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Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a

25 October 1916, St. Gallen

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Anthroposophie und die Menschlichen Lebensrätsel

Anthroposophy and the Mysteries of Human Life

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Über ein Thema habe ich Ihnen heute Abend zu sprechen von einem Gesichtspunkte aus, welches in intensivster Weise jeden einzelnen Menschen berühren muss, und zwar von einem Gesichtspunkte aus, der allerdings in unserer Gegenwart noch in weitesten Kreisen nicht nur wohlwollende, sondern man kann sagen, schon recht übelwollende Gegnerschaft und Anfeindungen findet. Man kann sagen, dass diese Anfechtungen hauptsächlich davon herkommen, dass der Weg, den Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, zu den Rätseln des menschlichen Lebens einschlägt, heute allerdings noch vielen Menschen ein durchaus ungewohnter ist — allein nicht mehr ungewohnt für den, der tiefer blickt als neuere Denkweisen gegenüber den älteren zu aller Zeiten waren. Und auf der anderen Seite schreiben sich diese Gegnerschaften auch her vorzugsweise von der Tatsache, dass diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie geradezu auf den Punkt sich stellen muss, dass solche Fragen, wie diejenige ist, die wir heute besprechen wollen, die Frage nach dem ewigen Wesen desjenigen, was als Seele in uns lebt, nicht erforscht werden können mit den gewöhnlichen, für das alltägliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft mit Recht als tauglich anerkannten Fähigkeiten; sondern dass diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie appellieren muss zu solcher Erforschung an die Entwicklung wesentlich anderer Erkenntnisfähigkeiten, als diejenigen sind, die dem gewöhnlichen Leben seine Stärke und Kraft geben, und die auch in der gewöhnlichen Wissenschaft die tauglichen und anerkannten sind.

[ 1 ] Dear friends! Tonight I would like to speak to you about a topic from a perspective that must touch every single person in the most intense way, and from a perspective that, in our present day, still encounters not only benevolence but, one might say, quite hostile opposition and animosity in the widest circles. One could say that these challenges stem mainly from the fact that the path Spiritual Science or anthroposophy, as it is meant here, takes to the mysteries of human life is still quite unfamiliar to many people today — but no longer unfamiliar to those who look deeper than newer ways of thinking have always been compared to older ones. On the other hand, this opposition is also mainly due to the fact that this Spiritual Science or anthroposophy must make it clear that questions such as the one we want to discuss today, the question of the eternal nature of that what lives in us as the soul, cannot be explored with the ordinary abilities that are rightly recognized as suitable for everyday life and for ordinary science; but that this Spiritual Science or anthroposophy must appeal to the development of abilities of cognition that are essentially different from those that give ordinary life its strength and power, and which are also considered suitable and recognized in ordinary science.

[ 2 ] Wenn man aber den Menschen aufmerksam macht auf Erkenntnisse, die aus anderen Fähigkeiten heraus geschöpft werden müssen, so ist das zunächst einer Empfindung ausgesetzt, die es recht unbequem finder, solche Forschung anzuerkennen; denn, dass man das Auge durch allerlei Werkzeuge bewaffnet, um Dinge ausfindig zu machen, die das gewöhnliche Auge nicht finden kann, nicht sehen kann, darauf lässt man sich ja in unserer Zeit schon gerne ein; da hinein hat man sich gewöhnt. Dass aber gewisse Dinge nur erforscht werden können mit Mitteln, die aus den Tiefen der menschlichen Natur heraus entwickelte Fähigkeiten fordern, die in gewisser Weise erforderlich machen, dass der Mensch durch eine Art von Selbsterziehung und Selbstzucht zu diesen Fähigkeiten kommen soll, das lässt man sich heute in weitesten Kreisen, insbesondere auch in weitesten Gelehrtenkreisen, nicht gerne gefallen.

[ 2 ] However, when people are made aware of insights that must be drawn from other abilities, they initially feel quite uncomfortable acknowledging such research; for in our time, we readily accept that the eye is armed with all kinds of tools to find things that the ordinary eye cannot find or see; we have become accustomed to that. But the idea that certain things can only be researched with means that require abilities developed from the depths of human nature, which in a certain way require that people should acquire these abilities through a kind of self-education and self-discipline, is not readily accepted today in the widest circles, especially in the widest scholarly circles.

[ 3 ] Und so haben denn aus solchen Quellen stammende Gegnerschaften sich besonders ärgerlich gezeigt, seit die Tatsache zutage trat, dass schon immerhin in der Gegenwart eine so große Anzahl von Menschen für diese Geisteswissenschaft oder Anthroposophie sich interessiert, dass jener Bau in Dornach bei Basel hier auf Schweizer Boden aufgeführt werden kann, welcher der Pflege dieser Geisteswissenschaft dienen soll. Man hat gesehen, dass gerade dieses sichtbare Zeichen für Anthroposophie die Gegnerschaften erst recht aufgerührt hat.

[ 3 ] And so, opposition stemming from such sources has been particularly vehement since it became apparent that, even now, such a large number of people are interested in the Spiritual Science or anthroposophy that the building in Dornach near Basel, which is intended to serve the cultivation of this Spiritual Science, can be erected here on Swiss soil. It has been seen that it is precisely this visible sign of anthroposophy that has stirred up the opposition even more.

[ 4 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, ich habe schon in früheren Vorträgen in dieser Stadt sprechen dürfen über die besondere Art von Fähigkeiten, die in jeder Menschennatur verborgen liegen und aus ihr entwickelt werden können, an welche Art solcher Fähigkeiten Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, wie sie hier gemeint ist, appelliert. Ich habe in früheren Vorträgen auch einiges ausgeführt davon, wie der Mensch zu solchen Fähigkeiten kommt.

[ 4 ] Well, dear audience, in previous lectures in this city I have already had the opportunity to speak about the special kind of abilities that lie hidden in every human nature and can be developed from it, the kind of abilities that Spiritual Science or anthroposophy, as it is meant here, appeals to. In previous lectures I have also explained something about how human beings acquire such abilities.

[ 5 ] Um das jetzige Thema wenigstens einigermaßen skizzenhaft erschöpfen zu können, kann ich nicht in ausführlicher Weise gerade auf die Entwicklung dieser Fähigkeiten eingehen und früher Gesagtes, auch hier Gesagtes, wiederholen, sondern ich muss verweisen darauf, dass die genaue Schilderung, wie man zu solchen Fähigkeiten kommt, in meinen Büchern, zum Beispiel «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft im Umriss» oder in anderen Büchern angegeben sind. Nur gewissermaßen prinzipiell möchte ich einiges vorbringen über die besondere Art und Eigenschaft solcher Fähigkeiten, durch welche, neben anderen Tatsachen der geistigen Welten, das ewige Wesen der Menschenseele erforscht werden kann. Nur um zunächst vergleichsweise auf diese Fähigkeiten hinzuweisen, möchte ich eben zu einem Vergleich greifen, der im späteren Verlaufe des Vortrages sich schon als mehr herausstellen wird denn als ein Vergleich.

[ 5 ] In order to be able to cover the current topic at least to some extent, I cannot go into detail about the development of these abilities and repeat what I have said before, including what I have said here, but I must point out that the exact description of how to acquire such abilities can be found in my books, for example, “How to Know Higher Worlds” and in my “An Outline of Esoteric Science” or in other books. I would just like to say a few words in principle about the special nature and characteristics of such abilities, through which, among other facts of the spiritual worlds, the eternal nature of the human soul can be explored. Just to point out these abilities in a comparative way, I would like to resort to a comparison that will prove to be more than a comparison in the later course of the lecture.

[ 6 ] Wir durchleben, sehr verehrte Anwesende, im gewöhnlichen Leben zwei Zustände unseres Daseins, das wir im physischen Leibe zubringen. Und jeder kennt aus dem täglichen Leben nur allzu gut diese beiden Zustände — die Zustände des Schlafens, des Wachens. Nun will ich weniger auf den Zustand des Schlafes verweisen als auf denjenigen Zustand, der im Verlaufe des Schlafes eintreten kann und jedem auch gut bekannt ist: auf den Zustand des Träumens, auf jenen Zustand, in dem sich hereinstellt in das gewöhnliche Schlafen, chaotisch oftmals, mehr oder weniger geordnet auch erscheinende Bilder, die ablaufen, und an die man sich dann im Wachzustande mehr oder weniger erinnern kann.

[ 6 ] Ladies and gentlemen, in our ordinary lives we experience two states of existence, which we spend in our physical bodies. And everyone knows these two states all too well from daily life — the states of sleeping and waking. Now I want to refer less to the state of sleep than to the state that can occur during sleep and is also well known to everyone: the state of dreaming, that state in which images, often chaotic, but also appearing more or less orderly, arise in ordinary sleep, and which we can then remember more or less when we are awake.

[ 7 ] Diesen Zustand des Träumens stellen wir dem entgegen, welcher eintritt dadurch, dass wir erwachen und übertreten aus dem Zustand der Ruhe in den Zustand des gewöhnlichen Alltagslebens. Es würde nun sehr weit führen, in ausführlicherer Art zu beschreiben, was eigentlich geschieht, wenn der Mensch aus dem einen Zustand in den anderen übergeht; allein einiges wird genügen, was, ohne ausführlicher zu werden, gesagt werden kann.

[ 7 ] We contrast this state of dreaming with the one that occurs when we awaken and pass from the state of rest into the state of ordinary everyday life. It would take us too far afield to describe in detail what actually happens when a person passes from one state to the other; but a few words will suffice, without going into greater detail.

[ 8 ] Man braucht nur einige Selbstbesinnung zu haben, und ich möchte sagen: mit Ruhe sich zu dieser Selbstbeschauung zu entwickeln, so wird man bemerken, dass der wesentlichste Unterschied des Traumzustandes vom Erwachen, vom Wachzustande, darinnen besteht, dass wir während des Traumes gänzlich unwillkürlich, ohne Aufwendung unseres Willens, vor uns haben — obwohl dieser uns ja nicht unbestimmt sein mag —, vor uns haben den Bilderablauf. Wir können mit unserem Willen in diese Bilderwelt des Traumes nicht eingreifen.

[ 8 ] One need only engage in a little self-reflection, and I would say: calmly develop this self-contemplation, and one will notice that the most essential difference between the state of dreaming and waking, the waking state, is that during the dream we have before us, completely involuntarily, without exerting our will — although this may not be indefinite —, we have the sequence of images before us. We cannot intervene in this world of dream images with our will.

[ 9 ] Und diese Selbstbesinnung lehrt auch, dass im Augenblicke des Erwachens es ist, wie wenn der Traum aus den Tiefen unserer Seele [hervorquellen will] sich bemächtige der Fähigkeit des Bildervorstellens. Und im Wachzustande setzen wir eine Vorstellung, die ja auch Bild ist, an die andere Vorstellung an und wissen, dass wir das aus unserem, oftmals von der Aufmerksamkeit durchdrungenen Willen tun. Ja, man merkt bei eingehender Forschung, dass dieser Wille, der in Beziehung tritt zur Außenwelt, gerade die wesentliche Kraft ist, die unterscheidet den Traumzustand vom Wachzustand, dass im Träumen ausgeschlossen ist der Wille, der sich in Beziehung setzt bis in unsere Gliedmaßen und sonst mit dem Bilde der Außenwelt; sodass wir nicht wesenlose Bilder auf- und abwogen lassen, sondern Bilder ausgestalten, welche Wirklichkeit haben, wie äußere Wirklichkeit.

[ 9 ] And this self-reflection also teaches us that at the moment of awakening, it is as if the dream [wants to spring forth] from the depths of our soul and take hold of our ability to imagine mental images. And in the waking state, we attach one mental image, which is also an image, to another mental image, and we know that we do this out of our will, which is often permeated by attention. Yes, upon closer examination, we realize that this will, which enters into relationship with the outside world, is precisely the essential force that distinguishes the dream state from the waking state, that in dreaming the will is excluded, which enters into relationship with our limbs and otherwise with the image of the outside world; so that we do not allow insubstantial images to rise and fall, but rather form images which have reality, like external reality.

[ 10 ] Dies beruht darauf, dass, ich möchte sagen, mit dem Erwachen wie blitzartig einschlägt in den Ablauf unseres Vorstellens der Wille. Und auf diesem Einschlag des Willens beruht im Leiblichen — trotz alles Einwandes, der gemacht werden kann, und den ich sehr wohl, wenn die Zeit dazu da wäre, auch hier erwähnen könnte —, auf diesem Einschlag des Willen beruht der Unterschied des wachen Zustandes von dem Schlafzustand.

[ 10 ] This is based on the fact that, I would say, with awakening, the will strikes like lightning into the course of our mental images. And this impact of the will is the basis in the physical body—despite all the objections that can be made, and which I could very well mention here if there were time—this impact of the will is the basis for the difference between the waking state and the sleeping state.

[ 11 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, so wie man erwachen kann aus dem gewöhnlichen chaotischen oder auch symbolisch sich gestaltenden Traumleben zu dem gewöhnlichen Tages-Wachleben, so kann man zu einem höheren, zu einem geistigeren Erwachen, Wachzustande, kommen. Und dieses Erwachen zu einem höheren, geistigen Wachzustande, das führt nun zur Entfaltung derjenigen Kräfte, durch die man erforschen kann das ewige Wesen der Menschenseele und andere geistige Tatsachen.

[ 11 ] Now, dear friends, just as one can awaken from the ordinary chaotic or symbolically shaped dream life to the ordinary waking life of the day, so one can come to a higher, more spiritual awakening, state of wakefulness. And this awakening to a higher, spiritual state of wakefulness leads to the unfolding of those powers through which one can explore the eternal nature of the human soul and other spiritual realities.

[ 12 ] Von einem solchen Erwachen — also aus dem Tageserleben heraus zu einem höheren Erleben, wie ich es in meinem letzten Buche über das Menschenrätsel genannt habe: zu einem schauenden Bewusstsein — muss derjenige kommen, der wirklich in den geistigen Welten forschen will.

[ 12 ] Anyone who truly wants to explore the spiritual worlds must come to such an awakening — that is, from everyday experience to a higher experience, as I called it in my last book on the mystery of the human being: to a seeing consciousness.

[ 13 ] Nach diesem Vergleich möchte ich, um allmählich übergehen zu können zu der Schilderung dieses schauenden Bewusstseins, ein wenig charakterisieren, worauf eigentlich der gewöhnliche Wachzustand im Unterschiede von dem Traumzustand beruht. Dass darüber heute wissenschaftlich noch so wenig gesagt werden kann, beruht darauf, dass gerade die Wissenschaft von der unendlich interessanten Traumwelt noch außerhalb der Kreise der Geisteswissenschaft oder Anthroposophie wenig gepflegt worden ist. Ich erinnere nur an die interessante Schrift von Volkelt über «Die Traum-Phantasie»; es könnten auch andere aufgezählt werden. Zwar gibt es interessante Forschungen über die Traumwelt, allein zu jenen Ergebnissen, die ich hier anführen will, führt doch nur Geisteswissenschaft oder Anthroposophie — namentlich zu dem Verhältnis der Traumwelt zu dem gewöhnlichen Wachzustande. Was ist denn eigentlich geschehen mit uns, wenn wir versunken sind in den Schlaf und aus dem Schlafe aufsteigen die Träume?

[ 13 ] After this comparison, in order to gradually move on to the description of this seeing consciousness, I would like to characterize a little what actually distinguishes the ordinary waking state from the dream state. The fact that so little can be said about this scientifically today is due to the fact that the infinitely interesting world of dreams has been neglected outside the circles of Spiritual Science or anthroposophy. I need only recall Volkelt's interesting work on “Die Traum-Phantasie” (Dream Fantasy); others could also be mentioned. Although there is interesting research on the world of dreams, only Spiritual Science or anthroposophy leads to the results I want to mention here — namely, the relationship between the dream world and the ordinary waking state. What actually happens to us when we sink into sleep and dreams arise from sleep?

[ 14 ] Im gewöhnlichen Wachzustande, aus dem wir übergehen in den Schlafzustand, ist bekannt, wie unser Leben dieses gewöhnliche Menschenleben, das dem Erkennen und der Arbeit gewidmet ist abläuft seelisch im Vorstellen, im Denken; im Fühlen und im Wollen. Jeder Mensch weiß bei einiger Selbstbesinnung, wie sein Wachleben besteht in dem fortdauernden Auf- und Absteigen von Vorstellungen, die sich auf eine äußere Wirklichkeit beziehen, durch seinen Willen darauf bezogen sind; und er weiß, wie seine Handlungen aus Impulsen, die im Inneren entspringen, herausfließen.

