Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a
18 May 1917, Munich
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Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und menschlicher Lebenslauf, 1st ed.
Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und Menschlicher Lebenslauf. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse und deren Betrachtung im Hinblick auf Unsere Schicksaltragende Zeit
Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und Menschlicher Lebenslauf. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse und deren Betrachtung im Hinblick auf Unsere Schicksaltragende Zeit
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die beiden Vorträge über Seelenfragen, welche ich mir gestatten werde heute und am Montag hier zu halten, werden in einer gewissen Weise zusammengehören, und doch wiederum wird versucht werden von mir, jeden als ein selbstständiges Ganzes zu halten, sodass er aus sich selbst verstanden werden kann. Dennoch wird gewissermaßen das heute zu sagende mehr prinzipiell eine Art Vorrede sein zu den eingehenderen Betrachtungen, die dann im nächsten Vortrag gebracht werden sollen.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die beiden Vorträge über Seelenfragen, welche ich mir gestatten werde heute und am Montag hier zu halten, werden in einer gewissen Weise zusammengehören, und doch wiederum wird versucht werden von mir, jeden als ein selbstständiges Ganzes zu halten, sodass er aus sich selbst verstanden werden kann. Dennoch wird gewissermaßen das heute zu sagende mehr prinzipiell eine Art Vorrede sein zu den eingehenderen Betrachtungen, die dann im nächsten Vortrag gebracht werden sollen.
[ 2 ] Gestatten Sie mir, dass ich heute den Ausgangspunkt nehme von einer persönlichen Bemerkung, welche aber durchaus im Zusammenhang des Ganzen begründet sein wird. Die verehrten Zuhörer, die seit Jahren hier anwesend sind, wissen, dass ich dieses sehr selten mache. Es ist jetzt etwa dreißig Jahre her schon — es war in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts —, als ich die ersten Bausteine bei mir selber legte zu derjenigen Weltanschauung, welche ich nun schon so viele Jahre in Vorträgen allwinterlich auch hier in München vertreten darf. Damals, während ich beschäftigt war, die ersten prinzipiellen Anfänge dessen, was ich mir nun näher erlaube, Geistesforschung zu nennen, zu legen, da fiel mir eine Abhandlung des berühmten Ästhetikers und Kunstforschers, Friedrich Theodor Vischer, in die Hände, des sogenannten «V-Vischer». Er war noch einer derjenigen, welche in der intensivsten Weise rangen mit dem Weltenrätseln. Aus der ganzen Tiefe jener philosophischen Strömung heraus, die ja heute mehr oder weniger vergessen worden ist und die, wie man hoffen kann, gerade durch Geisteswissenschaft ein vertiefteres Wiederauferstehen finden werden könne. Der Ausspruch, den ich meine, der in jener Abhandlung mir vor Augen fiel, klingt merkwürdig, sonderbar, paradox, könnte man sagen. Und gerade aus diesem Grunde möchte ich von diesem Ausspruch den Ausgangspunkt der heutigen Betrachtung nehmen. Die Berechtigung davon wird sich im Laufe des Vortrags selbst ergeben.
[ 2 ] Gestatten Sie mir, dass ich heute den Ausgangspunkt nehme von einer persönlichen Bemerkung, welche aber durchaus im Zusammenhang des Ganzen begründet sein wird. Die verehrten Zuhörer, die seit Jahren hier anwesend sind, wissen, dass ich dieses sehr selten mache. Es ist jetzt etwa dreißig Jahre her schon — es war in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts —, als ich die ersten Bausteine bei mir selber legte zu derjenigen Weltanschauung, welche ich nun schon so viele Jahre in Vorträgen allwinterlich auch hier in München vertreten darf. Damals, während ich beschäftigt war, die ersten prinzipiellen Anfänge dessen, was ich mir nun näher erlaube, Geistesforschung zu nennen, zu legen, da fiel mir eine Abhandlung des berühmten Ästhetikers und Kunstforschers, Friedrich Theodor Vischer, in die Hände, des sogenannten «V-Vischer». Er war noch einer derjenigen, welche in der intensivsten Weise rangen mit dem Weltenrätseln. Aus der ganzen Tiefe jener philosophischen Strömung heraus, die ja heute mehr oder weniger vergessen worden ist und die, wie man hoffen kann, gerade durch Geisteswissenschaft ein vertiefteres Wiederauferstehen finden werden könne. Der Ausspruch, den ich meine, der in jener Abhandlung mir vor Augen fiel, klingt merkwürdig, sonderbar, paradox, könnte man sagen. Und gerade aus diesem Grunde möchte ich von diesem Ausspruch den Ausgangspunkt der heutigen Betrachtung nehmen. Die Berechtigung davon wird sich im Laufe des Vortrags selbst ergeben.
[ 3 ] Friedrich Theodor Vischer bespricht eine Abhandlung des später bekannt gewordenen Philosophen Volkelt über die Phantasie und hatte bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit, in intimer Weise auf tiefe Fragen des menschlichen Seelenlebens wenigstens in seiner Art hinzuweisen. Da tat er eben jenen sonderbaren Ausspruch. Er sagt: «Die Einheit des menschlichen Seelenlebens kann nicht im menschlichen Leib lokalisiert sein, obwohl sie nirgends anders sein kann als im menschlichen Leib.»
