Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a
2 December 1916, Zurich
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Soul Immortality, Forces of Destiny and the Course of Human Life, tr. SOL
Menschenseele und Menschenschicksal im Verhältnis zur Weltentwicklung vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft (Anthroposophie)
The Human Soul and Destiny in Relation to World Development from the Perspective of Spiritual Science (anthroposophy)
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Über die Beziehungen desjenigen, was von mir hier Geisteswissenschaft oder Anthroposophie genannt wird, zu den naturwissenschaftlichen Weltanschauungsströmungen der Gegenwart erlaubte ich mir vor einiger Zeit hier zu sprechen. In Anknüpfung daran durfte ich dann vor einigen Wochen einen Vortrag halten, in dem schon hingewiesen worden ist auf ganz bestimmte Erkenntnisse, welche durch diese Geisteswissenschaft für das menschliche Leben erweitert werden sollen.
[ 1 ] Dear attendees! Some time ago, I took the liberty of speaking here about the relationship between what I refer to as Spiritual Science or anthroposophy and contemporary scientific worldviews. Following on from this, a few weeks ago I gave a lecture in which I pointed out very specific insights that Spiritual Science can offer for human life.
[ 2 ] Heute möge es mir gestattet sein, einige Erweiterungen desjenigen vorzubringen, was in den letzten Vorträgen hier von mir gesagt geworden ist. Um nicht in Wiederholungen zu verfallen, wird es gestattet sein, heute gewissermaßen dasjenige vorauszusetzen, was in den letzten Vorträgen ausgeführt worden ist. Und da gewissermaßen das Thema des heutigen Abends ein Unermessliches ist, [möchte ich] in mehr erzählender Form von den Erfahrungen und Erlebnissen des Geistesforschers, die ihn zu seinen Ergebnissen führen, sprechen. Dabei allerdings werde ich noch mehr als bei den vorherigen Vorträgen die verehrten Zuhörer bitten müssen, zu berücksichtigen, dass Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, erst im Anfange ihrer Entwicklung ist, und dass manches daher aus ihrem Gebiete heute noch paradox, ja vielleicht phantastisch erscheinen muss, phantastisch umso mehr, wenn es eben in mehr erzählender Form ohne die beweisende Grundlage vorgebracht wird. Große Fragen werden heute zu beantworten sein, denen gegenüber die Gegner der Geisteswissenschaft in ihrer Gegnerschaft nicht nur so verfahren, wie man sonst im wissenschaftlichen oder im Lebenskampfe verfährt, sondern sie verfahren mit einer viel größeren Leidenschaftlichkeit. Man möchte sagen, das erscheint durchaus begreiflich, obwohl es bis zu einem gewissen Grade unverstanden bleibt, und man immer wieder und wiederum nicht eigentlich bei solchem Kampfe eingeht auf den wirklichen Inhalt der Geisteswissenschaft, sondern sich es herausnimmt, Zerrbilder, Karikaturen, wie man sie selber haben will, von dieser Geisteswissenschaft zu schaffen, und dann eigentlich kämpfen will nicht gegen dasjenige, was Geisteswissenschaft wirklich sagt, sondern gegen diese selbstgeschaffenen Zerrbilder und Karikaturen.
[ 2 ] Today, I would like to present some additions to what I have said in my previous lectures here. In order to avoid repetition, it will be permissible to to take for granted, as it were, what has been said in recent lectures. And since the subject of this evening is, in a sense, immeasurable, [I would like] to speak in a more narrative form about the experiences and adventures of the spiritual researcher that lead him to his conclusions. In doing so, however, I will have to ask my esteemed audience even more than in previous lectures to bear in mind that Spiritual Science or anthroposophy, as it is meant here, is only at the beginning of its development, and that some things in this field must therefore still appear paradoxical, perhaps even fantastic, all the more fantastical when presented in a more narrative form without any basis in evidence. Today, we will have to answer some big questions, which opponents of Spiritual Science approach not only as one would normally approach scientific or life struggles, but with much greater passion. One might say that this seems quite understandable, although it remains to a certain extent misunderstood, and in such a struggle one repeatedly fails to address the real content of Spiritual Science, but instead takes the liberty of creating distorted images, caricatures, as one wants to have oneself, of this Spiritual Science, and then actually wants to fight not against what Spiritual Science really says, but against these self-created distortions and caricatures.
[ 3 ] Aber andererseits erscheint es doch begreiflich, dass solche Gegnerschaft, leidenschaftliche Gegnerschaft, sich ergibt, weil ja Geisteswissenschaft nicht nur sich verbreitet über dasjenige, was gewissermaßen abgesondert von uns draußen in der Welt der Natur und des Sinnenscheins sich ausbreitet, sondern weil Geisteswissenschaft unmittelbar ergreift dasjenige, was des Menschen innerstes Wesen, was des Menschen innerste Erlebnisse sind. Innerstes Wesen, innerste Erlebnisse des Menschen berührt man, wenn man über die Seelenfrage im Zusammenhange mit der menschlichen Schicksalsfrage Betrachtungen anstellt. Denn im Grunde genommen fühlt es doch jeder Mensch, dass er bis zu einem hohen Grade in jedem Augenblicke das Ergebnis seines Schicksals selber ist, sodass man also unmittelbar an das allerintensivste Menschenrätsel appelliert, herantritt, wenn man über die Schicksalsfrage spricht.
[ 3 ] But on the other hand, it seems understandable that such opposition, passionate opposition, arises, because Spiritual Science not only spreads itself over what, so to speak, spreads out separately from us in the world of nature and sensory appearances, but because Spiritual Science directly grasps what is the innermost essence of human beings, what are the innermost experiences of human beings. One touches the innermost essence, one touches the innermost being and innermost experiences of human beings when one reflects on the question of the soul in connection with the question of human destiny. For, after all, every human being feels to a high degree that he or she is at every moment the result of his or her own destiny, so that when one speaks of the question of destiny, one immediately appeals to the most intense human mystery.
[ 4 ] Nun will ich aus dem schon angedeuteten Grunde absehen von der Art und Weise, wie die Seele dahin gelangen kann, gewisse innere, für das gewöhnliche Leben verborgene Erkenntniskräfte zu entwickeln, die aber entwickelt werden müssen, wenn man in die Geheimnisse des Seelenlebens wirklich eindringen will. Denn grade auch wiederum in den heutigen Betrachtungen wird es sich zeigen, dass die hier gemeinte Geisteswissenschaft oder Anthroposophie in keiner Art in einen wirklichen Widerstreit gerät mit den [großen] Fortschritten der modernen naturwissenschaftlichen Forschung. Aber auf der anderen Seite muss sie völlig sowohl einverstanden — wie in Gegnerschaft sein — sein mit gewissen Voraussetzungen dessen, was sich heute oftmals naturwissenschaftliche Weltanschauung nennt. Übereinstimmen muss sie mit der naturwissenschaftlichen Weltanschauung insofern, als diese naturwissenschaftliche Weltanschauung von Grenzen des Erkennens redet. Diese Grenzen des Erkennens sind durchaus vorhanden. Aber sie sind vorhanden nur solange, als man stehen bleibt bei denjenigen Erkenntniskräften, die sich gewissermaßen von selber für den Menschen ergeben im naturgemäßen Verlauf seines Lebens. Möglich ist es aber, dass der Mensch seine Seele in Selbstzucht nimmt und im gewöhnlichen Dasein in ihm schlummernde Kräfte aus den Tiefen des Seelenlebens heraufholt. Dadurch werden dann zur eigentlichen Seelen- und Geisteserkenntnis die mit Recht gekennzeichneten Grenzen für das naturwissenschaftliche Erkennen überschritten. Und da gelangt der Geistesforscher zuerst zu derjenigen Erkenntnisform, Erkenntnisart, welche ich mir erlaubte in meinem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft» die imaginative Wissenserkenntnis zu nennen.
[ 4 ] Now, for the reason already indicated, I will refrain from discussing the manner in which the soul can develop certain inner powers of knowledge that are hidden from ordinary life, but which must be developed if one truly wants to penetrate the mysteries of the soul life. For it will become apparent, especially in today's considerations, that the Spiritual Science or anthroposophy referred to here does not in any way conflict with the [great] advances of modern scientific research. On the other hand, however, it must be in complete agreement — as well as in opposition — with certain assumptions of what is often called the scientific worldview today. It must agree with the scientific worldview insofar as this scientific worldview speaks of the limits of knowledge. These limits of knowledge certainly exist. But they exist only as long as one remains with those powers of cognition that, in a sense, arise naturally for human beings in the natural course of their lives. However, it is possible for human beings to discipline their souls and, in their ordinary existence, to bring forth powers slumbering within them from the depths of their soul life. In this way, the powers of the soul and spiritual knowledge. And there the spiritual researcher first arrives at that form of knowledge, that kind of knowledge, which I took the liberty of calling imaginative knowledge in my book “How to Attain Knowledge of Higher Worlds” and in my “Secret Science.”
[ 5 ] Diese imaginative Erkenntnis soll nicht sein irgendetwas bloß Eingebildetes, sondern etwas auf reale Weise aus den Tiefen der Seele heraus Entwickeltes. Wie diese imaginative Erkenntnis entfaltet wird, das bitte ich Sie nachzusehen in den eben angeführten Büchern, denn es würde, wenn ich es ausführte, ein Wiederholen bedeuten desjenigen, was in früheren Vorträgen hier von mir gesagt worden ist. Aber hingedeutet werden soll auf dasjenige, was eigentlich in der Menschenseele vorhanden ist, wenn der Geistesforscher in imaginativer Erkenntnis sich befindet.
[ 5 ] This imaginative knowledge should not be something merely imagined, but something developed in a real way from the depths of the soul. How this imaginative knowledge is developed, I ask you to look up in the books just mentioned, for if I were to explain it, it would mean repeating what I have said here in earlier lectures. But reference should be made to what is actually present in the human soul when the spiritual researcher is in a state of imaginative knowledge.
[ 6 ] Im gewöhnlichen Leben, im Verkehr mit der Außenwelt, im wissenschaftlichen Betriebe, entfaltet der Mensch dasjenige, was wir kennen als Vorstellen, Fühlen und Wollen. Andere Kräfte — Kräfte, die Steigerung dieser Kräfte sind — werden entfaltet, wenn der Mensch zur imaginativen Erkenntnis gelangt. Diese imaginative Erkenntnis wurzelt allerdings im gewöhnlichen Denken und insofern ist die Erlangung dieser imaginativen Erkenntnis durchaus nichts Wunderbares, aber sie muss erst herausgeholt werden. Wie der Stamm und die Blätter einer Pflanze aus der Wurzel herauswachsen müssen, so muss imaginative Erkenntnis aus dem gewöhnlichen Denken herauswachsen. Diese imaginative Erkenntnis, ich möchte sie nur dem Geiste nach in ihrem Hervorgehen aus dem Denken andeuten, alles Genauere eben bleibt dem Nachsehen in den angeführten Büchern überlassen.
[ 6 ] In ordinary life, in our dealings with the outside world, in scientific pursuits, human beings develop what we know as a mental image, feeling, and willing. Other forces — forces that are an intensification of these forces — are developed when human beings attain imaginative knowledge. This imaginative knowledge is rooted in ordinary thinking, however, and in this respect the attainment of this imaginative knowledge is by no means miraculous, but it must first be brought out. Just as the trunk and leaves of a plant must grow out of the root, so imaginative knowledge must grow out of ordinary thinking. I would like to suggest only the spirit of this imaginative knowledge as it emerges from thinking; anything more precise is left to be found in the books cited.
[ 7 ] Der Geistesforscher gelangt unter den geschilderten Wegen und Übungen, die er vorzunehmen hat, dazu, an dasjenige wirklich heranzukommen, was man sonst nur theoretisch «Grenzen des Erkennens», des gewöhnlichen Erkennens, nennt. Dadurch kommt er wirklich im Leben an diese Grenzen des Erkennens heran, dass er sein Denken konzentriert, dieses Denken immer intensiver und intensiver macht. Gerade durch angestrengtes, intensives Denken gelangt man dazu, an die Grenzen, an das Äußerste dieses Denkens zu kommen. Dann tritt der Augenblick ein, wo man ganz genau fühlt: Die Wirklichkeit geht weiter, als dieses Denken geht. Man kann mit dem Denken nur dem Lauf der Wirklichkeit nicht folgen, weil man mit diesem Denken an das Werkzeug des Leibes oder das Werkzeug des Gehirns gebunden ist. Da tritt der Augenblick ein, wo man erlebt eine Grenze des gewöhnlichen menschlichen Seelenseins, der Augenblick, wo man weiß, dass die naturwissenschaftliche Annahme voll berechtigt ist, dass dieses gewöhnliche Denken an das Hirn gebunden ist und nicht weiterkann als eben der Wille, der herausspricht aus der Anstrengung, die man entwickelt mithilfe des leiblichen Werkzeuges. Aber um das recht einzusehen, muss man es erleben, muss man dahin kommen, zu sehen, wie die Wirklichkeit weiter ist als dasjenige, was man mit dem Denken erreichen kann. Dann muss man — und wird dieses durch die öfter hier charakterisierten Übungen erreichen — die notwendige innere Seelenruhe entfalten können, um gewissermaßen bei der weiteren Operation, die nun eintreten muss in der Seele, nicht mehr mit seinem beschränkten Leibesdenken, Hirndenken, dabei zu sein, sondern gewissermaßen das Denken selber sich selbst, dem eigenen Leben, zu überlassen. Aber das bedeutet nicht, dass man in einen unbewussten Zustand verfällt. In demjenigen Bewusstsein, das man bis dahin entwickelt hat, das einen begleitet hat, indem man das Denken bis an seine Grenzen getrieben hat, mit diesem Bewusstsein muss man alle Vorgänge weiterverfolgen /unklare Stelle], [aber] man [muss nun] dem Denken freien Lauf lassen, zuschauen demjenigen, was nun in der Seele geschieht, während man vorher — das weiß man genau —, der Denker selbst war.
[ 7 ] By following the paths and exercises described above, the spiritual researcher actually approaches what is otherwise only theoretically referred to as the “limits of knowledge,” of ordinary knowledge. He actually approaches these limits of knowledge in life by concentrating his thinking, making this thinking more and more intense. It is precisely through strenuous, intense thinking that one reaches the limits, the utmost of this thinking. Then the moment comes when one feels very clearly: reality goes further than this thinking goes. One cannot follow the course of reality with thinking alone, because with this thinking one is bound to the tools of the body or the tools of the brain. Then comes the moment when one experiences a limit of ordinary human soul-being, the moment when you know that the scientific assumption is entirely justified, that this ordinary thinking is bound to the brain and cannot go beyond the will that expresses itself through the effort you develop with the help of the physical tool. But in order to understand this properly, one must experience it, one must come to see how reality is more than what one can achieve with thinking. Then one must — and will achieve this through the exercises often described here — be able to develop the necessary inner peace of mind so that, in a sense, in the further operation that must now take place in the soul, one is no longer present with one's limited bodily thinking, brain thinking, but to leave thinking itself to itself, to one's own life, so to speak. But that does not mean that one falls into an unconscious state. With the consciousness that one has developed up to that point, that has accompanied one by pushing thinking to its limits, with this consciousness one must continue to follow all processes [unclear passage], [but] one [must now] give free rein to thinking, observe what is now happening in the soul, whereas before — one knows this very well — one was the thinker oneself.
