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Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a

6 October 1916, Basel

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Die Menschenrätsel in der Philosophie und in der Geistesforschung (Anthroposophie)

The Mysteries of Humanity in Philosophy and Spiritual Science (Anthroposophy)

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Zu den vorgestern hier entwickelten Ideen über Geisteswissenschaft oder Anthroposophie werde ich mir gestatten, heute einige Ausblicke hinzuzufügen, Ausblicke über das Verhältnis dieser Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu geistigen Kulturströmungen innerhalb unserer Zeit, innerhalb unserer weiteren Gegenwart. Indem ich auf das Menschenrätsel, oder die Menschenrätsel, wie sie gesucht werden durch das menschliche Geistesleben, einige Bemerkungen machen werde, wird sich dieser Ausblick auf die charakterisierten Verhältnisse ergeben.

[ 1 ] Dear attendees! I would like to take the liberty of adding a few perspectives to the ideas about Spiritual Science or anthroposophy that were developed here the day before yesterday. perspectives on the relationship of this Spiritual Science or anthroposophy to spiritual cultural currents within our time, within our wider present. By making a few remarks on the mystery of the human being, or the mysteries of the human being, as they are sought by human spiritual life, this perspective on the characterized circumstances will emerge.

[ 2 ] Von der Notwendigkeit eines Menschenrätsels, der Annahme eines Menschenrätsels zu sprechen, scheint ebenso wenig notwendig zu sein für diejenigen Seelen, welche ein Empfinden für das Vorhandensein dieses Menschenrätsels haben, wie es notwendig ist, erst zu beweisen, dass in das physische Leben des Menschen sich hineinstellt der Hunger. Denn für eine zunächst für das Leben ausreichende Betrachtung ist es ja wohl klar, dass dieselben Kräfte, dieselben Lebenszusammenhänge, die im physischen Leben unseren Organismus so eingerichtet sein lassen, dass er sich durch die physische Nahrung unterhält, dass dieselben Kräfte, dieselben Lebenszusammenhänge hervorrufen dasjenige, was notwendig Naturzusammenhänge mit der Nahrungsaufnahme verknüpft ist: Hunger. Und das Vorhandensein des Menschenrätsels in der menschlichen Seele ist im Grunde genommen nichts anderes als das Vorhandensein des seelischen, des geistigen Hungers, und wird hervorgerufen so, wie der physische Hunger für den Leib, so als seelisch, als geistig Hungrig-Werden durch das Leben selbst, durch die Lebenszusammenhänge, in die die Seele hineingestellt ist, sodass jeder Mensch, insofern er denkend in das Leben sich hineinstellen will, den seelischen Hunger oder das Lebensrätsel, das Menschenrätsel empfindet und kennt. Man kann sich im Leben hinwegtäuschen über dieses Menschenrätsel, wie sich, nun, sagen wir, arme Studenten oftmals über Hunger hinwegtäuschen, indem sie diesen Hunger vertreiben durch Rauchen. Sie vertreiben nicht dasjenige, was dem Hunger zugrunde liegt; man täuscht sich über den Hunger nur hinweg. Dasjenige, was seine Folge ist, tritt für den Organismus doch ein. So kann man sich durch allerlei Vorurteile, durch allerlei Interesselosigkeit gegenüber dem Leben hinwegtäuschen über das Vorhandensein eines Menschenrätsels für die Seele, aber hinwegarbeiten für das seelische Leben kann man dieses Menschenrätsel aus der Seele nicht. Will man sich darüber hinwegtäuschen, gelingt die Täuschung, dann wird umso mehr dasjenige eintreten, auf das schon vorgestern hingewiesen worden ist: Haltlosigkeit der Seele im Leben, Nicht-gewachsen-Sein der Seele im Leben, Müdigkeit der Seele, und wie die Dinge alle heißen, die man sich ausmalen kann.

[ 2 ] The necessity of speaking about a mystery of the human being, the assumption of a mystery of the human being, seems to be just as unnecessary for those souls who are not familiar with the Spiritual Science of anthroposophy. To speak of the necessity of a human mystery, of the assumption of a human mystery, seems just as unnecessary for those souls who have a feeling for the existence of this human mystery as it is necessary to prove that hunger intervenes in the physical life of human beings. For a consideration that is initially sufficient for life, it is clear that the same forces, the same life connections that in physical life cause our organism to be so constituted that it sustains itself through physical nourishment, that the same forces the same life circumstances that bring about what is necessarily connected with the natural circumstances of food intake: hunger. And the existence of the human mystery in the human soul is, in essence, nothing other than the existence of spiritual hunger, and is evoked in the same way as physical hunger for the body, as a spiritual, mental hunger caused by life itself, by the life contexts in which the soul is placed, so that every human being, insofar as they want to think their way into life, feels and knows the spiritual hunger or the mystery of life, the human mystery. One can deceive oneself in life about this human mystery, just as, say, poor students often deceive themselves about hunger by driving away this hunger through smoking. They do not drive away what lies at the root of hunger; they only deceive themselves about hunger. Its consequences still affect the organism. In the same way, one can deceive oneself about the existence of a human mystery for the soul through all kinds of prejudices, through all kinds of indifference to life, but one cannot work away this human mystery from the soul for the sake of spiritual life. If one wants to deceive oneself about it, the deception will succeed, and then all the more will come to pass what was already pointed out yesterday yesterday: instability of the soul in life, immaturity of the soul in life, weariness of the soul, and all the other things one can imagine.

[ 3 ] Das Tier ist eingeschaltet in den ganzen Weltenprozess so, dass es dasjenige in sich durch die Weltenvorgänge erlebt, wessen es bedarf. Aber so, wie dem Tiere durch seine instinktiven Triebe und die Werkzeuge, die es sich durch diese verschafft — wenn es welche braucht —, vorgezeichnet ist, ich möchte sagen sein Nahrungsmittel innerhalb der tierischen Kultur, so ist ihm auch sein inneres seelisches Leben vorgezeichnet. Nicht so dem Menschen. Der Mensch stellt durch die Arbeit, die nicht schon durch die Natur selbst in ihm veranlagt ist, sich in die Kultur hinein. Er arbeitet über die Natur hinaus. So auch frägt er über die Natur hinaus und muss er fragen über die Natur hinaus. Ihm ist nicht zugeteilt durch den Weltenprozess dasjenige, was er notwendig erleben muss nach dem Bedürfnisse, nach den Lebensverhältnissen seiner Seele. Daher auch sehen wir, wie unauslöschlich, mehr als man das gewöhnlich glaubt, in der Menschenseele begründet ist der Drang nach einer Erkenntnis, die zu einer gewissen Befriedigung über die Menschenrätsel führt.

[ 3 ] Animals are involved in the whole world process in such a way that they experience within themselves what they need through the world processes. But just as animals are predestined by their instinctive drives and the tools they acquire through these drives — if they need any — I would like to say their food within the animal culture, so too is their inner soul life predestined. Not so with humans. Through work that is not already predisposed in them by nature itself, humans place themselves within culture. He works beyond nature. Thus, he also questions beyond nature and must question beyond nature. He is not assigned by the world process that which he must necessarily experience according to the needs and living conditions of his soul. Therefore, we also see how indelibly, more than is commonly believed, the urge for knowledge that leads to a certain satisfaction about the mysteries of humanity is rooted in the human soul.

[ 4 ] Nun, heute soll nur aufmerksam gemacht werden in unserem Zusammenhange auf dasjenige, was in den letzten Jahrzehnten für unsere unmittelbare Gegenwart anders als in verflossenen Jahrhunderten und Jahrtausenden unternommen worden ist von der Menschheit, um den großen Menschenrätseln und ihren Lösungen näher zu kommen. Die Arbeit, welche die Menschen in so großartiger, in so gewaltiger Weise in dieser Linie geleistet haben, liegt ja vorzugsweise auf äußerem materiellen Gebiete, auf dem Gebiete der sinnlichen Erkenntnis, derjenigen Erkenntnis, die nicht nur mit den gewöhnlichen Kräften der Sinnesorgane arbeitet, sondern welche versucht, durch all das, was die Naturwissenschaft schaffen kann zur Bewaffnung der Sinnestätigkeit, zur Erhöhung der Sinnesfähigkeit durch das Eindringen in die Geheimnisse der Natur. Und durch dieses Eindringen in die Geheimnisse der Natur, das, wie gesagt, durch Geisteswissenschaft nicht verkleinert werden soll, sondern gerade in seiner Großartigkeit anerkannt werden soll — voll anerkannt werden soll —, durch dieses Eindringen in die Naturvorgänge hoffte ja insbesondere die Zeit der letzten Jahrzehnte auch näherzukommen dem, was man eine Anschauung über die großen Menschenrätsel nennen kann.

[ 4 ] Now, today we shall only draw attention in our context to what humanity has undertaken in recent decades for our immediate present, unlike in past centuries and millennia, in order to come closer to the great mysteries of humanity and their solutions. The work that people have done in such a magnificent, such a tremendous way in this line lies primarily in the external material realm, in the realm of sensory knowledge, the knowledge that not only works with the ordinary powers of the sense organs, but which attempts, through all that natural science can create to arm the sense activity, to increase sensory ability by penetrating the secrets of nature. And through this penetration into the secrets of nature, which, as I said, should not be belittled by Spiritual Science, but should be recognized in all its grandeur — fully recognized —, through this penetration into the processes of nature, the last few decades in particular hoped to come closer to what can be called an understanding of the great mysteries of humanity.

[ 5 ] Man erinnere sich nur an alles dasjenige, was zu leisten versuchten Physik und Chemie, um einzudringen in dasjenige, was sich zunächst den Sinnen entzieht, was die menschliche Fähigkeit der Sinnesbeobachtung nur erreichen kann, wenn sie sich mit den Instrumenten der Physik und Chemie bewaffnet, wenn sie durch die Vorgänge, die Physik und Chemie darbieten, in die Natur einzudringen versucht. Und wiederum hat man aus dem, was man so an Erkenntnis gewonnen hat, die Hoffnung geschöpft, auch einzudringen in dasjenige, was an Erkenntnis dem Menschen nicht unmittelbar gegeben ist, wessen man aber bedarf zur Lösung der Menschenrätsel.

[ 5 ] One need only recall all that physics and chemistry have attempted to achieve in order to penetrate that which initially eludes the senses, that which human sensory observation can only attain when armed with the instruments of physics and chemistry, when it attempts to penetrate nature through the processes presented by physics and chemistry. And again, from what has been learned in this way, hope has been drawn that it will also be possible to penetrate into that which is not immediately given to human knowledge, but which is needed to solve the riddles of humanity.

[ 6 ] Wie hat insbesondere die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, noch ein großer Teil der Zeit der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts große Hoffnungen darauf gesetzt, physikalisch, chemisch nicht nur die verschiedenen Wirkungsweisen der Stoffe und Kräfte zu erforschen, sondern eine Ansicht zu gewinnen, welche die Chemie und Physik Moleküle und Atome nennt, über die Bewegung und Vorgänge im kleinsten Naturwirken, und wie hat man geglaubt, dadurch, dass man auf streng exakte Weise — wie man meinte — hineinzuschauen lernte in das Wesen des Kleinsten, in das Wesen der Atome, in das Wesen der Moleküle; wie hat man geglaubt, dadurch, dass man in diese kleinste Welt hineinzusehen vermag, Aufklärungen zu gewinnen über das, was Antwort geben kann auf die Frage: Was geht eigentlich im Menschen vor, wenn er sich seelisch-geistig in der Welt betätigt? Man hoffte, wenn man die Welt der Atome und Moleküle draußen im Raume kennenlernt, wird man sie auch kennenlernen so weit, dass man ihre Wirkungen im menschlichen Organismus für das menschliche Geistesleben wird studieren können und dadurch sich dem Menschenrätsel wesentlich werde nähern können.

[ 6 ] How, especially in the middle of the nineteenth century, and for much of the second half of the nineteenth century, did people place great hopes in not only researching the various modes of action of substances and forces through physics and chemistry, but also in gaining an understanding of what chemistry and physics call molecules and atoms, about the movement and processes in the smallest natural phenomena, and how did people believe that by learning to look into the essence of the smallest, into the essence of atoms, into the essence of molecules in a strictly exact manner—as they thought—by being able to look into this smallest world, one would gain insights into what might answer the question: What actually happens in human beings when they engage spiritually and mentally in the world? It was hoped that by getting to know the world of atoms and molecules out there in space, we would also get to know them well enough to be able to study their effects on the human organism and thus come much closer to solving the mystery of the human being.

[ 7 ] Nun ist es interessant zu sehen, was eine jahrzehntelange, nicht genug anzuerkennende Forschung auf diesem physikalisch-chemischen Gebiete geleistet hat. Auf die Einzelheiten kann ja nicht eingegangen werden, aber auf dasjenige kann hingewiesen werden, was sich für gewissenhafte Forschung und für gewissenhaft forscherische Denker ergeben hat. Ich brauche nur auf einen Ausspruch eines gewissenhaften Forschers — [Augustus Rowland] — aufmerksam zu machen und dieses Ergebnis kann sogleich vor unsere Seele treten. Eine jahrzehntelange Arbeit zur Erforschung der kleinsten Weltenteile liegt hinter uns, und ein Forscher, der intensiv beteiligt ist an dieser Forschung, sagt: Nach allem, was er sich habe als Anschauung aneignen können, müsse er sagen, insbesondere nach seinen «spektralanalytischen Untersuchungen» müsse er sagen — Augustus Rowland — «Ein Eisenatom muss viel komplizierter vorgestellt werden als ein Klavier von Steinway.»

[ 7 ] Now it is interesting to see what decades of research in this physical-chemical field, which has not received enough recognition, has achieved. It is not possible to go into the details, but we can point to what has emerged from conscientious research and conscientious research-oriented thinking. I need only draw attention to a statement by a conscientious researcher — [Augustus Rowland] — and this result can immediately come to mind. Decades of work researching the smallest parts of the world lie behind us, and a researcher who is intensively involved in this research says: Based on everything he has been able to learn, he must say, especially after his “spectral analytical investigations,” he must say — Augustus Rowland — “An iron atom must have a much more complicated mental image than a Steinway piano.”

[ 8 ] Also, sehr verehrte Anwesende, ein schöner, ein langer Forschungsweg, der nicht genug anzuerkennen ist, ist beschritten worden, wird zweifellos weiter fortgesetzt werden; aber schon jetzt muss derjenige, der die Dinge versteht, sich gestehen: Dasjenige, was unerklärlich immer vor dem gewöhnlichen Bewusstsein liegt, wenn wir unsere Sinne hinrichten in die Natur, das wird nicht erklärt, wenn wir durch alle Vorgänge der Physik und Chemie bis zu den kleinsten Gebilden vorschreiten, sondern was wir unerklärlich finden in dem Äußeren, das uns unmittelbar vorliegt, wie zum Beispiel die Möglichkeit, zu erleben die Bewegungen der Saiten des Steinway-Flügels, das liegt uns genauso im Kleinsten vor, worin wir uns vorstellen, allerlei wissenschaftliche Vorstellungen machen, wenn wir den Weg ins Kleinste machen. Wir finden auf diesem Weg ins Kleinste nichts anderes als im Großen. Es wird die Welt nicht erklärlicher dadurch, dass wir ins Kleinste eindringen, wenn das Kleinste sich genau ebenso kompliziert und unerklärlich erweist wie das Große.

[ 8 ] So, dear attendees, a beautiful, long path of research, which cannot be praised enough, has been taken and will undoubtedly be continued; but even now, those who understand these things must admit admit to themselves: that which always lies inexplicably before ordinary consciousness when we direct our senses toward nature is not explained when we proceed through all the processes of physics and chemistry down to the smallest structures, but what we find inexplicable in the external world immediately before us, such as the possibility of experiencing the movements of the strings of a Steinway grand piano, is just as present to us in the smallest things, in which we imagine all kinds of scientific mental images when we make our way into the smallest things. On this path into the smallest things, we find nothing different than in the large things. The world does not become more explainable by penetrating into the smallest things, if the smallest things prove to be just as complicated and inexplicable as the large things.

[ 9 ] Und wie hat auf einem anderen Gebiete, bewaffnet mit dem zu solch wundervoller Vollkommenheit gediehenen Mikroskop, die Forschung über die Lebewesen einzudringen versucht wiederum ins Kleinste! Wie hat man gehofft, dadurch, dass man vordringt von dem, was wir als Organismen der Tiere und der Pflanzen vor uns haben, die man sich im Zusammenhange dachte nach Lamarck, nach Darwin mit den Menschen, wie hat man gehofft, in diese langen Reihen der Tier- und Pflanzenformen Verständnis hineinzubringen dadurch, dass man die kleinsten Teile, die Zellgebilde zu erforschen vermag, insbesondere diejenigen Zellgebilde, aus denen sich der Organismus entwickelt: die Keimzellen. Und derjenige, der da kennt, was in der neueren Zeit geleistet worden ist mit Bezug auf eine Anschauung über die Keimzelle, aus der der Organismus entsteht, der kann nur von höchster Bewunderung erfüllt sein für diesen Weg, der in kleinste Gebiete des Lebens hineinführt. Große Hoffnungen hat man wiederum im neunzehnten Jahrhundert auf diese Forschung gesetzt. Man denke nur an so energische und forscherische Denker wie Haeckel, wie er der Anschauung war, dass mit dem Hineinschauen in das kleinste Lebewesen — aber nicht nur er als Radikaler, sondern auch andere waren diesen Hoffnungen ergeben —, wie man dadurch Aufklärung gewinnen könne über das, was uns vorliegt.

[ 9 ] And how, in another field, armed with the microscope, which has developed to such wonderful perfection, has research into living beings attempted to penetrate into the smallest things again! How did we hope, by advancing from what we see before us as animal and plant organisms, which Lamarck and Darwin thought of as connected to humans, how did we hope to bring understanding to these long rows of animal and plant forms by by researching the smallest parts, the cell structures, especially those cell structures from which the organism develops: the germ cells. And anyone who knows what has been achieved in recent times with regard to our understanding of the germ cell from which the organism arises can only be filled with the utmost admiration for this path that leads into the smallest areas of life. Great hopes were placed on this research in the nineteenth century. One need only think of such energetic and inquiring thinkers as Haeckel, who believed that by looking into the smallest living beings — but he was not the only radical who held these hopes; others did too — one could gain insight into what is before us.

[ 10 ] Nun ist merkwürdig wiederum, welches das Ergebnis ist, zu dem ein wahrhaft großartiger gewaltiger Weg geführt hat. Ich brauche nur eine Stelle aus dem Werke eines großen Naturforschers des neunzehnten Jahrhunderts Ihnen vorzulesen, und Sie werden sehen, welches das Ergebnis auf diesem Gebiete ist, und ob das Ergebnis so gestaltet ist, dass man hoffen kann, über das Menschenrätsel aus der Anschauung des kleinsten Lebens Aufschluss zu erhalten. Nägeli, der große Naturforscher, aber nicht er allein, sondern, was sehr bedeutungsvoll ist, der bedeutendste Schüler Haeckels, Oscar Hertwig, stimmt vollständig überein mit diesem Ausspruch Nägelis und behauptet seinerseits, dass gerade die mikroskopischen Forschungen und die anderen Forschungen über die Entstehung des Lebens der einzelnen Arten, die in der allerletzten Zeit ausgebaut worden sind, bekräftigt haben dasjenige, was da Nägeli in den Achtzigerjahren gesagt hat. Das also ist damit charakterisiert unmittelbar als ein Bekenntnis, eines auf der Höhe der Naturforschung stehenden Denkers der Gegenwart. Da heißt es:

[ 10 ] Now it is strange, again, what the result is to which a truly magnificent and tremendous path has led. I need only read to you a passage from the work of a great natural scientist of the nineteenth century, and you will see what the result is in this field, and whether the result is such that one can hope to gain insight into the mystery of man from the observation of the smallest life. Nägeli, the great natural scientist, but not he alone, for what is very significant, Haeckel's most important student, Oscar Hertwig, agrees completely with this statement by Nägeli and asserts for his part that it is precisely the microscopic research and other research on the origin of life of individual species, which has been developed in the very recent past, have confirmed what Nägeli said in the 1880s. This can therefore be characterized directly as a confession by a contemporary thinker at the height of natural science. It says:

[ 11 ] Die Eizellen enthalten alle wesentlichen Merkmale der Art ebenso gut wie der ausgebildete Organismus, und als Eizellen unterscheiden sich die Organismen nicht minder voneinander als im entwickelten Zustande. In dem Hühnerei ist die Spezies Huhn ebenso vollständig enthalten als im Huhn selbst, und das Hühnerei ist von dem Froschei ebenso weit verschieden als das Huhn vom Frosch.