[ 3 ] Friedrich Theodor Vischer bespricht eine Abhandlung des später bekannt gewordenen Philosophen Volkelt über die Phantasie und hatte bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit, in intimer Weise auf tiefe Fragen des menschlichen Seelenlebens wenigstens in seiner Art hinzuweisen. Da tat er eben jenen sonderbaren Ausspruch. Er sagt: «Die Einheit des menschlichen Seelenlebens kann nicht im menschlichen Leib lokalisiert sein, obwohl sie nirgends anders sein kann als im menschlichen Leib.»
[ 4 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, man kann sich nichts Paradoxeres denken als diesen Ausspruch; denn er ist ein vollkommener Widerspruch. Man könnte fragen mit dem vulgären Bewusstsein: Wo soll denn also dann das Seelische des Menschen gesucht werden, wenn man sagen muss, es kann nicht im Leibe sein, es kann aber jedenfalls auch nirgends anders als im Leibe sein? Als mir dieser Ausspruch vor Augen kam, da hatte ich den Glauben, dass der einzige Ausweg, zu dem das neuzeitliche Forschen kommen muss in Bezug auf solche Fragen, derjenige eben ist, den ich nun als Geisteswissenschaft vertrete, und zwar aus dem Grunde, weil ich sah, dass ein rückhaltloser Denker — ein Denker, dem es im höchsten Grade ernst war um die Erforschung der Seelenrätsel —, sich gestellt sieht da, wo er gerade auf diese Seelenrätsel eingehen will, vor eine Grenze des menschlichen Erkennens. Denn was soll das menschliche Erkennen denn eigentlich mit einem solchem Widerspruch zunächst anfangen? Das muss man sich fragen. Und ich schickte es damals — es war in meinem 21. Lebensjahre —, ich schickte eine Abhandlung an Friedrich Theodor Vischer, indem ich glaubte, dass er in den flüchtig und unreif gezeichneten Linien etwas finden könnte als den Ausweg aus einem solchen Problem. Und mit Bezug auf den wichtigstem Punkt in meiner damals unreifen Abhandlung antwortete mir Friedrich Theodor Vischer, dass er durchaus darin suche den Anfang für eine Art von Geistesforschung. Friedrich Theodor Vischer starb dann bald. Es blieb bei der Kürze dieses Briefwechsels. Und in der Folgezeit waren — das darf schon gesagt werden — nicht allzu viel Menschen da, welche geneigt waren, gerade auf die besondere Art der Geistesforschung wissenschaftlich einzugehen, welche hier gemeint ist.
[ 4 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, man kann sich nichts Paradoxeres denken als diesen Ausspruch; denn er ist ein vollkommener Widerspruch. Man könnte fragen mit dem vulgären Bewusstsein: Wo soll denn also dann das Seelische des Menschen gesucht werden, wenn man sagen muss, es kann nicht im Leibe sein, es kann aber jedenfalls auch nirgends anders als im Leibe sein? Als mir dieser Ausspruch vor Augen kam, da hatte ich den Glauben, dass der einzige Ausweg, zu dem das neuzeitliche Forschen kommen muss in Bezug auf solche Fragen, derjenige eben ist, den ich nun als Geisteswissenschaft vertrete, und zwar aus dem Grunde, weil ich sah, dass ein rückhaltloser Denker — ein Denker, dem es im höchsten Grade ernst war um die Erforschung der Seelenrätsel —, sich gestellt sieht da, wo er gerade auf diese Seelenrätsel eingehen will, vor eine Grenze des menschlichen Erkennens. Denn was soll das menschliche Erkennen denn eigentlich mit einem solchem Widerspruch zunächst anfangen? Das muss man sich fragen. Und ich schickte es damals — es war in meinem 21. Lebensjahre —, ich schickte eine Abhandlung an Friedrich Theodor Vischer, indem ich glaubte, dass er in den flüchtig und unreif gezeichneten Linien etwas finden könnte als den Ausweg aus einem solchen Problem. Und mit Bezug auf den wichtigstem Punkt in meiner damals unreifen Abhandlung antwortete mir Friedrich Theodor Vischer, dass er durchaus darin suche den Anfang für eine Art von Geistesforschung. Friedrich Theodor Vischer starb dann bald. Es blieb bei der Kürze dieses Briefwechsels. Und in der Folgezeit waren — das darf schon gesagt werden — nicht allzu viel Menschen da, welche geneigt waren, gerade auf die besondere Art der Geistesforschung wissenschaftlich einzugehen, welche hier gemeint ist.
[ 5 ] Ich möchte dies auch noch aus dem Grund vorausstellen, sehr verehrte Anwesende, weil so leicht die Meinung gebildet wird, dass die hier vertretene Geistesforschung etwas ist, was auf einzelnen Einfällen beruht, was vielleicht sogar in Phantastereien führt und dergleichen, was leicht geschürzt, möchte ich sagen in Bezug auf Forschung ist. Allein, wer tiefer versucht, auf das, was hier gemeint ist, einzugehen, der wird finden, dass die Sorgfalt der Forschung, wenn auch andere Wege eingeschlagen werden müssen als in der äußeren Naturwissenschaft, dass die Gewissenhaftigkeit in der Verfolgung der Methode nichts nachgibt dem schönen Musterbeispiel, das die Errungenschaft gerade der modernen Wissenschaft ist, wenn auch, wie gesagt auf ganz anderen Wegen die Ergebnisse gesucht werden müssen.
