Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a
6 October 1916, Basel
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Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und menschlicher Lebenslauf, 1st ed.
Die Menschenrätsel in der Philosophie und in der Geistesforschung (Anthroposophie)
Die Menschenrätsel in der Philosophie und in der Geistesforschung (Anthroposophie)
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Zu den vorgestern hier entwickelten Ideen über Geisteswissenschaft oder Anthroposophie werde ich mir gestatten, heute einige Ausblicke hinzuzufügen, Ausblicke über das Verhältnis dieser Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu geistigen Kulturströmungen innerhalb unserer Zeit, innerhalb unserer weiteren Gegenwart. Indem ich auf das Menschenrätsel, oder die Menschenrätsel, wie sie gesucht werden durch das menschliche Geistesleben, einige Bemerkungen machen werde, wird sich dieser Ausblick auf die charakterisierten Verhältnisse ergeben.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Zu den vorgestern hier entwickelten Ideen über Geisteswissenschaft oder Anthroposophie werde ich mir gestatten, heute einige Ausblicke hinzuzufügen, Ausblicke über das Verhältnis dieser Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu geistigen Kulturströmungen innerhalb unserer Zeit, innerhalb unserer weiteren Gegenwart. Indem ich auf das Menschenrätsel, oder die Menschenrätsel, wie sie gesucht werden durch das menschliche Geistesleben, einige Bemerkungen machen werde, wird sich dieser Ausblick auf die charakterisierten Verhältnisse ergeben.
[ 2 ] Von der Notwendigkeit eines Menschenrätsels, der Annahme eines Menschenrätsels zu sprechen, scheint ebenso wenig notwendig zu sein für diejenigen Seelen, welche ein Empfinden für das Vorhandensein dieses Menschenrätsels haben, wie es notwendig ist, erst zu beweisen, dass in das physische Leben des Menschen sich hineinstellt der Hunger. Denn für eine zunächst für das Leben ausreichende Betrachtung ist es ja wohl klar, dass dieselben Kräfte, dieselben Lebenszusammenhänge, die im physischen Leben unseren Organismus so eingerichtet sein lassen, dass er sich durch die physische Nahrung unterhält, dass dieselben Kräfte, dieselben Lebenszusammenhänge hervorrufen dasjenige, was notwendig Naturzusammenhänge mit der Nahrungsaufnahme verknüpft ist: Hunger. Und das Vorhandensein des Menschenrätsels in der menschlichen Seele ist im Grunde genommen nichts anderes als das Vorhandensein des seelischen, des geistigen Hungers, und wird hervorgerufen so, wie der physische Hunger für den Leib, so als seelisch, als geistig Hungrig-Werden durch das Leben selbst, durch die Lebenszusammenhänge, in die die Seele hineingestellt ist, sodass jeder Mensch, insofern er denkend in das Leben sich hineinstellen will, den seelischen Hunger oder das Lebensrätsel, das Menschenrätsel empfindet und kennt. Man kann sich im Leben hinwegtäuschen über dieses Menschenrätsel, wie sich, nun, sagen wir, arme Studenten oftmals über Hunger hinwegtäuschen, indem sie diesen Hunger vertreiben durch Rauchen. Sie vertreiben nicht dasjenige, was dem Hunger zugrunde liegt; man täuscht sich über den Hunger nur hinweg. Dasjenige, was seine Folge ist, tritt für den Organismus doch ein. So kann man sich durch allerlei Vorurteile, durch allerlei Interesselosigkeit gegenüber dem Leben hinwegtäuschen über das Vorhandensein eines Menschenrätsels für die Seele, aber hinwegarbeiten für das seelische Leben kann man dieses Menschenrätsel aus der Seele nicht. Will man sich darüber hinwegtäuschen, gelingt die Täuschung, dann wird umso mehr dasjenige eintreten, auf das schon vorgestern hingewiesen worden ist: Haltlosigkeit der Seele im Leben, Nicht-gewachsen-Sein der Seele im Leben, Müdigkeit der Seele, und wie die Dinge alle heißen, die man sich ausmalen kann.
[ 2 ] Von der Notwendigkeit eines Menschenrätsels, der Annahme eines Menschenrätsels zu sprechen, scheint ebenso wenig notwendig zu sein für diejenigen Seelen, welche ein Empfinden für das Vorhandensein dieses Menschenrätsels haben, wie es notwendig ist, erst zu beweisen, dass in das physische Leben des Menschen sich hineinstellt der Hunger. Denn für eine zunächst für das Leben ausreichende Betrachtung ist es ja wohl klar, dass dieselben Kräfte, dieselben Lebenszusammenhänge, die im physischen Leben unseren Organismus so eingerichtet sein lassen, dass er sich durch die physische Nahrung unterhält, dass dieselben Kräfte, dieselben Lebenszusammenhänge hervorrufen dasjenige, was notwendig Naturzusammenhänge mit der Nahrungsaufnahme verknüpft ist: Hunger. Und das Vorhandensein des Menschenrätsels in der menschlichen Seele ist im Grunde genommen nichts anderes als das Vorhandensein des seelischen, des geistigen Hungers, und wird hervorgerufen so, wie der physische Hunger für den Leib, so als seelisch, als geistig Hungrig-Werden durch das Leben selbst, durch die Lebenszusammenhänge, in die die Seele hineingestellt ist, sodass jeder Mensch, insofern er denkend in das Leben sich hineinstellen will, den seelischen Hunger oder das Lebensrätsel, das Menschenrätsel empfindet und kennt. Man kann sich im Leben hinwegtäuschen über dieses Menschenrätsel, wie sich, nun, sagen wir, arme Studenten oftmals über Hunger hinwegtäuschen, indem sie diesen Hunger vertreiben durch Rauchen. Sie vertreiben nicht dasjenige, was dem Hunger zugrunde liegt; man täuscht sich über den Hunger nur hinweg. Dasjenige, was seine Folge ist, tritt für den Organismus doch ein. So kann man sich durch allerlei Vorurteile, durch allerlei Interesselosigkeit gegenüber dem Leben hinwegtäuschen über das Vorhandensein eines Menschenrätsels für die Seele, aber hinwegarbeiten für das seelische Leben kann man dieses Menschenrätsel aus der Seele nicht. Will man sich darüber hinwegtäuschen, gelingt die Täuschung, dann wird umso mehr dasjenige eintreten, auf das schon vorgestern hingewiesen worden ist: Haltlosigkeit der Seele im Leben, Nicht-gewachsen-Sein der Seele im Leben, Müdigkeit der Seele, und wie die Dinge alle heißen, die man sich ausmalen kann.
[ 3 ] Das Tier ist eingeschaltet in den ganzen Weltenprozess so, dass es dasjenige in sich durch die Weltenvorgänge erlebt, wessen es bedarf. Aber so, wie dem Tiere durch seine instinktiven Triebe und die Werkzeuge, die es sich durch diese verschafft — wenn es welche braucht —, vorgezeichnet ist, ich möchte sagen sein Nahrungsmittel innerhalb der tierischen Kultur, so ist ihm auch sein inneres seelisches Leben vorgezeichnet. Nicht so dem Menschen. Der Mensch stellt durch die Arbeit, die nicht schon durch die Natur selbst in ihm veranlagt ist, sich in die Kultur hinein. Er arbeitet über die Natur hinaus. So auch frägt er über die Natur hinaus und muss er fragen über die Natur hinaus. Ihm ist nicht zugeteilt durch den Weltenprozess dasjenige, was er notwendig erleben muss nach dem Bedürfnisse, nach den Lebensverhältnissen seiner Seele. Daher auch sehen wir, wie unauslöschlich, mehr als man das gewöhnlich glaubt, in der Menschenseele begründet ist der Drang nach einer Erkenntnis, die zu einer gewissen Befriedigung über die Menschenrätsel führt.
[ 3 ] Das Tier ist eingeschaltet in den ganzen Weltenprozess so, dass es dasjenige in sich durch die Weltenvorgänge erlebt, wessen es bedarf. Aber so, wie dem Tiere durch seine instinktiven Triebe und die Werkzeuge, die es sich durch diese verschafft — wenn es welche braucht —, vorgezeichnet ist, ich möchte sagen sein Nahrungsmittel innerhalb der tierischen Kultur, so ist ihm auch sein inneres seelisches Leben vorgezeichnet. Nicht so dem Menschen. Der Mensch stellt durch die Arbeit, die nicht schon durch die Natur selbst in ihm veranlagt ist, sich in die Kultur hinein. Er arbeitet über die Natur hinaus. So auch frägt er über die Natur hinaus und muss er fragen über die Natur hinaus. Ihm ist nicht zugeteilt durch den Weltenprozess dasjenige, was er notwendig erleben muss nach dem Bedürfnisse, nach den Lebensverhältnissen seiner Seele. Daher auch sehen wir, wie unauslöschlich, mehr als man das gewöhnlich glaubt, in der Menschenseele begründet ist der Drang nach einer Erkenntnis, die zu einer gewissen Befriedigung über die Menschenrätsel führt.
[ 4 ] Nun, heute soll nur aufmerksam gemacht werden in unserem Zusammenhange auf dasjenige, was in den letzten Jahrzehnten für unsere unmittelbare Gegenwart anders als in verflossenen Jahrhunderten und Jahrtausenden unternommen worden ist von der Menschheit, um den großen Menschenrätseln und ihren Lösungen näher zu kommen. Die Arbeit, welche die Menschen in so großartiger, in so gewaltiger Weise in dieser Linie geleistet haben, liegt ja vorzugsweise auf äußerem materiellen Gebiete, auf dem Gebiete der sinnlichen Erkenntnis, derjenigen Erkenntnis, die nicht nur mit den gewöhnlichen Kräften der Sinnesorgane arbeitet, sondern welche versucht, durch all das, was die Naturwissenschaft schaffen kann zur Bewaffnung der Sinnestätigkeit, zur Erhöhung der Sinnesfähigkeit durch das Eindringen in die Geheimnisse der Natur. Und durch dieses Eindringen in die Geheimnisse der Natur, das, wie gesagt, durch Geisteswissenschaft nicht verkleinert werden soll, sondern gerade in seiner Großartigkeit anerkannt werden soll — voll anerkannt werden soll —, durch dieses Eindringen in die Naturvorgänge hoffte ja insbesondere die Zeit der letzten Jahrzehnte auch näherzukommen dem, was man eine Anschauung über die großen Menschenrätsel nennen kann.
[ 4 ] Nun, heute soll nur aufmerksam gemacht werden in unserem Zusammenhange auf dasjenige, was in den letzten Jahrzehnten für unsere unmittelbare Gegenwart anders als in verflossenen Jahrhunderten und Jahrtausenden unternommen worden ist von der Menschheit, um den großen Menschenrätseln und ihren Lösungen näher zu kommen. Die Arbeit, welche die Menschen in so großartiger, in so gewaltiger Weise in dieser Linie geleistet haben, liegt ja vorzugsweise auf äußerem materiellen Gebiete, auf dem Gebiete der sinnlichen Erkenntnis, derjenigen Erkenntnis, die nicht nur mit den gewöhnlichen Kräften der Sinnesorgane arbeitet, sondern welche versucht, durch all das, was die Naturwissenschaft schaffen kann zur Bewaffnung der Sinnestätigkeit, zur Erhöhung der Sinnesfähigkeit durch das Eindringen in die Geheimnisse der Natur. Und durch dieses Eindringen in die Geheimnisse der Natur, das, wie gesagt, durch Geisteswissenschaft nicht verkleinert werden soll, sondern gerade in seiner Großartigkeit anerkannt werden soll — voll anerkannt werden soll —, durch dieses Eindringen in die Naturvorgänge hoffte ja insbesondere die Zeit der letzten Jahrzehnte auch näherzukommen dem, was man eine Anschauung über die großen Menschenrätsel nennen kann.
[ 5 ] Man erinnere sich nur an alles dasjenige, was zu leisten versuchten Physik und Chemie, um einzudringen in dasjenige, was sich zunächst den Sinnen entzieht, was die menschliche Fähigkeit der Sinnesbeobachtung nur erreichen kann, wenn sie sich mit den Instrumenten der Physik und Chemie bewaffnet, wenn sie durch die Vorgänge, die Physik und Chemie darbieten, in die Natur einzudringen versucht. Und wiederum hat man aus dem, was man so an Erkenntnis gewonnen hat, die Hoffnung geschöpft, auch einzudringen in dasjenige, was an Erkenntnis dem Menschen nicht unmittelbar gegeben ist, wessen man aber bedarf zur Lösung der Menschenrätsel.
[ 5 ] Man erinnere sich nur an alles dasjenige, was zu leisten versuchten Physik und Chemie, um einzudringen in dasjenige, was sich zunächst den Sinnen entzieht, was die menschliche Fähigkeit der Sinnesbeobachtung nur erreichen kann, wenn sie sich mit den Instrumenten der Physik und Chemie bewaffnet, wenn sie durch die Vorgänge, die Physik und Chemie darbieten, in die Natur einzudringen versucht. Und wiederum hat man aus dem, was man so an Erkenntnis gewonnen hat, die Hoffnung geschöpft, auch einzudringen in dasjenige, was an Erkenntnis dem Menschen nicht unmittelbar gegeben ist, wessen man aber bedarf zur Lösung der Menschenrätsel.
[ 6 ] Wie hat insbesondere die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, noch ein großer Teil der Zeit der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts große Hoffnungen darauf gesetzt, physikalisch, chemisch nicht nur die verschiedenen Wirkungsweisen der Stoffe und Kräfte zu erforschen, sondern eine Ansicht zu gewinnen, welche die Chemie und Physik Moleküle und Atome nennt, über die Bewegung und Vorgänge im kleinsten Naturwirken, und wie hat man geglaubt, dadurch, dass man auf streng exakte Weise — wie man meinte — hineinzuschauen lernte in das Wesen des Kleinsten, in das Wesen der Atome, in das Wesen der Moleküle; wie hat man geglaubt, dadurch, dass man in diese kleinste Welt hineinzusehen vermag, Aufklärungen zu gewinnen über das, was Antwort geben kann auf die Frage: Was geht eigentlich im Menschen vor, wenn er sich seelisch-geistig in der Welt betätigt? Man hoffte, wenn man die Welt der Atome und Moleküle draußen im Raume kennenlernt, wird man sie auch kennenlernen so weit, dass man ihre Wirkungen im menschlichen Organismus für das menschliche Geistesleben wird studieren können und dadurch sich dem Menschenrätsel wesentlich werde nähern können.
[ 6 ] Wie hat insbesondere die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, noch ein großer Teil der Zeit der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts große Hoffnungen darauf gesetzt, physikalisch, chemisch nicht nur die verschiedenen Wirkungsweisen der Stoffe und Kräfte zu erforschen, sondern eine Ansicht zu gewinnen, welche die Chemie und Physik Moleküle und Atome nennt, über die Bewegung und Vorgänge im kleinsten Naturwirken, und wie hat man geglaubt, dadurch, dass man auf streng exakte Weise — wie man meinte — hineinzuschauen lernte in das Wesen des Kleinsten, in das Wesen der Atome, in das Wesen der Moleküle; wie hat man geglaubt, dadurch, dass man in diese kleinste Welt hineinzusehen vermag, Aufklärungen zu gewinnen über das, was Antwort geben kann auf die Frage: Was geht eigentlich im Menschen vor, wenn er sich seelisch-geistig in der Welt betätigt? Man hoffte, wenn man die Welt der Atome und Moleküle draußen im Raume kennenlernt, wird man sie auch kennenlernen so weit, dass man ihre Wirkungen im menschlichen Organismus für das menschliche Geistesleben wird studieren können und dadurch sich dem Menschenrätsel wesentlich werde nähern können.
[ 7 ] Nun ist es interessant zu sehen, was eine jahrzehntelange, nicht genug anzuerkennende Forschung auf diesem physikalisch-chemischen Gebiete geleistet hat. Auf die Einzelheiten kann ja nicht eingegangen werden, aber auf dasjenige kann hingewiesen werden, was sich für gewissenhafte Forschung und für gewissenhaft forscherische Denker ergeben hat. Ich brauche nur auf einen Ausspruch eines gewissenhaften Forschers — [Augustus Rowland] — aufmerksam zu machen und dieses Ergebnis kann sogleich vor unsere Seele treten. Eine jahrzehntelange Arbeit zur Erforschung der kleinsten Weltenteile liegt hinter uns, und ein Forscher, der intensiv beteiligt ist an dieser Forschung, sagt: Nach allem, was er sich habe als Anschauung aneignen können, müsse er sagen, insbesondere nach seinen «spektralanalytischen Untersuchungen» müsse er sagen — Augustus Rowland — «Ein Eisenatom muss viel komplizierter vorgestellt werden als ein Klavier von Steinway.»
[ 7 ] Nun ist es interessant zu sehen, was eine jahrzehntelange, nicht genug anzuerkennende Forschung auf diesem physikalisch-chemischen Gebiete geleistet hat. Auf die Einzelheiten kann ja nicht eingegangen werden, aber auf dasjenige kann hingewiesen werden, was sich für gewissenhafte Forschung und für gewissenhaft forscherische Denker ergeben hat. Ich brauche nur auf einen Ausspruch eines gewissenhaften Forschers — [Augustus Rowland] — aufmerksam zu machen und dieses Ergebnis kann sogleich vor unsere Seele treten. Eine jahrzehntelange Arbeit zur Erforschung der kleinsten Weltenteile liegt hinter uns, und ein Forscher, der intensiv beteiligt ist an dieser Forschung, sagt: Nach allem, was er sich habe als Anschauung aneignen können, müsse er sagen, insbesondere nach seinen «spektralanalytischen Untersuchungen» müsse er sagen — Augustus Rowland — «Ein Eisenatom muss viel komplizierter vorgestellt werden als ein Klavier von Steinway.»
[ 8 ] Also, sehr verehrte Anwesende, ein schöner, ein langer Forschungsweg, der nicht genug anzuerkennen ist, ist beschritten worden, wird zweifellos weiter fortgesetzt werden; aber schon jetzt muss derjenige, der die Dinge versteht, sich gestehen: Dasjenige, was unerklärlich immer vor dem gewöhnlichen Bewusstsein liegt, wenn wir unsere Sinne hinrichten in die Natur, das wird nicht erklärt, wenn wir durch alle Vorgänge der Physik und Chemie bis zu den kleinsten Gebilden vorschreiten, sondern was wir unerklärlich finden in dem Äußeren, das uns unmittelbar vorliegt, wie zum Beispiel die Möglichkeit, zu erleben die Bewegungen der Saiten des Steinway-Flügels, das liegt uns genauso im Kleinsten vor, worin wir uns vorstellen, allerlei wissenschaftliche Vorstellungen machen, wenn wir den Weg ins Kleinste machen. Wir finden auf diesem Weg ins Kleinste nichts anderes als im Großen. Es wird die Welt nicht erklärlicher dadurch, dass wir ins Kleinste eindringen, wenn das Kleinste sich genau ebenso kompliziert und unerklärlich erweist wie das Große.
[ 8 ] Also, sehr verehrte Anwesende, ein schöner, ein langer Forschungsweg, der nicht genug anzuerkennen ist, ist beschritten worden, wird zweifellos weiter fortgesetzt werden; aber schon jetzt muss derjenige, der die Dinge versteht, sich gestehen: Dasjenige, was unerklärlich immer vor dem gewöhnlichen Bewusstsein liegt, wenn wir unsere Sinne hinrichten in die Natur, das wird nicht erklärt, wenn wir durch alle Vorgänge der Physik und Chemie bis zu den kleinsten Gebilden vorschreiten, sondern was wir unerklärlich finden in dem Äußeren, das uns unmittelbar vorliegt, wie zum Beispiel die Möglichkeit, zu erleben die Bewegungen der Saiten des Steinway-Flügels, das liegt uns genauso im Kleinsten vor, worin wir uns vorstellen, allerlei wissenschaftliche Vorstellungen machen, wenn wir den Weg ins Kleinste machen. Wir finden auf diesem Weg ins Kleinste nichts anderes als im Großen. Es wird die Welt nicht erklärlicher dadurch, dass wir ins Kleinste eindringen, wenn das Kleinste sich genau ebenso kompliziert und unerklärlich erweist wie das Große.
[ 9 ] Und wie hat auf einem anderen Gebiete, bewaffnet mit dem zu solch wundervoller Vollkommenheit gediehenen Mikroskop, die Forschung über die Lebewesen einzudringen versucht wiederum ins Kleinste! Wie hat man gehofft, dadurch, dass man vordringt von dem, was wir als Organismen der Tiere und der Pflanzen vor uns haben, die man sich im Zusammenhange dachte nach Lamarck, nach Darwin mit den Menschen, wie hat man gehofft, in diese langen Reihen der Tier- und Pflanzenformen Verständnis hineinzubringen dadurch, dass man die kleinsten Teile, die Zellgebilde zu erforschen vermag, insbesondere diejenigen Zellgebilde, aus denen sich der Organismus entwickelt: die Keimzellen. Und derjenige, der da kennt, was in der neueren Zeit geleistet worden ist mit Bezug auf eine Anschauung über die Keimzelle, aus der der Organismus entsteht, der kann nur von höchster Bewunderung erfüllt sein für diesen Weg, der in kleinste Gebiete des Lebens hineinführt. Große Hoffnungen hat man wiederum im neunzehnten Jahrhundert auf diese Forschung gesetzt. Man denke nur an so energische und forscherische Denker wie Haeckel, wie er der Anschauung war, dass mit dem Hineinschauen in das kleinste Lebewesen — aber nicht nur er als Radikaler, sondern auch andere waren diesen Hoffnungen ergeben —, wie man dadurch Aufklärung gewinnen könne über das, was uns vorliegt.
[ 9 ] Und wie hat auf einem anderen Gebiete, bewaffnet mit dem zu solch wundervoller Vollkommenheit gediehenen Mikroskop, die Forschung über die Lebewesen einzudringen versucht wiederum ins Kleinste! Wie hat man gehofft, dadurch, dass man vordringt von dem, was wir als Organismen der Tiere und der Pflanzen vor uns haben, die man sich im Zusammenhange dachte nach Lamarck, nach Darwin mit den Menschen, wie hat man gehofft, in diese langen Reihen der Tier- und Pflanzenformen Verständnis hineinzubringen dadurch, dass man die kleinsten Teile, die Zellgebilde zu erforschen vermag, insbesondere diejenigen Zellgebilde, aus denen sich der Organismus entwickelt: die Keimzellen. Und derjenige, der da kennt, was in der neueren Zeit geleistet worden ist mit Bezug auf eine Anschauung über die Keimzelle, aus der der Organismus entsteht, der kann nur von höchster Bewunderung erfüllt sein für diesen Weg, der in kleinste Gebiete des Lebens hineinführt. Große Hoffnungen hat man wiederum im neunzehnten Jahrhundert auf diese Forschung gesetzt. Man denke nur an so energische und forscherische Denker wie Haeckel, wie er der Anschauung war, dass mit dem Hineinschauen in das kleinste Lebewesen — aber nicht nur er als Radikaler, sondern auch andere waren diesen Hoffnungen ergeben —, wie man dadurch Aufklärung gewinnen könne über das, was uns vorliegt.
[ 10 ] Nun ist merkwürdig wiederum, welches das Ergebnis ist, zu dem ein wahrhaft großartiger gewaltiger Weg geführt hat. Ich brauche nur eine Stelle aus dem Werke eines großen Naturforschers des neunzehnten Jahrhunderts Ihnen vorzulesen, und Sie werden sehen, welches das Ergebnis auf diesem Gebiete ist, und ob das Ergebnis so gestaltet ist, dass man hoffen kann, über das Menschenrätsel aus der Anschauung des kleinsten Lebens Aufschluss zu erhalten. Nägeli, der große Naturforscher, aber nicht er allein, sondern, was sehr bedeutungsvoll ist, der bedeutendste Schüler Haeckels, Oscar Hertwig, stimmt vollständig überein mit diesem Ausspruch Nägelis und behauptet seinerseits, dass gerade die mikroskopischen Forschungen und die anderen Forschungen über die Entstehung des Lebens der einzelnen Arten, die in der allerletzten Zeit ausgebaut worden sind, bekräftigt haben dasjenige, was da Nägeli in den Achtzigerjahren gesagt hat. Das also ist damit charakterisiert unmittelbar als ein Bekenntnis, eines auf der Höhe der Naturforschung stehenden Denkers der Gegenwart. Da heißt es:
[ 10 ] Nun ist merkwürdig wiederum, welches das Ergebnis ist, zu dem ein wahrhaft großartiger gewaltiger Weg geführt hat. Ich brauche nur eine Stelle aus dem Werke eines großen Naturforschers des neunzehnten Jahrhunderts Ihnen vorzulesen, und Sie werden sehen, welches das Ergebnis auf diesem Gebiete ist, und ob das Ergebnis so gestaltet ist, dass man hoffen kann, über das Menschenrätsel aus der Anschauung des kleinsten Lebens Aufschluss zu erhalten. Nägeli, der große Naturforscher, aber nicht er allein, sondern, was sehr bedeutungsvoll ist, der bedeutendste Schüler Haeckels, Oscar Hertwig, stimmt vollständig überein mit diesem Ausspruch Nägelis und behauptet seinerseits, dass gerade die mikroskopischen Forschungen und die anderen Forschungen über die Entstehung des Lebens der einzelnen Arten, die in der allerletzten Zeit ausgebaut worden sind, bekräftigt haben dasjenige, was da Nägeli in den Achtzigerjahren gesagt hat. Das also ist damit charakterisiert unmittelbar als ein Bekenntnis, eines auf der Höhe der Naturforschung stehenden Denkers der Gegenwart. Da heißt es:
[ 11 ] Die Eizellen enthalten alle wesentlichen Merkmale der Art ebenso gut wie der ausgebildete Organismus, und als Eizellen unterscheiden sich die Organismen nicht minder voneinander als im entwickelten Zustande. In dem Hühnerei ist die Spezies Huhn ebenso vollständig enthalten als im Huhn selbst, und das Hühnerei ist von dem Froschei ebenso weit verschieden als das Huhn vom Frosch.
