
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Goethe's Conception of the World, Anthroposophical Publishing Co 1928, H. Collison.
VII. The Doctrine of Metamorphosis
[ 1 ] We cannot understand Goethe's relation to the natural sciences if we confine ourselves merely to the single discoveries he made. I take as a guiding point of view for the study of this relation the words which Goethe wrote to Knebel from Italy, 18th August, 1787: “After what I have seen of plants and fishes at Naples and in Sicily I should be tempted, if I were ten years younger, to make a journey to India, not in order to discover anything new, but to observe, in my own way, what has already been discovered.” It appears to. me to be a question of the way in which Goethe coordinated the natural phenomena known to him in a view of Nature in harmony with his mode of thinking. Even if all his individual discoveries had already been made, and he had given us nothing but his view of Nature, this would not detract in the least from the importance of his Nature studies. I am of the same opinion as Du Bois-Reymond that “even without Goethe's participation, science would still be as far advanced as it is to-day” ... that “the steps attained by him would have been attained by others sooner or later.” (Goethe und kein Ende S.31.). I cannot, however, apply these words, as Du Bois-Reymond does, to the sum-total of Goethe's work in natural science. I limit them to the individual discoveries made during the course of his work. In all probability we should not be without a single one of them to-day even if Goethe had never occupied himself with botany, anatomy, and so forth. His view of Nature, however, emanated from his personality; none other could have achieved it. The single discoveries as such did not interest him. They arose of themselves during his studies, because in regard to the facts in question, views prevailed which were not reconcilable with his mode of observation. If he could have built up his views with what natural science had to offer he would never have occupied himself with detailed studies. He had to particularize because what was said to him by the investigators of Nature about the particulars did not correspond with his demands. The individual discoveries were made only accidentally, as it were, during the course of these detailed studies. For instance, the question whether man, like other animals, has an intermaxillary bone in the upper jaw-bone did not at first concern him. He was trying to discover the plan by which Nature develops the series of animals and, at its summit, Man. He wanted to find the common archetype which lies at the basis of all animal species and finally, in its highest perfection, at the basis of the human species also. The Nature investigators said: there is a difference between the structure of the animal body and that of the human body. Animals have the intermaxillary bone in the upper jaw, man has not. Goethe's view was that the human physical structure could only be distinguished from the animal by its degree of perfection, not details. For, if the latter were the case, there could not be a common archetype underlying the animal and the human organisations. He could make nothing of the assertion of the scientists, and so he sought for the intermaxillary bone in man—and found it. Something similar to this can be observed in the case of all his individual discoveries. For him they are never the end in itself; they had to be made in order to justify his ideas concerning natural phenomena.
[ 2 ] In the realms of organic Nature the important thing in Goethe's views is the conception he formed of the nature of life. It is not a question of emphasising the fact that leaf, calyx, corolla, etc., are plant-organs identical with each other and unfolding out of a common basic form. The essential point is Goethe's conception of the whole plant-nature as a living thing, and how he thought of the individual parts as proceeding from the whole. His idea of the nature of the organism is his central, most individual discovery in the realm of biology. Goethe's basic conviction was that something can be perceived in the plant and animal which is not accessible to mere sense observation. What the bodily eye can observe in the organism appears to Goethe to be merely the result of a living whole of formative laws working through one another, laws which are perceptible only to the ‘spiritual eye.’ He has described what his spiritual eye perceived in the plant and in the animal. Only those who are able to see as he did can recapture his idea of the nature of the organism; those who remain stationary at what the senses and experiments give, cannot understand him. When we read his two poems “The Metamorphosis of Plants,” and “The Metamorphosis of Animals,” it appears at first as if the words simply led us from one part of the organism to another, as if the intention was merely to unite external facts together. If, however, we permeate ourselves with what hovered before Goethe as the idea of the living being we feel ourselves transplanted into the sphere of organic Nature and the conceptions concerning the various organs develop from out of one central conception.
[ 3 ] When Goethe began to make independent reflections upon the phenomena of Nature it was the concept of life that claimed his attention above all else. In a letter from the Strasburg period, 14th July, 1770, he writes of a butterfly: “The poor creature trembles in the net, and its fairest colours are rubbed off; even if it is caught uninjured, in the end it perishes there, stiff and lifeless; the corpse is not the whole creature. Something else is required, indeed the essential part, and in this case as in every other, the most essential part: Life.” It was clear to Goethe from the beginning that an organism cannot be considered as a dead product of Nature; that something more exists within it over and above the forces which also live in inorganic Nature. When Du Bois-Reymond says that “the purely mechanical world-construction which to-day constitutes science was no less obnoxious to the princely poet of Weimar than, in earlier days, the ‘Système de la Nature’ to Friederike's friend,” he was undoubtedly right; he was no less right when he said that “Goethe would have turned away with a shudder from this world-construction which, with its primeval generation, borders on the Kant-Laplace theory; from man's emergence out of chaos as the result of the mathematically-determined play of atoms from eternity to eternity; from the icy world-end, from the pictures to which our race adheres with all the insensibility by means of which it has accustomed itself to the horrors of railway travel.” (Goethe und kein Ende. S.35. f.). Naturally Goethe would have turned away in disgust because he sought and found a higher concept of the living than that of a complicated, mathematically-determined mechanism. Only those who are incapable of grasping a higher concept of this kind and identify the living with the mechanical because they can only see the mechanical in the organism, will enthuse over the mechanical world-construction with its play of atoms, and regard without feeling the pictures which Du Bois-Reymond sketches. Those, however, who can assimilate the concept of the organic in Goethe's sense will dispute its justification as little as they dispute the existence of the mechanical. We do not dispute with those who are colour-blind concerning the world of colours. All views which represent the organic mechanically incur the judgment which Goethe puts into the mouth of Mephistopheles:
“Who would describe and study aught alive.
Seeks first the living spirit thence to drive;
Then are the lifeless fragments in his hand,
There only fails, alas! the spirit band.”
[ 4 ] The opportunity of concerning himself more intimately with plant life came to Goethe when Duke Karl August presented him with a garden (21st April, 1776). He was also stimulated by excursions in the Thuringian forest, where he could observe the living phenomena of lower organisms. Mosses and lichens claimed his attention. On October 31st he begged Frau von Stein to give him mosses of all kinds, if possible with the roots and moist, so that he could use them for observing the process of propagation. It is important to bear in mind that at the beginning of his botanical studies Goethe occupied himself with lower plant forms. He only studied the higher plants when later he was forming his idea of the archetypal plant. This was certainly not because the lower kingdom was strange to him, but because he believed that the secrets of plant-nature were more clearly manifested in the higher. His aim was to seek the idea of Nature where it revealed itself most distinctly and then to descend from the perfect to the imperfect in order to understand the latter by means of the former. He did not try to explain the complex by means of the simple, but to survey it at one glance as a creative whole, and then to explain the simple and imperfect as a one-sided development of the complex and perfect. If Nature is able, after countless plant forms, to create one more which contains them all, on perceiving this perfect form, the secret of plant formation must arise for the mind in direct perception, and then man will easily be able to apply to the imperfect what he has observed in the perfect. Nature investigators go the opposite way to work, for they regard the perfect merely as a mechanical sum-total of simple processes. They proceed from the simple and derive the perfect from it.
[ 5 ] When Goethe looked around for a scientific guide in his botanical studies he could find no other than Linnæus. We first learn of his study of Linnæus from his letters to Frau von Stein in the year 1782. The earnestness with which Goethe pursued his studies in natural science is shown by the interest he took in the writings of Linnæus. He admits that after Shakespeare and Spinoza he was influenced most strongly by Linnæus. But how little could Linnæus satisfy him! Goethe wanted to observe the different plant forms in order to know the common principle that lived in them. He tried to discover what it is that makes all these forms into plants. Linnæus was satisfied with classifying the manifold plant forms in a definite order and describing them. Here Goethe's naive, unbiased observation of Nature, in one special instance, came into contact with the scientific mode of thought that was influenced by a one-sided conception of Platonism. This mode of thought sees in the separate forms manifestations of original, co-existing Platonic Ideas, or creative thoughts. Goethe sees in the individual formation only one special form of an ideal archetypal being which lives in all forms. The aim of the former mode of thought is to distinguish the separate forms with the greatest possible exactitude in order to discern the manifoldness of the ideal forms or of the plan of creation; Goethe's aim is to explain the manifoldness of the particular from out of the original unity. That many things are present in manifold forms is clearly evident to the former mode of thought, because for it the ideal archetypes are already manifold. This is not evident to Goethe, for according to his view the many only belong together when a unity reveals itself in them. Goethe therefore says that what Linnæus “sought to hold forcibly asunder, had to strive for union, in order to satisfy the innermost need of my being.” Linnæus simply accepts the existing forms without asking how they have arisen from a basic form. “We count as many species as there are different forms that have been created in principle.” This is a basic statement. Goethe sought the active element in the plant kingdom that creates the individual through the specific modifications of the basic form.
