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Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a

10 November 1916, Bern

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Die Menschlichen Seelenrätsel vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft (Anthroposophie)

The Mysteries of the Human Soul from the Perspective of Spiritual Science (Anthroposophy)

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Über Fragen der menschlichen Erkenntnis, die wohl jeder Seele so nahe als möglich liegen, möchte ich Ihnen heute Abend sprechen, und zwar von dem Gesichtspunkt der Anthroposophie oder Geisteswissenschaft, von dem aus ich schon öfter auch in dieser Stadt sprechen durfte. Spricht man von diesem Gesichtspunkte aus, so ist man allerdings heute noch vielen Missverständnissen unterworfen; denn diese Anthroposophie wird ja insbesondere in der letzten Zeit von vielen Seiten in der Weise besprochen, dass man zuerst von ihr ein Bild entwirft, das man nach seinen eigenen, möglichst wenig zulänglichen Vorstellungen, die oftmals von wenig Erkenntnis der Sache getrübt sind, entwirft und dann nicht diese Anthroposophie, sondern ein Bild, das man erst entworfen hat, kritisiert oder charakterisiert.

[ 1 ] Dear audience! Tonight I would like to talk to you about questions of human knowledge that are probably as close to every soul as possible, from the perspective of anthroposophy or Spiritual Science, from which I have often had the opportunity to speak in this city. When speaking from this perspective, one is still subject to many misunderstandings today; For, especially in recent times, anthroposophy has been discussed by many in such a way that they first form an image of it based on their own, often inadequate mental images, which are frequently clouded by a lack of knowledge of the subject, and then criticize or characterize not anthroposophy itself, but the image they have formed.

[ 2 ] Man kann einmal dasjenige, was hier mit anthroposophischer Weltanschauung gemeint ist, sich genauer ansehen, ansehen, wie man heute gewohnt ist, andere Zweige der menschlichen Wissenschaft anzusehen, so wird man schon bemerken, dass diese Anthroposophie sich hineinstellt innerhalb der Gegenwart in das Gesamtleben der menschlichen Geistesentwicklung in einer ganz ähnlichen Weise, wie sich vor drei bis vier Jahrhunderten das naturwissenschaftliche Denken in diese Geistesentwicklung hineingestellt hat, und man wird erkennen, wie es notwendig geworden ist für die Grundlegung gewisser menschlicher Erkenntnisbedürfnisse, die sich unmittelbar auf den Menschen selber beziehen, zu der Methode, zu der Anschauungsweise dieser Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu greifen, geradeso wie eben vor Zeiten es notwendig geworden ist, selbstverständlich geworden ist, zur naturwissenschaftlichen Anschauung zu greifen. Ja, man wird erkennen, dass es gerade deshalb notwendig ist, zu dieser Geisteswissenschaft zu greifen, weil die Naturwissenschaft mit ihren großen, nicht in irgendeiner Weise von der Geisteswissenschaft verkannten Errungenschaften allen menschlichen Bestrebungen ein Gepräge gegeben hat, welches auch mit Bezug auf das Forschen der geistigen Bedürfnisse des Menschen neue Wege notwendig machen wird.

[ 2 ] One can take a closer look at what is meant here by an anthroposophical worldview, looking at it in the way we are accustomed to looking at one looks at other branches of human science today, one will notice that anthroposophy fits into the present day, into the overall life of human spiritual development, in much the same way as scientific thinking fitted into this spiritual development three or four centuries ago, and one will recognize how it has become necessary, in order to lay the foundation for certain human needs for knowledge that relate directly to human beings themselves, to resort to the method, to the worldview of this Spiritual Science or anthroposophy, just as it became necessary, indeed self-evident, in times past to resort to the scientific view. Yes, one will recognize that it is precisely for this reason that it is necessary to resort to Spiritual Science, because natural science, with its great achievements, which are in no way misunderstood by Spiritual Science, has left its mark on all human endeavors, which will also necessitate new approaches with regard to researching the spiritual needs of human beings.

[ 3 ] Ich will nun, indem ich die Ausführung dieses Gedankens einer späteren Stelle meines Vortrages überlasse, jetzt sogleich versuchen, zu zeigen, wie Geisteswissenschaft und zwar, ich meine ganz im Geiste der Naturwissenschaft, aus der unmittelbaren Erfahrung, allerdings aus der geistigen Erfahrung heraus, die Rätselfragen des menschlichen Seelenlebens, soweit es der menschlichen Erkenntnis möglich ist, zu lösen versuchte. Allerdings, von vornherein ist eines notwendig für denjenigen, der selber forschen will in der angegebenen Richtung. Notwendig ist, dass er durch den Einblick in dasjenige, was die anderen Wissenschaften mit ihren Methoden gewähren können, gerade über die Fragen des Seelenlebens nicht zurechtkommen kann, dass die anderen Wissenschaften gewisse Grenzen haben, über die sie nicht hinauskönnen, und jenseits welcher Grenzen eigentlich erst das Gebiet beginnt, aus dem heraus Aufschluss über die Rätselfragen des Seelenlebens kommen kann.

[ 3 ] I will now leave the elaboration of this thought to a later part of my lecture and immediately attempt to show how Spiritual Science, in the spirit of natural science, has attempted to solve the riddles of human soul life, as far as human knowledge allows, based on direct experience, albeit spiritual experience. However, one thing is necessary from the outset for those who want to conduct research in this direction themselves. It is necessary that they gain insight into what other sciences with their methods cannot cope with questions of the soul life, that the other sciences have certain limits beyond which they cannot go, and that it is beyond these limits that the field actually begins from which insight into the riddles of the soul life can come.

[ 4 ] Und so ist schon dasjenige notwendig, sehr verehrte Anwesende, was viele so anstößig finden, dass derjenige, der selber Forscher wird auf dem Gebiete geistiger Erkenntnis, andere Seelenkräfte, andere Erkenntnismittel in seiner eigenen Seele entwickelt als diejenigen sind, welche der Mensch in seinem Alltagsleben zur Verfügung hat, und welche er ja in der einen oder in der anderen Weise erweitert, auch auf dem Gebiete naturwissenschaftlicher Weltanschauung anwendet. Ich sage: Verpönt ist gerade dieses Prinzip menschlicher Erkenntnis, die Entwicklung besonderer Seelenkräfte, weil der Mensch in der Gegenwart gewohnt geworden ist, möglichst wenig über dasjenige hinauszugehen mit Bezug auf das Erkennen, was ihm, man möchte sagen ohne sein Zutun eingeboren ist; während allerdings derjenige, der in den Fragen des Seelenlebens forschen will, nicht stehen bleiben kann bei denjenigen Kräften, die er ohne sein Zutun schon hat, sondern in einer gewissen Weise in jeder menschlichen Seele vorhandene, aber erst in ihren Tiefen heraufzuholende Erkenntniskräfte zu entwickeln hat.

[ 4 ] And so, dear attendees, what many find so offensive is necessary: that those who become researchers in the field of spiritual knowledge develop other soul forces and other means of knowledge in their own souls than those available to people in their everyday lives, and which they expand in one way or another, also apply in the field of scientific worldview. I say: It is precisely this principle of human knowledge, the development of special soul forces, that is frowned upon, because people in the present have become accustomed to going as little as possible beyond what, in terms of knowledge, is one might say without his own doing; whereas, however, those who wish to investigate questions of soul life cannot remain with the powers they already have without their own doing, but must develop the powers of cognition that are present in every human soul in a certain way, but which must first be brought up from its depths.

[ 5 ] Nun habe ich in früheren Vorträgen, die ich hier in dieser Stadt halten durfte, darauf hingewiesen, wie solche besonderen Erkenntniskräfte in der menschlichen Seele entwickelt werden können; und ich will dasjenige, was ich schon öfter in dieser Stadt gesagt habe, nicht gerade am heutigen Abend wiederholen, möchte nur auf manches Prinzipielle hinweisen. Die Einzelheiten darüber, wie man die Seelenkräfte entwickelt, damit die Seele fähig werde, in die geistige Welt hineinzuschauen, sie findet man ja in derjenigen Literatur, durch die ich versuchte, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu begründen und bis zu einem gewissen Grade auszuführen, zum Beispiel in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» oder in meiner «Geheimwissenschaft» oder in anderen Büchern. Es handelt sich vor allen Dingen darum, dass diejenigen Seelenkräfte, die dem Menschen im Alltagsleben und auch in der gewöhnlichen Wissenschaft zur Verfügung stehen und die man ja gewöhnlich zusammenfasst mit den Worten Denken, Fühlen, Wollen, dass diese Seelenkräfte, so wie sie sind, nicht geeignet sind, in das Geistesleben wirklich hineinzuführen, sondern dass sie erst in einer bestimmten Weise ausgebildet — zur weiteren Gestaltung als diejenigen sind, die sie von vornherein haben — entwickelt werden müssen. Da handelt es sich darum, dass zunächst das Denken im Geistesforscher nicht so bleibt — für die Geistesforschung selbstverständlich, nicht für das alltägliche Leben oder die gewöhnliche Wissenschaft —, nicht so bleibt, wie es ist, sondern dass dieses Denken in einer langen, intensiven Selbstzucht weitergebildet werde, so weitergebildet werde, dass man eigentlich dieses Denken in ganz andere Bahnen bringt, als es für das gewöhnliche Leben läuft.

[ 5 ] Now, in earlier lectures that I had the privilege of giving here in this city, I have pointed out how such special powers of cognition can be developed in the human soul; and I do not want to repeat what I have already said many times in this city, but only point out a few principles. The details of how to develop the soul's powers so that the soul becomes capable of looking into the spiritual world can be found in the literature through which I have attempted to establish Spiritual Science or anthroposophy and to develop it to a certain degree, for example in my book “How to Know Higher Worlds” or in my “Occult Science” or in other books. The main point is that the soul forces available to human beings in everyday life and also in ordinary science, which are usually summarized with the words thinking, feeling, and willing, are not suitable as they are to truly lead into spiritual life, but that they must first be trained in a certain way — developed for further formation than those they have from the outset. The point is that, initially, thinking in the spiritual researcher does not remain as it is — for spiritual research, of course, not for everyday life or ordinary science — but that this thinking be further developed in a long, intensive process of self-discipline, developed in such a way that this thinking is actually brought into completely different channels than those of ordinary life.

[ 6 ] Man kann dasjenige — aber auf Symbole kommt es nicht an, die vielfach durch allerlei mystische Verschrobenheiten Anstoß erregen —, man kann dasjenige, was das Denken mit sich selber tun muss, um das entsprechende Ziel zu erreichen, Meditation, Konzentration der Denkkräfte nennen. Das Wesentliche besteht darinnen, dass man gewissermaßen alle Kraft des Denkens darauf verwendet, das Denken selbst zu entwickeln, nicht wie man sonst im Leben es macht, in dem Denken, in den Vorstellungen zunächst Resultate, Bilder über die Außenwelt zu erhalten, sondern die Kraft des Denkens wird verwendet, um dieses Denken immer feiner, immer kraftvoller, immer intensiver zu machen. Man erreicht es dadurch, dass man durch gewisse Zeiten hindurch — im Einzelnen brauchen diese Zeiten durchaus nicht lang zu sein, aber es ist ein durch lange Zeit hindurchgehendes Streben nach dieser Richtung notwendig —, es besteht also diese meditative Methode darin, dass man gewisse Gedanken, die man so formt, dass man sie überblicken kann, das nicht in einem Unbewussten oder Unterbewussten sein kann, dass man solche Gedanken anwesend sein lässt in der Seele, dass man sich gewöhnt, mit solchen Gedanken zu leben, sodass man, während man mit ihnen lebt, wirklich ausschließt alles Erinnern, alles Wahrnehmen, alles Fühlen von irgendetwas anderem; sodass man mit seinem ganzen Sein verweilt in einem solchen, man kann sagen selbst gemachten Gedanken, diesen Gedanken ruhen lässt im Bewusstsein. Wenn man das in genügender Ausdauer — manchmal sind Jahre dazu notwendig — immer wiederholt, dann wird man merken, dass das menschliche Denken allerdings etwas anderes werden kann, als es von vornherein ist.

[ 6 ] One can call what thinking must do with itself in order to achieve the corresponding goal meditation, concentration of the powers of thinking — but symbols, which often cause offense through all kinds of mystical eccentricities, are not important. The essential thing is that one uses, as it were, all one's thinking power to develop thinking itself, not as one otherwise does in life, in which thinking and mental images are used primarily to obtain results, images of the outside world, but rather using the power of thought to make this thinking ever finer, ever more powerful, ever more intense. This is achieved by spending certain periods of time — these periods need not be long, but a long-term striving in this direction is necessary — on this meditative method, which consists of forming certain thoughts that are shaped in such a way that they can be surveyed, that cannot be in the unconscious or subconscious, that such thoughts are allowed to be present in the soul, that one becomes accustomed to living with such thoughts, so that while living with them, one truly excludes all memory, all perception, all feeling of anything else; so that one dwells with one's whole being in such a thought, one might say a self-made thought, allowing this thought to rest in consciousness. If one repeats this with sufficient perseverance — sometimes years are necessary — then one will notice that human thinking can indeed become something other than what it is from the outset.

[ 7 ] Derjenige, der durch solche innere intime Seelenerlebnisse mit dem Denken zum Geistesforscher wird, der macht Bekanntschaft mit jener inneren Erfahrung, welche darin besteht, dass man wirklich zu dem Punkte gelangt, wo man alle seine Kraft in das Denken hineinergießt, in das Denken, das gewissermaßen immer kraftvoller und feiner sich ausbilden will, und dann in einem Entwicklungsmomente steht, in dem man das Gefühl hat: jetzt hast du dein Selbst förmlich hineinergossen in dieses Denken; jetzt stehst du mit deinem Denken stille, denn die Körperlichkeit, der Organismus, bildet dir ein Hindernis. An diesem Punkte merkt man erst, wie gewisse naturwissenschaftliche Methoden in der Gegenwart richtig sind, welche das gewöhnliche Denken — nicht dieses entwickelte — abhängig machen von der körperlichen Organisation; denn man merkt, dass man mit diesem gewöhnlichen Denken, aus dem man ja das entwickelte herauszuholen hat, anstößt gleichsam an den Widerstand der körperlichen Organisation. Und dann hat man das Bedürfnis in diesem Augenblicke, dieses Denken nicht fortzusetzen, sondern gleichsam in ihm ruhend zu bleiben, nicht mehr Anspruch darauf zu machen — aber das ist der Ausdruck für ein inneres Erlebnis —, nicht mehr Anspruch darauf zu machen, durch eigene Anstrengungen nun mit dem Denken weiterzukommen, das Denken, das man bis zu diesem Punkte gebracht hat, gewissermaRen sich selbst zu überlassen.

[ 7 ] Those who become spiritual researchers through such intimate inner soul experiences with thinking become acquainted with that inner experience which consists in really reaching the point where one pours all one's energy into thinking, into thinking that, in a sense, always wants to develop more powerfully and more finely, and then stands at a moment of development in which one has the feeling: now you have formally poured your self into this thinking; now you stand still with your thinking, because physicality, the organism, forms an obstacle for you. At this point, one realizes how certain scientific methods are correct in the present, which make ordinary thinking — not this developed thinking — dependent on the physical organization; for one realizes that with this ordinary thinking, from which one must extract the developed thinking, one encounters, as it were, the resistance of the physical organization. And then, at that moment, one feels the need not to continue this thinking, but to remain, as it were, at rest within it, to make no further demands on it — but this is the expression of an inner experience — to make no further demands on it, through one's own efforts, to now advance with the thinking that one has brought to this point, to leave the thinking, as it were, to itself.

[ 8 ] Das ist ein wichtiger, ein bedeutungsvoller Entwicklungsmoment im inneren Leben des Geistesforschers; denn dann ist das Denken in ihm gewissermaßen sich selbst überlassen, es arbeitet in ihm für sich selber. Und dann merkt er nach einiger Zeit, dass dieses Denken etwas ganz anderes wird, dass dieses Denken von einer realen Kraft durchzogen wird, von einer wirklichen, lebendigen Kraft durchzogen wird. Man kann spotten darüber, dass Geisteswissenschaft oder Anthroposophie davon spricht, dass der Mensch nicht nur besteht aus diesem physischen Leib, den man mit Händen greifen kann, mit dem sich die gewöhnliche Wissenschaft abgibt, sondern dass innerhalb dieses physischen Leibes vorhanden ist ein übersinnlicher, wenn man will ätherischer Leib — aber auf Ausdrücke kommt es nicht an, man braucht sich auch an Ausdrücken nicht zu stoßen —, ein ätherischer Leib vorhanden ist. Dieser ätherische Leib ist nicht erfunden; er ist nicht durch irgendeine Phantastik erdacht, sondern er wird erlebt in dem Momente, wo man das Denken dahin gebracht hat, dass es in sich selbst sich erkraftet und sich durchschießt mit innerlichem, realem Leben. Dann merkt man: Man hat in sich erstrahlend, sich erkraftend diesen ätherischen, diesen übersinnlichen Leib erfahren.

[ 8 ] This is an important, a significant moment of development in the inner life of the spiritual researcher; for then the thinking within him is, as it were, left to itself, it works within him for itself. And then, after some time, he notices that this thinking becomes something quite different, that this thinking is permeated by a real force, by a real, living force. One may scoff at the fact that Spiritual Science or anthroposophy speaks of the human being as consisting not only of this physical body that can be grasped with the hands, with which ordinary science is concerned, but that within this physical body there is a supersensible, if you will, etheric body — but expressions are not important, one need not take offense at the terms — there is an etheric body. This etheric body is not invented; it is not conceived by some fantasy, but is experienced at the moment when one has brought one's thinking to the point where it empowers itself and is permeated with inner, real life. Then one realizes: one has experienced this etheric, this supersensible body shining within oneself, empowering oneself.

[ 9 ] Und dieser übersinnliche Leib, als was stellt er sich heraus? Dieser übersinnliche Leib stellt sich heraus so, dass er gewissermaßen unser ganzes Wesen ergreift, aber so ist, wie sonst einzelne Glieder in unserem Organismus, zum Beispiel das Auge oder das Ohr. Wie das Auge oder das Ohr Sinnesorgane für die äußere Sinneswelt sind dadurch, dass sie sich selber nicht wahrnehmen, sondern in sich aufnehmen können die Wirkungen der Außenwelt, zu Wahrnehmungsorganen werden, so wird das Denken, wenn es sich zu diesem geschilderten ganz anderen macht, zu einem Wahrnehmungsorgan, zu einem Wahrnehmungsorgan, das jetzt nicht nur eben ein Teil von uns ist wie das Auge oder das Ohr, sondern das uns gewissermaßen ganz ausfüllt, mit dem wir ganz eins geworden sind. Wir sind ein geistiges Sinnesorgan geworden.

[ 9 ] And what does this supersensible body turn out to be? This supersensible body turns out to be something that, in a sense, takes hold of our entire being, but is like the individual members of our organism, for example the eye or the ear. Just as the eye or the ear are sense organs for the external sense world in that they do not perceive themselves, but can take in the effects of the external world, becoming organs of perception, so thinking, when it becomes this completely different thing described here, becomes an organ of perception, an organ of perception that is now not just a part of us like the eye or the ear, but one that, in a sense, fills us completely, with which we have become completely one. We have become a spiritual sense organ.