[ 11 ] The egg cells contain all the essential characteristics of the species just as well as the developed organism, and as egg cells, the organisms differ no less from each other than in their developed state. The chicken egg contains the chicken species just as completely as the chicken itself, and the chicken egg is as different from the frog egg as the chicken is from the frog.

[ 12 ] Wie hat man gehofft, dadurch, dass man finden werde, dass in den Anfangsstadien der Entwicklung die verschiedenen Tierarten gleich seien, Aufschluss zu gewinnen über die Gründe, warum sie verschieden sind in der Welt, die unseren Sinnen unmittelbar vorliegt. Und nun das Ergebnis, das Ergebnis der allerneuesten Forschung: Wir mögen noch so weit hineingehen mit dem Mikroskop in die kleinsten Wesenheiten des Lebens — wir finden dasselbe Unerklärliche, das wir am Huhn, am Frosch finden, im Hühnerei, im Froschei ebenso unerklärlich, wie die äußere Welt, die unseren Sinnen vorliegt, die Welt, die auf diesem Wege einer wunderbaren Forschung erkannt werden kann. Dies darf heute schon als ein wirksames, der Wissenschaft entsprechendes Bekenntnis aufgefasst werden, ein Bekenntnis, an dem auch künftige Forschungen im Wesentlichen nichts ändern können.

[ 12 ] It was hoped that by finding that the various species of animals are the same in the early stages of development, insight would be gained into the reasons why they are different in the world that is immediately apparent to our senses. And now the result, the result of the very latest research: no matter how far we go with the microscope into the smallest entities of life, we find the same inexplicable thing that we find in the chicken, in the frog, in the chicken egg, in the frog egg, just as inexplicable as the external world that is available to our senses, the world that can be recognized in this way by wonderful research. This can already be understood today as an effective confession in accordance with science, a confession to which future research cannot essentially change anything.

[ 13 ] So eröffnet sich für eine Lösung des Menschenrätsels auf diesem Wege keine Aussicht. Und wiederum, blicken wir auf den anderen Weg, den die äußere Forschung eingenommen hat, er ist nicht minder bewunderungswürdig da, wo aus dem, was uns vorliegt, in unseren Lebenskreisen geschritten werden soll, von dem aus geschritten werden soll zu einem gewissen Ganzen der Welt, wie wenn wir aus dem, was sich heute auf der Erde bildet, Schlüsse ziehen wollen auf dasjenige, was sich im Werden der Erde geologisch ausgelebt hat; oder wenn wir Schlüsse ziehen wollen aus den Beobachtungen unserer Sinne oder unserer durch das Teleskop bewaffneten Sinne oder durch die Mathematik, und die durch andere, durch astronomische Instrumente bewaffneten Sinne, wenn wir Schlüsse ziehen wollen auf den Gesamtbau des Weltengebäudes. Auch da liegen die bewunderungswürdigsten, die gewaltigsten Forschungen vor. Aber was ist zutage getreten?

[ 13 ] Thus, there is no prospect of solving the mystery of the human being in this way. And again, if we look at the other path that external research has taken, it is no less admirable where, from what is before us, in our spheres of life, from which we are to proceed to a certain whole of the world, as when we want to draw conclusions from what is forming on earth today about what has been lived out geologically in the becoming of the earth; or when we want to draw conclusions from the observations of our senses or our senses armed with the telescope or through mathematics, and the senses armed with other, astronomical instruments, if we want to draw conclusions about the overall structure of the world. Here, too, the most admirable, the most powerful research is available. But what has come to light?

[ 14 ] Gerade darin besteht ja einer der Hauptfortschritte der Erdforschung oder Geologie, dass dieselben Ursachen, die gegenwärtig wirksam sind, der Geologe nur ausdehnen kann auf das Gesamtgebiet, das er überblicken will. Nichts anderes, als was in unserer unmittelbaren Umgebung sich abspielt, indem Erde sich ablagert aus Flüssen oder ähnliche Vorgänge stattfinden, nichts anderes findet der Geologe in anderen Zeiten der Erdentwicklung, und er ist gerade stolz darauf, nichts anderes zu verwenden, seit [Lyell] die Geologie in der neueren Zeit begründet hat, als dasjenige, was auch in der unmittelbaren Gegenwart da ist.

[ 14 ] One of the main advances in earth science or geology is precisely that the geologist can only extend the same causes that are currently effective to the entire area he wants to survey. Nothing else, than what is happening in our immediate surroundings, with earth being deposited from rivers or similar processes taking place, is what geologists find in other periods of the Earth's development, and they are proud of the fact that, since [Lyell] founded modern geology, they have used nothing other than what is also present in the immediate present.

[ 15 ] Und wiederum sehen wir, wie Astrophysik — diese wunderbare Wissenschaft, ausgerüstet mit allen physikalischen und sonstigen Forschungsmitteln — zu dem Satze gekommen ist, dass, wo wir auch hinschauen mögen im großen Weltenbau: Dieselben Vorgänge, ja dieselben Stoffe, die auf der Erde zu entdecken sind, sie finden sich auch da drinnen wieder. So können wir auch, wenn wir den Weg beschreiten von unserem engen Lebenskreis auf der Erde, zu dem großen Weltenbau, den Forschungswegen, die gerade groß geworden sind in der neueren Zeit, nichts anderes finden, als was wir im kleinsten Kreise finden. Auf beiden Wegen, durch das Eindringen in das Kleinste, durch das Eindringen in die großen Weltenbau-Zusammenhänge, wird dasjenige nicht gefördert, was eigentlich dem Menschenrätsel nach — dem notwendigen seelischen Hunger — beim Menschen zugrunde liegt. Demgegenüber steht nun Anthroposophie — Anthroposophie oder Geisteswissenschaft —, wie ich sie versuchte zu charakterisieren im vorgestrigen Vortrag. Sie ist durchdrungen davon, dass auf den angedeuteten Wegen man zu nichts Neuem kommt, als was schon unmittelbar vor den Sinnen der Menschheit ausgebreitet ist. Sie sieht klar ein: Wie weit man auch auf rein naturwissenschaftlichem Wege forscht, man finder nichts anderes, als was man in der Umgebung der Sinne schon hat. Aber nicht erst Geisteswissenschaft — oder Anthroposophie, kann man sagen — empfindet das, durchschaut es klar, sondern die Philosophen, die philosophische Forschung aller Zeiten hat dieses empfunden, und daher kommt cs, dass in der philosophischen Forschung der verschiedenen Zeiten vorliegen menschliche Versuche, tiefer in die Welt einzudringen auf einem Wege, der nicht durch die Sinne geht, auf einem Wege, der frei ist von der sinnlichen Beobachtung. Aber was kann Philosophie verwenden und was verwendet sie? Philosophie verwendet, um nun tiefer einzudringen als die äußere Forschung eindringen kann, den Gedanken. Und man darf sagen — man kann auch manches verkennen, aber wenn man ein Verständnis für den Entwicklungsgang des philosophischen Denkens hat, wird man es nicht verkennen —, man darf sagen: In Bezug auf die Ausgestaltung des Denkens, um etwas zu gewinnen, das Antworten gibt auf das Menschenrätsel, ist wirklich auch Bewunderungswürdiges geleistet worden.

[ 15 ] And again, we see how astrophysics—this wonderful science, equipped with all the physical and other means of research—has come to the conclusion that, wherever we may look in the great structure of the universe, the same processes, indeed the same substances that can be discovered on Earth, can also be found there. So when we leave our narrow circle of life on Earth and set out on the path of research that has become so important in recent times, we find nothing other than what we find in the smallest circle. Neither path, neither delving into the smallest things nor delving into the great connections of the universe, promotes what actually underlies the human mystery — the necessary spiritual hunger — in human beings. In contrast to this stands anthroposophy — anthroposophy or Spiritual Science — as I attempted to characterize it in yesterday's lecture. It is permeated by the realization that the paths indicated lead to nothing new beyond what is already immediately before the senses of humanity. It clearly recognizes: no matter how far one researches purely scientific paths, one finds nothing other than what one already has in the environment of the senses. But it is not only Spiritual Science — or anthroposophy, one might say — that senses this and sees it clearly; philosophers and philosophical research of all times have sensed this, and that is why philosophical research throughout the ages has included human attempts to penetrate deeper into the world in a way that does not go through the senses, in a way that is free from sensory observation. But what can philosophy use, and what does it use? Philosophy uses thought in order to penetrate more deeply than external research can penetrate. And one may say — one may also misunderstand some things, but if one has an understanding of the course of development of philosophical thinking, one will not misunderstand it — one can say: With regard to the development of thought, in order to gain something that provides answers to the mystery of humanity, something truly admirable has been achieved.

[ 16 ] Und ein solches System, wie es in der neueren Zeit aufgetreten ist, wie das Hegel’sche — man kann meinetwillen so viel als man will einwenden, die meisten Einwendungen werde ich teilen —, ein solches System wie das Hegel’sche, es lässt unbefriedigt, trotzdem es Tiefe und Schärfe des Denkens in außerordentlicher Weise entwickelt hat. Da ist gewissermaßen all dasjenige durchmessen — oder wenigstens versucht, zu durchmessen —, worauf der Gedanke, wenn er sich in sich zu entwickeln versucht, kommen kann. Da ist all das in die menschliche Seele hereingeholt, um etwas zu finden, was Antwort geben kann auf die Frage nach dem Menschenrätsel. Es lässt unbefriedigt; es gibt eine volle Antwort nicht. Und derjenige, der sich einlässt auf solch ein auch scharfsinnigstes philosophisches System, das nur aus Gedanken gewoben ist, der wird finden, dass ihm gerade aus diesem philosophischen System Fragen über Fragen, neue Rätsel über Rätsel entgegenkommen, für die weitere Antwort gesucht werden muss.

[ 16 ] And a system such as that which has emerged in recent times, such as Hegel's — one can object as much as one likes, for my part, and I will share most of the objections —, a system such as Hegel's leaves one unsatisfied, even though it has developed depth and sharpness of thought in an extraordinary way. In a sense, it has explored—or at least attempted to explore—everything that thought can come up with when it tries to develop within itself. It has brought all of this into the human soul in order to find something that can provide an answer to the question of the mystery of man. It leaves us unsatisfied; there is no complete answer. And those who engage with such a philosophical system, however astute, which is woven solely from thoughts, will find that this very philosophical system presents them with question after question, new riddles upon riddles, for which further answers must be sought.

[ 17 ] Und wenn man nachforscht, warum ein bloß auf Begriffe aufgebautes philosophisches System die Seelen nicht so ergreifen kam, dass diese Seelen Befriedigung empfinden können in Bezug auf ihren Erkenntnisdrang, so erhält man zur Antwort, weil solche philosophischen Systeme mit den Begriffen und Ideen operieren, welche gewonnen sind an der äußeren sinnlichen Erkenntnis, welche abgezogen sind von dieser äußeren sinnlichen Erkenntnis, abstrahiert sind. Und wenn man auch oftmals glaubt, dass man andere Begriffe habe als diejenigen, die aus der äußeren sinnlichen Welt oder aus dem Äußeren her abstrahiert sind — man hat sie nicht. Man sehe sich das Hegel’sche System an: ein wunderbarer Aufbau, eine wunderbare Geschlossenheit im Herbeiholen aller Begriffe, die der Mensch verwendet, um dasjenige, was als Logik in ihm lebt, zu erfassen, um dasjenige zu erfassen, was in der Natur ausgebreitet ist, um dasjenige zu erfassen, was geschichtliche Entwicklung ist, um dasjenige zu erfassen, was sich in die Sinnenwelt als Kunst hereinstellt, was sich in die Seelenwelt als Religion hereinstellt. Ein wunderbarer architektonischer Aufbau, aber nur Begriffe, die geeignet sind, Äußeres zu erfassen aus dem Grunde, weil sie von diesem Äußeren abgezogen, abstrahiert sind.

[ 17 ] And if one investigates why a philosophical system based solely on concepts did not capture the souls in such a way that these souls could feel satisfaction in relation to their thirst for knowledge, one receives the answer that such philosophical systems operate with concepts and ideas that are derived from external sensory knowledge, that are abstracted from this external sensory knowledge. And even though one often believes that one has concepts other than those abstracted from the external sensory world or from the external, one does not. Consider Hegel's system: a wonderful structure, a wonderful coherence in bringing together all the concepts that humans use to grasp what lives in them as logic, to grasp what is spread out in nature, to grasp what historical development is, to grasp what enters the sensory world as art, what presents itself in the world of the soul as religion. A wonderful architectural structure, but only concepts that are suitable for grasping the external because they are abstracted from this external.

[ 18 ] Nun aber erlebt es die Seele, dass alle die Begriffe, die auf diese Weise gewonnen sind, keine lebendigen Begriffe sind, dass sie tote Begriffe sind, dass sie ungeeignet sind, hinter die Sinneswelt in eine Wirklichkeit zu führen. Wer die Natur der Begriffswelt, so wie diese Begriffe von der äußeren Wirklichkeit abstrahiert sind, wirklich zu beobachten vermag, der findet, dass unsere Begriffe eine weit geringere Höhe der Entwicklung haben als unsere Sinnesvorstellungen. Wenn wir, um auch heute wiederum auf das Auge zu exemplifizieren, wenn wir das Auge nicht von innen heraus beleben könnten, und dasjenige, was sich physikalisch im Auge abspielt, durchdringen könnten mit unserem inneren Erleben, und es dadurch zur farbigen, zur lichtvollen Vorstellung erheben würden, sondern wenn wir unmittelbar dasjenige wahrnehmen würden, was sich da im Auge abspielt wie in einer fotografischen Kamera, dann gliche die Sinneswahrnehmung des Auges dem, was man an den äußeren Begriffen hat. Die Begriffe, so wie wir sie haben an dem äußeren Bewusstsein, diese Begriffe entsprechen nur einem Toten, sind kein Lebendiges, daher befriedigen sie die Seele nicht.

[ 18 ] But now the soul experiences that all the concepts gained in this way are not living concepts, that they are dead concepts, that they are unsuitable for leading us beyond the sensory world into reality. Anyone who is able to truly observe the nature of the world of concepts, as these concepts are abstracted from external reality, will find that our concepts have a far lower level of development than our sensory perceptions. If, to use the eye as an example again today, we were unable to enliven the eye from within and penetrate what is happening physically in the eye with our inner experience, thereby elevating it to a colorful, luminous mental image, but instead perceived directly what is happening in the eye as in a photographic camera, then the sensory perception of the eye would resemble what we have in our external concepts. The concepts as we have them in our external consciousness correspond only to something dead, they are not alive, and therefore they do not satisfy the soul.

[ 19 ] Ich kann auf diese bedeutungsvolle Wahrheit nur hindeuten. Alles Genauere finden Sie in den schon neulich von mir zitierten Schriften, namentlich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft». Aber es ist für jeden Menschen, der Sinn für Selbstbeobachtung hat und Sinn für Vergleiche innerhalb der Selbstbeobachtung, klar, dass für die gewöhnliche Wahrnehmung die Sinneswahrnehmung in ganz anderem Sinne durchzogen, durchglüht ist von dem Leben, als der Begriff, der tot bleibt und daher als solcher höchstens geeignet ist, dem Menschen eine spärliche Vorstellung von den formalen Verhältnissen des Lebens zu geben, nicht ihn aber befähigt, unmittelbar, so wie er ist, einzudringen in das Leben selbst, nicht einmal so tief einzudringen in die Natur, als die Sinneswahrnehmungen unmittelbar eindringen.

[ 19 ] I can only point to this meaningful truth. You will find more details in the writings I quoted recently, namely in my book “How to Attain Knowledge of Higher Worlds” and in my “Occult Science.” But it is clear to anyone who has a sense of self-observation and a sense of comparison within self-observation that, for ordinary perception, sensory perception is permeated and imbued with life in a completely different sense than the concept, which remains dead and is therefore, at best, capable of giving humans a sparse mental image of the formal conditions of life, but does not enable them to penetrate directly, as they are, into life itself, not even to penetrate as deeply into nature as sensory perceptions penetrate directly.

[ 20 ] In demjenigen, was ich nun schon vorgestern angedeutet habe, in der ganz andersartigen Behandlung der begrifflichen Welt, der gedanklichen Welt, der Vorstellungswelt, wie all diese Behandlung stattfindet in der äußeren Philosophie, liegt der Weg, den Geisteswissenschaft oder Anthroposophie einschlägt. Durch sie soll der Begriff aus seinem toten Sein in lebendiges Sein umgewandelt werden; durch sie soll der Begriff so umgewandelt werden, wie durch das Leben unseres Organismus im Auge der bloße physikalische Vorgang, den wir auch in der Kamera wahrnehmen können, umgewandelt wird in die lebensvolle Sinnesentwicklung. Das aber geschieht durch die neulich charakterisierten und in meinen Büchern näher beschriebenen inneren Seelenvorgänge, jene Seelenvorgänge, durch welche der Mensch an sich selber so arbeitet, wie der Chemiker im chemischen Laboratorium, der Astronom auf der Sternwarte arbeitet, um einzudringen mit seinen Instrumenten in die Geheimnisse des sinnlichen Daseins.

[ 20 ] In what I already hinted at the day before yesterday, in the completely different treatment of the conceptual world, the world of thought, the world of ideas, as all this treatment takes place in external philosophy, lies the path that Spiritual Science or anthroposophy takes. Through it, the concept is to be transformed from its dead existence into a living existence; through it, the concept is to be transformed in the same way that the mere physical process, which we can also perceive in the camera, is transformed into the lively development of the senses through the life of our organism in the eye. But this happens through the inner soul processes recently characterized and described in more detail in my books, those processes through which human beings work on themselves, just as chemists work in chemical laboratories and astronomers work in observatories, in order to penetrate the secrets of sensory existence with their instruments.

[ 21 ] Wenn die Begriffe so bearbeitet werden, dass sie nicht mehr dienen, um etwas Äußerliches abzubilden, um etwas Äußerliches vorzustellen, sondern wenn diese Begriffe so verarbeitet werden, wie sie in der wirklichen, nicht in der mystisch verschwommenen Meditation verarbeitet werden, sodass der Mensch lebt mit der begrifflichen Welt, dass der Begriff in seiner Seele anwesend sein muss, nicht um durch diesen Begriff etwas zu erkennen, sondern, dass diese Begriffe in ihm sich betätigen, in ihm ein Leben haben, dann kommt — und zwar im Verlaufe des Erlebens — dasjenige, was die Begriffe, die wir zunächst an der sinnlichen Außenwelt gewinnen, loslöst von der sinnlichen Außenwelt. Wie wir im chemischen Experiment den Wasserstoff vom Wasser loslösen, so lösen wir durch jene energischen Vorstellungen — was man meditieren heißt — los die Begriffe von der äußeren sinnlichen Wahrnehmungswelt und verarbeitet diese Begriffe in rein innerlicher, methodisch geregelter Seelenarbeit; mit dem Seelenleben, dann gehen sie eine Verbindung ein mit dem Seelenleben, dann werden sie innerhalb des Seelenlebens lebendig.