[ 14 ] In the ordinary waking state, from which we transition into the state of sleep, it is well known how our life, this ordinary human life devoted to knowledge and work, proceeds spiritually in imagination, in thinking, in feeling, and in willing. With a little self-reflection, every human being knows how their waking life consists of the continuous ascent and descent of mental images that relate to an external reality and are related to it through their will; and they know how their actions flow from impulses that arise within.

[ 15 ] Wie entspringen unsere Handlungen, denen ja gerade unser Wille zugrunde liegt, wie entspringen sie aus unserem Innern heraus? Und darauf, dies einzuschen, kommt ja so manches an, aus dem Grunde, weil eigentlich eine Handlung verknüpft ist auch mit jedem Erkennen der äußeren Welt, mit jedem Wahrnehmen. Wenn wir durch unsere Augen irgendetwas [wahrnehmen], so ist nicht nur an diesem Wahrnehmen das Auge beteiligt, sondern — wie sich jeder leicht aus der Physiologie überzeugen kann — da sind Muskeln, denen solche Bewegungsimpulse zugrunde liegen, wie die [bei] äußeren Handlungen mitspielen. Und all das, was unserem Handeln, was eigentlich unserem ganzen Tagesleben zugrunde liegt, das zeigt sich durchdrungen — wiederum ergibt das eine genauere Selbstschau —, das zeigt sich durchdrungen von dem, was wir nennen können die Impulse der Sympathie und Antipathie. Alles im Grunde, was wir tun und erleben, steht unter dem Einflusse dessen, dass uns das eine sympathisch erscheint, und durch die Sympathie wir angetrieben werden, dies oder jenes zu tun — dass uns das andere antipathisch erscheint, und wir durch diese Antipathie veranlasst werden, dies oder jenes zu unterlassen.

[ 15 ] How do our actions, which are based on our will, arise from within us? And there are many things that depend on this, because an action is actually linked to every recognition of the external world, to every perception. When we perceive something through our eyes, it is not only the eye that is involved in this perception, but — as anyone can easily convince themselves from physiology — there are muscles that are based on such movement impulses, as play a role in external actions. And everything that underlies our actions, that actually underlies our entire daily life, is permeated — again, this results in a more accurate self-observation — it is permeated by what we can call the impulses of sympathy and antipathy. Basically, everything we do and experience is influenced by the fact that we find one thing sympathetic and are driven by sympathy to do this or that — that we find other things unsympathetic, and that this antipathy causes us to refrain from doing this or that.

[ 16 ] Sympathie und Antipathie breiten sich wirklich aus über unser ganzes waches Tagesleben. Und aus der Sympathie und Antipathie quellen heraus, getragen nun von der rechten Sympathie und Antipathie, die wir zusammenfassen unter dem moralischen Begriff des Gewissens, unsere Handlungen — so wie unser gewöhnliches Denken und Vorstellen im Wachzustande hervorquillt aus dem, was unsere Sinne wahrnehmen: Es steigen aus unserm Innern unsere Willensimpulse auf, aus Sympathie und Antipathie heraus. Es drängen sich in unser Inneres herein die Vorstellungen, die geboren werden aus unserem Wahrnehmen heraus.

[ 16 ] Sympathy and antipathy truly permeate our entire waking daily life. And from sympathy and antipathy spring forth, carried now by the right sympathy and antipathy, which we summarize under the moral concept of conscience, our actions — just as our ordinary thinking and mental images in the waking state spring forth from what our senses perceive: Our impulses of will arise from within us, out of sympathy and antipathy. The mental images that are born out of our perception push their way into our inner being.

[ 17 ] Wenn wir nun die Traumeswelt, diese ja für das äußere Tages- und Arbeitsleben wenig bedeutsame Traumwelt, aber für die Erkenntnis doch so manches Rätselhafte, unlösbar [Scheinende] des Traumes, durchforschen, so können wir uns dann die Frage beantworten — wenn diese Frage nur die rechten Wege geht —, können wir uns die Frage beantworten: Was geht eigentlich mit unserem Seelenleben vor, wenn geträumt wird?

[ 17 ] If we now explore the world of dreams, this dream world that is of little significance for our outer daily and working life, but which nevertheless holds so many mysterious, seemingly unsolvable riddles for our understanding, then we can answer the question — if this question takes the right path — we can answer the question: What actually happens to our soul life when we dream?

[ 18 ] Da zeigt sich, dass dasjenige, was sonst in unserem Wachleben verbunden ist durch innere Zusammenhänge — unsere Vorstellungen, unser Wollen und unser Fühlen —, wären sie auseinandergerissen, so würde unser Seelenleben gestört sein. Was da innig zusammenhängt, sehr verehrte Anwesende, das zeigt sich, wenn wir träumen, getrennt. Und man hat diese Trennung nur noch wenig bemerkt aus dem Grunde, weil man eben diese Dinge noch wenig durchprobt hat. Unser Vorstellen, unser Denken nimmt im Schlafe ganz andere Wege an als unsere Willens- und Gefühlsimpulse. Unser Vorstellen, unser Denken versenkt sich nämlich während des Schlafs in Wirklichkeit in unsere Sinnesorgane.

[ 18 ] It becomes apparent that what is otherwise connected in our waking life through inner connections — our mental images, our will, and our feelings — would be torn apart, and our soul life would be disturbed. What is intimately connected, dear audience, becomes apparent when we dream, separated. And we have noticed this separation only to a limited extent because we have not yet thoroughly explored these things. Our mental images, our thinking, takes a completely different path in sleep than our impulses of will and feeling. During sleep, our mental images, our thinking, actually sinks into our sensory organs.

[ 19 ] Es würde lange dauern, wenn ich die einzelnen interessanten Weg zeigen würde, durch die man exakt heute schon erkennen kann, dass während des Schlafes nur aus dem Versenktsein der Vorstellungs- und Denkwelt in die Welt, die sonst von den Sinnesorganen umflossen wird, die Traumesbilder aufsteigen. Und diese Traumesbilder haben einen ganz anderen Charakter als andere Traumesbilder, die auch aufsteigen, und die auf eine andere Art entstehen, die dadurch entstehen, dass sich unsere Willensimpulse, die durch Sympathie und Antipathie durchtränkt sind, dass sich diese ihrerseits versenken in unsern übrigen Organismus.

[ 19 ] It would take a long time to show the individual interesting paths through which we can already recognize today that dream images arise during sleep solely from the immersion of the world of mental images and thought into the world that is otherwise surrounded by the sensory organs. And these dream images have a completely different character than other dream images that also arise, and which arise in a different way, arising from the fact that our impulses of will, which are saturated with sympathy and antipathy, sink into the rest of our organism.

[ 20 ] So leben wir überhaupt im Schlafe so, dass hinunterzicht in unseren übrigen Organismus dasjenige, was sonst als Willensentfaltung im wachen Leben vorhanden ist, und dass sich gleichsam in die Sinne hineinschlägt, in die Sinneswelt hineintritt dasjenige, was Vorstellen und Denken ist. Daher kann man bei einer genaueren Durchforschung der Traumeswelt sehr wohl bemerken den Unterschied von zweierlei Traumeserlebnissen: solchen, die Bilder, Reminiszenzen an die Außenwelt, oder Umgestaltungen schwacher Sinneseindrücke, wie symbolisch vor unsere Seele hinstellen, wie zum Beispiel, wenn wir irgendeine Uhr ticken hören im leisen Schlafe, und der Traum uns das symbolisch umgestaltet dadurch, dass er uns Pferdegetrampel, das wir hören, vorzaubert. Auf dieser Seite liegt eine ganze große Art von Traumeserlebnissen.

[ 20 ] Thus, in sleep we live in such a way that what is otherwise present as the unfolding of the will in waking life sinks down into our remaining organism, and that what is a mental image and thinking enters, as it were, into the senses, into the sensory world. Therefore, upon closer examination of the dream world, one can clearly notice the difference between two kinds of dream experiences: those that present images, reminiscences of the outside world, or transformations of faint sensory impressions, symbolically before our soul, as for example when we hear a clock ticking in quiet sleep, and the dream symbolically transforms this by conjuring up the sound of horses' hooves for us to hear. On this side lies a whole large category of dream experiences.

[ 21 ] Auf der anderen Seite liegen diejenigen Traumeserlebnisse, die, wenn sie durchforscht werden, sich uns zeigen als symbolische Umgestaltungen unseres eigenen inneren Lebens, wie wenn wir zum Beispiel träumen in dem Symbol eines kochenden Ofens, wir wachen auf und unser Herz schlägt stärker, als es gewohnt ist, oder wir sind irgendwie in Hitze gekommen, und der Traum ist die Folge davon.

[ 21 ] On the other hand, there are those dream experiences which, when explored, reveal themselves to us as symbolic transformations of our own inner life, such as when we dream of a boiling stove, we wake up and our heart is beating faster than usual, or we have somehow become hot, and the dream is the result of this.

[ 22 ] Die eine Art der Träume rührt davon her, dass unser Vorstellen, unser Denken hinunterversenkt ist in dasjenige, was wir sonst als Sinneserlebnisse haben. Die andere Art von Träumen rührt davon her, dass unsere Willensimpulse untergetaucht sind in unseren übrigen Organismus. Wir holen also, indem wir aus dem Schlafe in den Wachzustand übergehen, unser Denken und Vorstellen aus unsern Sinnen zurück; und unser Wollen holen wir aus unserm übrigen Organismus zurück und vereinen das wieder. Und in dieser Verbindung des jetzt mehr im Organismus zentrierten Denkens, Fühlens und Wollens besteht unser alltägliches Seelenleben.

[ 22 ] One type of dream stems from the fact that our mental image, our thinking, is submerged in what what we otherwise have as sensory experiences. The other kind of dreams stems from our impulses of will being submerged in the rest of our organism. So, as we transition from sleep to wakefulness, we retrieve our thinking and mental images from our senses; and we retrieve our will from the rest of our organism and reunite it. And in this connection of what is now more in the organism , consists our everyday soul life.

[ 23 ] So wie wir aufrücken — und dasjenige, was ich gesagt habe, sollte nur zur Verdeutlichung dienen, nicht zu irgendetwas anderem — so wie wir aufrücken vom Schlafesleben durch das Erwachen zu dem gewöhnlichen Wachzustand, indem wir aus den Sinnen herausheben unser Vorstellen und Denken und aus unserem übrigen Organismus unser Wollen, so können wir etwas, was tiefer sitzt, als das gewöhnliche, alltägliche Vorstellen und Denken und als das unter dem Einflusse von Sympathie und Antipathie stehende Wollen, so können wir solch ein tiefer in uns Sitzendes wiederum aus uns herausholen aus dem gewöhnlichen Vorstellen und Denken wie wir es entwickeln, wenn wir zu den Dingen uns erheben und innerhalb ihrer arbeiten, und andererseits etwas herausholen, was tiefer in uns eintaucht in unserem alltäglichen, in Sympathie und Antipathie wurzelnden Wollen.

[ 23 ] Just as we move up — and what I have said should only serve to clarify, not for anything else — just as we advance from the life of sleep through awakening to the ordinary waking state, lifting our mental images and thinking out of the senses and our will out of the rest of our organism, so we can bring forth something that lies deeper than ordinary, everyday mental images and thinking and than the will that is under the influence of sympathy and antipathy, we can bring such a deeper part of ourselves out of the ordinary mental images and thinking as we develop it when we rise to things and work within them, and on the other hand bring out something that is deeper within us in our everyday will, rooted in sympathy and antipathy.

[ 24 ] Das Erstere erreicht man, indem man in der sogenannten Meditation — auf Ausdrücke kommt es nicht an — in der sogenannten Meditation das Denken in sich in einer ganz bestimmten Weise behandelt. Dadurch gelangt man nicht nur zu einem anderen Denken, sondern dadurch findet man den Übergang von dem gewöhnlichen Denken, das nur Bilder gibt von Dingen, zu einem lebendigen, realen Denken, das — wie wir sehen werden — uns wirklich in eine andere Welt hineinführt als diejenige ist, die uns während des wachen Lebens umgibt. Dabei muss das Denken und Vorstellen in einer gewissen Weise behandelt werden.

[ 24 ] The former is achieved by treating thinking in a very specific way in so-called meditation — the terms used are not important — in so-called meditation. This not only leads to a different way of thinking, but also to a transition from ordinary thinking, which only provides mental images of things, to a lively, real thinking that — as we shall see — truly leads us into a world other than the one that surrounds us during our waking life. In doing so, thinking and mental images must be treated in a certain way.

[ 25 ] Sie alle wissen, sehr verehrte Anwesende, dass das gewöhnliche Denken und Vorstellen sich dadurch für das Leben erhärtet und festigt, dass es gewisse Sinnesempfindungen, gewisse Wahrnehmungen immer wieder und wiederum wollentlich sich vorführt. Wir wissen, wie viel in Unterricht und Erziehung darauf beruht, dass wir in der rechten Weise das Denken schärfen an wiederholten Eindrücken, an wiederholtem Aufnehmen desjenigen — was so für das gewöhnliche Wachleben geschieht, das wird auf einer höheren Stufe ausgeführt für das Erwachen des schauenden Bewusstseins. Nur verfahren wir da mit dem Vorstellen, mit dem Denken selber so, wie wir, um zum Denken zu kommen, mit den Sinneserscheinungen, mit den Sinneswahrnehmungen verfahren. Und das geschieht dadurch, dass man, statt wie sonst im Leben, die Aufmerksamkeit auf Sinneswahrnehmungen zu richten, die Aufmerksamkeit richtet und immer wiederum von Neuem richtet auf einen gewissen Vorstellungsinhalt, den man besonders geeignet gefunden hat für sich, oder durch jemand, der in solchen Dingen Erfahrung hat, sich hat raten lassen — dass man auf einen gewissen Vorstellungsinhalt immer wieder zurückkommt.

[ 25 ] You all know, dear attendees, that ordinary thinking and mental images are reinforced and consolidated for life by repeatedly and deliberately presenting certain sensory impressions, certain perceptions. We know how much in teaching and education is based on sharpening our thinking in the right way through repeated impressions, through repeated absorption of what happens in ordinary waking life, which is carried out at a higher level for the awakening of contemplative consciousness. Only here we proceed with mental images, with thinking itself, in the same way as we do in order to arrive at thinking, with sensory phenomena, with sensory perceptions. And this happens by directing attention, instead of as usual in life, focusing one's attention on sensory perceptions, one focuses one's attention and repeatedly refocuses it on a certain content of imagination that one has found particularly suitable for oneself, or that one has been advised to use by someone who has experience in such matters — that one returns again and again to a certain content of imagination.

[ 26 ] Dieses Zurückkommen ist allerdings, sehr verehrte Anwesende, oftmals recht unbequem, denn dieses Zurückkommen nimmt allerdings nicht viel Zeit während des Tages in Anspruch, braucht nicht viel Zeit eines Tages in Anspruch zu nehmen, aber es muss immer wieder und wiederum wiederholt werden. Wenn immer wieder und wiederum derselbe bestimmte Vorstellungsinhalt, zu dem Tag für Tag in intensivem innerem Vorstellungsleben der Mensch zurückkehrt — das dauert oftmals jahrelang —, bis durch das Zurückkehren zu einem solchen Vorstellungsinhalt dieses Vorstellen, diese Denkkräfte so geschärft sind, dass wirklich das eintritt, was eintreten muss zur Geistesforschung.

[ 26 ] This returning, however, dear audience, is often quite inconvenient, because this returning does not take up much time during the day, does not need to take up much time in a day, but it must be repeated again and again. When the same specific content of imagination, to which the person returns day after day in an intense inner life of mental images — this often takes years — until, through returning to such a content of mental images, this imagining, these powers of thought are so sharpened that what must happen for spiritual research really does happen.

[ 27 ] Was aber dann eintritt, das ist, wie ich schon gesagt habe, dann nicht bloß eine höhere Ausbildung des Denkens, eine höhere Entwicklung des Denkens, sondern das wird eine völlige Umgestaltung des Denkens, wird etwas, dem gegenüber das gewöhnliche Denken, ich möchte sagen wie tot erscheint. Und es tritt etwas ein in der menschlichen Natur, von dem wir sagen können: Der Mensch fühlt sich jetzt innerlich durchdrungen von etwas als Ergebnis dieser seiner hier nur skizzenhaft beschriebenen Anstrengungen, der Mensch fühlt sich von etwas durchdrungen, was nun objektiv in ihm ist, nicht so subjektiv, wie das Denken, sondern was objektiv in ihm ist, so wie unser Auge objektiv in uns ist. Und wie unser Auge, unser leibliches Auge, uns ein sinnliches Wahrnehmen vermittelt, so vermittelt uns eine geistige Wahrnehmung dasjenige, was wir gewissermaßen losgelöst, herausgeholt haben durch immer wiederholte, meditative Anstrengungen aus unserem gewöhnlichen Denken; so erwecken wir aus diesem gewöhnlichen Denken das schauende Bewusstsein, wie wir das gewöhnliche denkende Bewusstsein aus der sinnlichen Wahrnehmung heraus erwerben, aus dem Sinnenleben heraus erwerben.