[ 11 ] Die Eizellen enthalten alle wesentlichen Merkmale der Art ebenso gut wie der ausgebildete Organismus, und als Eizellen unterscheiden sich die Organismen nicht minder voneinander als im entwickelten Zustande. In dem Hühnerei ist die Spezies Huhn ebenso vollständig enthalten als im Huhn selbst, und das Hühnerei ist von dem Froschei ebenso weit verschieden als das Huhn vom Frosch.
[ 12 ] Wie hat man gehofft, dadurch, dass man finden werde, dass in den Anfangsstadien der Entwicklung die verschiedenen Tierarten gleich seien, Aufschluss zu gewinnen über die Gründe, warum sie verschieden sind in der Welt, die unseren Sinnen unmittelbar vorliegt. Und nun das Ergebnis, das Ergebnis der allerneuesten Forschung: Wir mögen noch so weit hineingehen mit dem Mikroskop in die kleinsten Wesenheiten des Lebens — wir finden dasselbe Unerklärliche, das wir am Huhn, am Frosch finden, im Hühnerei, im Froschei ebenso unerklärlich, wie die äußere Welt, die unseren Sinnen vorliegt, die Welt, die auf diesem Wege einer wunderbaren Forschung erkannt werden kann. Dies darf heute schon als ein wirksames, der Wissenschaft entsprechendes Bekenntnis aufgefasst werden, ein Bekenntnis, an dem auch künftige Forschungen im Wesentlichen nichts ändern können.
[ 12 ] Wie hat man gehofft, dadurch, dass man finden werde, dass in den Anfangsstadien der Entwicklung die verschiedenen Tierarten gleich seien, Aufschluss zu gewinnen über die Gründe, warum sie verschieden sind in der Welt, die unseren Sinnen unmittelbar vorliegt. Und nun das Ergebnis, das Ergebnis der allerneuesten Forschung: Wir mögen noch so weit hineingehen mit dem Mikroskop in die kleinsten Wesenheiten des Lebens — wir finden dasselbe Unerklärliche, das wir am Huhn, am Frosch finden, im Hühnerei, im Froschei ebenso unerklärlich, wie die äußere Welt, die unseren Sinnen vorliegt, die Welt, die auf diesem Wege einer wunderbaren Forschung erkannt werden kann. Dies darf heute schon als ein wirksames, der Wissenschaft entsprechendes Bekenntnis aufgefasst werden, ein Bekenntnis, an dem auch künftige Forschungen im Wesentlichen nichts ändern können.
[ 13 ] So eröffnet sich für eine Lösung des Menschenrätsels auf diesem Wege keine Aussicht. Und wiederum, blicken wir auf den anderen Weg, den die äußere Forschung eingenommen hat, er ist nicht minder bewunderungswürdig da, wo aus dem, was uns vorliegt, in unseren Lebenskreisen geschritten werden soll, von dem aus geschritten werden soll zu einem gewissen Ganzen der Welt, wie wenn wir aus dem, was sich heute auf der Erde bildet, Schlüsse ziehen wollen auf dasjenige, was sich im Werden der Erde geologisch ausgelebt hat; oder wenn wir Schlüsse ziehen wollen aus den Beobachtungen unserer Sinne oder unserer durch das Teleskop bewaffneten Sinne oder durch die Mathematik, und die durch andere, durch astronomische Instrumente bewaffneten Sinne, wenn wir Schlüsse ziehen wollen auf den Gesamtbau des Weltengebäudes. Auch da liegen die bewunderungswürdigsten, die gewaltigsten Forschungen vor. Aber was ist zutage getreten?
[ 13 ] So eröffnet sich für eine Lösung des Menschenrätsels auf diesem Wege keine Aussicht. Und wiederum, blicken wir auf den anderen Weg, den die äußere Forschung eingenommen hat, er ist nicht minder bewunderungswürdig da, wo aus dem, was uns vorliegt, in unseren Lebenskreisen geschritten werden soll, von dem aus geschritten werden soll zu einem gewissen Ganzen der Welt, wie wenn wir aus dem, was sich heute auf der Erde bildet, Schlüsse ziehen wollen auf dasjenige, was sich im Werden der Erde geologisch ausgelebt hat; oder wenn wir Schlüsse ziehen wollen aus den Beobachtungen unserer Sinne oder unserer durch das Teleskop bewaffneten Sinne oder durch die Mathematik, und die durch andere, durch astronomische Instrumente bewaffneten Sinne, wenn wir Schlüsse ziehen wollen auf den Gesamtbau des Weltengebäudes. Auch da liegen die bewunderungswürdigsten, die gewaltigsten Forschungen vor. Aber was ist zutage getreten?
[ 14 ] Gerade darin besteht ja einer der Hauptfortschritte der Erdforschung oder Geologie, dass dieselben Ursachen, die gegenwärtig wirksam sind, der Geologe nur ausdehnen kann auf das Gesamtgebiet, das er überblicken will. Nichts anderes, als was in unserer unmittelbaren Umgebung sich abspielt, indem Erde sich ablagert aus Flüssen oder ähnliche Vorgänge stattfinden, nichts anderes findet der Geologe in anderen Zeiten der Erdentwicklung, und er ist gerade stolz darauf, nichts anderes zu verwenden, seit [Lyell] die Geologie in der neueren Zeit begründet hat, als dasjenige, was auch in der unmittelbaren Gegenwart da ist.
[ 14 ] Gerade darin besteht ja einer der Hauptfortschritte der Erdforschung oder Geologie, dass dieselben Ursachen, die gegenwärtig wirksam sind, der Geologe nur ausdehnen kann auf das Gesamtgebiet, das er überblicken will. Nichts anderes, als was in unserer unmittelbaren Umgebung sich abspielt, indem Erde sich ablagert aus Flüssen oder ähnliche Vorgänge stattfinden, nichts anderes findet der Geologe in anderen Zeiten der Erdentwicklung, und er ist gerade stolz darauf, nichts anderes zu verwenden, seit [Lyell] die Geologie in der neueren Zeit begründet hat, als dasjenige, was auch in der unmittelbaren Gegenwart da ist.
[ 15 ] Und wiederum sehen wir, wie Astrophysik — diese wunderbare Wissenschaft, ausgerüstet mit allen physikalischen und sonstigen Forschungsmitteln — zu dem Satze gekommen ist, dass, wo wir auch hinschauen mögen im großen Weltenbau: Dieselben Vorgänge, ja dieselben Stoffe, die auf der Erde zu entdecken sind, sie finden sich auch da drinnen wieder. So können wir auch, wenn wir den Weg beschreiten von unserem engen Lebenskreis auf der Erde, zu dem großen Weltenbau, den Forschungswegen, die gerade groß geworden sind in der neueren Zeit, nichts anderes finden, als was wir im kleinsten Kreise finden. Auf beiden Wegen, durch das Eindringen in das Kleinste, durch das Eindringen in die großen Weltenbau-Zusammenhänge, wird dasjenige nicht gefördert, was eigentlich dem Menschenrätsel nach — dem notwendigen seelischen Hunger — beim Menschen zugrunde liegt. Demgegenüber steht nun Anthroposophie — Anthroposophie oder Geisteswissenschaft —, wie ich sie versuchte zu charakterisieren im vorgestrigen Vortrag. Sie ist durchdrungen davon, dass auf den angedeuteten Wegen man zu nichts Neuem kommt, als was schon unmittelbar vor den Sinnen der Menschheit ausgebreitet ist. Sie sieht klar ein: Wie weit man auch auf rein naturwissenschaftlichem Wege forscht, man finder nichts anderes, als was man in der Umgebung der Sinne schon hat. Aber nicht erst Geisteswissenschaft — oder Anthroposophie, kann man sagen — empfindet das, durchschaut es klar, sondern die Philosophen, die philosophische Forschung aller Zeiten hat dieses empfunden, und daher kommt cs, dass in der philosophischen Forschung der verschiedenen Zeiten vorliegen menschliche Versuche, tiefer in die Welt einzudringen auf einem Wege, der nicht durch die Sinne geht, auf einem Wege, der frei ist von der sinnlichen Beobachtung. Aber was kann Philosophie verwenden und was verwendet sie? Philosophie verwendet, um nun tiefer einzudringen als die äußere Forschung eindringen kann, den Gedanken. Und man darf sagen — man kann auch manches verkennen, aber wenn man ein Verständnis für den Entwicklungsgang des philosophischen Denkens hat, wird man es nicht verkennen —, man darf sagen: In Bezug auf die Ausgestaltung des Denkens, um etwas zu gewinnen, das Antworten gibt auf das Menschenrätsel, ist wirklich auch Bewunderungswürdiges geleistet worden.
[ 15 ] Und wiederum sehen wir, wie Astrophysik — diese wunderbare Wissenschaft, ausgerüstet mit allen physikalischen und sonstigen Forschungsmitteln — zu dem Satze gekommen ist, dass, wo wir auch hinschauen mögen im großen Weltenbau: Dieselben Vorgänge, ja dieselben Stoffe, die auf der Erde zu entdecken sind, sie finden sich auch da drinnen wieder. So können wir auch, wenn wir den Weg beschreiten von unserem engen Lebenskreis auf der Erde, zu dem großen Weltenbau, den Forschungswegen, die gerade groß geworden sind in der neueren Zeit, nichts anderes finden, als was wir im kleinsten Kreise finden. Auf beiden Wegen, durch das Eindringen in das Kleinste, durch das Eindringen in die großen Weltenbau-Zusammenhänge, wird dasjenige nicht gefördert, was eigentlich dem Menschenrätsel nach — dem notwendigen seelischen Hunger — beim Menschen zugrunde liegt. Demgegenüber steht nun Anthroposophie — Anthroposophie oder Geisteswissenschaft —, wie ich sie versuchte zu charakterisieren im vorgestrigen Vortrag. Sie ist durchdrungen davon, dass auf den angedeuteten Wegen man zu nichts Neuem kommt, als was schon unmittelbar vor den Sinnen der Menschheit ausgebreitet ist. Sie sieht klar ein: Wie weit man auch auf rein naturwissenschaftlichem Wege forscht, man finder nichts anderes, als was man in der Umgebung der Sinne schon hat. Aber nicht erst Geisteswissenschaft — oder Anthroposophie, kann man sagen — empfindet das, durchschaut es klar, sondern die Philosophen, die philosophische Forschung aller Zeiten hat dieses empfunden, und daher kommt cs, dass in der philosophischen Forschung der verschiedenen Zeiten vorliegen menschliche Versuche, tiefer in die Welt einzudringen auf einem Wege, der nicht durch die Sinne geht, auf einem Wege, der frei ist von der sinnlichen Beobachtung. Aber was kann Philosophie verwenden und was verwendet sie? Philosophie verwendet, um nun tiefer einzudringen als die äußere Forschung eindringen kann, den Gedanken. Und man darf sagen — man kann auch manches verkennen, aber wenn man ein Verständnis für den Entwicklungsgang des philosophischen Denkens hat, wird man es nicht verkennen —, man darf sagen: In Bezug auf die Ausgestaltung des Denkens, um etwas zu gewinnen, das Antworten gibt auf das Menschenrätsel, ist wirklich auch Bewunderungswürdiges geleistet worden.
[ 16 ] Und ein solches System, wie es in der neueren Zeit aufgetreten ist, wie das Hegel’sche — man kann meinetwillen so viel als man will einwenden, die meisten Einwendungen werde ich teilen —, ein solches System wie das Hegel’sche, es lässt unbefriedigt, trotzdem es Tiefe und Schärfe des Denkens in außerordentlicher Weise entwickelt hat. Da ist gewissermaßen all dasjenige durchmessen — oder wenigstens versucht, zu durchmessen —, worauf der Gedanke, wenn er sich in sich zu entwickeln versucht, kommen kann. Da ist all das in die menschliche Seele hereingeholt, um etwas zu finden, was Antwort geben kann auf die Frage nach dem Menschenrätsel. Es lässt unbefriedigt; es gibt eine volle Antwort nicht. Und derjenige, der sich einlässt auf solch ein auch scharfsinnigstes philosophisches System, das nur aus Gedanken gewoben ist, der wird finden, dass ihm gerade aus diesem philosophischen System Fragen über Fragen, neue Rätsel über Rätsel entgegenkommen, für die weitere Antwort gesucht werden muss.
[ 16 ] Und ein solches System, wie es in der neueren Zeit aufgetreten ist, wie das Hegel’sche — man kann meinetwillen so viel als man will einwenden, die meisten Einwendungen werde ich teilen —, ein solches System wie das Hegel’sche, es lässt unbefriedigt, trotzdem es Tiefe und Schärfe des Denkens in außerordentlicher Weise entwickelt hat. Da ist gewissermaßen all dasjenige durchmessen — oder wenigstens versucht, zu durchmessen —, worauf der Gedanke, wenn er sich in sich zu entwickeln versucht, kommen kann. Da ist all das in die menschliche Seele hereingeholt, um etwas zu finden, was Antwort geben kann auf die Frage nach dem Menschenrätsel. Es lässt unbefriedigt; es gibt eine volle Antwort nicht. Und derjenige, der sich einlässt auf solch ein auch scharfsinnigstes philosophisches System, das nur aus Gedanken gewoben ist, der wird finden, dass ihm gerade aus diesem philosophischen System Fragen über Fragen, neue Rätsel über Rätsel entgegenkommen, für die weitere Antwort gesucht werden muss.
[ 17 ] Und wenn man nachforscht, warum ein bloß auf Begriffe aufgebautes philosophisches System die Seelen nicht so ergreifen kam, dass diese Seelen Befriedigung empfinden können in Bezug auf ihren Erkenntnisdrang, so erhält man zur Antwort, weil solche philosophischen Systeme mit den Begriffen und Ideen operieren, welche gewonnen sind an der äußeren sinnlichen Erkenntnis, welche abgezogen sind von dieser äußeren sinnlichen Erkenntnis, abstrahiert sind. Und wenn man auch oftmals glaubt, dass man andere Begriffe habe als diejenigen, die aus der äußeren sinnlichen Welt oder aus dem Äußeren her abstrahiert sind — man hat sie nicht. Man sehe sich das Hegel’sche System an: ein wunderbarer Aufbau, eine wunderbare Geschlossenheit im Herbeiholen aller Begriffe, die der Mensch verwendet, um dasjenige, was als Logik in ihm lebt, zu erfassen, um dasjenige zu erfassen, was in der Natur ausgebreitet ist, um dasjenige zu erfassen, was geschichtliche Entwicklung ist, um dasjenige zu erfassen, was sich in die Sinnenwelt als Kunst hereinstellt, was sich in die Seelenwelt als Religion hereinstellt. Ein wunderbarer architektonischer Aufbau, aber nur Begriffe, die geeignet sind, Äußeres zu erfassen aus dem Grunde, weil sie von diesem Äußeren abgezogen, abstrahiert sind.
[ 17 ] Und wenn man nachforscht, warum ein bloß auf Begriffe aufgebautes philosophisches System die Seelen nicht so ergreifen kam, dass diese Seelen Befriedigung empfinden können in Bezug auf ihren Erkenntnisdrang, so erhält man zur Antwort, weil solche philosophischen Systeme mit den Begriffen und Ideen operieren, welche gewonnen sind an der äußeren sinnlichen Erkenntnis, welche abgezogen sind von dieser äußeren sinnlichen Erkenntnis, abstrahiert sind. Und wenn man auch oftmals glaubt, dass man andere Begriffe habe als diejenigen, die aus der äußeren sinnlichen Welt oder aus dem Äußeren her abstrahiert sind — man hat sie nicht. Man sehe sich das Hegel’sche System an: ein wunderbarer Aufbau, eine wunderbare Geschlossenheit im Herbeiholen aller Begriffe, die der Mensch verwendet, um dasjenige, was als Logik in ihm lebt, zu erfassen, um dasjenige zu erfassen, was in der Natur ausgebreitet ist, um dasjenige zu erfassen, was geschichtliche Entwicklung ist, um dasjenige zu erfassen, was sich in die Sinnenwelt als Kunst hereinstellt, was sich in die Seelenwelt als Religion hereinstellt. Ein wunderbarer architektonischer Aufbau, aber nur Begriffe, die geeignet sind, Äußeres zu erfassen aus dem Grunde, weil sie von diesem Äußeren abgezogen, abstrahiert sind.
[ 18 ] Nun aber erlebt es die Seele, dass alle die Begriffe, die auf diese Weise gewonnen sind, keine lebendigen Begriffe sind, dass sie tote Begriffe sind, dass sie ungeeignet sind, hinter die Sinneswelt in eine Wirklichkeit zu führen. Wer die Natur der Begriffswelt, so wie diese Begriffe von der äußeren Wirklichkeit abstrahiert sind, wirklich zu beobachten vermag, der findet, dass unsere Begriffe eine weit geringere Höhe der Entwicklung haben als unsere Sinnesvorstellungen. Wenn wir, um auch heute wiederum auf das Auge zu exemplifizieren, wenn wir das Auge nicht von innen heraus beleben könnten, und dasjenige, was sich physikalisch im Auge abspielt, durchdringen könnten mit unserem inneren Erleben, und es dadurch zur farbigen, zur lichtvollen Vorstellung erheben würden, sondern wenn wir unmittelbar dasjenige wahrnehmen würden, was sich da im Auge abspielt wie in einer fotografischen Kamera, dann gliche die Sinneswahrnehmung des Auges dem, was man an den äußeren Begriffen hat. Die Begriffe, so wie wir sie haben an dem äußeren Bewusstsein, diese Begriffe entsprechen nur einem Toten, sind kein Lebendiges, daher befriedigen sie die Seele nicht.
[ 18 ] Nun aber erlebt es die Seele, dass alle die Begriffe, die auf diese Weise gewonnen sind, keine lebendigen Begriffe sind, dass sie tote Begriffe sind, dass sie ungeeignet sind, hinter die Sinneswelt in eine Wirklichkeit zu führen. Wer die Natur der Begriffswelt, so wie diese Begriffe von der äußeren Wirklichkeit abstrahiert sind, wirklich zu beobachten vermag, der findet, dass unsere Begriffe eine weit geringere Höhe der Entwicklung haben als unsere Sinnesvorstellungen. Wenn wir, um auch heute wiederum auf das Auge zu exemplifizieren, wenn wir das Auge nicht von innen heraus beleben könnten, und dasjenige, was sich physikalisch im Auge abspielt, durchdringen könnten mit unserem inneren Erleben, und es dadurch zur farbigen, zur lichtvollen Vorstellung erheben würden, sondern wenn wir unmittelbar dasjenige wahrnehmen würden, was sich da im Auge abspielt wie in einer fotografischen Kamera, dann gliche die Sinneswahrnehmung des Auges dem, was man an den äußeren Begriffen hat. Die Begriffe, so wie wir sie haben an dem äußeren Bewusstsein, diese Begriffe entsprechen nur einem Toten, sind kein Lebendiges, daher befriedigen sie die Seele nicht.
[ 19 ] Ich kann auf diese bedeutungsvolle Wahrheit nur hindeuten. Alles Genauere finden Sie in den schon neulich von mir zitierten Schriften, namentlich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft». Aber es ist für jeden Menschen, der Sinn für Selbstbeobachtung hat und Sinn für Vergleiche innerhalb der Selbstbeobachtung, klar, dass für die gewöhnliche Wahrnehmung die Sinneswahrnehmung in ganz anderem Sinne durchzogen, durchglüht ist von dem Leben, als der Begriff, der tot bleibt und daher als solcher höchstens geeignet ist, dem Menschen eine spärliche Vorstellung von den formalen Verhältnissen des Lebens zu geben, nicht ihn aber befähigt, unmittelbar, so wie er ist, einzudringen in das Leben selbst, nicht einmal so tief einzudringen in die Natur, als die Sinneswahrnehmungen unmittelbar eindringen.
[ 19 ] Ich kann auf diese bedeutungsvolle Wahrheit nur hindeuten. Alles Genauere finden Sie in den schon neulich von mir zitierten Schriften, namentlich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft». Aber es ist für jeden Menschen, der Sinn für Selbstbeobachtung hat und Sinn für Vergleiche innerhalb der Selbstbeobachtung, klar, dass für die gewöhnliche Wahrnehmung die Sinneswahrnehmung in ganz anderem Sinne durchzogen, durchglüht ist von dem Leben, als der Begriff, der tot bleibt und daher als solcher höchstens geeignet ist, dem Menschen eine spärliche Vorstellung von den formalen Verhältnissen des Lebens zu geben, nicht ihn aber befähigt, unmittelbar, so wie er ist, einzudringen in das Leben selbst, nicht einmal so tief einzudringen in die Natur, als die Sinneswahrnehmungen unmittelbar eindringen.
[ 20 ] In demjenigen, was ich nun schon vorgestern angedeutet habe, in der ganz andersartigen Behandlung der begrifflichen Welt, der gedanklichen Welt, der Vorstellungswelt, wie all diese Behandlung stattfindet in der äußeren Philosophie, liegt der Weg, den Geisteswissenschaft oder Anthroposophie einschlägt. Durch sie soll der Begriff aus seinem toten Sein in lebendiges Sein umgewandelt werden; durch sie soll der Begriff so umgewandelt werden, wie durch das Leben unseres Organismus im Auge der bloße physikalische Vorgang, den wir auch in der Kamera wahrnehmen können, umgewandelt wird in die lebensvolle Sinnesentwicklung. Das aber geschieht durch die neulich charakterisierten und in meinen Büchern näher beschriebenen inneren Seelenvorgänge, jene Seelenvorgänge, durch welche der Mensch an sich selber so arbeitet, wie der Chemiker im chemischen Laboratorium, der Astronom auf der Sternwarte arbeitet, um einzudringen mit seinen Instrumenten in die Geheimnisse des sinnlichen Daseins.
[ 20 ] In demjenigen, was ich nun schon vorgestern angedeutet habe, in der ganz andersartigen Behandlung der begrifflichen Welt, der gedanklichen Welt, der Vorstellungswelt, wie all diese Behandlung stattfindet in der äußeren Philosophie, liegt der Weg, den Geisteswissenschaft oder Anthroposophie einschlägt. Durch sie soll der Begriff aus seinem toten Sein in lebendiges Sein umgewandelt werden; durch sie soll der Begriff so umgewandelt werden, wie durch das Leben unseres Organismus im Auge der bloße physikalische Vorgang, den wir auch in der Kamera wahrnehmen können, umgewandelt wird in die lebensvolle Sinnesentwicklung. Das aber geschieht durch die neulich charakterisierten und in meinen Büchern näher beschriebenen inneren Seelenvorgänge, jene Seelenvorgänge, durch welche der Mensch an sich selber so arbeitet, wie der Chemiker im chemischen Laboratorium, der Astronom auf der Sternwarte arbeitet, um einzudringen mit seinen Instrumenten in die Geheimnisse des sinnlichen Daseins.
[ 21 ] Wenn die Begriffe so bearbeitet werden, dass sie nicht mehr dienen, um etwas Äußerliches abzubilden, um etwas Äußerliches vorzustellen, sondern wenn diese Begriffe so verarbeitet werden, wie sie in der wirklichen, nicht in der mystisch verschwommenen Meditation verarbeitet werden, sodass der Mensch lebt mit der begrifflichen Welt, dass der Begriff in seiner Seele anwesend sein muss, nicht um durch diesen Begriff etwas zu erkennen, sondern, dass diese Begriffe in ihm sich betätigen, in ihm ein Leben haben, dann kommt — und zwar im Verlaufe des Erlebens — dasjenige, was die Begriffe, die wir zunächst an der sinnlichen Außenwelt gewinnen, loslöst von der sinnlichen Außenwelt. Wie wir im chemischen Experiment den Wasserstoff vom Wasser loslösen, so lösen wir durch jene energischen Vorstellungen — was man meditieren heißt — los die Begriffe von der äußeren sinnlichen Wahrnehmungswelt und verarbeitet diese Begriffe in rein innerlicher, methodisch geregelter Seelenarbeit; mit dem Seelenleben, dann gehen sie eine Verbindung ein mit dem Seelenleben, dann werden sie innerhalb des Seelenlebens lebendig.
