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Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a

23 October 1916, Zurich

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Menschenseele und Menschenleib vom Gesichtspunkte der Geistesforschung (Anthroposophie)

The Human Soul and Body from the Perspective of Spiritual Research (Anthroposophy)

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende. Vor vierzehn Tagen durfte ich hier einen Vortrag halten, in dem ich auseinanderserzte, wie Geisteswissenschaft oder Anthroposophie sich gewissermaßen wie eine Notwendigkeit hinstellt neben naturwissenschaftliche, philosophische und ähnliche Bestrebungen der neueren Zeit. Ich versuchte auszuführen, dass die wissenschaftliche Denkungsart der neueren Zeit selber eine Gestalt nach und nach angenommen hat, welche auf dasjenige hinweist, was zu ihrer Ergänzung Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu sagen hat.

[ 1 ] Dear attendees. Two weeks ago, I had the opportunity to give a lecture here in which I explained how Spiritual Science or anthroposophy stands, in a sense, as a necessity alongside the scientific, philosophical, and similar endeavors of modern times. I attempted to explain that modern scientific thinking itself has gradually taken on a form that points to what Spiritual Science or anthroposophy has to say in order to complement it.

[ 2 ] Heute möchte ich nun über einen konkreten Gegenstand aus dem Gebiete geisteswissenschaftlicher Forschung sprechen: Über einige Beziehungen zwischen der Menschenseele und dem Menschenleib, um gerade an diesem Beispiel, ich möchte sagen das vor vierzehn Tagen im allgemeinen Gesagte näher zu erhärten und zu befestigen, soweit dieses im Rahmen eines Vortrages eben möglich ist.

[ 2 ] Today I would like to talk about a specific subject from the field of Spiritual Science research: some relationships between the human soul and the human body, in order to use this example to substantiate and reinforce what I said in general terms two weeks ago, as far as this is possible within the framework of a lecture.

[ 3 ] Über die Beziehungen von Menschenseele und Menschenleib ist ja durch die neueren naturwissenschaftlichen Forschungen über den Menschen ebenso Bewunderungswürdiges, Großartiges zutage gefördert worden wie auf anderen Gebieten naturwissenschaftlicher Anschauung. Gerade aber dadurch, dass Naturwissenschaft mit ihren Methoden vor allen Dingen angewiesen ist auf das Sinnlich-Anschaubare und auf dasjenige, welches den bewaffneten Sinnen, auch den mit Rechnungsmethoden bewaffneten Sinnen und so weiter, möglich ist zu erforschen, ist auf dem angedeuteten naturwissenschaftlichen Wege gerade die Abhängigkeit des seelischen Lebens von den leiblichen Verrichtungen, von den leiblichen Vorgängen betont worden. Das hat dann in begreiflicher Weise diejenigen, welche die wohlbegründete Achtung gewonnen haben vor der Gewissenhaftigkeit und der Tragweite naturwissenschaftlicher Forschung, dazu geführt, in einem gewissen Sinne in den Leibesverrichtungen, in den Leibesvorgängen selber dasjenige zu sehen, was das seelische Leben des Menschen hervorbringt.

[ 3 ] Recent scientific research on human beings has brought to light things about the relationship between the human soul and the human body that are just as admirable magnificent things have been brought to light, as in other areas of scientific observation. But precisely because natural science, with its methods, is primarily dependent on what is sensually observable and on what can be investigated by the armed senses, including those armed with methods of calculation and so on, it is precisely the dependence of the soul life on bodily functions and bodily processes that has been emphasized in the scientific approach indicated. This has then understandably led those who have gained a well-founded respect for the conscientiousness and significance of scientific research to in a certain sense to see in bodily functions, in bodily processes themselves, that which produces the mental life of human beings.

[ 4 ] Nun kann man sagen, dass dem Prinzipe nach dasjenige, was in so großartiger und weitverzweigter Weise die neuere Naturwissenschaft auf physiologischem, auf biologischem, auf klinischem Gebiet geleistet hat — mit Bezug auf die Abhängigkeit des Seelischen vom Leiblichen —, dem Prinzipe nach kann man sagen, dass die Dinge, die da zutage treten, erstens einleuchtend sind, so einleuchtend wie gewisse Beobachtungen des alltäglichen Lebens über die genannte Abhängigkeit. Und auf der anderen Seite muss man aber sagen, dass kaum eine noch so weitgehende einzelne Forschung über Nerven- und weitere Leibestätigkeit, eben dem Prinzipe nach, weiterführt als dasjenige, was schon die alltäglichen Beobachtungen gerade auf diesem Gebiete einleuchtend sagen.

[ 4 ] Now, one can say that, in principle, what modern science has achieved in such a magnificent and wide-ranging way in the physiological, biological, and clinical fields — with regard to the dependence of the soul on the body —, in principle, one can say that the things that come to light are, first of all, as plausible just as plausible as certain observations of everyday life regarding the aforementioned dependence. On the other hand, however, it must be said that hardly any single piece of research, however extensive, on nerve and other bodily activity, in principle, goes beyond what everyday observations in this very field already plausibly indicate.

[ 5 ] Einleuchtend, sage ich, erscheint dasjenige, was in dieser Richtung über die Abhängigkeit der Seele vom Leibe zu sagen ist. Man braucht ja schließlich nur darauf hinzuweisen, wie das seelische Leben beginnt im menschlichen Lebenslauf im Allgemeinen, wie es sich heranentwickelt in demselben Maße, in dem das Nervensystem vollkommener wird, in dem das Gehirn sich ausbildet. Man braucht nur darauf hinzuweisen, wie mit gewissen Defekten und Entartungen des Gcehirnes das Seelenleben beeinträchtigt wird; man braucht endlich darauf hinzuweisen, wie mit dem Greisenleben auch das seelische Leben gewissermaßen ins Greisenhafte, nach und nach sogar ins Verschwindende sich hineinentwickelt. Man hat festgestellt grundsätzlich die Abhängigkeit des seelischen Lebens von dem Leibesleben! Und weiter kommt, dem Grundsatze nach ausschließlich, alle eingehende Forschung nicht.

[ 5 ] What can be said in this regard about the dependence of the soul on the body seems obvious, I say. After all, one need only point out how mental life begins in the human life course in general, how it develops to the same extent that the nervous system becomes more perfect, that the brain develops. One need only point out how certain defects and degeneration of the brain impair the life of the soul; one need only point out how, with old age, the life of the soul also becomes, in a sense, senile, gradually even disappearing . It has been established that the life of the soul is fundamentally dependent on the life of the body! And furthermore, in principle, all detailed research.

[ 6 ] Aber sie kommt eben zu etwas ungeheuer Einleuchtendem, zu etwas, das sich der unmittelbaren Anschauung notwendig aufdrängen muss. Daher hat es jede Seelenforschung außerordentlich schwierig, welche gewissermaßen von derselben Betrachtungsweise ausgehen will, wie sie der naturwissenschaftlichen zugrunde liegt, und die dennoch sprechen will von einer selbstständigen, über das Leibesleben hinaus liegenden seelischen Tätigkeit, einer Bedeutung des seelischen Wesens. Man versuchte daher von denjenigen Seiten, von denen man gleichsam die Selbstständigkeit des seelischen Lebens retten wollte, die Tatsachen der naturwissenschaftlichen Forschung zu widerlegen. Und leicht ist gerade von naturwissenschaftlicher Seite — das muss offen zugestanden werden, und man tut gut daran, es offen zuzugestehen —, leicht ist vonseiten der naturwissenschaftlichen Forschung, vieles ad absurdum zu führen, was von jener Seelenforschung ausgeht, die sich im Grunde auf das gewöhnliche menschliche Anschauen stützt, wie die Naturwissenschaft selber. Denn bleibt man innerhalb desjenigen stehen, was das seelische Leben im gewöhnlichen Menschendasein ausmacht, so ist eben jene Abhängigkeit vorhanden; und dasjenige, was die Naturwissenschaft über die Abhängigkeit unseres Denkens, Vorstellens, auch unseres Fühlens und Wollens von den physischen Organen sagt, das ist eben aus dem Grunde von einer gewissen Seelenforschung aus nicht zu widerlegen, weil es eigentlich unwiderleglich ist. Aber man steht mit einer solchen, auf die gewöhnliche Anschauung sich stützende Seelenforschung im Grunde genommen auf demselben Boden, auf welchem diejenige Naturwissenschaft steht, die durch ihre Methoden das eigentliche Menschliche überhaupt nach und nach aus ihren Gebieten hinausdrängt. Man kann sagen: Vorwürfe, welche von in das menschliche Leben tiefer hineinschauenden Menschen manchen naturwissenschaftlichen Theorien gemacht worden sind, sie können gerade den modernen, mehr oder weniger materialistisch gefärbten seelischen Anschauungen ebenso gemacht werden.

[ 6 ] But it does come to something tremendously obvious, something that must necessarily impose itself on immediate observation. Therefore, any research into the soul that wants to proceed from the same point of view that underlies natural science, and yet wants to speak of an independent spiritual activity that transcends physical life, of a meaning of the spiritual being. Attempts were therefore made to refute the facts of scientific research from those quarters that wanted to preserve the independence of spiritual life, as it were. And it is easy, especially from the scientific side — this must be openly admitted, and it is good to be open about it — it is easy for scientific research to reduce to absurdity much of what emanates from that research into the soul which is based, like science itself, on ordinary human observation. For if one remains within the bounds of what constitutes spiritual life in ordinary human existence, then that dependence is indeed present; and what natural science says about the dependence of our thinking, mental images, and even our feeling and willing on the physical organs cannot be refuted on the basis of a certain kind of soul research, because it is actually irrefutable. But with such soul research based on ordinary perception, one is basically standing on the same ground as that of natural science, which, through its methods, is gradually pushing the actual human being out of its fields. It can be said that the accusations made against some scientific theories by people who have a deeper insight into human life can be made just as well against modern, more or less materialistic views of the soul.

[ 7 ] Ich will ausgehen von einem sehr bekannten Beispiel, das ich in früheren Vorträgen auch hier in Zürich schon in demselben Sinne erwähnt habe. Die Naturforschung hat zur Weltentwicklung im Allgemeinen, indem sie abgesehen hat von allem, was innerhalb der Weltentwicklung als selbstständiges Geistiges steht, zu der sogenannten Kant-Laplace’schen Weltentstehungstheorie geführt.

[ 7 ] I would like to start with a very well-known example, which I have already mentioned in the same context in earlier lectures here in Zurich. By disregarding everything within world development that is independent and spiritual, natural science has led to the so-called Kant-Laplace theory of world creation.

[ 8 ] Ich weiß sehr wohl, sehr verehrte Anwesende, dass in den Einzelheiten diese Kant-Laplace’sche Theorie von manchen heute mit Recht bekämpft wird, mit Recht durch etwas anderes ersetzt wird; aber auch dieses andere geht vielfach aus demselben Geiste hervor. Daher kann die alte, bekannte Kant-Laplace’sche Theorie eben als ein solches Beispiel gelten, um das es sich hier handelt. Da wird gesagt: Die gesamte Entwicklung unserer Erde mit dem ganzen Sonnensystem geht aus von einem Urnebel, der durch seine Rotationen zunächst den Sonnenkörper, dann durch seine weiteren Rotationen die Planeten abgesondert hat und so weiter, und so weiter, die Sache ist ja allgemein bekannt.

[ 8 ] I am well aware, ladies and gentlemen, that in its details this Kant-Laplace theory is rightly contested by some today and rightly replaced by something else; but this something else also often arises from the same spirit. Therefore, the old, well-known Kant-Laplace theory can serve as an example of what we are dealing with here. It is said that the entire development of our Earth and the entire solar system originated from a primordial nebula, which first separated the sun through its rotations, then the planets through its further rotations, and so on and so forth. This is common knowledge.

[ 9 ] Nun kann man eine solche Sache recht anschaulich machen, ungemein leicht einleuchtend machen für dasjenige Bewusstsein des Menschen, welches durch Anschaulichkeit so leicht verführt werden kann. Man kann nämlich sehr leicht durch ein einfaches Experiment zeigen, wie wahr diese Anschauung ist: Man nimmt einen Tropfen einer Flüssigkeit, die auf dem Wasser schwimmt und in der Äquatorrichtung schiebt man durch diesen Flüssigkeitstropfen ein Kartenblättchen, gerade der Äquatorlinie nach; dann steckt man senkrecht, in der Polrichtung, eine Nadel hinein, gibt dann das Ganze aufs Wasser, dreht mit der Nadel — mit Hilfe des Kartenblattes ist das möglich —, und man sieht dann, wie sich kleine Tropfen durch die Rotation absondern von dem großen Tropfen und eben richtig ein kleines Planetensystem entsteht. Wenn man das schon den Kindern in der Schule zeigt, finden sie das ungemein anschaulich.

[ 9 ] Now, such a thing can be made quite vivid, made extremely easy to understand for the human consciousness, which can be so easily seduced by vividness. For it is very easy to show how true this view is by means of a simple experiment: Take a drop of liquid floating on water and push a small piece of paper through this drop of liquid in the direction of the equator, following the equator line; then insert a needle vertically, in the direction of the pole, place the whole thing on the water, turn it with the needle—which is possible with the help of the piece of paper—and you will see how small drops separate from the large drop due to the rotation, creating a small planetary system. When you show this to children at school, they find it extremely vivid.

[ 10 ] Nun, man hat ja dasjenige, was man im Großen hat freilich in ganz anderen Verhältnissen, wo man es nicht mit einer ölartigen Flüssigkeit, sondern mit feinem Ätherischen etwa zu tun haben will —, man hat ein Bild für dasjenige, was sich im Großen abspielen soll. Allerdings hat man dabei etwas vergessen. Das geht zuweilen so im Leben. Aber wenn man gerade etwas anschaulich machen will für Vorgänge innerhalb der Natur, dann hat man auf alles dasjenige, was bei einem solchen Experiment in Betracht kommt, wirklich Rücksicht zu nehmen. Und da müsste man nicht vergessen, dass man ja selber da steht und die Nadel dreht! Man müsste also, gerade wenn man diesen Vergleich als beweisend hinnehmen will, ja, sogar nur als anschaulich machend hinnehmen will, man müsste voraussetzen, dass irgendein Geist, ein großer Herr Lehrer, im Weltenall draußen die Drehung bewirkte durch etwas, was der durchgesteckten Nadel gleichkäme. Und das andere, was man dabei vergisst, dass man ja nur kleine Tröpfchen derselben Substanz bekommt, wie der große Tropfen sie enthält und nichts weiter! Gewiss, die Sache ist ungemein anschaulich und innerhalb gewisser Grenzen durchaus auch für eine Welterklärung dienlich; aber tiefergehende Seelen fühlen das Ungenügende, ja das Zerstörende für eine menschliche Weltanschauung durch eine solche Hypothese.

[ 10 ] Now, of course, what we have on a large scale is in completely different circumstances, where we are not dealing with an oil-like liquid, but with something fine and ethereal — we have a picture of what is supposed to happen on a large scale. However, something has been forgotten. That sometimes happens in life. But if you want to illustrate something about processes within nature, then you really have to take into account everything that comes into play in such an experiment. And you mustn't forget that you yourself are standing there turning the needle! So if you want to accept this comparison as proof, or even just as an illustration, you would have to assume that some spirit, some great teacher, caused the rotation in the universe outside by means of something similar to the pierced needle. And the other thing you forget is is that you only get tiny droplets of the same substance that the large drop contains, and nothing more! Certainly, the matter is extremely vivid and, within certain limits, also useful for explaining the world; but deeper souls feel the inadequacy, even the destructiveness, of such a hypothesis for a human worldview.

[ 11 ] Und der große Kunstforscher Herman Grimm hat ich habe das besonders hervorgehoben in meinem letzten Buche «Vom Menschenrätsel» —, Herman Grimm hat, sich auf Goethe berufend, gesagt, wie unmöglich für eine auf das Ganze der Welterscheinungen gehende Vorstellung ihm eine solche Hypothese erscheint. Herman Grimm sagt — und ich möchte diese Worte vorlesen zum Beweis dafür, was eine gesund empfindende Seele ausspricht gegenüber solch ungenügenden Annahmen:

[ 11 ] And the great art historian Herman Grimm has—I emphasized this particularly in my last book “Vom Menschenrätsel” (The Mystery of Man) — Herman Grimm, referring to Goethe, said how impossible such a hypothesis seems to him for a mental image that encompasses the whole of world phenomena. Herman Grimm says — and I would like to read these words aloud as proof of what a healthy soul expresses in response to such inadequate assumptions:

Längst hatte in seinen

Long ago, in his

[ 12 ] — Goethes —

[ 12 ] — Goethe's —

Jugendzeiten schon, die große Laplace-Kant’sche Phantasie von der Entstehung und dem einstigen Untergange der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht, als erstarrende Kugel, in unfassbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit einbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen; ein langer, aber dem [heutigen] Publikum völlig begreiflicher Prozess, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens mehr [bedürfe], als die Bemühung irgend einer außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten.

Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg machte, wäre ein erfrischendes, appetitliches Stück im Vergleiche zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wissbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären, die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn aufwenden werden.

Niemals hat Goethe solchen Trostlosigkeiten Einlass gewährt.

youth, the great Laplace-Kant fantasy about the origin and eventual demise of the globe had already taken hold. From the rotating nebula — children already learn this in school — the central gastropore forms, from which the Earth subsequently develops, and, as a solidifying sphere, undergoes all phases, including the episode of habitation by the human race, over inconceivable periods of time, finally falling back into the Sun as burnt-out slag; a long process, but one that is completely comprehensible to the [today's] audience, for the realization of which no further external intervention is now [necessary] other than the effort of some outside force to maintain the sun at the same heating temperature.