[ 6 ] In Rousseau Goethe found a more naïve relationship to the plant world than was the case with Linnæus. He writes to Karl August, 16th June, 1782: “In Rousseau's Works one finds the most delightful letters on botany in which he gives a very clear and charming exposition of this science to a lady. It is a fine example of the way one ought to give instruction, and is a supplement to Emil. It makes me want to recommend the beautiful kingdom of flowers anew to my friends of the fair sex.” In the “History of my Botanical Studies” Goethe tells us what attracted him to Rousseau's botanical ideas: “His relation to plant lovers and connoisseurs, specially to the Duchess of Portland, may have widened his penetrating sight, and a spirit such as his, which felt called to prescribe law and order to nations, was forced to suppose that in the immeasurable kingdom of plants no such great diversity of forms could appear without a basic law, be it ever so concealed, which brings them back collectively to a Unity.” Goethe was seeking for a fundamental law which leads back the manifold to the unity from which it has originally proceeded.
[ 7 ] Two works of Freiherr von Gleichen, called “Russwurm,” came at that time to Goethe's knowledge. Both of them deal with the life of plants in a manner which proved fruitful for him; they are ‘Das Neueste aus dem Reiche der Pflanzen’ (Nürnburg, 1764), and ‘Auserlesene Mikroscopische Entdeckungen bet den Pflanzen’ (Nürnburg, 1777/1781.) These books deal with the processes of fructification in plants; pollen, stamens and pistils are minutely described and the processes of fructification presented in well-executed diagrams. Goethe himself now makes attempts to observe with his own eyes the results described by Gleichen-Russwurm. He writes to Frau von Stein, 12th Jan., 1785: “Now that Spring is approaching my microscope is set up in order to observe and check the experiments of Gleichen-Russwurm.” At the same time Goethe studied the nature of the seed, as may be gathered from an account which he gives to Knebel, 2nd April, 1785: “I have reflected on the seed substance as far as my experiences extend.” These observations of Goethe only appear in the right light when one considers that even at that time he did not stop at them, but tried to acquire a general perception of natural processes which should serve to support and strengthen them. On April 8th of the same year he tells Knebel that he is not merely observing facts, but that he has also made “fine combinations” of these facts.
[ 8 ] The share Goethe took in Lavater's great work, “Physiognomic Fragments for the furtherance of Human Knowledge and Human Love,” which appeared in the years 1775 to 1778, had a considerable influence on the development of his ideas concerning the workings of organic Nature. He himself contributed to this work, and his later mode of regarding organic Nature is already foreshadowed in the way he expresses himself in these contributions. Lavater goes no further than treating the form of the human organism as the expression of the soul. He wanted to indicate the character of soul from the forms of the body. Goethe began even then to observe the external form in itself, to study its own laws and formative force. He began at the same time to study the writings of Aristotle on physiognomy and endeavoured, on the basis of the study of the organic form, to confirm the distinction between man and the animals. He finds this in the prominence of the head which is determined by the human structure as a whole, and in the perfect development of the human brain to which all parts point as to an organ by which they are determined. In the animal, on the other hand, the head is merely appended to the spine; the brain and spinal cord comprise no more than is absolutely necessary for the execution of subordinate life-principles and sense-activities pure and simple. Goethe was already then seeking for the distinction between man and the animals, not in any one detail, but in the different degrees of perfection which the same basic form attains in one case or the other. Already there hovers before him the picture of a type which occurs both in the animal and in man, but which is developed in the former in such a way that the entire structure subserves animal functions, whereas in the latter the structure furnishes the scaffolding for the development of the spirit.
[ 9 ] Goethe's specific studies in anatomy grew out of such considerations. On Jan. 22nd, 1776, he writes to Lavater: “The Duke has sent me six skulls, and I have made some magnificent observations which are at your service if you have not already found the same things without me.” In Goethe's Diary, under the date, 15th Oct., 1781, we read that he studied Anatomy in Jena with Einsiedel, and in the same year began to enter more deeply into this science under the guidance of Loder. He speaks of this in letters to Frau von Stein, 29th Oct., and to the Duke, 4th Nov., 1781. He also had the intention of “explaining the skeleton” to the young people at the Drawing Academy, “and guiding them to a knowledge of the human body.” “I do it,” he says, “for my own sake as well as for theirs; the method I have chosen will give them this winter a real acquaintance with the basic structures of the body.” The Diary shows that these lectures were, in fact, given. During this time he also had many conversations with Loder concerning the structure of the human body. Again it is his general view of Nature which is the motive force and the real aim of these studies. He treats “the bones as a text to which all life and everything human may be appended.” (Letters to Lavater and Marck, 14th Nov., 1781.)
Goethe's mind was occupied at that time with conceptions relating to the workings of organic Nature and the connection between human and animal development. That the human form is simply the highest stage of the animal, and that man produces the moral world out of himself as a result of this more perfect stage of animal life, is an idea which is already expressed in the ode “The Divine”—written during the year 1782. “Let man be noble, helpful and good; for that alone distinguishes him from all the beings known unto us. According to laws mighty, rigid, eternal, must all we mortals complete the orbit of our existence.” [ 10 ] The “eternal, rigid laws” work in man just as they work in the rest of the world of organisms; in him alone they reach a perfection which makes it possible for him to be “noble, helpful and good.”
[ 11 ] While such ideas were establishing themselves in Goethe's being more and more firmly Herder was working at his “Ideas for a Philosophy of the History of Mankind.” All the thoughts of this book were discussed by the two men. Goethe was satisfied with Herder's comprehension of Nature; it harmonised with his own conceptions. Frau von Stein writes to Knebel, 1st May, 1784: “Herder's work makes it probable that we were first plants and animals. ... Goethe is now brooding profoundly over these things and whatever has passed through his mind becomes supremely interesting.” Goethe's words to Knebel, 8th Dec., 1783, afford the justification for arriving at his ideas from Herder's. “Herder is writing a Philosophy of History, fundamentally new, as you may well imagine. We read the first chapters together the day before yesterday—and very excellent they are.” Sentences such as the following entirely harmonise with Goethe's mode of thought: “The human race is the great coalescence of lower organic forces.” “And so we assume that man is the central creation among animals, i.e., the developed form wherein the features of all species around him are summed up superbly.” [ 12 ] The view of anatomists at that time that the tiny bone which animals have in the upper jaw, the intermaxillary bone which contains the upper incisors, is lacking in man, was of course irreconcilable with such conceptions. Sommering, one of the most noted Anatomists of the time, writes to Merck, 8th Oct., 1782: “I wish you had consulted Blumenbach on the subject of the os intermaxillane which, ceteris paribus, is the only bone which all animals possess from the apes onward, including even the orang-utan, but which is never to be found in man; with the exception of this bone there is nothing in man which cannot be attributed to the animals. I am sending you therefore the head of a hind in order to convince you that this os intermaxillane, as Blumenbach, or os incis as Campa calls it, also exists in animals which have no incisors.” That was the general view of the time. Even the famous Camper, for whom Merck and Goethe had the deepest respect, admitted it. The fact that the intermaxillary bone in man coalesces left and right with the upper jaw bone without any clear demarcation in the normally developed individual, led to this view. If the learned men were correct in this it would be impossible to affirm the existence of a common archetype for the structure of the animal and human organism; a boundary between the two forms would have to be assumed. Man would not be created according to the archetype which lies at the basis of the animal. Goethe had to remove this obstacle to his world-conception. This he succeeded in doing, in conjunction with Loder, in the Spring of 1784. Goethe proceeded according to his general principle that Nature has no secret which “she does not somewhere place openly before the eye of the attentive observer.” He found the demarcation between upper jaw and intermaxillary bone actually existing in some abnormally developed skulls. He joyfully announced his discovery to Herder and Frau von Stein (27th March). To Herder he wrote: “It should heartily please you also, for it is like the keystone to man; it is not lacking; it is there! But how?” “I have thought of it in connection with your ‘Whole’ and it will indeed be a fair link in the chain.” When Goethe sent the treatise he had written on the subject to Knebel in Nov., 1784, he indicated the significance which he attributed to this discovery in his whole world of ideas by the words: “I have refrained from pointing to the logical outcome which Herder already indicates in his ideas, that the distinction between man and the animal is not to be looked for in any single detail.” Goethe could gain confidence in his view of Nature only when the erroneous view about this fatal little bone had been rejected. He gradually found the courage to extend to all kingdoms of Nature, to her whole realm, his ideas concerning the manner in which, playing as it were with one basic form, she produces life in all its diversity. In this sense he writes to Frau von Stein in the year 1786.