[ 21 ] When concepts are processed in this way, that they no longer serve to create a mental image of something external, to create a mental image of something external, but when these concepts are processed as they are processed in real, not mystically blurred meditation, so that the human being lives with the conceptual world, that the concept must be present in his soul, not in order to recognize something through this concept, but so that these concepts are active within him, have a life within him, then — in the course of experience — what we initially gain from the sensory external world through concepts is detached from the sensory external world. Just as we detach hydrogen from water in a chemical experiment, so we detach mental images from the external world of sensory perception through those energetic images — what is called meditation — we detach the concepts from the external sensory world of perception and process these concepts in purely inner, methodically regulated soul work; with the soul life, then they enter into a connection with the soul life, then they become alive within the soul life.

[ 22 ] Und dann verwandelt sich in uns etwas, was zunächst übersinnlich ist für das gewöhnliche Bewusstsein; dann verwandelt sich in uns etwas Geistig-Seelisches so, wie sich im Organismus das Auge verwandelt, indem es kein physikalischer Apparat bleibt, sondern vom Leben durchzuckt ist — etwas, was sonst nur geeignet ist, die Begriffe als tote aufzunehmen —, verwandelt sich durch das, durch die Verbindung des begrifflichen Gedankenlebens mit dem seelischen Leben in uns, sodass uns erwächst dasjenige, was Goethe «geistiges Auge» oder auch «geistiges Ohr» nennt. So wie unser physischer Organismus durch die in ihm gelegenen Naturkräfte sich das physische Auge einorganisiert, so organisiert sich der Geistesforscher ein in seinen übersinnlichen Leib diejenigen Kräfte, die entstehen durch das intensive Zusammenleben des Vorstellungs-, des Gedankenlebens, in einer gewissen Weise mit dem Seelenleben. Er erlangt andere Organe, dadurch aber wird dasjenige erreicht, was eine äußere Vorstellung nicht erreichen kann. Nicht indem wir anderes — was wir durch das Mikroskop oder sonstige physikalische oder chemische Apparate und Werkzeuge erlangen — beobachten, nicht indem wir anderes beobachten, als was unseren gewöhnlichen Sinnen im Leben vorliegt, sondern indem wir dieses dem gewöhnlichen Sinnenleben Vorliegende anders beobachten, auf andere Art mit erst neu hierzu gebildeten Organen, schreiten wir vorwärts. Sodass wir etwas erkennen lernen, was wir vorher nicht erkennen konnten. Und so, wie blind ist derjenige, der das Auge nicht haben würde und erst vor ihm entsteht — wenn das Auge in ihm entstehen kann, die farbenreiche, lichtvolle Welt —, so erglänzt eine neue Welt auf, eine Welt des Geistigen, die nun wirklich ebenso da ist wie die sinnliche Welt, wenn das entsprechende Organ dazu gebildet wird.

[ 22 ] And then something transforms within us that is initially supersensible to ordinary consciousness; then something spiritual -soul, just as the eye is transformed in the organism by no longer remaining a physical apparatus but being permeated by life — something that is otherwise only capable of receiving concepts as dead — is transformed through the connection of conceptual thought life with soul life within us, so that we develop what Goethe “spiritual eye” or “spiritual ear.” Just as our physical organism organizes the physical eye through the natural forces within it, so the spiritual researcher organizes within his supersensible body those forces that arise through the intensive coexistence of the mental image and thought life, in a certain way with the soul life. He acquires other organs, but through this he achieves what an external mental image cannot achieve. Not by observing other things — what we obtain through the microscope or other physical or chemical apparatus and tools — not by observing other things than what is available to our ordinary senses in life, but by observing what is available to the ordinary sensory life in a different way, with newly formed organs, we move forward. So that we learn to recognize something that we could not recognize before. And just as blind is the one who does not have eyes and only sees before him — if the eye can develop in him — the colorful, luminous world, so a new world shines forth, a world of the spiritual, which is now really just as present as the sensory world, when the corresponding organ is formed.

[ 23 ] Nun könnte man glauben, dass dasjenige, was so die Geisteswissenschaft oder Anthroposophie vor die gegenwärtige Welt hinstellt, sei etwas ganz subjektiv Persönliches, das jetzt durch einige Menschen in die Welt hineingebracht wird. So ist es nicht, sondern gerade, indem Geisteswissenschaft auf das hinweist, was eben charakterisiert worden ist, weist sie auf durchaus nicht irgendein Phantastisch-Willkürliches hin, sondern auf etwas, was gerade in der neueren Zeit als tiefste Sehnsucht, der im Denken, im Forschen so weit vorgeschrittener Menschen sich geltend gemacht hat. Denn man kann sagen: Im Menschenleben tritt so ziemlich alles dasjenige, was später in das Stadium der Bewusstheit eintritt, was bewusst angestrebt werden kann in einer späteren Zeit, das tritt vorher in einer gewissen instinktiven Art auf.

[ 23 ] Now one might believe that what Spiritual Science or anthroposophy presents to the present world is something entirely subjective and personal, which is now being brought into the world by a few people. This is not the case, but precisely by pointing to what has just been characterized, Spiritual Science does not point to something fantastical -arbitrary, but rather to something that has become apparent in recent times as the deepest longing of people who are so advanced in their thinking and research. For it can be said that in human life, pretty much everything that later enters the stage of consciousness, that can be consciously strived for at a later time, appears beforehand in a certain instinctive way. p>

[ 24 ] Und so kommt es denn, dass gerade aus den gedankenvollsten philosophischen Zeiten heraus, aus den Zeiten der philosophischen Entwicklung, wie sie sich herausgebildet hatte um die Wende des achtzehnten, neunzehnten Jahrhunderts und im ersten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts, einzelne Denker, einzelne philosophische Forscher sich entwickelten, welche zwar noch nicht — die Zeit war damals noch nicht reif — selbst dazu kommen konnten, ihr Denken so mit dem Seelischen zu verbinden — dass wirklich dieses Seelische, und damit auch das Denken, zu einem neuen Organ gemacht, einem geistigen Auge umgestaltet wurde —, aber sie haben instinktiv gefühlt, dass so etwas im Menschen lebe, was so wie ein neues Organ werden kann. Wenn daher Geisteswissenschaft oder Anthroposophie heute zum Entsetzen vieler Menschen, die sich sehr leicht an Worten, die ihnen ungewohnt sind, stoßen, davon reden, dass unser physischer Organismus, wie wir ihn mit den Augen sehen, mit den Händen greifen, wie er von der physischen Wissenschaft nur allein erforscht werden kann, dass diesem ein übersinnlicher, wenn man den Ausdruck gebrauchen will: ätherischer Organismus, den man durch kein Mittel der Sinnenwelt wahrnehmen kann, zugrunde liegt, und wenn weiter in dieser Anthroposophie behauptet wird, dass gerade dieser ätherische, übersinnliche, unsichtbare Organismus es ist, der umgewandelt wird durch das Denken zu einem Aufnahme-Organismus für das Geistige, wenn auf diesen ätherisch-menschlichen Leib, der sich das geistige Auge ebenso eingliedern kann wie der physische Leib das physische Auge, wenn auf diesen ätherischen Leib hingewiesen wird, so wird nicht auf etwas hingewiesen, das sozusagen aus der Pistole geschossen wird, sondern es wird auf etwas hingewiesen, auf das die Gedanken geistvoller Forscher instinktiv im neunzehnten Jahrhundert hingelenkt waren. Davon nur ein paar Beispiele, die ich angeführt habe in meinem letzt erschienenen Buche «Vom Menschenrätsel», zunächst ein Beispiel, gewählt aus den Schriften Immanuel Hermann Fichtes, des Sohnes des großen Philosophen Fichte.

[ 24 ] And so it comes about that precisely out of the most thoughtful philosophical times, out of the times of philosophical development as it had emerged at the turn of the eighteenth and nineteenth centuries and in the first third of the nineteenth century, individual thinkers, individual philosophical researchers developed who, although they were not yet — the time was not yet ripe — were able to connect their thinking with the soul — that this soul, and with it thinking, was truly transformed into a new organ, a spiritual eye — but they instinctively felt that something lived within human beings that could become like a new organ. Therefore, when Spiritual Science or anthroposophy today speaks of our physical organism as we see it with our eyes, as we grasp it with our hands, as it can only be researched by physical science, and that this organism has a supersensible aspect, that our physical organism, as we see it with our eyes and touch with our hands, as it can only be researched by physical science, is based on a supersensible, if you will use the expression, etheric organism that cannot be perceived by any means of the sensory world, and when it is further claimed in this anthroposophy that it is precisely this etheric, supersensible, invisible organism that is transformed by thinking into a receptive organism for the spiritual, when reference is made to this etheric human body, into which the spiritual eye can integrate itself just as the physical body integrates the physical eye, when reference is made to this etheric body, it is not pointing to something that is, so to speak, shot out of a gun, but rather to something to which the thoughts of spiritual researchers were instinctively directed in the nineteenth century. Here are just a few examples that I have cited in my most recently published book, “Vom Menschenrätsel” (The Riddle of Man), beginning with an example chosen from the writings of Immanuel Hermann Fichte, the son of the great philosopher Fichte.

[ 25 ] Fichte, Immanuel Hermann Fichte, der Sohn des Johann Gottlieb Fichte, des großen Fichte, kommt nicht durch geistiges Schauen, nicht durch dasjenige, was ich vorgestern das «schauende Bewusstsein» nannte, zu seinen Einsichten, aber er kommt durch ein gewisses instinktives Erfühlen eines ätherischen, eines übersinnlichen Leibes zu der Anschauung eines solchen. Daher sagt Immanuel Hermann Fichte:

[ 25 ] Fichte, Immanuel Hermann Fichte, the son of Johann Gottlieb Fichte, the great Fichte, does not arrive at his insights through spiritual vision, not through what I called the day before yesterday “contemplative consciousness,” but through a certain instinctive feeling of an ethereal, supersensible body. Hence Immanuel Hermann Fichte says:

[ 26 ] Indem dieses das eigentlich im Stoffwechsel Beharrliche enthält, ist es der wahre, innere, unsichtbare, aber in aller sichtbaren Stofflichkeit gegenwärtige Leib. Der andere, die äußere Erscheinung desselben, aus unablässigen Stoffwechsel gebildet, möge fortan «Körper» heißen, der, wahrhaft nicht beharrlich und nicht eins, der bloße Effekt oder das Nachbild jener inneren Leiblichkeit ist, welche ihn in die wechselnde Stoffwelt hineinwirft, gleichwie etwa die magnetische Kraft aus den Teilen des Eisenfeilstaubes sich einen scheinbar dichten Körper bereitet, der aber nach allen Seiten zerstäubt, wenn die bindende Gewalt ihm entzogen ist.

[ 26 ] In that it contains what is actually persistent in metabolism, it is the true, inner, invisible body, yet present in all visible materiality. The other, the outer appearance of the same, formed from incessant metabolism, may henceforth be called the “body,” which, truly impermanent and not one, is the mere effect or afterimage of that inner corporeality which throws it into the changing material world, just as, for example, the magnetic force from the particles of iron filings creates a seemingly dense body, which, however, disperses in all directions when the binding force is removed from it.

[ 27 ] Da sehen wir in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts bei einem geistvollen Denker — bei Immanuel Hermann Fichte — hingewiesen auf einen Kraftleib, was wir heute in der Anthroposophie den Ätherleib nennen, welcher sich verhält zu all dem, was wir stofflich an uns tragen, wie

[ 27 ] In the first half of the nineteenth century, we see a brilliant thinker—Immanuel Hermann Fichte—referring to a force body, which we now call the etheric body in anthroposophy, which relates to everything we carry with us materially, as

[ 28 ] Kraft aus den Teilen des Eisenfeilstaubes sich einen scheinbar dichten Körper bereitet, der aber nach allen Seiten zerstäubt, wenn die bindende Gewalt ihm entzogen ist.

[ 28 ] force from the particles of iron filings forms a seemingly dense body, which, however, disperses in all directions when the binding force is removed.

[ 29 ] Unser sämtlicher physischer Organismus in seiner Zusammensetzung ist also für Immanuel Hermann Fichte zusammengehalten durch die Kraft dieses unsichtbaren Leibes. Aber Immanuel Hermann Fichte weiß auch, dass in diesem übersinnlichen Leib dasjenige liegt, was zusammen mit den Vererbungskräften und Vererbungsstoffen, die aus der physischen Welt von den Ahnen her sind, was zusammen mit denen unseren Organismus, unseren physischen Organismus erst bildet, was aus der geistigen Welt hereinwirkt in die physische Welt und durch die Pforte des Todes hinausgeht, um in der geistigen Welt weiterzuwirken. Unmittelbar ergibt sich Immanuel Hermann Fichte mit der Anschauung dieses übersinnlichen Leibes eine wissenschaftliche Gewissheit — wie er meint von der Unsterblichkeit des Menschen. Und so sagt denn Immanuel Hermann Fichte sehr schön:

[ 29 ] For Immanuel Hermann Fichte, our entire physical organism in its composition is held together by the power of this invisible body. But Immanuel Hermann Fichte also knows that this supersensible body contains that which, together with the hereditary forces and substances that come from the physical world of our ancestors , which together with them forms our organism, our physical organism, which works from the spiritual world into the physical world and passes through the gate of death to continue working in the spiritual world. Immanuel Hermann Fichte immediately derives a scientific certainty from the view of this supersensible body — as he believes, of the immortality of man. And so Immanuel Hermann Fichte says very beautifully:

[ 30 ] Denn kaum braucht hier noch gefragt zu werden, wie der Mensch an sich selbst sich verhalte im Todesvorgange? Dieser Leib bleibt auch nach dem letzten, uns sichtbaren Akte des Lebensprozesses in seinem Wesen ganz derselbe nach Geist und Organisationskraft, welcher er vorher war. Seine Integrität ist bewahrt; denn er hat durchaus nichts verloren von dem, was sein war und zu seiner Substanz gehörte während des sichtbaren Lebens. Er kehrt nur im Tode in die unsichtbare Welt zurück, oder vielmehr, da er dieselbe nie verlassen hatte, da sie das eigentlich Beharrende in allem Sichtbaren ist — er hat nur eine bestimmte Form der Sichtbarkeit abgestreift. «Totsein» bedeutet lediglich, der gewöhnlichen Sinnesauffassung nicht mehr wahrnehmbar bleiben, ganz auf gleiche Weise, wie auch das eigentlich Wirkliche, die letzten Gründe der Körpererscheinungen den Sinnen unwahrnehmbar sind.

[ 30 ] For there is hardly any need to ask here how human beings relate to themselves in the process of death. Even after the last visible act of the life process, this body remains in its essence exactly the same in spirit and organizational power as it was before. Its integrity is preserved, for it has lost nothing of what was its substance during visible life. It only returns to the invisible world in death, or rather, since it never left it, since it is the actual persistent element in everything visible—it has only shed a certain form of visibility. “Being dead” simply means no longer being perceptible to the ordinary senses, in the same way that the actual reality, the ultimate causes of bodily phenomena, are imperceptible to the senses.

[ 31 ] Und von diesen Voraussetzungen ausgehend, sagt dann Immanuel Hermann Fichte, dass es geben muss — er spricht sich darüber nicht weiter aus, die Zeit war damals noch nicht reif —, dass es geben müsse gegenüber der Anthropologie, welche sich beschäftigt mit dem, was die Sinne vom Menschen wissen können und dasjenige, was sich auf die Sinneswahrnehmung stützt, eine andere Wissenschaft; und über diese andere Wissenschaft spricht Immanuel Hermann Fichte in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in der folgenden Weise:

[ 31 ] And based on these assumptions, Immanuel Hermann Fichte then says that there must be — he does not elaborate further on this, the time was not yet ripe — that there must be, as opposed to anthropology, which deals with what the senses can know about human beings and what is based on sensory perception, another science; and Immanuel Hermann Fichte speaks about this other science in the first half of the nineteenth century in the following way:

[ 32 ] [...] die Anthropologie endet in dem von den mannigfaltigsten Seiten her begründeten Ergebnisse, dass der Mensch nach der wahren Eigenschaft seines Wesens, wie in der eigentlichen Quelle seines Bewusstseins, einer übersinnlichen Welt angehöre. Das Sinnenbewusstsein dagegen und die auf seinem Ausgangspunkte entstehende Erscheinungswelt mit dem gesamten, auch menschlichen Sinnenleben, haben keine andere Bedeutung, als nur die Stätte zu sein, in welcher jenes übersinnliche Leben des Geistes sich vollzieht, indem er durch frei bewusste eigene Tat den jenseitigen Geistesgehalt der Ideen in die Sinneswelt einführt. [...] Diese gründliche Erfassung des Menschenwesens erhebt nunmehr die «Anthropologie»; in ihrem Endresultate zur «Anthroposophie».

[ 32 ] [...] anthropology ends with the conclusion, based on a wide variety of evidence, that human beings, according to the true nature of their being, as in the actual source of their consciousness, belong to a supersensible world. Sensory consciousness, on the other hand, and the world of phenomena arising from its starting point, with the entire sensory life, including that of human beings, have no other meaning than to be the place in which that supersensible life of the spirit takes place, introducing the otherworldly spiritual content of ideas into the sensory world through freely conscious action. [...] This thorough understanding of human nature now elevates “anthropology” to “anthroposophy” in its final result.

[ 33 ] Dies Immanuel Hermann Fichte — damit ausdrückend, dass er in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ersehnt dasjenige, was wir heute «Anthroposophie» nennen. Und nichts anderes will die Anthroposophie sein als die wirkliche Erfüllung desjenigen, was aus den Tiefen der neueren Gedankenwelt von den Menschen ersehnt worden ist.

[ 33 ] This is Immanuel Hermann Fichte — expressing that in the first half of the nineteenth century he longed for what we today call “anthroposophy.” And anthroposophy wants to be nothing other than the real fulfillment of what has been longed for by people from the depths of the modern world of thought.

[ 34 ] Und noch ein anderes Beispiel: Ein Forscher, der auch in der Schweiz viel gewirkt hat, der aber gerade so wie Immanuel Hermann Fichte — und wie die zahlreichen anderen, die auf dem Wege waren, auf dem Wege der Sehnsucht, die durch die heutige Geisteswissenschaft gestillt werden soll — vergessen ist. Dieser Forscher ist Troxler. Und Troxler spricht ebenso von dem, was ich oben als den «übersinnlichen Leib» bezeichnet habe, der dadurch im Menschen erlebt werden kann, dass der Mensch wegnimmt von der Wahrnehmungswelt die Gedanken und sie mit der Seele leben lässt, sodass Gedanken und inneres Seelenleben sich aneinander entzünden und den ätherischen Leib zum Wahrnehmen, zum inneren Wahrnehmen, zum erlebten Wahrnehmen bringen, und in diesen die Möglichkeit, sich das Geistesauge oder die geistigen Wahrnehmungsorgane einzugliedern. Troxler — wiederum in einer instinktiven Ahnung, dass es so etwas gibt —, er sagt schön:

[ 34 ] And yet another example: a researcher who also did a great deal of work in Switzerland, but who, just like Immanuel Hermann Fichte — and like the many others who were on the path, on the path of longing that is to be satisfied by today's Spiritual Science — has been forgotten. This researcher is Troxler. And Troxler also speaks of what I have described above as the “supersensible body” , which can be experienced in human beings when they remove thoughts from the world of perception and allow them to live with the soul, so that thoughts and inner soul life ignite each other and bring the etheric body to perception, to inner perception, to experienced perception, and into this the possibility of integrating the spiritual eye or the spiritual organs of perception. Troxler — again in an instinctive intuition that such a thing exists — says beautifully:

[ 35 ] Schon früher haben die Philosophen einen feinen hehren Seelenleib unterschieden von dem gröberen Körper [...] eine Seele, die ein Bild des Leibes an sich habe, das sie Schema nannten, und das ihnen der innere, höhere Mensch war [...]. In der neuesten Zeit selbst Kant in den Träumen eines Geisterschers träumt ernsthaft im Scherze einen ganzen inwendigen, seelischen Menschen, der alle Gliedmaßen des auswendigen an seinem Geistesleib trage.