[ 21 ] Wenn die Begriffe so bearbeitet werden, dass sie nicht mehr dienen, um etwas Äußerliches abzubilden, um etwas Äußerliches vorzustellen, sondern wenn diese Begriffe so verarbeitet werden, wie sie in der wirklichen, nicht in der mystisch verschwommenen Meditation verarbeitet werden, sodass der Mensch lebt mit der begrifflichen Welt, dass der Begriff in seiner Seele anwesend sein muss, nicht um durch diesen Begriff etwas zu erkennen, sondern, dass diese Begriffe in ihm sich betätigen, in ihm ein Leben haben, dann kommt — und zwar im Verlaufe des Erlebens — dasjenige, was die Begriffe, die wir zunächst an der sinnlichen Außenwelt gewinnen, loslöst von der sinnlichen Außenwelt. Wie wir im chemischen Experiment den Wasserstoff vom Wasser loslösen, so lösen wir durch jene energischen Vorstellungen — was man meditieren heißt — los die Begriffe von der äußeren sinnlichen Wahrnehmungswelt und verarbeitet diese Begriffe in rein innerlicher, methodisch geregelter Seelenarbeit; mit dem Seelenleben, dann gehen sie eine Verbindung ein mit dem Seelenleben, dann werden sie innerhalb des Seelenlebens lebendig.
[ 22 ] Und dann verwandelt sich in uns etwas, was zunächst übersinnlich ist für das gewöhnliche Bewusstsein; dann verwandelt sich in uns etwas Geistig-Seelisches so, wie sich im Organismus das Auge verwandelt, indem es kein physikalischer Apparat bleibt, sondern vom Leben durchzuckt ist — etwas, was sonst nur geeignet ist, die Begriffe als tote aufzunehmen —, verwandelt sich durch das, durch die Verbindung des begrifflichen Gedankenlebens mit dem seelischen Leben in uns, sodass uns erwächst dasjenige, was Goethe «geistiges Auge» oder auch «geistiges Ohr» nennt. So wie unser physischer Organismus durch die in ihm gelegenen Naturkräfte sich das physische Auge einorganisiert, so organisiert sich der Geistesforscher ein in seinen übersinnlichen Leib diejenigen Kräfte, die entstehen durch das intensive Zusammenleben des Vorstellungs-, des Gedankenlebens, in einer gewissen Weise mit dem Seelenleben. Er erlangt andere Organe, dadurch aber wird dasjenige erreicht, was eine äußere Vorstellung nicht erreichen kann. Nicht indem wir anderes — was wir durch das Mikroskop oder sonstige physikalische oder chemische Apparate und Werkzeuge erlangen — beobachten, nicht indem wir anderes beobachten, als was unseren gewöhnlichen Sinnen im Leben vorliegt, sondern indem wir dieses dem gewöhnlichen Sinnenleben Vorliegende anders beobachten, auf andere Art mit erst neu hierzu gebildeten Organen, schreiten wir vorwärts. Sodass wir etwas erkennen lernen, was wir vorher nicht erkennen konnten. Und so, wie blind ist derjenige, der das Auge nicht haben würde und erst vor ihm entsteht — wenn das Auge in ihm entstehen kann, die farbenreiche, lichtvolle Welt —, so erglänzt eine neue Welt auf, eine Welt des Geistigen, die nun wirklich ebenso da ist wie die sinnliche Welt, wenn das entsprechende Organ dazu gebildet wird.
[ 22 ] Und dann verwandelt sich in uns etwas, was zunächst übersinnlich ist für das gewöhnliche Bewusstsein; dann verwandelt sich in uns etwas Geistig-Seelisches so, wie sich im Organismus das Auge verwandelt, indem es kein physikalischer Apparat bleibt, sondern vom Leben durchzuckt ist — etwas, was sonst nur geeignet ist, die Begriffe als tote aufzunehmen —, verwandelt sich durch das, durch die Verbindung des begrifflichen Gedankenlebens mit dem seelischen Leben in uns, sodass uns erwächst dasjenige, was Goethe «geistiges Auge» oder auch «geistiges Ohr» nennt. So wie unser physischer Organismus durch die in ihm gelegenen Naturkräfte sich das physische Auge einorganisiert, so organisiert sich der Geistesforscher ein in seinen übersinnlichen Leib diejenigen Kräfte, die entstehen durch das intensive Zusammenleben des Vorstellungs-, des Gedankenlebens, in einer gewissen Weise mit dem Seelenleben. Er erlangt andere Organe, dadurch aber wird dasjenige erreicht, was eine äußere Vorstellung nicht erreichen kann. Nicht indem wir anderes — was wir durch das Mikroskop oder sonstige physikalische oder chemische Apparate und Werkzeuge erlangen — beobachten, nicht indem wir anderes beobachten, als was unseren gewöhnlichen Sinnen im Leben vorliegt, sondern indem wir dieses dem gewöhnlichen Sinnenleben Vorliegende anders beobachten, auf andere Art mit erst neu hierzu gebildeten Organen, schreiten wir vorwärts. Sodass wir etwas erkennen lernen, was wir vorher nicht erkennen konnten. Und so, wie blind ist derjenige, der das Auge nicht haben würde und erst vor ihm entsteht — wenn das Auge in ihm entstehen kann, die farbenreiche, lichtvolle Welt —, so erglänzt eine neue Welt auf, eine Welt des Geistigen, die nun wirklich ebenso da ist wie die sinnliche Welt, wenn das entsprechende Organ dazu gebildet wird.
[ 23 ] Nun könnte man glauben, dass dasjenige, was so die Geisteswissenschaft oder Anthroposophie vor die gegenwärtige Welt hinstellt, sei etwas ganz subjektiv Persönliches, das jetzt durch einige Menschen in die Welt hineingebracht wird. So ist es nicht, sondern gerade, indem Geisteswissenschaft auf das hinweist, was eben charakterisiert worden ist, weist sie auf durchaus nicht irgendein Phantastisch-Willkürliches hin, sondern auf etwas, was gerade in der neueren Zeit als tiefste Sehnsucht, der im Denken, im Forschen so weit vorgeschrittener Menschen sich geltend gemacht hat. Denn man kann sagen: Im Menschenleben tritt so ziemlich alles dasjenige, was später in das Stadium der Bewusstheit eintritt, was bewusst angestrebt werden kann in einer späteren Zeit, das tritt vorher in einer gewissen instinktiven Art auf.
[ 23 ] Nun könnte man glauben, dass dasjenige, was so die Geisteswissenschaft oder Anthroposophie vor die gegenwärtige Welt hinstellt, sei etwas ganz subjektiv Persönliches, das jetzt durch einige Menschen in die Welt hineingebracht wird. So ist es nicht, sondern gerade, indem Geisteswissenschaft auf das hinweist, was eben charakterisiert worden ist, weist sie auf durchaus nicht irgendein Phantastisch-Willkürliches hin, sondern auf etwas, was gerade in der neueren Zeit als tiefste Sehnsucht, der im Denken, im Forschen so weit vorgeschrittener Menschen sich geltend gemacht hat. Denn man kann sagen: Im Menschenleben tritt so ziemlich alles dasjenige, was später in das Stadium der Bewusstheit eintritt, was bewusst angestrebt werden kann in einer späteren Zeit, das tritt vorher in einer gewissen instinktiven Art auf.
[ 24 ] Und so kommt es denn, dass gerade aus den gedankenvollsten philosophischen Zeiten heraus, aus den Zeiten der philosophischen Entwicklung, wie sie sich herausgebildet hatte um die Wende des achtzehnten, neunzehnten Jahrhunderts und im ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts, einzelne Denker, einzelne philosophische Forscher sich entwickelten, welche zwar noch nicht — die Zeit war damals noch nicht reif — selbst dazu kommen konnten, ihr Denken so mit dem Seelischen zu verbinden — dass wirklich dieses Seelische, und damit auch das Denken, zu einem neuen Organ gemacht, einem geistigen Auge umgestaltet wurde —, aber sie haben instinktiv gefühlt, dass so etwas im Menschen lebe, was so wie ein neues Organ werden kann. Wenn daher Geisteswissenschaft oder Anthroposophie heute zum Entsetzen vieler Menschen, die sich sehr leicht an Worten, die ihnen ungewohnt sind, stoßen, davon reden, dass unser physischer Organismus, wie wir ihn mit den Augen sehen, mit den Händen greifen, wie er von der physischen Wissenschaft nur allein erforscht werden kann, dass diesem ein übersinnlicher, wenn man den Ausdruck gebrauchen will: ätherischer Organismus, den man durch kein Mittel der Sinnenwelt wahrnehmen kann, zugrunde liegt, und wenn weiter in dieser Anthroposophie behauptet wird, dass gerade dieser ätherische, übersinnliche, unsichtbare Organismus es ist, der umgewandelt wird durch das Denken zu einem Aufnahme-Organismus für das Geistige, wenn auf diesen ätherisch-menschlichen Leib, der sich das geistige Auge ebenso eingliedern kann wie der physische Leib das physische Auge, wenn auf diesen ätherischen Leib hingewiesen wird, so wird nicht auf etwas hingewiesen, das sozusagen aus der Pistole geschossen wird, sondern es wird auf etwas hingewiesen, auf das die Gedanken geistvoller Forscher instinktiv im neunzehnten Jahrhundert hingelenkt waren. Davon nur ein paar Beispiele, die ich angeführt habe in meinem letzt erschienenen Buche «Vom Menschenrätsel», zunächst ein Beispiel, gewählt aus den Schriften Immanuel Hermann Fichtes, des Sohnes des großen Philosophen Fichte.
[ 24 ] Und so kommt es denn, dass gerade aus den gedankenvollsten philosophischen Zeiten heraus, aus den Zeiten der philosophischen Entwicklung, wie sie sich herausgebildet hatte um die Wende des achtzehnten, neunzehnten Jahrhunderts und im ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts, einzelne Denker, einzelne philosophische Forscher sich entwickelten, welche zwar noch nicht — die Zeit war damals noch nicht reif — selbst dazu kommen konnten, ihr Denken so mit dem Seelischen zu verbinden — dass wirklich dieses Seelische, und damit auch das Denken, zu einem neuen Organ gemacht, einem geistigen Auge umgestaltet wurde —, aber sie haben instinktiv gefühlt, dass so etwas im Menschen lebe, was so wie ein neues Organ werden kann. Wenn daher Geisteswissenschaft oder Anthroposophie heute zum Entsetzen vieler Menschen, die sich sehr leicht an Worten, die ihnen ungewohnt sind, stoßen, davon reden, dass unser physischer Organismus, wie wir ihn mit den Augen sehen, mit den Händen greifen, wie er von der physischen Wissenschaft nur allein erforscht werden kann, dass diesem ein übersinnlicher, wenn man den Ausdruck gebrauchen will: ätherischer Organismus, den man durch kein Mittel der Sinnenwelt wahrnehmen kann, zugrunde liegt, und wenn weiter in dieser Anthroposophie behauptet wird, dass gerade dieser ätherische, übersinnliche, unsichtbare Organismus es ist, der umgewandelt wird durch das Denken zu einem Aufnahme-Organismus für das Geistige, wenn auf diesen ätherisch-menschlichen Leib, der sich das geistige Auge ebenso eingliedern kann wie der physische Leib das physische Auge, wenn auf diesen ätherischen Leib hingewiesen wird, so wird nicht auf etwas hingewiesen, das sozusagen aus der Pistole geschossen wird, sondern es wird auf etwas hingewiesen, auf das die Gedanken geistvoller Forscher instinktiv im neunzehnten Jahrhundert hingelenkt waren. Davon nur ein paar Beispiele, die ich angeführt habe in meinem letzt erschienenen Buche «Vom Menschenrätsel», zunächst ein Beispiel, gewählt aus den Schriften Immanuel Hermann Fichtes, des Sohnes des großen Philosophen Fichte.
[ 25 ] Fichte, Immanuel Hermann Fichte, der Sohn des Johann Gottlieb Fichte, des großen Fichte, kommt nicht durch geistiges Schauen, nicht durch dasjenige, was ich vorgestern das «schauende Bewusstsein» nannte, zu seinen Einsichten, aber er kommt durch ein gewisses instinktives Erfühlen eines ätherischen, eines übersinnlichen Leibes zu der Anschauung eines solchen. Daher sagt Immanuel Hermann Fichte:
[ 25 ] Fichte, Immanuel Hermann Fichte, der Sohn des Johann Gottlieb Fichte, des großen Fichte, kommt nicht durch geistiges Schauen, nicht durch dasjenige, was ich vorgestern das «schauende Bewusstsein» nannte, zu seinen Einsichten, aber er kommt durch ein gewisses instinktives Erfühlen eines ätherischen, eines übersinnlichen Leibes zu der Anschauung eines solchen. Daher sagt Immanuel Hermann Fichte:
[ 26 ] Indem dieses das eigentlich im Stoffwechsel Beharrliche enthält, ist es der wahre, innere, unsichtbare, aber in aller sichtbaren Stofflichkeit gegenwärtige Leib. Der andere, die äußere Erscheinung desselben, aus unablässigen Stoffwechsel gebildet, möge fortan «Körper» heißen, der, wahrhaft nicht beharrlich und nicht eins, der bloße Effekt oder das Nachbild jener inneren Leiblichkeit ist, welche ihn in die wechselnde Stoffwelt hineinwirft, gleichwie etwa die magnetische Kraft aus den Teilen des Eisenfeilstaubes sich einen scheinbar dichten Körper bereitet, der aber nach allen Seiten zerstäubt, wenn die bindende Gewalt ihm entzogen ist.
[ 26 ] Indem dieses das eigentlich im Stoffwechsel Beharrliche enthält, ist es der wahre, innere, unsichtbare, aber in aller sichtbaren Stofflichkeit gegenwärtige Leib. Der andere, die äußere Erscheinung desselben, aus unablässigen Stoffwechsel gebildet, möge fortan «Körper» heißen, der, wahrhaft nicht beharrlich und nicht eins, der bloße Effekt oder das Nachbild jener inneren Leiblichkeit ist, welche ihn in die wechselnde Stoffwelt hineinwirft, gleichwie etwa die magnetische Kraft aus den Teilen des Eisenfeilstaubes sich einen scheinbar dichten Körper bereitet, der aber nach allen Seiten zerstäubt, wenn die bindende Gewalt ihm entzogen ist.
[ 27 ] Da sehen wir in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts bei einem geistvollen Denker — bei Immanuel Hermann Fichte — hingewiesen auf einen Kraftleib, was wir heute in der Anthroposophie den Ätherleib nennen, welcher sich verhält zu all dem, was wir stofflich an uns tragen, wie
[ 27 ] Da sehen wir in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts bei einem geistvollen Denker — bei Immanuel Hermann Fichte — hingewiesen auf einen Kraftleib, was wir heute in der Anthroposophie den Ätherleib nennen, welcher sich verhält zu all dem, was wir stofflich an uns tragen, wie
[ 28 ] Kraft aus den Teilen des Eisenfeilstaubes sich einen scheinbar dichten Körper bereitet, der aber nach allen Seiten zerstäubt, wenn die bindende Gewalt ihm entzogen ist.
[ 28 ] Kraft aus den Teilen des Eisenfeilstaubes sich einen scheinbar dichten Körper bereitet, der aber nach allen Seiten zerstäubt, wenn die bindende Gewalt ihm entzogen ist.
[ 29 ] Unser sämtlicher physischer Organismus in seiner Zusammensetzung ist also für Immanuel Hermann Fichte zusammengehalten durch die Kraft dieses unsichtbaren Leibes. Aber Immanuel Hermann Fichte weiß auch, dass in diesem übersinnlichen Leib dasjenige liegt, was zusammen mit den Vererbungskräften und Vererbungsstoffen, die aus der physischen Welt von den Ahnen her sind, was zusammen mit denen unseren Organismus, unseren physischen Organismus erst bildet, was aus der geistigen Welt hereinwirkt in die physische Welt und durch die Pforte des Todes hinausgeht, um in der geistigen Welt weiterzuwirken. Unmittelbar ergibt sich Immanuel Hermann Fichte mit der Anschauung dieses übersinnlichen Leibes eine wissenschaftliche Gewissheit — wie er meint von der Unsterblichkeit des Menschen. Und so sagt denn Immanuel Hermann Fichte sehr schön:
[ 29 ] Unser sämtlicher physischer Organismus in seiner Zusammensetzung ist also für Immanuel Hermann Fichte zusammengehalten durch die Kraft dieses unsichtbaren Leibes. Aber Immanuel Hermann Fichte weiß auch, dass in diesem übersinnlichen Leib dasjenige liegt, was zusammen mit den Vererbungskräften und Vererbungsstoffen, die aus der physischen Welt von den Ahnen her sind, was zusammen mit denen unseren Organismus, unseren physischen Organismus erst bildet, was aus der geistigen Welt hereinwirkt in die physische Welt und durch die Pforte des Todes hinausgeht, um in der geistigen Welt weiterzuwirken. Unmittelbar ergibt sich Immanuel Hermann Fichte mit der Anschauung dieses übersinnlichen Leibes eine wissenschaftliche Gewissheit — wie er meint von der Unsterblichkeit des Menschen. Und so sagt denn Immanuel Hermann Fichte sehr schön:
[ 30 ] Denn kaum braucht hier noch gefragt zu werden, wie der Mensch an sich selbst sich verhalte im Todesvorgange? Dieser Leib bleibt auch nach dem letzten, uns sichtbaren Akte des Lebensprozesses in seinem Wesen ganz derselbe nach Geist und Organisationskraft, welcher er vorher war. Seine Integrität ist bewahrt; denn er hat durchaus nichts verloren von dem, was sein war und zu seiner Substanz gehörte während des sichtbaren Lebens. Er kehrt nur im Tode in die unsichtbare Welt zurück, oder vielmehr, da er dieselbe nie verlassen hatte, da sie das eigentlich Beharrende in allem Sichtbaren ist — er hat nur eine bestimmte Form der Sichtbarkeit abgestreift. «Totsein» bedeutet lediglich, der gewöhnlichen Sinnesauffassung nicht mehr wahrnehmbar bleiben, ganz auf gleiche Weise, wie auch das eigentlich Wirkliche, die letzten Gründe der Körpererscheinungen den Sinnen unwahrnehmbar sind.
[ 30 ] Denn kaum braucht hier noch gefragt zu werden, wie der Mensch an sich selbst sich verhalte im Todesvorgange? Dieser Leib bleibt auch nach dem letzten, uns sichtbaren Akte des Lebensprozesses in seinem Wesen ganz derselbe nach Geist und Organisationskraft, welcher er vorher war. Seine Integrität ist bewahrt; denn er hat durchaus nichts verloren von dem, was sein war und zu seiner Substanz gehörte während des sichtbaren Lebens. Er kehrt nur im Tode in die unsichtbare Welt zurück, oder vielmehr, da er dieselbe nie verlassen hatte, da sie das eigentlich Beharrende in allem Sichtbaren ist — er hat nur eine bestimmte Form der Sichtbarkeit abgestreift. «Totsein» bedeutet lediglich, der gewöhnlichen Sinnesauffassung nicht mehr wahrnehmbar bleiben, ganz auf gleiche Weise, wie auch das eigentlich Wirkliche, die letzten Gründe der Körpererscheinungen den Sinnen unwahrnehmbar sind.
[ 31 ] Und von diesen Voraussetzungen ausgehend, sagt dann Immanuel Hermann Fichte, dass es geben muss — er spricht sich darüber nicht weiter aus, die Zeit war damals noch nicht reif —, dass es geben müsse gegenüber der Anthropologie, welche sich beschäftigt mit dem, was die Sinne vom Menschen wissen können und dasjenige, was sich auf die Sinneswahrnehmung stützt, eine andere Wissenschaft; und über diese andere Wissenschaft spricht Immanuel Hermann Fichte in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in der folgenden Weise:
[ 31 ] Und von diesen Voraussetzungen ausgehend, sagt dann Immanuel Hermann Fichte, dass es geben muss — er spricht sich darüber nicht weiter aus, die Zeit war damals noch nicht reif —, dass es geben müsse gegenüber der Anthropologie, welche sich beschäftigt mit dem, was die Sinne vom Menschen wissen können und dasjenige, was sich auf die Sinneswahrnehmung stützt, eine andere Wissenschaft; und über diese andere Wissenschaft spricht Immanuel Hermann Fichte in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in der folgenden Weise:
[ 32 ] [...] die Anthropologie endet in dem von den mannigfaltigsten Seiten her begründeten Ergebnisse, dass der Mensch nach der wahren Eigenschaft seines Wesens, wie in der eigentlichen Quelle seines Bewusstseins, einer übersinnlichen Welt angehöre. Das Sinnenbewusstsein dagegen und die auf seinem Ausgangspunkte entstehende Erscheinungswelt mit dem gesamten, auch menschlichen Sinnenleben, haben keine andere Bedeutung, als nur die Stätte zu sein, in welcher jenes übersinnliche Leben des Geistes sich vollzieht, indem er durch frei bewusste eigene Tat den jenseitigen Geistesgehalt der Ideen in die Sinneswelt einführt. [...] Diese gründliche Erfassung des Menschenwesens erhebt nunmehr die «Anthropologie»; in ihrem Endresultate zur «Anthroposophie».
[ 32 ] [...] die Anthropologie endet in dem von den mannigfaltigsten Seiten her begründeten Ergebnisse, dass der Mensch nach der wahren Eigenschaft seines Wesens, wie in der eigentlichen Quelle seines Bewusstseins, einer übersinnlichen Welt angehöre. Das Sinnenbewusstsein dagegen und die auf seinem Ausgangspunkte entstehende Erscheinungswelt mit dem gesamten, auch menschlichen Sinnenleben, haben keine andere Bedeutung, als nur die Stätte zu sein, in welcher jenes übersinnliche Leben des Geistes sich vollzieht, indem er durch frei bewusste eigene Tat den jenseitigen Geistesgehalt der Ideen in die Sinneswelt einführt. [...] Diese gründliche Erfassung des Menschenwesens erhebt nunmehr die «Anthropologie»; in ihrem Endresultate zur «Anthroposophie».
[ 33 ] Dies Immanuel Hermann Fichte — damit ausdrückend, dass er in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ersehnt dasjenige, was wir heute «Anthroposophie» nennen. Und nichts anderes will die Anthroposophie sein als die wirkliche Erfüllung desjenigen, was aus den Tiefen der neueren Gedankenwelt von den Menschen ersehnt worden ist.
[ 33 ] Dies Immanuel Hermann Fichte — damit ausdrückend, dass er in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ersehnt dasjenige, was wir heute «Anthroposophie» nennen. Und nichts anderes will die Anthroposophie sein als die wirkliche Erfüllung desjenigen, was aus den Tiefen der neueren Gedankenwelt von den Menschen ersehnt worden ist.
[ 34 ] Und noch ein anderes Beispiel: Ein Forscher, der auch in der Schweiz viel gewirkt hat, der aber gerade so wie Immanuel Hermann Fichte — und wie die zahlreichen anderen, die auf dem Wege waren, auf dem Wege der Sehnsucht, die durch die heutige Geisteswissenschaft gestillt werden soll — vergessen ist. Dieser Forscher ist Troxler. Und Troxler spricht ebenso von dem, was ich oben als den «übersinnlichen Leib» bezeichnet habe, der dadurch im Menschen erlebt werden kann, dass der Mensch wegnimmt von der Wahrnehmungswelt die Gedanken und sie mit der Seele leben lässt, sodass Gedanken und inneres Seelenleben sich aneinander entzünden und den ätherischen Leib zum Wahrnehmen, zum inneren Wahrnehmen, zum erlebten Wahrnehmen bringen, und in diesen die Möglichkeit, sich das Geistesauge oder die geistigen Wahrnehmungsorgane einzugliedern. Troxler — wiederum in einer instinktiven Ahnung, dass es so etwas gibt —, er sagt schön:
[ 34 ] Und noch ein anderes Beispiel: Ein Forscher, der auch in der Schweiz viel gewirkt hat, der aber gerade so wie Immanuel Hermann Fichte — und wie die zahlreichen anderen, die auf dem Wege waren, auf dem Wege der Sehnsucht, die durch die heutige Geisteswissenschaft gestillt werden soll — vergessen ist. Dieser Forscher ist Troxler. Und Troxler spricht ebenso von dem, was ich oben als den «übersinnlichen Leib» bezeichnet habe, der dadurch im Menschen erlebt werden kann, dass der Mensch wegnimmt von der Wahrnehmungswelt die Gedanken und sie mit der Seele leben lässt, sodass Gedanken und inneres Seelenleben sich aneinander entzünden und den ätherischen Leib zum Wahrnehmen, zum inneren Wahrnehmen, zum erlebten Wahrnehmen bringen, und in diesen die Möglichkeit, sich das Geistesauge oder die geistigen Wahrnehmungsorgane einzugliedern. Troxler — wiederum in einer instinktiven Ahnung, dass es so etwas gibt —, er sagt schön:
[ 35 ] Schon früher haben die Philosophen einen feinen hehren Seelenleib unterschieden von dem gröberen Körper [...] eine Seele, die ein Bild des Leibes an sich habe, das sie Schema nannten, und das ihnen der innere, höhere Mensch war [...]. In der neuesten Zeit selbst Kant in den Träumen eines Geisterschers träumt ernsthaft im Scherze einen ganzen inwendigen, seelischen Menschen, der alle Gliedmaßen des auswendigen an seinem Geistesleib trage.