[ 27 ] But what then occurs, as I have already said, is not merely a higher training of the mind, a higher development of thinking, but a complete transformation of thinking, something in comparison to which ordinary thinking seems, I would say, dead. And something occurs in human nature of which we can say: as a result of these efforts, which I have only outlined here, the human being now feels inwardly permeated by something; the human being feels permeated by something that is now objectively within him, not as subjective as thinking, but something that is objectively within him, just as our eye is objectively within us. And just as our eye, our physical eye, gives us sensory perception, so spiritual perception gives us that which we have, as it were, detached through repeated, meditative efforts from our ordinary thinking; thus we awaken from this ordinary thinking the contemplative consciousness, just as we acquire ordinary thinking consciousness from sensory perception, from the life of the senses.

[ 28 ] Nun lernt man erkennen auf diese Weise, wie das Denken, so wie es in uns lebt, in der Tat so umgestaltet werden kann, wie das Traumleben umgestaltet wird zu dem [gewöhnlichen wachen Vorstellungsleben].

[ 28 ] In this way, we learn to recognize how thinking, as it lives within us, can indeed be transformed, just as dream life is transformed into [ordinary waking imagination].

[ 29 ] Menschen, die mit diesen Vorstellungen heute noch wenig bekannt sind, die werden begreiflicherweise finden, dass der Mensch, indem er von einem solchen Entwickeln des Vorstellungslebens spricht, in allerlei Selbsttäuschungen befangen sein kann, in Suggestionen befangen sein kann, dass er sich Selbsttäuschungen hingibt, vielleicht auch, dass dieses, was da als eine Entwicklung des Vorstellungslebens wie ein erwachtes Bewusstsein auftritt, bloß auf irgendwelchen Visionen oder Halluzinationen beruht. Ich sage: begreiflicherweise kann man zu solchen Gedanken kommen. Allein man zeigt eben dadurch, was ja heute noch natürlich ist, dass man all die Vorsichtsmaßregeln, von denen Sie lesen können in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» nicht kennt, welche der Geistesforscher sich selber vorschreibt, um zu einem solchen schauenden Bewusstsein vorzudringen, und die alle dahin gehen, dass jede Art von Suggestion, die da kommen kann, untersucht wird, damit sie ausgeschlossen werden kann. Ebenso wie jede Möglichkeit zu irgendetwas von einer Halluzination oder von einer Vision zu kommen, streng ausgeschlossen wird, weil man gerade die Wege kennt, die zu solchen Dingen führen können. Und die lernt man sehr gut kennen. Und man lernt diese Dinge sehr leicht vermeiden; denn der Weg, den ich hier skizzieren will, führt nicht in das Halluzinatorische, in das visionäre Leben hinein, sondern zur Entwicklung gerade derjenigen Kräfte, die geeignet sind, alles bloß Visionäre, alles Phantastische zu vertreiben. Gerade in der richtigen, positiven Weise, wie man gewissermaßen alle die Kräfte abbiegt, welche zu solchen Abwegen führen, zeigt das Charakteristische des geistesforscherischen Weges.

[ 29 ] People who are still unfamiliar with these ideas today will understandably find that, in speaking of such a development of the life of mental images, human beings can be caught up in all kinds of self-deception, can be caught up in suggestions, that they are indulging in self-deception, and perhaps also that what appears as a development of the life of imagination, like an awakened consciousness, is based merely on some kind of visions or hallucinations. I say: understandably, one can come to such thoughts. But this shows what is still natural today, that one does not know all the precautions that you can read about in my book “How to Gain Knowledge of the Higher Worlds,” which the spiritual researcher prescribes for himself in order to advance to such a seeing consciousness, and which all involve examining every kind of suggestion that may arise so that it can be ruled out. Likewise, every possibility of arriving at anything from a hallucination or a vision is strictly excluded, because one knows precisely the paths that can lead to such things. And one learns to know them very well. And one learns to avoid these things very easily; because the path I want to outline here does not lead into the hallucinatory, into the visionary life, but to the development of precisely those powers that are suitable for dispelling everything that is merely visionary, everything that is fantastical. It is precisely in the right, positive way, in which one, so to speak, deflects all the forces that lead to such aberrations, that the characteristic feature of the path of spiritual research is revealed.

[ 30 ] Nun könnte man ja auch vielleicht sagen: Ja, aber woher weiß denn der Geistesforscher, dass er, wenn sein [schauendes] Bewusstsein erwacht ist, nicht einfach darinnen eine besondere, vielleicht [höhere], aber nur besondere Ausbildung des gewöhnlichen Vorstellungslebens, das an das Gehirn gebunden ist, und durch das Gehirn als seinem Werkzeug sich im Alltag entwickelt —, dass er nicht etwas, was nur im [höheren] Sinne zwar ausgebildet ist, aber doch an das Gehirn gebunden ist, in sich entwickelt hat?

[ 30 ] Now one might also say: Yes, but how does the spiritual researcher know that when his [seeing] consciousness is awakened, he is not simply engaging in a special, perhaps [higher], but only special form of the ordinary life of imagination that is bound to the brain and develops in everyday life through the brain as its tool — that he has not developed within himself something that is only developed in the [higher] sense, but is still bound to the brain?

[ 31 ] Das weiß er dadurch, sehr verehrte Anwesende, dass er in dem Augenblicke, wo er wirklich zu der Bildung desjenigen, was ich objektives Vorstellungsorgan genannt habe, das sonst nicht da ist, und das nun als GeistigSeelisches in uns sitzt, wie sonst objektiv unser Auge in uns sitzt, dass er durch dieses Organ gleichzeitig beobachtet, beobachten kann wie die gewöhnlichen Gedanken, aus denen er erwacht ist, nebenher [entstehen], und wie diese gebunden sind an das Werkzeug des Gehirnes. Wenn man in einer Sache drinnen steht, kann man sie ja gar nicht durchschauen. Das beste Beispiel dafür ist unser Auge selbst. Das Auge sieht alles und kann anderes zur Beurteilung uns vermitteln; aber es sieht nicht sich selber. Ebenso kann das gewöhnliche Vorstellen, das an das Gehirn gebunden ist, solange es in sich selbst steht, nicht sich beurteilen. Aber es wird gerade in seiner Eigenart erkannt, und wird gerade in seiner Gebundenheit an das Gehirn in dem gewöhnlichen physischen Erdenleben von der Geburt bis zum Tode erkannt, wenn der Mensch dahin gelangt ist, dass er herausgetreten ist aus diesem gewöhnlichen Denken und dieses gewöhnliche Denken nunmehr von außen anschaut.

[ 31 ] He knows this, dear attendees, because at the moment when he truly awakens to the formation of what I have called the objective organ of imagination, which is not otherwise there, and which now resides in us as spiritual-soul, just as our eye otherwise resides objectively in us, that through this organ he simultaneously observes observe how the ordinary thoughts from which it arose [arise] alongside it, and how these are bound to the instrument of the brain. When one is inside a thing, one cannot see through it at all. The best example of this is our own eye. The eye sees everything and can convey other things to us for judgment; but it does not see itself. Similarly, ordinary mental images, which are bound to the brain, cannot judge itself as long as it remains within itself. But it is recognized precisely in its uniqueness, and it is recognized precisely in its connection to the brain in ordinary physical earthly life from birth to death, when the human being has reached the point where he has stepped out of this ordinary thinking and now views this ordinary thinking from the outside.

[ 32 ] In mehrfacher Hinsicht, sehr verehrte Anwesende, ist dasjenige, zu dem der Mensch auf diese Art gelangt, eine außerordentliche Erschütterung, ein tief in die Seele eingreifendes Erlebnis, ein Erlebnis, welches in zweifacher Weise seinen Träger erschüttern kann — erstens dadurch, dass, indem dieses schauende Bewusstsein wirklich auftritt, die Sinneswelt nicht mehr da ist, geradeso, wie der Traum nicht mehr da ist, wenn man erwacht ist; dadurch aber ist ja das alles während des schauenden Bewusstseins nicht unmittelbar um uns, was sonst in der Sinneswelt um uns ist; und man könnte sagen: es ist, wie wenn uns der Boden unter den Füßen entzogen würde und wir in der Luft schweben würden. Man muss sich an solche Erlebnisse erst gewöhnen, wenn uns die ganze sinnliche Welt wie erlischt und ein neues Organ in uns erwacht.

[ 32 ] In many respects, dear friends, what a person arrives at in this way is an extraordinary shock, an experience that deeply affects the soul, an experience that can shake its bearer in two ways — first, because when this seeing consciousness really occurs, the sensory world is no longer there, just as as the dream is no longer there when one awakens; but because, during the visionary consciousness, everything that is otherwise around us in the sensory world is not immediately around us; and one could say: it is as if the ground were taken away from under our feet and we were floating in the air. One must first become accustomed to such experiences, when the whole sensory world seems to disappear and a new organ awakens within us.

[ 33 ] Aber noch durch etwas anderes zeigt sich das Erlebnis als erschütternd; und das ist: durch dieses Erlebnis werden wir allerdings zum schauenden Bewusstsein geführt. Aber dieses schauende Bewusstsein, das wird ganz besonders, möchte ich sagen — und ich darf diesen Ausdruck im ganz eigentlichsten Sinne gebrauchen — in einer gewissen Art erschreckt, wenn dieses schauende Bewusstsein auf den Menschen selbst zurückblickt; und das erste Objekt, das diesem schauenden Bewusstsein gegeben wird, ist der Mensch selbst. Daher muss es auch so geschehen, dass derjenige, welcher aufmerksam gemacht wird im Sinne der erwähnten Bücher, auf diesem geistesforscherischen Weg nicht einseitig dazu geführt wird, dieses schauende Bewusstsein zu entwickeln, sondern dass andere Seelenerlebnisse, sogenannte Übungen, parallel gehen, welche das Schreckhafte, das eintreten würde dadurch, dass man sich nun selber beschaut von dem schauenden Bewusstsein aus, welches dieses Schreckhafte sogleich einem nimmt den Schrecken. Dieses schauende Bewusstsein ist zunächst ganz naturgemäß auf den Menschen selbst hingelenkt. Würde es aber auf den Menschen, so wie er ist in dem gewöhnlichen wachen Bewusstsein, einfach hingelenkt werden, dann würde etwas entstehen für dieses schauende Bewusstsein, das sich vergleichen lässt wie mit einer Blendung, einer Blendung, die diesem schauenden Bewusstsein geistig Schmerz bereiten würde.

[ 33 ] But there is something else that makes the experience so unsettling, and that is: through this experience we are indeed led to a seeing consciousness. But this seeing consciousness, I would say, becomes particularly — and I may use this expression in the truest sense — frightening in a certain way when this seeing consciousness looks back on the human being itself; and the first object given to this seeing consciousness is the human being himself. Therefore, it must also be the case that those who are made aware in the sense of the books mentioned are not led in a one-sided way on this spiritual research path to develop this seeing consciousness, but that other soul experiences, so-called exercises, go parallel, which take away the frightening aspect that would arise from now looking at oneself from the perspective of the observing consciousness, which immediately takes away the fear of this frightening aspect. This observing consciousness is initially directed quite naturally toward the human being himself. But if it were simply directed toward the human being as he is in ordinary waking consciousness, then something would arise for this observing consciousness that could be compared to a glare, a glare that would cause spiritual pain to this observing consciousness.

[ 34 ] Warum dieses? Aus dem Grunde, sehr verehrte Anwesende, weil ein blendender Eindruck, ein überglänzender Eindruck für dieses schauende Bewusstsein diejenigen Impulse in unserem gewöhnlichen Menschenleben sind, die so, wie sie sein müssen in diesem gewöhnlichen Menschenleben, aus Sympathien und Antipathien, die uns in das Leben hineinstellen, entspringen. Der Hinblick des schauenden Bewusstseins auf diese gewöhnlichen Sympathien und Antipathien gestaltete sich so, wenn dem nicht vorgesorgt wäre, wie wenn das Auge unmittelbar der blendenden Sonne ausgesetzt würde. Daher müssen gewisse Übungen parallel gehen den anderen, welche das schauende Bewusstsein erwecken. Und diese Übungen bestehen darinnen, dass der Mensch in die Lage versetzt wird, in dem Momente, wo er das schauende Bewusstsein entfaltet, abdämpfen zu können alles dasjenige, was im gewöhnlichen Leben in den auf- und abwogenden Sympathien und Antipathien lebt. Wie es bei der Entwicklung des Vorstellens oder Denkens darauf ankommt, dass wir möglichst intensiv die Denk- oder Vorstellungskraft gestalten und dadurch sie herausholen aus dem gewöhnlichen Denken, sie aufweckend machen aus dem gewöhnlichen Denken, handelt es sich auf der andern Seite darum, dass wir solche Seelenübungen, die wiederum in den genannten Büchern im Einzelnen beschrieben sind, machen, welche in keiner Weise für das gewöhnliche Leben [störend sind]. Das wäre von großem Übel, denn dadurch würden ins Leben hineingestellt statt Geistesforschern allerlei im Leben unbrauchbare Menschen; im Leben brauchen wir unsere Sympathien und Antipathien. Menschen, welche zu Fischnaturen gemacht würden dadurch, dass ihnen die Sympathien und Antipathien im gewöhnlichen Leben ausgetrieben würden, und sie wie so rechte Fischnaturen nur durch das Leben gehen wollten, die wären nicht die rechten Geistesforscher —, also nicht zu einem im Unwillkürlichen lebenden Abdämpfen der Sympathie und Antipathie darf es kommen, sondern dazu, dass der Mensch für gewisse Momente, wo er in die geistige Welt hineinblicken will, in die Lage sich versetzen kann, das ganze Sympathieund Antipathieleben abzudämpfen, es zum Stillstand zu bringen, sodass dasjenige, was sonst als Wille im Leben immer dahinschießt auf den Wellen der Sympathie und der Antipathie, dass das ganz und gar herausgerissen, herausgelöst wird aus den Sympathien und Antipathien.

[ 34 ] Why is this so? For the reason, dear attendees, that a dazzling impression, an overpowering impression for this observing consciousness, are those impulses in our ordinary human life which, as they must be in this ordinary human life, spring from sympathies and antipathies that place us in life. The view of the observing consciousness on these ordinary sympathies and antipathies would be like exposing the eye directly to the dazzling sun, if precautions were not taken. Therefore, certain exercises must go hand in hand with others that awaken the seeing consciousness. And these exercises consist in enabling the human being, at the moment when he unfolds the seeing consciousness, to dampen all that that lives in ordinary life in the ebbing and flowing sympathies and antipathies. Just as it is important in the development of mental images or thinking that we shape the power of thought or mental images as intensely as possible and thereby draw it out of ordinary thinking, awakening it from ordinary thinking, on the other hand, it is important that we do the soul exercises described in detail in the books mentioned, which are in no way . That would be very bad, because it would result in all kinds of people who are useless in life being placed in life instead of spiritual researchers; in life we need our sympathies and antipathies. People who would be turned into fish-like creatures by having their sympathies and antipathies driven out of them in ordinary life, and who, like real fish-like creatures, would only want to go through life, would not be true spiritual researchers — so there must be no involuntary dampening of sympathy and antipathy in life, but rather, for certain moments when they want to look into the spiritual world, people must be able to put themselves in a position to dampen the whole life of sympathy and antipathy, to bring it to a standstill, so that what otherwise rushes through life as will on the waves of sympathy and antipathy is completely torn out, detached from sympathies and antipathies.

[ 35 ] Und wie auf die vorhin beschriebene Weise durch die Meditation herausgeholt wird, zum Erwachen gebracht wird das Vorstellungs- und Denkleben, so wird in einer neuen Weise vor dieses schauende Bewusstsein hingestellt dasjenige, was sonst im Wollen lebt, aber eingeschlossen ist in das Sympathie- und Antipathieleben, welches sich nur durch unseren leiblichen Organismus entwickeln kann. Von diesem leiblichen Organismus reißen wir jetzt aber los dasjenige, was sonst in unseren Willensimpulsen lebt.