[ 5 ] Ich möchte dies auch noch aus dem Grund vorausstellen, sehr verehrte Anwesende, weil so leicht die Meinung gebildet wird, dass die hier vertretene Geistesforschung etwas ist, was auf einzelnen Einfällen beruht, was vielleicht sogar in Phantastereien führt und dergleichen, was leicht geschürzt, möchte ich sagen in Bezug auf Forschung ist. Allein, wer tiefer versucht, auf das, was hier gemeint ist, einzugehen, der wird finden, dass die Sorgfalt der Forschung, wenn auch andere Wege eingeschlagen werden müssen als in der äußeren Naturwissenschaft, dass die Gewissenhaftigkeit in der Verfolgung der Methode nichts nachgibt dem schönen Musterbeispiel, das die Errungenschaft gerade der modernen Wissenschaft ist, wenn auch, wie gesagt auf ganz anderen Wegen die Ergebnisse gesucht werden müssen.
[ 6 ] Wenn eine solche Frage wie diejenige der Seelenunsterblichkeit wissenschaftlich an den Menschen herantritt, dann ist vor allen Dingen notwendig, dass man sich klar wird, worin denn eigentlich der Grundnerv dieser Frage bestehen kann. Es wäre falsch, ganz offenbar falsch, wenn man glauben wollte, dass Spekulationen oder andere Methoden, die dazu führen sollten, klarzulegen das, was im Menscheninneren wohnt als Seele, mit dem Tode unzerstörbar ist.
[ 6 ] Wenn eine solche Frage wie diejenige der Seelenunsterblichkeit wissenschaftlich an den Menschen herantritt, dann ist vor allen Dingen notwendig, dass man sich klar wird, worin denn eigentlich der Grundnerv dieser Frage bestehen kann. Es wäre falsch, ganz offenbar falsch, wenn man glauben wollte, dass Spekulationen oder andere Methoden, die dazu führen sollten, klarzulegen das, was im Menscheninneren wohnt als Seele, mit dem Tode unzerstörbar ist.
[ 7 ] Gewiss, das kann für sich eine Frage sein, aber der eigentliche Nerv der Frage muss noch ganz woanders liegen. Denn es könnte sehr wohl sein, dass zum Beispiel eine Philosophie wie die Eduard von Hartmann’sche im neunzehnten Jahrhundert, welche von dem Unbewussten ausgeht, zur Anschauung führt, dass das menschliche unbewusste Seelenwesen über den Tod hinaus in die Unendlichkeit hinein sich erhält. Allein jedermann wird fühlen, dem es einmal ernst in dieser Frage ist, dass damit eigentlich nichts erreicht ist; denn der Nerv der Frage muss sein, nicht, ob das Seelenwesen als solches als irgendein Wesen sich erhält, sondern ob sich erhält dasjenige, was man im Leben zwischen Geburt und Tod als das Bewusstsein bezeichnet. Ob Vorstellungen gewonnen werden können, welche fähig sind, dem Menschen die wissenschaftliche Überzeugung beizubringen, dass Bewusstsein auch außer dem Leibe vorhanden sein kann, vorhanden sein muss. Daher ist es wissenschaftlich notwendig, dass die Frage der Seelenunsterblichkeit vor allen Dingen eine Bewusstseinsfrage ist, und von diesem Gesichtspunkt aus möchte ich diese heutigen vorbereitenden Auseinandersetzungen schon halten.
[ 7 ] Gewiss, das kann für sich eine Frage sein, aber der eigentliche Nerv der Frage muss noch ganz woanders liegen. Denn es könnte sehr wohl sein, dass zum Beispiel eine Philosophie wie die Eduard von Hartmann’sche im neunzehnten Jahrhundert, welche von dem Unbewussten ausgeht, zur Anschauung führt, dass das menschliche unbewusste Seelenwesen über den Tod hinaus in die Unendlichkeit hinein sich erhält. Allein jedermann wird fühlen, dem es einmal ernst in dieser Frage ist, dass damit eigentlich nichts erreicht ist; denn der Nerv der Frage muss sein, nicht, ob das Seelenwesen als solches als irgendein Wesen sich erhält, sondern ob sich erhält dasjenige, was man im Leben zwischen Geburt und Tod als das Bewusstsein bezeichnet. Ob Vorstellungen gewonnen werden können, welche fähig sind, dem Menschen die wissenschaftliche Überzeugung beizubringen, dass Bewusstsein auch außer dem Leibe vorhanden sein kann, vorhanden sein muss. Daher ist es wissenschaftlich notwendig, dass die Frage der Seelenunsterblichkeit vor allen Dingen eine Bewusstseinsfrage ist, und von diesem Gesichtspunkt aus möchte ich diese heutigen vorbereitenden Auseinandersetzungen schon halten.
