Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a
10 November 1916, Bern
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Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und menschlicher Lebenslauf, 1st ed.
Die Menschlichen Seelenrätsel vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft (Anthroposophie)
Die Menschlichen Seelenrätsel vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft (Anthroposophie)
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Über Fragen der menschlichen Erkenntnis, die wohl jeder Seele so nahe als möglich liegen, möchte ich Ihnen heute Abend sprechen, und zwar von dem Gesichtspunkt der Anthroposophie oder Geisteswissenschaft, von dem aus ich schon öfter auch in dieser Stadt sprechen durfte. Spricht man von diesem Gesichtspunkte aus, so ist man allerdings heute noch vielen Missverständnissen unterworfen; denn diese Anthroposophie wird ja insbesondere in der letzten Zeit von vielen Seiten in der Weise besprochen, dass man zuerst von ihr ein Bild entwirft, das man nach seinen eigenen, möglichst wenig zulänglichen Vorstellungen, die oftmals von wenig Erkenntnis der Sache getrübt sind, entwirft und dann nicht diese Anthroposophie, sondern ein Bild, das man erst entworfen hat, kritisiert oder charakterisiert.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Über Fragen der menschlichen Erkenntnis, die wohl jeder Seele so nahe als möglich liegen, möchte ich Ihnen heute Abend sprechen, und zwar von dem Gesichtspunkt der Anthroposophie oder Geisteswissenschaft, von dem aus ich schon öfter auch in dieser Stadt sprechen durfte. Spricht man von diesem Gesichtspunkte aus, so ist man allerdings heute noch vielen Missverständnissen unterworfen; denn diese Anthroposophie wird ja insbesondere in der letzten Zeit von vielen Seiten in der Weise besprochen, dass man zuerst von ihr ein Bild entwirft, das man nach seinen eigenen, möglichst wenig zulänglichen Vorstellungen, die oftmals von wenig Erkenntnis der Sache getrübt sind, entwirft und dann nicht diese Anthroposophie, sondern ein Bild, das man erst entworfen hat, kritisiert oder charakterisiert.
[ 2 ] Man kann einmal dasjenige, was hier mit anthroposophischer Weltanschauung gemeint ist, sich genauer ansehen, ansehen, wie man heute gewohnt ist, andere Zweige der menschlichen Wissenschaft anzusehen, so wird man schon bemerken, dass diese Anthroposophie sich hineinstellt innerhalb der Gegenwart in das Gesamtleben der menschlichen Geistesentwicklung in einer ganz ähnlichen Weise, wie sich vor drei bis vier Jahrhunderten das naturwissenschaftliche Denken in diese Geistesentwicklung hineingestellt hat, und man wird erkennen, wie es notwendig geworden ist für die Grundlegung gewisser menschlicher Erkenntnisbedürfnisse, die sich unmittelbar auf den Menschen selber beziehen, zu der Methode, zu der Anschauungsweise dieser Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu greifen, geradeso wie eben vor Zeiten es notwendig geworden ist, selbstverständlich geworden ist, zur naturwissenschaftlichen Anschauung zu greifen. Ja, man wird erkennen, dass es gerade deshalb notwendig ist, zu dieser Geisteswissenschaft zu greifen, weil die Naturwissenschaft mit ihren großen, nicht in irgendeiner Weise von der Geisteswissenschaft verkannten Errungenschaften allen menschlichen Bestrebungen ein Gepräge gegeben hat, welches auch mit Bezug auf das Forschen der geistigen Bedürfnisse des Menschen neue Wege notwendig machen wird.
[ 2 ] Man kann einmal dasjenige, was hier mit anthroposophischer Weltanschauung gemeint ist, sich genauer ansehen, ansehen, wie man heute gewohnt ist, andere Zweige der menschlichen Wissenschaft anzusehen, so wird man schon bemerken, dass diese Anthroposophie sich hineinstellt innerhalb der Gegenwart in das Gesamtleben der menschlichen Geistesentwicklung in einer ganz ähnlichen Weise, wie sich vor drei bis vier Jahrhunderten das naturwissenschaftliche Denken in diese Geistesentwicklung hineingestellt hat, und man wird erkennen, wie es notwendig geworden ist für die Grundlegung gewisser menschlicher Erkenntnisbedürfnisse, die sich unmittelbar auf den Menschen selber beziehen, zu der Methode, zu der Anschauungsweise dieser Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu greifen, geradeso wie eben vor Zeiten es notwendig geworden ist, selbstverständlich geworden ist, zur naturwissenschaftlichen Anschauung zu greifen. Ja, man wird erkennen, dass es gerade deshalb notwendig ist, zu dieser Geisteswissenschaft zu greifen, weil die Naturwissenschaft mit ihren großen, nicht in irgendeiner Weise von der Geisteswissenschaft verkannten Errungenschaften allen menschlichen Bestrebungen ein Gepräge gegeben hat, welches auch mit Bezug auf das Forschen der geistigen Bedürfnisse des Menschen neue Wege notwendig machen wird.
[ 3 ] Ich will nun, indem ich die Ausführung dieses Gedankens einer späteren Stelle meines Vortrages überlasse, jetzt sogleich versuchen, zu zeigen, wie Geisteswissenschaft und zwar, ich meine ganz im Geiste der Naturwissenschaft, aus der unmittelbaren Erfahrung, allerdings aus der geistigen Erfahrung heraus, die Rätselfragen des menschlichen Seelenlebens, soweit es der menschlichen Erkenntnis möglich ist, zu lösen versuchte. Allerdings, von vornherein ist eines notwendig für denjenigen, der selber forschen will in der angegebenen Richtung. Notwendig ist, dass er durch den Einblick in dasjenige, was die anderen Wissenschaften mit ihren Methoden gewähren können, gerade über die Fragen des Seelenlebens nicht zurechtkommen kann, dass die anderen Wissenschaften gewisse Grenzen haben, über die sie nicht hinauskönnen, und jenseits welcher Grenzen eigentlich erst das Gebiet beginnt, aus dem heraus Aufschluss über die Rätselfragen des Seelenlebens kommen kann.
[ 3 ] Ich will nun, indem ich die Ausführung dieses Gedankens einer späteren Stelle meines Vortrages überlasse, jetzt sogleich versuchen, zu zeigen, wie Geisteswissenschaft und zwar, ich meine ganz im Geiste der Naturwissenschaft, aus der unmittelbaren Erfahrung, allerdings aus der geistigen Erfahrung heraus, die Rätselfragen des menschlichen Seelenlebens, soweit es der menschlichen Erkenntnis möglich ist, zu lösen versuchte. Allerdings, von vornherein ist eines notwendig für denjenigen, der selber forschen will in der angegebenen Richtung. Notwendig ist, dass er durch den Einblick in dasjenige, was die anderen Wissenschaften mit ihren Methoden gewähren können, gerade über die Fragen des Seelenlebens nicht zurechtkommen kann, dass die anderen Wissenschaften gewisse Grenzen haben, über die sie nicht hinauskönnen, und jenseits welcher Grenzen eigentlich erst das Gebiet beginnt, aus dem heraus Aufschluss über die Rätselfragen des Seelenlebens kommen kann.
[ 4 ] Und so ist schon dasjenige notwendig, sehr verehrte Anwesende, was viele so anstößig finden, dass derjenige, der selber Forscher wird auf dem Gebiete geistiger Erkenntnis, andere Seelenkräfte, andere Erkenntnismittel in seiner eigenen Seele entwickelt als diejenigen sind, welche der Mensch in seinem Alltagsleben zur Verfügung hat, und welche er ja in der einen oder in der anderen Weise erweitert, auch auf dem Gebiete naturwissenschaftlicher Weltanschauung anwendet. Ich sage: Verpönt ist gerade dieses Prinzip menschlicher Erkenntnis, die Entwicklung besonderer Seelenkräfte, weil der Mensch in der Gegenwart gewohnt geworden ist, möglichst wenig über dasjenige hinauszugehen mit Bezug auf das Erkennen, was ihm, man möchte sagen ohne sein Zutun eingeboren ist; während allerdings derjenige, der in den Fragen des Seelenlebens forschen will, nicht stehen bleiben kann bei denjenigen Kräften, die er ohne sein Zutun schon hat, sondern in einer gewissen Weise in jeder menschlichen Seele vorhandene, aber erst in ihren Tiefen heraufzuholende Erkenntniskräfte zu entwickeln hat.
[ 4 ] Und so ist schon dasjenige notwendig, sehr verehrte Anwesende, was viele so anstößig finden, dass derjenige, der selber Forscher wird auf dem Gebiete geistiger Erkenntnis, andere Seelenkräfte, andere Erkenntnismittel in seiner eigenen Seele entwickelt als diejenigen sind, welche der Mensch in seinem Alltagsleben zur Verfügung hat, und welche er ja in der einen oder in der anderen Weise erweitert, auch auf dem Gebiete naturwissenschaftlicher Weltanschauung anwendet. Ich sage: Verpönt ist gerade dieses Prinzip menschlicher Erkenntnis, die Entwicklung besonderer Seelenkräfte, weil der Mensch in der Gegenwart gewohnt geworden ist, möglichst wenig über dasjenige hinauszugehen mit Bezug auf das Erkennen, was ihm, man möchte sagen ohne sein Zutun eingeboren ist; während allerdings derjenige, der in den Fragen des Seelenlebens forschen will, nicht stehen bleiben kann bei denjenigen Kräften, die er ohne sein Zutun schon hat, sondern in einer gewissen Weise in jeder menschlichen Seele vorhandene, aber erst in ihren Tiefen heraufzuholende Erkenntniskräfte zu entwickeln hat.
[ 5 ] Nun habe ich in früheren Vorträgen, die ich hier in dieser Stadt halten durfte, darauf hingewiesen, wie solche besonderen Erkenntniskräfte in der menschlichen Seele entwickelt werden können; und ich will dasjenige, was ich schon öfter in dieser Stadt gesagt habe, nicht gerade am heutigen Abend wiederholen, möchte nur auf manches Prinzipielle hinweisen. Die Einzelheiten darüber, wie man die Seelenkräfte entwickelt, damit die Seele fähig werde, in die geistige Welt hineinzuschauen, sie findet man ja in derjenigen Literatur, durch die ich versuchte, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu begründen und bis zu einem gewissen Grade auszuführen, zum Beispiel in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» oder in meiner «Geheimwissenschaft» oder in anderen Büchern. Es handelt sich vor allen Dingen darum, dass diejenigen Seelenkräfte, die dem Menschen im Alltagsleben und auch in der gewöhnlichen Wissenschaft zur Verfügung stehen und die man ja gewöhnlich zusammenfasst mit den Worten Denken, Fühlen, Wollen, dass diese Seelenkräfte, so wie sie sind, nicht geeignet sind, in das Geistesleben wirklich hineinzuführen, sondern dass sie erst in einer bestimmten Weise ausgebildet — zur weiteren Gestaltung als diejenigen sind, die sie von vornherein haben — entwickelt werden müssen. Da handelt es sich darum, dass zunächst das Denken im Geistesforscher nicht so bleibt — für die Geistesforschung selbstverständlich, nicht für das alltägliche Leben oder die gewöhnliche Wissenschaft —, nicht so bleibt, wie es ist, sondern dass dieses Denken in einer langen, intensiven Selbstzucht weitergebildet werde, so weitergebildet werde, dass man eigentlich dieses Denken in ganz andere Bahnen bringt, als es für das gewöhnliche Leben läuft.
[ 5 ] Nun habe ich in früheren Vorträgen, die ich hier in dieser Stadt halten durfte, darauf hingewiesen, wie solche besonderen Erkenntniskräfte in der menschlichen Seele entwickelt werden können; und ich will dasjenige, was ich schon öfter in dieser Stadt gesagt habe, nicht gerade am heutigen Abend wiederholen, möchte nur auf manches Prinzipielle hinweisen. Die Einzelheiten darüber, wie man die Seelenkräfte entwickelt, damit die Seele fähig werde, in die geistige Welt hineinzuschauen, sie findet man ja in derjenigen Literatur, durch die ich versuchte, Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu begründen und bis zu einem gewissen Grade auszuführen, zum Beispiel in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» oder in meiner «Geheimwissenschaft» oder in anderen Büchern. Es handelt sich vor allen Dingen darum, dass diejenigen Seelenkräfte, die dem Menschen im Alltagsleben und auch in der gewöhnlichen Wissenschaft zur Verfügung stehen und die man ja gewöhnlich zusammenfasst mit den Worten Denken, Fühlen, Wollen, dass diese Seelenkräfte, so wie sie sind, nicht geeignet sind, in das Geistesleben wirklich hineinzuführen, sondern dass sie erst in einer bestimmten Weise ausgebildet — zur weiteren Gestaltung als diejenigen sind, die sie von vornherein haben — entwickelt werden müssen. Da handelt es sich darum, dass zunächst das Denken im Geistesforscher nicht so bleibt — für die Geistesforschung selbstverständlich, nicht für das alltägliche Leben oder die gewöhnliche Wissenschaft —, nicht so bleibt, wie es ist, sondern dass dieses Denken in einer langen, intensiven Selbstzucht weitergebildet werde, so weitergebildet werde, dass man eigentlich dieses Denken in ganz andere Bahnen bringt, als es für das gewöhnliche Leben läuft.
[ 6 ] Man kann dasjenige — aber auf Symbole kommt es nicht an, die vielfach durch allerlei mystische Verschrobenheiten Anstoß erregen —, man kann dasjenige, was das Denken mit sich selber tun muss, um das entsprechende Ziel zu erreichen, Meditation, Konzentration der Denkkräfte nennen. Das Wesentliche besteht darinnen, dass man gewissermaßen alle Kraft des Denkens darauf verwendet, das Denken selbst zu entwickeln, nicht wie man sonst im Leben es macht, in dem Denken, in den Vorstellungen zunächst Resultate, Bilder über die Außenwelt zu erhalten, sondern die Kraft des Denkens wird verwendet, um dieses Denken immer feiner, immer kraftvoller, immer intensiver zu machen. Man erreicht es dadurch, dass man durch gewisse Zeiten hindurch — im Einzelnen brauchen diese Zeiten durchaus nicht lang zu sein, aber es ist ein durch lange Zeit hindurchgehendes Streben nach dieser Richtung notwendig —, es besteht also diese meditative Methode darin, dass man gewisse Gedanken, die man so formt, dass man sie überblicken kann, das nicht in einem Unbewussten oder Unterbewussten sein kann, dass man solche Gedanken anwesend sein lässt in der Seele, dass man sich gewöhnt, mit solchen Gedanken zu leben, sodass man, während man mit ihnen lebt, wirklich ausschließt alles Erinnern, alles Wahrnehmen, alles Fühlen von irgendetwas anderem; sodass man mit seinem ganzen Sein verweilt in einem solchen, man kann sagen selbst gemachten Gedanken, diesen Gedanken ruhen lässt im Bewusstsein. Wenn man das in genügender Ausdauer — manchmal sind Jahre dazu notwendig — immer wiederholt, dann wird man merken, dass das menschliche Denken allerdings etwas anderes werden kann, als es von vornherein ist.
[ 6 ] Man kann dasjenige — aber auf Symbole kommt es nicht an, die vielfach durch allerlei mystische Verschrobenheiten Anstoß erregen —, man kann dasjenige, was das Denken mit sich selber tun muss, um das entsprechende Ziel zu erreichen, Meditation, Konzentration der Denkkräfte nennen. Das Wesentliche besteht darinnen, dass man gewissermaßen alle Kraft des Denkens darauf verwendet, das Denken selbst zu entwickeln, nicht wie man sonst im Leben es macht, in dem Denken, in den Vorstellungen zunächst Resultate, Bilder über die Außenwelt zu erhalten, sondern die Kraft des Denkens wird verwendet, um dieses Denken immer feiner, immer kraftvoller, immer intensiver zu machen. Man erreicht es dadurch, dass man durch gewisse Zeiten hindurch — im Einzelnen brauchen diese Zeiten durchaus nicht lang zu sein, aber es ist ein durch lange Zeit hindurchgehendes Streben nach dieser Richtung notwendig —, es besteht also diese meditative Methode darin, dass man gewisse Gedanken, die man so formt, dass man sie überblicken kann, das nicht in einem Unbewussten oder Unterbewussten sein kann, dass man solche Gedanken anwesend sein lässt in der Seele, dass man sich gewöhnt, mit solchen Gedanken zu leben, sodass man, während man mit ihnen lebt, wirklich ausschließt alles Erinnern, alles Wahrnehmen, alles Fühlen von irgendetwas anderem; sodass man mit seinem ganzen Sein verweilt in einem solchen, man kann sagen selbst gemachten Gedanken, diesen Gedanken ruhen lässt im Bewusstsein. Wenn man das in genügender Ausdauer — manchmal sind Jahre dazu notwendig — immer wiederholt, dann wird man merken, dass das menschliche Denken allerdings etwas anderes werden kann, als es von vornherein ist.
[ 7 ] Derjenige, der durch solche innere intime Seelenerlebnisse mit dem Denken zum Geistesforscher wird, der macht Bekanntschaft mit jener inneren Erfahrung, welche darin besteht, dass man wirklich zu dem Punkte gelangt, wo man alle seine Kraft in das Denken hineinergießt, in das Denken, das gewissermaßen immer kraftvoller und feiner sich ausbilden will, und dann in einem Entwicklungsmomente steht, in dem man das Gefühl hat: jetzt hast du dein Selbst förmlich hineinergossen in dieses Denken; jetzt stehst du mit deinem Denken stille, denn die Körperlichkeit, der Organismus, bildet dir ein Hindernis. An diesem Punkte merkt man erst, wie gewisse naturwissenschaftliche Methoden in der Gegenwart richtig sind, welche das gewöhnliche Denken — nicht dieses entwickelte — abhängig machen von der körperlichen Organisation; denn man merkt, dass man mit diesem gewöhnlichen Denken, aus dem man ja das entwickelte herauszuholen hat, anstößt gleichsam an den Widerstand der körperlichen Organisation. Und dann hat man das Bedürfnis in diesem Augenblicke, dieses Denken nicht fortzusetzen, sondern gleichsam in ihm ruhend zu bleiben, nicht mehr Anspruch darauf zu machen — aber das ist der Ausdruck für ein inneres Erlebnis —, nicht mehr Anspruch darauf zu machen, durch eigene Anstrengungen nun mit dem Denken weiterzukommen, das Denken, das man bis zu diesem Punkte gebracht hat, gewissermaRen sich selbst zu überlassen.
[ 7 ] Derjenige, der durch solche innere intime Seelenerlebnisse mit dem Denken zum Geistesforscher wird, der macht Bekanntschaft mit jener inneren Erfahrung, welche darin besteht, dass man wirklich zu dem Punkte gelangt, wo man alle seine Kraft in das Denken hineinergießt, in das Denken, das gewissermaßen immer kraftvoller und feiner sich ausbilden will, und dann in einem Entwicklungsmomente steht, in dem man das Gefühl hat: jetzt hast du dein Selbst förmlich hineinergossen in dieses Denken; jetzt stehst du mit deinem Denken stille, denn die Körperlichkeit, der Organismus, bildet dir ein Hindernis. An diesem Punkte merkt man erst, wie gewisse naturwissenschaftliche Methoden in der Gegenwart richtig sind, welche das gewöhnliche Denken — nicht dieses entwickelte — abhängig machen von der körperlichen Organisation; denn man merkt, dass man mit diesem gewöhnlichen Denken, aus dem man ja das entwickelte herauszuholen hat, anstößt gleichsam an den Widerstand der körperlichen Organisation. Und dann hat man das Bedürfnis in diesem Augenblicke, dieses Denken nicht fortzusetzen, sondern gleichsam in ihm ruhend zu bleiben, nicht mehr Anspruch darauf zu machen — aber das ist der Ausdruck für ein inneres Erlebnis —, nicht mehr Anspruch darauf zu machen, durch eigene Anstrengungen nun mit dem Denken weiterzukommen, das Denken, das man bis zu diesem Punkte gebracht hat, gewissermaRen sich selbst zu überlassen.
[ 8 ] Das ist ein wichtiger, ein bedeutungsvoller Entwicklungsmoment im inneren Leben des Geistesforschers; denn dann ist das Denken in ihm gewissermaßen sich selbst überlassen, es arbeitet in ihm für sich selber. Und dann merkt er nach einiger Zeit, dass dieses Denken etwas ganz anderes wird, dass dieses Denken von einer realen Kraft durchzogen wird, von einer wirklichen, lebendigen Kraft durchzogen wird. Man kann spotten darüber, dass Geisteswissenschaft oder Anthroposophie davon spricht, dass der Mensch nicht nur besteht aus diesem physischen Leib, den man mit Händen greifen kann, mit dem sich die gewöhnliche Wissenschaft abgibt, sondern dass innerhalb dieses physischen Leibes vorhanden ist ein übersinnlicher, wenn man will ätherischer Leib — aber auf Ausdrücke kommt es nicht an, man braucht sich auch an Ausdrücken nicht zu stoßen —, ein ätherischer Leib vorhanden ist. Dieser ätherische Leib ist nicht erfunden; er ist nicht durch irgendeine Phantastik erdacht, sondern er wird erlebt in dem Momente, wo man das Denken dahin gebracht hat, dass es in sich selbst sich erkraftet und sich durchschießt mit innerlichem, realem Leben. Dann merkt man: Man hat in sich erstrahlend, sich erkraftend diesen ätherischen, diesen übersinnlichen Leib erfahren.
[ 8 ] Das ist ein wichtiger, ein bedeutungsvoller Entwicklungsmoment im inneren Leben des Geistesforschers; denn dann ist das Denken in ihm gewissermaßen sich selbst überlassen, es arbeitet in ihm für sich selber. Und dann merkt er nach einiger Zeit, dass dieses Denken etwas ganz anderes wird, dass dieses Denken von einer realen Kraft durchzogen wird, von einer wirklichen, lebendigen Kraft durchzogen wird. Man kann spotten darüber, dass Geisteswissenschaft oder Anthroposophie davon spricht, dass der Mensch nicht nur besteht aus diesem physischen Leib, den man mit Händen greifen kann, mit dem sich die gewöhnliche Wissenschaft abgibt, sondern dass innerhalb dieses physischen Leibes vorhanden ist ein übersinnlicher, wenn man will ätherischer Leib — aber auf Ausdrücke kommt es nicht an, man braucht sich auch an Ausdrücken nicht zu stoßen —, ein ätherischer Leib vorhanden ist. Dieser ätherische Leib ist nicht erfunden; er ist nicht durch irgendeine Phantastik erdacht, sondern er wird erlebt in dem Momente, wo man das Denken dahin gebracht hat, dass es in sich selbst sich erkraftet und sich durchschießt mit innerlichem, realem Leben. Dann merkt man: Man hat in sich erstrahlend, sich erkraftend diesen ätherischen, diesen übersinnlichen Leib erfahren.
[ 9 ] Und dieser übersinnliche Leib, als was stellt er sich heraus? Dieser übersinnliche Leib stellt sich heraus so, dass er gewissermaßen unser ganzes Wesen ergreift, aber so ist, wie sonst einzelne Glieder in unserem Organismus, zum Beispiel das Auge oder das Ohr. Wie das Auge oder das Ohr Sinnesorgane für die äußere Sinneswelt sind dadurch, dass sie sich selber nicht wahrnehmen, sondern in sich aufnehmen können die Wirkungen der Außenwelt, zu Wahrnehmungsorganen werden, so wird das Denken, wenn es sich zu diesem geschilderten ganz anderen macht, zu einem Wahrnehmungsorgan, zu einem Wahrnehmungsorgan, das jetzt nicht nur eben ein Teil von uns ist wie das Auge oder das Ohr, sondern das uns gewissermaßen ganz ausfüllt, mit dem wir ganz eins geworden sind. Wir sind ein geistiges Sinnesorgan geworden.
[ 9 ] Und dieser übersinnliche Leib, als was stellt er sich heraus? Dieser übersinnliche Leib stellt sich heraus so, dass er gewissermaßen unser ganzes Wesen ergreift, aber so ist, wie sonst einzelne Glieder in unserem Organismus, zum Beispiel das Auge oder das Ohr. Wie das Auge oder das Ohr Sinnesorgane für die äußere Sinneswelt sind dadurch, dass sie sich selber nicht wahrnehmen, sondern in sich aufnehmen können die Wirkungen der Außenwelt, zu Wahrnehmungsorganen werden, so wird das Denken, wenn es sich zu diesem geschilderten ganz anderen macht, zu einem Wahrnehmungsorgan, zu einem Wahrnehmungsorgan, das jetzt nicht nur eben ein Teil von uns ist wie das Auge oder das Ohr, sondern das uns gewissermaßen ganz ausfüllt, mit dem wir ganz eins geworden sind. Wir sind ein geistiges Sinnesorgan geworden.