[ 13 ] The book of Nature becomes more and more legible to Goethe after he has deciphered the one letter. “My long ‘spelling out’ has helped me; now at last it works, and my silent joy is inexpressible.” He writes thus to Frau von Stein, 15th May, 1785. He now regards himself capable of writing a small botanical treatise for Knebel. Their journey together to Karlsbad, in 1785, becomes a formal journey of botanical study. After their return the kingdom of fungi, mosses, lichens and algae were studied with the help of Linnæus. He informs Frau von Stein, 9th November: “I continue to read Linnæus, indeed I must, for I have no other book with me: it is the best way of reading a book conscientiously and I must cultivate the practice, for it is not easy for me to read a book to the end. This book is not compiled for reading but for repeated study, and is of the very greatest service to me because I have thought for myself on most of the points.” During these studies the basic form out of which Nature fashions all the manifold plant forms assumes separate contours in his mind, even if they are not yet quite definite. In a letter to Frau von Stein, 9th July, 1786, we find these words: “It is a perception of the form with which Nature is, as it were, always playing, and in her play producing life in its diversity.”
[ 14 ] In April and May, 1786, Goethe made microscopical observations of lower organisms which develop in infusions of different substances—plantain pulp, cactus, truffles, peppercorn, tea, beer, and so on. He carefully noted the processes which he perceived in these organisms and prepared drawings of them. It is apparent also from these notes that Goethe did not try to approach the knowledge of life through such observation of the lower and simpler organisms. It is quite apparent that he thought he could grasp the essential features of life-processes in the higher organisms just as well as in the lower. He is of the opinion that in the infusoria the same kind of law repeats itself as the eye of the mind perceives, for instance, in the dog. Observation through the microscope only yields information of processes which are, in miniature, what the unaided eye sees on a larger scale. It merely affords an enrichment of sense-experiences. The essential nature of life reveals itself to a higher kind of perception, and not to observation that merely traces to their minutest details, processes that are accessible to the senses. Goethe seeks to cognise this essential nature of life through the observation of higher plants and animals. He would undoubtedly have sought this knowledge in the same way, even if in his age the anatomy of plants and animals had advanced as far as it has to-day. If Goethe had been able to observe the cells out of which the bodies of plants and animals are built he would have asserted that these elementary organic forms reveal the same conformity to law as is to be perceived in the most complex. He would have explained the phenomena in these minute entities by means of the same ideas by which he interpreted the life-processes of higher organisms. [ 15 ] It is in Italy that Goethe first finds the thought which solves the riddle facing him in organic development and metamorphosis. On September 3rd he leaves Karlsbad for the South. In a few but significant sentences he describes in the History of my Botanical Studies the thoughts stimulated in him by the observation of the plant world up to the moment when, in Sicily, a clear conception comes to him of how it is that “a fortunate mobility and plasticity is bestowed on plant forms, together with a strong generic and specific tenacity, so that they can adapt themselves to the many conditions working upon them over the face of the earth and develop and transform themselves accordingly.” The “variability of plant forms” was revealed to him as he was crossing the Alps, in the Botanic Gardens of Padua, and in other places. “Whereas in the lower regions branches and stalks were stronger and more bounteous in sap, the buds in closer juxtaposition, and the leaves broader, the higher one got on the mountains the stalks and branches became more fragile, the buds were at greater intervals, and the leaves more lancelate. I noticed this in the case of a willow and of a gentian, and convinced myself that it was not a case of different species. So also near the Walchensee I noticed longer and thinner rushes than in the lowlands” (Italian Journey, 8th September). On October 8th, by the seashore in Venice, he finds different plants wherein the relation between the organic and its environment becomes specially clear to him. “These plants are all both robust and virile, succulent and hardy, and it is apparent that the old salt of the sandy soil, and still more the saline air, gives them this characteristic; they are swollen with juices like water-plants; they are fleshy and hardy like mountain-plants; if their edges have the tendency to form prickles, like thistles, they are exceedingly strong and highly pointed. I found such leaves on bushes; they appeared to me to resemble our harmless coltsfoot, but here they were armed with sharp weapons, the leaves like leather, as also the seed capsules and the stalk, everything very thick and succulent.” (Italian Journey). In the Botanical Gardens at Padua the thought of how all plant-forms could be developed out of one, assumes more definite shape in Goethe's mind. In November he writes to Knebel: “The little botany I know has for the first time become a pleasure to me in this land with its brighter, less sporadic vegetation. I have already made fine general observations which will subsequently be acceptable to you also.” On 25th March, 1787, there comes to him “considerable illumination regarding botanical phenomena.” He begs that “Herder may be told that he is very near to finding the archetypal plant.” Only he fears “no one will be willing to recognise the rest of the plant world therein.” On April 17th he goes to the Public Gardens “with a firm, calm determination to continue his poetical dreams.” But all of a sudden the plant-nature catches him up like a ghost. “The many plants which I was formerly only accustomed to see in pots and tubs, indeed only behind glass windows for most of the year, stand here fresh and gay under the open sky, and thus fulfilling their destiny, they become clearer to us. Amongst so many formations, some new, some familiar, the old fancy again occurred to me as to whether I could not discover among the multitude the archetypal plant. There must be such a thing: how otherwise should I recognise this or that form to be a plant if they were not all fashioned after one type?” He tries hard to distinguish the divergent forms, but his thoughts are guided ever and again to an archetype that lies at the basis of them all. Goethe starts a Botanical Diary in which he notes all his experiences and reflections on the subject of the plant world during the journey. (Goethe's Werke. Weimar Edition Bd. 17. S.273). These diary leaves show how untiringly he is occupied in seeking out specimens of plants fitted to lead him to the laws of growth and reproduction. When he thinks he is on the track of any law he first puts it into hypothetical form, in order to confirm it in the course of his further experiences. He makes careful notes of the processes of generation, of fructification, of growth. More and more it dawns upon him that the leaf is the basic organ of plants, and that the forms of all other plant organs are best understood if they are considered as transformed leaves. He writes in his Diary: “Hypothesis: all is leaf, and through this simplicity the greatest diversity becomes possible.” And on May 17th he writes to Herder: “I must further confide to you that I am very near to the secret of plant generation and organisation, and that it is the simplest thing conceivable. Under this sky the finest observations are possible. I have found clearly and indubitably the cardinal point where the germ is concealed: already I see everything else in its entirety, and only a few details have yet to become more definite. The archetypal plant is the most wonderful creation in the world, for which Nature herself should envy me. With this model, and its key, one can invent plants ad infinitum, and consequently, that is to say, plants which could exist, even if they do not exist, and are not as it were artistic or poetic shadows and fancies but have an inner truth and necessity. The same law may be applied to all else that lives. ... Forwards and backwards the plant is ever only leaf, so indissolubly united with the future germ that one cannot think of the one without the other. To grasp such a concept, to sustain it, to discover it in Nature, is a task which places us in a condition that is almost painful, despite its joy.” (Italian Journey).