[ 8 ] Man erlebt jetzt in einer ganz intensiven Weise, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was man nennen kann, das Ich-Denken. Das, [was] sonst immer in uns lebt, geht nun über in dasjenige, was man nicht anders bezeichnen kann als: «Es denkt in uns.» Man fühlt neue Kräfte, gewissermaßen auf den Wogen des nun sich selbst überlassenen Denkens dahinziehen, Kräfte, die man vorher nicht gekannt hat, von denen man aber jetzt weiß: Sie sind fortwährend in der Seele. Man hat nichts irgendwie zur Seele hinzugebracht, sondern nur dasjenige sich ins Bewusstsein hineingebracht, was fortwährend auch sonst in der Seele ist. Welche Kräfte hat man jetzt denn eigentlich entdeckt? Denn man hat Kräfte entdeckt, die man bewusst vorher nicht gekannt hat.
[ 8 ] You now experience in a very intense way, dear attendees, what can be called ego thinking. That [which] otherwise always lives within us now passes into what can only be described as: “It thinks within us.” One feels new forces, as it were, moving along on the waves of thinking now left to its own devices, forces that one did not know before, but of which one now knows: they are constantly present in the soul. One has not added anything to the soul in any way, but has only brought into consciousness that which is also constantly present in the soul. What powers have we actually discovered? For we have discovered powers that we were not consciously aware of before.
[ 9 ] Wenn man auf die gewöhnlichen Kräfte des alltäglichen Lebens sieht, so sind es diejenigen Kräfte, die man mit seinem Bewusstsein verfolgen kann, die dadurch entstehen, dass man die Dinge der Umwelt wahrnimmt und man mit seinem Denken die Dinge der Umwelt verbindet, daraus Begriffe, Ideen bildet, dass man seine Sinne entfaltet und so weiter, und so weiter. Ich möchte sagen: Dasjenige, was vorgeht im alltäglichen Leben, das liegt zwischen Wachen und Schlafen, das nimmt man mit dem gewöhnlichen Bewusstsein wahr. Jetzt fließen in das Denken Kräfte, die über dieses alltägliche Leben hinausgehen, von denen man jetzt weiß, da man sie ja in ihrer Qualität, in ihrer Wesenheit erlebt: Es sind Kräfte, die gleichartig sind mit denjenigen, die von unserer Geburt bis zu unserem Tode im physischen Leib unser organisches Wachstum begleiten, die uns nicht nur lassen durch unsere Augen anschauen Farben, nicht nur lassen durch unsere Ohren hören Töne, die uns nicht nur den Verlauf von Tag und Nacht verfolgen lassen und desjenigen, was geschieht im äußeren Dasein und [was] unter dem Einfluss von Tag und Nacht verläuft, sondern diejenigen Kräfte entdecken wir auf diesem Wege, welche Bildekräfte sind in unserem Organismus. Wir entdecken diejenigen Kräfte, durch die wir von kleiner Kindheit aufwachsen, größer und größer werden, diejenigen Kräfte, durch die wir unsere Organe ausbilden; wir entdecken diejenigen Kräfte, die aus der geistigen Welt heraus sich betätigen, um in unserem Leib mit allen seinen einzelnen Teilen ein Abbild zu schaffen, ein physisches Abbild. Was uns sonst der Tag ist, das wird uns der Verlauf des menschlichen Lebens dadurch zwischen Geburt und Tod. Wir überschauen gleichsam die Kräfte, die dieses umspannen. Und deshalb habe ich mir erlaubt, die Erkenntnis, die sich auf diese Weise ergibt, auf dieser Stufe ergibt, die imaginative Erkenntnis zu nennen, weil sie zu ihrem Inhalte die Bildekräfte des Organismus hat, weil wir dann in demjenigen Element leben, welches die innere Wesenheit desjenigen darstellt, was unsere materiellen Stoffe und Kräfte gestaltet und bilder.
[ 9 ] When one looks at the ordinary forces of everyday life, they are those forces that one can follow with one's consciousness, which arise from perceiving things in the environment and connecting them with one's thinking, forming concepts and ideas from them, developing one's senses, and so on, and so on. I would like to say: what happens in everyday life, between waking and sleeping, is perceived with ordinary consciousness. Now forces flow into our thinking that go beyond this everyday life, forces that we now know about because we experience them in their quality, in their essence: These are forces that are similar to those that accompany our organic growth in the physical body from birth to death, that not only allow us to see colors through our eyes, not only allow us to hear sounds through our ears, that not only allow us to follow the course of day and night and what happens in external existence and [what] takes place under the influence of day and night, but we also discover in this way those forces that are formative forces in our organism. We discover those forces through which we grow from early childhood, becoming larger and larger, those forces through which we develop our organs; we discover those forces that work from the spiritual world to create an image in our body with all its individual parts, a physical image. What the day is to us, the course of human life between birth and death becomes to us. We survey, as it were, the forces that span it. And that is why I have taken the liberty of calling the knowledge that results in this way at this stage, because its content is the formative forces of the organism, because we then live in the element that represents the inner essence of what shapes and forms our material substances and forces.
[ 10 ] Lassen Sie uns, sehr verehrte Anwesende, noch einmal zurückkommen auf dasjenige, was über das Anlangen an der Grenze des Denkens, des Vorstellens gesagt worden ist. Man muss, sagte ich, die Ruhe haben, um nunmehr das Denken seinem eigenen Laufe zu überlassen, die Bildekräfte einfließen zu lassen in den Gang, den Lauf, den Strom des Denkens und nun anschauen diese Bildekräfte in diesem Strome des Denkens. Da sieht man dann einem eigentümlichen Prozesse zu. Man sieht — geradeso wie man verbunden ist im physischen Leben, sagen wir mit dem Erdboden, auf dem man steht, steht durch die Schwerkraft —, wie man verbunden ist durch die Berührung mit den anderen Gegenständen des Lebens, wie man verbunden ist durch die Atmung mit der Luft und so weiter, und so weiter. So sieht man sich in wirklicher Imagination, das heißt in einem Anschauen, das nur lebendiger ist, aber sonst dem begrifflichen Anschauen ähnlich ist, nur lebendiger ist und schon aus diesem Grund imaginativ, bildhaft, genannt werden darf. Man sieht sich hineingestellt in eine neue Welt, eine Zeit [Lücke].
[ 10 ] Let us, dear audience, return once more to what has been said about reaching the limits of thinking and creating mental images. I said that one must have the calmness to now let thinking take its own course, to let the formative forces flow into the course, the flow, the stream of thinking, and now observe these formative forces in this stream of thinking. Then one observes a peculiar process. One sees — just as one is connected in physical life, say, to the ground on which one stands, through gravity — how one is connected through contact with other objects of life, how one is connected through breathing with the air, and so on and so forth. So you see yourself in real imagination, that is, in a way of seeing that is only more alive, but otherwise similar to conceptual seeing, only more alive and for that reason alone can be called imaginative, pictorial. You see yourself placed in a new world, a time [gap].
[ 11 ] Stoßen Sie sich nicht an Ausdrücken und Worten; man muss manche ja gebrauchen, um Dinge zu bezeichnen, die man eine «ätherische Welt» nennen kann; eine Welt, die viel geistiger ist; eine Welt, in der man nun drinnen steht und aus der man sieht, wie die Bildekräfte herauskommen geradeso, wie mit der Nahrung die physischen Bildeprinzipien eintreten. Wie mit der Luft die Atmung möchte eintreten, so treten die charakterisierten Bildekräfte aus einer besonderen Welt, aus einer ätherischen Welt ein. Und mit dieser ätherischen Welt sieht man sich nun in Verbindung. Man fühlt sich herausgehoben aus dem physischen Dasein, verbunden mit einer ganz neuen Welt, mit einer ätherischen Welt, der man mit seinem eigenen ätherischen Leben oder Leib angehört, wie man mit seinem physischen Leib der physischen Umgebung angehört.
[ 11 ] Do not be offended by expressions and words; some must be used to describe things that can be called an “etheric world”; a world that is much more spiritual; a world in which one now stands and from which one sees how the formative forces emerge, just as the physical formative principles enter with food. Just as breathing enters with the air, so the formative forces enter from a special world, from an ethereal world. And with this ethereal world, one now sees oneself connected. One feels lifted out of physical existence, connected to a whole new world, to an ethereal world to which one belongs with one's own ethereal life or body, just as one belongs to the physical environment with one's physical body.
[ 12 ] Es tritt also, wenn das Denken sich selbst überlassen bleibt, imaginative Anschauung ein. Und dasjenige — [alles, was das Leben belebt], die Lebensprinzipien durchdringend —, es kann nur angeschaut werden, es kann nie erdacht werden, nie durch Hypnose wirklich gefunden werden, nie durch irgendeine Naturwissenschaft gefunden werden. Es kann nur angeschaut werden, wenn man also wirklich die Seele hinzulenken vermag auf die Bildekräfte.
[ 12 ] So when thinking is left to itself, imaginative perception enters. And that — [everything that animates life], permeating the principles of life — can only be seen, it can never be conceived, never really found through hypnosis, never found through any natural science. It can only be seen if one is truly able to direct one's soul toward the formative forces.
[ 13 ] Nun, um eine genauere Vorstellung vielleicht noch zu erwähnen von dem, was hiermit eigentlich gemeint ist, möchte ich den Unterschied angeben, der sich für den also imaginativ Erkennenden ergibt zwischen den Tieren und den Menschen. Für denjenigen, der in diese imaginative Erkenntnis eingetreten ist, für den, sehr verehrte Anwesende, hat die Welt nun wirklich mehr Inhalt als die bloß physische Welt. Vor allen Dingen tritt zu dem gewöhnlichen Inhalt hinzu die Möglichkeit, den Menschen in seinem Lebenslaufe nun nicht bloß bis zum Tode zu verfolgen, und zu schen, wie das leibliche Leben erlöscht, sondern ihn eben gewissermaßen noch weiter zu verfolgen wenigstens für einige Tage, um zu sehen wie — wenn der gewöhnliche physische Tod eingetreten ist — noch etwas fortlebt, fortlebt gerade von der Art des Daseins, der Wesenheit, wie es durch imaginative Erkenntnis geschaut werden kann. Dasjenige, was da noch tagelang vom Menschen fortlebt, nachdem der physische Tod eingetreten ist und mit dem Menschen als Seelenwesen verbunden bleibt, das ist eben das, was man den ätherischen Leib nennen kann. In diesem ätherischen Leib ist enthalten alles dasjenige, was sonst mit den Wachstums-, mit den Bildekräften des Menschen verbunden ist. Aber auch alles Lebendige — ich möchte zunächst nur auf den Menschen und auf die Tiere reflektieren —, alles Lebendige erscheint in dieser ätherischen Welt durchtränkt, erscheint also mit den Bildekräften durchsetzt, die der imaginativen Erkenntnis zugänglich sind.
[ 13 ] Now, in order to give a more precise mental image of what is actually meant here, I would like to point out the difference that arises for the imaginative knower between animals and human beings. For those who have entered into this imaginative knowledge, , ladies and gentlemen, the world now truly has more content than the merely physical world. Above all, in addition to the usual content, there is now the possibility of following human beings in their life course not only until death, and seeing how physical life comes to an end, but also, in a sense, of following them further, at least for a few days, to see how — when ordinary physical death has occurred — something continues to live on, specifically the kind of existence, the essence, that can be seen through imaginative knowledge. That which continues to live on for days after physical death has occurred and remains connected to the human being as a soul being is precisely what can be called the etheric body. This etheric body contains everything that is otherwise connected with the growth and formative forces of the human being. But also everything that is alive — I would like to reflect first on humans and animals — everything living appears imbued in this etheric world, appears permeated with the formative forces that are accessible to imaginative knowledge.
[ 14 ] Sehen wir uns das Tier nun an in imaginativer Erkenntnis, so erscheint das Tier so, dass man sagen muss: Alles, fast alles, was an Bildekräften geschaut werden kann am Tiere, das ist innig verbunden mit demjenigen, was an physischer Form, an physischer Gliederung, an physischen Organen sich im Tier ausgebildet hat. Das Tier hat diesen ganzen ätherischen Leib, ich möchte sagen ganz hineingeschoben und innig verbunden mit seinem physischen Leib. Dieser ätherische Leib hat im Tiere die Möglichkeit gefunden, ein vollständiges Abbild desjenigen zu schaffen, was er gewissermaßen will.
[ 14 ] If we now look at the animal with imaginative knowledge, the animal appears in such a way that one must say: Everything, almost everything that can be seen in terms of formative forces in animals is intimately connected with what has developed in the animal in terms of physical form, physical structure, and physical organs. The animal has this entire etheric body, I would say, completely inserted into and intimately connected with its physical body. This etheric body has found in the animal the possibility of creating a complete image of what it wants, so to speak.
[ 15 ] Ein Ähnliches ist für den menschlichen ätherischen Leib nicht der Fall. Etwas ähnlich, sehr verehrte Anwesende, ist für den menschlichen ätherischen Leib nur derjenige Teil, welcher sich auf das menschliche Haupt bezieht. Denn so sonderbar es klingt, so paradox es sich ausnimmt: Für den, der die Welt durchschaut mit imaginativer Erkenntnis, ist nicht das Haupt das Geistigste, sondern es ist dasjenige, was sozusagen am festesten, am intensivsten in die physische Welt heruntergestiegen ist. Das heißt, im Haupte hat der ätherische Leib am allermeisten seinen Ausdruck gefunden in dem, was physisch vorhanden ist, sodass der ätherische Leib des Hauptes noch am ehesten ähnlich ist dem ätherischen Leibe, wie ich Ihnen gerade über seine Verhältnisse zum physischen Leib geschildert habe für die Tierwelt. Dagegen hat für den übrigen Menschen, für die übrige menschliche Organisation, der ätherische Leib nicht voll, ich möchte sagen [Ausdruck gefunden] in die Form des physischen Leibes. Die Formen des übrigen physischen Leibes sind zwar in einer gewissen Art Ergebnis der Bildekräfte des ätherischen Leibes, nur der Ätherleib hat in sich noch gewisse Bildekräfte zurückbehalten, die nun allein ätherisch, das heißt viel geistiger sind als es physische Wesenheit ist. Sodass im Menschen etwas vorhanden ist, ätherisch vorhanden ist, was nicht vollständig seinen Abdruck, seinen Ausdruck findet in dem, was physisches Abbild ist.
[ 15 ] This is not the case for the human etheric body. The only part of the human etheric body that is somewhat similar, dear attendees, is that which relates to the human head. For as strange as it may sound, as paradoxical as it may seem: For those who see through the world with imaginative insight, it is not the head that is the most spiritual, but rather that which has descended most firmly, most intensely, into the physical world. This means that in the head, the etheric body has found its greatest expression in what is physically present, so that the etheric body of the head is most similar to the etheric body as I have just described to you in relation to the physical body in the animal world. In contrast, for the rest of the human being, for the rest of the human organization, the etheric body has not fully, I would say, found expression in the form of the physical body. The forms of the rest of the physical body are, in a certain sense, the result of the formative forces of the etheric body, but the etheric body still retains certain formative forces that are now purely etheric, that is, much more spiritual than the physical entity. So that something is present in the human being, something etheric, that does not find its complete imprint, its complete expression in what is the physical image.
[ 16 ] Dies Ganze wird dadurch bewirkt, sehr verehrte Anwesende, dass der Mensch so organisiert ist, dass er einen aufrechten Gang haben kann; denn dieses intensivere Zum-Ausdruck-Kommen des ätherischen Leibes im physischen Leib beim Tiere, das wird dadurch wohl bewirkt, dass die Kräfte, die ätherisch von der Erde aus wirken, auf das Tier sehr stark wirken wegen seiner Lage zur Erde, sodass seine Hauptachse, die durch das Rückenmark geht, parallel gewissermaßen mit der Oberfläche der Erde wurde in der Hauptachse. Dass der Mensch so organisiert ist, dass er sich senkrecht auf die Oberfläche der Erde erhebt, dadurch entzieht er seinen Organismus den unmittelbaren Einflüssen der Erde. Er öffnet [seinen Organismus] dadurch nach der Seite hin, möchte ich sagen dem ganzen Weltenall und seiner ätherischen Einwirkung. Dadurch gelangt der Ätherleib im Menschen nicht so zur vollen Entfaltung, geht nicht so tief in das physische Wesen hinein wie beim Tiere, bleibt zurück als ätherische Bindung.