[ 35 ] Philosophers in earlier times distinguished between a fine, noble soul body and the coarser physical body [...] a soul that had an image of the body itself, which they called a schema, and which was for them the inner, higher human being [...]. In more recent times, even Kant, in the dreams of a ghost writer, seriously dreams in jest of an entire inner, spiritual human being who carries all the limbs of the outer body on his spiritual body.

[ 36 ] Und wiederum spricht Troxler davon, wie eine solche Anschauung, wenn sie erfühlt wird, führen muss zu einer in die geistige Welt hinein arbeitenden Fortsetzung der äußeren sinnlichen «Anthropologie». Denn Troxler sagt, der «übergeistige Sinn» führe dazu, im Verein mit dem «übersinnlichen Geist» die übersinnliche Wesenheit des Menschen in einer Anthroposophie zu erfassen.

[ 36 ] And again, Troxler speaks of how such a view, when it is felt, must lead to a continuation of external sensory “anthropology” working into the spiritual world. For Troxler says that the “super-spiritual sense” leads, in conjunction with the “super-sensory spirit,” to grasping the super-sensory essence of the human being in an anthroposophy.

[ 37 ] Man sieht: Bis auf den Namen hin ist dasjenige, was heute sich «Anthroposophie» nennt, keineswegs etwas Neues, sondern etwas, was sich im notwendigen Entwicklungsgange des neueren Geisteslebens ergeben hat. Wir treffen dasjenige, was heute so angefeindet wird, diesen Ätherleib des Menschen, der die Organe enthalten kann zum geistigen Schauen, wir treffen ihn sozusagen schon auch in der denkenden Forschung an, wo instinktiv auf ihn hingewiesen wird; nur dass Geisteswissenschaft oder Anthroposophie wirklich die Organe schaffen will, um ihn zur Anschauung zu bringen, diesen höheren, diesen inneren Menschen.

[ 37 ] It is clear that, apart from the name, what is called “anthroposophy” today is by no means something new, but rather something has emerged in the necessary course of development of the newer spiritual life. We encounter what is so hostile today, this etheric body of the human being, which can contain the organs for spiritual vision, we encounter it, so to speak, already in thinking research, where it is instinctively pointed out; only that Spiritual Science or anthroposophy really wants to create the organs to bring it to view , this higher, inner human being.

[ 38 ] So wie nun für das gewöhnliche Bewusstsein gebunden ist das Gedankenleben an die äußere Sinneswelt, so ist im Innern des Menschen gebunden der Wille und alles, was mit dem Willen und dem Gemüte zusammenhängt, an die dem Körper eingepflanzten Triebe, Affekte, Begierden, Leidenschaften. Und so, wie im gewöhnlichen Leben dieses Leben verläuft, so ist alles dasjenige, was Willensleben ist, gebunden an das Triebleben, an das Körperliche, an das äußerlich Leibliche. Aber so, wie der Begriff, die Idee, die Vorstellung losgelöst werden können von der äußeren Wahrnehmung, so kann aus dem Triebleben, aus alle dem, was mit dem Körperlichen verbunden ist, herausgelöst werden wiederum — wie der Sauerstoff aus dem Wasser herausgelöst werden kann — das Willensleben, sodass es im Menschen rein geistig erscheint.

[ 38 ] Just as the life of thought is bound to the outer sensory world for ordinary consciousness, so within the human being the will and everything connected with the will and the mind is bound to the instincts, affects, desires, and passions. And just as this life proceeds in ordinary life, so everything that is will life is bound to the life of the instincts, to the physical, to the external body. But just as the concept, the idea, the mental image can be detached from external perception, so too can the life of the will be detached from the life of the instincts, from everything connected with the physical, just as oxygen can be detached from water, so that it appears in the human being as purely spiritual.

[ 39 ] Dadurch kann — und wiederum sind die Methoden in den genannten Büchern beschrieben, die Methoden im Einzelnen, denn das kann nur durch lange systematische Arbeit, die ebenso schwierig ist wie die Experimentalarbeit der Physiker oder Chemiker oder Biologen, erreicht werden —, so kann aus dem gewöhnlichen an das Körperleben gebundenen Willensleben herausgeholt werden der vergeistigte Wille. Der aber ergibt sich wirklich nun nicht bloß als Wille, sondern er zeigt sich in innerer, voll erfasster Lebendigkeit, als ein voller, innerer Mensch, der ein anderes Bewusstsein hat als das gewöhnliche Bewusstsein. Und so, wie wir mit dem gewöhnlichen Bewusstsein unser physisches Auge zu gebrauchen wissen, so können wir erlernen, das Auge zu gebrauchen, das wir unserem Ätherleib eingepflanzt haben mit diesem Bewusstsein, das sich aus dem Willen, den wir loslösen aus der Körperlichkeit, heraus bildet. Hier gewinnen wir einen wirklichen inneren Menschen, der in uns ist und der geistig das Geistige anschaut. Wie wir unser gewöhnliches physisches Bewusstsein hinrichten können auf die äußere Umwelt, so können wir dieses geistige Bewusstsein — indem wir lernen, die übergeistigen Organe [zu] gebrauchen, von denen gesprochen worden ist —, auf die geistige Welt hinlenken. Und diejenige geistige Welt, aus der wir als geistiger Mensch heraus sind, die stellt sich vor uns hin.

[ 39 ] In this way — and again, the methods are described in detail in the books mentioned, because this can only be achieved through long systematic work that is just as difficult as the experimental work of physicists, chemists, or biologists — the spiritualized will can be extracted from the ordinary will life bound to physical life. But this does not merely manifest itself as will; it reveals itself in inner, fully grasped liveliness, as a complete inner human being who has a different consciousness than the ordinary consciousness. And just as we know how to use our physical eye with our ordinary consciousness, we can learn to use the eye that we have implanted in our etheric body with this consciousness, which is formed from the will that we detach from physicality. Here we gain a real inner human being who is within us and who spiritually contemplates the spiritual. Just as we can direct our ordinary physical consciousness toward the external environment, so we can direct this spiritual consciousness—by learning to use the super-spiritual organs that have been spoken of — to the spiritual world. And the spiritual world from which we, as spiritual beings, have emerged, presents itself before us.

[ 40 ] Nun könnte man wieder glauben: Ja, das ist so etwas, was erst heute auftritt und im tieferen menschlichen Bedürfnis, Geistesbedürfnis wirklich nicht nachzuweisen ist. So ist es aber nicht. Denn das Eigentümliche liegt vor, dass wiederum aus einem philosophischen Instinkte heraus im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts — wie als in einem Gegengewichte gegen die bloß äußerliche Forschung — von geistvollen Forschern hingewiesen worden ist darauf, dass dieses Bewusstsein, das der Mensch hat für das gewöhnliche Tagesleben, nicht das einzige Bewusstsein ist, sondern dass, nur verdeckt durch das gewöhnliche Tagesleben, wie im Traum, durch das Traumbewusstsein der Mensch verdeckt hat sein Tagesbewusstsein, so — verdeckt durch das Tagesbewusstsein — ein anderes, tieferes Bewusstsein lebt. Nur wurde dem erst unklaren und instinktiv Erkannten oder vielmehr Erahnten auch ein unklarer Name gegeben. Es wurde vom Unbewussten oder Unterbewussten gesprochen. Und Sie wissen vielleicht, sehr verehrte Anwesende, dass, gewiss seiner Philosophie nach für viele anfechtbar, seit den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts der geistvolle Philosoph Eduard von Hartmann von dem «Unbewussten» oder auch «Unterbewussten» spricht, von einem Seelenleben, das im Menschen drinnen ist, das etwas ganz anderes ist als das Seelenleben des gewöhnlichen Tagesbewusstseins, aber aus dem als im Menschen drinnen liegenden tieferen Bewusstsein die Kräfte heraufsteigen in das gewöhnliche Bewusstsein, sodass das gewöhnliche Bewusstsein dirigiert, erfüllt wird von dem, was aus einem unterbewussten Sein, aus einem Unbewussten heraufsteigt.

[ 40 ] Now one might again believe: Yes, this is something that only occurs today and cannot really be proven in the deeper human need, the spiritual need. But that is not the case. For the peculiar thing is that, again out of a philosophical instinct, in the course of the nineteenth century — as if to counterbalance purely external research — spiritual researchers pointed out that this consciousness that human beings have for ordinary daily life is not the only consciousness, but that, hidden by ordinary daily life, as in a dream, by dream consciousness, human beings have hidden their daily consciousness, so that — hidden by daily consciousness — another, deeper consciousness lives. Only, this initially unclear and instinctively recognized or rather sensed phenomenon was also given an unclear name. It was referred to as the unconscious or subconscious. And you may know, dear audience, that, although certainly controversial in terms of his philosophy, since the 1860s the brilliant philosopher Eduard von Hartmann has spoken of the “unconscious” or “subconscious,” of a soul life that is within human beings, which is something completely different from the soul life of ordinary everyday consciousness, but from which forces rise up into ordinary consciousness from the deeper consciousness within human beings, so that ordinary consciousness is directed and filled by what rises up from a subconscious being, from an unconscious.

[ 41 ] Und Eduard von Hartmann ist zu gleicher Zeit sich klar geworden darüber, dass dasjenige, was da unten im menschlichen Seelenleben lebt wie ein zweiter Mensch unter der Schwelle des gewöhnlichen Bewusstseins, dass das in einem näheren Zusammenhange steht als das gewöhnliche Tagesbewusstsein mit dem Geistigen, das in der Natur sich ausbreitet während des gewöhnlichen Tagesbewusstseins durch meine Sinne. Und dadurch, dass das Triebleben nie heraufkommt zum reinen Willensleben, getrennt ist von der äußeren natürlichen Wesenheit, wie ich vorgestern ausgeführt habe, erahnt auch Eduard von Hartmann schon, dass dasjenige, was für ihn unbewusst, aber von ihm hypothetisch angenommen, in der Seele lebt, gewissermaßen durch unterirdische Zusammenhänge, durch unterseelische Zusammenhänge zusammenhängt mit dem, was sich geistig in der Natur ausbreitet.

[ 41 ] And Eduard von Hartmann realized at the same time that what lives down there in human soul life like a second human being below the threshold of ordinary consciousness is more closely connected than ordinary daytime consciousness with the spiritual, that spreads in nature during ordinary daytime consciousness through my senses. And because the life of the instincts never rises to the level of pure will, separated from the external natural entity, as I explained the day before yesterday, Eduard von Hartmann also already senses that what is unconscious for him, but hypothetically assumed by him, lives in the soul, is connected, as it were, through subterranean connections, through sub-soul connections, with what spreads spiritually in nature.

[ 42 ] Unbewusstes oder Unterbewusstes in der Seele strömt hinaus und strömt herein, und das hängt zusammen mit unbewusstem Geistigen, das heißt, für das bloße Bewusstsein nicht auftretendem Geistigen, das in allen Wesen ausgebreitet ist. So hängt der Mensch mit seiner geistigen Wesenheit mit allem anderen — auch der Welt —, auch für diesen Philosophen der neueren Zeit zusammen. Eduard von Hartmann meinte nun, dasjenige, was so als ein höherer Mensch im Menschen drinnen ist, was ein höheres Bewusstsein, oder vielmehr eine Unbewusstheit für ihn ist, das könne nur hypothetisch erschlossen werden, darauf könne man nur kommen, wenn man nachdenkt über dasjenige, was einem das gewöhnliche Bewusstsein gibt, und es zergliedert. Aber durch diese Zergliederung, durch diese Schlussfolgerung kommt Hartmann zu gewissen Vorstellungen über das Geistige, das ausgebreitet ist im Weltenall, dem wir als Geistwesen entsprungen sind und das wir auch in uns tragen.

[ 42 ] The unconscious or subconscious in the soul flows out and flows in, and this is connected with the unconscious spiritual, that is, the spiritual that does not appear to mere consciousness, which is spread throughout all beings. Thus, human beings are connected with their spiritual essence to everything else — including the world — even for this philosopher of modern times. Eduard von Hartmann believed that what is inside human beings as a higher human being, what is a higher consciousness, or rather an unconsciousness for them, can only be deduced hypothetically, and can only be arrived at by reflecting on and analyzing what ordinary consciousness provides. But through this analysis, through this conclusion, Hartmann arrives at certain mental images of the spiritual realm that is spread throughout the universe, from which we as spiritual beings have emerged and which we also carry within us.

[ 43 ] Hartmann hat veröffentlicht zuerst — und zwar in einer sehr mangelhaften Art, indem er später seine Philosophie sehr viel vervollkommnet hat —, zuerst in den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts seine «Philosophie des Unbewussten», in der er wirklich, einen schweren Kampf zu kämpfen hatte gegen dasjenige, was dazumal, man möchte sagen mit den größten Hoffnungen für die menschliche Erkenntnis aufgetreten war, mit dem Ergebnis des materialistisch gefärbten Darwinismus, der gerade das Menschenrätsel lösen wollte dadurch, dass materialistische Vorstellungen in das Werden der äußeren Natur allein eingeführt worden sind. Und während dem diejenigen, die mit voller Begeisterung, ja mit schöner Begeisterung — das darf auch gesagt werden — ergriffen hatten diesen Darwinismus, während dem diese hofften, durch dasjenige, was man «Anpassung», was man «Kampf ums Dasein», was man «Selektion» nennt und was rein materialistische Vorstellungen sind, gewissermaßen das Welten- und Menschheitsrätsel lösen zu können, erörterte Eduard von Hartmann in seiner «Philosophie des Unbewussten», dass das alles, was man auf diese Weise begreifen kann in der dem gewöhnlichen Bewusstsein vorliegenden Welt, zurückgeführt werden müsse auf geistige Wirkungen, die in allem, was vor uns liegt, übersinnlich tätig sind.

[ 43 ] Hartmann first published — in a very flawed manner, as he later perfected his philosophy considerably — his “Philosophy of the Unconscious” in the 1860s, in which he really had to fight an uphill battle against what at that time one might say had emerged with the greatest hopes for human knowledge, with the result of materialistically colored Darwinism, which sought to solve the mystery of man by introducing materialistic mental images into the development of external nature alone. And while those who had embraced Darwinism with full enthusiasm, indeed with beautiful enthusiasm — it must also be said — hoped to solve the riddles of the world and the mysteries of humanity, Eduard von Hartmann argued in his “Philosophy of the Unconscious” that everything that can be understood in this way in the world available to ordinary consciousness must be traced back to spiritual effects that are supernaturally active in everything that lies before us.

[ 44 ] Man kann es heute begreifen, dass eine Philosophie, die also auftritt in eine so hoffnungsreiche Forschungszeit hinein sich stellt, dass einer solchen Philosophie die heftigsten Gegner erwachsen. Und deshalb erwuchs auch der «Philosophie des Unbewussten», die wiederum eine vom Geistigen erfüllte Weltanschauung geben wollte anstelle des auftretenden Materialismus, deshalb erwuchs dieser Philosophie gerade vonseiten der damals so hoffnungsreichen darwinistisch-materialistischen Weltanschauung die heftigste Gegnerschaft. Und diese heftigsten Gegner traten auch auf. Legionen an Schriften waren erschienen, welche die Hartmann’sche Philosophie als etwas Dilettantisches hinstellten, als etwas, das nur von einem Menschen ausgehen könne, der nichts verstehe von dem eigentlichen Nerv und von dem Wesen der neueren Erkenntnis. Alle diese Schriften waren auf einen ähnlichen Ton gestimmt. Nun sehet mal an, da tritt so ein Philosoph auf, der aus seinen Begriffen heraus spinnt irgendetwas, was über das Menschen- und Welträtsel aufklären soll, ohne dass er eine Ahnung davon hat, welche hoffnungsreichen Wege gerade in der neueren Zeit die naturwissenschaftliche Methode geht. Und unter den vielen Schriften — es geschah nun nämlich etwas sehr Merkwürdiges —, unter den vielen Schriften, die vernichtend sein sollten für die Hartmann’sche Philosophie, erschien auch eine von einem Verfasser, der sich nicht nannte — eine Schrift, die alles dasjenige, was Hartmann als geistige Kräfte und Inhalte der Welt in seiner «Philosophie des Unbewussten» behauptet hat, in Grund und Boden hinein kritisierte, und die zeigte, wie dilettantisch man verfahren müsse gleichsam dem hoffnungsvollen Darwinismus, der äußeren Wissenschaft gegenüber, der wirklichen Naturforschung gegenüber, wenn man solches Gedankengespinst wie Eduard von Hartmann aufgestellt hat, wenn man dieses Gedankengespinst dieser hoffnungsreichen Forschung entgegenstellt.

[ 44 ] Today, we can understand that a philosophy that emerges in such a hopeful era of research will inevitably attract fierce opponents. And that is why the “philosophy of the unconscious,” which in turn sought to provide a worldview filled with the spiritual in place of the emerging materialism, encountered the fiercest opposition precisely from the Darwinian -materialistic worldview. And these fierce opponents did indeed appear. Legions of writings appeared that portrayed Hartmann's philosophy as something amateurish, as something that could only come from a person who understood nothing of the actual nerve and essence of newer knowledge. All these writings were written in a similar tone. Now look, here comes a philosopher who spins something out of his concepts that is supposed to shed light on the mystery of man and the world, without having any idea of the promising paths that the scientific method is taking, especially in recent times. And among the many writings—for something very strange happened—among the many writings that were supposed to be devastating for Hartmann's philosophy, there was also one by an author who did not name himself—a writing that thoroughly criticized everything Hartmann claimed to be the spiritual forces and contents of the world in his “Philosophy of the Unconscious,” and showed how amateurish one must proceed, as it were, toward hopeful Darwinism, toward external science, toward real natural science, if one has constructed such a web of ideas as Eduard von Hartmann, if one opposes this web of ideas to this promising research.

[ 45 ] Und es traten dazumal bedeutende Forscher auf wie Oscar Schmidt, der große Darwinist, Ernst Haeckel selber, und viele andere könnten genannt werden, die lasen diese Schrift, die schärfste, scharfsinnigste Schrift gegen Eduard von Hartmann durch, und sie sagten: Da hat einmal einer etwas geschrieben, was auf der Höhe der Naturwissenschaft steht, da hat einer etwas geschrieben, der zeigt dem Hartmann, wie man redet als ein echter Naturforscher gegen dieses dilettantische Geschreibsel, das der Hartmann zustande gebracht hat. Die Schrift war anonym erschienen. Oscar Schmidt und Ähnliche sagten: Er nenne sich uns doch, dieser Anonymus, und wir betrachten ihn als einen der Unsrigen, als einen wahren, auf der Höhe der Naturforschung stehenden Mann. Und eine zweite Auflage, die sehr bald notwendig war, erschien. Da nannte sich der Anonymus: Es war Eduard von Hartmann selber! Es war einmal eine vielleicht selt same, aber doch ordentliche Lektion erteilt allen denjenigen, die da glauben, dass solches nur aus Dilettantismus oder aus Unkenntnis des eigentlichen Nervs und der eigentlichen Wesenheit der Naturforschung entspringt. Nun fingen an diejenigen, die vorher gesagt hatten, er nenne sich uns, hübsch zu schweigen. Und seit jener Zeit trat an die Stelle der bedeutsamen Zustimmung in der ersten Zeit ein tatkräftiges — um das Wort zu gebrauchen —, ein tatkräftiges Schweigen, ein Totschweigen der Hartmann’schen Lebensanschauung.