[ 16 ] For an explanation of the phenomena of life Goethe takes a path entirely different from those which scientists usually travel. Investigators of Nature may be divided into two classes. There are those who advocate the existence of a life-force working in organic Nature, and this life-force represents a special, higher form of force compared with other Natural causes. Just as the forces of gravity, chemical attraction and repulsion, magnetism, and so on, exist, so there must also exist a life-force which brings about such an interaction in the substances of the organism, that it can maintain itself, grow, nourish and propagate itself. These investigators of Nature say: In the organism work the same forces as in the rest of Nature, but they do not work as in a lifeless machine. They are taken up, as it were, by the life-force and raised to a higher stage of activity. Other investigators oppose this view, believing that no special force works in the organism. They regard the phenomena of life as more highly complicated chemical and physical processes and hope that some time it will be possible to explain an organism just as it is possible to explain a machine, by reducing it to the workings of inorganic forces. The first view is described as the theory of vitalism, the second as mechanistic theory. Goethe's mode of conception differs essentially from both. It appears to him self-evident that in the organism something is active as well as the forces of inorganic Nature. He cannot admit a mechanical explanation of living phenomena. Just as little does he seek a special life-force in order to explain the activities in an organism. He is convinced that for the understanding of living processes there must be a perception of a kind other than that through which the phenomena of inorganic Nature are perceived. Those who decide in favour of the assumption of a life-force realise, it is true, that organic activities are not mechanical, but at the same time they are not able to develop in themselves that other kind of perception by means of which the organic could be understood. The conception of the life-force remains obscure and indefinite. A more recent adherent of the theory of vitalism, Gustav Bunge, thinks that “All the riddles of life are contained in the tiniest cell, and with the existing means at our disposal we have already reached the boundary line.” (Vitalismus und Mechanismus, Leipsig. 1886, S.17). One may answer, entirely in the sense of Goethe's mode of thinking: “That power of perception which only cognises the nature of inorganic phenomena has arrived at the boundary which must be crossed in order to grasp what is living.” This power of perception, however, will never find within its sphere the means adequate to explain the life of even the tiniest cell. Just as the eye is necessary for the perception of colour phenomena, so the understanding of life is dependent on the power of perceiving directly in the sensible a supersensible element. This supersensible element will always escape one who only directs his senses to organic forms. Goethe seeks to animate the sensible perception of the plant forms in a higher sense and to represent to himself the sensible form of a supersensible archetypal plant. (Geschichte meines botanischen Studiums. Kürschner Nat. Lit. Bd. 33. S.80). The Vitalist takes refuge in the empty concept of the “life-force” because he simply does not see anything that his senses cannot perceive in the organism; Goethe sees the sensible permeated by a supersensible element, in the same sense as a coloured surface is permeated by colour.
[ 17 ] The followers of the mechanistic theory hold the view that some day it will be possible to produce living substances artificially from inorganic matter. They say that not many years ago it was maintained that substances existed in the organism which could only arise through the activity of the life-force and not artificially. To-day it is already possible to produce some of the substances artificially in the laboratory. Similarly, it may one day be possible to produce a living albumen, which is the basic substance of the simplest organism, out of carbonic acid, ammonia, water and salts. The mechanists think that this will provide the irrefutable proof that life is nothing more than a combination of inorganic processes—the organism just a machine that has arisen in a natural way.
[ 18 ] From the standpoint of Goethe's world-conception it may be said that the mechanists speak of substances and forces in a way that has no justification in experience. And people have grown so accustomed to speak in this way that it becomes very difficult to maintain the clear pronouncements of experience in the face of such concepts. Let us, however, consider, without bias, a process of the external world. I/it us take a quantity of water at a definite temperature. How do we know anything about this water? We observe it, notice that it takes up space and is enclosed within definite boundaries. We put a finger or a thermometer into it and find that it has a definite degree of warmth. We press against the surface and find that it is fluid. This is what the senses tell us concerning the condition of the water. Now let us heat the water. It will boil and finally change into steam. Again one can acquire knowledge through sense-perception of the constitution of the substance, of the steam into which the water has changed. Instead of heating the water, it can be subjected to an electric current, under certain conditions. It changes into two substances, hydrogen and oxygen. We can learn about the nature of these two substances also through the senses. Thus in the corporeal world we perceive states, and observe at the same time that these states can, under certain conditions, pass over into others. The senses inform us of these states. When we speak of something else besides states which change we no longer keep to pure facts, but we add concepts to these. When it is said that the oxygen and the hydrogen which have developed out of the water as a result of the electric current were already contained in the water, but so closely united that they could not be perceived individually, a concept has been added to the perception—a concept by means of which the development of the two bodies out of the one is explained. When it is further maintained that oxygen and hydrogen are substances, as is shown by the fact that names have been given to them, again a concept has been added to what has been perceived. For, in reality, in the space occupied by the oxygen, all we can perceive is a sum of states. To these states we add, in thought, the substance to which they are supposed to belong. The substantiality of the oxygen and hydrogen that is conceived of as already existing in water is something that is added in thought to the content of perception. If we combine hydrogen and oxygen into water by a chemical process we can observe that one collection of states passes over into another. When we say: “the two simple substances have united to form a compound,” we have there attempted to give a conceptual exposition of the content of observation. The idea “substance” receives its content, not from perception but from thought. The same thing holds good with “force” as with “substance.” We see a stone fall to the earth. What is the content of perception? A sum-total of sense impressions, states, which appear at successive places. We try to explain this change in the sense-world and say: “the earth attracts the stone; it has a ‘force’ by which it draws the stone to itself.” Again our mind has added a conception to the actuality and given it a content which does not arise out of perception. We do not perceive substances and forces, but states and their transitions into each other. These changes of states are explained by adding concepts to perceptions. [ 19 ] Let us conceive of a being who could perceive oxygen and hydrogen but not water. If we combined oxygen and hydrogen into water before the eyes of such a being the states it perceived in the two substances would disappear into nothingness. If we now described the states which we perceive in water, such a being could form no idea of them. This proves that in the perceptual contents of hydrogen and oxygen there is nothing from which the perceptual content water can be derived. When one substance arises out of two or more different ones that means: Two or more perceptual contents have transformed themselves into a content which is connected with them but is absolutely new. [ 20 ] What would have been achieved if it were found possible to combine carbonic acid, ammonia, water and salt into a living albumenous substance in the laboratory? We should know that the perceptual content of many substances could combine into one perceptual content. But this latter perceptual content cannot in any sense be derived out of the former. The state of living albumen can only be observed in itself; it cannot be developed out of the states of carbonic acid, ammonia, water and salt. In the organism we have something wholly different from the inorganic constituents out of which it can be formed. The sensible contents of perception change into sensible-supersensible when the living being arises. And those who have not the power to form sensible-supersensible conceptions can as little know anything of the nature of an organism as they could experience water if the sensible perception of it were inaccessible to them.
[ 21 ] In his studies of the plant and animal world Goethe tried to conceive of germination, growth, transformations of organs, nutrition and reproduction of the organism, as sensible-supersensible processes. He perceived that this sensible-supersensible process is the same, ideally, in all plants and that it only assumes different forms in its outer manifestation. He was able to establish the same thing concerning the animal world. When man has formed in himself the idea of the sensible-supersensible archetypal plant he will find this again in all single plant-forms. Diversity arises because things, the same ideally, can exist in the perceptual world in different forms. The single organism consists of organs which can be traced back to one basic organ. The basic organ of the plant is the leaf with the nodes from which it develops. This organ assumes different forms in external appearance: cotyledon, foliage, leaf, sepal, petal, etc. “The plant may sprout, blossom, or bear fruit, but it is always the same organs which in manifold conditions and under frequently changed forms fulfil Nature's prescription.”
[ 22 ] In order to get a complete picture of the archetypal plant Goethe had to follow, in general, the forms which the basic organ passes through in the progress of the growth of the plant from germination to the ripening of the seed. In the beginning of its development the whole plant-form rests in the seed. In this the archetypal plant has assumed a form, through which it conceals, as it were, its ideal content in outward appearance.
“Simply slumbered the force in the seed; a germ of the future
Peacefully locked in itself, 'neath the integument lay,
Leaf and root and bud, still void of colour and shapeless;
Thus does the kernel, while dry, cover that motionless life.
Upward then strives it to swell, in gentle moisture confiding,
And from the night where it dwelt, straightway ascendeth to light.”
[ 23 ] Out of the seed the plant develops its primary organs, the cotyledons, after it “has left behind its coverings more or less in the earth” and has established “the root in the soil.” And now, in the further course of growth, impulse follows impulse, nodes upon nodes are piled one above the other, and at each node we have a leaf.