[ 16 ] This whole thing is brought about, dear audience, by the fact that human beings are organized in such a way that they can walk upright; for this more intense expression of the etheric body in the physical body in animals is probably brought about by the fact that the forces which act etherically from the earth, have a very strong effect on the animal because of its position in relation to the earth, so that its main axis, which runs through the spinal cord, became parallel, as it were, to the surface of the earth in the main axis. The fact that human beings are organized in such a way that they rise vertically above the surface of the earth means that their organism is removed from the direct influences of the earth. In this way, he opens [his organism] to the side, I would say to the whole universe and its etheric influence. As a result, the etheric body in humans does not develop to its full potential, does not penetrate as deeply into the physical being as in animals, but remains behind as an etheric bond.
[ 17 ] Nun, auf diese Weise erblicken wir also durch imaginative Erkenntnis eine ganz neue Welt. Aber diese Welt bleibt zunächst ziemlich unverständlich. Das [Wesentliche] aber muss ganz außerordentlich betont werden. Und dieses [Wesentliche] besteht darin, dass in jedem Stadium, in dem der Mensch als Geistesforscher in diese imaginative Welt eintritt, selber mit seinem vollen Bewusstsein dabei ist, sodass er den Übergang vom gewöhnlichen Denken und Vorstellen zu dem, was sich als Imagination ausbreitet, wie sich sonst das Sonnenlicht beim Sonnenaufgang ausbreitet, sodass er bei diesem ganzen Übergang voll bewusst ist. Daher ist ausgeschlossen, sehr verehrte Anwesende, beim Erlangen dieser wirklichen imaginativen Erkenntnis, alles dasjenige, was erreicht wird und auf was heute zuweilen so großer Wert gelegt ist, ausgeschlossen alles dasjenige, was auf Suggestion, Hypnotismus, was auf der sogenannten Mediumschaft beruht. Die Entwicklung, welche die Seele nimmt bei einer Wirkung von Hypnotismus, bei irgendeiner suggestiven Behandlung, bei der Erreichung der Mediumschaft, der Weg, den die Seele dabei macht, der ist der Entgegengesetzte dem gegenüber, den ich eben geschildert habe zum Erreichen der imaginativen Erkenntnis. Denn bei all den Wegen, die auf Hypnotismus und so weiter beruhen, wird das Bewusstsein des Menschen herabgedrückt, herabgedrängt. Es wird dasjenige gerade ausgeschaltet, was zu einer besonderen Intensität getrieben werden muss beim imaginativen Erkennen. Man sieht — gestatten Sie, dass ich diese Bemerkung mache — wie abgeneigt die heutige Selbstgelehrtenwelt dem Wege ist, der als solcher Weg zur imaginativen Erkenntnis geschildert geworden ist eben —, wenn man sieht, wenn man bemerkt, wie diese Welt zur Erkenntnis des Übersinnlichen viel lieber greift zum Mediumismus, zu allerlei ähnlichen Seelenwegen wie diejenigen sind, die eben durch den Mediumismus erlangt werden können.
[ 17 ] Now, in this way, we see a whole new world through imaginative knowledge. But this world remains quite incomprehensible at first. However, the [essential] must be emphasized very strongly. And this [essential] consists in that at every stage in which the human being enters this imaginative world as a spiritual researcher, he is himself present with his full consciousness, so that he is fully aware of the transition from ordinary thinking and mental images to what spreads out as imagination, just as sunlight spreads out at sunrise, so that he is fully conscious throughout this entire transition. Therefore, ladies and gentlemen, it is impossible to achieve this imagination, everything that is achieved and to which so much importance is sometimes attached today excluded, everything that is based on suggestion, hypnotism, and so-called mediumship. The development that the soul undergoes under the influence of hypnotism, under any suggestive treatment, in the attainment of mediumship, the path that the soul takes in this process, is the opposite of what I have just described for the attainment of imaginative knowledge. For in all the paths that are based on hypnotism and so forth, the consciousness of the human being is suppressed, pushed down. Precisely that which must be driven to a particular intensity in imaginative cognition is eliminated. One sees — allow me to make this remark — how averse today's self-taught world is to the path has just been described as the path to imaginative knowledge — when one sees, when one notices how this world, in order to gain knowledge of the supersensible, much prefers to resort to mediumship, to all kinds of soul paths similar to those that can be attained through mediumship.
[ 18 ] Wurde doch in den letzten Tagen gemeldet, dass einer der bedeutendsten Gelehrten der Gegenwart, Sir Oliver Lodge, bei einem erschütternden Ereignis in seiner Familie durch den im Kriege erfolgten Tod seines Sohnes überzeugt worden ist von dem Dasein der Seele seines Sohnes in der übersinnlichen Welt durch gewisse Erfahrungen, die er mit Medien gemacht hat. Es ist allerdings, ich möchte sagen, dieser Weg durch Medien bequemer als der Weg, der ein rein innerer ist und der eine ungeheuer viel größere geduldvolle Anstrengung erfordert als das Versetzen eines Mediums in einen herabgedämpften Bewusstseinszustand, in eine sogenannte Trance, und dann das Erfahren gewisser Manifestationen, die dann durch das Medium berichtet werden. Aber gesagt werden muss, sehr verehrte Anwesende, dass dadurch, dass das gewöhnliche Bewusstsein herabgedrängt wird, die Seele also gleichsam nicht ins Überbewusste steigt — wie das [aber] bei der Erlangung der imaginativen Erkenntnis der Fall ist —, sondern ins Untersinnliche hinuntersteigt, tiefer in den Leib hineinsteigt, dass dadurch dasjenige, was aus dem Medium herauskommt, all die Trübungen erreicht, welche da durchgehen durch das Seelische. Denn das Seelische allerdings dringt ein, setzt sich tiefer herunter in das Physische beim Medium. Dadurch aber vermischt sich dieses Seelische mit dem Physischen, und es muss alles dasjenige, was nun die Seele offenbart, durchmischt mit dem Physischen sein.
[ 18 ] It was reported in recent days that one of the most eminent scholars of our time, Sir Oliver Lodge, was convinced of the existence of his son's soul in the supersensible world through certain experiences he had with mediums, following a traumatic event in his family, namely the death of his son in the war. It is true, I would say, this path through mediums is more convenient than the path that is purely internal and requires an enormous amount of patient effort than putting a medium into a subdued state of consciousness, into a so-called trance, and then experiencing certain manifestations, which are then reported by the medium. But it must be said, dear attendees, that by suppressing ordinary consciousness, the soul does not ascend into the superconscious — as is the case with the attainment of imaginative knowledge — but descends into the subconscious, descends deeper into the body, so that what comes out of the medium is affected by all the cloudiness that passes through the soul. For the soul does indeed penetrate and settles deeper into the physical body of the medium. But in doing so, the soul mixes with the physical, and everything that the soul now reveals must be mixed with the physical.
[ 19 ] Dadurch aber, sehr verehrte Anwesende, wird gerade diejenige Kraft in der menschlichen Seele zu, ich möchte sagen zu Abwegen geführt, die man braucht, wenn man ins Überbewusstsein, in das Übersinnliche hinaufsteigt. Was das Medium abtötet, das wird gerade gebraucht, und dadurch, dass man es bewusst gebraucht, dadurch wird es von seinen Abwegen hinweggeführt, wird ihm seine [Dumpfheit] genommen, und es wird gerade verwendet, um in der Regel Licht hineinzubringen, Beurteilungsvermögen hineinzubringen in die übersinnlichen Welten. Man kann sagen, dass der Geistesforscher gerade diejenigen Kräfte zur höchsten Entfaltung, zur höchsten Entwicklung bringt, um bewusst die geistige Welt anzuschauen, welche herabgedrängt, herabgedrückt werden, und dadurch ins Tierreich hineingedrängt werden, dadurch aber auch dazu gebracht werden, das wirklich Geistige zu verdunkeln, zu trüben, in allerlei Illusionen zu tauchen.
[ 19 ] But through this, dear attendees, the very power in the human soul that is needed when ascending into superconsciousness, into the supersensible, is led astray, so to speak. What the medium kills is precisely what is needed, and by consciously using it, it is led away from its aberrations, its dullness is removed, and it is used precisely to bring light and discernment into the supersensible worlds. One can say that the spiritual researcher brings precisely those forces to their highest development, to their highest evolution, in order to consciously view the spiritual world, which are suppressed, pushed down, and thereby forced into the animal kingdom, but thereby also caused to obscure the truly spiritual, to cloud it, to immerse it in all kinds of illusions.
[ 20 ] Aber es wird noch, ich möchte sagen, durch etwas dieser Weg — durch dass [das] Medium sich verbindet mit der übersinnlichen Welt — für die heutzutage so materialistische Welt gangbar gemacht. Dasjenige, was das Medium vorbringt, es kleidet sich in die Worte des gewöhnlichen Lebens, gleichgültig, ob das durch Tischklopfen geschieht oder ob es durch Schreibmedien, durch automatisches Schreiben geschieht. Es wird dasjenige, was durch das Medium kommt, hineingedrängt in Verbindungen, die man kennt von dem gewöhnlichen Leben, kennt durch die Sprache, durch die Schrift und dergleichen. Der Geistesforscher erfährt, indem er sich schon durch die imaginative Erkenntnis der geschilderten Art ins Übersinnliche erhebt, dass nichts von dem, was also nur im physischen Leben geübt und gelernt wird, wie unser Geist, wie auch die an die physischen Werkzeuge gebundene Sprache ein wirkliches Ausdrucksmittel für ein geistiges Wesen sein kann.
[ 20 ] But I would say that this path is made accessible to today's materialistic world through something else — through the medium connecting with the supersensible world. What the medium produces is clothed in the words of everyday life, regardless of whether this happens through table-tapping or through writing mediums, through automatic writing. What comes through the medium is forced into connections that are familiar from everyday life, familiar through language, through writing, and the like. By rising to the supersensible through imaginative knowledge of the kind described, the spiritual researcher learns that nothing that is practiced and learned only in physical life, such as our mind and language, which is bound to physical tools, can be a real means of expression for a spiritual being.
[ 21 ] Man muss, indem man sich zur imaginativen Erkenntnis erhebt, auch sich zu höheren Ausdrucksmitteln erheben. Es kann allerdings sein, dass eine bedeutsame Einschränkung eintritt gerade bei diesen Welten. Ich habe ja schon erwähnt, und ich werde gleich nachher auf diese Dinge noch genauer eingehen, dass, nachdem der physische Tod des Menschen eingetreten ist, dasjenige, was ich charakterisiert habe als den Zusammenhang der Bildekräfte, den ätherischen Leib, dass das noch einige Tage mit dem eigentlichen Seelenwesen des Menschen, das nun in die geistige Welt eintritt, durch die Pforte des Todes, verbunden bleibt, dann sich löst, sodass der Mensch seinen Ätherleib ablegt einige Zeit nach dem Tode, wie er im physischen Tode seinen physischen Leib abgelegt hat. Wie nun der physische Leib mit den Kräften der Erde sich verbindet, wie er durch seine Kraft aufgelöst wird, so geht über in die allgemeine Ätherkraft der ätherische Leib. Dieser ätherische Leib trägt allerdings die Reste desjenigen an sich, was er geübt, gelernt hat zwischen der Geburt und dem Tode im physischen Leib. Es kann dieser ätherische Leib daher noch die Rudimente, sagen wir, der Schreibkunst, die Rudimente sogar des Sprachvermögens in irgendeiner primitiveren Weise — sei es durch Schreiben, sei es durch Tischklopfen, mit diesen Mitteln — äußern. Aber man hat es nicht zu tun mit dem, was sich da äußert, mit einem wirklichen geistigen Leben, einem wirklichen übersinnlichen Wesen, wie es der Mensch ist, wenn er durch die Pforte getreten ist. Man hat keine Verbindung mit dem wirklichen Menschen, sondern mit demjenigen, was er als seinen Ätherleib abgelegt hat. Das ist wichtig, festzuhalten, dass man es nur mit dem gewissermaßen feineren Leichnam zu tun haben kann, wenn man es überhaupt mit etwas zu tun hat. In den Fällen, in denen auch der Geistesforscher, wo es möglich ist, einmal feststellt: Nicht um einen bloßen Schwindel handelt [es sich], um den es sich ja in den weitaus meisten Fällen auf diesen Gebieten ja auch handelte. Aber auf keinen Fall hat man es zu tun — wenn es sich um ein wirkliches Äußern der geistigen Welt handelt —, was nur im physischen Leib für die physische Welt durch dessen Kräfte geübt wird. Aber wir haben ja in der letzten Zeit sogar sehen müssen, dass der heutige Sinn unserer Zeit — dem [der Mensch] schon nicht mehr widerstehen kann, den Sehnsuchten nach der geistigen Welt, weil sie [einmal] vorhanden sind — sogar, ja, verzeihen Sie den harten Ausdruck, nicht nur auf das Pferd, sondern sogar auf den Hund gekommen ist.
[ 21 ] By rising to imaginative knowledge, one must also rise to higher means of expression. It may be, however, that a significant limitation occurs precisely in these worlds. I have already mentioned, and I will go into these things in more detail shortly, that after the physical death of the human being, what I have characterized as the connection of the formative forces, the etheric body, remains connected for a few days with the actual soul being of the human being, which now enters the spiritual world through the gate of death, then detaches itself, so that the human being discards his etheric body some time after death, just as he discarded his physical body in physical death. Just as the physical body connects with the forces of the earth, just as it is dissolved by its power, so the etheric body passes into the general etheric force. This etheric body, however, carries with it the remnants of what it has practiced learned between birth and death in the physical body. This etheric body can therefore still express the rudiments, let us say, of the art of writing, even the rudiments of speech in some more primitive way — whether through writing or through table-tapping, by these means. But one is not dealing with what is expressed there, with a real spiritual life, a real supersensible being, as man is when he has passed through the gate. One has no connection with the real human being, but with what he has left behind as his etheric body. It is important to note that one can only deal with the finer corpse, so to speak, if one has anything to do with it at all. In cases where even the spiritual researcher, where possible, once determines: it is not a mere deception, as was indeed the case in the vast majority of cases in these areas. But in no case, if it is a real expression of the spiritual world, does one have to deal with what is only exercised in the physical body for the physical world through its forces. But we have even had to see in recent times that the spirit of our age — that [human beings] can no longer resist the longing for the spiritual world, because it [once] existed — has even, yes, forgive the harsh expression, come to the horse, and even to the dog.
[ 22 ] Wir haben kennengelernt all die Mitteilungen über rechnende Pferde, über rechnende Hunde, über Forschungsaffen, Mitteilungen über einen rechnenden und auch sonst außerordentlich weisen Affen; und man könnte glauben, man glaube in gewissen Kreisen, dass dasjenige, was aus der geistigen Welt heraus das Tier ergreift, wirklich in einer ähnlichen Weise zum Ausdruck kommen kann wie dasjenige, was den Menschen bildet, [wie] die besondere Beschaffenheit seines menschlichen Leibes lernt das Rechnen zum Beispiel. Es hat sich allerdings ja in letzter Zeit auch schon für die physische Entwicklung herausgestellt, dass die ganze Sache eine Illusion war, dass es sich um nichts [weiter] handelt als um eine Art von intensivem Eingehen auf gewisse feine Äußerungen der Seele des Dresseurs, desjenigen, der die betreffenden Tiere erzogen hat. Ich kann auf das Thema weiter nicht eingehen; es würde zu weit führen. Aber ich wollte es nur erwähnen, um zu zeigen, wie man sich Missverständnissen auch da auf diesen Gebieten hingeben kann, wenn man keine Ahnung davon hat, dass das wirklich Geistige, das wirklich Übersinnliche, eben jenseits desjenigen steht, was mithilfe des menschlichen physischen Leibes erworben wird.