[ 10 ] Wenn man mit etwas vergleichen will, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was da der Geistesforscher erlebt, so könnte man sagen: Während die Gedanken, die man sich sonst im Leben macht, oder die Vorstellungen, mehr oder weniger tote Bilder sind, tote Bilder, die etwas Äußerliches abbilden müssen, und innerhalb welcher man sich fühlt als in etwas, was für sich selber nichts ist, sondern nur etwas ist dadurch, dass es etwas abbildet, während man in dem gewöhnlichen Denken dieses fühlt, fühlt man in dem, was jetzt das Denken geworden ist, etwas selbstständig, etwas real Werdendes. Eine innerliche Sprache, könnte man sagen geht auf dem Menschen; wie die Worte nur dadurch da sind, dass sie aus unserem Organismus entspringen, aus einem realen, wirklichen Wesen, und man weiß, wenn man spricht, dass ein reales, wirkliches Wesen, das in unserem Kehlkopf gipfelt, in uns enthalten ist, so weiß man, wenn man jetzt mit dem entwickelten Denken lebt, dass das, was man ätherischen Leib nennen kann, in diesem entwickelten Denken wie in einer inneren stummen Sprache sich entwickelt. Dieses reale Fühlen von etwas, das in uns ist in dem Denken, das ist dasjenige, worauf es ankommt.
[ 10 ] Wenn man mit etwas vergleichen will, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was da der Geistesforscher erlebt, so könnte man sagen: Während die Gedanken, die man sich sonst im Leben macht, oder die Vorstellungen, mehr oder weniger tote Bilder sind, tote Bilder, die etwas Äußerliches abbilden müssen, und innerhalb welcher man sich fühlt als in etwas, was für sich selber nichts ist, sondern nur etwas ist dadurch, dass es etwas abbildet, während man in dem gewöhnlichen Denken dieses fühlt, fühlt man in dem, was jetzt das Denken geworden ist, etwas selbstständig, etwas real Werdendes. Eine innerliche Sprache, könnte man sagen geht auf dem Menschen; wie die Worte nur dadurch da sind, dass sie aus unserem Organismus entspringen, aus einem realen, wirklichen Wesen, und man weiß, wenn man spricht, dass ein reales, wirkliches Wesen, das in unserem Kehlkopf gipfelt, in uns enthalten ist, so weiß man, wenn man jetzt mit dem entwickelten Denken lebt, dass das, was man ätherischen Leib nennen kann, in diesem entwickelten Denken wie in einer inneren stummen Sprache sich entwickelt. Dieses reale Fühlen von etwas, das in uns ist in dem Denken, das ist dasjenige, worauf es ankommt.
[ 11 ] Hat man dies eine entwickelt, sehr verehrte Anwesende, dann hat man aber im Grunde genommen nur eine Art geistigen Sinnesorganes; und es wäre ganz falsch und würde zu nichts führen, wenn man nur einseitig diesen Entwicklungsweg durchmachen wollte, den ich eben angedeutet habe. Es wäre so, wie wenn man ein Auge hätte, dem keine Welt gegenüberstünde, das also nicht sehen könnte. Es wäre eine ewige Unbefriedigung in dem Augenblicke, wo man dieses Organ entfalten wollte, wenn man nur dieses entwickeln wollte, was bis jetzt geschildert worden ist. Daher muss eine andere Entwicklung parallel gehen; und diese andere Entwicklung ist eine Entwicklung des Willens.
[ 11 ] Hat man dies eine entwickelt, sehr verehrte Anwesende, dann hat man aber im Grunde genommen nur eine Art geistigen Sinnesorganes; und es wäre ganz falsch und würde zu nichts führen, wenn man nur einseitig diesen Entwicklungsweg durchmachen wollte, den ich eben angedeutet habe. Es wäre so, wie wenn man ein Auge hätte, dem keine Welt gegenüberstünde, das also nicht sehen könnte. Es wäre eine ewige Unbefriedigung in dem Augenblicke, wo man dieses Organ entfalten wollte, wenn man nur dieses entwickeln wollte, was bis jetzt geschildert worden ist. Daher muss eine andere Entwicklung parallel gehen; und diese andere Entwicklung ist eine Entwicklung des Willens.
[ 12 ] Der Wille, so wie wir ihn kennen im gewöhnlichen Leben, ist ja ebenso, wie die Gedanken des gewöhnlichen Lebens an unseren physischen Organismus gebunden, wir betätigen diesen Willen auch nur, indem wir unseren physischen Organismus betätigen. Aber dieser Wille kann losgerissen werden vom physischen Organismus, geradeso wie durch den geschilderten Denkerweg das Denken, das Vorstellen wirklich losgerissen wird vom physischen Organismus und sich erweist als etwas selbstständig in uns Wirkendes, an einen besonderen übersinnlichen Leib Gebundenes. Wiederum sind gewisse intime innere Seelenvorgänge notwendig, um den Willen gewissermaßen loszureißen von dem, woran er sonst im gewöhnlichen Leben immer gebunden ist, von dem Organismus. In den genannten Büchern finden Sie die Einzelheiten; hier möchte ich nur wiederum von einem Gesichtspunkte, den ich hier noch weniger erörtert habe, einiges Prinzipielle hervorheben.
[ 12 ] Der Wille, so wie wir ihn kennen im gewöhnlichen Leben, ist ja ebenso, wie die Gedanken des gewöhnlichen Lebens an unseren physischen Organismus gebunden, wir betätigen diesen Willen auch nur, indem wir unseren physischen Organismus betätigen. Aber dieser Wille kann losgerissen werden vom physischen Organismus, geradeso wie durch den geschilderten Denkerweg das Denken, das Vorstellen wirklich losgerissen wird vom physischen Organismus und sich erweist als etwas selbstständig in uns Wirkendes, an einen besonderen übersinnlichen Leib Gebundenes. Wiederum sind gewisse intime innere Seelenvorgänge notwendig, um den Willen gewissermaßen loszureißen von dem, woran er sonst im gewöhnlichen Leben immer gebunden ist, von dem Organismus. In den genannten Büchern finden Sie die Einzelheiten; hier möchte ich nur wiederum von einem Gesichtspunkte, den ich hier noch weniger erörtert habe, einiges Prinzipielle hervorheben.
[ 13 ] Wir sind gewohnt, im gewöhnlichen Leben den Willen so anzuwenden, dass der Wille gewissermaßen ausfließt in unsere Handlungen, dass wir ihn gar nicht unmittelbar wahrnehmen, wie er in unseren Handlungen lebt. Daher ist die Frage der Freiheit eine so schwierige, weil den Menschen die Freiheit sich verbirgt als eine Eigenschaft des Willens, der gebunden ist an unsere Körperlichkeit, gleichsam hinuntertaucht in unsere Körperlichkeit, und damit auch für das gewöhnliche Bewusstsein die Frage der Freiheit sich verbirgt in dem Wirken des Organischen. Aber ich will von den vielen Mitteln, die anzuwenden sind, um den Willen loszureißen von dem Organischen, ich will nur eines charakterisieren, an dem man das Prinzip sehen kann, auf das es ankommt.
[ 13 ] Wir sind gewohnt, im gewöhnlichen Leben den Willen so anzuwenden, dass der Wille gewissermaßen ausfließt in unsere Handlungen, dass wir ihn gar nicht unmittelbar wahrnehmen, wie er in unseren Handlungen lebt. Daher ist die Frage der Freiheit eine so schwierige, weil den Menschen die Freiheit sich verbirgt als eine Eigenschaft des Willens, der gebunden ist an unsere Körperlichkeit, gleichsam hinuntertaucht in unsere Körperlichkeit, und damit auch für das gewöhnliche Bewusstsein die Frage der Freiheit sich verbirgt in dem Wirken des Organischen. Aber ich will von den vielen Mitteln, die anzuwenden sind, um den Willen loszureißen von dem Organischen, ich will nur eines charakterisieren, an dem man das Prinzip sehen kann, auf das es ankommt.
[ 14 ] Wir stehen im gewöhnlichen Leben so, dass wir, wenn wir handeln, uns gewisse Handlungen gestatten, andere Handlungen nicht gestatten, uns sie versagen; wir finden gewisse Handlungen gut, andere Handlungen böse, sodass wir uns in einer gewissen durch Gut und Böse geregelten Weise in das äußere Leben einordnen. In einer ähnlichen Weise muss derjenige, der geisteswissenschaftlich fortschreiten will, etwas geltend machen mit Bezug auf die rein innere Entwicklung seiner Seelenkräfte. Er muss gewissermaßen innere Moral entwickeln; das heißt: nicht nur denken und nachdenken darüber, was richtig, was falsch ist, sondern er kommt dazu, durch gewisse Übungen, die Sie in den genannten Büchern geschildert finden, von gewissen Gedanken deutlich zu empfinden: die darfst du in einer gewissen Situation hegen, andere musst du abweisen — ein inneres Annehmen und Abweisen von Gedanken, eine innere Verantwortlichkeit, die man in seinem eigenen Denk- und Vorstellungsleben entwickelt. Es ist die Anwendung eines Prinzips auf das innere Leben, das man eigentlich im gewöhnlichen Leben wirklich gar nicht kennt. Im gewöhnlichen Leben denkt man, wenn man einen falschen Gedanken nur hegt: nun ja, das schadet ja weiter nichts! Es schadet auch für das gewöhnliche Leben nichts, wenn man seine Falschheit einsieht; aber man muss etwas empfinden lernen gegenüber einem falschen Gedanken, einem an einem bestimmten Orte oder Zeit oder gegenüber einer Situation falschen Gedanken, dass man ihn abweist, gar nicht hegt, und nur versucht, denjenigen Gedanken zu hegen, der gewissermaßen durch die inneren Seelenimpulse in der betreffenden Lage erlaubt sein kann. Inneres Durchtränken des Seelenlebens mit Verantwortlichkeit gegenüber Wahrem und Falschem und ähnliche Unterscheidungen in Bezug auf das innere Erleben — wenn dieser Impuls einschlägt in unser Seelenleben, wenn man gewissermaßen dieses innere Leben so fühlen lernt, wie man sich sonst nur fühlt im Handeln unter dem Gesichtspunkte von Gut und Böse, das Annehmende oder Abweisende im äußeren Leben mit anderen Menschen oder anderen Wesen —, dann gießt das eine Kraft in unseren Willen, durch die er sich losreißen kann von dem Organismus.
[ 14 ] Wir stehen im gewöhnlichen Leben so, dass wir, wenn wir handeln, uns gewisse Handlungen gestatten, andere Handlungen nicht gestatten, uns sie versagen; wir finden gewisse Handlungen gut, andere Handlungen böse, sodass wir uns in einer gewissen durch Gut und Böse geregelten Weise in das äußere Leben einordnen. In einer ähnlichen Weise muss derjenige, der geisteswissenschaftlich fortschreiten will, etwas geltend machen mit Bezug auf die rein innere Entwicklung seiner Seelenkräfte. Er muss gewissermaßen innere Moral entwickeln; das heißt: nicht nur denken und nachdenken darüber, was richtig, was falsch ist, sondern er kommt dazu, durch gewisse Übungen, die Sie in den genannten Büchern geschildert finden, von gewissen Gedanken deutlich zu empfinden: die darfst du in einer gewissen Situation hegen, andere musst du abweisen — ein inneres Annehmen und Abweisen von Gedanken, eine innere Verantwortlichkeit, die man in seinem eigenen Denk- und Vorstellungsleben entwickelt. Es ist die Anwendung eines Prinzips auf das innere Leben, das man eigentlich im gewöhnlichen Leben wirklich gar nicht kennt. Im gewöhnlichen Leben denkt man, wenn man einen falschen Gedanken nur hegt: nun ja, das schadet ja weiter nichts! Es schadet auch für das gewöhnliche Leben nichts, wenn man seine Falschheit einsieht; aber man muss etwas empfinden lernen gegenüber einem falschen Gedanken, einem an einem bestimmten Orte oder Zeit oder gegenüber einer Situation falschen Gedanken, dass man ihn abweist, gar nicht hegt, und nur versucht, denjenigen Gedanken zu hegen, der gewissermaßen durch die inneren Seelenimpulse in der betreffenden Lage erlaubt sein kann. Inneres Durchtränken des Seelenlebens mit Verantwortlichkeit gegenüber Wahrem und Falschem und ähnliche Unterscheidungen in Bezug auf das innere Erleben — wenn dieser Impuls einschlägt in unser Seelenleben, wenn man gewissermaßen dieses innere Leben so fühlen lernt, wie man sich sonst nur fühlt im Handeln unter dem Gesichtspunkte von Gut und Böse, das Annehmende oder Abweisende im äußeren Leben mit anderen Menschen oder anderen Wesen —, dann gießt das eine Kraft in unseren Willen, durch die er sich losreißen kann von dem Organismus.
[ 15 ] Dann aber tritt etwas anderes ein, sehr verehrte Anwesende. Und dieses andere kann sich etwa in der folgenden Weise charakterisieren: Wie wir den gewöhnlichen Willen, wie wir ihn im Leben haben, anwenden, so wissen wir, irgendetwas geschieht durch uns, wenn wir das Gefühl, die Empfindung haben: Ich will. Wir legen unseren Vorstellungen zugrunde unser Bedürfnis, unser Streben, und führen dann durch unseren Organismus dasjenige aus, was wir wollen. Aber es gibt innerhalb desjenigen, was wir im gewöhnlichen Leben vollziehen als Menschen noch, ich möchte sagen rein durch unser natürliches Dasein, eine andere Reihe von Verrichtungen, die nicht in dieser Weise aus unserem Wollen entspringen, sondern die einen gewissen Rhythmus unseres Lebens, einen notwendigen, man könnte sagen einen Natur-Rhythmus unseres Lebens darstellen.
[ 15 ] Dann aber tritt etwas anderes ein, sehr verehrte Anwesende. Und dieses andere kann sich etwa in der folgenden Weise charakterisieren: Wie wir den gewöhnlichen Willen, wie wir ihn im Leben haben, anwenden, so wissen wir, irgendetwas geschieht durch uns, wenn wir das Gefühl, die Empfindung haben: Ich will. Wir legen unseren Vorstellungen zugrunde unser Bedürfnis, unser Streben, und führen dann durch unseren Organismus dasjenige aus, was wir wollen. Aber es gibt innerhalb desjenigen, was wir im gewöhnlichen Leben vollziehen als Menschen noch, ich möchte sagen rein durch unser natürliches Dasein, eine andere Reihe von Verrichtungen, die nicht in dieser Weise aus unserem Wollen entspringen, sondern die einen gewissen Rhythmus unseres Lebens, einen notwendigen, man könnte sagen einen Natur-Rhythmus unseres Lebens darstellen.
[ 16 ] Nehmen Sie das gewöhnlichste Beispiel, in dem wir alle drinnenstehen: den Natur-Rhythmus zwischen Schlaf- und Wachleben. Man wird leicht dazu kommen, sich zu sagen: Dasjenige, was der Mensch vollzieht als eine Naturnotwendigkeit, indem er schläft und wacht in rhythmischer Abwechslung, das steht unter anderer Gesetzmäßigkeit als die Handlungen, die er vollzieht, wenn man so sagen will, unter dem Einfluss seines Willenslebens. Es überkommt einen die Notwendigkeit des Wachens und die Notwendigkeit des Schlafes. Da stehen wir drinnen in einem Lebensrhythmus, der an unsere Organisation gebunden ist, und der gewissermaßen nachahmt, ja mehr als nachahmt, trotzdem sich der Mensch in einer gewissen Weise von der Natur auch in dieser Beziehung emanzipiert hat, nachahmt den äußeren kosmischen Rhythmus von Tag und Nacht. Innere Nacht, innerer Tag wechseln in uns, indem wir schlafen und wachen. Dass wir aus dem Wachen in den Schlaf übergehen, das unterliegt einer anderen Notwendigkeit, als dass wir zum Beispiel uns entschließen zur Türe hinauszugehen unter dem Einflusse unseres Wollens. Dadurch sind wir in einen Zusammenhang hineingestellt, dass wir die Notwendigkeit haben des Schlafens und Wachens.
[ 16 ] Nehmen Sie das gewöhnlichste Beispiel, in dem wir alle drinnenstehen: den Natur-Rhythmus zwischen Schlaf- und Wachleben. Man wird leicht dazu kommen, sich zu sagen: Dasjenige, was der Mensch vollzieht als eine Naturnotwendigkeit, indem er schläft und wacht in rhythmischer Abwechslung, das steht unter anderer Gesetzmäßigkeit als die Handlungen, die er vollzieht, wenn man so sagen will, unter dem Einfluss seines Willenslebens. Es überkommt einen die Notwendigkeit des Wachens und die Notwendigkeit des Schlafes. Da stehen wir drinnen in einem Lebensrhythmus, der an unsere Organisation gebunden ist, und der gewissermaßen nachahmt, ja mehr als nachahmt, trotzdem sich der Mensch in einer gewissen Weise von der Natur auch in dieser Beziehung emanzipiert hat, nachahmt den äußeren kosmischen Rhythmus von Tag und Nacht. Innere Nacht, innerer Tag wechseln in uns, indem wir schlafen und wachen. Dass wir aus dem Wachen in den Schlaf übergehen, das unterliegt einer anderen Notwendigkeit, als dass wir zum Beispiel uns entschließen zur Türe hinauszugehen unter dem Einflusse unseres Wollens. Dadurch sind wir in einen Zusammenhang hineingestellt, dass wir die Notwendigkeit haben des Schlafens und Wachens.
[ 17 ] Und, sehr verehrte Anwesende, ein Rhythmus, oder Rhythmen, könnte man sagen höherer Art gehen dem Menschen auf, wenn er in der angedeuteten Weise seinen Willen losreißt von seiner Organisation. Dann merkt er, dass er nicht nur drinnen steht in einer Notwendigkeit, in einer Naturnotwendigkeit, die sich zum Beispiel ausdrückt in Schlafen und Wachen, sondern dass er drinnen steht in einer geistigen Notwendigkeit, die sich in einer rhythmischen Weise auch ausdrückt wie das Wechselverhältnis beim Schlafen und Wachen, aber in einer anderen Weise doch, sodass sie geistig ist und nicht leiblich ist.
[ 17 ] Und, sehr verehrte Anwesende, ein Rhythmus, oder Rhythmen, könnte man sagen höherer Art gehen dem Menschen auf, wenn er in der angedeuteten Weise seinen Willen losreißt von seiner Organisation. Dann merkt er, dass er nicht nur drinnen steht in einer Notwendigkeit, in einer Naturnotwendigkeit, die sich zum Beispiel ausdrückt in Schlafen und Wachen, sondern dass er drinnen steht in einer geistigen Notwendigkeit, die sich in einer rhythmischen Weise auch ausdrückt wie das Wechselverhältnis beim Schlafen und Wachen, aber in einer anderen Weise doch, sodass sie geistig ist und nicht leiblich ist.
[ 18 ] Solche Rhythmen gibt es nun viele in der Welt; und so wie wir gewissermaßen in unserem Schlafen und Wachen Tag und Nacht aus dem Kosmos nachahmen, so ahmen wir Rhythmen, [die] übergreifender sind als Tag und Nacht, aus dem Kosmos nach. Und diese Rhythmen, die lernen wir erst erkennen, wenn wir nicht unsere äußeren Sinnesorgane — Augen und Ohren — auf die Welt richten, sondern wenn wir auf die Welt richten dasjenige Sinnesorgan, das ich eben beschrieben habe, das eigentlich ein Geistorgan ist, und das in dem entwickelten ätherischen Leibe besteht. Das ist in der Lage, wahrzunehmen Geistiges. Aber was wahrgenommen werden soll, eröffnet sich uns erst, offenbart sich uns erst als ein Lebensrhythmus, wenn wir in der angedeuteten Weise die Willenskräfte entwickeln.
[ 18 ] Solche Rhythmen gibt es nun viele in der Welt; und so wie wir gewissermaßen in unserem Schlafen und Wachen Tag und Nacht aus dem Kosmos nachahmen, so ahmen wir Rhythmen, [die] übergreifender sind als Tag und Nacht, aus dem Kosmos nach. Und diese Rhythmen, die lernen wir erst erkennen, wenn wir nicht unsere äußeren Sinnesorgane — Augen und Ohren — auf die Welt richten, sondern wenn wir auf die Welt richten dasjenige Sinnesorgan, das ich eben beschrieben habe, das eigentlich ein Geistorgan ist, und das in dem entwickelten ätherischen Leibe besteht. Das ist in der Lage, wahrzunehmen Geistiges. Aber was wahrgenommen werden soll, eröffnet sich uns erst, offenbart sich uns erst als ein Lebensrhythmus, wenn wir in der angedeuteten Weise die Willenskräfte entwickeln.
[ 19 ] Nun, wie wir leben oder wie wir erleben das Wechselverhältnis von Schlafen und Wachen, so erleben wir, indem in der angedeuteten Weise unser geistiges Erkenntnisorgan entwickelt wird, so erleben wir einen gewissen Rhythmus. Dieses bezieht sich nun auf unser ganzes Menschenwesen. So wie wir des Morgens aufwachen, an unser Tageswerk treten, allmählich uns ermüdet fühlen, in den Schlaf verfallen, so erleben wir eine Seite eines großen Rhythmus in unserem Gesamtleben, das verläuft zwischen Geburt und Tod. So wie wir in den Tag eintreten und den Tag wieder verlassen mit dem Schlafen, und dies mit den gewöhnlichen Sinnen verfolgen können, so können wir verfolgen eine Seite unseres Lebensrhythmus, wie er aufgeht mit der Geburt, oder sagen wir mit der Empfängnis, und wie er sich zum Ende neigt mit dem Tode.
[ 19 ] Nun, wie wir leben oder wie wir erleben das Wechselverhältnis von Schlafen und Wachen, so erleben wir, indem in der angedeuteten Weise unser geistiges Erkenntnisorgan entwickelt wird, so erleben wir einen gewissen Rhythmus. Dieses bezieht sich nun auf unser ganzes Menschenwesen. So wie wir des Morgens aufwachen, an unser Tageswerk treten, allmählich uns ermüdet fühlen, in den Schlaf verfallen, so erleben wir eine Seite eines großen Rhythmus in unserem Gesamtleben, das verläuft zwischen Geburt und Tod. So wie wir in den Tag eintreten und den Tag wieder verlassen mit dem Schlafen, und dies mit den gewöhnlichen Sinnen verfolgen können, so können wir verfolgen eine Seite unseres Lebensrhythmus, wie er aufgeht mit der Geburt, oder sagen wir mit der Empfängnis, und wie er sich zum Ende neigt mit dem Tode.
[ 20 ] Aber so wie die Nacht gegenübersteht dem Tag, wie das Schlafen gegenübersteht dem Wachen, so steht gegenüber dem Teil des Rhythmus, der sich ausspricht in dem Leben zwischen Geburt und Tod, ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt, ein Leben, das die Menschenseele zubringt in der geistigen Welt so, wie sie zubringt, um das Wachen vorzubereiten, ein Leben im Schlafzustande. Und es ist einfach notwendig, dass der Mensch aufsteigt zum Wahrnehmen dieses Rhythmus, der die wiederholten Erdenleben der Anschauung zeigt. So wie der Anschauung gegeben ist, der vom Leben durchsetzten Anschauung gegeben ist, der rhythmische Wechsel zwischen Tag und Nacht, so wird anschaulich der Rhythmus zwischen geistigem Leben zwischen Tod und neuer Geburt und darauf folgendem Leben zwischen Geburt und Tod, wenn das erwähnte Sinnesorgan eröffnet ist.