[ 35 ] Schon früher haben die Philosophen einen feinen hehren Seelenleib unterschieden von dem gröberen Körper [...] eine Seele, die ein Bild des Leibes an sich habe, das sie Schema nannten, und das ihnen der innere, höhere Mensch war [...]. In der neuesten Zeit selbst Kant in den Träumen eines Geisterschers träumt ernsthaft im Scherze einen ganzen inwendigen, seelischen Menschen, der alle Gliedmaßen des auswendigen an seinem Geistesleib trage.
[ 36 ] Und wiederum spricht Troxler davon, wie eine solche Anschauung, wenn sie erfühlt wird, führen muss zu einer in die geistige Welt hinein arbeitenden Fortsetzung der äußeren sinnlichen «Anthropologie». Denn Troxler sagt, der «übergeistige Sinn» führe dazu, im Verein mit dem «übersinnlichen Geist» die übersinnliche Wesenheit des Menschen in einer Anthroposophie zu erfassen.
[ 36 ] Und wiederum spricht Troxler davon, wie eine solche Anschauung, wenn sie erfühlt wird, führen muss zu einer in die geistige Welt hinein arbeitenden Fortsetzung der äußeren sinnlichen «Anthropologie». Denn Troxler sagt, der «übergeistige Sinn» führe dazu, im Verein mit dem «übersinnlichen Geist» die übersinnliche Wesenheit des Menschen in einer Anthroposophie zu erfassen.
[ 37 ] Man sieht: Bis auf den Namen hin ist dasjenige, was heute sich «Anthroposophie» nennt, keineswegs etwas Neues, sondern etwas, was sich im notwendigen Entwicklungsgange des neueren Geisteslebens ergeben hat. Wir treffen dasjenige, was heute so angefeindet wird, diesen Ätherleib des Menschen, der die Organe enthalten kann zum geistigen Schauen, wir treffen ihn sozusagen schon auch in der denkenden Forschung an, wo instinktiv auf ihn hingewiesen wird; nur dass Geisteswissenschaft oder Anthroposophie wirklich die Organe schaffen will, um ihn zur Anschauung zu bringen, diesen höheren, diesen inneren Menschen.
[ 37 ] Man sieht: Bis auf den Namen hin ist dasjenige, was heute sich «Anthroposophie» nennt, keineswegs etwas Neues, sondern etwas, was sich im notwendigen Entwicklungsgange des neueren Geisteslebens ergeben hat. Wir treffen dasjenige, was heute so angefeindet wird, diesen Ätherleib des Menschen, der die Organe enthalten kann zum geistigen Schauen, wir treffen ihn sozusagen schon auch in der denkenden Forschung an, wo instinktiv auf ihn hingewiesen wird; nur dass Geisteswissenschaft oder Anthroposophie wirklich die Organe schaffen will, um ihn zur Anschauung zu bringen, diesen höheren, diesen inneren Menschen.
[ 38 ] So wie nun für das gewöhnliche Bewusstsein gebunden ist das Gedankenleben an die äußere Sinneswelt, so ist im Innern des Menschen gebunden der Wille und alles, was mit dem Willen und dem Gemüte zusammenhängt, an die dem Körper eingepflanzten Triebe, Affekte, Begierden, Leidenschaften. Und so, wie im gewöhnlichen Leben dieses Leben verläuft, so ist alles dasjenige, was Willensleben ist, gebunden an das Triebleben, an das Körperliche, an das äußerlich Leibliche. Aber so, wie der Begriff, die Idee, die Vorstellung losgelöst werden können von der äußeren Wahrnehmung, so kann aus dem Triebleben, aus alle dem, was mit dem Körperlichen verbunden ist, herausgelöst werden wiederum — wie der Sauerstoff aus dem Wasser herausgelöst werden kann — das Willensleben, sodass es im Menschen rein geistig erscheint.
[ 38 ] So wie nun für das gewöhnliche Bewusstsein gebunden ist das Gedankenleben an die äußere Sinneswelt, so ist im Innern des Menschen gebunden der Wille und alles, was mit dem Willen und dem Gemüte zusammenhängt, an die dem Körper eingepflanzten Triebe, Affekte, Begierden, Leidenschaften. Und so, wie im gewöhnlichen Leben dieses Leben verläuft, so ist alles dasjenige, was Willensleben ist, gebunden an das Triebleben, an das Körperliche, an das äußerlich Leibliche. Aber so, wie der Begriff, die Idee, die Vorstellung losgelöst werden können von der äußeren Wahrnehmung, so kann aus dem Triebleben, aus alle dem, was mit dem Körperlichen verbunden ist, herausgelöst werden wiederum — wie der Sauerstoff aus dem Wasser herausgelöst werden kann — das Willensleben, sodass es im Menschen rein geistig erscheint.
[ 39 ] Dadurch kann — und wiederum sind die Methoden in den genannten Büchern beschrieben, die Methoden im Einzelnen, denn das kann nur durch lange systematische Arbeit, die ebenso schwierig ist wie die Experimentalarbeit der Physiker oder Chemiker oder Biologen, erreicht werden —, so kann aus dem gewöhnlichen an das Körperleben gebundenen Willensleben herausgeholt werden der vergeistigte Wille. Der aber ergibt sich wirklich nun nicht bloß als Wille, sondern er zeigt sich in innerer, voll erfasster Lebendigkeit, als ein voller, innerer Mensch, der ein anderes Bewusstsein hat als das gewöhnliche Bewusstsein. Und so, wie wir mit dem gewöhnlichen Bewusstsein unser physisches Auge zu gebrauchen wissen, so können wir erlernen, das Auge zu gebrauchen, das wir unserem Ätherleib eingepflanzt haben mit diesem Bewusstsein, das sich aus dem Willen, den wir loslösen aus der Körperlichkeit, heraus bildet. Hier gewinnen wir einen wirklichen inneren Menschen, der in uns ist und der geistig das Geistige anschaut. Wie wir unser gewöhnliches physisches Bewusstsein hinrichten können auf die äußere Umwelt, so können wir dieses geistige Bewusstsein — indem wir lernen, die übergeistigen Organe [zu] gebrauchen, von denen gesprochen worden ist —, auf die geistige Welt hinlenken. Und diejenige geistige Welt, aus der wir als geistiger Mensch heraus sind, die stellt sich vor uns hin.
[ 39 ] Dadurch kann — und wiederum sind die Methoden in den genannten Büchern beschrieben, die Methoden im Einzelnen, denn das kann nur durch lange systematische Arbeit, die ebenso schwierig ist wie die Experimentalarbeit der Physiker oder Chemiker oder Biologen, erreicht werden —, so kann aus dem gewöhnlichen an das Körperleben gebundenen Willensleben herausgeholt werden der vergeistigte Wille. Der aber ergibt sich wirklich nun nicht bloß als Wille, sondern er zeigt sich in innerer, voll erfasster Lebendigkeit, als ein voller, innerer Mensch, der ein anderes Bewusstsein hat als das gewöhnliche Bewusstsein. Und so, wie wir mit dem gewöhnlichen Bewusstsein unser physisches Auge zu gebrauchen wissen, so können wir erlernen, das Auge zu gebrauchen, das wir unserem Ätherleib eingepflanzt haben mit diesem Bewusstsein, das sich aus dem Willen, den wir loslösen aus der Körperlichkeit, heraus bildet. Hier gewinnen wir einen wirklichen inneren Menschen, der in uns ist und der geistig das Geistige anschaut. Wie wir unser gewöhnliches physisches Bewusstsein hinrichten können auf die äußere Umwelt, so können wir dieses geistige Bewusstsein — indem wir lernen, die übergeistigen Organe [zu] gebrauchen, von denen gesprochen worden ist —, auf die geistige Welt hinlenken. Und diejenige geistige Welt, aus der wir als geistiger Mensch heraus sind, die stellt sich vor uns hin.
[ 40 ] Nun könnte man wieder glauben: Ja, das ist so etwas, was erst heute auftritt und im tieferen menschlichen Bedürfnis, Geistesbedürfnis wirklich nicht nachzuweisen ist. So ist es aber nicht. Denn das Eigentümliche liegt vor, dass wiederum aus einem philosophischen Instinkte heraus im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts — wie als in einem Gegengewichte gegen die bloß äußerliche Forschung — von geistvollen Forschern hingewiesen worden ist darauf, dass dieses Bewusstsein, das der Mensch hat für das gewöhnliche Tagesleben, nicht das einzige Bewusstsein ist, sondern dass, nur verdeckt durch das gewöhnliche Tagesleben, wie im Traum, durch das Traumbewusstsein der Mensch verdeckt hat sein Tagesbewusstsein, so — verdeckt durch das Tagesbewusstsein — ein anderes, tieferes Bewusstsein lebt. Nur wurde dem erst unklaren und instinktiv Erkannten oder vielmehr Erahnten auch ein unklarer Name gegeben. Es wurde vom Unbewussten oder Unterbewussten gesprochen. Und Sie wissen vielleicht, sehr verehrte Anwesende, dass, gewiss seiner Philosophie nach für viele anfechtbar, seit den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts der geistvolle Philosoph Eduard von Hartmann von dem «Unbewussten» oder auch «Unterbewussten» spricht, von einem Seelenleben, das im Menschen drinnen ist, das etwas ganz anderes ist als das Seelenleben des gewöhnlichen Tagesbewusstseins, aber aus dem als im Menschen drinnen liegenden tieferen Bewusstsein die Kräfte heraufsteigen in das gewöhnliche Bewusstsein, sodass das gewöhnliche Bewusstsein dirigiert, erfüllt wird von dem, was aus einem unterbewussten Sein, aus einem Unbewussten heraufsteigt.
[ 40 ] Nun könnte man wieder glauben: Ja, das ist so etwas, was erst heute auftritt und im tieferen menschlichen Bedürfnis, Geistesbedürfnis wirklich nicht nachzuweisen ist. So ist es aber nicht. Denn das Eigentümliche liegt vor, dass wiederum aus einem philosophischen Instinkte heraus im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts — wie als in einem Gegengewichte gegen die bloß äußerliche Forschung — von geistvollen Forschern hingewiesen worden ist darauf, dass dieses Bewusstsein, das der Mensch hat für das gewöhnliche Tagesleben, nicht das einzige Bewusstsein ist, sondern dass, nur verdeckt durch das gewöhnliche Tagesleben, wie im Traum, durch das Traumbewusstsein der Mensch verdeckt hat sein Tagesbewusstsein, so — verdeckt durch das Tagesbewusstsein — ein anderes, tieferes Bewusstsein lebt. Nur wurde dem erst unklaren und instinktiv Erkannten oder vielmehr Erahnten auch ein unklarer Name gegeben. Es wurde vom Unbewussten oder Unterbewussten gesprochen. Und Sie wissen vielleicht, sehr verehrte Anwesende, dass, gewiss seiner Philosophie nach für viele anfechtbar, seit den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts der geistvolle Philosoph Eduard von Hartmann von dem «Unbewussten» oder auch «Unterbewussten» spricht, von einem Seelenleben, das im Menschen drinnen ist, das etwas ganz anderes ist als das Seelenleben des gewöhnlichen Tagesbewusstseins, aber aus dem als im Menschen drinnen liegenden tieferen Bewusstsein die Kräfte heraufsteigen in das gewöhnliche Bewusstsein, sodass das gewöhnliche Bewusstsein dirigiert, erfüllt wird von dem, was aus einem unterbewussten Sein, aus einem Unbewussten heraufsteigt.
[ 41 ] Und Eduard von Hartmann ist zu gleicher Zeit sich klar geworden darüber, dass dasjenige, was da unten im menschlichen Seelenleben lebt wie ein zweiter Mensch unter der Schwelle des gewöhnlichen Bewusstseins, dass das in einem näheren Zusammenhange steht als das gewöhnliche Tagesbewusstsein mit dem Geistigen, das in der Natur sich ausbreitet während des gewöhnlichen Tagesbewusstseins durch meine Sinne. Und dadurch, dass das Triebleben nie heraufkommt zum reinen Willensleben, getrennt ist von der äußeren natürlichen Wesenheit, wie ich vorgestern ausgeführt habe, erahnt auch Eduard von Hartmann schon, dass dasjenige, was für ihn unbewusst, aber von ihm hypothetisch angenommen, in der Seele lebt, gewissermaßen durch unterirdische Zusammenhänge, durch unterseelische Zusammenhänge zusammenhängt mit dem, was sich geistig in der Natur ausbreitet.
[ 41 ] Und Eduard von Hartmann ist zu gleicher Zeit sich klar geworden darüber, dass dasjenige, was da unten im menschlichen Seelenleben lebt wie ein zweiter Mensch unter der Schwelle des gewöhnlichen Bewusstseins, dass das in einem näheren Zusammenhange steht als das gewöhnliche Tagesbewusstsein mit dem Geistigen, das in der Natur sich ausbreitet während des gewöhnlichen Tagesbewusstseins durch meine Sinne. Und dadurch, dass das Triebleben nie heraufkommt zum reinen Willensleben, getrennt ist von der äußeren natürlichen Wesenheit, wie ich vorgestern ausgeführt habe, erahnt auch Eduard von Hartmann schon, dass dasjenige, was für ihn unbewusst, aber von ihm hypothetisch angenommen, in der Seele lebt, gewissermaßen durch unterirdische Zusammenhänge, durch unterseelische Zusammenhänge zusammenhängt mit dem, was sich geistig in der Natur ausbreitet.
[ 42 ] Unbewusstes oder Unterbewusstes in der Seele strömt hinaus und strömt herein, und das hängt zusammen mit unbewusstem Geistigen, das heißt, für das bloße Bewusstsein nicht auftretendem Geistigen, das in allen Wesen ausgebreitet ist. So hängt der Mensch mit seiner geistigen Wesenheit mit allem anderen — auch der Welt —, auch für diesen Philosophen der neueren Zeit zusammen. Eduard von Hartmann meinte nun, dasjenige, was so als ein höherer Mensch im Menschen drinnen ist, was ein höheres Bewusstsein, oder vielmehr eine Unbewusstheit für ihn ist, das könne nur hypothetisch erschlossen werden, darauf könne man nur kommen, wenn man nachdenkt über dasjenige, was einem das gewöhnliche Bewusstsein gibt, und es zergliedert. Aber durch diese Zergliederung, durch diese Schlussfolgerung kommt Hartmann zu gewissen Vorstellungen über das Geistige, das ausgebreitet ist im Weltenall, dem wir als Geistwesen entsprungen sind und das wir auch in uns tragen.
[ 42 ] Unbewusstes oder Unterbewusstes in der Seele strömt hinaus und strömt herein, und das hängt zusammen mit unbewusstem Geistigen, das heißt, für das bloße Bewusstsein nicht auftretendem Geistigen, das in allen Wesen ausgebreitet ist. So hängt der Mensch mit seiner geistigen Wesenheit mit allem anderen — auch der Welt —, auch für diesen Philosophen der neueren Zeit zusammen. Eduard von Hartmann meinte nun, dasjenige, was so als ein höherer Mensch im Menschen drinnen ist, was ein höheres Bewusstsein, oder vielmehr eine Unbewusstheit für ihn ist, das könne nur hypothetisch erschlossen werden, darauf könne man nur kommen, wenn man nachdenkt über dasjenige, was einem das gewöhnliche Bewusstsein gibt, und es zergliedert. Aber durch diese Zergliederung, durch diese Schlussfolgerung kommt Hartmann zu gewissen Vorstellungen über das Geistige, das ausgebreitet ist im Weltenall, dem wir als Geistwesen entsprungen sind und das wir auch in uns tragen.
[ 43 ] Hartmann hat veröffentlicht zuerst — und zwar in einer sehr mangelhaften Art, indem er später seine Philosophie sehr viel vervollkommnet hat —, zuerst in den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts seine «Philosophie des Unbewussten», in der er wirklich, einen schweren Kampf zu kämpfen hatte gegen dasjenige, was dazumal, man möchte sagen mit den größten Hoffnungen für die menschliche Erkenntnis aufgetreten war, mit dem Ergebnis des materialistisch gefärbten Darwinismus, der gerade das Menschenrätsel lösen wollte dadurch, dass materialistische Vorstellungen in das Werden der äußeren Natur allein eingeführt worden sind. Und während dem diejenigen, die mit voller Begeisterung, ja mit schöner Begeisterung — das darf auch gesagt werden — ergriffen hatten diesen Darwinismus, während dem diese hofften, durch dasjenige, was man «Anpassung», was man «Kampf ums Dasein», was man «Selektion» nennt und was rein materialistische Vorstellungen sind, gewissermaßen das Welten- und Menschheitsrätsel lösen zu können, erörterte Eduard von Hartmann in seiner «Philosophie des Unbewussten», dass das alles, was man auf diese Weise begreifen kann in der dem gewöhnlichen Bewusstsein vorliegenden Welt, zurückgeführt werden müsse auf geistige Wirkungen, die in allem, was vor uns liegt, übersinnlich tätig sind.
[ 43 ] Hartmann hat veröffentlicht zuerst — und zwar in einer sehr mangelhaften Art, indem er später seine Philosophie sehr viel vervollkommnet hat —, zuerst in den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts seine «Philosophie des Unbewussten», in der er wirklich, einen schweren Kampf zu kämpfen hatte gegen dasjenige, was dazumal, man möchte sagen mit den größten Hoffnungen für die menschliche Erkenntnis aufgetreten war, mit dem Ergebnis des materialistisch gefärbten Darwinismus, der gerade das Menschenrätsel lösen wollte dadurch, dass materialistische Vorstellungen in das Werden der äußeren Natur allein eingeführt worden sind. Und während dem diejenigen, die mit voller Begeisterung, ja mit schöner Begeisterung — das darf auch gesagt werden — ergriffen hatten diesen Darwinismus, während dem diese hofften, durch dasjenige, was man «Anpassung», was man «Kampf ums Dasein», was man «Selektion» nennt und was rein materialistische Vorstellungen sind, gewissermaßen das Welten- und Menschheitsrätsel lösen zu können, erörterte Eduard von Hartmann in seiner «Philosophie des Unbewussten», dass das alles, was man auf diese Weise begreifen kann in der dem gewöhnlichen Bewusstsein vorliegenden Welt, zurückgeführt werden müsse auf geistige Wirkungen, die in allem, was vor uns liegt, übersinnlich tätig sind.
[ 44 ] Man kann es heute begreifen, dass eine Philosophie, die also auftritt in eine so hoffnungsreiche Forschungszeit hinein sich stellt, dass einer solchen Philosophie die heftigsten Gegner erwachsen. Und deshalb erwuchs auch der «Philosophie des Unbewussten», die wiederum eine vom Geistigen erfüllte Weltanschauung geben wollte anstelle des auftretenden Materialismus, deshalb erwuchs dieser Philosophie gerade vonseiten der damals so hoffnungsreichen darwinistisch-materialistischen Weltanschauung die heftigste Gegnerschaft. Und diese heftigsten Gegner traten auch auf. Legionen an Schriften waren erschienen, welche die Hartmann’sche Philosophie als etwas Dilettantisches hinstellten, als etwas, das nur von einem Menschen ausgehen könne, der nichts verstehe von dem eigentlichen Nerv und von dem Wesen der neueren Erkenntnis. Alle diese Schriften waren auf einen ähnlichen Ton gestimmt. Nun sehet mal an, da tritt so ein Philosoph auf, der aus seinen Begriffen heraus spinnt irgendetwas, was über das Menschen- und Welträtsel aufklären soll, ohne dass er eine Ahnung davon hat, welche hoffnungsreichen Wege gerade in der neueren Zeit die naturwissenschaftliche Methode geht. Und unter den vielen Schriften — es geschah nun nämlich etwas sehr Merkwürdiges —, unter den vielen Schriften, die vernichtend sein sollten für die Hartmann’sche Philosophie, erschien auch eine von einem Verfasser, der sich nicht nannte — eine Schrift, die alles dasjenige, was Hartmann als geistige Kräfte und Inhalte der Welt in seiner «Philosophie des Unbewussten» behauptet hat, in Grund und Boden hinein kritisierte, und die zeigte, wie dilettantisch man verfahren müsse gleichsam dem hoffnungsvollen Darwinismus, der äußeren Wissenschaft gegenüber, der wirklichen Naturforschung gegenüber, wenn man solches Gedankengespinst wie Eduard von Hartmann aufgestellt hat, wenn man dieses Gedankengespinst dieser hoffnungsreichen Forschung entgegenstellt.
[ 44 ] Man kann es heute begreifen, dass eine Philosophie, die also auftritt in eine so hoffnungsreiche Forschungszeit hinein sich stellt, dass einer solchen Philosophie die heftigsten Gegner erwachsen. Und deshalb erwuchs auch der «Philosophie des Unbewussten», die wiederum eine vom Geistigen erfüllte Weltanschauung geben wollte anstelle des auftretenden Materialismus, deshalb erwuchs dieser Philosophie gerade vonseiten der damals so hoffnungsreichen darwinistisch-materialistischen Weltanschauung die heftigste Gegnerschaft. Und diese heftigsten Gegner traten auch auf. Legionen an Schriften waren erschienen, welche die Hartmann’sche Philosophie als etwas Dilettantisches hinstellten, als etwas, das nur von einem Menschen ausgehen könne, der nichts verstehe von dem eigentlichen Nerv und von dem Wesen der neueren Erkenntnis. Alle diese Schriften waren auf einen ähnlichen Ton gestimmt. Nun sehet mal an, da tritt so ein Philosoph auf, der aus seinen Begriffen heraus spinnt irgendetwas, was über das Menschen- und Welträtsel aufklären soll, ohne dass er eine Ahnung davon hat, welche hoffnungsreichen Wege gerade in der neueren Zeit die naturwissenschaftliche Methode geht. Und unter den vielen Schriften — es geschah nun nämlich etwas sehr Merkwürdiges —, unter den vielen Schriften, die vernichtend sein sollten für die Hartmann’sche Philosophie, erschien auch eine von einem Verfasser, der sich nicht nannte — eine Schrift, die alles dasjenige, was Hartmann als geistige Kräfte und Inhalte der Welt in seiner «Philosophie des Unbewussten» behauptet hat, in Grund und Boden hinein kritisierte, und die zeigte, wie dilettantisch man verfahren müsse gleichsam dem hoffnungsvollen Darwinismus, der äußeren Wissenschaft gegenüber, der wirklichen Naturforschung gegenüber, wenn man solches Gedankengespinst wie Eduard von Hartmann aufgestellt hat, wenn man dieses Gedankengespinst dieser hoffnungsreichen Forschung entgegenstellt.
[ 45 ] Und es traten dazumal bedeutende Forscher auf wie Oscar Schmidt, der große Darwinist, Ernst Haeckel selber, und viele andere könnten genannt werden, die lasen diese Schrift, die schärfste, scharfsinnigste Schrift gegen Eduard von Hartmann durch, und sie sagten: Da hat einmal einer etwas geschrieben, was auf der Höhe der Naturwissenschaft steht, da hat einer etwas geschrieben, der zeigt dem Hartmann, wie man redet als ein echter Naturforscher gegen dieses dilettantische Geschreibsel, das der Hartmann zustande gebracht hat. Die Schrift war anonym erschienen. Oscar Schmidt und Ähnliche sagten: Er nenne sich uns doch, dieser Anonymus, und wir betrachten ihn als einen der Unsrigen, als einen wahren, auf der Höhe der Naturforschung stehenden Mann. Und eine zweite Auflage, die sehr bald notwendig war, erschien. Da nannte sich der Anonymus: Es war Eduard von Hartmann selber! Es war einmal eine vielleicht selt same, aber doch ordentliche Lektion erteilt allen denjenigen, die da glauben, dass solches nur aus Dilettantismus oder aus Unkenntnis des eigentlichen Nervs und der eigentlichen Wesenheit der Naturforschung entspringt. Nun fingen an diejenigen, die vorher gesagt hatten, er nenne sich uns, hübsch zu schweigen. Und seit jener Zeit trat an die Stelle der bedeutsamen Zustimmung in der ersten Zeit ein tatkräftiges — um das Wort zu gebrauchen —, ein tatkräftiges Schweigen, ein Totschweigen der Hartmann’schen Lebensanschauung.