[ 35 ] And just as the life of mental images and thought is brought out and awakened through meditation in the manner described above, so in a new way, that which otherwise lives in the will but is enclosed in the life of sympathy and antipathy, which can only develop through our physical organism, is placed before this observing consciousness. But now we tear away from this physical organism that which otherwise lives in our impulses of will.

[ 36 ] Dann haben wir zunächst eine besondere Art von Selbsterkenntnis des Menschen. Dasjenige, was nun in wirklichem Sinne, um diesen Goethe’schen Ausdruck zu gebrauchen, ein «geistiges Auge» genannt werden kann, das schauende Bewusstsein, das kann sich hinrichten auf dasjenige, was aus den Sympathien und Antipathien, und dadurch aus dem Leibesleben herausgerissen ist, herausgelöst ist. Und geboren ist im Menschen nun nicht bloß die abstrakte Idee eines höheren Menschen, nicht bloß das abstrakte Ideal eines geistigen Menschen im Menschen, sondern ein realer geistiger Mensch mit wirklichen geistigen Sinnesorganen, dem eine neue Welt gegeben ist; und wodurch [ist] eine neue Welt gegeben? Dasjenige, was nun eintritt dadurch, dass der Mensch als Geistesforscher solche Entwicklung, wie ich sie beschrieben habe, durchmacht, das lässt sich in folgender Weise etwa durch einen Vergleich veranschaulichen.

[ 36 ] Then we have, first of all, a special kind of self-knowledge of the human being. That which can now, in the true sense, to use Goethe's expression, be called a “spiritual eye,” the seeing consciousness, can focus on that which has been torn away from sympathies and antipathies, and thus torn out of, detached from, physical life. And what is born in human beings is not merely the abstract idea of a higher human being, not merely the abstract ideal of a spiritual human being within human beings, but a real spiritual human being with real spiritual sense organs, to whom a new world is given; and through what is a new world given? What now occurs as a result of the human being undergoing the development I have described as a spiritual researcher can be illustrated in the following way by means of a comparison.

[ 37 ] Sehen Sie, sehr verehrte Anwesende, wir können im Leben gehen von einem Orte zum andern; wir strengen unsere Muskelkräfte an, wir bahnen uns unseren Weg dadurch, dass wir unsere Augen links und rechts und nach vorwärts richten, um die entsprechende Orientierung zu haben, und so weiter, kurz dasjenige, was uns Schritt für Schritt vorwärtsbringt, das hängt zusammen mit unserem unmittelbaren Organismus. Wir können aber auch uns in eine Kutsche setzen und fahren; dann ruht unser gewöhnlicher Organismus, und wir kommen doch vorwärts, wir legen doch unsern Weg zurück. Und indem wir vielleicht die Kutsche selber lenken, orientieren wir uns in einer ganz anderen Weise, als wir uns sonst orientiert hätten, indem wir zu der uns sonst notwendigen Tätigkeit noch eine andere hinzufügen.

[ 37 ] You see, dear audience, we can go from one place to another in life; we exert our muscular strength, we make our way by directing our eyes to the left and right and forward in order to have the appropriate orientation, and so on. In short, what brings us forward step by step is connected with our immediate organism. But we can also sit in a carriage and ride; then our ordinary organism rests, and yet we move forward, we still cover our distance. And by perhaps steering the carriage ourselves, we orient ourselves in a completely different way than we would otherwise have done, by adding another activity to the one we would otherwise have needed to do.

[ 38 ] Wir haben nun, indem wir solche geistigen Kräfte in uns entwickeln, wie die geschilderten, in der Tat uns geistig etwas anerschaffen, welches sich vergleichen lässt mit einem Wagen, in dem wir fahren. Unser gewöhnliches Denken ist in sich selber beschlossen, wie wir in dem Wagen drinnen sitzen, so haben wir unser gewöhnliches Denken: aber dieses Denken ist am Schlusse völlig erschüttert [von dem, was] das schauende Bewusstsein entfaltet. Und unser gewöhnliches Willensleben, das wir sonst im Leben entfalten in Sympathie und Antipathie, das pulsiert weiter fort, wie uns der Wagen weiterträgt, ohne dass wir unsere Füße anstrengen.

[ 38 ] By developing such spiritual powers within ourselves as those described, we have in fact created something spiritual that can be compared to a carriage in which we ride. Our ordinary thinking is contained within itself, just as we sit inside the carriage, so we have our ordinary thinking: but this thinking is ultimately completely shaken [by that what] the contemplative consciousness unfolds. And our ordinary life of will, which we otherwise develop in life in sympathy and antipathy, continues to pulsate as the car carries us along without us straining our feet.

[ 39 ] Wir haben einen zweiten Menschen, der uns nun durch die Welt trägt. Und innerhalb dieses zweiten Menschen ist der erste geblieben. Es entwickelt sich das Denken, das Wollen, aber so, dass [es] in einer gewissen Weise in sich selber zur Ruhe gekommen ist, wie der Mensch innerhalb des Wagens, in dem er fährt.

[ 39 ] We have a second person who now carries us through the world. And within this second person, the first has remained. Thinking and willing develop, but in such a way that [they] have, in a certain sense, come to rest within themselves, like the person inside the car in which he is traveling.

[ 40 ] Das Wesentliche nun, worauf es ankommt für unser heutiges Thema, ist dieses, dass, indem der Wille losgerissen wird, losgelöst wird von dem Strömen auf den Wellen von Sympathie und Antipathie, da zeigt sich dieser Wille nicht als eine abstrakte Erscheinung, wenn er wirklich losgelöst wird und beobachtet wird von dem schauenden Bewusstsein, dann, sehr verehrte Anwesende, dann zeigt sich dieser Wille so, dass er uns eingegliedert zeigt in eine wirkliche geistige Welt, mit der unser Leib verbunden ist in irgendeiner bestimmten Weise.

[ 40 ] The essential point for our topic today is this: when the will is torn away, detached from the flow of sympathy and antipathy, this will does not appear as an abstract phenomenon, when it is truly detached and observed by the observing consciousness, then, dear attendees, this will reveals itself in such a way that it shows us integrated into a real spiritual world with which our body is connected in some specific way.

[ 41 ] Ich möchte hier wiederum, weil man ja solche Vorstellungen, die heute noch ungewohnt sind, nur vergleichsweise klarmachen kann, ich möchte hier wiederum einen Vergleich gebrauchen, um ganz anschaulich zu machen dasjenige, was ich zu sagen habe.

[ 41 ] I would like to use a comparison here again, because such mental images, which are still unfamiliar today, can only be made clear by comparison. I would like to use a comparison here again to illustrate what I have to say.

[ 42 ] Wir leben im gewöhnlichen Leben in einem Rhythmus von Schlafen und Wachen darinnen eben. Dieser Rhythmus ist auch ein Rhythmus der äußeren physischen Welt. Es würde zu weit führen, zu zeigen, wie wirklich ein Zusammenhang ist zwischen unserem inneren Rhythmus von Schlafen und Wachen, wie dieser nachbildet eine innere Verwandtschaft unseres Organismus mit den Kräften der Welt, welche Tag und Nacht verursachen, wie dieser innere Rhythmus von Schlafen und Wachen wirklich zusammenhängt mit dem Wechsel in der großen kosmischen Natur von Tag und Nacht. Wir bilden nach, in uns erlebend nach, diesen Rhythmus von Tag und Nacht. Eine innere Nacht und einen inneren Tag machen wir durch im Schlafen und im Wachen. Der Mensch ist durchaus ein Wesen, das in seiner ganzen inneren Gesetzmäßigkeit ruht in einem Rhythmus, der dem äußeren Weltenrhythmus nachgebildet ist. Und was der Mensch auch physisch in seinem Inneren erlebt, ist durchaus ein Nachbild des äußeren physischen Weltenrhythmus.

[ 42 ] In our everyday lives, we live in a rhythm of sleeping and waking. This rhythm is also a rhythm of the external physical world. It would go too far to show how there really is a connection between our inner rhythm of sleeping and waking, how this replicates an inner relationship of our organism with the forces of the world that cause day and night, how this inner rhythm of sleeping and waking is really connected with the change in the great cosmic nature of day and night. We replicate, experiencing within ourselves, this rhythm of day and night. We experience an inner night and an inner day through sleeping and waking. Human beings are creatures who, in all their inner laws, rest in a rhythm that is modeled on the outer rhythm of the world. And what human beings experience physically within themselves is also a reflection of the outer physical rhythm of the world.

[ 43 ] Solche Dinge wird auch die äußere Wissenschaft immer mehr und mehr erforschen und wird dadurch ungeheuer interessante Resultate zutage fördern, welche in der Zukunft auch tief eingreifen werden in das praktische Leben, [und wird] noch ganz andere Kräfte entdecken als die Kraft der Elektrizität und Ähnliches, die so große praktische Fortschritte in das neuere Leben hereingebracht haben.

[ 43 ] External science will also increasingly research such things and thereby bring to light tremendously interesting results, which in the future will also have a profound impact on practical life, [and will] discover forces quite different from the power of electricity and the like, which have brought such great practical advances to modern life.

[ 44 ] Aber so, wie unser gewöhnliches Leben im physischen Leibe zwischen Geburt und Tod in seinem Rhythmus nachbildet den Rhythmus von Tag und Nacht, so bildet das Wollen in uns — das jenem Wollen zugrunde liegt, das an den Organismus gebunden ist und auf den Wellen von Sympathie und Antipathie dahinströmt —, dieses Wollen bildet nach einen geistigen Rhythmus, einen Rhythmus in der geistigen Welt, den wir im gewöhnlichen Bewusstsein gar nicht kennen. Und wir kommen darauf, dass wir in einem geistigen Rhythmus leben, genau ebenso, wie wir im gewöhnlichen Rhythmus von Schlafen und Wachen im gewöhnlichen Leben eben leben, welcher so beschrieben werden muss, dass wir sagen: Es beginnt, so, wie unser Aufwachen beginnt etwa am Morgen, es beginnt, indem wir durch die Geburt ins Dasein treten, ein gewisser Zustand in der geistig-leiblichen Verfassung, welcher abläuft durch unser ganzes Erdenleben durch, und mit dem Tode, der früher oder später eintritt, endet. Das ist so, wir könnten sagen wie das Schlafen oder Wachen, darauf kommt es nicht an, sondern es kommt auf das Wechselverhältnis dabei an. Aber wir merken auch, dass geradeso, wie wenn wir heute erwachen durch unser gewöhnliches Bewusstsein, es wissen, dass unser heutiges Leben die Fortsetzung des gestrigen Lebens ist, so wissen wir, dass der Rhythmus, in dem wir mit den tieferen Kräften unseres Willens drinnenleben, dass dieser Rhythmus, indem er sich erstreckt über unser Leben von der Geburt bis zum Tode, zunächst hervorgeht aus einem Leben, das erflossen ist zwischen einem früheren Sterben von uns und unserem jetzigen Geboren- oder Empfangenwerden, und weiter zurück geht zu einem früheren Erdenleben, und so weiter; und dass, indem wir durch die Pforte des Todes schreiten, wir eintreten in eine andere Phase dieses Lebensrhythmus, in eine Phase, die allerdings wesentlich länger dauert als die Phase zwischen Geburt und Tod, in eine Phase von einem rein geistigen Dasein, einem Dasein, das wir nun durchmachen zwischen, sagen wir unserem Tode und unserer neuen Geburt, einem neuen Eintritt in ein physisches Erdenleben.

[ 44 ] But just as our ordinary life in the physical body between birth and death replicates the rhythm of day and night, so the will within us — which underlies the will that is bound to the organism and flows along the waves of sympathy and antipathy — this will replicates a spiritual rhythm, a rhythm in the spiritual world that we do not know at all in our ordinary consciousness. And we come to the conclusion that we live in a spiritual rhythm, just as we live in the ordinary rhythm of sleeping and waking in ordinary life, which must be described as follows: it begins, just as our waking begins in the morning, it begins when we enter existence through birth, a certain state in our spiritual-physical constitution, which runs through our entire earthly life and ends with death, which occurs sooner or later. That is how it is, we could say like sleeping or waking, it does not matter, but what matters is the interrelationship between them. But we also notice that just as when we wake up today through our ordinary consciousness, we know that our life today is the continuation of yesterday's life, so we know that the rhythm in which we live with the deeper forces of our will, that this rhythm, extending over our life from birth to death, first emerges from a life that flowed between a previous death of ours and our present birth or conception, and goes back further to an earlier earthly life, and so on; and that, as we pass through the gate of death, we enter into another phase of this rhythm of life, a phase that lasts considerably longer than the phase between birth and death, a phase of purely spiritual existence, an existence which we now go through between, say, our death and our new birth, a new entry into a physical earthly life.

[ 45 ] Und so, wie das gewöhnliche Bewusstsein überschaut den Rhythmus des wiederholentlichen Lebens in den aufeinanderfolgenden Tagen, getrennt durch die Schlafzustände, so überschaut das schauende Bewusstsein etwas, was allerdings zunächst frappierend ist, einen über weiter ausgedehnte Phasen sich erstreckenden Rhythmus, in dem das ewige Wesen unserer Menschenseele abläuft, abläuft durch wiederholte Erdenleben, und viel längere Zwischenzuständen hindurch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Und aufgedeckt wird, indem wir den Willen entkleiden seines Befangenseins in Sympathie und Antipathie, die ihn an die Körperlichkeit binden; es erscheint vor dem schauenden Bewusstsein dasjenige, was als ewiges Wesen der Menschenseele durch wiederholte Erdenleben und andere Leben zwischen Toden und Geburten sich erstreckt. Für das schauende Bewusstsein ist das kein Rhythmus anderer Art als der Rhythmus des Abwechselns zwischen dem Tag und immer wieder neuem Tag, die durch die Nächte — respektive im Wachen und [immer wieder] Wachen —, die durch die Schlafzustände geschieden sind.

[ 45 ] And so, just as ordinary consciousness oversees the rhythm of repeated life in successive days, separated by states of sleep, so the contemplative consciousness oversees something that is, at first, striking: a rhythm extending over much longer phases, in which the eternal essence of our human soul unfolds, unfolds through repeated earthly lives and much longer intermediate states between death and a new birth. And it is revealed by stripping the will of its attachment to sympathy and antipathy, which bind it to physicality; what appears before the seeing consciousness is that which extends as the eternal essence of the human soul through repeated earthly lives and other lives between deaths and births. For the observing consciousness, this is no other rhythm than the rhythm of the alternation between day and ever-new day, separated by nights — or rather, by waking and [ever-renewed] waking — separated by states of sleep.

[ 46 ] So versuchte ich Ihnen zu zeigen, wie man verstehen kann, wie die Geistesforschung kommt zu der Anschauung der wiederholten Erdenleben. Denn nicht ein Phantasiespiel, nicht irgendetwas philosophisch Ersonnenes ist dasjenige, was wir [von wiederholten Erdenleben in der Geisteswissenschaft] sprechen, sondern es ist etwas, was auf einer Anschauung beruht, allerdings auf dem wirklichen, schauenden Bewusstsein, das als Realität erworben wird auf die angedeutete Weise.

[ 46 ] I have thus attempted to show you how one can understand how spiritual research arrives at the view of repeated earthly lives. For what we speak of [repeated earth lives in Spiritual Science], but it is something based on a view, albeit on real, seeing consciousness, which is acquired as reality in the manner indicated.

[ 47 ] Erst dann, wenn die Menschen begriffen haben werden die ganze Wahrheit des Erwachens des gewöhnlichen Bewusstseins zum schauenden Bewusstsein, wird ihnen dasjenige, was heute noch so grotesk für viele ist — die Anschauung von den wiederholten Erdenleben —, nicht mehr grotesk erscheinen; sondern es wird diese Anschauung das Schicksal erleben, sehr verehrte Anwesende, das viele geistige Errungenschaften der Menschheit erlebt haben, die zunächst wie Ketzereien aufgefasst worden sind, und die dann zu Selbstverständlichkeiten geworden sind. Ich erinnere nur an dasjenige, was Galilei, was Kopernikus und so weiter gefunden haben.

[ 47 ] Only when people have grasped the whole truth of the awakening of ordinary consciousness to seeing consciousness will what is still so grotesque for many today — the view of repeated earthly lives — no longer seem grotesque to them; Instead, this view will experience the fate, dear attendees, that many spiritual achievements of humanity have experienced, which were initially regarded as heresy and then became self-evident. I need only recall what Galileo, Copernicus, and others discovered.