[ 10 ] Wenn man mit etwas vergleichen will, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was da der Geistesforscher erlebt, so könnte man sagen: Während die Gedanken, die man sich sonst im Leben macht, oder die Vorstellungen, mehr oder weniger tote Bilder sind, tote Bilder, die etwas Äußerliches abbilden müssen, und innerhalb welcher man sich fühlt als in etwas, was für sich selber nichts ist, sondern nur etwas ist dadurch, dass es etwas abbildet, während man in dem gewöhnlichen Denken dieses fühlt, fühlt man in dem, was jetzt das Denken geworden ist, etwas selbstständig, etwas real Werdendes. Eine innerliche Sprache, könnte man sagen geht auf dem Menschen; wie die Worte nur dadurch da sind, dass sie aus unserem Organismus entspringen, aus einem realen, wirklichen Wesen, und man weiß, wenn man spricht, dass ein reales, wirkliches Wesen, das in unserem Kehlkopf gipfelt, in uns enthalten ist, so weiß man, wenn man jetzt mit dem entwickelten Denken lebt, dass das, was man ätherischen Leib nennen kann, in diesem entwickelten Denken wie in einer inneren stummen Sprache sich entwickelt. Dieses reale Fühlen von etwas, das in uns ist in dem Denken, das ist dasjenige, worauf es ankommt.

[ 10 ] If one wants to compare it to something, dear audience, what the spiritual researcher experiences, one could say: While the thoughts one usually has in life, or the mental images, are more or less dead images, dead images that must depict something external, and within which one feels as if one is in something that is nothing in itself, but is only something because it depicts something, while one feels this in ordinary thinking, one feels in what what has now become thinking, something independent, something becoming real. An inner language, one might say, arises in the human being; just as words are only there because they spring from our organism, from a real, actual being, and when we speak we know that a real, actual being, which culminates in our larynx, is contained within us, so we know when one now lives with developed thinking, that what one might call the etheric body develops in this developed thinking as in an inner silent language. This real feeling of something that is within us in our thinking is what matters.

[ 11 ] Hat man dies eine entwickelt, sehr verehrte Anwesende, dann hat man aber im Grunde genommen nur eine Art geistigen Sinnesorganes; und es wäre ganz falsch und würde zu nichts führen, wenn man nur einseitig diesen Entwicklungsweg durchmachen wollte, den ich eben angedeutet habe. Es wäre so, wie wenn man ein Auge hätte, dem keine Welt gegenüberstünde, das also nicht sehen könnte. Es wäre eine ewige Unbefriedigung in dem Augenblicke, wo man dieses Organ entfalten wollte, wenn man nur dieses entwickeln wollte, was bis jetzt geschildert worden ist. Daher muss eine andere Entwicklung parallel gehen; und diese andere Entwicklung ist eine Entwicklung des Willens.

[ 11 ] Once you have developed this, dear audience, you basically only have a kind of spiritual sense organ; and it would be completely wrong and lead nowhere if you only wanted to follow this path of development that I have just outlined. It would be like having an eye that had no world to look at, that could not see. There would be eternal dissatisfaction the moment one wanted to develop this organ, if one wanted to develop only what has been described so far. Therefore, another development must go parallel to this; and this other development is a development of the will.

[ 12 ] Der Wille, so wie wir ihn kennen im gewöhnlichen Leben, ist ja ebenso, wie die Gedanken des gewöhnlichen Lebens an unseren physischen Organismus gebunden, wir betätigen diesen Willen auch nur, indem wir unseren physischen Organismus betätigen. Aber dieser Wille kann losgerissen werden vom physischen Organismus, geradeso wie durch den geschilderten Denkerweg das Denken, das Vorstellen wirklich losgerissen wird vom physischen Organismus und sich erweist als etwas selbstständig in uns Wirkendes, an einen besonderen übersinnlichen Leib Gebundenes. Wiederum sind gewisse intime innere Seelenvorgänge notwendig, um den Willen gewissermaßen loszureißen von dem, woran er sonst im gewöhnlichen Leben immer gebunden ist, von dem Organismus. In den genannten Büchern finden Sie die Einzelheiten; hier möchte ich nur wiederum von einem Gesichtspunkte, den ich hier noch weniger erörtert habe, einiges Prinzipielle hervorheben.

[ 12 ] The will, as we know it in ordinary life, is just as bound to our physical organism as the thoughts of ordinary life; we exercise this will only by exercising our physical organism. But this will can be detached from the physical organism, just as, through the path of thinking described above, thinking and mental images are truly detached from the physical organism and prove to be something that works independently within us, bound to a special supersensible body. Again, certain intimate inner soul processes are necessary in order to detach the will, as it were, from that to which it is otherwise always bound in ordinary life, namely the organism. You will find the details in the books mentioned; here I would just like to emphasize a few principles from a point of view that I have discussed even less here.

[ 13 ] Wir sind gewohnt, im gewöhnlichen Leben den Willen so anzuwenden, dass der Wille gewissermaßen ausfließt in unsere Handlungen, dass wir ihn gar nicht unmittelbar wahrnehmen, wie er in unseren Handlungen lebt. Daher ist die Frage der Freiheit eine so schwierige, weil den Menschen die Freiheit sich verbirgt als eine Eigenschaft des Willens, der gebunden ist an unsere Körperlichkeit, gleichsam hinuntertaucht in unsere Körperlichkeit, und damit auch für das gewöhnliche Bewusstsein die Frage der Freiheit sich verbirgt in dem Wirken des Organischen. Aber ich will von den vielen Mitteln, die anzuwenden sind, um den Willen loszureißen von dem Organischen, ich will nur eines charakterisieren, an dem man das Prinzip sehen kann, auf das es ankommt.

[ 13 ] In ordinary life, we are accustomed to applying the will in such a way that it flows, as it were, into our actions, so that we do not directly perceive how it lives in our actions. This is why the question of freedom is so difficult, because freedom is hidden from human beings as a property of the will, which is bound to our physicality, submerged, as it were, in our physicality, and thus, for ordinary consciousness, the question of freedom is also hidden in the workings of the organic. But of the many means that can be used to detach the will from the organic, I will characterize only one that illustrates the principle that matters.

[ 14 ] Wir stehen im gewöhnlichen Leben so, dass wir, wenn wir handeln, uns gewisse Handlungen gestatten, andere Handlungen nicht gestatten, uns sie versagen; wir finden gewisse Handlungen gut, andere Handlungen böse, sodass wir uns in einer gewissen durch Gut und Böse geregelten Weise in das äußere Leben einordnen. In einer ähnlichen Weise muss derjenige, der geisteswissenschaftlich fortschreiten will, etwas geltend machen mit Bezug auf die rein innere Entwicklung seiner Seelenkräfte. Er muss gewissermaßen innere Moral entwickeln; das heißt: nicht nur denken und nachdenken darüber, was richtig, was falsch ist, sondern er kommt dazu, durch gewisse Übungen, die Sie in den genannten Büchern geschildert finden, von gewissen Gedanken deutlich zu empfinden: die darfst du in einer gewissen Situation hegen, andere musst du abweisen — ein inneres Annehmen und Abweisen von Gedanken, eine innere Verantwortlichkeit, die man in seinem eigenen Denk- und Vorstellungsleben entwickelt. Es ist die Anwendung eines Prinzips auf das innere Leben, das man eigentlich im gewöhnlichen Leben wirklich gar nicht kennt. Im gewöhnlichen Leben denkt man, wenn man einen falschen Gedanken nur hegt: nun ja, das schadet ja weiter nichts! Es schadet auch für das gewöhnliche Leben nichts, wenn man seine Falschheit einsieht; aber man muss etwas empfinden lernen gegenüber einem falschen Gedanken, einem an einem bestimmten Orte oder Zeit oder gegenüber einer Situation falschen Gedanken, dass man ihn abweist, gar nicht hegt, und nur versucht, denjenigen Gedanken zu hegen, der gewissermaßen durch die inneren Seelenimpulse in der betreffenden Lage erlaubt sein kann. Inneres Durchtränken des Seelenlebens mit Verantwortlichkeit gegenüber Wahrem und Falschem und ähnliche Unterscheidungen in Bezug auf das innere Erleben — wenn dieser Impuls einschlägt in unser Seelenleben, wenn man gewissermaßen dieses innere Leben so fühlen lernt, wie man sich sonst nur fühlt im Handeln unter dem Gesichtspunkte von Gut und Böse, das Annehmende oder Abweisende im äußeren Leben mit anderen Menschen oder anderen Wesen —, dann gießt das eine Kraft in unseren Willen, durch die er sich losreißen kann von dem Organismus.

[ 14 ] In ordinary life, when we act, we allow ourselves certain actions and do not allow ourselves others; we deny them to ourselves. we find certain actions good and other actions evil, so that we fit into external life in a certain way regulated by good and evil. In a similar way, those who want to progress in Spiritual Science must assert something with regard to the purely inner development of their soul forces. They must, in a sense, develop inner morality; that is, not only think and reflect on what is right and wrong, but also, through certain exercises described in the books mentioned, come to clearly perceive certain thoughts: you may entertain these in a certain situation, but you must reject others — an inner acceptance and rejection of thoughts, an inner responsibility that one develops in one's own life of thinking and imagination. It is the application of a principle to the inner life that one does not really know in ordinary life. In ordinary life, when you entertain a false thought, you think: well, it doesn't do any harm! It does no harm in ordinary life if you recognize its falsity; but you must learn to feel something towards a false thought, a thought that is false in a certain place or time or towards a situation, so that you reject it, do not entertain it at all, and only try to entertain the thought that, in a sense, may be permitted by the inner impulses of the soul in the situation in question. Inner permeation of the soul life with responsibility toward true and false and similar distinctions in relation to inner experience — when this impulse strikes our soul life, if, so to speak, one learns to feel this inner life in the same way that one otherwise only feels when acting from the point of view of good and evil, of acceptance or rejection in outer life with other people or other beings — then this pours a power into our will through which it can break away from the organism.

[ 15 ] Dann aber tritt etwas anderes ein, sehr verehrte Anwesende. Und dieses andere kann sich etwa in der folgenden Weise charakterisieren: Wie wir den gewöhnlichen Willen, wie wir ihn im Leben haben, anwenden, so wissen wir, irgendetwas geschieht durch uns, wenn wir das Gefühl, die Empfindung haben: Ich will. Wir legen unseren Vorstellungen zugrunde unser Bedürfnis, unser Streben, und führen dann durch unseren Organismus dasjenige aus, was wir wollen. Aber es gibt innerhalb desjenigen, was wir im gewöhnlichen Leben vollziehen als Menschen noch, ich möchte sagen rein durch unser natürliches Dasein, eine andere Reihe von Verrichtungen, die nicht in dieser Weise aus unserem Wollen entspringen, sondern die einen gewissen Rhythmus unseres Lebens, einen notwendigen, man könnte sagen einen Natur-Rhythmus unseres Lebens darstellen.

[ 15 ] But then something else happens, dear audience. And this something else can be characterized in the following way: When we apply the ordinary will that we have in life, we know that something happens through us when we have the feeling, the sensation: I want. We base our mental images on our need, our striving, and then carry out what we want through our organism. But within what we do in ordinary life as human beings, I would say purely through our natural existence, there is another series of activities that do not arise in this way from our will, but represent a certain rhythm of our life, a necessary, one might say natural rhythm of our life.

[ 16 ] Nehmen Sie das gewöhnlichste Beispiel, in dem wir alle drinnenstehen: den Natur-Rhythmus zwischen Schlaf- und Wachleben. Man wird leicht dazu kommen, sich zu sagen: Dasjenige, was der Mensch vollzieht als eine Naturnotwendigkeit, indem er schläft und wacht in rhythmischer Abwechslung, das steht unter anderer Gesetzmäßigkeit als die Handlungen, die er vollzieht, wenn man so sagen will, unter dem Einfluss seines Willenslebens. Es überkommt einen die Notwendigkeit des Wachens und die Notwendigkeit des Schlafes. Da stehen wir drinnen in einem Lebensrhythmus, der an unsere Organisation gebunden ist, und der gewissermaßen nachahmt, ja mehr als nachahmt, trotzdem sich der Mensch in einer gewissen Weise von der Natur auch in dieser Beziehung emanzipiert hat, nachahmt den äußeren kosmischen Rhythmus von Tag und Nacht. Innere Nacht, innerer Tag wechseln in uns, indem wir schlafen und wachen. Dass wir aus dem Wachen in den Schlaf übergehen, das unterliegt einer anderen Notwendigkeit, als dass wir zum Beispiel uns entschließen zur Türe hinauszugehen unter dem Einflusse unseres Wollens. Dadurch sind wir in einen Zusammenhang hineingestellt, dass wir die Notwendigkeit haben des Schlafens und Wachens.

[ 16 ] Take the most common example, in which we are all involved: the natural rhythm between sleep and waking life. It is easy to say to oneself: What human beings do as a natural necessity, sleeping and waking in rhythmic alternation, is subject to different laws than the actions they perform, so to speak, under the influence of their will. The necessity of waking and the necessity of sleeping overcome us. We are caught up in a rhythm of life that is bound to our organization and that, in a sense, imitates, indeed more than imitates, the outer cosmic rhythm of day and night, even though human beings have in a certain way emancipated themselves from nature in this respect. Inner night and inner day alternate within us as we sleep and wake. The fact that we pass from wakefulness to sleep is subject to a different necessity than, for example, our decision to go out the door under the influence of our will. This places us in a context in which we have the necessity of sleeping and waking.

[ 17 ] Und, sehr verehrte Anwesende, ein Rhythmus, oder Rhythmen, könnte man sagen höherer Art gehen dem Menschen auf, wenn er in der angedeuteten Weise seinen Willen losreißt von seiner Organisation. Dann merkt er, dass er nicht nur drinnen steht in einer Notwendigkeit, in einer Naturnotwendigkeit, die sich zum Beispiel ausdrückt in Schlafen und Wachen, sondern dass er drinnen steht in einer geistigen Notwendigkeit, die sich in einer rhythmischen Weise auch ausdrückt wie das Wechselverhältnis beim Schlafen und Wachen, aber in einer anderen Weise doch, sodass sie geistig ist und nicht leiblich ist.

[ 17 ] And, dear attendees, a rhythm, or rhythms, one might say of a higher kind, become apparent to the human being when he detaches his will from his organization in the manner indicated. Then they realize that they are not only subject to a necessity, a natural necessity, which is expressed, for example, in sleeping and waking, but that they are also subject to a spiritual necessity, which is also expressed in a rhythmic way, like the alternation between sleeping and waking, but in a different way, so that it is spiritual and not physical.

[ 18 ] Solche Rhythmen gibt es nun viele in der Welt; und so wie wir gewissermaßen in unserem Schlafen und Wachen Tag und Nacht aus dem Kosmos nachahmen, so ahmen wir Rhythmen, [die] übergreifender sind als Tag und Nacht, aus dem Kosmos nach. Und diese Rhythmen, die lernen wir erst erkennen, wenn wir nicht unsere äußeren Sinnesorgane — Augen und Ohren — auf die Welt richten, sondern wenn wir auf die Welt richten dasjenige Sinnesorgan, das ich eben beschrieben habe, das eigentlich ein Geistorgan ist, und das in dem entwickelten ätherischen Leibe besteht. Das ist in der Lage, wahrzunehmen Geistiges. Aber was wahrgenommen werden soll, eröffnet sich uns erst, offenbart sich uns erst als ein Lebensrhythmus, wenn wir in der angedeuteten Weise die Willenskräfte entwickeln.

[ 18 ] There are many such rhythms in the world; and just as we imitate day and night from the cosmos in our sleeping and waking, so we imitate rhythms from the cosmos that are more comprehensive than day and night. And we only learn to recognize these rhythms when we do not direct our outer sense organs — eyes and ears — but when we direct toward the world the sense organ I have just described, which is actually a spiritual organ and consists of the developed etheric body. This organ is capable of perceiving the spiritual. But what is to be perceived only opens up to us, only reveals itself to us as a rhythm of life, when we develop the powers of will in the manner indicated.

[ 19 ] Nun, wie wir leben oder wie wir erleben das Wechselverhältnis von Schlafen und Wachen, so erleben wir, indem in der angedeuteten Weise unser geistiges Erkenntnisorgan entwickelt wird, so erleben wir einen gewissen Rhythmus. Dieses bezieht sich nun auf unser ganzes Menschenwesen. So wie wir des Morgens aufwachen, an unser Tageswerk treten, allmählich uns ermüdet fühlen, in den Schlaf verfallen, so erleben wir eine Seite eines großen Rhythmus in unserem Gesamtleben, das verläuft zwischen Geburt und Tod. So wie wir in den Tag eintreten und den Tag wieder verlassen mit dem Schlafen, und dies mit den gewöhnlichen Sinnen verfolgen können, so können wir verfolgen eine Seite unseres Lebensrhythmus, wie er aufgeht mit der Geburt, oder sagen wir mit der Empfängnis, und wie er sich zum Ende neigt mit dem Tode.

[ 19 ] Now, depending on how we live or how we experience the interplay of sleeping and waking, we experience a certain rhythm as our spiritual organ of knowledge develops in the manner indicated. This relates to our entire human being. Just as we wake up in the morning, go about our daily work, gradually feel tired, fall asleep, we experience one aspect of a great rhythm in our entire life, which runs between birth and death. Just as we enter the day and leave it again with sleep, and can follow this with our ordinary senses, so we can follow one aspect of our life rhythm, how it begins with birth, or let us say with conception, and how it draws to a close with death.

[ 20 ] Aber so wie die Nacht gegenübersteht dem Tag, wie das Schlafen gegenübersteht dem Wachen, so steht gegenüber dem Teil des Rhythmus, der sich ausspricht in dem Leben zwischen Geburt und Tod, ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt, ein Leben, das die Menschenseele zubringt in der geistigen Welt so, wie sie zubringt, um das Wachen vorzubereiten, ein Leben im Schlafzustande. Und es ist einfach notwendig, dass der Mensch aufsteigt zum Wahrnehmen dieses Rhythmus, der die wiederholten Erdenleben der Anschauung zeigt. So wie der Anschauung gegeben ist, der vom Leben durchsetzten Anschauung gegeben ist, der rhythmische Wechsel zwischen Tag und Nacht, so wird anschaulich der Rhythmus zwischen geistigem Leben zwischen Tod und neuer Geburt und darauf folgendem Leben zwischen Geburt und Tod, wenn das erwähnte Sinnesorgan eröffnet ist.

[ 20 ] But just as night stands in contrast to day, just as sleep stands in contrast to wakefulness, so the part of the rhythm that expresses itself in life between birth and death is contrasted by a life between death and new birth, a life that the human soul spends in the spiritual world in such a way as it spends preparing for waking, a life in the state of sleep. And it is simply necessary for the human being to ascend to perceive this rhythm, which shows the repeated earthly lives of perception. Just as perception is given, perception permeated by life is given, the rhythmic alternation between day and night, so too does the rhythm between spiritual life between death and new birth and the subsequent life between birth and death become clear when the aforementioned sense organ is opened.