[ 45 ] And at that time, important researchers such as Oscar Schmidt, the great Darwinist, Ernst Haeckel himself, and many others could be named, read this writing, the sharpest, most astute writing against Eduard von Hartmann, and they said: Here is someone who has written something that is on a par with natural science; someone has written something that shows Hartmann how a true natural scientist speaks out against this dilettantish scribbling that Hartmann has produced. The writing had appeared anonymously. Oscar Schmidt and others said: Let this anonymous author reveal his name to us, and we will consider him one of our own, a true man who stands at the height of natural science. And a second edition, which was soon necessary, appeared. Then the anonymous author revealed his name: it was Eduard von Hartmann himself! Once upon a time, a perhaps strange but nevertheless proper lesson was taught to all those who believe that such things arise only from dilettantism or ignorance of the true essence and nature of natural science. Now those who had previously said that he was calling himself that began to remain silent. And since that time, the significant approval of the early days has been replaced by an energetic—to use the word—an energetic silence, a hushing up of Hartmann's view of life.

[ 46 ] Es war diese Lektion, sehr verehrte Anwesende, imLaufe des neunzehnten Jahrhunderts einmal notwendig aus dem Grunde, um wenigstens einmal ein Exempel zu statuieren für all dasjenige, was auftritt gegen berechtigte Weltanschauungsbestrebungen, und was da glaubt, die Einwände, die man so aus den Ärmeln schütteln kann, die könnte sich nicht derjenige selber machen, dem sie gemacht werden. Gerade gegenüber Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sollten diejenigen, die so leicht verspotten und verhöhnen, etwas lernen aus der Lektion, die dazumal Eduard von Hartmann seinen sogenannten Gegnern gegeben hat. Denn es könnte daraus manches gelernt werden! Die Einwände, die gegen Anthroposophie oder Geisteswissenschaft gemacht werden, sie sind wahrhaftig zumeist nicht so, dass derjenige, der auf dem Boden der Anthroposophie oder Geisteswissenschaft steht, sie sich nicht selber in jedem Augenblick fabrizieren könnte.

[ 46 ] This lesson, dear attendees, was necessary in the course of the nineteenth century in order to set an example, at least once, for all those who oppose legitimate worldview endeavors and who believe that the objections that can be pulled out of thin air could not be made by those to whom they are directed. Especially when it comes to anthroposophy or Spiritual Science, those who are so quick to mock and ridicule should learn something from the lesson that Eduard von Hartmann taught his so-called opponents at that time. For there is much to be learned from it! The objections raised against anthroposophy or Spiritual Science are, in most cases, not such that those who stand on the ground of anthroposophy or Spiritual Science could not fabricate them themselves at any moment.

[ 47 ] Aber es zeigt uns zugleich dieses Auftreten Eduard von Hartmanns, dass der Gedanke eines Bewusstseins über das gewöhnliche Bewusstsein hinaus erschnt wurde von der Geistesbewegung in der neueren Zeit. Und wenn sich heute so viele Menschen stoßen — weil man sich eben an Worten stößt — daran, dass der, der nun spricht von einem astralischen Leibe, etwas, was ungewohnt ist, sagt, so kann verwiesen werden darauf, dass, wenn zwar in hypothetischer und nur abstrakter Weise, doch die Philosophie des neunzehnten Jahrhunderts hinarbeitet — um auch das herauszugestalten, was heute die Anthroposophie oder Geisteswissenschaft dadurch unmittelbar, innerlich geistig gegenständlich erlangt, dass es ihr gelingt, wie es der Chemie gelingt, den Sauerstoff von Wasserstoff abzulösen —, den Willen abzutrennen durch innere, intime geistige Vorgänge von der Körperlichkeit, dadurch ein Bewusstsein wirklich herauszuheben aus den Seelentiefen, [ein Bewusstsein], welches dann mit Hilfe dessen, was Geistes-Auge genannt ist, in die geistige Welt hineinzuschauen vermag.

[ 47 ] But at the same time, Eduard von Hartmann's behavior shows us that the idea of a consciousness beyond ordinary consciousness was born out of the spiritual movement in modern times. And when so many people today take offense — because they take offense at words — at that those who now speak of an astral body are saying something unfamiliar, it can be pointed out that, albeit in a hypothetical and only abstract way, nineteenth-century philosophy is working toward shaping what anthroposophy or Spiritual Science today achieves directly, inwardly, and spiritually by succeeding in separate the will from physicality through inner, intimate spiritual processes, thereby truly lifting consciousness out of the depths of the soul, [a consciousness] which is then able to look into the spiritual world with the help of what is called the spiritual eye.

[ 48 ] Und nicht vereinzelt steht Eduard von Hartmann da. Nur ist wenig Zusammenarbeit auf diesem Gebiete gerade im neunzehnten Jahrhundert gewesen; daher wissen die Forscher so wenig voneinander. Aber wir brauchen nur hinzusehen auf mancherlei Geistesströmungen, die hierher gehören, gerade gegen das Ende des neunzehnten Jahrhunderts, so werden wir diesen Begriff des «inneren Menschen» immer wieder auftauchen sehen. Wir sehen, wie er auftaucht in der amerikanischen Forschung, wie er auftaucht in der Forschung Myers in England, der so viele Bände der psychologischen Untersuchungen /Es folgen im Stenogramm drei unleserliche Zeichen.] Wir sehen, wie da von diesen Forschern: James, Myers und seinen Genossen überall hingewiesen wird auf ein Bewusstsein, das ein anderes Bewusstsein ist als das gewöhnliche alltägliche Bewusstsein, ein Bewusstsein, das in den Untergründen der Seele verborgen liegt, das aber seine Kraftstrahlen hinaufsendet in das gewöhnliche Bewusstsein. Myers, der englische Forscher, hat 1886 — zunächst ohne auf Eduard von Hartmann weiter einzugehen, das ist ja heute so wenig üblich, miteinander zu arbeiten — in einer so eindringlichen Weise auf dieses andere Bewusstsein hingewiesen, dass William James sagt: eine der größten Entdeckungen auf dem Gebiete des menschlichen Seelenlebens sei seit dem Jahre 1886 gemacht, nämlich die des Unterbewusstseins.

[ 48 ] And Eduard von Hartmann is not alone in this. However, there has been little cooperation in this field, especially in the nineteenth century; therefore, researchers know so little about each other. But we need only look at various intellectual currents that belong here, especially towards the end of the nineteenth century, and we will see this concept of the “inner human being” reappearing again and again. We see how it appears in American research, how it appears in the research of Myers in England, who has published so many volumes of psychological studies /Three illegible characters follow in the stenogram.] We see how these researchers: James, Myers, and his colleagues point everywhere to a consciousness that is different from ordinary everyday consciousness, a consciousness that lies hidden in the depths of the soul but sends its rays of power up into ordinary consciousness. Myers, the English researcher, wrote in 1886 — initially without going into further detail about Eduard von Hartmann, as it is so uncommon today to work together — pointed to this other consciousness in such a compelling way that William James said: one of the greatest discoveries in the field of human soul life since 1886 is that of the subconscious.

[ 49 ] Geisteswissenschaft oder Anthroposophie stellt sich wiederum die Aufgabe, auf dieses Unterbewusstsein nicht nur hinzuweisen so, wie auch diese Forscher nur darauf hinwiesen als auf etwas, das mystisch-dunkel unten liegt, das man nicht erreichen könne, das nur in religiösen Bekehrungsversuchen oder in besonderen abnormen Seelenstimmungen zum Ausdruck kommt, Geisteswissenschaft sucht darauf hinzuweisen, dass das nicht nur etwas Unklares ist, sondern dass es in volle Klarheit heraufgeholt werden kann aus dem Untergrund des menschlichen Seelenlebens, und dass der Mensch durch dieses Bewusstsein ebenso schauen kann in die geistige Welt, wie er durch sein Alltagsbewusstsein schauen kann in die physische Welt. So lebt in uns wirklich ein Mensch, der als geistiger Mensch das Ewige anzuschauen vermag. Solange man wie in einem Bilde auf solch eine Tatsache hinweist, wird man ja weniger Widerspruch erleben; wenn man aber die Tatsache als solche ins Auge fasst, sodass sie einem wird, wie es durch Anthroposophie oder Geisteswissenschaft geschieht, eine innerlich ergreifbare Tatsache und eine Summe von inneren Erlebnissen wie die äußeren Tatsachen, wie die äußeren Erlebnisse sind, so erfährt man schon mehr Widerspruch. Allein die ganze Tendenz der Forschung, alle Impulse des neueren Denkens führen den Menschen dahin, durch solches Anschauen auf andere Art, als es die äußere Forschung tut, und durch Anschauen eines anderen Menschen, als der Mensch des gewöhnlichen Bewusstseins ist, das Menschenrätsel zu lösen. Da kommen wir dazu, nicht etwas anderes zu suchen im geistigen Gebiete als uns das Mikroskop enthüllt, sondern wir suchen schon in dem, was den gewöhnlichen Sinnen vorliegt, ein Tieferes. Wir dringen durch die Decke der Sinnenwelt durch in die geistige Welt. Und derjenige, der es aufrichtig in unserer heutigen Zeit mit unseren heutigen Mitteln mit dem Menschenrätsel meint, der findet den Weg, den Anthroposophie oder Geisteswissenschaft einschlägt. Dann wundern sich die Leute, wenn er nun zu reden beginnt — ein solcher, der diesen Weg einschlägt — von einer konkreten geistigen Welt und von geistigen Wesenheiten in dieser Welt. Denn nicht zu einem verwaschenen Pantheismus, zu einem allgemein geistigen Chaos, wie es der Pantheismus annimmt, führt die Geistesforschung oder Anthroposophie, sondern zum konkreten Anschauen einer konkreten geistigen Welt. So wie wir uns äußerlich auch nicht begnügen, bloß Natur und Natur und Natur zu betonen, sondern wie wir die einzelnen Pflanzen, die einzelnen Vorgänge, die einzelnen Tierwesen ansehen, so sieht man die einzelnen geistigen Wesenheiten an. Die Welt ist es, in die man eindringt, in der wir selber sind, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, in der wir waren, ehe wir durch die Geburt in das physische Dasein eingetreten sind, als geistige Menschen.

[ 49 ] Spiritual Science or anthroposophy, in turn, sets itself the task of not only pointing to this subconscious, as these researchers also only pointed to it as something lies mystically and obscurely below, that cannot be reached, that only finds expression in religious attempts at conversion or in special abnormal moods of the soul. Spiritual Science seeks to point out that this is not just something unclear, but that it can be brought up from the depths of human soul life in full clarity, and that through this consciousness, human beings can see into the spiritual world just as they can see into the physical world through their everyday consciousness. Thus, there truly lives within us a human being who, as a spiritual human being, is able to see the eternal. As long as one points to such a fact as if in a picture, one will encounter less opposition; but when one contemplates the fact as such, so that it becomes, as it does through anthroposophy or Spiritual Science, an inwardly graspable fact and a sum of inner experiences just as the outer facts and outer experiences are, then one encounters more opposition. But the whole tendency of research, all the impulses of newer thinking, lead people to solve the riddle of the human being through such contemplation in a different way than external research does, and through contemplating a different human being than the human being of ordinary consciousness. This leads us not to seek anything else in the spiritual realm than what the microscope reveals to us, but to seek something deeper in what is available to the ordinary senses. We penetrate through the ceiling of the sensory world into the spiritual world. And those who are sincerely interested in solving the mystery of the human being in our time, with our present-day means, will find the path that anthroposophy or Spiritual Science takes. Then people are surprised when someone who takes this path begins to speak of a concrete spiritual world and of spiritual beings in this world. For spiritual research or anthroposophy does not lead to a vague pantheism, to a general spiritual chaos, as pantheism assumes, but to a concrete view of a concrete spiritual world. Just as we are not content externally merely emphasizing nature and nature and nature, but just as we look at individual plants, individual processes, individual animal beings, so we look at individual spiritual beings. It is the world into which we enter, in which we ourselves are when we have passed through the gate of death, in which we were before we entered physical existence through birth as spiritual human beings.

[ 50 ] Und so kann man sagen: Nicht dadurch, dass man eine geistige Welt begehrt, kommt man dazu, eine geistige Welt zu behaupten — es wird sogar aus gewissen Gründen der schlechteste Weg sein, das Einzelne kann hier nicht ausgeführt werden, direkt Begierden zu entwickeln, um möglichst viel in der geistigen Welt zu schauen —, sondern dasjenige, was zunächst in der menschlichen Seele entsteht, ist der vorhin charakterisierte seelisch-geistige Hunger, der sich in der Frage nach den Menschenwesen ausdrückt. Und indem man den Weg ehrlich geht mit den Mitteln der neueren menschlichen Entwicklung, tritt man in eine Welt ein, die einem Geistiges darbietet, über die man nur reden kann, wenn man von Geistern spricht so, wie man von der physischen Welt redet, indem man von Körpern spricht. Und diese geistige Forschung, sie gibt nicht nur unmittelbar Aufschluss über dasjenige, was unsere Umgebung ist, sondern in einer gewissen Weise gibt sie Aufschluss - wirklich auch in einer anderen Weise, als dies die äußere Forschung kann - über den gesamten Weltenbau.

[ 50 ] And so we can say: it is not by desiring a spiritual world that we come to affirm a spiritual world — for certain reasons, it may even be the worst way, which cannot be explained here in detail, to develop direct desires to see as much as possible in the spiritual world — but rather, what first arises in the human soul is the soul-spiritual hunger characterized earlier, which is expressed in the question about human beings. And by honestly following the path with the means of recent human development, one enters a world that offers one spiritual things that one can only talk about if one speaks of spirits in the same way as one speaks of the physical world, by speaking of bodies. And this spiritual research not only provides immediate insight into our surroundings, but in a certain way it also provides insight — indeed, in a different way than external research can — into the entire structure of the world.

[ 51 ] Und darüber sei eine Bemerkung hier eingefügt, die ja etwas gewagt ist, weil ich im Rahmen eines einzelnen Vortrages nur Forschungsergebnisse der Anthroposophie anführen kann und mich nicht auf einzelne Details des Beweises einlassen kann, aber ich will doch, so paradox es aussehen mag, Einzelnes doch mitteilen, damit man daraus sieht, wie anders die Wege der Geistesforschung sind zu den Menschenrätseln hin, als die Wege der äußeren physischen Forschung. Wiederum kann man anknüpfen, wie ich schon vorgestern betont habe, mit aller Geistesforschung an die schönen gesunden Anfänge der Goethe’schen Weltanschauung. Goethe hat auch in Anknüpfung an [Martius] und an andere eine schöne Abhandlung geschrieben «Über die Spiraltendenz der Pflanzen». Er richtet also den Blick zunächst wiederum auf die äußere Welt hin. Den Blick richtet er hin auf die Pflanzen, wie sie Blatt nach Blatt ansetzen; aber dass das Blatt in einer Spirale nach oben schreitet, das heißt, [dass] die Anordnung der einzelnen Blattansätze in einer Spirale gewissermaßen geordnet ist. Diese Art und Weise, wie die einzelnen Blätter geordnet sind, was das für eine Linie gibt, die Ansätze der Blätter, die sich nach und nach bilden, wenn man das ins Auge fasst, und wenn man — Goethe ist in Anfängen stehen geblieben —, wenn man manches fortsetzt, wovon bei Goethe gesunde Anfänge gegeben sind, dann findet man, dass dieses spiralige Anordnen der Blätter der Pflanzen keineswegs erklärt werden kann aus der Pflanze selber, sondern die geistige Anschauung, die uns über das Sinnliche hinausführt, zeigt uns, dass da aus dem Weltenall selber bewegende Kräfte hereinwirken, dieselben bewegenden Kräfte, die in den Planeten wirken und die den Gang des Blattwachstums regeln. Wie gesagt, es klingt zunächst paradox, weil ich es nicht im Einzelnen ausführen kann, dazu reicht die Zeit nicht aus, aber man kann studieren an der Anordnung der Blätter die Stellung und Bewegung der Erde im Raum, und ihr Verhältnis in der Bewegung zu anderen Planeten. Das heißt: In der Pflanze drückt sich aus dasjenige, was im großen Weltenbau draußen ist. Und eine Aussicht, eine wunderbare Perspektive eröffnet sich.

[ 51 ] And here I would like to insert a remark that is somewhat daring, because in the context of a single lecture I can only cite the research results of anthroposophy and cannot go into individual details of the evidence, but I would nevertheless like to share a few things, paradoxical as it may seem, so that you can see how different the paths of spiritual research are to the mysteries of humanity than the paths of external physical research. Once again, as I emphasized the day before yesterday, all spiritual research can be linked to the beautiful, healthy beginnings of Goethe's worldview. Goethe also wrote a beautiful treatise, following on from [Martius] and others, “On the Spiral Tendency of Plants.” . So he first turns his gaze back to the external world. He focuses on plants and how they attach leaf after leaf; but the fact that the leaf ascends in a spiral that is, [that] the arrangement of the individual leaf bases is ordered in a spiral, so to speak. This way in which the individual leaves are arranged, what kind of line this produces, the bases of the leaves that gradually form, when one considers this, and when one—Goethe remained at the beginning—when one continues some things, of which Goethe has provided sound beginnings, then one finds that this spiral arrangement of the leaves of plants cannot be explained by the plant itself, but rather the spiritual view that leads us beyond the sensual shows us that there are moving forces at work here from the universe itself, the same moving forces that are at work in the planets and that regulate the course of leaf growth. As I said, it sounds paradoxical at first, because I cannot explain it in detail; there is not enough time for that, but one can study the position and movement of the Earth in space from the arrangement of the leaves, and its relationship in motion to other planets. That is to say: what is outside in the great structure of the world is expressed in the plant. And a view, a wonderful perspective, opens up.

[ 52 ] Zu der Forschung, die in einer so schönen, so gewaltigen Weise in die Bewegung der Himmelskörper seit Kopernikus hinausgeführt hat, wird sich eine Erkenntnis gesellen, die uns aus der Anschauung desjenigen, was unmittelbar im Raum, im Himmelsraum uns vorliegt — wenn wir es geisteswissenschaftlich erforschen —, zu der Form von Himmelsbahnen führt. Diese Forschung wird sich vereinigen mit der Kopernikanisch-Kepler’schen Forschung, und hier wird sich eine bedeutungsvolle wissenschaftliche Zukunft ergeben. Doch wie gesagt, so paradox es klingt, ich wollte es doch kurz erwähnen, aber ich kann es nur kurz erwähnen. Und so, wie — und wiederum liegt das im Ausbau der bloßen Goethe’schen Weltanschauung —, so wie in der Pflanze zum Ausdruck kommt etwas Kosmisches, so kommt im ganzen Menschen — aber in diesem geistigen Menschen, den wir finden, wenn wir den Willen loslösen von den Trieben, vom Körperlichen — ein Kosmisches zum Ausdruck. Und man erlebt in dem Inneren wirklich mikrokosmisch — wie man das genannt hat — den Makrokosmos mit. Man muss nur lernen, durch Erwachen des inneren Bewusstseins, des geistigen Bewusstseins, den makrokosmischen Menschen mitzuerleben, und man wird auf diese Weise den Weg finden von der gewöhnlichen Anschauung zu etwas, was zur Auflösung des Menschenrätsels, soweit es dem Menschen jetzt schon gestattet ist, führen kann.

[ 52 ] The research that has been carried out in such a beautiful, powerful way into the movement of the heavenly bodies since Copernicus will be joined by a realization that leads us from the observation of what is immediately before us in space, in the heavenly space — if we explore it through Spiritual Science — leads to the form of celestial orbits. This research will unite with the research of Copernicus and Kepler, and a significant scientific future will emerge here. But as I said, as paradoxical as it sounds, I wanted to mention it briefly, but I can only mention it briefly. And just as — and again, this lies in the expansion of Goethe's worldview — just as something cosmic is expressed in the plant, so too is something cosmic expressed in the whole human being — but in this spiritual human being, whom we find when we detach the will from the instincts, from the physical. And one truly experiences the microcosm within — as it has been called — the macrocosm. One only has to learn, through the awakening of inner consciousness, of spiritual consciousness, to experience the macrocosmic human being, and in this way one will find the path from ordinary perception to something that can lead to the solution of the human riddle, as far as this is already possible for human beings.