[ 48 ] Nun handelt es sich darum, dass man etwas weiter hineinschaue in dasjenige, was für das menschliche Leben zusammenhängt mit den wiederholten Erdenleben, die sich auftun für das schauende Bewusstsein. Hier darf zunächst auf etwas aufmerksam gemacht werden, auf das ich ja auch in früheren Vorträgen, hier auch in dieser Stadt, schon hingedeutet habe, es darf auf etwas aufmerksam gemacht werden, worauf, wie auf so vieles, mit Recht aufmerksam [gemacht werden] soll — durchaus kann gesagt werden mit Recht, denn Geisteswissenschaft lehnt die Naturwissenschaft nicht ab, sondern bewundert sie in allen Errungenschaften —, es soll aufmerksam gemacht werden auf etwas, worauf die neuere Naturwissenschaft, die physiologische, psychologische Forschung mit Recht stolz ist, das ist, dass in der neueren Zeit recht erhebliche, schöne Fortschritte mit Bezug auf das Vererbungsproblem gemacht worden sind. Nun, es kann heute für vieles, was im menschlichen Leben auftritt, gesagt werden, wie der Nachkomme gewisse Eigenschaften, die auf dem Umwege durch sein physisches Naturell in ihm wirken, von Eigenschaften seiner Vorfahren bis hinauf zu weit, weit stehenden Vorfahren durch Vererbung hat.

[ 48 ] Now it is a matter of looking a little further into what is connected in human life with the repeated earthly lives that open up to the observing consciousness. Here, attention should first be drawn to something that I have already pointed out in earlier lectures, including here in this city. Attention should be drawn to something that, like so many other things, deserves attention — and rightly so, because Spiritual Science does not reject natural science, but admires it in all its achievements. attention should be drawn to something of which modern natural science, physiological and psychological research, is rightly proud, namely that in recent times considerable and wonderful progress has been made with regard to the problem of heredity. Now, it can be said today for many things that occur in human life how the descendant has certain characteristics, which affect him indirectly through his physical nature, from characteristics of his ancestors up to distant ancestors through heredity.

[ 49 ] Es ist ein schönes Buch geschrieben worden über Goethe — dieses Buch kann von jedem, der sich dafür interessiert, wie vieles andere, was auch über die Vererbung mit scheinbar tiefem Recht gesagt wird, mit brennendem Interesse gelesen werden —, es ist ein schönes Buch über Goethe geschrieben worden, in dem versucht wird, alles dasjenige darzustellen, was erforscht werden kann über Goethes Vorfahren wie diese weit hinaufgehenden Vorfahren in der Ahnenreihe ganz diese oder jene Eigenschaften auch zeigen, die dann gewissermaßen summiert bei Goethe wieder auftreten und uns begreiflich machen, wie in Goethe sich konzentriert hat dasjenige, was sich auf viele Vorfahren verteilt hat. Einzelnes selbstverständlich wäre nichts Beweisendes, aber in dieser Richtung sind viele Versuche unternommen worden, und schöne Resultate sind zutage gefördert worden.

[ 49 ] A beautiful book has been written about Goethe — this book, like many others that also say things about heredity with seemingly profound justification, can be read with burning interest by anyone who is interested in the subject — a beautiful book has been written about Goethe, which attempts to present everything that can be researched about Goethe's ancestors, such as how these distant ancestors in the ancestral line also display certain characteristics, which then reappear in Goethe in a summarized form, so to speak, and make us understand how what was distributed among many ancestors was concentrated in Goethe. Individual cases would of course prove nothing, but many attempts have been made in this direction, and beautiful results have been brought to light.

[ 50 ] Und nun könnte jemand kommen und könnte sagen: Ja, was willst du denn nun eigentlich mit deinem Zurückführen des gegenwärtigen Erdenlebens in seinem ganzen Fortschreiten, wie es der Mensch entfaltet mit all seinen Anlagen, mit all seinen Schicksalsschlägen, zu denen er durch seine Anlagen geführt wird? Erklärbar ist es dadurch, dass wir sehen, was die Vorfahren auf den Nachkommen übertragen haben.

[ 50 ] And now someone might come along and say: Yes, but what do you actually mean by tracing back the whole course of present earthly life, as it unfolds in human beings with all their predispositions and all the strokes of fate to which their predispositions lead them? It can be explained by the fact that we see what the ancestors have passed on to their descendants.

[ 51 ] Gewiss soll von Geisteswissenschaft nicht übersehen werden, dass Wunderbares, Großartiges auf diesem Gebiete geleistet worden ist; allein ein prinzipieller Fehler liegt zugrunde dieser ganzen Denkweise. Gegen das, was die Naturwissenschaft auf diesem Gebiete findet, soll gar nichts eingewendet werden; die Dinge, die gesagt werden, sind in einer gewissen Weise rein als Tatsachen voll begründet. Allein, es ist sonderbar, dass man für Beweisendes hält prinzipiell, wenn jemand gewisse Eigenschaften zeigt, und die bei seinen Vorfahren wieder vorkommen, so könne es nur darauf beruhen, dass er sie physisch von seinen Vorfahren, in dem Sinne, wie man das heute meint, übernommen habe. So beweist man eigentlich der Tatsachenwelt gegenüber nichts!

[ 51 ] Certainly, Spiritual Science should not overlook the fact that wonderful, magnificent things have been achieved in this field; but there is a fundamental error underlying this whole way of thinking. Nothing should be objected to what natural science finds in this field; the things that are said are, in a certain sense, purely and fully justified as facts. However, it is strange that it is considered proof in principle that if someone displays certain characteristics that also occur in their ancestors, this can only be based on the fact that they have physically inherited them from their ancestors, in the sense that we understand it today. This does not actually prove anything in the world of facts!

[ 52 ] Beweisend wäre etwas ganz anderes; denn, sehr verehrte Anwesende, ich habe den Vergleich schon oft gebraucht, man kann den Vergleich gebrauchen: Wenn jemand zeigt die Eigenschaften, die bei seinem Vorfahren sich fanden, so ist das ganz natürlich, denn er ist physisch durch all die Kräfte durchgegangen, die sich von seinen Vorfahren herunter erstrecken bis zu ihm; und es ist nicht wunderbarer, dass er diese Eigenschaften physisch zeigt, die seine Vorfahren gehabt haben, nicht wunderbarer, als — wenn man tiefer darüber nachdenken wird, wird man finden —, es ist nicht wunderbarer, als dass ein Mensch, der ins Wasser fällt und herausgezogen wird, nass ist. Er zeigt eben dasjenige, was er sich angeeignet hat in dem Element, durch das er durchgegangen ist. Wollte man logisch sein, wirklich logisch sein, dann würde man müssen zeigen, um die Vererbung geistiger Eigenschaften wirklich zu erhärten, wie geistige Eigenschaften, die heute bei einem Menschen auftreten, sich auf seine Nachkommen vererben. Man müsste nicht den Nachkommen auf die Vorfahren zurückführen, sondern man müsste von dem geistigen Vorfahr ausgehen und zeigen, wie seine Eigenschaften sich vererben. Ja, würde man sagen können: Seht ihr, das, was bei den Vorfahren aufgetreten ist an besonderen geistigen Eigenschaften, das zeigt sich an dem Nachkomme, wenn man es beobachtet? Das würde man wohl bleiben lassen. Man sähe nicht an Goethes Sohn oder Enkel gerade besondere Merkmale großer geistiger Eigenschaften. Und man würde solches schon bleiben lassen, denn es würde wenig zutreffend sein.

[ 52 ] Proof would be something quite different; for, dear audience, I have often used the comparison, and one can use the comparison: If someone displays the characteristics found in their ancestors, this is quite natural, because they have physically passed through all the forces that extend from their ancestors down to them; and it is no more remarkable that they physically display these characteristics that their ancestors had, no more remarkable than — if you think about it more deeply, you will find — it is no more surprising than a person who falls into water and is pulled out being wet. They simply display what they have acquired in the element they have passed through. If one wanted to be logical, truly logical, then in order to really substantiate the inheritance of spiritual characteristics, one would have to show how spiritual characteristics that appear in a person today are passed on to their descendants. One would not have to trace the descendants back to their ancestors, but one would have to start with the spiritual ancestor and show how his characteristics are inherited. Yes, one could say: Do you see, the special spiritual characteristics that occurred in the ancestors are evident in the descendants, if one observes them? One would probably refrain from doing so. One would not see any particular characteristics of great spiritual qualities in Goethe's son or grandson. And one would refrain from doing so, because it would be inaccurate.

[ 53 ] Dennoch wäre dies, wie gesagt, die einzige Möglichkeit, es logisch zu beweisen. Es liegt ein prinzipieller Fehler der Sache zugrunde. Dennoch soll durchaus nicht geleugnet werden dasjenige, was an Tatsachen in der Vererbungslehre auftaucht und bewiesen werden kann. Es soll nicht geleugnet werden, wie wir durch Vererbung empfangen diejenigen Werkzeuge, die wir brauchen, um unsern Geist, der aber nun herübergekommen ist, unser Seelisch-Geistiges, das herübergekommen ist aus einem früheren Erdenleben und durch eine geistige Welt zwischen Tod und neuer Geburt gegangen ist; wir können auf diese Tatsache, die diese unsere Geisteswissenschaft selbst verwendet und die aus der Vererbung her gekommen ist, hinblicken. Aber dabei bleibt für das geistige Anschauen, für das schauende Bewusstsein, die andere Tatsache bestehen; und es vereinen sich die beiden Tatsachen sehr gut miteinander. Man braucht nur daran zu denken, was Geistesforschung genau zeigt, dass die geistige Welt, von der sie spricht, in die wir eintreten, indem wir durch das Tor des Todes gehen, dass diese geistige Welt nicht irgendwo entfernt von der physischen Welt ist, sondern dass sie in ihrer ganzen Ausdehnung überall die physische Welt durchdringt. Wo ist die geistige Welt? Ja, die geistige Welt ist nirgends anders, als wo die physische ist. Sie ist durch die Art, nicht durch den Ort von der physischen verschieden. Und indem wir geistig die Zeit durchleben, durchleben wir dieselbe Zeit, in welcher sich durch viele Generationen in der Vererbungsströmung die Merkmale vorbereiten, die wir dann zeigen, wenn wir in ein Erdenleben eintreten. Wir sind verbunden — obwohl nicht physisch in der Welt anwesend — mit dem Geiste, aus dem alles in der physischen Welt hervorquillt.

[ 53 ] Nevertheless, as I said, this would be the only way to prove it logically. There is a fundamental error underlying the matter. Nevertheless, we should by no means deny the facts that emerge from the study of heredity and can be proven. We should not deny that through heredity we receive the tools we need to develop our spirit, which has now come over, our soul and spirit, which has come over from a previous earthly life and has passed through a spiritual world between death and new birth; we can look at this fact, which the Spiritual Science itself uses and which has come from heredity. But in doing so, the other fact remains for spiritual observation, for the observing consciousness; and the two facts combine very well with each other. One need only think of what spiritual research shows precisely, that the spiritual world of which it speaks, which we enter by passing through the gate of death, is not somewhere far away from the physical world, but that it permeates the physical world everywhere in its entire extent. Where is the spiritual world? Yes, the spiritual world is nowhere else than where the physical world is. It differs from the physical world in its nature, not in its location. And as we live through time spiritually, we live through the same time in which, through many generations in the stream of heredity, the characteristics are prepared that we then display when we enter an earthly life. We are connected — although not physically present in the world — with the spirit from which everything in the physical world springs forth.

[ 54 ] Und wenn wir hinschauen auf alles das, was als Tatsachen, als physische Tatsachen zu konstatieren ist durch eine lange Generationenreihe her, so ist das nur der Ausfluss von Geschehnissen, die in der geistigen Welt vor sich gehen; denn alles Physische zeigt die geistige Welt als einen Ausfluss von Geschehnissen. Bei den geistigen Geschehnissen sind wir es zwischen unserm Tod und einer neuen Geburt, welche aus der geistigen Welt heraus selber die Vererbung leiten. Mit einem anderen Bewusstsein, als wir es hier in der physischen Welt haben, haben wir vor uns die ganze Vererbungsströmung durch lange Generationen hindurch. Und geradeso, wie wir hier im physischen Leben beginnen, wenn wir eine Handlung beginnen wollen, mit dem Anfang /Lücke] und so weiter, so schließen wir uns in der geistigen Welt zwischen Tod und einer neuen Geburt einer gewissen Vererbungsströmung an, in die wir uns gewissermaßen von der geistigen Welt hineinleben, und die uns dazu führt, dann als Nachkomme jener Vorfahren geboren zu werden, welche uns die Eigenschaften geben können, die wir brauchen, damit wir dasjenige, was wir in einem letzten Erdenleben erlebt haben, was wir uns angeeignet haben an Kräften, hinübertragen können in ein neues Erdenleben.

[ 54 ] And when we look at everything that can be stated as facts, as physical facts, through a long series of generations, this is only the result of events taking place in the spiritual world; for everything physical shows the spiritual world as a result of events. In spiritual events, it is we ourselves who, between our death and a new birth, guide heredity out of the spiritual world. With a different consciousness than we have here in the physical world, we have before us the entire stream of heredity through long generations. And just as we begin here in physical life, when we want to begin an action, with the beginning /gap] and so on, so in the spiritual world between death and a new birth we join a certain stream of heredity, into which we live ourselves, as it were, from the spiritual world, and which leads us to be born as descendants of those ancestors who can give us the qualities we need so that we can carry over into a new earthly life what we have experienced in our last earthly life, what we have acquired in terms of strengths.

[ 55 ] Das, was ich jetzt eben ausgeführt habe, ist für das schauende Bewusstsein eine Tatsache, sehr verehrte Anwesende. Und die Sache ist so, dass in der Tat sich innerhalb der geistigen Welt weit, weit vor Jahrhunderten vor der Geburt oder Empfängnis eines Menschen in der physischen Welt ein geistiges Anziehungsband bildet zu der ganzen Vererbungsströmung — gewissermaßen eine durch ein höheres Bewusstsein, das wir haben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt bewirkte Wahl in der Vererbungsströmung —, [das] führt uns hinein, dass wir uns mit der Seele, die das ewige Wesen in uns darstellt, selber hingeleiten zu denjenigen Vorfahren, die wir brauchen, damit wir das an inneren Anlagen ausleben können, was wir uns vorbereitet haben in früheren Erdenleben.

[ 55 ] What I have just described is a fact for the clairvoyant consciousness, dear attendees. And the fact is that, long, long centuries before the birth or conception of a human being in the physical world, a spiritual bond of attraction is formed within the spiritual world to the entire stream of heredity — in a sense, a choice in the hereditary stream brought about by a higher consciousness that we have between death and a new birth — leads us to guide ourselves, with the soul that represents the eternal being within us, to those ancestors we need so that we can live out the inner dispositions we have prepared in previous earthly lives.

[ 56 ] Das ist das eine. Das andere muss in der folgenden Weise begriffen werden. Wiederum sind es die ausführlichen, exakten, gewissenhaft unternommenen geistigen Forschungen, die zu diesem anderen führen. Und die Mitwelt weiß noch wenig, wie gewissenhaft und wie viel mühevoller als die physiologischen oder astronomischen Forschungen diese geistigen ausgeführt werden. Daher bringt sie noch so wenig Vertrauen diesem geistigen Forschen entgegen, macht sich noch so leicht über sie als etwas Phantastischem lustig.

[ 56 ] That is one thing. The other must be understood in the following way. Again, it is detailed, precise, conscientiously undertaken spiritual research that leads to this other. And the world around us still knows little about how conscientiously and how much more laboriously than physiological or astronomical research this spiritual research is carried out. Therefore, it still has so little confidence in this spiritual research, still so easily ridicules it as something fantastical.

[ 57 ] Wenn das schauende Bewusstsein entwickelt ist, dann sieht man, sehr verehrte Anwesende, wie sich etwas ganz anderes abspielt in der Welt, in der wir als physischer Mensch leben, als dasjenige, was unser gewöhnliches Bewusstsein überschaut. Lassen Sie mich nur einen Fall herausheben zunächst. Auf der einen Seite traten wir im Leben zu diesem oder jenem Menschen in Bezichung, wir leben diese Beziehungen auch aus. Aber wir leben die Beziehungen, in die wir zu den Menschen im gewöhnlichen Leben treten, dadurch aus, dass diese Beziehungen in unser gewöhnliches Bewusstsein hereinwirken, in unser gewöhnliches Bewusstsein hereintreten und wir ideell unser Leben im Verhältnis zu dem anderen Menschen gestalten. Aber das, was wir so in unser Bewusstsein hereinnehmen an elementarem Verhältnis zu anderen Menschen, das ist für das schauende Bewusstsein nur ein kleiner Teil desjenigen, was sich wirklich anknüpft.

