Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a
8 October 1916, Basel
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Soul Immortality, Forces of Destiny and the Course of Human Life, tr. SOL
Menschenseele Und Menschenschicksal Im Verhältnis Zur Weltentwicklung Vom Gesichtspunkte Der Geisteswissenschaft (Anthroposophie)
The Human Soul and Human Destiny in Relation to World Development from the Perspective of Spiritual Science (Anthroposophy)
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende, nachdem ich mir erlaubt habe, in den Vorträgen, die ich in diesem Herbste hier halten durfte, auf die Grundprinzipien und Ziele der Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, hinzuweisen — nachdem ich in jenen Vorträgen mich bemüht habe zu zeigen, wie im Wesentlichen dieser geisteswissenschaftlichen Richtung eben ein wissenschaftliches Bestreben und eine wissenschaftliche Grundlage eigen ist, eine wissenschaftliche Grundlage, welche sie auch mit den wahrhaftigen Resultaten der neueren Naturwissenschaft im Einklange stehen lässt —, möchte ich mir heute gestatten, sehr verehrte Anwesende, auf einige Ergebnisse dieser geisteswissenschaftlichen Forschung hinzudeuten. Trotzdem die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, wie es begreiflich ist — das ist hier öfter gesagt worden —, von den verschiedensten Seiten her Angriffe erfährt, die oftmals recht leidenschaftlich geführt werden, möchte ich doch zunächst wenigstens im Hauptteil meines Vortrages absehen von jedem Hinweise auf gewöhnliche Einwände, gerade heute davon absehen, und mich heute darauf beschränken, einmal auch einiges, ich möchte sagen in rein erzählender Form vorzubringen. Dabei werde ich mich allerdings der Gefahr aussetzen, dass umso leichter Missverständnisse entstehen können; allein nachdem die beiden Vorträge dieses Herbstes doch vorgearbeitet haben, die durchaus wissenschaftlich geartete Grundlage gezeigt haben, darf es einmal, um nicht gar zu sehr in Wiederholungen zu verfallen für diejenigen Zuhörer, die öfter hier sind, vielleicht gestattet sein, eben in solch erzählender Form von den Erlebnissen des Geistesforschers selbst zunächst zu sprechen.
[ 1 ] Dear attendees, after taking the liberty of referring in the lectures I was allowed to give here this fall to the basic principles and goals of Spiritual Science or anthroposophy, as it is understood here — after endeavoring in those lectures to show how this branch of Spiritual Science is essentially characterized by a scientific endeavor and a scientific foundation, a scientific foundation that also allows it to be in harmony with the true results of modern natural science — I would like to take the liberty today, dear attendees, of pointing out some of the results of this Spiritual Science research. Although anthroposophically oriented Spiritual Science, as is understandable — as has been said here many times — is subject to attacks from various quarters, often quite passionate ones, I would nevertheless like to refrain, at least in the main part of my lecture, from referring to the usual objections, especially today, and limit myself to presenting a few things, I would say in a purely narrative form. In doing so, I will, of course, expose myself to the danger that misunderstandings may arise all the more easily; but since the two lectures this fall have laid the groundwork and demonstrated the thoroughly scientific basis, it may be permissible, in order not to repeat myself too much for those listeners who are here more often, to speak first in such a narrative form about the experiences of the spiritual researcher himself.
[ 2 ] Am meisten Anfechtung, sehr verehrte Anwesende, findet ja gerade die Art der Forschung, die hier als geisteswissenschaftliche bezeichnet wird, am meisten findet diese Anfechtung, und zwar aus dem Grunde, weil es den gegenwärtigen menschlichen Vorstellungen, Denkgewohnheiten, Gefühlsgewohnheiten eben noch durchaus fern liegt, zu appellieren an eine solche Art von Forschung. Doch ist es nur dieses Ungewohnte, und wenn dieses Ungewohnte einmal in einer näheren oder ferneren Zukunft überwunden sein wird, so wird sich zeigen, dass wenigstens eine größere Anzahl von Menschen schon finden wird, in welch vollem Einklange gerade mit naturwissenschaftlicher Denkweise diese Geisteswissenschaft steht.
[ 2 ] Ladies and gentlemen, it is precisely the type of research referred to here as Spiritual Science that is most contested, and this is because it is still very far removed from current human mental images, habits of thought, and habits of feeling to appeal to this type of research. But it is only this unfamiliarity, and once this unfamiliarity has been overcome in the near or distant future, it will become apparent that at least a large number of people will already find that Spiritual Science is in complete harmony with the scientific way of thinking.
[ 3 ] Zunächst darf auf einen Punkt hingewiesen werden in Bezug auf diesen Einwand; das ist der: Die naturwissenschaftliche Entwicklung der neueren Zeit hat es — das ist ja hier oftmals betont worden von mir — im Verlaufe der letzten Jahre zu großen, bedeutsamen Einsichten in den Weltzusammenhang gebracht. Und Geisteswissenschaft liegt es so fern wie möglich, die großen Fortschritte der Naturwissenschaft nicht anerkennen zu wollen. Allein eines geht immer wieder und wiederum für viele Menschen aus der Weltanschauung hervor, die sie sich auf Grundlage, wie sie glauben, der festbegründeten Naturwissenschaft bilden. Es kommen diese Menschen zu dem, was sie «Grenzen des Erkennens» nennen, wovon sie so sprechen: Der Mensch kann, soweit die Erfahrung der Sinne reicht, soweit das Denken reicht, das sich mit der Erfahrung der Sinne befasst, vordringen, gewisse Zusammenhänge der Natur zu erfassen und auch Zusammenhänge des Naturdaseins mit dem menschlichen Dasein selber; aber dann gibt es gewisse Grenzen, über die der Mensch nicht hinaus kann, und jenseits dieser Grenzen liege alles dasjenige, was sich auf die Geheimnisse des menschlichen Seelenlebens bezieht, auch jene Weltenzusammenhänge, die sich zusammenfassen lassen mit dem einfachen, aber für das Menschenleben außerordentlich bedeutungsvollen Worte «Schicksal».
[ 3 ] First of all, one point should be made in relation to this objection, namely that recent developments in natural science have — as I have often emphasized here — in recent years to great and significant insights into the world context. And Spiritual Science is as far removed as possible from not wanting to acknowledge the great advances of natural science. However, one thing repeatedly emerges for many people from the worldview they believe they have formed on the basis of well-established natural science. These people come to what they call the “limits of knowledge,” about which they say: As far as the experience of the senses reaches, as far as thinking that deals with the experience of the senses reaches, to grasp certain connections in nature and also connections between natural existence and human existence itself; but then there are certain limits that humans cannot go beyond, and beyond these limits lies everything that relates to the mysteries of human soul life, including those connections in the world that can be summed up with the simple, but for human life extraordinarily meaningful word “fate.”
[ 4 ] Nun ist nach der einen Richtung die anthroposophisch geartete Geisteswissenschaft, wie sie von mir hier gemeint ist, durchaus einverstanden mit dieser Gesinnung der Naturwissenschaft, wenn gesagt wird, dasjenige, was im gewöhnlichen Leben als Erkenntnisfähigkeit des Menschen vorliegt, was sich der Mensch erwirbt an Erkenntnisfähigkeiten, ohne dass er selbst gewissermaRen sein seelisches Leben durch Selbstzucht in die Hand nimmt, das führt zu Grenzen des Erkennens. Und gerade durch die Einhaltung dieser Grenzen des Erkennens, durch das scharfe Ziel dieser Grenzen ist Naturwissenschaft so sichere Bahnen in den letzten Jahrzehnten, ja Jahrhunderten gegangen. Auf den Wegen, die innerhalb dieser Grenzen gewandelt werden, ist es nun unmöglich, zu Erkenntnissen über das Wesen des Seelischen im Menschen vorzudringen; darinnen ist Geisteswissenschaft mit Naturwissenschaft vollständig im Einklange. Aber Geisteswissenschaft zeigt, dass es möglich ist, diese Grenzen zwar nicht mit den gewöhnlichen — ohne des Menschen Zutun im Laufe seiner Lebensentwicklung — entstehenden Erkenntnisfähigkeiten zu beschreiben, wohl aber mit Erkenntnisfähigkeiten, die für das gewöhnliche Leben in den Tiefen der Seele schlummern, und aus diesen Tiefen der Seele durch eine gewisse Selbstzucht herausgeholt werden können. Und gerade, was sich im Zusammenhange mit solchen, aus den Tiefen des Seelenlebens herauszuholenden, für das gewöhnliche Leben unbekannten Erkenntniskräften an Welterfahrung ergibt, von dem möchte ich heute sprechen.
[ 4 ] Now, in one respect, anthroposophical Spiritual Science, as I mean it here, is in complete agreement with this attitude of natural science when it is said that that which is present in ordinary life as the human capacity for knowledge, that which human beings acquire in terms of cognitive abilities without, so to speak, taking control of their own soul life through self-discipline, leads to the limits of knowledge. And it is precisely by adhering to these limits of knowledge, by the sharp focus of these limits, has natural science been able to follow such secure paths in recent decades, indeed centuries. On the paths that are walked within these limits, it is now impossible to advance to insights into the nature of the soul in human beings; within these paths, Spiritual Science is completely in harmony with natural science. But Spiritual Science shows that it is possible to describe cognitive abilities that arise not through ordinary — without human intervention in the course of life development — but with cognitive abilities that lie dormant in the depths of the soul in ordinary life and can be brought out of these depths of the soul through a certain self-discipline. And it is precisely what arises in connection with such cognitive powers, which are unknown to ordinary life and which can be brought out of the depths of the soul, , I would like to speak today.
[ 5 ] Da ist eine erste Erkenntniskraft diejenige, die ich mir erlaubt habe, in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft» zu nennen die imaginative Erkenntnis. Es ist die erste Erkenntnisstufe gewissermaßen, welche hinausgeht über das gewöhnliche naturwissenschaftliche Erkennen. Wie gesagt, um nicht zu sehr für diejenigen verehrten Zuhörer, welche öfter hier sitzen in diesen Vorträgen, in Wiederholungen zu verfallen, möchte ich von demjenigen absehen, was in früheren Vorträgen gesagt worden ist, und vor allen Dingen heute nicht ausführlich sprechen von jener Selbstzucht, welche die Seele üben muss, um zu solcher Erkenntnisfähigkeit also zunächst zum imaginativen Erkennen — zu kommen. Ich möchte auf die eben angeführten Bücher verweisen, in denen man finden wird, in welch intimer Art die Seele sich selber in die Hand zu nehmen hat, um im Laufe von Hebungen, welche gemacht werden, mit Selbstentsagung, aber auch mit innerem Mut und mit innerer Energie und innerer Kraft dahin zu gelangen, dass geradeso, wie im Verlauf unseres natürlichen Lebens in der Kindheit, nach und nach die naturgemäßen Erkenntniskräfte herauskommen, dass andere Kräfte — die aber nur herauskommen können, wenn die Seele sich selbst in die Hand nimmt —, dass andere Kräfte herauskommen.
[ 5 ] There is a first cognitive faculty, which I have taken the liberty of calling imaginative cognition in my book “How to Know Higher Worlds” and in my “Occult Science.” It is, so to speak, the first stage of knowledge that goes beyond ordinary scientific knowledge. As I said, in order not to repeat myself too much for those esteemed listeners who often sit here in these lectures, I would like to refrain from repeating what has been said in earlier lectures and, above all, not speak in detail today about the self-discipline that the soul must practice in order to attain such knowledge, that is, imaginative knowledge. I would like to refer to the books just mentioned, in which you will find the intimate way in which the soul must take control of itself in order to arrive, in the course of elevations that are made, with self-denial, but also with inner courage and inner energy and inner strength, at the point where, just as as in the course of our natural life in childhood, the natural powers of cognition gradually emerge, that other powers — which, however, can only emerge when the soul takes control of itself — that other powers emerge.
[ 6 ] Dennoch möchte ich gerade, ich möchte sagen vom Gesichtspunkte des Selbsterlebnisses des Geistesforschers erwähnen, wie das Aufrücken der Seele zu dieser imaginativen Erkenntnis geschieht. Die einzelnen Übungen werde ich heute hier nicht wiederholen; aber hinweisen will ich darauf, dass ein Wesentliches, ein Wesentliches — es gibt viele Übungen, die gemacht werden —, aber ein Wesentliches dann, und zwar ein solches Wesentliches, das am sichersten hineinführt in die imaginative Erkenntnis, ein Wesentliches kann für den Geistesforscher dadurch erreicht werden, dass er gerade, ich möchte sagen in innerlich-praktischer Weise voll ernst nimmt dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben Erkenntnisgrenzen nennt. Um diese ernst zu fassen, muss man einmal wirklich versucht haben mit innerlich scharf konzentriertem Gedankenleben, mit dem Gerichtet-Sein seiner Gedanken auf eine Aufgabe hin, mit dem Zusammennehmen aller der Seelenkräfte zu einem solchen Denken zu kommen; man muss einmal dahin gekommen sein, die gewöhnliche Erkenntnisgrenze nicht nur hypothetisch anzunehmen, nicht nur philosophisch-spekulativ irgendwie vor sich hinzustellen, sondern zu erleben. Man muss dahin gekommen sein, das Denken bis zu einer solchen Schärfe getrieben zu haben, dass man sich sagt: Dasjenige, was du vermagst mit diesem Denken, das reicht bis hierher; aber jetzt, jetzt stehst du wirklich an einer solchen Grenze, von der du weißt: Mit dem, was du vermagst durch deine persönlichen Kräfte, die du durch das Denken ausbilden kannst, kommst du nicht weiter.
[ 6 ] Nevertheless, I would like to mention, I would like to mention, from the point of view of the spiritual researcher's own experience, how the soul advances to this imaginative knowledge. I will not repeat the individual exercises here today, but I would like to point out that one essential thing — there are many exercises that can be done — but one essential thing, and indeed one essential thing that most reliably leads to imaginative knowledge, one essential thing can be achieved for the spiritual researcher by taking, I would say in an inner, practical way, very seriously that what in ordinary life is called the limits of knowledge. In order to take this seriously, one must first have really tried to arrive at such thinking with an inwardly sharply concentrated life of thought, with the directing of one's thoughts toward a task, with the gathering of all the soul forces; one must first have come to the point of not only hypothetically accepting the ordinary limits of knowledge, not only philosophically speculating about them in some way , but to experience them. One must have reached the point of having driven one's thinking to such sharpness that one says to oneself: What you can achieve with this thinking reaches this far; but now, now you really stand at such a boundary that you know: With what you can achieve through your personal powers, which you can develop through thinking, you cannot go any further.
[ 7 ] Und man fühlt dann, dass die Naturwissenschaft nicht so unrecht hat, wenn sie dieses gewöhnliche, alltägliche Denken geknüpft findet an das leibliche Instrument des Gehirns oder des Nervensystems im Allgemeinen. Denn man fühlt, wenn man das konzentrierte Denken weit genug treibt, dass es gerade die leiblichen Grenzen sind, die leiblichen, ich möchte sagen Unfähigkeiten, die einen nun nicht weiter kommen lassen. Das Instrument will nichts weiter hergeben. Dann muss man die Resignation haben, nunmehr stehen zu bleiben, nicht zu versuchen, irgendein Weltproblem, irgendeine seelische Frage mit Gewalt durch das Denken oder durch das gewöhnliche Vorstellen, wie man’s von der Naturwissenschaft her gewöhnt ist, lösen zu wollen; man muss die Resignation haben, nun stehen bleiben zu können, so recht zu erleben, wie man gewissermaßen mit seinem Denken an eine Grenze anstößt.
[ 7 ] And then one feels that natural science is not so wrong when it links this ordinary, everyday thinking is linked to the physical instrument of the brain or the nervous system in general. For when one pursues concentrated thinking far enough, one feels that it is precisely the physical limits, the physical, I would say, incapacities, that now prevent one from going any further. The instrument will yield nothing more. Then one must have the resignation to stop now, not to try to solve any world problem, any spiritual question by force through thinking or through ordinary mental images, as one is accustomed to doing in the natural sciences; one must have the resignation to be able to stop now, to experience how, in a sense, one's thinking has reached a limit.
[ 8 ] Dies ist ein bedeutungsvolles Erlebnis. Denn einen vollen, ernsthaften Glauben zu entwickeln, sehr verehrte Anwesende, dass man zu etwas nicht hin kann, rein innerlich nicht hin kann, zu dem man hin will, dazu gehört ein starker innerer Denkermut. Dann aber, wenn man wirklich durch Denkkonzentration, das heißt verschärftes, innerlich intensiv gemachtes Denken an eine solche Grenze gekommen ist, dann merkt man: Das Denken, das man bisher gefühlt hat verbunden innig mit einem selbst, das macht sich selbstständig, das emanzipiert sich von der Persönlichkeit, in der man steckt. Und man wird, während man bisher Denker war — gewissermaßen innerlich alles Geist-Seelische zu verstehen —, man wird gewissermaßen innerlich geistig-seelischer Zuschauer, wie dasjenige weiterläuft, das man bisher selber geführt hat als Denkprozess. Und es wird Erlebnis. Und es ist wichtig, dass dies Erlebnis wird für den Geistesforscher selber. Es wird Erlebnis das Übergehen, jene innere Erfahrung, die man sonst ausspricht mit den Worten «ich denke», dass sie übergeht in das «es denkt in einem». Das Denken erfasst sich selber, das Denken durchtränkt von Eigenleben.
[ 8 ] This is a meaningful experience. For to develop a full, serious belief, dear attendees, that one cannot reach something, cannot reach it purely inwardly, that one wants to reach, requires a strong inner courage of thought. But then, when one has really reached such a limit through concentration of thought, that is, intensified, internally intensified thinking, one reaches such a limit, then one realizes: the thinking that one has previously felt intimately connected with oneself becomes independent, emancipates itself from the personality in which one is trapped. And while one was previously a thinker — in a sense, understanding everything spiritual and soul-related internally — you become, in a sense, an inner spiritual-soul spectator of how that which you yourself have hitherto guided as a thought process continues. And it becomes an experience. And it is important that this becomes an experience for the spiritual researcher himself. The transition becomes an experience, that inner experience which one otherwise expresses with the words “I think,” that it transitions into “it thinks in one.” Thought grasps itself, thought imbued with a life of its own.