No more fruitless perspective for the future can be imagined than the one that is being imposed on us today as scientifically necessary. A carcass around which a hungry dog made a detour would be a refreshing, appetizing morsel in comparison to this last excrement of creation, to which our earth would ultimately fall back to the sun, and it is the thirst for knowledge with which our generation accepts such things and believes them to be true, a sign of a sick imagination, which scholars of future epochs will once again apply much acumen to explain as a historical phenomenon of the times.

Goethe never allowed such desolation to enter his mind.

[ 13 ] So kann dasjenige, was ungemein einleuchtend erscheint, wenn man auf gewissen Voraussetzungen steht, dem tiefergehenden menschlichen Gemüte geradezu wie eine Ausgeburt krankhafter Phantasie erscheinen, wenn es zur Unterlage gedacht wird für eine umfassende Weltanschauung.

[ 13 ] Thus, what seems extremely plausible when one stands on certain premises may appear to the deeper human mind as nothing more than a figment of a sick imagination when it is taken as the basis for a comprehensive worldview.

[ 14 ] Man brauchte nur wenig die Worte zu verändern, sehr verehrte Anwesende, die Herman Grimm so anwendet auf die Kant-Laplace’sche Theorie, und man werde treffen können jene Theorien, welche oftmals von naturwissenschaftlicher Seite her zu einer materialistischen Erklärung des menschlichen Seelenlebens geltend gemacht werden. Und dennoch, so viel Grund die Kant—Laplace’sche Theorie hat, so viel Grund haben diese materiellen Erklärungen; wenn man sie nur nicht als etwas Umfassendes ansieht, so haben sie ihre gute Begründung.

[ 14 ] One need only slightly alter the words that Herman Grimm applies to the Kant-Laplace theory, and one would be able to find those theories that are often used by natural scientists to provide a materialistic explanation of human spiritual life. And yet, as much reason as the Kant-Laplace theory has, these material explanations have just as much reason; if one does not regard them as something comprehensive, they have their good justification.

[ 15 ] Aber auch in anderer Beziehung versuchte man, ich möchte sagen geblendet durch die mit Recht als bewundernswürdig hingestellten Errungenschaften der Naturforschung in der neueren Zeit, die Seelenkunde auf dieselben methodischen Voraussetzungen zu stellen, auf denen die Naturwissenschaft steht. Und einer derjenigen, der als wirklich einer der tiefgehenden Seelenforscher die Seelenkunde stellen wollte auf denselben Boden, auf dem die neuere Naturwissenschaft steht, ist Franz Brentano. Und Franz Brentano hat, als er in den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts sein Lehramt angetreten hatte in Würzburg, ausdrücklich den Satz aufgestellt: die Seelenkunde muss auf denselben Methoden ruhen wie die Naturwissenschaft. Und als dann Brentano 1874 den ersten Band seiner «Seelenkunde oder Psychologie» geschrieben hat, da finden sich in diesem Bande Worte, in denen er deutlich die Hoffnung ausspricht, er werde in den folgenden Bänden von demselben Ausgangspunkte aus über das Seelenleben so sprechen können, dass gewisse menschliche Erwartungen, die man mit Recht hegt, von der Seelenkunde erfüllt werden können. Denn Franz Brentano spricht es aus, dass, wenn die neuere, auf Naturwissenschaft gestützte Seelenkunde noch so genaue Kundschaft gibt über die Art und Weise, wie Vorstellungen sich miteinander verknüpfen, wie Stimmungen in der Seele heraufkommen, wie der Wille wirkt und so weiter, so konnten solche Ergebnisse nicht hinwegtrösten über dasjenige, was die Menschheit von einer Seelenkunde erwartete im Sinne, wie Franz Brentano sagt, hervorgegangen aus der Anschauung eines Plato und Aristoteles, die da sicher voraussetzte, dass eine wahre Seelenkunde etwas zu sagen hat über dasjenige, was man als das unsterbliche Teil des Menschen betrachtet, der mit dem Hingang des leiblichen Teiles nicht aus der Welt geschafft ist, die über diesen unsterblichen Teil Auskunft gibt. Allein, Franz Brentano hat die folgenden Bände seiner Seelenkunde nicht geschrieben. Er hat sie nicht geschrieben aus dem Grunde, weil man in der Tat mit denjenigen Methoden, die er nach dem Muster der modernen Naturwissenschaft befolgen wollte, mit diesen Methoden nicht zu irgendwelchen Ergebnissen über den eigentlich geistig-seelischen Teil des Menschenwesens kommen kann.

[ 15 ] But in other respects, too, attempts were made, I would say blinded by the achievements of natural science in modern times, which are rightly regarded as admirable, to place psychology on the same methodological footing as natural science. And one of those who, as a truly profound researcher of the soul, wanted to place psychology on the same footing as modern natural science was Franz Brentano. And when Franz Brentano took up his teaching post in Würzburg in the 1860s, he expressly stated that Psychology must be based on the same methods as natural science. And when Brentano wrote the first volume of his “Psychology” in 1874, he clearly expressed his hope that in the following volumes he would be able to speak about the life of the soul from the same starting point in such a way that certain human expectations, that are rightly held could be fulfilled by psychology. For Franz Brentano states that even if the newer psychology based on natural science provides accurate knowledge about the way in which mental images are linked together, how moods arise in the soul, how the will works, and so on, such results could not console us for what what humanity expected from psychology in the sense, as Franz Brentano says, that emerged from the views of Plato and Aristotle, which certainly presupposed that true psychology has something to say about what is considered the immortal part of the human being, which does not cease to exist with the passing of the physical part, which provides information about this immortal part. However, Franz Brentano did not write the following volumes of his psychology. He did not write them because, in fact, with the methods he wanted to follow based on the model of modern natural science, it is not possible to arrive at any results about the actual spiritual-psychological part of the human being.

[ 16 ] So blickt auch in durchaus sachgemäßer Weise Anthroposophie oder Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, auf die neuere Entwicklung der naturwissenschaftlichen Forschungsweise, indem sie in ihrer Art über dasjenige, was der Naturwissenschaft zugrunde liegt, hinausgeht, insbesondere hinausgeht, wenn sie das Verhältnis untersuchen will der Menschenseele zum Menschenleib.

[ 16 ] Thus, anthroposophy or Spiritual Science, as it is meant here, takes a thoroughly appropriate view of recent developments in scientific research methods, in that it goes beyond what underlies natural science, especially when it seeks to investigate the relationship between the human soul and the human body.

[ 17 ] Nun habe ich bereits vor vierzehn Tagen hier aufmerksam darauf gemacht, dass Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, eben durchaus dadurch über die bloße Naturwissenschaft hinauszukommen versucht, dass sie nicht mit denselben Erkenntniskräften arbeitet, mit denen — mit Recht innerhalb ihrer Grenzen — die moderne Naturwissenschaft arbeitet, dass sie vielmehr an Erkenntniskräfte appelliert, die sich erst ergeben, wenn dasjenige, was in der menschlichen Seele im gewöhnlichen Bewusstsein auftritt, eine gewisse weitere Entwicklung, gewissermaßen eine weitere Selbsterziehung des menschlichen Wesens erlebt. Kräfte, die im gewöhnlichen Leben nicht da sind, Kräfte, von denen wir auch sehen werden heute, dass sie im gewöhnlichen Leben gar nicht da zu sein brauchen, sollen für die Geistesforschung aus den Tiefen der Menschenseele heraufgeholt werden. Und erst, wenn der Mensch im Besitze dieser Kräfte ist, schaut er in diejenigen Gebiete hinein, aus denen der eigentlich geistig-seelische Teil des Menschenwesens gekommen ist. Und erst diese Kräfte können dasjenige entdecken, was unabhängig und selbstständig gegenüber dem Leiblichen in dem Menschenwesen ist. Daher wird dasjenige, was im gewöhnlichen Bewusstsein, als Denken, Fühlen, Vorstellen lebt, gewissermaßen nur ein Durchgangspunkt sein für die eigentliche Seelenforschung, die immer zu demjenigen dringen muss, welches gegenseitig dem gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen zugrunde liegt.

[ 17 ] Two weeks ago, I already pointed out here that Spiritual Science or anthroposophy, as it is meant here, attempts to go beyond mere natural science precisely by not working with the same powers of cognition with which modern natural science works — rightly within its limits — but rather by appealing to powers of cognition that only arise when that appears in the human soul in ordinary consciousness undergoes a certain further development, a kind of further self-education of the human being. Powers that are not present in ordinary life, powers that we will also see today do not need to be present in ordinary life at all, are to be brought up from the depths of the human soul for spiritual research. And only when the human being is in possession of these powers does he look into those areas from which the actual spiritual-soul part of the human being has come. And only these powers can discover that which that which is independent and autonomous in relation to the physical in the human being. Therefore, that which lives in ordinary consciousness as thinking, feeling, and forming mental images will, in a sense, be only a point of passage for true soul research, which must always penetrate to that which underlies ordinary thinking, feeling, and willing.

[ 18 ] Nun habe ich hier schon öfter auf solche Kräfte, die aus den Tiefen der Menschennatur heraufgeholt werden können, und die einer übersinnlichen Erkenntnis zugrunde gelegt werden können, gesprochen. Ich will dasjenige, was ich in dieser Beziehung gesagt habe, worauf ich auch gedeutet habe in dem Vortrag vor vierzehn Tagen, heute nicht wiederholen. Das Genauere darüber ist ja in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft im Umriss» und in andern Büchern nachzulesen. Ich will nur ganz kurz etwas Prinzipielles erwähnen. Ich will erwähnen, dass dasjenige, was da der Mensch versucht durch die Mittel, die eben in den genannten Büchern charakterisiert sind, aus den Tiefen seiner Seele heraufzuholen, sodass er durch dieses Heraufgeholte die Welt anders anschauen kann als vorher, dass dieses sich verhält etwa — vergleichsweise darf das gesagt werden — zu dem gewöhnlichen Anschauen, das auch der Naturwissenschaft zugrunde liegt, wie das mühselige Erkennen einer Weltanschauung, die sich ergibt, wenn man etwa mit Ausschaltung des musikalischen Gehörs, im Musikalischen die schwingenden Saiten oder die sonstigen Materialien ansieht, aus denen irgendein Tonmäßiges hervorgeht. Wie das wirklich vor uns steht, woraus die Tonmasse herausgeboren wird, wie das angeschaut oder untersucht werden kann mit gewissen Methoden in Bezug auf die äußeren räumlichen Gestaltungen, so durchforschen wir mit dem gewöhnlichen Bewusstsein dasjenige, was in der Außenwelt eben durch dieses gewöhnliche Bewusstsein um uns herum ist. Wie aber, wenn zu dieser Anschauung der schwingenden Saite und so weiter das musikalische Gehör hinzutritt, dieses musikalische Hören etwas ganz anderes wahrnimmt, als was im Raume schwingt, so schaut dasjenige, was ich im Sinne des vor vierzehn Tagen hier gehaltenen Vortrages erwähnte, das erwachte menschliche Bewusstsein, möchte ich sagen gegenüber dem Alltagsbewusstsein, das schaut etwas, was hinzukommt zu alledem, was das gewöhnliche Bewusstsein gibt. Aber es muss dasjenige, was hier mit dem musikalischen Gehör verglichen wird, erst herausgeholt werden durch bestimmte Methoden, die eben in den angeführten Werken beschrieben sind.

[ 18 ] Now, I have often spoken here about such forces that can be drawn up from the depths of human nature and that can be used as a basis for supersensible knowledge. I do not want to repeat what I have said in this regard, which I also referred to in my lecture two weeks ago. . More details on this can be found in my book “How to Attain Knowledge of Higher Worlds” and in my “Outline of Esoteric Science” and in other books. I would just like to mention something fundamental very briefly. I would like to mention that what human beings attempt to bring up from the depths of their souls through the means described in the books mentioned above from the depths of their soul, so that through what they have brought up they can see the world differently than before, that this is comparable — comparatively speaking — to the ordinary way of seeing that also underlies natural science, like the laborious recognition of a worldview which arises when, for example, one eliminates one's musical hearing and looks at the vibrating strings or other materials in music from which some kind of sound emerges. How this really stands before us, from which the mass of sound is born, how this can be viewed or investigated with certain methods in relation to the external spatial formations, we explore with our ordinary consciousness that which is in the external world around us through this very ordinary consciousness. But what if, in addition to this perception of the vibrating string and so on, the musical ear perceives something completely different from what vibrates in space? Then what I mentioned in the sense of the lecture I gave here two weeks ago, the awakened human consciousness, I would like to say in contrast to everyday consciousness, sees something that is added to all that ordinary consciousness provides. But what is compared here with musical hearing must first be brought out by certain methods, which are described in the works cited.

[ 19 ] Durch diese Methoden, sehr verehrte Anwesende, kommt man zu allerlei über das Menschenwesen, das in begreiflicher Weise heute noch Gegnerschaft findet, ja verspottet, verhöhnt wird. Man kann sagen: in durchaus begreiflicher Weise; denn die Dinge, zu denen man da kommt, sind dem heutigen landläufigen Denken eben durchaus ungewohnt. So kommt man dazu, anzuerkennen einmal den physischen Leib, den man mit Augen sieht, mit Händen greifen kann, den man in seinen Wirkungsweisen und Kräften untersuchen kann, durch die physiologischen, biologischen Methoden und so weiter; man kommt dazu anzunehmen, oder anzuerkennen, dass außer diesem physischen Menschenleib im Menschen vorhanden ist — zugrunde liegend diesem physischen Menschenleib — eine Art geistiger Leib, eine Art Kraftleib. Wie man ihn nun nennt, darauf kommt es nicht an. Ich gebe sehr gern zu, dass der Ausdruck, den ich heute gebrauche, ein übersinnlicher Leib — [von] vielen, die etwas von diesen Dingen wissen darüber, wird der Ausdruck Ätherleib gebraucht —, ich gebe zu, dass dieser Ausdruck außerordentlich ungeschickt ist. Und wenn die Dinge sich einmal mehr eingebürgert haben werden im menschlichen Geistesleben, so werden viel geschicktere Ausdrücke gefunden werden.

[ 19 ] Through these methods, dear attendees, one arrives at all kinds of insights about the human being that still encounter opposition today, that are even mocked and ridiculed. One might say: in a thoroughly understandable way; because the things one arrives at are completely unfamiliar to today's common thinking. Thus, one comes to recognize the physical body that one sees with one's eyes, can touch with one's hands, and can examine in its modes of action and powers through physiological, biological methods, and so on; one comes to assume or recognize that, in addition to this physical human body, there is something else present in the human being — underlying this physical human body — a kind of spiritual body, a kind of body of forces. What one calls it is not important. I readily admit that the expression I am using today, a supersensible body — [by] many who know something about these things, the expression etheric body is used — I admit that this expression is extremely clumsy. And once these things have become more established in human intellectual life, much more apt expressions will be found.

[ 20 ] Viel geschickter wäre zum Beispiel ein Ausdruck auf den Vital Troxler aufmerksam machte, der von diesen Dingen im neunzehnten Jahrhundert schon gewusst hat — ich habe ihn, glaube ich, im Vortrag vor vierzehn Tagen erwähnt — und der, auf einen älteren Ausdruck sich berufend, für diesen Ätherleib das Wort «Schema pneumatikon» gebrauchen wollte, das man nun in die moderne Sprache übersetzen kann. Doch wie gesagt, an dem Ausdruck soll es nicht gelegen sein; ich bitte Sie, sich daran nicht zu stoßen. Es kommt darauf an, dass ebenso, wie der Mensch seinen physischen Leib in der äußeren physischen Welt hinstellt, er [hineingestellt ist] in einem geistigen Zusammenhang durch einen übersinnlichen nicht durch gewöhnliche Sinne —, sondern durch dasjenige Schaubare, [wie der] ätherische Leib, was [ich] gegenüber dem gewöhnlichen Anschauen [verglichen habe] mit dem [musikalischen] Gehör.

[ 20 ] Much more apt, for example, would be a term pointed out by Vital Troxler, who already knew about these things in the nineteenth century — I believe I mentioned him in my lecture two weeks ago — and who, referring to an older term, wanted to use the word “schema pneumatikon” for this etheric body, which can now be translated into modern language. But as I said, it is not the expression that matters; I ask you not to take offense at it. What matters is that just as man places his physical body in the external physical world, he is [placed] in a spiritual context through a supersensible sense, not through ordinary senses — but through that which is visible, [such as] the etheric body, which [I] have compared to ordinary seeing with [musical] hearing.

[ 21 ] Dasjenige, was der Annahme eines solchen Ätherleibes zugrunde liegt, ist nicht eine willkürlich schaffende Phantasie, ist nicht eine philosophische Spekulation, sondern ist gewissenhaftes, geschultes Erleben, Erleben, welches, wenn man die angedeuteten Methoden auf das innere Seelenleben anwendet, wirklich erreicht werden kann; so erreicht werden kann, dass man diesen Ätherleib nicht nur so unbewusst in sich trägt, wie man ihn im gewöhnlichen Leben immer in sich trägt, sondern dass er zu etwas Bewusstem wird.

[ 21 ] What underlies the assumption of such an etheric body is not an arbitrarily creative imagination, nor is it philosophical speculation, but rather conscientious, trained experience, experience that can truly be achieved by applying the methods indicated to the inner life of the soul; can be achieved in such a way that one not only carries this etheric body unconsciously within oneself, as one always does in ordinary life, but that it becomes something conscious.

[ 22 ] Nur ein Teil dieses Ätherleibes ist es zunächst, der bewusst wird, was ich nun besprechen will. Wenn man die Voraussetzung macht, dass dieser Ätherleib fortwährend in uns ist, so ist ein Teil dieses Ätherleibes zu erkennen als ganz und gar verwachsen mit dem menschlichen Wahrnehmungsvermögen, wie es durch die menschlichen Sinne vermittelt wird. Dasjenige, was in unseren Sinnen lebt, was in uns aufgenommen wird als Wahrnehmungen, das lebt nicht nur im äußeren physischen Leib, das lebt auch in diesem Ätherleib, der über die Sinne ausgegossen ist, der die Sinne durchdringt, und der dasjenige, was die Sinne als Wahrnehmungen erleben, in sich, in seine Erlebnisse hereinnimmt. Allein im gewöhnlichen Leben kommt das besondere Leben des Ätherleibes dem Menschen nicht zum Bewusstsein. Aus einem gewissen Grunde kommt es nicht zum Bewusstsein.