[ 8 ] Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, geht daran, über die Beziehungen des menschlichen Seelenlebens zu einer geistigen Wesenheit — der Seele, überhaupt zu einem geistigen Weltwesen —, ebenso Anschauungen zu gewinnen, Erkenntnisse zu gewinnen, wie die Naturwissenschaft, und es sei gleich hier wieder betont, mit großem Glück darangeht heute, Anschauungen darüber zu gewinnen über das Verhältnis des menschlichen Seelenlebens zu dem körperlichen Wesen des Menschen.
[ 8 ] Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, geht daran, über die Beziehungen des menschlichen Seelenlebens zu einer geistigen Wesenheit — der Seele, überhaupt zu einem geistigen Weltwesen —, ebenso Anschauungen zu gewinnen, Erkenntnisse zu gewinnen, wie die Naturwissenschaft, und es sei gleich hier wieder betont, mit großem Glück darangeht heute, Anschauungen darüber zu gewinnen über das Verhältnis des menschlichen Seelenlebens zu dem körperlichen Wesen des Menschen.
[ 9 ] Deshalb gestatten Sie mir, dass ich einleitend ein wenig davon ausgehe, was denn eigentlich prinzipiell die Naturwissenschaft versucht, indem sie ihrerseits die körperlichen Bedingungen des menschlichen Bewusstseins verfolgt, wie Geisteswissenschaft die geistigen Bedingungen des menschlichen Bewusstseins verfolgen muss. Naturwissenschaft geht mit Recht davon aus, dass wir in unserem Seelenleben eine Summe von Erkenntnissen haben, Wahrnehmungen, Gefühle, Willensimpulse, die in der verschiedensten Weise aufeinander wirken, die auf- und abfluten in Erinnern und Vergessen und die unser bewusstes Seelenleben zusammensetzen von der Zeit an, da wir ein solches zu führen in der Lage sind, bis zu dem Augenblick, wo wir durch die Pforte des Todes gehen.
[ 9 ] Deshalb gestatten Sie mir, dass ich einleitend ein wenig davon ausgehe, was denn eigentlich prinzipiell die Naturwissenschaft versucht, indem sie ihrerseits die körperlichen Bedingungen des menschlichen Bewusstseins verfolgt, wie Geisteswissenschaft die geistigen Bedingungen des menschlichen Bewusstseins verfolgen muss. Naturwissenschaft geht mit Recht davon aus, dass wir in unserem Seelenleben eine Summe von Erkenntnissen haben, Wahrnehmungen, Gefühle, Willensimpulse, die in der verschiedensten Weise aufeinander wirken, die auf- und abfluten in Erinnern und Vergessen und die unser bewusstes Seelenleben zusammensetzen von der Zeit an, da wir ein solches zu führen in der Lage sind, bis zu dem Augenblick, wo wir durch die Pforte des Todes gehen.
[ 10 ] Nun kann ich selbstverständlich nicht im Einzelnen darstellen, wie Naturwissenschaft ihre Aufgabe zu lösen versucht; aber aufmerksam kann ich doch darauf machen, dass Naturwissenschaft sich also sagt: Da läuft das Seelenleben ab, und wir untersuchen nun, indem wir den Ausgangspunkt nehmen von dem, was die Seele erlebt, was innerhalb des Leibesorganismus sich vollzieht, während die seelischen Erlebnisse sich abspielen. Wir untersuchen, was da in den verschiedenen Nervenzellen, Nervenfäden, die sich verästeln, die sich miteinander verbinden, geschehen kann, während man einen Gedanken hegt, ein Gefühl hat, einen Willensimpuls und dergleichen. Und man muss sagen, ganz unumwunden muss man sagen, dass Naturwissenschaft wirklich eine hohe Vollkommenheit in dieser Beziehung ausgebildet hat; denn obwohl das Wichtigste noch zu tun sein wird auf diesem Gebiete, muss man doch sagen: Vieles Organische im menschlichen Leibe hat die Naturwissenschaft zu enthüllen vermocht als Bedingung für das gewöhnliche Bewusstsein, die uns diese menschliche Leibesorganisation, insbesondere die Gehirnorganisation, als einen wirklichen Wunderbau darstellt, die uns zeigt, wie das menschliche Seelenleben an die Leibesorganisation gebunden ist.
[ 10 ] Nun kann ich selbstverständlich nicht im Einzelnen darstellen, wie Naturwissenschaft ihre Aufgabe zu lösen versucht; aber aufmerksam kann ich doch darauf machen, dass Naturwissenschaft sich also sagt: Da läuft das Seelenleben ab, und wir untersuchen nun, indem wir den Ausgangspunkt nehmen von dem, was die Seele erlebt, was innerhalb des Leibesorganismus sich vollzieht, während die seelischen Erlebnisse sich abspielen. Wir untersuchen, was da in den verschiedenen Nervenzellen, Nervenfäden, die sich verästeln, die sich miteinander verbinden, geschehen kann, während man einen Gedanken hegt, ein Gefühl hat, einen Willensimpuls und dergleichen. Und man muss sagen, ganz unumwunden muss man sagen, dass Naturwissenschaft wirklich eine hohe Vollkommenheit in dieser Beziehung ausgebildet hat; denn obwohl das Wichtigste noch zu tun sein wird auf diesem Gebiete, muss man doch sagen: Vieles Organische im menschlichen Leibe hat die Naturwissenschaft zu enthüllen vermocht als Bedingung für das gewöhnliche Bewusstsein, die uns diese menschliche Leibesorganisation, insbesondere die Gehirnorganisation, als einen wirklichen Wunderbau darstellt, die uns zeigt, wie das menschliche Seelenleben an die Leibesorganisation gebunden ist.