[ 9 ] Da kann man dann, indem man zuschaut, wie sich loslöst dasjenige, was vorher mit einem verbunden war, und wie die Gedanken auf den losgelösten Wogen weiter tätig sind, da kann man die lebendige Erfahrung bekommen von dem, was der neulich in dem Vortrage genannte schweizerische scharfsinnige und innige Forscher Troxler in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts genannt hat: einen übersinnlichen Leib im Menschen — «Schema pneumatikon» sagte Troxler. Hier wurde es öfter in diesen Vorträgen «Ätherleib im Menschen» genannt. Man kann fühlen, wie man sonst den äußeren Gegenständen gegenübersteht, sie durch seine Sinne anschaut, wie man jetzt seinem eigenen Leib wie einem äußeren Gegenstand gegenübersteht und mit seinem ganzen Wesen in ein viel Geistigeres, in ein selbstständig Geistiges übergegangen ist. Aber in diesem Geistigen macht man besondere Erlebnisse.
[ 9 ] Then, by watching how that which was previously connected to you detaches itself and how thoughts continue to operate on the detached waves, you can gain a living experience of what what the astute and profound Swiss researcher Troxler, mentioned recently in the lecture, called in the first half of the nineteenth century: a supersensible body in the human being — “Schema pneumatikon,” said Troxler. Here, in these lectures, it has often been called the “etheric body in man.” One can feel how one otherwise faces external objects, looking at them through one's senses, how one now faces one's own body as an external object and has passed with one's whole being into something much more spiritual, into something independently spiritual. But in this spiritual realm, one has special experiences.
[ 10 ] Und nun ist es nötig, sehr verehrte Anwesende, eines immer wieder ins Auge zu fassen, damit Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, nicht missverstanden wird: Wenn der Geistesforscher zu all dem, was ich schon geschildert habe, in Bezug auf seine inneren Erlebnisse, noch die nötige Ruhe sich erwirbt, nun wirklich zu verharren in diesem Zustande des Zuschauers gegenüber dem sich von ihm emanzipiert habenden Denken, dann merkt er wie sich dieses Denken in ein bildhaftes Erleben einer ganz neuen Welt verwandelt, ein wirklich bildhaftes Erleben. Aber dieses bildhafte Erleben, das ist nicht imaginative Erkenntnis genannt, weil es eine Einbildung ist, sondern weil es eben in Bildern verläuft, aber von dem Menschen, der sich in diesem Zustande befindet, so erlebt wird, wie sonst durch die äußeren Sinne die sinnlichen Realitäten erlebt werden. Nur wird etwas anderes erlebt, etwas, wovon man keine Ahnung hat, wenn man die Welt nur mit den Sinnen beobachtet. Aber gerade so, wie um uns herum eine farbige, tönende, wahrnehmende Welt für die Sinne ist, so ist eine Welt, die in wogenden, webenden Bildern erscheint — aber Bilder, welche von Kräften durchsetzt sind — das Ergebnis desjenigen, was ich geschildert habe.
[ 10 ] And now, dear audience, it is necessary to keep one thing in mind so that Spiritual Science, as it is meant here, is not misunderstood: When the spiritual researcher acquires the necessary calm in relation to all that I have already described with regard to his inner experiences, and now truly remains in this state of being an observer of the thinking that has emancipated itself from him, then he notices how this thinking is transformed into a pictorial experience of a completely new world, a truly pictorial experience. But this pictorial experience is not called imaginative knowledge because it is an imagination, but because it proceeds in images, yet is experienced by the person in this state in the same way as sensual realities are otherwise experienced through the outer senses. Only something else is experienced, something of which one has no idea when observing the world solely with the senses. But just as as there is a colorful, sounding, perceptible world for the senses around us, so there is a world that appears in surging, weaving images — but images that are permeated by forces — the result of what I have described.
[ 11 ] Und man findet nach einiger Zeit, wie dasjenige, was gewissermaßen aus dem Denken herauswächst als solche imaginative Welt, wie das enthält gewisse Kräfte, die uns das ganze Leben zwischen Geburt und Tod hindurch durchfluten, aber nicht wahrgenommen werden im gewöhnlichen Leben. Im gewöhnlichen Leben, da erfahren wir im tagwachen Zustande — bei wachem Bewusstsein also — dasjenige, was wir durch das Licht, durch die anderen äußeren Elemente wahrnehmen können. Wir erfahren von Augenblick zu Augenblick dasjenige, was wir unsere Welt nennen. Dann aber, wenn wir eingetreten sind in die imaginative Welt, dann erfahren wir dasjenige, was in uns selber lebt als die bildenden Kräfte, als diejenigen Kräfte, die uns von unserer Geburt bis zu unseren Tode so führen, dass sie in uns die Bildekräfte sind, dass wir sie von einem Augenblick des Lebens in den andern herübertragen; und wir wissen von diesem Zeitpunkte an: Der Mensch weiß zwar im gewöhnlichen Bewusstsein nichts davon, aber er lebt in einer solchen innerlichen Welt — und nur, weil er selbst ein Teil dieser imaginativen Welt ist -, so ist dasjenige, was er als seinen äußeren physischen Leib an sich trägt, nicht in jedem Moment leicht wahrzunehmen. Denn würden die Kräfte, die also nur in Bildern, in imaginativen Bildern wahrgenommen werden können, den Menschen verlassen - und im Tode verlassen sie ihn -, so wird der Mensch sogleich Leichnam; das heißt: Sein physischer Leib ist von diesem Augenblick an unterworfen den physischen und chemischen Gesetzen der äußeren Sinneswelt. Es ist ein ganz anderes Wahrnehmen, das jetzt eingetreten ist, als dasjenige, das in uns war bis zu jener Grenze, an die wir gestoRen sind. Es ist - wie ich sagte - eine webende, wogende Welt von Bildern, aber von solchen Bildern, die auf den Wogen der Wellenkräfte des Daseins, die uns selber in sich fassen, hinziehen.
[ 11 ] And after a while, one discovers how that which, in a sense, grows out of thinking as such an imaginative world, contains certain forces that flow through our entire life between birth and death, but are not perceived in ordinary life. In ordinary life, we experience in the waking state — that is, with alert consciousness — that we can perceive through light and other external elements. From moment to moment, we experience what we call our world. But then, when we have entered the imaginative world, we experience what lives within us as the formative forces, as the forces that guide us from birth to death, so that they are the formative forces within us, which we carry from one moment of life to the next; and from this point on we know: although human beings are unaware of this in their ordinary consciousness, they live in such an inner world — and only because they themselves are part of this imaginative world — so that what he carries with him as his outer physical body is not easy to perceive at every moment. For if the forces that can only be perceived in images, in imaginative images, were to leave the human being — and in death they do leave him — then the human being immediately becomes a corpse; that is to say, from that moment on, his physical body is subject to the physical and chemical laws of the outer sensory world. What has now come into being is a perception quite different from that which was within us up to the point at which we have arrived. It is, as I said, a weaving, surging world of images, but of images that draw us along on the waves of the forces of existence that encompass us.
Und nun muss ich aufmerksam machen auf dasjenige, was eben scharf ins Auge gefasst werden muss, damit nicht Missverständnisse gegenüber der Geisteswissenschaft immer wieder und wieder entstehen.
And now I must draw attention to what needs to be clearly understood so that misunderstandings about Spiritual Science do not arise again and again.
[ 12 ] Der Mensch kommt an eine Grenze, wie ich es geschildert habe. Von dieser Grenze ab muss er gewissermaßen sich übergeben dem lebendig gewordenen Denkprozess selber, der sich in Bilder verwandelt, die uns zeigen im Zusammenhange mit dem ganzen Universum, das in Bildern erscheint, in geistigen Bildern erscheint, in «sinnlich-übersinnlichen Bildern» — könnten wir sagen, indem wir [diesen Ausdruck] Goethes gebrauchen —; aber bei diesem ganzen Prozess, soweit er für die Geistesforschung in Betracht kommt, sehr verehrte Anwesende, ist das volle Bewusstsein des Menschen dabei, so dabei, wie dieses volle Bewusstsein im Wachzustande den Menschen immer durchzieht. In dem Augenblicke gehört eine solche innere Erfahrung, ein solch inneres Erlebnis nicht mehr den Methoden der Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, an, wenn irgendein Herabdämpfen des Bewusstseins, irgendetwas eintritt, was einen geringeren — einen traumhaften Zustand des Bewusstseins darstellt —, als der gewöhnliche Wachzustand. Im Gegenteil, damit der Mensch verfolgen kann diesen Prozess, den ich hier geschildert habe, muss sein Bewusstsein intensiver, stärker, kräftiger werden.
[ 12 ] Human beings reach a boundary, as I have described. From this boundary onwards, they must, in a sense, surrender themselves to the thinking process that has come to life, which transforms itself into images that show us, in connection with the whole universe, which appears in images, in spiritual images, in “sensual-supersensual images” — we could say, using [this expression] Goethe's expression —; but in this whole process, as far as it is relevant to spiritual research, dear attendees, human beings are fully conscious, just as they are always fully conscious in the waking state. At that moment, such an inner experience, such an inner event, no longer belongs to the methods of spiritual research as we mean it here, if there is any dulling of consciousness, anything that represents a lesser — a dreamlike state of consciousness — than the normal waking state. On the contrary, in order for the human being to follow this process that I have described here, his consciousness must become more intense, stronger, more powerful.
[ 13 ] Daher wäre es, sehr verehrte Anwesende, äußerster Dilettantismus, wenn man verwechseln würde dasjenige, was da im Geistesforscher lebt, mit irgendetwas, was heute die äußere Naturwissenschaft schon sehr gut kennt, mit irgendeinem hypnotischen, mit irgendeinem mediumistischen Zustande. Alle diese Zustände, durch welche herabgestimmt wird das gewöhnliche Bewusstsein, alle diese Zustände drängen den Menschen herunter zu einem niedrigeren Grade des Bewusstseins oder gar zur Unbewusstheit. Dasjenige, was ich geschildert habe, führt den Menschen hinauf zu einem regeren Bewusstseinszustande. Es ist daher eben nur dilettantisch, wenn jemand glaubt, dass der Geistesforscher appelliere an irgendwelche im Unterbewusstsein liegenden Seelenkräfte oder seelischen Zustände des Menschen.
[ 13 ] Therefore, dear audience, it would be extremely amateurish to confuse what lives in the spiritual researcher with something that is already very well known in external science today, with some hypnotic or mediumistic state. All these states, through which ordinary consciousness is lowered, all these states push people down to a lower level of consciousness or even to unconsciousness. What I have described leads people up to a more active state of consciousness. It is therefore merely amateurish to believe that the spiritual researcher appeals to some soul forces or soul states of the human being that lie in the subconscious.
[ 14 ] Wenn Sie mein Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» durchlesen, so werden Sie sehen, wie jene Selbstzucht, auf die ich hingedeutet habe, durch die solche Zustände, wie ich sie meine, hervorgerufen werden, wie jene Selbstzucht ausschließt alle Möglichkeit, irgendwie nicht zu sehen, was nur unbewusst oder aus dem Unterbewussten heraus in die Seele hereinkommen kann. Ebenso werden Sie aus den dortigen Angaben ersehen, wie alles dasjenige, was auf mediumistischem Wege zustande kommt, streng ausgeschlossen ist von demjenigen, was hier als Methode der Geistesforschung beschrieben wird.
[ 14 ] If you read my book “How to Gain Knowledge of Higher Worlds,” you will see how the self-discipline I have referred to brings about the states I mean, and how this self-discipline excludes any possibility of somehow not seeing what can only enter the soul unconsciously or from the subconscious. You will also see from the information there how everything that comes about through mediumistic means is strictly excluded from what is described here as a method of spiritual research.
[ 15 ] Wir gelangen — sagte ich — auf diese Weise, sehr verehrte Anwesende, dazu, die Bildekräfte des menschlichen Organismus zu verstehen, anschaulich zu verstehen. Und in diesen Bildekräften ist zugleich alles dasjenige enthalten, was wirklich dem Denken, dem Vorstellen des Menschen zugrunde liegt. Es wird vielleicht nunmehr etwas beitragen zum Verständnisse desjenigen, was eigentlich gemeint ist, wenn ich nunmehr vergleiche mit Bezug auf diese im Menschen befindlichen Bildekräfte, die ein Teil der Bildekräfte, der lebendigen Bildekräfte des ganzen Universums sind, und die seinen sogenannten Ätherleib oder — wie Troxler sagt — «Schema pneumatikon» ausmachen —, wenn ich über das Verhältnis dieser im Menschen befindlichen Bildekräfte zu den Bildekräften, wie sie im Tiere sind, einiges anfüge.
[ 15 ] In this way, I said, we arrive at a vivid understanding of the formative forces of the human organism. And these formative forces contain everything that that really underlies human thinking and mental images. It may now contribute something to the understanding of what is actually meant when I now compare, with reference to these formative forces in the human being, the part of the formative forces, the living formative forces of the whole universe, which constitute his so-called etheric body or — as Troxler says — “schema pneumatikon” — when I add a few words about the relationship between these formative forces in human beings and the formative forces in animals.
[ 16 ] Dasjenige, was der Mensch so als seinen Ätherleib in sich trägt, ist durchaus auch im Tiere zu finden, aber im Tiere ist es auf ganz andere Weise enthalten. Wenn wir das Tier beobachten gerade mit dieser imaginativen Erkenntnis, wodurch der Ätherleib des Tieres auch anschaulich werden kann, wenn wir das Tier damit betrachten, dann finden wir, dass beim Tier die Summe dieser Bildekräfte so weit gekommen ist, dass diese Bildekräfte sich ganz hinein ergossen haben in die Form, in die Gestalt der einzelnen Organe. Das Tier ist gewissermaßen ganz Abbild desjenigen, was in diesen Bildekräften liegt, sodass wir beim Tiere nicht finden können irgendetwas, was in starker Weise als ein besonderer Ätherleib herausragt über dasjenige, was im physischen Leib ist. Alles das, was physische Organe, Werkzeuge des Tieres sind, die sind entstanden durch die Kraft dieser Bildekräfte.
[ 16 ] What human beings carry within themselves as their etheric body can also be found in animals, but it is contained in animals in a completely different way. If we observe animals with this imaginative knowledge, through which the etheric body of the animal can also become visible, if we look at animals with this knowledge, then we find that in animals the sum of these formative forces has progressed to such an extent that these formative forces have poured themselves completely into the form, into the shape of the individual organs. Animals are, in a sense, a complete reflection of what lies in these formative forces, so that we cannot find anything in animals that stands out strongly as a special etheric body beyond what is in the physical body. Everything that constitutes the physical organs, the tools of the animal, has come into being through the power of these formative forces.
[ 17 ] Diese Bildekräfte haben sich, ich möchte sagen in diesen Organen kristallisiert — das ist nur ein Vergleich, aber er zeigt, was gesagt werden will —, kristallisiert, wie sich das Wasser kristallisiert im Eis, so kristallisiert, dass es verglichen werden kann damit, dass, wenn ein Quantum Wasser ganz in Eis übergeht, nichts mehr als Wasser zurückbleibt. Anders im Menschen; auch der Mensch — das geht aus den Darlegungen, die ich gegeben habe, ja hervor — ist in Bezug auf das, was sein physischer Leib ist, ein Abbild dieser Bildekräfte. Sie haben sich gewissermaßen in die Organe ergossen; sie sind kristallisiert wie Wasser zu Eis. Aber beim Menschen ist das Eigentümliche, dass noch besondere Bildekräfte, die nicht in die physischen Organe hineingehen, übrig bleiben; sodass man das vergleichen kann mit einem Quantum Wasser, das sich zwar zum Teil kristallisiert zu Eis, von dem Wasser aber etwas noch zurückbleibt. Und dieses Zurückgebliebene ist der freie menschliche Ätherleib, ist dasjenige, was im Menschen möglich macht, dass der Mensch nicht so wie das Tier zu einem innerlich vollbestimmten Leben sich ausprägt, sondern dass er in gewissem Sinne entwicklungsfähig bleibt durch das ganze Leben zwischen der Geburt und dem Tode. Also ein Entwicklungsfähiges hat der Mensch in sich, eine entwicklungsfähige Summe von Bildekräften. Damit zeigt sich schon in dem, was der Mensch durch imaginative Erkenntnis sich zum Bewusstsein bringen kann, sein Heraufragen über die Tierwelt.
[ 17 ] These formative forces have, I would say, crystallized in these organs — this is only a comparison, but it shows what is meant — crystallized, just as water crystallizes in ice, crystallized in such a way that it can be compared to the fact that when a quantum of water turns completely into ice, nothing more than water remains. It is different in humans; humans too — as is clear from the explanations I have given — are, in relation to what their physical body is, a reflection of these formative forces. They have, so to speak, poured into the organs; they have crystallized like water into ice. But what is peculiar to human beings is that special formative forces remain that do not enter into the physical organs, so that one can compare this to a quantity of water that crystallizes partly into ice, but some of the water remains. And what remains is the free human etheric body, which is what makes it possible for humans not to develop into a life that is completely determined internally, as animals do, but to remain capable of development in a certain sense throughout their entire life between birth and death. So humans have within them something capable of development, a sum of formative forces capable of development of formative forces. This shows that what humans can bring to consciousness through imaginative knowledge already reveals their elevation above the animal world.
[ 18 ] Wenn nun der Mensch zu dieser imaginativen Erkenntnis vordringt, das heißt, selbsterkennend jene Kräfte erreicht, die ihn sein ganzes Leben begleiten, die ihn immer lebendig halten, die verhindern, dass sein physischer Leib ein Leichnam werde, wenn er sich zur Anschauung dieser Kräfte erhebt, dann gelangt er auch dazu, alles dasjenige, was in der Umgebung ist, nach und nach an solchen Bildekräften kennenzulernen. Seine imaginative Erkenntnis kann sich immer mehr und mehr erweitern. Er lernt erkennen dasjenige, was da lebt im Pflanzenreiche als ätherische Leiblichkeit, welche auch den Pflanzenleib verhindert, in jedem Augenblick ein Leichnam zu werden; er lernt die ätherische Natur, die Natur der Bildekräfte in der tierischen Welt erkennen; aber er lernt auch erkennen, dass um ihn herum eine geistige Welt ist, die weiter reicht als die bloß sinnlich-physische. Und vor allen Dingen lernt der Mensch erkennen, dass dasjenige, was er selber ist, aus gewissen Gliedern besteht. Das erste Glied wirft er im Tode als seinen physischen Leichnam ab; damit tritt der Mensch durch die Pforte des Todes.
[ 18 ] When human beings advance to this imaginative knowledge, that is, when they attain self-knowledge of those forces that accompany them throughout their lives, that keep them alive, that prevent their physical body from becoming a corpse, when they rise to the perception of these forces, then they also come to know everything in their environment through such formative forces. His imaginative knowledge can expand more and more. He learns to recognize what lives in the plant kingdom as etheric physicality, which also prevents the plant body from becoming a corpse at every moment; he learns to recognize the etheric nature the nature of the formative forces in the animal world; but he also learns to recognize that there is a spiritual world around him that extends beyond the merely sensory-physical. And above all, the human being learns to recognize that what he himself is consists of certain members. He casts off the first member in death as his physical corpse; with that, the human being passes through the gate of death.