[ 22 ] Only a part of this etheric body becomes conscious at first, which I will now discuss. If we assume that this etheric body is constantly within us, then a part of this etheric body can be recognized as completely intertwined with human perception as it is conveyed through the human senses. That which lives in our senses, which is taken in by us as perceptions, lives not only in the outer physical body, but also in this etheric body, which is poured out over the senses, which permeates the senses, and which takes into itself, into its experiences, what the senses experience as perceptions. In ordinary life, however, the special life of the etheric body does not come to human consciousness. For a certain reason, it does not come to consciousness.

[ 23 ] Der Mensch ist ja ganz hingegeben den Vorgängen, welche die Außenwelt in seinen Sinnen hervorruft. Und durch leicht zu beweisende Vorgänge — aber ich kann mich auf die Beweise hier wegen der Kürze der Zeit nicht einlassen — muss der Ätherleib, so wie er im gewöhnlichen Menschen ist, dasjenige, was in den Sinnen lebt, während wir die Außenwelt wahrnehmen, seinerseits umsetzen zu unseren Gedächtnisvorstellungen. Unsere Gedächtnisvorstellungen, wie wir sie in uns tragen, von dem Zeitpunkte an, bis zu dem wir uns im gewöhnlichen Leben zurückerinnern, sie werden durchaus getragen von Vorgängen im physischen Leib. Zunächst ist auch das Gedächtnis — und das wird, wenn die Naturwissenschaft fortschreitet, diese Naturwissenschaft auch im Einzelnen beweisen können —, dieses Gedächtnis ist durchaus abhängig von Leibesvorgängen; aber von solchen Leibesvorgängen, die nur dadurch entstehen können, dass der Ätherleib selber seine Eindrücke macht in den physischen Leib. Und der ganze, ich möchte sagen, Mechanismus des Gedächtnisses kommt dadurch zustande, dass der Ätherleib immer wieder und wieder zurückkommt auf die Eindrücke, die er selber im physischen Leib gemacht hat, und dadurch eigentlich heraufholt dasjenige, was man Erinnerungsvorstellungen an frühere Lebensvorgänge nennt.

[ 23 ] Human beings are completely absorbed in the processes that the outside world evokes in their senses. And through processes that are easy to prove — but I cannot go into the proofs here due to the brevity of time — the etheric body, as it is in the ordinary human being, must in turn transform what lives in the senses while we perceive the outside world into our memory images. Our memory images, as we carry them within us, from the point in time to which we can remember back in ordinary life, are entirely supported by processes in the physical body. First of all, memory — and as natural science progresses, it will be able to prove this in detail — is entirely dependent on bodily processes; but from bodily processes that can only arise when the etheric body itself makes its impressions on the physical body. And the whole mechanism of memory, I would say, comes about because the etheric body returns again and again to the impressions it has made on the physical body, and thereby actually brings up what we call memories of earlier life events.

[ 24 ] So muss für das gewöhnliche Bewusstsein der Ätherleib ganz und gar hingegeben sein an den physischen Leib. Denn würde er nicht arbeiten an der richtigen Entstehung unserer Erinnerungsvorstellungen, so würde dasjenige, was sich gerade in unserem physischen Leben ausbilden muss — das Ichbewusstsein —, das würde sich nicht ausbilden können.

[ 24 ] Thus, for ordinary consciousness, the etheric body must be completely devoted to the physical body. For if it did not work on the correct formation of our memory images, then that which must develop in our physical life — the consciousness of the I — would not be able to develop.

[ 25 ] So eine einfache, alltägliche Betrachtung kann zeigen, wie wichtig das Erinnerungsleben ist für das Zustandekommen der Ichvorstellung. Dass wir in die Welt hineingestellt werden als ein selbstbewusstes Ich, das müssen wir durch den physischen Leib erleben; aber man kann das nur, wenn man anknüpft, wie man sagt in meditativer Weise im Sinne dessen, was in den genannten Büchern beschrieben ist, wenn man anknüpft an gewisse Vorstellungen, die man ja aus dem gewöhnlichen Leben hat, und diese Vorstellungen besonders ausbildet, sodass man mit einer methodischen Ruhe und mit einem methodischen inneren Erleben sich gewissen Vorstellungen hingibt in einer Art, die hier nicht näher beschrieben werden soll, so kann man gewissermaßen teilweise diesen Ätherleib loslösen von dem physischen Leib. Dadurch, dass in unserer Seele gewisse Vorstellungen mehr ruhen, als sie sonst im gewöhnlichen Leben ruhen, dadurch kann man durch dieses Losreißen bewirken etwas, wirklich durch eine Art innere Existenz kann man — wie man den Sauerstoff durch das bekannte elektrolytische Element vom Wasserstoff absondert —, so kann man einen Teil des Ätherleibes herausholen aus dem physischen Leib, herausholen durch rein innerliche seelische Vorgänge.

[ 25 ] Such a simple, everyday observation can show how important the life of memory is for the formation of the concept of the self. We must experience being placed in the world as a self-conscious self through the physical body; but one can only do this if one connects, as they say, in a meditative way in the sense of what is described in the books mentioned, if one connects to certain mental images that one has from ordinary life and develops these mental images in a special way, so that with methodical calm and methodical inner experience one surrenders to certain mental images in a way that will not be described in detail here, then one can, in a sense, partially detach this etheric body from the physical body. By allowing certain mental images to rest more deeply in our soul than they normally do in everyday life, we can effect this detachment; through a kind of inner existence, we can — just as oxygen is separated from hydrogen by the familiar electrolytic element —, one can extract a part of the etheric body from the physical body, extract it through purely inner soul processes.

[ 26 ] Dass man einen solchen Ätherleib anerkennt als etwas selbstständig in uns Lebendes, das, sehr verehrte Anwesende, ist nicht aus irgendeiner Willkür heraus, sondern das ist nur dann möglich, wenn man in jahrelanger hingebungsvoller Forschung, die aber auf einer gewissen Ausbildung der inneren Erkenntniskräfte ruht, dazu gekommen ist, diesen selbstständigen Ätherleib, wenigstens teilweise, zu erleben.

[ 26 ] Recognizing such an etheric body as something living independently within us, dear attendees, is not something arbitrary, but is only possible if, through years of devoted research based on a certain training of the inner powers of cognition, one has come to experience this independent etheric body, at least in part.

[ 27 ] Und als was stellt er sich nun in diesen Erlebnissen dar? Er stellt sich dar — man kann da einen Ausdruck gebrauchen, den der genannte Vital Troxler auch schon gebraucht hat —, er stellt sich dar, gerade der Ätherleib nämlich, den ich jetzt meine, der Ätherleib hat noch andere Aufgaben innerhalb des menschlichen Organismus, aber der Teil, den ich jetzt meine, der stellt sich dar als eine Art übersinnlicher Sinn, gerade so, wie das Auge in einer gewissen Beziehung selbstständig begabt innerhalb seiner Knochenhöhle ist, so stellt sich dann, wenn man losgelöst hat diesen Ätherleib bis zu einem gewissen Teil, dieser Ätherleib dar wie ein übersinnlicher Sinn.

[ 27 ] And how does it present itself in these experiences? It presents itself — one can use an expression which the aforementioned Vital Troxler has already used — it presents itself, namely the etheric body that I am referring to now. The etheric body has other tasks within the human organism, but the part that I am referring to now presents itself as a kind of supersensible sense, just as the eye is, in a certain sense, independently gifted within its bony cavity. so then, when one has detached this etheric body to a certain extent, this etheric body presents itself as a supersensible sense.

[ 28 ] Das Schwierige des Erlebnisses besteht nun darinnen, dass man durch das Erlebnis wohl weiß: Du hast jetzt diesen Sinn, du hast jetzt etwas Abgesondertes von deinem übrigen Leib; du hast dieses Abgesonderte, aber dieses Abgesonderte, das kann noch nichts ansehen. Die Übungen, die dazu geführt haben, dieses Abgesonderte in sich zu erleben, die bringen einen dahin, für diejenigen Zeiten, in denen man dieses Abgesonderte erlebt, die äußeren Sinne vollständig schweigen zu lassen; sodass dasjenige, was man sonst Außenwelt nennt, nicht da ist. Man hat also die Außenwelt gewissermaßen durch Niederdrückung der Aufmerksamkeit auf diese Außenwelt für sein Bewusstsein völlig hinweggeräumt, und man hat innerlich das Bewusstsein ausgedehnt über dasjenige, wovon man weiß, man hat es jetzt als selbstständig abgesondert von dem Leiblichen, aber man hat es als einen übersinnlichen Sinn, für den keine Welt da ist.

[ 28 ] The difficult thing about the experience is that through the experience you know: you now have this sense, you now have something separate from the rest of your body; you have this separate thing, but this separate thing cannot yet see anything. The exercises that have led to experiencing this separate entity within oneself lead one to completely silence the outer senses during those times when one experiences this separate entity, so that what one otherwise calls the outer world is not there. So, in a sense, you have completely removed the outside world from your consciousness by suppressing your attention to this outside world, and you have expanded your consciousness inwardly beyond what you know, you now have it as something independent, separate from the physical body, but you have it as a supersensible sense for which there is no world.

[ 29 ] Es ist nicht möglich, sehr verehrte Anwesende, das erschütternde Erlebnis mit Worten anzudeuten, was sich ergibt für die Momente, wo man weiß: Man hat diesen abgesonderten übersinnlichen Sinn, aber die ganze übrige Welt ist so nicht da, dass in weit ausgedehnterem Maße, als das durch diesen Vergleich angegeben werden kann, diese Welt einem erscheint, wie wenn einem der Boden unter den Füßen entzogen wäre. Alles dasjenige, auf dem man mit dem gewöhnlichen Sinnenbewusstsein steht, ist nicht da. Ein Organ hat man zu gleicher Zeit, für das gewissermaßen keine Welt zunächst da ist. Dennoch muss auf der einen Seite dieses Organ ausgebildet werden, um eine Welt, die allerdings für das gewöhnliche Bewusstsein nicht da sein kann, durch dieses Organ zu schauen. Und diese Welt, sie wird dadurch geschaut, dass man durch innere Seelenvorgänge jenem anderen, die zu diesem Organerleben geführt haben, [jenem anderen] entgegenkommt. So wie wir nämlich als ein Ich im gewöhnlichen Leben drinnenstehen dadurch, dass uns unser unbewusster Ätherleib die äußeren Sinnenerlebnisse ins Gedächtnis hinein umwandelt, so stehen wir der Welt gegenüber, in der wir handelnd auftreten — das kann leicht in allen Einzelheiten nachgewiesen werden — durch dasjenige, was wir die mit unserem Willensleben zusammenhängenden Sympathien und Antipathien nennen.

[ 29 ] It is not possible, dear attendees, to describe in words the shattering experience that results from the moments when one knows: One has this separate supersensible sense, but the rest of the world is not there in such a way that, to a far greater extent than can be indicated by this comparison, this world appears to one as if the ground had been pulled out from under one's feet. Everything on which one stands with ordinary sensory consciousness is not there. At the same time, one has an organ for which, in a sense, no world exists at first. Nevertheless, on the one hand, this organ must be developed in order to see a world that cannot exist for ordinary consciousness through this organ. And this world is seen by encountering, through inner soul processes, the other that has led to this organ experience. Just as we stand within ordinary life as an I, because our unconscious etheric body transforms external sensory experiences into memory, so we stand before the world in which we act — this can easily be proven in every detail — through what we call the sympathies and antipathies connected with our life of will.

[ 30 ] So wie nun das Gedächtnis ganz und gar an Leibliches gebunden ist, so sind auch die Sympathien und Antipathien — durch die wir eines wollen, das andere nicht wollen, durch die wir uns dem einen Menschen nähern, dem anderen unsympathisch finden, unser ganzes Willen- und Tatenleben steht ja unter dem Einfluss der Sympathien und Antipathien —, diese Sympathien und Antipathien sind ganz und gar gebunden an den physischen Leib. Nur dadurch, dass wir in einem physischen Leibe leben, leben wir diese Sympathien und Antipathien so aus, wie sie sich eben in unserem Tatenleben ausleben.

[ 30 ] Just as memory is completely bound to the physical body, so too are sympathies and antipathies — through which we want one thing and not another, through which we approach one person and find another unsympathetic; our entire life of will and action is influenced by sympathies and antipathies — these sympathies and antipathies are entirely bound to the physical body. It is only because we live in a physical body that we live out these sympathies and antipathies as they are lived out in our life of action.

[ 31 ] Sie sehen, sehr verehrte Anwesende, wie dasjenige, was unserem Vorstellungsleben zugrunde liegt, auch von der Geisteswissenschaft anerkannt wird, als abhängig von dem physischen Leibesleben. So wird dasjenige, was als Sympathien und Antipathien die Impulse abgibt für das Tatenleben, von der Geisteswissenschaft als an den physischen Leib gebunden anerkannt.

[ 31 ] You see, dear attendees, how Spiritual Science also recognizes that what underlies our life of imagination is dependent on physical life. Thus, Spiritual Science recognizes that what gives rise to impulses for our life of activity in the form of sympathies and antipathies is bound to the physical body.

[ 32 ] Aber nun gibt es wiederum — in den genannten Büchern sind sie beschrieben — gewisse Übungen, welche dahin führen, nicht für das ganze äußere, physische Leben, das wäre von großem Übel, wohl aber für gewisse Momente, in denen eben die geistige Welt untersucht werden soll, diese Sympathien und Antipathien gewissermaßen auszulöschen, wirklich dasjenige, was sonst mit Sympathie oder Antipathie erlebt wird, anzuschauen, so wie man sich gewöhnt hat, die Vorgänge der äußeren Natur zu beobachten, von denen man weiß, dass sie nur objektiv beobachtet werden können, wenn man sie ohne Sympathie und Antipathie beobachtet.

[ 32 ] But now there are certain exercises — described in the books mentioned above — which lead to the elimination of these sympathies and antipathies, not for the whole of external, physical life, which would be very harmful, but for certain moments in which the spiritual world is to be investigated, so that one can truly observe what is otherwise experienced with sympathy or antipathy, just as one has become accustomed to observing the processes of external nature, which one knows can only be observed objectively if one observes them without sympathy or antipathy.

[ 33 ] Es braucht wiederum ein sorgfältiges, gewissenhaftes, methodisches Arbeiten, um dahin zu kommen, für gewisse Momente des Erlebens, Sympathien und Antipathien, die man sonst haben muss, ohne die man für das äußere Leben gelähmt wäre, Sympathien und Antipathien auszuschalten. Dann aber, wenn es einem gelingt, aus dem Verlaufe unseres seelischen Erlebens Sympathien und Antipathien methodisch völlig auszuschalten, dann beginnt das genannte übersinnlich-sinnliche Organ eine Welt schauen zu können, eine Welt, die dem gewöhnlichen Bewusstsein verborgen ist. Und das ist jetzt die Welt, in welcher das eigentliche unsterbliche Teil der Menschenseele eingebettet ist. Das ist die Welt, in welcher ruht derjenige Teil der menschlichen Seele, der für das gewöhnliche Bewusstsein im Denken, Fühlen und Wollen einverleibt wurde. Für das gewöhnliche Bewusstsein wirkt zusammen dieser unsterbliche Teil der Menschenseele, dieser durch Geburten und Tode gehende Teil der menschlichen Seele mit dem gewöhnlichen Leibesleben, so wie gewisse Erscheinungen, gewisse Vorgänge draußen in der Natur zusammenwirken, um den Regenbogen zu erzeugen. Und derjenige, der behaupten wollte, dieses gewöhnliche Denken, Fühlen und Wollen, das von unserer Leibesorganisation abhängig ist, das könnte über den Tod hinaus in der Form, wie es im gewöhnlichen Bewusstsein ist, über den Tod hinaus dauern, er würde ein Ähnliches behaupten wie der, der glauben würde, der Regenbogen müsste stehen bleiben, auch wenn die Bedingungen seines Daseins hinweggehen. Dasjenige, was bleibt, was durch Geburten und Tode geht, auf das schaut der charakterisierte übersinnliche Sinn, wenn es hervortritt als das hinter Denken, Fühlen und Wollen Liegende unseres seelischen Lebens, das heraus sich gebiert aus dem von Sympathie und Antipathie frei gewordenen seelischen Erleben.

[ 33 ] It takes careful, conscientious, methodical work to reach the point where, for certain moments of experience, one can eliminate the sympathies and antipathies that one must otherwise have, without which one would be paralyzed in external life. But then, if one succeeds in methodically eliminating sympathies and antipathies from the course of our soul experience, then the aforementioned supersensible-sensory organ begins to be able to see a world that is hidden from ordinary consciousness. And this is now the world in which the actual immortal part of the human soul is embedded. This is the world in which that part of the human soul rests which has been incorporated into ordinary consciousness in thinking, feeling, and willing. For ordinary consciousness, this immortal part of the human soul, this part of the human soul that passes through births and deaths, works together with ordinary bodily life, just as certain phenomena, certain processes outside in nature work together to create the rainbow. And anyone who wanted to claim that this ordinary thinking, feeling, and willing, which is dependent on our bodily organization, could continue beyond death in the form in which it exists in ordinary consciousness, would be saying something similar to someone who believed that the rainbow must remain even when the conditions for its existence have passed away. That which remains, which passes through births and deaths, is what the characterized supersensible sense looks at when it emerges as that which lies behind thinking, feeling, and willing in our soul life, which is born out of the soul experience freed from sympathy and antipathy.

