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Essays on the Threefold Social Order
GA 24

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6. Arbeitsfähigkeit, Arbeitswille und dreigliedriger sozialer Organismus

6. Ability for Work, Will to Work and the Threefold Social Order

[ 1 ] Sozialistisch denkende Persönlichkeiten sehen in der bisherigen Form des Gewinnes innerhalb des Wirtschaftslebens einen Arbeitsantrieb, von dessen Beseitigung die Herbeiführung gesünderer sozialer Zustände, als die bisherigen sind, abhängt. Für solche Persönlichkeiten wird die Frage drängend: Was wird die Menschen veranlassen, ihre Fähigkeiten in einem notwendigen Stärkegrade in den Dienst des wirtschaftlichen Produzierens zu stellen, wenn der Egoismus, der im Gewinn seine Befriedigung findet, sidl nicht mehr ausleben kann? Man kann nicht sagen, daß dieser Frage genügend Sorgfalt bei denen zugewandt wird, die an Sozialisierung denken. Die Forderung: in Zukunft dürfe der Mensch nicht mehr für sich, sondern er müsse «für die Gemeinschaft» arbeiten, bleibt wesenlos, solange man nicht wirklichkeitsgemäße Erkenntnisse darüber entwiekeln kann, auf welche Art man Menschenseelen dazu bestimmen kann, daß sie «für die Gemeinschaft» ebenso willig arbeiten, wie für sich selbst. Man könnte sich allerdings der Meinung hingeben, eine zentrale Verwaltung werde jeden Menschen an seinen Arbeitsplatz stellen, und dann werde durch diese Organisation der Arbeit auch möglich sein, die Arbeitsprodukte in gerechter Art von der Zentralverwaltung aus zu verteilen. Allein eine solche Meinung fußt auf einer Illusion. Sie rechnet zwar damit, daß die Menschen Konsumbedürfnisse haben und daß diese befriedigt werden müssen; aber sie rechnet nicht damit, daß das bloße Bewußtsein vom Vorhandensein dieser Konsumbedürfnisse in dem Menschen nicht eine Hingabe an die Produktion hervorruft, wenn er nicht für sich, sondern für die Gemeinschaft produzieren soll. Er wird durch dieses bloße Bewußtsein, für die Gesellschaft zu arbeiten, keine Befriedigung empfinden. Deshalb wird ihm daraus kein Arbeitsantrieb erstchen können.

[ 1 ] Socialists tend to look upon the profit motive, which has functioned heretofore as the primary incentive to work, as something that must be eliminated if healthier conditions are to be brought about in society. For such people this becomes an urgent question: What will induce us to use our abilities with sufficient energy in the service of economic production, when egotism (which finds its satisfaction in profit) is no longer able to exert itself? This question cannot be said to receive adequate attention from those who are planning to institute socialism. The demand that in the future one shall not work for oneself but for the community, remains quite empty as long as one has no concrete idea how human souls can be induced to work as willingly “for the community” as they do for themselves. One may no doubt indulge in the notion that some central managing body will place each of us at his or her place of work, and that this organization of labor will also enable the central management to make a fair distribution of the products of the labor. Any such notion is, however, based on a delusion. While it takes into account that human beings have need of consumer goods, and that these needs must be satisfied, it does not take into account that mere awareness of the existence of these needs will not engender devotion to the work of production, if they are expected to produce not for themselves, but for the community. The mere awareness that one is working for society will not give any sensible satisfaction; accordingly it cannot provide an incentive to work.

[ 2 ] Man sollte durchschauen, daß man in dem Augenblicke einen neuen Arbeitsantrieb schaffen muß, in dem man daran denkt, den alten des egoistischen Gewinnes zu beseitigen. Eine Wirtschaftsverwaitung, welche diesen Gewinn nicht innerhalb der in ihrem Kreislauf wirkenden Kräfte hat, kann von sich aus überhaupt keine wirkung aufden menschlichen Arbeitswillen ausüben. Und gerade dadurch, daß sie dies nicht kann, erfüllt sie eine soziale Forderung, bei der ein großer Teil der Menschheit auf der gegenwärtigen Stufe seiner Entwickelung angelangt ist. Dieser Teil der Menschheit will nicht mehr durch den wirtschaftlichen Zwang an die Arbeit gebracht werden. Er möchte aus Antrieben heraus arbeiten, welche der Würde des Menschen mehr entsprechen. Zweifellos ist diese Forderung bei vielen Menschen, an die man bei ihrer Erhebung denken muß, eine mehr oder weniger unbewußte, instinktive; aber im sozialen Leben bedeuten solche unbewußte, instinktive Impulse etwas weit Wichtigeres als die Ideen, die man bewußt vorbringt. Diese bewußten Ideen verdanken ihren Ursprung oft nur der Tatsache, daß die Menschen nicht die geistige Kraft haben, wirklich zu durchschauen was in ihnen vorgeht. Befaßt man sich mit solchen Ideen, so bewegt man sich im Wesenlosen. Es ist deshalb notwendig, trotz dem Täuschenden solcher Oberflächenideen auf wahre Forderungen der Menschen, wie die gekennzeichnete, die Aufmerksamkeit zu richten. Andererseits ist auch nicht in Abrede zu stellen, daß niedrige menschliche Instinkte in einer Zeit, in welcher, wie in der Gegenwart, das soziale Leben wilde Wogen wirft, ihr Wesen treiben. Man wird aber die Forderung nach einem menschenwürdigen Dasein, die berechtigt in obigem Sinne erhoben wird, nicht ertöten, wenn man das Walten niedriger menschlicher Instinkte benützt, um auch sie anzuklagen.