[ 53 ] Wiederum ist es durch eine Erweiterung, durch eine Umgestaltung, durch eine Metamorphosierung des Bewusstseins, nicht durch ein Verwenden des gewöhnlichen Bewusstseins, wie es ist, was in das Menschenrätsel hineinführt. So bewahrheitet sich dasjenige für den Geistesforscher, was vorgestern charakterisiert worden ist, wie der Mensch aus dem Traum erwacht und durch das Eingreifen seines Willens in die Außenwelt dasjenige, was sonst Traumerlebnis ist, verbindet mit der Außenwelt und dadurch es zu realen Vorstellungen erhebt. Wie er dadurch sein Ich real macht, wenigstens als real empfindet, so wacht der Mensch auf, indem er den inneren Menschen erweckt, der sich des Geistesauges, des Geistesohres im ätherischen Leibe bedient — um diesen Ausdruck Goethes zu gebrauchen.

[ 53 ] Again, it is through an expansion, a transformation, a metamorphosis of consciousness, not through the use of ordinary consciousness as it is, that one enters into the mystery of the human being. Thus, what was characterized the day before yesterday as the human being awakens from a dream and, through the intervention of his will in the outer world, connects what is otherwise a dream experience with the outer world and thereby elevates it to real mental images. Just as he thereby makes his ego real, or at least feels it to be real, so man awakens by awakening the inner human being who makes use of the spiritual eye and the spiritual ear in the etheric body — to use Goethe's expression.

[ 54 ] Und wenn Sie das alles zusammennehmen, was auch über die philosophische Bearbeitung des Unterbewusstseins gesagt worden ist, so werden Sie wieder finden: Es ist nichts willkürlich dargestellt in Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, sondern etwas, wohin der Gang der Menschenentwicklung, der menschlichen Geistesentwicklung geht. Sehnsüchte, die da sind, werden gestillt durch dasjenige, was Geisteswissenschaft, jetzt nicht wie bei Hartmann oder bei Myers oder bei James als eine Hypothese hinstellt, sondern es zu einer Tatsächlichkeit macht, indem wirklich der innere Mensch losgelöst wird von demjenigen Menschen, der im gewöhnlichen Bewusstsein von sich weiß, indem wirklich aufgeweckt wird ein höheres Bewusstsein im gewöhnlichen Bewusstsein, dem gegenüber das gewöhnliche Bewusstsein so wie in der Traumwelt lebend erscheint, wie eben der Mensch schlafend in einer Traumwelt leben kann gegenüber dem gewöhnlichen Bewusstsein. Das alles sind Realitäten.

[ 54 ] And if you take all this together, including what has been said about the philosophical treatment of the subconscious, you will find once again that nothing is presented arbitrarily in Spiritual Science or anthroposophy, but rather something toward which human development, human spiritual development, is heading. Longings that exist are satisfied by what Spiritual Science, unlike Hartmann, Myers, or James, does not present as a hypothesis, but makes a reality by truly detaching the inner human being from the human being who is aware of himself in ordinary consciousness, by truly awakening a higher consciousness within ordinary consciousness, in relation to which ordinary consciousness appears as alive as in the dream world, just as a person can live in a dream world while asleep in relation to ordinary consciousness. All of these are realities.

[ 55 ] Aber tiefergehende Menschen, Menschen, die Selbstbeobachtung mit Weltbeobachtung zusammenbringen konnten, sie haben immer eine Empfindung davon gehabt, dass es so ist, dass der Mensch wirklich ein höheres Bewusstsein erwerben kann, während sein gewöhnliches Bewusstsein sich zu diesem höheren Bewusstsein verhält wie die Traumwelt, die Bilderwelt des Traumes, zu den Erfahrungen des alltäglichen Lebens. Nur auf eines soll dahin gewiesen werden, auf das ich ebenfalls hingewiesen habe auch in meinem Buch «Vom Menschenrätsel», das kürzlich erschienen ist, auf eines: wie Johann Gottlieb Fichte, der Vater von Immanuel Hermann Fichte, sich voll bewusst war, dass es ein höheres Bewusstsein geben müsse gegenüber dem gewöhnlichen Bewusstsein. Daher schildert er die Welt des gewöhnlichen Bewusstseins auf merkwürdig paradoxe Art. Aber die Paradoxie hört auf, wenn man vom Gesichtspunkt der Anthroposophie das Verhältnis des gewöhnlichen Bewusstseins zu dem schauenden Bewusstsein ins Auge fasst. Fichte sagt: «Bilder sind: sie sind das Einzige» — Bilder, darauf hindeutend, dass unser Ich selber nur Bild ist und Bild von Bild weiß, wenn wir im gewöhnlichen Leben drinnenstehen —, «Bilder, die vorüberschweben, ohne dass etwas sie zusammenhängt».

[ 55 ] But people of greater depth, people who have been able to combine self-observation with observation of the world, have always had a sense that this is the case, that human beings can truly acquire a higher consciousness, while their ordinary consciousness relates to this higher consciousness as the dream world the world of images in dreams, to the experiences of everyday life. Only one thing should be pointed out, which I have also pointed out in my book “Vom Menschenrätsel” (The Riddle of Man), which was recently published: how Johann Gottlieb Fichte, the father of Immanuel Hermann Fichte, was fully aware that there must be a higher consciousness in relation to ordinary consciousness. Therefore, he describes the world of ordinary consciousness in a strangely paradoxical way. But the paradox ceases when one considers the relationship between ordinary consciousness and contemplative consciousness from the point of view of anthroposophy. Fichte says: “Images are: they are the only thing” — images, indicating that our ego itself is only an image and knows images from images when we are in ordinary life — “images that float by without anything connecting them.”

[ 56 ] So wie das wache Bewusstsein sich klar darüber wird, dass das Traumbewusstsein nur etwas ist, das die körperlichen Vorgänge begleitet, und das erklärt werden muss aus dem Wachbewusstsein — nicht umgekehrt kann man das Wachbewusstsein aus dem Traumbewusstsein erklären —, so weiß derjenige, der in Anthroposophie oder Geisteswissenschaft eindringt, dass das gewöhnliche Bewusstsein mit seinem Inhalt erklärt werden muss aus den Gebieten der geistigen Welt, in das eindringt das erwachte schauende Bewusstsein.

[ 56 ] Just as waking consciousness becomes clear that dream consciousness is only something that accompanies physical processes and must be explained from waking consciousness — not the other way around, one cannot explain waking consciousness from dream consciousness — so those who delve into anthroposophy or Spiritual Science know that ordinary consciousness and its content must be explained from the realms of the spiritual world, into which awakened, observing consciousness penetrates. p>

[ 57 ] So sehen wir, wie Geisteswissenschaft oder Anthroposophie durchaus nicht entgegen dem echten wissenschaftlichen Gang der neueren Zeit ist. Das ist es auch, was zu dem Wesentlichsten, Charakteristischsten der Anthroposophie gehört: dass Anthroposophie oder Geisteswissenschaft nicht wie ähnliche Bestrebungen früherer Zeit oder auch der Gegenwart anknüpft unmittelbar an religiöses Leben, sondern anknüpft an wissenschaftliches Leben und dazu Beziehungen sucht. Und dieser Unterschied wird gewöhnlich nicht hinlänglich genug ins Auge gefasst. Man verwechselt immer wieder und wiederum auch Anthroposophie oder Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, mit älteren oder zeitgenössischen mystischen Bestrebungen, die ihren Ausgangspunkt, ihren Ursprung aus religiösem Erleben heraus nehmen. Wohin auch Anthroposophie in religiöser Hinsicht zunächst führen mag, ihr Ursprung ist im wissenschaftlichen Erleben. Dasjenige, was wissenschaftliche Bedürfnisse der neueren Zeit sind, hat Geisteswissenschaft oder Anthroposophie hervorgebracht. Daher unterscheidet sich auch diese Anthroposophie oder Geisteswissenschaft in mancherlei Hinsicht von mit ihr verwechselten mystischen oder sonstigen Bestrebungen, die aus diesem oder jenem Religionsbekenntnis hervorgehen oder hervorgegangen sind. Diese letzteren nehmen immer einen subjektiven Charakter an und führen daher zur Sektiererei. Anthroposophie oder Geisteswissenschaft kann niemals zu Sektiererei oder zum Subjektivismus führen, zu dem Sich-Abschließen in einem gewissen subjektiven religiösen Erleben, sondern Anthroposophie oder Geisteswissenschaft, weil sie aus wissenschaftlichem Bedürfnis heraus hervorgegangen ist, wird den Charakter annehmen, den die Wissenschaft trägt, den Charakter des Gültig-Seins für alle Menschen, den Charakter, dass sie verstanden werden kann von allen Menschen, wie Wissenschaft von allen Menschen verstanden und begriffen werden kann, nur in einem noch viel höheren Grade, wie ich schon vorgestern bemerkte.

[ 57 ] Thus we see how Spiritual Science or anthroposophy is by no means contrary to the genuine scientific approach of modern times. This is also one of the most essential and characteristic features of anthroposophy: that anthroposophy or Spiritual Science does not, like similar endeavors of earlier times or even of the present, connect directly with religious life, but rather connects with scientific life and seeks relationships with it. And this difference is usually not sufficiently taken into account. Time and again, anthroposophy or Spiritual Science, as it is meant here, is confused with older or contemporary mystical endeavors that take their starting point, their origin, from religious experience. Wherever anthroposophy may initially lead in religious terms, its origin is in scientific experience. Spiritual science or anthroposophy has produced what the scientific needs of modern times have given rise to Spiritual Science or anthroposophy. This is why Spiritual Science or anthroposophy differs in many respects from the mystical or other endeavors with which it is confused, which arise or have arisen from this or that religious creed. The latter always take on a subjective character and therefore lead to sectarianism. Anthroposophy or Spiritual Science can never lead to sectarianism or subjectivism, to closing oneself off in a certain subjective religious experience. Rather, because it has arisen out of scientific need, anthroposophy or Spiritual Science will take on the character that science bears, the character of being valid for all people, the character of being understandable to all people, just as science can be understood and comprehended by all people, only to a much higher degree, as I remarked the day before yesterday.

[ 58 ] Aber auch anderes folgt aus dieser Voraussetzung. Man hat ja gesehen, man hat es erlebt, wie gerade diejenige Art von Wissenschaftlichkeit, welche charakterisiert worden ist im Anfang des Vortrags, die Menschen abgebracht hat von einem wirklichen religiösen Leben. Haben wir es nicht erlebt, wie die Menschen, die aufgeklärt sein wollten durch die neuere materialistische naturwissenschaftliche Weltanschauung, wie die abkamen vom wirklichen religiösen Leben? Wie sie glaubten, die Aufklärung gerade darinnen suchen zu müssen, dass sie das wirkliche religiöse Leben aufgaben? An Geisteswissenschaft oder Anthroposophie wird man das Gegenteil erleben, trotzdem heute vielleicht gerade viele Vertreter von Religionsgemeinschaften irrtümlicherweise glauben, dass Anthroposophie oder Geisteswissenschaft ihrem Religionsbekenntnis Eintrag tun könne. Das wird sie nicht. Sie wird das Gegenteil bringen. Wie die äußere Wissenschaft die Menschen vielfach entfernt hat vom religiösen Erleben, so wird Geisteswissenschaft oder Anthroposophie die Menschen zum Religiösen wieder hinführen, nicht bloß zu einer religiösen Anschauung, sondern zur praktischen Religionsübung hinführen, weil Geisteswissenschaft von einer ganz anderen Seite her dennoch das religiöse Leben entzündet und das religiöse Verständnis entzündet. Den größten Irrtümern geben sich diejenigen hin, die da glauben, ihrer Religion dadurch zu dienen, dass sie gegen Geisteswissenschaft oder Anthroposophie auftreten. Sie würden ihrer Religion viel mehr dienen, wenn sie gerade hinwiesen darauf, dass diese Geisteswissenschaft, der Weg durch diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie der modernste Weg ist, um die Menschen zum Verständnis des religiösen Erlebens hinzuführen. So im Ganzen, aber so auch im Einzelnen.

[ 58 ] But something else also follows from this premise. We have seen, we have experienced, how precisely the kind of scientific approach that was characterized at the beginning of this lecture has led people away from a real religious life. Have we not experienced how people who wanted to be enlightened by the newer materialistic scientific worldview, how they turned away from real religious life? How they believed they had to seek enlightenment precisely by giving up real religious life? In Spiritual Science or anthroposophy, we will experience the opposite, even though today many representatives of religious communities mistakenly believe that anthroposophy or Spiritual Science could interfere with their religious beliefs. It will not. It will bring about the opposite. Just as external science has in many ways distanced people from religious experience, Spiritual Science or anthroposophy will lead people back to religion, not merely to a religious view, but to the practical practice of religion, because Spiritual Science nevertheless ignites religious life and religious understanding from a completely different angle. Those who believe they are serving their religion by opposing Spiritual Science or anthroposophy are committing the greatest error. They would serve their religion much more by pointing out that this Spiritual Science, the path through this Spiritual Science or anthroposophy, is the most modern way to lead people to an understanding of religious experience. This is true in general, but also in detail.

[ 59 ] Geisteswissenschaft oder Anthroposophie entwickelt sich in gerader Linie, wie heute auch historisch gezeigt worden ist, aus dem wissenschaftlichen Leben heraus. Aber sie führt dadurch, dass sie den Menschen vertieft, dass sie den Geistes-Menschen hebt aus dem gewöhnlichen Menschen heraus, sie führt auch zu einem tieferen Verständnis, sagen wir zunächst, zu dem tieferen Verständnis des Christentums.

[ 59 ] Spiritual Science or anthroposophy develops in a straight line, as has been shown historically today, out of scientific life. But by deepening the human being, by lifting the spiritual human being out of the ordinary human being, it also leads to a deeper understanding, let us say first of all, to a deeper understanding of Christianity.

[ 60 ] Sehr verehrte Anwesende! Ich glaube nicht, dass derjenige das Christentum wirklich voll versteht und wirklich liebt und wirklich es in seiner Größe erkennt, der in Geisteswissenschaft oder Anthroposophie einen Feind sehen kann des Christentums! Der liebt das Christentum wenig und erkennt es wenig in seiner Größe, der nicht anerkennen wollte, dass dieses Christentum trotz seiner Größe, noch nicht all sein Großes bisher herausgekehrt hat. Oder wollte man etwa dann, wenn man auf dasjenige, was man in der heutigen Zeit erlebt, hinweist, behaupten, dass das Christentum schon all seine Größe herausgestellt hat und alles, was jetzt geschieht, als eine Folge des Christentums anschen, das man nicht mehr versteht? Besser, wenn man weiß: Da ist noch vieles Christliche hineinzutragen in die Entwicklung der Menschen, zur Verbesserung und zum Heile des sozialen und des sonstigen Lebens der Menschheit!

[ 60 ] Dear attendees! I do not believe that anyone who sees Spiritual Science or anthroposophy as an enemy of Christianity truly understands and loves Christianity and truly recognizes its greatness! Anyone who does not want to acknowledge that Christianity, despite its greatness, has not yet revealed all its greatness. Or would one then, when pointing to what one experiences in the present time, claim that Christianity has already revealed all its greatness and regard everything that is happening now as a consequence of Christianity that one no longer understands? It is better to know that there is still much that is Christian to be brought into the development of human beings, for the improvement and salvation of the social and other aspects of human life!

[ 61 ] Geisteswissenschaft oder Anthroposophie wird einer der Wege sein — und immer neue Wege werden entstehen —, um die Menschen zu dem, was in den Tiefen des Christentums liegt, hinzuführen. Und immer wieder und wiederum muss ich gedenken, indem ich dieses ausspreche, jetzt nicht eines Naturforschers, sondern eines katholischen Geistlichen, eines katholischen Priesters, der in den Neunzigerjahren Rektor einer Universität war und der seine Rektoratsrede über Galilei gehalten hat, und, als katholischer Priester, auf die tiefe naturwissenschaftliche Bedeutung des von der Kirche einst verketzerten Galilei hingewiesen hat, als Mitglied einer katholischen theologischen Fakultät auf die volle Größe würdigend hingewiesen hat. Dieser selbe katholische Priester, dieser tiefe, bedeutsame Theologe und Philosoph hat es aber auch in derselben Rede ausgesprochen, wie unrecht man damit hat, wenn man gegenüber der wirklich gut verstandenen Naturwissenschaft davon spricht, dass diese Naturwissenschaft dem Christentum sich wahrhaft feindlich erweisen könnte. Nur die missverstandene Naturwissenschaftstheorie, nicht die wahre Naturwissenschaft kann dem Christentum feindselig gegenüberstehen. Und dieser Katholik sagt — ich habe das auch in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» zitiert:

[ 61 ] Spiritual Science or anthroposophy will be one of the ways — and new paths will always emerge — to lead people to what lies in the depths of Christianity. And again and again, as I say this, I am reminded not of a natural scientist, but of a Catholic clergyman, a Catholic priest who was rector of a university in the 1990s and who gave his rector's speech on Galileo, and, as a Catholic priest, pointed out the profound scientific significance of Galileo, who was once denounced as a heretic by the Church, and, as a member of a Catholic theological faculty, acknowledged his full greatness. But this same Catholic priest, this profound and significant theologian and philosopher, also said in the same speech how wrong it is to say, with regard to truly well-understood science, that it could prove truly hostile to Christianity. Only a misunderstood theory of natural science, not true natural science, can be hostile to Christianity. And this Catholic says—I have also quoted this in my book “The Mystery of Man”:

[ 62 ] Das positive Christentum hat keinen Grund, sich gegen den Entwicklungsgedanken als solchen ablehnend zu verhalten, wenn der Naturprozess nicht lediglich als von Ewigkeit auf sich gestellter kausaler Mechanismus gefasst, und wenn der Mensch nicht als Produkt desselben hingestellt wird.

[ 62 ] Positive Christianity has no reason to reject the idea of evolution as such, if the natural process is not understood merely as a causal mechanism established from eternity, and if man is not presented as a product of it.

[ 63 ] Und derselbe Laurenz Müllner spricht es ausdrücklich aus:

[ 63 ] And Laurenz Müllner himself expresses it explicitly:

[ 64 ] So kam die neue Weltanschauung

[ 64 ] Thus came the new worldview

[ 65 ] — er meint die naturwissenschaftliche von Galilei —

[ 65 ] — he means Galileo's scientific worldview —

[ 66 ] vielfach in den Schein eines Gegensatzes zu Meinungen, die in sehr fraglichem Rechte ihre Abfolge aus den Lehren des Christentums behaupteten. Es handelte sich vielmehr um den Gegensatz des erweiterten Weltbewusstseins einer neuen Zeit zu dem enger geschlossenen der Antike, um einen Gegensatz zur griechischen, nicht aber zur richtig verstandenen christlichen Weltanschauung, die in den neu entdeckten Sternenwelten nur neue Wunder göttlicher Weisheit hatte sehen dürfen, wodurch die auf Erden vollzogenen Wunder göttlicher Liebe nur höhere Bedeutung gewinnen können.

[ 66 ] often appeared to be in opposition to opinions which, with very questionable justification, claimed to be derived from the teachings of Christianity. Rather, it was a contradiction between the expanded world consciousness of a new era and the more narrowly closed consciousness of antiquity, a contradiction with the Greek worldview, but not with the correctly understood Christian worldview, which was allowed to see only new wonders of divine wisdom in the newly discovered star worlds, whereby the miracles performed on earth divine love performed on earth could only gain greater significance.