[ 34 ] Was nun dieser genannte übersinnliche Sinn erlebt als solches Geistig-Seelisches, das stellt sich als etwas wesentlich anderes dar als das gewöhnliche seelische Erleben. Im gewöhnlichen seelischen Erleben, da geht dasjenige, was in unseren Sympathie- und Antipathie-Impulsen lebt, ich möchte sagen in ein Ideelles über. Wir erfahren dies oder jenes im Leben, unser Gewissen sagt uns dies oder jenes: das geht über in ein Ideelles. Und nur dadurch, dass vom Ideellen aus das Ich dies oder jenes bewirken kann, dadurch handeln wir unter dem Einfluss unseres Erlebens, unseres Gewissens und so weiter. Dasjenige, was der übersinnliche Sinn im inneren Seelenleben, das von Sympathien und Antipathien frei geworden ist, erschaut, das steht in einem viel innigeren Zusammenhang mit dem objektiven, aber jetzt geistigen Dasein, das durch die Welt fließt als unser ideelles Leben. Und das sieht zum Beispiel dieser übersinnliche Sinn an dem, was ich also beschrieben habe, als Anteil an unserem inneren Seelenleben, da sieht er, wie zum Beispiel, wenn man im Leben einem anderen Menschen gegenübertritt: Es bildet sich ein gewisses Verhältnis, dieses Verhältnis steht unter dem Eindrucke von Sympathie und Antipathie, führt unter diesem Eindrucke zu diesem oder jenem auf dem Umwege durch unser Vorstellungsleben. Unser Ideelles aber, das Ich, muss auf dem Umwege durch unser Vorstellungsleben das Verhältnis ausbilden, das wir zu dem Menschen eingegangen sind. Aber in den Tiefen unserer Seelenwelt ist für denselben Menschen — für das gewöhnliche Bewusstsein verborgen — ein Verhältnis aus einer Beziehung heraus, die viel, viel realer ist als die bloß in das Erdenleben hereinzunehmende Beziehung, die am Ich haftet.

[ 34 ] What this so-called supersensible sense experiences as such spiritual-soul life presents itself as something essentially different from ordinary soul experience. In ordinary soul experience, what lives in our impulses of sympathy and antipathy I would say, into something ideal. We experience this or that in life, our conscience tells us this or that: this is transformed into something ideal. And it is only because the I can bring about this or that from the ideal that we act under the influence of our experience, our conscience, and so on. What the supersensible sense sees in the inner life of the soul, which has been freed from sympathies and antipathies, is much more intimately connected with the objective, but now spiritual, existence that flows through the world than our ideal life. And this is what this supersensible sense sees, for example, in what I have described as part of our inner soul life. It sees, for example, how when we encounter another person in life: a certain relationship is formed, this relationship is influenced by sympathy and antipathy, and under this influence leads to this or that via a detour through our imaginative life. But our ideal, the I, must form the relationship we have entered into with the person via a detour through our imaginative life. But in the depths of our soul world, for the same person — hidden from ordinary consciousness — a relationship based on a connection that is much, much more real than the relationship that can be taken into earthly life, which is attached to the ego.

[ 35 ] Und außerdem bemerkt der sinnlich-übersinnliche Sinn, dass die Beziehung, die sich in den Tiefen der Seele ausbildet nach der Lage, in der unser physischer Organismus ist, nach der Lage, in der wir in unserem äußeren Leben stehen, dass diese Beziehung niemals in diesem Leben mit seinen Möglichkeiten erfüllt werden kann. So bilden wir in dem Seelenleben, das dem gewöhnlichen Bewusstsein entzogen ist, wenn wir einem Menschen gegenüberstehen, eine Beziehung heraus, die wir in unser Vorstellungsleben, in unser gewöhnliches Gefühls- und Wollens-Leben hereinbekommen können. Diese Beziehung leben wir, je nachdem wir es können, auch in dem gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod aus. Aber dieser Beziehung liegt ein viel umfassenderer Impuls im Unter- oder Unbewussten zugrunde, eine Beziehung, die nimmermehr in diesem Leben ausgelebt werden kann, die gewissermaßen auf viel größere Zeiten ausgebreitet ist, als dieses gewöhnliche Leben umfasst. Und so sehen wir, wie durch das ganze Leben gehend, wir Beziehungen anknüpfen zu anderen Menschen, zu anderen Wesen des Lebens, die weit umfassender sind, als dieses unser gewöhnliches Leben ist.

[ 35 ] And besides, the sensual-supersensual sense notices that the relationship that develops in the depths of the soul according to the situation in which our physical organism is, according to the situation in which we stand in our outer life, that this relationship can never be fulfilled in this life with its possibilities. Thus, in the soul life that is hidden from ordinary consciousness, when we face a human being, we form a relationship that we can bring into our imaginative life, into our ordinary life of feeling and willing. We live out this relationship, as far as we are able, in our ordinary life between birth and death. But this relationship is based on a much more comprehensive impulse in the subconscious or unconscious, a relationship that can never be lived out in this life, that is, in a sense, spread out over much greater times than this ordinary life encompasses. And so we see how, throughout our whole life, we form relationships with other people, with other beings of life, that are far more comprehensive than our ordinary life.

[ 36 ] Aber noch ein anderes nehmen wir wahr, indem wir den übersinnlichen Sinn immer mehr und mehr gebrauchen lernen, das heißt unseren Ätherleib immer mehr und mehr zu einem solch übersinnlichen Sinn umzugestalten vermögen, etwas anderes nehmen wir wahr: dass dasjenige, was wir von der gewöhnlichen Sinnenwelt durch die Wahrnehmung aufnehmen, nur ein Teil dessen ist, was aus der Sinnenwelt einfließt. Unendlich viel reicheres Leben fließt mit jedem Augenaufschlag in uns ein als dasjenige, was mit unserer gewöhnlichen physischen Körperlichkeit verarbeitet werden kann von uns. Ich möchte sagen: Mit dem, was in der sinnlichen Wahrnehmung eben gegeben ist, fließt zugleich ein reiches Leben ein, das wiederum für viel größere Zeiten berechnet ist als das gewöhnliche, durch den physischen Leib vermittelte Leben des Menschen.

[ 36 ] But we perceive something else as well, as we learn to use our supersensible senses more and more, that is, as we are able to transform our etheric body more and more into such a supersensible sense. We perceive something else: that what we take in from the ordinary sensory world through our perceptions is only a part of what flows in from the sensory world. With every blink of the eye, infinitely richer life flows into us than what can be processed by our ordinary physical physicality. I would like to say: along with what is given in sensory perception, a rich life flows in at the same time, which in turn is calculated for much greater times than the ordinary life of human beings mediated by the physical body.

[ 37 ] Und indem wir von diesen zwei Seiten her wahrnehmen, wie ein reicheres Leben auf dem Untergrund unserer Seelen real vorhanden ist, werden wir gewahr, dass sich in uns etwas entwickelt, das rein geistig-seelischer Natur ist, das aber in uns als Geistig-Seelisches mit einer umfassenden geistig-seelischen Außenwelt verknüpft ist und mit dieser zusammenhängt wie unser Leben mit der physischen Außenwelt, wie dies etwas in uns war, welches ungefähr so in uns lebt wie die Kräfte, die im Pflanzenkeim leben, der sich durch die Blüte als Frucht ergibt und der bewahrt wird, damit sich eine neue Pflanze daraus entwickeln kann nach einiger Zeit. So wie sich hier in der Pflanze physisch der Pflanzenkeim entwickelt, wie er in der Pflanze von heute schon darinnen steckt, um der Pflanze der Zukunft zugrunde zu liegen, so erleben wir, dass Teile aus der sinnlichen Außenwelt in uns einströmen, teilweise sich ergebend aus demjenigen, was wir erleben als tätige Menschen mit unserer Umgebung, ein Seelenkeim, der bereit ist, ein anderes Leben wiederum auszugestalten. Denn gleichzeitig nehmen wir, wenn dieser innere Sinn entwickelt ist, gleichzeitig nehmen wir wahr, dass alles dasjenige, was wir nun von dem von der Außenwelt Einfließenden oder von dem durch unsere unter Sympathie oder Antipathie stehenden Impulsen als Taten vollführen, wir nehmen wahr, dass dasjenige, was wir von all demjenigen gemacht haben, was durch unseren jetzigen physischen Leib oder unser jetziges Leben, in das wir versetzt sind, durch die Lage, in der wir stehen, ausführen können, dass das wiederum bedingt ist durch frühere Leben, durch früheres Erleben, wie die gegenwärtige Pflanze bestimmt ist durch einen früher in einer Pflanze gebildeten Keim. Und weil unser jetziges Leben herbeigeführt worden ist durch die Erlebnisse eines früheren Erdenlebens — das durchschauen wir jetzt —, so ist es nicht geeignet, das Umfassende des jetzigen Erlebens auch vollständig wiederum zur Wirklichkeit umzugestalten, sondern nur als Keim in uns festzulegen, der bereit ist, durch den Tod zu gehen, und nachdem er in entsprechender Weise durch ein rein geistiges Dasein gegangen ist zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, in ein neues Erdenleben einzutreten.

[ 37 ] And as we perceive from these two sides how a richer life is actually present in the depths of our souls, we become aware that something is developing within us that is purely spiritual and soul-related in nature, but which is connected to a comprehensive spiritual and soul-related external world and is related to it in the same way that our life is related to the physical external world, as if it were something within us that lives in us in much the same way. -soul with a comprehensive spiritual-soul outer world and is connected with it as our life is connected with the physical outer world, as something within us that lives in us much like the forces that live in the plant seed, which produces fruit through flowering and is preserved so that a new plant can develop from it after some time. Just as the plant seed develops physically here in the plant, just as it is already contained within today's plant in order to form the basis of the plant of the future, so we experience parts of the sensory external world flowing into us, partly resulting from what we experience as active human beings with our environment, a soul germ that is ready to shape another life in turn. For at the same time, when this inner sense is developed, we perceive that everything we now do from what flows in from the outside world or from the impulses of our sympathies or antipathies, we perceive that what we have made of all that which, through our present physical body or our present life, in which we are placed, through the situation in which we find ourselves, is in turn conditioned by previous lives, by previous experiences, just as the present plant is determined by a seed formed earlier in a plant. And because our present life has been brought about by the experiences of a previous earthly life — we now see this — it is not suitable for completely transforming the comprehensiveness of the present experience into reality again, but only for establishing it within us as a seed that is ready to pass through death, and after it has passed in the appropriate manner through a purely spiritual existence between death and a new birth, to enter into a new earthly life.

[ 38 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, es kann mit Recht gesagt werden, ja, aber da setztest du ja voraus, was zunächst dem gewöhnlichen Bewusstsein recht sehr wenig einleuchtend ist, dass etwas rein Geistig-Seelisches — und ein solches ist es ja —, das in dem Menschen lebt, wirklich die reale Kraft habe, den Tod zu überdauern, ein geistiges Dasein zwischen Tod und neuer Geburt durchzumachen, und dann wiederum in ein Erdenleben einzutreten, dass ein solch Geistig-Seelisches also die reale Kraft hätte, sich real durchzusetzen und den Übergang zu finden zu einem neuen Erdenleben.

[ 38 ] Well, dear attendees, it can rightly be said, yes, but there you presupposed something that is initially quite incomprehensible to ordinary consciousness, namely that something purely spiritual-soul-like — and that is what it is — that lives in human beings really has the real power to survive death, to go through a spiritual existence between death and new birth, and then to enter again into an earthly life, that such a spiritual-soul entity would have the real power to assert itself and find the transition to a new earthly life.

[ 39 ] Geistesforschung, sehr verehrte Anwesende, beruht wirklich nicht auf phantastischen Annahmen, sondern man gelangt stufenweise zu Erkenntnissen, wie diejenigen sind, die auch jetzt geschildert worden sind. Und man kann sagen: In einer gewissen Weise gibt das alltägliche Leben doch schon dem Geistesforscher selber, der die genannte Entwicklung zu gewissen Erkenntniskräften durchgemacht hat, Anhaltspunkte am Kleineren, um dieses Große, eben Geschilderte, nicht gleich von vornherein, sondern als ein Resultat erst zu begreifen. Und dieses Kleinere stellt sich dar im gewöhnlichen Leben, wenn wir wirklich nun mit geistesforscherischen Mitteln den Wechsel zwischen Wachen und Schlafen ins Auge fassen. Dieser Wechsel von Wachen und Schlafen, er ist ja gewiss von der Naturwissenschaft — und zwar dürfen wir heute schon sagen — in außerordentlich scharfsinniger Weise nach allen Seiten untersucht worden; wenn auch bedeutende Resultate sich noch nicht ergeben haben, aber die Forschungen werden auf diesem Punkte weitergehen. Allein die Geistesforschung forscht mit den Kräften, auf die ich hingedeutet habe, erforscht denselben Vorgang, den die Naturwissenschaft von außen erforscht, gewissermaßen von innen. Und da stellt sich nun Folgendes dar.

[ 39 ] Spiritual research, dear attendees, is really not based on fantastical assumptions, but rather one gradually arrives at insights such as those that have just been described. And one can say that, in a certain way, everyday life already gives the spiritual researcher who has undergone the aforementioned development to certain powers of insight clues in smaller things, so that he can understand this great thing that has just been described, not immediately from the outset, but as a result. And these smaller things present themselves in ordinary life if we really consider the alternation between waking and sleeping with spiritual research methods. This alternation between waking and sleeping has certainly been investigated in an extremely astute manner by natural science — and we can already say today — from all angles; even if significant results have not yet been achieved, research will continue on this point. Spiritual research, however, uses the powers I have referred to to investigate the same process that natural science investigates from the outside, so to speak from the inside. And the following now becomes apparent.

[ 40 ] Ein sehr bedeutender Naturforscher der neueren Zeit gibt ja selbst zu, dass wenn die Naturwissenschaft verwendet all dasjenige, was sie kennenlernen hat können auch als Außenseite in der äußeren Natur, so kann sie im Grunde genommen nur den schlafenden Menschen erklären, nicht denjenigen Menschen, der bewusst im Tagesleben steht. Ja, dieser Naturforscher, er sagt: «Mit naturwissenschaftlichen Mitteln ist eigentlich nur der schlafende Mensch zu erklären, der von seinem Bewusstsein verlassen ist.» Nun kann gewiss derjenige, der ganz unmittelbar unter dem blendenden Eindrucke der neueren naturwissenschaftlichen Ergebnisse steht, sagen: Ja, dasjenige, was da im Tagesbewusstsein lebt, das ist nur eine Erscheinung desjenigen, was sich ergibt durch das Zusammenwirken derjenigen Kräfte und Stoffe, die eben im Menschenleib sind. Das, was da vom Einschlafen bis zum Aufwachen wie in einem dumpfen Zustande vorhanden ist, scheinbar den Leib verlassen hat, das ist nichts für sich — so könnte man sagen.

[ 40 ] A very important natural scientist of recent times himself admits that if natural science uses everything it has been able to learn about the external side of external nature, it can basically only explain the sleeping human being, not the human being who is consciously active in daily life. Yes, this natural scientist says: "Scientific means can actually only explain the sleeping human being who has been abandoned by his consciousness. " Now, those who are directly under the dazzling impression of the latest scientific findings may say: Yes, what lives in daily consciousness is only a manifestation of what results from the interaction of the forces and substances that are present in the human body. What exists from falling asleep to waking up, as if in a dull state, seemingly having left the body, is nothing in itself — one could say.

[ 41 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, da ergibt eben wiederum der Sinn, von dem ich gesprochen habe, dass ein wirklich Reales vorhanden ist vom Einschlafen bis zum Aufwachen, und dass dieses Reale durch gewisse Kräfte im Aufwachen wiederum untertaucht in den physischen Leib. Denn worauf beruht denn alles dasjenige, was im physischen Leib im Wechselverhältnis zwischen Schlafen und Wachen vorgeht? Das ist geisteswissenschaftlich angesehen so — wenn ich stundenlang Zeit hätte, würde ich vieles in allen Einzelheiten besprechen können, dann würde es leichter begreiflich sein —, dieser Wechsel zwischen Wachen und Schlafen ist für den physischen Leib angesehen so. In der Tat besteht unser waches Tagesleben darinnen, dass wir gewisse Kräfte, die in unserem Organismus sind, verbrauchen. Das ist gerade für den Geistesforscher mit dem angedeuteten Anschauungsvermögen, möchte ich sagen wiederum das Erschütternde, dass er schaut, wie das gewöhnliche Tagesbewusstsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen im Grunde genommen fortwährend Kräfte des physischen Leibes verbraucht. Was da verbraucht worden ist, das ist mit dem Einschlafen in der Tat nicht mehr da; das wird vom Einschlafen bis zum Aufwachen wiederum neu hervorgebracht. Sodass, weil nun das eigentliche Tagesbewusstsein im Grunde lebt, in diesem während des Tageslebens verbrauchten Kräftesystem, so muss jedes Mal beim Aufwachen das Bewusstsein eigentlich einziehen in ein Kräfte- und Stoffsystem, welches neu aufgebaut ist durch den Schlafzustand. Indem wir einschlafen, haben wir dasjenige nicht, wohinein wir morgens wiederum untertauchen, wenn wir aufwachen. Das muss während des Schlafzustandes wiederum ganz neu gebildet werden.

[ 41 ] Now, dear friends, the meaning I spoke of earlier comes into play again, namely that something truly real exists from the moment of falling asleep to the moment of waking up, and that this real thing, through certain forces, submerges back into the physical body upon waking up. For what is the basis of everything that happens in the physical body in the interplay between sleeping and waking? From a perspective of Spiritual Science — if I had hours to spare, I could discuss many things in detail, then it would be easier to understand — this alternation between waking and sleeping is viewed in this way for the physical body. In fact, our waking daily life consists of consuming certain forces that are in our organism. For the spiritual researcher with the aforementioned powers of observation, I would say that it is again shocking to see how ordinary daytime consciousness, from waking up to falling asleep, basically consumes the forces of the physical body continuously. What has been consumed is no longer there when we fall asleep; it is newly produced between falling asleep and waking up. So, because our actual daytime consciousness basically lives in this system of forces consumed during our daily life, every time we wake up, consciousness must actually enter a system of forces and substances that has been newly built up by the state of sleep. When we fall asleep, we do not have that into which we submerge again in the morning when we wake up. This must be completely newly formed during the state of sleep.