[ 21 ] Damit allerdings, sehr verehrte Anwesende, wird etwas ausgesprochen, was der gegenwärtigen menschlichen Erkenntnis recht ungewohnt ist. Aber wie ungewohnt waren immer neue Erkenntnisse, und wie sind diese neuen Erkenntnisse allmählich zu Selbstverständlichkeiten geworden! Das muss man sich immer klarmachen, wenn etwas, was scheinbar so paradox ist, eintreten will in die Geistesentwicklung der Menschheit, dass Geisteswissenschaft spricht nicht nur von höheren Gliedern der Menschennatur, sondern spricht davon, dass das menschliche Leben so verläuft in seiner Ganzheit, dass wir wiederholte Erdenleben durchleben zwischen allerdings jetzt großen Zeiträumen, die wir in der rein geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt zubringen. Das wird Anschauung, wirkliche Anschauung.

[ 21 ] However, dear attendees, this expresses something that is quite unfamiliar to current human understanding. But how unfamiliar new insights always were, and how these new insights gradually became self-evident! We must always bear this in mind when something that seems so paradoxical wants to enter into the spiritual development of humanity, that Spiritual Science speaks not only of higher members of human nature, but also of the fact that human life proceeds in its entirety in such a way that we live through repeated earthly lives, albeit now with long intervals between them, which we spend in the purely spiritual world between death and new birth. This becomes a vision, a real vision.

[ 22 ] Nun wird ja selbstverständlich gegen eine solche Ausführung der naheliegende Einwand erhoben werden müssen: Ja, dann bleibt aber eigentlich die Seelenerkenntnis des Menschen, die Lösung der Seelenrätsel, das Geheimnis einiger weniger, welche sich in der angedeuteten Weise zu Geistesforschern machen. Nun, obzwar Sie aus den angeführten Büchern ersehen können, dass heute bis zu einem gewissen Grade jeder Mensch in der Lage ist, die angedeuteten Seelenfähigkeiten zu entwickeln, also bis zu einem gewissen Grade wenigstens Geistesforscher werden kann und nachprüfen kann dasjenige, was eben gesagt worden ist, so muss auf der anderen Seite betont werden, dass es durchaus nicht nötig ist, dass jeder Mensch zum Geistesforscher werde, der anerkennen will die Wahrheit desjenigen, was Geistesforschung oder Anthroposophie vorzubringen hat. Denn soll ich durch einen Vergleich klarmachen, was der Geistesforscher für die Entwicklung der Geisteswissenschaft eigentlich ist, so muss ich sagen: Er ist nicht eine Persönlichkeit, welche hervorrufen will bei jedem Menschen geistige Fähigkeiten der geschilderten Art, sondern er bereitet sich zum Geistesforscher aus dem Grunde, um aus sich selbst gewissermaßen ein Instrument zu machen, durch welches die geistigen Tatsachen, die geistigen Wahrheiten an die Oberfläche des Daseins treten können. Denn nicht darum handelt es sich, dass der Geistesforscher gewisse Ergebnisse vor seine Mitmenschen hinstelle, sondern darum handelt es sich, dass er gewissermaßen seinen Mitmenschen das Instrument zimmert, durch welches jeder selber forschen kann.

[ 22 ] Now, of course, the obvious objection to such an explanation will have to be raised: Yes, but then what remains is the knowledge of the human soul, the solution to the riddles of the soul, the secret of a few who make themselves spiritual researchers in the manner indicated. Now, although you can see from the books cited that today, to a certain extent, every human being is capable of developing the soul abilities indicated, that is, to a certain extent at least, can become a spiritual researcher and can verify what what has just been said, it must be emphasized on the other hand that it is by no means necessary for every human being to become a spiritual researcher in order to recognize the truth of what spiritual research or anthroposophy has to offer. For if I am to clarify by means of a comparison what the spiritual researcher actually is for the development of Spiritual Science, I must say: he is not a personality who wants to evoke spiritual abilities of the kind described in every human being, but he trains himself to become a spiritual researcher for the reason of making himself, as it were, an instrument through which spiritual facts and spiritual truths can come to the surface of existence. For it is not a matter of the spiritual researcher presenting certain results to his fellow human beings, but rather of him, as it were, crafting an instrument for his fellow human beings through which each of them can conduct their own research.

[ 23 ] Das, was ich jetzt meine, wird erst ganz verständlich, sehr verehrte Anwesende, wenn man den Grundcharakter der geisteswissenschaftlichen oder anthroposophischen Literatur nimmt, in welcher niedergelegt sind die Erlebnisse, die Erfahrungen, die der Geistesforscher macht. Diese Literatur muss in einer ganz anderen Weise genommen werden, als zum Beispiel die naturwissenschaftliche oder eine andere wissenschaftliche, die historische zum Beispiel, Literatur. Dasjenige, was der Geistesforscher niederlegt, stellt sich nicht so sehr als bloße Ergebnisse dar — wenigstens nimmt man es nicht in der richtigen Weise hin, wenn man es als bloße Ergebnisse hinnimmt —, sondern es stellt sich dar als ein zubereitetes Instrument, allerdings als ein Instrument, das nicht aus greifbaren Materialien, aus greifbaren Teilen besteht, sondern das in gewissen Vorstellungen, Vorstellungskomplexen besteht, die niedergelegt werden in geistigen Mitteilungen. Diese geistigen Mitteilungen sind selbst so geartet, dass, wenn man sie aufnimmt in seine Seele, sie einen, ohne dass man selbst ein Geistesforscher ist, die Möglichkeit bieten, sie anzuwenden auf die Welt, die uns umgibt. Und dann findet man sie als ein geeignetes Instrument, um die geistigen Grundlagen der Welt zu finden.

[ 23 ] What I mean now will only become fully understandable ladies and gentlemen, when one considers the fundamental character of literature from Spiritual Science or anthroposophy, in which the experiences of the spiritual researcher are recorded. This literature must be approached in a completely different way than, for example, scientific literature, or other scientific literature, such as historical literature. What the spiritual researcher records is not so much presented as mere results — at least, it is not correctly understood if it is accepted as mere results — but rather as a prepared instrument, albeit one that does not consist of tangible materials or tangible parts, but rather of certain mental images and complexes of mental images that are recorded in spiritual communications. These spiritual messages are themselves such that, when one takes them into one's soul, they offer one the possibility of applying them to the world around us, even if one is not a spiritual researcher oneself. And then one finds them to be a suitable instrument for discovering the spiritual foundations of the world.

[ 24 ] Wahrhaftig, derjenige, der die Geisteswissenschaft anerkennen will, braucht ebenso wenig fähig zu sein zu irgendeiner Geistesforschung wie derjenige, der die Größe und innere Bedeutung desjenigen anerkennen will, was zum Beispiel in einer Dichtung wie Goethes «Faust» lebt, selber in der Lage zu sein braucht, einen «Faust» zu schreiben. Ist ein Mal dasjenige, was der Geistesforscher an die Oberfläche des Daseins schafft, gegeben, und nimmt man es nur unbefangen genug ohne Vorurteile auf, verwendet man die besondere Art von Begriffen, die besondere Art von Vorstellungen und Vorstellungskomplexen, die da gegeben wird, und sieht mit Hilfe dieser Instrumente die Welt an, dann enthüllt sich das geistige Leben; dann enthüllt sich auch dasjenige, was die Seelenrätsel wirklich lösen kann. Daher ist die richtige Art, sich zur geisteswissenschaftlichen Literatur zu verhalten, nicht, sie hinzunehmen wie eine Summe von Resultaten, von Ergebnissen, sondern sie hinzunehmen wie etwas, das einen durchdringen kann, sich vereinigen kann, und das einem ein Mittel, ein Instrument des eigenen Anschauens der Welt sein kann.

[ 24 ] Truly, those who wish to recognize Spiritual Science need no more be capable of spiritual research than those who wish to recognize the greatness and inner meaning of what lives, for example, in a poem such as Goethe's Faust need be capable of writing a Faust themselves. Once what the spiritual researcher brings to the surface of existence has been given, and if one accepts it impartially enough without prejudice, if one uses the special kind of concepts, the special kind of mental images and complexes of mental images that are given there, and looks at the world with the help of these instruments, then spiritual life is revealed; then that which can truly solve the riddles of the soul is also revealed. Therefore, the right way to to approach literature from Spiritual Science is not to accept it as a sum of results, of findings, but to accept it as something that can permeate you, unite with you, and be a means, an instrument for your own view of the world.

[ 25 ] Einen viel höheren Grad von Lebendigkeit hat die geisteswissenschaftliche Literatur als irgendeine andere Literatur. Und wenn man das nicht berücksichtigt, so kann man sich einfach nicht in der richtigen Weise zur Geistesforschung und zu dem, was in der Menschheit sein kann, stellen. Der Geistesforscher hat ja mancherlei durchzumachen; dasjenige aber, was er durchzumachen hat, um in sich die Seelenkräfte zu entwickeln, die einen dahin bringen, in dieser Weise aus der geistigen Welt die Dinge herauszuholen, wie es angedeutet worden ist, das ist gewissermaßen ein Weg, um die angedeuteten Kräfte zu entwickeln. Aber nicht durch dasjenige, was der Geistesforscher also durchmacht, wird die Sehnsucht bloß erzeugt nach den Erkenntnissen, die man durch die Instrumente gewinnt, die der geistige Forscher schafft, sondern die Sehnsucht nach einer Lösung der Welten- und Seelenrätsel, zu welcher der Geistesforscher beitragen will, die lebt in jeder Seele. Und dasjenige, was der Geistesforscher nur intensiver fühlen muss, um gewissermaßen die Instrumente zuzurichten, das ist etwas, was in einem verwandten Prinzip anschlagen muss in jeder Menschenseele, wenn diese Menschenseele nur unbefangen genug sich hingibt ihrem gerade durch das eigene Innere vorgezeichneten Weg und sich nicht beirren lässt durch die Vorurteile insbesondere, auf die sie gelenkt wird durch dasjenige, was es heute als alleinige Erkenntnismethode gibt und wesentlich mit Recht gegolten hat, um alte Vorurteile wiederum hinwegzuschaffen durch die naturwissenschaftliche Erkenntnismethode.

[ 25 ] Spiritual Science literature has a much higher degree of vitality than any other literature. And if one does not take this into account, one simply cannot take the right attitude toward spiritual research and toward what can be in humanity. The spiritual researcher has many things to go through; but what they have to go through in order to develop the soul forces that enable them to bring things out of the spiritual world in the way that has been indicated is, in a sense, a way of developing the forces that have been indicated. But it is not through what the spiritual researcher goes through that the longing for the insights gained through the instruments created by the spiritual researcher is merely generated, but the longing for a solution to the riddles of the world and the soul, to which the spiritual researcher wants to contribute, lives in every soul. And what the spiritual researcher only has to feel more intensely in order to prepare the instruments, so to speak, is something that must strike a chord in every human soul, if this human soul is only impartial enough to devote itself to the path marked out for it by its own inner being and does not allow itself to be misled by the prejudices, in particular, to which it is led by what is today regarded as the sole method of knowledge and has been considered, quite rightly, to be essential for dispelling old prejudices through the scientific method of knowledge.

[ 26 ] Nun werden — wenn man dasjenige, was die Geisteswissenschaft also an Befruchtung des menschlichen Seelenlebens schafft — gewisse Fragen, die zu den dringendsten Seelenrätseln gehören, in einer Weise gelöst, die durchaus für jeden Unbefangenen übereinstimmen wird mit dem, was das Leben gibt. Wir brauchen ja nur ein einziges Wort vor unsere Seele hinzustellen, um mit diesem einen, einzigen Wort ein umfassendes Seelenrätsel zu haben; das Wort Schicksal.

[ 26 ] Now, if we take what Spiritual Science creates in terms of enriching human soul life — certain questions that are among the most urgent mysteries of the soul are solved in a way that will certainly correspond to what life offers for anyone who is unbiased. We need only place a single word before our soul to have a comprehensive mystery of the soul with this one, single word: the word fate.

[ 27 ] Wir werden in die Welt hineingestellt und erleben unser Schicksal; wie aus geheimnisvollen Tiefen des Erlebens herauf dringt dasjenige, was unser Schicksal umfasst. Gerade durch ein richtiges Verständnis für jenen Rhythmus, den ich beschrieben habe, den Rhythmus der wiederholten Erdenleben und der dazwischenliegenden geistigen Leben, klärt sich mancherlei von dem, was wir gerade für das Leben brauchen, in der Schicksalsfrage auf. Wir können uns das am leichtesten verständlich machen, sehr verehrte Anwesende, wenn wir gerade mit dieser Schicksalsfrage an naturwissenschaftliche Ergebnisse der Gegenwart anknüpfen.

[ 27 ] We are placed in the world and experience our fate; what comprises our fate emerges from the mysterious depths of experience. It is precisely through a correct understanding of the rhythm I have described, the rhythm of repeated earthly lives and the spiritual lives in between, many things that we need for life are clarified in the question of fate. We can understand this most easily, dear audience, if we link this question of destiny to the scientific findings of the present.

[ 28 ] Wir brauchen nur an dasjenige anzuknüpfen, was man heute vielfach mit dem Worte Vererbung bezeichnet. In dem, was man als Vererbung bezeichnet, hat tatsächlich die Naturwissenschaft etwas sehr Bedeutendes geleistet, und der Naturwissenschaftler kann an den Geistesforscher herankommen und sagen: Wie findest du dich zurecht mit all dem Großartigen, was in der Vererbungsfrage — wenn auch noch vieles zweifelhaft ist — doch großartig ist, was in der Vererbungsfrage zutage getreten ist? Wenn du vielleicht gar behaupten willst, dadurch, dass der Mensch, indem er sich in das gegenwärtige Erdenleben hereinstellt, gewisse Anlagen und Fähigkeiten mitbringt aus früheren Erdenleben, wie findest du dich zurecht gegenüber dem gewissenhaften Forschen, das die Naturwissenschaft über die Vererbungsfrage anstellt, wodurch Anlagen, Fähigkeiten, Talente erklärt werden sollen dadurch, dass wir gewisse organische Tendenzen überkommen rein in der physischen Vererbungsfolge von unseren Vorfahren?

[ 28 ] We need only link this to what is often referred to today as heredity. In what is called heredity, natural science has indeed achieved something very significant, and the natural scientist can approach the spiritual researcher and say: How do you come to terms with all the great things that have come to light in the question of heredity — even if much is still doubtful? If you perhaps even want to claim that, by that human beings, by entering into their present earthly life, brings with them certain predispositions and abilities from previous earthly lives, how do you feel about the conscientious research that natural science is conducting on the question of heredity, whereby predispositions, abilities, and talents are to be explained by the fact that we inherit certain organic tendencies purely through the physical hereditary sequence from our ancestors?

[ 29 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, es ist nicht zu leugnen, dass die Naturwissenschaft da, wo sie das Positive zutage bringt, in Bezug auf die Vererbungsfrage, durchaus recht hat. Aber es handelt sich nicht darum, sondern um etwas ganz anderes. Wenn man von dem, was im Menschen auftritt als seine Fähigkeiten, seine Talente, seine ganze Art und Weise zu sein — was ja zunächst so mitbestimmend ist für sein Schicksal —, wenn man diese ganze Art, wie sich der Mensch hereinstellt in das Erdenleben, betrachtet, ja, kann man sagen, dass cs eine Vernunftanschauung ist, das nur auf physische Vererbung zurückzuführen?

[ 29 ] Well, dear audience, it cannot be denied that natural science is quite right in revealing the positive aspects of the question of heredity. But that is not the issue; it is something else entirely. When we consider what manifests itself in human beings as their abilities, their talents, their whole way of being — which is, after all, so decisive for their destiny — when one considers this whole way in which human beings present themselves in earthly life, can one say that it is a rational view that can be attributed solely to physical heredity?

[ 30 ] Es sind in dieser Beziehung wirklich interessante Untersuchungen in der neueren Zeit gemacht worden. Ich habe [vor einigen] auch schon hier bei früheren Vorträgen gesagt, habe hingedeutet auf ein sehr interessantes Buch zum Beispiel über Goethe, ein Buch, in dem untersucht wird alles dasjenige, was zutage gefördert werden kann über Goethes Vorfahren, wie gewisse Eigenschaften bei Goethes Vorfahren aufgetreten sind, die eine Eigenschaft bei diesem, die andere bei dem früheren, wieder eine andere bei dem noch früheren Vorfahren, und wie gewissermaßen ein Zusammenklang dieser Eigenschaften dann in der Individualität des Goethe zutage getreten ist, sodass Goethe durch die Summierung von Eigenschaften seiner Vorfahren das Genie geworden ist, als das er dasteht. Und durch ähnliche Untersuchungen hat man gesagt: Gerade genialische Menschen zeigen dadurch, dass sie am Ende einer Vererbungsreihe stehen, wie der Mensch von rein physischen Gesetzmäßigkeiten heraus seine Artung zu erklären hat. Doch man muss erstaunen über die merkwürdige Logik, sehr verehrte Anwesende, die in solcher Schlussfolgerung liegt! Man ist heute gar nicht geneigt, diese merkwürdige Logik zu begreifen, zu bemerken, dass ein Nachkomme die Eigenschaften, insofern die Eigenschaften physisch bedingt sind, seiner Vorfahren zeigt, das ist gewiss sehr interessant, im Einzelnen zu erforschen. Großartig, fruchtbar sind auch die Forschungen in dieser Richtung; aber ist es denn eigentlich besonders wunderbar, ist es denn überhaupt etwas Besonderes gegenüber den höheren Erkenntnisfragen? Es ist eigentlich ganz sonderbar, dass man eine solche Frage entscheiden will, indem man sich beruft auf die Erfahrung, beruft auf die äußere Wahrnehmung und gar nicht auf dasjenige geht, was einzig weisend wäre in dieser äußeren Wahrnehmung, dass der Mensch, da er physisch vermittelt ist in seinem Dasein durch seine Vorfahren, die Eigenschaften seiner Vorfahren trägt; das ist fast selbstverständlich so.

[ 30 ] Some really interesting research has been done on this in recent times. I've already mentioned this here in earlier lectures, pointing to a very interesting book about Goethe, for example, a book that looks at everything can be brought to light about Goethe's ancestors, how certain characteristics appeared in Goethe's ancestors, one characteristic in this one, another in the earlier one, and yet another in the even earlier ancestor, and how, in a sense, a harmony of these characteristics then emerged in Goethe's individuality, so that Goethe, through the sum of his ancestors' characteristics, became the genius he stands as. And through similar investigations, it has been said that it is precisely genius individuals who, by standing at the end of a line of inheritance, show how human beings must explain their nature on the basis of purely physical laws. But one must marvel at the strange logic, dear attendees, that lies in such a conclusion! Today, one is not at all inclined to understand this strange logic, to note that a descendant displays the characteristics of his ancestors, insofar as these characteristics are physically determined, is certainly very interesting to investigate in detail. Research in this direction is also magnificent and fruitful; but is it really so wonderful, is it really anything special compared to the higher questions of knowledge? It is actually quite strange that one wants to decide such a question by referring to experience, to external perception, and not at all to what would be the only guiding principle in this external perception, namely that human beings, since they are physically mediated in their existence by their ancestors, bear the characteristics of their ancestors; this is almost self-evident.