[ 67 ] Das ist ein wirklich katholischer Priester, ein im echt christlichen Sinne denkender Mann zugleich, der weiß, dass das Christentum nicht gefährdet ist, wenn die Wunder der göttlichen Schöpferkraft in neu entdeckten Welten gesucht werden, und dass durch dasjenige, was an Naturgesetzen gefunden wird, nicht entgegengearbeitet wird der Erkenntnis der durch Christus auf Erden vollzogenen Wunder göttlicher Liebe, sondern dass diese dadurch nur höhere Bedeutung gewinnen. So kann man auch sagen — was ich mir auszusprechen erlaubte in meinem Buche «Vom Menschenrätsel»:

[ 67 ] This is a truly Catholic priest, a man who thinks in a genuinely Christian sense, who knows that Christianity is not endangered when the miracles of divine creative power are sought in newly discovered worlds, and that what is found in the laws of nature does not work against the recognition of the miracles of divine love performed by Christ on earth, but that these only gain greater significance as a result. So one can also say — as I allowed myself to express in my book “The Mystery of Man”:

[ 68 ] Das positive Christentum hat keinen Grund, sich gegen den Gedanken eines Geisterlebnisses in der Seele als solchen ablehnend zu verhalten, wenn das Geisterlebnis nicht zur Ertötung des religiösen Andachts- und Erbauungs-Erlebnisses führt und wenn die Seele nicht vergottet wird.

[ 68 ] Positive Christianity has no reason to reject the idea of a spiritual experience in the soul as such, if the spiritual experience does not lead to the death of religious devotion and edification, and if the soul is not deified.

[ 69 ] Und eigentlich kann man mit Laurenz Müllner, dem katholischen Priester, sagen:

[ 69 ] And actually, one can say with Laurenz Müllner, the Catholic priest:

[ 70 ] Die Weltanschauung des deutschen Idealismus kam vielfach in den Schein eines Gegensatzes zu Meinungen, die in sehr fraglichem Rechte ihre Abfolge aus den Lehren des Christentums behaupten. Es handelte sich vielmehr um den Gegensatz einer Weltanschauung, welche die Geistwesenheit der Seele anerkennt zu einer solchen, welche zu dieser Geistwesenheit keinen Zugang finden kann, um einen Gegensatz zur missverstandenen naturwissenschaftlichen Vorstellungsart, nicht aber zur richtig verstandenen christlichen Weltanschauung, die in den rechten Geist-Erlebnissen der menschlichen Seele nur Offenbarungen göttlicher Macht und Weisheit sehen durfte, wodurch die Erlebnisse der religiösen Andacht und Erbauung sowie die Kräfte zu liebegetragener Menschenpflicht eine weitere Verstärkung gewinnen können.

[ 70 ] The worldview of German idealism often appeared to be in opposition to opinions that claim, with very questionable justification, to be derived from the teachings of Christianity. Rather, it was a contradiction between a worldview that recognizes the spiritual nature of the soul and one that cannot access this spiritual nature, a contradiction to the misunderstood scientific way of thinking, but not to the correctly understood Christian worldview, which was only allowed to see revelations of divine power and wisdom in the true spiritual experiences of the human soul, whereby the experiences of religious devotion and edification, as well as the strength to carry out the duties of love.

[ 71 ] So wie niemand hat zu fürchten gebraucht, als Amerika entdeckt wurde, dass, weil innerhalb Amerikas ja Menschen wohnen mussten, die nichts von Christus wussten, dass die Entdeckung Amerikas daher gefährlich werden könnte, weil der Unglaube von daher kommen könnte, ebenso wenig, wie da irgendjemand die Entdeckung Amerikas als eine Gefährlichkeit für das Christentum ansehen konnte, ebenso wenig sollte man die Entdeckung von geistigen Welten für eine Gefahr für das Christentum ansehen. Denn so, wie derjenige, der das Christentum in seiner inneren Tragkraft kennt, weiß, dass dasjenige, was das Christentum in sich enthält, eine Fähigkeit hat, überall, auch in allen noch unbekannten physischen Welten sich auszubreiten, so weiß derjenige, der Christentum einerseits und Geistesforschung auf der anderen Seite versteht, dass das Christentum in sich einen Inhalt hat, der an Größe nicht verliert, an Größe und Überkraft nur gewinnt gegenüber allen möglichen Geistwelten, die durch Geistesforschung oder Anthroposophie noch gefunden werden. Und klein im Grunde genommen denkt der von der Tragkraft des Christentums, der es nicht so groß denkt, dass er sich sagt: So wie keine physische Forschung jemals dem Christentum gefährlich werden könnte, so kann auch keine geistige Forschung dem Christentum gefährlich werden! Denn ebenso wenig, wie jemand behaupten darf: Weil über die Geografie von Amerika oder über die Verhältnisse von Amerika nichts in den Evangelien steht, deshalb dürfe man von Amerika nicht sprechen, ebenso wenig kann jemand behaupten, wenn er das Christentum richtig versteht: Deshalb, weil in den Evangelien scheinbar nichts steht von den wiederholten Erdenleben oder von dem Hineindringen in geistige Welten, wie Anthroposophie oder Geisteswissenschaft sagt, dürfe man nicht von ihr sprechen. Wer das Christentum in der richtigen Größe erkennt und versteht, wer es liebt in seiner Wirkungsweise in der Welt, der wird gerade, um dem Christentum dienen zu können durch dasjenige, was in dem Menschen entzündet wird durch Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, der letzteren nicht feindlich gegenüberstehen. Und es kann sogar sein, dass man es unchristlich finden könnte, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie vom Gesichtspunkte des Christentums entgegenzutreten. Ausrotten wird man dasjenige, was so tief verankert ist in dem neueren Geistesstreben, wie das gezeigt worden ist, ganz gewiss aber nicht!

[ 71 ] Just as no one needed to fear, when America was discovered, that because there must be people living in America who know nothing of Christ, the discovery of America could therefore be dangerous, because unbelief could come from there, just as no one could regard the discovery of America as a danger to Christianity, nor should the discovery of spiritual worlds be regarded as a danger to Christianity. For just as those who know Christianity in its inner significance know that what Christianity contains within itself has the ability to spread everywhere, even in all as yet unknown physical worlds, so those who understand Christianity on the one hand and spiritual research on the other know that Christianity has a content that does not lose in greatness, but only gains in greatness and superpower in comparison to all possible spiritual worlds that may yet be found through spiritual research or anthroposophy. And basically, those who think small about the power of Christianity, who do not think it so great that they say to themselves: Just as no physical research could ever be dangerous to Christianity, so no spiritual research can be dangerous to Christianity! For just as no one can claim that because there is nothing in the Gospels about the geography of America or the conditions in America, one should not speak of America, so too, if one understands Christianity correctly, one cannot claim that because the Gospels apparently say nothing about repeated earthly lives or about entering spiritual worlds, as anthroposophy or Spiritual Science says, one should not speak of it. Those who recognize and understand Christianity in its true magnitude, who love it in its effect on the world, will, precisely in order to be able to serve Christianity, be inspired by what is kindled in human beings by Spiritual Science or anthroposophy, will not be hostile to the latter. And it may even be that one could find it unchristian to oppose Spiritual Science or anthroposophy from the point of view of Christianity. But what is so deeply rooted in the newer spiritual striving, as has been shown, will certainly not be eradicated!

[ 72 ] Nur so viel sei für diesmal über die unberechtigten Angriffe gegen Geisteswissenschaft von religiöser Seite her gesagt. Diese Angriffe gegen Geisteswissenschaft kommen ja von allen Seiten. So wie sie aus der Wissenschaft entsprungen ist, diese Geistesforschung, so wird sie selbstverständlich von der herrschenden Wissenschaft als etwas Dilettantisches angesehen. Aber wenn man eingeht auf dasjenige, was sich gerade in den letzten Jahrzehnten mit Bezug auf die äußere Wissenschaft abgespielt hat, ich möchte sagen eingeht auf die wichtige Selbsterkenntnis der Menschheit, die sich da vollzogen hat, dann wird man Mut und inneren Entschluss genug in sich entwickeln können, um an den Fortschritt von Anthroposophie oder Geisteswissenschaft in rechter Weise begründet glauben zu können. Ich habe ja schon darauf hingewiesen, wie sehr den Rückzug antreten mussten gewisse Menschen, die in Eduard von Hartmann, der vorerst nur Philosoph war über die geistige Welt, die in Eduard von Hartmann nur den Dilettanten sehen wollten, wie der ihnen gezeigt hat, dass er dasjenige weiß, was sie wissen, und zu beurteilen vermag, und nur noch manches andere! Aber dieser Gang der naturwissenschaftlichen Forschung, er ist überhaupt lehrreich, insofern diese naturwissenschaftliche Forschung zu einer Weltanschauung hat führen wollen. Denn nichts soll gegen die naturwissenschaftliche Forschung eingewendet werden, wenn sie sich in ihren Grenzen hält, in denen sie ja so bewunderungswürdige Erfolge gezeitigt hat. Aber bedenken wir: Als Eduard von Hartmann auftrat, hatte er seine hauptsächlichsten Gegner unter denjenigen — gewiss, viele wollen heute über Haeckel hinaus sein, aber in den populären und laienhaften Kreisen wird ja immer noch genug Haeckelismus getrieben —, aber die ärgsten Anfechtungen hatte Eduard von Hartmann erfahren von denjenigen, die da glaubten, in dem neu eroberten Darwinismus die echte Grundlage einer Weltanschauung zu finden, einer für die Neuzeit allein geeigneten Weltanschauung.

[ 72 ] That is all that needs to be said for now about the unjustified attacks on Spiritual Science from the religious side. These attacks on Spiritual Science come from all sides. Since spiritual research has its origins in science, it is naturally regarded as something amateurish by the prevailing scientific community. But if one considers what has happened in relation to external science in recent decades, I would say, the important self-knowledge of humanity that has taken place there, then one will be able to develop enough courage and inner determination to believe in the progress of anthroposophy or Spiritual Science in a properly founded way. I have already pointed out how much certain people had to retreat who, in Eduard von Hartmann, who was initially only a philosopher, saw only the spiritual world, who wanted to see only the dilettante in Eduard von Hartmann, when he showed them that he knew what they knew and was able to judge, and much more besides! But this course of scientific research is instructive insofar as this scientific research wanted to lead to a worldview. For nothing should be objected to scientific research if it stays within its limits, within which it has achieved such admirable successes. But let us remember: when Eduard von Hartmann appeared, his main opponents were among those — certainly, many today want to go beyond Haeckel, but in popular and lay circles, there is still enough Haeckelism — but Eduard von Hartmann experienced the worst challenges from those who believed they had found in the newly conquered Darwinism the true basis of a worldview, a worldview suitable only for modern times.

[ 73 ] Und was müssen wir erleben? Sehr, sehr Eigentümliches! Nur auf dieses möchte ich zum Schlusse Ihren Blick hinlenken: Einer der vorzüglichsten Schüler des Darwinismus — Haeckels — ist Oscar Hertwig, der Biologe, der Entwicklungstheoretiker, der Morphologe. Oscar Hertwig gehörte zu den Lieblingsschülern Haeckels, er gesteht, dass er seine größten Anregungen von Haeckel erfahren hat. Hertwig habe ich selbst oftmals nennen hören aus dem Munde Haeckels als einen seiner allerbesten Schüler, als einen, der auch seine Mitarbeit zum hervorragendsten Mitarbeiter auf dem Wissenspfad ausersehen hat, den Hertwig zu dem Seinigen gewählt hat. Und sehen wir uns dasjenige an, was gerade bei Oscar Hertwig in seiner neueren Publikation besonders scharf zutage getreten ist! Was hat Hertwig geleistet in der Zeit, seit er Schüler desjenigen Mannes war, der in radikalster Weise den Darwinismus als Weltanschauung begründet hat, was hat Oscar Hertwig geleistet? Die wirkliche wissenschaftliche Widerlegung des Darwinismus vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus! Denn das ist das Lebenswerk Oscar Hertwigs, des Haeckel’schen Genossen.

[ 73 ] And what do we have to experience? Something very, very peculiar! I would like to draw your attention to this one last point: one of the most distinguished students of Darwinism — Haeckel's — is Oscar Hertwig, the biologist, developmental theorist, and morphologist. Oscar Hertwig was one of Haeckel's favorite students, and he admits that he received his greatest inspiration from Haeckel. I myself have often heard Haeckel refer to Hertwig as one of his very best students, as one who has also chosen to be his most outstanding collaborator on the path of knowledge that Hertwig has chosen for himself. And let us look at what has become particularly apparent in Oscar Hertwig's recent publication! What has Hertwig achieved in the time since he was a student of the man who most radically established Darwinism as a worldview? What has Oscar Hertwig achieved? The real scientific refutation of Darwinism from a scientific point of view! For that is the life's work of Oscar Hertwig, Haeckel's comrade.

[ 74 ] Man möchte sagen: Diese naturwissenschaftliche Entwicklung als Selbsterkenntnis nimmt einen raschen Gang; nicht Generationen braucht es, sondern der unmittelbarste Schüler, einer der ältesten Schüler, der frühesten Schüler Haeckels widerlegt alles dasjenige, was Haeckel für den Grundimpuls, für das Grundwesen der neueren Weltanschauung hält und gehalten hat. Und mit welch scharfen Worten spricht sich Oscar Hertwig, der Haeckelschüler, nicht nur über die radikale Gestalt einer darwinistischen Weltanschauung, wie sie Haeckel vertritt, sondern auch über jeden materialistisch gefärbten Darwinismus aus, der sich nur beruft auf reine Abstammungslehre durch Blutsverwandtschaft der Lebewesen, der sich beruft auf das Nützlichkeitsprinzip, auf den Kampf ums Dasein, auf die Anpassung und so weiter. Wie spricht sich Hertwig aus? So spricht er sich aus, dass er sagt: Das alles ist durch die neuere Forschung überwunden, davon kann auch gar nicht mehr die Rede sein!

[ 74 ] One might say: this scientific development as self-knowledge is progressing rapidly; it does not take generations, but Haeckel's most immediate student, one of his oldest students, one of his earliest students, refutes everything that Haeckel considers and has considered to be the fundamental impulse the fundamental nature of the newer worldview. And with what sharp words Oscar Hertwig, Haeckel's student, speaks not only about the radical form of a Darwinian worldview as represented by Haeckel, but also about any materialistically colored Darwinism that refers only to pure descent theory through blood relationship of living beings, which refers to the principle of utility, to the struggle for existence, to adaptation, and so on. How does Hertwig express himself? He expresses himself by saying: All this has been overcome by recent research, it can no longer be discussed!

[ 75 ] Es wird noch lange die Rede davon sein in populären Vorträgen, in den Weltanschauungen, die man herumträgt in Laienkreisen. In dieser Welt wird man noch lange sprechen von dem, was durch die darwinistische Weltanschauung heraufgekommen ist, denn es wird noch einige Zeit dauern, bis die Menschen sich einleben in die Tatsache, dass die am stärksten angeregten Darwinianer heute doch Widerleger des materialistisch gefärbten Darwinismus sind, und dass Hertwig nicht nur dem Darwinismus vorwirft, er habe sich geirrt in der Forschung, er habe ganz falsche Begriffe und Ideen verwendet, sondern Oscar Hertwig wendet sich in einer viel umfassenderen Weise gegen materialistisch gefärbten Darwinismus. Er sagt: Warum ist denn dieser Darwinismus im neunzehnten Jahrhundert aufgetreten? Aus dem Grunde ist er aufgetreten — nicht weil die Tatsachen der Naturforschung eine solche Weltanschauung aufbauen —, sondern weil die Menschen im neunzehnten Jahrhundert darauf gekommen sind, den Kampf unter sich, das bloße mechanische Wirken, das materielle Anschauen zu ihren Gesetzen zu machen. Deshalb haben sie in die Natur auch hineingeträumt: Kampf ums Dasein, Auslese des Passendsten und so weiter. Ein schönes Wort spricht Oscar Hertwig in seinem neuesten Buch, in dem er über die Widerlegung des materialistisch gefärbten Darwinismus schreibt. Oscar Hertwig sagt:

[ 75 ] It will continue to be discussed for a long time to come in popular lectures and in the worldviews propagated in lay circles. In this world, people will continue to talk for a long time about what has come about through the Darwinian worldview, because it will take some time for people to come to terms with the fact that even the most ardent Darwinists today are refuting materialistic Darwinism , and that Hertwig not only accuses Darwinism of having been mistaken in its research and of having used completely wrong concepts and ideas, but Oscar Hertwig also opposes materialistic Darwinism in a much more comprehensive way. He says: Why did this Darwinism arise in the nineteenth century? It arose for this reason — not because the facts of natural science build such a worldview — but because people in the nineteenth century came up with the idea of making the struggle among themselves, the mere mechanical action, the material view, their laws. That is why they also dreamed into nature: struggle for existence, selection of the fittest, and so on. Oscar Hertwig says something beautiful in his latest book, in which he writes about the refutation of materialistic Darwinism. Oscar Hertwig says:

[ 76 ] Das Nützlichkeitsprinzip, die Überzeugung von der Notwendigkeit unbeschränkter merkantiler und sozialer Konkurrenz, materialistische Richtungen der Philosophie sind Mächte, die auch ohne Darwin eine große Rolle in der Entwicklung des [neuzeitlichen] Menschen gespielt haben. Wer schon unter ihrem Einfluss stand, begrüßte gern den Darwinismus als eine wissenschaftliche Bestätigung ihm schon anderweit vertrauter, lieb gewordener Ideen. Er konnte sich jetzt selbst gleichsam im Spiegel der Wissenschaft schauen.

[ 76 ] The principle of utility, the conviction of the necessity of unrestricted commercial and social competition, materialistic trends in philosophy are forces that have played a major role in the development of [modern] man even without Darwin. Those who were already under their influence gladly welcomed Darwinism as a scientific confirmation of ideas that were already familiar and dear to them. They could now see themselves, as it were, in the mirror of science.

[ 77 ] Weil die Leute materialistisch denken wollten, schauten sie sich und ihren Materialismus im Spiegel der Wissenschaft. Dies sagt einer der am meisten angeregten Darwinianer! Und weiter sagt er:

[ 77 ] Because people wanted to think materialistically, they saw themselves and their materialism reflected in the mirror of science. This is said by one of the most enthusiastic Darwinists! And he goes on to say:

[ 78 ] Er konnte sich jetzt selbst gleichsam im Spiegel der Wissenschaft schauen.

Die Auslegung der Lehre Darwins, die mit ihren Unbestimmtheiten so vieldeutig ist, gestattete auch eine sehr vielseitige Verwendung auf anderen Gebieten des wirtschaftlichen, des sozialen [und] des politischen Lebens. Aus ihr konnte jeder, wie aus einem delphischen Orakelspruch, je nachdem es ihm erwünscht war, seine Nutzanwendungen auf soziale, politische, hygienische, medizinische und andere Fragen ziehen und sich zur Bekräftigung seiner Behauptungen auf die Wissenschaft der darwinistisch umgeprägten Biologie mit ihren unabänderlichen Naturgesetzen berufen. Wenn nun aber diese vermeintlichen Gesetze keine solchen sind

[ 78 ] He could now see himself, as it were, in the mirror of science.

The interpretation of Darwin's teachings, which are so ambiguous due to their vagueness, also allowed for a wide range of applications in other areas of economic, social [and] political life. From it, everyone could, as from a Delphic oracle, draw useful applications for social, political, hygienic, medical, and other issues, and to invoke the science of Darwinian biology with its immutable laws of nature to reinforce their assertions. But what if these supposed laws are not such?