[ 42 ] Dass dieses für den physischen Leib so ist, die [Naturforschung] wird es mit ihren Mitteln im Laufe der Zeit nachweisen; die Geistesforschung kann es heute als eine gewisse innere Beobachtung sagen. Denn man kann wirklich sagen: Wenn man morgens aufwacht, taucht man unter nicht in etwas, was dageblieben ist, sondern in etwas, was während des Nachtschlafes neu erzeugt worden ist. Man taucht in etwas vollständig Neugebildetes unter. Und wodurch taucht man in etwas vollständig Neugebildetes unter? Dadurch, dass sich eine Anziehungskraft bildet zwischen dem Seelischen, das wirklich dageblieben ist, aber nicht in dem Leib sein konnte, weil sein Selbst nicht in dem Leibe war, man taucht unter in dieses Neugebildete beim Aufwachen durch die Kräfte, die man vergleichen kann, weil sie derselben Natur sind, mit den Kräften der Begierde, mit den Kräften des Begehrens.

[ 42 ] That this is so for the physical body will be proven over time by [natural science] using its methods; spiritual research can already say this today as a kind of inner observation. For one can truly say that when one wakes up in the morning, one does not immerse oneself in something that has remained, but in something that has been newly created during the night's sleep. One immerses oneself in something completely newly formed. And how does one immerse oneself in something completely newly formed? Through the formation of an attractive force between the soul, which has truly remained, but could not be in the body because its self was not in the body; one immerses oneself in this newly formed thing upon waking through forces that can be compared because they are of the same nature, with the forces of desire, with the forces of longing.

[ 43 ] Da haben wir schon im gewöhnlichen Leben beim Aufwachen einen realen Vorgang, der aus etwas RealGeistig-Seelischem hervorgeht. Das Geistig-Seelische ist wirklich vom Anfang bis zum Ende da. Das wird übernommen durch das Neugebildete, dem es gewissermaßen zugeschaut hat während des Schlafens, sodass man von einer Wiedergeburt eines gewissen Teiles des menschlichen physischen Leibeswesens sprechen kann beim Aufwachen, und von einem Einziehen des Seelischen in dieses Wiedergeborene. So wie in diesem alltäglichen Erlebnis im Wechsel des Wachens und Schlafens das Seelisch-Geistige sich wieder verbindet mit dem Neugebildeten, so verbindet sich dasjenige, was durch den Tod geht, so wie ich es vorhin angedeutet habe, es verbindet sich, nachdem es einen langen Werdeprozess durchgemacht hat im reinen Geistigen, wiederum mit einem Menschenleib, der ihm nun so entgegengebracht wird als ganzer Menschenleib, wie ihm ein gewisses Kräftesystem entgegengebracht wird morgens beim Aufwachen. Und dieses wunderbare Werden im Leben, das Durchgehen durch wiederholte Erdenleben, ist prinzipiell nicht schwerer verständlich als das Aufwachen. Man muss nur so, wie es die Wissenschaft tut, wirklich von dem Einfacheren zu dem Zusammengesetzteren im Verständnisse vorrücken.

[ 43 ] So even in ordinary life, when we wake up, we have a real process that emerges from something real in the spiritual-soul realm. The spiritual -spiritual is really there from beginning to end. This is taken over by the newly formed, which it has watched, so to speak, during sleep, so that one can speak of a rebirth of a certain part of the human physical body being upon awakening, and of a drawing in of the soul into this reborn being. Just as in this everyday experience of the alternation between waking and sleeping, the soul-spiritual reconnects with the newly formed, so too, as I indicated earlier, that which passes through death reconnects, after undergoing a long process of becoming in the pure spiritual realm, with a human body that is now presented to it as a whole human body, just as a certain system of forces is presented to it in the morning when it awakens. And this wonderful becoming in life, passing through repeated earthly lives, is in principle no more difficult to understand than awakening. One must simply, as science does, advance in understanding from the simpler to the more complex.

[ 44 ] Man könnte natürlich noch etwas einwenden, sehr verehrte Anwesende, gegen dasjenige, was ich gesagt habe. Vieles, sehr vieles könnte eingewendet werden. Diese Einwendungen werden, wenn Sie sich näher auf die Geisteswissenschaft einlassen, Ihnen schon hinweggenommen werden, denn diese Einwände, sind alle berücksichtigt. Es könnte eingewendet werden: Ja, aber man kann doch — ich will nur einen solchen Einwand hier erwähnen, aus dem einfachen Grunde, damit Sie sehen, dass schon der geistige Forscher alles berücksichtigt hat, was in Betracht kommen kann —, ja, aber wenn das wirklich so wäre, dass das Einschlafen durch den Verbrauch gewisser Kräfte herbeigeführt worden ist, so könnte es doch gar nicht möglich sein, dass man sich des Schlafes für eine gewisse Zeit enthalten kann. Das ist aus dem Grunde möglich, weil der Mensch niemals vollständig aufbraucht dasjenige, was in ihm ist; er hat, wenn er einschläft, immer eine Art Reserve. Ich erinnere nur daran, dass wir in der Tat nicht in gleicher Weise die linke und rechte Hirnhälfte gebrauchen, sodass immer eine Reserve da ist, sodass rein durch ein gewisses Denken in der Tat es erklärlich ist, dass der Mensch sich auch des Schlafes enthalten kann, und dennoch jene Tatsache besteht, von der ich gesprochen habe. So sehen wir, wie im Grunde genommen das Sich-Einverleiben in ein neues Erdenleben nichts Rätselhafteres hat als das tägliche Aufwachen.

[ 44 ] Of course, dear audience, you could still object to what I have said. Much, very much could be objected to. These objections will be removed when you engage more closely with Spiritual Science, for these objections have all been taken into account. It could be objected: Yes, but one can still — I only want to mention one such objection here, for the simple reason that you can see that the spiritual researcher has already taken everything into account that could be considered — yes, but if it were really the case that falling asleep is brought about by the consumption of certain forces, then it would not be possible to refrain from sleeping for a certain period of time. This is possible because human beings never completely use up what is within them; when they fall asleep, they always have a kind of reserve. I would just like to remind you that we do not use the left and right hemispheres of the brain in the same way, so that there is always a reserve, so that purely through a certain way of thinking, it is indeed explainable that human beings can also refrain from sleep, and yet the fact I have spoken of still exists. So we see that, basically, incorporating oneself into a new earthly life is no more mysterious than waking up every day.

[ 45 ] Nun handelt es sich darum, dass wenn wir mit dem charakterisierten übersinnlichen Sinn dasjenige anschauen, was als Tieferes unter der Schwelle unseres Bewusstseins lebt und durch Geburten und Tode geht, dass wir dann sehen, wie wir sozusagen — als Beispiel sei dies angeführt — die Beziehung zu einem Menschenwesen herstellen, dem wir im Leben begegnen. Da bildet sich eben vieles, was im Erdenleben, zwischen Geburt und Tod, durch das Ich nicht zum Ausdruck kommen kann. Wenn die Seele nun durch den Tod geschritten ist, dann stellt sich die Sache so, dass dasjenige, was sonst in unserem Innern lebt, was gewissermaßen zusammengehalten wird durch die Begrenzung unseres Körpers als ein Innerliches und dadurch eben unserem gewöhnlichen Bewusstsein entzogen wird, dass dieses nunmehr in der rein geistigen Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt zu einem Äußeren wird, zu einem Äußeren wird bei dem einen Menschen, auf den es ankommt, und auch bei dem anderen Menschen, zu dem der Mensch in Beziehung getreten ist. Dann, wenn die körperliche Hülle durch den Tod weg ist, schaut gewissermaßen der eine Mensch an dem anderen dasjenige, was sie miteinander erlebt haben, geradeso, wie der irdische Mensch in sich erschaut dasjenige, was ihm gekommen ist aus der äußeren Wahrnehmungswelt, und was durch die Körperlichkeit bedingt nicht verarbeitet werden konnte zwischen der Geburt und dem Tode.

[ 45 ] Now, when we look with our super-sensory sense at what lives as something deeper below the threshold of our consciousness and goes through births and deaths, we see how we establish, so to speak — to give an example — a relationship with a human being whom we encounter in life. Much is formed in earthly life, between birth and death, cannot be expressed through the ego. When the soul has passed through death, what usually lives within us, held together, as it were, by the limitations of our body as an inner being and thus withdrawn from our ordinary consciousness, now becomes an outer being in the purely spiritual world between death and a new birth. becomes external to the person who matters, and also to the other person with whom the person has entered into a relationship. Then, when the physical shell is gone through death, one person sees in the other, as it were, what they have experienced together, just as as the earthly human being sees within himself what has come to him from the outer world of perception and what, due to physicality, could not be processed between birth and death.

[ 46 ] Wie verlaufen nun die Erlebnisse zwischen dem Tod und einer neuen Geburt? Das ist allerdings ein Kapitel, sehr verehrte Anwesende, wenn man darüber spricht, kann man heute noch sehr leicht verhöhnt werden; denn erstens kann man niemals in einem Vortrage alles dasjenige wirklich vorbringen, was zum Beweise dessen, wovon man spricht, hinreichend sein würde. Auf der anderen Seite widerspricht dasjenige, was da vorzubringen ist, noch ganz und gar den Vorstellungen des heutigen gewöhnlichen Erlebens. Aber ich will von einer gewissen Seite her doch einiges zeigen, was in Betracht kommt, wenn wir auf dieses Leben hinblicken wollen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 46 ] How do the experiences between death and a new birth unfold? This is, however, a chapter, dear audience, that can still very easily be ridiculed today when spoken of; because, first of all, it is impossible to present in a lecture all the evidence that would be sufficient to prove what one is talking about. On the other hand, what is to be presented still completely contradicts the mental images of today's ordinary experience. But I would like to show a few things from a certain perspective that come into consideration when we look at this life between death and a new birth.

[ 47 ] Im gewöhnlichen wissenschaftlichen Anschauen spricht man heute davon, dass der Mensch die Eigenschaften, die er darlebt zwischen Geburt und Tod, sie bis zu einem gewissen Grade durch Vererbung habe, in einem anderen Grade, von einem anderen Gebiete, durch die Erziehung habe und dergleichen mehr.

[ 47 ] In ordinary scientific thinking today, it is said that the characteristics that a person displays between birth and death are, to a certain extent, inherited, and to another extent, acquired through education and so on.

[ 48 ] Nun, sehen wir zunächst auf das Eine, auf die Vererbung. Es liegt mir ganz ferne, die gewissenhafte Forschung, die Vererbungsforschung die insbesondere in den letzten Jahrzehnten so großartige Fortschritte gemacht hat, irgendwie herabwürdigen zu wollen oder widersprechen zu wollen der Tatsache, dass diese Vererbungsforschung auch auf den Menschen anzuwenden ist. Allein in vielem Prinzipiellen steht diese Vererbungsforschung, sehr verehrte Anwesende, auf einem sehr merkwürdigen Boden. Eines habe ich ja bei früheren Vorträgen hier schon erwähnt, das ich aber jetzt wiederholen muss.

[ 48 ] Now, let us first look at one aspect, heredity. It is far from my intention to somehow disparage the conscientious research, the research into heredity, which has made such great progress, especially in recent decades, or to contradict the fact that this research into heredity also applies to humans. However, ladies and gentlemen, in many fundamental respects, this research into heredity stands on very strange ground. I have already mentioned one of these in previous lectures here, but I must repeat it now.

[ 49 ] Es ist vor einiger Zeit ein Buch geschrieben worden, ein sehr interessantes Buch, das für jeden, der sich für solche Sachen interessiert, mit brennendem Interesse gelesen werden kann: ein Buch über Goethe, in dem beschrieben wird alles dasjenige, was aufzubringen war durch eine gewissenhafte Forschung an Eigenschaften von Goethes Ahnen, weiteren Ahnen und so weiter, um zu zeigen, wie in den verschiedenen Ahnen, in den verschiedenen Vorfahren Goethes Eigenschaften auftreten, die dann bei Goethe, ich möchte sagen nur konzentriert wiederum zum Vorschein kommen. Sodass aus der Vererbung heraus gewissermaßen die Richtung und auch die Intensität seines genialen Schaffens sich erklären würden.

[ 49 ] Some time ago, a very interesting book was written that anyone interested in such matters can read with keen interest: a book about Goethe that describes everything that could be gleaned from meticulous research into the characteristics of Goethe's ancestors, other ancestors, and so on, in order to show how Goethe's characteristics appear in his various ancestors, which then emerge in Goethe, I would say, in a concentrated form. So that, in a sense, the direction and intensity of his genius can be explained by heredity.

[ 50 ] Das ist ein spezieller Fall, heraus erlebt aus dem, was überhaupt die Vererbungsforschung als ihre Richtung einschlägt. Man versucht ja zu erkennen, wie im physischen Zusammenhange des Menschen mit seiner Vorfahrenwelt Eigenschaften auf ihn übertragen werden, die durch seine Leiblichkeit wirken auf sein Naturell, seinen Charakter, sein Temperament ausbilden, und dadurch ihn in einer gewissen Weise in die Welt hineinstellen. Wiederum dasjenige, was vorgebracht wird in dieser Richtung, ist durchaus einleuchtend. Und man kann es verstehen, wenn gesagt wird, nun, da kommen jetzt solche Leute, die Geistesforscher sein wollen, und die da sagen: Ja, dasjenige, was in einem gewissen Leben auftritt, das tritt dadurch auf, dass dieses Leben die Folge ist eines früheren oder früherer Erdenleben, während die Naturwissenschaft sich doch gewissenhaft bemüht hat zu zeigen, wie aus den vererbten Merkmalen und Kräften gerade dasjenige herausfließt, was der Mensch als sein Naturell darlebt. Man kann das durchaus verstehen.

[ 50 ] This is a special case, experienced from what heredity research is pursuing as its direction. The aim is to understand how, in the physical connection between humans and their ancestral world, characteristics are transferred to them which, through their physicality, influence their nature, character, and temperament, and thus position them in the world in a certain way. Again, what is put forward in this direction is quite plausible. And one can understand when it is said that now there are people who want to be spiritual researchers and who say: Yes, what occurs in a certain life occurs because this life is the result of a previous or earlier earthly life, while natural science has conscientiously endeavored to show how the inherited characteristics and powers give rise to precisely what the human being lives out as his nature. One can certainly understand this.

[ 51 ] Aber dennoch muss ein Einwand gemacht werden, der ganz prinzipiell ist, dass schließlich der Mensch dasjenige, was er — sei es mit geringen oder mit bedeutenden geistigen Kräften sich auslebend — beeinflusst hat von den physischen Vererbungsvorgängen, die der ganzen Ahnenreihe zugrunde liegen; das ist berechtigt anzunehmen und ist ganz erklärlich.

[ 51 ] Nevertheless, a fundamental objection must be raised, namely that ultimately, what a person has influenced — whether with minor or significant spiritual powers — is based on the physical hereditary processes that underlie the entire ancestral line; this is a legitimate assumption and is entirely explainable.

[ 52 ] Aber ich möchte sagen: Da der Mensch physisch sich so entwickelt hat, dass seine Entwicklung hinauf in der Ahnenreihe zu suchen ist, so ist das nicht weiter besonders verwunderlich, dass er die Eigenschaften zeigt, die von Vorfahren auf ihre Nachkommen verpflanzt sind, von diesen wiederum auf Nachkommen und so weiter. Es ist so trivial, es klingt so trivial, es ist dies nicht verwunderlicher, als dass der Mensch, wenn er ins Wasser fällt und herausgezogen wird, nass ist! Er ist eben durch dieses Element der Vorfahrenreihe gegangen, und er bringt ebenso, wie wenn er aus dem Wasser mit der Nässe gezogen wird, so bringt er die Eigenschaften seiner Ahnen mit. Ist damit aber auch etwas bewiesen für die Vererbung der reinen Seeleneigenschaften und -betätigungen? Dafür kann man nichts beweisen dadurch, dass man den Menschen zeigt am Ende einer Ahnenreihe, denn da zeigt er ja sein Geistig-Seelisches eben mit der Nuance der vererbten Merkmale. Wollte man zeigen, dass das Geistig-Seelische vererbbar ist, dann müsste man nicht zeigen auf das Beispiel am Ende einer Ahnenreihe, sondern an den Anfang, und sehen, was in den Nachkommen sich zeigt. Das wird man aber wohl bleiben lassen, denn da würde die Tatsache nicht sehr dafürsprechen. Man sehe sich Goethes Sohn an, man sehe sich an viele andere bekannte Personen, und man wird sehen, dass dasjenige nicht zuträfe, was man eigentlich voraussetzen müsste, wenn die Schlussfolgerung zwingend sein sollte. Derjenige, der einige Aufmerksamkeit auf solche Dinge verwendet, wird schon bemerken die ganze Schwere eines solchen Einwandes gegen die moderne Vererbungsforschung.

[ 52 ] But I would like to say: since human beings have developed physically in such a way that their development can be traced back through their ancestral line, it is not particularly surprising that they display characteristics that have been passed on from ancestors to their descendants, and from them in turn to their descendants, and so on. It is so trivial, it sounds so trivial, it is no more surprising than the fact that a person who falls into water and is pulled out is wet! They have passed through this element of the ancestral line, and just as they are pulled out of the water wet, they also bring with them the characteristics of their ancestors. But does this also prove anything about the inheritance of pure soul characteristics and activities? Nothing can be proven by showing people at the end of an ancestral line, because there they show their spiritual-soul characteristics with the nuances of inherited traits. If one wanted to show that the spiritual-soul is inheritable, one would not have to show the example at the end of an ancestral line, but at the beginning, and see what shows up in the descendants. However, this will probably not be done, because the facts would not support it. Look at Goethe's son, look at many other well-known people, and you will see that what one would have to assume if the conclusion were to be compelling does not apply. Anyone who pays some attention to such things will already notice the whole weight of such an objection to modern heredity research.