[ 31 ] Es ist wie das, dass wenn man aus einem gewissen Medium herauskommt, man die Eigenschaften dieses Mediums an sich trägt, zum Beispiel, dass man nass ist, wenn man aus dem Wasser kommt. So trivial das klingt, so ist es wirklich als Vergleich zu gebrauchen. Denn weisend aus der äußeren Wahrnehmung wäre es, wenn man einen genialen Menschen nehmen würde und zeigen, dass seine genialen Eigenschaften, indem er der Vorfahre ist, auf seine Nachkommen übergehen. Da würde man sehen, wie die genialen Eigenschaften auf die Nachkommen übergehen. Das wird man füglich bleiben lassen, denn man würde zu sonderbaren Resultaten kommen, wie gerade geniale Menschen in ihrer Nachkommenschaft zeigen. Das aber wäre das einzig real Logische, nicht dasjenige, was man wirklich als eine Untersuchungsmethode anstellt. Eine wirkliche Untersuchungsmethode würde nämlich das Gegenteil beweisen. Man sehe auf Goethes Sohn, man denke an so und so viele Nachkommen wirklich genialer Männer, man wird sehen, wie unmittelbar in der Vererbungslinie die Eigenschaften, die dem Menschen als seinem intimsten Leben, seinem innersten Leben angehören, wodurch er gerade für seine Mitwelt eine Bedeutung hat, wie diese in die Welt hineingestellten Eigenschaften nun eben nicht zu den physisch vererbbaren Merkmalen gehören.

[ 31 ] It is like when you come out of a certain medium, you carry the characteristics of that medium with you, for example, you are wet when you come out of the water. As trivial as it sounds, it really can be used as a comparison. For, based on external perception, it would be like taking a genius and showing that his genius traits are passed on to his descendants because he is their ancestor. One would then see how the genius traits are passed on to the descendants. This is best avoided, because it would lead to strange results, such as showing that only genius people have genius offspring. But that would be the only real logic, not what one would actually use as a method of investigation. A real method of investigation would prove the opposite. Look at Goethe's son, think of so many descendants of truly brilliant men, and you will see how directly in the line of inheritance the characteristics that belong to a person's most intimate life, his innermost life, through which he has meaning for his fellow human beings, how these characteristics brought into the world do not belong to the physically inheritable characteristics.

[ 32 ] Dabei bleibt es durchaus richtig, dass, wenn wir in den Vorfahrenreihen hinaufgehen, wir Ähnlichkeiten in den Eigenschaften finden. Wie kommt denn das aber zustande? Das kommt dadurch zustande, dass dasjenige Leben, das sich zwischen Geburt und Tod abspielt, sich anschließt an ein geistiges Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt; denn vorangegangen ist ein anderes Erdenleben wiederum zwischen Geburt und Tod. In diesem anderen Erdenleben haben wir gewisse Erlebnisse gehabt, die ihre Früchte zeitigen, die dann weiter ausgebildet werden in dem langen Zwischenraume zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, und die dann in ihren Folgen, in ihren Ergebnissen auftreten in neuen Erdenleben. Aber wenn wir von dem geistigen Leben sprechen, das zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verfließt, so dürfen wir nicht sagen: dieses geistige Leben, diese geistige Welt, in der dieses Leben verfließt, die ist irgendwo anders, als wo unsere physische Welt ist; diese geistige Welt ist nur eben anderer Art, nur eben wahrnehmbar für anderes Bewusstsein, aber sie ist überall unsere physische Welt durchdringend. Sie steht auch in innigem Zusammenhang, in inniger Wechselwirkung mit unserer physischen Welt. Während wir in unserer physischen Welt im Zusammenhange sind mit den uns umgebenden Menschenwesen, mit anderen Wesen der Naturreiche, stehen wir in dem Leben, das wir zwischen Tod und neuer Geburt durchmachen nicht nur in Zusammenhang mit den ebenfalls entkörperten, dieses Leben durchmachenden Menschenseelen, die sich zu einem neuen Erdenleben vorbereiten, sondern mit anderen Wesenheiten der höheren Welten, der geistigen Welten, in deren Bereich man eindringt durch die Methoden, die geschildert worden sind. Aber dieses geistige Leben steht durchaus mit dem physischen Erdenleben in Verbindung, und das Physische ist in seiner Ganzheit eine Folge des Geistigen, dessen, was geistig vorgeht.

[ 32 ] It remains entirely true that when we go back through the lines of ancestors, we find similarities in characteristics. But how does this come about? This is because the life that takes place between birth and death is connected to a spiritual life between death and a new birth; for this is preceded by another earthly life between birth and death. In this other earthly life, we have had certain experiences which bear fruit, which are then further developed in the long interval between death and a new birth, and which then appear in their consequences, in their results, in new earthly lives. But when we speak of the spiritual life that flows between death and a new birth, we must not say: this spiritual life, this spiritual world in which this life flows, is somewhere else than where our physical world is; this spiritual world is just of a different kind, only perceptible to a different consciousness, but it permeates our physical world everywhere. It also stands in intimate connection, in intimate interaction with our physical world. While in our physical world we are connected with the human beings around us, with other beings of the natural kingdoms, in the life we go through between death and new birth we are connected not only with the human souls who are also disembodied and going through this life, preparing themselves for a new earthly life, but also with other beings from the higher worlds, the spiritual worlds, which can be entered through the methods that have been described. But this spiritual life is definitely connected to physical life on earth, and the physical in its entirety is a consequence of the spiritual, of what is happening spiritually.

[ 33 ] Und jetzt verfolgen wir die Vorfahrenreihe hinauf. Wenn wir zu einem weit zurückliegenden Vorfahren kommen, so lebt die Seele, die das Leben durchmacht zwischen dem Tode und der neuen Geburt in der geistigen Welt, während der [Vorfahr] auf der Erde lebt. All das, was hier physisch vorgeht, ist nur die Wirkung desjenigen, was geistig geschieht. Sodass die Menschenseele, die in der geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt selber in den Kräften lebt, die sich herunterergießen in die physische Welt, und die sich in Einklang, in Harmonie versetzt mit den Eigenschaften dieses Vorfahren, und auch mit den Eigenschaften des nächsten Nachfahren und so weiter. Und so lebt der Mensch, während er in der geistigen Welt lebt, geistig zusammen mit dem, was sich hier physisch in der Vorfahrenreihe abspielt. Der Mensch bereitet sich selber vor, indem er in den Eigenschaften seiner Vorfahren lebt in der geistigen Welt, bereitet sich selbst die Vorfahren durch die Art, wie er wird und zuletzt auftritt durch das Elternpaar, das er sich vorbereitet in der geistigen Welt. Das ist das Ergebnis desjenigen, was er von der geistigen Welt her durchgemacht hat mit den Eigenschaften, die in der Vorfahrenreihe lebten. Dadurch gewinnt der Zusammenhang mit den Vorfahreneigenschaften erst eine gewisse lichtvolle Bedeutung. Dadurch ist der Mensch seinen Vorfahren ähnlich, dass er mit den Eigenschaften seiner Vorfahren lebt, dass ein geistiges Anziehungsband ihn gerade zu einer bestimmten Vorfahrenreihe hinzieht; sodass der Mensch nach Maßgabe desjenigen, was er im früheren Erdenleben durchlebt hat, gewisse, ich möchte sagen magnetische Anziehungsbande entwickelt zu einer bestimmten Vorfahrenreihe und — wenn ich den paradoxen Ausdruck gebrauchen darf diese Vorfahrenreihe sucht, welche ihm die Möglichkeit gibt, durch die Eigenschaften, mit denen er in dieses Leben tritt, und an denen er selber arbeitet, aus der geistigen Welt heraus, durch diese Eigenschaften so durch Vererbung in das physische Dasein zu treten, dass ihm in diesem physischen Dasein von Vater und Mutter diejenigen Eigenschaften eingeboren werden, die dasjenige zum Ausdrucke bringen, was er in früheren Erdenleben keimhaft veranlagt hat.

[ 33 ] And now let us trace the line of ancestors upwards. When we come to an ancestor from long ago, the soul that is going through life between death and new birth lives in the spiritual world while the [ancestor] lives on earth. Everything that happens here physically is only the effect of what happens spiritually. So that the human soul, which lives in the spiritual world between death and new birth, lives in the forces that pour down into the physical world and are brought into harmony with the characteristics of this ancestor, and also with the characteristics of the next descendant, and so on. And so, while living in the spiritual world, the human being lives spiritually together with what is happening here physically in the ancestral line. The human being prepares himself by living in the characteristics of his ancestors in the spiritual world, prepares himself for his ancestors through the way they become and ultimately appear through the parents they prepare for themselves in the spiritual world. This is the result of what they have gone through in the spiritual world with the characteristics that lived in the ancestral line. This is what gives the connection with the characteristics of the ancestors a certain luminous significance. In this way, the human being is similar to his ancestors in that he lives with the characteristics of his ancestors, in that a spiritual bond of attraction draws him to a particular ancestral line; so that, depending on what he has experienced in his previous earthly life, the human being develops certain I would say magnetic bonds of attraction to a particular ancestral line and — if I may use the paradoxical expression — seeks out this ancestral line, which gives him the opportunity, through the characteristics with which he enters this life and on which he himself is working, to enter physical existence from the spiritual world through these characteristics, through inheritance, so that in this physical existence he inherits from his father and mother those characteristics that express what he has germinated in previous earthly lives.

[ 34 ] So sehen wir, dass wir allerdings dadurch, dass wir von der physischen Welt in die geistige hinaufblicken, nicht zu verleugnen brauchen dasjenige, was die Naturwissenschaft an berechtigten Resultaten zutage fördert, dass aber dasjenige, was so zutage gefördert wird, durchaus eine Durchdringung mit dem Geistigen erfährt. Dadurch lösen sich die Geheimnisse über die Schicksalsfrage von der einen Seite her; dadurch beantworten sich in gewisser Weise die Schicksalsfragen von der einen Seite her. Derjenige, der glaubt, dass durch eine solche Beantwortung der Schicksalsfrage die menschliche Freiheit überhaupt ausgeschlossen wird, der steht auf einem Gesichtspunkte, der ihm nicht gestattet, über die menschliche Freiheit unbefangen genug zu urteilen. Denn ebenso wenig wie unsere Freiheit beeinträchtigt wird dadurch, dass wir in einer natürlichen Weltordnung irgendwo in Bezug auf etwas drinnen stehen, so wenig wir unfrei werden dadurch, dass wir schlafen müssen zum Beispiel, ebenso wenig werden wir dadurch unfrei, dass wir in dem angedeuteten größeren Weltenrhythmus drinnenstehen.

[ 34 ] Thus we see that, although we look up from the physical world to the spiritual world, we do not need to deny the justified findings of natural science, but that what is brought to light in this way is thoroughly permeated by the spiritual. This solves the mysteries of the question of fate from one side; in a certain way, it answers the questions of fate from one side. Anyone believes that such an answer to the question of destiny excludes human freedom altogether is standing on a point of view that does not allow him to judge human freedom impartially enough. For just as our freedom is not impaired by the fact that we are somewhere in a natural world order in relation to something, just as we do not become unfree by having to sleep, for example, we do not become unfree by being part of the greater world rhythm indicated.

[ 35 ] Betrachten wir nun, sehr verehrte Anwesende, die Schicksalsfrage mit Bezug auf eine andere Strömung unseres Lebens. Für denjenigen, der geisteswissenschaftlich dieses Leben anschaut, für den ergänzt sich gewissermaRen dasjenige, was der Mensch ist, und entwickelt, indem er hier in der physischen Welt steht durch dasjenige, was aus der geistigen Welt fortwährend in all unser Handeln, in all unser Sein hereinfließt. Denn ebenso wahr, wie wir von der Luft umgeben sind, die Luft einatmen und ausatmen, sodass sie abwechselnd draußen ist und abwechselnd ein Teil von uns ist, so sind wir von einer geistigen Welt umgeben, die innig in Verbindung steht mit all unserem Sein und all unserem Handeln. Da zeigt sich dem Geistesforscher, dass dasjenige, was wir menschliche Verhältnisse nennen, nicht bloß das ist, was sich äußert in der Sinnenwelt, das ist für den Geistesforscher nur ein kleiner Teil desjenigen, was unter einem solchen Verhältnisse überhaupt geschieht; es geschieht viel mehr. In dem Ausgesprochenen, in demjenigen, was für die Sinneswelt ausgesprochen ist, liegt viel mehr darinnen. Indem ich zu einem Menschen nur ein Wort sage, der Mensch von diesem Worte in einer gewissen Weise berührt wird, geschieht vieles in einer Weise, wie es sich dem Bewusstsein der beiden Menschen für die Gegenwart entzieht. Es wird ein viel tieferes, intensiveres Verhältnis angeknüpft als dasjenige, welches im Augenblicke oder in diesem Leben zum Ausdruck kommt. Und so wird durch alles, was wir tun und leben, ein Umkreis von viel tieferen, viel umfassenderen, viel weiteren Verhältnissen angeknüpft zu dem Menschen, auch zu den anderen Wesen der Naturreiche, als das ist, was unmittelbar im Leben zum Ausdruck kommt. Wir sind so geartet, das zeigt sich, dass dies dem Verlauf der Beobachtungen zugrunde liegt, wir entwickeln zum Beispiel, um nur eines herauszugreifen — aber selbstverständlich könnte es durch Tausende und Abertausende von Beispielen bereichert werden —, um eines herauszugreifen: Wir entwickeln ein Verhältnis von uns zu einem anderen Menschen, ein Freundschafts-, ein Liebes- oder irgendein anderes Verhältnis von uns zu einem anderen Menschen. Ja, im Verlaufe dieses Verhältnisses spielt sich zwischen den beiden Menschen dies oder jenes ab; unsere Handlungen beeinflussen dasjenige, was aus dem anderen wird — was der andere selbst tut, beeinflusst dasjenige, was wir sprechen, erzeugt Gefühle in dem anderen und so weiter und so weiter.

[ 35 ] Let us now consider, dear audience, the question of destiny in relation to another current in our lives. For those who view this life from a perspective of Spiritual Science, what a human being is and develops while standing here in the physical world is, in a sense, complemented by what continually flows into all our actions, into our entire being, from the spiritual world. For just as we are surrounded by air, breathe in and breathe out air, so that it is alternately outside and alternately part of us, so we are surrounded by a spiritual world that is intimately connected with all our being and all our actions. It becomes clear to the spiritual researcher that what we call human relationships are not merely what is expressed in the sensory world; for the spiritual researcher, this is only a small part of what actually happens in such relationships; much more is happening. There is much more to what is expressed, to what is expressed for the sensory world. When I say just one word to a person, that person is touched by this word in a certain way, and much happens in a way that eludes the consciousness of both people in the present moment. A much deeper, more intense relationship is established than that which is expressed in the moment or in this life. And so, through everything we do and live, a circle of much deeper, much more comprehensive, much wider relationships is established with human beings, and also with other beings in the natural kingdoms, than what is immediately expressed in life. We are so constituted, as is evident from the course of our observations, that we develop, for example, to pick out just one example — but of course it could be enriched by thousands and thousands of examples — to pick out one example: we develop a relationship between ourselves and another human being, a relationship of friendship, love, or some other kind of relationship between ourselves and another human being. Yes, in the course of this relationship, this or that happens between the two people; our actions influence what becomes of the other person — what the other person does influences what we say, creates feelings in the other person, and so on and so forth.

[ 36 ] Wir können gewissermaßen überschauen, wenn wir notieren würden von Sekunde zu Sekunde, wie wir uns zum anderen Menschen verhalten, wir können überschauen dasjenige, was für die Sinneswelt beobachtbar ist. Aber das ist nicht alles, sondern das ist nur das, von dem, was eigentlich spielt zwischen uns und anderen Menschen, von dem zunächst im Leben nur ein Teil zum Ausdruck kommen kann; der andere Teil bleibt zurück, bleibt so zurück, dass er eine innere Kraft wird, eine Kraft, die nun in dem menschlichen Wesen so sitzt, wie die Kraft des Keimes in der Pflanze dieses Jahres sitzt, anspruchslos, klein, aber die Vorbereitung für die gleichartige Pflanze des nächsten Jahres bildet. Ein Teil desjenigen, was sich abspielt zwischen den Menschen, kommt jetzt zum Ausdruck; ein anderes zieht sich gleichsam zusammen, konzentriert sich, lebt keimhaft in dem Menschen; aber es gliedert sich ein, verleibt sich ein dem inneren Wesen des Menschen. Und der Geistesforscher sieht es, dass es das Wesen des Menschen so ergreift, wie das Wesen des Pflanzenkeimes ergreift die gestaltende Form der Pflanze und sie hinüberträgt zur nächsten Pflanze gleicher Art.

[ 36 ] We can, in a sense, see the whole picture if we were to note down, second by second, how we behave toward the other person; we can see what is observable to the sensory world. But that is not all; it is only of what actually takes place between us and other people, of which only a part can be expressed in life; the other part remains behind, remains behind in such a way that it becomes an inner force, a force that now resides in the human being, just as the force of the seed resides in the plant of this year, unassuming, small, but forming the preparation for the same kind of plant next year. A part of what what takes place between people is now expressed; another part, as it were, contracts, concentrates, lives as a seed in the human being; but it integrates itself, becomes part of the inner being of the human being. And the spiritual researcher sees that it takes hold of the human being in the same way that the essence of the plant seed takes hold of the formative shape of the plant and carries it over to the next plant of the same kind.

[ 37 ] So zieht dasjenige, was in diesem Leben nicht zum Ausdrucke kommt, durch die Pforte des Todes mit unserem Seelenwesen hinaus, befreit sich von dem Leiblichen, und wenn der andere Mensch noch hier ist im physischen Leibe, so kann das weiterwirken aus der geistigen Welt herein. Aber wenn der andere dann nachkommt, so wirkt dies auf die nunmehr entkörperte Seele des anderen. Die beiden Leben in der geistigen Welt bereiten nun vor ein weiteres Zusammensein für ein nächstfolgendes oder weiter liegendes Erdenleben, in dem sich zum Ausdrucke bringt dasjenige, was sich in dem einen Leben nicht hat vollziehen können.

[ 37 ] Thus, that which does not find expression in this life passes through the gate of death with our soul being, frees itself from the physical body, and while the other person is still here in the physical body, it can continue to work from the spiritual world. But when the other person follows, this has an effect on the now disembodied soul of the other. The two lives in the spiritual world now prepare for a further togetherness in a subsequent or more distant earthly life, in which that which could not be accomplished in one life finds expression.