[ 19 ] Für denjenigen, der imaginative Erkenntnis entwickelt, ist zwar jetzt der physische Leib den physischen und chemischen Erdekräften übergeben, aber der Mensch ist gewissermaßen in einem zweiten, übersinnlichen, durch imaginative Erkenntnis wahrzunehmenden Leib. Und diesen Leib, den trägt der Mensch tagelang noch an sich. Nach Tagen legt er ihn wie einen zweiten, übersinnlichen Leichnam ab, sodass sich die gewöhnliche Erkenntnis, das Wahrnehmen eines menschlichen Wesens als Seele erweitert für die imaginative Erkenntnis, allerdings zunächst nicht weit über den Tod hinaus, aber zunächst einige Tage über den Tod hinaus, indem bemerkt wird, dass der Mensch nunmehr in einer Art übersinnlicher, ätherischer Leiblichkeit lebt, die er aber wie seinen zweiten Leichnam ablegt. Dieser zweite Leichnam, der wird den Bildekräften des Universums übergeben, so wie der physische Leichnam den chemischen und physischen Kräften der Erde übergeben wird. Dann lernt der Mensch erkennen alles dasjenige, was in der imaginativen Welt an anderen Wesen in solch übersinnlicher Leiblichkeit, nicht in einer fleischlichen Leiblichkeit lebt, wie der Mensch selber oder wie die Tiere.
[ 19 ] For those who develop imaginative knowledge, the physical body is now surrendered to the physical and chemical forces of the earth, but the human being is, in a sense, in a second, supersensible body that can be perceived through imaginative knowledge. And the human being carries this body with them for days. After days, they lay it down like a second, supersensible corpse, so that ordinary knowledge, the perception of a human being as a soul, expands into imaginative knowledge, though not far beyond death at first, but for a few days beyond death, in that it is noticed that the human being now lives in a kind of supersensible, ethereal physicality, which they lay aside like their second corpse. This second corpse is handed over to the formative forces of the universe, just as the physical corpse is handed over to the chemical and physical forces of the earth. Then human beings learn to recognize everything in the imaginative world, other beings live in such a supersensible physicality, not in a physical body like humans themselves or like animals.
[ 20 ] Nun gelangt man, wie Sie sehen, über das Geheimnis des Todes nicht zu sehr tiefen Erkenntnissen mit dieser bloß imaginativen Wahrnehmung. Aber wenn der Mensch jene Übungen, auf die ich heute nur hingedeutet habe, und die ich nur durch das Gelangen des Denkens an seine Grenzen etwas charakterisiert habe, wenn der Mensch jene Übungen fortsetzt, wenn er Kraft und Intensität und vor allen Dingen die nötige Ruhe hat, sie fortzusetzen, dann gelangt er dazu, dass in die Vorstellungen, die Wahrnehmungen — die er gewinnt und die man als den Umfang der imaginativen Erkenntnis bezeichnen kann —, dass da so, ich möchte sagen von allen Seiten willensähnliche Kräfte einströmen, wie in den Menschen selber die Willenskräfte einströmen, wenn er aus dem bloßen Vorstellen übergeht zur Bewegung der Hand, zu irgendeiner äußeren Handlung, wie in den Menschen selber die Willenskräfte sich ergießen; so dringen ein in jene Bildwahrnehmungen — die den Inhalt des imaginativen Erkennens bilden —, in diese Bildwahrnehmungen dringen ein Kräfte, die so wie die elektrischen, wie die magnetischen Kräfte in der Welt sind, die nur für das gewöhnliche Bewusstsein nicht da sind, weil sie sich erst ergießen in diejenigen Wahrnehmungen hinein, welche imaginativ sind.
[ 20 ] Now, as you can see, this merely imaginative perception does not lead to very deep insights into the mystery of death. But if a person continues with those exercises, which I have only hinted at today and which I have only characterized somewhat by reaching the limits of thought, if a person continues with those exercises, if they have the strength and intensity and, above all, the necessary calm to continue them, then they will reach the point where, in the mental images and perceptions they gain — which can be described as the scope of imaginative knowledge — that, I would say, forces similar to the will flow in from all sides, just as the forces of the will flow into the human being when he passes from a mental image to the movement of the hand, to some external action, just as the forces of the will pour into the human being; so forces penetrate into those image perceptions — which form the content of imaginative knowledge — into these image perceptions, forces penetrate that are like the electrical and magnetic forces in the world, which are not there for ordinary consciousness because they only pour into those perceptions that are imaginative.
[ 21 ] Und von diesem Augenblicke an weiß der Mensch: Um ihn herum ist nicht nur eine solche Welt, welche sich in Bildern abzeichnet, sondern diese Bilder sind die Offenbarungen, sind der Ausdruck von wirklichen geistigen Wesenheitinden. Die Seele fühlt sich als der Bürger einer geistigen Welt, wie sie sich hier in der Sinneswelt fühlt als der Bürger einer Welt, in der sinnliche Wesen sind. Sprechen zu der Seele können die geistigen Wesen, um die es sich handelt, nur durch die Imaginationen, die innerlich-geistig wahrgenommen werden müssen. Deshalb kann der Geistesforscher — wie ich das schon öfter hier erwähnt habe — nicht in verschwommen-pantheistischer Weise von einer geistigen Welt im Allgemeinen reden, von einem Geist im Allgemeinen; dem Geistesforscher erscheint dieses pantheistische Reden von einem Geist im Allgemeinen so, wie wenn man reden würde für die Sinnenwelt von allgemeiner Pflanzenheit, und einen nur die Pflanzen interessieren würden, das «Pan» in den Pflanzen, und nicht die Tulpen, die Lilie, die Rose und so weiter. Der Geistesforscher steht gegenüber nicht einer allgemein verschwommen-pantheistisch gemeinten geistigen Welt, sondern er steht gegenüber individuellen Geistwesenheiten, die sich von den Sinneswesenheiten nur dadurch unterscheiden, dass sie nicht bis zu einer sinnlichen Verkörperung herunterkommen, sondern innerhalb des geistigen Webens und Wogens bleiben.
[ 21 ] And from that moment on, the human being knows: not only is there a world around them that is reflected in images, but these images are revelations the expression of real spiritual beings. The soul feels itself to be a citizen of a spiritual world, just as it feels itself to be a citizen of a world of sensory beings here in the sensory world. The spiritual beings in question can speak to the soul only through imaginations that must be perceived inwardly and spiritually. That is why the spiritual researcher — as I have often mentioned here — cannot speak in a vague, pantheistic way about a spiritual world in general, about a spirit in general; to the spiritual researcher, this pantheistic talk of a spirit in general is like talking about the sensory world in terms of general planthood, and being interested only in plants, the “pan” in plants, and not in tulips, the lily, the rose, and so on. Spiritual researchers do not face a generally vague, pantheistic spiritual world, but rather individual spiritual beings that differ from sensory beings only in that they do not descend to a sensory embodiment, but remain within the spiritual weaving and surging.
[ 22 ] Indem man in diese Welt eindringt, findet man aber nun die Menschenseele in demjenigen Zustande, in den sie eintritt, wenn sie nach einigen Tagen den zweiten übersinnlichen — wie ich gesagt habe —, durch imaginative Erkenntnis wahrzunehmenden Leib ablegt. Wenn der Mensch, nachdem er also durch die volle Todespforte, durch die Todespforte voll getreten ist, auch den zweiten, übersinnlichen Leichnam abgelegt hat, ist er nunmehr ein geistiges Wesen geworden, ein geistiges Wesen, welches ein Leben durchlebt — wir werden die Dinge gleich noch weiter ausführen —, das da verläuft zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, einem neuen Erdendasein, in dem der Mensch aber in einem Realen, in einem Wirklichen webt und lebt, das jetzt nicht sucht durch irgendetwas, was nur durch imaginative Erkenntnis erreicht werden kann, einen sinnlich leiblichen Ausdruck zu gewinnen, sondern das nur durch einen Willen in Imaginationen sich zum Ausdruck bringt.
[ 22 ] When we enter this world, however, we find the human soul in the state it enters when, after a few days, it sheds the second supersensible body, which, as I have said, can be perceived through imaginative knowledge. When the human being, after having passed through the full gate of death, has also shed the second, supersensible corpse, he has now become a spiritual being, a spiritual being who lives through a life — we will explain things further in a moment — that takes place between death and a new birth, a new earthly existence, in which, however, the human being weaves and lives in a real, actual world that now does not seek to gain a sensual, physical expression through anything that can only be achieved through imaginative knowledge, but which expresses itself only through a will in imaginations.
[ 23 ] Sie sehen, sehr verehrte Anwesende, der Verkehr mit einer solchen geistigen Welt, das heißt aber mit der wirklichen geistigen Welt, er muss vermittelt sein durch dasjenige, was der Mensch in seinem eigenen Innern entwickelt; er kann nur auf diesem Umwege erreicht werden. Daher muss Geisteswissenschaft immer wieder und wiederum in ihrer wahren Gestalt, wie sie hier gemeint ist, darauf hinweisen, wie es im Grunde genommen nur einem materialistischen Vorurteil unserer Zeit entspricht, wenn man eine Verbindung mit der geistigen Welt herstellen will dadurch, dass man in gewissem Sinne so experimentell vorgehen will, wie man experimentell vorgeht im äußeren physischen oder chemischen Laboratorium, durch dasjenige, was man vor den Sinnen veranstaltet, gewissermaßen zu einer Verbindung mit der geistigen Welt kommen will. Wenn man sieht, wie in den weitesten Kreisen eine Vorliebe um sich gegriffen hat für ein solches sinnliches Vermittelt-Sein der geistigen Welt, dann ist es schon nötig, darauf hinzuweisen, dass Geisteswissenschaft nicht verwechselt werden darf mit diesem sinnlichen Hinweisen auf eine geistige Welt. Was ist in dieser Beziehung nicht selbst von angesehenen, von großen, bedeutenden Gelehrten — ich will nicht sagen von den gewöhnlichen Spiritisten — auf diesem Felde gesündigt worden.
[ 23 ] You see, dear attendees, communication with such a spiritual world, that is, with the real spiritual world, must be mediated through what human beings develop within themselves; it can only be reached by this indirect route. Therefore, Spiritual Science, in its true form as meant here, must repeatedly point out that it is basically only a materialistic prejudice of our time to want to establish a connection with the spiritual world by by proceeding in a certain sense as experimentally as one proceeds in an external physical or chemical laboratory, by means of what one arranges before the senses, one wants to establish a connection with the spiritual world. When one sees how a preference for such a sensory mediation , it is necessary to point out that Spiritual Science must not be confused with these sensual references to a spiritual world. What sins have not been committed in this regard by respected, great, eminent scholars — I will not say by ordinary spiritualists — in this field?
[ 24 ] Eben jetzt wird wiederum berichtet von einem Buch, das einer der angesehensten Gelehrten der Gegenwart geschrieben hat über das Menschenleben nach dem Tode, und in dem er darauf hinweist, wie er durch Medien, das heißt durch solche Persönlichkeiten, deren Bewusstsein nicht gehoben ist, sondern heruntergetrübt wird ins Traumhafte, ins Gedämpfte versetzt wird, einen Zusammenhang mit der geistigen Welt erreichen will. Wie werden denn solche Zusammenhänge erreicht? Sie werden erreicht dadurch, dass die Vermittlungen geschehen sollen durch diejenigen Verhältnisse, die der Mensch hier in der Sinnenwelt durch seinen sinnlichen Organismus sich aneignet. Schreiben — wir lernen es nur dadurch, dass wir mit unserem seelischen Wesen einen physischen Leib in Verbindung haben —, die Schreibkunst ist durchaus etwas, was abhängig ist von dem physischen Leib, den wir mit dem Tode ablegen. Ebenso ist sogar dasjenige, was sich im gewöhnlichen Sprechen ausdrückt, abhängig von dem physischen Organismus des Kehlkopfes und allem, was damit zusammenhängt; was sich im gewöhnlichen Sprechen ausdrückt ist durchaus gebunden an jenen physischen Leib, den wir im Tode ablegen. Ob nun Worte herauskommen dadurch, dass jemand automatisch schreibt mit gedämpftem Bewusstsein oder dadurch, dass er einen Tisch klopfen lässt — es liegt immer der Irrtum zugrunde, dass dasjenige, was aus der geistigen Welt kommt, aus der wirklichen geistigen Welt kommt, sich ausdrücken könne mit den Mitteln, welche eigentlich nur eine Bedeutung haben innerhalb der Entwicklung unseres physischen Leibes, welche gebunden sind an die Entwicklung unseres physischen Leibes.
[ 24 ] Right now, there are reports of a book written by one of the most respected scholars of our time about human life after death, in which he points out how he wants to achieve a connection with the spiritual world through mediums, that is, through personalities whose consciousness is not elevated but clouded, transported into the dreamlike, the subdued. How are such connections achieved? They are achieved through the fact that the mediations are to take place through those conditions which the human being acquires here in the sensory world through his sensory organism. Writing — we learn it only because we have a physical body connected to our soul nature — the art of writing is something that is entirely dependent on the physical body that we shed at death. Similarly, even what is expressed in ordinary speech is dependent on the physical organism of the larynx and everything connected with it; what is expressed in ordinary speech is entirely bound to the physical body that we shed at death. Whether words come out because someone writes automatically with a dulled consciousness or because they tap on a table — it is always based on the error that what comes from the spiritual world comes from the real spiritual world and can express itself by means that actually only have meaning within the development of our physical body, which are bound to the development of our physical body.
[ 25 ] Daher muss Geisteswissenschaft darauf hinweisen, dass auf diesem Wege zwar einiges herkommen kann von dem, was der Mensch schon wenige Tage nach dem Tode als zweiten Leichnam abwirft, als übersinnlichen Leichnam abwirft; denn in diesem übersinnlichen Leichnam, der gewissermaßen die physischen Organe des Menschen selber hervorgebracht hat als Bildekräfte, da steckt einiges von dem, was als Reminiszenz zurückbleibt nach dem Tode. Denn dieser Leib löst sich keineswegs gleich auf in der geistigen Lebewelt, sondern er löst sich sehr langsam auf, er bleibt lange vorhanden, und man kann eine Verbindung herstellen durch solche untergeordneten Kräfte, auf die jetzt hingedeutet wird. Aber man stellt eben doch nur eigentlich eine Verbindung her, ich möchte sagen mit einem zweiten Leichnam des Menschen, mit einem zweiten Übriggebliebenen, während schon nach einigen Tagen der wirkliche Mensch dieses Übriggebliebene verloren hat.
[ 25 ] Therefore, Spiritual Science must point out that in this way some of what the human being discards as a second corpse, as a supersensible corpse, just a few days after death, can come through; for in this supersensible corpse, which in a sense has produced the physical organs of the human being itself as formative forces, there is something in it that remains as a reminiscence after death. For this body does not dissolve immediately into the spiritual world of living beings, but dissolves very slowly, remaining in existence for a long time, and a connection can be established through such subordinate forces as are now being referred to. But one actually only establishes a connection, I would say, with a second corpse of the human being, with a second remnant, while after a few days the real human being has already lost this remnant.
[ 26 ] Dieser wirkliche Mensch aber ist ein Bürger der geistigen Welt geworden und kann sich, so wie wir uns durch unseren sinnlichen Leib — durch Schreiben oder durch Sprechen — dem anderen mitteilen, was alles an einen physischen Leib gebunden ist, es kann sich der wirklich seelisch-geistige Mensch, der nunmehr durchgeht durch das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, er kann sich durch dasjenige mitteilen, sodass die Mitteilung zum Bewusstsein des anderen kommt, wenn der andere in der Lage ist, ebenso Imaginationen, Inspirationen entgegenzunehmen, wie wir hier in der physischen Welt das Gelesene oder Gesprochene in der Lage sind, entgegenzunehmen. Denn, kommt die menschliche Seele dazu, solch ein Wesen wahrzunehmen wie den Menschen nach dem Verlassen seines zweiten Leibes, dann darf diese Erkenntnisstufe genannt werden die «inspirierte Erkenntnis», im Gegensatz zu der bloß imaginativen Erkenntnis.
[ 26 ] This real human being, however, has become a citizen of the spiritual world and, just as we communicate with others through our physical body — by writing or speaking — everything that is bound to a physical body, the real soul-spiritual human being, who now passes through the life between death and a new birth, can communicate through that, so that the communication reaches the consciousness of the other, if the other is able to to receive imaginings and inspirations in the same way that we here in the physical world are able to receive what is read or spoken. For when the human soul comes to perceive such a being as the human being after leaving its second body, then this level of knowledge may be called “inspired knowledge,” in contrast to merely imaginative knowledge.
[ 27 ] Ich bitte Sie nur bei diesem Worte «inspirierte Erkenntnis» nicht an dasjenige zu denken, was nach der Tradition unter Inspiration gedacht wird, sondern nur an dasjenige, auf was ich eben hindeute. Man muss Worte gebrauchen, welche geläufig sind schon einmal; aber es ist auch nötig, dass man bei einer Erkenntnis, die ja durchaus erst im ersten Stadium ihrer Entwicklung ist — etwa in dem Stadium, wie die Naturwissenschaft zur Zeit des Galilei oder Kopernikus war —, dass man sich gewöhnt, bei diesen Worten daran zu denken, was bei dieser fortgeschrittenen Erkenntnis damit gemeint ist. Nun liefert uns aber diese inspirative Erkenntnis ein wesentliches Teil, sehr verehrte Anwesende, für unsere Selbsterkenntnis. Für unsere Selbsterkenntnis liefert uns die imaginative Erkenntnis die Gewissheit, dass wir [in unserem Leben] zwischen Geburt und Tod in uns tragen Bildekräfte, die uns von Augenblick zu Augenblick führen. Die inspirative Erkenntnis liefert uns mehr, die Inspiration zeigt uns, dass hereinwirkt in unser Leben ein Strom, der verläuft [hinaus] über unsere Geburt, und der uns getragen hat von unserem letzten Erdenleben bis zu der Geburt, durch die wir in dieses Erdenleben hereingetreten sind. Da waren wir ein rein geistig-seelisches Wesen; da waren wir ein Wesen, dessen Offenbarungen nur in Imaginationen oder in Inspirationen sich ausleben können.
[ 27 ] I ask you not to think of the word “inspired knowledge” in the traditional sense of inspiration, but only in the sense I have just indicated. It is necessary to use words that are already familiar; but it is also necessary, in the case of a form of knowledge that is still in its infancy — similar to the state of natural science at the time of Galileo or Copernicus — to become accustomed to thinking of what is meant by these words in the context of this advanced form of knowledge. Now, ladies and gentlemen, this inspirational knowledge provides us with an essential part of our self-knowledge. For our self-knowledge, imaginative knowledge provides us with the certainty that [in our lives] between birth and death carry within us formative forces that guide us from moment to moment. Inspirational knowledge provides us with more; inspiration shows us that a stream flows into our lives, which runs [out] beyond our birth and has carried us from our last earthly life to the birth through which we entered this earthly life. There we were purely spiritual-soul beings; there we were beings whose revelations can only be lived out in imaginations or inspirations.