[ 45 ] Und es traten dazumal bedeutende Forscher auf wie Oscar Schmidt, der große Darwinist, Ernst Haeckel selber, und viele andere könnten genannt werden, die lasen diese Schrift, die schärfste, scharfsinnigste Schrift gegen Eduard von Hartmann durch, und sie sagten: Da hat einmal einer etwas geschrieben, was auf der Höhe der Naturwissenschaft steht, da hat einer etwas geschrieben, der zeigt dem Hartmann, wie man redet als ein echter Naturforscher gegen dieses dilettantische Geschreibsel, das der Hartmann zustande gebracht hat. Die Schrift war anonym erschienen. Oscar Schmidt und Ähnliche sagten: Er nenne sich uns doch, dieser Anonymus, und wir betrachten ihn als einen der Unsrigen, als einen wahren, auf der Höhe der Naturforschung stehenden Mann. Und eine zweite Auflage, die sehr bald notwendig war, erschien. Da nannte sich der Anonymus: Es war Eduard von Hartmann selber! Es war einmal eine vielleicht selt same, aber doch ordentliche Lektion erteilt allen denjenigen, die da glauben, dass solches nur aus Dilettantismus oder aus Unkenntnis des eigentlichen Nervs und der eigentlichen Wesenheit der Naturforschung entspringt. Nun fingen an diejenigen, die vorher gesagt hatten, er nenne sich uns, hübsch zu schweigen. Und seit jener Zeit trat an die Stelle der bedeutsamen Zustimmung in der ersten Zeit ein tatkräftiges — um das Wort zu gebrauchen —, ein tatkräftiges Schweigen, ein Totschweigen der Hartmann’schen Lebensanschauung.
[ 46 ] Es war diese Lektion, sehr verehrte Anwesende, imLaufe des neunzehnten Jahrhunderts einmal notwendig aus dem Grunde, um wenigstens einmal ein Exempel zu statuieren für all dasjenige, was auftritt gegen berechtigte Weltanschauungsbestrebungen, und was da glaubt, die Einwände, die man so aus den Ärmeln schütteln kann, die könnte sich nicht derjenige selber machen, dem sie gemacht werden. Gerade gegenüber Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sollten diejenigen, die so leicht verspotten und verhöhnen, etwas lernen aus der Lektion, die dazumal Eduard von Hartmann seinen sogenannten Gegnern gegeben hat. Denn es könnte daraus manches gelernt werden! Die Einwände, die gegen Anthroposophie oder Geisteswissenschaft gemacht werden, sie sind wahrhaftig zumeist nicht so, dass derjenige, der auf dem Boden der Anthroposophie oder Geisteswissenschaft steht, sie sich nicht selber in jedem Augenblick fabrizieren könnte.
[ 46 ] Es war diese Lektion, sehr verehrte Anwesende, imLaufe des neunzehnten Jahrhunderts einmal notwendig aus dem Grunde, um wenigstens einmal ein Exempel zu statuieren für all dasjenige, was auftritt gegen berechtigte Weltanschauungsbestrebungen, und was da glaubt, die Einwände, die man so aus den Ärmeln schütteln kann, die könnte sich nicht derjenige selber machen, dem sie gemacht werden. Gerade gegenüber Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sollten diejenigen, die so leicht verspotten und verhöhnen, etwas lernen aus der Lektion, die dazumal Eduard von Hartmann seinen sogenannten Gegnern gegeben hat. Denn es könnte daraus manches gelernt werden! Die Einwände, die gegen Anthroposophie oder Geisteswissenschaft gemacht werden, sie sind wahrhaftig zumeist nicht so, dass derjenige, der auf dem Boden der Anthroposophie oder Geisteswissenschaft steht, sie sich nicht selber in jedem Augenblick fabrizieren könnte.
[ 47 ] Aber es zeigt uns zugleich dieses Auftreten Eduard von Hartmanns, dass der Gedanke eines Bewusstseins über das gewöhnliche Bewusstsein hinaus erschnt wurde von der Geistesbewegung in der neueren Zeit. Und wenn sich heute so viele Menschen stoßen — weil man sich eben an Worten stößt — daran, dass der, der nun spricht von einem astralischen Leibe, etwas, was ungewohnt ist, sagt, so kann verwiesen werden darauf, dass, wenn zwar in hypothetischer und nur abstrakter Weise, doch die Philosophie des neunzehnten Jahrhunderts hinarbeitet — um auch das herauszugestalten, was heute die Anthroposophie oder Geisteswissenschaft dadurch unmittelbar, innerlich geistig gegenständlich erlangt, dass es ihr gelingt, wie es der Chemie gelingt, den Sauerstoff von Wasserstoff abzulösen —, den Willen abzutrennen durch innere, intime geistige Vorgänge von der Körperlichkeit, dadurch ein Bewusstsein wirklich herauszuheben aus den Seelentiefen, [ein Bewusstsein], welches dann mit Hilfe dessen, was Geistes-Auge genannt ist, in die geistige Welt hineinzuschauen vermag.
[ 47 ] Aber es zeigt uns zugleich dieses Auftreten Eduard von Hartmanns, dass der Gedanke eines Bewusstseins über das gewöhnliche Bewusstsein hinaus erschnt wurde von der Geistesbewegung in der neueren Zeit. Und wenn sich heute so viele Menschen stoßen — weil man sich eben an Worten stößt — daran, dass der, der nun spricht von einem astralischen Leibe, etwas, was ungewohnt ist, sagt, so kann verwiesen werden darauf, dass, wenn zwar in hypothetischer und nur abstrakter Weise, doch die Philosophie des neunzehnten Jahrhunderts hinarbeitet — um auch das herauszugestalten, was heute die Anthroposophie oder Geisteswissenschaft dadurch unmittelbar, innerlich geistig gegenständlich erlangt, dass es ihr gelingt, wie es der Chemie gelingt, den Sauerstoff von Wasserstoff abzulösen —, den Willen abzutrennen durch innere, intime geistige Vorgänge von der Körperlichkeit, dadurch ein Bewusstsein wirklich herauszuheben aus den Seelentiefen, [ein Bewusstsein], welches dann mit Hilfe dessen, was Geistes-Auge genannt ist, in die geistige Welt hineinzuschauen vermag.
[ 48 ] Und nicht vereinzelt steht Eduard von Hartmann da. Nur ist wenig Zusammenarbeit auf diesem Gebiete gerade im neunzehnten Jahrhundert gewesen; daher wissen die Forscher so wenig voneinander. Aber wir brauchen nur hinzusehen auf mancherlei Geistesströmungen, die hierher gehören, gerade gegen das Ende des neunzehnten Jahrhunderts, so werden wir diesen Begriff des «inneren Menschen» immer wieder auftauchen sehen. Wir sehen, wie er auftaucht in der amerikanischen Forschung, wie er auftaucht in der Forschung Myers in England, der so viele Bände der psychologischen Untersuchungen /Es folgen im Stenogramm drei unleserliche Zeichen.] Wir sehen, wie da von diesen Forschern: James, Myers und seinen Genossen überall hingewiesen wird auf ein Bewusstsein, das ein anderes Bewusstsein ist als das gewöhnliche alltägliche Bewusstsein, ein Bewusstsein, das in den Untergründen der Seele verborgen liegt, das aber seine Kraftstrahlen hinaufsendet in das gewöhnliche Bewusstsein. Myers, der englische Forscher, hat 1886 — zunächst ohne auf Eduard von Hartmann weiter einzugehen, das ist ja heute so wenig üblich, miteinander zu arbeiten — in einer so eindringlichen Weise auf dieses andere Bewusstsein hingewiesen, dass William James sagt: eine der größten Entdeckungen auf dem Gebiete des menschlichen Seelenlebens sei seit dem Jahre 1886 gemacht, nämlich die des Unterbewusstseins.
[ 48 ] Und nicht vereinzelt steht Eduard von Hartmann da. Nur ist wenig Zusammenarbeit auf diesem Gebiete gerade im neunzehnten Jahrhundert gewesen; daher wissen die Forscher so wenig voneinander. Aber wir brauchen nur hinzusehen auf mancherlei Geistesströmungen, die hierher gehören, gerade gegen das Ende des neunzehnten Jahrhunderts, so werden wir diesen Begriff des «inneren Menschen» immer wieder auftauchen sehen. Wir sehen, wie er auftaucht in der amerikanischen Forschung, wie er auftaucht in der Forschung Myers in England, der so viele Bände der psychologischen Untersuchungen /Es folgen im Stenogramm drei unleserliche Zeichen.] Wir sehen, wie da von diesen Forschern: James, Myers und seinen Genossen überall hingewiesen wird auf ein Bewusstsein, das ein anderes Bewusstsein ist als das gewöhnliche alltägliche Bewusstsein, ein Bewusstsein, das in den Untergründen der Seele verborgen liegt, das aber seine Kraftstrahlen hinaufsendet in das gewöhnliche Bewusstsein. Myers, der englische Forscher, hat 1886 — zunächst ohne auf Eduard von Hartmann weiter einzugehen, das ist ja heute so wenig üblich, miteinander zu arbeiten — in einer so eindringlichen Weise auf dieses andere Bewusstsein hingewiesen, dass William James sagt: eine der größten Entdeckungen auf dem Gebiete des menschlichen Seelenlebens sei seit dem Jahre 1886 gemacht, nämlich die des Unterbewusstseins.
[ 49 ] Geisteswissenschaft oder Anthroposophie stellt sich wiederum die Aufgabe, auf dieses Unterbewusstsein nicht nur hinzuweisen so, wie auch diese Forscher nur darauf hinwiesen als auf etwas, das mystisch-dunkel unten liegt, das man nicht erreichen könne, das nur in religiösen Bekehrungsversuchen oder in besonderen abnormen Seelenstimmungen zum Ausdruck kommt, Geisteswissenschaft sucht darauf hinzuweisen, dass das nicht nur etwas Unklares ist, sondern dass es in volle Klarheit heraufgeholt werden kann aus dem Untergrund des menschlichen Seelenlebens, und dass der Mensch durch dieses Bewusstsein ebenso schauen kann in die geistige Welt, wie er durch sein Alltagsbewusstsein schauen kann in die physische Welt. So lebt in uns wirklich ein Mensch, der als geistiger Mensch das Ewige anzuschauen vermag. Solange man wie in einem Bilde auf solch eine Tatsache hinweist, wird man ja weniger Widerspruch erleben; wenn man aber die Tatsache als solche ins Auge fasst, sodass sie einem wird, wie es durch Anthroposophie oder Geisteswissenschaft geschieht, eine innerlich ergreifbare Tatsache und eine Summe von inneren Erlebnissen wie die äußeren Tatsachen, wie die äußeren Erlebnisse sind, so erfährt man schon mehr Widerspruch. Allein die ganze Tendenz der Forschung, alle Impulse des neueren Denkens führen den Menschen dahin, durch solches Anschauen auf andere Art, als es die äußere Forschung tut, und durch Anschauen eines anderen Menschen, als der Mensch des gewöhnlichen Bewusstseins ist, das Menschenrätsel zu lösen. Da kommen wir dazu, nicht etwas anderes zu suchen im geistigen Gebiete als uns das Mikroskop enthüllt, sondern wir suchen schon in dem, was den gewöhnlichen Sinnen vorliegt, ein Tieferes. Wir dringen durch die Decke der Sinnenwelt durch in die geistige Welt. Und derjenige, der es aufrichtig in unserer heutigen Zeit mit unseren heutigen Mitteln mit dem Menschenrätsel meint, der findet den Weg, den Anthroposophie oder Geisteswissenschaft einschlägt. Dann wundern sich die Leute, wenn er nun zu reden beginnt — ein solcher, der diesen Weg einschlägt — von einer konkreten geistigen Welt und von geistigen Wesenheiten in dieser Welt. Denn nicht zu einem verwaschenen Pantheismus, zu einem allgemein geistigen Chaos, wie es der Pantheismus annimmt, führt die Geistesforschung oder Anthroposophie, sondern zum konkreten Anschauen einer konkreten geistigen Welt. So wie wir uns äußerlich auch nicht begnügen, bloß Natur und Natur und Natur zu betonen, sondern wie wir die einzelnen Pflanzen, die einzelnen Vorgänge, die einzelnen Tierwesen ansehen, so sieht man die einzelnen geistigen Wesenheiten an. Die Welt ist es, in die man eindringt, in der wir selber sind, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, in der wir waren, ehe wir durch die Geburt in das physische Dasein eingetreten sind, als geistige Menschen.
[ 49 ] Geisteswissenschaft oder Anthroposophie stellt sich wiederum die Aufgabe, auf dieses Unterbewusstsein nicht nur hinzuweisen so, wie auch diese Forscher nur darauf hinwiesen als auf etwas, das mystisch-dunkel unten liegt, das man nicht erreichen könne, das nur in religiösen Bekehrungsversuchen oder in besonderen abnormen Seelenstimmungen zum Ausdruck kommt, Geisteswissenschaft sucht darauf hinzuweisen, dass das nicht nur etwas Unklares ist, sondern dass es in volle Klarheit heraufgeholt werden kann aus dem Untergrund des menschlichen Seelenlebens, und dass der Mensch durch dieses Bewusstsein ebenso schauen kann in die geistige Welt, wie er durch sein Alltagsbewusstsein schauen kann in die physische Welt. So lebt in uns wirklich ein Mensch, der als geistiger Mensch das Ewige anzuschauen vermag. Solange man wie in einem Bilde auf solch eine Tatsache hinweist, wird man ja weniger Widerspruch erleben; wenn man aber die Tatsache als solche ins Auge fasst, sodass sie einem wird, wie es durch Anthroposophie oder Geisteswissenschaft geschieht, eine innerlich ergreifbare Tatsache und eine Summe von inneren Erlebnissen wie die äußeren Tatsachen, wie die äußeren Erlebnisse sind, so erfährt man schon mehr Widerspruch. Allein die ganze Tendenz der Forschung, alle Impulse des neueren Denkens führen den Menschen dahin, durch solches Anschauen auf andere Art, als es die äußere Forschung tut, und durch Anschauen eines anderen Menschen, als der Mensch des gewöhnlichen Bewusstseins ist, das Menschenrätsel zu lösen. Da kommen wir dazu, nicht etwas anderes zu suchen im geistigen Gebiete als uns das Mikroskop enthüllt, sondern wir suchen schon in dem, was den gewöhnlichen Sinnen vorliegt, ein Tieferes. Wir dringen durch die Decke der Sinnenwelt durch in die geistige Welt. Und derjenige, der es aufrichtig in unserer heutigen Zeit mit unseren heutigen Mitteln mit dem Menschenrätsel meint, der findet den Weg, den Anthroposophie oder Geisteswissenschaft einschlägt. Dann wundern sich die Leute, wenn er nun zu reden beginnt — ein solcher, der diesen Weg einschlägt — von einer konkreten geistigen Welt und von geistigen Wesenheiten in dieser Welt. Denn nicht zu einem verwaschenen Pantheismus, zu einem allgemein geistigen Chaos, wie es der Pantheismus annimmt, führt die Geistesforschung oder Anthroposophie, sondern zum konkreten Anschauen einer konkreten geistigen Welt. So wie wir uns äußerlich auch nicht begnügen, bloß Natur und Natur und Natur zu betonen, sondern wie wir die einzelnen Pflanzen, die einzelnen Vorgänge, die einzelnen Tierwesen ansehen, so sieht man die einzelnen geistigen Wesenheiten an. Die Welt ist es, in die man eindringt, in der wir selber sind, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, in der wir waren, ehe wir durch die Geburt in das physische Dasein eingetreten sind, als geistige Menschen.
[ 50 ] Und so kann man sagen: Nicht dadurch, dass man eine geistige Welt begehrt, kommt man dazu, eine geistige Welt zu behaupten — es wird sogar aus gewissen Gründen der schlechteste Weg sein, das Einzelne kann hier nicht ausgeführt werden, direkt Begierden zu entwickeln, um möglichst viel in der geistigen Welt zu schauen —, sondern dasjenige, was zunächst in der menschlichen Seele entsteht, ist der vorhin charakterisierte seelisch-geistige Hunger, der sich in der Frage nach den Menschenwesen ausdrückt. Und indem man den Weg ehrlich geht mit den Mitteln der neueren menschlichen Entwicklung, tritt man in eine Welt ein, die einem Geistiges darbietet, über die man nur reden kann, wenn man von Geistern spricht so, wie man von der physischen Welt redet, indem man von Körpern spricht. Und diese geistige Forschung, sie gibt nicht nur unmittelbar Aufschluss über dasjenige, was unsere Umgebung ist, sondern in einer gewissen Weise gibt sie Aufschluss - wirklich auch in einer anderen Weise, als dies die äußere Forschung kann - über den gesamten Weltenbau.
[ 50 ] Und so kann man sagen: Nicht dadurch, dass man eine geistige Welt begehrt, kommt man dazu, eine geistige Welt zu behaupten — es wird sogar aus gewissen Gründen der schlechteste Weg sein, das Einzelne kann hier nicht ausgeführt werden, direkt Begierden zu entwickeln, um möglichst viel in der geistigen Welt zu schauen —, sondern dasjenige, was zunächst in der menschlichen Seele entsteht, ist der vorhin charakterisierte seelisch-geistige Hunger, der sich in der Frage nach den Menschenwesen ausdrückt. Und indem man den Weg ehrlich geht mit den Mitteln der neueren menschlichen Entwicklung, tritt man in eine Welt ein, die einem Geistiges darbietet, über die man nur reden kann, wenn man von Geistern spricht so, wie man von der physischen Welt redet, indem man von Körpern spricht. Und diese geistige Forschung, sie gibt nicht nur unmittelbar Aufschluss über dasjenige, was unsere Umgebung ist, sondern in einer gewissen Weise gibt sie Aufschluss - wirklich auch in einer anderen Weise, als dies die äußere Forschung kann - über den gesamten Weltenbau.
[ 51 ] Und darüber sei eine Bemerkung hier eingefügt, die ja etwas gewagt ist, weil ich im Rahmen eines einzelnen Vortrages nur Forschungsergebnisse der Anthroposophie anführen kann und mich nicht auf einzelne Details des Beweises einlassen kann, aber ich will doch, so paradox es aussehen mag, Einzelnes doch mitteilen, damit man daraus sieht, wie anders die Wege der Geistesforschung sind zu den Menschenrätseln hin, als die Wege der äußeren physischen Forschung. Wiederum kann man anknüpfen, wie ich schon vorgestern betont habe, mit aller Geistesforschung an die schönen gesunden Anfänge der Goethe’schen Weltanschauung. Goethe hat auch in Anknüpfung an [Martius] und an andere eine schöne Abhandlung geschrieben «Über die Spiraltendenz der Pflanzen». Er richtet also den Blick zunächst wiederum auf die äußere Welt hin. Den Blick richtet er hin auf die Pflanzen, wie sie Blatt nach Blatt ansetzen; aber dass das Blatt in einer Spirale nach oben schreitet, das heißt, [dass] die Anordnung der einzelnen Blattansätze in einer Spirale gewissermaßen geordnet ist. Diese Art und Weise, wie die einzelnen Blätter geordnet sind, was das für eine Linie gibt, die Ansätze der Blätter, die sich nach und nach bilden, wenn man das ins Auge fasst, und wenn man — Goethe ist in Anfängen stehen geblieben —, wenn man manches fortsetzt, wovon bei Goethe gesunde Anfänge gegeben sind, dann findet man, dass dieses spiralige Anordnen der Blätter der Pflanzen keineswegs erklärt werden kann aus der Pflanze selber, sondern die geistige Anschauung, die uns über das Sinnliche hinausführt, zeigt uns, dass da aus dem Weltenall selber bewegende Kräfte hereinwirken, dieselben bewegenden Kräfte, die in den Planeten wirken und die den Gang des Blattwachstums regeln. Wie gesagt, es klingt zunächst paradox, weil ich es nicht im Einzelnen ausführen kann, dazu reicht die Zeit nicht aus, aber man kann studieren an der Anordnung der Blätter die Stellung und Bewegung der Erde im Raum, und ihr Verhältnis in der Bewegung zu anderen Planeten. Das heißt: In der Pflanze drückt sich aus dasjenige, was im großen Weltenbau draußen ist. Und eine Aussicht, eine wunderbare Perspektive eröffnet sich.
[ 51 ] Und darüber sei eine Bemerkung hier eingefügt, die ja etwas gewagt ist, weil ich im Rahmen eines einzelnen Vortrages nur Forschungsergebnisse der Anthroposophie anführen kann und mich nicht auf einzelne Details des Beweises einlassen kann, aber ich will doch, so paradox es aussehen mag, Einzelnes doch mitteilen, damit man daraus sieht, wie anders die Wege der Geistesforschung sind zu den Menschenrätseln hin, als die Wege der äußeren physischen Forschung. Wiederum kann man anknüpfen, wie ich schon vorgestern betont habe, mit aller Geistesforschung an die schönen gesunden Anfänge der Goethe’schen Weltanschauung. Goethe hat auch in Anknüpfung an [Martius] und an andere eine schöne Abhandlung geschrieben «Über die Spiraltendenz der Pflanzen». Er richtet also den Blick zunächst wiederum auf die äußere Welt hin. Den Blick richtet er hin auf die Pflanzen, wie sie Blatt nach Blatt ansetzen; aber dass das Blatt in einer Spirale nach oben schreitet, das heißt, [dass] die Anordnung der einzelnen Blattansätze in einer Spirale gewissermaßen geordnet ist. Diese Art und Weise, wie die einzelnen Blätter geordnet sind, was das für eine Linie gibt, die Ansätze der Blätter, die sich nach und nach bilden, wenn man das ins Auge fasst, und wenn man — Goethe ist in Anfängen stehen geblieben —, wenn man manches fortsetzt, wovon bei Goethe gesunde Anfänge gegeben sind, dann findet man, dass dieses spiralige Anordnen der Blätter der Pflanzen keineswegs erklärt werden kann aus der Pflanze selber, sondern die geistige Anschauung, die uns über das Sinnliche hinausführt, zeigt uns, dass da aus dem Weltenall selber bewegende Kräfte hereinwirken, dieselben bewegenden Kräfte, die in den Planeten wirken und die den Gang des Blattwachstums regeln. Wie gesagt, es klingt zunächst paradox, weil ich es nicht im Einzelnen ausführen kann, dazu reicht die Zeit nicht aus, aber man kann studieren an der Anordnung der Blätter die Stellung und Bewegung der Erde im Raum, und ihr Verhältnis in der Bewegung zu anderen Planeten. Das heißt: In der Pflanze drückt sich aus dasjenige, was im großen Weltenbau draußen ist. Und eine Aussicht, eine wunderbare Perspektive eröffnet sich.
[ 52 ] Zu der Forschung, die in einer so schönen, so gewaltigen Weise in die Bewegung der Himmelskörper seit Kopernikus hinausgeführt hat, wird sich eine Erkenntnis gesellen, die uns aus der Anschauung desjenigen, was unmittelbar im Raum, im Himmelsraum uns vorliegt — wenn wir es geisteswissenschaftlich erforschen —, zu der Form von Himmelsbahnen führt. Diese Forschung wird sich vereinigen mit der Kopernikanisch-Kepler’schen Forschung, und hier wird sich eine bedeutungsvolle wissenschaftliche Zukunft ergeben. Doch wie gesagt, so paradox es klingt, ich wollte es doch kurz erwähnen, aber ich kann es nur kurz erwähnen. Und so, wie — und wiederum liegt das im Ausbau der bloßen Goethe’schen Weltanschauung —, so wie in der Pflanze zum Ausdruck kommt etwas Kosmisches, so kommt im ganzen Menschen — aber in diesem geistigen Menschen, den wir finden, wenn wir den Willen loslösen von den Trieben, vom Körperlichen — ein Kosmisches zum Ausdruck. Und man erlebt in dem Inneren wirklich mikrokosmisch — wie man das genannt hat — den Makrokosmos mit. Man muss nur lernen, durch Erwachen des inneren Bewusstseins, des geistigen Bewusstseins, den makrokosmischen Menschen mitzuerleben, und man wird auf diese Weise den Weg finden von der gewöhnlichen Anschauung zu etwas, was zur Auflösung des Menschenrätsels, soweit es dem Menschen jetzt schon gestattet ist, führen kann.