[ 20 ] Aber so wie die Nacht gegenübersteht dem Tag, wie das Schlafen gegenübersteht dem Wachen, so steht gegenüber dem Teil des Rhythmus, der sich ausspricht in dem Leben zwischen Geburt und Tod, ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt, ein Leben, das die Menschenseele zubringt in der geistigen Welt so, wie sie zubringt, um das Wachen vorzubereiten, ein Leben im Schlafzustande. Und es ist einfach notwendig, dass der Mensch aufsteigt zum Wahrnehmen dieses Rhythmus, der die wiederholten Erdenleben der Anschauung zeigt. So wie der Anschauung gegeben ist, der vom Leben durchsetzten Anschauung gegeben ist, der rhythmische Wechsel zwischen Tag und Nacht, so wird anschaulich der Rhythmus zwischen geistigem Leben zwischen Tod und neuer Geburt und darauf folgendem Leben zwischen Geburt und Tod, wenn das erwähnte Sinnesorgan eröffnet ist.
[ 21 ] Damit allerdings, sehr verehrte Anwesende, wird etwas ausgesprochen, was der gegenwärtigen menschlichen Erkenntnis recht ungewohnt ist. Aber wie ungewohnt waren immer neue Erkenntnisse, und wie sind diese neuen Erkenntnisse allmählich zu Selbstverständlichkeiten geworden! Das muss man sich immer klarmachen, wenn etwas, was scheinbar so paradox ist, eintreten will in die Geistesentwicklung der Menschheit, dass Geisteswissenschaft spricht nicht nur von höheren Gliedern der Menschennatur, sondern spricht davon, dass das menschliche Leben so verläuft in seiner Ganzheit, dass wir wiederholte Erdenleben durchleben zwischen allerdings jetzt großen Zeiträumen, die wir in der rein geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt zubringen. Das wird Anschauung, wirkliche Anschauung.
[ 21 ] Damit allerdings, sehr verehrte Anwesende, wird etwas ausgesprochen, was der gegenwärtigen menschlichen Erkenntnis recht ungewohnt ist. Aber wie ungewohnt waren immer neue Erkenntnisse, und wie sind diese neuen Erkenntnisse allmählich zu Selbstverständlichkeiten geworden! Das muss man sich immer klarmachen, wenn etwas, was scheinbar so paradox ist, eintreten will in die Geistesentwicklung der Menschheit, dass Geisteswissenschaft spricht nicht nur von höheren Gliedern der Menschennatur, sondern spricht davon, dass das menschliche Leben so verläuft in seiner Ganzheit, dass wir wiederholte Erdenleben durchleben zwischen allerdings jetzt großen Zeiträumen, die wir in der rein geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt zubringen. Das wird Anschauung, wirkliche Anschauung.
[ 22 ] Nun wird ja selbstverständlich gegen eine solche Ausführung der naheliegende Einwand erhoben werden müssen: Ja, dann bleibt aber eigentlich die Seelenerkenntnis des Menschen, die Lösung der Seelenrätsel, das Geheimnis einiger weniger, welche sich in der angedeuteten Weise zu Geistesforschern machen. Nun, obzwar Sie aus den angeführten Büchern ersehen können, dass heute bis zu einem gewissen Grade jeder Mensch in der Lage ist, die angedeuteten Seelenfähigkeiten zu entwickeln, also bis zu einem gewissen Grade wenigstens Geistesforscher werden kann und nachprüfen kann dasjenige, was eben gesagt worden ist, so muss auf der anderen Seite betont werden, dass es durchaus nicht nötig ist, dass jeder Mensch zum Geistesforscher werde, der anerkennen will die Wahrheit desjenigen, was Geistesforschung oder Anthroposophie vorzubringen hat. Denn soll ich durch einen Vergleich klarmachen, was der Geistesforscher für die Entwicklung der Geisteswissenschaft eigentlich ist, so muss ich sagen: Er ist nicht eine Persönlichkeit, welche hervorrufen will bei jedem Menschen geistige Fähigkeiten der geschilderten Art, sondern er bereitet sich zum Geistesforscher aus dem Grunde, um aus sich selbst gewissermaßen ein Instrument zu machen, durch welches die geistigen Tatsachen, die geistigen Wahrheiten an die Oberfläche des Daseins treten können. Denn nicht darum handelt es sich, dass der Geistesforscher gewisse Ergebnisse vor seine Mitmenschen hinstelle, sondern darum handelt es sich, dass er gewissermaßen seinen Mitmenschen das Instrument zimmert, durch welches jeder selber forschen kann.
[ 22 ] Nun wird ja selbstverständlich gegen eine solche Ausführung der naheliegende Einwand erhoben werden müssen: Ja, dann bleibt aber eigentlich die Seelenerkenntnis des Menschen, die Lösung der Seelenrätsel, das Geheimnis einiger weniger, welche sich in der angedeuteten Weise zu Geistesforschern machen. Nun, obzwar Sie aus den angeführten Büchern ersehen können, dass heute bis zu einem gewissen Grade jeder Mensch in der Lage ist, die angedeuteten Seelenfähigkeiten zu entwickeln, also bis zu einem gewissen Grade wenigstens Geistesforscher werden kann und nachprüfen kann dasjenige, was eben gesagt worden ist, so muss auf der anderen Seite betont werden, dass es durchaus nicht nötig ist, dass jeder Mensch zum Geistesforscher werde, der anerkennen will die Wahrheit desjenigen, was Geistesforschung oder Anthroposophie vorzubringen hat. Denn soll ich durch einen Vergleich klarmachen, was der Geistesforscher für die Entwicklung der Geisteswissenschaft eigentlich ist, so muss ich sagen: Er ist nicht eine Persönlichkeit, welche hervorrufen will bei jedem Menschen geistige Fähigkeiten der geschilderten Art, sondern er bereitet sich zum Geistesforscher aus dem Grunde, um aus sich selbst gewissermaßen ein Instrument zu machen, durch welches die geistigen Tatsachen, die geistigen Wahrheiten an die Oberfläche des Daseins treten können. Denn nicht darum handelt es sich, dass der Geistesforscher gewisse Ergebnisse vor seine Mitmenschen hinstelle, sondern darum handelt es sich, dass er gewissermaßen seinen Mitmenschen das Instrument zimmert, durch welches jeder selber forschen kann.
[ 23 ] Das, was ich jetzt meine, wird erst ganz verständlich, sehr verehrte Anwesende, wenn man den Grundcharakter der geisteswissenschaftlichen oder anthroposophischen Literatur nimmt, in welcher niedergelegt sind die Erlebnisse, die Erfahrungen, die der Geistesforscher macht. Diese Literatur muss in einer ganz anderen Weise genommen werden, als zum Beispiel die naturwissenschaftliche oder eine andere wissenschaftliche, die historische zum Beispiel, Literatur. Dasjenige, was der Geistesforscher niederlegt, stellt sich nicht so sehr als bloße Ergebnisse dar — wenigstens nimmt man es nicht in der richtigen Weise hin, wenn man es als bloße Ergebnisse hinnimmt —, sondern es stellt sich dar als ein zubereitetes Instrument, allerdings als ein Instrument, das nicht aus greifbaren Materialien, aus greifbaren Teilen besteht, sondern das in gewissen Vorstellungen, Vorstellungskomplexen besteht, die niedergelegt werden in geistigen Mitteilungen. Diese geistigen Mitteilungen sind selbst so geartet, dass, wenn man sie aufnimmt in seine Seele, sie einen, ohne dass man selbst ein Geistesforscher ist, die Möglichkeit bieten, sie anzuwenden auf die Welt, die uns umgibt. Und dann findet man sie als ein geeignetes Instrument, um die geistigen Grundlagen der Welt zu finden.
[ 23 ] Das, was ich jetzt meine, wird erst ganz verständlich, sehr verehrte Anwesende, wenn man den Grundcharakter der geisteswissenschaftlichen oder anthroposophischen Literatur nimmt, in welcher niedergelegt sind die Erlebnisse, die Erfahrungen, die der Geistesforscher macht. Diese Literatur muss in einer ganz anderen Weise genommen werden, als zum Beispiel die naturwissenschaftliche oder eine andere wissenschaftliche, die historische zum Beispiel, Literatur. Dasjenige, was der Geistesforscher niederlegt, stellt sich nicht so sehr als bloße Ergebnisse dar — wenigstens nimmt man es nicht in der richtigen Weise hin, wenn man es als bloße Ergebnisse hinnimmt —, sondern es stellt sich dar als ein zubereitetes Instrument, allerdings als ein Instrument, das nicht aus greifbaren Materialien, aus greifbaren Teilen besteht, sondern das in gewissen Vorstellungen, Vorstellungskomplexen besteht, die niedergelegt werden in geistigen Mitteilungen. Diese geistigen Mitteilungen sind selbst so geartet, dass, wenn man sie aufnimmt in seine Seele, sie einen, ohne dass man selbst ein Geistesforscher ist, die Möglichkeit bieten, sie anzuwenden auf die Welt, die uns umgibt. Und dann findet man sie als ein geeignetes Instrument, um die geistigen Grundlagen der Welt zu finden.
[ 24 ] Wahrhaftig, derjenige, der die Geisteswissenschaft anerkennen will, braucht ebenso wenig fähig zu sein zu irgendeiner Geistesforschung wie derjenige, der die Größe und innere Bedeutung desjenigen anerkennen will, was zum Beispiel in einer Dichtung wie Goethes «Faust» lebt, selber in der Lage zu sein braucht, einen «Faust» zu schreiben. Ist ein Mal dasjenige, was der Geistesforscher an die Oberfläche des Daseins schafft, gegeben, und nimmt man es nur unbefangen genug ohne Vorurteile auf, verwendet man die besondere Art von Begriffen, die besondere Art von Vorstellungen und Vorstellungskomplexen, die da gegeben wird, und sieht mit Hilfe dieser Instrumente die Welt an, dann enthüllt sich das geistige Leben; dann enthüllt sich auch dasjenige, was die Seelenrätsel wirklich lösen kann. Daher ist die richtige Art, sich zur geisteswissenschaftlichen Literatur zu verhalten, nicht, sie hinzunehmen wie eine Summe von Resultaten, von Ergebnissen, sondern sie hinzunehmen wie etwas, das einen durchdringen kann, sich vereinigen kann, und das einem ein Mittel, ein Instrument des eigenen Anschauens der Welt sein kann.
[ 24 ] Wahrhaftig, derjenige, der die Geisteswissenschaft anerkennen will, braucht ebenso wenig fähig zu sein zu irgendeiner Geistesforschung wie derjenige, der die Größe und innere Bedeutung desjenigen anerkennen will, was zum Beispiel in einer Dichtung wie Goethes «Faust» lebt, selber in der Lage zu sein braucht, einen «Faust» zu schreiben. Ist ein Mal dasjenige, was der Geistesforscher an die Oberfläche des Daseins schafft, gegeben, und nimmt man es nur unbefangen genug ohne Vorurteile auf, verwendet man die besondere Art von Begriffen, die besondere Art von Vorstellungen und Vorstellungskomplexen, die da gegeben wird, und sieht mit Hilfe dieser Instrumente die Welt an, dann enthüllt sich das geistige Leben; dann enthüllt sich auch dasjenige, was die Seelenrätsel wirklich lösen kann. Daher ist die richtige Art, sich zur geisteswissenschaftlichen Literatur zu verhalten, nicht, sie hinzunehmen wie eine Summe von Resultaten, von Ergebnissen, sondern sie hinzunehmen wie etwas, das einen durchdringen kann, sich vereinigen kann, und das einem ein Mittel, ein Instrument des eigenen Anschauens der Welt sein kann.
[ 25 ] Einen viel höheren Grad von Lebendigkeit hat die geisteswissenschaftliche Literatur als irgendeine andere Literatur. Und wenn man das nicht berücksichtigt, so kann man sich einfach nicht in der richtigen Weise zur Geistesforschung und zu dem, was in der Menschheit sein kann, stellen. Der Geistesforscher hat ja mancherlei durchzumachen; dasjenige aber, was er durchzumachen hat, um in sich die Seelenkräfte zu entwickeln, die einen dahin bringen, in dieser Weise aus der geistigen Welt die Dinge herauszuholen, wie es angedeutet worden ist, das ist gewissermaßen ein Weg, um die angedeuteten Kräfte zu entwickeln. Aber nicht durch dasjenige, was der Geistesforscher also durchmacht, wird die Sehnsucht bloß erzeugt nach den Erkenntnissen, die man durch die Instrumente gewinnt, die der geistige Forscher schafft, sondern die Sehnsucht nach einer Lösung der Welten- und Seelenrätsel, zu welcher der Geistesforscher beitragen will, die lebt in jeder Seele. Und dasjenige, was der Geistesforscher nur intensiver fühlen muss, um gewissermaßen die Instrumente zuzurichten, das ist etwas, was in einem verwandten Prinzip anschlagen muss in jeder Menschenseele, wenn diese Menschenseele nur unbefangen genug sich hingibt ihrem gerade durch das eigene Innere vorgezeichneten Weg und sich nicht beirren lässt durch die Vorurteile insbesondere, auf die sie gelenkt wird durch dasjenige, was es heute als alleinige Erkenntnismethode gibt und wesentlich mit Recht gegolten hat, um alte Vorurteile wiederum hinwegzuschaffen durch die naturwissenschaftliche Erkenntnismethode.
[ 25 ] Einen viel höheren Grad von Lebendigkeit hat die geisteswissenschaftliche Literatur als irgendeine andere Literatur. Und wenn man das nicht berücksichtigt, so kann man sich einfach nicht in der richtigen Weise zur Geistesforschung und zu dem, was in der Menschheit sein kann, stellen. Der Geistesforscher hat ja mancherlei durchzumachen; dasjenige aber, was er durchzumachen hat, um in sich die Seelenkräfte zu entwickeln, die einen dahin bringen, in dieser Weise aus der geistigen Welt die Dinge herauszuholen, wie es angedeutet worden ist, das ist gewissermaßen ein Weg, um die angedeuteten Kräfte zu entwickeln. Aber nicht durch dasjenige, was der Geistesforscher also durchmacht, wird die Sehnsucht bloß erzeugt nach den Erkenntnissen, die man durch die Instrumente gewinnt, die der geistige Forscher schafft, sondern die Sehnsucht nach einer Lösung der Welten- und Seelenrätsel, zu welcher der Geistesforscher beitragen will, die lebt in jeder Seele. Und dasjenige, was der Geistesforscher nur intensiver fühlen muss, um gewissermaßen die Instrumente zuzurichten, das ist etwas, was in einem verwandten Prinzip anschlagen muss in jeder Menschenseele, wenn diese Menschenseele nur unbefangen genug sich hingibt ihrem gerade durch das eigene Innere vorgezeichneten Weg und sich nicht beirren lässt durch die Vorurteile insbesondere, auf die sie gelenkt wird durch dasjenige, was es heute als alleinige Erkenntnismethode gibt und wesentlich mit Recht gegolten hat, um alte Vorurteile wiederum hinwegzuschaffen durch die naturwissenschaftliche Erkenntnismethode.
[ 26 ] Nun werden — wenn man dasjenige, was die Geisteswissenschaft also an Befruchtung des menschlichen Seelenlebens schafft — gewisse Fragen, die zu den dringendsten Seelenrätseln gehören, in einer Weise gelöst, die durchaus für jeden Unbefangenen übereinstimmen wird mit dem, was das Leben gibt. Wir brauchen ja nur ein einziges Wort vor unsere Seele hinzustellen, um mit diesem einen, einzigen Wort ein umfassendes Seelenrätsel zu haben; das Wort Schicksal.
[ 26 ] Nun werden — wenn man dasjenige, was die Geisteswissenschaft also an Befruchtung des menschlichen Seelenlebens schafft — gewisse Fragen, die zu den dringendsten Seelenrätseln gehören, in einer Weise gelöst, die durchaus für jeden Unbefangenen übereinstimmen wird mit dem, was das Leben gibt. Wir brauchen ja nur ein einziges Wort vor unsere Seele hinzustellen, um mit diesem einen, einzigen Wort ein umfassendes Seelenrätsel zu haben; das Wort Schicksal.
[ 27 ] Wir werden in die Welt hineingestellt und erleben unser Schicksal; wie aus geheimnisvollen Tiefen des Erlebens herauf dringt dasjenige, was unser Schicksal umfasst. Gerade durch ein richtiges Verständnis für jenen Rhythmus, den ich beschrieben habe, den Rhythmus der wiederholten Erdenleben und der dazwischenliegenden geistigen Leben, klärt sich mancherlei von dem, was wir gerade für das Leben brauchen, in der Schicksalsfrage auf. Wir können uns das am leichtesten verständlich machen, sehr verehrte Anwesende, wenn wir gerade mit dieser Schicksalsfrage an naturwissenschaftliche Ergebnisse der Gegenwart anknüpfen.
[ 27 ] Wir werden in die Welt hineingestellt und erleben unser Schicksal; wie aus geheimnisvollen Tiefen des Erlebens herauf dringt dasjenige, was unser Schicksal umfasst. Gerade durch ein richtiges Verständnis für jenen Rhythmus, den ich beschrieben habe, den Rhythmus der wiederholten Erdenleben und der dazwischenliegenden geistigen Leben, klärt sich mancherlei von dem, was wir gerade für das Leben brauchen, in der Schicksalsfrage auf. Wir können uns das am leichtesten verständlich machen, sehr verehrte Anwesende, wenn wir gerade mit dieser Schicksalsfrage an naturwissenschaftliche Ergebnisse der Gegenwart anknüpfen.
[ 28 ] Wir brauchen nur an dasjenige anzuknüpfen, was man heute vielfach mit dem Worte Vererbung bezeichnet. In dem, was man als Vererbung bezeichnet, hat tatsächlich die Naturwissenschaft etwas sehr Bedeutendes geleistet, und der Naturwissenschaftler kann an den Geistesforscher herankommen und sagen: Wie findest du dich zurecht mit all dem Großartigen, was in der Vererbungsfrage — wenn auch noch vieles zweifelhaft ist — doch großartig ist, was in der Vererbungsfrage zutage getreten ist? Wenn du vielleicht gar behaupten willst, dadurch, dass der Mensch, indem er sich in das gegenwärtige Erdenleben hereinstellt, gewisse Anlagen und Fähigkeiten mitbringt aus früheren Erdenleben, wie findest du dich zurecht gegenüber dem gewissenhaften Forschen, das die Naturwissenschaft über die Vererbungsfrage anstellt, wodurch Anlagen, Fähigkeiten, Talente erklärt werden sollen dadurch, dass wir gewisse organische Tendenzen überkommen rein in der physischen Vererbungsfolge von unseren Vorfahren?
[ 28 ] Wir brauchen nur an dasjenige anzuknüpfen, was man heute vielfach mit dem Worte Vererbung bezeichnet. In dem, was man als Vererbung bezeichnet, hat tatsächlich die Naturwissenschaft etwas sehr Bedeutendes geleistet, und der Naturwissenschaftler kann an den Geistesforscher herankommen und sagen: Wie findest du dich zurecht mit all dem Großartigen, was in der Vererbungsfrage — wenn auch noch vieles zweifelhaft ist — doch großartig ist, was in der Vererbungsfrage zutage getreten ist? Wenn du vielleicht gar behaupten willst, dadurch, dass der Mensch, indem er sich in das gegenwärtige Erdenleben hereinstellt, gewisse Anlagen und Fähigkeiten mitbringt aus früheren Erdenleben, wie findest du dich zurecht gegenüber dem gewissenhaften Forschen, das die Naturwissenschaft über die Vererbungsfrage anstellt, wodurch Anlagen, Fähigkeiten, Talente erklärt werden sollen dadurch, dass wir gewisse organische Tendenzen überkommen rein in der physischen Vererbungsfolge von unseren Vorfahren?
[ 29 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, es ist nicht zu leugnen, dass die Naturwissenschaft da, wo sie das Positive zutage bringt, in Bezug auf die Vererbungsfrage, durchaus recht hat. Aber es handelt sich nicht darum, sondern um etwas ganz anderes. Wenn man von dem, was im Menschen auftritt als seine Fähigkeiten, seine Talente, seine ganze Art und Weise zu sein — was ja zunächst so mitbestimmend ist für sein Schicksal —, wenn man diese ganze Art, wie sich der Mensch hereinstellt in das Erdenleben, betrachtet, ja, kann man sagen, dass cs eine Vernunftanschauung ist, das nur auf physische Vererbung zurückzuführen?
[ 29 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, es ist nicht zu leugnen, dass die Naturwissenschaft da, wo sie das Positive zutage bringt, in Bezug auf die Vererbungsfrage, durchaus recht hat. Aber es handelt sich nicht darum, sondern um etwas ganz anderes. Wenn man von dem, was im Menschen auftritt als seine Fähigkeiten, seine Talente, seine ganze Art und Weise zu sein — was ja zunächst so mitbestimmend ist für sein Schicksal —, wenn man diese ganze Art, wie sich der Mensch hereinstellt in das Erdenleben, betrachtet, ja, kann man sagen, dass cs eine Vernunftanschauung ist, das nur auf physische Vererbung zurückzuführen?
[ 30 ] Es sind in dieser Beziehung wirklich interessante Untersuchungen in der neueren Zeit gemacht worden. Ich habe [vor einigen] auch schon hier bei früheren Vorträgen gesagt, habe hingedeutet auf ein sehr interessantes Buch zum Beispiel über Goethe, ein Buch, in dem untersucht wird alles dasjenige, was zutage gefördert werden kann über Goethes Vorfahren, wie gewisse Eigenschaften bei Goethes Vorfahren aufgetreten sind, die eine Eigenschaft bei diesem, die andere bei dem früheren, wieder eine andere bei dem noch früheren Vorfahren, und wie gewissermaßen ein Zusammenklang dieser Eigenschaften dann in der Individualität des Goethe zutage getreten ist, sodass Goethe durch die Summierung von Eigenschaften seiner Vorfahren das Genie geworden ist, als das er dasteht. Und durch ähnliche Untersuchungen hat man gesagt: Gerade genialische Menschen zeigen dadurch, dass sie am Ende einer Vererbungsreihe stehen, wie der Mensch von rein physischen Gesetzmäßigkeiten heraus seine Artung zu erklären hat. Doch man muss erstaunen über die merkwürdige Logik, sehr verehrte Anwesende, die in solcher Schlussfolgerung liegt! Man ist heute gar nicht geneigt, diese merkwürdige Logik zu begreifen, zu bemerken, dass ein Nachkomme die Eigenschaften, insofern die Eigenschaften physisch bedingt sind, seiner Vorfahren zeigt, das ist gewiss sehr interessant, im Einzelnen zu erforschen. Großartig, fruchtbar sind auch die Forschungen in dieser Richtung; aber ist es denn eigentlich besonders wunderbar, ist es denn überhaupt etwas Besonderes gegenüber den höheren Erkenntnisfragen? Es ist eigentlich ganz sonderbar, dass man eine solche Frage entscheiden will, indem man sich beruft auf die Erfahrung, beruft auf die äußere Wahrnehmung und gar nicht auf dasjenige geht, was einzig weisend wäre in dieser äußeren Wahrnehmung, dass der Mensch, da er physisch vermittelt ist in seinem Dasein durch seine Vorfahren, die Eigenschaften seiner Vorfahren trägt; das ist fast selbstverständlich so.
[ 30 ] Es sind in dieser Beziehung wirklich interessante Untersuchungen in der neueren Zeit gemacht worden. Ich habe [vor einigen] auch schon hier bei früheren Vorträgen gesagt, habe hingedeutet auf ein sehr interessantes Buch zum Beispiel über Goethe, ein Buch, in dem untersucht wird alles dasjenige, was zutage gefördert werden kann über Goethes Vorfahren, wie gewisse Eigenschaften bei Goethes Vorfahren aufgetreten sind, die eine Eigenschaft bei diesem, die andere bei dem früheren, wieder eine andere bei dem noch früheren Vorfahren, und wie gewissermaßen ein Zusammenklang dieser Eigenschaften dann in der Individualität des Goethe zutage getreten ist, sodass Goethe durch die Summierung von Eigenschaften seiner Vorfahren das Genie geworden ist, als das er dasteht. Und durch ähnliche Untersuchungen hat man gesagt: Gerade genialische Menschen zeigen dadurch, dass sie am Ende einer Vererbungsreihe stehen, wie der Mensch von rein physischen Gesetzmäßigkeiten heraus seine Artung zu erklären hat. Doch man muss erstaunen über die merkwürdige Logik, sehr verehrte Anwesende, die in solcher Schlussfolgerung liegt! Man ist heute gar nicht geneigt, diese merkwürdige Logik zu begreifen, zu bemerken, dass ein Nachkomme die Eigenschaften, insofern die Eigenschaften physisch bedingt sind, seiner Vorfahren zeigt, das ist gewiss sehr interessant, im Einzelnen zu erforschen. Großartig, fruchtbar sind auch die Forschungen in dieser Richtung; aber ist es denn eigentlich besonders wunderbar, ist es denn überhaupt etwas Besonderes gegenüber den höheren Erkenntnisfragen? Es ist eigentlich ganz sonderbar, dass man eine solche Frage entscheiden will, indem man sich beruft auf die Erfahrung, beruft auf die äußere Wahrnehmung und gar nicht auf dasjenige geht, was einzig weisend wäre in dieser äußeren Wahrnehmung, dass der Mensch, da er physisch vermittelt ist in seinem Dasein durch seine Vorfahren, die Eigenschaften seiner Vorfahren trägt; das ist fast selbstverständlich so.