[ 2 ] It should be obvious that a new incentive to work must he created the moment there is any thought of eliminating the old incentive of egotistical gain. An economic management that does not include this profit motive among the forces at work within the economy cannot of itself exert any effect whatever upon the human will to work. And precisely because it cannot do so, it meets a social demand that a large part of humanity has begun to raise in the present stage of development. This part of humanity no longer wants to be led to work by economic compulsion. They want to work from motives more befitting human dignity. Undoubtedly, for many of those who come to mind when this demand is raised, it is somewhat unconscious; but in social life such unconscious, instinctive impulses are of much more significance than the ideas people consciously express. Conscious ideas often owe their origin merely to the fact that people do not have the spiritual energy to see into what really goes on within them. If one deals with such ideas, one is moving within an insubstantial element. Therefore it is necessary to see through the deceptive ideas on the surface into the real demands (such as the one just mentioned), and to turn one's attention to these real demands. On the other hand, it cannot be denied that in times like the present, when social life tosses about like wild waves, that the lower human instincts, too, run riot. However, the above mentioned demand for a dignified human existence is justified; one cannot dismiss it by arguing the turbulence of our lower instincts.

[ 3 ] Wenn eine Organisation des Wirtschaftswesens entstehen soll, die keine Wirkung auf den Arbeitswillen der Menschen haben kann, so muß diese Wirkung von einer anderen Organisation kommen. Die Idee vom dreigliedrigen sozialen Organismus trägt der Tatsache Rechnung, daß das Wirtschaftsleben auf der gegenwärtigen Entwickelungsstufe der zivilisierten Menschheit nur im Wirtschaften sich erschöpfen soll. Die Verwaltung eines solchen Wirtschaftslebens wird durch ihre Organe feststellen können, welches der Umfang der Konsumbedürfnisse ist; wie in bester Art die Erzeugnisse an die Konsumenten gebracht werden können; in welchem Umfange das eine oder andere Produkt erzeugt werden soll. Allein sie wird kein Minel haben, in dem Menschen den Produktionswillen zu erzeugen; und sie wird auch nicht in der Lage sein, die Erziehungs- und Unterrichtseinrichtungen zu treffen, durch die jene individuellen Fähigkeiten der Menschen gepflegt werden, welche die Quelle des Wirtschaftens bilden müssen. In dem alten, bis in die Gegenwart reichenden Wirtschaftssystem pflegten die Menschen diese Fähigkeiten, weil sie sich eben der Hoffnung auf persönlichen Gewinn hingeben konnten. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, wenn man glauben wollte, daß das bloße Gebot von Wirtschaftsverwaltungen, die nur das Wirtschaften im Auge haben, lusterweckend auf die Ausbildung von individuellen menschlichen Fähigkeiten wirken könne, und daß ein solches Gebot Kraft genug hätte, den Menschen zur Einsetzung seines Arbeitswillens zu veranlassen. Daß man sich diesem Irrtum nicht hingebe, das will die Idee vom dreigliedrigen sozialen Organismus. Sie will in dem freien, auf sich selbst gestellten Geistesleben ein Gebiet schaffen, in dem der Mensch lebensvoll verstehen lernt, was die menschliche Gesellschaft ist, für die er arbeiten soll; ein Gebiet, in dem er die Bedeutung einer Einzelarbeit im Gefüge der ganzen gesellschaftlichen Ordnung so durchschauen lernt, daß er diese Einzelarbeit wegen ihres Wertes für das Ganze lieben lernt. Sie will in dem freien Geistesleben die Grundlagen schaffen, die ein Ersatz sein können für den Antrieb, der aus der persönlichen Gewinnsucht kommt. Nur in einem freien Geistesleben kann eine solche Liebe zur menschlichen gesellschaftlichen Ordnung entstehen, wie sie etwa der Künstler zu dem Entstehen seiner Werke hat. Will man aber nicht daran denken, in einem freien Geistesleben eine solche Liebe zu pflegen, so gebe man nur alles Streben nach einem Neubau der sozialen Ordnung auf. Wer daran zweifelt, daß die Menschen zu solcher Liebe erziehbar sind, der muß auch zweifeln an der Möglichkeit, den persönlichen Gewinn aus dem Wirtschaftsleben auszuschalten. Wer nicht daran glauben kann, daß ein freies Geistesleben in dem Menschen solche Liebe erzeugt, der weiß eben nicht, daß die Abhängigkeit des Geisteslebens von Staat und Wirtschaft die Sucht nach persönlichem Gewinn hervorbringt, und daß diese Sucht nicht ein elementarisches Ergebnis der Menschennatur ist. Auf diesem Irrtum beruht es, daß so häufig gesagt wird, zur Verwirklichung der Dreigliederung seien andere Menschen als die gegenwärtigen nötig. Nein, die Menschen werden durch den dreigliedrigen Organismus so erzogen, daß sie anders werden, als sie bisher durch die Staatswirtschaftsordnung waren.