[ 22 ] We have heard all the reports about horses that can do arithmetic, dogs that can do arithmetic, research monkeys, reports about a monkey that can do arithmetic and is also extraordinarily wise in other ways; and one might believe that in certain circles it is believed that what grips the animal from the spiritual world can really be expressed in a similar way to what shapes the human being, [such as] the special nature of their human body, learning arithmetic, for example. However, it has recently become apparent in the field of physical development that the whole thing was an illusion, that it is nothing more than a kind of intense response to certain subtle expressions of the soul of the trainer, the person who trained the animals in question. I cannot go into the subject further; it would take us too far afield. But I wanted to mention it only to show how one can succumb to misunderstandings in these areas if one has no idea that what is truly spiritual, what is truly supersensible, lies beyond what is acquired with the help of the human physical body.
[ 23 ] Ich sagte, der Geistesforscher darf nun nicht stehen bleiben bei der imaginativen Erkenntnis, weil diese als solche eine unverständliche Welt liefert. Aber er will wirklich — auch schon durch den eigenen Gang, den er nunmehr angetreten hat und der in sich selber den [Drang] nach Fortschritt ergibt —, er will nicht dabei stehen bleiben. Man muss allerdings sich bekannt machen, wenn man diese Dinge durchschauen will, mit einer besonderen Eigenartigkeit der Geistesforschung. Bei der gewöhnlichen Wissenschaft, im alltäglichen Leben verwenden wir unsere Seelenkräfte dazu, zu denken, zu fühlen, um zu gewissen Ergebnissen zu kommen. Wir erarbeiten uns sogleich dasjenige, was wir dann haben, als Ergebnis. So ist es nicht, wenn es sich um den Gang in die geistige Welt hinein handelt. Die geistige Welt können wir gewissermaßen nicht an den Haaren herbeiziehen, so wie wir unsere Vorstellungen uns erarbeiten durch unseren eigenen Willen. Das können wir nicht gegenüber der geistigen Welt. Und so sorgfältig, ja, viel sorgfältiger wir auch arbeiten müssen, viel wissenschaftlicher noch als in der gewöhnlichen Wissenschaft wir denken müssen, innerlich arbeiten müssen: Dasjenige, was wir so an Arbeit verrichten können, was die Seele so schafft, innerlich, das alles ist nur Vorbereitung, damit die Seele in einen Zustand kommt, in dem sie fähig wird, die geistige Welt in sich einfließen zu lassen.
[ 23 ] I said that the spiritual researcher must not stop at imaginative knowledge, because this in itself provides an incomprehensible world. But he really wants — also through the path he has now embarked upon, which in itself produces the [urge] for progress — he does not want to remain there. However, if one wants to understand these things, one must familiarize oneself with a special peculiarity of spiritual research. In ordinary science, in everyday life, we use our soul forces to think and feel in order to arrive at certain results. We immediately work out what we then have as a result. This is not the case when it comes to entering the spiritual world. We cannot, so to speak, pull the spiritual world out of thin air, just as we develop our mental images through our own will. We cannot do this with regard to the spiritual world. And no matter how carefully, indeed, much more carefully we have to work, how much more scientifically than in ordinary science we have to think, how much more inwardly we have to work: The work we can do, what the soul creates inwardly, is only preparation for the soul to reach a state in which it becomes capable of allowing the spiritual world to flow into it.
[ 24 ] Wie ist das eigentlich? Ich möchte einen Vergleich wählen, um aufmerksam auf dasjenige zu machen, auf das es ankommt. Wir brauchen nur ein allseitig geschlossenes Gefäß auszupumpen, die Luft herauszupumpen, und es leer zu machen von Luft. Wenn es nun leer ist und wir es an einer Stelle öffneten, ein Loch hineinbohrten, so wird von außen die Luft einströmen. Dass die Luft einströmt, dazu brauchen wir nichts zu tun, als die nötigen Vorbereitungen zu machen. In das Leergewordene des Raumes strömt die Luft ein. Dasjenige, was der Geistesforscher mit denjenigen Übungen, die er verrichtet, wirklich erreicht, das ist gewissermaßen: Die Seele, bis zu dem Punkt zu bringen, wo die geistige Welt einströmt. Deshalb ist es nicht ein passives Sich-Hingeben, nicht ein solches Grübeln, nicht dasjenige, was man so oft als eine verworrene nebulöse Mystik schildert, sondern es ist ein, ich möchte sagen hartes inneres Arbeiten. Aber dieses Arbeiten ist alles Willensvorbereitung, dasjenige in uns darauf hinzulenken, die Seele tauglich zu machen, [unklare Passage], dass sich die Welt des Geistes ihr ergibt. Deshalb wird auch, wenn der Geistesforscher in imaginativer Erkenntnis so weit vorgerückt ist, dass seine Imaginationen wirklich intensiv sind, dass sie wirklich dasjenige darstellen, was keineswegs Halluzinationen sind — derjenige, der das, was ich geschildert habe, mit Halluzinationen verwechselt, der zeigt zugleich, dass er es vollständig missversteht —, aber wenn der Geistesforscher dazu gekommen ist, nun wirklich in seiner imaginativen Welt zu leben, so wird er rein durch die Fortsetzung des fortdauernden Lebens in dieser imaginativen Welt dahin drängen, dass sich eine Art von Willenswesenheit in seine Imaginationen ergießt. So wie ein Unterschied ist zwischen dem Zustande des gewöhnlichen Menschen in der physischen Welt, der bloß dasitzt und denkt, und demjenigen Menschen, in den der Wille gleichsam hineinpulsiert, der aufsteht, der an die Arbeit geht, so tritt der Übergang ein von der imaginativen Welt zu dem Durchsetzt-Sein der imaginativen Welt vom Willen; aber jetzt von einem Willen, der nicht wie unser menschlicher Wille aus unserem Inneren entspringt und zu unseren Handlungen führt, sondern durch einen Willen, der aus der geistigen Welt — da nun mehr als die Imaginationen um uns ist —, der nun mehr aus der geistigen Welt kommt. Und dieser Wille, der macht es nun möglich, dass einem auf dem wirklichen [Boden] der Imaginationen nun nicht bloß die Bildekräfte erscheinen, so wie ich sie geschildert habe, sondern dass erscheinen wirkliche Wesen der geistigen Welt, unter denen wir sind geradeso wie Wesen in unserer physischen Welt unter den physischen Wesenheiten der objektiven Welt sind. Als Seele sind wir [dann] unter geistigen Wesenheiten. Und wenn wir diese Fähigkeit erlangt haben, also als Seele in der Imagination zu leben, in der Imagination, die nun durchsetzt ist von dem Willenselement, das von allen Seiten eingeströmt ist, dann haben wir eine konkrete, aus einzelnen geistigen Wesenheiten bestehende geistige Welt vor uns, nicht eine allgemein Verschwommenes beinhaltende Geistigkeit, die demjenigen, der Geistesforscher ist, gerade so vorkommt, wie wenn er von einer allgemeinen Pflanzheit reden würde, nicht einzelne Pflanzen unterscheiden würde. Eine wirkliche konkrete, aus einzelnen geistigen Wesenheiten bestehenden Geistwelt hat man um sich. Und dieser Zustand der Seele mit diesen Geistwesen, zu denen wir als Seele selbst gehören — nicht nur zwischen Geburt und Tod in einen physischen Leib eingespannt —, dieses Zusammensein mit diesen Geistwesen, der Zustand, der durch dieses Zusammensein mit den Geistwesen als ein geistiges Wahrnehmen in unserer Seele lebt, der ist nunmehr eine höhere Stufe der Geisterkenntnis. Und das, was ich mir erlaube, Inspiration zu nennen — wobei man alle gewöhnliche Inspiration als ungleichen Begriff, der mit dem [Wortgehalt] verbunden ist, allerdings beseitigen muss —, ist lediglich das gemeint, was zunächst hier geschildert worden ist.
[ 24 ] How does that actually work? I would like to use a comparison to draw attention to what is important. We only need to pump out a vessel that is closed on all sides, pump out the air, and empty it of air. Now that it is empty, if we open it in one place, drill a hole in it, air will flow in from outside. For the air to flow in, we need only make the necessary preparations. Air flows into the space that has been emptied. What the spiritual researcher really achieves with the exercises he performs is, in a sense, to bring the soul to the point where the spiritual world flows in. Therefore, it is not a passive surrender, not a kind of brooding, not what is so often described as a confused, nebulous mysticism, but rather, I would say, hard inner work. But this work is all preparation of the will, directing that within us, making the soul fit, [unclear passage], so that the world of the spirit surrenders to it. Therefore, when the spiritual researcher has advanced so far in imaginative knowledge that his imaginations are truly intense, that they truly represent what are by no means hallucinations — anyone who confuses what what I have described with hallucinations, shows at the same time that he completely misunderstands it — but when the spiritual researcher has come to truly live in his imaginative world, he will, purely through the continuation of his ongoing life in this imaginative world, urge a kind of will-being to pour into his imaginings. Just as there is a difference between the state of the ordinary person in the physical world, who merely sits and thinks, and the person into whom the will pulsates, as it were, who gets up and goes to work, so the transition occurs from the imaginative world to the being of the imaginative world by the will; but now by a will that does not spring from within us and lead to our actions, as our human will does, but by a will that comes from the spiritual world—since there is now more than the imaginations around us—that now comes more from the spiritual world. And this will now makes it possible that on the real [ground] of imaginations, not only the image-forming powers appear, as I have described them, but that real beings of the spiritual world appear, among whom we are just as beings in our physical world are among the physical entities of the objective world. As souls, we are [then] among spiritual beings. And when we have attained this ability, that is, to live as a soul in imagination, in imagination that is now permeated by the element of will that has flowed in from all sides, then we have before us a concrete spiritual world consisting of individual spiritual beings, not a generally vague spirituality that appears to the spiritual researcher just as if he were talking about a general plant world without distinguishing between individual plants. One has a real, concrete spiritual world around oneself, consisting of individual spiritual beings. And this state of the soul with these spiritual beings, to which we ourselves belong as souls — not only between birth and death, bound in a physical body — this togetherness with these spiritual beings, the state that lives in our soul as a spiritual perception through this togetherness with the spiritual beings, is now a higher level of spiritual knowledge. And what I take the liberty of calling inspiration — whereby all ordinary inspiration must be eliminated as an unequal concept associated with the [word content] — is merely what has been described here.
[ 25 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, wenn man die Seele wirklich erhoben hat zu dieser Inspiration, dann ergibt sich die Möglichkeit, Kräfte in seiner geistigen Wahrnchmung zu haben, die nun nicht bloß die Bildekräfte sind unseres physischen Leibes, wie er sich entwickelt zwischen Geburt und Tod, sondern diejenigen Kräfte sind, welche sich verbinden mit demjenigen, was durch die physische Vererbung geworden ist in dem Sinne, wie ich das neulich im Vortrage angedeutet habe: Durch die physische Vererbung unserer Vorfahren [erhalten wir einen] physischen Leib, welcher sich verbindet mit dem, was wir physisch in uns haben aus der geistigen Welt heraus.
[ 25 ] Now, dear friends, when one has truly raised one's soul to this inspiration, then it becomes possible to have powers in one's spiritual perception that are not merely the formative forces of our physical body as it develops between birth and death, but are those forces that connect with what has become through physical inheritance in the sense that I indicated recently in my lecture: Through the physical inheritance of our ancestors, we receive a physical body that connects with what we have physically within us from the spiritual world.
[ 26 ] Denn in der Tat, für die inspirierte Erkenntnis stellt sich das Menschenleben als sich verlängernd dar über Geburt und über den Tod hinaus, und man blickt zurück auf Kräfte, welche aus der rein geistigen Welt herauskommen und sich verbinden mit dem, was Vater und Mutter als physischer Leib geben. Diese Kräfte, sie wirken in das gewöhnliche Menschenleben hinein; sie wirken so in das gewöhnliche Menschenleben hinein, dass sie für dieses gewöhnliche Menschenleben eine unbewusste Inspiration sind. Und alles dasjenige, was wir nicht nur als Bildekräfte unseres Leibes erleben, sondern was wir in uns tragen zwischen Geburt und Tod als Entwicklungskräfte unserer Seele, alles dasjenige, was nicht an den physischen Leib bloß gebunden ist, sondern den physischen Leib durchdringt als Seelisches, das wird inspiriert von dem, was auch durch eine lange Zeit sich entwickelt hat zwischen unserem letzten Tode und unserer diesmaligen Geburt, da unsere Seele durchgegangen ist durch eine rein geistige Welt.
[ 26 ] For in fact, to inspired knowledge, human life appears to extend beyond birth and death, and one looks back on forces that come from the purely spiritual world and connect with what father and mother give as a physical body. These forces work into ordinary human life; they work into ordinary human life in such a way that they are an unconscious inspiration for this ordinary human life. And everything that we experience not only as the formative forces of our body, but also as the developmental forces of our soul between birth and death, everything that is not merely bound to the physical body but permeates the physical body as soul life, is inspired by what has also developed over a long period of time between our last death and our present birth, as our soul has passed through a purely spiritual world.
[ 27 ] In dieser Zwischenzeit zwischen dem Tod und der Wiedergeburt lebt des Menschen Seele in einer rein geistigen Welt. Da ist sie durchtränkt von den Kräften, die nur durch Inspiration wahrnehmbar sind, wie sie hier durchtränkt ist, wie hier der Mensch als Organismus durchtränkt ist von den physischen Gestalten und physischen Kräften, die der physischen Wahrnehmung zugänglich sind.
[ 27 ] In this interim period between death and rebirth, the human soul lives in a purely spiritual world. There it is imbued with forces that can only be perceived through inspiration, just as here it is imbued, just as here the human being as an organism is imbued with physical forms and physical forces that are accessible to physical perception.
[ 28 ] Nun wird man vielleicht heute sogar schon auf einen ganz kräftigen Widerstand stoßen, wenn man davon spricht, dass der Mensch zwischen der Geburt und dem Tode von solchen Kräften entwickelt wird: Seelen, die aus der geistigen Welt herauskommen. Aber man wird nur deshalb auf kräftige Gegnerschaft stoßen, weil sich die heutige materialistische Gesinnung — auch derjenigen, die glauben, wissenschaftlich lange über den Materialismus hinaus zu sein —, weil sich die Wissenschaft dem Wahn hingibt, dass dasjenige, was sich in unserer Seele entwickelt, nur durch die physische Vererbung von den Vorfahren kommen könne, sich nur durch die Physis vererbe. Es wird die Zeit gar nicht mehr sehr ferne sein, sehr verehrte Anwesende, in der man naturwissenschaftlich durchschauen wird, wie groß der Wahn auf diesem Gebiete ist. Man wird studieren, wie Kinder aus derselben Ehe zwar einen gewissen Grundstock von Anlagen gleich haben, die beruhen auf der physischen Vererbung, wie aber diese Anlagen, diese Dispositionen, die auf der physischen Vererbung beruhen, gewisse Wege offenlassen.