[ 28 ] Aber während der Geistesforscher zum Bewusstsein bringt dasjenige, was sich eben in der inspirativen Erkenntnis ergibt, was der Mensch ist; zwischen dem Tod und der Geburt lebt die Summe von geistig-seelischen Kräften, auf die hier hingewiesen ist. Sie lebt durch ihre Wirkungen in unser gewöhnliches Erdenleben herein. Wir sind nicht nur in diesem gewöhnlichen Erdenleben zwischen Geburt und Tod abhängig von dem, was in uns an physischen und chemischen Kräften in Bezug auf unseren Organismus lebt, auch nicht allein abhängig von dem, was in der vorher gezeigten Weise an Bildekräften lebt, die ja einige Tage nach dem Tode schon abgestreift werden, sondern wir sind von seelisch-geistigen Kräften, die durch Jahrhunderte sich zwischen dem Tod und einer neuen Geburt entwickeln in einer rein geistigen Welt, und welche gewissermaßen sich verbinden mit demjenigen, was uns von Vater und Mutter, von den Vorfahren an physischer Leiblichkeit gegeben wird. Wie wir von den Vorfahren die physische Leiblichkeit erhalten, so verbindet sich mit dieser physischen Leiblichkeit dieses rein Geistig-Seelische, das durch inspirative Erkenntnis vor das Bewusstsein treten kann, und das hereinwirkt — wie die physischen Kräfte im physischen Leibe wirken —, hereinwirkt aus unserer geistig-seelischen Vergangenheit.
[ 28 ] But while the spiritual researcher brings to consciousness what emerges in inspirational knowledge, what the human being is, between death and birth lives the sum of spiritual-soul forces referred to here. It lives through its effects into our ordinary earthly life. In this ordinary earthly life between birth and death, we are not only dependent on the physical and chemical forces that live within us in relation to our organism, nor are we solely dependent on the formative forces that live in the manner described above, which are shed a few days after death. Rather, we are dependent on the soul-spiritual forces that develop over centuries between death and a new birth in a purely spiritual world, and which, in a sense, connect with what we receive from our father and mother, from our ancestors, and from the forces of nature. spiritual forces that develop over centuries between death and a new birth in a purely spiritual world, and which, in a sense, connect with what is given to us by our father and mother, by our ancestors, in physical form. Just as we receive our physical body from our ancestors, so this purely spiritual-soul aspect, which can come to consciousness through inspirational knowledge, connects with this physical body and has an effect — just as the physical forces have an effect in the physical body — an effect from our spiritual-soul past.
[ 29 ] Um nun ein bisschen verständlicher noch zu werden für dasjenige, was hier gemeint ist, möchte ich darauf hinweisen, dass gerade das hier Gemeinte in geisteswissenschaftlicher Beziehung ein Licht wirft auf das, was man die Vererbungsfrage in Bezug auf den Menschen nennt. Diese Vererbungsfrage, sie wird ja von der heutigen Naturwissenschaft — wie wir wissen — in vielfacher Weise sehr scharfsinnig behandelt, und man kann schon verstehen, wenn der Naturforscher heute kommt und sagt, indem er sich verschiedene Ausführungen der Geisteswissenschaft ansieht: Ja, hast denn du Geistesforscher gar keine Empfindung für jene streng wissenschaftliche Methode, für jene entsagungsvolle Methode, welche die Naturwissenschaft anwendet, um herauszubekommen, wodurch ein Mensch so und so geartet ist, diese und jene Anlagen im Leben entfaltet nach und nach von der Kindheit bis ins spätere Alter, hast du keine Empfindung, wie die Naturwissenschaft versucht, zu zeigen, wie dasjenige, was beim Sohn, was bei der Tochter auftritt, Vererbung ist von Mutter, von Vater, Großmutter, Großvater und so weiter hinauf, welche komplizierten Probleme hier vorliegen?
[ 29 ] In order to make what is meant here a little clearer, I would like to point out that precisely what is meant here sheds light, in a Spiritual Science sense, on what is called the question of heredity in relation to human beings. This question of heredity is, as we know, treated in many ways very astutely by modern science — as we know — in many ways, and it is understandable when natural scientists today look at various explanations from Spiritual Science and say: "Do you spiritual researchers have no feeling for the strictly scientific method, for the ascetic method that natural science uses to find out what makes a person this way or that way, develops these and those aptitudes in life gradually from childhood to later age, do you have no sense of how natural science tries to show how what occurs in the son, what occurs in the daughter, is inherited from the mother, from the father, grandmother, grandfather, and so on, what complicated problems are involved here?
[ 30 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, der Geistesforscher hat für das alles Empfindung und er erwidert der Naturforschung nur, dass er voll anerkenne in seinen Grenzen dasjenige, was die Naturwissenschaft auf diesem Feld zutage fördert, dass er gar nichts negiere; denn das ist das ewige Missverständnis, dass man glaubt, dass der Geistesforscher irgendetwas negiere von dem, was der Naturforscher durch diese resignierte, entsagungsvolle Forschung herausholt. Der Geistesforscher muss nur allerlei anderes noch hinzufügen; wir werden sogleich etwas ins Auge fassen, was ich in diesen Vorträgen schon öfter erwähnt habe. Man sagt heute: Dasjenige, was der Mensch an Eigenschaften, an inneren Temperamenten, Anlagen, an Willensimpulsen, an der Art wenigstens seiner Willensimpulse, der Konfiguration seines Denkens in die Welt hereinträgt, was sich auslebt in seiner Entwicklung, das könne man verfolgen, wie es sich vererbt von den Vorfahren.
[ 30 ] Well, dear attendees, the spiritual researcher has a sense of all this and he only responds to natural science by saying that he fully acknowledges, within its limits, what natural science brings to light in this field, that he does not deny anything; for that is the eternal misunderstanding, that one believes that the spiritual researcher denies anything of what the natural scientist brings out through his resigned , self-denying research. The spiritual researcher must only add all sorts of other things; we will immediately consider something that I have already mentioned several times in these lectures. Today, it is said that what a person brings into the world in terms of characteristics, inner temperaments, dispositions, impulses of will, at least the nature of their impulses of will, the configuration of their thinking, what is lived out in their development, can be traced back to what has been inherited from their ancestors.
[ 31 ] Bücher werden geschrieben mit Bezug auf einzelne Menschen, in denen diese Vererbungsfrage besonders behandelt wird. Solche Bücher können außerordentlich interessant sein. Zum Beispiel ist ein Buch geschrieben worden gerade über Goethe, in dem verfolgt wird, soweit man nur hinauf verfolgen kann die ganze Vorfahrenreihe Goethes. Es wird gezeigt: Goethe hat bestimmte Eigenschaften entwickelt bis zur Genialität, sieht man sich aber die Vorfahren an, so haben diese immer wenigstens eine Artung in Bezug auf diese Eigenschaften, und man könnte gleichsam Goethe auffassen als eine Zusammenfügung aller der Eigenschaften, die verteilt bei seinen Vorfahren auftreten. Das ist recht interessant; aber es ist trotzdem, trotzdem es in seinen Grenzen sehr richtig ist, eine wirkliche Logik nicht darinnen, und am allerwenigsten dürfte sich derjenige darauf berufen, der nur immer die äußere Erfahrung zurate ziehen will, wenn er solche Probleme lösen will. Denn wann könnte man sicher ein solches Problem lösen, zeigen, dass durch Vererbung sich wirklich Geistig-Seelisches von den Vorkommen auf den Nachkommen fortpflanzt? Dass der Nachkomme, auch wenn er ein genialer Nachkomme ist, gewisse Eigenschaften seiner Vorfahren zeigt, das ist nicht weiter wunderbar, ich möchte sagen sogar etwas Selbstverständliches, wie ich schon öfter gesagt habe, nicht wunderbarer, als wenn einer, der ins Wasser gefallen ist, nass herausgezogen wird; er nimmt eben dasjenige an, wodurch er durchgegangen ist. Seine Vererbungskräfte sind durchgegangen durch diejenigen seiner Vorfahren, sie nehmen dasjenige auf. Zeigen, dass Geistig-Seelisches sich wirklich fortsetzt in den Nachkommen könnte man nur dann, wenn man einen bestimmten Vorfahren nähme mit bestimmten geistig-seelischen Eigenschaften, zum Beispiel einen bestimmten genialen Menschen, und zeigen, wie auf die Nachkommen diese Eigenschaften übergehen, das wird man hübsch bleiben lassen, denn man würde dadurch zu ganz besonders kuriosen Resultaten kommen. Auf die Vorfahrenreihe allein Goethes zu verweisen, das führt zu nichts; aber auf die Nachkommen nur zu verweisen, führt eben auch zu nichts. Man sieht: Eine wirkliche Tatsachenlogik steckt in dieser Sache nicht darinnen. Aber um was handelt es sich dabei?
[ 31 ] Books are written with reference to individual people, in which this question of heredity is dealt with in particular. Such books can be extremely interesting. For example, a book has been written about Goethe in which the entire line of Goethe's ancestors is traced as far back as possible. It shows that Goethe developed certain characteristics to the point of genius, but if one looks at his ancestors, they always had at least one trait related to these characteristics, and one could, as it were, regard Goethe as a combination of all the characteristics that occur in his ancestors. This is quite interesting; but nevertheless, even though it is very correct within its limits, there is no real logic in it, and least of all should those who only ever want to consult external experience refer to it when they want to solve such problems. For when could one be sure of solving such a problem, of showing that heredity really does transmit spiritual and mental characteristics from ancestors to descendants? That a descendant, even if he is a brilliant descendant, displays certain characteristics of his ancestors is not surprising, I would even say it is something that goes without saying, as I have often said, no more surprising than when someone who has fallen into water is pulled out wet; they simply take on that which they have gone through. Their hereditary powers have passed through those of their ancestors, and they take on that which they have gone through. One could only demonstrate that spiritual and mental characteristics are truly passed on to descendants if one took a specific ancestor with specific spiritual and mental characteristics, for example, a specific genius, and show how these characteristics are passed on to the descendants. We will leave that alone, because it would lead to very curious results. Referring only to Goethe's line of ancestors leads nowhere, but referring only to his descendants also leads nowhere. We can see that there is no real factual logic in this matter. But what is it all about? p>
[ 32 ] Nun, ich sagte: Der inspirativen Erkenntnis wird offenbar, was sich vollzieht zwischen dem Tod und der neuen Geburt. Wir treten als Kind einer bestimmten Familie, als Angehöriger einer bestimmten Nation, umgeben von bestimmten Lebensbedingungen ins Dasein herein; die inspirative Erkenntnis zeigt uns, dass sich mit demjenigen, was sich physisch als Vererbungsströmung herab fortpflanzt von den Vorfahren bis zu uns, dass sich mit diesem verbindet ein Geistig-Seelisches, das vor unserer Geburt, oder sagen wir vor unserer Empfängnis in der rein geistigen Welt lebt. Richtig vorstellen diese geistige Welt kann man nur, sehr verehrte Anwesende, wenn man weiß, dass dieses Geistig-Seelische, um das es sich handelt, nicht irgendwo in einem geistigen Wolkenkuckucksheim ist, sondern da, wo wir selbst sind, da, wo wir leben, da ist das Geistig-Seelische. Dieses Geistig-Seelische unterscheidet sich nicht durch den Ort von dem Physischen, sondern durch die Art und Weise, wie es sich offenbart.
[ 32 ] Well, I said: Inspirational knowledge reveals what takes place between death and new birth. We enter into existence as the child of a particular family, as a member of a particular nation, surrounded by particular living conditions; inspirational knowledge shows us that what physically propagates down from our ancestors to us as a stream of heredity, a spiritual-soul element is connected with it that lives in the purely spiritual world before our birth, or let us say before our conception. Ladies and gentlemen, we can only truly create a mental image of this spiritual world if we know that this spiritual-soul element we are talking about is not somewhere in a spiritual cloud cuckoo land, but where we ourselves are, where we live, that is where the spiritual-soul element is. This spiritual-soul element does not differ from the physical in terms of location, but in terms of the way it manifests itself.
[ 33 ] Wir sind immer von dem Geistig-Seelischen umgeben, und dieses Geistig-Seelische ist auch immer in Verbindung mit dem Physischen. Die physische Welt ist immer eine Offenbarung der geistig-seelischen Welt. So wie wir, wenn wir im physischen Leibe hier zwischen Geburt und Tod stehen, in all dem, was wir sind und tun, das Seelische in uns tragen, ein Ausdruck dieses Seelischen sind, so steht das Geistig-Seelische, das in der geistig-seelischen Welt sonst ist, auch mit dem Physischen in Verbindung. Und insbesondere steht mit der ganzen Vorfahrenreihe hinauf durch unsere Mutter, unseren Vater, unseren Großvater, unsere Großmutter und so weiter, bis hinauf durch viele Generationen hindurch, bis zu derjenigen Zeit, in der wir durch einen früheren Tod in die geistige Welt eingetreten sind, es steht dasjenige, was hier geschieht unter fortwährendem Einfluss der geistigen Welt, in der unser Geistig-Seelisches ist, sodass unser GeistigSeelisches in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt ebenso herunterwirkt, mitwirkt — natürlich kommt da vieles zusammen, in das es hineinwirkt —, aber mitwirkt in die ganze Vorfahrenreihe hinein.
[ 33 ] We are always surrounded by the spiritual-soul realm, and this spiritual-soul world is also always connected with the physical world. The physical world is always a revelation of the spiritual-soul world. Just as we, when we stand here in our physical bodies between birth and death, carry the soul within us in all that we are and do, are an expression of this soul, so the spiritual-soul world, which is otherwise in the spiritual-soul world spiritual-soul world, is also connected with the physical. And in particular, the entire line of ancestors up through our mother, our father, our grandfather, our grandmother, and so on, up through many generations, back to the time when we entered the spiritual world through an earlier death, stands in connection with what is happening here under the constant influence of the spiritual world in which our spiritual-soul is, so that our spiritual-soul also works down and cooperates in the time between death and a new birth. What happens here is under the constant influence of the spiritual world, in which our spiritual-soul life is located, so that our spiritual-soul life also has an effect and plays a part in the time between death and a new birth—of course, there are many factors involved in this—but it plays a part in the entire ancestral line.
[ 34 ] Alles, was geschieht in der Vorfahrenreihe: das Zusammenfinden dieser und jener Elternpaare, das Zusammenfinden dieser und jener Umstände, welche zuletzt dazu führen, dass ein bestimmtes Elternpaar die leibliche Konstitution hat, gerade der betreffenden Seele, die hier sein soll, den Leib zu übergeben, all das wird mitbewirkt durch unser Geistig-Seelisches vor unserer Geburt oder sagen wir vor unserer Empfängnis. Wir sind in unserer Vorfahrenreihe, das heißt in dem, was als Kräfte unsere Vorfahrenreihe durchdringt, schon darinnen. Es handelt sich also nicht darum, dass Goethe seine geistig-seelischen Eigenschaften dadurch ins Dasein gebracht hat, dass er das nur als leibliches Erbgut von seinen Vorfahren erhalten hat, sondern dasjenige, was durch Generationen hinauf die leiblichen Vorfahren entwickelt haben, das hat Goethes Seele beeinflusst, in das hat sie hineingewirkt, bis nach der Geburt in den physischen Leib hinein. Deshalb bringen wir unsere geistig-seelischen Eigenschaften, die unabhängig sind von dem physischen Leib, wir bringen sie durch unsere Geburt zum physischen Dasein aus der geistigen Welt heraus, weil wir in der Lage sind, bestimmend zu wirken auf die Entwicklung der physisch-sinnlichen Eigenschaften, wie sie durch die Vorfahrenreihe durchgehen.
[ 34 ] Everything that happens in the ancestral line: the coming together of this and that pair of parents, the coming together of these and those circumstances, which ultimately lead to a certain pair of parents having the physical constitution to give the body to the particular soul that is to be here, all this is co-created by our spiritual-soul nature before our birth, or let us say before our conception. We are already present in our ancestral line, that is, in what permeates our ancestral line as forces. already present within it. It is therefore not a question of Goethe bringing his spiritual and soul characteristics into existence by receiving them solely as physical hereditary material from his ancestors, but rather that what his physical ancestors developed over generations influenced Goethe's soul, which worked into it until it entered the physical body after birth. That is why we bring our spiritual and mental qualities, which are independent of the physical body, into physical existence through our birth from the spiritual world, because we are able to have a decisive influence on the development of the physical and sensory qualities that run through the ancestral line.
[ 35 ] So paradox, sehr verehrte Anwesende, solch eine Wahrheit heute noch erscheint, gerade so wie die anderen naturwissenschaftlichen Wahrheiten sich seit einigen Jahrhunderten und insbesondere im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts der Erkenntnis der Menschen wie Selbstverständlichkeiten einverleibt haben, diese Erkenntnis sie wird sich der Menschheit einverleiben, dass wir entwickeln zwischen dem Tod und der Geburt alles dasjenige, was wir durch die Erfahrungen entwickeln können, die wir aus der geistigen Welt heraus bekommen, dass wir dies, was wir an Kräften aus der geistigen Welt schöpfen wie in einen Strom heruntersenden in die Art, wie sich Vorfahre nach Vorfahre entwickelt und zuletzt das zustande kommt, was für uns eine richtige leibliche Konstitution ist. Diese geistig-seelische Betrachtung des Daseins, sie wird sich als eine selbstverständliche ergeben, wenn man einmal über gewisse rein materialistische Vorurteile hinaus sein wird.
[ 35 ] As paradoxical as such a truth may still seem today, dear audience, just as other scientific truths have become incorporated into human knowledge as self-evident truths over the past few centuries, and especially during the nineteenth century, this knowledge will become incorporated into humanity, that between death and birth we develop everything we can develop through the experiences we receive from the spiritual world, that we send down the powers we draw from the spiritual world like a stream into the way in which ancestor after ancestor develops, and finally what comes into being is what for us is a proper physical constitution. This spiritual-soul view of existence will become self-evident once we have moved beyond certain purely materialistic prejudices.