[ 3 ] If the economic system is to be organized in a way that can have no effect on our will to work, then our will to work must be stimulated in some other way. The threefold social order recognizes that at the present stage of human evolution, the economic sphere must limit itself exclusively to economic processes. The administration of such an economic order will be able, through its various organs, to determine the extent of consumers' needs, how the produce may best be brought to the consumers and the extent to which various articles should be produced. However, it will have no way of calling forth the will to produce; neither will it be in a position to cultivate the individual abilities that are the vital source of the entire economic process. Under the old economic system that still survives, people cultivated these abilities hoping they would bring personal profit. It would be a dire mistake to believe that the mere command of an administrative body overseeing only the economy could arouse a desire to develop men's individual abilities, or to believe that such a command would have power enough to induce them to put their will into their work. The threefold social order seeks to prevent people from making this mistake. It aims at establishing within an independent, self-sustaining cultural life a realm where one learns in a living way to understand this human society for which one is called upon to work; a realm where one learns to see what each single piece of work means for the combined fabric of the social order, to see it in such a light that one will learn to love it because of its value for the whole. It aims at creating in this free life of spirit the profounder principles that can replace the motive of personal gain. Only in a free spiritual life can a love for the human social order spring up that is comparable to the love an artist has for the creation of his works. If one is not prepared to consider fostering this kind of love within a free spiritual-cultural life, then one may as well renounce all striving for a new social order. Anyone who doubts that men and women are capable of being brought to this kind of love must also renounce all hope of eliminating personal profit from economic life. Anyone who fails to believe that a free spiritual life generates this kind of love is unaware that it is the dependence of spiritual and cultural life upon the state and the economy that creates desire for personal profit—this desire for profit is not a fundamental aspect of human nature. It is this mistake that makes people say constantly, “to realize the threefold order, human beings must be different than they are now.” No! Through the threefold order, people will be educated in such a way that they will grow up to be different than they were previously under the economic state.

[ 4 ] Und wie das freie Geistesleben die Antriebe zur Ausbildung der individuellen Fähigkeiten erzeugen wird, so wird das demokratisch orientierte Rechtsstaatsleben dem Arbeitswillen die notwendigen Impulse geben. In den wirklichen Beziehungen, die sich herstellen werden zwischen den in einem sozialen Organismus vereinigten Menschen, wenn jeder Mündige gegenüber jedem Mündigen seine Rechte regeln wird, kann es liegen, daß der Wille sich entzündet, «für die Gemeinschaft» zu arbeiten. Man sollte daran denken, daß durch solche Beziehungen ein wahres Gemeinsamkeitsgefühl erst entstehen und aus diesem Gefühl der Arbeitswille erwachsen kann. Denn in der Wirklichkeit wird ein solcher Rechtsstaat die Folge haben, daß ein jeder Mensch lebendig, mit vollem Bewußtsein, in dem gemeinsamen Arbeitsfelde darinnen steht. Er wird wissen, wofür er arbeitet; und er wird arbeiten wollen innerhalb der Arbeitsgemeinschaft, in die er sich durch seinen Willen eingegliedert weiß.

[ 4 ] And just as the free spiritual life will create the impulses for developing individual ability, the democratically ordered life of the legal sphere will provide the impulses for the will to work. Real relationships will grow up between people united in a social organism where each adult has a voice in government and is co-equal with every other adult: it is relationships such as these that are able to enkindle the will to work “for the community.” One must reflect that a truly communal feeling can grow only from such relationships, and that from this feeling, the will to work can grow. For in actual practice the consequence of such a state founded on democratic rights will be that each human being will take his place with vitality and full consciousness in the common field of work. Each will know what he or she is working for; and each will want to work within the working community of which he knows himself a member through his will.

[ 5 ] Wer die Idee des dreigliedrigen sozialen Organismus anerkennt, der durchschaut, daß die Großgenossenschaft mit staatsgemäßer Struktur, die von dem marxistischen Sozialismus angestrebt wird, keine Antriebe erzeugen kann für Arbeitsfähigkeit und Arbeitswillen. Er will, daß über der Wirklichkeit der äußeren Lebensordnung nicht die wirkliche Wesenheit des Menschen vergessen werde. Denn Lebenspraxis kann nicht bloß die Rechnung machen mit äußeren Einrichtungen; sie muß in die Rechnung einstellen, was der Mensch ist und werden kann.

[ 5 ] It will be plain to anyone who understands the threefold social order that the vast syndicate with its state-like structure (such as the Marxist model) can supply impulses neither for the ability nor for the will to work. Anyone who understands will take care that the essence of human nature not be forgotten for the sake of the exigencies of outer life. For social thinking cannot reckon with external institutions alone; it must take into account what man is and what he may become.