[ 52 ] Zu der Forschung, die in einer so schönen, so gewaltigen Weise in die Bewegung der Himmelskörper seit Kopernikus hinausgeführt hat, wird sich eine Erkenntnis gesellen, die uns aus der Anschauung desjenigen, was unmittelbar im Raum, im Himmelsraum uns vorliegt — wenn wir es geisteswissenschaftlich erforschen —, zu der Form von Himmelsbahnen führt. Diese Forschung wird sich vereinigen mit der Kopernikanisch-Kepler’schen Forschung, und hier wird sich eine bedeutungsvolle wissenschaftliche Zukunft ergeben. Doch wie gesagt, so paradox es klingt, ich wollte es doch kurz erwähnen, aber ich kann es nur kurz erwähnen. Und so, wie — und wiederum liegt das im Ausbau der bloßen Goethe’schen Weltanschauung —, so wie in der Pflanze zum Ausdruck kommt etwas Kosmisches, so kommt im ganzen Menschen — aber in diesem geistigen Menschen, den wir finden, wenn wir den Willen loslösen von den Trieben, vom Körperlichen — ein Kosmisches zum Ausdruck. Und man erlebt in dem Inneren wirklich mikrokosmisch — wie man das genannt hat — den Makrokosmos mit. Man muss nur lernen, durch Erwachen des inneren Bewusstseins, des geistigen Bewusstseins, den makrokosmischen Menschen mitzuerleben, und man wird auf diese Weise den Weg finden von der gewöhnlichen Anschauung zu etwas, was zur Auflösung des Menschenrätsels, soweit es dem Menschen jetzt schon gestattet ist, führen kann.
[ 53 ] Wiederum ist es durch eine Erweiterung, durch eine Umgestaltung, durch eine Metamorphosierung des Bewusstseins, nicht durch ein Verwenden des gewöhnlichen Bewusstseins, wie es ist, was in das Menschenrätsel hineinführt. So bewahrheitet sich dasjenige für den Geistesforscher, was vorgestern charakterisiert worden ist, wie der Mensch aus dem Traum erwacht und durch das Eingreifen seines Willens in die Außenwelt dasjenige, was sonst Traumerlebnis ist, verbindet mit der Außenwelt und dadurch es zu realen Vorstellungen erhebt. Wie er dadurch sein Ich real macht, wenigstens als real empfindet, so wacht der Mensch auf, indem er den inneren Menschen erweckt, der sich des Geistesauges, des Geistesohres im ätherischen Leibe bedient — um diesen Ausdruck Goethes zu gebrauchen.
[ 53 ] Wiederum ist es durch eine Erweiterung, durch eine Umgestaltung, durch eine Metamorphosierung des Bewusstseins, nicht durch ein Verwenden des gewöhnlichen Bewusstseins, wie es ist, was in das Menschenrätsel hineinführt. So bewahrheitet sich dasjenige für den Geistesforscher, was vorgestern charakterisiert worden ist, wie der Mensch aus dem Traum erwacht und durch das Eingreifen seines Willens in die Außenwelt dasjenige, was sonst Traumerlebnis ist, verbindet mit der Außenwelt und dadurch es zu realen Vorstellungen erhebt. Wie er dadurch sein Ich real macht, wenigstens als real empfindet, so wacht der Mensch auf, indem er den inneren Menschen erweckt, der sich des Geistesauges, des Geistesohres im ätherischen Leibe bedient — um diesen Ausdruck Goethes zu gebrauchen.
[ 54 ] Und wenn Sie das alles zusammennehmen, was auch über die philosophische Bearbeitung des Unterbewusstseins gesagt worden ist, so werden Sie wieder finden: Es ist nichts willkürlich dargestellt in Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, sondern etwas, wohin der Gang der Menschenentwicklung, der menschlichen Geistesentwicklung geht. Sehnsüchte, die da sind, werden gestillt durch dasjenige, was Geisteswissenschaft, jetzt nicht wie bei Hartmann oder bei Myers oder bei James als eine Hypothese hinstellt, sondern es zu einer Tatsächlichkeit macht, indem wirklich der innere Mensch losgelöst wird von demjenigen Menschen, der im gewöhnlichen Bewusstsein von sich weiß, indem wirklich aufgeweckt wird ein höheres Bewusstsein im gewöhnlichen Bewusstsein, dem gegenüber das gewöhnliche Bewusstsein so wie in der Traumwelt lebend erscheint, wie eben der Mensch schlafend in einer Traumwelt leben kann gegenüber dem gewöhnlichen Bewusstsein. Das alles sind Realitäten.
[ 54 ] Und wenn Sie das alles zusammennehmen, was auch über die philosophische Bearbeitung des Unterbewusstseins gesagt worden ist, so werden Sie wieder finden: Es ist nichts willkürlich dargestellt in Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, sondern etwas, wohin der Gang der Menschenentwicklung, der menschlichen Geistesentwicklung geht. Sehnsüchte, die da sind, werden gestillt durch dasjenige, was Geisteswissenschaft, jetzt nicht wie bei Hartmann oder bei Myers oder bei James als eine Hypothese hinstellt, sondern es zu einer Tatsächlichkeit macht, indem wirklich der innere Mensch losgelöst wird von demjenigen Menschen, der im gewöhnlichen Bewusstsein von sich weiß, indem wirklich aufgeweckt wird ein höheres Bewusstsein im gewöhnlichen Bewusstsein, dem gegenüber das gewöhnliche Bewusstsein so wie in der Traumwelt lebend erscheint, wie eben der Mensch schlafend in einer Traumwelt leben kann gegenüber dem gewöhnlichen Bewusstsein. Das alles sind Realitäten.
[ 55 ] Aber tiefergehende Menschen, Menschen, die Selbstbeobachtung mit Weltbeobachtung zusammenbringen konnten, sie haben immer eine Empfindung davon gehabt, dass es so ist, dass der Mensch wirklich ein höheres Bewusstsein erwerben kann, während sein gewöhnliches Bewusstsein sich zu diesem höheren Bewusstsein verhält wie die Traumwelt, die Bilderwelt des Traumes, zu den Erfahrungen des alltäglichen Lebens. Nur auf eines soll dahin gewiesen werden, auf das ich ebenfalls hingewiesen habe auch in meinem Buch «Vom Menschenrätsel», das kürzlich erschienen ist, auf eines: wie Johann Gottlieb Fichte, der Vater von Immanuel Hermann Fichte, sich voll bewusst war, dass es ein höheres Bewusstsein geben müsse gegenüber dem gewöhnlichen Bewusstsein. Daher schildert er die Welt des gewöhnlichen Bewusstseins auf merkwürdig paradoxe Art. Aber die Paradoxie hört auf, wenn man vom Gesichtspunkt der Anthroposophie das Verhältnis des gewöhnlichen Bewusstseins zu dem schauenden Bewusstsein ins Auge fasst. Fichte sagt: «Bilder sind: sie sind das Einzige» — Bilder, darauf hindeutend, dass unser Ich selber nur Bild ist und Bild von Bild weiß, wenn wir im gewöhnlichen Leben drinnenstehen —, «Bilder, die vorüberschweben, ohne dass etwas sie zusammenhängt».
[ 55 ] Aber tiefergehende Menschen, Menschen, die Selbstbeobachtung mit Weltbeobachtung zusammenbringen konnten, sie haben immer eine Empfindung davon gehabt, dass es so ist, dass der Mensch wirklich ein höheres Bewusstsein erwerben kann, während sein gewöhnliches Bewusstsein sich zu diesem höheren Bewusstsein verhält wie die Traumwelt, die Bilderwelt des Traumes, zu den Erfahrungen des alltäglichen Lebens. Nur auf eines soll dahin gewiesen werden, auf das ich ebenfalls hingewiesen habe auch in meinem Buch «Vom Menschenrätsel», das kürzlich erschienen ist, auf eines: wie Johann Gottlieb Fichte, der Vater von Immanuel Hermann Fichte, sich voll bewusst war, dass es ein höheres Bewusstsein geben müsse gegenüber dem gewöhnlichen Bewusstsein. Daher schildert er die Welt des gewöhnlichen Bewusstseins auf merkwürdig paradoxe Art. Aber die Paradoxie hört auf, wenn man vom Gesichtspunkt der Anthroposophie das Verhältnis des gewöhnlichen Bewusstseins zu dem schauenden Bewusstsein ins Auge fasst. Fichte sagt: «Bilder sind: sie sind das Einzige» — Bilder, darauf hindeutend, dass unser Ich selber nur Bild ist und Bild von Bild weiß, wenn wir im gewöhnlichen Leben drinnenstehen —, «Bilder, die vorüberschweben, ohne dass etwas sie zusammenhängt».
[ 56 ] So wie das wache Bewusstsein sich klar darüber wird, dass das Traumbewusstsein nur etwas ist, das die körperlichen Vorgänge begleitet, und das erklärt werden muss aus dem Wachbewusstsein — nicht umgekehrt kann man das Wachbewusstsein aus dem Traumbewusstsein erklären —, so weiß derjenige, der in Anthroposophie oder Geisteswissenschaft eindringt, dass das gewöhnliche Bewusstsein mit seinem Inhalt erklärt werden muss aus den Gebieten der geistigen Welt, in das eindringt das erwachte schauende Bewusstsein.
[ 56 ] So wie das wache Bewusstsein sich klar darüber wird, dass das Traumbewusstsein nur etwas ist, das die körperlichen Vorgänge begleitet, und das erklärt werden muss aus dem Wachbewusstsein — nicht umgekehrt kann man das Wachbewusstsein aus dem Traumbewusstsein erklären —, so weiß derjenige, der in Anthroposophie oder Geisteswissenschaft eindringt, dass das gewöhnliche Bewusstsein mit seinem Inhalt erklärt werden muss aus den Gebieten der geistigen Welt, in das eindringt das erwachte schauende Bewusstsein.
[ 57 ] So sehen wir, wie Geisteswissenschaft oder Anthroposophie durchaus nicht entgegen dem echten wissenschaftlichen Gang der neueren Zeit ist. Das ist es auch, was zu dem Wesentlichsten, Charakteristischsten der Anthroposophie gehört: dass Anthroposophie oder Geisteswissenschaft nicht wie ähnliche Bestrebungen früherer Zeit oder auch der Gegenwart anknüpft unmittelbar an religiöses Leben, sondern anknüpft an wissenschaftliches Leben und dazu Beziehungen sucht. Und dieser Unterschied wird gewöhnlich nicht hinlänglich genug ins Auge gefasst. Man verwechselt immer wieder und wiederum auch Anthroposophie oder Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, mit älteren oder zeitgenössischen mystischen Bestrebungen, die ihren Ausgangspunkt, ihren Ursprung aus religiösem Erleben heraus nehmen. Wohin auch Anthroposophie in religiöser Hinsicht zunächst führen mag, ihr Ursprung ist im wissenschaftlichen Erleben. Dasjenige, was wissenschaftliche Bedürfnisse der neueren Zeit sind, hat Geisteswissenschaft oder Anthroposophie hervorgebracht. Daher unterscheidet sich auch diese Anthroposophie oder Geisteswissenschaft in mancherlei Hinsicht von mit ihr verwechselten mystischen oder sonstigen Bestrebungen, die aus diesem oder jenem Religionsbekenntnis hervorgehen oder hervorgegangen sind. Diese letzteren nehmen immer einen subjektiven Charakter an und führen daher zur Sektiererei. Anthroposophie oder Geisteswissenschaft kann niemals zu Sektiererei oder zum Subjektivismus führen, zu dem Sich-Abschließen in einem gewissen subjektiven religiösen Erleben, sondern Anthroposophie oder Geisteswissenschaft, weil sie aus wissenschaftlichem Bedürfnis heraus hervorgegangen ist, wird den Charakter annehmen, den die Wissenschaft trägt, den Charakter des Gültig-Seins für alle Menschen, den Charakter, dass sie verstanden werden kann von allen Menschen, wie Wissenschaft von allen Menschen verstanden und begriffen werden kann, nur in einem noch viel höheren Grade, wie ich schon vorgestern bemerkte.
[ 57 ] So sehen wir, wie Geisteswissenschaft oder Anthroposophie durchaus nicht entgegen dem echten wissenschaftlichen Gang der neueren Zeit ist. Das ist es auch, was zu dem Wesentlichsten, Charakteristischsten der Anthroposophie gehört: dass Anthroposophie oder Geisteswissenschaft nicht wie ähnliche Bestrebungen früherer Zeit oder auch der Gegenwart anknüpft unmittelbar an religiöses Leben, sondern anknüpft an wissenschaftliches Leben und dazu Beziehungen sucht. Und dieser Unterschied wird gewöhnlich nicht hinlänglich genug ins Auge gefasst. Man verwechselt immer wieder und wiederum auch Anthroposophie oder Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, mit älteren oder zeitgenössischen mystischen Bestrebungen, die ihren Ausgangspunkt, ihren Ursprung aus religiösem Erleben heraus nehmen. Wohin auch Anthroposophie in religiöser Hinsicht zunächst führen mag, ihr Ursprung ist im wissenschaftlichen Erleben. Dasjenige, was wissenschaftliche Bedürfnisse der neueren Zeit sind, hat Geisteswissenschaft oder Anthroposophie hervorgebracht. Daher unterscheidet sich auch diese Anthroposophie oder Geisteswissenschaft in mancherlei Hinsicht von mit ihr verwechselten mystischen oder sonstigen Bestrebungen, die aus diesem oder jenem Religionsbekenntnis hervorgehen oder hervorgegangen sind. Diese letzteren nehmen immer einen subjektiven Charakter an und führen daher zur Sektiererei. Anthroposophie oder Geisteswissenschaft kann niemals zu Sektiererei oder zum Subjektivismus führen, zu dem Sich-Abschließen in einem gewissen subjektiven religiösen Erleben, sondern Anthroposophie oder Geisteswissenschaft, weil sie aus wissenschaftlichem Bedürfnis heraus hervorgegangen ist, wird den Charakter annehmen, den die Wissenschaft trägt, den Charakter des Gültig-Seins für alle Menschen, den Charakter, dass sie verstanden werden kann von allen Menschen, wie Wissenschaft von allen Menschen verstanden und begriffen werden kann, nur in einem noch viel höheren Grade, wie ich schon vorgestern bemerkte.
[ 58 ] Aber auch anderes folgt aus dieser Voraussetzung. Man hat ja gesehen, man hat es erlebt, wie gerade diejenige Art von Wissenschaftlichkeit, welche charakterisiert worden ist im Anfang des Vortrags, die Menschen abgebracht hat von einem wirklichen religiösen Leben. Haben wir es nicht erlebt, wie die Menschen, die aufgeklärt sein wollten durch die neuere materialistische naturwissenschaftliche Weltanschauung, wie die abkamen vom wirklichen religiösen Leben? Wie sie glaubten, die Aufklärung gerade darinnen suchen zu müssen, dass sie das wirkliche religiöse Leben aufgaben? An Geisteswissenschaft oder Anthroposophie wird man das Gegenteil erleben, trotzdem heute vielleicht gerade viele Vertreter von Religionsgemeinschaften irrtümlicherweise glauben, dass Anthroposophie oder Geisteswissenschaft ihrem Religionsbekenntnis Eintrag tun könne. Das wird sie nicht. Sie wird das Gegenteil bringen. Wie die äußere Wissenschaft die Menschen vielfach entfernt hat vom religiösen Erleben, so wird Geisteswissenschaft oder Anthroposophie die Menschen zum Religiösen wieder hinführen, nicht bloß zu einer religiösen Anschauung, sondern zur praktischen Religionsübung hinführen, weil Geisteswissenschaft von einer ganz anderen Seite her dennoch das religiöse Leben entzündet und das religiöse Verständnis entzündet. Den größten Irrtümern geben sich diejenigen hin, die da glauben, ihrer Religion dadurch zu dienen, dass sie gegen Geisteswissenschaft oder Anthroposophie auftreten. Sie würden ihrer Religion viel mehr dienen, wenn sie gerade hinwiesen darauf, dass diese Geisteswissenschaft, der Weg durch diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie der modernste Weg ist, um die Menschen zum Verständnis des religiösen Erlebens hinzuführen. So im Ganzen, aber so auch im Einzelnen.
[ 58 ] Aber auch anderes folgt aus dieser Voraussetzung. Man hat ja gesehen, man hat es erlebt, wie gerade diejenige Art von Wissenschaftlichkeit, welche charakterisiert worden ist im Anfang des Vortrags, die Menschen abgebracht hat von einem wirklichen religiösen Leben. Haben wir es nicht erlebt, wie die Menschen, die aufgeklärt sein wollten durch die neuere materialistische naturwissenschaftliche Weltanschauung, wie die abkamen vom wirklichen religiösen Leben? Wie sie glaubten, die Aufklärung gerade darinnen suchen zu müssen, dass sie das wirkliche religiöse Leben aufgaben? An Geisteswissenschaft oder Anthroposophie wird man das Gegenteil erleben, trotzdem heute vielleicht gerade viele Vertreter von Religionsgemeinschaften irrtümlicherweise glauben, dass Anthroposophie oder Geisteswissenschaft ihrem Religionsbekenntnis Eintrag tun könne. Das wird sie nicht. Sie wird das Gegenteil bringen. Wie die äußere Wissenschaft die Menschen vielfach entfernt hat vom religiösen Erleben, so wird Geisteswissenschaft oder Anthroposophie die Menschen zum Religiösen wieder hinführen, nicht bloß zu einer religiösen Anschauung, sondern zur praktischen Religionsübung hinführen, weil Geisteswissenschaft von einer ganz anderen Seite her dennoch das religiöse Leben entzündet und das religiöse Verständnis entzündet. Den größten Irrtümern geben sich diejenigen hin, die da glauben, ihrer Religion dadurch zu dienen, dass sie gegen Geisteswissenschaft oder Anthroposophie auftreten. Sie würden ihrer Religion viel mehr dienen, wenn sie gerade hinwiesen darauf, dass diese Geisteswissenschaft, der Weg durch diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie der modernste Weg ist, um die Menschen zum Verständnis des religiösen Erlebens hinzuführen. So im Ganzen, aber so auch im Einzelnen.
[ 59 ] Geisteswissenschaft oder Anthroposophie entwickelt sich in gerader Linie, wie heute auch historisch gezeigt worden ist, aus dem wissenschaftlichen Leben heraus. Aber sie führt dadurch, dass sie den Menschen vertieft, dass sie den Geistes-Menschen hebt aus dem gewöhnlichen Menschen heraus, sie führt auch zu einem tieferen Verständnis, sagen wir zunächst, zu dem tieferen Verständnis des Christentums.
[ 59 ] Geisteswissenschaft oder Anthroposophie entwickelt sich in gerader Linie, wie heute auch historisch gezeigt worden ist, aus dem wissenschaftlichen Leben heraus. Aber sie führt dadurch, dass sie den Menschen vertieft, dass sie den Geistes-Menschen hebt aus dem gewöhnlichen Menschen heraus, sie führt auch zu einem tieferen Verständnis, sagen wir zunächst, zu dem tieferen Verständnis des Christentums.
[ 60 ] Sehr verehrte Anwesende! Ich glaube nicht, dass derjenige das Christentum wirklich voll versteht und wirklich liebt und wirklich es in seiner Größe erkennt, der in Geisteswissenschaft oder Anthroposophie einen Feind sehen kann des Christentums! Der liebt das Christentum wenig und erkennt es wenig in seiner Größe, der nicht anerkennen wollte, dass dieses Christentum trotz seiner Größe, noch nicht all sein Großes bisher herausgekehrt hat. Oder wollte man etwa dann, wenn man auf dasjenige, was man in der heutigen Zeit erlebt, hinweist, behaupten, dass das Christentum schon all seine Größe herausgestellt hat und alles, was jetzt geschieht, als eine Folge des Christentums anschen, das man nicht mehr versteht? Besser, wenn man weiß: Da ist noch vieles Christliche hineinzutragen in die Entwicklung der Menschen, zur Verbesserung und zum Heile des sozialen und des sonstigen Lebens der Menschheit!
[ 60 ] Sehr verehrte Anwesende! Ich glaube nicht, dass derjenige das Christentum wirklich voll versteht und wirklich liebt und wirklich es in seiner Größe erkennt, der in Geisteswissenschaft oder Anthroposophie einen Feind sehen kann des Christentums! Der liebt das Christentum wenig und erkennt es wenig in seiner Größe, der nicht anerkennen wollte, dass dieses Christentum trotz seiner Größe, noch nicht all sein Großes bisher herausgekehrt hat. Oder wollte man etwa dann, wenn man auf dasjenige, was man in der heutigen Zeit erlebt, hinweist, behaupten, dass das Christentum schon all seine Größe herausgestellt hat und alles, was jetzt geschieht, als eine Folge des Christentums anschen, das man nicht mehr versteht? Besser, wenn man weiß: Da ist noch vieles Christliche hineinzutragen in die Entwicklung der Menschen, zur Verbesserung und zum Heile des sozialen und des sonstigen Lebens der Menschheit!
[ 61 ] Geisteswissenschaft oder Anthroposophie wird einer der Wege sein — und immer neue Wege werden entstehen —, um die Menschen zu dem, was in den Tiefen des Christentums liegt, hinzuführen. Und immer wieder und wiederum muss ich gedenken, indem ich dieses ausspreche, jetzt nicht eines Naturforschers, sondern eines katholischen Geistlichen, eines katholischen Priesters, der in den Neunzigerjahren Rektor einer Universität war und der seine Rektoratsrede über Galilei gehalten hat, und, als katholischer Priester, auf die tiefe naturwissenschaftliche Bedeutung des von der Kirche einst verketzerten Galilei hingewiesen hat, als Mitglied einer katholischen theologischen Fakultät auf die volle Größe würdigend hingewiesen hat. Dieser selbe katholische Priester, dieser tiefe, bedeutsame Theologe und Philosoph hat es aber auch in derselben Rede ausgesprochen, wie unrecht man damit hat, wenn man gegenüber der wirklich gut verstandenen Naturwissenschaft davon spricht, dass diese Naturwissenschaft dem Christentum sich wahrhaft feindlich erweisen könnte. Nur die missverstandene Naturwissenschaftstheorie, nicht die wahre Naturwissenschaft kann dem Christentum feindselig gegenüberstehen. Und dieser Katholik sagt — ich habe das auch in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» zitiert:
[ 61 ] Geisteswissenschaft oder Anthroposophie wird einer der Wege sein — und immer neue Wege werden entstehen —, um die Menschen zu dem, was in den Tiefen des Christentums liegt, hinzuführen. Und immer wieder und wiederum muss ich gedenken, indem ich dieses ausspreche, jetzt nicht eines Naturforschers, sondern eines katholischen Geistlichen, eines katholischen Priesters, der in den Neunzigerjahren Rektor einer Universität war und der seine Rektoratsrede über Galilei gehalten hat, und, als katholischer Priester, auf die tiefe naturwissenschaftliche Bedeutung des von der Kirche einst verketzerten Galilei hingewiesen hat, als Mitglied einer katholischen theologischen Fakultät auf die volle Größe würdigend hingewiesen hat. Dieser selbe katholische Priester, dieser tiefe, bedeutsame Theologe und Philosoph hat es aber auch in derselben Rede ausgesprochen, wie unrecht man damit hat, wenn man gegenüber der wirklich gut verstandenen Naturwissenschaft davon spricht, dass diese Naturwissenschaft dem Christentum sich wahrhaft feindlich erweisen könnte. Nur die missverstandene Naturwissenschaftstheorie, nicht die wahre Naturwissenschaft kann dem Christentum feindselig gegenüberstehen. Und dieser Katholik sagt — ich habe das auch in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» zitiert:
[ 62 ] Das positive Christentum hat keinen Grund, sich gegen den Entwicklungsgedanken als solchen ablehnend zu verhalten, wenn der Naturprozess nicht lediglich als von Ewigkeit auf sich gestellter kausaler Mechanismus gefasst, und wenn der Mensch nicht als Produkt desselben hingestellt wird.
[ 62 ] Das positive Christentum hat keinen Grund, sich gegen den Entwicklungsgedanken als solchen ablehnend zu verhalten, wenn der Naturprozess nicht lediglich als von Ewigkeit auf sich gestellter kausaler Mechanismus gefasst, und wenn der Mensch nicht als Produkt desselben hingestellt wird.
[ 63 ] Und derselbe Laurenz Müllner spricht es ausdrücklich aus:
[ 63 ] Und derselbe Laurenz Müllner spricht es ausdrücklich aus:
[ 64 ] So kam die neue Weltanschauung
[ 64 ] So kam die neue Weltanschauung
[ 65 ] — er meint die naturwissenschaftliche von Galilei —
[ 65 ] — er meint die naturwissenschaftliche von Galilei —
[ 66 ] vielfach in den Schein eines Gegensatzes zu Meinungen, die in sehr fraglichem Rechte ihre Abfolge aus den Lehren des Christentums behaupteten. Es handelte sich vielmehr um den Gegensatz des erweiterten Weltbewusstseins einer neuen Zeit zu dem enger geschlossenen der Antike, um einen Gegensatz zur griechischen, nicht aber zur richtig verstandenen christlichen Weltanschauung, die in den neu entdeckten Sternenwelten nur neue Wunder göttlicher Weisheit hatte sehen dürfen, wodurch die auf Erden vollzogenen Wunder göttlicher Liebe nur höhere Bedeutung gewinnen können.