[ 36 ] Ich weiß sehr wohl: Da kommen noch sehr viele Menschen, die sagen: Na ja, dasjenige, was da solch ein Mensch behauptet, der da sagt, der Mensch sei einer inspirativen Erkenntnis zugänglich, das sei alles recht schön ausgedacht, aber das alles habe keinen Grund und Boden; viele Menschen der Gegenwart kenne ich, die da sagen: Das mag alles schön erdacht sein, aber der Grund und Boden fehlt. Dem Geistesforscher kommt das vor, wenn man sagt, der Grund und Boden fehlt, wie wenn man gesagt hätte, als man zuerst die Wahrheit aufstellte, nicht die Erde ruht unten fest auf, auf irgendetwas Festem, sondern bewegt sich frei im Weltenraum, das könne nicht sein, denn da fehle der Grund und Boden. Die Menschen können nun nicht übertragen dasjenige, was sie sich angewöhnt haben durch Jahrhunderte an logischem Urteil für eine Sphäre des Lebens auf die andere Sphäre des Lebens. Könnten sie das, so würde man nicht Einwände hören wie: der Grund und Boden fehle. Es braucht eben keinen Grund und Boden, wenn eine Erkenntnis sich selbst trägt. Und die inspirative Erkenntnis reicht hinein in diejenigen Welten, aus denen wir herauskommen, indem wir durch Geburt oder Empfängnis ins sinnliche Dasein treten, und in denen wir an denjenigen Kräften mitarbeiten, die durch die Generationsreihe unsere inneren Eigenschaften vorbereiten, diejenigen Eigenschaften, welche maßgebend sind für dasjenige, was wir durch Temperamentsdurchdringung, durch Willensdurchdringung, durch die Konfiguration des Denkens im Leben erreichen.
[ 36 ] I know very well that there are still many people who say: Well, what such a person claims, who says that human beings are accessible to inspirational knowledge, is all very nicely thought out, but it has no basis in reality; I know many people today who say: That may all be nicely thought out, but it lacks a basis in reality. To the spiritual researcher, saying that it lacks a basis in reality is as if one had said, when the truth was first established, that the earth does not rest firmly on something solid, but moves freely in space, that this cannot be, because there is no basis for it. People cannot transfer what they have become accustomed to through centuries of logical judgment for one sphere of life to another sphere of life. If they could, we would not hear objections such as: the ground is missing. There is no need for ground when a realization is self-supporting. And inspirational realization reaches into those worlds from which we come, entering sensory existence through birth or conception, and in which we work with the forces that prepare our inner qualities through the generations, those qualities that are decisive for what we achieve in life through the permeation of temperament, through the permeation of will, through the configuration of thinking.
[ 37 ] Gerade dies ist wiederum ein Gebiet, sehr verehrte Anwesende, wo die Naturwissenschaft schon entgegenkommen wird der Geisteswissenschaft, so wie man bei einem Tunnelbau von zwei Seiten hineinbohren kann; wenn man durch die entsprechenden Instrumente das in der richtigen Weise macht, kommt man in der Mitte zusammen. So wird die Naturwissenschaft, die von der einen Seite arbeitet, zusammentreffen mit der Geisteswissenschaft, welche von der anderen Seite in Wirklichkeit hineinkommt. Und gerade auf diesem Gebiete wird das Leben, auch das naturwissenschaftlich erfasste Leben, dem Menschen entgegenbringen die volle Bestätigung desjenigen, was man jetzt ja nur als eine Behauptung derjenigen Menschen hinnehmen kann, welche vom Gesichtspunkte der inspirativen Erkenntnis ausgehen.
[ 37 ] This, ladies and gentlemen, is precisely an area where natural science will already meet Spiritual Science, just as one can drill into a tunnel from two sides; if one does this in the right way with the appropriate instruments, one will meet in the middle. Thus, natural science, working from one side, will meet Spiritual Science, which in reality enters from the other side. And it is precisely in this area that life, including life as understood by natural science, will bring human beings the full confirmation of what can now only be accepted as an assertion by those who proceed from the standpoint of inspirational knowledge.
[ 38 ] Aber es gibt doch heute schon einigermaßen denkende Naturforscher, die zwar auf die Tatsachen hinweisen können, die in Betracht kommen, aber noch nicht auf dasjenige, was als übersinnliche Kräfte hinter diesen Tatsachen in der geschilderten Weise liegen muss. Wenn man von der bloßen physischen Vererbung spricht, dann müsste man eine Erklärung finden können dafür, dass verschiedene Nachkommen eines und desselben Elternpaares mit ganz verschiedenen Eigenschaften auftreten. Gewiss, sophistische Erklärungen wird man allerlei finden können; aber derjenige, der ein wirklicher Lebensbeobachter ist, dem werden diese sophistischen Erklärungen nicht dienen können. Die Kinder eines und desselben Elternpaares zeigen allerdings gewisse Grundlinien gleicher Art, aber innerhalb dieser Grundlinien zeigen sich solche Verschiedenheiten, die eben durchaus darauf hinweisen, dass etwas anderes als die bloß physische Vererbung im Spiele ist. Denn diese bloß physische Vererbung gibt, ich möchte sagen nur eine gewisse Richtung im Allgemeinen, und man sieht, wie sich hineinstellt in dieses Allgemeine dann etwas Besonderes, etwas Spezielles, das nur aus dem Geistig-Seelischen herauskommt.
[ 38 ] But there are already some reasonably minded natural scientists today who can point to the facts that come into consideration, but not yet to what must lie behind these facts in the manner described as supersensible forces. If one speaks of mere physical heredity, then one should be able to find an explanation for the fact that different offspring of the same parents have completely different characteristics. Certainly, one can find all kinds of sophistical explanations; but these sophistical explanations will be of no use to anyone who is a true observer of life. The children of the same parents do indeed show certain basic similarities, but within these basic similarities there are differences which clearly indicate that something other than mere physical heredity is at play. For this mere physical heredity gives, I would say, only a certain general direction, and one sees how something special, something specific, which comes only from the spiritual-soul, then fits into this general direction.
[ 39 ] So beobachtet heute der Naturforscher schon: Zwei Söhne eines und desselben Elternpaares treten vor ihn hin, sie zeigen gewisse Grundlinien ihrer Charakterart. Man kann sagen: in einer gewissen Art, die Gedanken zu fassen, in der Schnelligkeit der Gedanken, in dem Springen von einem Gedanken zum anderen, in dem Durchpulst-Sein von Wille bei bestimmten Anlässen sind die beiden gleichgeartet. Wie gesagt, Naturforscher weisen durchaus auf solche Dinge schon hin. Aber indem sich diese beiden Söhne im Leben entwickeln, wird aus dem einen ein tüchtiger Kaufmann. Dasjenige, was er ererbt hat — ich kann das nur kurz andeuten, wenn man’s weiter ausführt wird es immer anschaulicher und anschaulicher —, dasjenige an der Art und Weise der Ausbildung, an der Art und Weise, den Willen in Tätigkeit, Wirklichkeit zu übersetzen, macht ihn zu einem tüchtigen Kaufmann. Bei dem anderen führt dieselbe Eigenschaft, sehr verehrte Anwesende — ich spreche von einem Beispiel, das aber mehr als hundertfach vermehrt werden könnte-, zum Hochstapler! Woher kommt das? Sehr einfach: Es ist durch die physische Vererbung der Mensch in eine gewisse Richtung gedrängt — bei beiden gleicherweise, aber das Individuelle, das Besondere, das gewissermaßen einmal dieselben Eigenschaften in die Hand nimmt und sie individualisiert zum tüchtigen Kaufmann, das andere Mal sie individualisiert zum Hochstapler, das ist das Geistig-Seelische, das sich hineindrängt in die Vererbung, und das eben nur in seinem Ursprung in der geistigen Welt gesucht werden muss.
[ 39 ] Today, natural scientists already observe that two sons of the same parents exhibit certain basic characteristics of their character. One could say that in a certain way of grasping thoughts, in the speed of their thoughts, in jumping from one thought to another, in being pulsed by will on certain occasions, the two are similar. As I said, natural scientists are already pointing out such things. But as these two sons develop in life, one becomes a capable businessman. What he has inherited—I can only hint at this briefly, but if one elaborates on it, it becomes clearer and clearer—what he has inherited in terms of his education, in terms of the way he translates his will into action, into reality, makes him a capable businessman. In the other, the same characteristic, dear attendees — I am speaking of one example, but it could be multiplied a hundredfold — leads to imposture! Where does this come from? Very simple: it is through physical heredity that man is pushed in a certain direction — in both cases equally, but the individual, the special, the one who, in a sense, takes the same qualities in hand and individualizes them into a capable businessman, the other time individualizes them into an impostor, that is the spiritual-soul aspect that intrudes into heredity, and which must be sought only in its origin in the spiritual world.
[ 40 ] Eine dritte Art der Erkenntnis, sehr verehrte Anwesende, das ist diejenige, die ich mir in den genannten Büchern habe zu nennen erlaubt die intuitive Erkenntnis. Dabei ist aber keineswegs jene Intuition gemeint, welche gewisse verschwommene Mystiker oder auch sonst irgendwie Leute, die doch auch hinaus wollen über das gewöhnliche Erkennen, die aber nur bis zu einem instinktiven Erfassen eines allgemeinen Seins, einer allgemeinen Realität kommen wollen, was die als Intuition bezeichnen, sondern dasjenige ist gemeint, was sich der immer weiter und weiter dringenden inneren Selbstzucht ergibt, indem der Wille zuerst eindringt in die Imagination und sich gewissermaßen als die Offenbarung von besonderen geistigen Wesenheiten der geistigen Welt ausspricht, wie ich ausgeführt habe. Indem die Erkenntnis weiter vordringt, gelangt man nicht nur bis zur Willensoffenbarung der Geister in der Welt um uns herum, sondern man gelangt dazu, das Wesen geistiger Wesenheiten zu erkennen, wie man hier in der physisch-sinnlichen Welt das physisch-sinnliche Wesen durch die sinnliche Wahrnehmung kennt. Und dann, wenn diese intuitive Erkenntnis eintritt, dann tritt nicht nur das ein, was ich jetzt auseinandergesetzt habe, dass man wirklich erst vollständig Mitbürger wird von geistigen Wesenheiten um einen herum, vor allen von denjenigen geistigen Wesenheiten, die wir selber sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, sondern dass man wird Mitbürger derjenigen geistigen Wesenheiten, die niemals zur physischen Welt herabsteigen.
[ 40 ] A third kind of knowledge, dear attendees, is what I have taken the liberty of calling intuitive knowledge in the books mentioned. However, this does not refer to the intuition of certain vague mystics or other people who want to go beyond ordinary knowledge but who only manage to achieve an instinctive grasp of a general being, a general reality, which they call intuition. Rather, it refers to that which results from ever-increasing inner self-discipline, in which the will first penetrates the imagination and, as I have explained, expresses itself, so to speak, as the revelation of particular spiritual beings of the spiritual world. As this knowledge advances, one not only reaches the revelation of the will of the spirits in the world around us, but one also comes to recognize the nature of spiritual beings, just as one knows physical and sensory beings in the physical and sensory world through sensory perception. And then, when this intuitive knowledge occurs, not only does what I have now explained come to pass, that one truly becomes a full fellow citizen of the spiritual beings around one, especially those spiritual beings that we ourselves are between death and a new birth, but one also becomes a fellow citizen of those spiritual beings who never descend into the physical world.
[ 41 ] Aber auch: Man wird Erkenner desjenigen, was herüberwirkt aus einem früheren Erdenleben, das man mitgemacht hat, und an das sich angeschlossen hat die Entwicklung zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Denn aus dem früheren Erdenleben wirken so, wie ich ausgeführt habe — wie da in unser gewöhnliches Leben zwischen Geburt und Tod hineinwirken in unser Inneres, in unsere Artung, in unsere Temperamentsartung, Charakterartung, in die Konfiguration unseres Denkens, wie da hereinwirken die Kräfte, die wir aufgenommen haben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, so wirken herein in unser Erdenleben die Kräfte, welche herüberwirken aus unserem früheren Erdenleben.
[ 41 ] But also: one becomes aware of what has carried over from a previous earthly life that one has experienced, and to which the development between death and a new birth has been connected. For, as I have explained, the forces that we have absorbed between death and a new birth have an effect on our inner being, on our nature, on our temperament, on our character, on the configuration of our thinking, just as the forces that we have absorbed between death and a new birth have an effect on our ordinary life between birth and death. In the same way, the forces that carry over from our previous earthly life have an effect on our earthly life.
[ 42 ] Denn nichts, sehr verehrte Anwesende, bleibt im menschlichen Leben ohne Wirkung. Aber schwieriger, möchte ich sagen ist zu durchschauen dasjenige, was uns trennt von einem früheren Erdenleben, als dasjenige, was in uns und um uns lebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, aber immer wirkt durch solche Kräfte, welche nur der intuitiven Erkenntnis wahrnehmbar sind, [ein] Erdenleben oder in ein früheres Erdenleben oder weiteren früheren in die folgenden Erdenleben hinüber. In uns sind zwischen Geburt und Tod immerdar für das äußere Leben unbewusste, unwahrnehmbare Kräfte, welche die Wirkungen sind desjenigen, was ursacht in früheren Erdenleben. Nichts bleibt ohne Wirkung, was wir durchmachen. Was wir erleben mit der Außenwelt, mit verschiedenen Wesenheiten der Außenwelt, mit den unbelebten Gegenständen der Außenwelt, das verbindet sich mit unserem Seelisch-Geistigen und wirkt hinüber, indem es aufgenommen wird, durchdrungen wird von dem, was wir zwischen dem Tod und der neuen Geburt durchmachen, wirkt hinüber in folgende Erdenleben.
[ 42 ] For nothing, dear attendees, remains without effect in human life. But I would say that it is more difficult to see through that which separates us from a previous earthly life than that which lives in us and around us between death and a new birth, but always works through forces that are only perceptible to intuitive knowledge, [one] earthly life or into a previous earthly life or further previous ones into the following earthly lives. Between birth and death, there are always forces within us that are unconscious and imperceptible to external life, which are the effects of what caused them in previous earthly lives. Nothing we go through remains without effect. What we experience with the outside world, with various beings of the outside world, with the inanimate objects of the outside world, connects with our soul and spirit and carries over, being absorbed and permeated by what we go through between death and new birth, carrying over into subsequent earthly lives.
[ 43 ] Dasjenige, was aber so wirkt — was gewissermaßen sichtbar wird — in der Vergangenheit als frühere Erdenleben, das ist nur zum Bewusstsein der intuitiven Erkenntnis zu bringen. Was da nun aber zum Bewusstsein gebracht wird, sehr verehrte Anwesende, was ist es denn eigentlich? Es ist dasjenige, was wir zusammenfassen in dem schwerwiegenden Worte: «das menschliche Schicksal». Denn dieses menschliche Schicksal, das wird gezimmert erst innerlich — wie ich gezeigt habe — durch die Anlagen, die wir mitbekommen, und die im Wesentlichen abhängig sind von unserem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Es wird aber auch gezimmert dieses Schicksal von dem, was herüberwirkt aus früheren Erdenleben. Es sind in uns gegenwärtig die Kräfte, welche, ich möchte sagen wie in Linien, in Zeitlinien sich fortsetzen bis zu unserem früheren Erdenleben, sind merkwürdige Kräfte, sind Kräfte, welche — verzeihen Sie den Ausdruck, aber es ist ja schwer, für solche für das gewöhnliche Denken ungewöhnliche Dinge Worte zu finden —, es sind Kräfte, die man vergleichen könnte mit seelischen Saugekräften.
[ 43 ] But what has this effect — what becomes visible, so to speak — in the past as previous earthly lives, can only be brought to consciousness through intuitive knowledge. But what is it, dear audience, that is brought to consciousness? It is what we summarize in the weighty words: “human destiny.” For this human destiny is first shaped internally — as I have shown — by the predispositions we inherit, which are essentially dependent on our life between death and a new birth. But this destiny is also shaped by what carries over from previous earthly lives. There are forces present within us which, I would say, continue in lines, in timelines, back to our previous earthly lives. These are remarkable forces, forces which — forgive the expression, but it is difficult to find words for such things, which are unusual for ordinary thinking — could be compared to spiritual suction forces.
[ 44 ] Dadurch, dass ein früheres Erdenleben in das gegenwärtige Erdenleben herüberwirkt, wird gewissermaßen eine Leerheit in der Seele erzeugt. Jene Schicksalskraft ist nicht eine Fülle in der Seele, ist eine Art Leerheit, so wie wenn wir aus einem Raum die Luft auspumpen, wo dann die äußere Luft, wenn nur ein Loch gemacht wird, sogleich hineinfließt aus sich selber, so tragen wir gewissermaßen aus früheren Erdenleben gewissermaßen leere Stellen — was vergleichsweise, aber eben schon wahr gemeint ist —, wir tragen leere Stellen gewissermaßen in uns und diese leeren Stellen, sie saugen dasjenige, was äußeres Leben ist, an sich heran, und dadurch werden wir durch Kräfte, die unserem gewöhnlichen Bewusstsein eben unbewusst bleiben, hingetrieben zu dem, was dann auf uns so wirkt, dass wir es im Zusammenhang unser Schicksal nennen. Zusammen hängt mit unserem Schicksal dasjenige, was unser Leben zwischen Geburt und Tod bildet; es webt jedes einzelne Ereignis in unsere Seele durch die Art und Weise, wie wir unterbewusst dazu stehen, eine solche Kraft, die dann im nächsten Leben wie eine Saugekraft ist, sodass ein Wirkungsereignis eintritt, zu dem wir selber hingezogen werden.
[ 44 ] The fact that a previous earthly life carries over into the present earthly life creates, in a sense, a void in the soul. That force of destiny is not a fullness in the soul, it is a kind of emptiness, like when we pump the air out of a room, where the outside air then as soon as a hole is made, immediately flows in of its own accord, so we carry, in a sense, empty spaces from previous earthly lives — which is comparative, but meant literally — we carry empty spaces within us, and these empty spaces suck in what is external life, and through this we are driven by forces that remain unconscious to our ordinary consciousness toward what then affects us in such a way that we call it our destiny in context. Connected with our destiny is that which forms our life between birth and death; it weaves every single event into our soul through the way we subconsciously relate to it, a force that then acts like a suction force in the next life, so that an event occurs to which we ourselves are drawn.
[ 45 ] Nehmen Sie nur einmal an: Wir werden zu einem Menschen hingezogen, wir begegnen ihm im Leben, ganz besondere Verhältnisse entwickeln sich zu ihm. Das rührt davon her, dass wir mit dieser Menschenseele schon irgendwie in früheren Erdenverkörperungen zusammen waren. Durch dasjenige, was sich dazumal, ganz ohne unser Bewusstsein, vielleicht gerade ohne unser Bewusstsein, sich zwischen uns und ihm entwickelt hat, haben sich solche Seelensaugekräfte entwickelt, deren Folge dasjenige ist, was wir im gegenwärtigen Leben zu ihm zur Entfaltung bringen. Man könnte nun sagen: Aber die Verhältnisse unseres Schicksals sind so mannigfaltig, dass man sich schwer eine Vorstellung machen kann, wie die hinüberwirken in die andere Welt. Doch es ist leider nur Zeit, möchte ich sagen heute auf Einzelnes hinzuweisen.