[ 11 ] Und wenn auch Geisteswissenschaft einen ganz anderen Weg machen muss, statt von der Seele hinunter zum Leib, hinauf zum Geist gehen muss, so muss doch auf der anderen Seite gesagt werden, dass auch der Geistesforscher an dem Methodischen der naturwissenschaftlichen Forschung auf diesem Gebiete, an Selbstdisziplinierung des Forschens ungeheuer viel lernen kann, ja, dass die Gedanken, die als Erkenntnisse errungen sind über die Beteiligung dieser oder jener Gehirnpartie an der Sprache, am Hören, Sehen und so weiter nämlich die Wege, die man einschlagen musste, um zu diesen Erkenntnissen zu kommen, dass diese alle, indem man sie verfolgt, Wichtigstes ergeben für die Selbstdisziplinierung des Denkens, wie es auch verwendet werden muss bei der wirklichen Geisteswissenschaft. Allein Naturwissenschaft hat die Möglichkeit, gewissermaßen, indem sie die Bedingungen des Bewusstseins sucht, das vor die äußeren Sinne hinzustellen, mit äußeren Laboratoriumsmethoden zu behandeln. Diese Möglichkeit hat Geisteswissenschaft nicht. Geisteswissenschaft muss auf vollkommen innerlichen Wegen gehen. Und es ist heute noch in weitesten Kreisen allerdings schwer verständlich — wie das, was nun schon einmal nicht zur äußeren Anschaulichkeit gebracht werden kann, wie das, was gewissermaßen nicht auf den Seziertisch oder unter das Mikroskop gelegt werden kann —, wie der Geist durchforscht werden kann. Wahre Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, kann allerdings nicht den Irrtum hervorrufen, als ob man den Geist äußerlich anschaulich machen könnte; aber Möglichkeiten, einen ähnlichen Weg zum Geistigen hinein einzuschlagen, wie die Naturwissenschaft zur Leibesorganisation einschlägt, gibt es nicht.
[ 11 ] Und wenn auch Geisteswissenschaft einen ganz anderen Weg machen muss, statt von der Seele hinunter zum Leib, hinauf zum Geist gehen muss, so muss doch auf der anderen Seite gesagt werden, dass auch der Geistesforscher an dem Methodischen der naturwissenschaftlichen Forschung auf diesem Gebiete, an Selbstdisziplinierung des Forschens ungeheuer viel lernen kann, ja, dass die Gedanken, die als Erkenntnisse errungen sind über die Beteiligung dieser oder jener Gehirnpartie an der Sprache, am Hören, Sehen und so weiter nämlich die Wege, die man einschlagen musste, um zu diesen Erkenntnissen zu kommen, dass diese alle, indem man sie verfolgt, Wichtigstes ergeben für die Selbstdisziplinierung des Denkens, wie es auch verwendet werden muss bei der wirklichen Geisteswissenschaft. Allein Naturwissenschaft hat die Möglichkeit, gewissermaßen, indem sie die Bedingungen des Bewusstseins sucht, das vor die äußeren Sinne hinzustellen, mit äußeren Laboratoriumsmethoden zu behandeln. Diese Möglichkeit hat Geisteswissenschaft nicht. Geisteswissenschaft muss auf vollkommen innerlichen Wegen gehen. Und es ist heute noch in weitesten Kreisen allerdings schwer verständlich — wie das, was nun schon einmal nicht zur äußeren Anschaulichkeit gebracht werden kann, wie das, was gewissermaßen nicht auf den Seziertisch oder unter das Mikroskop gelegt werden kann —, wie der Geist durchforscht werden kann. Wahre Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, kann allerdings nicht den Irrtum hervorrufen, als ob man den Geist äußerlich anschaulich machen könnte; aber Möglichkeiten, einen ähnlichen Weg zum Geistigen hinein einzuschlagen, wie die Naturwissenschaft zur Leibesorganisation einschlägt, gibt es nicht.
[ 12 ] Was erreicht die Naturwissenschaft? Machen wir uns einmal klar, was sie erreicht. Sie nimmt ihren Ausgangspunkt von dem, was innerlich seelisch erlebt wird, nur kurz anhält, wieder erscheint, davon wie Wahrnehmungen, Vorstellungen auftauchen, wie sie sich zu Gefühlen erwärmen, in Willensimpulse umsetzen. Dieses Erleben ist eben unser inneres Erleben. Dieses Erleben kann Naturwissenschaft zu nichts anderem machen als zum Ausgangspunkt. Dann stellt sie uns den Wunderbau des menschlichen Organismus hin mit seinen Einrichtungen, dann die Vorgänge und so weiter. Nun habe ich schon angedeutet: Geradeso wie Naturwissenschaft hinuntergeht von dem Seelischen ins Leibliche, muss Geisteswissenschaft versuchen, vom Seelischen ins Geistige zu gehen. Da aber stellen sich in unserer heutigen Zeit noch bedeutsame Vorurteile und Hindernisse entgegen, und man kann schon nicht umhin, gerade von diesen Vorurteilen und Hindernissen, die vor allen Dingen in denkerischen Kreisen vorhanden sind, den Ausgangspunkt zu nehmen.