[ 66 ] vielfach in den Schein eines Gegensatzes zu Meinungen, die in sehr fraglichem Rechte ihre Abfolge aus den Lehren des Christentums behaupteten. Es handelte sich vielmehr um den Gegensatz des erweiterten Weltbewusstseins einer neuen Zeit zu dem enger geschlossenen der Antike, um einen Gegensatz zur griechischen, nicht aber zur richtig verstandenen christlichen Weltanschauung, die in den neu entdeckten Sternenwelten nur neue Wunder göttlicher Weisheit hatte sehen dürfen, wodurch die auf Erden vollzogenen Wunder göttlicher Liebe nur höhere Bedeutung gewinnen können.
[ 67 ] Das ist ein wirklich katholischer Priester, ein im echt christlichen Sinne denkender Mann zugleich, der weiß, dass das Christentum nicht gefährdet ist, wenn die Wunder der göttlichen Schöpferkraft in neu entdeckten Welten gesucht werden, und dass durch dasjenige, was an Naturgesetzen gefunden wird, nicht entgegengearbeitet wird der Erkenntnis der durch Christus auf Erden vollzogenen Wunder göttlicher Liebe, sondern dass diese dadurch nur höhere Bedeutung gewinnen. So kann man auch sagen — was ich mir auszusprechen erlaubte in meinem Buche «Vom Menschenrätsel»:
[ 67 ] Das ist ein wirklich katholischer Priester, ein im echt christlichen Sinne denkender Mann zugleich, der weiß, dass das Christentum nicht gefährdet ist, wenn die Wunder der göttlichen Schöpferkraft in neu entdeckten Welten gesucht werden, und dass durch dasjenige, was an Naturgesetzen gefunden wird, nicht entgegengearbeitet wird der Erkenntnis der durch Christus auf Erden vollzogenen Wunder göttlicher Liebe, sondern dass diese dadurch nur höhere Bedeutung gewinnen. So kann man auch sagen — was ich mir auszusprechen erlaubte in meinem Buche «Vom Menschenrätsel»:
[ 68 ] Das positive Christentum hat keinen Grund, sich gegen den Gedanken eines Geisterlebnisses in der Seele als solchen ablehnend zu verhalten, wenn das Geisterlebnis nicht zur Ertötung des religiösen Andachts- und Erbauungs-Erlebnisses führt und wenn die Seele nicht vergottet wird.
[ 68 ] Das positive Christentum hat keinen Grund, sich gegen den Gedanken eines Geisterlebnisses in der Seele als solchen ablehnend zu verhalten, wenn das Geisterlebnis nicht zur Ertötung des religiösen Andachts- und Erbauungs-Erlebnisses führt und wenn die Seele nicht vergottet wird.
[ 69 ] Und eigentlich kann man mit Laurenz Müllner, dem katholischen Priester, sagen:
[ 69 ] Und eigentlich kann man mit Laurenz Müllner, dem katholischen Priester, sagen:
[ 70 ] Die Weltanschauung des deutschen Idealismus kam vielfach in den Schein eines Gegensatzes zu Meinungen, die in sehr fraglichem Rechte ihre Abfolge aus den Lehren des Christentums behaupten. Es handelte sich vielmehr um den Gegensatz einer Weltanschauung, welche die Geistwesenheit der Seele anerkennt zu einer solchen, welche zu dieser Geistwesenheit keinen Zugang finden kann, um einen Gegensatz zur missverstandenen naturwissenschaftlichen Vorstellungsart, nicht aber zur richtig verstandenen christlichen Weltanschauung, die in den rechten Geist-Erlebnissen der menschlichen Seele nur Offenbarungen göttlicher Macht und Weisheit sehen durfte, wodurch die Erlebnisse der religiösen Andacht und Erbauung sowie die Kräfte zu liebegetragener Menschenpflicht eine weitere Verstärkung gewinnen können.
[ 70 ] Die Weltanschauung des deutschen Idealismus kam vielfach in den Schein eines Gegensatzes zu Meinungen, die in sehr fraglichem Rechte ihre Abfolge aus den Lehren des Christentums behaupten. Es handelte sich vielmehr um den Gegensatz einer Weltanschauung, welche die Geistwesenheit der Seele anerkennt zu einer solchen, welche zu dieser Geistwesenheit keinen Zugang finden kann, um einen Gegensatz zur missverstandenen naturwissenschaftlichen Vorstellungsart, nicht aber zur richtig verstandenen christlichen Weltanschauung, die in den rechten Geist-Erlebnissen der menschlichen Seele nur Offenbarungen göttlicher Macht und Weisheit sehen durfte, wodurch die Erlebnisse der religiösen Andacht und Erbauung sowie die Kräfte zu liebegetragener Menschenpflicht eine weitere Verstärkung gewinnen können.
[ 71 ] So wie niemand hat zu fürchten gebraucht, als Amerika entdeckt wurde, dass, weil innerhalb Amerikas ja Menschen wohnen mussten, die nichts von Christus wussten, dass die Entdeckung Amerikas daher gefährlich werden könnte, weil der Unglaube von daher kommen könnte, ebenso wenig, wie da irgendjemand die Entdeckung Amerikas als eine Gefährlichkeit für das Christentum ansehen konnte, ebenso wenig sollte man die Entdeckung von geistigen Welten für eine Gefahr für das Christentum ansehen. Denn so, wie derjenige, der das Christentum in seiner inneren Tragkraft kennt, weiß, dass dasjenige, was das Christentum in sich enthält, eine Fähigkeit hat, überall, auch in allen noch unbekannten physischen Welten sich auszubreiten, so weiß derjenige, der Christentum einerseits und Geistesforschung auf der anderen Seite versteht, dass das Christentum in sich einen Inhalt hat, der an Größe nicht verliert, an Größe und Überkraft nur gewinnt gegenüber allen möglichen Geistwelten, die durch Geistesforschung oder Anthroposophie noch gefunden werden. Und klein im Grunde genommen denkt der von der Tragkraft des Christentums, der es nicht so groß denkt, dass er sich sagt: So wie keine physische Forschung jemals dem Christentum gefährlich werden könnte, so kann auch keine geistige Forschung dem Christentum gefährlich werden! Denn ebenso wenig, wie jemand behaupten darf: Weil über die Geografie von Amerika oder über die Verhältnisse von Amerika nichts in den Evangelien steht, deshalb dürfe man von Amerika nicht sprechen, ebenso wenig kann jemand behaupten, wenn er das Christentum richtig versteht: Deshalb, weil in den Evangelien scheinbar nichts steht von den wiederholten Erdenleben oder von dem Hineindringen in geistige Welten, wie Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sagt, dürfe man nicht von ihr sprechen. Wer das Christentum in der richtigen Größe erkennt und versteht, wer es liebt in seiner Wirkungsweise in der Welt, der wird gerade, um dem Christentum dienen zu können durch dasjenige, was in dem Menschen entzündet wird durch Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, der letzteren nicht feindlich gegenüberstehen. Und es kann sogar sein, dass man es unchristlich finden könnte, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie vom Gesichtspunkte des Christentums entgegenzutreten. Ausrotten wird man dasjenige, was so tief verankert ist in dem neueren Geistesstreben, wie das gezeigt worden ist, ganz gewiss aber nicht!
[ 71 ] So wie niemand hat zu fürchten gebraucht, als Amerika entdeckt wurde, dass, weil innerhalb Amerikas ja Menschen wohnen mussten, die nichts von Christus wussten, dass die Entdeckung Amerikas daher gefährlich werden könnte, weil der Unglaube von daher kommen könnte, ebenso wenig, wie da irgendjemand die Entdeckung Amerikas als eine Gefährlichkeit für das Christentum ansehen konnte, ebenso wenig sollte man die Entdeckung von geistigen Welten für eine Gefahr für das Christentum ansehen. Denn so, wie derjenige, der das Christentum in seiner inneren Tragkraft kennt, weiß, dass dasjenige, was das Christentum in sich enthält, eine Fähigkeit hat, überall, auch in allen noch unbekannten physischen Welten sich auszubreiten, so weiß derjenige, der Christentum einerseits und Geistesforschung auf der anderen Seite versteht, dass das Christentum in sich einen Inhalt hat, der an Größe nicht verliert, an Größe und Überkraft nur gewinnt gegenüber allen möglichen Geistwelten, die durch Geistesforschung oder Anthroposophie noch gefunden werden. Und klein im Grunde genommen denkt der von der Tragkraft des Christentums, der es nicht so groß denkt, dass er sich sagt: So wie keine physische Forschung jemals dem Christentum gefährlich werden könnte, so kann auch keine geistige Forschung dem Christentum gefährlich werden! Denn ebenso wenig, wie jemand behaupten darf: Weil über die Geografie von Amerika oder über die Verhältnisse von Amerika nichts in den Evangelien steht, deshalb dürfe man von Amerika nicht sprechen, ebenso wenig kann jemand behaupten, wenn er das Christentum richtig versteht: Deshalb, weil in den Evangelien scheinbar nichts steht von den wiederholten Erdenleben oder von dem Hineindringen in geistige Welten, wie Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sagt, dürfe man nicht von ihr sprechen. Wer das Christentum in der richtigen Größe erkennt und versteht, wer es liebt in seiner Wirkungsweise in der Welt, der wird gerade, um dem Christentum dienen zu können durch dasjenige, was in dem Menschen entzündet wird durch Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, der letzteren nicht feindlich gegenüberstehen. Und es kann sogar sein, dass man es unchristlich finden könnte, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie vom Gesichtspunkte des Christentums entgegenzutreten. Ausrotten wird man dasjenige, was so tief verankert ist in dem neueren Geistesstreben, wie das gezeigt worden ist, ganz gewiss aber nicht!
[ 72 ] Nur so viel sei für diesmal über die unberechtigten Angriffe gegen Geisteswissenschaft von religiöser Seite her gesagt. Diese Angriffe gegen Geisteswissenschaft kommen ja von allen Seiten. So wie sie aus der Wissenschaft entsprungen ist, diese Geistesforschung, so wird sie selbstverständlich von der herrschenden Wissenschaft als etwas Dilettantisches angesehen. Aber wenn man eingeht auf dasjenige, was sich gerade in den letzten Jahrzehnten mit Bezug auf die äußere Wissenschaft abgespielt hat, ich möchte sagen eingeht auf die wichtige Selbsterkenntnis der Menschheit, die sich da vollzogen hat, dann wird man Mut und inneren Entschluss genug in sich entwickeln können, um an den Fortschritt von Anthroposophie oder Geisteswissenschaft in rechter Weise begründet glauben zu können. Ich habe ja schon darauf hingewiesen, wie sehr den Rückzug antreten mussten gewisse Menschen, die in Eduard von Hartmann, der vorerst nur Philosoph war über die geistige Welt, die in Eduard von Hartmann nur den Dilettanten sehen wollten, wie der ihnen gezeigt hat, dass er dasjenige weiß, was sie wissen, und zu beurteilen vermag, und nur noch manches andere! Aber dieser Gang der naturwissenschaftlichen Forschung, er ist überhaupt lehrreich, insofern diese naturwissenschaftliche Forschung zu einer Weltanschauung hat führen wollen. Denn nichts soll gegen die naturwissenschaftliche Forschung eingewendet werden, wenn sie sich in ihren Grenzen hält, in denen sie ja so bewunderungswürdige Erfolge gezeitigt hat. Aber bedenken wir: Als Eduard von Hartmann auftrat, hatte er seine hauptsächlichsten Gegner unter denjenigen — gewiss, viele wollen heute über Haeckel hinaus sein, aber in den populären und laienhaften Kreisen wird ja immer noch genug Haeckelismus getrieben —, aber die ärgsten Anfechtungen hatte Eduard von Hartmann erfahren von denjenigen, die da glaubten, in dem neu eroberten Darwinismus die echte Grundlage einer Weltanschauung zu finden, einer für die Neuzeit allein geeigneten Weltanschauung.
[ 72 ] Nur so viel sei für diesmal über die unberechtigten Angriffe gegen Geisteswissenschaft von religiöser Seite her gesagt. Diese Angriffe gegen Geisteswissenschaft kommen ja von allen Seiten. So wie sie aus der Wissenschaft entsprungen ist, diese Geistesforschung, so wird sie selbstverständlich von der herrschenden Wissenschaft als etwas Dilettantisches angesehen. Aber wenn man eingeht auf dasjenige, was sich gerade in den letzten Jahrzehnten mit Bezug auf die äußere Wissenschaft abgespielt hat, ich möchte sagen eingeht auf die wichtige Selbsterkenntnis der Menschheit, die sich da vollzogen hat, dann wird man Mut und inneren Entschluss genug in sich entwickeln können, um an den Fortschritt von Anthroposophie oder Geisteswissenschaft in rechter Weise begründet glauben zu können. Ich habe ja schon darauf hingewiesen, wie sehr den Rückzug antreten mussten gewisse Menschen, die in Eduard von Hartmann, der vorerst nur Philosoph war über die geistige Welt, die in Eduard von Hartmann nur den Dilettanten sehen wollten, wie der ihnen gezeigt hat, dass er dasjenige weiß, was sie wissen, und zu beurteilen vermag, und nur noch manches andere! Aber dieser Gang der naturwissenschaftlichen Forschung, er ist überhaupt lehrreich, insofern diese naturwissenschaftliche Forschung zu einer Weltanschauung hat führen wollen. Denn nichts soll gegen die naturwissenschaftliche Forschung eingewendet werden, wenn sie sich in ihren Grenzen hält, in denen sie ja so bewunderungswürdige Erfolge gezeitigt hat. Aber bedenken wir: Als Eduard von Hartmann auftrat, hatte er seine hauptsächlichsten Gegner unter denjenigen — gewiss, viele wollen heute über Haeckel hinaus sein, aber in den populären und laienhaften Kreisen wird ja immer noch genug Haeckelismus getrieben —, aber die ärgsten Anfechtungen hatte Eduard von Hartmann erfahren von denjenigen, die da glaubten, in dem neu eroberten Darwinismus die echte Grundlage einer Weltanschauung zu finden, einer für die Neuzeit allein geeigneten Weltanschauung.
[ 73 ] Und was müssen wir erleben? Sehr, sehr Eigentümliches! Nur auf dieses möchte ich zum Schlusse Ihren Blick hinlenken: Einer der vorzüglichsten Schüler des Darwinismus — Haeckels — ist Oscar Hertwig, der Biologe, der Entwicklungstheoretiker, der Morphologe. Oscar Hertwig gehörte zu den Lieblingsschülern Haeckels, er gesteht, dass er seine größten Anregungen von Haeckel erfahren hat. Hertwig habe ich selbst oftmals nennen hören aus dem Munde Haeckels als einen seiner allerbesten Schüler, als einen, der auch seine Mitarbeit zum hervorragendsten Mitarbeiter auf dem Wissenspfad ausersehen hat, den Hertwig zu dem Seinigen gewählt hat. Und sehen wir uns dasjenige an, was gerade bei Oscar Hertwig in seiner neueren Publikation besonders scharf zutage getreten ist! Was hat Hertwig geleistet in der Zeit, seit er Schüler desjenigen Mannes war, der in radikalster Weise den Darwinismus als Weltanschauung begründet hat, was hat Oscar Hertwig geleistet? Die wirkliche wissenschaftliche Widerlegung des Darwinismus vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus! Denn das ist das Lebenswerk Oscar Hertwigs, des Haeckel’schen Genossen.
[ 73 ] Und was müssen wir erleben? Sehr, sehr Eigentümliches! Nur auf dieses möchte ich zum Schlusse Ihren Blick hinlenken: Einer der vorzüglichsten Schüler des Darwinismus — Haeckels — ist Oscar Hertwig, der Biologe, der Entwicklungstheoretiker, der Morphologe. Oscar Hertwig gehörte zu den Lieblingsschülern Haeckels, er gesteht, dass er seine größten Anregungen von Haeckel erfahren hat. Hertwig habe ich selbst oftmals nennen hören aus dem Munde Haeckels als einen seiner allerbesten Schüler, als einen, der auch seine Mitarbeit zum hervorragendsten Mitarbeiter auf dem Wissenspfad ausersehen hat, den Hertwig zu dem Seinigen gewählt hat. Und sehen wir uns dasjenige an, was gerade bei Oscar Hertwig in seiner neueren Publikation besonders scharf zutage getreten ist! Was hat Hertwig geleistet in der Zeit, seit er Schüler desjenigen Mannes war, der in radikalster Weise den Darwinismus als Weltanschauung begründet hat, was hat Oscar Hertwig geleistet? Die wirkliche wissenschaftliche Widerlegung des Darwinismus vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus! Denn das ist das Lebenswerk Oscar Hertwigs, des Haeckel’schen Genossen.
[ 74 ] Man möchte sagen: Diese naturwissenschaftliche Entwicklung als Selbsterkenntnis nimmt einen raschen Gang; nicht Generationen braucht es, sondern der unmittelbarste Schüler, einer der ältesten Schüler, der frühesten Schüler Haeckels widerlegt alles dasjenige, was Haeckel für den Grundimpuls, für das Grundwesen der neueren Weltanschauung hält und gehalten hat. Und mit welch scharfen Worten spricht sich Oscar Hertwig, der Haeckelschüler, nicht nur über die radikale Gestalt einer darwinistischen Weltanschauung, wie sie Haeckel vertritt, sondern auch über jeden materialistisch gefärbten Darwinismus aus, der sich nur beruft auf reine Abstammungslehre durch Blutsverwandtschaft der Lebewesen, der sich beruft auf das Nützlichkeitsprinzip, auf den Kampf ums Dasein, auf die Anpassung und so weiter. Wie spricht sich Hertwig aus? So spricht er sich aus, dass er sagt: Das alles ist durch die neuere Forschung überwunden, davon kann auch gar nicht mehr die Rede sein!
[ 74 ] Man möchte sagen: Diese naturwissenschaftliche Entwicklung als Selbsterkenntnis nimmt einen raschen Gang; nicht Generationen braucht es, sondern der unmittelbarste Schüler, einer der ältesten Schüler, der frühesten Schüler Haeckels widerlegt alles dasjenige, was Haeckel für den Grundimpuls, für das Grundwesen der neueren Weltanschauung hält und gehalten hat. Und mit welch scharfen Worten spricht sich Oscar Hertwig, der Haeckelschüler, nicht nur über die radikale Gestalt einer darwinistischen Weltanschauung, wie sie Haeckel vertritt, sondern auch über jeden materialistisch gefärbten Darwinismus aus, der sich nur beruft auf reine Abstammungslehre durch Blutsverwandtschaft der Lebewesen, der sich beruft auf das Nützlichkeitsprinzip, auf den Kampf ums Dasein, auf die Anpassung und so weiter. Wie spricht sich Hertwig aus? So spricht er sich aus, dass er sagt: Das alles ist durch die neuere Forschung überwunden, davon kann auch gar nicht mehr die Rede sein!
[ 75 ] Es wird noch lange die Rede davon sein in populären Vorträgen, in den Weltanschauungen, die man herumträgt in Laienkreisen. In dieser Welt wird man noch lange sprechen von dem, was durch die darwinistische Weltanschauung heraufgekommen ist, denn es wird noch einige Zeit dauern, bis die Menschen sich einleben in die Tatsache, dass die am stärksten angeregten Darwinianer heute doch Widerleger des materialistisch gefärbten Darwinismus sind, und dass Hertwig nicht nur dem Darwinismus vorwirft, er habe sich geirrt in der Forschung, er habe ganz falsche Begriffe und Ideen verwendet, sondern Oscar Hertwig wendet sich in einer viel umfassenderen Weise gegen materialistisch gefärbten Darwinismus. Er sagt: Warum ist denn dieser Darwinismus im neunzehnten Jahrhundert aufgetreten? Aus dem Grunde ist er aufgetreten — nicht weil die Tatsachen der Naturforschung eine solche Weltanschauung aufbauen —, sondern weil die Menschen im neunzehnten Jahrhundert darauf gekommen sind, den Kampf unter sich, das bloße mechanische Wirken, das materielle Anschauen zu ihren Gesetzen zu machen. Deshalb haben sie in die Natur auch hineingeträumt: Kampf ums Dasein, Auslese des Passendsten und so weiter. Ein schönes Wort spricht Oscar Hertwig in seinem neuesten Buch, in dem er über die Widerlegung des materialistisch gefärbten Darwinismus schreibt. Oscar Hertwig sagt:
[ 75 ] Es wird noch lange die Rede davon sein in populären Vorträgen, in den Weltanschauungen, die man herumträgt in Laienkreisen. In dieser Welt wird man noch lange sprechen von dem, was durch die darwinistische Weltanschauung heraufgekommen ist, denn es wird noch einige Zeit dauern, bis die Menschen sich einleben in die Tatsache, dass die am stärksten angeregten Darwinianer heute doch Widerleger des materialistisch gefärbten Darwinismus sind, und dass Hertwig nicht nur dem Darwinismus vorwirft, er habe sich geirrt in der Forschung, er habe ganz falsche Begriffe und Ideen verwendet, sondern Oscar Hertwig wendet sich in einer viel umfassenderen Weise gegen materialistisch gefärbten Darwinismus. Er sagt: Warum ist denn dieser Darwinismus im neunzehnten Jahrhundert aufgetreten? Aus dem Grunde ist er aufgetreten — nicht weil die Tatsachen der Naturforschung eine solche Weltanschauung aufbauen —, sondern weil die Menschen im neunzehnten Jahrhundert darauf gekommen sind, den Kampf unter sich, das bloße mechanische Wirken, das materielle Anschauen zu ihren Gesetzen zu machen. Deshalb haben sie in die Natur auch hineingeträumt: Kampf ums Dasein, Auslese des Passendsten und so weiter. Ein schönes Wort spricht Oscar Hertwig in seinem neuesten Buch, in dem er über die Widerlegung des materialistisch gefärbten Darwinismus schreibt. Oscar Hertwig sagt:
[ 76 ] Das Nützlichkeitsprinzip, die Überzeugung von der Notwendigkeit unbeschränkter merkantiler und sozialer Konkurrenz, materialistische Richtungen der Philosophie sind Mächte, die auch ohne Darwin eine große Rolle in der Entwicklung des [neuzeitlichen] Menschen gespielt haben. Wer schon unter ihrem Einfluss stand, begrüßte gern den Darwinismus als eine wissenschaftliche Bestätigung ihm schon anderweit vertrauter, lieb gewordener Ideen. Er konnte sich jetzt selbst gleichsam im Spiegel der Wissenschaft schauen.
[ 76 ] Das Nützlichkeitsprinzip, die Überzeugung von der Notwendigkeit unbeschränkter merkantiler und sozialer Konkurrenz, materialistische Richtungen der Philosophie sind Mächte, die auch ohne Darwin eine große Rolle in der Entwicklung des [neuzeitlichen] Menschen gespielt haben. Wer schon unter ihrem Einfluss stand, begrüßte gern den Darwinismus als eine wissenschaftliche Bestätigung ihm schon anderweit vertrauter, lieb gewordener Ideen. Er konnte sich jetzt selbst gleichsam im Spiegel der Wissenschaft schauen.
[ 77 ] Weil die Leute materialistisch denken wollten, schauten sie sich und ihren Materialismus im Spiegel der Wissenschaft. Dies sagt einer der am meisten angeregten Darwinianer! Und weiter sagt er:
[ 77 ] Weil die Leute materialistisch denken wollten, schauten sie sich und ihren Materialismus im Spiegel der Wissenschaft. Dies sagt einer der am meisten angeregten Darwinianer! Und weiter sagt er:
[ 78 ] Er konnte sich jetzt selbst gleichsam im Spiegel der Wissenschaft schauen.
Die Auslegung der Lehre Darwins, die mit ihren Unbestimmtheiten so vieldeutig ist, gestattete auch eine sehr vielseitige Verwendung auf anderen Gebieten des wirtschaftlichen, des sozialen [und] des politischen Lebens. Aus ihr konnte jeder, wie aus einem delphischen Orakelspruch, je nachdem es ihm erwünscht war, seine Nutzanwendungen auf soziale, politische, hygienische, medizinische und andere Fragen ziehen und sich zur Bekräftigung seiner Behauptungen auf die Wissenschaft der darwinistisch umgeprägten Biologie mit ihren unabänderlichen Naturgesetzen berufen. Wenn nun aber diese vermeintlichen Gesetze keine solchen sind
[ 78 ] Er konnte sich jetzt selbst gleichsam im Spiegel der Wissenschaft schauen.