[ 38 ] Und so bereiten wir in einem Erdenleben in den Verhältnissen, die wir in der Welt eingehen, keimhaft dasjenige vor, was dann, indem wir durch die Todespforte und die Pforte der Geburt wieder treten, die Veranlagung wird, neuerdings zu den Menschen, die ebenso die Tendenz haben, mit uns wiederum zusammenzuleben, wie wir mit ihnen, keimhaft die Veranlagung wieder zu demjenigen, was sich im neuen Erdenleben oder in irgendeinem neuen Erdenleben im Verhältnis zu einem solchen Menschen entwickelt, die geheimnisvollen Bande, die sich anknüpfen im Leben der Menschen, die im Unterbewussten leben, sodass der Mensch zumeist nur die Resultate erlebt. Er erlebt, dass er [im Geistigen] hingezogen wird zu einem anderen Menschen; aber dieses Hingezogen-Werden zu einem anderen Menschen, das ist nur der Ausdruck für tiefe, tief geheimnisvolle Beziehungen, die unter dem Bewusstsein schlummern, aber die die Ergebnisse sein können von jenem erweiterten Verhältnis, das sich in früheren Erdenleben angeknüpft hat. Ebenso stellt sich solch [eine Folge] von Erlebnissen früherer Erdenleben ein für unsere übrigen Lebensschicksale.

[ 38 ] And so, in an earthly life, in the circumstances we enter into in the world, we prepare in embryonic form that which, when we pass through the gate of death and the gate of birth again, the predisposition to what develops in the new earthly life or in any new earthly life in relation to such a person, the mysterious bonds that are formed in the lives of people who live in the subconscious, so that the person usually only experiences the results. They experience that they are drawn [in the spiritual realm] to another person; but this being drawn to another person is only the expression of deep, deeply mysterious relationships that lie dormant below consciousness, but which may be the results of that expanded relationship that has been established in previous earthly lives. Similarly, such [a sequence] of experiences from previous earthly lives arises for the rest of our lives.

[ 39 ] Kurz, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was wir Schicksal nennen, klärt sich in einer gewissen Weise dadurch auf, dass wir uns hineinstellen durch den Rhythmus, wie er geschildert worden ist, in das Gesamtleben des Menschen, das in wiederholten Erdendaseinen verläuft. Diese Dinge alle, sie sind entspringend nicht aus einer bloßen Fortsetzung der sonstigen wissenschaftlichen Betrachtungsweise, wie man sie heute hat, sondern sie sind eine ganz andere Art, das Leben anzuschauen.

[ 39 ] In short, dear friends, what we call fate is clarified in a certain way by placing ourselves, through the rhythm as it has been described, into the whole life of the human being, which unfolds in repeated earthly existences. All these things do not arise from a mere continuation of the usual scientific approach as we have it today, but are a completely different way of looking at life.

[ 40 ] Darf ich charakterisieren, wie diese andere Art ist, so möchte ich das Folgende sagen: Wir kennen für das gewöhnliche Erleben einen dumpfen, dunklen Bewusstseinszustand, den wir als das Träumen bezeichnen. Chaotisches Erleben dringt aus dem Schlafe heraus. Da erleben wir Bilder, Bilder, die entweder durch undeutlich verlaufende Eindrücke von der Außenwelt herkommen oder auch von innen herkommende Reminiszenzen aus dem Leben sind. Dann wachen wir auf. Wodurch unterscheidet sich das gewöhnliche Wachleben von dem Traumesleben? Das Traumesleben ist, trotzdem interessante Schriften darüber geschrieben und interessante Forschungen darüber angestellt worden sind, das Traumesleben ist noch wenig eigentlich erforscht. Wird man es einmal erforscht haben, so wird schon die äußere Betrachtung des Traumlebens eine wichtige Grundlage, eine wichtige Stütze sein für dasjenige, was Geisteswissenschaft eigentlich dem Menschenleben zu geben hat. Denn wodurch unterscheidet sich eigentlich das Wachleben von diesem Traumesleben?

[ 40 ] If I may characterize what this other way is like, I would like to say the following: In ordinary experience, we are familiar with a dull, dark state of consciousness that we call dreaming. Chaotic experiences emerge from sleep. We experience images, images that either come from the outside world in the form of indistinct impressions or are reminiscences from our own lives that come from within. Then we wake up. How does ordinary waking life differ from dream life? Despite interesting writings and research on the subject, dream life has actually been little explored. Once it has been explored, even an external observation of dream life will be an important foundation, an important support for what Spiritual Science actually has to offer human life. For what actually distinguishes waking life from dream life?

[ 41 ] Selbsterkenntnis, Selbstbeobachtung in gewissenhafter Weise ausgeführt, kann uns dahin bringen, zu verstehen, wodurch sich das gewöhnliche Wachleben von dem Traumesleben unterscheidet. Nicht anders — es ist hier leider nicht die Zeit dazu, um dasjenige, was ich so als ein Resultat anführe, wirklich in den Einzelheiten zu belegen, die Zeit steht mir nicht zur Verfügung, aber das Resultat muss angeführt werden —, so wie die Bilder des Traumlebens sind, so verlaufen sie als Vorstellungen im Grunde genommen ebenso lebhaft, ebenso lebendig, wie die Vorstellungen des Alltagslebens. Der Unterschied liegt nicht im Vorstellen selber, der Unterschied liegt darinnen zwischen dem Traumleben und dem Wachleben, dass für das Wachleben der Wille wie ein Blitz hineinfährt in unsere verlaufenden Bilder, dass wir, indem wir aufwachen, dasjenige, was sonst ohne die Beherrschung unseres Willens erfolgender Ablauf von Bildern ist, dass wir das anpassen einem äußeren Verlauf von Dingen und Ereignissen, dass wir von uns aus mit unserem Willen in diese Dinge und Ereignisse eingreifen. Das Durchströmt-Sein der Bilder der Vorstellung mit dem Willen, das ist dasjenige, was das wache Leben unterscheidet von dem Traumesleben.

[ 41 ] Self-knowledge, self-observation carried out conscientiously, can lead us to understand how ordinary waking life differs from dream life. It is no different — unfortunately, there is not enough time here to really prove in detail what I am presenting as a result, I do not have the time, but the result must be presented — just as the images of dream life are, they run as mental images that are basically just as vivid, just as alive as the mental images of everyday life. The difference does not lie in the imagining itself; the difference between dream life and waking life lies in the fact that in waking life, the will flashes into our passing images, so that when we wake up, we adapt what otherwise would be a sequence of images taking place without the control of our will, that we adapt it to an external sequence of things and events, that we intervene in these things and events of our own accord with our will. The flow of mental images through the will is what distinguishes waking life from dream life.

[ 42 ] Nun kann man sagen, in einer gewissen Weise eine weitere Steigerung des Wachlebens ist dasjenige bewusste Erkennen, das ich heute geschildert habe. Ein Aufwachen aus dem gewöhnlichen Wachleben, nur dass wachend dasjenige, was im Traum als willenslose Bilder abläuft, vom Willen durchströmt wird, im Wachleben zu einem höheren Grad dadurch gesteigert wird, dass wir durch die geschilderte Entwicklung das Denk-Leben in die Gedanken hineinbekommen.

[ 42 ] Now, one could say that, in a certain way, a further enhancement of waking life is the conscious recognition which I have described today. An awakening from ordinary waking life, except that what in dreams flows as images without will is permeated by the will in waking life and is heightened to a higher degree by the fact that, through the development I have described, we bring thinking life into our thoughts.

[ 43 ] Selbst im gewöhnlichen Leben ist es ein höherer Grad; wir wachen auf, wachen auf aus dem gewöhnlichen Verlauf des Tageslebens heraus. Und ebenso dadurch wachen wir auf, dass wir jetzt einem Willen gegenüberstehen, der nicht bloß aus unserem Organismus herausströmt und unsere Handlungen durchströmt und erzeugt, sondern einem Willen gegenüberstehen, der viel umfassender ist, ein viel weiteres Gebiet hat, nämlich jenem Willen, der nicht nur unsere Handlungen durchströmt, sondern uns selber in das Leben hereinstellt. Unsere Handlungen in der physischen Welt, unsere gewöhnlichen Handlungen, sie fließen aus unserem an den Organismus gebundenen Willen. Aber das, als was wir dastehen zwischen Geburt und Tod, das ist aus dem Willen heraus geboren, den wir erst erkennen, mit diesem höheren Anschauen — aus dem Willen, der uns selber will. Und so, wie wir uns wie in eine Naturordnung eben hineinstellen mit dem Schlafen und Wachen, so stellen wir uns in eine umfassende, universell-kosmische Willenswelt hinein, als deren Ergebnis wir uns selber bilden, dadurch, dass wir durch das geschilderte Bewusstsein aufsteigen zu einer Erkenntnis [einer] viel umfassenderen Welt.

[ 43 ] Even in ordinary life it is a higher degree; we wake up, wake up from the ordinary course of daily life. And in the same way we wake up because we now face a will that does not merely flow out of our organism and permeates and generates our actions, but a will that is much more comprehensive, has a much wider scope, namely that will that not only permeates our actions, but places us ourselves in life. Our actions in the physical world, our ordinary actions, flow from our will bound to the organism. But that which we stand for between birth and death is born out of the will that we only recognize with this higher view — out of the will that wills us ourselves. And just as we place ourselves into a natural order with sleeping and waking, so we place ourselves into a comprehensive, universal cosmic world of will, as a result of which we form ourselves by ascending through the consciousness described to a knowledge of a much more comprehensive world.

[ 44 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, ich habe Ihnen nur skizzenhaft schildern können, ich möchte sagen den Prinzipien nach, dasjenige, was in den Tiefen des menschlichen Seelenlebens liegt, was heraufgeholt werden muss, was in jeder Menschenseele ist und was durch Geburten und Tode geht. Man kann sagen: dasjenige, was so als Geisteswissenschaft hervortritt, es ist vorbereitet durch die nun schon drei bis vier Jahrhunderte alte naturwissenschaftliche Forschung. Aber es muss gearbeitet werden aus dem Geiste dieser naturwissenschaftlichen Forschung heraus. Man kann nicht bloß nachahmen dasjenige, was die Naturwissenschaft geleistet hat, sondern man muss, so wie für die neuere Naturwissenschaft besondere Methoden gefunden worden sind, so auch für die Geisteswissenschaft die im Sinne des heutigen Vortrags gehaltenen Methoden finden.

[ 44 ] Now, dear friends, I have only been able to sketch for you, I would say in principle, what lies in the depths of human soul life, what must be brought up, what is in every human soul and what goes through births and deaths. One can say: that which emerges as Spiritual Science has been prepared by three to four centuries of scientific research. But work must be done in the spirit of this scientific research. One cannot simply imitate what natural science has achieved, but must find methods for Spiritual Science in the same way that special methods have been found for modern natural science, as discussed in today's lecture.

[ 45 ] Nun ist es interessant, dass gerade für die neuere geistige Blüte der naturwissenschaftlichen Forschung [derjenigen] Forscher, denen es wirklich Ernst war um die Erkenntnis der Seelenrätsel, geglaubt haben — beeindruckt durch die großen Errungenschaften der Naturwissenschaft —, es geglaubt haben, mit denselben Methoden, mit denen die Naturwissenschaft vorgehe, auch die Seelenrätsel lösen zu können.

[ 45 ] Now it is interesting that, precisely because of the recent intellectual flowering of scientific research, those researchers who were really serious about understanding the mysteries of the soul believed — impressed by the great achievements of science — believed that the same methods used by natural science could also solve the mysteries of the soul.

[ 46 ] Ich darf Ihnen auf einen, der besonders charakteristisch ist, hinweisen, einen Seelenforscher der neueren Zeit. 1866, als die naturwissenschaftlichen Forscher selber voller Hoffnungen waren, die Weltenrätsel zu lösen, hat ein Seelenforscher der neueren Zeit beim Antritt seiner Professur an einer Universität einen, ich möchte sagen für seine Zeit außerordentlich charakteristischen Satz ausgesprochen:

[ 46 ] I would like to point out one who is particularly characteristic, a soul researcher of recent times. In 1866, when natural science researchers themselves were full of hope that they would solve the mysteries of the world, a modern researcher of the soul, upon taking up his professorship at a university, uttered a sentence that I would say was extremely characteristic of his time:

Vera philosophia [methodes nulla alia nisi scientiae naturalis est].

Vera philosophia [methodes nulla alia nisi scientiae naturalis est].

[ 47 ] «Der Forschungsweg der Philosophie kann kein anderer sein als derjenige der Naturwissenschaft.»

[ 47 ] “The path of research in philosophy can be no other than that of natural science.”

[ 48 ] Dieser selbe Forscher versuchte nun mit den Methoden der Naturwissenschaft sich den Fragen zu nähern, die wir heute als Seelen- und Schicksalsfragen vor unserer Seele hingestellt haben. Er hat einen sehr interessanten ersten Band einer «Seelenkunde oder Psychologie» geschrieben 1874, im Frühjahr ist er erschienen, für den Herbst hat er die Fortsetzung versprochen. Diese Fortsetzung ist bis heute nicht erschienen! Warum? Derjenige, der eindringt in die Gründe einer solchen Tatsache, der erkennt, dass Franz Brentano, einer der geistvolleren Forscher der modernen Naturwissenschaft, dass Franz Brentano das Wollen gehabt hat, das heute einer wirklichen zeitgemäßen Entwicklung entspricht, einzudringen in die geistige Welt, aber er versuchte es durch die bloße Methode der Naturwissenschaft, nicht durch die Methode der Erweckung höherer übersinnlicher Seelenkräfte. Und so blieb er stecken, konnte bis heute, wo er ein ganz alter Herr ist, keine Fortsetzung geben. Alles das, was er bisher geschrieben hat, bedeutet, dass er überhaupt nicht weiter kann mit naturwissenschaftlicher Methode. Dennoch gesteht gerade dieser Forscher ein: Diese naturwissenschaftliche Methode, wozu hat sie denn in der Seelenforschung geführt? Sie hat dazu geführt, dass man erkennt, wie eine Vorstellung sich an die andere kettet, man nennt das Assoziation der Vorstellungen. Wie der Mensch sich verhält, um Vorstellungen zu bekommen, all das wird mit Recht behauptet, dass es an den Organismus gebunden ist; während das wahrhafte Seelische sich gerade hinter den Erscheinungen des äußeren Organismus verbirgt, verschwindet, nicht zu beobachten ist für die gewöhnlichen Kräfte, sondern nur zu beobachten ist, wenn verborgene, für das gewöhnliche Leben verborgene Kräfte in das Seelenleben hereingeführt werden.

[ 48 ] This same researcher now attempted to use the methods of natural science to approach the questions that we today have placed before our souls as questions of the soul and destiny. He wrote a very interesting first volume of a “Seelenkunde oder Psychologie” (Psychology) in 1874, which was published in the spring, and he promised a sequel for the fall. This sequel has not been published to this day! Why? Anyone who delves into the reasons for this fact will realize that Franz Brentano, one of the more spiritual researchers of modern natural science, had the desire, which today corresponds to a truly contemporary development, to penetrate the spiritual world, but he attempted to do so using the methods of natural science alone, not through the method of awakening higher supersensible soul forces. And so he got stuck and has been unable to continue to this day, now that he is a very old man. Everything he has written so far means that he cannot continue at all with the scientific method. Nevertheless, this researcher himself admits: What has this scientific method led to in soul research? It has led to to the recognition of how one mental image is linked to another, which is called the association of mental images. How human beings behave in order to form mental images is rightly claimed to be bound to the organism; while the true soul is hidden behind the phenomena of the outer organism, disappears, cannot be observed by ordinary powers, but can only be observed when hidden powers, hidden from ordinary life, are introduced into the life of the soul.

[ 49 ] Franz Brentano sagt daher mit vollem Rechte: «Wenn diese neuere Seelenwissenschaft wirklich darauf angewiesen ist, nur immer zu sprechen, wie die Vorstellungen sich miteinander verketten, wie der Wille in die Vorstellungen hineinwirkt, so wären die großen Hoffnungen, welche Plato und Aristoteles gesetzt haben auf eine Seelenforschung über das Fortleben nach dem Tode, so wäre es um diese Hoffnung des Plato und Aristoteles schlecht bestellt. Und der Gewinnst, der dafür eingetauscht würde durch die Betrachtung des gewöhnlichen Seelenlebens, der käme gar nicht in Betracht gegenüber dem großen Verlust, der da eintreten würde.»

[ 49 ] Franz Brentano therefore says quite rightly: "If this newer science of the soul really depends on always speaking only of how mental images are linked together, how the will influences mental images, then the great hopes that Plato and Aristotle placed in research into the soul's survival after death would be in a sorry state. And the gain that would be exchanged for this by observation of ordinary soul life would not even come into consideration compared to the great loss that would occur."

[ 50 ] Man muss recht geben diesem großen Forscher aus dem Grunde, weil diese Hoffnungen über das Fortleben des Menschen nach dem Tode, diese Hoffnungen eines Plato und Aristoteles, die tiefsten Hoffnungen eines jeden fühlenden und denkenden und wollenden Menschen sein müssen, weil sie allem geistigen Streben, ja auch allem religiösen Fühlen zur Stütze, zur Grundlage dienen müssen.

[ 50 ] One must agree with this great researcher for the reason that these hopes for the survival of man after death, these hopes of Plato and Aristotle, must be the deepest hopes of every feeling, thinking, and willing human being, because they must serve as the support and foundation for all spiritual striving, indeed for all religious feeling.

[ 51 ] Auf der anderen Seite aber wird es auch demjenigen, was man als landläufige Philosophie bezeichnen kann, niemals gelingen, die Seelenrätsel wirklich zu lösen, denn diese landläufige Philosophie will mit Begriffen arbeiten, die bloße Bilder sind von irgendetwas, das sie eben abbilden müssen. Demgegenüber wird der, der ein Bedürfnis hat, die lebendige Seele in ihrem lebendigen Lebensrhythmus zu erfassen, immer fühlen das Tote, das nur Abbildliche dieser Bilder, das Arme der Begriffe und Vorstellungen. Erst wenn einschlägt in diese Bilderwelt des Denkens dasjenige, was geschildert worden ist als inneres Leben des ätherischen Leibes, dann weiß die Seele, dass das Ewige der Menschenseele durch Geburten und durch Tode lebt.

[ 51 ] On the other hand, however, what might be called common philosophy will never succeed in truly solving the riddles of the soul, because this common philosophy wants to work with concepts that are mere images of something which they must depict. In contrast, those who feel a need to grasp the living soul in its living rhythm will always sense the lifelessness, the mere representational nature of these images, the poverty of concepts and mental images. Only when what has been described as the inner life of the etheric body strikes this world of images of thought then the soul knows that the eternal nature of the human soul lives through births and deaths.

[ 52 ] Es ist heute nicht möglich, zu schildern, wie das Durchgehen durch Geburten und Tode einmal einen Anfang genommen hat, indem aus einer geistigen Welt heraus sich entwickelt hatte das jetzige Leben in wiederholten Erdenfolgen, aus ganz anders geartetem Leben, und wie wenn die Erde selber am Ende ihrer Entwicklung angelangt sein wird, dieses Leben in der Folge des wiederholten Erdendaseins wiederum andere Formen annehmen wird. Man darf nicht aus dem, was heute gesagt worden ist, schließen, dass eben für alle Ewigkeiten die wiederholten Erdenleben verfließen.