[ 28 ] Nowadays, one might even encounter quite strong resistance when one speaks of human beings being developed between birth and death by such forces: souls that come out of the spiritual world. But one will only encounter strong opposition because of today's materialistic attitude — even among those who believe they have long since gone beyond materialism — because science indulges in the delusion that what develops in our soul can only come from our ancestors through physical inheritance, can only be inherited through the physical. The time is not far off, dear friends, when science will reveal how great the delusion in this area is. It will be studied how children from the same marriage do indeed have a certain basic set of predispositions in common, based on physical inheritance, but how these predispositions, these dispositions based on physical inheritance, leave certain paths open.
[ 29 ] Gottfried Keller sagt in einem kleinen netten Gedichte, dass er einen Schulkameraden gehabt hat; sie hatten beide die Eigentümlichkeit, als junge Knaben etwas in der Phantasie zu leben, die Dinge nicht bloß so zu nehmen, wie sie in der Wirklichkeit sind, sondern etwas in der Phantasie zu leben. Das war jene Eigentümlichkeit, die allerdings an die Besonderheit des physischen Leibes gebunden war. Aber Gottfried Keller betont in dem kleinen Gedicht: Der eine von den zweien, der nicht er war, sondern der andere, der eine von den zweien, der ist ein Dieb geworden, ein Schurke geworden, weil er die Wirklichkeit sich zurechtgelegt hat, in dem Sinne, dass er eben auf Abwege geraten ist. [Keller] aber ist der Dichter geworden — beide von denselben Anlagen ausgehend! Die Entwicklung hat die verschiedenen Wege genommen, indem sie die gleichen Anlagen nach verschiedenen Richtungen gebracht hat. So sehen wir aber auch, [Lücke] Gottfried Keller spricht da nicht von Brüdern, sondern von zwei Bekannten. Aber wir sehen auch an derlei Fällen, wie die gleichen Charakteranlagen nach den verschiedensten Wegen von den innersten Kräften der Seele geführt werden. Heute fangen die Naturwissenschaftler schon an, diese Dinge zu studieren; aber sie können sie noch nicht, zunächst nicht, in der richtigen Weise deuten, weil sie nichts wissen von den Kräften, die aus der übersinnlichen Welt hereinspielen, da sie sie gar nicht hereinlassen wollen. Eine gewisse Summe von bestimmt gerichteten Anlagen — das können wir heute bei Naturforschern finden, man findet das ja überall heutzutage auseinandergesetzt in Quellen — führt dazu, den einen Bruder zum Hochstapler zu machen, den anderen Bruder zum gediegenen Kaufmann zu machen, den dritten vielleicht zum Dichter zu machen.
[ 29 ] Gottfried Keller says in a nice little poem that he had a schoolmate; they both had the peculiarity as young boys of living somewhat in their imagination, not just taking things as they are in reality, but living somewhat in their imagination. That was the peculiarity that was, of course, linked to the particularity of the physical body. But Gottfried Keller emphasizes in the little poem: One of the two, not him, but the other, one of the two, became a thief, became a scoundrel, because he arranged reality for himself in the sense that he went astray. [Keller], however, became a poet — both starting from the same predispositions! Their development took different paths, leading the same predispositions in different directions. But we also see [gap] that Gottfried Keller is not talking about brothers, but about two acquaintances. But we also see in such cases how the same character predispositions are led in very different ways by the innermost forces of the soul. Today, natural scientists are already beginning to study these things; but they cannot yet, at least not initially, interpret them correctly, because they know nothing of the forces that come into play from the supersensible world, because they do not want to let them in. A certain sum of specific predispositions — which we can find today in natural scientists, and which can be found everywhere nowadays, discussed in various sources — leads to one brother becoming an impostor, another a respectable merchant, and a third perhaps a poet.
[ 30 ] Dasjenige, was aus der Vererbung kommt, ist immer, ich möchte sagen der gleiche Grundstock. Dasjenige aber, was sich dieses gleichen Grundstocks bedient, das wird anders /unleserliches Wort] durch dasjenige, was ich hier genannt habe die Kräfte der inspirierten Erkenntnis, die hinaufschauen auf dasjenige, was in den physischen Leib eintritt, und was aus der geistigen Welt kommt.
[ 30 ] What comes from heredity is always, I would say the same foundation. But what makes use of this same foundation is transformed by what I have called here the powers of inspired knowledge, which look up to what enters the physical body and what comes from the spiritual world.
[ 31 ] Nun habe ich das letzte Mal erwähnt, sehr verehrte Anwesende, wie sich Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, in dem Sinne, wie sie hier gemeint ist, durchaus nicht ablehnend verhält gegenüber dem, was als Vererbungskräfte, Vererbungsprinzipien, mit vollem Rechte von der naturwissenschaftlichen Forschung heute geltend gemacht wird. Wir blicken hin auf irgendeinen Nachkommen, auf die Ahnenreihe, und sehen wie rein naturwissenschaftlich die Eigenschaften, die beim Nachkommen sind, in der Ahnenreihe vorbereitet sind, und der Nachkomme in gewissem Sinne ein Ergebnis der Ahnenreihe ist. Aber ich habe schon das letzte Mal hier ausgeführt: Die geistige Welt, sie ist nicht irgendwo in einem Wolkenkuckucksheim, sie durchdringt die physische, so wie unsere Menschenseele zwischen Geburt und Tod unseren physischen Leib durchdringt, so wie die geistige Welt, in der wir zwischen dem Tod und Geburt [leben], die ganze physische Welt [durchdringt], und sie steht in Verbindung mit dem, was in der physischen Welt hier geschieht. Blicken wir nun hinauf zu der Ahnenreihe, wir können weit, weit hinaufblicken, wir werden sehen, dass in einer gewissen Weise sich zusammenfinden die Kräfte von einer gewissen Seite her, die zuletzt zu der Geburt eines Menschen führen. Und mit der Geburt eines Menschen kommen dann wie summiert die Kräfte der Ahnen zum Ausdruck. Aber indem diese Kräfte nach dem Menschen hingereicht werden, der geboren [werden] will, arbeitet in der ganzen Ahnenreihe, diese mit beherrschend, in ihren Taten mitherrschend, arbeitet dasjenige, was man durch die Inspiration erkennt. In der Tat, Jahrhunderte, bevor wir geboren werden, arbeitet unsere Seele, die eigene Geburt vorbereitend, an dem, was in der Ahnenreihe in den aufeinanderfolgenden Generationen als besondere Eigentümlichkeit sich entwickelt, das dann gipfelt in unseren [besonderen] Eigenschaften.
[ 31 ] Now, dear friends, last time I mentioned how Spiritual Science or anthroposophy, in the sense in which it is meant here, is by no means opposed to what is rightly claimed today by scientific research as hereditary forces and principles. We look at any descendant, at the ancestral line, and see how, in purely scientific terms, the characteristics of the descendant are prepared in the ancestral line, and the descendant is, in a sense, a result of the ancestral line. But I already explained last time: the spiritual world is not somewhere in a cloud cuckoo land; it permeates the physical world, just as our human soul permeates our physical body between birth and death, just as the spiritual world in which we live between death and birth penetrates the entire physical world, and it is connected with what happens here in the physical world. If we now look up to the ancestral line, we can look far, far up, and we will see that in a certain way the forces from a certain side come together, which ultimately lead to the birth of a human being. And with the birth of a human being, the forces of the ancestors come to expression as if summed up. But as these forces are extended to the human being who wants to be born, what can be recognized through inspiration works in the entire ancestral line, dominating it, ruling over it in its deeds. In fact, centuries before we are born, our soul, preparing for its own birth, works on what develops as a special characteristic in the ancestral line in successive generations, which then culminates in our [special] characteristics.
[ 32 ] Das ist der Vorgang, wie unser Inneres, unser Charakter, unser Temperament, /unleserliches Wort], wie dasjenige, was durch unseren physischen Leib zum Ausdruck kommt, durch uns selber vorbereitet wird. Die Vererbung ist richtig; aber die Vererbung wird bereitet durch dasjenige, was geistig ist. Wir richten die Vererbung selber, indem wir mit der geistigen Welt verbunden sind und mit dem Fortströmen der Generationen völlig verbunden sind zwischen dem Tod und erneuter Geburt, so wie wir hier im physischen Leib verbunden sind mit der Bewegung unserer Hände, mit dem Gehen unserer Füße.
[ 32 ] This is the process by which our inner being, our character, our temperament, /illegible word], like that which is expressed through our physical body, is prepared by ourselves. Heredity is correct; but heredity is prepared by that which is spiritual. We determine heredity ourselves by being connected to the spiritual world and being completely connected to the flow of generations between death and rebirth, just as we are connected here in the physical body to the movement of our hands and the walking of our feet.
[ 33 ] Allerdings durchmischt sich selbstverständlich dasjenige, was wir hier bewirken für die Vererbungsweise, mit anderen Einflüssen, die zu anderen Geburten, zu anderen Wesenheiten führen. Aber in dem Strom der Vererbung ist dasjenige, was wir ihm aus der geistigen Welt einimpfen, darinnen; deshalb bringt er uns unsere Eigenschaften.
[ 33 ] Of course, what we do here for the mode of inheritance is mixed with other influences that lead to other births, to other beings. But in the stream of inheritance is what we implant in it from the spiritual world; therefore, it brings us our characteristics.
[ 34 ] So sehen wir, wie diejenigen Kräfte aus der geistigen Welt einströmen und unsere Menschenseele fortleiten, indem sie diese Vererbungskräfte, die Wachstumskräfte benutzen, diejenigen Kräfte, die nun bewusst werden durch die inspirierte Erkenntnis. So sehen wir auf dem Grunde der Menschenseele zunächst diejenigen Kräfte, welche tätig sind zwischen dem Tod und der Geburt, während wir uns in der geistigen Welt entwickeln, [Lücke], in der geistigen Welt ebenso leben als in einer geistigen Tatsachenwelt, wie wir hier in der physischen Welt leben als in einer physischen Tatsachenwelt.
[ 34 ] Thus we see how those forces from the spiritual world flow in and carry our human soul along, using these hereditary forces, these forces of growth, those forces that now become conscious through inspired knowledge. Thus we see at the bottom of the human soul first of all those forces that are active between death and birth, while we develop in the spiritual world, [gap], living in the spiritual world just as we live here in the physical world as in a physical world of facts.
[ 35 ] [Darüber hinaus] aber nun gibt es noch eine Stufe zunächst der übersinnlichen Erkenntnis, die erreicht werden kann, die wiederum im Fortschreiten erreicht wird. Denn geradeso, wie ein willensartiges Element einströmt in unsere Imagination, wenn wir gründlich dazu vorbereitet sind, so kommt später ein wesenhaftes Element; und dieses wesenhafte Element, dieses individuelle Element, das macht uns erst vollständig bekannt mit den Individualitäten der geistigen Wesenheiten, die um uns sind, den Individualitäten der geistigen Wesenheiten, die niemals in einem physischen Menschenleib auf die Erde kommen, aber auch mit den individuellen Menschenseelen, die selber in der geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt leben. Mit ihnen vereint sich die Seele, wenn sie nunmehr den physischen Leib verlässt oder wenn sie zu dieser höheren Stufe durch übernatürliche Erkenntnis kommt.
[ 35 ] [Beyond this], however, there is still a stage of supersensible knowledge that can be attained, which in turn is attained through progress. For just as a volitional element flows into our imagination when we are thoroughly prepared for it, so later an essential element comes; and this essential element, this individual element, is what first makes us fully acquainted with the individualities of the spiritual beings around us, the individualities of the spiritual beings who never come to earth in a physical human body, but also with the individual human souls who themselves live in the spiritual world between death and new birth. The soul unites with them when it leaves the physical body or when it reaches this higher stage through supernatural knowledge.
[ 36 ] Intuition nenne ich nicht das, [was] wir im gewöhnlichen Leben [einen Einfall] nennen, [was] wir nur ein verwaschenes Wissen nennen, sondern gerade das Höchste Sich-Einleben in die geistige Welt, das Darinnen-Stehen so, dass Inspirationen nicht bloß wie äußere Standpunkte von geistigem Wissen sind, sondern dass die geistigen Wesen, ich kann jetzt nicht sagen leibhaft, sondern geisthaft in der geistigen, in der übersinnlichen Umwelt um uns sind.
[ 36 ] I do not call intuition what we call [an idea] in ordinary life, what we call only a vague knowledge, but rather the highest immersion in the spiritual world, being so immersed in it that inspirations are not merely external points of view of spiritual knowledge, but that spiritual beings are around us, not physically, but spiritually, in the spiritual, in the supersensible environment.
[ 37 ] Dann aber, wenn das eingetreten ist, sehr verehrte Anwesende, dann wirkt in unsere Erkenntnis herein nicht nur dasjenige, was die Inspirationskräfte erreicht, sondern dann wirkt in unsere Erkenntnis hinein dasjenige, was unbewusst immer in dem Menschenleben ist, was aber auf diese Weise ins Bewusstsein heraufgehoben wird. Es wirkt heute bewusst in das Menschenleben dasjenige, was herüberursacht aus dem früheren oder aus verschiedenen früheren Erdenleben. Denn unsere früheren Erdenleben, sie wirken durch die Kräfte in die folgenden Erdenleben hinüber, welche durch die Intuition in dem hier angedeuteten Sinne zu dem Bewusstsein zu Menschen gebracht werden können. Dann finden wir, wie in der Tat in uns etwas lebt, das uns zu dem, was wir unsere Schicksalserlebnisse nennen, hindrängt, und der eigentliche Motor liegt in den früheren Erdenleben. Es wirkt herüber, so wie die geistige Welt, die wir durchleben zwischen dem Tod und der Geburt, hereinwirkt, um unseren Charakter, unser Inneres der Seele so zu gestalten, dass wir eine fortschreitende Entwicklung durchmachen können zwischen der Geburt und dem Tode. So wirken die Kräfte früherer Erdenleben, die durch Intuition erkennbar sind, herein. Sie intuitieren unser gegenwärtiges Leben so, dass wir jenen Zug entwickeln, der uns zu dem einen oder zu dem anderen hindrängt.
[ 37 ] But then, when that has happened, dear friends, it is not only what reaches the powers of inspiration that influences our knowledge, but also what is always unconsciously present in human life, but which is brought up into consciousness in this way. What causes this is what comes over from previous or various previous earth lives. For our previous earth lives have an effect on subsequent earth lives through the forces that can be brought to human consciousness through intuition in the sense indicated here. Then we find that something indeed lives within us that drives us toward what we call our fateful experiences and the real driving force lies in our previous earthly lives. It carries over, just as the spiritual world we experience between death and birth carries over, to shape our character, our inner soul, so that we can undergo progressive development between birth and death. This is how the forces of previous earthly lives, which can be recognized through intuition, carry over. They intuit our present life in such a way that we develop the tendency that pushes us toward one thing or another.
[ 38 ] Das, was da hereinwirkt aus der früheren Inkarnation, aus dem früheren Erdenleben, das ist nicht eine Disposition — würde ich es Disposition nennen, so würde ich ein Wort gebrauchen, das man gewöhnlich eigentlich für das Gegenteil dessen gebraucht, um was es sich handelt —, dasjenige, was hereinwirkt, das erzeugt in uns Leerheit. Disposition ist ein Impuls, etwas Volles, das sich äußert. Dasjenige, was da herüberwirkt, das erzeugt Leerheit, gewissermaßen etwas, wodurch die Seele durch die Leerheit sich hineinsaugt in die Welt und hingetrieben wird zu demjenigen, was sie als Schicksal empfinder.
[ 38 ] What works in from the previous incarnation, from the previous earthly life, is not a disposition — if I were to call it a disposition, I would be using a word that is usually used for the opposite of what it is — what works in creates emptiness in us. Dis Disposition is an impulse, something full that expresses itself. What comes over from the past creates emptiness, something that causes the soul to be sucked into the world through this emptiness and driven toward what it perceives as fate.