[ 53 ] Allein, um was handelt es sich denn eigentlich? Darum handelt es sich, dass unser Geistig-Seelisches, bevor es durch die Geburt oder sagen wir durch die Empfängnis ins Dasein tritt, wirklich in einer geistig-seelischen Welt lebt. Für diese ist in einer gewissen Weise dasjenige, was hier in dem Leben zwischen Geburt und Tod innerlich ist, das ist für diese geistig-seelische Welt äußerlich. Wir tragen, wenn wir durch die Geburt gegangen sind, unsere vererbten Merkmale in uns; wir tragen sie als unbewusste Kräfte in uns. Und durch diese Kräfte wirken wir im Leben alles dasjenige, was zwischen Geburt und Tod innerlich in uns lebt, lebt so wie eine Außenwelt, wenn wir in der geistigen Welt stehen vor unserer Geburt oder sagen wir vor unserer Empfängnis mit unserem geistig-seelischen Teil. Da ist diese geistig-seelische Welt nun nicht so beschaffen, als wenn sie irgendwo innerhalb der physischen wäre getrennt, örtlich abgetrennt von der physisch-sinnlichen Welt. Diese geistig-seelische Welt durchdringt überall die physisch-sinnliche Welt, und das Physisch-Sinnliche ist in dieser geistigen Welt drinnen und das Physisch-Sinnliche ist gerade die Wirkung des Geistig-Seelischen. Indem wir vor unserer Geburt oder Empfängnis in der geistig-seelischen Welt sind, sind wir durch jene Kräfte — welche sich in die physische Welt herein durch ihre Wirkungen zeigen, durch jene Wirkungen, die in einer ganzen Ahnenreihe die vererbten Merkmale herstellen in der Zeit, die wir durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt —, sind wir in der geistigen Welt, und aus dieser selben geistigen Welt, in der wir darinnen sind, arbeiten sich heraus die vererbten Merkmale, so wie sich neben uns, wenn wir schlafen als Geistig-Seelisches, unser physischer Leib entwickelt, und während des Schlafes dasjenige neu herstellt, was verbraucht worden ist am vorhergehenden Tag, und in das wir morgens einziehen. So wird in der physischen Welt, in diesem Falle des Vererbungsvorganges, dasjenige bewirkt, was wiederum einen Leib herstellt, in den wir einziehen können. Das heißt, wir sind durch äußere Kräfte bei alledem [dabei], was die ganze Vererbungsreihe herstellt.

[ 53 ] But what is this actually about? It is about the fact that our spiritual-soul nature, before it comes into existence through birth or, let us say, through conception, really lives in a spiritual-soul world. For this world, in a certain sense, what is internal in the life between birth and death is external to this spiritual-soul world. When we have gone through birth, we carry our inherited characteristics within us; we carry them as unconscious forces within us. And through these forces, we manifest in life everything that lives within us between birth and death, just as an external world lives when we stand in the spiritual world before our birth, or let us say before our conception, with our spiritual-soul part. This spiritual-soul world is not constituted in such a way as if it were somewhere within the physical world, separated, spatially separated from the physical-sensory world. This spiritual-soul world permeates the physical-sensory world everywhere, and the physical-sensory is inside this spiritual world, and the physical-sensory is precisely the effect of the spiritual-soul. By being in the spiritual-soul world before our birth or conception, we are, through those forces — which manifest themselves in the physical world through their effects, through those effects that produce the inherited characteristics in a whole line of ancestors in the time we live through between death and a new birth —, we are in the spiritual world, and from this same spiritual world in which we are, the inherited characteristics work their way out, just as, when we sleep as spiritual-soul beings, our physical body develops alongside us and, during sleep, recreates what has been used up on the previous day, and into which we move in the morning. Thus, in the physical world, in this case of the hereditary process, that which in turn produces a body into which we can move. That is to say, we are [involved] in all this through external forces, which produce the entire hereditary series.

[ 54 ] Daraus sehen Sie aber, dass das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt ein weitaus längeres sein muss als dasjenige, das zwischen der Geburt und dem Tode verfließt. Denn mit jenem Bewusstsein, das der Mensch durch die Pforte des Todes trägt, schaut er von außen mit den geistig-seelischen Kräften, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt verfließen, schaut er an dasjenige, was sich durch viele Generationen hindurch entwickelt, und was zum Schluss zu einem solchen Organismus führt, von dem er angezogen wird wie am Morgen von seinem eigenen Organismus; sodass er sich, indem er hingezogen wird zu denjenigen Vererbungsverhältnissen, welche in der Richtung dessen liegen, was er in seinem letzten Leben nicht hat ausleben können; dass er, indem er hinblickt auf diese Vererbungsverhältnisse, von ihnen angezogen wird, nach einem solchen Leben sucht, in dem er die vererbten Merkmale erhalten kann, die Träger sind desjenigen, was er im letzten Erdenleben in sich ausgebildet hat. In dem Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt fassen wir von einer ganz anderen Seite des Lebens her zusammen, was mit den vererbten Merkmalen zusammenhängt; wir sind mit ihnen verbunden schon hinauf durch weite Generationen hindurch. Und so paradox es für den heutigen Menschen noch klingt, eine zukünftige Forschung wird einschen, dass Goethe, indem er durch seine Geburt gegangen ist und sich Eigenschaften von den Ahnen [mitbrachte], die man heute als von ihnen abstammend zeigt, dass er es selber war, als dieser Sohn, welcher später als Goethe erschienen ist, angezogen worden ist die ganze Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, angezogen worden ist, um dann einzukehren in dieses Erdenleben, von dem, was geworden ist aus dieser Vererbungslinie in seinem Vater und in seiner Mutter. Das ist die eine Kraft, die uns in ein neues Erdenleben zieht.

[ 54 ] From this you can see, however, that the life between death and a new birth must be much longer than that which flows between birth and death. For with the consciousness that carries man through the gate of death, he looks from outside with the spiritual-soul forces that flow between death and a new birth, he looks at what has developed through many generations and ultimately leads to an organism that attracts them as much as their own organism does in the morning. Thus, as they are drawn to those hereditary conditions that lie in the direction of what he was unable to live out in his last life; that, looking at these hereditary conditions, he is attracted to them and seeks a life in which he can preserve the inherited characteristics that are the carriers of what he developed in his last earthly life. In the life between death and a new birth, we summarize from a completely different side of life what is connected with the inherited characteristics ; we are connected to them through many generations. And as paradoxical as it may still sound to people today, future research will show that Goethe, by going through his birth and bringing with him characteristics from his ancestors that are now shown to have descended from them, that it was he himself, as this son who later appeared as Goethe, attracted the whole time between death and a new birth, attracted to then return to this earthly life, from what has become of this line of inheritance in his father and in his mother. That is the one force that draws us into a new earthly life.

[ 55 ] Eine andere Kraft ergibt sich von einer anderen Seite her. Denn dasjenige, was so, gewissermaßen das Anziehungsband bildet zwischen den im Laufe der Generationen auftretenden Vererbungskräften und dem menschlich Geistig-Seelischen, das vom letzten Tode her in diesem Bewusstsein lebt, das wird zu unseren inneren Fähigkeiten, zu dem, was der Träger unserer geistig-seelischen Eigenschaften ist. Was unser Naturell ist, das ist innerlich, wird unterbewusst; während es einem höheren Bewusstsein bewusst war in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Aber das muss sich mit einem anderen verbinden. Und dieses andere ergibt sich auf folgende Weise.

[ 55 ] Another force arises from another source. For that which, in a sense, forms the bond of attraction between the hereditary forces that arise in the course of generations and the human spiritual-soul nature that lives in this consciousness from the last death, becomes our inner abilities, that which is the bearer of our spiritual-soul characteristics. What is our nature is internal, becomes subconscious; while it was conscious in the life between death and a new birth. But this must connect with something else. And this something else arises in the following way.

[ 56 ] Wir erleben, wie ich schon gesagt habe, indem wir mit anderen Menschen zusammen sind, diese oder jene Lebensverhältnisse. Da ist in dem tieferen Teile unserer Seele — in demjenigen, der real mit einem Geistig-Seelischen der Außenwelt verbunden ist, wie unser physischer Leib mit einem physischen Leibe der Außenwelt verbunden ist —, etwas, was viel umfassender ist als dasjenige, was in einem Leben erfasst werden kann: Eine einfache Beziehung, die sich ergibt zwischen uns und einem anderen Menschen, die fordert nicht nur dasjenige, was wir jetzt, nach unserer jetzigen Lebenslage leisten können, sondern etwas, was nur geleistet werden kann, wenn wir zu diesem Menschen in eine neue Beziehung treten. Das geschieht dann in dem tieferen Seelischen durch den charakterisierten sinnlich-übersinnlichen Sinn so, dass sich zwischen dem, was wir ausleben können in diesem Leben, eine tiefere, reale geistige Kraft bildet in dem Unterbewussten unserer Seele, welche zu dem Verhältnis, das wir jetzt eingegangen sind, ein anderes hinzufügen will. Aber dieses andere ist nicht erreichbar in der Lebenssituation, in der wir drinnenstehen. Dadurch wiederum bildet sich der reale Impuls aus, eine andere Lebenssituation herauszubilden. Es braucht gewissermaßen etwas, das auftaucht vor dem geistigen Anschauen, vor dem «geistigen Auge», um diesen Goethe’schen Ausdruck zu gebrauchen — zu jeder unserer Handlungen, zu jedem Verhältnisse, das wir mit der Außenwelt eingehen, taucht auf eine andere Beziehung, die realisiert werden muss, die nun ebenso real in uns sitzt wie das vorher geschilderte Begehren, das wiederum hineingezogen wird in die Welt beim Aufwachen.

[ 56 ] As I have already said, we experience these or those circumstances of life by being together with other people. In the deeper part of our soul — in that part which is really connected with a spiritual-soul being of the outer world, just as our physical body is connected with a physical body of the outer world — there is something that is much more comprehensive than what can be grasped in one lifetime: a simple relationship that arises between us and another person, which demands not only what we can achieve now, according to our current circumstances, but something that can only be achieved if we enter into a new relationship with this person. This then happens in the deeper soul through the characterized sensual-supersensual sense in such a way that a deeper, real spiritual force is formed in the subconscious of our soul, which wants to add another relationship to the one we have now entered into. But this other relationship is not achievable in the life situation in which we find ourselves. This in turn gives rise to the real impulse to develop a different life situation. In a sense, something is needed that appears before spiritual contemplation, before the “spiritual eye,” to use Goethe's expression — for each of our actions, for each relationship we enter into with the outside world, another relationship emerges that must be realized, which now sits within us just as real as the desire described above, which in turn is drawn into the world when we wake up.

[ 57 ] So bilden sich zwischen Geburt und Tod fortwährend verborgene Lebensverhältnisse aus, die neue Situationen erfordern. In dem Zeitraume, den wir durchleben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, leben wir dasjenige, was wir innerlich in Bezug auf einen anderen Menschen erleben, äußerlich im Anschauen. Unser Inneres selber wird äußerlich anschaubar, und sein Inneres wird äußerlich anschaubar. Dasjenige, was die gegenseitige Anschauung bildet, das führt herbei die Richtung, die Tendenz, in eine Lebenssituation hineinzukommen, welche dasjenige möglich macht auszuleben, was sich zwischen Geburt und Tod veranlagt hat als eine reale, jetzt nicht ideelle Kraft, die nur durch das gewöhnliche, im Körper liegende Ich ausgeführt werden kann.

[ 57 ] Thus, between birth and death, hidden life circumstances continually develop that require new situations. In the period we live through between death and a new birth, we live what we experience inwardly in relation to another human being outwardly in our perception. Our inner being itself becomes outwardly visible, and their inner life becomes visible externally. That which forms the mutual perception brings about the direction, the tendency, to enter into a life situation that makes it possible to live out what has been predisposed between birth and death as a real, now non-ideal force that can only be carried out by the ordinary ego residing in the body.

[ 58 ] Und dies führt nun zu einem Erleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, durch das wir eine Anziehungskraft entwickeln für gewisse erst künftige Lebenssituationen, und zwar gegenseitige Anziehungskräfte; sowohl der eine wie der andere, die miteinander etwas erlebt haben, üben Anziehungskräfte aufeinander aus. Dadurch wird das herbeigeführt, dass sie sich Situationen schaffen, in denen sie dasjenige, was als Impuls in einem früheren Leben veranlagt worden ist, erst ausführen können. Das heißt: Es werden Menschen, die zusammen waren, wieder zusammengeführt, in neue Lebensverhältnisse wieder hineingeführt, durch die dasjenige, was veranlagt worden ist, nun ausgelebt werden kann.

[ 58 ] And this now leads to an experience between death and a new birth, through which we develop an attraction to certain future life situations, namely mutual attractions; both the one and the other, who have experienced something together, exert forces of attraction on each other. This causes them to create situations in which they can finally carry out what was predisposed as an impulse in a previous life. This means that people who were together are brought together again, led back into new life circumstances through which what was predisposed can now be lived out.

[ 59 ] Dasjenige, was ich früher ausgeführt habe an Kräften, die gebildet werden im Zusammenhang mit dem Vererbungsprinzip, durch das unsere inneren Anlagen entwickelt werden, ist im Zusammenklang mit den anderen Kräften, welche in Lebenssituationen sich hineinverlebendigen in einem neuen Leben; durch das Zusammenwirken dieser zwei Richtungsströmungen wird ein neues Leben herbeigeführt. Und erst, wenn wir zwischen dem Tode und einer neuen Geburt so weit gekommen sind, dass diese zwei Lebensströmungen annähernd so zusammenstimmen, dass man in einem neuen Leben möglichst viel von dem früheren Erdenleben ausleben kann, dann fühlt sich die Seele wiederum angezogen von einem neuen Erdenleben und verlebendigt sich in dasselbe hinein, wie es sich am Morgen hineinverlebendigt in dasjenige, was ihren eigenen Leib, ihr eigenes Leben wieder hergestellt hat.

[ 59 ] What I have previously described as forces that are formed in connection with the principle of heredity, through which our inner predispositions are developed, is in harmony with the other forces that come to life in life situations in a new life; through the interaction of these two currents, a new life is brought about. And only when we have come so far between death and a new birth that these two currents of life are approximately in harmony, so that as much as possible of the former earthly life can be lived out in a new life , then the soul feels drawn again to a new earthly life and comes alive in it, just as it comes alive in the morning in that which has restored its own body, its own life.

[ 60 ] Sehr verehrte Anwesende, ich habe Ihnen skizzenhaft dasjenige hingestellt, was in einer wirklich gewissenhaften Geistesforschung sich ergibt für ein Begreifen des menschlichen Schicksals, das wir fassen können, wenn wir einsehen, wie unser gegenwärtiges Leben bestimmt ist von früheren Erdenleben, auch für den Teil unseres Schicksals, das wir begreifen können, wenn wir unsere jetzigen Anlagen angegliedert finden an Erlebnisse früherer Erdenleben. Dass dies alles selbstverständlich in viel breiterer Weise bewiesen und belegt werden müsste, das ist ja ganz klar. Es kann in einem kurzen Vortrage nur angedeutet werden. Ich muss noch einmal auf die genannten Bücher und auf andere Literatur, die in den genannten Büchern angeführt ist, verweisen; da werden Sie dasjenige, was Sie in einem einfachen Vortrage nur skizzenhaft bekommen können, schon finden in weiterer Ausführung. Es soll immer ins Auge gefasst werden, dass solche Dinge wahrhaftig ebenso wenig wie die Ergebnisse der heutigen Naturforschung ausgesprochen werden, ohne dass eine gewissenhafte, wenn auch hier rein auf geistig-seelischem Gebiet bleibende Forschung zugrunde liegt. Es ist in der Gegenwart eben viel zu wenig Einsicht vorhanden in den gewissenhaften und ernsten Forschungsweg, der erst durchlaufen werden muss, damit solche schwerwiegenden Behauptungen getan werden können, wie sie heute eben, ich möchte sagen nur mitteilungsweise getan worden sind. Denn dasjenige, was ich gesagt habe, ruht nicht auf Gedanken, die schnell gefasst werden, die so ergossen werden aus dem Leben, sondern es beruht wirklich auf einem langsamen, exakten, ernsten Forschungsweg.

[ 60 ] Dear attendees, I have outlined for you what truly conscientious spiritual research reveals about our understanding of human destiny, which we can grasp when we realize how our present life is determined by previous earthly lives, including that part of our destiny which we can understand when we find our present dispositions connected to experiences from previous earthly lives. It is quite clear that all of this would have to be proven and documented in a much broader way. It can only be hinted at in a short lecture. I must refer once again to the books mentioned and to other literature cited in those books; there you will find what you can only get a rough idea of in a simple lecture . It should always be borne in mind that such things are truly no more likely to be expressed than the results of today's natural science without being based on conscientious research, even if it remains purely in the spiritual-soul realm. At present, there is far too little insight into the conscientious and serious research that must first be carried out before such serious assertions can be made, as they have been made today, I would say only in a communicative way. For what I have said is not based on thoughts that are quickly grasped, that pour forth from life, but is really based on a slow, exact, serious path of research.

[ 61 ] Wenn man einmal intensiver eingehen wird auf diesen Forschungsweg und ihn vergleichen wird mit dem Forschungsweg, den die moderne Naturwissenschaft genommen hat, dann wird man anders denken lernen über dasjenige, was einem heute noch paradox klingt oder was man aus den heutigen Vorstellungen heraus nur allzu gerne verhöhnt. Aber man muss immer wieder und wiederum das Erlebnis haben, dass von recht ungenügenden Ausgangspunkten aus man Stellung nimmt, gegnerische Stellung gegen dasjenige, was die Geisteswissenschaft, die ja heute noch jung ist, wirklich über das geistige Leben des Menschen vorzubringen hat.