[ 45 ] Just imagine: we are drawn to a person, we meet them in life, and very special circumstances develop with them. This stems from the fact that we were somehow already together with this human soul in previous earthly incarnations. Through what developed between us and him at that time, completely without our awareness, perhaps precisely without our awareness, such soul-attracting forces developed, the result of which is what we bring to fruition in our present life with him. One might say: But the circumstances of our destiny are so manifold that it is difficult to create a mental image of how they affect the other world. Unfortunately, however, there is only time today to point out a few individual cases.
[ 46 ] Aber ich will zum Beispiel auf eines hinweisen. Man sieht sich ein menschliches Schicksal an. Vielleicht mitten in einem hoffnungsvollen Leben ergibt sich ein elementarisches Ereignis; der Mensch wird getrieben zu einer Stätte, wo er durch äußere Veranlassung den Tod findet. Durch äußere Veranlassung wird ihm sein Leben abgeschnitten. Ein Unglücksfall tritt ein, oder er wird durch eine Krankheit aus einem hoffnungsvollen Leben in einer verhältnismäßig frühen Jugend herausgerissen. Man könnte sagen: Dasjenige, was sich in einem normal verlaufenen Leben vor dem Tod entwickelt, von dem könnte man sich vorstellen, dass es sich so ausnimmt, wie der Pflanzenkeim, der sich in der Pflanze entwickelt, und der eben die Grundlage für die nächste Pflanze abgibt, das eben dasjenige, was sich im langsamen Erdenleben zwischen Geburt und Tod entwickelt, wie ein geistig-seelischer Keim hinüberträgt ins nächste Erdenleben.
[ 46 ] But I want to point out one example. Consider a human destiny. Perhaps in the midst of a hopeful life, an elemental event occurs; the person is driven to a place where, through external circumstances, he meets his death. Through external circumstances, his life is cut short. An accident occurs, or illness tears them from a hopeful life in relatively early youth. One could say that what develops in a normal life before death could be imagined as having the same mental image as the seed that develops into a plant, and which provides the basis for the next plant, that is, what develops in the slow earthly life between birth and death is carried over into the next earthly life like a spiritual-soul seed.
[ 47 ] Aber wie ist es, wenn dieses Leben plötzlich ausgelöscht wird? Da zeigt die Intuition, dass dasjenige, was durch solch einen elementaren Tod eintritt, wodurch die Seele ganz plötzlich dazu veranlasst wird, gewissermaßen das ganze Diesseits von der anderen Seite anzuschauen, dass durch ein solch plötzliches Eintreten oder ein solch verfrühtes Eintreten des Todes in einer kurzen Zeit, in einem Augenblicke alles dasjenige durchlebt wird, was man sonst hätte durchleben können in einem noch Jahre oder vielleicht sogar Jahrzehnte dauernden Erdenleben. Solche Dinge dürfen natürlich nicht herbeigeführt werden, weil sie vom Schicksal gebracht werden müssen. Aber wenn sie gebracht werden, dann nehmen sie sich für eine geisteswissenschaftlich vertiefte Erkenntnis so aus, dass ein Eisenbahnunglück, das den Menschen zum Tode bringt, in der Seele so viel bewirkt, wie sonst jahrzehntelang — und dass von diesem Eisenbahnunglück solche Kräfte ausgehen, die nun hinüberwirken in ein anderes Erdenleben —, dass jahrzehntelange Wirkungen von diesem einen Augenblick ausgehen.
[ 47 ] But what happens when this life is suddenly extinguished? Intuition shows that what happens through such an elemental death, whereby the soul is suddenly caused to view the whole of this life from the other side, so to speak, is that through such a sudden occurrence or such a premature occurrence of death in a short time, in a moment, everything is experienced that one could otherwise have experienced in an earthly life lasting years or perhaps even decades. Such things must not, of course, be brought about, because they must be brought about by fate. But when they are brought about, they appear to Spiritual Science in such a way that a train accident that kills a person has as much effect on the soul as would otherwise have been the case over decades — and that such forces emanate from this train accident that they now carry over into another earthly life — that decades of effects emanate from this one moment.
[ 48 ] Sie sehen, sehr verehrte Anwesende, hier eröffnen sich Gebiete des geistigen Lebens, in Bezug auf welche ja auch Geisteswissenschaft erst im Anfange der Forschung ist; aber es sind Gebiete des geistigen Lebens, welche in inniger Beziehung stehen zu dem, was der Mensch immerdar fühlen und empfinden muss. Und gerade von dem Punkt, bis zu dem wir jetzt vorgeschritten sind, ausgehend, wird sich von der Geisteswissenschaft aus ergießen über das menschliche Leben eine Erkenntnis der großen Schicksalsfragen des Daseins, wie der Mensch durch inspirierte Erkenntnis das Freiheitsproblem erst [lösen] kann, indem er diejenigen Kräfte, die sich in seinem freien Wirken äußern, in den Wirkungen des freien Willens äußern, indem er dies sehen muss in dem, was ihm geistig-seelisch aus dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt erwächst, so erwächst dasjenige, was wir als Schicksal zu betrachten haben, für die intuitive Erkenntnis durch das Herübertragen und Herüberströmen derjenigen Kräfte, die sich in früheren Erdenleben bilden.
[ 48 ] You see, dear friends, here are opening up areas of spiritual life which Spiritual Science is only just beginning to research; but these are areas of spiritual life which are intimately connected with what human beings must always feel and experience. And starting from the point we have now reached, Spiritual Science will pour out upon human life a knowledge of the great questions of destiny in existence, such as how human beings can only [solve] the problem of freedom through inspired knowledge, by expressing those forces that manifest themselves in their free activity in the effects of free will, by seeing this in what arises spiritually and soulfully from life between death and new birth, that which we must regard as destiny arises for intuitive knowledge through the transfer and overflowing of those forces that are formed in earlier earthly lives.
[ 49 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, zum Schluss will ich nur hinweisen darauf, wie diejenigen Erkenntnisarten, von denen ich gesprochen habe, die also Erweiterungen der gewöhnlichen Erkenntniskräfte sind, wie sie nicht nur über den Menschen aufklären, nicht nur über eine geistige Welt, die um uns herum ist und in welcher diejenigen sind, die vor uns durch die Pforte des Todes gegangen sind, sondern wie diese Erkenntnisarten auch hinführen, die Weltentwicklung und ihren Zusammenhang mit der einzelnen menschlichen Entwicklung zu erkennen. Ich habe in einem früheren Vortrage darauf hingewiesen, zu welchen für viele Menschen trostlosen Anschauungen gewisse naturwissenschaftliche Hypothesen über die Erdenentwicklung gekommen sind. Ich habe darauf hingewiesen, wie Herman Grimm — der eine feine Empfindung als Kunstforscher sich für diese Dinge entwickelt hat und welcher sie rückhaltlos angegriffen hat —, zu welchen Empfindungen zum Beispiel Herman Grimm gekommen ist in Bezug auf diejenigen Vorstellungen, die aus diesen naturwissenschaftlichen Hypothesen über den Ursprung des Erdendaseins sich entwickeln. Ich habe die betreffende Stelle in meinem letzten Buche über das «Menschenrätsel» mitgeteilt, und ich möchte sie noch einmal, trotzdem ich sie schon das letzte Mal vorgebracht habe, ich möchte sie noch einmal vorbringen diese Stelle, weil sie zeigt, wie Menschen, die nicht suggestioniert sind, über solche Dinge denken:
[ 49 ] Now, dear audience, in conclusion, I would just like to point out how the types of knowledge I have spoken about, which are extensions of the ordinary powers of knowledge, not only enlighten us about human beings, not only about a spiritual world that surrounds us and in which those who have gone before us through the gate of death reside, but also lead us to recognize world development and its connection with individual human development. In an earlier lecture, I pointed out how certain scientific hypotheses about the development of the earth have led to views that are bleak for many people. I pointed out how Herman Grimm — who, as an art researcher, developed a keen sensitivity for these things and attacked them unreservedly — came to certain conclusions regarding the mental images that develop from these scientific hypotheses about the origin of earthly existence. I communicated the relevant passage in my last book on the “The Mystery of Man,” and I would like to quote it again, even though I already presented it last time, because it shows how people who are not influenced by suggestion think about such things:
Längst hatte, in seinen
Long ago, in his
— Goethes —
— Goethe's —
[ 50 ] Jugendzeiten schon, die große Laplace-Kant’sche Phantasie von der Entstehung und dem einstigen Untergang der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht, als erstarrende Kugel, in unfassbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit einbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen: ein langer, aber dem [heutigen] Publikum völlig begreiflicher Prozess, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens [mehr bedürfe] als die Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten.
[ 51 ] Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen
[ 50 ] youth, the great Laplace-Kant fantasy about the origin and eventual demise of the globe had already taken hold. From the rotating nebula — children already learn this in school — forms the central gastropause, from which the Earth is subsequently formed, and, as a solidifying sphere, goes through all phases, including the episode of habitation by the human race, in inconceivable periods of time, finally falling back into the Sun as burnt-out slag: a long process, but one that is completely comprehensible to the [present-day] audience, for the realization of which no external intervention [is needed] other than the effort of some outside force to maintain the sun at the same heating temperature.
[ 51 ] No more fruitless prospect for the future can be imagined than the one that is being imposed on us today as scientifically necessary. A carcass bone
— verzeihen Sie, aber Herman Grimm sagt so —,
— forgive me, but Herman Grimm says so —,
[ 52 ] ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg machte, wäre ein erfrischendes appetitliches Stück im Vergleiche zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wissbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären, die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn aufwenden werden.
[ 52 ] a carcass around which a hungry dog made a detour would be a refreshing, appetizing morsel in comparison to this last excrement of creation, as which our earth would ultimately fall back to the sun, and it is the thirst for knowledge with which our generation accepts such things and believes them to be a sign of a sick imagination, which scholars of future epochs will once again apply their acumen to explain as a historical phenomenon of the times.
[ 53 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, Geisteswissenschaft gelangt auf andere Art als durch bloße naturwissenschaftliche Spekulation zu Erkenntnissen darüber, wie die Erde früher geartet war.
[ 53 ] Well, dear audience, Spiritual Science arrives at insights into what the earth was like in the past in a different way than through mere scientific speculation.
[ 54 ] Gerade wenn der Mensch vordringt zu der imaginativen Erkenntnis, wenn er sich erkennt in den Kräften, die übersinnliche Lebenskräfte, Bildekräfte sind, dann lernt er sich in ganz anderer Weise als ein Glied der gesamten lebendigen — ich sage lebendigen Erde, nicht der Erde, die die bloße Geologie längst hatte oder die Mineralogie —, der gesamten lebendigen Erde kennen, er lernt sich als ein Glied der lebendigen Erde kennen, und er lernt in dieser Erde, in der er jetzt selber drinnen ist, etwas kennen, das in ihm so ist, wie in seinem eigenen Innern eine Erinnerungsvorstellung an ein längst vergangenes Ereignis drinnen ist. So wie dasjenige, was in uns vor Langem vorgegangen, sich in uns wieder belebt, so kann imaginative Erkenntnis, wenn sie überblickt den Zusammenhang des Menschen mit den Erdekräften, mit den Erdebildekräften, sie kann innerhalb desjenigen, was heute als Erde da ist, wie Erinnerungs-Wahrnehmungen, dasjenige vor sich haben, was die Erde früher war.
[ 54 ] Precisely when human beings advance to imaginative knowledge, when they recognize themselves in the forces that are supersensible life forces, formative forces, then they learn in a completely different way that they are a member of the entire living — I say living Earth, not the Earth that mere geology or mineralogy has long known — the entire living Earth, they learn to know themselves as a member of the living Earth, and they learn to know something in this Earth, in which they themselves are now, that is within them, just as within their own inner being there is a memory of a long-past event. Just as that which happened within us long ago is revived within us, so imaginative knowledge, when it surveys the connection of the human being with the forces of the earth, with the formative forces of the earth, can, within that which is today the earth, have before it, like memories, that which the earth was in the past.
[ 55 ] Wie wir unsere eigenen Erlebnisse, durch die wir durchgegangen sind, in einer solchen, aus den Untergründen heraufgezogenen Erinnerungs-Erkenntnis gewinnen, so gewinnt man durch inspiriertes Erkennen der Erde eine Vorstellung davon, was die Erde war, bevor sie in den festen mineralischen Zustand, in dem sie heute ist, übergegangen ist. Da kommt man dazu, dass die Erde einen Zustand durchgemacht hat, in dem alles dasjenige, was im heutigen mineralischen Verfestigen enthalten ist, noch nicht da war, in dem die Erde in einem viel feineren materiellen Zustande war. Der Mensch war schon mit der Erde in diesem vorhergehenden Zustand der Erde. So wie der einzelne Mensch wiederholte Erdenleben durchlebt, so hat sich unser Erdplanet gewissermaßen aus früheren Erdenleben herüberentwickelt, aus früheren planetarischen Entwicklungsstufen.
[ 55 ] Just as we gain our own experiences through what we have gone through in such a memory-knowledge drawn up from the depths, so through inspired knowledge of the earth we gain a mental image of what the earth was before it passed into the solid mineral state in which it is today. One comes to the conclusion that the earth went through a state in which everything that is contained in today's mineral solidification was not yet there, in which the earth was in a much finer material state. Man was already with the earth in this previous state of the earth. Just as the individual human being goes through repeated earthly lives, so our Earth planet has, in a sense, developed from earlier earthly lives, from earlier planetary stages of development.
[ 56 ] Wenn man nun den Menschen im Zusammenhang mit dem betrachtet, was so die Erde war, dann kommt man darauf, wie gesagt in innerer Anschauung, dass der Mensch allerdings eine Entwicklung durchgemacht hat; aber diese Entwicklung verlief nicht so — ich habe von einem ganz anderen Gesichtspunkte im vorigen Vortrage darauf hingewiesen —, nicht so, wie sich’s der materialistisch orientierte Darwinismus vorstellt, sondern der Mensch war auf diesem Planeten-Vorgänger unserer Erde allerdings in einer gewissen Art ein tierartiges Wesen, aber dieses tierartige Wesen war kein solches Tier, wie sich die Tiere auf unserer Erde entwickeln unter den Verhältnissen, die die Erde erst angenommen hat, nachdem sie sich umgewandelt hat aus dem früheren Zustand, sondern der Mensch befand sich allerdings in seinem Bewusstseinszustand so instinktiv, wie sich heute die Tiere befinden; aber er hat dieses Dasein in viel geistigerer Entwicklung durchgemacht, auf viel höherer Entwicklungsstufe durchgemacht. Er ist heruntergestiegen in sein Dasein, um auf der Erde sich äußerlich physisch zu einem vollkommeneren Dasein zu entwickeln. Aber den Tierzustand hat er mitgemacht, indem er geistiger war als die heutigen Tiere, indem er auch in der geistigen Welt mehr darinnen enthalten war.
[ 56 ] If we now consider human beings in connection with what the Earth was like, we come to the conclusion, as I said in my inner vision, that human beings have indeed undergone a development; but this development did not proceed in the way — I pointed this out from a completely different point of view in the previous lecture — not in the way that materialistically oriented Darwinism has in its mental image, but rather that human beings on this planetary predecessor of our Earth were indeed, in a certain sense, animal-like beings, but this animal-like being was not an animal like those that develop on our Earth under the conditions that the Earth first assumed after it had transformed from its earlier state. Rather, human beings were indeed as instinctive in their state of consciousness as animals are today; but they went through this existence in a much more spiritual state of development, at a much higher stage of development. They descended into their existence in order to develop outwardly and physically into a more perfect existence on Earth. But they went through the animal state by being more spiritual than today's animals, by also being more involved in the spiritual world.
[ 57 ] Da kommen wir nicht zu demjenigen, was Herman Grimm nennt, dass es so unappetitlich ist wie ein «Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg» macht, sondern wir kommen im Gegenteil zu einem Vorgänger, in dem unsere Erde geistiger ist. Und immer geistiger und geistiger würden die vorhergehenden Zustände unserer Erde sein; und wir würden dazu kommen, dasjenige, was wir jetzt erleben, als hervorgehend aus dem Geistigen zu erkennen, und auch wiederum die Zukunft der Erde als einen rein geistigen Zustand kennenlernen. Wenn jemand glauben würde, dass alles dasjenige, was sich entwickelt im Menschen, immerzu wiederholte Erdenleben durchmacht, würde er fehlgehen; das ist nur während des Erdenzustandes der Fall, sondern in der Entwicklung jenes planetarischen Körpers, auf die ich eben skizzenhaft hingewiesen habe, waren noch nicht wiederholte Erdenleben, sondern eine andere Art [des] Daseins. Sie können dies nachlesen in meiner «Geheimwissenschaft». Und wiederum werden die wiederholten Erdenleben ein Ende nehmen. Nur während der Erdenentwicklung selber macht der Mensch die wiederholten Erdenleben durch. So aber ergibt sich, dass Geisteswissenschaft nicht nur auf dasjenige, was mit dem Menschen unmittelbar zusammenhängt, hinweist — verzeihen Sie, dass ich das Letztere nur ganz skizzenhaft ausführen kann, aber die Zeit eilt —, sondern es weist die Geisteswissenschaft auch hin auf das Verhältnis des Menschen zur gesamten Weltentwicklung. Dadurch aber steigt die Geisteswissenschaft auf zu einer wirklichen Erkenntnis der geistigen Welt, der der Mensch angehört als Seelisch-Geistiges, wie er als physisches Wesen der sinnlichen Welt angehört.
[ 57 ] We do not arrive at what Herman Grimm calls something as unappetizing as a “carcass around which a hungry dog makes a detour,” but rather, on the contrary, we arrive at a predecessor in which our Earth is more spiritual. And the previous states of our Earth would be increasingly spiritual; and we would come to recognize what we are now experiencing as emerging from the spiritual, and also come to know the future of the earth as a purely spiritual state. If someone were to believe that everything that develops in human beings always goes through repeated earthly lives, they would be mistaken; this is only the case during the earthly state, but in the development of that planetary body which I have just outlined, there were not yet repeated earthly lives, but a different kind of existence. You can read about this in my “Secret Science.” And again, the repeated earthly lives will come to an end. Only during the development of the earth itself does the human being go through repeated earthly lives. But this means that Spiritual Science does not only point to what is directly related to the human being — forgive me for only being able to sketch the latter very briefly, but time is pressing — but Spiritual Science also points to the relationship of human beings to the entire development of the world. In this way, however, Spiritual Science rises to a real knowledge of the spiritual world, to which human beings belong as soul-spiritual beings, just as they belong to the sensory world as physical beings.