[ 39 ] Geradeso wie meinetwillen ein Luftbläschen, das im Wasser drinnen ist, dadurch, dass es leichter ist als das umliegende Wasser, in höhere [Lücke] getrieben wird, so werden in uns — es ist ein grober, ein brutaler Vergleich aus dem früheren Erdenleben herein, gewissermaßen Seelenbläschen erzeugt, und diese Scelenbläschen üben die Anziehung zu dem oder jenem, dem wir uns nähern. Dadurch, dass ich diesen brutalen Vergleich mit den Seelenbläschen gebraucht habe, damit deute ich schon an, dass [das], was herüberwirkt aus vorhergehenden Erdenleben, dasjenige [ist], was eigentlich unsere Seele leer macht, unvollkommen macht. In der Tat ist dieses Herüberwirken eine Verunvollkommnung der Seele. Dadurch suchen wir die Schicksalsschläge.
[ 39 ] Just as, for my sake, an air bubble in water is driven to a higher [void] because it is lighter than the surrounding water, so in us — it is a crude, brutal comparison from our former earthly life — soul bubbles are created, and these soul bubbles exert an attraction to this or that, to which we draw closer. By using this brutal comparison with soul bubbles, I am already hinting that what carries over from previous earthly lives is what actually empties our soul, makes it imperfect. In fact, this carrying over is an imperfection of the soul. As a result, we seek out the blows of fate.
[ 40 ] Das alles wirkt für das gewöhnliche Leben unbewusst, aber die intuitive Erkenntnis macht es bewusst, zeigt uns wirklich, wie unsere Seelen-Kräfte herüberstreben aus dem früheren Erdenleben, die uns hintreiben zu dem und jenem, auszuhalten manche noch so schweren Schicksalsschläge. Man kann allerdings finden, dass eine solche Anschauung paradox ist.
[ 40 ] All this works unconsciously in ordinary life, but intuitive knowledge makes it conscious, really shows us how our soul forces strive over from our previous earthly lives, driving us to this or that, to endure some blows of fate, however heavy they may be. One may, however, find such a view paradoxical.
[ 41 ] Sie ist auch für die gewöhnliche physische Erkenntnis wahr. Allein, nähert man sich den geistigen Tatsachen, um die es sich hier handelt, durch das, was ich heute als intuitive Erkenntnis angedeutet habe, dann sieht man, dass die Seele, wenn auch unbewusst zunächst, zu keinem noch so herben Schicksalsschlag hingetrieben wird, ohne dass sie eine Leerheit in sich fühlt, welche ausgefüllt wird durch das Erlebnis mit diesen Schicksalsschlägen, sodass sie dadurch auf dem Weg zu einer gewissen Vervollkommnung, zu einer gewissen Erfüllung, zu einer gewissen Entwicklung getrieben wird. Selbst, wenn dieser Schicksalsschlag darin besteht, sehr verehrte Anwesende, dass wir auf tragische Weise durch irgendein elementares Ereignis in gesunder Jugend meinetwillen den Tod finden, so ist solch ein Schicksalsschlag intuiert aus früheren Erdenleben; man willensintuiert sich; sonst, wenn er das nicht ist, intuiert er in dem nächstfolgenden Erdenleben dasjenige, was von ihm verursacht werden kann. Und so sonderbar das sich ausnimmt, so muss man dennoch sagen: Dasjenige, was hier waltet in den Untergründen des Daseins im Geistigen, es ist weiser als das Urteil, das wir etwa fällen würden darüber. Denn wenn jemand — das zeigt sich gerade der intuitiven Erkenntnis —, wenn jemand in tragischer Weise durch den Tod geht dadurch, dass ihn eine Eisenbahn überfährt zum Beispiel, dann bedeutet dieser eine Moment des Übergangs vom physischen Leben zum geistigen Leben, dieser eine Moment bedeutet eine so intensive Erfahrung, die ja nicht gesucht werden darf, die vom Schicksal gebracht werden darf allein — nicht ist hier irgendwie das Wort geredet, dem Suchen geheimer Schicksalsfäden, das würde ganz verfälscht sein —, indem aber dieser Schicksalsschlag gebracht wird, so bedeutet dieses in einem momentanen Zusammenhangsein eines Erlebnisses, wie cs ist, den Leib zu verlieren auf diese Weise, bedeutet eine solche Bereicherung des Seelenlebens für die höheren Kräfte, wie wir sie vielleicht sonst nur holen könnten durch die langsamen Erlebnisse, die wir durch viele Jahre noch im Leben durchgemacht hätten, wenn wir fortgelebt hätten. Die Dinge nehmen sich eben in der wirklichen Welt ganz anders aus, als man sie in der sinnhaft vorliegenden Welt oftmals durch eigene Urteile glaubt erkennen zu können.
[ 41 ] It is also true for ordinary physical knowledge. However, approaching the spiritual facts at issue here through what I have indicated today as intuitive knowledge, one sees that the soul, even if initially unconsciously, is not driven to any stroke of fate, no matter how harsh, without feeling a void within itself that is filled by the experience of these strokes of fate, so that it is driven on the path to a certain perfection, to a certain fulfillment, to a certain development. Even if this stroke of fate consists, dear attendees, in our tragic death in the prime of youth due to some elemental event, such a stroke of fate is intuited from previous earthly lives; one intuits it willingly; otherwise, if this is not the case, one intuits in the next earthly life what can be caused by it. And as strange as it may seem, one must nevertheless say: what prevails here in the depths of spiritual existence is wiser than the judgment we might pass on it. For when someone — as intuitive knowledge shows — if someone dies tragically, for example, by being hit by a train, then this moment of transition from physical life to spiritual life, this one moment, means such an intense experience that it must not be sought, but must be brought about by fate alone — the word is not spoken here in any way, the search for secret threads of fate, that would be completely distorted — but when this stroke of fate is brought about, it means, in the momentary context of an experience such as losing one's body in this way, such an enrichment of the soul life for the higher forces, as we might otherwise only be able to obtain through the slow experiences we would have gone through over many years of life if we had continued to live. Things appear quite differently in the real world than we often believe we can recognize in the sensory world through our own judgments.
[ 42 ] Darum, sehr verehrte Anwesende, weil das Schicksal selber auf diese Weise verursacht wird, gewissermaßen intuiert wird auf unbewusste Weise, ist die intuitive Erkenntnis, die auf den Wogen des Schicksalslebens läuft, dem Schicksal selber verwandt.
[ 42 ] Therefore, dear attendees, because fate itself is caused in this way, intuited in a sense in an unconscious way, the intuitive knowledge that runs on the waves of the life of fate is related to fate itself.
[ 43 ] Und das nimmt sich allerdings für eine materialistische Lebensgesinnung recht paradox aus, dass nun wie ein äußerlich physisch Reales der Verlauf des Schicksals angesprochen wird! Allein, so wie man durch die imaginative Erkenntnis die übersinnlichen Bildekräfte eines Organismus schaut, den Ätherleib, wie man durch die inspirierten Erkenntnisse die geistigen Seelenkräfte schaut, die über das Leben hinausreichen [auf das, was] die Menschenseele durchlebt zwischen dem Tod und der Geburt, so durchschaut man mit demjenigen, was intuitive Erkenntnis ist, den Schicksalsstrom, der von einem Erdenleben in das andere hinüber sich ergießt. Und auf den Wogen dieses Schicksalsstromes schwebt, läuft dasjenige, was intuitive Erkenntnis ist.
[ 43 ] And it certainly seems quite paradoxical to a materialistic outlook on life that the course of fate is now addressed as something outwardly physical and real! However, just as one sees the supersensible formative forces of an organism, the etheric body, through imaginative knowledge, just as one sees the spiritual soul forces that extend beyond life through inspired knowledge [to what] the human soul experiences between death and birth, so too, through intuitive knowledge, one sees the stream of fate that flows from one earthly life to another. And on the waves of this stream of fate floats and runs that which is intuitive knowledge.
[ 44 ] Das kann allerdings nicht angegliedert werden an irgendetwas äußerlich Handfestes, möchte ich sagen, so wie die sinnlichen Erscheinungen sind — wird daher auch nicht so recht anerkannt —, aber es kann angegliedert werden an all dasjenige, was wir im innersten Seelen-Leben durchmachen, wenn wir mit intensiver und innerer Intuition, intensivem und innerem Bewusstsein das uns durchströmende Schicksal miterleben. Gerade das tiefere Einleben in das Schicksal, das rechte Miterleben des Schicksals, macht einen immer verwandter und bekannter mit dem, was die intuitive Erkenntnis als den besagten Schicksalsstrom ergibt.
[ 44 ] However, I would like to say that this cannot be attached to anything external and tangible, such as sensory phenomena — and is therefore not really recognized — but it can be connected to everything we experience in our innermost soul life when we witness the destiny flowing through us with intense and inner intuition, intense and inner consciousness. It is precisely this deeper immersion in destiny, this true experience of destiny, that makes us ever more familiar and acquainted with what intuitive knowledge reveals as the aforementioned stream of destiny.
[ 45 ] Und so, kann man sagen, rückt der Mensch auf zur vollen Erkenntnis seines Wesens, indem er sich bemächtigt der imaginativen, der inspirierten, der intuitiven Erkenntnis. So wird dasjenige zu einer realen Welt — was man sonst glaubt, dass es ganz irreal ist, dass es nur gewissermaßen in Normen besteht, in bloßen abstrakten Idealen besteht —, es wird dasjenige, was vom /unleserliche Wörter] strömen, was nur in Gedanken sonst erfasst werden kann, in Abstraktionen, das wird selber zum Lebensstrom, zum erkannten Schicksalsstrom. Und der Mensch lernt sein volles Ich nur dadurch erkennen, dass er es nicht bloß als gebunden an den physischen Leib erkennt, sondern gebunden auch erkennt an dasjenige, was zwischen Geburt und Tod verläuft, und dasjenige, was von einem Leben in das andere hinüberläuft als Schicksalsstrom.
[ 45 ] And so, one might say, human beings advance toward full knowledge of their being by taking hold of imaginative, inspired, intuitive knowledge. In this way, that which one otherwise believes to be completely unreal, that which exists only in norms, in mere abstract ideals, becomes a real world. it becomes that which flows from [illegible words], which can otherwise only be grasped in thoughts, in abstractions; it itself becomes the stream of life, the recognized stream of destiny. And human beings learn to recognize their full selves only by recognizing that they are not merely bound to the physical body, but also bound to that which passes between birth and death, and that which flows from one life to another as the stream of destiny.
[ 46 ] Daher ist das Aufrücken namentlich von der imaginativen Erkenntnis zu der inspirierten Erkenntnis immer verbunden mit einer außerordentlichen inneren Revolution des Seelenerlebens. Man muss Abschied nehmen sogleich von vielen seither lieb gewesenen Vorurteilen, von vielen lieb gewesenen Empfindungen und so weiter und so weiter. Es wird das Seelenleben dann, wenn bei einem Menschen inspirierte Erkenntnis eintritt, in andere Bahnen gelenkt, umfassender gemacht, weil einem die geistige Welt zu einer Wirklichkeit wird. Aber wie ein Schicksalsschlag selber nimmt es sich aus, wenn der Mensch eintritt in die intuitive Welt und dadurch die Verursachung im Schicksalsstrom kennenlernt.
[ 46 ] Therefore, the advancement from imaginative knowledge to inspired knowledge is always connected with an extraordinary inner revolution of soul experience. One must immediately say goodbye to many cherished prejudices, many cherished feelings, and so on and so forth. When inspired knowledge enters a person, the life of the soul is then directed into other channels and made more comprehensive, because the spiritual world becomes a reality. But it seems like a stroke of fate when a person enters the intuitive world and thereby learns about causation in the stream of fate.
[ 47 ] Die imaginative Erkenntnis, die stellt zunächst, ich möchte sagen noch die geringere Anforderung. Dasjenige, was man sich für die imaginative Erkenntnis erwerben muss, ist erstens ein triebsames, sich in der Wissenschaft verstehendes Denken. Denn das Denken muss immer gerade die imaginative Erkenntnis begleiten. Ein fortwährendes Urteilen — nicht sich [ein Leben lang durch] das Lebens führen lassen —, sondern ein fortwährendes Urteilen, ein viel feineres Urteilen, als es im früheren Leben notwendig ist, ist notwendig; dann aber ein Sich-Eingewöhnen an dasjenige, was man da fortwährend in der imaginativen Erkenntnis erfühlen muss, wenn so die Bildekräfte der Welt, die ätherischen Kräfte an einen herantreten. Man erlebt, wenn ich es so nennen darf, den fortwährenden Schlag, was einen in Erstaunen versetzt, und wir erleben dieses In-Erstaunen-versetzt-Sein aus dem Grunde, weil es eigentlich immer anders ist, als man es erwartet.
[ 47 ] Imaginative knowledge, I would say, is initially the lesser requirement. What one must acquire for imaginative knowledge is, first of all, an active mind that understands science. For thinking must always accompany imaginative knowledge. Continuous judgment — not letting oneself be led [through life] — but a continuous judgment, a much finer judgment than is necessary in earlier life, is necessary; but then one must become accustomed to what one must continually feel in imaginative knowledge when the formative forces of the world, the etheric forces, approach one. One experiences if I may call it that, the constant shock that astonishes you, and we experience this astonishment because it is actually always different from what you expect.
[ 48 ] Gerade dadurch zeigt sich, dass man in einer realen Welt ist. In einer Traumwelt erlebt man keine Überraschungen, man braucht sich nicht sozusagen abzuhärten gegen den Schrecken; aber man muss sich abhärten gegen Schrecken, wenn man sich in die wirkliche imaginative Welt einlebt, und man muss außerdem das entwickeln, was man nennen könnte «Geistesgegenwart». Denn die imaginative Erkenntnis tritt nicht an die Erkenntnis des Menschen so heran, dass sie sich bequem anschauen lässt längere Zeit, sondern wie ein Reflex, wie eine Reflexbewegung im äußeren physischen Leben.
[ 48 ] This is precisely what shows that one is in a real world. In a dream world, one experiences no surprises; one does not need to harden oneself against terror, so to speak. But one must harden oneself against terror when one enters the real imaginative world, and you also have to develop what you might call “presence of mind.” For imaginative knowledge does not approach human knowledge in such a way that it can be comfortably viewed for a long time, but rather like a reflex, like a reflex movement in external physical life.
[ 49 ] Eine Fliege setzt sich uns auf das Augenlid; wir machen das Augenlid zu; Schlag auf Schlag geschieht das Bewegen. So ist es auch bei der imaginativen Erkenntnis. Wir versuchen, die Geistesgegenwart zu entwickeln, die nötig ist, das aufzufassen, was uns im Bilde erscheint, sonst ist es im Moment schon fort. Außerdem ist notwendig bei dieser imaginativen Erkenntnis, dass wir hineintragen in unser inneres Seelenleben, das so in dieselbe imaginative Welt sich hineinfindet, dasjenige, was wir sonst im äußeren Leben haben in der moralischen Befangenheit. Im gewöhnlichen Denken gestatten wir uns dies oder jenes zu denken, denn da gilt es ja nur, Lügen zu widerlegen. Im äußeren Leben verbieten wir uns, dies oder jenes zu tun, wir untersagen [uns] das oder jenes. Wenn wir in die imaginative Welt eintreten, muss gewissermaßen innere Moralität uns ergreifen. Wir müssen nicht selber glauben an das: Da ist ein irrtümlicher Gedanke, der schadet nichts. Denn in der imaginativen Welt muss ein irrtümliches Denken von uns vermieden werden wie eine schlechte Handlung oder wie eine Lüge; wir müssen dasjenige, was sonst nur moralische Gefühle durchströmt, in das imaginative Erkennen hereintragen. Das sind die Erfordernisse des imaginativen Erkennens.