[ 12 ] Was erreicht die Naturwissenschaft? Machen wir uns einmal klar, was sie erreicht. Sie nimmt ihren Ausgangspunkt von dem, was innerlich seelisch erlebt wird, nur kurz anhält, wieder erscheint, davon wie Wahrnehmungen, Vorstellungen auftauchen, wie sie sich zu Gefühlen erwärmen, in Willensimpulse umsetzen. Dieses Erleben ist eben unser inneres Erleben. Dieses Erleben kann Naturwissenschaft zu nichts anderem machen als zum Ausgangspunkt. Dann stellt sie uns den Wunderbau des menschlichen Organismus hin mit seinen Einrichtungen, dann die Vorgänge und so weiter. Nun habe ich schon angedeutet: Geradeso wie Naturwissenschaft hinuntergeht von dem Seelischen ins Leibliche, muss Geisteswissenschaft versuchen, vom Seelischen ins Geistige zu gehen. Da aber stellen sich in unserer heutigen Zeit noch bedeutsame Vorurteile und Hindernisse entgegen, und man kann schon nicht umhin, gerade von diesen Vorurteilen und Hindernissen, die vor allen Dingen in denkerischen Kreisen vorhanden sind, den Ausgangspunkt zu nehmen.
[ 13 ] Die verehrten Zuhörer, die seit Jahren hier schon meine Vorträge gehört haben, wissen, dass ich kein Anhänger der Eduard von Hartmann’schen Philosophie bin, Dennoch muss man in diesem einen strengen Denker sehen, wenigstens in diesem Sinne streng, dass er in einem langen Leben versuchte, die verschiedenen Rätsel des menschlichen Seelenlebens und der Welt sich klarzumachen und sie so weit zu verfolgen, wie sie mit menschlichem Forschen verfolgt werden können. Daher möge es gestattet sein, hinzuweisen auf Eduard von Hartmann, der da aber nicht allein steht, wenn ich zeigen möchte, wie sich die Vorurteile auftürmen vor dem Wissenschaftler, wenn er den Weg von der Seele zum Geiste verfolgt.
[ 13 ] Die verehrten Zuhörer, die seit Jahren hier schon meine Vorträge gehört haben, wissen, dass ich kein Anhänger der Eduard von Hartmann’schen Philosophie bin, Dennoch muss man in diesem einen strengen Denker sehen, wenigstens in diesem Sinne streng, dass er in einem langen Leben versuchte, die verschiedenen Rätsel des menschlichen Seelenlebens und der Welt sich klarzumachen und sie so weit zu verfolgen, wie sie mit menschlichem Forschen verfolgt werden können. Daher möge es gestattet sein, hinzuweisen auf Eduard von Hartmann, der da aber nicht allein steht, wenn ich zeigen möchte, wie sich die Vorurteile auftürmen vor dem Wissenschaftler, wenn er den Weg von der Seele zum Geiste verfolgt.
[ 14 ] Und damit die verehrten Zuhörer die Sache klar durchschauen, möchte ich wörtlich einen Ausspruch Eduard von Hartmanns anführen, den Ausspruch, was ich ansehen muss als das stärkste Hindernis zu einer wirklichen Geistesforschung. Diese Forscher, die werfen die Frage auf: Können wir überhaupt so, wie wir wissenschaftlich die äußere Welt erforschen, können wir ebenso die Seelenerscheinungen erforschen und durch Erforschung der Seelenerscheinungen zu einer Anschauung kommen über die Fragen, welche vor allen Dingen mit Bezug auf die Seele dem menschlichen Sehnen, dem menschlichen Bedürfnis nachkommen? Nur indem ich fremdsprachliche Ausdrücke ersetze durch deutsche, werde ich nun die Bedenken, die Eduard von Hartmann sich selber entgegenbringt gegen eine Seelenforschung in der Form, wie man sonst an Wissenschaft denkt, ich werde sie vorlesen:
[ 14 ] Und damit die verehrten Zuhörer die Sache klar durchschauen, möchte ich wörtlich einen Ausspruch Eduard von Hartmanns anführen, den Ausspruch, was ich ansehen muss als das stärkste Hindernis zu einer wirklichen Geistesforschung. Diese Forscher, die werfen die Frage auf: Können wir überhaupt so, wie wir wissenschaftlich die äußere Welt erforschen, können wir ebenso die Seelenerscheinungen erforschen und durch Erforschung der Seelenerscheinungen zu einer Anschauung kommen über die Fragen, welche vor allen Dingen mit Bezug auf die Seele dem menschlichen Sehnen, dem menschlichen Bedürfnis nachkommen? Nur indem ich fremdsprachliche Ausdrücke ersetze durch deutsche, werde ich nun die Bedenken, die Eduard von Hartmann sich selber entgegenbringt gegen eine Seelenforschung in der Form, wie man sonst an Wissenschaft denkt, ich werde sie vorlesen:
Die Seelenkunde will feststellen, was in der Seele gegeben ist. Dazu muss sie es vor allen Dingen beobachten. Nun ist es eine eigene Sache um die Beobachtung der eigenen seelischen Erlebnisse, da sie das, worauf sie sich richtet, unvermeidlich in geringerem oder höherem Grade stört und verändert. Wer eigene zarte Gefühle beobachten will, wird eben durch die Einstellung der Aufmerksamkeit auf sie diese Gefühle nicht unerheblich verändern.