[ 58 ] Ich musste Ihnen allerdings im Verlaufe dieses Vortrages eine Reihe von Begriffen und Ideen entwickeln, welche gegenüber den gewohnten Vorstellungen der Gegenwart äußerst paradox klingen. Weil sie so paradox klingen, ist es zu begreifen, dass viele Menschen in eine Art leidenschaftliche Abneigung verfallen, wenn sie gerade von dieser anthroposophisch gearteten Geisteswissenschaft hören. Aber das Merkwürdige ist, dass diese Leidenschaft eigentlich eintritt bei gewissen Menschen — das ist das Merkwürdige —, eintritt, ohne dass sie das Bedürfnis fühlen, diese Geisteswissenschaft wirklich kennenzulernen, sondern sie machen irgendein Zerrbild, irgendeine Karikatur, etwas, was sie selber vorstellen wollen unter dieser Geisteswissenschaft, und dann kritisieren sie dasjenige, was sie sich vorstellen. Sie führen das Publikum dann irre, indem das Publikum, das auch nicht die Geisteswissenschaft selber kennt, glauben muss, dass diese Geisteswissenschaft getroffen würde, während nur getroffen werden die Karikaturen, die einzelne Menschen vorführen.
[ 58 ] In the course of this lecture, however, I have had to develop a series of concepts and ideas that sound extremely paradoxical compared to the usual mental images of the present day. Because they sound so paradoxical, it is understandable that many people fall into a kind of passionate aversion when they hear about this anthroposophical Spiritual Science. But the strange thing is that this passion actually arises in certain people—that is the strange thing—without them feeling the need to really get to know the Spiritual Science. Instead, they create some kind of distorted image, some kind of caricature, something they themselves want to imagine under the Spiritual Science, and then they criticize the mental image they create. They then mislead the audience, who also do not know Spiritual Science itself, into believing that Spiritual Science is being attacked, when in fact it is only the caricatures presented by individual people that are being attacked.
[ 59 ] In dieser Beziehung kann man allerdings höchst merkwürdige Dinge erleben, sehr verehrte Anwesende. So zum Beispiel war es möglich, dass in diesem Mai hier in der Schweiz ein Vortrag gehalten worden ist von jemandem, in dem auch auf unsere anthroposophisch geartete Geisteswissenschaft hingewiesen wird. In diesem Vortrage findet sich ganz Merkwürdiges, so zum Beispiel wird diese Geisteswissenschaft zusammengeworfen mit der alten Gnosis, und das ist geradeso, wie wenn jemand die moderne Chemie zusammenwirft mit der alten Alchemie, weil er nicht unterscheiden kann zwischen Alchemie und Chemie. Er hat aber auch zusammengeworfen diese Geisteswissenschaft mit allem möglichen Unklar-Mystischen. Und dann, sehr verehrte Anwesende, nachdem der Redner zusammengeworfen hat diese Geisteswissenschaft mit all dem UnklarMystischen, sagt er zum Beispiel den folgenden Satz von seinem Gesichtspunkte aus, der ablehnen muss, wie er sagt, diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie:
[ 59 ] In this regard, however, one can experience some very strange things, dear audience. For example, it was possible that this May, here in Switzerland, a lecture was given by someone who also referred to our anthroposophical Spiritual Science. This lecture contains some very strange things, for example, the Spiritual Science is lumped together with ancient Gnosticism, which is like someone lumping modern chemistry together with ancient alchemy because they cannot distinguish between alchemy and chemistry. But he also lumped this Spiritual Science together with all kinds of obscure mysticism. And then, dear audience, after the speaker lumped this Spiritual Science together with all kinds of obscure mysticism, he said, for example, the following sentence from his point of view, which, as he says, must reject this Spiritual Science or anthroposophy:
Nie aber könnten wir
But we could never
—sagt er —
—he says—
des Weitern beistimmen dem Aufgeben und Verachten des menschlichen Denkens und Sinnens, wie es diese Mystik fordert.
agree with the abandonment and contempt of human thinking and reasoning, as this mysticism demands.
[ 60 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, aus dem heutigen Vortrage und aus alledem, was ich hier gesagt habe, wird niemand bemerkt haben, dass ein Verachten des Denkens irgendwie Platz gegriffen hat unter denjenigen, die der Anthroposophie nähergetreten sind; ich glaube, im Gegenteil, vielleicht finden manche die Anstrengungen und Anforderungen, die an das Denken gemacht werden sogar recht sehr bedenklich.
[ 60 ] Well, dear audience, from today's lecture and from everything I have said here, no one will have noticed that contempt for thinking has somehow taken hold among those who have become closer to anthroposophy; on the contrary, I believe that some may even find the efforts and demands made on thinking quite questionable.
[ 61 ] Aber der ganze Vortrag des Betreffenden ist in einer sehr eigentümlichen Weise gehalten. Und ich möchte am Schluss auf diese Dinge doch hinweisen. Er knüpft zum Beispiel an an gewisse Ausführungen, die ein Pastor der Schweiz einmal gemacht hat über die Geisteswissenschaft. Ich habe dann in Liestal selber alle einzelnen Punkte widerlegt, nicht in einer Weise widerlegt, dass ich Geisteswissenschaft etwas anderes als richtiggestellt habe — darüber kann man ja diskutieren und darüber wird noch lange diskutiert werden —, darauf kam es gar nicht an, sondern darauf kam es an, dass der betreffende Vortragende sich alles Mögliche hat zutragen lassen, alles Mögliche gehört hat, das nicht stimmte mit dem, was Geisteswissenschaft wirklich sagt. Das ist eine andere Art Richtigstellung, als wenn man gegen jemandes Meinung diskutiert. Der betreffende Herr, der nun im Mai in der Schweiz seinen Vortrag über «Moderne Mystik und freies Christentum» gehalten hat, bringt es fertig, beide Vorträge — den von dem betreffenden Pfarrer und den meinen — zu behandeln, als wenn sie sich ergänzen würden, während der erste von den zweien in der Weise ist, wie ich’s geschildert habe.
[ 61 ] But the entire lecture of the person in question is presented in a very peculiar way. And I would like to point this out at the end. For example, he refers to certain remarks that a pastor in Switzerland once made about Spiritual Science. I then refuted all the individual points myself in Liestal, not in a way that I corrected Spiritual Science — that is something that can be discussed and will continue to be discussed for a long time — that was not the point at all. The point was that the speaker in question had allowed himself to be told all sorts of things, had heard all sorts of things that were not in accordance with what Spiritual Science really says. That is a different kind of correction than when one argues against someone's opinion. The gentleman in question, who gave his lecture on “Modern Mysticism and Free Christianity” in Switzerland in May, manages to treat both lectures — that of the pastor in question and mine — as if they complemented each other, whereas the first of the two is as I have described it.
[ 62 ] Sehr verehrte Anwesende, eine solche Art, Geisteswissenschaft zu bekämpfen, die ist — mag vieles dabei unbewusst selbstverständlich verlaufen — etwas anderes vor strengen Begriffen als christliche Ehrlichkeit; und der Vortragende hielt seine Rede über «Freies Christentum und moderne Mystik». Christlich braucht man gerade solche Art nicht zu finden. Aber außerdem weist der betreffende Herr hin auf verschiedene Bücher von mir.
[ 62 ] Dear attendees, this kind of opposition to Spiritual Science—even if much of it is unconscious and taken for granted—is something other than Christian honesty in the strict sense of the term; and the speaker gave his lecture on “Free Christianity and Modern Mysticism.” One does not need to find this kind of thing in Christianity. But in addition, the gentleman in question refers to various books of mine.
Wir
We
—er sagt im Anschlusse an diese Bücher —,
—he says in connection with these books—
[ 63 ] Wir sind Dr. Steiner nur dankbar, dass er uns gezeigt, mit wie viel Suggestion und Anästhesien in neuerer Mystik gearbeitet wird, müssen allerdings aber vermuten, dass, wer einmal diesem suggestiven Einfluss des Schauens sich hingegeben hat, Vernunftgründen kaum mehr zugänglich sein wird, und religiöses Empfinden völlig eingebüßt hat.
[ 63 ] We are only grateful to Dr. Steiner for showing us how much suggestion and anesthesia are used in modern mysticism, but we must assume that anyone who has once surrendered to this suggestive influence of vision will hardly be accessible to rational arguments anymore and will have completely lost their religious sensibility.
[ 64 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, wer die genannten Bücher, die der betreffende Herr sogar zitiert, wirklich durchgelesen hat, der weiß, wie alle Mittel gesucht werden, um gerade Anästhesien, das heißt Unbewusst-aus-der-Erinnerung-Herantretendes, was eigentlich scheinbar vergessen ist, und Suggestives, wie versucht ist, gerade das alles auszuschließen, wie alles gestellt wird in das Licht des Bewusstseins. Es mag sein, dass der betreffende Herr nicht bewusst Unrichtiges sagen will, aber von bloßem Missverständnis kann dabei dennoch nicht gesprochen werden, sondern davon muss gesprochen werden, dass hier ein Zerrbild entworfen wird, von dem das Gegenteil wahr ist, und dass dann gegen dieses Zerrbild kritisiert wird; dann kann man selbstverständlich Geisteswissenschaft in Grund und Boden hineinkritisieren, aber man trifft sie gar nicht. Man macht es an vielen Orten so.
[ 64 ] Well, dear attendees, anyone who has actually read the books mentioned, which the gentleman in question even quotes, knows how all means are sought to exclude precisely anesthesia, that is, what approaches from the unconsciousness of memory, what is actually seemingly forgotten, and suggestion, how attempts are made to exclude precisely all of this, how everything is placed in the light of consciousness. It may be that the gentleman in question does not consciously want to say anything incorrect, but this cannot be dismissed as a mere misunderstanding. Rather, it must be said that a distorted picture is being painted here, the opposite of which is true, and that this distorted picture is then being criticized. Of course, one can criticize Spiritual Science to the ground, but you don't hit it at all. This is done in many places.
[ 65 ] Deshalb möchte ich nur einmal ganz kurz am Schlusse heute dieses Vortrags ein Beispiel herausreißen. Aber ganz besonders schön wird die Sache an einer Stelle, wo nun dieser Herr mit seinem echt christlichen Sinn, den er sich ja zudiktiert, wo dieser Herr mit seinem echt christlichen Sinn sagt, wie wenig diese Geisteswissenschaft dazu beitragen könne, christliche und religiöse Empfindungen in dem Menschen zu entwickeln.
[ 65 ] That is why I would like to briefly highlight one example at the end of today's lecture. But the matter becomes particularly interesting at a point where this gentleman, with his genuine Christian spirit, which he dictates to himself, where this gentleman, with his genuine Christian spirit, says how little Spiritual Science can contribute to developing Christian and religious feelings in people.
[ 66 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, ich habe im letzten Vortrage darauf hingewiesen, wie allerdings gewisse Weltanschauungen, die glauben, sich auf dem geistigen Boden der Naturwissenschaft zu bewegen, in den letzten Zeiten von religiösen Empfindungen, von christlichen Empfindungen abgebracht haben; aber ich habe zugleich darauf hingewiesen, dass der Weg, den der Mensch in die geistige Welt hineingeht durch Geisteswissenschaft, in ihm so lebendig macht den Zusammenhang mit einer geistigen Welt, dass dadurch religiöses Empfinden, wirkliches religiöses Zusammengehörigkeitsgefühl mit der Menschheit nur verstärkt werden kam.
[ 66 ] Well, dear audience, in my last lecture I pointed out how certain worldviews, which believe themselves to be based on the spiritual ground of natural science, have in recent times led people away from religious feelings Christian sentiments; but I also pointed out that the path by which man enters the spiritual world through Spiritual Science makes the connection with a spiritual world so alive in him that religious sentiment, a real religious sense of belonging to humanity, can only be strengthened as a result.
[ 67 ] Hat Naturwissenschaft in einseitiger Weise den Menschen vom religiösen Leben abgeführt, Geisteswissenschaft wird ihn wieder hinführen, und insbesondere hinführen zur Erfassung des größten Ereignisses, das über die Erdenentwicklung hingezogen ist, des Ereignisses von Golgatha. Und derjenige, welcher ein bisschen nur ansieht, was ich nun seit Jahrzehnten geschrieben habe, der weiß, dass diejenige Geisteswissenschaft, die von mir vertreten wird, nichts zu tun hat mit jener Nebelmystik, die da davon spricht: Der Mensch müsse den Christus in seinem Inneren entwickeln, und müsse zufrieden sein, wenn er den Christus in seinem Innern entwickele. Jene größenwahnsinnige Christologie hat nichts zu tun mit dem, was ich als geisteswissenschaftliche Anschauung vertrete. Schon in meinem [Professat] «Das Christentum als mystische Tatsache» suchte ich zu zeigen, wie Geisteswissenschaft dahin führt, das Mysterium von Golgatha wirklich zu erkennen, zu erkennen, wie einmal es sich nur vollziehen konnte, wie der Christus eben als historische Erscheinung, als wirkliches, übersinnlich-sinnliches Ereignis, [wie] dieses Mysterium erfasst werden muss, wie man es zu tun hat mit einer äußeren Tatsache, die nichts, nichts gemein hat mit einem bloßen inneren mystischen Erlebnis. Darauf legte ich immer Wert — die Tatsächlichkeit des Todes und der Auferstehung des Christus auch wissenschaftlich verständlich zu machen. Dann muss man es erleben, dass Folgendes gesagt werden kann:
[ 67 ] If natural science has led people away from religious life in a one-sided way, Spiritual Science will lead them back, and in particular lead them to grasp the greatest event that has ever taken place in the history of the earth, the event of Golgotha. And anyone who takes even a brief look at what I have been writing for decades now will know that the Spiritual Science I represent has nothing to do with that nebulous mysticism that says: that human beings must develop Christ within themselves and must be content when they develop Christ within themselves. That megalomaniacal Christology has nothing to do with what I represent as a view of Spiritual Science. Already in my [professorship] “Christianity as a Mystical Fact,” I sought to show how Spiritual Science leads to a true understanding of the mystery of Golgotha, to an understanding of how it could only have happened once, how Christ, precisely as a historical phenomenon, as a real, supersensible event, [how] this mystery must be understood, how one has to deal with an external fact that has nothing, nothing in common with a mere inner mystical experience. I always attached great importance to making the reality of Christ's death and resurrection scientifically understandable. Then one must experience that the following can be said:
[ 68 ] Wir erkennen jetzt auch, in welchem Sinn gerade Dr. Steiner zu der Behauptung kommen kann, wir sind nicht gegen das Christentum, wir sind sogar schließlich die eigentlichen Christen.
[ 68 ] We now also recognize in what sense Dr. Steiner in particular can come to the conclusion that we are not against Christianity, we are in fact the true Christians.
[ 69 ] Er meint diejenigen, die sich zur Anthroposophie bekennen.
[ 69 ] He means those who profess anthroposophy.
[ 70 ] Christus war in den Augen der Anthroposophen ein solcher, der die höheren Mächte erschaute; Dr. Steiner, der Lehrer, wird auch glauben, dass er diese Mächte erschaut und an ihnen teilnimmt. Aber auch jeder unter uns soll ja dieser Kräfte teilhaftig werden können, wenn er sich mit genügender Ausdauer im Schauen übt. So kommt es denn wieder auf die nämliche Forderung heraus, die schon der erwähnte russische Mystiker Solowjow erhoben hat, wir könnten und sollten alle Christusse sein, übrigens eine Forderung, die schon jeder Mystiker, der so freundlich war, auf das Christentum Rücksicht zu nehmen, erhoben hat.
[ 70 ] In the eyes of anthroposophists, Christ was someone who beheld the higher powers; Dr. Steiner, the teacher, will also believe that he sees these powers and participates in them. But each of us should also be able to participate in these powers if we practice seeing with sufficient perseverance. This brings us back to the same demand that the aforementioned Russian mystic Soloviev made, that we could and should all be Christs, a demand, incidentally, that every mystic who was kind enough to take Christianity into consideration has already made.
[ 71 ] Mag dies eine unbewusste Lüge sein, aber eine Lüge, eine wirkliche objektive Lüge ist es. Man kann, wenn man so Geisteswissenschaft oder Anthroposophie bekämpft, man kann, sehr verehrte Anwesende, allerdings Eindruck machen, sogar in netten «Familienzirkeln», aber man trifft nicht dasjenige, auf das man zielt, durch den Schein dieser Worte, sondern man vermeidet es, die Wahrheit zu suchen, um gegen ein Zerrbild der Wahrheit zu Felde ziehen zu können, dass einem solchen Zerrbild nicht die richtigen Motive zugrunde liegen können, das sollte eigentlich in weiten Kreisen selbstverständlich sein.
[ 71 ] This may be an unconscious lie, but it is a lie, a real objective lie. When you fight Spiritual Science or anthroposophy in this way, you can certainly make an impression, even in nice “family circles,” but one does not hit the target one is aiming at with the appearance of these words; rather, one avoids seeking the truth in order to be able to campaign against a distorted image of the truth, that such a distorted image cannot be based on the right motives, which should actually be self-evident in wide circles.
[ 72 ] Für die Schweiz hat sich dieser Herr, der seinen Vortrag in diesem Mai in Aarau gehalten hat — ich erwähne ihn nicht als einen der geistreichsten Gegner der Geisteswissenschaft, sondern als einen charakteristischen —, für die Schweiz hat er sich noch das ganz Besondere zurecht gerichtet, dass er ausführt, so wie andere mystische Richtungen, so sei Anthroposophie etwas, was als fremde Pflanze hereingeführt worden ist. Nicht einmal dieses ist wahr, sondern wahr ist, dass der Herr nicht weiß, dass es gerade einen großen Lehrer gegeben hat einer tief philosophischen Weltanschauung, den Ihnen schon das letzte Mal genannten Troxler, der in Basel und in Bern in einer wunderbaren Weise auf Anthroposophie hingewiesen hat, und zwar so auf Anthroposophie hingewiesen hat, dass gerade dasjenige dazumal — da sein konnte es noch nicht —, aber dass es angedeutet ist von Troxler, was jetzt als Anthroposophie auftritt. So zum Beispiel sagt Troxler:
[ 72 ] For Switzerland, this gentleman, who gave his lecture in Aarau this May — I mention him not as one of the most witty opponents of Spiritual Science, but as a characteristic one — for Switzerland, he has tailored something very special for himself, arguing, like other mystical movements, that anthroposophy is something that has been introduced as a foreign plant. Not even this is true, but what is true is that this gentleman does not know that there was once a great teacher of a deeply philosophical worldview, Troxler, whom I mentioned to you last time, who pointed to anthroposophy in a wonderful way in Basel and Bern, and indeed pointed to anthroposophy in such a way that precisely what was then — could not yet be there — but that it is hinted at by Troxler, what now appears as anthroposophy. For example, Troxler says:
[ 73 ] Hier ist wohl auch die Art zu erwähnen, wie die Mystik meistens den Menschen in Gott, so wie die Philosophie Gott im Menschen verlierend, dies Urverhältnis der menschlichen Natur
[ 73 ] Here it is also worth mentioning the way in which mysticism usually loses sight of the human being in God, just as philosophy loses sight of God in the human being, this primordial relationship of human nature.