[ 57 ] When the seeing consciousness is developed, then one sees very dear attendees, how something completely different is happening in the world in which we live as physical human beings than what our ordinary consciousness perceives. Let me highlight just one case for now. On the one hand, we entered into relationships with this or that person in life, and we also live out these relationships. But we live the relationships we enter into with people in ordinary life by allowing these relationships to influence our ordinary consciousness, to enter into our ordinary consciousness, and by shaping our lives in relation to other people in an ideal way. But what we take into our consciousness in this way as an elementary relationship to other people is, for the observing consciousness, only a small part of what is really connected.

[ 58 ] Für dieses schauende Bewusstsein stellt sich nämlich heraus, dass, wenn wir zu einem Menschen oder auch zu einem anderen Wesen oder auch zu der physischen Außenwelt in gewisse Wechselverhältnisse treten, in unserem tieferen Seelenwesen in einem viel weiteren Umfange Beziehungen eintreten, als sich erfüllen lassen in einem Erdenleben. Nur bleiben diese Beziehungen unter der Schwelle des Bewusstseins zunächst darunter; aber diese Beziehungen sind real, sind nicht bloß gedachte Beziehungen, sind in uns so real, dass sie reale Wirksamkeiten entfalten können. Sie leben so in uns, wie der Pflanzenkeim sich in der Pflanzenblüte entwickelt, und nicht bloß ein Gedanke der Pflanze ist, sondern in sich die reale Kraft hat, jetzt auf physische Art eine neue Pflanze zu bilden.

[ 58 ] For this observing consciousness, it turns out that when we enter into certain interactions with a human being or even with another being or with the physical outside world, relationships arise in our deeper soul being on a much broader scale than can be fulfilled in one earthly life. These relationships initially remain below the threshold of consciousness, but they are real, not merely imagined; they are so real within us that they can unfold real effects. They live within us in the same way that a plant seed develops into a plant flower, and is not merely a thought of the plant, but has within itself the real power to now form a new plant in a physical way.

[ 59 ] Dasjenige, was geistig-seelisch in uns lebt, ist, trotzdem es geistig-seelisch ist, real eine wirkliche Kraft, die durch die Pforte des Todes geht, die sich in die geistige Welt hineinlebt, die sich weiter ausbildet in der Welt, in der wir nun in dem langen Leben zwischen Tod und neuer Geburt zu den anderen Menschen entwickeln, wenn auch diese durch die Pforte des Todes gegangen sind oder auch noch, während sie im physischen Leibe sind, und wir schon durch die Pforte des Todes gegangen sind. Diese Beziehungen, sie werden ausgestaltet, sie werden mitgenommen auf dem Wege. Und indem wir auf der einen Seite uns für unsere inneren Anlagen, die wir hineingebären in ein neues Erdenleben, nach den Vererbungsströmungen richten, durchdringen wir uns in unserem geistigen Dasein mit alledem, was wir an tieferen Beziehungen in früheren Erdenleben mit Bezug auf unsere Umgebung ausgebildet haben. Und aus diesem heraus bildet sich eine gewisse Imagination, eine gewisse innere Gestaltung über die Situation des neuen Erdenlebens. Nicht nur, dass wir unsere inneren Seelenanlagen entwickeln in der geschilderten Zeit, sondern wir gestalten mit einer prophetisch gestaltenden Kraft in einem höheren Bewusstsein zwischen dem Tod und einer neuen Geburt unsern Weg in eine bestimmte Lebenssituation hinein — geradezu an einen bestimmten Ort, in eine bestimmte Familie hinein und so weiter, in eine bestimmte Situation hinein.

[ 59 ] What lives in us spiritually and soulfully, even though it is spiritual and soulful, is in reality a real force that passes through the gate of death, that lives its way into the spiritual world, that continues to develop in the world in which we now evolve with other human beings in the long life between death and new birth, even if they have also passed through the gate of death, or even while they are still in their physical bodies and we have already passed through the gate of death. These relationships are developed and taken with us on our journey. And by orienting ourselves on the one hand toward our inner dispositions, which we bring into a new earthly life, according to the currents of heredity, we permeate our spiritual existence with all that we have developed in deeper relationships in previous earthly lives with regard to our surroundings. And out of this, a certain imagination, a certain inner formation about the situation of the new earthly life is formed. Not only do we develop our inner soul dispositions in the time described, but with a prophetic creative power in a higher consciousness between death and a new birth, we shape our path into a specific life situation — indeed, into a specific place, into a specific family, and so on, into a specific situation.

[ 60 ] Das ist dasjenige, was die Seele auslebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, indem sie zusammenströmen lässt den einen Strom, welcher zu ihren inneren Anlagen führt, und der mit den Vererbungskräften durch Generationen ein Anziehungsband hat mit dem anderen Strome, der auf den geistigen, auf den seelischen, auf den gemütlichen oder sonstigen Erlebnissen eines vorigen Erdenlebens beruht, und der jetzt zusammengearbeitet wird. Und aus dem Zusammengearbeiteten dieser beiden Strömungen entsteht, wie wir auf der einen Seite geboren werden dadurch, dass wir hingezogen werden, um geboren zu werden aus einer bestimmten Familie heraus, und auf der anderen Seite in eine bestimmte Lebenssituation hinein. Und indem der andere Mensch ebenso zu uns das Anziehungsband hat wie wir zu ihm, gestaltet sich vielfach das aus, dass wir in ferneren Erdenleben wiederum zusammengebracht werden, obwohl da Übergreifungen stattfinden können, und ein Mensch im nächsten oder erst in vielen Erdenleben wieder zusammengeführt wird mit dem anderen, und dergleichen. Auf solche Einzelheiten kann ich jetzt nicht eingehen.

[ 60 ] This is what the soul experiences between death and a new birth, by allowing the one stream that leads to its inner dispositions to flow together and which, through the forces of heredity, has a bond of attraction with the other stream, which is based on the spiritual, soul, emotional, or other experiences of a previous earthly life, and which is now being worked together. And from the cooperation of these two streams arises, on the one hand, our birth, in that we are drawn to be born out of a particular family, and on the other hand, we are drawn into a particular life situation. And because the other person has the same bond of attraction to us as we have to them, it often happens that we are brought together again in later earthly lives, even though there may be overlaps, and one person may be reunited with the other in the next life or only in many lives later, and so on. I cannot go into such details now.

[ 61 ] Sie sehen, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was wir jetzt als menschliches Schicksal erkennen, das zeigt vor allem etwas, was begründet ist im gesetzmäßigen Rhythmus des Lebens, in dem in einem höheren Sinne das ewige Wesen der Menschenseele drinnensteht, wie hier im Rhythmus des Lebens, der äußerlich sich ausdrückt durch Tag und Nacht, durch das Schlafen und das Wachen, der Mensch drinnensteht.

[ 61 ] You see, dear attendees, what we now recognize as human destiny shows above all something that is based on the lawful rhythm of life, in which, in a higher sense, the eternal essence of the human soul is contained, as here in the rhythm of life, which is expressed externally through day and night, through sleeping and waking, in which the human being is contained.

[ 62 ] Wenn wir in dieser Weise des Leben überschauen, und das Schicksal gewissermaßen sich vor das schauende Bewusstsein hinstellt, so kann man natürlich sehr leicht sagen: Nun ja, da nimmst du ja dem Menschen alle Möglichkeit, sich frei zu entwickeln! Ich habe auf das Problem der Freiheit in meinem Buche «Die Philosophie der Freiheit» hingewiesen vom rein philosophischen Standpunkt aus. Und wer dieses Buch richtig in Erwägung zieht, wird mir nicht zuschreiben, dass ich irgendeine Lebensanschauung vertrete, welche gegen die Freiheit des Menschen sich aufbäumt. Aber gerade dasjenige, was in gewissenhafter Geistesforschung entwickelt wird, zeigt, worinnen die Freiheit begründet ist. Dieses Erdenleben, das wir durchmachen im physischen Leibe — [und in den in der geschilderten Weise unser ewiges Wesen der Seele eintritt] —, dieses Erdenleben machen wir nicht bloß durch, um in einem Jahreslauf zu leben, nicht, um es als ein Übel und als ein Leiden, wie der Buddhismus glaubt, sondern wir machen dieses Erdenleben durch als ein gewichtiges, wesentliches Glied unseres gesamten geistigen Lebens.

[ 62 ] When we look at life in this way, and destiny, as it were, presents itself to our conscious awareness, it is of course very easy to say: Well, yes, but then you take away all possibility of human beings developing freely! I have referred to the problem of freedom in my book “The Philosophy of Freedom” from a purely philosophical point of view. And anyone who considers this book properly will not accuse me of advocating any view of life that rebels against human freedom. But it is precisely what is developed in conscientious spiritual research that shows what freedom is based on. This earthly life that we go through in the physical body — [and into which our eternal soul enters in the manner described] — we do not go through this earthly life merely to live for a year, nor do we regard it as an evil and a suffering, as Buddhism believes, but we go through this earthly life as an important and essential part of our entire spiritual life.

[ 63 ] Und zu dem vielen anderen, [was] zu unserem Leben [hinzugefügt wird] — wenn wir noch in so vielen geistigen Welten leben würden —, hinzugefügt wird durch das physische Erdenleben, zu dem vielen, dass wir dann weitere Verarbeitungen brauchen in der geistigen Welt, zu dem vielen wird gerade im physischen Erdenleben die Errungenschaft des freien Wollens hinzugefügt. Denn dieses freie Wollen beruht gerade darauf, dass dasjenige, was unter ganz anderen Bedingungen in der geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt lebt, in dem physischen Menschenleib durch die Geburt oder Empfängnis sich hineinversenkt, und dadurch wiederum lebt in solchen Vorstellungen, welche sich an die Sinneswahrnehmungen des physischen Leibes anlehnen; und auf der anderen Seite in solch einem Wollen, welches dahinströmt auf den Wellen von Sympathie und Antipathie. Und gerade im Durchgang durch dieses Erdenleben in solcher Art erringen wir uns das freie Wollen dadurch, dass wir durch die Sinne abgeschlossen werden von jenem unmittelbaren Hineinschauen in die geistige Welt, das sich ja ergibt für das schauende Bewusstsein, und auch für das Bewusstsein ergibt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, dass wir da von diesem geistigen Leben gewissermaßen abgeschlossen sind im gewöhnlichen, physischen Wachleben. Und dass wir von unserem Rhythmus, der sich über lange Zeiten erstreckt, wie unser kurzer Rhythmus über Schlafen und Wachen, dass wir durch diesen Rhythmus abgeschnitten sind von dem Zustand im ewigen dahinströmenden Wesen unserer Seele, dadurch entwickeln wir innerhalb dieses Abgeschnittenseins, in dieser Isoliertheit, gewissermaßen in dieser Einsamkeit gegenüber der geistigen Welt, entwickeln [wir], was wir als Freiheit und was wir als freies Wollen entwickeln. Das ist eine Fähigkeit, die uns in dem Maße, wie wir [sie] beim Durchgehen durch wiederholte Erdenleben uns aneignen, niemals wieder verloren geht. Das zeigt als ein besonderes Ergebnis über die Freiheit die Geistesforschung.

[ 63 ] And to the many other things [that are added] to our life — if we were still living in so many spiritual worlds — are added through physical earthly life, to the many things that we then need to process further in the spiritual world, to the many things that are added precisely in physical earthly life, the achievement of free will is added. For this free will is based precisely on the fact that that which lives under completely different conditions in the spiritual world between death and new birth sinks into the physical human body through birth or conception, and thereby in turn lives in such mental images that are based on the sensory perceptions of the physical body; and on the other hand, in such a will that flows on the waves of sympathy and antipathy. And it is precisely in passing through this earthly life in this way that we attain free will, because we are cut off by the senses from that direct insight into the spiritual world that results in the seeing consciousness, and also in the consciousness between death and a new birth, that we are, as it were, cut off from this spiritual life in ordinary, physical waking life. And that we are cut off by our rhythm, which extends over long periods of time, like our short rhythm of sleeping and waking, that we are cut off by this rhythm from the state in the eternally flowing being of our soul, and that through this isolation, in this seclusion, in a sense in this loneliness from the spiritual world, we develop what we call freedom and what we call free will. This is an ability that, to the extent that we acquire it through repeated earthly lives, is never lost again. This shows, as a special result about freedom, spiritual research.

[ 64 ] Wer näher auf diese Dinge eingehen will, der kann das lesen, gerade auch über das Freiheitsproblem, in meinem neuesten Buche «Vom Menschenrätsel», wo auf die ganze Beziehung des schauenden Bewusstseins zu einer Erkenntnis der höheren Welten hingewiesen ist. Ich brauche nur, ich möchte sagen, in Parenthese zu erwähnen, weil ja in einem Vortrage nicht alles gesagt werden kann, dass es unbegründet wäre, wenn jemand einwenden würde: Also siehst du das menschliche Leben an, als ob es sich in Ewigkeit in wiederholten Erdenleben abspielen würde? Das ist nicht der Fall! Aus meiner «Geheimwissenschaft im Umriss» können Sie ersehen, dass diese wiederholten Erdenleben einmal begonnen haben und einmal enden werden, dass diese Erde selbst aus einem anderen Planeten hervorgegangen ist und zu anderen planetarischen Zuständen fortschreiten wird, und dass auch der Mensch dann unter anderen Verhältnissen lebt, [wie] ich sie geschildert habe, und in Zukunft leben wird unter anderen Verhältnissen.

[ 64 ] Anyone who wants to go into these things in more detail can read about them, especially about the problem of freedom, in my latest book, "The Riddle of Man," where the whole relationship of clairvoyant consciousness to a knowledge of the higher worlds is pointed out. I need only mention in parentheses, because not everything can be said in a lecture, that it would be unfounded if someone were to object: So you view human life as if it were to take place in eternity in repeated earthly lives? That is not the case! From my “Outline of Occult Science” you can see that these repeated earthly lives once began and will once end, that this earth itself emerged from another planet and will progress to other planetary states, and that human beings will then live under other conditions, [as] I have described, and will live under other conditions in the future.

[ 65 ] Ich habe Ihnen damit, sehr verehrte Anwesende, in einer kurzen Skizze — wie ja eine solche nur gegeben werden kann in einem kurzen Vortrage — einiges von dem geschildert, was Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu sagen hat über das ewige Wesen der Menschenseele. Da wird nicht in dieser Geisteswissenschaft in einer abstrakten Weise gesprochen, indem man auf eine solche abstrakte Weise auf den Begriff der Ewigkeit und dergleichen hindeutet, sondern da wird gesprochen, indem auf die geistigen Erlebnisse hingewiesen und gezeigt wird, wie ein Erdenleben aus einem anderen hervorgeht, geradeso wie die Pflanze des nächsten Jahres aus der Pflanze des vorhergehenden Jahres aus dem Pflanzenkeim hervorgeht. Und aus dem, was diese Erlebnisse sind, setzt sich zuletzt die Idee der Ewigkeit zusammen.

[ 65 ] Ladies and gentlemen, in this brief outline — as brief as can be given in a short lecture — I have described some of what Spiritual Science or anthroposophy has to say about the eternal nature of the human soul. This Spiritual Science does not speak in an abstract way, referring to the concept of eternity and the like in such an abstract manner, but rather speaks by pointing to spiritual experiences and showing how one earthly life emerges from another, just as next year's plant emerges from last year's plant, which in turn emerged from the seed. And from what these experiences are, the idea of eternity is ultimately formed.

[ 66 ] Man hat, sehr verehrte Anwesende, wie gesagt, heute noch nicht viel Entgegenkommen für eine solche Art der Anschauung über das wahre Verhältnis des Seelisch-Geistigen und des Physisch-Leiblichen und von dem vertieften höheren Willen. Wie ich schon erwähnte, wird angefeindet dasjenige, was als gewissenhafte Geistesforschung sich heute ebenso in die Geistesentwicklung der Menschheit hineinstellen muss, aus ähnlichen Gründen, wie sich die Naturwissenschaft vor drei bis vier Jahrhunderten als neuere Naturwissenschaft in dieses Geistesleben der Menschheit hineinstellen musste, hineingestellt hat; vor allen Dingen, man hat eine andere Art von Gegnerschaft gegen eine solche Art, die Welt anzuschauen, wie sie skizziert worden ist in Bezug auf ein gewisses Problem. Man hat Einwendungen auf der einen Seite von Anhängern religiöser Bekenntnisse, die ihr religiöses Bekenntnis gefährdet glauben oder von den Theologen solcher Bekenntnisse herkommen, man hat auch Angriffe, die von naturwissenschaftlicher Seite her kommen.