[ 49 ] A fly lands on our eyelid; we close our eyelid; the movement happens in quick succession. It is the same with imaginative knowledge. We try to develop the presence of mind necessary to grasp what appears to us in the image, otherwise it is already gone in an instant. In addition, it is necessary in this imaginative knowledge that we carry into our inner soul life, which thus finds its way into the same imaginative world, that which we otherwise have in our outer life in moral bias. In ordinary thinking, we allow ourselves to think this or that, because there it is only a matter of refuting lies. In outer life, we forbid ourselves to do this or that; we prohibit ourselves from doing this or that. When we enter the imaginative world, inner morality must, in a sense, take hold of us. We do not have to believe in this ourselves: there is an erroneous thought that does no harm. For in the imaginative world, we must avoid erroneous thinking as we would avoid a bad deed or a lie; we must bring into imaginative cognition that which otherwise only permeates moral feelings. These are the requirements of imaginative cognition.
[ 50 ] Die Erfordernisse des inspirierten Erkennens sind etwas höher. Sie sind /unleserliches Wort] darinnen angesprochen, dass man sagen muss: Weil man in einer ganz anderen Welt ist, sozusagen den physischen Leib ganz verlassen hat, fühlt man zunächst wie keinen Boden unter den Füßen. Man muss den Mut entwickeln, dasjenige, was wir von außen verloren hatten — die Anschauung der physischen Welt —, von innen aus zu erfassen. Und dies muss in einem noch höheren Grad der Fall sein bei der intuitiven Erkenntnis. Es nährt sich die [Intuition] durch die individuelle Erfahrung wirklicher Schicksalserlebnisse selber, Erlebnisse, die dasjenige, was wir bisher waren, vollständig verändern.
[ 50 ] The requirements of inspired cognition are somewhat higher. They are addressed in [illegible word] in that one must say: because one is in a completely different world, having, so to speak, completely left the physical body, one initially feels as if there is no ground beneath one's feet. One must develop the courage to grasp from within what we have lost from without — the perception of the physical world — from within. And this must be the case to an even greater degree with intuitive knowledge. [Intuition] is nourished by the individual experience of real fateful events, experiences that completely change what we have been up to now.
[ 51 ] Nun möchte ich zum Schluss noch etwas anführen, sehr verehrte Anwesende, welches Ihnen zeigen soll, wie Imagination, Inspiration, Intuition den Menschen nicht nur so, wie ich es andeutete — allerdings nur indem wie der Kopf [sich] über sich selbst aufklärt, sondern wie sie ihn auch einführt in den ganzen Entwicklungsgang der Welt. Ich erinnere da an etwas, was ich im vorigen Vortrag erwähnt habe.
[ 51 ] Now, to conclude, I would like to mention something, dear audience, which should show you how imagination, inspiration, and intuition not only affect people in the way I have indicated — that is, only in the way that the mind enlightens itself — but also how they introduce people to the entire course of the world's development. I recall something I mentioned in my previous lecture.
[ 52 ] Unsere äußere Naturwissenschaft, welche ihre Schlüsse zieht aus demjenigen, was in der physischen Welt um sie herum ist, unsere äußere Naturwissenschaft kommt dazu, die Erde mit dem ganzen Sonnensystem hervorgehen zu lassen — ich habe das, wie gesagt, das letzte Mal erwähnt — aus einem Gasball, der in rotierende Bewegung gekommen ist, und aus dem sich ausgegliedert hat die Sonne; aus der Rotation sind die Bewegungen der Sonne entstanden und so weiter. Ich habe das letzte Mal erwähnt, wie ein unbefangener Betrachter, Herman Grimm, über ein solch Entstehen desjenigen, was wir als Welt um uns herum haben und was uns als Welt durchdringt, wie er denkt darüber. Herman Grimm sagt:
[ 52 ] Our external natural science, which draws its conclusions from what is in the physical world around it, our external natural science comes to the conclusion that the earth and the entire solar system emerged — as I mentioned last time — from a ball of gas that began to rotate, and from which the sun separated; the sun's movements arose from the rotation, and so on. Last time, I mentioned how an unbiased observer, Herman Grimm, thinks about the emergence of what we have around us as the world and what permeates us as the world. Herman Grimm says:
[ 53 ] Ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund seine Runde macht, sei ein appetitlicheres Stück als dieses Schöpfungsexkrement, und eine folgende Zeit wird nachstudieren müssen, wie in unserer Zeit krankhafte Phantasie es dahin gebracht hat, aus der uns umgebenden physischen Welt heraus solche Schlüsse zu ziehen, welche die Erde mit den Menschen, mit allem Lebenden, was darauf ist, aus einem Gasballen als Gasball hervorgehen lässt.
[ 53 ] A carcass bone around which a hungry dog circles is a more appetizing piece than this excrement of creation, and a future time will have to study how, in our time, a morbid imagination has led us to draw such conclusions from the physical world around us, conclusions that make the earth, with all the living things on it, emerge from a ball of gas as a gas ball.
[ 54 ] Ich möchte die betreffende Stelle bei Herman Grimm heute nicht wieder vorlesen. Die verehrten Zuhörer, die das letzte Mal da waren, werden sich erinnern, wie hart das Urteil, das ein Unbefangener fällt, ist.
[ 54 ] I do not wish to read the relevant passage from Herman Grimm again today. Those of you who were here last time will remember how harsh the judgment of an impartial observer is.
[ 55 ] Nun kann dasjenige, was da eigentlich gesucht wird — frühere Zustände unserer Planeten-Entwicklung —, das kann nur auf dem Wege der übersinnlichen Erkenntnis gefunden werden.
[ 55 ] Now, what we are actually looking for — earlier stages of our planet's development — can only be found through supersensible knowledge.
[ 56 ] Dadurch, sehr verehrte Anwesende, dass der Mensch aufrückt zur imaginativen Erkenntnis, gelangt er in Zusammenhang — wie ich angedeutet habe — mit der ätherischen Welt, die um ihn herum ist. Innerhalb dieser ätherischen Welt tritt nun eine ganz besondere Erfahrung auf. Wie gesagt, ich erzähle heute die Erlebnisse, die der Geistesforscher macht; in meinen Büchern, die ich schon genannt habe, namentlich «Die Geheimwissenschaft», können Sie über diese Dinge Genaueres nachsehen. In dieser ätherischen Welt, dieser feineren Welt tritt eine ganz bestimmte Erfahrung auf.
[ 56 ] By advancing to imaginative knowledge, dear audience, human beings come into contact — as I have indicated — with the etheric world that surrounds them. Within this etheric world, a very special experience now occurs. As I said, today I am recounting the experiences of the spiritual researcher; you can find more details about these things in my books, which I have already mentioned, namely “The Secret Science.” In this etheric world, this finer world, a very specific experience occurs.
[ 57 ] Man schaut gerade so, wie man im einzelnen individuellen Menschenleben ein vorhergehendes Erlebnis, das man vor Jahren gehabt hat, in der Erinnerung wiederum aufleben lässt, wie man gewissermaßen drinnen steht in der Erinnerung, in dem, was man vor Jahren erlebt hat, so lebt man, wenn man übergeht in das Ätherische unseres Erdballes, nun nicht bloß in demjenigen Ätherischen drinnen, was jetzt noch da ist, sondern man lebt drinnen in etwas, was wie eine Erinnerung da ist, wie ein Nachbild desjenigen, was die Erde war, bevor sie Erde geworden ist. Sodass man dadurch erfährt, dass sich unsere Erde ebenso aus einem früheren Planetenleben herüberentwickelt hat, wie wir uns selbst in den wiederholten Erdenleben aus früheren Leben herüberentwickeln. Unsere Erde hat sich aus einem früheren Planetenleben herüberentwickelt, aber man macht die Erfahrung, dass dieser frühere Planetenzustand der Erde ein ganz anderer war, als unsere jetzige Erde ihn darstellt.
[ 57 ] One looks just as one does in one's individual human life when one recalls a previous experience that one had years ago, as if one were standing inside the memory, inside what one experienced years ago. so you live, when you pass into the etheric of our globe, not only in the etheric that is still there, but you live in something that is like a memory, like an afterimage of what the earth was before it became earth. So that you experience that our Earth has evolved from an earlier planetary life, just as we ourselves evolve in repeated Earth lives from earlier lives. Our Earth has evolved from an earlier planetary life, but one experiences that this earlier planetary state of the Earth was quite different from what our present Earth represents.
[ 58 ] Dasjenige, was in unserer jetzigen Erde das Mineralreich ist, war noch nicht verfestigt. In uns selber konnte daher dasjenige, was vom Mineralreich in uns als Erdenmensch ist, nicht sein. Der Mensch hat aber mitgemacht schon diesen vorhergehenden Planetenzustand unserer Erde. Die Erde kommt nicht aus einem Gasball, die Erde kommt aus einem anderen Wesen, dessen Wiederverkörperung sie ist. In diesem anderen Planetenzustand hat der Mensch dasjenige durchgemacht, was er nicht mineralisch durchmachen kann [wie] während der Erdentwicklung. Während der Erdentwicklung können sich durch die Eingliederung der physischen, mineralischen Materie seine Sinne ausbilden, so wie er sie jetzt hat. Die hatte er [nicht] auf jenem Planeten, der der Erde vorangegangen ist, sondern da entwickelte er sich in einer viel geistigeren Weise. Dadurch kommt Geisteswissenschaft zu einer wirklichen Evolutionslehre, zu demjenigen, wozu [Lücke]. Und er ist schon auf dem Wege der modernen Weltwahrnehmung, der auch nach und nach hineinfindet, wenn er auch aus dem bloßen physischen Beobachten herausgehen muss und dann einmünden muss in die Geisteswissenschaft, wenn er dahinkommen will. Der Mensch hat schon eine Art tierähnlichen Zustand durchgemacht in Vorzeiten, aber nicht auf der Erde, sondern in demjenigen herübergetragenen Körper, aus dem die Erde entwicklungsgeschichtlich sich als eine Stufe ergeben hat. Der Mensch hat daher die Tierheit nicht unter denselben Verhältnissen durchgemacht, wie die heutigen Tiere, die gewissermaßen eingelebt sind in diese erdenhafte Materie.
[ 58 ] What is now the mineral kingdom on our present Earth was not yet solidified. Therefore, what belongs to the mineral kingdom could not be within us as human beings on Earth. However, human beings already participated in this previous planetary state of our Earth. The Earth did not originate from a ball of gas; the Earth originated from another being, of which it is the reincarnation. In this other planetary state, human beings went through what they cannot go through in a mineral state [as] during the Earth's development. During the Earth's development, through the incorporation of physical, mineral matter, his senses can develop as he now has them. He did not have them on the planet that preceded the Earth, but there he developed in a much more spiritual way. This brings Spiritual Science to a real theory of evolution, to that which [gap]. And he is already on the path of modern world perception, which is also gradually finding its way in, even if he has to go beyond mere physical observation and then enter into Spiritual Science if he wants to get there. Human beings have already gone through a kind of animal-like state in ancient times, but not on Earth, but in the body carried over from which Earth developed as a stage in evolutionary history. Human beings have therefore not gone through animalhood under the same conditions as today's animals, which are, so to speak, accustomed to this earthly matter.
[ 59 ] Der Mensch hat durchgemacht während des letzteren Planetenlebens, eine Art instinktiven Lebens [Lücke] Aber die Instinkte waren bei ihm nicht die heutigen tierischen Instinkte, sondern die vergeistigten Instinkte, die er nun herübergebracht hat, die wieder erschienen sind auf der wiederverkörperten Erde, und die nun wohnen innerhalb seines physischen Leibes.
[ 59 ] During the latter planetary life, human beings went through a kind of instinctive life [gap] But their instincts were not the animal instincts of today, but spiritualized instincts, which they have now brought over, which have reappeared on the reincarnated Earth, and which now dwell within their physical bodies.
[ 60 ] Und nun könnten wir immer weiter und weiter zurückgehen, wenn eine noch frühere Erde verkörpert wird, [kann diese] durch die Inspiration, eine noch frühere durch die Intuition erkannt [werden]. Und so führt uns dasjenige, was uns zur Erkenntnis unseres eigenen Werdeganges und unseres eigenen Schicksals führt, das führt uns auch zur Erkenntnis der gesamten Weltentwicklung, und wir erkennen dann den Menschen im Verhältnis zu dieser ganzen Weltenentwicklung. Wir erkennen, wie er wirklich nicht nur in der physischen Vererbungsströmung lebt, sondern wie er aus dem ganzen Universum, aber geistig, herausgehoben ist. Dasjenige, was ich heute als wiederholtes Erdenleben charakterisiert habe, das trat erst ein auf unseren Erdplaneten und wird wieder verschwinden, wenn unser Erdenplanet in eine andere Verkörperung übergeht. Daher darf man nicht glauben, dass unsere wiederholten Erdenleben ewig sind. Aber warum das so ist, das kann erst in einem vielleicht künftig einmal stattfindenden Vortrag ausgeführt werden, kann aber in den genannten Büchern nachgesehen werden. Es führt also die übersinnliche Erkenntnis wirklich auch ein in die Erkenntnis des Verhältnisses des Menschen zu der Entwicklung der ganzen Welt.
[ 60 ] And now we could go further and further back, when an even earlier Earth is embodied, [it can be] recognized through inspiration, an even earlier one through intuition. And so what leads us to the knowledge of our own development and our own destiny also leads us to the knowledge of the entire development of the world, and we then recognize the human being in relation to this entire world development. We recognize how he truly lives not only in the physical stream of heredity, but how he is lifted out of the entire universe, but spiritually. What I have characterized today as repeated earthly life first occurred on our Earth planet and will disappear again when our Earth planet transitions into another embodiment. Therefore, one must not believe that our repeated earthly lives are eternal. But why this is so can only be explained in a lecture that may take place in the future, but can be looked up in the books mentioned. So, supersensible knowledge really does lead to an understanding of the relationship of the human being to the development of the whole world.
[ 61 ] Erst neulich hat wiederum ein Mann aus der Reihe derjenigen, die durchaus nicht zulassen wollen einen solchen Aufstieg von der gewöhnlichen Erkenntnis zu einer höheren Erkenntnis, erklärt, das alles sei ja doch subjektiv, das alles seien im Grunde genommen Phantasieprodukte, wenn man so zurückschaue auf frühere Verkörperungen unseres Erdenkörpers.
[ 61 ] Just recently, another man from the ranks of those who absolutely do not want to allow such an ascent from ordinary knowledge to higher knowledge declared that all this is subjective, that all this is basically a figment of the imagination when one looks back on earlier incarnations of our earthly body.