[ 52 ] It is not possible today to describe how the cycle of births and deaths once began, when the present life developed out of a spiritual world into repeated earthly existences, out of a life of a completely different nature, and how, when the earth itself reaches the end of its development, this life will take on yet other forms in the course of repeated earthly existence will in turn take on other forms. One must not conclude from what has been said today that repeated earthly lives will flow on for all eternity.

[ 53 ] So versuchte ich darzustellen, sehr verehrte Anwesende, wie Geisteswissenschaft oder Anthroposophie sich hinstellen muss — gerade weil die Naturwissenschaft da ist mit ihren besonderen Erkenntnissen — in einer besonderen Art neben diese Naturwissenschaft. Allerdings hat die Naturwissenschaft im Verlaufe des neunzehnten Jahrhunderts geglaubt, von sich aus die Rätsel des Lebens zu lösen. Die Philosophie hat ihrerseits geglaubt, bloß weiter bringen zu können die alten abstrakten Denkmethoden, wo man mit den nicht vom Leben durchtränkten Vorstellungen arbeitet. Aber gerade dasjenige, was die Naturwissenschaft mit ihren großen Errungenschaften heraufgebracht hat, die sie der Beobachtung, der treuen, gewissenhaften Beobachtung der Außenwelt verdankt, hat das neunzehnte Jahrhundert geglaubt, überwinden zu müssen alles dasjenige, was aus bloßen abstrakten Begriffen stamme und sich als landläufige Philosophie geltend macht.

[ 53 ] So I have tried to show, dear friends, how Spiritual Science or anthroposophy must stand — precisely because natural science is there with its special insights — in a special way alongside this natural science. However, in the course of the nineteenth century, natural science believed that it could solve the mysteries of life on its own. Philosophy, for its part, believed that it could only advance the old abstract methods of thinking, where one works with mental images that are not imbued with life. But precisely that what natural science has achieved with its great accomplishments, which it owes to observation, faithful and conscientious observation of the external world, the nineteenth century believed it had to overcome everything that originated from mere abstract concepts and asserted itself as common philosophy.

[ 54 ] Es ist ja in manchmal recht krasser Weise zutage getreten, wie wenig sich die nach Neuem bedürftigen Seelen zufriedengeben können mit den abstrakten Begriffen der alten Philosophie. Derselbe Philosoph, von dem ich Ihnen eben erzählt habe, der nach einer Seelenwissenschaft strebte, aber keine fand, weil er bei den naturwissenschaftlichen Methoden bleiben wollte, er hatte einen Kollegen an der Universität. Dieser Kollege hat in der alten Begriffsmanier vorgetragen, die nicht sehr interessant war, die unter dem Eindrucke der naturwissenschaftlichen Errungenschaften stand. Dem haben seine Studenten in den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts in ihrer Dreistigkeit einmal an die Türe geschrieben: «Schwefelbude» und haben ihn boykottiert, indem sie nicht hereingegangen sind, seine philosophischen Vorträge anzuhören. Man hat das Inhaltsleere der alten Philosophie empfunden! Und so könnten viele, viele Tatsachen angeführt werden, welche für das geistige Leben Beobachtungen ergaben, welche Beobachtungen dann eigentlich die Forderungen entwickelten, übersinnliche Seelenkräfte zu studieren, wie sie durch solche Beobachtungen für die Naturwissenschaft gefordert worden sind im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte. Aber so, wie der Naturforscher sorgfältig und gewissenhaft sich vorbereiten muss zum Herstellen der Apparate, durch welche er in experimenteller Anschaulichkeit der Natur ihre Geheimnisse ablauschen kann, so muss der Geistesforscher sein Seelenleben zubereiten, und durch innere Seelenerlebnisse kommt man dazu, in die Gewissheit des Seelenlebens einzudringen, so wie man nur durch besondere Apparate dazu kommt, experimentell zu zeigen, welches die Geheimnisse der äußeren physischen Natur sind.

[ 54 ] It has sometimes become apparent in a rather stark manner how little souls in need of something new can be satisfied with the abstract concepts of old philosophy. The same philosopher I just told you about, who strove for a science of the soul but found none because he wanted to stick to scientific methods, had a colleague at the university. This colleague lectured in the old conceptual manner, which was not very interesting and was influenced by scientific achievements. In the 1860s, his students, in their audacity, once wrote on his door: " Sulfur shack" and boycotted him by not going in to listen to his philosophical lectures. People sensed the emptiness of the old philosophy! And so many, many facts could be cited which resulted in observations for spiritual life, observations which then actually developed the demands to study supersensible soul forces, as they have been demanded by such observations for natural science over the course of the last three to four centuries. But just as the natural scientist must carefully and conscientiously prepare himself to construct the apparatus through which he can eavesdrop on the secrets of nature in experimental clarity, so must the spiritual researcher prepare his soul life and, through inner experiences, spiritual experiences, one can penetrate into the certainty of the soul life, just as one can only experimentally reveal the secrets of external physical nature through special apparatus.

[ 55 ] Man darf nicht glauben, dass mit Anthroposophie etwas wie aus der Luft Gegriffenes, von einem einzelnen Phantasten in die Welt Hineingestelltes gegeben werden soll. Es ist merkwürdig, wie man gerade in dieser Beziehung diese Anthroposophie, von der jeder, der wirklich in sie eindringt, erkennen kann, dass sie mit einem Ernste arbeitet, der sich heraufentwickelt hat an dem Ernst der naturwissenschaftlichen Forschung, dass man von dieser Anthroposophie so spricht, als wenn sie mit allerlei sonstigem Dilettantischen in einer Linie zu nennen wäre. Erst nach und nach wird man die richtige Vorstellung hier bekommen.

[ 55 ] One must not believe that anthroposophy is something conjured up out of thin air, brought into the world by a single fantasist. It is remarkable how, in this respect, anthroposophy, which anyone who really delves into it can recognize can recognize that it works with a seriousness that has developed from the seriousness of scientific research, that people speak of this anthroposophy as if it were to be mentioned in the same breath as all kinds of other dilettantism. Only gradually will people get the right mental image here.

[ 56 ] Man braucht nicht weit zu gehen — ich muss dieses hier einfügen, weil es die ganze Situation der Anthroposophie an einem Beispiel zeigen kann, wenn auch nicht an einem gerade bedeutsamen Beispiel —, man braucht hier von Bern aus nicht weit zu gehen, so würde man finden, wie im Frühling dieses Jahres über Anthroposophie, von scheinbar berufener Seite an einem besonderen, wie es auch scheint dazu berufenen Orte, von einer besonders dazu berufenen Versammlung über diese Anthroposophie gesprochen worden ist. Es ist merkwürdig, wie man sich abgewöhnt, gegenüber einer solchen neuen Geistesströmung all die gewissenhaften Allüren, die man sonst im Leben für durchaus berechtigt und erforderlich hält; von einer Seite her, die sich christlich nennt, ja von einem Manne, der von Amtswegen Vertreter des Christentums sich nennt, wurde da über diese Geisteswissenschaft, bei einem freisinnigen christlichen Reformtag gesprochen.

[ 56 ] One need not go far — I must insert this here because it can illustrate the whole situation of anthroposophy with one example, even if it is not a particularly significant one — one need not go far from Bern to find how, in the spring of this year, anthroposophy was discussed by seemingly qualified individuals in a special place that also seems to be qualified for this purpose, by a particularly qualified assembly. It is strange how one loses the habit of adopting all the conscientious airs and graces that one otherwise considers entirely justified and necessary in life when faced with such a new spiritual movement; From a side that calls itself Christian, indeed from a man who officially calls himself a representative of Christianity, the Spiritual Science was discussed at a liberal Christian reform conference.

[ 57 ] Dabei wurde hingewiesen auf der einen Seite auf eine Rede, die ein Pastor gehalten hat in der Nähe von Dornach, wo jetzt das Gebäude aufgerichtet wird, welches der Geisteswissenschaft dienen soll. Und angeführt werden alle diejenigen Dinge — wie gesagt, an dieser hervorragenden Stelle eines Reformtages —, die der betreffende Pastor mitgeteilt hat, wie ich zeigen konnte in einem Vortrage, der auch gedruckt ist, und der gegen die Aufstellungen dieses Pastors gehalten worden ist. Diese Dinge wurden in einer Weise mitgeteilt, dass gezeigt werden konnte, dass selbst über das Tatsächliche, rein Tatsächliche, dieser Pastor ganz schlecht unterrichtet war. Jede Einzelheit, die er zutage förderte, musste man richtigstellen. Man musste einfach sagen: Es ist nicht wahr, dass Geisteswissenschaft oder Anthroposophie dieses sagt — du sagst es, das ist wahr und so weiter. Jener Herr, der im Frühling auf dem Reformtage gesprochen hat in Aarau, bringt es zuwege, als gleichbedeutende Quellen nebeneinander die zwei Schriften zu nennen — die eine, die durch die andere völlig aus der Welt geschafft wird, weil sie einfach zeigt, dass sie tatsächliche Unwahrheiten enthält.

[ 57 ] Reference was made to a speech given by a pastor near Dornach, where the building intended to serve Spiritual Science is now being erected. And all those things — as I said, at this outstanding reform conference — that the pastor in question had communicated, as I was able to show in a lecture that has also been printed and that was held against this pastor's statements. These things were communicated in such a way that it could be shown that even about the actual, purely factual, this pastor was very poorly informed. Every detail he brought to light had to be corrected. One simply had to say: It is not true that Spiritual Science or anthroposophy says this — you say it, that is true, and so on. The gentleman who spoke at the Reform Day in Aarau in the spring manages to cite the two writings as equivalent sources — one of which is completely refuted by the other, because it simply shows that it contains actual untruths.

[ 58 ] Das, sehr verehrte Anwesende, ist eine Methode, der gegenüber man nicht mehr bloß von Missverständnissen sprechen kann, der gegenüber man von etwas ganz anderem sprechen muss; denn wenn jemand in einer solchen Weise das Richtige vor sich hat, und er sagt es nicht, sondern sagt das Gegenteil, von dem er wissen muss, dass es unrichtig ist, so ist das noch etwas ganz anderes als ein Missverständnis. Und ich überlasse es Ihnen, sehr verehrte Anwesende, das richtige Wort in Ihrer Seele zu fühlen!

[ 58 ] That, dear attendees, is a method that can no longer be dismissed as mere misunderstanding; it must be called something else entirely. For when someone has the truth before them in this way and does not say it, but says the opposite, which they must know to be incorrect, that is something quite different from a misunderstanding. And I leave it to you, dear audience, to feel the right word in your soul!

[ 59 ] Aber weiter, man kann in diesem Vortrage, der da gehalten und gedruckt worden ist, ja erleben, dass gesagt wird, um Geisteswissenschaft insbesondere vor christlich fühlenden Menschen herabzusetzen, dass gesagt wird: dass ich als Vertreter der Geisteswissenschaft [und] andere Geisteswissenschaftler zum Christentum freilich sich bekennen wollen, aber nur insofern, als sie dieses Christentum in einer ganz besonderen Weise auffassen würden. Und diese Auffassung, die ja der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, gegenüber dem Christentum entgegengehalten wird, das ist allerdings eine besondere Auffassung. Und es ist bemerkenswert genug, gerade dies hier vorzubringen, wörtlich, wie es von diesem Herrn gesagt worden ist:

[ 59 ] But further, in this lecture, which has been given and printed, one can indeed experience that it is said, in order to disparage Spiritual Science, especially in front of people with a Christian outlook, that it is said: that I, as a representative of Spiritual Science, [and] other spiritual scientists, of course want to profess Christianity, but only insofar as they would understand this Christianity in a very special way. And this view, which is held against Spiritual Science, as it is meant here, in relation to Christianity, is indeed a special view. And it is remarkable enough to bring this up here, verbatim, as it was said by this gentleman:

Wir erkennen jetzt auch

We now also recognize

[ 60 ] sagt er—

[ 60 ] he says—

in welchem Sinn gerade Dr. Steiner zu der Behauptung kommen kann, wir sind nicht gegen das Christentum, wir sind sogar schließlich die eigentlichen Christen.

in what sense Dr. Steiner can come to the conclusion that we are not against Christianity, we are in fact the true Christians.

[ 61 ] Alles dieses ist nicht in der Form gesagt worden, sondern von dem Herrn so formuliert. Aber es knüpft an an dasjenige, was in der genannten Broschüre von mir als Aufgabe der Anthroposophie, über die Stellung der Geisteswissenschaft zum Christentum gesagt wird, insoferne dort nachgewiesen wird, dass Geisteswissenschaft gerade durch die religiösen Bedürfnisse der Seele etwas wieder erzeugt in der Menschheit, das die besten Stützen für das Christentum werden soll und kann. Mit Bezug darauf wird weiter gesagt:

[ 61 ] None of this has been said in this form, but it has been formulated in this way by the gentleman. But it ties in with what I say in the aforementioned brochure about the task of anthroposophy, about the position of Spiritual Science in relation to Christianity, insofar as it is demonstrated there that Spiritual Science, precisely through the religious needs of the soul, recreates something in humanity that should and can become the best support for Christianity. With reference to this, it goes on to say:

Christus war in den Augen der Anthroposophen ein solcher, der die höheren Mächte erschaute.

In the eyes of anthroposophists, Christ was one who beheld the higher powers.

[ 62 ] Absolut unwahr! In dieser Weise ist es nie gesagt worden. Zwar ist es selbstverständlich, dass Christus die höheren Mächte erschaute, aber mit dem, was darauf folgt nunmehr in dem Text des Schriftchens, wird es, gegenüber der Anthroposophie hervorgehoben, eine Absurdität:

[ 62 ] Absolutely untrue! It has never been said in this way. It goes without saying that Christ beheld the higher powers, but with what follows in the text of the booklet, it becomes an absurdity in relation to anthroposophy:

Dr. Steiner, der Lehrer, wird auch glauben, dass er diese Mächte erschaut und an ihnen teilnimmt.

Dr. Steiner, the teacher, will also believe that he beholds these powers and participates in them.

[ 63 ] Man sieht, aus welchem Geiste heraus hier die Dinge dargestellt werden!

[ 63 ] One can see the spirit from which these things are presented here!

Aber auch jeder unter uns soll ja dieser Kräfte teilhaftig werden können, wenn er sich mit genügender Ausdauer im Schauen übt. So kommt es denn wieder auf die nämliche Forderung heraus, die schon der erwähnte russische Mystiker Solowjow erhoben hat, wir könnten und sollten alle Christusse sein, übrigens eine Forderung, die schon jeder Mystiker, der so freundlich war auf das Christentum Rücksicht zu nehmen, erhoben hat.

But each of us should also be able to participate in these forces if we practice seeing with sufficient perseverance. This brings us back to the same demand that the aforementioned Russian mystic Soloviev made, that we could and should all be Christs, a demand that, incidentally, every mystic who was kind enough to take Christ.

[ 64 ] So viel Worte, so viel wirkliche Unwahrheiten, sehr verehrte Anwesende! Und das nennt sich christlich, das protestiert aus dem Geiste des Christentums heraus gegen Geisteswissenschaft oder Anthroposophie.

[ 64 ] So many words, so many real untruths, dear attendees! And this is called Christian, protesting against Spiritual Science or anthroposophy out of the spirit of Christianity.

[ 65 ] Ich habe heute auseinandergesetzt, inwiefern Geisteswissenschaft oder Anthroposophie dazu berufen ist, das Denken gerade lebendig zu machen, sodass das Denken zu einem höheren Sinnesorgan wird. Nun, Sie konnten erkennen, sehr verehrte Anwesende, dass in mehrfacher Weise gerade auf die Entwicklung des Denkens geschaut wird. Wenn auch das Denken etwas anderes wird, etwas, das sich zur Lebendigkeit der geistigen Anschauung steigert, die nicht unrealer, sondern viel realer ist als die physisch-sinnliche Anschauung. Der Herr aber, der also Anthroposophie vor der Mitwelt — ich will nicht sagen, was er will —, er kommt aber dazu, zu behaupten:

[ 65 ] Today I have discussed the extent to which Spiritual Science or anthroposophy is called upon to enliven thinking, so that thinking becomes a higher sense organ. Now, you have been able to see very dear attendees, that in many ways attention is being paid precisely to the development of thinking. Even if thinking becomes something else, something that rises to the liveliness of spiritual perception, which is not more unreal, but much more real than physical-sensory perception. But the gentleman who thus presents anthroposophy to his contemporaries — I will not say what he wants — but he comes to assert:

Nie aber könnten des Weiteren wir beistimmen dem Aufgeben und Verachten des menschlichen Denkens und Sinnens, wie es die Mystik fordert.

Furthermore, we could never agree with the abandonment and contempt of human thinking and feeling, as mysticism demands.

[ 66 ] Das ist dasjenige, wovon man sagen muss: Es werden erst so, wie man sie braucht, die Bilder von dieser Anthroposophie geschaffen, dann ist es allerdings sehr leicht, diese selbst geschaffenen Bilder zu widerlegen.

[ 66 ] This is what one must say: the images of this anthroposophy are first created as needed, and then it is very easy to refute these self-created images.

[ 67 ] Der Geistesforscher könnte über diese Dinge, ohne sie zu berücksichtigen, [hinweggehen], wenn es nur auf ihn und die Geistesforschung ankäme; aber es kommt darauf an, dass Geistesforschung oder Anthroposophie die Möglichkeit findet, sich hineinzustellen in die Welt, weil die Welt heute die Geisteswissenschaft so braucht, wie sie vor drei- bis vierhundert Jahren das Eintreten der Naturwissenschaft gebraucht hat. Wir brauchen nicht darauf einzugehen, wiederum neuerdings an diesem Orte [zu] beweisen, dass die Sehnsucht nach Geisteswissenschaft, nach solcher Erkenntnis der Welt- und der Seelenrätsel, wie ich sie heute geschildert habe, nicht durch irgendeine Phantastik an die Oberfläche durch die Geisteswissenschaft gebracht worden ist, sondern wir können gerade hier auf einen Mann hinweisen, der jetzt bald vor einem Jahrhundert gelehrt hat — zwar noch nicht vom Gesichtspunkt der jetzigen Geisteswissenschaft, dazumal war die Zeit dazu noch nicht gekommen —, aber aus den Sehnsuchten seiner Zeit, aus den tieferen Sehnsuchten nach Lösung der Seelenrätsel seiner Zeit heraus den Ausblick gerade auf diese Art Geistesforschung, wie sie heute hier geschildert worden ist von mir, gegeben hat.

[ 67 ] The spiritual researcher could [ignore] these things without taking them into account if it were only up to him and spiritual research; but it is important that spiritual research or anthroposophy finds a way to enter into the world, because the world today needs Spiritual Science just as it needed the advent of natural science three or four hundred years ago. We need not go into it again here that the longing for Spiritual Science, for such knowledge of the mysteries of the world and the soul as I have described today, has not been brought to the surface by Spiritual Science through some kind of fantasy, but we can point here to a man who taught almost a century ago — not yet from the point of view of present-day Spiritual Science, at that time the time had not yet come — but who, out of the longings of his time, out of the deeper longings for a solution to the mysteries of the soul of his time, gave a glimpse of precisely this kind of spiritual research as I have described it here today.