[ 61 ] Once we examine this path of research more closely and compare it with the path taken by modern natural science, we will learn to think differently about what still sounds paradoxical today or what we are all too happy to mock based on today's mental images. But one must repeatedly experience that, starting from quite inadequate points of departure, one takes a position, an opposing position, against what Spiritual Science, which is still young today, really has to say about the spiritual life of human beings.

[ 62 ] Mit einem gewissen Rechte — ich kann durchaus solches begreifen — hat mir eine Persönlichkeit dieser Stadt nach dem letzten Vortrage einen Brief geschrieben, in dem gesagt wird — und wie gesagt, mit einem gewissen Rechte, ich kann das alles begreifen, wenn es so wohlwollend herantritt, wie es in diesem Briefe der Fall war —, dass der Betreffende gegen jenen Vortrag in gewisser Beziehung eine abwehrende Stellung einzunehmen habe.

[ 62 ] With a certain degree of justification — I can certainly understand this — a prominent figure in this city wrote me a letter after the last lecture, saying — and, as I said, with a certain right, I can understand all this when it is approached as benevolently as it was in this letter — that the person concerned had to take a defensive position against that lecture in a certain respect.

[ 63 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, es ist durchaus nicht, möchte ich sagen in meinen Sympathien gelegen, durchaus eine Abwehrstellung gegen dieses oder jenes einzunehmen; allein Geisteswissenschaft muss sich durchringen heute in der Tat nicht bloß gegen berechtigte Widersprüche, berechtigter Widerspruch wird gegen alles dasjenige auftreten, was neu in die geistige Entwicklung der Menschheit eintritt, aber wenn man auf den Widerspruch sieht, der heute vielfach gerade gegen Geisteswissenschaft erhoben wird, dann muss man sagen, dass man gegen den Willen des Geistesforschers eben noch dazu gezwungen ist, schon aufmerksam darauf zu machen, wie eigentlich die Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft oftmals gemeint ist. Denn diese Dinge haben oftmals gerade das Eigentümliche an sich, dass sie auf absonderliche Weise ihre Wirkung erzielen dadurch, dass sie die Geistesforschung darstellen nicht wie sie wirklich ist, sondern wie sich die Leute das selber ausmalen; sie machen erst die Geisteswissenschaft zu einer Karikatur und dann kämpfen sie gegen ihre eigene Karikatur. Und derjenige, der dann solche gegnerischen Schriften in die Hand bekommt, der muss ja glauben, wenn er auf Geisteswissenschaft selber nicht genauer eingeht, dass dasjenige, was da als Karikatur beschrieben ist, wirkliche Geisteswissenschaft ist. Wer sich gerade auf diejenigen Ergebnisse der Geisteswissenschaft, die ich heute vorgebracht habe, ausführlicher einlässt, der wird sehen, dass sie durchaus nicht widersinniger sind — als Entwicklungsideen des Geistig-Seelischen —, als die naturwissenschaftlichen Ideen oder sonstige naturwissenschaftliche Ideen es sind, und dass der Weg, der zu ihnen führt, ein ebenso exakter ist, wenn er auch ein innerlich-geistiger ist, ebenso exakter Weg ist wie der, der zu den naturwissenschaftlichen Wahrheiten führt.

[ 63 ] Well, dear audience, I would like to say that it is not at all in my nature to take a defensive stance against this or that; but Spiritual Science today must indeed struggle not only against justified contradictions, for justified contradictions will arise against everything that is new in the spiritual development of humanity, But when one looks at the objections that are often raised against Spiritual Science today, one must say that, against the will of the spiritual researcher, one is compelled to draw attention to how the opposition to Spiritual Science is often meant. For these things often have the peculiar characteristic that they achieve their effect in a peculiar way by presenting spiritual research not as it really is, but as people imagine it to be; first they turn Spiritual Science into a caricature and then they fight against their own caricature. And anyone who then gets hold of such opposing writings must believe, if they do not look more closely at Spiritual Science itself, that what is is described as a caricature is real Spiritual Science. Anyone who takes a closer look at the results of Spiritual Science that I have presented today will see that they are by no means more absurd — as ideas of spiritual-soul development — than the ideas of natural science or other scientific ideas, and that the path that leads to them is just as precise, even if it is an inner, spiritual one, just as precise as the path that leads to the truths of natural science.

[ 64 ] Aber lassen Sie mich auch heute zum Schluss wenigstens ein Beispiel anführen, aus dem man so recht wird sehen können, wie nicht auf dasjenige, was Geisteswissenschaft ist, hingeschaut wird, sondern wie man zuerst willkürlich, so wie man es will nach seinen eigenen Voraussetzungen, von der Geisteswissenschaft eine Karikatur entwirft und dann diese eigene Karikatur bekämpft und das noch dazu in einer ganz absonderlichen Weise zuweilen. Ja, da hat sich also ergeben, dass ein übrigens durchaus nicht unwohlwollender Mann — ich rede durchaus nicht, wenn ich von Gegnern in dieser Richtung spreche, wie ich es tue, so, dass das, was da auftritt als etwas Unwohlwollendes hingestellt würde; ich möchte immer, besonders bei einem so wohlwollenden Mann, darauf eingehen.

[ 64 ] But let me conclude today by giving at least one example from which it will be possible to see how Spiritual Science is not viewed for what it is, but how people first arbitrarily draw up a caricature of Spiritual Science according to their own preconceptions and then fight against this caricature, sometimes in a very peculiar way. Yes, it has turned out that a man who is by no means ill-disposed — when I speak of opponents of this kind, I am by no means suggesting that what is happening here is something ill-disposed; I always want to go into detail, especially in the case of such a well-disposed man.

[ 65 ] In einem Orte der Schweiz habe ich einen Vortrag zu halten gehabt über den Inhalt der Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, als Erwiderung auf verschiedene Fragen, die herangetreten waren, da ein gegnerischer Vortrag gehalten worden war. Gegen diesen Vortrag musste ich also eine Art Gegenvortrag halten, in dem Punkt für Punkt, nicht etwa bloß am Schluss in Diskussionen darauf hingewiesen wird, wie man sonst in der wissenschaftlichen Diskussion hinweist, wenn das oder jenes Missverständnis, das oder jenes Unrichtige von der betreffenden Vortragenden gesagt und dadurch die Tatsachen in ein falsches Licht gestellt worden sind, sondern in dem hingewiesen worden ist darauf, wie der betreffende Vortragende allerdings von dem, was in der Geisteswissenschaft wirklich behauptet wird, gar nicht unterrichtet war, wie das, was behauptet wird, einfach nicht stimmt mit dem, was die Geistesforschung sagt, wie er also Falsches berichtete.

[ 65 ] In a town in Switzerland, I had to give a lecture on the content of Spiritual Science or anthroposophy in response to various questions that had arisen after an opposing lecture had been given. So I had to give a kind of counter-lecture to this lecture, in which point by point, not just at the end in discussions, as is usually the case in scientific discussions, it was pointed out how this or that misunderstanding, this or that inaccuracy had been stated by the lecturer in question, thereby presenting the facts in a false light, but rather pointing out how the speaker in question was not at all informed about what is really claimed in Spiritual Science, how what is claimed simply does not correspond to what spiritual research says, how he therefore reported falsehoods.

[ 66 ] Nun bekam ich heute eben einen Vortrag in die Hand — der Abdruck ist als Broschüre erschienen —, der in einem anderen Orte der Schweiz, wie es scheint von berufener Seite, gehalten worden ist, und in diesem Vortrage wird über allerlei mystische Bestrebungen der alten und der neuen Zeit gesprochen. Unter anderem wird an diese mystischen Bestrebungen auch dasjenige angeschlossen, was die Anthroposophie sein will, die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist. Nun habe ich gerade in jenem Gegenvortrag darauf hingewiesen, wie man Anthroposophie nicht mit anderen mystischen Richtungen einfach verwechseln darf, habe auf charakteristische Quellen hingewiesen, wodurch sie sich unterscheidet, und diese charakteristischen Quellen konnten Sie heute aus der ganzen Anlage meines Vortrages, aus der Art und Weise, wie darauf hingewiesen wird, ersehen. Was tut der betreffende Herr, der diesen Vortrag hielt — selbstverständlich vor Leuten, die sich nicht darauf einlassen werden nachzuprüfen —, er sagt, wer sich von der populären Mystik — er meint die Anthroposophie damit, die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist —, das nennt er eine «populäre Mystik»!

[ 66 ] Today I came across a lecture — the transcript has been published as a brochure — which was given in another place in Switzerland, apparently by an expert, and this lecture discusses all kinds of mystical endeavors of old and new times. Among other things, these mystical endeavors are also linked to what anthroposophy aims to be, Spiritual Science as it is meant here. Now, in that counter-lecture, I pointed out how anthroposophy must not simply be confused with other mystical movements, and I pointed out characteristic sources that distinguish it from them. You could see these characteristic sources today in the whole structure of my lecture, in the way they are pointed out. What does the gentleman in question, who gave this lecture — naturally to people who will not bother to check it — say? He says that anyone who is interested in popular mysticism — by which he means anthroposophy, Spiritual Science as it is meant here — he calls it “popular mysticism”!

[ 67 ] Und Sie werden heute einen Begriff mitgenommen haben, wie «populär» die Sache ist, denn für manchen ist sie viel zu wenig populär nach dem Grade der Aufmerksamkeit und des tieferen Eingehens, die man aufbringen muss, um in das ganze wissenschaftliche Gebäude dieser gut fundierten Anthroposophie einzudringen! Gerade populär finden sie diejenigen nicht, wenn sie sich mit gutem Willen auf dasjenige einlassen, was hier gemeint ist mit Anthroposophie; aber sie hängt so wesentlich zusammen mit demjenigen, was wesentlichste menschliche Interessen sind, was aufklären wird über wesentlichste menschliche Interessen, dass sich immer weitere und weitere Kreise einlassen werden auf diese Anthroposophie oder Geisteswissenschaft, trotzdem es einige Mühe kostet, über das heute noch unpopulär Scheinende hinwegzukommen. Aber für den betreffenden Herrn scheint die Karikatur, die er macht, allerdings etwas Populäres zu sein. Vielleicht darf dabei die Hypothese vorausgesetzt werden, sehr verehrte Anwesende, dass dem Herrn die Sache so populär erscheint, weil eben sein Verstand so populär veranlagt ist, und er eben dieser Sache erst die populäre Gestalt gibt, wenn er mit seinem Verstande an sie herankommt. Das könnte eine immerhin nicht unzutreffende Kritik sein.

[ 67 ] And today you will have taken away an idea of how “popular” the subject is, because for some it is far too unpopular in terms of the degree of attention and deeper understanding that must be brought to bear in order to penetrate the entire scientific edifice of this well-founded anthroposophy! Those who engage with good will in what is meant here by anthroposophy do not find it popular; but it is so closely connected with what are the most essential human interests, with what will enlighten us about the most essential human interests, that more and more circles will engage with this anthroposophy or Spiritual Science, even though it takes some effort to to get past what still seems unpopular today. But for the gentleman in question, the caricature he makes seems to be something popular. Perhaps we may assume, dear audience, that the matter seems so popular to this gentleman because his mind is so popularly inclined, and he only gives this matter its popular form when he approaches it with his intellect. That could be a criticism that is not entirely inaccurate.

Wer sich in dieser Populärmystik in Kürze orientieren will, verweise ich auf einen Vortrag von Pfarrer Riggenbach in Arlesheim (gehalten Februar 1914) und einen Vortrag von Dr. Steiner, gehalten in Liestal (Januar 1916). [...]

Das ist für Jesus das Reich Gottes, wenn man alle Symbole und Bilder davon abstreift. Diese höchste Welt ist es, die Jesus über die moralische Weltordnung stellt. Sie ist es, von der er unaufhörlich spricht; hier können die Menschen eintreten, eintreten, ohne ihr Verhältnis zur Naturordnung aufzugeben, aber auch ohne besondere Zugehörigkeit zur moralischen Welt fahren zu lassen. Hier ist alles verklärt, hier hört der Konflikt auf, der zwischen der Naturwelt und der moralischen Welt entstanden ist. Er wird gelöst durch die Liebe. Das Verhältnis des Menschen zur Natur ist ein Muss, das er nicht ändern kann; da hilft kein sittlicher Entschluss; der Mensch muss in das Reich der Natur eintreten durch die Geburt — niemand wird gefragt, ob er geboren werden will. Er wird kraft einer mechanischen Notwendigkeit, kraft einer höchsten Verfügung, die er nicht versteht, in das Verhängnis dieser Erscheinungswelt hineingeboren.

For those who wish to briefly familiarize themselves with this popular mysticism, I refer you to a lecture by Pastor Riggenbach in Arlesheim (given in February 1914) and a lecture by Dr. Steiner, given in Liestal (January 1916). [...]

For Jesus, this is the Kingdom of God, when all symbols and images are stripped away. It is this highest world that Jesus places above the moral world order. It is this world that he speaks of incessantly; here, people can enter, enter without giving up their relationship to the natural order, but also without letting go of their special affiliation with the moral world. Here everything is transfigured; here the conflict that has arisen between the natural world and the moral world ceases. It is resolved through love. Man's relationship to nature is a necessity that he cannot change; no moral decision can help here; man must enter the realm of nature through birth — no one is asked whether they want to be born. By virtue of a mechanical necessity, by virtue of a supreme decree that he does not understand, he is born into the fate of this phenomenal world.

[ 68 ] Nun ist das eine hübsche Zusammenstellung, zwei Dinge, die einander widersprechen, wovon im ersten geredet ist, ich möchte sagen dass einfach einige Unrichtigkeiten enthält, und wovon auch im zweiten hingewiesen ist — auf das alles wird als gleichgültige Quellen hingewiesen. Eine hübsche Art, die Dinge geltend zu machen, die man vorzubringen hat! Dies ist eine Mode, sehr verehrte Anwesende, der gegenüber man schon sagen darf, da handelt es sich nicht mehr um Missverständnisse, da handelt es sich um etwas, was der bewussten Lüge mindestens nicht sehr entfernt ähnlich ist.

[ 68 ] Now that is a nice compilation, two things that contradict each other, the first of which is mentioned in the first, I would say that it simply contains some inaccuracies, and the second of which is also pointed out — all of this is referred to as indifferent sources. A nice way to assert the things one has to say! This is a fashion, dear attendees, about which one can already say that it is no longer a matter of misunderstandings, but of something that is at least not very far removed from deliberate lies.

[ 69 ] Aber nun eigentlich merkwürdige Sachen stehen in diesem Vortrag; zum Beispiel steht da etwas über das Verhältnis, in welchem diese Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist als Anthroposophie, zum Christentum stehen soll, welche Vorstellungen sich diese Geisteswissenschaft von dem Eintreten des Christus in die Erdenentwicklung macht; das wird mit folgenden Worten besprochen und das ist nun besonders interessant:

[ 69 ] But now there are actually some strange things in this lecture; For example, there is something about the relationship between this Spiritual Science, as it is meant here as anthroposophy, and Christianity, what mental images this Spiritual Science has about the coming of Christ into earthly development; this is discussed in the following words, which are particularly interesting:

Wir erkennen jetzt auch, in welchem Sinn gerade Dr. Steiner zu der Behauptung kommen kann, wir sind nicht gegen das Christentum, wir sind sogar schließlich die eigentlichen Christen. Christus war in den Augen der Anthroposophen ein solcher, der die höheren Mächte erschaute; Dr. Steiner, der Lehrer, wird auch glauben, dass er diese Mächte erschaut und an ihnen teilnimmt. Aber auch jeder unter uns soll ja dieser Kräfte teilhaftig werden können, wenn er sich mit genügender Ausdauer im Schauen übt. So kommt es denn wieder auf die nämliche Forderung heraus, die schon der erwähnte russische Mystiker Solowjow erhoben hat, wir könnten und sollten alle Christusse sein, übrigens eine Forderung, die schon jeder Mystiker, der so freundlich war, auf das Christentum Rücksicht zu nehmen, erhoben hat.

We now also recognize in what sense Dr. Steiner in particular can come to the assertion that we are not against Christianity, that we are in fact the true Christians. In the eyes of anthroposophists, Christ was someone who beheld the higher powers; Dr. Steiner, the teacher, also believes that he beholds these powers and participates in them. But each of us should also be able to participate in these powers if we practice seeing with sufficient perseverance. This brings us back to the same demand that the Russian mystic Soloviev mentioned above made, that we could and should all be Christs, a demand that every mystic who was kind enough to take Christianity into consideration has made.

[ 70 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, derjenige, der sich einlässt auf die Grundlagen jener Geisteswissenschaft, von der heute einige Resultate besprochen worden sind, wird sehen, dass die ganze Literatur den Beweis liefert, dass dasjenige, was hier als eine Karikatur hingestellt ist, platte Unwahrheit ist; sodass derjenige, der spricht — und an den, der da spricht, im öffentlichen Leben immerhin die Anforderung gestellt werden kann, dass er sich erst unterrichte —, wer eine solche Karikatur ins Leben hineinstellt, um Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu bekämpfen, der tut wiederum etwas, was nicht bloß auf Missverständnissen beruht, sondern was einer Fälschung durchaus ähnlich sieht.

[ 70 ] Now, dear friends, anyone who engages with the fundamentals of that Spiritual Science, some of whose results have been discussed today, will see that the entire literature provides proof that what is presented here as a caricature is a blatant untruth; so that anyone who speaks — and anyone who speaks in public life can at least be expected to inform themselves first — anyone who presents such a caricature in order to combat Spiritual Science or anthroposophy is doing something that is not merely based on misunderstandings, but which looks very much like falsification.