Die Seelenkunde will feststellen, was in der Seele gegeben ist. Dazu muss sie es vor allen Dingen beobachten. Nun ist es eine eigene Sache um die Beobachtung der eigenen seelischen Erlebnisse, da sie das, worauf sie sich richtet, unvermeidlich in geringerem oder höherem Grade stört und verändert. Wer eigene zarte Gefühle beobachten will, wird eben durch die Einstellung der Aufmerksamkeit auf sie diese Gefühle nicht unerheblich verändern.
[ 15 ] Das ist ein sehr begreiflicher Einwand. Hat man zarte Gefühle, will sie beobachten, sie verschwinden, so sagt sich Eduard von Hartmann. Wie kann man sie beobachten? Und weiter sagt er:
[ 15 ] Das ist ein sehr begreiflicher Einwand. Hat man zarte Gefühle, will sie beobachten, sie verschwinden, so sagt sich Eduard von Hartmann. Wie kann man sie beobachten? Und weiter sagt er:
Ja, sogar diese Gefühle können ihm unter der Hand zerrinnen. Ein leichter körperlicher Schmerz wird durch die Beobachtung gesteigert; das Hersagen des allergeläufigsten Memorierstoffes kann ins Stocken geraten [...], wenn die Beobachtung den Gang dieses Ablaufes festzustellen bemüht ist.
Ja, sogar diese Gefühle können ihm unter der Hand zerrinnen. Ein leichter körperlicher Schmerz wird durch die Beobachtung gesteigert; das Hersagen des allergeläufigsten Memorierstoffes kann ins Stocken geraten [...], wenn die Beobachtung den Gang dieses Ablaufes festzustellen bemüht ist.
[ 16 ] Wer wüsste das nicht? Man hat etwas auswendig gelernt, man sagt es her, man bemüht sich, es zu beobachten, nun es wird wenige Menschen geben, die sich, indem sie anfangen, sich zu fragen: Wie geht das eigentlich vor sich? noch weiter können. Gewiss hebt Hartmann diese Sache hervor. Dann sagt er:
[ 16 ] Wer wüsste das nicht? Man hat etwas auswendig gelernt, man sagt es her, man bemüht sich, es zu beobachten, nun es wird wenige Menschen geben, die sich, indem sie anfangen, sich zu fragen: Wie geht das eigentlich vor sich? noch weiter können. Gewiss hebt Hartmann diese Sache hervor. Dann sagt er:
Starke Gefühle machen zur Beobachtung der eigenen seelischen Erlebnisse unfähig.
Starke Gefühle machen zur Beobachtung der eigenen seelischen Erlebnisse unfähig.
[ 17 ] Es fälscht also die Beobachtung die Ergebnisse, indem sie in das Gegebene erst das hineinlegt, was sie zu finden erwartet. Es scheint fast unmöglich, die Seelenerlebnisse des gegenwärtigen Augenblickes so zu vergegenständlichen, dass man sie zum Gegenstand einer gleichzeitigen Beobachtung macht. Entweder lässt das Erlebnis kein Resultat aufkommen oder die Beobachtung fälscht und vertreibt das Erlebnis. Nun hat man in diesen Behauptungen etwas vor sich, das sehr bezeichnend ist; denn niemand wird das, was da gesagt wird, irgendwie anzweifeln können.
[ 17 ] Es fälscht also die Beobachtung die Ergebnisse, indem sie in das Gegebene erst das hineinlegt, was sie zu finden erwartet. Es scheint fast unmöglich, die Seelenerlebnisse des gegenwärtigen Augenblickes so zu vergegenständlichen, dass man sie zum Gegenstand einer gleichzeitigen Beobachtung macht. Entweder lässt das Erlebnis kein Resultat aufkommen oder die Beobachtung fälscht und vertreibt das Erlebnis. Nun hat man in diesen Behauptungen etwas vor sich, das sehr bezeichnend ist; denn niemand wird das, was da gesagt wird, irgendwie anzweifeln können.
[ 18 ] Das ist einfach eine Selbstverständlichkeit, was hier gesagt wird, die jeder kennt, der nur irgendwie Seelenbeobachtung versucht. Also, wenn es eine Selbstverständlichkeit ist, könnte man sagen, dann ist es berechtigt, so etwas einzuwenden gegen die Erforschung der menschlichen Seele. Ja, es entsteht die Frage, ob ein solcher Einwand, trotzdem er sich auf ganz Richtigem aufbaut, irgendwie aus der Welt schaffen kann die Berechtigung, die Beziehungen zu suchen zwischen der Seele und dem Geiste.