[ 31 ] Es ist wie das, dass wenn man aus einem gewissen Medium herauskommt, man die Eigenschaften dieses Mediums an sich trägt, zum Beispiel, dass man nass ist, wenn man aus dem Wasser kommt. So trivial das klingt, so ist es wirklich als Vergleich zu gebrauchen. Denn weisend aus der äußeren Wahrnehmung wäre es, wenn man einen genialen Menschen nehmen würde und zeigen, dass seine genialen Eigenschaften, indem er der Vorfahre ist, auf seine Nachkommen übergehen. Da würde man sehen, wie die genialen Eigenschaften auf die Nachkommen übergehen. Das wird man füglich bleiben lassen, denn man würde zu sonderbaren Resultaten kommen, wie gerade geniale Menschen in ihrer Nachkommenschaft zeigen. Das aber wäre das einzig real Logische, nicht dasjenige, was man wirklich als eine Untersuchungsmethode anstellt. Eine wirkliche Untersuchungsmethode würde nämlich das Gegenteil beweisen. Man sehe auf Goethes Sohn, man denke an so und so viele Nachkommen wirklich genialer Männer, man wird sehen, wie unmittelbar in der Vererbungslinie die Eigenschaften, die dem Menschen als seinem intimsten Leben, seinem innersten Leben angehören, wodurch er gerade für seine Mitwelt eine Bedeutung hat, wie diese in die Welt hineingestellten Eigenschaften nun eben nicht zu den physisch vererbbaren Merkmalen gehören.
[ 31 ] Es ist wie das, dass wenn man aus einem gewissen Medium herauskommt, man die Eigenschaften dieses Mediums an sich trägt, zum Beispiel, dass man nass ist, wenn man aus dem Wasser kommt. So trivial das klingt, so ist es wirklich als Vergleich zu gebrauchen. Denn weisend aus der äußeren Wahrnehmung wäre es, wenn man einen genialen Menschen nehmen würde und zeigen, dass seine genialen Eigenschaften, indem er der Vorfahre ist, auf seine Nachkommen übergehen. Da würde man sehen, wie die genialen Eigenschaften auf die Nachkommen übergehen. Das wird man füglich bleiben lassen, denn man würde zu sonderbaren Resultaten kommen, wie gerade geniale Menschen in ihrer Nachkommenschaft zeigen. Das aber wäre das einzig real Logische, nicht dasjenige, was man wirklich als eine Untersuchungsmethode anstellt. Eine wirkliche Untersuchungsmethode würde nämlich das Gegenteil beweisen. Man sehe auf Goethes Sohn, man denke an so und so viele Nachkommen wirklich genialer Männer, man wird sehen, wie unmittelbar in der Vererbungslinie die Eigenschaften, die dem Menschen als seinem intimsten Leben, seinem innersten Leben angehören, wodurch er gerade für seine Mitwelt eine Bedeutung hat, wie diese in die Welt hineingestellten Eigenschaften nun eben nicht zu den physisch vererbbaren Merkmalen gehören.
[ 32 ] Dabei bleibt es durchaus richtig, dass, wenn wir in den Vorfahrenreihen hinaufgehen, wir Ähnlichkeiten in den Eigenschaften finden. Wie kommt denn das aber zustande? Das kommt dadurch zustande, dass dasjenige Leben, das sich zwischen Geburt und Tod abspielt, sich anschließt an ein geistiges Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt; denn vorangegangen ist ein anderes Erdenleben wiederum zwischen Geburt und Tod. In diesem anderen Erdenleben haben wir gewisse Erlebnisse gehabt, die ihre Früchte zeitigen, die dann weiter ausgebildet werden in dem langen Zwischenraume zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, und die dann in ihren Folgen, in ihren Ergebnissen auftreten in neuen Erdenleben. Aber wenn wir von dem geistigen Leben sprechen, das zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verfließt, so dürfen wir nicht sagen: dieses geistige Leben, diese geistige Welt, in der dieses Leben verfließt, die ist irgendwo anders, als wo unsere physische Welt ist; diese geistige Welt ist nur eben anderer Art, nur eben wahrnehmbar für anderes Bewusstsein, aber sie ist überall unsere physische Welt durchdringend. Sie steht auch in innigem Zusammenhang, in inniger Wechselwirkung mit unserer physischen Welt. Während wir in unserer physischen Welt im Zusammenhange sind mit den uns umgebenden Menschenwesen, mit anderen Wesen der Naturreiche, stehen wir in dem Leben, das wir zwischen Tod und neuer Geburt durchmachen nicht nur in Zusammenhang mit den ebenfalls entkörperten, dieses Leben durchmachenden Menschenseelen, die sich zu einem neuen Erdenleben vorbereiten, sondern mit anderen Wesenheiten der höheren Welten, der geistigen Welten, in deren Bereich man eindringt durch die Methoden, die geschildert worden sind. Aber dieses geistige Leben steht durchaus mit dem physischen Erdenleben in Verbindung, und das Physische ist in seiner Ganzheit eine Folge des Geistigen, dessen, was geistig vorgeht.
[ 32 ] Dabei bleibt es durchaus richtig, dass, wenn wir in den Vorfahrenreihen hinaufgehen, wir Ähnlichkeiten in den Eigenschaften finden. Wie kommt denn das aber zustande? Das kommt dadurch zustande, dass dasjenige Leben, das sich zwischen Geburt und Tod abspielt, sich anschließt an ein geistiges Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt; denn vorangegangen ist ein anderes Erdenleben wiederum zwischen Geburt und Tod. In diesem anderen Erdenleben haben wir gewisse Erlebnisse gehabt, die ihre Früchte zeitigen, die dann weiter ausgebildet werden in dem langen Zwischenraume zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, und die dann in ihren Folgen, in ihren Ergebnissen auftreten in neuen Erdenleben. Aber wenn wir von dem geistigen Leben sprechen, das zwischen dem Tode und einer neuen Geburt verfließt, so dürfen wir nicht sagen: dieses geistige Leben, diese geistige Welt, in der dieses Leben verfließt, die ist irgendwo anders, als wo unsere physische Welt ist; diese geistige Welt ist nur eben anderer Art, nur eben wahrnehmbar für anderes Bewusstsein, aber sie ist überall unsere physische Welt durchdringend. Sie steht auch in innigem Zusammenhang, in inniger Wechselwirkung mit unserer physischen Welt. Während wir in unserer physischen Welt im Zusammenhange sind mit den uns umgebenden Menschenwesen, mit anderen Wesen der Naturreiche, stehen wir in dem Leben, das wir zwischen Tod und neuer Geburt durchmachen nicht nur in Zusammenhang mit den ebenfalls entkörperten, dieses Leben durchmachenden Menschenseelen, die sich zu einem neuen Erdenleben vorbereiten, sondern mit anderen Wesenheiten der höheren Welten, der geistigen Welten, in deren Bereich man eindringt durch die Methoden, die geschildert worden sind. Aber dieses geistige Leben steht durchaus mit dem physischen Erdenleben in Verbindung, und das Physische ist in seiner Ganzheit eine Folge des Geistigen, dessen, was geistig vorgeht.
[ 33 ] Und jetzt verfolgen wir die Vorfahrenreihe hinauf. Wenn wir zu einem weit zurückliegenden Vorfahren kommen, so lebt die Seele, die das Leben durchmacht zwischen dem Tode und der neuen Geburt in der geistigen Welt, während der [Vorfahr] auf der Erde lebt. All das, was hier physisch vorgeht, ist nur die Wirkung desjenigen, was geistig geschieht. Sodass die Menschenseele, die in der geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt selber in den Kräften lebt, die sich herunterergießen in die physische Welt, und die sich in Einklang, in Harmonie versetzt mit den Eigenschaften dieses Vorfahren, und auch mit den Eigenschaften des nächsten Nachfahren und so weiter. Und so lebt der Mensch, während er in der geistigen Welt lebt, geistig zusammen mit dem, was sich hier physisch in der Vorfahrenreihe abspielt. Der Mensch bereitet sich selber vor, indem er in den Eigenschaften seiner Vorfahren lebt in der geistigen Welt, bereitet sich selbst die Vorfahren durch die Art, wie er wird und zuletzt auftritt durch das Elternpaar, das er sich vorbereitet in der geistigen Welt. Das ist das Ergebnis desjenigen, was er von der geistigen Welt her durchgemacht hat mit den Eigenschaften, die in der Vorfahrenreihe lebten. Dadurch gewinnt der Zusammenhang mit den Vorfahreneigenschaften erst eine gewisse lichtvolle Bedeutung. Dadurch ist der Mensch seinen Vorfahren ähnlich, dass er mit den Eigenschaften seiner Vorfahren lebt, dass ein geistiges Anziehungsband ihn gerade zu einer bestimmten Vorfahrenreihe hinzieht; sodass der Mensch nach Maßgabe desjenigen, was er im früheren Erdenleben durchlebt hat, gewisse, ich möchte sagen magnetische Anziehungsbande entwickelt zu einer bestimmten Vorfahrenreihe und — wenn ich den paradoxen Ausdruck gebrauchen darf diese Vorfahrenreihe sucht, welche ihm die Möglichkeit gibt, durch die Eigenschaften, mit denen er in dieses Leben tritt, und an denen er selber arbeitet, aus der geistigen Welt heraus, durch diese Eigenschaften so durch Vererbung in das physische Dasein zu treten, dass ihm in diesem physischen Dasein von Vater und Mutter diejenigen Eigenschaften eingeboren werden, die dasjenige zum Ausdrucke bringen, was er in früheren Erdenleben keimhaft veranlagt hat.
[ 33 ] Und jetzt verfolgen wir die Vorfahrenreihe hinauf. Wenn wir zu einem weit zurückliegenden Vorfahren kommen, so lebt die Seele, die das Leben durchmacht zwischen dem Tode und der neuen Geburt in der geistigen Welt, während der [Vorfahr] auf der Erde lebt. All das, was hier physisch vorgeht, ist nur die Wirkung desjenigen, was geistig geschieht. Sodass die Menschenseele, die in der geistigen Welt zwischen Tod und neuer Geburt selber in den Kräften lebt, die sich herunterergießen in die physische Welt, und die sich in Einklang, in Harmonie versetzt mit den Eigenschaften dieses Vorfahren, und auch mit den Eigenschaften des nächsten Nachfahren und so weiter. Und so lebt der Mensch, während er in der geistigen Welt lebt, geistig zusammen mit dem, was sich hier physisch in der Vorfahrenreihe abspielt. Der Mensch bereitet sich selber vor, indem er in den Eigenschaften seiner Vorfahren lebt in der geistigen Welt, bereitet sich selbst die Vorfahren durch die Art, wie er wird und zuletzt auftritt durch das Elternpaar, das er sich vorbereitet in der geistigen Welt. Das ist das Ergebnis desjenigen, was er von der geistigen Welt her durchgemacht hat mit den Eigenschaften, die in der Vorfahrenreihe lebten. Dadurch gewinnt der Zusammenhang mit den Vorfahreneigenschaften erst eine gewisse lichtvolle Bedeutung. Dadurch ist der Mensch seinen Vorfahren ähnlich, dass er mit den Eigenschaften seiner Vorfahren lebt, dass ein geistiges Anziehungsband ihn gerade zu einer bestimmten Vorfahrenreihe hinzieht; sodass der Mensch nach Maßgabe desjenigen, was er im früheren Erdenleben durchlebt hat, gewisse, ich möchte sagen magnetische Anziehungsbande entwickelt zu einer bestimmten Vorfahrenreihe und — wenn ich den paradoxen Ausdruck gebrauchen darf diese Vorfahrenreihe sucht, welche ihm die Möglichkeit gibt, durch die Eigenschaften, mit denen er in dieses Leben tritt, und an denen er selber arbeitet, aus der geistigen Welt heraus, durch diese Eigenschaften so durch Vererbung in das physische Dasein zu treten, dass ihm in diesem physischen Dasein von Vater und Mutter diejenigen Eigenschaften eingeboren werden, die dasjenige zum Ausdrucke bringen, was er in früheren Erdenleben keimhaft veranlagt hat.
[ 34 ] So sehen wir, dass wir allerdings dadurch, dass wir von der physischen Welt in die geistige hinaufblicken, nicht zu verleugnen brauchen dasjenige, was die Naturwissenschaft an berechtigten Resultaten zutage fördert, dass aber dasjenige, was so zutage gefördert wird, durchaus eine Durchdringung mit dem Geistigen erfährt. Dadurch lösen sich die Geheimnisse über die Schicksalsfrage von der einen Seite her; dadurch beantworten sich in gewisser Weise die Schicksalsfragen von der einen Seite her. Derjenige, der glaubt, dass durch eine solche Beantwortung der Schicksalsfrage die menschliche Freiheit überhaupt ausgeschlossen wird, der steht auf einem Gesichtspunkte, der ihm nicht gestattet, über die menschliche Freiheit unbefangen genug zu urteilen. Denn ebenso wenig wie unsere Freiheit beeinträchtigt wird dadurch, dass wir in einer natürlichen Weltordnung irgendwo in Bezug auf etwas drinnen stehen, so wenig wir unfrei werden dadurch, dass wir schlafen müssen zum Beispiel, ebenso wenig werden wir dadurch unfrei, dass wir in dem angedeuteten größeren Weltenrhythmus drinnenstehen.
[ 34 ] So sehen wir, dass wir allerdings dadurch, dass wir von der physischen Welt in die geistige hinaufblicken, nicht zu verleugnen brauchen dasjenige, was die Naturwissenschaft an berechtigten Resultaten zutage fördert, dass aber dasjenige, was so zutage gefördert wird, durchaus eine Durchdringung mit dem Geistigen erfährt. Dadurch lösen sich die Geheimnisse über die Schicksalsfrage von der einen Seite her; dadurch beantworten sich in gewisser Weise die Schicksalsfragen von der einen Seite her. Derjenige, der glaubt, dass durch eine solche Beantwortung der Schicksalsfrage die menschliche Freiheit überhaupt ausgeschlossen wird, der steht auf einem Gesichtspunkte, der ihm nicht gestattet, über die menschliche Freiheit unbefangen genug zu urteilen. Denn ebenso wenig wie unsere Freiheit beeinträchtigt wird dadurch, dass wir in einer natürlichen Weltordnung irgendwo in Bezug auf etwas drinnen stehen, so wenig wir unfrei werden dadurch, dass wir schlafen müssen zum Beispiel, ebenso wenig werden wir dadurch unfrei, dass wir in dem angedeuteten größeren Weltenrhythmus drinnenstehen.
[ 35 ] Betrachten wir nun, sehr verehrte Anwesende, die Schicksalsfrage mit Bezug auf eine andere Strömung unseres Lebens. Für denjenigen, der geisteswissenschaftlich dieses Leben anschaut, für den ergänzt sich gewissermaRen dasjenige, was der Mensch ist, und entwickelt, indem er hier in der physischen Welt steht durch dasjenige, was aus der geistigen Welt fortwährend in all unser Handeln, in all unser Sein hereinfließt. Denn ebenso wahr, wie wir von der Luft umgeben sind, die Luft einatmen und ausatmen, sodass sie abwechselnd draußen ist und abwechselnd ein Teil von uns ist, so sind wir von einer geistigen Welt umgeben, die innig in Verbindung steht mit all unserem Sein und all unserem Handeln. Da zeigt sich dem Geistesforscher, dass dasjenige, was wir menschliche Verhältnisse nennen, nicht bloß das ist, was sich äußert in der Sinnenwelt, das ist für den Geistesforscher nur ein kleiner Teil desjenigen, was unter einem solchen Verhältnisse überhaupt geschieht; es geschieht viel mehr. In dem Ausgesprochenen, in demjenigen, was für die Sinneswelt ausgesprochen ist, liegt viel mehr darinnen. Indem ich zu einem Menschen nur ein Wort sage, der Mensch von diesem Worte in einer gewissen Weise berührt wird, geschieht vieles in einer Weise, wie es sich dem Bewusstsein der beiden Menschen für die Gegenwart entzieht. Es wird ein viel tieferes, intensiveres Verhältnis angeknüpft als dasjenige, welches im Augenblicke oder in diesem Leben zum Ausdruck kommt. Und so wird durch alles, was wir tun und leben, ein Umkreis von viel tieferen, viel umfassenderen, viel weiteren Verhältnissen angeknüpft zu dem Menschen, auch zu den anderen Wesen der Naturreiche, als das ist, was unmittelbar im Leben zum Ausdruck kommt. Wir sind so geartet, das zeigt sich, dass dies dem Verlauf der Beobachtungen zugrunde liegt, wir entwickeln zum Beispiel, um nur eines herauszugreifen — aber selbstverständlich könnte es durch Tausende und Abertausende von Beispielen bereichert werden —, um eines herauszugreifen: Wir entwickeln ein Verhältnis von uns zu einem anderen Menschen, ein Freundschafts-, ein Liebes- oder irgendein anderes Verhältnis von uns zu einem anderen Menschen. Ja, im Verlaufe dieses Verhältnisses spielt sich zwischen den beiden Menschen dies oder jenes ab; unsere Handlungen beeinflussen dasjenige, was aus dem anderen wird — was der andere selbst tut, beeinflusst dasjenige, was wir sprechen, erzeugt Gefühle in dem anderen und so weiter und so weiter.
[ 35 ] Betrachten wir nun, sehr verehrte Anwesende, die Schicksalsfrage mit Bezug auf eine andere Strömung unseres Lebens. Für denjenigen, der geisteswissenschaftlich dieses Leben anschaut, für den ergänzt sich gewissermaRen dasjenige, was der Mensch ist, und entwickelt, indem er hier in der physischen Welt steht durch dasjenige, was aus der geistigen Welt fortwährend in all unser Handeln, in all unser Sein hereinfließt. Denn ebenso wahr, wie wir von der Luft umgeben sind, die Luft einatmen und ausatmen, sodass sie abwechselnd draußen ist und abwechselnd ein Teil von uns ist, so sind wir von einer geistigen Welt umgeben, die innig in Verbindung steht mit all unserem Sein und all unserem Handeln. Da zeigt sich dem Geistesforscher, dass dasjenige, was wir menschliche Verhältnisse nennen, nicht bloß das ist, was sich äußert in der Sinnenwelt, das ist für den Geistesforscher nur ein kleiner Teil desjenigen, was unter einem solchen Verhältnisse überhaupt geschieht; es geschieht viel mehr. In dem Ausgesprochenen, in demjenigen, was für die Sinneswelt ausgesprochen ist, liegt viel mehr darinnen. Indem ich zu einem Menschen nur ein Wort sage, der Mensch von diesem Worte in einer gewissen Weise berührt wird, geschieht vieles in einer Weise, wie es sich dem Bewusstsein der beiden Menschen für die Gegenwart entzieht. Es wird ein viel tieferes, intensiveres Verhältnis angeknüpft als dasjenige, welches im Augenblicke oder in diesem Leben zum Ausdruck kommt. Und so wird durch alles, was wir tun und leben, ein Umkreis von viel tieferen, viel umfassenderen, viel weiteren Verhältnissen angeknüpft zu dem Menschen, auch zu den anderen Wesen der Naturreiche, als das ist, was unmittelbar im Leben zum Ausdruck kommt. Wir sind so geartet, das zeigt sich, dass dies dem Verlauf der Beobachtungen zugrunde liegt, wir entwickeln zum Beispiel, um nur eines herauszugreifen — aber selbstverständlich könnte es durch Tausende und Abertausende von Beispielen bereichert werden —, um eines herauszugreifen: Wir entwickeln ein Verhältnis von uns zu einem anderen Menschen, ein Freundschafts-, ein Liebes- oder irgendein anderes Verhältnis von uns zu einem anderen Menschen. Ja, im Verlaufe dieses Verhältnisses spielt sich zwischen den beiden Menschen dies oder jenes ab; unsere Handlungen beeinflussen dasjenige, was aus dem anderen wird — was der andere selbst tut, beeinflusst dasjenige, was wir sprechen, erzeugt Gefühle in dem anderen und so weiter und so weiter.
[ 36 ] Wir können gewissermaßen überschauen, wenn wir notieren würden von Sekunde zu Sekunde, wie wir uns zum anderen Menschen verhalten, wir können überschauen dasjenige, was für die Sinneswelt beobachtbar ist. Aber das ist nicht alles, sondern das ist nur das, von dem, was eigentlich spielt zwischen uns und anderen Menschen, von dem zunächst im Leben nur ein Teil zum Ausdruck kommen kann; der andere Teil bleibt zurück, bleibt so zurück, dass er eine innere Kraft wird, eine Kraft, die nun in dem menschlichen Wesen so sitzt, wie die Kraft des Keimes in der Pflanze dieses Jahres sitzt, anspruchslos, klein, aber die Vorbereitung für die gleichartige Pflanze des nächsten Jahres bildet. Ein Teil desjenigen, was sich abspielt zwischen den Menschen, kommt jetzt zum Ausdruck; ein anderes zieht sich gleichsam zusammen, konzentriert sich, lebt keimhaft in dem Menschen; aber es gliedert sich ein, verleibt sich ein dem inneren Wesen des Menschen. Und der Geistesforscher sieht es, dass es das Wesen des Menschen so ergreift, wie das Wesen des Pflanzenkeimes ergreift die gestaltende Form der Pflanze und sie hinüberträgt zur nächsten Pflanze gleicher Art.
[ 36 ] Wir können gewissermaßen überschauen, wenn wir notieren würden von Sekunde zu Sekunde, wie wir uns zum anderen Menschen verhalten, wir können überschauen dasjenige, was für die Sinneswelt beobachtbar ist. Aber das ist nicht alles, sondern das ist nur das, von dem, was eigentlich spielt zwischen uns und anderen Menschen, von dem zunächst im Leben nur ein Teil zum Ausdruck kommen kann; der andere Teil bleibt zurück, bleibt so zurück, dass er eine innere Kraft wird, eine Kraft, die nun in dem menschlichen Wesen so sitzt, wie die Kraft des Keimes in der Pflanze dieses Jahres sitzt, anspruchslos, klein, aber die Vorbereitung für die gleichartige Pflanze des nächsten Jahres bildet. Ein Teil desjenigen, was sich abspielt zwischen den Menschen, kommt jetzt zum Ausdruck; ein anderes zieht sich gleichsam zusammen, konzentriert sich, lebt keimhaft in dem Menschen; aber es gliedert sich ein, verleibt sich ein dem inneren Wesen des Menschen. Und der Geistesforscher sieht es, dass es das Wesen des Menschen so ergreift, wie das Wesen des Pflanzenkeimes ergreift die gestaltende Form der Pflanze und sie hinüberträgt zur nächsten Pflanze gleicher Art.
[ 37 ] So zieht dasjenige, was in diesem Leben nicht zum Ausdrucke kommt, durch die Pforte des Todes mit unserem Seelenwesen hinaus, befreit sich von dem Leiblichen, und wenn der andere Mensch noch hier ist im physischen Leibe, so kann das weiterwirken aus der geistigen Welt herein. Aber wenn der andere dann nachkommt, so wirkt dies auf die nunmehr entkörperte Seele des anderen. Die beiden Leben in der geistigen Welt bereiten nun vor ein weiteres Zusammensein für ein nächstfolgendes oder weiter liegendes Erdenleben, in dem sich zum Ausdrucke bringt dasjenige, was sich in dem einen Leben nicht hat vollziehen können.
[ 37 ] So zieht dasjenige, was in diesem Leben nicht zum Ausdrucke kommt, durch die Pforte des Todes mit unserem Seelenwesen hinaus, befreit sich von dem Leiblichen, und wenn der andere Mensch noch hier ist im physischen Leibe, so kann das weiterwirken aus der geistigen Welt herein. Aber wenn der andere dann nachkommt, so wirkt dies auf die nunmehr entkörperte Seele des anderen. Die beiden Leben in der geistigen Welt bereiten nun vor ein weiteres Zusammensein für ein nächstfolgendes oder weiter liegendes Erdenleben, in dem sich zum Ausdrucke bringt dasjenige, was sich in dem einen Leben nicht hat vollziehen können.