[ 62 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, man weiß eigentlich wirklich nicht, was Menschen, die so sprechen, eigentlich für ein merkwürdiges Gedankensystem haben, wie sie gar nicht in der Lage sind, einen Gedanken von dem einen Gebiet in das andere Gebiet hinüberzutragen. Der Mann, der so gesprochen hat, wird jederzeit zugestehen, dass es berechtigt ist, wenn wir in die Schichten unserer Erde hineinforschen und da die Schalen vorweltlicher Tiere finden, Überreste vorweltlicher physischer Tiere finden, uns aus dem, was sich da vor unseren Augen zeigt, gewisse Vorstellungen zu bilden über den Zustand, wie die Erde früher ausgesehen hat. Ist das nicht ein subjektiver Vorgang? Ist das nicht etwas, was wir uns rein innerlich aufbauen? Nur ein Intensiver-Machen, ein Realer-Machen, ist dasjenige, was nun fortschreitet zur imaginativen Erkenntnis. Wirklich wie eine Erinnerungsvorstellung steht im Innern, im Zusammenhang mit der äußeren Welt, dasjenige, [was man] vor sich hat, was ein früherer Zustand unserer Erde ist; und wenn man das durchaus als eine Phantasievorstellung charakterisieren will, muss man eben immer sagen bei solchen Leuten: Man begreift nicht, wie ihr Denken beschaffen ist, dass sie nicht von einem Gebiet in das andere den Gedanken hinübertragen können. Ist denn ein Erinnern etwas anderes als ein bloßes inneres, subjektives Erlebnis, und gibt es nicht [dennoch] ein Einheitliches dieser Realität, die dieses Erinnern als auf Früheres, [als] von ihr aus ausgehend, [zuerkennt]? Verlangt man denn etwa, dass der Geistesforscher dasjenige, was frühere, vergangene Zustände sind, auf dem Präsentierteller hertrage, damit es mit den Augen schaubar ist? Muss denn dasjenige, was der übersinnlichen Welt angehört, was nicht der unmittelbaren Gegenwart auch angehört, muss denn das nicht durch die Subjektivität steigen [um in dessen Seelengestalt geschaut werden zu können]?
[ 62 ] Well, dear audience, one really does not know what kind of strange system of thought people who speak like this actually have, how they are completely incapable of transferring a thought from one area to another. The man who spoke like this will always admit that it is justified for us to explore the layers of our earth and find the shells of prehistoric animals there, find the remains of prehistoric physical animals, form certain mental images from what we see before our eyes about what the earth used to look like. Is this not a subjective process? Is this not something we construct purely internally? Only an intensification, a making more real, is what now progresses to imaginative knowledge. Truly, like a memory image, there is something inside, in connection with the outer world, [what one] has before one, which is an earlier state of our Earth; and if one wants to characterize this as a fantasy, one must always say to such people: One does not understand how their thinking is constituted, that they cannot transfer their thoughts from one area to another. Is a memory something other than a mere inner, subjective experience, and is there not [nevertheless] a unity in this reality that recognizes this memory as something that originated in the past? Does one demand that the spiritual researcher present what are earlier, past states, on a silver platter so that it can be seen with the eyes? Must not that which belongs to the supersensible world, which does not belong to the immediate present, must not that rise through subjectivity [in order to be seen in its soul form]?
[ 63 ] Der Einwand, der gemacht wird gegen die Evolution, wie sie hier nur angedeutet worden ist für den vorhergehenden Zustand [der] Erde, der Einwand würde bei einem folgerichtigen Denken gerade so gemacht werden müssen gegen die Gültigkeit von Erinnerungsvorstellungen des gewöhnlichen individuellen, täglichen Erdenganges des Menschen. Aber die Menschen können sich eben schwer entschließen, dasjenige, was als Denken [im Sinne] eines bewegten Geistes [erlebt] wird, wirklich in das andere Gebiet hinüberzutragen.
[ 63 ] The objection raised against evolution, as it has only been hinted at here for the previous state of the earth, would, if one thinks logically, have to be made against the validity of memories of the ordinary individual, everyday earthly existence of human beings. But people find it difficult to decide to really transfer what is experienced as thinking [in the sense] of a moving spirit into the other realm.
[ 64 ] Und auf der anderen Seite sehen wir allerdings, wie heute sich überall die Sehnsüchte, die tiefen Sehnsüchte geltend machen, in die übersinnliche Welt etwas hineinzublicken, den Zusammenhang des Menschen mit der übersinnlichen Welt wirklich zu durchschauen.
[ 64 ] And on the other hand, we see how today, everywhere, there is a deep longing to look into the supersensible world, to truly understand the connection between human beings and the supersensible world.
[ 65 ] Nun möchte ich zum Schluss nur die eine Bemerkung noch machen, weil das gewöhnlich missverstanden wird. Geradeso wenig, sehr verehrte Anwesende, als jemand, um den «Faust» zu verstehen, den Goethe geschrieben hat, all die komplizierten, tiefgehenden Erlebnisse durchmachen muss, die Goethe durch sechzig Jahre selber durchgemacht hat, durchmachen musste, um den «Faust» zu schreiben, ebenso wenig braucht derjenige, der die Geisteswissenschaft annimmt, der [sich mit ihrem Inhalt bekannt macht], selber ein Geistesforscher zu sein, um dasjenige, worauf ich hingedeutet habe, zu finden. Um diejenigen Dinge aus der geistigen Welt herauszuholen, von denen heute gesprochen worden ist, muss man ein Geistesforscher sein; dann aber, wenn man in entwickelte Ideen und Begriffe dasjenige kleidet, was die Geistesforschung findet, dann können diese Begriffe und Ideen jedem Menschen, auch der kein Geistesforscher ist — obwohl heute, wie Herman Grimm zeigt, zu einem gewissen Grade jeder ein Geistesforscher werden kann —, diese können jedem Menschen verständlich sein. Und dann sind sie nicht nur ein Schlüssel [für] jeden Menschen, die geistige Welt zu verstehen, sondern die Begriffe aus der Hand des Geistesforschers [sind] zu nehmen und diese Begriffe [sind] anzuwenden auf dasjenige, was uns umgibt. Dann sind sie ein Schlüssel. Daher muss die geisteswissenschaftliche Literatur ganz anders noch angenommen werden als eine andere Literatur. Der Geistesforscher ist nicht dazu da, dem Menschen Ergebnisse zu liefern, wie es der Naturforscher [macht] über Dinge, die schon vorhanden sind, die man vorfand, die man übernehmen, beweisen kann, sondern der Geistesforscher ist dazu da, um das Instrument vorzubereiten, auf das, was selber ergriffen [werden kann], das muss aufgenommen werden von unseren Seelen.
[ 65 ] Now, in conclusion, I would just like to make one more comment, because this is usually misunderstood. Just as little, dear audience, as someone who wants to understand Goethe's Faust has to go through all the complicated, profound experiences which Goethe himself went through for sixty years in order to write Faust, does someone who accepts Spiritual Science, who [familiarizes themselves with its content], need to be a spiritual researcher themselves in order to find what I have pointed out. To extract those things from the spiritual world that have been spoken of today, one must be a spiritual scientist; but then, when one clothes what spiritual research finds in developed ideas and concepts, these concepts and ideas can be understood by everyone, even those who are not spiritual researchers — although today, as Herman Grimm shows, everyone can become a spiritual researcher to a certain extent. And then they are not only a key for everyone to understand the spiritual world, but the concepts from the spiritual researcher can be taken and applied to what surrounds us. Then they are a key. Therefore, literature from Spiritual Science must be accepted in a completely different way than other literature. The researcher in Spiritual Science is not there to provide people with results, as the natural scientist does about things that already exist, that one finds, that one can take over and prove, but the researcher in Spiritual Science is there to prepare the instrument for what can be grasped and must be taken in by our souls.
[ 66 ] Aber es wird nicht aufgenommen werden müssen als ein Totes, sondern als ein Lebendiges, und es wird daher dann in uns zum Schlüssel, um in die Geheimnisse der geistigen Welt einzudringen. Daher hat die geisteswissenschaftliche Literatur etwas Lebendiges, wenn sie eine richtige geisteswissenschaftliche Literatur ist; sie ergreift unsere Seele, sodass unsere Seele wach erlebt die in Begriffe und Ideen gekleideten Erlebnisse des Geistesforschers. Der Weg des Geistesforschers — obwohl im Anfange ist er ja ungefährlich und unschwer — der Mensch kann heute zum Geistesforscher werden. Viele gehen heute diesen Weg in einer durchaus modernen Weise —, aber spirituelle Schritte sind schwierig, und sind bis zu einem gewissen Grade durch äußerliches Entsagen und mit Schicksalserlebnissen, inneren Schicksalserlebnissen der Seele, verbunden, vor denen gar mancher zurückschrecken wird, die mancher nicht durchmachen kann, obwohl der ganze geisteswissenschaftliche Forschungsweg durchgemacht werden kann, ohne dass man sein gewöhnliches Berufsleben, sein äußeres Leben, sein äußeres Pflichtgefühl in irgendeiner Weise beeinträchtigt. Das geht fort; denn das geistige Leben ist nicht ein Leben neben der Sinneswelt, sondern ein Leben, das man [mit] der Sinneswelt, mit dem Sinnesleben weiter teilt. Dieses Missverständnis, das sollte nicht herrschen, dass jeder ein Geistesforscher werden müsse, der die Ergebnisse der Geistesforschung in sich aufnimmt. Derjenige, der nur unbefangen genug ist, der nur vorurteilsfrei genug ist, der hat in seiner Seele die Kräfte, das zu verstehen, was der Geistesforscher erforscht; und die Ideen, die Begriffe, die er übermittelt, selber als Schlüssel, als Instrument zu benutzen zum Eintreten in die geistige Welt.
[ 66 ] But it will not have to be taken in as something dead, but as something alive, and it will then become the key within us to penetrate the mysteries of the spiritual world. That is why Spiritual Science literature has something living about it, if it is true Spiritual Science literature; it seizes our soul so that our soul experiences awake the experiences of the spiritual researcher clothed in concepts and ideas. The path of the spiritual researcher — although it is safe and easy in the beginning — today, anyone can become a spiritual researcher. Many people today follow this path in a thoroughly modern way — but spiritual steps are difficult and, to a certain extent, involve external renunciation and experiences of fate, inner experiences of fate of the soul, which many will shy away from, which some cannot go through, although the entire path of Spiritual Science research can be followed without in any way impairing one's ordinary professional life, one's outer life, one's outer sense of duty. This continues, for spiritual life is not a life alongside the sensory world, but a life that one continues to share with the sensory world, with sensory life. This misunderstanding should not prevail, that everyone who takes in the results of spiritual research must become a spiritual researcher. Those who are sufficiently open-minded, who are sufficiently free of prejudice, have the powers in their souls to understand what the spiritual researcher investigates; and the ideas the concepts that they convey can be used as keys, as instruments for entering the spiritual world.
[ 67 ] Heute hat diese Geistesforschung noch sehr viele Gegner. Diese Gegner sind zumeist solche, die sie nicht in ihrer wahren Gestalt selber besprechen, sondern eine Karikatur, ein Zerrbild formen und dann dieses Zerrbild kritisieren. Ich habe das letzte Mal aufmerksam gemacht auf einen besonders krassen Fall, wo so etwas eingetreten ist. Allein auf der anderen Seite ist doch auch heute schon wahrzunehmen, wie gerade in ernsten Naturen die Sehnsüchte erwachen nach der Erkenntnis der geistigen Welt und wie es nicht nur bei einem vagen, bei einem unbestimmten, nebulösen Sehnen verbleibt, sondern wie man auch sich hingezogen fühlt zu einer wirklichen Erforschung der geistigen Welten.
[ 67 ] Today, this spiritual research still has many opponents. These opponents are mostly those who do not discuss it in its true form, but form a caricature, a distorted image, and then criticize this distorted image. Last time, I drew attention to a particularly egregious case where something like this occurred. On the other hand, however, it is already noticeable today how, especially in serious natures, a longing for knowledge of the spiritual world is awakening, and how this does not remain a vague, indefinite, nebulous longing, but how people also feel drawn to a real exploration of the spiritual worlds.
[ 68 ] In dem Augenblicke aber, wo man absehen wird davon, sich allerlei billige Zerrbilder zu machen, wie zum Beispiel: Geisteswissenschaft — oder Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist — ist doch nur ein Aufwärmen alter Mysterien, ist doch nur eine Art Grübeln und wie die Dinge alle heißen, die derjenige, der nicht ein bequemes Urteil bilden will, ja leicht sich bilden kann. Wenn man einmal einsehen wird, dass Geisteswissenschaft echte, wahre Fortsetzung desjenigen ist, was gerade die Naturwissenschaft heute für die äußere Welt zeigt, dann wird man sich dieser Geisteswissenschaft auch so gegenüberstellen, wie man sich den fruchtbaren, den so erfolgreichen Erfahrungen und Ergebnissen der Naturwissenschaft gegenüberstellt. Die Zeit wird aber in gar nicht zu ferner Zeit ja kommen, und man wird dann erkennen, dass die Wahrheit nicht nur dadurch errungen werden kann, dass man sich einer Außenwelt gegenüberstellt und aus ihr Begriffe und Ideen formt, sondern dass die Wahrheit, gerade die Wahrheit, die sich auf die innersten Angelegenheiten des Menschen bezieht, in einer viel lebensvolleren Weise errungen werden muss. Dasjenige, was auf die erstere Art errungen wird, bleibt doch im Grunde genommen totes Wissen. Aber was da Seele und Geist selber erkennen, dass dasjenige, was sonst totes Wissen ist, wenn Geisteswissenschaft heraus sich entwickelt aus diesem toten Wissen, wenn das Denken und das Fühlen, das Wollen emporgetragen werden aus dem, was es zunächst im gewöhnlichen Leben ist, von einem toten Wissen über eine Außenwelt zu einem lebendigen Erfassen der Wahrheit — weil ein Leben mit der Wahrheit dann über den Menschen aufklärt, sehr verehrte Anwesende — [bleibt dann] keine Wahrheit, die bloß von außen in einen eindringt. Über den Menschen aufklären, wird nur eine Wahrheit, die selber ein lebendiger Organismus ist, mit dem sich der Mensch verbindet, mit dem er durch seine eigenen Anstrengungen in die geistige Welt eintritt. Und immer und immer mehr werden die heute noch dunkel in den Seelen vorhandenen, aber deutlich wahrnehmbar vorhandenen Sehnsüchte nach der geistigen Welt die Menschen hinführen, nicht nur Wahrheit dogmatisch von außen so in sich einfließen lassen zu wollen, sondern die Wahrheit mit der innersten Seele voll zu ergreifen, um sie mit dem All der Wahrheit zu verbinden, und von dieser lebendigen Wahrheit die Antwort darauf zu bekommen, die jeder Mensch braucht, [um zu verstehen], was der Mensch eigentlich hier ist in der Welt und was der Sinn der Welt, jener Sinn der zu gleicher Zeit dieser Wahrheit und den Menschen darinnen dasjenige gibt, was des Menschen ureigenste, wahrste Wesenheit ist.
[ 68 ] But the moment one refrains from creating all kinds of cheap caricatures, such as: Spiritual Science — or anthroposophy, as it is meant here — is just a rehashing of old mysteries, is just a kind of brooding, and what all these things are called, those who do not want to form a comfortable judgment can easily form for themselves. Once people realize that Spiritual Science is a genuine, true continuation of what natural science today shows for the outer world, then one will also approach this Spiritual Science in the same way as one approaches the fruitful, successful experiences and results of natural science. But the time will come in the not too distant future when people will recognize that truth cannot be attained merely by confronting the external world and forming concepts and ideas from it, but that truth, especially truth relating to the innermost affairs of human beings, must be attained in a much more lively way. What is attained in the former way remains, in essence, dead knowledge. But what the soul and spirit themselves recognize, that what is otherwise dead knowledge, when Spiritual Science develops out of this dead knowledge, when thinking and feeling, willing are carried up from what it is in ordinary life, from dead knowledge about an external world to a living grasp of truth — because a life with truth then enlightens the human being, dear attendees — [then] there remains no truth that merely penetrates one from outside. Only a truth that is itself a living organism, with which the human being connects, with which he enters the spiritual world through his own efforts, can enlighten the human being. And more and more, the longings for the spiritual world that still exist darkly in the souls today, but are clearly perceptible, will lead people not only to want to let truth flow into themselves dogmatically from outside, but to grasp truth with their innermost soul in order to connect it with the whole of truth, and to receive from this living truth the answer that every human being needs [in order to understand] what human beings are actually here for in the world and what the meaning of the world is, that meaning which at the same time gives this truth and the human beings within it that which what is man's most original, truest essence.