[ 79 ] —und Hertwig hat sie als «nicht solche» nachgewiesen —,

[ 79 ] —and Hertwig has proven them to be “not such”—

[ 80 ] sollte da bei ihrer vielseitigen Nutzanwendung auf andere Gebiete nicht auch soziale Gefahren [entstehen] können? Man glaube doch nicht

[ 80 ] —shouldn't there also be potential social dangers in their versatile application to other areas? One should not believe

[ 81 ] — sagt Oscar Hertwig —,

[ 81 ] — says Oscar Hertwig —,

[ 82 ] dass die menschliche Gesellschaft ein halbes Jahrhundert lang Redewendungen wie unerbittlichen Kampf ums Dasein, Auslese des [Passenden], des Nützlichen, des Zweckmäßigen, Vervollkommnung durch Zuchtwahl etc. in ihrer Übertragung auf die [verschiedensten] Gebiete, wie tägliches Brot, gebrauchen kann, ohne in der ganzen Richtung ihrer Ideenbildung tiefer und nachhaltiger beeinflusst zu werden!

[ 82 ] that human society has been able to use phrases such as relentless struggle for existence, selection of the [suitable], the useful, the expedient, perfection through selective breeding, etc., in their application to the [most diverse] areas, such as daily bread, without being deeply and lastingly influenced in the whole direction of their idea formation!

[ 83 ] Das ist wissenschaftliche Selbsterkenntnis! Auf sie muss derjenige wohl hinhorchen, welcher es mit dem Geistesgange der Menschheit ehrlich meint. Und dieser selbe Oscar Hertwig, der einer der treuesten und besten Schüler Haeckels und einer der treuesten und besten Nachfolger Darwins war, dieser selbe Oscar Hertwig redet jetzt in seinen neueren Büchern überall davon: Man müsse hinhören auf solche Denker wie Eduard von Hartmann! Da sehen wir aus der Naturwissenschaft selbst heraus diejenigen kommen, die zunächst auf die philosophischen Erahner der neuen Weltanschauung hinweisen, und die sich nach und nach umbilden werden zu denjenigen, die — nachdem sie genügend lange, wie damals Eduard von Hartmann des Dilettantismus geziehen haben, so jetzt genügend lange Geisteswissenschaft oder Anthroposophie des Dilettantismus — zeigen werden, die dann, nachdem sie zur endlichen Einsicht gekommen sind, den Weg hinfinden werden, wie jetzt Oscar Hertwig den Weg hingefunden hat zu dem einstmals verpönten, so angegriffenen, so dilettantisch hingestellten Eduard von Hartmann.

[ 83 ] This is scientific self-knowledge! Anyone who is serious about the intellectual development of humanity must listen to it. And this same Oscar Hertwig, who was one of Haeckel's most loyal and best students and one of Darwin's most loyal and best successors, this same Oscar Hertwig now talks about it everywhere in his newer books: We must listen to thinkers such as Eduard von Hartmann! Here we see those coming out of natural science itself who initially point to the philosophical pioneers of the new worldview and who will gradually transform themselves into those who — after having practiced dilettantism long enough, as Eduard von Hartmann did at the time — will now show enough long enough dilettantism in Spiritual Science or anthroposophy — who, after finally coming to their senses, will find their way, just as Oscar Hertwig has now found his way to the once despised, so attacked, so dilettantishly presented Eduard von Hartmann.

[ 84 ] Geisteswissenschaft selber darf wirklich hinsehen auf die Art und Weise, wie mancher Naturforscher heute noch des Glaubens lebt, dass aus der Naturforschung selber die Lösung, irgendetwas, für das Menschenrätsel kommen könne. Der Geistesforscher unterschätzt die Naturforschung nicht; er erkennt sie an in ihren ungeheuren Fortschritten, und er weiß, dass, ohne auf dem festen Boden der Naturwissenschaft zu stehen, er auch in der Geisteswissenschaft kein maßgebendes Wort sagen könnte. Aber der Geistesforscher muss doch in einer sonderbaren Weise hinsehen auf solche Menschen, welche da glauben, alles geistige Forschen durch Naturwissenschaft schon zum Abschluss gebracht zu haben, und welche die Lösung des Welträtsels, soweit sie den Menschen zugänglich ist, nur erwarten aus der Naturforschung heraus.

[ 84 ] Spiritual Science itself may truly look at the way in which many natural scientists still live today in the belief that the solution to the mystery of human beings can come from natural science itself. The spiritual researcher does not underestimate natural science; he recognizes its tremendous progress, and he knows that without standing on the firm ground of natural science, he could not say anything authoritative in Spiritual Science either. But the researcher of Spiritual Science must nevertheless look in a strange way at those people who believe that that all spiritual research has already been completed by natural science, and who expect the solution to the mystery of the world, insofar as it is accessible to humans, to come solely from natural science.

[ 85 ] Nicht weil ich einen nennen will, den ich für unbedeutend halte, sondern weil ich einen nennen will, den ich gerade für einen sehr bedeutenden Forscher der Gegenwart halte, will ich Ihnen zum Schlusse anführen einen Forscher, der Ungeheures auf dem Gebiete der Physiologie und Chemie geleistet hat, einen Forscher, der tief eingegriffen hat in die naturwissenschaftliche Forschung der Gegenwart. Dieser Mann schließt in einer Vorrede einen Ausblick, den er geben will auf die Bedeutung dessen, was Naturwissenschaft in unserer Zeit sein kann, er schließt eine Vorrede mit folgenden Worten — und diese Worte sind charakteristisch, weil sie gewissermaßen einen so hineinsehen lassen können, wie sich der bloß naturwissenschaftliche Denker ertappen lässt in der Art und Weise, wie er denkt —, der betreffende Mann, den ich, wie gesagt, sehr schätze, sagt:

[ 85 ] Not because I want to name someone I consider insignificant, but because I want to name someone I consider to be a very significant researcher of the present day, I would like to conclude by mentioning a researcher who has achieved tremendous things in the fields of physiology and chemistry, a researcher who has had a profound impact on contemporary scientific research. In a preface, this man concludes with an outlook he wishes to give on the significance of what natural science can be in our time. He concludes his preface with the following words—and these words are characteristic because they allow us to see, in a manner of speaking, how the purely scientific thinker reveals himself in the way he thinks—the man in question, whom, as I said, I hold in high esteem, says:

[ 86 ] Zuweilen hört man sagen, dass wir in der «besten der Welten» leben; darüber lässt sich schwer etwas Wohlgegründetes aussagen, aber wir — wenigstens die Naturforscher —

[ 86 ] Sometimes we hear it said that we live in the “best of all worlds”; it is difficult to say anything well-founded about this, but we — at least the natural scientists —

[ 87 ] — meint er—

[ 87 ] — he says —

[ 88 ] können mit aller Sicherheit behaupten, dass wir in der «besten der Zeiten» leben, [...] dass die Zukunft nur noch besser werden wird.

[ 88 ] can say with certainty that we live in the “best of times,” [...] that the future will only get better.

[ 89 ] Nun hören und staunen Sie, was der betreffende große Mann über den großen Natur- und Menschenkenner Goethe sagt! Er sagt, man könne

[ 89 ] Now listen and marvel at what this great man says about Goethe, the great connoisseur of nature and humanity! He says that one can

[ 90 ] mit dem großen Natur- und Menschenkenner Goethe sagen:
Es ist ein groß’ Ergötzen
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.

[ 90 ] with the great naturalist and humanist Goethe:
It is a great delight
To put oneself in the spirit of the times,
To see how a wise man thought before us,
And how we have ultimately come so wonderfully far.

[ 91 ] Diese Worte nimmt der bedeutende Naturforscher als sein Bekenntnis auf, das er aus der Bedeutung der reinen Naturwissenschaft für die Zeit gewonnen hat. Sonderbar muss er seinen Goethe gelesen haben! Denn dasjenige, was er hier als sein Bekenntnis in Anspruch nimmt — der große Naturforscher —, ist nicht Goethes Wort, sondern Goethe legt es in seinen «Faust» den Wagner in den Mund, dem pedantischen kleinen Widerpart des Faust in den Mund; und es kommt wohl Goethes Meinung näher, wenn wir bei «Faust» auf diese Worte des Wagner die anderen Worte finden:

[ 91 ] The eminent natural scientist takes these words as his confession, which he has gained from the significance of pure natural science for the time. He must have read his Goethe strangely! For what he claims here as his confession—the great natural scientist—is not Goethe's word, but Goethe puts it into the mouth of Wagner in his “Faust,” the pedantic little adversary of Faust; and it is probably closer to Goethe's opinion when we find these words of Wagner's in “Faust”:

[ 92 ] Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!

[ 92 ] How all hope does not vanish from the head,
Which constantly clings to stale evidence,
Digging greedily for treasures with his hands,
And is happy when he finds earthworms!

[ 93 ] Das ist eher ein Goethewort als dasjenige, was der große Naturforscher für sich in Anspruch nimmt, das Wahrwort: «Wie wir’s so herrlich weit gebracht haben»!

[ 93 ] This is more of a Goethe quote than the one the great naturalist claims for himself, the true words: “How wonderfully far we have come!”

[ 94 ] Man kann schon, wie ich vorgestern darauf aufmerksam machte, auf Goethes Boden stehen bleiben und seine Anfänge immer weiter, wie es in der Menschheitsentwicklung sein muss, ausbilden, dann kommt man in eine gesunde Geisteswissenschaft hinein, dann kommt man zu einer Erkenntnis des Menschen durch sein schauendes, durch sein erwachtes Bewusstsein nun einer Lösung des Menschenrätsels näher, allerdings so, dass neue Rätsel sich dann entwickeln. Allein darüber soll heute nicht gesprochen werden, sondern hingewiesen soll werden darauf, dass niemand glauben dürfe, Geisteswissenschaft führe zum Stillstand. Rätsel knüpft sich an Rätsel. Geisteswissenschaft führt gerade zum Fortschritt, nicht zur Beantwortung aller Fragen, aber sie zeigt den Weg zur Lösung allen Menschenrätsels.

[ 94 ] As I pointed out the day before yesterday, one can remain on Goethe's ground and continue to develop his beginnings, as is necessary in human development, and then one enters into a healthy Spiritual Science, then one comes to a knowledge of the human being through his contemplative, awakened consciousness, and thus closer to a solution of the human riddle, albeit in such a way that new riddles then develop. But , but rather to point out that no one should believe that Spiritual Science leads to stagnation. One mystery follows another. Spiritual Science leads precisely to progress, not to the answer to all questions, but it shows the way to the solution of all human mysteries.

[ 95 ] Goethe aber hat — indem er in seiner Zeit schon hinblicken konnte auf die Art und Weise, wie die äußere, rein physikalische Naturforschung von dem Menschenrätsel eher abführt als zu ihm hinführt —, Goethe hat das schöne Wort gesagt:

[ 95 ] Goethe, however, who in his time was already able to see how external, purely physical natural science leads away from the mystery of man rather than toward it, said these beautiful words:

[ 96 ] Der Mensch an sich selbst, insofern er sich seiner gesunden Sinne bedient, ist der größte und genaueste physikalische Apparat, den es geben kann, und das ist eben das größte Unheil der neueren Physik, dass man die Experimente gleichsam vom Menschen abgesondert hat, und bloß in dem, was künstliche Instrumente zeigen, die Natur erkennen, ja, was sie leisten kann, dadurch beschränken und beweisen will.

[ 96 ] Man himself, insofar as he makes use of his healthy senses, is the greatest and most accurate physical apparatus that can exist, and that is precisely the greatest misfortune of modern physics, that experiments have been separated from man, as it were, and nature is recognized only in what artificial instruments show, indeed, what it can achieve, thereby limiting and proving it.

[ 97 ] Goethe will nicht, dass man den Menschen ausschaltet, wenn man die Natur erkennen will; und das ist für ihn klar, dass der Mensch selber in sich jene Entwicklung durchmachen muss, die ihn zur Erkenntnis der Welt wirklich führen kann.

[ 97 ] Goethe does not want people to be excluded when it comes to understanding nature; and it is clear to him that humans themselves must undergo the development that can truly lead them to understanding the world.

Dafür,

For this,

[ 98 ] eint Goethe weiter,

[ 98 ] Goethe continues,

[ 99 ] steht ja aber der Mensch so hoch, dass sich das sonst Undarstellbare in ihm darstellt. Was ist denn eine Saite und alle mechanische Teilung derselben gegen das Ohr des Musikers? Ja, man kann sagen: Was sind die elementaren Erscheinungen der Natur selbst gegen den Menschen, der sie alle bändigen und modifizieren muss, um sie sich einigermaßen assimilieren zu können.

[ 99 ] but man stands so high that the otherwise unrepresentable is represented in him. What is a string and all its mechanical divisions compared to the ear of the musician? Yes, one can say: What are the elementary phenomena of nature itself compared to man, who must tame and modify them all in order to be able to assimilate them to some extent?

[ 100 ] Goethe weist hin von seinem Gesichtspunkte aus darauf, wie man nicht kann auf dem Wege der äußeren Forschung — die dem gewöhnlichen Bewusstsein zugänglich ist, und die man vom Menschen absondern will — zur Lösung des Menschenrätsels kommen. Er weist von der menschenleeren Forschung auf die Forschungssphäre hin, in die der Mensch sich selber in voller Lebendigkeit und Geistigkeit hineinstellt. Seit der Goethezeit ist vieles von dem erst heraufgekommen, was zu den größten äußeren Kulturerrungenschaften der neueren Zeit gehört. Diese Kulturerrungenschaften, sie werden selbstverständlich auch in ihrer Größe, in ihrer Gewalt von der Geisteswissenschaft voll anerkannt. Geisteswissenschaft wünscht keinen Rückschritt, sondern nur immerwährenden Fortschritt der Menschheit, und erkennt daher auch jeden materiellen Fortschritt an, ja wertet manches an ihm gerade dadurch, dass sie in die wirkliche Welt eindringt und dadurch auch die wirkliche Welt für den Menschen fruchtbar machen kann. Aber Geisteswissenschaft darf sich mit solchen Denkern, in denen sich die neuere Zeit ganz besonders charakteristisch ausgesprochen hat, wie Goethe, auch im Einklang wissen, denn sie kann das eben.

[ 100 ] Goethe points out from his point of view how it is not possible to solve the mystery of man by means of external research—which is accessible to ordinary consciousness and which one wants to separate from man. He points from research devoid of human beings to the sphere of research in which human beings place themselves in full liveliness and spirituality. Since Goethe's time, much of what belongs to the greatest external cultural achievements of modern times has emerged. These cultural achievements are, of course, fully recognized in their greatness and power by Spiritual Science. Spiritual Science does not desire regression, but only the everlasting progress of humanity, and therefore also recognizes every material advance, indeed, it values some of it precisely because it penetrates the real world and can thus also make the real world fruitful for human beings. But Spiritual Science can also be in harmony with such thinkers as Goethe, in whom modern times have found particularly characteristic expression, for it is capable of doing so.

[ 101 ] Die neuere Kultur, diese mechanische Maschinenkultur, diese Kultur, die in merkantiler und in sozialer Beziehung sich herausgebildet hat, sie hat nur allzu lange den Werdegang der Menschheit angesehen von jenen Begriffen aus, die sich als materialistische Begriffe die neuere Menschheit gebildet hat, und die nimmermehr von der Natur selbst gerechtfertigt werden. Wir haben es heute gesehen, wie ein Naturforscher es war, wie der geniale Darwinianer Hertwig ausdrücklich sagt: Dasjenige, was die Menschen hineingeträumt haben an materialistischen Ideen, es ist nicht eine Summe von Gesetzen, die in der äußeren Natur gefunden werden können. Die Menschen haben Falsches hineingeträumt; die Natur bestätigt dieses Falsche nicht.

[ 101 ] Modern culture, this mechanical machine culture, this culture that has developed in mercantile and social relations, has for too long viewed the development of humanity from the perspective of concepts that modern humanity has formed as materialistic concepts and that are never justified by nature itself. We have seen today how a natural scientist, as the brilliant Darwinian Hertwig expressly says, What people have dreamed up in terms of materialistic ideas is not a sum of laws that can be found in external nature. People have dreamed up falsehoods; nature does not confirm these falsehoods.

[ 102 ] Nun wohl, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie will zu einem anderen Menscheninhalte fortschreiten, der nicht die Schlagworte «Auslese», «Kampf ums Dasein» und so weiter braucht, sondern der hervorgehen wird von einer wirklichen Seelen- und Geisteserkenntnis des Menschen. Und dann wird sich herausstellen, ob Geisteswissenschaft standhalten kann dem, dem die bloße naturwissenschaftlich darwinistische Richtung nicht hat standhalten können.

[ 102 ] Well then, Spiritual Science or anthroposophy wants to progress toward a different human content, one that does not need the buzzwords “survival of the fittest,” “struggle for existence,” and so on, but which will emerge from a real knowledge of the human soul and spirit. And then it will become clear whether Spiritual Science can withstand what the purely scientific Darwinist approach has not been able to withstand.

[ 103 ] Hat diese letztere Richtung Begriffe hineingeträumt in die Natur selber und in die Welt, welche von der Naturforschung widerlegt werden, so darf viel mehr Geisteswissenschaft oder Anthroposophie ihrer ganzen Wesenheit nach sich der Hoffnung hingeben, dass dasjenige, was sie als Wirklichkeit im Menschen finder, wenn es der Natur- und der Weltenbetrachtung zugrunde gelegt wird, dass nicht so, wie es beim Darwinismus der Fall war, die Welt ihn widerlegt, sondern dass die Welt und ihre Beobachter gerade das, was die Seele in sich und im Geiste findet, bestätigen. In aller Ruhe, trotz aller Gegnerschaft blickt Geisteswissenschaft in die Zukunft und weiß: Nicht so wird es gehen bei ihr, wie beim materialistisch gefärbten Darwinismus, dass die Natur die Theorie widerlegt, sondern so wird es gehen, dass aus den gesunden Grundlagen der gesunden Menschenseele solcher Inhalt der Seele gefunden wird, dass die Wahrheiten der Kultur und aller Weltenentwicklung die Begründung dieses Seeleninhaltes zurückstrahlen. Hat die Welt selbst in der letzten Zeit eine sich hoffnungsvoll glauben könnende Weltanschauung widerlegt — Geisteswissenschaft oder Anthroposophie hofft, dass ihre Weltanschauung nicht widerlegt, sondern immer mehr und mehr begründet werde von dem, was als Geist, als Seele der Menschenseele, dem Menschengeist aus dem ganzen Weltall entgegenstrahlt!

[ 103 ] If the latter approach has dreamed concepts into nature itself and into the world that are refuted by natural science, then Spiritual Science or anthroposophy, in its very essence, may much more hope that what it finds as reality in human beings, when applied to the observation of nature and the world, will not be refuted by the world, as was the case with Darwinism, the world refutes it, but that the world and its observers confirm precisely what the soul finds within itself and in the spirit. Despite all opposition, Spiritual Science looks calmly to the future and knows that it will not be like materialistic Darwinism, that nature refutes the theory, but that from the healthy foundations of the healthy human soul, such content of the soul will be found that the truths of culture and all world development will reflect back the foundation of this soul content. Has the world itself recently refuted a worldview that could be believed in with hope? — Spiritual Science or anthroposophy hopes that its worldview will not be refuted, but will be increasingly substantiated by what shines forth as spirit, as the soul of the human soul, the human spirit from the entire universe!

[ 104 ] Denn eine begründete Erkenntnis davon wird für die Zukunft, und schon in der Gegenwart, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie bringen, dass die Welt nicht in Mechanismus, dass die Welt nicht in Materie und Stoff, sondern dass die Welt im Geiste begründet ist, und der Mensch gut fährt, wenn er im Geiste sich einlebt, und durch den Geist seinen Fortschritt und sein Heil in der weltgeschichtlichen Entwicklung und auf dem Gebiete des menschlichen Zusammenlebens sucht!

[ 104 ] For a well-founded knowledge of this will bring Spiritual Science or anthroposophy, for the future and already in the present, that the world is not based on mechanism, that the world is not based on matter and substance, but that the world is based on spirit, and that human beings fare well when they live in spirit and seeks his progress and salvation in the development of world history and in the realm of human coexistence through the spirit!