[ 38 ] Und so bereiten wir in einem Erdenleben in den Verhältnissen, die wir in der Welt eingehen, keimhaft dasjenige vor, was dann, indem wir durch die Todespforte und die Pforte der Geburt wieder treten, die Veranlagung wird, neuerdings zu den Menschen, die ebenso die Tendenz haben, mit uns wiederum zusammenzuleben, wie wir mit ihnen, keimhaft die Veranlagung wieder zu demjenigen, was sich im neuen Erdenleben oder in irgendeinem neuen Erdenleben im Verhältnis zu einem solchen Menschen entwickelt, die geheimnisvollen Bande, die sich anknüpfen im Leben der Menschen, die im Unterbewussten leben, sodass der Mensch zumeist nur die Resultate erlebt. Er erlebt, dass er [im Geistigen] hingezogen wird zu einem anderen Menschen; aber dieses Hingezogen-Werden zu einem anderen Menschen, das ist nur der Ausdruck für tiefe, tief geheimnisvolle Beziehungen, die unter dem Bewusstsein schlummern, aber die die Ergebnisse sein können von jenem erweiterten Verhältnis, das sich in früheren Erdenleben angeknüpft hat. Ebenso stellt sich solch [eine Folge] von Erlebnissen früherer Erdenleben ein für unsere übrigen Lebensschicksale.
[ 38 ] Und so bereiten wir in einem Erdenleben in den Verhältnissen, die wir in der Welt eingehen, keimhaft dasjenige vor, was dann, indem wir durch die Todespforte und die Pforte der Geburt wieder treten, die Veranlagung wird, neuerdings zu den Menschen, die ebenso die Tendenz haben, mit uns wiederum zusammenzuleben, wie wir mit ihnen, keimhaft die Veranlagung wieder zu demjenigen, was sich im neuen Erdenleben oder in irgendeinem neuen Erdenleben im Verhältnis zu einem solchen Menschen entwickelt, die geheimnisvollen Bande, die sich anknüpfen im Leben der Menschen, die im Unterbewussten leben, sodass der Mensch zumeist nur die Resultate erlebt. Er erlebt, dass er [im Geistigen] hingezogen wird zu einem anderen Menschen; aber dieses Hingezogen-Werden zu einem anderen Menschen, das ist nur der Ausdruck für tiefe, tief geheimnisvolle Beziehungen, die unter dem Bewusstsein schlummern, aber die die Ergebnisse sein können von jenem erweiterten Verhältnis, das sich in früheren Erdenleben angeknüpft hat. Ebenso stellt sich solch [eine Folge] von Erlebnissen früherer Erdenleben ein für unsere übrigen Lebensschicksale.
[ 39 ] Kurz, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was wir Schicksal nennen, klärt sich in einer gewissen Weise dadurch auf, dass wir uns hineinstellen durch den Rhythmus, wie er geschildert worden ist, in das Gesamtleben des Menschen, das in wiederholten Erdendaseinen verläuft. Diese Dinge alle, sie sind entspringend nicht aus einer bloßen Fortsetzung der sonstigen wissenschaftlichen Betrachtungsweise, wie man sie heute hat, sondern sie sind eine ganz andere Art, das Leben anzuschauen.
[ 39 ] Kurz, sehr verehrte Anwesende, dasjenige, was wir Schicksal nennen, klärt sich in einer gewissen Weise dadurch auf, dass wir uns hineinstellen durch den Rhythmus, wie er geschildert worden ist, in das Gesamtleben des Menschen, das in wiederholten Erdendaseinen verläuft. Diese Dinge alle, sie sind entspringend nicht aus einer bloßen Fortsetzung der sonstigen wissenschaftlichen Betrachtungsweise, wie man sie heute hat, sondern sie sind eine ganz andere Art, das Leben anzuschauen.
[ 40 ] Darf ich charakterisieren, wie diese andere Art ist, so möchte ich das Folgende sagen: Wir kennen für das gewöhnliche Erleben einen dumpfen, dunklen Bewusstseinszustand, den wir als das Träumen bezeichnen. Chaotisches Erleben dringt aus dem Schlafe heraus. Da erleben wir Bilder, Bilder, die entweder durch undeutlich verlaufende Eindrücke von der Außenwelt herkommen oder auch von innen herkommende Reminiszenzen aus dem Leben sind. Dann wachen wir auf. Wodurch unterscheidet sich das gewöhnliche Wachleben von dem Traumesleben? Das Traumesleben ist, trotzdem interessante Schriften darüber geschrieben und interessante Forschungen darüber angestellt worden sind, das Traumesleben ist noch wenig eigentlich erforscht. Wird man es einmal erforscht haben, so wird schon die äußere Betrachtung des Traumlebens eine wichtige Grundlage, eine wichtige Stütze sein für dasjenige, was Geisteswissenschaft eigentlich dem Menschenleben zu geben hat. Denn wodurch unterscheidet sich eigentlich das Wachleben von diesem Traumesleben?
[ 40 ] Darf ich charakterisieren, wie diese andere Art ist, so möchte ich das Folgende sagen: Wir kennen für das gewöhnliche Erleben einen dumpfen, dunklen Bewusstseinszustand, den wir als das Träumen bezeichnen. Chaotisches Erleben dringt aus dem Schlafe heraus. Da erleben wir Bilder, Bilder, die entweder durch undeutlich verlaufende Eindrücke von der Außenwelt herkommen oder auch von innen herkommende Reminiszenzen aus dem Leben sind. Dann wachen wir auf. Wodurch unterscheidet sich das gewöhnliche Wachleben von dem Traumesleben? Das Traumesleben ist, trotzdem interessante Schriften darüber geschrieben und interessante Forschungen darüber angestellt worden sind, das Traumesleben ist noch wenig eigentlich erforscht. Wird man es einmal erforscht haben, so wird schon die äußere Betrachtung des Traumlebens eine wichtige Grundlage, eine wichtige Stütze sein für dasjenige, was Geisteswissenschaft eigentlich dem Menschenleben zu geben hat. Denn wodurch unterscheidet sich eigentlich das Wachleben von diesem Traumesleben?
[ 41 ] Selbsterkenntnis, Selbstbeobachtung in gewissenhafter Weise ausgeführt, kann uns dahin bringen, zu verstehen, wodurch sich das gewöhnliche Wachleben von dem Traumesleben unterscheidet. Nicht anders — es ist hier leider nicht die Zeit dazu, um dasjenige, was ich so als ein Resultat anführe, wirklich in den Einzelheiten zu belegen, die Zeit steht mir nicht zur Verfügung, aber das Resultat muss angeführt werden —, so wie die Bilder des Traumlebens sind, so verlaufen sie als Vorstellungen im Grunde genommen ebenso lebhaft, ebenso lebendig, wie die Vorstellungen des Alltagslebens. Der Unterschied liegt nicht im Vorstellen selber, der Unterschied liegt darinnen zwischen dem Traumleben und dem Wachleben, dass für das Wachleben der Wille wie ein Blitz hineinfährt in unsere verlaufenden Bilder, dass wir, indem wir aufwachen, dasjenige, was sonst ohne die Beherrschung unseres Willens erfolgender Ablauf von Bildern ist, dass wir das anpassen einem äußeren Verlauf von Dingen und Ereignissen, dass wir von uns aus mit unserem Willen in diese Dinge und Ereignisse eingreifen. Das Durchströmt-Sein der Bilder der Vorstellung mit dem Willen, das ist dasjenige, was das wache Leben unterscheidet von dem Traumesleben.
[ 41 ] Selbsterkenntnis, Selbstbeobachtung in gewissenhafter Weise ausgeführt, kann uns dahin bringen, zu verstehen, wodurch sich das gewöhnliche Wachleben von dem Traumesleben unterscheidet. Nicht anders — es ist hier leider nicht die Zeit dazu, um dasjenige, was ich so als ein Resultat anführe, wirklich in den Einzelheiten zu belegen, die Zeit steht mir nicht zur Verfügung, aber das Resultat muss angeführt werden —, so wie die Bilder des Traumlebens sind, so verlaufen sie als Vorstellungen im Grunde genommen ebenso lebhaft, ebenso lebendig, wie die Vorstellungen des Alltagslebens. Der Unterschied liegt nicht im Vorstellen selber, der Unterschied liegt darinnen zwischen dem Traumleben und dem Wachleben, dass für das Wachleben der Wille wie ein Blitz hineinfährt in unsere verlaufenden Bilder, dass wir, indem wir aufwachen, dasjenige, was sonst ohne die Beherrschung unseres Willens erfolgender Ablauf von Bildern ist, dass wir das anpassen einem äußeren Verlauf von Dingen und Ereignissen, dass wir von uns aus mit unserem Willen in diese Dinge und Ereignisse eingreifen. Das Durchströmt-Sein der Bilder der Vorstellung mit dem Willen, das ist dasjenige, was das wache Leben unterscheidet von dem Traumesleben.
[ 42 ] Nun kann man sagen, in einer gewissen Weise eine weitere Steigerung des Wachlebens ist dasjenige bewusste Erkennen, das ich heute geschildert habe. Ein Aufwachen aus dem gewöhnlichen Wachleben, nur dass wachend dasjenige, was im Traum als willenslose Bilder abläuft, vom Willen durchströmt wird, im Wachleben zu einem höheren Grad dadurch gesteigert wird, dass wir durch die geschilderte Entwicklung das Denk-Leben in die Gedanken hineinbekommen.
[ 42 ] Nun kann man sagen, in einer gewissen Weise eine weitere Steigerung des Wachlebens ist dasjenige bewusste Erkennen, das ich heute geschildert habe. Ein Aufwachen aus dem gewöhnlichen Wachleben, nur dass wachend dasjenige, was im Traum als willenslose Bilder abläuft, vom Willen durchströmt wird, im Wachleben zu einem höheren Grad dadurch gesteigert wird, dass wir durch die geschilderte Entwicklung das Denk-Leben in die Gedanken hineinbekommen.
[ 43 ] Selbst im gewöhnlichen Leben ist es ein höherer Grad; wir wachen auf, wachen auf aus dem gewöhnlichen Verlauf des Tageslebens heraus. Und ebenso dadurch wachen wir auf, dass wir jetzt einem Willen gegenüberstehen, der nicht bloß aus unserem Organismus herausströmt und unsere Handlungen durchströmt und erzeugt, sondern einem Willen gegenüberstehen, der viel umfassender ist, ein viel weiteres Gebiet hat, nämlich jenem Willen, der nicht nur unsere Handlungen durchströmt, sondern uns selber in das Leben hereinstellt. Unsere Handlungen in der physischen Welt, unsere gewöhnlichen Handlungen, sie fließen aus unserem an den Organismus gebundenen Willen. Aber das, als was wir dastehen zwischen Geburt und Tod, das ist aus dem Willen heraus geboren, den wir erst erkennen, mit diesem höheren Anschauen — aus dem Willen, der uns selber will. Und so, wie wir uns wie in eine Naturordnung eben hineinstellen mit dem Schlafen und Wachen, so stellen wir uns in eine umfassende, universell-kosmische Willenswelt hinein, als deren Ergebnis wir uns selber bilden, dadurch, dass wir durch das geschilderte Bewusstsein aufsteigen zu einer Erkenntnis [einer] viel umfassenderen Welt.
[ 43 ] Selbst im gewöhnlichen Leben ist es ein höherer Grad; wir wachen auf, wachen auf aus dem gewöhnlichen Verlauf des Tageslebens heraus. Und ebenso dadurch wachen wir auf, dass wir jetzt einem Willen gegenüberstehen, der nicht bloß aus unserem Organismus herausströmt und unsere Handlungen durchströmt und erzeugt, sondern einem Willen gegenüberstehen, der viel umfassender ist, ein viel weiteres Gebiet hat, nämlich jenem Willen, der nicht nur unsere Handlungen durchströmt, sondern uns selber in das Leben hereinstellt. Unsere Handlungen in der physischen Welt, unsere gewöhnlichen Handlungen, sie fließen aus unserem an den Organismus gebundenen Willen. Aber das, als was wir dastehen zwischen Geburt und Tod, das ist aus dem Willen heraus geboren, den wir erst erkennen, mit diesem höheren Anschauen — aus dem Willen, der uns selber will. Und so, wie wir uns wie in eine Naturordnung eben hineinstellen mit dem Schlafen und Wachen, so stellen wir uns in eine umfassende, universell-kosmische Willenswelt hinein, als deren Ergebnis wir uns selber bilden, dadurch, dass wir durch das geschilderte Bewusstsein aufsteigen zu einer Erkenntnis [einer] viel umfassenderen Welt.
[ 44 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, ich habe Ihnen nur skizzenhaft schildern können, ich möchte sagen den Prinzipien nach, dasjenige, was in den Tiefen des menschlichen Seelenlebens liegt, was heraufgeholt werden muss, was in jeder Menschenseele ist und was durch Geburten und Tode geht. Man kann sagen: dasjenige, was so als Geisteswissenschaft hervortritt, es ist vorbereitet durch die nun schon drei bis vier Jahrhunderte alte naturwissenschaftliche Forschung. Aber es muss gearbeitet werden aus dem Geiste dieser naturwissenschaftlichen Forschung heraus. Man kann nicht bloß nachahmen dasjenige, was die Naturwissenschaft geleistet hat, sondern man muss, so wie für die neuere Naturwissenschaft besondere Methoden gefunden worden sind, so auch für die Geisteswissenschaft die im Sinne des heutigen Vortrags gehaltenen Methoden finden.
[ 44 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, ich habe Ihnen nur skizzenhaft schildern können, ich möchte sagen den Prinzipien nach, dasjenige, was in den Tiefen des menschlichen Seelenlebens liegt, was heraufgeholt werden muss, was in jeder Menschenseele ist und was durch Geburten und Tode geht. Man kann sagen: dasjenige, was so als Geisteswissenschaft hervortritt, es ist vorbereitet durch die nun schon drei bis vier Jahrhunderte alte naturwissenschaftliche Forschung. Aber es muss gearbeitet werden aus dem Geiste dieser naturwissenschaftlichen Forschung heraus. Man kann nicht bloß nachahmen dasjenige, was die Naturwissenschaft geleistet hat, sondern man muss, so wie für die neuere Naturwissenschaft besondere Methoden gefunden worden sind, so auch für die Geisteswissenschaft die im Sinne des heutigen Vortrags gehaltenen Methoden finden.
[ 45 ] Nun ist es interessant, dass gerade für die neuere geistige Blüte der naturwissenschaftlichen Forschung [derjenigen] Forscher, denen es wirklich Ernst war um die Erkenntnis der Seelenrätsel, geglaubt haben — beeindruckt durch die großen Errungenschaften der Naturwissenschaft —, es geglaubt haben, mit denselben Methoden, mit denen die Naturwissenschaft vorgehe, auch die Seelenrätsel lösen zu können.
[ 45 ] Nun ist es interessant, dass gerade für die neuere geistige Blüte der naturwissenschaftlichen Forschung [derjenigen] Forscher, denen es wirklich Ernst war um die Erkenntnis der Seelenrätsel, geglaubt haben — beeindruckt durch die großen Errungenschaften der Naturwissenschaft —, es geglaubt haben, mit denselben Methoden, mit denen die Naturwissenschaft vorgehe, auch die Seelenrätsel lösen zu können.
[ 46 ] Ich darf Ihnen auf einen, der besonders charakteristisch ist, hinweisen, einen Seelenforscher der neueren Zeit. 1866, als die naturwissenschaftlichen Forscher selber voller Hoffnungen waren, die Weltenrätsel zu lösen, hat ein Seelenforscher der neueren Zeit beim Antritt seiner Professur an einer Universität einen, ich möchte sagen für seine Zeit außerordentlich charakteristischen Satz ausgesprochen:
[ 46 ] Ich darf Ihnen auf einen, der besonders charakteristisch ist, hinweisen, einen Seelenforscher der neueren Zeit. 1866, als die naturwissenschaftlichen Forscher selber voller Hoffnungen waren, die Weltenrätsel zu lösen, hat ein Seelenforscher der neueren Zeit beim Antritt seiner Professur an einer Universität einen, ich möchte sagen für seine Zeit außerordentlich charakteristischen Satz ausgesprochen:
Vera philosophia [methodes nulla alia nisi scientiae naturalis est].
Vera philosophia [methodes nulla alia nisi scientiae naturalis est].
[ 47 ] «Der Forschungsweg der Philosophie kann kein anderer sein als derjenige der Naturwissenschaft.»
[ 47 ] «Der Forschungsweg der Philosophie kann kein anderer sein als derjenige der Naturwissenschaft.»
[ 48 ] Dieser selbe Forscher versuchte nun mit den Methoden der Naturwissenschaft sich den Fragen zu nähern, die wir heute als Seelen- und Schicksalsfragen vor unserer Seele hingestellt haben. Er hat einen sehr interessanten ersten Band einer «Seelenkunde oder Psychologie» geschrieben 1874, im Frühjahr ist er erschienen, für den Herbst hat er die Fortsetzung versprochen. Diese Fortsetzung ist bis heute nicht erschienen! Warum? Derjenige, der eindringt in die Gründe einer solchen Tatsache, der erkennt, dass Franz Brentano, einer der geistvolleren Forscher der modernen Naturwissenschaft, dass Franz Brentano das Wollen gehabt hat, das heute einer wirklichen zeitgemäßen Entwicklung entspricht, einzudringen in die geistige Welt, aber er versuchte es durch die bloße Methode der Naturwissenschaft, nicht durch die Methode der Erweckung höherer übersinnlicher Seelenkräfte. Und so blieb er stecken, konnte bis heute, wo er ein ganz alter Herr ist, keine Fortsetzung geben. Alles das, was er bisher geschrieben hat, bedeutet, dass er überhaupt nicht weiter kann mit naturwissenschaftlicher Methode. Dennoch gesteht gerade dieser Forscher ein: Diese naturwissenschaftliche Methode, wozu hat sie denn in der Seelenforschung geführt? Sie hat dazu geführt, dass man erkennt, wie eine Vorstellung sich an die andere kettet, man nennt das Assoziation der Vorstellungen. Wie der Mensch sich verhält, um Vorstellungen zu bekommen, all das wird mit Recht behauptet, dass es an den Organismus gebunden ist; während das wahrhafte Seelische sich gerade hinter den Erscheinungen des äußeren Organismus verbirgt, verschwindet, nicht zu beobachten ist für die gewöhnlichen Kräfte, sondern nur zu beobachten ist, wenn verborgene, für das gewöhnliche Leben verborgene Kräfte in das Seelenleben hereingeführt werden.
[ 48 ] Dieser selbe Forscher versuchte nun mit den Methoden der Naturwissenschaft sich den Fragen zu nähern, die wir heute als Seelen- und Schicksalsfragen vor unserer Seele hingestellt haben. Er hat einen sehr interessanten ersten Band einer «Seelenkunde oder Psychologie» geschrieben 1874, im Frühjahr ist er erschienen, für den Herbst hat er die Fortsetzung versprochen. Diese Fortsetzung ist bis heute nicht erschienen! Warum? Derjenige, der eindringt in die Gründe einer solchen Tatsache, der erkennt, dass Franz Brentano, einer der geistvolleren Forscher der modernen Naturwissenschaft, dass Franz Brentano das Wollen gehabt hat, das heute einer wirklichen zeitgemäßen Entwicklung entspricht, einzudringen in die geistige Welt, aber er versuchte es durch die bloße Methode der Naturwissenschaft, nicht durch die Methode der Erweckung höherer übersinnlicher Seelenkräfte. Und so blieb er stecken, konnte bis heute, wo er ein ganz alter Herr ist, keine Fortsetzung geben. Alles das, was er bisher geschrieben hat, bedeutet, dass er überhaupt nicht weiter kann mit naturwissenschaftlicher Methode. Dennoch gesteht gerade dieser Forscher ein: Diese naturwissenschaftliche Methode, wozu hat sie denn in der Seelenforschung geführt? Sie hat dazu geführt, dass man erkennt, wie eine Vorstellung sich an die andere kettet, man nennt das Assoziation der Vorstellungen. Wie der Mensch sich verhält, um Vorstellungen zu bekommen, all das wird mit Recht behauptet, dass es an den Organismus gebunden ist; während das wahrhafte Seelische sich gerade hinter den Erscheinungen des äußeren Organismus verbirgt, verschwindet, nicht zu beobachten ist für die gewöhnlichen Kräfte, sondern nur zu beobachten ist, wenn verborgene, für das gewöhnliche Leben verborgene Kräfte in das Seelenleben hereingeführt werden.
[ 49 ] Franz Brentano sagt daher mit vollem Rechte: «Wenn diese neuere Seelenwissenschaft wirklich darauf angewiesen ist, nur immer zu sprechen, wie die Vorstellungen sich miteinander verketten, wie der Wille in die Vorstellungen hineinwirkt, so wären die großen Hoffnungen, welche Plato und Aristoteles gesetzt haben auf eine Seelenforschung über das Fortleben nach dem Tode, so wäre es um diese Hoffnung des Plato und Aristoteles schlecht bestellt. Und der Gewinnst, der dafür eingetauscht würde durch die Betrachtung des gewöhnlichen Seelenlebens, der käme gar nicht in Betracht gegenüber dem großen Verlust, der da eintreten würde.»
[ 49 ] Franz Brentano sagt daher mit vollem Rechte: «Wenn diese neuere Seelenwissenschaft wirklich darauf angewiesen ist, nur immer zu sprechen, wie die Vorstellungen sich miteinander verketten, wie der Wille in die Vorstellungen hineinwirkt, so wären die großen Hoffnungen, welche Plato und Aristoteles gesetzt haben auf eine Seelenforschung über das Fortleben nach dem Tode, so wäre es um diese Hoffnung des Plato und Aristoteles schlecht bestellt. Und der Gewinnst, der dafür eingetauscht würde durch die Betrachtung des gewöhnlichen Seelenlebens, der käme gar nicht in Betracht gegenüber dem großen Verlust, der da eintreten würde.»
[ 50 ] Man muss recht geben diesem großen Forscher aus dem Grunde, weil diese Hoffnungen über das Fortleben des Menschen nach dem Tode, diese Hoffnungen eines Plato und Aristoteles, die tiefsten Hoffnungen eines jeden fühlenden und denkenden und wollenden Menschen sein müssen, weil sie allem geistigen Streben, ja auch allem religiösen Fühlen zur Stütze, zur Grundlage dienen müssen.
[ 50 ] Man muss recht geben diesem großen Forscher aus dem Grunde, weil diese Hoffnungen über das Fortleben des Menschen nach dem Tode, diese Hoffnungen eines Plato und Aristoteles, die tiefsten Hoffnungen eines jeden fühlenden und denkenden und wollenden Menschen sein müssen, weil sie allem geistigen Streben, ja auch allem religiösen Fühlen zur Stütze, zur Grundlage dienen müssen.
[ 51 ] Auf der anderen Seite aber wird es auch demjenigen, was man als landläufige Philosophie bezeichnen kann, niemals gelingen, die Seelenrätsel wirklich zu lösen, denn diese landläufige Philosophie will mit Begriffen arbeiten, die bloße Bilder sind von irgendetwas, das sie eben abbilden müssen. Demgegenüber wird der, der ein Bedürfnis hat, die lebendige Seele in ihrem lebendigen Lebensrhythmus zu erfassen, immer fühlen das Tote, das nur Abbildliche dieser Bilder, das Arme der Begriffe und Vorstellungen. Erst wenn einschlägt in diese Bilderwelt des Denkens dasjenige, was geschildert worden ist als inneres Leben des ätherischen Leibes, dann weiß die Seele, dass das Ewige der Menschenseele durch Geburten und durch Tode lebt.
[ 51 ] Auf der anderen Seite aber wird es auch demjenigen, was man als landläufige Philosophie bezeichnen kann, niemals gelingen, die Seelenrätsel wirklich zu lösen, denn diese landläufige Philosophie will mit Begriffen arbeiten, die bloße Bilder sind von irgendetwas, das sie eben abbilden müssen. Demgegenüber wird der, der ein Bedürfnis hat, die lebendige Seele in ihrem lebendigen Lebensrhythmus zu erfassen, immer fühlen das Tote, das nur Abbildliche dieser Bilder, das Arme der Begriffe und Vorstellungen. Erst wenn einschlägt in diese Bilderwelt des Denkens dasjenige, was geschildert worden ist als inneres Leben des ätherischen Leibes, dann weiß die Seele, dass das Ewige der Menschenseele durch Geburten und durch Tode lebt.