[ 66 ] As I have said, ladies and gentlemen, there is not yet much sympathy for this kind of view of the true relationship between the spiritual and the physical, and of the deeper, higher will. As I have already mentioned, , what must now be incorporated into the spiritual development of humanity as conscientious spiritual research is met with hostility for similar reasons to those that led natural science to be incorporated into the spiritual life of humanity three or four centuries ago as a new science. Above all, there is a different kind of opposition to this way of looking at the world, as it has been outlined in relation to a certain problem. On the one hand, there are objections from followers of religious denominations who believe their religious beliefs are threatened, or who come from the theologians of such denominations; on the other hand, there are also attacks coming from the scientific community.

[ 67 ] Derjenige, der sich einlässt auf mancherlei, was Geisteswissenschaft zeigt — Sie können das insbesondere erschen aus einem Vortrage, den ich, um solche Gegnerschaften zu belegen, habe drucken lassen, über «Die Aufgabe der Geisteswissenschaft und deren Bau in Dornach» —, dasjenige, was dort auseinandergesetzt ist, zeigt, wie eben derjenige, der glaubt, vonseiten der Religion oder der Theologie das, was Geisteswissenschaft vorzubringen hat über das Seelenleben und sein ewiges Wesen, bekämpfen zu müssen, der zeigt damit, dass er sich nicht tief genug eingelassen hat in dasjenige, was Geisteswissenschaft oder Anthroposophie ist auf der einen Seite, und in dasjenige, was sie gerade als die beste Stütze des religiösen Bekenntnisses werden kann. Auf der anderen Seite ist es mit den Gegnerschaften, die von naturwissenschaftlicher Seite her kommen, gerade ebenso.

[ 67 ] Anyone who engages with some of what Spiritual Science shows — you can see this in particular in a lecture that I had printed to document such opposition, on “The Task of Spiritual Science and Its Structure in Dornach” — what is discussed there shows how those who believe they must fight against what Spiritual Science has to say about the life of the soul and its eternal nature on the part of religion or theology show that they have not engaged deeply enough with what what Spiritual Science or anthroposophy is on the one hand, and on the other hand, what it can become as the best support for religious belief. On the other hand, it is exactly the same with the opposition that comes from the natural sciences.

[ 68 ] Lassen Sie mich davon gerade zum Schluss einige wenige Worte sprechen. Dasjenige zunächst, was religiöse Wahrheiten sind, das wird von Geisteswissenschaft durchaus nicht beeinträchtigt; wohl aber wird es — davon kann man sich immer mehr und mehr überzeugen, wenn man das ganze moderne Leben durchschaut, das schon heute in hohem Grade bestimmt ist von der naturwissenschaftlichen Denkweise, der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, und es immer mehr und mehr werden wird — beeinflusst. Dagegen wird dieses religiöse Leben geradezu von der Naturwissenschaft in einer solchen Weise beeinflusst, dass das Gegengewicht notwendig ist vonseiten der Geisteswissenschaft. Allerdings die, die glauben, heute als rechte Bekenner in diesem oder jenem Religionsbekenntnis zu stehen, die sehen die Sache von einer anderen Seite an. Und da ergeben sich denn ganz merkwürdige Dinge.

[ 68 ] Let me say a few words about this at the end. First of all, Spiritual Science does not in any way detract from religious truths; however, it does influence them — something that becomes increasingly clear when one looks at modern life as a whole, which is already largely determined by scientific thinking and a scientific worldview, and will become more and more so. On the other hand, religious life is influenced by natural science in such a way that a counterbalance from Spiritual Science is necessary. However, those who believe themselves to be true adherents of this or that religious creed today see things from a different perspective. And this gives rise to some very strange things.

[ 69 ] Geisteswissenschaft zeigt in vieler Beziehung, wie dasjenige, was innerhalb der Religionsbekenntnisse als religiöse Offenbarung auftritt, gerade durch ihre Einsichten recht gestützt wird. Auf Einzelheiten gestattet der Vortrag nicht, sich einzulassen, aber durch die Naturwissenschaft finden gerade Theologen sich den Boden unter den Füßen entzogen, sodass sie merkwürdige Kompromisse eingehen. Ich erzähle nicht irgendetwas, das ich ausdenke, sondern solche merkwürdigen Kompromisse wurden wirklich eingegangen. So gedenke ich eines hervorragenden Theologen und Religionsführers der Gegenwart, der zu seinem Publikum sagt:

[ 69 ] Spiritual Science shows in many ways how what appears as religious revelation within religious denominations is rightly supported by its insights. The lecture does not allow us to go into details, but natural science is causing theologians in particular to lose their footing, so that they are making strange compromises. I am not making this up, but such strange compromises have actually been made. I am thinking of an outstanding contemporary theologian and religious leader who says to his audience:

Ja, die Theologie oder das Religionsbekenntnis sollte sich nicht auflehnen gegen dasjenige, was Naturwissenschaft über den physischen Menschen zu sagen hat; sie soll den physischen Menschen ganz der Naturwissenschaft überlassen und soll sich nur

Yes, theology or religious belief should not rebel against what science has to say about physical man; it should leave physical man entirely to science and should only

[ 70 ] — wie er sich ausdrückt, dieser Theologe —

[ 70 ]— as this theologian puts it—

den Menschen der Freiheit aufsparen.

reserve for the human being of freedom.

[ 71 ] Es fragt sich nur, ob solches möglich ist. Es wäre ja schön, wenn man dadurch als Theologe, besonders mit der heftig gegen die Theologie anstürmenden, naturwissenschaftlichen Weltanschauung ankommen könnte, dass man eine echte Teilung vornimmt: das gebe ich dir, was sich auf den physischen Menschen bezieht, und das nehme ich dir, was sich auf den Menschen der Freiheit bezieht. Einen Laib Brot kann man ja allerdings teilen, wobei die Teilung sich aber so vollzicht, dass beide Teile dasselbe haben. Würde man den Menschen im geschilderten Sinne teilen und sagen: Das eine gibt man der Naturwissenschaft, das andere gibt man der Theologie, so würde geradeso wie die eine Hälfte des Brotes der Teil, der der Naturwissenschaft gegeben wird, Geist und Physis enthalten, und der andere Teil, der der Theologie gegeben wird, würde auch Geist und Physis enthalten. Und bei einer solchen Teilung kann nichts anderes herauskommen, sehr verehrte Anwesende, als höchstens, was zwischen Hänschen und Karlchen geschah. Als sie einen Apfel teilen sollten, da sagte der Vater: Ja, aber teile ihn christlich, mein lieber Hans! Da sagte der Hans: Ja, aber wie soll man denn christlich teilen? Na, sagte der Vater, teile ihn so, dass du dir die kleinere Hälfte behältst und gibt dem Karlchen die größere. Nun, da sagte der Hans: Da mag lieber das Karlchen den Apfel teilen. So ungefähr mag da auch die Teilung geschehen, dass der eine darauf bedacht ist, wie er das größere Teilstück bekommt. Aber darum kann es sich nicht handeln.

[ 71 ] The only question is whether this is possible. It would be nice if, as a theologian, especially with the scientific worldview raging against theology, one could arrive at a genuine division: I give you what relates to the physical human being, and I take from you what relates to the human being of freedom. A loaf of bread can indeed be divided, but the division is such that both parts have the same. If one were to divide the human being in the sense described and say: one part is given to science, and the other to theology, then just as one half of the loaf of bread, the part given to natural science, would contain spirit and physicality, so too would the other part, given to theology, contain spirit and physicality. And with such a division, ladies and gentlemen, nothing else can result but what happened between Hans and Karl. When they were supposed to share an apple, their father said: Yes, but share it Christianly, my dear Hans! Then Hans said: Yes, but how should one share Christianly? Well, said his father, share it so that you keep the smaller half and give Karlchen the larger half. Well, then Hans said: Karlchen had better share the apple. That's roughly how the division may happen, with one person intent on getting the larger piece. But that cannot be the case.

[ 72 ] Wenn man nämlich tatsächlich eine solche Teilung, die zu einem wirklichen Zusammenarbeiten zwischen geistiger Weltenbetrachtung und Naturwissenschaft führen soll, verrichten will, so muss dies so sein, so sich vollführen, dass man eben teilt, wie wenn man das Brot abteilt in Mehl und Wasser zum Beispiel; dann ist es natürlich nicht mehr Brot, dann gibt man auf der einen Seite das Mehl hin, auf der andern das Wasser. So ist es in der Tat: Dasjenige, was die Naturwissenschaft vom Menschen erforschen kann, das ist das, in das der Mensch untertaucht mit seinem ewigen Wesen. Das ist nicht der Mensch; denn in diesem Menschen zwischen Geburt und Tod sitzt auch dieses ewige Wesen; aber dieses ewige Wesen geht durch wiederholte Erdenleben und durch andere Leben zwischen Toden und Geburten hindurch, wie das gezeigt worden ist. Und dasjenige, was so umgestaltend eingreift, indem der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt, was durchzieht, wie im Brote das Wasser das Mehl, so den physischen Menschen, das kann in der Tat für sich betrachtet werden durch schauendes Bewusstsein, und abgetrennt werden von demjenigen, was mit Händen greift und mit physischen Augen schaut, und mit gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Werkzeugen erkannt werden kann: der äußere physische Mensch.

[ 72 ] For if one really wants to carry out such a division, which is supposed to lead to genuine cooperation between spiritual worldview and natural science, then it must be done be carried out in such a way that one divides, as when one divides bread into flour and water, for example; then, of course, it is no longer bread, but on the one hand one has the flour and on the other the water. This is indeed the case: what natural science can investigate about human beings is that into which human beings immerse themselves with their eternal being. That is not the human being; for in this human being between birth and death there also sits this eternal being; but this eternal being passes through repeated earthly lives and through other lives between death and birth, as has been shown. And that which intervenes so transformatively when human beings come into existence through birth, which permeates the physical human being as water permeates flour in bread, can indeed be seen for itself through contemplative consciousness, and separated from that which can be grasped with the hands and seen with physical eyes, and recognized with ordinary scientific instruments: the outer physical human being.

[ 73 ] Es wird in vielen Dingen notwendig sein, noch genauer und anders zu denken, als das heute schon dem Menschen möglich ist, wenn man dasjenige wird einsehen wollen, was Geisteswissenschaft der ganzen Geisteskultur nach den Forderungen, die die Gegenwart und die Zukunft immer mehr und mehr erheben werden, sein kann und sein soll. Und auch in Bezug auf die Naturwissenschaft wird manches Vorurteil überwunden werden müssen. Heute glauben allerdings die Naturforscher, indem sie bloß den physischen Menschen — der überhaupt nicht der Mensch ist, wie das Mehl nicht das Brot ist —, indem sie den durchforschen, glauben sie den ganzen Menschen zu durchforschen. Allein mit diesem Menschen, der da durchforscht wird von der Naturwissenschaft, ist es nicht anders, als es ist, möchte ich sagen auf einem anderen Gebiete, wo der naturwissenschaftlichen Hypothese gegenüber ein tieferes Empfinden sehr wohl das ganz Unangemessene dem Dasein [gegenüber] empfindet. Das ist, wenn die Naturwissenschaft im Laufe der Jahre aufgestellt hat das, was man ja die KantLaplace’sche Theorie nennt. Ich weiß, sehr verehrte Anwesende, dass diese Kant-Laplace’sche Theorie heute von vielen sehr modifiziert gedacht wird; aber der Geist, aus dem heraus sie auch heute aufgestellt wird, der ist derselbe, aus dem sie von Kant und Laplace selbst aufgestellt worden ist. Da wird gezeigt, wie aus einer Art von Urnebel, ja, der in einer Rotierung war, sich nach und nach die Sonne und andere Planeten abgeschieden haben, und wie dasjenige, was heute uns umgibt als Sonnensystem, auf diese Art entstanden ist. Da wird nur außer Acht gelassen, was innerhalb dieses Urnebels schon geistig war und zu diesem Geistig-Gestalteten von jetzt geführt hat.

[ 73 ] In many respects, it will be necessary to think even more precisely and differently than is possible for human beings today if we want to understand what Spiritual Science can and should be for the whole of spiritual culture, in accordance with the demands that the present and the future will increasingly make. And also with regard to natural science, many prejudices will have to be overcome. Today, however, natural scientists believe that by researching only the physical human being — who is not the human being at all, just as flour is not bread — they are researching the whole human being. But with this human being who is being researched by natural science, it is no different than it is, I would like to say in another field, where a deeper feeling very well perceives the completely inappropriate [in relation to] existence as opposed to the scientific hypothesis. That is, when science has established over the years what is called the Kant-Laplace theory. I know, dear audience, that this Kant-Laplace theory is now thought of by many in a very modified way; but the spirit from which it is still established today is the same from which it was established by Kant and Laplace themselves. It shows how, from a kind of primordial nebula that was in rotation, the sun and other planets gradually separated, and how what surrounds us today as the solar system came into being in this way. What is ignored, however, is what was already spiritual within this primordial nebula and led to the spiritual form we see today.

[ 74 ] Man kann solche Dinge sogar sehr anschaulich machen, und diese Anschauung kann ja ein großer Versucher sein: Man zeigt den Kindern schon in der Schule, indem man einen kleinen Tropfen Öl nimmt, der auf dem Wasser schwimmt, und ein Kärtchen, ein Kartenblatt zurechtschneidet, und einen Strohhalm durchschiebt, das Ganze zum Rotieren bringt, bis sich in der Tat von diesem mittleren Tropfen kleine Tröpfchen abgelöst haben: man hat eine Welt im Kleinen von rotierenden Punkten, ein ganzes Weltensystem. Diese Anschaubarkeit, die ist ungemein einleuchtend. Und das so Einleuchtende, das lieben ja die Leute heute so sehr, nur dass man vergisst dabei das eine, was sonst oftmals gut ist zu vergessen, man vergisst, dass man selber es war, der da gedreht hat! Und bei einem naturwissenschaftlichen Experiment darf man nichts vergessen. Man müsste also — bei diesem Experiment zur Verdeutlichung des Entstehens eines Weltensystems — annehmen, dass da draußen ein großer Herr Lehrer, ein großer Herr Professor auch dastehen würde und eine Nadel durchgesteckt hätte; denn ohne das würde die Rotation nicht habe eintreten können, die Absonderung der Planeten! Auf der anderen Seite vergisst man, dass sich von dem Öltropfen nur wieder Öltropfen absondern, also etwas, was von gleicher Gestalt ist als etwas, das im Urnebel enthalten sein kann.

[ 74 ] Such things can even be made very vivid, and this visualization can be a great temptation: Children are shown this in school by taking a small drop of oil floating on water, cutting a small card or piece of paper to size, pushing a straw through it, causing the whole thing to rotate until small droplets have indeed detached themselves from this central drop: you have a miniature world of rotating points, an entire world system. This visual representation is extremely illuminating. And people today love things that are so obvious, except that in doing so, they forget the one thing that is often good to forget: they forget that it was they themselves who turned it! And in a scientific experiment, you mustn't forget anything. So in this experiment to illustrate the creation of a world system, you would have to — assume that there was a great teacher, a great professor, standing there and sticking a needle through it; because without that, the rotation could not have taken place, the separation of the planets! On the other hand, one forgets that only oil droplets separate from the oil droplet, i.e., something that is of the same shape as something that may be contained in the primordial nebula.

[ 75 ] Deshalb haben tiefere Geister dies so empfunden wie Herman Grimm das ausgesprochen hat, der bedeutende Kunstforscher, der sich dabei auf Goethe bezieht und sagt: «Goethe würde solche Phantasien über Herbringung eines Weltenbildes zuletzt haben.» Herman Grimm sagt, und es ist wohl zu beachten, wie solche Menschen mit tieferen Gefühlen diesen Dingen gegenüberstehen:

[ 75 ] That is why deeper minds have felt this way, as expressed by Herman Grimm, the eminent art historian, who refers to Goethe and says: "Goethe would ultimately have such fantasies about the creation of a world picture. " Herman Grimm says, and it is worth noting how such people with deeper feelings view these things:

Längst hatte in seinen

Long ago, in his

[ 76 ] — Goethes —

[ 76 ] — Goethe's —

Jugendzeiten schon, die große Laplace-Kant’sche Phantasie von der Entstehung und dem einstigen Untergange der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen aus dem hernach die Erde wird, und macht, als erstarrende Kugel, in unfassbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit einbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen: ein langer, aber dem heutigen Publikum völlig begreiflicher Prozess, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens mehr bedürfe als die Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten.

Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden

youth, the great Laplace-Kant fantasy of the origin and eventual demise of the globe had already taken hold. From the rotating nebula—children already learn this in school—the central gas cloud forms, which then becomes the Earth, and, as a solidifying sphere, it went through all phases, including the episode of habitation by the human race, in inconceivable periods of time, only to finally fall back into the sun as burnt-out slag: a long process, but one that is completely comprehensible to today's audience, for the realization of which no external intervention is now necessary other than the effort of some outside force to keep the sun at the same heating temperature.

No more fruitless prospect for the future can be imagined

[ 77 ] — sagt Herman Grimm weiter

[ 77 ] — Herman Grimm continues

als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich not wendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg machte, wäre ein erfrischendes, appetitliches Stück im Vergleiche zu diesem Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wissbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären, die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn aufwenden werden.

Niemals hat Goethe solchen Trostlosigkeiten Einlass gewährt.

than the one that is being imposed on us today as scientifically necessary. A carcass around which a hungry dog made a detour would be a refreshing, appetizing morsel in comparison to this excrement of creation, as which our earth would ultimately fall back to the sun, and it is the thirst for knowledge with which our generation accepts such things and believes them to be true, a sign of a sick imagination, which scholars of future epochs will once again apply much acumen to explain as a historical phenomenon of the time.

Goethe never allowed such desolation to enter his work.

[ 78 ] So sagte Herman Grimm.

[ 78 ] So said Herman Grimm.

[ 79 ] Nein, ebenso wenig, wie bei dieser — in ihren Grenzen vollberechtigten — Hypothese die Erkenntnis stehen bleiben kann, ebenso wenig kann die Erkenntnis mit Bezug auf das ewige Wesen der Menschenseele stehen bleiben bei demjenigen, was physiologisch der Naturforscher überhaupt aus dem Nervensystem, aus dem übrigen Organismus, aus der Leiblichkeit heraus zu sagen hat. Denn dieselben Worte, die Herman Grimm aus einem tieferen Menschheitsempfinden heraus auf die Kant-Laplace’sche Theorie, wenn sie über ihre Grenzen hinaus unberechtigt erscheint, zu sagen hat, die ließen sich auch sagen gegen das, was mancher Naturforscher der Gegenwart gegenüber einer wirklichen Weltanschauung in Bezug auf das ewige Wesen der Menschenseele heute vorzubringen hat.

[ 79 ] No, just as little as this hypothesis — fully justified within its limits — hypothesis, knowledge cannot remain with regard to the eternal nature of the human soul with what the natural scientist has to say physiologically about the nervous system, the rest of the organism, and physicality. For the same words that Herman Grimm, out of a deeper sense of humanity, applied to the Kant-Laplace 's theory when it appears unjustified beyond its limits, could also be said against what some natural scientists of the present day have to say about a real worldview in relation to the eternal nature of the human soul today.

[ 80 ] Dabei soll durchaus nichts — das haben Sie aus dem Geiste meines heutigen Vortrages wohl erkannt vielleicht — gegen die wirklichen, positiven Resultate dieser Naturwissenschaft eingewendet werden. So wie die Bekenner der Religion sehen würden, wenn sie auf die Geisteswissenschaft wirklich eingingen, dass Geisteswissenschaft gerade eine feste Stütze für das religiöse Leben des Menschen ist, und dass es wahr ist, tief wahr, was gesagt werden kann in Anknüpfung an einen Theologen und ich meine jetzt einen katholischen Theologen, an den ich mich immer wieder erinnern muss, wenn diese Fragen auf die Tagesordnung kommen, ein katholischer Theologe, der ein guter Priester war und bis zu seinem Tode betont hat, dass er ein treuer Sohn seiner Kirche habe immer bleiben wollen, er hat bei der Rektoratsrede, beim Antritt seines Rektoramtes — er war Professor für christliche Philosophie —, dass die neuere christliche Gesinnung sich nicht auflehnen sollte gegen so etwas, wie es Galilei in die Geistesentwicklung der Menschheit eingeführt hat. Denn gegenüber alle dem, was auf diese Weise in die Geistesentwicklung der Menschheit eingeführt wird, muss man sich so verhalten, dass man sich sagt: Durch solche Entdeckungen wird die Weisheit, die ausgebreitet ist, die göttliche Weisheit, die ausfloss vom göttlichen Universum, nicht vermindert, sondern im Gegenteil, in der Erkenntnis erhöht.

[ 80 ] In doing so, nothing should be objected to — as you may have recognized from the spirit of my lecture today — against the real, positive results of this natural science. Just as the professed believers would see, if they really engaged with Spiritual Science, that Spiritual Science is precisely a firm support for the religious life of human beings, and that it is true, deeply true, what can be said in connection with a theologian, and I now mean a Catholic theologian, whom I always remember when these questions come up, a Catholic theologian who was a good priest and who emphasized until his death that he had always wanted to remain a faithful son of his church, he said in his rector's speech, when he took up his rectorship — he was a professor of Christian philosophy — that the newer Christian attitude should not rebel against something as Galileo introduced into the intellectual development of humanity. For in relation to everything that is introduced in this way into the intellectual development of humanity, one must behave in such a way that one says to oneself: through such discoveries, the wisdom that is spread, the divine wisdom that flowed from the divine universe, is not diminished, but on the contrary, increased in knowledge.

[ 81 ] So kann man auch sagen: Dadurch, dass erkannt werden die Geheimnisse der geistigen Welt, wird das Wirken der göttlichen Weisheit nicht in ein geringeres Licht gestellt, sondern in ein immer weiter und weiter leuchtendes Licht gestellt. Und auch die Naturforschung wird sehen, dass gerade dasjenige, was sie als ihr Bedeutendes vorzubringen hat, erst erklärbar wird, wenn es beseelt werden kann von dem, was Geisteswissenschaft über die geistigen Welten zu sagen hat.

[ 81 ] So one can also say: through the recognition of the secrets of the spiritual world, the workings of divine wisdom are not placed in a lesser light, but in an ever wider and brighter light. And natural science will also see that precisely what it has to offer as significant can only be explained when it can be animated by what Spiritual Science has to say about the spiritual worlds.

[ 82 ] Jetzt allerdings ist die Naturwissenschaft, beziehungsweise ihre Vertreter, noch wenig geneigt, sich auf diese Dinge einzulassen. Allein, sehr verehrte Anwesende, in dieser Beziehung kann man manchmal diese Naturforschung auf etwas ganz Besonderem ertappen. Man braucht durchaus nicht aufmerksam zu machen auf bloß unbedeutende, minderwertige Geister, wenn man hinweisen will auf Gegnerschaften gegen die Geisteswissenschaft heute — auf Gegnerschaften gegen die ganze Gesinnung der Geisteswissenschaft —, man kann auf die bedeutendsten Naturforscher der Gegenwart hinweisen. Allein, wie denken manchmal unter dem bleibenden Einflusse der neueren naturwissenschaftlichen Richtung solche Naturforscher?

[ 82 ] At present, however, natural science, or rather its representatives, are still not very inclined to engage with these matters. However, dear friends, in this regard, one can sometimes catch natural science in something quite special. There is no need to draw attention to insignificant, inferior minds when pointing out opposition to Spiritual Science today — opposition to the whole spirit of Spiritual Science — one can point to the most important natural scientists of the present day. But how do such natural scientists sometimes think under the lasting influence of the newer scientific trend?

[ 83 ] Ich will etwas von einem bedeutenden, von mir hochgeschätzten Naturforscher anführen, der ein Buch geschrieben hat, das sehr bedeutend ist auf dem Gebiet der Astrophysik, und der in seinem Vorwort das Folgende sagt, in dem man ihn, ich möchte sagen, weil er im Unbewussten sich ausdrückt, so recht ertappen kann aus dem inneren Fühlen, das aus dem Naturforscher heute so sonderbar in Geltung ist. Da sagt dieser, wie ich nochmals betone, außerordentlich bedeutende Naturforscher:

[ 83 ] I would like to quote something from an important natural scientist whom I hold in high esteem, who has written a book that is very significant in the field of astrophysics, and who says the following in his foreword, in which, I would say, because he expresses himself unconsciously, can really be caught out by the inner feeling that is so strangely prevalent among natural scientists today. This, I emphasize once again, is what this extraordinarily important natural scientist says:

Zuweilen hört man sagen, dass wir in der «besten der Welten» leben; darüber lässt sich schwer etwas Wohlbegründetes aussagen, aber wir — wenigstens die Naturforscher — können mit aller Sicherheit behaupten, dass wir in der «besten der Zeiten» leben. Wir können in der festen Hoffnung, dass die Zukunft nur noch besser werden wird, mit dem großen Natur- und Menschenkenner Goethe sagen

Sometimes we hear it said that we live in the “best of all worlds”; it is difficult to say anything well-founded about this, but we — at least natural scientists — can say with certainty that we live in the “best of times.” We can say with the great naturalist and humanist Goethe, in the firm hope that the future will only get better:

[ 85 ] — er ist sich klar darüber, dass das, was die Naturwissenschaft hervorbringt, gar keine Erläuterung durch irgendeine Geistesforschung braucht; deshalb lebt man in der «besten der Zeiten» als Naturforscher —,

[ 85 ] — he is clear that what natural science produces does not need to be explained by any kind of spiritual research; that is why natural scientists live in the “best of times” —,

wir können in der festen Hoffnung, dass die Zukunft nur noch besser werden wird, mit dem großen Natur- und Menschenkenner Goethe sagen:

«Es ist ein groß’ Ergötzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.»

we can say with the great naturalist and humanist Goethe, in the firm hope that the future will only get better:

"It is a great delight
To put oneself in the spirit of the times,
To see how a wise man thought before us,
And how we have ultimately come so far."

[ 86 ] Sie wissen es wohl alle, sehr verehrte Anwesende, was der große Naturforscher, um sich vor sich selber zu rechtfertigen, in diesem Augenblicke eben nicht fühlt. Sie wissen alle, sehr verehrte Anwesende, dass Goethe diese Worte dem Wagner in den Mund legt, als Wagner dem Faust gegenübertritt. Nicht «Goethe, der große Natur- und Menschenkenner», sondern Wagner, der Pedant Wagner ist es, der beschränkte Mensch Wagner ist es; der setzt diese Worte dem Faust entgegen!

[ 86 ] You all know, dear guests, what the great naturalist, in order to justify himself, is not feeling at this moment. You all know, dear guests, that Goethe puts these words into Wagner's mouth when Wagner confronts Faust. It is not “Goethe, the great naturalist and connoisseur of human nature,” but Wagner, the pedantic Wagner, the narrow-minded Wagner; it is he who opposes Faust with these words!

[ 87 ] Es wird auf eine nette Gesinnung — gerade bei einem der allerbedeutendsten Naturforscher der Gegenwart hingewiesen, indem man ihn bei so etwas abfängt. Faust aber, der sagt, indem er auf Wagners Gesinnung hinschaute, wie etwa Herman Grimm hinschaut auf jene Naturforscher, welche zum Beispiel in der Kant-Laplace’schen Hypothese das «Umundum» aller Weltanschauungserkenntnisse suchen, Faust sagt:

[ 87 ] It is a nice sentiment — especially in one of the most important natural scientists of the present day — by catching him out in such a way. But Faust, looking at Wagner's attitude, says, as Herman Grimm looks at those natural scientists who, for example, seek the “Umundum” of all worldview knowledge in the Kant-Laplace hypothesis, Faust says:

Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!

How all hope does not vanish from the head,
Which constantly clings to stale evidence,
Digging for treasures with greedy hands,
And is happy when it finds earthworms!

[ 88 ] Faust, der jedenfalls mehr Goethes Gesinnung ausdrückt als der Wagner, vielleicht können wir mit ihm, dem Faust sagen «mit dem großen Natur- und Menschenkenner Goethe», er sagt:

[ 88 ] Faust, who in any case expresses Goethe's sentiments more than Wagner, perhaps we can say with him, the Faust “with the great connoisseur of nature and humanity, Goethe,” he says:

Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer finder!

How only the head does not lose all hope,
Who clings to stale evidence,
Digging greedily for treasures,
And is happy when he finds earthworms!

[ 89 ] Das könnte man heute manchem bedeutenden Naturforscher mit demselben Recht entgegenhalten, wie manche Musiker sie entgegenhalten könnten, diese Gesinnung, zum Beispiel Weber, dem Komponisten des «Freischütz», Weber, der die siebente Symphonie Beethovens gehört hatte, und sagte:

[ 89 ] Today, one could just as rightly hold this attitude against many an eminent natural scientist, just as some musicians might hold it against Weber, the composer of “Freischütz,” Weber, who had heard Beethoven's Seventh Symphony and said:

Mit diesen Extravaganzen hat Beethoven das Nonplusultra erreicht; er ist vollständig reif fürs Irrenhaus!

With these extravagances, Beethoven has reached the ultimate; he is completely ready for the madhouse!

[ 90 ] Man sieht dabei, dass man nicht einmal ein unbedeutender Mensch zu sein braucht, sondern Weber sein kann, der Komponist des «Freischütz», und etwas verkennen, was sich in die Geistesentwicklung der Menschheit hineinstellt, und was später in seiner Größe anerkannt wird, trotz aller Deutungen, die man selbst hat.

[ 90 ] This shows that one does not even need to be an insignificant person, but can be Weber, the composer of “Der Freischütz,” and misjudge something that is part of the intellectual development of humanity and which will later be recognized in its greatness, despite all the interpretations one may have oneself.

[ 91 ] Deshalb muss auch immer wieder und wiederum gesagt werden, gerade gegenüber den Gegnerschaften, die sich aus der Naturwissenschaft und auch aus religiösen Bekenntnissen heraus gegenüber der Geisteswissenschaft ergeben — es darf schon hingewiesen werden darauf, dass man wohl vielleicht mit einem «großen Geiste, wie Goethe», eher spricht, wenn man statt der Worte, die er einem Wagner in den Mund legt, statt der Worte

[ 91 ] That is why it must be said again and again, especially to those opponents of Spiritual Science who come from the natural sciences and also from religious denominations — it should be pointed out that one might speak more accurately of a “great mind, like Goethe” if, instead of the words he puts into Wagner's mouth, instead of the words

«Es ist ein groß’ Ergötzen
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.»

“It is a great delight
To put oneself in the spirit of the times,
To see how a wise man thought before us,
And how we have finally come so far.”

[ 92 ] —, wenn man statt dieser Worte andere gebraucht. Denn, sehr verehrte Anwesende, diese Worte drücken aus die geistige Gesinnung des Stillstandes, den Geist des Vorurteils, die nicht mitgehen wollen mit dem, was sich in die Geistesentwicklung der Menschheit hineinstellen muss. Denen gegenüber, die wohl nichts bedürfen, sondern die bestehen wollen auf demjenigen, was sie schon haben, denen gegenüber wird man mit Goethe und mit all denjenigen, die tief drinnenstehen in dem Geiste des Menschheitsfortschritts eher sprechen, wenn man diesen Wagner-Worten andere gegenüberstellt, mit denen Sie mich meine heutigen Betrachtungen abschließen lassen wollen, sehr verehrte Anwesende, den Worten gegenüber des Wagner:

[ 92 ] —if one uses other words instead of these. For, dear attendees, these words express the intellectual attitude of stagnation, the spirit of prejudice, which does not want to go along with what must be incorporated into the intellectual development of humanity. To those who need nothing, but who insist on what they already have, to those people, one would rather speak with Goethe and with all those who are deeply rooted in the spirit of human progress, if one contrasts these words of Wagner with others, with which you, dear audience, would like me to conclude my reflections today, with the words of Wagner:

«Es ist ein groß’ Ergötzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.»

“It is a great delight
To put oneself in the spirit of the times,
To see how a wise man thought before us,
And how we have finally come so far.”

[ 93 ] — muss ein jeder, der es wirklich ernst meint mit dem, was innerhalb der Menschheitsentwicklung immer der Impuls des Fortschritts war, andere Worte gebrauchen, die ich so formulieren möchte:

[ 93 ] — anyone who is truly serious about what has always been the impulse of progress in human development must use other words, which I would like to formulate as follows:

Es ist ein groß’ Erleben,
Sich zu dem Geist der Zeiten zu erheben,
Zu hören, wie so mancher echte Weise spricht:
Nur immer strebend dringen wir zum Licht.

It is a great experience,
To rise to the spirit of the times,
To hear how many a true sage speaks:
Only by striving can we reach the light.