[ 68 ] Demgegenüber nimmt es sich allerdings sonderbar aus, wenn man, ich möchte sagen mit einer gerade nicht sehr hohen Gesinnungsart für diejenigen, die hierzulande leben, diese Geisteswissenschaft erst zusammenstellen will mit allen möglichen anderen dilettantischen Wissenschaften, und dann sagt: wie diese, so sei auch die Anthroposophie oder Geisteswissenschaft nicht aus dem schweizerischen Leben herausgewachsen, sondern wie alle erst hereinverpflanzt worden. Gerade demgegenüber darf auf einen in der Schweiz geborenen, in der Schweiz 1866 gestorbenen Mann hingewiesen werden, der in Basel und hier in Bern gelehrt hat. Es darf nicht so ausgelegt werden, als ob dieser Mann schon ein Geistesforscher im heutigen Sinne gewesen wäre; aber er war auf dem Wege, und seine innere Seelenverfassung und Seelenstimmung war so, wie sie nur weiter ausgebildet zu werden braucht, um hineinzudringen zu dem, was heute geschildert worden ist. Ich meine Troxler, der in Basel und Bern gelehrt hat, der 1866 gestorben ist, der an demselben Orte eine «Naturlehre» erscheinen ließ, eine «Naturlehre des menschlichen Erkennens» erscheinen ließ, 1828, währendem heute Anthroposophie angeschwärzt wird.

[ 68 ] In contrast, however, it seems strange when, I would say with a not very high opinion of those who live in this country, one first wants to lump this Spiritual Science together with all kinds of other dilettantish sciences, and then says: like these, anthroposophy or Spiritual Science did not grow out of Swiss life, but like all the others was transplanted here. In contrast to this, reference may be made to a man who was born in Switzerland and died there in 1866, who taught in Basel and here in Bern. It should not be interpreted as if this man were already a spiritual researcher in the modern sense; but he was on the way, and his inner state of mind and soul mood were such that they only needed to be further developed in order to penetrate penetrate what has been described today. I am referring to Troxler, who taught in Basel and Bern, who died in 1866, who published a “Natural Science” in the same place, a “Natural Science of Human Cognition,” in 1828, while anthroposophy is being denigrated today.

[ 69 ] Man findet bei Troxler dasjenige, was ich heute Ätherleib genannt habe, was das Denken in der geschilderten Weise durchdringt, mit dem Namen belegt: «Schema pneumatikon». Man findet bei Troxler in einer wunderbaren Weise — sodass man in inniger Art nahetritt dieser großen Natur, die nur nicht aus den Grenzen ihrer Zeit herauskonnte, aber die Sehnsucht hatte nach dem, wo hinein man heute erst wachsen kann —, man findet bei diesem Vital Troxler geschildert alles das, was der Geistesforscher durchmachen muss, um die inneren Kräfte des Seelenlebens sich zu erschließen. Da sagt Troxler in dieser Naturgeschichte, die erschienen ist wie scheinbar durch einen merkwürdigen Zufall vor jetzt beinahe hundert Jahren an demselben Orte, wo heute Anthroposophie angeschwärzt wird, da findet man bei diesem Troxler die Worte:

[ 69 ] In Troxler, one finds what I have today called the etheric body, which permeates thinking in the manner described, given the name: “Schema pneumatikon.” . In Troxler, one finds in a wonderful way — so that one approaches this great nature in an intimate way, which could not escape the limitations of its time, but which longed for what one can only grow into today — one finds in this Vital Troxler a description of everything that the spiritual researcher must go through in order to tap into the inner forces of the soul life. In this natural history, which appeared almost a hundred years ago, as if by a strange coincidence, in the very place where anthroposophy is now being denigrated, Troxler writes:

Lange bin ich dem Verstand und der Vernunft nachgegangen und nachgegangen, denn ich glaubte, sie zusammen zeugten die Weisheit, und habe die Weisheit auch gesucht am hellen Tage und in dunkler Nacht, in der Welt, im Leben, in heiligen wie unheiligen Büchern, bei den Tieren und Pflanzen wie unter den Menschen; ich habe nach ihr gefragt, bei den Sternen und bei den Steinen, die Natur und mich selbst, Himmel und Erde und habe wohl Verstand gefunden in allem, aber keine Weisheit, die vor Gott und der Welt bestünde und mich lehren konnte, woher ich gekommen, was ich jetzt hier sei und soll und was zu werden ich bestimmt? Denn dies war es, was mir immer am tiefsten im Sinn und überall zunächst am Herzen lag.

Und wenn ich so sann und forschend mich vertiefte, fühlte ich innig und heiß in mir jene Angstqual der Seele sieden und jenes Angstrad der Natur rollen und rasseln wie Böhme und andere, bald wie Schrack in dem Zweifel, bald wie Blitz in dem Meinen, bald wie Glast in dem Glauben; aber es lief in dem Rade alles um- und durcheinander, und die Angst gebar die unaussprechlichste Bangigkeit in mir, mit geistigen Fieberschauern bis zur furcht barsten Gemütsnot.

For a long time I pursued understanding and reason, believing that together they produced wisdom, and I sought wisdom in the light of day and in the dark of night, in the world, in life, in holy and unholy books, among animals and plants as well as among humans; I have sought it in the stars and in stones, in nature and in myself, in heaven and on earth, and I have indeed found understanding in all things, but no wisdom that would stand before God and the world and could teach me where I came from, what I am here for and what I am destined to become. For this was what was always deepest in my mind and closest to my heart everywhere.

And as I pondered and delved deeper into my research, I felt that anguish of the soul boiling intensely and fervently within me, and that wheel of nature rolling and rattling like Böhme and others, sometimes like Schrack in doubt, sometimes like lightning in my thoughts, sometimes like glass in my faith; but everything ran around and mixed together in the wheel, and the fear gave birth to the most unspeakable anxiety in me, with spiritual fever chills to the point of bursting emotional distress.

[ 70 ] Und dann weist Troxler darauf hin, wie er aus diesem Erkenntnis-Erlebnisse heraus geboren sich hat dasjenige, was er mit seinen Worten nun das «Urbewusstsein» nennt.

[ 70 ] And then Troxler points out how, from this experience of insight, was born what he now calls, in his words, “primordial consciousness.”

[ 71 ] Verfolgt man diese Worte und versteht man sie, dann fühlt man unter seiner «Angstqual» dasjenige, was der Geistesforscher erlebt, wenn er sich nähert durch das Weltendenken der Eigenkraft dieses Denkens, das überschauen kann diesen großen, Ihnen heute geschilderten Lebensrhythmus; dann versteht man Troxler, wonach er sich sehnt, wenn er spricht von «dem Rade der Natur, das rollt und rasselt». Das ist das Rad, das jenen großen Rhythmus vor sich gehen lässt, welcher angeschaut wird von diesem höheren Geist-Sinnes-Organ. Und Troxler nennt das in seiner Art, was da aufgeht in der Seele, nun das [Urbewusstsein], jenes [Urbewusstsein], das dem gewöhnlichen Alltagsbewusstsein und auch gewöhnlichen wissenschaftlichen Bewusstsein zugrunde liegt. Und dann sagt Troxler:

[ 71 ] If one follows these words and understands them, then one feels beneath his “agony of fear” that which the spiritual researcher experiences when he approaches, through the world thinking of the inherent power of this thinking, which can survey this great rhythm of life described to you today; then one understands Troxler, what he longs for when he speaks of “the wheel of nature that rolls and rattles.” This is the wheel that sets in motion that great rhythm which is viewed by this higher spiritual sense organ. And Troxler calls what arises in the soul in his own way namely the [primordial consciousness], that [primordial consciousness] which underlies ordinary everyday consciousness and also ordinary scientific consciousness. And then Troxler says:

Hier ist wohl auch die Art zu erwähnen, wie die Mystik meistens den Menschen in Gott, so wie die Philosophie Gott im Menschen verlierend, dies Urverhältnis der menschlichen Natur, das anthroposophisch zu ergründen der Mensch sich begnügen soll, in theosophische Spekulationen von sich auf Gott selbst übertragen hat.

Here it is also worth mentioning the way in which mysticism, losing sight of God in man, just as philosophy loses sight of man in God, has transferred this primordial relationship of human nature, which man should be content to explore anthroposophically, to theosophical speculations about God himself.

[ 72 ] Troxler fordert eine anthroposophische Betrachtungsweise, wie man sie in der damaligen Zeit fordern konnte. Durch den Gang der naturwissenschaftlichen Entwicklung sind solche Sehnsuchten zurückgetrieben worden. Heute müssen sie wieder erstehen. Denn dasjenige [gerade] was die Naturwissenschaften gebracht haben, das fordert auf, dass zu ihnen ergänzend hinzutrete dasjenige, was Geisteswissenschaft bringen kann.

[ 72 ] Troxler calls for an anthroposophical approach, as was possible at that time. Such longings have been driven back by the course of scientific development. Today they must be revived. For it is precisely what the natural sciences have brought about that calls for the addition of what Spiritual Science can bring.

[ 73 ] Und dann sagt Troxler weiter, indem er dasjenige, was gewissermaßen die seelischen Erfahrungen überfliegen und sich mit einem Sprunge in die Gottheit selber versetzen will, mit seinen Worten «Theosophie» nennt, während er «Anthroposophie» anstrebt:

[ 73 ] Troxler goes on to say that what he calls “theosophy” is something that, in a sense, skims over spiritual experiences and seeks to leap directly into the divine itself, whereas he strives for “anthroposophy”:

Die Theosophie überhaupt trifft der Vorwurf, dass sie versäumt hat, sich anthroposophisch zu begründen.

Theosophy in general is accused of failing to establish itself on anthroposophical grounds.

[ 74 ] Und dann sagt er, so recht damit andeutend, dass er, so wie Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft sich stellen muss:

[ 74 ] And then he says, hinting that, just as Spiritual Science must relate to natural science:

Alle wahre Physiologie und Physiologie, und wir begreifen darunter alles menschliche Wissen und Sein, Können und Tun, haben ihren Grund in der menschlichen Natur und ihrer Philosophie oder in der Anthroposophie.

All true physiology and physiology, and by that we mean all human knowledge and being, ability and action, have their basis in human nature and its philosophy or in anthroposophy.

[ 75 ] Wahrhaft, man steht hier nicht fern der historischen Entwicklung jener Sehnsuchten, die damals dunkel und wie unverstanden in dem großen Schweizer Troxler aufstiegen und die ihre Erfüllung finden sollen gerade durch Geisteswissenschaft oder Anthroposophie.

[ 75 ] Truly, we are not far here from the historical development of those longings that arose darkly and seemingly misunderstood in the great Swiss Troxler, and which are to find their fulfillment precisely through Spiritual Science or anthroposophy.

[ 76 ] Derjenige, der sich einzuleben vermag in den Impuls dessen, was Geisteswissenschaft der Menschheit sein mag, der darf wohl darauf hinweisen, welches das Schicksal zunächst paradox erscheinender Wahrheiten überhaupt in der Welt sein kann und wird, immer mehr und mehr. Die Naturwissenschaften haben geglaubt im neunzehnten Jahrhundert, mit demjenigen, was sie auf den großartig begründeten Darwinismus aufgebaut haben, selber die großen Seelenrätsel zu lösen.

[ 76 ] Those who are able to live into the impulse of what Spiritual Science may be for humanity may well point out what the fate of truths that at first appear paradoxical can and will be in the world, more and more. In the nineteenth century, the natural sciences believed that, with what what they had built on the magnificently founded Darwinism, they themselves would solve the great mysteries of the soul.

[ 77 ] Da darf hingewiesen werden auf zwei Tatsachen: Die eine ist sehr lehrreich, und sie sollten sich viele vor die Seele stellen, die leichthin aburteilen über dasjenige, was sich in neuer Art in die Geistesentwicklung der Menschheit hereinstellt. Nicht dass ich irgendwie mich auf den Standpunkt stellen möchte, der «Philosophie des Unbewussten» von Eduard von Hartmann; aber er hat doch wenigstens auf dieses Unbewusste hingewiesen, das nicht, wie es die Psychoanalyse macht, dilettantisch herangeholt werden kann, sondern das mit voller Klarheit herangeholt werden muss, wie es durch Anthroposophie oder Geisteswissenschaft geschieht.

[ 77 ] Two facts may be pointed out here: one is very instructive, and many who are quick to judge what is emerging in a new way in the spiritual development of humanity should take it to heart. Not that I wish in any way to take the position of Eduard von Hartmann's " philosophy of the unconscious"; but he did at least point to this unconscious, which cannot be approached in an amateurish way, as psychoanalysis does, but must be approached with complete clarity, as is done through anthroposophy or Spiritual Science.

[ 78 ] Aber Eduard von Hartmann hat durch zahlreiche Hypothesen, wie vielfachen Spekulationen, aber doch in geistvoller Weise auf dasjenige gewiesen, auf das Troxler in einer anderen Zeit schon vorher hinwies, auf das, was durch Geisteswissenschaft für die Seelenrätsel kommen soll.

[ 78 ] But Eduard von Hartmann, through numerous hypotheses and multiple speculations, yet in a spiritual way, pointed to what Troxler had already pointed to in another time, to what Spiritual Science will bring to the mysteries of the soul.

[ 79 ] Er hat aber auch in seiner «Philosophie des Unbewussten» 1865 gezeigt, wie das, was naturwissenschaftliche Methode für das geistig in der Welt Vorhandene, wirken kann, nicht ausreichen kann. Und er hat gezeigt, dass gerade die naturwissenschaftlichen Tatsachen selber es notwendig machen, sagen wir, den Geist auch in der Tier-, in der Pflanzen-, in der Mineralwelt zu verfolgen. Da traten die Naturforscher, die bedeutenden Naturforscher der Welt, gegen ihn auf. Man kann es heute noch nachlesen, wie Oscar Schmidt, der berühmte Biograf des Darwin, gegen ihn aufgetreten ist, Ernst Haeckel selber, viele andere, und sagten: Da will so ein Philosoph anknüpfen an die Naturwissenschaft; aber er spricht doch nur wie ein Laie, wie ein Dilettant; man braucht auf ihn nicht zu hören.

[ 79 ] In his 1865 work “Philosophy of the Unconscious,” he also showed how the scientific method cannot suffice for what exists spiritually in the world. And he showed that it is precisely the facts of natural science themselves that make it necessary to pursue the spirit in the animal, plant, and mineral worlds as well. This is when the natural scientists, the world's leading natural scientists, turned against him. Even today, we can still read how Oscar Schmidt, Darwin's famous biographer, turned against him, as did Ernst Haeckel himself and many others, saying: Here is a philosopher who wants to connect with natural science, but he speaks only like a layman, like a dilettante; there is no need to listen to him.

[ 80 ] Nun, unter den Gegenschriften, sehr verehrte Anwesende, die dazumal gegen Hartmann, gegen die «Philosophie des Unbewussten» erschienen, war eine, die von einem Anonymus, der sich zunächst nicht nannte. Sie hieß: «Das Unbewusste vom Standpunkt der Naturwissenschaft aus». Sie war aus einer großen Erkenntnis geschrieben und widerlegte aus dem Geiste der damaligen naturwissenschaftlichen Hoffnungen heraus in glänzender Weise diesen Dilettanten Eduard von Hartmann. Oscar Schmidt, Haeckel selber und andere waren sehr zufrieden, und Haeckel selber sagte: Das ist recht, dass diese Schrift gegen diesen Dilettanten Eduard von Hartmann, diesen philosophischen Dilettanten, erschienen ist. Es ist nur schade, dass sich dieser Philosoph nicht genannt hat. Er nenne sich uns! Denn das ist einer — Besseres könnten wir selber nicht sagen gegen diesen Philosophen Eduard von Hartmann —, das ist einer, der versteht, aus dem innersten Nerv der Naturwissenschaft heraus zu sprechen. Es war bald eine zweite Auflage nötig für diese Schrift, denn die Naturforscher hatten große Propaganda dafür gemacht. In der zweiten Auflage nannte sich der Verfassen: Es war Eduard von Hartmann!

[ 80 ] Well, among the counter-writings, dear attendees, that appeared at that time against Hartmann, against the “Philosophy of the Unconscious,” there was one by an anonymous author who did not initially give his name. It was called “The Unconscious from the Point of View of Natural Science.” . It was written from a position of great insight and, in the spirit of the scientific hopes of the time, brilliantly refuted this dilettante Eduard von Hartmann. Oscar Schmidt, Haeckel himself, and others were very pleased, and Haeckel himself said: It is right that this work against this dilettante Eduard von Hartmann, this philosophical dilettante, has been published. It is only a pity that this philosopher did not give his name . Let him name himself to us! For he is someone—we ourselves could not say anything better against this philosopher Eduard von Hartmann—he is someone who understands how to speak from the innermost nerve of natural science. A second edition of this work was soon necessary, because natural scientists had made great propaganda for it. In the second edition, the author named himself: it was Eduard von Hartmann!

[ 81 ] Es war einmal ein Exempel statuiert, dass derjenige, der in der Tat bestimmt ist dazu, von seinem Gesichtspunkte heraus anders zu sprechen als solche Gegner, dass er sich schon, wenn er will, auch in den Standpunkt seiner Gegner stellen kann. Und der Geistesforscher könnte wahrhaftig, wenn es vonnöten wäre, alles dasjenige aufbringen, was so seine gewöhnlichen Gegner heute gegen die Geistesforschung aufzubringen vermögen.

[ 81 ] Once upon a time, an example was set that someone who is indeed determined to speak differently from his opponents from his point of view can, if he wants to, also put himself in his opponents' position. And the spiritual researcher could truly, if necessary, bring up everything that his usual opponents are able to bring up against spiritual research today.

[ 82 ] Interessant ist übrigens auch die andere Tatsache, einer der bedeutenden Schüler Haeckels, der ganz hervorgegangen ist aus Haeckels Vorstellungsart, er hat sich wieder in seinem Leben weiterentwickelt. Vor Kurzem ist sein bedeutendes Buch erschienen «Das Werden der Organismen», das «eine Widerlegung» darstellen soll, wie er sich ausdrückt, «der Darwin’schen Zufallstheorie»: Oscar Hertwig. Und in diesem Buche ist alle Augenblicke Eduard von Hartmann zitiert — mit dem man dazumal in der geschilderten Art zu Werke gegangen ist —, Eduard von Hartmann in der Weise zitiert, dass auf ihn berufen wird, sogar da, wo er davon spricht, die naturwissenschaftlichen Begriffe, die das neunzehnte Jahrhundert so ausgebildet hat, dass sie auch für das Seelenleben angewendet, sich werden verhalten so, wie diese sich zu den Kinderkrankheiten der Naturwissenschaften verhielten. Sogar das zitiert heute der Schüler Haeckels, Oscar Hertwig, bereits heute: «Oh, die Naturwissenschaft beweist selbst durch ihre eigene Entwicklung die Notwendigkeit der Geisteswissenschaft.»