[ 52 ] Es ist heute nicht möglich, zu schildern, wie das Durchgehen durch Geburten und Tode einmal einen Anfang genommen hat, indem aus einer geistigen Welt heraus sich entwickelt hatte das jetzige Leben in wiederholten Erdenfolgen, aus ganz anders geartetem Leben, und wie wenn die Erde selber am Ende ihrer Entwicklung angelangt sein wird, dieses Leben in der Folge des wiederholten Erdendaseins wiederum andere Formen annehmen wird. Man darf nicht aus dem, was heute gesagt worden ist, schließen, dass eben für alle Ewigkeiten die wiederholten Erdenleben verfließen.
[ 52 ] Es ist heute nicht möglich, zu schildern, wie das Durchgehen durch Geburten und Tode einmal einen Anfang genommen hat, indem aus einer geistigen Welt heraus sich entwickelt hatte das jetzige Leben in wiederholten Erdenfolgen, aus ganz anders geartetem Leben, und wie wenn die Erde selber am Ende ihrer Entwicklung angelangt sein wird, dieses Leben in der Folge des wiederholten Erdendaseins wiederum andere Formen annehmen wird. Man darf nicht aus dem, was heute gesagt worden ist, schließen, dass eben für alle Ewigkeiten die wiederholten Erdenleben verfließen.
[ 53 ] So versuchte ich darzustellen, sehr verehrte Anwesende, wie Geisteswissenschaft oder Anthroposophie sich hinstellen muss — gerade weil die Naturwissenschaft da ist mit ihren besonderen Erkenntnissen — in einer besonderen Art neben diese Naturwissenschaft. Allerdings hat die Naturwissenschaft im Verlaufe des neunzehnten Jahrhunderts geglaubt, von sich aus die Rätsel des Lebens zu lösen. Die Philosophie hat ihrerseits geglaubt, bloß weiter bringen zu können die alten abstrakten Denkmethoden, wo man mit den nicht vom Leben durchtränkten Vorstellungen arbeitet. Aber gerade dasjenige, was die Naturwissenschaft mit ihren großen Errungenschaften heraufgebracht hat, die sie der Beobachtung, der treuen, gewissenhaften Beobachtung der Außenwelt verdankt, hat das neunzehnte Jahrhundert geglaubt, überwinden zu müssen alles dasjenige, was aus bloßen abstrakten Begriffen stamme und sich als landläufige Philosophie geltend macht.
[ 53 ] So versuchte ich darzustellen, sehr verehrte Anwesende, wie Geisteswissenschaft oder Anthroposophie sich hinstellen muss — gerade weil die Naturwissenschaft da ist mit ihren besonderen Erkenntnissen — in einer besonderen Art neben diese Naturwissenschaft. Allerdings hat die Naturwissenschaft im Verlaufe des neunzehnten Jahrhunderts geglaubt, von sich aus die Rätsel des Lebens zu lösen. Die Philosophie hat ihrerseits geglaubt, bloß weiter bringen zu können die alten abstrakten Denkmethoden, wo man mit den nicht vom Leben durchtränkten Vorstellungen arbeitet. Aber gerade dasjenige, was die Naturwissenschaft mit ihren großen Errungenschaften heraufgebracht hat, die sie der Beobachtung, der treuen, gewissenhaften Beobachtung der Außenwelt verdankt, hat das neunzehnte Jahrhundert geglaubt, überwinden zu müssen alles dasjenige, was aus bloßen abstrakten Begriffen stamme und sich als landläufige Philosophie geltend macht.
[ 54 ] Es ist ja in manchmal recht krasser Weise zutage getreten, wie wenig sich die nach Neuem bedürftigen Seelen zufriedengeben können mit den abstrakten Begriffen der alten Philosophie. Derselbe Philosoph, von dem ich Ihnen eben erzählt habe, der nach einer Seelenwissenschaft strebte, aber keine fand, weil er bei den naturwissenschaftlichen Methoden bleiben wollte, er hatte einen Kollegen an der Universität. Dieser Kollege hat in der alten Begriffsmanier vorgetragen, die nicht sehr interessant war, die unter dem Eindrucke der naturwissenschaftlichen Errungenschaften stand. Dem haben seine Studenten in den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts in ihrer Dreistigkeit einmal an die Türe geschrieben: «Schwefelbude» und haben ihn boykottiert, indem sie nicht hereingegangen sind, seine philosophischen Vorträge anzuhören. Man hat das Inhaltsleere der alten Philosophie empfunden! Und so könnten viele, viele Tatsachen angeführt werden, welche für das geistige Leben Beobachtungen ergaben, welche Beobachtungen dann eigentlich die Forderungen entwickelten, übersinnliche Seelenkräfte zu studieren, wie sie durch solche Beobachtungen für die Naturwissenschaft gefordert worden sind im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte. Aber so, wie der Naturforscher sorgfältig und gewissenhaft sich vorbereiten muss zum Herstellen der Apparate, durch welche er in experimenteller Anschaulichkeit der Natur ihre Geheimnisse ablauschen kann, so muss der Geistesforscher sein Seelenleben zubereiten, und durch innere Seelenerlebnisse kommt man dazu, in die Gewissheit des Seelenlebens einzudringen, so wie man nur durch besondere Apparate dazu kommt, experimentell zu zeigen, welches die Geheimnisse der äußeren physischen Natur sind.
[ 54 ] Es ist ja in manchmal recht krasser Weise zutage getreten, wie wenig sich die nach Neuem bedürftigen Seelen zufriedengeben können mit den abstrakten Begriffen der alten Philosophie. Derselbe Philosoph, von dem ich Ihnen eben erzählt habe, der nach einer Seelenwissenschaft strebte, aber keine fand, weil er bei den naturwissenschaftlichen Methoden bleiben wollte, er hatte einen Kollegen an der Universität. Dieser Kollege hat in der alten Begriffsmanier vorgetragen, die nicht sehr interessant war, die unter dem Eindrucke der naturwissenschaftlichen Errungenschaften stand. Dem haben seine Studenten in den Sechzigerjahren des neunzehnten Jahrhunderts in ihrer Dreistigkeit einmal an die Türe geschrieben: «Schwefelbude» und haben ihn boykottiert, indem sie nicht hereingegangen sind, seine philosophischen Vorträge anzuhören. Man hat das Inhaltsleere der alten Philosophie empfunden! Und so könnten viele, viele Tatsachen angeführt werden, welche für das geistige Leben Beobachtungen ergaben, welche Beobachtungen dann eigentlich die Forderungen entwickelten, übersinnliche Seelenkräfte zu studieren, wie sie durch solche Beobachtungen für die Naturwissenschaft gefordert worden sind im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte. Aber so, wie der Naturforscher sorgfältig und gewissenhaft sich vorbereiten muss zum Herstellen der Apparate, durch welche er in experimenteller Anschaulichkeit der Natur ihre Geheimnisse ablauschen kann, so muss der Geistesforscher sein Seelenleben zubereiten, und durch innere Seelenerlebnisse kommt man dazu, in die Gewissheit des Seelenlebens einzudringen, so wie man nur durch besondere Apparate dazu kommt, experimentell zu zeigen, welches die Geheimnisse der äußeren physischen Natur sind.
[ 55 ] Man darf nicht glauben, dass mit Anthroposophie etwas wie aus der Luft Gegriffenes, von einem einzelnen Phantasten in die Welt Hineingestelltes gegeben werden soll. Es ist merkwürdig, wie man gerade in dieser Beziehung diese Anthroposophie, von der jeder, der wirklich in sie eindringt, erkennen kann, dass sie mit einem Ernste arbeitet, der sich heraufentwickelt hat an dem Ernst der naturwissenschaftlichen Forschung, dass man von dieser Anthroposophie so spricht, als wenn sie mit allerlei sonstigem Dilettantischen in einer Linie zu nennen wäre. Erst nach und nach wird man die richtige Vorstellung hier bekommen.
[ 55 ] Man darf nicht glauben, dass mit Anthroposophie etwas wie aus der Luft Gegriffenes, von einem einzelnen Phantasten in die Welt Hineingestelltes gegeben werden soll. Es ist merkwürdig, wie man gerade in dieser Beziehung diese Anthroposophie, von der jeder, der wirklich in sie eindringt, erkennen kann, dass sie mit einem Ernste arbeitet, der sich heraufentwickelt hat an dem Ernst der naturwissenschaftlichen Forschung, dass man von dieser Anthroposophie so spricht, als wenn sie mit allerlei sonstigem Dilettantischen in einer Linie zu nennen wäre. Erst nach und nach wird man die richtige Vorstellung hier bekommen.
[ 56 ] Man braucht nicht weit zu gehen — ich muss dieses hier einfügen, weil es die ganze Situation der Anthroposophie an einem Beispiel zeigen kann, wenn auch nicht an einem gerade bedeutsamen Beispiel —, man braucht hier von Bern aus nicht weit zu gehen, so würde man finden, wie im Frühling dieses Jahres über Anthroposophie, von scheinbar berufener Seite an einem besonderen, wie es auch scheint dazu berufenen Orte, von einer besonders dazu berufenen Versammlung über diese Anthroposophie gesprochen worden ist. Es ist merkwürdig, wie man sich abgewöhnt, gegenüber einer solchen neuen Geistesströmung all die gewissenhaften Allüren, die man sonst im Leben für durchaus berechtigt und erforderlich hält; von einer Seite her, die sich christlich nennt, ja von einem Manne, der von Amtswegen Vertreter des Christentums sich nennt, wurde da über diese Geisteswissenschaft, bei einem freisinnigen christlichen Reformtag gesprochen.
[ 56 ] Man braucht nicht weit zu gehen — ich muss dieses hier einfügen, weil es die ganze Situation der Anthroposophie an einem Beispiel zeigen kann, wenn auch nicht an einem gerade bedeutsamen Beispiel —, man braucht hier von Bern aus nicht weit zu gehen, so würde man finden, wie im Frühling dieses Jahres über Anthroposophie, von scheinbar berufener Seite an einem besonderen, wie es auch scheint dazu berufenen Orte, von einer besonders dazu berufenen Versammlung über diese Anthroposophie gesprochen worden ist. Es ist merkwürdig, wie man sich abgewöhnt, gegenüber einer solchen neuen Geistesströmung all die gewissenhaften Allüren, die man sonst im Leben für durchaus berechtigt und erforderlich hält; von einer Seite her, die sich christlich nennt, ja von einem Manne, der von Amtswegen Vertreter des Christentums sich nennt, wurde da über diese Geisteswissenschaft, bei einem freisinnigen christlichen Reformtag gesprochen.
[ 57 ] Dabei wurde hingewiesen auf der einen Seite auf eine Rede, die ein Pastor gehalten hat in der Nähe von Dornach, wo jetzt das Gebäude aufgerichtet wird, welches der Geisteswissenschaft dienen soll. Und angeführt werden alle diejenigen Dinge — wie gesagt, an dieser hervorragenden Stelle eines Reformtages —, die der betreffende Pastor mitgeteilt hat, wie ich zeigen konnte in einem Vortrage, der auch gedruckt ist, und der gegen die Aufstellungen dieses Pastors gehalten worden ist. Diese Dinge wurden in einer Weise mitgeteilt, dass gezeigt werden konnte, dass selbst über das Tatsächliche, rein Tatsächliche, dieser Pastor ganz schlecht unterrichtet war. Jede Einzelheit, die er zutage förderte, musste man richtigstellen. Man musste einfach sagen: Es ist nicht wahr, dass Geisteswissenschaft oder Anthroposophie dieses sagt — du sagst es, das ist wahr und so weiter. Jener Herr, der im Frühling auf dem Reformtage gesprochen hat in Aarau, bringt es zuwege, als gleichbedeutende Quellen nebeneinander die zwei Schriften zu nennen — die eine, die durch die andere völlig aus der Welt geschafft wird, weil sie einfach zeigt, dass sie tatsächliche Unwahrheiten enthält.
[ 57 ] Dabei wurde hingewiesen auf der einen Seite auf eine Rede, die ein Pastor gehalten hat in der Nähe von Dornach, wo jetzt das Gebäude aufgerichtet wird, welches der Geisteswissenschaft dienen soll. Und angeführt werden alle diejenigen Dinge — wie gesagt, an dieser hervorragenden Stelle eines Reformtages —, die der betreffende Pastor mitgeteilt hat, wie ich zeigen konnte in einem Vortrage, der auch gedruckt ist, und der gegen die Aufstellungen dieses Pastors gehalten worden ist. Diese Dinge wurden in einer Weise mitgeteilt, dass gezeigt werden konnte, dass selbst über das Tatsächliche, rein Tatsächliche, dieser Pastor ganz schlecht unterrichtet war. Jede Einzelheit, die er zutage förderte, musste man richtigstellen. Man musste einfach sagen: Es ist nicht wahr, dass Geisteswissenschaft oder Anthroposophie dieses sagt — du sagst es, das ist wahr und so weiter. Jener Herr, der im Frühling auf dem Reformtage gesprochen hat in Aarau, bringt es zuwege, als gleichbedeutende Quellen nebeneinander die zwei Schriften zu nennen — die eine, die durch die andere völlig aus der Welt geschafft wird, weil sie einfach zeigt, dass sie tatsächliche Unwahrheiten enthält.
[ 58 ] Das, sehr verehrte Anwesende, ist eine Methode, der gegenüber man nicht mehr bloß von Missverständnissen sprechen kann, der gegenüber man von etwas ganz anderem sprechen muss; denn wenn jemand in einer solchen Weise das Richtige vor sich hat, und er sagt es nicht, sondern sagt das Gegenteil, von dem er wissen muss, dass es unrichtig ist, so ist das noch etwas ganz anderes als ein Missverständnis. Und ich überlasse es Ihnen, sehr verehrte Anwesende, das richtige Wort in Ihrer Seele zu fühlen!
[ 58 ] Das, sehr verehrte Anwesende, ist eine Methode, der gegenüber man nicht mehr bloß von Missverständnissen sprechen kann, der gegenüber man von etwas ganz anderem sprechen muss; denn wenn jemand in einer solchen Weise das Richtige vor sich hat, und er sagt es nicht, sondern sagt das Gegenteil, von dem er wissen muss, dass es unrichtig ist, so ist das noch etwas ganz anderes als ein Missverständnis. Und ich überlasse es Ihnen, sehr verehrte Anwesende, das richtige Wort in Ihrer Seele zu fühlen!
[ 59 ] Aber weiter, man kann in diesem Vortrage, der da gehalten und gedruckt worden ist, ja erleben, dass gesagt wird, um Geisteswissenschaft insbesondere vor christlich fühlenden Menschen herabzusetzen, dass gesagt wird: dass ich als Vertreter der Geisteswissenschaft [und] andere Geisteswissenschaftler zum Christentum freilich sich bekennen wollen, aber nur insofern, als sie dieses Christentum in einer ganz besonderen Weise auffassen würden. Und diese Auffassung, die ja der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, gegenüber dem Christentum entgegengehalten wird, das ist allerdings eine besondere Auffassung. Und es ist bemerkenswert genug, gerade dies hier vorzubringen, wörtlich, wie es von diesem Herrn gesagt worden ist:
[ 59 ] Aber weiter, man kann in diesem Vortrage, der da gehalten und gedruckt worden ist, ja erleben, dass gesagt wird, um Geisteswissenschaft insbesondere vor christlich fühlenden Menschen herabzusetzen, dass gesagt wird: dass ich als Vertreter der Geisteswissenschaft [und] andere Geisteswissenschaftler zum Christentum freilich sich bekennen wollen, aber nur insofern, als sie dieses Christentum in einer ganz besonderen Weise auffassen würden. Und diese Auffassung, die ja der Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, gegenüber dem Christentum entgegengehalten wird, das ist allerdings eine besondere Auffassung. Und es ist bemerkenswert genug, gerade dies hier vorzubringen, wörtlich, wie es von diesem Herrn gesagt worden ist:
Wir erkennen jetzt auch
Wir erkennen jetzt auch
[ 60 ] sagt er—
[ 60 ] sagt er—
in welchem Sinn gerade Dr. Steiner zu der Behauptung kommen kann, wir sind nicht gegen das Christentum, wir sind sogar schließlich die eigentlichen Christen.
in welchem Sinn gerade Dr. Steiner zu der Behauptung kommen kann, wir sind nicht gegen das Christentum, wir sind sogar schließlich die eigentlichen Christen.
[ 61 ] Alles dieses ist nicht in der Form gesagt worden, sondern von dem Herrn so formuliert. Aber es knüpft an an dasjenige, was in der genannten Broschüre von mir als Aufgabe der Anthroposophie, über die Stellung der Geisteswissenschaft zum Christentum gesagt wird, insoferne dort nachgewiesen wird, dass Geisteswissenschaft gerade durch die religiösen Bedürfnisse der Seele etwas wieder erzeugt in der Menschheit, das die besten Stützen für das Christentum werden soll und kann. Mit Bezug darauf wird weiter gesagt:
[ 61 ] Alles dieses ist nicht in der Form gesagt worden, sondern von dem Herrn so formuliert. Aber es knüpft an an dasjenige, was in der genannten Broschüre von mir als Aufgabe der Anthroposophie, über die Stellung der Geisteswissenschaft zum Christentum gesagt wird, insoferne dort nachgewiesen wird, dass Geisteswissenschaft gerade durch die religiösen Bedürfnisse der Seele etwas wieder erzeugt in der Menschheit, das die besten Stützen für das Christentum werden soll und kann. Mit Bezug darauf wird weiter gesagt:
Christus war in den Augen der Anthroposophen ein solcher, der die höheren Mächte erschaute.
Christus war in den Augen der Anthroposophen ein solcher, der die höheren Mächte erschaute.
[ 62 ] Absolut unwahr! In dieser Weise ist es nie gesagt worden. Zwar ist es selbstverständlich, dass Christus die höheren Mächte erschaute, aber mit dem, was darauf folgt nunmehr in dem Text des Schriftchens, wird es, gegenüber der Anthroposophie hervorgehoben, eine Absurdität:
[ 62 ] Absolut unwahr! In dieser Weise ist es nie gesagt worden. Zwar ist es selbstverständlich, dass Christus die höheren Mächte erschaute, aber mit dem, was darauf folgt nunmehr in dem Text des Schriftchens, wird es, gegenüber der Anthroposophie hervorgehoben, eine Absurdität:
Dr. Steiner, der Lehrer, wird auch glauben, dass er diese Mächte erschaut und an ihnen teilnimmt.
Dr. Steiner, der Lehrer, wird auch glauben, dass er diese Mächte erschaut und an ihnen teilnimmt.
[ 63 ] Man sieht, aus welchem Geiste heraus hier die Dinge dargestellt werden!
[ 63 ] Man sieht, aus welchem Geiste heraus hier die Dinge dargestellt werden!
Aber auch jeder unter uns soll ja dieser Kräfte teilhaftig werden können, wenn er sich mit genügender Ausdauer im Schauen übt. So kommt es denn wieder auf die nämliche Forderung heraus, die schon der erwähnte russische Mystiker Solowjow erhoben hat, wir könnten und sollten alle Christusse sein, übrigens eine Forderung, die schon jeder Mystiker, der so freundlich war auf das Christentum Rücksicht zu nehmen, erhoben hat.
Aber auch jeder unter uns soll ja dieser Kräfte teilhaftig werden können, wenn er sich mit genügender Ausdauer im Schauen übt. So kommt es denn wieder auf die nämliche Forderung heraus, die schon der erwähnte russische Mystiker Solowjow erhoben hat, wir könnten und sollten alle Christusse sein, übrigens eine Forderung, die schon jeder Mystiker, der so freundlich war auf das Christentum Rücksicht zu nehmen, erhoben hat.
[ 64 ] So viel Worte, so viel wirkliche Unwahrheiten, sehr verehrte Anwesende! Und das nennt sich christlich, das protestiert aus dem Geiste des Christentums heraus gegen Geisteswissenschaft oder Anthroposophie.
[ 64 ] So viel Worte, so viel wirkliche Unwahrheiten, sehr verehrte Anwesende! Und das nennt sich christlich, das protestiert aus dem Geiste des Christentums heraus gegen Geisteswissenschaft oder Anthroposophie.
[ 65 ] Ich habe heute auseinandergesetzt, inwiefern Geisteswissenschaft oder Anthroposophie dazu berufen ist, das Denken gerade lebendig zu machen, sodass das Denken zu einem höheren Sinnesorgan wird. Nun, Sie konnten erkennen, sehr verehrte Anwesende, dass in mehrfacher Weise gerade auf die Entwicklung des Denkens geschaut wird. Wenn auch das Denken etwas anderes wird, etwas, das sich zur Lebendigkeit der geistigen Anschauung steigert, die nicht unrealer, sondern viel realer ist als die physisch-sinnliche Anschauung. Der Herr aber, der also Anthroposophie vor der Mitwelt — ich will nicht sagen, was er will —, er kommt aber dazu, zu behaupten:
[ 65 ] Ich habe heute auseinandergesetzt, inwiefern Geisteswissenschaft oder Anthroposophie dazu berufen ist, das Denken gerade lebendig zu machen, sodass das Denken zu einem höheren Sinnesorgan wird. Nun, Sie konnten erkennen, sehr verehrte Anwesende, dass in mehrfacher Weise gerade auf die Entwicklung des Denkens geschaut wird. Wenn auch das Denken etwas anderes wird, etwas, das sich zur Lebendigkeit der geistigen Anschauung steigert, die nicht unrealer, sondern viel realer ist als die physisch-sinnliche Anschauung. Der Herr aber, der also Anthroposophie vor der Mitwelt — ich will nicht sagen, was er will —, er kommt aber dazu, zu behaupten:
Nie aber könnten des Weiteren wir beistimmen dem Aufgeben und Verachten des menschlichen Denkens und Sinnens, wie es die Mystik fordert.
Nie aber könnten des Weiteren wir beistimmen dem Aufgeben und Verachten des menschlichen Denkens und Sinnens, wie es die Mystik fordert.
[ 66 ] Das ist dasjenige, wovon man sagen muss: Es werden erst so, wie man sie braucht, die Bilder von dieser Anthroposophie geschaffen, dann ist es allerdings sehr leicht, diese selbst geschaffenen Bilder zu widerlegen.
[ 66 ] Das ist dasjenige, wovon man sagen muss: Es werden erst so, wie man sie braucht, die Bilder von dieser Anthroposophie geschaffen, dann ist es allerdings sehr leicht, diese selbst geschaffenen Bilder zu widerlegen.
[ 67 ] Der Geistesforscher könnte über diese Dinge, ohne sie zu berücksichtigen, [hinweggehen], wenn es nur auf ihn und die Geistesforschung ankäme; aber es kommt darauf an, dass Geistesforschung oder Anthroposophie die Möglichkeit findet, sich hineinzustellen in die Welt, weil die Welt heute die Geisteswissenschaft so braucht, wie sie vor drei- bis vierhundert Jahren das Eintreten der Naturwissenschaft gebraucht hat. Wir brauchen nicht darauf einzugehen, wiederum neuerdings an diesem Orte [zu] beweisen, dass die Sehnsucht nach Geisteswissenschaft, nach solcher Erkenntnis der Welt- und der Seelenrätsel, wie ich sie heute geschildert habe, nicht durch irgendeine Phantastik an die Oberfläche durch die Geisteswissenschaft gebracht worden ist, sondern wir können gerade hier auf einen Mann hinweisen, der jetzt bald vor einem Jahrhundert gelehrt hat — zwar noch nicht vom Gesichtspunkt der jetzigen Geisteswissenschaft, dazumal war die Zeit dazu noch nicht gekommen —, aber aus den Sehnsuchten seiner Zeit, aus den tieferen Sehnsuchten nach Lösung der Seelenrätsel seiner Zeit heraus den Ausblick gerade auf diese Art Geistesforschung, wie sie heute hier geschildert worden ist von mir, gegeben hat.