[ 74 ] — «Urverhältnis» nennt Troxler jenes Verhältnis, das heute auf dem fortgeschrittenen Felde der Geisteswissenschaft sich in der imaginativen, in der intuitiven und in der inspirativen Erkenntnis darlebt, das nennt Troxler das Urverhältnis —,
[ 74 ] — Troxler calls this relationship the “primordial relationship,” which today is brought to life in the advanced field of Spiritual Science in imaginative, intuitive, and inspirational knowledge. Troxler calls this the primordial relationship —
[ 75 ] dies Urverhältnis der menschlichen Natur, das anthroposophisch zu ergründen der Mensch sich begnügen soll, in theosophischen Spekulationen von sich auf Gott selbst übertragen hat.
[ 75 ] this primordial relationship of human nature, which anthroposophically speaking, human beings should be content to explore, has been transferred to God himself in theosophical speculations.
[ 76 ] So sehen wir, wie aus einer nebulösen Mystik Troxler hier gerade hinweist auf den Übergang, der zur Anthroposophie genommen werden muss. Troxler sagt weiter zum Beispiel:
[ 76 ] Thus we see how, from a nebulous mysticism, Troxler points here precisely to the transition that must be made to anthroposophy. Troxler goes on to say, for example:
[ 77 ] Die Theosophie überhaupt trifft der Vorwurf, dass sie versäumt hat, sich anthroposophisch zu begründen.
[ 77 ] Theosophy in general is accused of failing to establish itself on anthroposophical grounds.
Weiter sagt er:
He goes on to say:
[ 78 ] Alle wahre Physiologie und [Physiurgie], und wir begreifen darunter alles menschliche Wissen und Sein, Können und Tun, haben ihren Grund in der [menschlichen Natur] und ihrer Philosophie, oder in der Anthroposophie.
[ 78 ] All true physiology and [physiurgy], and by this we mean all human knowledge and being, ability and action, have their basis in [human nature] and its philosophy, or in anthroposophy.
[ 79 ] Das heißt, wahr ist nicht, was der Herr in Aarau gesagt hat, sondern wahr ist, das hier auf schweizerischem Boden zuerst von Troxler sogar innerhalb unserer Kulturgemeinschaft das Wort Anthroposophie und der Begriff Anthroposophie erahnend geprägt worden ist. Nicht etwas Fremdes wird mit Anthroposophie hereingetragen, sondern gerade dasjenige, was hier ersehnt und erhofft worden ist, allerdings von anderen Leuten, eben von solchen, wie Troxler, von anderen Leuten als diejenigen sind, die heute Anthroposophie bekämpfen und gewissermaßen den Lokalpatriotismus dadurch packen wollen, dass sie darauf hinweisen: Das ist nicht schweizerisch. Aber man kommt eben auf andere Weise als die Erkenntniswege solcher Gegner der Anthroposophie sind, zu jenem inneren Geistesleben, das sich in Imagination, Inspiration und Intuition ausprägt; man kommt in ein Erleben, ich habe es als energievoll charakterisiert, ich habe es so charakterisiert, dass innere Ruhe, Intensität und Konzentration des ganzen inneren Seelenlebens eintreten müssen. Und Troxler sagt sehr schön:
[ 79 ] This means that what the gentleman in Aarau said is not true, but it is true that here on Swiss soil, Troxler was the first to intuitively coin the word anthroposophy and the concept of anthroposophy, even within our cultural community. what the gentleman in Aarau said, but rather that the word anthroposophy and the concept of anthroposophy were first coined here on Swiss soil by Troxler, even within our cultural community. Anthroposophy does not bring something foreign, but rather precisely what has been longed for and hoped for here, albeit by other people, precisely by people like Troxler, by people other than those who today fight against anthroposophy and, in a sense, want to grab hold of local patriotism by pointing out: This is not Swiss. But one arrives at that inner spiritual life, which manifests itself in imagination, inspiration, and intuition, in a different way than the paths of knowledge taken by such opponents of anthroposophy; one arrives at an experience that I have characterized as energetic, in such a way that inner peace, intensity, and concentration of the whole inner soul life must occur. And Troxler says very beautifully:
[ 80 ] Lange bin ich dem Verstand und der Vernunft nachgegangen und nachgegangen, denn ich glaubte, sie zusammen zeugten die Weisheit, und habe die Weisheit auch gesucht am hellen Tage und in dunkler Nacht, in der Welt, im Leben, in heiligen wie in unheiligen Büchern, bei den Tieren und Pflanzen wie unter den Menschen; ich habe nach ihr gefragt, bei den Sternen und bei den Steinen, die Natur, und mich selbst, Himmel und Erde und habe wohl Verstand gefunden in allem, aber keine Weisheit, die vor Gott und der Welt bestünde und mich lehren konnte, woher ich gekommen, was ich jetzt hier sei und soll, und was zu werden ich bestimmt? Denn dies war es, was mir immer am tiefsten im Sinn und überall zunächst am Herzen lag.
[ 81 ] Und wenn ich so sann und forschend mich vertiefte, fühlte ich innig und heiß in mir jene Angstqual der Seele sieden, und jenes Angstrad der Natur rollen und rasseln, wie Böhme und andere, bald wie Schrack in dem Zweifel, bald wie Blitz in dem Meinen, bald wie Glast in dem Glauben; aber es lief in dem Rade alles um, und durcheinander, und die Angst gebar die unaussprechlichste Bangigkeit in mir, mit geistigen Fieberschauern, bis zur furchtbarsten Gemütsnot.
[ 80 ] For a long time I pursued understanding and reason, because I believed that together they produced wisdom, and I also sought wisdom in the light of day and in the dark of night, in the world, in life, in holy and unholy books, among animals and plants as well as among humans; I have asked for it from the stars and from the stones, from nature and from myself, from heaven and earth, and I have found understanding in everything, but no wisdom that would stand before God and the world and could teach me where I came from, what I am here for and what I am destined to become. For this was what was always deepest in my mind and closest to my heart everywhere.
[ 81 ] And as I pondered and delved deeper into my search, I felt that anguish of the soul boiling intensely and fervently within me, and that wheel of nature's fear rolling and rattling, like Böhme and others, sometimes like Schrack in doubt, sometimes like lightning in my thoughts, sometimes like glass in my faith; but everything ran around and mixed up in the wheel, and the fear gave birth to the most unspeakable anxiety in me, with spiritual fever chills, to the most terrible mental distress.
[ 82 ] Durch diese Erlebnisse durchgegangen ist derjenige, der dazumal geahnt hatte Theosophie.
[ 82 ] The one who had sensed theosophy at that time went through these experiences.
[ 83 ] Durch Erlebnisse, die vielleicht manchem Menschen nicht angenehm klingen, muss durchgegangen werden, wenn die Seele finden will im Schauen ihren Zusammenhang mit der geistigen Welt. Dann aber bringt die Seele den Inhalt der Geisteswissenschaft aus dieser geistigen Welt zurück. Und das muss gesagt werden — lassen Sie es mich noch mit wenigen Worten zum Ausdrucke bringen —, das muss gesagt werden: Nicht jeder braucht diesen Weg zu gehen, wie nicht jeder ein chemisches Experiment anstellen muss, das vielleicht sogar gefährlich ist, um irgendeine chemische Wahrheit zu durchschauen. Wer es einmal anstellt, stellt es für viele an. Nicht jeder braucht den Weg zu gehen, den der Geistesforscher gehen muss; aber er muss ihn gehen, um die Erkenntnis herunterzuholen aus der geistigen Welt. Wenn es ihm dann gelingt, die Erkenntnisse in Ideen und Begriffen verständlich zu machen, wenn man sich ihnen mit unbefangenem Sinn — nicht getrübt durch die Vorurteile, an die man gewöhnlich gebunden ist —, wenn er sie heruntergetragen hat, die Erkenntnisse, dann dienen sie auch dem, der nicht selber den Weg gehen kann. Wie man nicht ein Schuhmacher zu sein braucht, um Stiefel zu tragen — verzeihen Sie den trivialen Vergleich —, wie man nicht ein Tischler zu sein braucht, um einen Tisch zu benützen, so braucht man nicht ein Geistesforscher zu sein, um dasjenige, was aus der geistigen Welt durch den Geistesforscher heruntergetragen wird, zu verstehen.
[ 83 ] Experiences that may not sound pleasant to some people must be gone through if the soul wants to find its connection with the spiritual world through contemplation. But then the soul brings back the content of Spiritual Science from this spiritual world. And this must be said — let me express it in a few words — this must be said: Not everyone needs to go down this path, just as not everyone needs to conduct a chemical experiment, which may even be dangerous, in order to understand some chemical truth. Those who do it once do it for many. Not everyone needs to go down the path that the spiritual researcher must go down; but he must go down it in order to bring down knowledge from the spiritual world. If he then succeeds in making the insights understandable in ideas and concepts, if one approaches them with an unbiased mind — not clouded by the prejudices to which one is usually bound — if he has brought them down, the insights, then they also serve those who cannot walk the path themselves. Just as one does not need to be a shoemaker to wear boots — forgive the trivial comparison — just as one does not need to be a carpenter to use a table, so one does not need to be a spiritual researcher to understand what is brought down from the spiritual world by the spiritual researcher.
[ 84 ] Wenn es heruntergetragen ist und als Geisteswissenschaft auftritt dasjenige, was der Geistesforscher finder, dann kann das für jeden der Schlüssel sein zur Eröffnung der geistigen Welt. So wenig man Goethes Erlebnisse, die er durch sechzig Jahre durchgemacht hat und durchmachen musste, um den «Faust» zu schreiben, so wenig man diese durchzumachen braucht, um den «Faust» zu verstehen, so wenig braucht man all die Erlebnisse durchzumachen, die der Geistesforscher durchmachen muss, um dasjenige, was Geisteswissenschaft ist, zu verstehen. Denn dasjenige, was Geisteswissenschaft ist, klingt zusammen mit einer Seite in der menschlichen Seele, die in jedem Menschen vorhanden ist, jedem Menschen verständlich, wenn er eben nur in der charakterisierten Weise unbefangen genug ist. Darum ist auch die geisteswissenschaftliche Literatur anders als eine andere. In der naturwissenschaftlichen oder sonstigen Literatur werden Ergebnisse mitgeteilt, die man in sich aufnehmen soll. Was der Geistesforscher vermittelt, ist anders gemeint. Es ist so gemeint, dass es ein Instrument ist, das jeder benützen kann. Der Geistesforscher liefert nicht Ergebnisse, sondern er liefert in dem, was er als Begriffe, Ideen vermittelt, er liefert das Instrument.
[ 84 ] When what the spiritual researcher finds is brought down and appears as Spiritual Science, then this can be the key to opening up the spiritual world for everyone. Just as little as one needs to have gone through the experiences that Goethe went through and had to go through for sixty years in order to write “Faust,” , just as little as one needs to go through them in order to understand Faust, so little does one need to go through all the experiences that the spiritual researcher must go through in order to understand what Spiritual Science is. For Spiritual Science resonates with a side of the human soul that is present in every human being and is understandable to everyone, provided they are sufficiently open-minded in the manner described. That is why spiritual scientific literature is different from other literature. In scientific or other literature, results are communicated that are to be absorbed. What the spiritual researcher conveys is meant differently. It is meant to be an instrument that anyone can use. The spiritual researcher does not deliver results, but rather, in what he conveys as concepts and ideas, he delivers the instrument.
[ 85 ] Die Begriffe, Ideen, die man in der geisteswissenschaftlichen Literatur, wenn sie in wahrem Sinne angewendet wird, findet, sie beleben, erkraften die Seele, sodass die Seele ihren Zusammenhang mit der geistigen Welt findet. Man kann bis zu einem gewissen Grade heute Geistesforscher werden; jedermann kann es werden, das geht aus den genannten Büchern hervor, und an der Hand dieser Bücher kann er es werden, sodass er sich überzeugen kann von der Wahrheit desjenigen, was heute vorgebracht worden ist, aber man braucht es nicht zu werden, denn der gesunde Menschenverstand, der führt von selber dahin, dasjenige zu durchschauen in seiner Wahrheit, was der Geistesforscher darbringt, wenn [das] auch heute noch nicht geschieht, wenn auch heute noch Gegner auftreten, die diese Geisteswissenschaft bekämpfen. Vor denen, die sie wirklich bekämpfen, muss man ja Achtung haben. Wenn aber Gegner auftreten, die sich ein Zerrbild solcher Art leisten, so können sie nicht die Geisteswissenschaft, sondern sie können nur dieses eigene Zerrbild treffen.
[ 85 ] The concepts and ideas found in Spiritual Science literature, when applied in the true sense, enliven and strengthen the soul, enabling it to find its connection with the spiritual world. Today, it is possible to become a spiritual researcher to a certain extent; anyone can become one, as is evident from the books mentioned, and with the help of these books, one can become one, so that one can convince oneself of the truth of what has been presented today. But one does not need to become one, because common sense leads one of its own accord to see through to the truth of what the spiritual researcher presents, if [this] still does not happen today, even though there are still opponents who fight against Spiritual Science. One must indeed respect those who truly fight against it. But when opponents appear who allow themselves to create such a distorted picture, they cannot strike at Spiritual Science, but only at their own distorted picture.
[ 86 ] So muss man sagen: Gerade so, wie andere Wahrheiten, die nach und nach in die Menschheit und ihre Entwicklung eingezogen sind, den Zugang gefunden haben zu den menschlichen Seelen, so wird es auch mit der Geisteswissenschaft sein; denn was Wahrheit ist, es lässt sich durch nichts unterdrücken. Diejenige Wahrheit aber, die dem Menschen die allerwichtigste ist, die ihm selber ein Schicksal werden kann, nicht nur das Schicksal ergründen, wie ich es heute erzählt habe, sondern die ihm selber ein Schicksal werden kann, indem sie zu dem Schicksalserlebnisse wird, ihn zusammenbindet in wesentlicher Weise mit der geistigen Welt, diese Wahrheit, sie braucht nicht den Grund der äußeren Erfahrung, wie es vielfach behauptet wird, wenn man sagt, Geisteswissenschaft sei ohne Grund und Boden, sondern sie braucht den Grund, der im menschlichen Inneren in wahrer, realer menschlicher Selbsterkenntnis selber lebt.
[ 86 ] So we must say: just as other truths that have gradually entered into humanity and its development have found their way into human souls, so it will be with Spiritual Science; for nothing can suppress what is true. But the truth that is most important to human beings, that can become their destiny, not only to fathom destiny, as I have described today, but that can become their destiny by becoming an experience of destiny, binding them in an essential way to the spiritual world, this truth does not need the basis of external experience, as is often claimed when people say that Spiritual Science has no basis or foundation, but rather it needs the basis that lives within the human being in true, real human self-knowledge.
[ 87 ] Wenn man einmal erkennen wird, dass eine solche Wahrheit aus derselben wissenschaftlichen Gesinnung hervorgeht wie die Naturwissenschaft der Neuzeit, wenn man sehen wird, dass kein Widerspruch zwischen der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft ist, und auf der anderen Seite diese Geisteswissenschaft auch eine richtige Grundlage für religiöses Erleben ist, dann wird man aufhören, sie in der geschilderten und vielleicht auch in einer anderen Weise zu bekämpfen; sondern man wird finden in ihr eine Nahrung, die die menschliche Seele sich ersehnt, etwas, das mit der menschlichen Seele sich verbinden muss, weil diese menschliche Seele es braucht wie ein Lebenselixier, das sie durchführt durch die Wirrnisse, durch die Arbeit, durch die Aufgaben des Lebens.
[ 87 ] Once it is recognized that such a truth arises from the same scientific attitude as modern natural science, once it is seen that there is no contradiction between natural science and Spiritual Science, and that, on the other hand, this Spiritual Science is also a proper basis for religious experience, then people will cease to fighting it in the manner described and perhaps in other ways; Instead, people will find in it the nourishment that the human soul longs for, something that must connect with the human soul because this human soul needs it like an elixir of life that carries it through the turmoil, through the work, through the tasks of life.
[ 88 ] Denn die Wahrheit, sehr verehrte Anwesende, welche den Menschen wirklich durch das Leben führt, sie kann nicht bloß aus der Natur hereinströmen, sie kann nicht bloß gewissermaßen durch eine äußere Naturdogmatik der Seele aufgedrängt sein, auf Fotografie der Natur bloß beruhen, sondern sie muss selber ein Lebendiges sein, das sich als Lebendiges mit dem Lebendigen der Menschenseele verbindet. Und wenn der Mensch einsehen wird, dass die lebendige Wahrheit der Geisteswissenschaft selber ein Lebensgut ist, dann wird der scheinbare Widerspruch zwischen Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft und Religion schweigen, und Geisteswissenschaft wird selber als etwas — was in jedes menschliche Schicksal bereichernd, klärend, beleuchtend eintreten kann —, aufgenommen werden von der menschlichen Entwicklung, von dem menschlichen Geistesleben, wird weiter nicht mehr jene sonderbaren Bekämpfer finden, die sie gefunden hat, es wird eingesehen werden von ihr, dass sie ein Stück Wahrheit ist, das der Mensch auf seinem Wege suchen muss, auf jenem Wege, der ihn nicht bloß in die äußere Sinnenwelt, sondern in die vollständige Realität hineinführt. Und dazu gehört vor allen Dingen die geistige Welt, weil der Mensch selber Geist vom Geiste, Seele vom seelischen Universum ist.
[ 88 ] For the truth, dear friends, which truly guides human beings through life, cannot simply flow in from nature; it cannot simply be imposed on the soul, as it were, by an external dogma of nature, based merely on a photograph of nature. Rather, it must itself be something living, something that connects as a living thing with the living thing that is the human soul. And when human beings realize that the living truth of Spiritual Science is itself a treasure of life, then the apparent contradiction between Spiritual Science, natural science, and religion will cease, and Spiritual Science itself will be accepted as something that can enrich, clarify, and illuminate every human destiny. clarifying, and illuminating factor in every human destiny—will no longer encounter the strange opponents it has encountered in the past. It will be recognized as a piece of truth that human beings must seek on their path, on the path that leads them not only into the outer sensory world, but into complete reality. And this includes above all the spiritual world, because human beings themselves are spirit from the spirit, soul from the soul universe.