The leaves appear in different forms, the lower still simple, the upper much indented, notched, and composed of many tiny leaves. The archetypal plant at this stage of development spreads out its sensible-supersensible content in space as external sense appearance. Goethe imagines that the leaves owe their progressive development and improvement to the light and the air. “When we find these cotyledons produced in the enclosing seed-walls, filled as it were with a crude sap, almost entirely unorganised, or at any rate only crudely organised and unformed, so do we find the leaves of those plants which grow under water more crudely organised than others that are exposed to the free air; indeed even the same plant species develops smoother and less perfect leaves if it grows in deep, moist places; whereas, on the contrary, in higher regions it produces fibrous and more finely developed leaves, provided with tiny hairs” (Goethe's Werke, Kürschner Nat. Lit. Bd. 33. S25.).
In the second epoch of growth the plant again contracts into a narrower space what was previously spread out.
“Less abundantly yielding the sap, contracting the vessels,
So that the figure 'ere long gentler effects doth disclose.
Soon and in silence is checked the growth of the vigorous branches
And the rib of the stalk fuller becometh in form.
Leafless however and quick the tenderer stem then upspringeth,
And a miraculous sight doth the observer enchant.
Ranged in a circle, in numbers that now are small, and now countless,
Gather the smaller-sized leaves, close by the side of their like,
And as the perfectest type, brilliant-hued coronals form.”
[ 24 ] In the calyx the plant form draws itself together, and in the corolla again spreads itself out. The next contraction follows in the pistils and stamens, the organs of generation. In the previous periods of growth the formative force of the plant developed uniformly as the impulse to repeat the basic form. At this stage of contraction the same force distributes itself into two organs. What is separated seeks to re-unite. This happens in the process of fructification. The male pollen existing in the stamens unites with the female substance in the pistils, and the germ of a new plant arises. Goethe calls this fructification, a spiritual anastomosis, and sees in it only another form of the process which occurs in the development from one node to another. “In all bodies which we call living we observe the force to produce its like. When we perceive this force divided, we speak of the two sexes.”
The plant produces its like from node to node, for nodes and leaf are the simple form of the archetypal plant. In this form production means growth. If this reproductive force is divided among two organs we speak of two sexes. In this sense Goethe believes he has brought the concepts of growth and generation nearer to each other. At the stage of fruit-formation the plant attains its final expansion; in the seed it appears again contracted. In these six steps Nature accomplishes a cycle of plant development, and begins the whole process over again. Goethe sees in the seed only another form of the nodule which develops on the leaves. The shoots developing out of the node are complete plants which rest on a mother-plant instead of in the earth. The conception of the basic organ transforming itself stage by stage, as on a “spiritual ladder” from seed to fruit is the idea of the archetypal plant. In order to prove to sense perception, as it were, the transforming power of the basic organ, Nature, under certain conditions, at one stage allows another organ to develop instead of the one that should arise in conformity with the regular course of growth. In the double poppy, for example, petals appear in the lilace where the stamens should arise. The organ destined ideally to become a stamen has become a petal. In the organ that has a definite form in the regular course of plant development there is the possibility to assume another.
[ 25 ] As an illustration of his idea of the archetypal plant Goethe considers the bryophyllum calycinum, a plant species which was brought to Calcutta from the Molucca Islands, and thence came to Europe. Out of the notches in the fleshy leaves these plants develop fresh plantlets, which grow to complete plants after their detachment. In this process, sensibly and visibly presented, Goethe sees that ideally a whole plant slumbers in the leaf. (Goethe's Notes on Bryophyllum Calycinum. Weimar Edition, Part 2. Vol. VII.).
[ 26 ] One who develops the idea of the archetypal plant in himself, and keeps it so plastic that he can think of it in all possible forms which its content permits, can explain all formations in the plant kingdom by its help. He will understand the development of the individual plant, but he will also find that all sexes, species, and varieties are fashioned according to this archetype. Goethe developed these views in Italy and recorded them in his work entitled Versuch, die Metamorphose der Pflanzen zu erklären which appeared in 1790.
[ 27 ] In Italy Goethe also makes progress in the development of his ideas concerning the human organism. On January 20th he writes to Knebel: “As regards anatomy, I have only a very indifferent preparation, and it is not without some labour that I have succeeded in acquiring a certain knowledge of the human frame. Constant examination of the stages here leads one to a higher understanding. In our Academy of Medicine and Surgery it is merely a question of knowing the part, and for this a wretched muscle serves just as well. But in Rome the parts mean nothing unless at the same time they present a noble form. In the great hospital San Spirito they have prepared, for the sake of artists, a very beautiful body displaying the muscles, so that one marvels at its beauty. It could really pass for some flayed demi-god, for a Marsyas. Thus one does not study the skeleton as an artificially arranged mask of bones, but rather after the example of the ancients, with the ligaments by which it receives life and movement.”
After his return from Italy Goethe applied himself industriously to the pursuit of anatomical studies. He feels compelled to discover the formative laws of the animal form just as he had succeeded in doing in the case of the plant. He is convinced that the uniformity of the animal organisation is also based on a fundamental organ which can assume different forms in its external manifestation. When the idea of the basic organ is concealed the organ itself has an undeveloped appearance. Here we have the simpler organs of animals: when the idea is master of the substance, forming the substance into a perfect likeness of itself, the higher, nobler organs arise. That which is present ideally in the simpler organs manifests itself externally in the higher. Goethe did not succeed in apprehending in a single idea the law of the whole animal form as he did for the plant form. He found the formative law for one part only of this animal form—for the spinal cord and brain, with the bones enclosing these organs. He sees in the brain a higher development of the spinal cord. He regards each nerve centre of the ganglia as a brain which has remained at a lower stage (Weimar Edition, Part 2, Vol. 8.).
He explains the skull-bones enclosing the brain as transformations of the vertebrae surrounding the spinal cord. It had occurred to him previously that he must regard the posterior cranial bones (occipital, posterior and anterior sphenoid bones) as three transformed vertebrae; he maintains the same thing in regard to the anterior cranial bones, when in the year 1790 he finds in the sands of the Lido a sheep's skull, which is, by great good fortune, cracked in such a way that three vertebrae are made visible to immediate sense perception in a transformed shape in the hard palate—the upper jaw-bone, and the intermaxillary bone.
[ 28 ] In Goethe's time the anatomy of animals had not yet advanced so far that he was able to cite a living being which really has vertebrae in place of developed cranial bones, and which thus presents in sensible form that which only exists ideally in developed animals. The investigations of Karl Gegenbauer, published in the year 1872, made it possible to instance such an animal form. Primitive fish, or selachians, have cranial bones and a brain which are obviously terminal members of the vertebral column and spinal cord. According to this discovery a greater number of vertebrae than Goethe supposed, at least nine, appear to have entered into the head formation. This error in the number of vertebrae, and, in addition, the fact that in the embryonic condition the skull of higher animals shows no trace of being composed of vertebral parts but develops out of a single cartilaginous vesicle, has been adduced as evidence against the value of Goethe's idea concerning the transformation of the spinal cord and vertebrae. It is indeed admitted that the skull has originated from vertebrae, but it is denied that the cranial bones, in the form in which they appear in the higher animals, are transformed vertebrae. It is said that a complete amalgamation of vertebrae into a cartilaginous vesicle has taken place, and that in this amalgamation the original vertebral structure has entirely disappeared. The bony forms which are to be perceived in the higher animals have developed out of this cartilaginous capsule. These forms have not developed in accordance with the archetype of the vertebra, but in accordance with the tasks they have to fulfil in the developed head. So that in seeking an explanation of the forms of any cranial bone the question is not, “How has a vertebra been transformed in order to become the bones of the head?”—but “What conditions have led to this or that bony form separating out of the simple cartilaginous capsule?” It is believed that there is a development of new forms, in conformity with new formative laws, after the original vertebral form has passed over into an unorganised capsule. A contradiction between this view and Goethe's can only be found from the standpoint of “fact-fanaticism.” The vertebral structure that is no longer sensibly perceptible in the cartilaginous capsule of the skull does nevertheless exist in it ideally and re-appears as soon as the conditions for this appearance are there. In the cartilaginous skull-capsule the idea of the vertebral basic organ is concealed within matter; in the developed cranial bones it re-appears in outer manifestation.