[ 67 ] Der Geistesforscher könnte über diese Dinge, ohne sie zu berücksichtigen, [hinweggehen], wenn es nur auf ihn und die Geistesforschung ankäme; aber es kommt darauf an, dass Geistesforschung oder Anthroposophie die Möglichkeit findet, sich hineinzustellen in die Welt, weil die Welt heute die Geisteswissenschaft so braucht, wie sie vor drei- bis vierhundert Jahren das Eintreten der Naturwissenschaft gebraucht hat. Wir brauchen nicht darauf einzugehen, wiederum neuerdings an diesem Orte [zu] beweisen, dass die Sehnsucht nach Geisteswissenschaft, nach solcher Erkenntnis der Welt- und der Seelenrätsel, wie ich sie heute geschildert habe, nicht durch irgendeine Phantastik an die Oberfläche durch die Geisteswissenschaft gebracht worden ist, sondern wir können gerade hier auf einen Mann hinweisen, der jetzt bald vor einem Jahrhundert gelehrt hat — zwar noch nicht vom Gesichtspunkt der jetzigen Geisteswissenschaft, dazumal war die Zeit dazu noch nicht gekommen —, aber aus den Sehnsuchten seiner Zeit, aus den tieferen Sehnsuchten nach Lösung der Seelenrätsel seiner Zeit heraus den Ausblick gerade auf diese Art Geistesforschung, wie sie heute hier geschildert worden ist von mir, gegeben hat.
[ 68 ] Demgegenüber nimmt es sich allerdings sonderbar aus, wenn man, ich möchte sagen mit einer gerade nicht sehr hohen Gesinnungsart für diejenigen, die hierzulande leben, diese Geisteswissenschaft erst zusammenstellen will mit allen möglichen anderen dilettantischen Wissenschaften, und dann sagt: wie diese, so sei auch die Anthroposophie oder Geisteswissenschaft nicht aus dem schweizerischen Leben herausgewachsen, sondern wie alle erst hereinverpflanzt worden. Gerade demgegenüber darf auf einen in der Schweiz geborenen, in der Schweiz 1866 gestorbenen Mann hingewiesen werden, der in Basel und hier in Bern gelehrt hat. Es darf nicht so ausgelegt werden, als ob dieser Mann schon ein Geistesforscher im heutigen Sinne gewesen wäre; aber er war auf dem Wege, und seine innere Seelenverfassung und Seelenstimmung war so, wie sie nur weiter ausgebildet zu werden braucht, um hineinzudringen zu dem, was heute geschildert worden ist. Ich meine Troxler, der in Basel und Bern gelehrt hat, der 1866 gestorben ist, der an demselben Orte eine «Naturlehre» erscheinen ließ, eine «Naturlehre des menschlichen Erkennens» erscheinen ließ, 1828, währendem heute Anthroposophie angeschwärzt wird.
[ 68 ] Demgegenüber nimmt es sich allerdings sonderbar aus, wenn man, ich möchte sagen mit einer gerade nicht sehr hohen Gesinnungsart für diejenigen, die hierzulande leben, diese Geisteswissenschaft erst zusammenstellen will mit allen möglichen anderen dilettantischen Wissenschaften, und dann sagt: wie diese, so sei auch die Anthroposophie oder Geisteswissenschaft nicht aus dem schweizerischen Leben herausgewachsen, sondern wie alle erst hereinverpflanzt worden. Gerade demgegenüber darf auf einen in der Schweiz geborenen, in der Schweiz 1866 gestorbenen Mann hingewiesen werden, der in Basel und hier in Bern gelehrt hat. Es darf nicht so ausgelegt werden, als ob dieser Mann schon ein Geistesforscher im heutigen Sinne gewesen wäre; aber er war auf dem Wege, und seine innere Seelenverfassung und Seelenstimmung war so, wie sie nur weiter ausgebildet zu werden braucht, um hineinzudringen zu dem, was heute geschildert worden ist. Ich meine Troxler, der in Basel und Bern gelehrt hat, der 1866 gestorben ist, der an demselben Orte eine «Naturlehre» erscheinen ließ, eine «Naturlehre des menschlichen Erkennens» erscheinen ließ, 1828, währendem heute Anthroposophie angeschwärzt wird.
[ 69 ] Man findet bei Troxler dasjenige, was ich heute Ätherleib genannt habe, was das Denken in der geschilderten Weise durchdringt, mit dem Namen belegt: «Schema pneumatikon». Man findet bei Troxler in einer wunderbaren Weise — sodass man in inniger Art nahetritt dieser großen Natur, die nur nicht aus den Grenzen ihrer Zeit herauskonnte, aber die Sehnsucht hatte nach dem, wo hinein man heute erst wachsen kann —, man findet bei diesem Vital Troxler geschildert alles das, was der Geistesforscher durchmachen muss, um die inneren Kräfte des Seelenlebens sich zu erschließen. Da sagt Troxler in dieser Naturgeschichte, die erschienen ist wie scheinbar durch einen merkwürdigen Zufall vor jetzt beinahe hundert Jahren an demselben Orte, wo heute Anthroposophie angeschwärzt wird, da findet man bei diesem Troxler die Worte:
[ 69 ] Man findet bei Troxler dasjenige, was ich heute Ätherleib genannt habe, was das Denken in der geschilderten Weise durchdringt, mit dem Namen belegt: «Schema pneumatikon». Man findet bei Troxler in einer wunderbaren Weise — sodass man in inniger Art nahetritt dieser großen Natur, die nur nicht aus den Grenzen ihrer Zeit herauskonnte, aber die Sehnsucht hatte nach dem, wo hinein man heute erst wachsen kann —, man findet bei diesem Vital Troxler geschildert alles das, was der Geistesforscher durchmachen muss, um die inneren Kräfte des Seelenlebens sich zu erschließen. Da sagt Troxler in dieser Naturgeschichte, die erschienen ist wie scheinbar durch einen merkwürdigen Zufall vor jetzt beinahe hundert Jahren an demselben Orte, wo heute Anthroposophie angeschwärzt wird, da findet man bei diesem Troxler die Worte:
Lange bin ich dem Verstand und der Vernunft nachgegangen und nachgegangen, denn ich glaubte, sie zusammen zeugten die Weisheit, und habe die Weisheit auch gesucht am hellen Tage und in dunkler Nacht, in der Welt, im Leben, in heiligen wie unheiligen Büchern, bei den Tieren und Pflanzen wie unter den Menschen; ich habe nach ihr gefragt, bei den Sternen und bei den Steinen, die Natur und mich selbst, Himmel und Erde und habe wohl Verstand gefunden in allem, aber keine Weisheit, die vor Gott und der Welt bestünde und mich lehren konnte, woher ich gekommen, was ich jetzt hier sei und soll und was zu werden ich bestimmt? Denn dies war es, was mir immer am tiefsten im Sinn und überall zunächst am Herzen lag.
Und wenn ich so sann und forschend mich vertiefte, fühlte ich innig und heiß in mir jene Angstqual der Seele sieden und jenes Angstrad der Natur rollen und rasseln wie Böhme und andere, bald wie Schrack in dem Zweifel, bald wie Blitz in dem Meinen, bald wie Glast in dem Glauben; aber es lief in dem Rade alles um- und durcheinander, und die Angst gebar die unaussprechlichste Bangigkeit in mir, mit geistigen Fieberschauern bis zur furcht barsten Gemütsnot.
Lange bin ich dem Verstand und der Vernunft nachgegangen und nachgegangen, denn ich glaubte, sie zusammen zeugten die Weisheit, und habe die Weisheit auch gesucht am hellen Tage und in dunkler Nacht, in der Welt, im Leben, in heiligen wie unheiligen Büchern, bei den Tieren und Pflanzen wie unter den Menschen; ich habe nach ihr gefragt, bei den Sternen und bei den Steinen, die Natur und mich selbst, Himmel und Erde und habe wohl Verstand gefunden in allem, aber keine Weisheit, die vor Gott und der Welt bestünde und mich lehren konnte, woher ich gekommen, was ich jetzt hier sei und soll und was zu werden ich bestimmt? Denn dies war es, was mir immer am tiefsten im Sinn und überall zunächst am Herzen lag.
Und wenn ich so sann und forschend mich vertiefte, fühlte ich innig und heiß in mir jene Angstqual der Seele sieden und jenes Angstrad der Natur rollen und rasseln wie Böhme und andere, bald wie Schrack in dem Zweifel, bald wie Blitz in dem Meinen, bald wie Glast in dem Glauben; aber es lief in dem Rade alles um- und durcheinander, und die Angst gebar die unaussprechlichste Bangigkeit in mir, mit geistigen Fieberschauern bis zur furcht barsten Gemütsnot.
[ 70 ] Und dann weist Troxler darauf hin, wie er aus diesem Erkenntnis-Erlebnisse heraus geboren sich hat dasjenige, was er mit seinen Worten nun das «Urbewusstsein» nennt.
[ 70 ] Und dann weist Troxler darauf hin, wie er aus diesem Erkenntnis-Erlebnisse heraus geboren sich hat dasjenige, was er mit seinen Worten nun das «Urbewusstsein» nennt.
[ 71 ] Verfolgt man diese Worte und versteht man sie, dann fühlt man unter seiner «Angstqual» dasjenige, was der Geistesforscher erlebt, wenn er sich nähert durch das Weltendenken der Eigenkraft dieses Denkens, das überschauen kann diesen großen, Ihnen heute geschilderten Lebensrhythmus; dann versteht man Troxler, wonach er sich sehnt, wenn er spricht von «dem Rade der Natur, das rollt und rasselt». Das ist das Rad, das jenen großen Rhythmus vor sich gehen lässt, welcher angeschaut wird von diesem höheren Geist-Sinnes-Organ. Und Troxler nennt das in seiner Art, was da aufgeht in der Seele, nun das [Urbewusstsein], jenes [Urbewusstsein], das dem gewöhnlichen Alltagsbewusstsein und auch gewöhnlichen wissenschaftlichen Bewusstsein zugrunde liegt. Und dann sagt Troxler:
[ 71 ] Verfolgt man diese Worte und versteht man sie, dann fühlt man unter seiner «Angstqual» dasjenige, was der Geistesforscher erlebt, wenn er sich nähert durch das Weltendenken der Eigenkraft dieses Denkens, das überschauen kann diesen großen, Ihnen heute geschilderten Lebensrhythmus; dann versteht man Troxler, wonach er sich sehnt, wenn er spricht von «dem Rade der Natur, das rollt und rasselt». Das ist das Rad, das jenen großen Rhythmus vor sich gehen lässt, welcher angeschaut wird von diesem höheren Geist-Sinnes-Organ. Und Troxler nennt das in seiner Art, was da aufgeht in der Seele, nun das [Urbewusstsein], jenes [Urbewusstsein], das dem gewöhnlichen Alltagsbewusstsein und auch gewöhnlichen wissenschaftlichen Bewusstsein zugrunde liegt. Und dann sagt Troxler:
Hier ist wohl auch die Art zu erwähnen, wie die Mystik meistens den Menschen in Gott, so wie die Philosophie Gott im Menschen verlierend, dies Urverhältnis der menschlichen Natur, das anthroposophisch zu ergründen der Mensch sich begnügen soll, in theosophische Spekulationen von sich auf Gott selbst übertragen hat.
Hier ist wohl auch die Art zu erwähnen, wie die Mystik meistens den Menschen in Gott, so wie die Philosophie Gott im Menschen verlierend, dies Urverhältnis der menschlichen Natur, das anthroposophisch zu ergründen der Mensch sich begnügen soll, in theosophische Spekulationen von sich auf Gott selbst übertragen hat.
[ 72 ] Troxler fordert eine anthroposophische Betrachtungsweise, wie man sie in der damaligen Zeit fordern konnte. Durch den Gang der naturwissenschaftlichen Entwicklung sind solche Sehnsuchten zurückgetrieben worden. Heute müssen sie wieder erstehen. Denn dasjenige [gerade] was die Naturwissenschaften gebracht haben, das fordert auf, dass zu ihnen ergänzend hinzutrete dasjenige, was Geisteswissenschaft bringen kann.
[ 72 ] Troxler fordert eine anthroposophische Betrachtungsweise, wie man sie in der damaligen Zeit fordern konnte. Durch den Gang der naturwissenschaftlichen Entwicklung sind solche Sehnsuchten zurückgetrieben worden. Heute müssen sie wieder erstehen. Denn dasjenige [gerade] was die Naturwissenschaften gebracht haben, das fordert auf, dass zu ihnen ergänzend hinzutrete dasjenige, was Geisteswissenschaft bringen kann.
[ 73 ] Und dann sagt Troxler weiter, indem er dasjenige, was gewissermaßen die seelischen Erfahrungen überfliegen und sich mit einem Sprunge in die Gottheit selber versetzen will, mit seinen Worten «Theosophie» nennt, während er «Anthroposophie» anstrebt:
[ 73 ] Und dann sagt Troxler weiter, indem er dasjenige, was gewissermaßen die seelischen Erfahrungen überfliegen und sich mit einem Sprunge in die Gottheit selber versetzen will, mit seinen Worten «Theosophie» nennt, während er «Anthroposophie» anstrebt:
Die Theosophie überhaupt trifft der Vorwurf, dass sie versäumt hat, sich anthroposophisch zu begründen.
Die Theosophie überhaupt trifft der Vorwurf, dass sie versäumt hat, sich anthroposophisch zu begründen.
[ 74 ] Und dann sagt er, so recht damit andeutend, dass er, so wie Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft sich stellen muss:
[ 74 ] Und dann sagt er, so recht damit andeutend, dass er, so wie Geisteswissenschaft zur Naturwissenschaft sich stellen muss:
Alle wahre Physiologie und Physiologie, und wir begreifen darunter alles menschliche Wissen und Sein, Können und Tun, haben ihren Grund in der menschlichen Natur und ihrer Philosophie oder in der Anthroposophie.
Alle wahre Physiologie und Physiologie, und wir begreifen darunter alles menschliche Wissen und Sein, Können und Tun, haben ihren Grund in der menschlichen Natur und ihrer Philosophie oder in der Anthroposophie.
[ 75 ] Wahrhaft, man steht hier nicht fern der historischen Entwicklung jener Sehnsuchten, die damals dunkel und wie unverstanden in dem großen Schweizer Troxler aufstiegen und die ihre Erfüllung finden sollen gerade durch Geisteswissenschaft oder Anthroposophie.
[ 75 ] Wahrhaft, man steht hier nicht fern der historischen Entwicklung jener Sehnsuchten, die damals dunkel und wie unverstanden in dem großen Schweizer Troxler aufstiegen und die ihre Erfüllung finden sollen gerade durch Geisteswissenschaft oder Anthroposophie.
[ 76 ] Derjenige, der sich einzuleben vermag in den Impuls dessen, was Geisteswissenschaft der Menschheit sein mag, der darf wohl darauf hinweisen, welches das Schicksal zunächst paradox erscheinender Wahrheiten überhaupt in der Welt sein kann und wird, immer mehr und mehr. Die Naturwissenschaften haben geglaubt im neunzehnten Jahrhundert, mit demjenigen, was sie auf den großartig begründeten Darwinismus aufgebaut haben, selber die großen Seelenrätsel zu lösen.
[ 76 ] Derjenige, der sich einzuleben vermag in den Impuls dessen, was Geisteswissenschaft der Menschheit sein mag, der darf wohl darauf hinweisen, welches das Schicksal zunächst paradox erscheinender Wahrheiten überhaupt in der Welt sein kann und wird, immer mehr und mehr. Die Naturwissenschaften haben geglaubt im neunzehnten Jahrhundert, mit demjenigen, was sie auf den großartig begründeten Darwinismus aufgebaut haben, selber die großen Seelenrätsel zu lösen.
[ 77 ] Da darf hingewiesen werden auf zwei Tatsachen: Die eine ist sehr lehrreich, und sie sollten sich viele vor die Seele stellen, die leichthin aburteilen über dasjenige, was sich in neuer Art in die Geistesentwicklung der Menschheit hereinstellt. Nicht dass ich irgendwie mich auf den Standpunkt stellen möchte, der «Philosophie des Unbewussten» von Eduard von Hartmann; aber er hat doch wenigstens auf dieses Unbewusste hingewiesen, das nicht, wie es die Psychoanalyse macht, dilettantisch herangeholt werden kann, sondern das mit voller Klarheit herangeholt werden muss, wie es durch Anthroposophie oder Geisteswissenschaft geschieht.
[ 77 ] Da darf hingewiesen werden auf zwei Tatsachen: Die eine ist sehr lehrreich, und sie sollten sich viele vor die Seele stellen, die leichthin aburteilen über dasjenige, was sich in neuer Art in die Geistesentwicklung der Menschheit hereinstellt. Nicht dass ich irgendwie mich auf den Standpunkt stellen möchte, der «Philosophie des Unbewussten» von Eduard von Hartmann; aber er hat doch wenigstens auf dieses Unbewusste hingewiesen, das nicht, wie es die Psychoanalyse macht, dilettantisch herangeholt werden kann, sondern das mit voller Klarheit herangeholt werden muss, wie es durch Anthroposophie oder Geisteswissenschaft geschieht.
[ 78 ] Aber Eduard von Hartmann hat durch zahlreiche Hypothesen, wie vielfachen Spekulationen, aber doch in geistvoller Weise auf dasjenige gewiesen, auf das Troxler in einer anderen Zeit schon vorher hinwies, auf das, was durch Geisteswissenschaft für die Seelenrätsel kommen soll.
[ 78 ] Aber Eduard von Hartmann hat durch zahlreiche Hypothesen, wie vielfachen Spekulationen, aber doch in geistvoller Weise auf dasjenige gewiesen, auf das Troxler in einer anderen Zeit schon vorher hinwies, auf das, was durch Geisteswissenschaft für die Seelenrätsel kommen soll.
[ 79 ] Er hat aber auch in seiner «Philosophie des Unbewussten» 1865 gezeigt, wie das, was naturwissenschaftliche Methode für das geistig in der Welt Vorhandene, wirken kann, nicht ausreichen kann. Und er hat gezeigt, dass gerade die naturwissenschaftlichen Tatsachen selber es notwendig machen, sagen wir, den Geist auch in der Tier-, in der Pflanzen-, in der Mineralwelt zu verfolgen. Da traten die Naturforscher, die bedeutenden Naturforscher der Welt, gegen ihn auf. Man kann es heute noch nachlesen, wie Oscar Schmidt, der berühmte Biograf des Darwin, gegen ihn aufgetreten ist, Ernst Haeckel selber, viele andere, und sagten: Da will so ein Philosoph anknüpfen an die Naturwissenschaft; aber er spricht doch nur wie ein Laie, wie ein Dilettant; man braucht auf ihn nicht zu hören.
[ 79 ] Er hat aber auch in seiner «Philosophie des Unbewussten» 1865 gezeigt, wie das, was naturwissenschaftliche Methode für das geistig in der Welt Vorhandene, wirken kann, nicht ausreichen kann. Und er hat gezeigt, dass gerade die naturwissenschaftlichen Tatsachen selber es notwendig machen, sagen wir, den Geist auch in der Tier-, in der Pflanzen-, in der Mineralwelt zu verfolgen. Da traten die Naturforscher, die bedeutenden Naturforscher der Welt, gegen ihn auf. Man kann es heute noch nachlesen, wie Oscar Schmidt, der berühmte Biograf des Darwin, gegen ihn aufgetreten ist, Ernst Haeckel selber, viele andere, und sagten: Da will so ein Philosoph anknüpfen an die Naturwissenschaft; aber er spricht doch nur wie ein Laie, wie ein Dilettant; man braucht auf ihn nicht zu hören.
[ 80 ] Nun, unter den Gegenschriften, sehr verehrte Anwesende, die dazumal gegen Hartmann, gegen die «Philosophie des Unbewussten» erschienen, war eine, die von einem Anonymus, der sich zunächst nicht nannte. Sie hieß: «Das Unbewusste vom Standpunkt der Naturwissenschaft aus». Sie war aus einer großen Erkenntnis geschrieben und widerlegte aus dem Geiste der damaligen naturwissenschaftlichen Hoffnungen heraus in glänzender Weise diesen Dilettanten Eduard von Hartmann. Oscar Schmidt, Haeckel selber und andere waren sehr zufrieden, und Haeckel selber sagte: Das ist recht, dass diese Schrift gegen diesen Dilettanten Eduard von Hartmann, diesen philosophischen Dilettanten, erschienen ist. Es ist nur schade, dass sich dieser Philosoph nicht genannt hat. Er nenne sich uns! Denn das ist einer — Besseres könnten wir selber nicht sagen gegen diesen Philosophen Eduard von Hartmann —, das ist einer, der versteht, aus dem innersten Nerv der Naturwissenschaft heraus zu sprechen. Es war bald eine zweite Auflage nötig für diese Schrift, denn die Naturforscher hatten große Propaganda dafür gemacht. In der zweiten Auflage nannte sich der Verfassen: Es war Eduard von Hartmann!
[ 80 ] Nun, unter den Gegenschriften, sehr verehrte Anwesende, die dazumal gegen Hartmann, gegen die «Philosophie des Unbewussten» erschienen, war eine, die von einem Anonymus, der sich zunächst nicht nannte. Sie hieß: «Das Unbewusste vom Standpunkt der Naturwissenschaft aus». Sie war aus einer großen Erkenntnis geschrieben und widerlegte aus dem Geiste der damaligen naturwissenschaftlichen Hoffnungen heraus in glänzender Weise diesen Dilettanten Eduard von Hartmann. Oscar Schmidt, Haeckel selber und andere waren sehr zufrieden, und Haeckel selber sagte: Das ist recht, dass diese Schrift gegen diesen Dilettanten Eduard von Hartmann, diesen philosophischen Dilettanten, erschienen ist. Es ist nur schade, dass sich dieser Philosoph nicht genannt hat. Er nenne sich uns! Denn das ist einer — Besseres könnten wir selber nicht sagen gegen diesen Philosophen Eduard von Hartmann —, das ist einer, der versteht, aus dem innersten Nerv der Naturwissenschaft heraus zu sprechen. Es war bald eine zweite Auflage nötig für diese Schrift, denn die Naturforscher hatten große Propaganda dafür gemacht. In der zweiten Auflage nannte sich der Verfassen: Es war Eduard von Hartmann!
[ 81 ] Es war einmal ein Exempel statuiert, dass derjenige, der in der Tat bestimmt ist dazu, von seinem Gesichtspunkte heraus anders zu sprechen als solche Gegner, dass er sich schon, wenn er will, auch in den Standpunkt seiner Gegner stellen kann. Und der Geistesforscher könnte wahrhaftig, wenn es vonnöten wäre, alles dasjenige aufbringen, was so seine gewöhnlichen Gegner heute gegen die Geistesforschung aufzubringen vermögen.
[ 81 ] Es war einmal ein Exempel statuiert, dass derjenige, der in der Tat bestimmt ist dazu, von seinem Gesichtspunkte heraus anders zu sprechen als solche Gegner, dass er sich schon, wenn er will, auch in den Standpunkt seiner Gegner stellen kann. Und der Geistesforscher könnte wahrhaftig, wenn es vonnöten wäre, alles dasjenige aufbringen, was so seine gewöhnlichen Gegner heute gegen die Geistesforschung aufzubringen vermögen.
[ 82 ] Interessant ist übrigens auch die andere Tatsache, einer der bedeutenden Schüler Haeckels, der ganz hervorgegangen ist aus Haeckels Vorstellungsart, er hat sich wieder in seinem Leben weiterentwickelt. Vor Kurzem ist sein bedeutendes Buch erschienen «Das Werden der Organismen», das «eine Widerlegung» darstellen soll, wie er sich ausdrückt, «der Darwin’schen Zufallstheorie»: Oscar Hertwig. Und in diesem Buche ist alle Augenblicke Eduard von Hartmann zitiert — mit dem man dazumal in der geschilderten Art zu Werke gegangen ist —, Eduard von Hartmann in der Weise zitiert, dass auf ihn berufen wird, sogar da, wo er davon spricht, die naturwissenschaftlichen Begriffe, die das neunzehnte Jahrhundert so ausgebildet hat, dass sie auch für das Seelenleben angewendet, sich werden verhalten so, wie diese sich zu den Kinderkrankheiten der Naturwissenschaften verhielten. Sogar das zitiert heute der Schüler Haeckels, Oscar Hertwig, bereits heute: «Oh, die Naturwissenschaft beweist selbst durch ihre eigene Entwicklung die Notwendigkeit der Geisteswissenschaft.»