[ 82 ] Incidentally, another interesting fact is that one of Haeckel's most important students, who emerged entirely from Haeckel's way of thinking, has developed further in his life. His important book “Das Werden der Organismen” (The Development of Organisms) was recently published, which, as he puts it, is intended to be “a refutation of Darwin's theory of chance”: Oscar Hertwig. And in this book, Eduard von Hartmann is quoted at every turn — with whom one worked in the manner described at the time — Eduard von Hartmann is quoted in such a way that reference is made to him, even where he speaks of the scientific concepts that the nineteenth century developed in such a way that they can also be applied to the life of the soul, they will behave as they behaved in relation to the teething troubles of the natural sciences. Even Haeckel's student, Oscar Hertwig, quotes this today: “Oh, natural science itself proves, through its own development, the necessity of Spiritual Science.”

[ 83 ] Dabei ist Geisteswissenschaft durchaus nicht geneigt, die großen naturwissenschaftlichen Errungenschaften nicht anzuerkennen. Sie erkennt sie voll an. Aber gerade indem sie sie anerkennt, sieht sie aus ihnen die Berechtigung ein, zu geistigen Forschungen vorzuschreiten. Da muss sie allerdings erfahren, dass sie auf Schwierigkeiten in der Gesinnung der Naturforscher hinweisen kann, durch die sich diese Naturforscher heute, da, wo sie Philosophen oder Weltbetrachter werden wollen, in einer sonderbaren Weise entpuppen.

[ 83 ] At the same time, Spiritual Science is by no means inclined to disregard the great achievements of natural science. It fully acknowledges them. But precisely because it acknowledges them, it sees in them the justification for advancing spiritual research. In doing so, however, it must point out the difficulties in the mindset of natural scientists that reveal these natural scientists in a strange way when they want to become philosophers or observers of the world.

[ 84 ] Indem ich in einem scheinbar gegnerischen Sinne spreche, meine sehr verehrten Anwesenden, möchte ich nicht unbedeutende Leute mir herausholen, denn da kann man leicht widerlegen, sondern im Gegenteil, gerade Menschen, die ich bewundere auf ihrem Gebiete, möchte ich am liebsten als diejenigen erwählen, deren Ansichten und Gesinnungen in das rechte Licht zu stellen sind.

[ 84 ] By speaking in a seemingly antagonistic manner, my dear audience, I do not wish to single out insignificant people, for they can easily be refuted. On the contrary, I would like to choose precisely those people whom I admire in their field as those whose views and attitudes need to be put into the right light.

[ 85 ] Da ist ein sehr bedeutender Naturforscher der Gegenwart, der vieles geleistet hat, insbesondere auf dem Gebiete der Astrophysik, der Chemie von einer gewissen Seite her, und so weiter, ein sehr verdienstvoller Mann, der ein schönes Buch geschrieben hat, erstens über die Geschichte der astronomischen Vorstellungen und auch über die astronomischen Vorstellungen der Gegenwart, die er selbst sehr bereichert hat.

[ 85 ] There is a very important contemporary natural scientist who has achieved a great deal, especially in the field of astrophysics, chemistry from a certain perspective, and so on, a very meritorious man who has written a beautiful book firstly about the history of astronomical mental images and also about contemporary astronomical mental images, which he himself has greatly enriched.

[ 86 ] In der Vorrede schreibt er in einer merkwürdigen Weise, sodass man seine Gesinnungen aus dieser Schreiberei hervorgehen sieht. Da sagt er — ich möchte sagen, man kann da ertappen etwas, was da als Gesinnung lebt in dieser Region —, da sagte er:

[ 86 ] In the preface, he writes in a remarkable way, so that one can see his views emerging from his writing. He says—I would say that one can detect something that lives as a sentiment in this region—he says:

dass wir in der «besten der Welten» leben, ist manchmal irgendwie versucht worden zu zeigen; man wird es aber schwierig beweisen können. Aber wahr, wenigstens für den Naturforscher wahr ist jedenfalls

that we live in the “best of all worlds” has sometimes been attempted to be shown; but it will be difficult to prove. But it is true, at least for the natural scientist, that

[ 87 ] — meint der betreffende große Mann —

[ 87 ] — says the great man in question —

für den Naturforscher wahr ist, dass wir jetzt in der «besten der Zeiten» leben.

it is true for the natural scientist that we now live in the “best of times.”

[ 88 ] Er meint, so Bedeutendes an Einsichten in die Weltenrätsel hat keine Zeit gehabt wie die unsrige. Und deshalb, sagt er:

[ 88 ] He believes that no other era has had such significant insights into the mysteries of the world as ours. And therefore, he says:

kann man, sich berufend auf den großen Welt- und Menschenkenner

one can, referring to the great connoisseur of the world and humanity

[ 89 ] — bitte, beachten Sie das Folgende —,

[ 89 ] — please note the following—

den großen Welt- und Menschenkenner Goethe ausrufen:

«Es ist ein groß’ Ergötzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen.
Zu sehen, was ein großer Mann gedacht.
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.»

the great connoisseur of the world and humanity, Goethe, exclaim:

“It is a great delight
To put oneself in the spirit of the times.
To see what a great man thought.
And how we have finally come so wonderfully far.”

[ 90 ] Schöne Enthüllung, aber bezeichnend, denn nicht Goethe spricht so, Goethe lässt nicht so den Faust sprechen, sondern er lässt den Wagner so sprechen, den er dem Faust gegenüberstellt. Und als der Wagner draußen ist — wir wollen das nicht anwenden auf den großen Naturforscher gegenwärtig, der sich also, indem er glaubt, sich mit Goethe zu identifizieren, mit dem Wagner identifiziert, wir wollen das nicht anwenden auf ihn; aber Goethe lässt Faust auf Wagner antworten:

[ 90 ] A beautiful revelation, but a significant one, because it is not Goethe who speaks thus; Goethe does not let Faust speak thus, but rather he lets Wagner speak thus, whom he contrasts with Faust. And when Wagner is out of the picture — we do not want to apply this to the great natural scientist of the present day, who, believing himself to be identified with Goethe, identifies himself with Wagner, we do not want to apply this to him; but Goethe has Faust respond to Wagner:

Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer finder.

How only the head does not lose all hope,
Which constantly clings to stale evidence
Digging for treasures with greedy hands,
And is happy when it finds earthworms.

[ 91 ] Die heutige Zeit ist viel zu wenig gründlich, um in die Dinge sich wirklich einzulassen. Es ist eine scheinbar unbedeutende Bemerkung, die ich eben gemacht habe; aber man kann eine Welt von Gesinnungen, die lebt an dem Orte, wo man vielfach heute über die Welträtsel spricht, belauschen, wenn man solch ein Sich-Versprechen entdeckt, wie dasjenige, was ich eben angeführt habe.

[ 91 ] Today's world is far too superficial to really engage with things. What I have just said may seem like an insignificant remark, but one can eavesdrop on a world of attitudes that thrives in places where people often discuss the mysteries of the world today if one discovers such a slip of the tongue as the one I have just mentioned.

[ 92 ] Und von solchem Geist und solcher Gesinnung sind auch durchdrungen diejenigen, die vom christlichen Standpunkte aus oftmals Geisteswissenschaft anschwärzen möchten.

[ 92 ] And those who, from a Christian standpoint, often seek to denigrate Spiritual Science are also imbued with this spirit and this attitude.

[ 93 ] Der Geistesforscher wird immer mehr erkennen, wenn er sich in die Natur der Geisteswissenschaft einlässt, wie gerade durch seine Weltenbetrachtungen die Menschen, die durch die äußere Naturwissenschaft, in der sie sich so aufgeklärt fühlen, von religiösen Empfindungen abgebracht werden, und wie durch die Geistesforschung infolge einer höheren Aufklärung über die geistigen Welten die Seelen wieder hingetragen werden zu religiösem Fühlen und Empfinden. Unsere Zeit kann man bezeichnen als die Zeit, in der sich die Menschen müde erwiesen haben gegenüber dem religiösen Empfinden und Bedürfnis. Und man hat eigentlich sonderbare Gefühle, wenn man sieht, wie gerade die berufenen Vertreter der religiösen Bedürfnisse nicht erkennen, wie in der Geistesforschung ein Naturquell liegt für das Hinlenken der Seelen zum religiösen Fühlen und gerade auch zum religiösen christlichen Fühlen.

[ 93 ] The spiritual researcher will recognize more and more, as he becomes involved in the nature of Spiritual Science, how it is precisely through his observations of the world that people who feel so enlightened by external natural science are led away from religious feelings, and how, through spiritual research, as a result of a higher enlightenment about the spiritual worlds, souls are carried back to religious feeling and sensation. Our time can be described as a time in which people have grown weary of religious feeling and need. And one has actually feel strange when we see how the very representatives of religious needs fail to recognize that spiritual research is a natural source for directing souls toward religious feeling, and especially toward religious Christian feeling.

[ 94 ] Derjenige, der den großen Lebensrhythmus erkennen lernt, der aus dem Weltenwillen heraus nicht nur eine menschliche Handlung, sondern uns selbst will, der entdeckt in diesem großen Weltenrhythmus, in dieser kosmischen Perspektive, die sich da vor ihm auftut, dass für ihn eine Naturkraft zur Geisteskraft geworden ist, den Kosmos durchdringt, jene Kraft, die man bezeichnen kann als die Kraft der geistigen Liebe. Anziehungskräfte, Abstoßungskräfte, Adhäsion-Kohäsions-Kräfte, magnetische Kräfte kennt man. [Die] Liebe will man nur gelten lassen als eine Erscheinung in der physischen Welt, die sich von Mensch zu Mensch, von Tier zu Tier entwickelt. Aber dasjenige, was sich in der physischen Welt von Mensch zu Mensch entwickelt, und durch die der Mensch hereingetragen wird aus der geistigen in die physische Welt, das ist nur ein Abglanz der alle Welt durchdringenden Liebe. Und mit der Erkenntnis jener kosmischen Perspektive, die geschildert worden ist, mit jenem großen Lebensrhythmus, erkennt man die Liebe nur als eine das ganze Universum durchdringende Liebekraft, der man sein Dasein als Mensch verdankt.

[ 94 ] Those who learns to recognize the great rhythm of life, which out of the will of the world desires not only human action but also us ourselves, discovers in this great world rhythm, in this cosmic perspective that opens up before him, that for him a natural force has become a spiritual force, permeating the cosmos, that force which can be described as the force of spiritual love. We are familiar with forces of attraction, repulsion, adhesion, cohesion, and magnetism. We only want to accept love as a phenomenon in the physical world that develops from person to person, from animal to animal. But what develops in the physical world from person to person, and through which the human being is carried from the spiritual into the physical world, is only a reflection of the love that permeates the whole world. And with the recognition of that cosmic perspective that has been described , with that great rhythm of life, one recognizes love only as a force of love permeating the entire universe, to which one owes one's existence as a human being.

[ 95 ] Erfühlt man aber, was sich mit dieser Erkenntnis eröffnet, sehr verehrte Anwesende, erfühlt man, wie man als Mensch nur durch die allwaltende Liebe in die Welt hereingesetzt worden ist, lernt man die Liebe durchdringend erkennen den Lebensrhythmus durch wiederholte Geburten und Tode, dann lernt man auch in religiöser Weise den Sinn des Lebens erfassen, in der Weise, dass man überall fühlt: Das Sinnliche hat nur einen Sinn, wenn es der Ausdruck des Geistigen ist; und unser Handeln, unser ganzes Dasein in der physischen Welt hat ebenfalls nur einen Sinn, wenn wir es zum Ausdruck dessen machen, was in uns hereinfließt aus der geistigen Welt.

[ 95 ] But if you feel what this realization opens up, dear attendees, if you feel how you as a human being have been placed in the world only through the all-pervading love, if you learn to recognize love as permeating the rhythm of life through repeated births and deaths, then you also learn to grasp the meaning of life in a religious way, in such a way that you feel everywhere : the sensual only has meaning if it is the expression of the spiritual; and our actions, our entire existence in the physical world, also only have meaning if we make them an expression of what flows into us from the spiritual world.

[ 96 ] Dasjenige, was Geisteswissenschaft ist, ist nicht nur eine Summe von abstrakten Gedanken und Vorstellungen, die uns Erkenntnisse über die Welt vermitteln, sondern es ist etwas, was hereinfließt in unsere Entwicklung, was uns erkennen lehrt, was wir in dem, was wir selber aus Liebe, aus Selbstzucht im Menschengebiet hier verrichten, kurz, in alledem verrichten, was wir als wahre Moral bezeichnen, als Religion, durch unsere Moral bezeichnen, wie in alledem etwas lebt, durch das wir Menschen selber ja diese Welt, die wir geschaffen haben, zum Abbild der Umwelt machen, die wir [in] dem, was dargestellt worden ist, entsprechend zu durchdringen versuchen. Indem man zu der höheren Welt sich erheben wird, wird religiöse Inbrunst, der unsere Welt gerade in ihren aufgeklärteren Geistern so müde geworden ist, wieder in die Seelen hereinkommen. Und diejenigen, die das Christentum verwalten, sollten erkennen, dass sie die beste Stütze für ihr Schaffen gerade in dem Wecken derjenigen Vorstellungen haben, die durch die Geisteswissenschaft in die Welt hereinkommen.

[ 96 ] Spiritual Science is not just a sum of abstract thoughts and mental images that give us insights into the world, but something that flows into our development, teaching us to recognize what we ourselves accomplish out of love and self-discipline in the human realm, in short, in all that we do, which we call true morality, religion, through our morality, how in all this there is something alive through which we humans ourselves make this world that we have created into an image of the environment that we try to permeate accordingly in what has been presented. By rising to the higher world, religious fervor, of which our world has become so weary, especially in its more enlightened minds, will return to the souls. And those who administer Christianity should recognize that they have the best support for their work precisely in awakening those mental images that are coming into the world through Spiritual Science.

[ 97 ] Aber solche Menschen stehen, ich möchte sagen in einer noch viel krasseren Art auf dem Boden, auf dem jener Naturforscher stand, der wenigstens bewundert das Neue, durch welches die Naturforschung in unsere Welt hereinspricht, und er verspricht sich nur, indem er dadurch seine oberflächliche Gesinnung und auch seine Empfindungsweise, die nicht nachsicht, um was es sich eigentlich handelt, zum Ausdruck bringt.

[ 97 ] But such people stand, I would say in an even more blatant way, on the same ground as that natural scientist who at least admires the new things that natural science brings into our world, and who only promises himself by expressing his superficial attitude and also his way of feeling, which does not take into account what is actually at stake.

[ 98 ] Aber derjenige, der vom christlichen Standpunkte aus heute nicht anerkennen will, wie durch Geisteswissenschaft gerade die großen Geheimnisse, die sich um das Wesen des Christus, um das Ereignis der Erlösung und Auferstehung gliedern, erkennen, sich erkennen lassen, der das nicht anerkennen will, der erkennt nicht an, dass das Christentum zwar so, wie es durch die Christuswesenheit in die Welt gekommen ist, der Erde Sinn gegeben hat und ein Ewiges bedeutet, dass es aber ein so Kraftvolles ist, dass es immerdar in neuer Weise erkannt werden muss und erkannt werden kann. Vertiefung des religiösen Empfindens, Verinnerlichung des religiösen Empfindens wird gerade durch Geisteswissenschaft in die Welt wieder kommen.

[ 98 ] But those who, from a Christian point of view, do not want to recognize today how Spiritual Science reveals the great mysteries surrounding the nature of Christ, the event of redemption and resurrection, those who do not want to recognize this, do not recognize that Christianity, as it came into the world through the Christ being, has given meaning to the earth and signifies something eternal, but that it is so powerful that it must and can be recognized in ever new ways. A deepening of religious feeling, an internalization of religious feeling, will come back into the world precisely through Spiritual Science.

[ 99 ] Damit kann denjenigen, die heute sich noch ein krauses Bild von Anthroposophie machen, entgegengehalten werden etwas — womit man vielleicht mehr den Goethe’schen Sinn trifft, als ihn der genannte große Naturforscher getroffen hat, der nur den Sinn Wagners getroffen hat —, man kann etwas entgegenhalten denjenigen, die verkennen, was Anthroposophie oder Geisteswissenschaft für die Lösung der Welten- und Seelenrätsel tun will, in den Grenzen, in denen es dem menschlichen Erkennen möglich ist, zu tun. Man kann ihnen entgegenhalten dasjenige, in was ich zusammenfassen möchte jetzt mit Worten, die eben vielleicht mehr den Goethe’schen Sinn treffen — als die früher angeführten, die Wagners Worte sind —, mit denen ich beschließen möchte die heutigen Betrachtungen, die den Geist und Sinn von Anthroposophie mit Bezug auf die Seelenrätsel vor Ihre Seele hinstellen.

[ 99 ] This can be used to counter those who still have a distorted view of anthroposophy today — perhaps in a way that is more in line with Goethe's understanding than that of the aforementioned great natural scientist, who only understood Wagner's meaning — one can counter those who misunderstand what anthroposophy or Spiritual Science wants to do to solve the riddles of the world and the soul, within the limits of what is possible for human knowledge. One can counter them with what I would now like to summarize in words that perhaps correspond more to Goethe's meaning — than the words of Wagner quoted earlier — with which I would like to conclude today's reflections, which present the spirit and meaning of anthroposophy in relation to the mysteries of the soul before your soul.

[ 100 ] Derjenige, der das Schicksal der [Wahrheit] — wie sie sich durchleben musste durch all die Hindernisse und Widerstände, die ihr in der Welt entgegengetreten sind — [beobachtet], der wird zwar wissen, [dass es] — indem er glaubt, einen Teil [einer] neuen Wahrheit erkannt zu haben, wenn auch in noch so bescheidener Weise — seine unabänderliche Verpflichtung ist, gegenüber all diesen gegenwärtigen Missverständnissen diese Wahrheit immer wieder zu betonen, wenn er auch in der Zuversicht lebt, dass die Wahrheit zum Siege kommen muss. Aber der Sieg der Wahrheit kann nur aus einer Gesinnung hervorgehen, die nicht «in den Geist der Zeiten» zurückschaut und stehen bleiben wollend starr im Vergangenen, [nicht weiterschreiten will], nicht in Naturerkenntnis fortschreiten will, kein [Weiterstreben] haben will, sondern nur aus einer Gesinnung kann wahrer menschlicher Fortschritt, wahres Fortschreiten des Geisteslebens kommen, das sich bezeichnen lässt vielleicht mit den Worten:

[ 100 ] Those who observe the fate of [truth] — as it had to live through all the obstacles and resistance it encountered in the world — will know [that] — believing they have recognized a part [of] a new truth, even if in a very modest way — it is their unalterable obligation to emphasize this truth again and again in the face of all these present misunderstandings, even if they live in the confidence that truth must prevail. But the victory of truth can only come from a mindset that does not looks back “into the spirit of the times” and wants to remain rigidly in the past, [does not want to move forward], does not want to progress in the knowledge of nature, does not want to [strive further], but only from a mindset can true human progress, true advancement of spiritual life, come, which can perhaps be described in the words:

Es ist ein groß’ Erleben,
Sich zu dem Geist der Zeiten zu erheben,
Zu hören, wie so mancher echte Weise spricht:
Nur immer strebend dringen wir zum Licht.

It is a great experience
To rise to the spirit of the times,
To hear how many a true sage speaks:
Only by striving can we reach the light.