[ 29 ] Goethe hopes that the formative laws of the other parts of the animal organism will be revealed to him in the same way as was the case with those of brain, spinal cord, and their enveloping organs. With regard to the Lido discovery he informs Herder, through Frau von Kalb, April 30th, that he “has come much closer to the animal form and its many transformations and indeed through a most curious accident.” He believes himself to be so near his goal that he wants to complete, in the very year of his discovery, a work on animal development which may be placed side by side with the “Metamorphosis of Plants” (Correspondence with Knebel, pp 98.).
During his travels in Silesia, July, 1790, Goethe pursues studies in Comparative Anatomy and begins to write an Essay On the Form of Animals (Weimar Edition, Part 2, Vol. 8, p. 261.). He did not succeed in advancing from this happy starting point to the formative laws of the whole animal form. He made many an attempt to find the Type of the animal form, but nothing analogous to the idea of the archetypal plant resulted. He compares the animals with each other, and with man, and seeks to obtain a general picture of the animal structure, according to which, as a model, Nature fashions the individual forms. This general picture of the animal type is not a living conception that is filled with a content in accordance with the basic laws of animal formation, and thus recreates, as it were, the archetypal animal of Nature. It is only a general concept that has been abstracted from the special appearances. It confirms the existence of the common element in the manifold animal forms, but it does not contain the law of animal nature.
“All the members develop according to Laws Eternal.
And the rarest of forms secretly preserves the Archetype.”(The Metamorphosis of Animals.)
[ 30 ] Goethe could not evolve a uniform conception of how the archetype, through the transformation according to law of a basic member, develops as the many-membered archetypal form of the animal organism. The Essays on The Form of Animals and the Sketch of Comparative Anatomy proceeding from Osteology, which were written in Jena in 1795, as well as the later and more detailed work, Lectures on the first three Chapters of an Outline of a General Introduction to Comparative Anatomy, only contain indications as to how the animals are to be compared suitably in order to obtain a general scheme according to which the creative power “produces and develops organic beings,” in accordance with which these descriptions are worked out and to which the most diverse forms are to be traced back, since such a norm may be abstracted from the forms of different animals. In the case of plants, however, Goethe has shown how through successive modifications an archetype develops, according to law, to the perfect organic form.
[ 31 ] Even if Goethe could not follow the creative power of Nature in its formative and transforming impulse through the different members of the animal organism, yet he did succeed in finding single laws to which Nature adheres in the building of animal forms, laws which do indeed conform to the general norm but vary in their manifestation. He imagines that Nature has no power to change the general picture at will. If in some creature one member is developed to a high degree of perfection, this can only happen at the expense of another. The archetypal organism contains all the members that can appear in any one animal. In the single animal form one member may be developed, another only indicated; one may develop completely, another may be imperceptible to the senses. In the latter case Goethe is convinced that the elements pertaining to the general type that are not visible in an animal exist, nevertheless, in the idea. “If we behold in a creature some special excellence we have merely to question and find where something is lacking. The searching spirit will find somewhere the existence of a defect and at the same time the key to the whole of creation. Thus we can find no beast who carries a horn on its head and has perfect teeth in the upper bone of the jaw; the Eternal Mother, therefore, could never have created a lion with horns even by the exercise of all her power. For she has not enough substance to implant the full series of teeth and at the same time bring forth horns and antlers.” (Metamorphosis of the Animals.)
[ 32 ] All members are developed in the archetypal organism and maintained in equilibrium; the diversity arises because the formative force expends itself on one member and, as a result, another remains in an absolutely undeveloped state or is merely indicated in external manifestation. This law of the animal organism is called to-day the law of the correlation or compensation of organs.
[ 33 ] Goethe's conception is that the whole plant world is contained in the archetypal plant and the whole animal world in the archetypal animal, as idea. Out of this thought arises the question: How is it that in one case these definite plant or animal forms arise, and in another, others? Under what conditions does a fish develop out of the archetypal animal? under what conditions a bird? In the scientific explanation of the structure of organisms Goethe finds a mode of presentation that is distasteful to him. The adherents of this mode of conception ask in regard to each organ: What purpose does it serve in the living being in whom it occurs?—Such a question is based on the general thought that a divine Creator, or Nature, has predetermined a definite purpose in life for each being and has then bestowed upon it a structure which enables it to fulfil this purpose. In Goethe's view this is just as absurd as the question: To what end does an elastic sphere move when it is pushed by another? An explanation of the motion can only be given by discovering the law by which the sphere is set in motion through a blow or other cause. One does not ask: “What purpose is served by the motion of the sphere?” but, “Whence is the motion derived?” In Goethe's opinion one should not ask: “Why has the bull horns?” but rather: “How can he have horns?” Through what law does the archetypal animal appear in the bull as a horn-carrying form? Goethe sought for the idea of the archetypal plant and animal in order to find in them the reasons for the diversity of organic forms. The archetypal plant is the creative element in the plant world. If one wants to explain a single plant species then one must show how this creative element works in this special case. The thought that an organic being owes its form, not to the forces formatively acting in it, but to the fact that the form is imposed upon it from without for certain ends, was repulsive to Goethe. He writes: “In a pitiful, apostolically monkish declamation of the Zurich prophet I recently found this stupid sentence: ‘Everything that has life, lives through something outside of itself’—or words to that effect. Only a proselytiser of the heathen could write such a thing, and on revising it, his genius does not pluck him by the sleeve” (Italian Journey, 5th Oct., 1781). Goethe thinks of the organic being as a “little” world, a microcosm which has arisen through itself, and fashions itself according to its own laws. “The conception that a living being is produced from outside for certain extraneous ends, and that its form is determined by a purposive primeval force, has already delayed us many centuries in the philosophical consideration of Nature, and still holds us back, although individual men have vigorously attacked this mode of thought, and have shown the obstacles which it creates. It is, if one may so express it, a paltry way of thinking, which like all paltry things is trivial just because it is convenient and sufficient for human nature in general” (Weimar Edition, Part 2, Vol. 7, p.217). It is, of course, convenient to say that a Creator, when forming an organic species, has based it on a certain purposive thought, and has therefore given it a definite form. Goethe's aim, however, is not to explain Nature by the intentions of some supernatural being, but out of her inherent formative laws. An individual organic form arises because the archetypal plant or animal assumes a definite form in a special case. This form must be of such a kind that it is able to live in the conditions surrounding it. “The existence of a creature which we call fish is only possible under the condition of an element that we call water.” (Weimar Edition, Part 2, Vol. 7. p. 221). When Goethe is seeking to comprehend the formative laws which produce a definite organic form he goes back to his archetypal organism. This archetypal organism has the power to realise itself in the most manifold external forms. In order to explain a fish Goethe would investigate what formative forces the archetypal animal employs in order to produce this particular fish form from among all the forms which exist in it ideally. If the archetypal animal were to realise itself in certain conditions in a form in which it could not live it would not survive. An organic form can only maintain itself within certain conditions of life if it is adapted to them.
“Thus by the animal's form is its manner of living determined,
Likewise the manner of life worketh
back on every creature, And so the organised form firmly makes its appearance,
yet with the power to change, through outer conditions of Nature.”(The Metamorphosis of Animals.)
[ 34 ] The organic forces surviving in a given life-element are conditioned by the nature of the element. If an organic form were to leave one life-element for another it must transform itself accordingly. This can happen in definite cases because the archetypal organism which lies at its base has the power of realising itself in countless forms. The transformation of one form into another is, however, according to Goethe's view, not to be conceived of in such a way that the external conditions immediately remould the form in accordance with their own nature, but that they become the cause through which the inner being transforms itself. Changed life-conditions provoke the organic form to transform itself in a certain way according to inner laws. The external influences work indirectly, not directly, on the living being. Countless forms of life are contained in the archetypal plant and animal ideally: those on which external influences work as stimuli come to actual existence.
[ 35 ] The conception that a plant or animal species can in the course of ages, as a result of certain conditions, be transformed into another, has its full justification in Goethe's view of Nature. Goethe's view is that the force which produces a new being through the process of procreation is simply a transformation of that force which brings about the progressive metamorphosis of organs in the course of growth. Reproduction is a “growing-beyond” the individual.
As the basic organ during growth undergoes a sequence of changes which are ideally the same, similarly, a transformation of the external form can also occur in reproduction, while the ideal archetype remains the same. If an original organic form existed, then its descendants in the course of great epochs of time could pass over through gradual transformations into the manifold forms peopling the earth at present. The thought of an actual blood-relationship uniting all organic forms flows out of Goethe's basic conceptions. He might have expressed it in its completed form immediately after he had formed his idea of the archetypal animal and plant. But he expresses himself with reserve, even indefinitely, when he alludes to this thought.