[ 82 ] Interessant ist übrigens auch die andere Tatsache, einer der bedeutenden Schüler Haeckels, der ganz hervorgegangen ist aus Haeckels Vorstellungsart, er hat sich wieder in seinem Leben weiterentwickelt. Vor Kurzem ist sein bedeutendes Buch erschienen «Das Werden der Organismen», das «eine Widerlegung» darstellen soll, wie er sich ausdrückt, «der Darwin’schen Zufallstheorie»: Oscar Hertwig. Und in diesem Buche ist alle Augenblicke Eduard von Hartmann zitiert — mit dem man dazumal in der geschilderten Art zu Werke gegangen ist —, Eduard von Hartmann in der Weise zitiert, dass auf ihn berufen wird, sogar da, wo er davon spricht, die naturwissenschaftlichen Begriffe, die das neunzehnte Jahrhundert so ausgebildet hat, dass sie auch für das Seelenleben angewendet, sich werden verhalten so, wie diese sich zu den Kinderkrankheiten der Naturwissenschaften verhielten. Sogar das zitiert heute der Schüler Haeckels, Oscar Hertwig, bereits heute: «Oh, die Naturwissenschaft beweist selbst durch ihre eigene Entwicklung die Notwendigkeit der Geisteswissenschaft.»
[ 83 ] Dabei ist Geisteswissenschaft durchaus nicht geneigt, die großen naturwissenschaftlichen Errungenschaften nicht anzuerkennen. Sie erkennt sie voll an. Aber gerade indem sie sie anerkennt, sieht sie aus ihnen die Berechtigung ein, zu geistigen Forschungen vorzuschreiten. Da muss sie allerdings erfahren, dass sie auf Schwierigkeiten in der Gesinnung der Naturforscher hinweisen kann, durch die sich diese Naturforscher heute, da, wo sie Philosophen oder Weltbetrachter werden wollen, in einer sonderbaren Weise entpuppen.
[ 83 ] Dabei ist Geisteswissenschaft durchaus nicht geneigt, die großen naturwissenschaftlichen Errungenschaften nicht anzuerkennen. Sie erkennt sie voll an. Aber gerade indem sie sie anerkennt, sieht sie aus ihnen die Berechtigung ein, zu geistigen Forschungen vorzuschreiten. Da muss sie allerdings erfahren, dass sie auf Schwierigkeiten in der Gesinnung der Naturforscher hinweisen kann, durch die sich diese Naturforscher heute, da, wo sie Philosophen oder Weltbetrachter werden wollen, in einer sonderbaren Weise entpuppen.
[ 84 ] Indem ich in einem scheinbar gegnerischen Sinne spreche, meine sehr verehrten Anwesenden, möchte ich nicht unbedeutende Leute mir herausholen, denn da kann man leicht widerlegen, sondern im Gegenteil, gerade Menschen, die ich bewundere auf ihrem Gebiete, möchte ich am liebsten als diejenigen erwählen, deren Ansichten und Gesinnungen in das rechte Licht zu stellen sind.
[ 84 ] Indem ich in einem scheinbar gegnerischen Sinne spreche, meine sehr verehrten Anwesenden, möchte ich nicht unbedeutende Leute mir herausholen, denn da kann man leicht widerlegen, sondern im Gegenteil, gerade Menschen, die ich bewundere auf ihrem Gebiete, möchte ich am liebsten als diejenigen erwählen, deren Ansichten und Gesinnungen in das rechte Licht zu stellen sind.
[ 85 ] Da ist ein sehr bedeutender Naturforscher der Gegenwart, der vieles geleistet hat, insbesondere auf dem Gebiete der Astrophysik, der Chemie von einer gewissen Seite her, und so weiter, ein sehr verdienstvoller Mann, der ein schönes Buch geschrieben hat, erstens über die Geschichte der astronomischen Vorstellungen und auch über die astronomischen Vorstellungen der Gegenwart, die er selbst sehr bereichert hat.
[ 85 ] Da ist ein sehr bedeutender Naturforscher der Gegenwart, der vieles geleistet hat, insbesondere auf dem Gebiete der Astrophysik, der Chemie von einer gewissen Seite her, und so weiter, ein sehr verdienstvoller Mann, der ein schönes Buch geschrieben hat, erstens über die Geschichte der astronomischen Vorstellungen und auch über die astronomischen Vorstellungen der Gegenwart, die er selbst sehr bereichert hat.
[ 86 ] In der Vorrede schreibt er in einer merkwürdigen Weise, sodass man seine Gesinnungen aus dieser Schreiberei hervorgehen sieht. Da sagt er — ich möchte sagen, man kann da ertappen etwas, was da als Gesinnung lebt in dieser Region —, da sagte er:
[ 86 ] In der Vorrede schreibt er in einer merkwürdigen Weise, sodass man seine Gesinnungen aus dieser Schreiberei hervorgehen sieht. Da sagt er — ich möchte sagen, man kann da ertappen etwas, was da als Gesinnung lebt in dieser Region —, da sagte er:
dass wir in der «besten der Welten» leben, ist manchmal irgendwie versucht worden zu zeigen; man wird es aber schwierig beweisen können. Aber wahr, wenigstens für den Naturforscher wahr ist jedenfalls
dass wir in der «besten der Welten» leben, ist manchmal irgendwie versucht worden zu zeigen; man wird es aber schwierig beweisen können. Aber wahr, wenigstens für den Naturforscher wahr ist jedenfalls
[ 87 ] — meint der betreffende große Mann —
[ 87 ] — meint der betreffende große Mann —
für den Naturforscher wahr ist, dass wir jetzt in der «besten der Zeiten» leben.
für den Naturforscher wahr ist, dass wir jetzt in der «besten der Zeiten» leben.
[ 88 ] Er meint, so Bedeutendes an Einsichten in die Weltenrätsel hat keine Zeit gehabt wie die unsrige. Und deshalb, sagt er:
[ 88 ] Er meint, so Bedeutendes an Einsichten in die Weltenrätsel hat keine Zeit gehabt wie die unsrige. Und deshalb, sagt er:
kann man, sich berufend auf den großen Welt- und Menschenkenner
kann man, sich berufend auf den großen Welt- und Menschenkenner
[ 89 ] — bitte, beachten Sie das Folgende —,
[ 89 ] — bitte, beachten Sie das Folgende —,
den großen Welt- und Menschenkenner Goethe ausrufen:
«Es ist ein groß’ Ergötzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen.
Zu sehen, was ein großer Mann gedacht.
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.»
den großen Welt- und Menschenkenner Goethe ausrufen:
«Es ist ein groß’ Ergötzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen.
Zu sehen, was ein großer Mann gedacht.
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.»
[ 90 ] Schöne Enthüllung, aber bezeichnend, denn nicht Goethe spricht so, Goethe lässt nicht so den Faust sprechen, sondern er lässt den Wagner so sprechen, den er dem Faust gegenüberstellt. Und als der Wagner draußen ist — wir wollen das nicht anwenden auf den großen Naturforscher gegenwärtig, der sich also, indem er glaubt, sich mit Goethe zu identifizieren, mit dem Wagner identifiziert, wir wollen das nicht anwenden auf ihn; aber Goethe lässt Faust auf Wagner antworten:
[ 90 ] Schöne Enthüllung, aber bezeichnend, denn nicht Goethe spricht so, Goethe lässt nicht so den Faust sprechen, sondern er lässt den Wagner so sprechen, den er dem Faust gegenüberstellt. Und als der Wagner draußen ist — wir wollen das nicht anwenden auf den großen Naturforscher gegenwärtig, der sich also, indem er glaubt, sich mit Goethe zu identifizieren, mit dem Wagner identifiziert, wir wollen das nicht anwenden auf ihn; aber Goethe lässt Faust auf Wagner antworten:
Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer finder.
Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer finder.
[ 91 ] Die heutige Zeit ist viel zu wenig gründlich, um in die Dinge sich wirklich einzulassen. Es ist eine scheinbar unbedeutende Bemerkung, die ich eben gemacht habe; aber man kann eine Welt von Gesinnungen, die lebt an dem Orte, wo man vielfach heute über die Welträtsel spricht, belauschen, wenn man solch ein Sich-Versprechen entdeckt, wie dasjenige, was ich eben angeführt habe.
[ 91 ] Die heutige Zeit ist viel zu wenig gründlich, um in die Dinge sich wirklich einzulassen. Es ist eine scheinbar unbedeutende Bemerkung, die ich eben gemacht habe; aber man kann eine Welt von Gesinnungen, die lebt an dem Orte, wo man vielfach heute über die Welträtsel spricht, belauschen, wenn man solch ein Sich-Versprechen entdeckt, wie dasjenige, was ich eben angeführt habe.
[ 92 ] Und von solchem Geist und solcher Gesinnung sind auch durchdrungen diejenigen, die vom christlichen Standpunkte aus oftmals Geisteswissenschaft anschwärzen möchten.
[ 92 ] Und von solchem Geist und solcher Gesinnung sind auch durchdrungen diejenigen, die vom christlichen Standpunkte aus oftmals Geisteswissenschaft anschwärzen möchten.
[ 93 ] Der Geistesforscher wird immer mehr erkennen, wenn er sich in die Natur der Geisteswissenschaft einlässt, wie gerade durch seine Weltenbetrachtungen die Menschen, die durch die äußere Naturwissenschaft, in der sie sich so aufgeklärt fühlen, von religiösen Empfindungen abgebracht werden, und wie durch die Geistesforschung infolge einer höheren Aufklärung über die geistigen Welten die Seelen wieder hingetragen werden zu religiösem Fühlen und Empfinden. Unsere Zeit kann man bezeichnen als die Zeit, in der sich die Menschen müde erwiesen haben gegenüber dem religiösen Empfinden und Bedürfnis. Und man hat eigentlich sonderbare Gefühle, wenn man sieht, wie gerade die berufenen Vertreter der religiösen Bedürfnisse nicht erkennen, wie in der Geistesforschung ein Naturquell liegt für das Hinlenken der Seelen zum religiösen Fühlen und gerade auch zum religiösen christlichen Fühlen.
[ 93 ] Der Geistesforscher wird immer mehr erkennen, wenn er sich in die Natur der Geisteswissenschaft einlässt, wie gerade durch seine Weltenbetrachtungen die Menschen, die durch die äußere Naturwissenschaft, in der sie sich so aufgeklärt fühlen, von religiösen Empfindungen abgebracht werden, und wie durch die Geistesforschung infolge einer höheren Aufklärung über die geistigen Welten die Seelen wieder hingetragen werden zu religiösem Fühlen und Empfinden. Unsere Zeit kann man bezeichnen als die Zeit, in der sich die Menschen müde erwiesen haben gegenüber dem religiösen Empfinden und Bedürfnis. Und man hat eigentlich sonderbare Gefühle, wenn man sieht, wie gerade die berufenen Vertreter der religiösen Bedürfnisse nicht erkennen, wie in der Geistesforschung ein Naturquell liegt für das Hinlenken der Seelen zum religiösen Fühlen und gerade auch zum religiösen christlichen Fühlen.
[ 94 ] Derjenige, der den großen Lebensrhythmus erkennen lernt, der aus dem Weltenwillen heraus nicht nur eine menschliche Handlung, sondern uns selbst will, der entdeckt in diesem großen Weltenrhythmus, in dieser kosmischen Perspektive, die sich da vor ihm auftut, dass für ihn eine Naturkraft zur Geisteskraft geworden ist, den Kosmos durchdringt, jene Kraft, die man bezeichnen kann als die Kraft der geistigen Liebe. Anziehungskräfte, Abstoßungskräfte, Adhäsion-Kohäsions-Kräfte, magnetische Kräfte kennt man. [Die] Liebe will man nur gelten lassen als eine Erscheinung in der physischen Welt, die sich von Mensch zu Mensch, von Tier zu Tier entwickelt. Aber dasjenige, was sich in der physischen Welt von Mensch zu Mensch entwickelt, und durch die der Mensch hereingetragen wird aus der geistigen in die physische Welt, das ist nur ein Abglanz der alle Welt durchdringenden Liebe. Und mit der Erkenntnis jener kosmischen Perspektive, die geschildert worden ist, mit jenem großen Lebensrhythmus, erkennt man die Liebe nur als eine das ganze Universum durchdringende Liebekraft, der man sein Dasein als Mensch verdankt.
[ 94 ] Derjenige, der den großen Lebensrhythmus erkennen lernt, der aus dem Weltenwillen heraus nicht nur eine menschliche Handlung, sondern uns selbst will, der entdeckt in diesem großen Weltenrhythmus, in dieser kosmischen Perspektive, die sich da vor ihm auftut, dass für ihn eine Naturkraft zur Geisteskraft geworden ist, den Kosmos durchdringt, jene Kraft, die man bezeichnen kann als die Kraft der geistigen Liebe. Anziehungskräfte, Abstoßungskräfte, Adhäsion-Kohäsions-Kräfte, magnetische Kräfte kennt man. [Die] Liebe will man nur gelten lassen als eine Erscheinung in der physischen Welt, die sich von Mensch zu Mensch, von Tier zu Tier entwickelt. Aber dasjenige, was sich in der physischen Welt von Mensch zu Mensch entwickelt, und durch die der Mensch hereingetragen wird aus der geistigen in die physische Welt, das ist nur ein Abglanz der alle Welt durchdringenden Liebe. Und mit der Erkenntnis jener kosmischen Perspektive, die geschildert worden ist, mit jenem großen Lebensrhythmus, erkennt man die Liebe nur als eine das ganze Universum durchdringende Liebekraft, der man sein Dasein als Mensch verdankt.
[ 95 ] Erfühlt man aber, was sich mit dieser Erkenntnis eröffnet, sehr verehrte Anwesende, erfühlt man, wie man als Mensch nur durch die allwaltende Liebe in die Welt hereingesetzt worden ist, lernt man die Liebe durchdringend erkennen den Lebensrhythmus durch wiederholte Geburten und Tode, dann lernt man auch in religiöser Weise den Sinn des Lebens erfassen, in der Weise, dass man überall fühlt: Das Sinnliche hat nur einen Sinn, wenn es der Ausdruck des Geistigen ist; und unser Handeln, unser ganzes Dasein in der physischen Welt hat ebenfalls nur einen Sinn, wenn wir es zum Ausdruck dessen machen, was in uns hereinfließt aus der geistigen Welt.
[ 95 ] Erfühlt man aber, was sich mit dieser Erkenntnis eröffnet, sehr verehrte Anwesende, erfühlt man, wie man als Mensch nur durch die allwaltende Liebe in die Welt hereingesetzt worden ist, lernt man die Liebe durchdringend erkennen den Lebensrhythmus durch wiederholte Geburten und Tode, dann lernt man auch in religiöser Weise den Sinn des Lebens erfassen, in der Weise, dass man überall fühlt: Das Sinnliche hat nur einen Sinn, wenn es der Ausdruck des Geistigen ist; und unser Handeln, unser ganzes Dasein in der physischen Welt hat ebenfalls nur einen Sinn, wenn wir es zum Ausdruck dessen machen, was in uns hereinfließt aus der geistigen Welt.
[ 96 ] Dasjenige, was Geisteswissenschaft ist, ist nicht nur eine Summe von abstrakten Gedanken und Vorstellungen, die uns Erkenntnisse über die Welt vermitteln, sondern es ist etwas, was hereinfließt in unsere Entwicklung, was uns erkennen lehrt, was wir in dem, was wir selber aus Liebe, aus Selbstzucht im Menschengebiet hier verrichten, kurz, in alledem verrichten, was wir als wahre Moral bezeichnen, als Religion, durch unsere Moral bezeichnen, wie in alledem etwas lebt, durch das wir Menschen selber ja diese Welt, die wir geschaffen haben, zum Abbild der Umwelt machen, die wir [in] dem, was dargestellt worden ist, entsprechend zu durchdringen versuchen. Indem man zu der höheren Welt sich erheben wird, wird religiöse Inbrunst, der unsere Welt gerade in ihren aufgeklärteren Geistern so müde geworden ist, wieder in die Seelen hereinkommen. Und diejenigen, die das Christentum verwalten, sollten erkennen, dass sie die beste Stütze für ihr Schaffen gerade in dem Wecken derjenigen Vorstellungen haben, die durch die Geisteswissenschaft in die Welt hereinkommen.
[ 96 ] Dasjenige, was Geisteswissenschaft ist, ist nicht nur eine Summe von abstrakten Gedanken und Vorstellungen, die uns Erkenntnisse über die Welt vermitteln, sondern es ist etwas, was hereinfließt in unsere Entwicklung, was uns erkennen lehrt, was wir in dem, was wir selber aus Liebe, aus Selbstzucht im Menschengebiet hier verrichten, kurz, in alledem verrichten, was wir als wahre Moral bezeichnen, als Religion, durch unsere Moral bezeichnen, wie in alledem etwas lebt, durch das wir Menschen selber ja diese Welt, die wir geschaffen haben, zum Abbild der Umwelt machen, die wir [in] dem, was dargestellt worden ist, entsprechend zu durchdringen versuchen. Indem man zu der höheren Welt sich erheben wird, wird religiöse Inbrunst, der unsere Welt gerade in ihren aufgeklärteren Geistern so müde geworden ist, wieder in die Seelen hereinkommen. Und diejenigen, die das Christentum verwalten, sollten erkennen, dass sie die beste Stütze für ihr Schaffen gerade in dem Wecken derjenigen Vorstellungen haben, die durch die Geisteswissenschaft in die Welt hereinkommen.
[ 97 ] Aber solche Menschen stehen, ich möchte sagen in einer noch viel krasseren Art auf dem Boden, auf dem jener Naturforscher stand, der wenigstens bewundert das Neue, durch welches die Naturforschung in unsere Welt hereinspricht, und er verspricht sich nur, indem er dadurch seine oberflächliche Gesinnung und auch seine Empfindungsweise, die nicht nachsicht, um was es sich eigentlich handelt, zum Ausdruck bringt.
[ 97 ] Aber solche Menschen stehen, ich möchte sagen in einer noch viel krasseren Art auf dem Boden, auf dem jener Naturforscher stand, der wenigstens bewundert das Neue, durch welches die Naturforschung in unsere Welt hereinspricht, und er verspricht sich nur, indem er dadurch seine oberflächliche Gesinnung und auch seine Empfindungsweise, die nicht nachsicht, um was es sich eigentlich handelt, zum Ausdruck bringt.
[ 98 ] Aber derjenige, der vom christlichen Standpunkte aus heute nicht anerkennen will, wie durch Geisteswissenschaft gerade die großen Geheimnisse, die sich um das Wesen des Christus, um das Ereignis der Erlösung und Auferstehung gliedern, erkennen, sich erkennen lassen, der das nicht anerkennen will, der erkennt nicht an, dass das Christentum zwar so, wie es durch die Christuswesenheit in die Welt gekommen ist, der Erde Sinn gegeben hat und ein Ewiges bedeutet, dass es aber ein so Kraftvolles ist, dass es immerdar in neuer Weise erkannt werden muss und erkannt werden kann. Vertiefung des religiösen Empfindens, Verinnerlichung des religiösen Empfindens wird gerade durch Geisteswissenschaft in die Welt wieder kommen.
[ 98 ] Aber derjenige, der vom christlichen Standpunkte aus heute nicht anerkennen will, wie durch Geisteswissenschaft gerade die großen Geheimnisse, die sich um das Wesen des Christus, um das Ereignis der Erlösung und Auferstehung gliedern, erkennen, sich erkennen lassen, der das nicht anerkennen will, der erkennt nicht an, dass das Christentum zwar so, wie es durch die Christuswesenheit in die Welt gekommen ist, der Erde Sinn gegeben hat und ein Ewiges bedeutet, dass es aber ein so Kraftvolles ist, dass es immerdar in neuer Weise erkannt werden muss und erkannt werden kann. Vertiefung des religiösen Empfindens, Verinnerlichung des religiösen Empfindens wird gerade durch Geisteswissenschaft in die Welt wieder kommen.
[ 99 ] Damit kann denjenigen, die heute sich noch ein krauses Bild von Anthroposophie machen, entgegengehalten werden etwas — womit man vielleicht mehr den Goethe’schen Sinn trifft, als ihn der genannte große Naturforscher getroffen hat, der nur den Sinn Wagners getroffen hat —, man kann etwas entgegenhalten denjenigen, die verkennen, was Anthroposophie oder Geisteswissenschaft für die Lösung der Welten- und Seelenrätsel tun will, in den Grenzen, in denen es dem menschlichen Erkennen möglich ist, zu tun. Man kann ihnen entgegenhalten dasjenige, in was ich zusammenfassen möchte jetzt mit Worten, die eben vielleicht mehr den Goethe’schen Sinn treffen — als die früher angeführten, die Wagners Worte sind —, mit denen ich beschließen möchte die heutigen Betrachtungen, die den Geist und Sinn von Anthroposophie mit Bezug auf die Seelenrätsel vor Ihre Seele hinstellen.
[ 99 ] Damit kann denjenigen, die heute sich noch ein krauses Bild von Anthroposophie machen, entgegengehalten werden etwas — womit man vielleicht mehr den Goethe’schen Sinn trifft, als ihn der genannte große Naturforscher getroffen hat, der nur den Sinn Wagners getroffen hat —, man kann etwas entgegenhalten denjenigen, die verkennen, was Anthroposophie oder Geisteswissenschaft für die Lösung der Welten- und Seelenrätsel tun will, in den Grenzen, in denen es dem menschlichen Erkennen möglich ist, zu tun. Man kann ihnen entgegenhalten dasjenige, in was ich zusammenfassen möchte jetzt mit Worten, die eben vielleicht mehr den Goethe’schen Sinn treffen — als die früher angeführten, die Wagners Worte sind —, mit denen ich beschließen möchte die heutigen Betrachtungen, die den Geist und Sinn von Anthroposophie mit Bezug auf die Seelenrätsel vor Ihre Seele hinstellen.
[ 100 ] Derjenige, der das Schicksal der [Wahrheit] — wie sie sich durchleben musste durch all die Hindernisse und Widerstände, die ihr in der Welt entgegengetreten sind — [beobachtet], der wird zwar wissen, [dass es] — indem er glaubt, einen Teil [einer] neuen Wahrheit erkannt zu haben, wenn auch in noch so bescheidener Weise — seine unabänderliche Verpflichtung ist, gegenüber all diesen gegenwärtigen Missverständnissen diese Wahrheit immer wieder zu betonen, wenn er auch in der Zuversicht lebt, dass die Wahrheit zum Siege kommen muss. Aber der Sieg der Wahrheit kann nur aus einer Gesinnung hervorgehen, die nicht «in den Geist der Zeiten» zurückschaut und stehen bleiben wollend starr im Vergangenen, [nicht weiterschreiten will], nicht in Naturerkenntnis fortschreiten will, kein [Weiterstreben] haben will, sondern nur aus einer Gesinnung kann wahrer menschlicher Fortschritt, wahres Fortschreiten des Geisteslebens kommen, das sich bezeichnen lässt vielleicht mit den Worten:
[ 100 ] Derjenige, der das Schicksal der [Wahrheit] — wie sie sich durchleben musste durch all die Hindernisse und Widerstände, die ihr in der Welt entgegengetreten sind — [beobachtet], der wird zwar wissen, [dass es] — indem er glaubt, einen Teil [einer] neuen Wahrheit erkannt zu haben, wenn auch in noch so bescheidener Weise — seine unabänderliche Verpflichtung ist, gegenüber all diesen gegenwärtigen Missverständnissen diese Wahrheit immer wieder zu betonen, wenn er auch in der Zuversicht lebt, dass die Wahrheit zum Siege kommen muss. Aber der Sieg der Wahrheit kann nur aus einer Gesinnung hervorgehen, die nicht «in den Geist der Zeiten» zurückschaut und stehen bleiben wollend starr im Vergangenen, [nicht weiterschreiten will], nicht in Naturerkenntnis fortschreiten will, kein [Weiterstreben] haben will, sondern nur aus einer Gesinnung kann wahrer menschlicher Fortschritt, wahres Fortschreiten des Geisteslebens kommen, das sich bezeichnen lässt vielleicht mit den Worten:
Es ist ein groß’ Erleben,
Sich zu dem Geist der Zeiten zu erheben,
Zu hören, wie so mancher echte Weise spricht:
Nur immer strebend dringen wir zum Licht.
Es ist ein groß’ Erleben,
Sich zu dem Geist der Zeiten zu erheben,
Zu hören, wie so mancher echte Weise spricht:
Nur immer strebend dringen wir zum Licht.