Die Auslegung der Lehre Darwins, die mit ihren Unbestimmtheiten so vieldeutig ist, gestattete auch eine sehr vielseitige Verwendung auf anderen Gebieten des wirtschaftlichen, des sozialen [und] des politischen Lebens. Aus ihr konnte jeder, wie aus einem delphischen Orakelspruch, je nachdem es ihm erwünscht war, seine Nutzanwendungen auf soziale, politische, hygienische, medizinische und andere Fragen ziehen und sich zur Bekräftigung seiner Behauptungen auf die Wissenschaft der darwinistisch umgeprägten Biologie mit ihren unabänderlichen Naturgesetzen berufen. Wenn nun aber diese vermeintlichen Gesetze keine solchen sind
[ 79 ] —und Hertwig hat sie als «nicht solche» nachgewiesen —,
[ 79 ] —und Hertwig hat sie als «nicht solche» nachgewiesen —,
[ 80 ] sollte da bei ihrer vielseitigen Nutzanwendung auf andere Gebiete nicht auch soziale Gefahren [entstehen] können? Man glaube doch nicht
[ 80 ] sollte da bei ihrer vielseitigen Nutzanwendung auf andere Gebiete nicht auch soziale Gefahren [entstehen] können? Man glaube doch nicht
[ 81 ] — sagt Oscar Hertwig —,
[ 81 ] — sagt Oscar Hertwig —,
[ 82 ] dass die menschliche Gesellschaft ein halbes Jahrhundert lang Redewendungen wie unerbittlichen Kampf ums Dasein, Auslese des [Passenden], des Nützlichen, des Zweckmäßigen, Vervollkommnung durch Zuchtwahl etc. in ihrer Übertragung auf die [verschiedensten] Gebiete, wie tägliches Brot, gebrauchen kann, ohne in der ganzen Richtung ihrer Ideenbildung tiefer und nachhaltiger beeinflusst zu werden!
[ 82 ] dass die menschliche Gesellschaft ein halbes Jahrhundert lang Redewendungen wie unerbittlichen Kampf ums Dasein, Auslese des [Passenden], des Nützlichen, des Zweckmäßigen, Vervollkommnung durch Zuchtwahl etc. in ihrer Übertragung auf die [verschiedensten] Gebiete, wie tägliches Brot, gebrauchen kann, ohne in der ganzen Richtung ihrer Ideenbildung tiefer und nachhaltiger beeinflusst zu werden!
[ 83 ] Das ist wissenschaftliche Selbsterkenntnis! Auf sie muss derjenige wohl hinhorchen, welcher es mit dem Geistesgange der Menschheit ehrlich meint. Und dieser selbe Oscar Hertwig, der einer der treuesten und besten Schüler Haeckels und einer der treuesten und besten Nachfolger Darwins war, dieser selbe Oscar Hertwig redet jetzt in seinen neueren Büchern überall davon: Man müsse hinhören auf solche Denker wie Eduard von Hartmann! Da sehen wir aus der Naturwissenschaft selbst heraus diejenigen kommen, die zunächst auf die philosophischen Erahner der neuen Weltanschauung hinweisen, und die sich nach und nach umbilden werden zu denjenigen, die — nachdem sie genügend lange, wie damals Eduard von Hartmann des Dilettantismus geziehen haben, so jetzt genügend lange Geisteswissenschaft oder Anthroposophie des Dilettantismus — zeigen werden, die dann, nachdem sie zur endlichen Einsicht gekommen sind, den Weg hinfinden werden, wie jetzt Oscar Hertwig den Weg hingefunden hat zu dem einstmals verpönten, so angegriffenen, so dilettantisch hingestellten Eduard von Hartmann.
[ 83 ] Das ist wissenschaftliche Selbsterkenntnis! Auf sie muss derjenige wohl hinhorchen, welcher es mit dem Geistesgange der Menschheit ehrlich meint. Und dieser selbe Oscar Hertwig, der einer der treuesten und besten Schüler Haeckels und einer der treuesten und besten Nachfolger Darwins war, dieser selbe Oscar Hertwig redet jetzt in seinen neueren Büchern überall davon: Man müsse hinhören auf solche Denker wie Eduard von Hartmann! Da sehen wir aus der Naturwissenschaft selbst heraus diejenigen kommen, die zunächst auf die philosophischen Erahner der neuen Weltanschauung hinweisen, und die sich nach und nach umbilden werden zu denjenigen, die — nachdem sie genügend lange, wie damals Eduard von Hartmann des Dilettantismus geziehen haben, so jetzt genügend lange Geisteswissenschaft oder Anthroposophie des Dilettantismus — zeigen werden, die dann, nachdem sie zur endlichen Einsicht gekommen sind, den Weg hinfinden werden, wie jetzt Oscar Hertwig den Weg hingefunden hat zu dem einstmals verpönten, so angegriffenen, so dilettantisch hingestellten Eduard von Hartmann.
[ 84 ] Geisteswissenschaft selber darf wirklich hinsehen auf die Art und Weise, wie mancher Naturforscher heute noch des Glaubens lebt, dass aus der Naturforschung selber die Lösung, irgendetwas, für das Menschenrätsel kommen könne. Der Geistesforscher unterschätzt die Naturforschung nicht; er erkennt sie an in ihren ungeheuren Fortschritten, und er weiß, dass, ohne auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, er auch in der Geisteswissenschaft kein maßgebendes Wort sagen könnte. Aber der Geistesforscher muss doch in einer sonderbaren Weise hinsehen auf solche Menschen, welche da glauben, alles geistige Forschen durch Naturwissenschaft schon zum Abschluss gebracht zu haben, und welche die Lösung des Welträtsels, soweit sie den Menschen zugänglich ist, nur erwarten aus der Naturforschung heraus.
[ 84 ] Geisteswissenschaft selber darf wirklich hinsehen auf die Art und Weise, wie mancher Naturforscher heute noch des Glaubens lebt, dass aus der Naturforschung selber die Lösung, irgendetwas, für das Menschenrätsel kommen könne. Der Geistesforscher unterschätzt die Naturforschung nicht; er erkennt sie an in ihren ungeheuren Fortschritten, und er weiß, dass, ohne auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, er auch in der Geisteswissenschaft kein maßgebendes Wort sagen könnte. Aber der Geistesforscher muss doch in einer sonderbaren Weise hinsehen auf solche Menschen, welche da glauben, alles geistige Forschen durch Naturwissenschaft schon zum Abschluss gebracht zu haben, und welche die Lösung des Welträtsels, soweit sie den Menschen zugänglich ist, nur erwarten aus der Naturforschung heraus.
[ 85 ] Nicht weil ich einen nennen will, den ich für unbedeutend halte, sondern weil ich einen nennen will, den ich gerade für einen sehr bedeutenden Forscher der Gegenwart halte, will ich Ihnen zum Schlusse anführen einen Forscher, der Ungeheures auf dem Gebiete der Physiologie und Chemie geleistet hat, einen Forscher, der tief eingegriffen hat in die naturwissenschaftliche Forschung der Gegenwart. Dieser Mann schließt in einer Vorrede einen Ausblick, den er geben will auf die Bedeutung dessen, was Naturwissenschaft in unserer Zeit sein kann, er schließt eine Vorrede mit folgenden Worten — und diese Worte sind charakteristisch, weil sie gewissermaßen einen so hineinsehen lassen können, wie sich der bloß naturwissenschaftliche Denker ertappen lässt in der Art und Weise, wie er denkt —, der betreffende Mann, den ich, wie gesagt, sehr schätze, sagt:
[ 85 ] Nicht weil ich einen nennen will, den ich für unbedeutend halte, sondern weil ich einen nennen will, den ich gerade für einen sehr bedeutenden Forscher der Gegenwart halte, will ich Ihnen zum Schlusse anführen einen Forscher, der Ungeheures auf dem Gebiete der Physiologie und Chemie geleistet hat, einen Forscher, der tief eingegriffen hat in die naturwissenschaftliche Forschung der Gegenwart. Dieser Mann schließt in einer Vorrede einen Ausblick, den er geben will auf die Bedeutung dessen, was Naturwissenschaft in unserer Zeit sein kann, er schließt eine Vorrede mit folgenden Worten — und diese Worte sind charakteristisch, weil sie gewissermaßen einen so hineinsehen lassen können, wie sich der bloß naturwissenschaftliche Denker ertappen lässt in der Art und Weise, wie er denkt —, der betreffende Mann, den ich, wie gesagt, sehr schätze, sagt:
[ 86 ] Zuweilen hört man sagen, dass wir in der «besten der Welten» leben; darüber lässt sich schwer etwas Wohlgegründetes aussagen, aber wir — wenigstens die Naturforscher —
[ 86 ] Zuweilen hört man sagen, dass wir in der «besten der Welten» leben; darüber lässt sich schwer etwas Wohlgegründetes aussagen, aber wir — wenigstens die Naturforscher —
[ 87 ] — meint er—
[ 87 ] — meint er—
[ 88 ] können mit aller Sicherheit behaupten, dass wir in der «besten der Zeiten» leben, [...] dass die Zukunft nur noch besser werden wird.
[ 88 ] können mit aller Sicherheit behaupten, dass wir in der «besten der Zeiten» leben, [...] dass die Zukunft nur noch besser werden wird.
[ 89 ] Nun hören und staunen Sie, was der betreffende große Mann über den großen Natur- und Menschenkenner Goethe sagt! Er sagt, man könne
[ 89 ] Nun hören und staunen Sie, was der betreffende große Mann über den großen Natur- und Menschenkenner Goethe sagt! Er sagt, man könne
[ 90 ] mit dem großen Natur- und Menschenkenner Goethe sagen:
Es ist ein groß’ Ergötzen
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
[ 90 ] mit dem großen Natur- und Menschenkenner Goethe sagen:
Es ist ein groß’ Ergötzen
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
[ 91 ] Diese Worte nimmt der bedeutende Naturforscher als sein Bekenntnis auf, das er aus der Bedeutung der reinen Naturwissenschaft für die Zeit gewonnen hat. Sonderbar muss er seinen Goethe gelesen haben! Denn dasjenige, was er hier als sein Bekenntnis in Anspruch nimmt — der große Naturforscher —, ist nicht Goethes Wort, sondern Goethe legt es in seinen «Faust» den Wagner in den Mund, dem pedantischen kleinen Widerpart des Faust in den Mund; und es kommt wohl Goethes Meinung näher, wenn wir bei «Faust» auf diese Worte des Wagner die anderen Worte finden:
[ 91 ] Diese Worte nimmt der bedeutende Naturforscher als sein Bekenntnis auf, das er aus der Bedeutung der reinen Naturwissenschaft für die Zeit gewonnen hat. Sonderbar muss er seinen Goethe gelesen haben! Denn dasjenige, was er hier als sein Bekenntnis in Anspruch nimmt — der große Naturforscher —, ist nicht Goethes Wort, sondern Goethe legt es in seinen «Faust» den Wagner in den Mund, dem pedantischen kleinen Widerpart des Faust in den Mund; und es kommt wohl Goethes Meinung näher, wenn wir bei «Faust» auf diese Worte des Wagner die anderen Worte finden:
[ 92 ] Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!
[ 92 ] Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!
[ 93 ] Das ist eher ein Goethewort als dasjenige, was der große Naturforscher für sich in Anspruch nimmt, das Wahrwort: «Wie wir’s so herrlich weit gebracht haben»!
[ 93 ] Das ist eher ein Goethewort als dasjenige, was der große Naturforscher für sich in Anspruch nimmt, das Wahrwort: «Wie wir’s so herrlich weit gebracht haben»!
[ 94 ] Man kann schon, wie ich vorgestern darauf aufmerksam machte, auf Goethes Boden stehen bleiben und seine Anfänge immer weiter, wie es in der Menschheitsentwicklung sein muss, ausbilden, dann kommt man in eine gesunde Geisteswissenschaft hinein, dann kommt man zu einer Erkenntnis des Menschen durch sein schauendes, durch sein erwachtes Bewusstsein nun einer Lösung des Menschenrätsels näher, allerdings so, dass neue Rätsel sich dann entwickeln. Allein darüber soll heute nicht gesprochen werden, sondern hingewiesen soll werden darauf, dass niemand glauben dürfe, Geisteswissenschaft führe zum Stillstand. Rätsel knüpft sich an Rätsel. Geisteswissenschaft führt gerade zum Fortschritt, nicht zur Beantwortung aller Fragen, aber sie zeigt den Weg zur Lösung allen Menschenrätsels.
[ 94 ] Man kann schon, wie ich vorgestern darauf aufmerksam machte, auf Goethes Boden stehen bleiben und seine Anfänge immer weiter, wie es in der Menschheitsentwicklung sein muss, ausbilden, dann kommt man in eine gesunde Geisteswissenschaft hinein, dann kommt man zu einer Erkenntnis des Menschen durch sein schauendes, durch sein erwachtes Bewusstsein nun einer Lösung des Menschenrätsels näher, allerdings so, dass neue Rätsel sich dann entwickeln. Allein darüber soll heute nicht gesprochen werden, sondern hingewiesen soll werden darauf, dass niemand glauben dürfe, Geisteswissenschaft führe zum Stillstand. Rätsel knüpft sich an Rätsel. Geisteswissenschaft führt gerade zum Fortschritt, nicht zur Beantwortung aller Fragen, aber sie zeigt den Weg zur Lösung allen Menschenrätsels.
[ 95 ] Goethe aber hat — indem er in seiner Zeit schon hinblicken konnte auf die Art und Weise, wie die äußere, rein physikalische Naturforschung von dem Menschenrätsel eher abführt als zu ihm hinführt —, Goethe hat das schöne Wort gesagt:
[ 95 ] Goethe aber hat — indem er in seiner Zeit schon hinblicken konnte auf die Art und Weise, wie die äußere, rein physikalische Naturforschung von dem Menschenrätsel eher abführt als zu ihm hinführt —, Goethe hat das schöne Wort gesagt:
[ 96 ] Der Mensch an sich selbst, insofern er sich seiner gesunden Sinne bedient, ist der größte und genaueste physikalische Apparat, den es geben kann, und das ist eben das größte Unheil der neueren Physik, dass man die Experimente gleichsam vom Menschen abgesondert hat, und bloß in dem, was künstliche Instrumente zeigen, die Natur erkennen, ja, was sie leisten kann, dadurch beschränken und beweisen will.
[ 96 ] Der Mensch an sich selbst, insofern er sich seiner gesunden Sinne bedient, ist der größte und genaueste physikalische Apparat, den es geben kann, und das ist eben das größte Unheil der neueren Physik, dass man die Experimente gleichsam vom Menschen abgesondert hat, und bloß in dem, was künstliche Instrumente zeigen, die Natur erkennen, ja, was sie leisten kann, dadurch beschränken und beweisen will.
[ 97 ] Goethe will nicht, dass man den Menschen ausschaltet, wenn man die Natur erkennen will; und das ist für ihn klar, dass der Mensch selber in sich jene Entwicklung durchmachen muss, die ihn zur Erkenntnis der Welt wirklich führen kann.
[ 97 ] Goethe will nicht, dass man den Menschen ausschaltet, wenn man die Natur erkennen will; und das ist für ihn klar, dass der Mensch selber in sich jene Entwicklung durchmachen muss, die ihn zur Erkenntnis der Welt wirklich führen kann.
Dafür,
Dafür,
[ 98 ] eint Goethe weiter,
[ 98 ] eint Goethe weiter,
[ 99 ] steht ja aber der Mensch so hoch, dass sich das sonst Undarstellbare in ihm darstellt. Was ist denn eine Saite und alle mechanische Teilung derselben gegen das Ohr des Musikers? Ja, man kann sagen: Was sind die elementaren Erscheinungen der Natur selbst gegen den Menschen, der sie alle bändigen und modifizieren muss, um sie sich einigermaßen assimilieren zu können.
[ 99 ] steht ja aber der Mensch so hoch, dass sich das sonst Undarstellbare in ihm darstellt. Was ist denn eine Saite und alle mechanische Teilung derselben gegen das Ohr des Musikers? Ja, man kann sagen: Was sind die elementaren Erscheinungen der Natur selbst gegen den Menschen, der sie alle bändigen und modifizieren muss, um sie sich einigermaßen assimilieren zu können.
[ 100 ] Goethe weist hin von seinem Gesichtspunkte aus darauf, wie man nicht kann auf dem Wege der äußeren Forschung — die dem gewöhnlichen Bewusstsein zugänglich ist, und die man vom Menschen absondern will — zur Lösung des Menschenrätsels kommen. Er weist von der menschenleeren Forschung auf die Forschungssphäre hin, in die der Mensch sich selber in voller Lebendigkeit und Geistigkeit hineinstellt. Seit der Goethezeit ist vieles von dem erst heraufgekommen, was zu den größten äußeren Kulturerrungenschaften der neueren Zeit gehört. Diese Kulturerrungenschaften, sie werden selbstverständlich auch in ihrer Größe, in ihrer Gewalt von der Geisteswissenschaft voll anerkannt. Geisteswissenschaft wünscht keinen Rückschritt, sondern nur immerwährenden Fortschritt der Menschheit, und erkennt daher auch jeden materiellen Fortschritt an, ja wertet manches an ihm gerade dadurch, dass sie in die wirkliche Welt eindringt und dadurch auch die wirkliche Welt für den Menschen fruchtbar machen kann. Aber Geisteswissenschaft darf sich mit solchen Denkern, in denen sich die neuere Zeit ganz besonders charakteristisch ausgesprochen hat, wie Goethe, auch im Einklang wissen, denn sie kann das eben.
[ 100 ] Goethe weist hin von seinem Gesichtspunkte aus darauf, wie man nicht kann auf dem Wege der äußeren Forschung — die dem gewöhnlichen Bewusstsein zugänglich ist, und die man vom Menschen absondern will — zur Lösung des Menschenrätsels kommen. Er weist von der menschenleeren Forschung auf die Forschungssphäre hin, in die der Mensch sich selber in voller Lebendigkeit und Geistigkeit hineinstellt. Seit der Goethezeit ist vieles von dem erst heraufgekommen, was zu den größten äußeren Kulturerrungenschaften der neueren Zeit gehört. Diese Kulturerrungenschaften, sie werden selbstverständlich auch in ihrer Größe, in ihrer Gewalt von der Geisteswissenschaft voll anerkannt. Geisteswissenschaft wünscht keinen Rückschritt, sondern nur immerwährenden Fortschritt der Menschheit, und erkennt daher auch jeden materiellen Fortschritt an, ja wertet manches an ihm gerade dadurch, dass sie in die wirkliche Welt eindringt und dadurch auch die wirkliche Welt für den Menschen fruchtbar machen kann. Aber Geisteswissenschaft darf sich mit solchen Denkern, in denen sich die neuere Zeit ganz besonders charakteristisch ausgesprochen hat, wie Goethe, auch im Einklang wissen, denn sie kann das eben.
[ 101 ] Die neuere Kultur, diese mechanische Maschinenkultur, diese Kultur, die in merkantiler und in sozialer Beziehung sich herausgebildet hat, sie hat nur allzu lange den Werdegang der Menschheit angesehen von jenen Begriffen aus, die sich als materialistische Begriffe die neuere Menschheit gebildet hat, und die nimmermehr von der Natur selbst gerechtfertigt werden. Wir haben es heute gesehen, wie ein Naturforscher es war, wie der geniale Darwinianer Hertwig ausdrücklich sagt: Dasjenige, was die Menschen hineingeträumt haben an materialistischen Ideen, es ist nicht eine Summe von Gesetzen, die in der äußeren Natur gefunden werden können. Die Menschen haben Falsches hineingeträumt; die Natur bestätigt dieses Falsche nicht.
[ 101 ] Die neuere Kultur, diese mechanische Maschinenkultur, diese Kultur, die in merkantiler und in sozialer Beziehung sich herausgebildet hat, sie hat nur allzu lange den Werdegang der Menschheit angesehen von jenen Begriffen aus, die sich als materialistische Begriffe die neuere Menschheit gebildet hat, und die nimmermehr von der Natur selbst gerechtfertigt werden. Wir haben es heute gesehen, wie ein Naturforscher es war, wie der geniale Darwinianer Hertwig ausdrücklich sagt: Dasjenige, was die Menschen hineingeträumt haben an materialistischen Ideen, es ist nicht eine Summe von Gesetzen, die in der äußeren Natur gefunden werden können. Die Menschen haben Falsches hineingeträumt; die Natur bestätigt dieses Falsche nicht.
[ 102 ] Nun wohl, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie will zu einem anderen Menscheninhalte fortschreiten, der nicht die Schlagworte «Auslese», «Kampf ums Dasein» und so weiter braucht, sondern der hervorgehen wird von einer wirklichen Seelen- und Geisteserkenntnis des Menschen. Und dann wird sich herausstellen, ob Geisteswissenschaft standhalten kann dem, dem die bloße naturwissenschaftlich darwinistische Richtung nicht hat standhalten können.
[ 102 ] Nun wohl, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie will zu einem anderen Menscheninhalte fortschreiten, der nicht die Schlagworte «Auslese», «Kampf ums Dasein» und so weiter braucht, sondern der hervorgehen wird von einer wirklichen Seelen- und Geisteserkenntnis des Menschen. Und dann wird sich herausstellen, ob Geisteswissenschaft standhalten kann dem, dem die bloße naturwissenschaftlich darwinistische Richtung nicht hat standhalten können.
[ 103 ] Hat diese letztere Richtung Begriffe hineingeträumt in die Natur selber und in die Welt, welche von der Naturforschung widerlegt werden, so darf viel mehr Geisteswissenschaft oder Anthroposophie ihrer ganzen Wesenheit nach sich der Hoffnung hingeben, dass dasjenige, was sie als Wirklichkeit im Menschen finder, wenn es der Natur- und der Weltenbetrachtung zugrunde gelegt wird, dass nicht so, wie es beim Darwinismus der Fall war, die Welt ihn widerlegt, sondern dass die Welt und ihre Beobachter gerade das, was die Seele in sich und im Geiste findet, bestätigen. In aller Ruhe, trotz aller Gegnerschaft blickt Geisteswissenschaft in die Zukunft und weiß: Nicht so wird es gehen bei ihr, wie beim materialistisch gefärbten Darwinismus, dass die Natur die Theorie widerlegt, sondern so wird es gehen, dass aus den gesunden Grundlagen der gesunden Menschenseele solcher Inhalt der Seele gefunden wird, dass die Wahrheiten der Kultur und aller Weltenentwicklung die Begründung dieses Seeleninhaltes zurückstrahlen. Hat die Welt selbst in der letzten Zeit eine sich hoffnungsvoll glauben könnende Weltanschauung widerlegt — Geisteswissenschaft oder Anthroposophie hofft, dass ihre Weltanschauung nicht widerlegt, sondern immer mehr und mehr begründet werde von dem, was als Geist, als Seele der Menschenseele, dem Menschengeist aus dem ganzen Weltall entgegenstrahlt!
[ 103 ] Hat diese letztere Richtung Begriffe hineingeträumt in die Natur selber und in die Welt, welche von der Naturforschung widerlegt werden, so darf viel mehr Geisteswissenschaft oder Anthroposophie ihrer ganzen Wesenheit nach sich der Hoffnung hingeben, dass dasjenige, was sie als Wirklichkeit im Menschen finder, wenn es der Natur- und der Weltenbetrachtung zugrunde gelegt wird, dass nicht so, wie es beim Darwinismus der Fall war, die Welt ihn widerlegt, sondern dass die Welt und ihre Beobachter gerade das, was die Seele in sich und im Geiste findet, bestätigen. In aller Ruhe, trotz aller Gegnerschaft blickt Geisteswissenschaft in die Zukunft und weiß: Nicht so wird es gehen bei ihr, wie beim materialistisch gefärbten Darwinismus, dass die Natur die Theorie widerlegt, sondern so wird es gehen, dass aus den gesunden Grundlagen der gesunden Menschenseele solcher Inhalt der Seele gefunden wird, dass die Wahrheiten der Kultur und aller Weltenentwicklung die Begründung dieses Seeleninhaltes zurückstrahlen. Hat die Welt selbst in der letzten Zeit eine sich hoffnungsvoll glauben könnende Weltanschauung widerlegt — Geisteswissenschaft oder Anthroposophie hofft, dass ihre Weltanschauung nicht widerlegt, sondern immer mehr und mehr begründet werde von dem, was als Geist, als Seele der Menschenseele, dem Menschengeist aus dem ganzen Weltall entgegenstrahlt!
[ 104 ] Denn eine begründete Erkenntnis davon wird für die Zukunft, und schon in der Gegenwart, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie bringen, dass die Welt nicht in Mechanismus, dass die Welt nicht in Materie und Stoff, sondern dass die Welt im Geiste begründet ist, und der Mensch gut fährt, wenn er im Geiste sich einlebt, und durch den Geist seinen Fortschritt und sein Heil in der weltgeschichtlichen Entwicklung und auf dem Gebiete des menschlichen Zusammenlebens sucht!
[ 104 ] Denn eine begründete Erkenntnis davon wird für die Zukunft, und schon in der Gegenwart, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie bringen, dass die Welt nicht in Mechanismus, dass die Welt nicht in Materie und Stoff, sondern dass die Welt im Geiste begründet ist, und der Mensch gut fährt, wenn er im Geiste sich einlebt, und durch den Geist seinen Fortschritt und sein Heil in der weltgeschichtlichen Entwicklung und auf dem Gebiete des menschlichen Zusammenlebens sucht!