In the Essay, Versuch einer allgemeinen Vergleich-ungslehre, which was probably written shortly after the Metamorphosis of Plants, we read: “And how worthy it is of Nature that she must always employ the same means in order to produce and nourish a creature. Thus one will progress along just these paths, and just as one at first only regarded the inorganic, undetermined elements as vehicles of organised beings, so will one now progress in observation, and again regard the organised world as a union of many elements. The whole kingdom of plants, for example, will again appear to us like a great ocean, which is just as necessary to the limited existence of the insects, as the waters and rivers are to the limited existence of fishes, and we shall see that a vast number of living creatures are born and nourished in this ocean of plants; we shall, finally, again regard the whole animal world as a great element where one race maintains itself out of and through the other if not arising from it.” There is less reserve in the following sentence from Lectures on the first three Chapters of an Outline of Comparative Anatomy (1796): “We should also have come to the point where we could fearlessly maintain that all the more perfect organic beings, among which we reckon fishes, amphibia, birds, mammals, and at the summit of the last, Man, are formed according to one archetype, which only in its constituent parts inclines hither and thither and daily develops and transforms itself through procreation.” Goethe's caution regarding the thought of transformation is comprehensible. The epoch in which he elaborated his ideas was not unfamiliar with this thought. It had, however, been developed in the most confused sense. “That epoch,” writes Goethe, “was darker than one can conceive of now.” It was stated, for example, that man, if he liked, could go about comfortably on all fours, and that bears, if they remained upright for a period of time, could become human beings. The audacious Diderot ventured to make certain proposals as to how goat-footed fauns could be produced and then put into livery, to sit in pomp and distinction on the coaches of the mighty and the rich! Goethe would have nothing to do with such undue ideas. His aim was to obtain an idea of the basic laws of the living. It became clear to him here that the forms of the living are not rigid and unchangeable, but are subject to continual transformation. He had, however, no opportunity of making observations which would have enabled him to see how this transformation was accomplished in the single phenomenon. It was the investigations of Darwin and the reflections of Haeckel that first threw light on the actual relationship between the single organic forms. From the standpoint of Goethe's world-conception one can only give assent to the assertions of Darwinism in so far as they concern the actual emergence of one organic species from another. Goethe's ideas, however, penetrate more deeply into the nature of the organic world than modern Darwinism. Modern Darwinism believes that it can do without the inner impelling forces in the organism which Goethe conceives of in the sensible-supersensible image. Indeed it would even deny that Goethe was justified in arguing, from his postulates, an actual transformation of organs and organisms. Jul. Sachs rejects Goethe's thoughts by saying that he transfers “the abstraction evolved by the intellect to the object itself when he ascribes to this object a metamorphosis which, fundamentally speaking, is only accomplished in our concept.” According to this view Goethe has presumably gone no further than to reduce leaves, sepals, petals, etc., to one general concept, designating them by the name ‘leaf.’ “Of course the matter would be quite different if we could assume that the stamens were ordinary leaves in the ancestors of the plant-forms lying before us, etc.” (Sachs, History of Botany. 1875, p. 169).
This view springs from that “fact-fanaticism” which cannot see that the ideas belong just as objectively to the phenomena as the elements that are perceptible to the senses. Goethe's view is that the transformation of one organ into another can only be spoken of if both contain something in common over and above their external appearance. This is the sensible-supersensible form. The stamens of a plant-form before us can only be described as the transformed leaf of the predecessors if the same sensible-supersensible form lives in both. If that is not the case, if the stamen has developed in the particular plant-form simply in the same place in which a leaf developed in its predecessors, then no transformation has occurred, but one organ has merely appeared in the place of another. The Zoologist Oscar Schmidt asks: “What is it that is supposed to be transformed according to Goethe's views? Certainly not the archetype!” (War Goethe Darwinianer? Graz. 1871, p. 22.). Certainly the archetype is not transformed, for this is the same in all forms. But it is just because this remains the same that the external forms can be different, and yet represent, a uniform Whole. If one could not recognise the same ideal archetype in two forms developing out of each other, no relation could be assumed to exist between them. Only the conception of the ideal archetypal form can impart real meaning to the assertion that the organic forms arise by a process of transformation out of each other. Those who cannot rise to this conception remain chained within the mere facts. The laws of organic development lie in this conception. Just as Kepler's three fundamental laws make the processes in the solar system comprehensible, so can the forms of organic Nature be understood through Goethe's ideal archetypes.
[ 36 ] Kant, who denies to the human spirit the power of understanding, in the ideal sense, a Whole by which a multiplicity is determined in its appearance, calls it “a risky adventure of reason” to seek to explain the various forms of the organic world by an archetypal organism. For him man is only in a position to gather the manifold, individual phenomena into one general concept by which the intellect forms for itself a picture of the unity. This picture, however, exists only in the human mind and has nothing to do with the creative power by which the unity really causes the multiplicity to proceed out of itself. The “risky adventure of reason” consists in assuming that the Earth first allows the more simple organisms to proceed out of her womb and that these then produce from themselves forms with more deliberate purpose; that from these again, still higher forms develop, up to the most perfect living being. Kant holds that even if such a supposition is made, it can only be based on a purposive creative force, which has given evolution such an impulse that all its various members develop in accordance with some goal. Man perceives a multitude of different organisms; and since he cannot penetrate them in order to see how they themselves assume a form adapted to the life-element in which they develop, he must conceive that they are so adapted from without that they can live within these conditions. Goethe, however, claims the faculty of being able to recognise how Nature creates the particular from the whole, the outer from the inner. He is willing to undertake courageously what Kant calls the “adventure of reason” (cp. the Essay: Anschauende Urteilskraft Kürschner. Bd. 34.). If we had no other proof that Goethe regarded as justifiable the thought of a blood-relationship among all organic forms within the limits here specified, we should have to conclude it from this judgment of Kant's “adventure of reason.”
[ 37 ] A sketch, Entwurf einer Morphologie, which still exists, suggests that Goethe intended to present, in their sequence, the special forms which his archetypal plant and archetypal animal assume in the main forms of living beings. He wanted first to describe the nature of the organic as it appeared to him through his contemplation of animals and plants. Then he wanted to show how the organic archetypal being, “proceeding from a centre,” develops on the one side to the manifold plant world, on the other to the multiplicity of animal forms, and how particular forms of worms, of insects, of higher animals and the form of man can be derived from the general archetype. He intended even to shed light on physiognomy and phrenology. He made it his task to present the external form in its connection with the inner spiritual faculties. He was impelled to follow the organic formative impulse, which in the lower organisms is portrayed in a simple external appearance, in its striving to fulfil itself stage by stage in ever more perfect forms until it produces in man a form which makes him able to be the creator of spiritual production.
[ 38 ] This plan of Goethe's was never completed, any more than was another, the commencement of which is to be found in the fragment, Vorarbeiten zu einer Physiologie der Pflanzen (cp. Weimar Edition, Part 2, Vol. 6, pp. 286 ff.). Goethe tried to show how the various branches of material knowledge,—Natural History, Physics, Anatomy, Chemistry, Zöonomy and Physiology—must work together, in order to be applied in a higher mode of perception to explain the forms and processes of living beings. He wanted to bring forward a new science, a general morphology of organisms, new indeed “not in reference to its subject-matter, for this is known, but in its outlook and method, which must give an individual form to the doctrine as well as establish a place for it among other sciences.” What Anatomy, Natural History, Physics, Chemistry, Zöonomy, Physiology have to offer as the various laws of Nature, would be taken up by the living idea of the organic and placed on a higher level, just as the living being itself takes up the different processes of Nature in the cycle of its development and places them on a higher level of activity.