[ 71 ] Wenn mir mit Recht, in gewisser Beziehung, bedeutet wird, Geisteswissenschaft sollte nicht eine Verteidigungsstellung einnehmen, die in einer solchen Weise sich geltend mache; der Herr, der dieses sagt, hat nun auch das Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gelesen; er scheint es aber in dem Sinne, wie ich es vorher hypothetisch angedeutet habe, in seinem Verstand als populäre Mystik aufgenommen zu haben, und deshalb sagt er:

[ 71 ] If I am rightly told, in a certain respect, that Spiritual Science should not take a defensive position that asserts itself in such a way; the gentleman who says this has also read the book “How to Attain Knowledge of Higher Worlds”; but he seems to have taken it in the sense I hypothetically suggested earlier, as popular mysticism, and therefore he says:

Alte Weisheit in neuem Gewande. Wir sind Dr. Steiner nur dankbar, dass er uns gezeigt, mit wie viel Suggestionen und Anästhesien in neuerer Mystik gearbeitet wird, müssen allerdings aber vermuten, dass wer einmal diesem suggestiven Einfluss des Schauens sich hingegeben hat, Vernunftgründen kaum mehr zugänglich sein wird, und religiöses Empfinden völlig eingebüßt hat.

Old wisdom in a new guise. We are grateful to Dr. Steiner for showing us how much suggestion and anesthesia are used in modern mysticism, but we must assume that anyone who has once surrendered to this suggestive influence of vision will hardly be accessible to rational arguments anymore and will have completely lost their religious sensibility.

[ 72 ] Wer dies vergleicht mit demjenigen, was der Geisteswissenschaft wirklich zugrunde liegt, der wird schen, dass man da schon sagen muss: Ein solcher Mann möge besser lesen lernen; denn er würde in dem genannten Buch, das er selber zitiert, deutlich geschildert finden, wie gewissenhaft alles dasjenige, was «Suggestionen und Anästhesien» bewirken könnte, wie gewissenhaft das durch sorgfältige Experimente, Methoden des inneren Seelenlebens, ausgeschaltet wird, wie gerade innerhalb derjenigen Übungen, auf die der Geistesforscher in der Anthroposophie verwiesen wird, die Mittel gegeben sind, um solche «Suggestionen und Anästhesien» auszuschalten.

[ 72 ] Anyone who compares this with what really underlies Spiritual Science will see that one must say: such a man had better learn to read, for in the book he himself quotes, he would find a clear description of how conscientiously everything that " suggestions and anesthetics“ could have, how conscientiously this is eliminated through careful experiments and methods of inner soul life, how precisely within the exercises to which the spiritual researcher is referred in anthroposophy, the means are given to eliminate such ”suggestions and anesthetics."

[ 73 ] Und weiter sei das zum Schlusse auch noch erwähnt. Er sagt nun, der betreffende Herr, was er wünscht, warum eigentlich nach seinem Wunsche Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, die er auch als solch eine populäre Mystik, wie er sie eben verstehen kann, ansicht, warum er wünsche, dass diese keinen Einfluss gewinnen könnte. Er sagt:

[ 73 ] And finally, let us mention one more thing. The gentleman in question now says what he wants, why he actually wants Spiritual Science or anthroposophy, which he also regards as a kind of popular mysticism, as he understands it, why he wants that it should not gain any influence. He says:

Nie aber könnten des Weiteren wir beistimmen dem Aufgeben und Verachten des menschlichen Denkens und Sinnens, wie es die Mystik fordert.

Furthermore, we could never agree to abandon and despise human thinking and reasoning, as mysticism demands.

[ 74 ] Er meint also, weil ihm «Denken und Sinnen» vergehen, so läge das in den Forderungen der Geisteswissenschaft oder Anthroposophie. Ihm wollen wir glauben, dass er nicht in der Lage ist, zu einer anderen Geistesverfassung zu kommen als zu einer solchen, bei der ihm Denken und Sinnen vergeht! Aber es ist dennoch zu sehr vom subjektiven auf dasjenige, was ist, geschlossen, wenn man eine solche Rede hört, nachdem man wirklich das vor sich gehabt hat, was als Geisteswissenschaft oder Anthroposophie auftritt. Denn sehr verehrte Anwesende, der eine Vorwurf wird selbst den Ausführungen des heutigen Vortrages nicht gemacht werden können, dass in dieser Geisteswissenschaft oder Anthroposophie etwas vorgetragen wird, wobei man nicht «denken und sinnen» braucht. Das, glaube ich, werden selbst die Widersacher durchaus nicht als ihr Urteil abgeben, dass an den Gedanken in gar keiner Weise appelliert worden ist. Dagegen finden sich wahrhaftig recht, recht viele Leute, denen zu viel gedacht wird in der modernen Anthroposophie oder Geisteswissenschaft!

[ 74 ] He therefore believes that because his “thinking and feeling” are fading, this is due to the demands of Spiritual Science or anthroposophy. We want to believe him when he says that he is incapable of reaching any other state of mind than one in which his thinking and feeling disappear! But it is still too much of a subjective conclusion about what is, when one hears such talk after one has really had before one's eyes what appears as Spiritual Science or anthroposophy. For, dear attendees, even today's lecture cannot be accused of presenting anything in this Spiritual Science or anthroposophy that does not require “thinking and feeling.” . I believe that even the opponents will not pass judgment that the thoughts have not been appealed to in any way. On the contrary, there are truly quite a few people who think that there is too much thinking in modern anthroposophy or Spiritual Science!

[ 75 ] Es müssen schon eben, andeutungsweise gewissermaßen, immer zum Schlusse solche Dinge auch besprochen werden, um von den Schwierigkeiten eben auch zu reden, welche die Anschauungen von der Art, wie ich sie heute vorgetragen habe, um sich in das Geistesleben der Gegenwart einzuleben, beleuchten. Derjenige, der heute Geisteswissenschaft vertritt oder zu seiner Überzeugung macht, der braucht ein starkes Maß von innerer Überzeugungskraft, ein starkes Maß von Durchströmt-Sein desjenigen, was an Überzeugungskraft aus den Anschauungen der Geisteswissenschaft herausfließt, um bei sich selber standzuhalten gegen dasjenige was noch aus dem heutigen Zeitbewusstsein sich in begreiflicher Weise entgegenstemmt gegen das, was sich so einleben muss.

[ 75 ] Such things must always be discussed, at least in a suggestive way, in order to also talk about the difficulties that the views I have presented today highlight in terms of integrating them into the spiritual life of the present. Anyone who represents Spiritual Science today or makes it their conviction need a strong measure of inner conviction, a strong measure of being permeated by the persuasive power that flows from the views of Spiritual Science, in order to stand firm against what still, in a comprehensible way, opposes what must become established in today's consciousness.

[ 76 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, man muss schon einmal die Wege ein wenig ansehen und immer wieder ansehen, welche dasjenige durchzumachen hat, was sich später wie etwas selbstverständliches in das Geistesleben der Menschheit einlebt. Wenn man die Wege desjenigen, was sich so einlebt, anschaut, dann kann dadurch sich allerdings das Bewusstsein auch für die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten trotz des heutigen Widerstandes nur kräftigen. Ich möchte nur auf zwei kleine Beispiele hinweisen, welche zeigen, wie wenig die Menschen von vornherein geneigt sind, dasjenige anzuerkennen, was sich [in] ungewohnter Art in das Geistesleben der Menschheit hereinstellt. Als die Siebente Symphonie Beethovens aufgeführt worden ist zum ersten Mal, da war ein Mann dabei, der tat folgenden Ausspruch, wörtlich — also diese Siebte Symphonie ist heute selbstverständlich als ein großes Werk von vielen, von unzähligen Menschen bewundert —, als er die hörte, da sagte er:

[ 76 ] Well, dear friends, we must look at the paths a little and look at them again and again, what must be gone through in order for something to become established in the spiritual life of humanity as something that is taken for granted. If one looks at the paths of what becomes established in this way, then one's awareness of truths from Spiritual Science can only be strengthened, despite today's resistance. I would like to point out just two small examples that show how little people are inclined from the outset to recognize what enters human spiritual life in an unfamiliar way. When Beethoven's Seventh Symphony was performed for the first time, there was a man present who made the following statement, verbatim — today, of course, this Seventh Symphony is admired by many, countless people as a great work — when he heard it, he said:

Nun, mit dieser Symphonie hat dieser Genius seine größte Existenz, das Nonplusultra seiner Existenz erreicht. Beethoven ist nun vollständig reif fürs Irrenhaus.

Well, with this symphony, this genius has reached the pinnacle of his existence, the ultimate of his existence. Beethoven is now completely ready for the madhouse.

[ 77 ] Es war kein unfreundlicher Mensch, der diesen Ausspruch getan hat, denn diesen Ausspruch hat Weber, der Komponist des «Freischütz», getan. Sie sehen daraus auch, man braucht durchaus kein unfreundlicher Mensch desgleichen zu sein, um eben zu verkennen, was sich als Neues in das Geistesleben dieser Zeit hineinlebt. Und entnehmen Sie daraus, dass ich, indem ich in dieser Weise charakterisiere die Widersacher der Geisteswissenschaft, sie auch nicht deshalb durchaus als unfreundliche Menschen hinstellen möchte, wenn ich auch nicht von allen — von dem Herrn, von dem ich heute gesprochen habe, möchte ich allerdings nicht freundlich sagen — mit den Worten, [ja, den Worten], die Shakespeare zugesprochen werden; er — und viele andere — [ist ein ehrenwerter Mann»], denn «ehrenwerte Männer» sind sie alle. Aber nicht alle [unklare Stelle] einer, [als der] die Siebte Symphonie Beethovens hörte, [da] sagte er: «[Schon wieder das e,] dem talentlosen Kerl fällt eben nichts ein.» — Und das war der Abbe Stadler, ein bedeutender Musikkenner der damaligen Zeit!

[ 77 ] It was not an unkind person who made this statement, for it was made by Weber, the composer of “Freischütz.” You can see from this that one does not have to be an unkind person to misunderstand what is new in the spiritual life of this time. And you can see from this that, in characterizing the opponents of Spiritual Science in this way, I do not want to portray them as unkind people, even though I do not think kindly of all of them. — I certainly do not mean to speak kindly of the gentleman I have spoken of today — with the words [yes, the words] attributed to Shakespeare; he — and many others — [is an honorable man], for they are all “honorable men.” But not all [unclear passage] one who, [as] he listened to Beethoven's Seventh Symphony, [then] he said: “[That e again,] the talentless fellow just can't think of anything.” — And that was Abbe Stadler, a prominent music connoisseur of the time!

[ 78 ] Und zu diesen zwei Beispielen noch eines, das oft erzählt wird, das man auch noch hinzufügen kann: Als in Europa zuerst in einem bestimmten Orte eine Eisenbahn gebaut werden sollte — es ist keine Fabel, was ich Ihnen erzähle, sondern ganz bekannt —, da sollte ein erleuchtetes Kollegium, in dem viele anerkannte Autoritäten saßen, ein Urteil abgeben, ob man diese Eisenbahn bauen solle oder nicht. Dieses erlauchte Kollegium gab das Urteil ab, dass man keine Eisenbahn bauen solle, denn es würde den Leuten das Fahren in der Eisenbahn sehr schädlich sein. Und wenn sich doch solche finden sollten, für die durchaus Eisenbahnen gebaut werden müssten, dann müsste man wenigstens links und rechts — so sagte dieses erleuchtete Kollegium — hohe Bretterwände aufführen lassen, damit diejenigen, an denen diese Eisenbahn vorbeifahre, nicht an Gehirnerschütterungen zugrunde gehen.

[ 78 ] And to these two examples, there is another that is often told, which can also be added: When a railroad was first to be built in a certain place in Europe — what I am telling you is not a fable, but well known — an enlightened committee, made up of many recognized authorities, was to give its opinion on whether or not this railroad should be built. This illustrious committee ruled that no railroad should be built, because traveling by railroad would be very harmful to people. And if there were to be people for whom railroads would definitely have to be built, then at least high wooden walls would have to be erected on both sides—so said this enlightened committee—so that those who passed by this railroad would not suffer fatal concussions.

[ 79 ] Ich weiß sehr wohl, sehr verehrte Anwesende, dass man mit solchen Dingen nichts beweisen kann, denn selbstverständlich kann auch das Tollste, Phantastischste, das in der Welt auftritt, sich auf diese Dinge berufen, und beruft sich auch darauf. Aber bewiesen werden soll auch nichts damit, sondern hingewiesen werden soll nur darauf, wie diese Dinge in der Tat lehren könnten — in Bezug auf Aburteilungen gegenüber dem, was sich als ein noch Ungewohntes in das Geistesleben irgendeiner Zeit hineinstellt-, uns aufzufordern, solche Erfahrungen, von denen ich auch eine besonders charakteristische in meinem letzten Vortrage hier erwähnt habe, aufzufordern dennoch zu einer gewissenhafteren Prüfung, als sie sehr häufig in unserem wissenschaftlichen Leben auftritt.

[ 79 ] I am well aware, ladies and gentlemen, that such things cannot prove anything, because even the most incredible, fantastic things that occur in the world can, of course, refer to these things, and do refer to them. But the point is not to prove anything with them, but only to point out how these things could in fact teach us — in relation to judgments about what is still unfamiliar in the intellectual life of any given time — to urge us to examine such experiences, one particularly characteristic example of which I mentioned in my last lecture here, more conscientiously than is very often the case in our scientific life.

[ 80 ] Für denjenigen — das lassen Sie mich als letzten Schluss aussprechen —, der Geisteswissenschaft heute wirklich kennenlernt, der auch die Fundamente dessen kennenlernt, auf denen auch ein Aufbau von solchen Ergebnissen ruht, wie ich sie heute skizzenhaft angegeben habe, der weiß, dass diese Geisteswissenschaft gut begründet ist. Aber ist auch nicht erstaunt darüber, nach den Erfahrungen, die die Wahrheit und die sonstigen Leistungen der Menschheit oft gemacht haben, wenn diese Geisteswissenschaft heute noch Widersacher findet; erstaunt wird er über diese Widersacher selber nicht sein. Aber eines wird er aus ihr schöpfen müssen, dass es seine Pflicht ist, sich an einen gewissen Goethe’schen Spruch zu halten, der da ungefähr heißt: «Das Wahre, wenn es erkannt ist, kann gegenüber den landläufigen Irrtümern nicht anders ankommen, als dass es sich immer wieder und wiederum ausspricht.» Denn die Irrtümer werden sich immer wieder und wieder geltend machen, und man kann ihnen nur dadurch begegnen, dass man ihnen immer wiederum das Wahre entgegenstellt.

[ 80 ] For those — let me say this as a final conclusion — who truly get to know Spiritual Science today, who also get to know the foundations on which such results as I have outlined today are based, who know that Spiritual Science is well-founded. But they will not be surprised, given the experiences that truth and other achievements of humanity have often had, if the Spiritual Science still finds opponents today; they will not be surprised by these opponents themselves. But they will have to draw one thing from it, namely that it is their duty to adhere to a certain saying of Goethe's, which roughly means: "Once the truth is recognized, it cannot prevail over common errors except by repeating itself again and again. " For errors will assert themselves again and again, and the only way to counter them is to oppose them again and again with the truth.

[ 81 ] Nicht etwa von der Wahrheit der Geisteswissenschaft selber rede ich hier am Schlusse, die muss jeder aus einem ausführlicheren Bekanntwerden mit dieser Geisteswissenschaft kennenlernen, sondern davon rede ich, dass derjenige, der das Schicksal der Wahrheit in der Menschheit anblickt, dass der aus diesem Schicksal der Menschheit, wenn er von Geisteswissenschaft durchdrungen ist, die Empfindung schöpfen muss zur Verpflichtung, dass gegenüber den Entstellungen, die Geisteswissenschaft immer wieder und wiederum erleidet, der, der von ihr durchdrungen ist, auch immer wieder und wieder von ihrer wahren Gestalt sprechen muss, ihre wahre Gestalt den Zeitgenossen ins rechte Licht rücken muss. Von solchen Voraussetzungen gehen die Vorträge aus, die ich an verschiedenen Orten halte, und nicht von anderen Voraussetzungen. Sie gehen aus davon, anzuregen, nicht zu überreden, anzuregen von demjenigen, dessen tiefere Fundierung man finden wird, wenn man sich einlässt auf all dasjenige, was wirklich solchen Ergebnissen zugrunde liegt, wie ich es heute ausgesprochen habe.

[ 81 ] I am not speaking here at the end of the truth of Spiritual Science itself, which everyone must learn to know through a more detailed acquaintance with Spiritual Science, but I am speaking of the fact that those who contemplate the fate of truth in humanity, those who are imbued with Spiritual Science, must draw from this fate of humanity the feeling of obligation to speak again and again about its true form, to put its true form in the right light for their contemporaries. that Spiritual Science suffers again and again, those who are imbued with it must also speak again and again of its true form, must place its true form in the right light for their contemporaries. The lectures I give in various places are based on these premises, and not on any other. They are based on the idea of inspiring, not persuading, inspiring those whose deeper foundations can be found by engaging with everything that really underlies such results, as I have expressed today.

[ 82 ] Steht man zu diesen Dingen in der rechten Gesinnung, dann baut man sein Leben auf sie auf, sodass man sagen darf ihnen gegenüber: Sind diese Dinge Wahrheit, so werden sie sich durchringen. Denn die Wahrheit wird sich so entwickeln in kürzerer oder längerer Zeit, dass man ihr gegenüber sagen muss, dass die Wahrheit eben doch in der Welt zum Schluss den Sieg davontragen muss.

[ 82 ] If one has the right attitude toward these things, then one builds one's life on them, so that one can say to them: If these things are true, they will prevail. For the truth will develop in the shorter or longer term in such a way that one must say to it that the truth must ultimately prevail in the world.