[ 39 ] Goethe reached the ideas which guided him through the labyrinth of living forms along paths of his own. The prevailing conceptions in regard to important regions of Nature's activity contradicted his own general world-conception. Therefore with regard to these regions he had to form for himself conceptions in accordance with his own being. He was convinced, however, that there was “nothing new under the sun,” and that one “could certainly find one's own perceptions already indicated in traditions.” For this reason he sent his work on the Metamorphosis of the Plants to learned friends, and begged them to tell him whether anything had already been written or handed down concerning the theme in question. He was glad to be told, by Friedrich August Wolf, of an “admirable precursor,” one Caspar Friedrich Wolf. Goethe became acquainted with his Theoria Generationis which had appeared in 1759. But this very work shows that it is possible to hold a correct view of the facts and yet that a man cannot come to the full idea of organic development unless he is capable of arriving at the sensible-supersensible form of life through a power of perception higher than that of the senses. Wolf was an excellent observer. He sought to discover the beginnings of life by means of microscopical investigations. He recognised transformed leaves in the calyx, corolla, pistils, stamens and seed. But he ascribed the process of transformation to a gradual decrease of the life-force, which diminishes in proportion to the length of time the plant exists, until it finally disappears. Calyx, corolla, etc., are, therefore, for him an imperfect development of the leaf. Wolf came forward as the opponent of Haller, who advanced the theory of Pre-formation or “Encasement.” According to this theory, all the members of a fully-grown organism are already represented on a small scale in the germ, and, indeed, in the same shape and mutual arrangement as in the developed living being. The development of an organism is thus simply an unfolding of what already exists. Wolf would only accept validity in what he saw with his eyes. And since the encased condition of a living being could not be discovered even by the most careful observations, he regarded development as an actually new formation. According to his view, the shape of an organic being is not yet present in the germ. Goethe is of the same opinion in reference to the external manifestation. He, too, rejects the “Encasement Theory” of Haller. For Goethe the organism is indeed pre-figured in the germ, not according to its external appearance but according to the idea. He regards the external appearance as a new formation, but reproaches Wolf with the fact that where he sees nothing with the eyes of the body, he also sees nothing with the eyes of the spirit. Wolf had no conception of the fact that something may still exist in the idea even if it does not pass into external manifestation. “Therefore he is always concerned with penetrating to the beginnings of the development of life by means of microscopical investigations and so following the organic embryos from their earliest appearance up to their development. However admirable this method may be, yet the excellent man did not think that there is a distinction between ‘seeing’ and ‘seeing,’ that the eyes of the spirit have to work in constant, living union with the eyes of the body because otherwise one may fall into the danger of seeing and yet overlooking. ... In the plant-transformation he saw the same organ continually contracting, continually diminishing, but he did not see that this contraction alternated with an expansion. He saw that it diminished in volume, but did not observe that at the same time it became more perfect, and he therefore absurdly attributed the path towards perfection to a process of impoverishment.” (Kürschner Nat. Lit. Bd. 33.).
[ 40 ] Until the very end of his life Goethe was in touch with innumerable scientific investigators, both in personal and written intercourse. He followed the progress of the science of living beings with the keenest interest; he saw with joy how modes of thought resembling his own gained entrance into this department of knowledge, and how his doctrine of metamorphosis was also recognised and made fruitful by individual investigators. In the year 1817 he began to gather his works together and to publish them in a periodical which he founded under the title, Zur Morphologie. In spite of all this, however, he made no further progress, through personal observation or reflection, in the growth of his ideas concerning organic development. On two other occasions only did he feel compelled to occupy himself more deeply with such ideas. In both cases he was attracted by scientific phenomena in which he found the confirmation of his own thoughts. The one case was the Course of Lectures held by K. F. Martius on “The Vertical and Spiral Tendency of Vegetation” at the Conference of Natural Scientists in the years 1828 and 1829, of which the periodical “Isis” published extracts; the other was a scientific dispute in the French Academy which broke out in the year 1830 between Geoffrey de Saint-Hilaire and Cuvier.
[ 41 ] Martius conceived of the growth of plants as being dominated by two tendencies by a striving in the vertical direction which governs the root and stem, and by another which causes the leaves, the organs of the blossoms and so on, to incorporate themselves into the vertical organs of the form of a spiral line. Goethe took these thoughts and brought them into connection with his idea of metamorphosis. He wrote a long essay (Kürschner Bd. 33), into which he collected all his experiences of the plant-world which appeared to him to point to the existence of these two tendencies. He believed that he had to merge these tendencies into his idea of metamorphosis. “This much we must assume: there prevails in vegetation a general spiral tendency, whereby, in union with the vertical striving of the whole structure, each formation in the plant is brought about in accordance with the laws of metamorphosis.” Goethe regarded the existence of spiral vessels in the various plant organs as a proof that the spiral tendency dominates the life of plants throughout. “Nothing is more in accordance with Nature than the fact that what she intends in the Whole she activates through the minutest detail.” “Let us in summer look at a stake planted in the soil up which a bindweed (convolvulus) climbs from below, winding its way to the heights and—clinging closely—maintains its living growth. Let us think now of the bindweed and stake as both equally living and ascending upwards from one root, producing each other alternately and so progressing unchecked. Those who can transform this picture into an inner perception will find the idea considerably easier. The twining plant seeks outside itself that which it should itself produce, but cannot.” Goethe uses the same comparison in a letter to Count Sternberg, 15th March, 1832, and adds these words: “Of course the comparison does not entirely fit, for in the beginning the creeper must wind itself round the stem in barely perceptible circles. The nearer it approaches the summit, however, the quicker must the spiral line turn in order finally (in the blossom) to collect itself in a circle on the disc. This process resembles the dances of one's youth, where half reluctantly one was often pressed in the close embrace of affectionate children. Pardon these anthropomorphisms!” Ferdinand Cohn remarks in reference to this passage: “If only Goethe had known Darwin! How pleased he would have been with this man, who through his strictly inductive methods knew how to find clear and convincing proofs for his ideas.” Darwin thinks that in nearly all plant organs he can show that in the period of their growth they have the tendency to spiral movements which he calls circummutation.
[ 42 ] In September, 1830, Goethe refers in an essay to the dispute between the two investigators, Cuvier and Geoffrey de Saint-Hilaire; in March, 1832, he continues this essay. In February and March, 1830, Cuvier, the “fact-fanatic” came forward in the French Academy in opposition to the work of Geoffrey de Saint-Hilaire, who, in Goethe's opinion, had attained to a “lofty mode of thought in conformity with the idea.” Cuvier was a master of the distinctions existing between the various organic forms. Saint-Hilaire tried to discover the analogies in these forms and to prove that the organisation of animals is “subject to a general plant only modified here and there, whence the differences can be derived.” He tried to acquire knowledge of the relationship between the laws and was convinced that the particular could develop stage by stage from the whole. Goethe regards Saint-Hilaire as a man of like mind with himself and he expresses this to Eckermann, 2nd August, 1830, in the words: “Geoffrey de Saint-Hilaire is now our ally, and with him all important followers and adherents in France. This occurrence is of inconceivable value to me and I justly rejoice at this final victory of a matter to which I have devoted my life and which is my own special concern.” Saint-Hilaire practises a mode of thought which is also that of Goethe, for he seeks to lay hold in experience of the idea of unity simultaneously with the sensible manifold. Cuvier clings to the manifold, to the particular, because in his observation of the particular the idea does not immediately arise. Saint-Hilaire had a right perception of the relation of the sensible to the idea; Cuvier had not. Therefore he describes Saint-Hilaire's all-inclusive principle as presumptive—nay even inferior. One can often experience, especially in the case of investigators of Nature, that they speak in a derogatory sense of something merely ideal, of something merely “thought.” They have no organ for the ideal, and therefore do not know its mode of working. It was because Goethe possessed this organ in a highly perfect state of development that he was led from his general world-conception to his deep insight into the nature of the living. His power of allowing the spiritual eye to work in constant living union with the eye of the body made it possible for him to behold the uniform sensible-supersensible essence which permeates organic evolution. He was also able to recognise this essence where one organ develops out of the other, and where, by its transformation, it conceals its relationship and similarity to its predecessor, even belying it, and changing, both in its function and in its form, to such a degree that no parallel, according to external characteristics, can be found with its earlier stages (cp. the essay on Joachim Jungius, Kürschner, Nat. Lit. Bd. 33.). Perception with the eye of the body imparts knowledge of the sensible and material; perception with the eye of the spirit leads to the perception of processes in human consciousness, to the observation of the world of thinking, feeling and willing; the living union of the spiritual and bodily eye makes possible the knowledge of the organic which, as a sensible-supersensible element, lies between the purely sensible and the purely spiritual.