[ 18 ] Das ist einfach eine Selbstverständlichkeit, was hier gesagt wird, die jeder kennt, der nur irgendwie Seelenbeobachtung versucht. Also, wenn es eine Selbstverständlichkeit ist, könnte man sagen, dann ist es berechtigt, so etwas einzuwenden gegen die Erforschung der menschlichen Seele. Ja, es entsteht die Frage, ob ein solcher Einwand, trotzdem er sich auf ganz Richtigem aufbaut, irgendwie aus der Welt schaffen kann die Berechtigung, die Beziehungen zu suchen zwischen der Seele und dem Geiste.
[ 19 ] Lassen Sie mich zunächst mit einer Vorfrage antworten: Ist denn nicht die Naturwissenschaft in derselben Lage? Für sie gilt doch auch, dass, wenn sie die Seele beobachten will, obiges eintritt. Dennoch lässt sich die Naturwissenschaft in keiner Weise abhalten, die Beziehungen zu erforschen, die zwischen den seelischen Erlebnissen und dem menschlichen Gehirn bestehen. Dem Naturforscher würde es ganz sonderbar vorkommen, wenn man ihm sagte: Du sollst nicht untersuchen, welches die Bedingungen im Gehirn sind für das Vorstellen, weil man das seelische Leben nicht beobachten kann. Man sieht daraus, wie kurz gewoben zuweilen wichtigste Grundlagen sind, die für das Forschen und das Denken in der Gegenwart geradezu maßgebend gemacht werden. Nun werde ich zu schildern haben, wie man in der Tat ebenso, wenn man das Seelische zum Ausgangspunkt nimmt, den Weg nach den Geistigen nimmt, wie die Naturwissenschaft nach dem Leibe hin, und ich muss selbstverständlich mehr schildern einen rein geistigen Weg. Alles das muss sich im Geistigen vollziehen, was ich zu schildern haben werde. Und derjenige, der verlangt, dass das auf dem Seziertisch vorgeführt werden könne, macht sich nie klar, dass man den Geist als Ungeistiges zeigen würde, wenn man ihn sinnlich anschaulich machen wollte.
[ 19 ] Lassen Sie mich zunächst mit einer Vorfrage antworten: Ist denn nicht die Naturwissenschaft in derselben Lage? Für sie gilt doch auch, dass, wenn sie die Seele beobachten will, obiges eintritt. Dennoch lässt sich die Naturwissenschaft in keiner Weise abhalten, die Beziehungen zu erforschen, die zwischen den seelischen Erlebnissen und dem menschlichen Gehirn bestehen. Dem Naturforscher würde es ganz sonderbar vorkommen, wenn man ihm sagte: Du sollst nicht untersuchen, welches die Bedingungen im Gehirn sind für das Vorstellen, weil man das seelische Leben nicht beobachten kann. Man sieht daraus, wie kurz gewoben zuweilen wichtigste Grundlagen sind, die für das Forschen und das Denken in der Gegenwart geradezu maßgebend gemacht werden. Nun werde ich zu schildern haben, wie man in der Tat ebenso, wenn man das Seelische zum Ausgangspunkt nimmt, den Weg nach den Geistigen nimmt, wie die Naturwissenschaft nach dem Leibe hin, und ich muss selbstverständlich mehr schildern einen rein geistigen Weg. Alles das muss sich im Geistigen vollziehen, was ich zu schildern haben werde. Und derjenige, der verlangt, dass das auf dem Seziertisch vorgeführt werden könne, macht sich nie klar, dass man den Geist als Ungeistiges zeigen würde, wenn man ihn sinnlich anschaulich machen wollte.
[ 20 ] Ich habe besonders in meinem letzten Buch von dem «Menschenrätsel» darauf hingewiesen, wie in der Tat die Fragen der Geistesforschung Bewusstseinsfragen sind und wie der Ausgangspunkt genommen werden muss von einer Fortbildung einer großen genialischen Idee gerade Goethes. Goethe, als er sich klarzumachen versuchte, was der Grundnerv der Kant’schen Philosophie ist — welche Grenzen des menschlichen Erkennens festsetzen will, dem menschlichen Wissen es absprechen will, an die Dinge, wie sie an sich sind, heranzukommen —, da vermeinte Goethe, dass ein vollständiges Missverstehen der ganzen menschlichen Seelenart darin liege, eine solche Voraussetzung zu machen. Und er prägte damals ein Wort, einen Begriff, der wirklich den Ausgangspunkt bildet, er prägte das Wort «anschauende Urteilskraft». Indem ich mich nun seit Jahrzehnten mit Goethe’scher Weltanschauung befasste und zu vergleichen imstande bin /Lücke], erscheint es mir in der Tat fruchtbar, gerade an solche Ausgangspunkte anzuknüpfen.
[ 20 ] Ich habe besonders in meinem letzten Buch von dem «Menschenrätsel» darauf hingewiesen, wie in der Tat die Fragen der Geistesforschung Bewusstseinsfragen sind und wie der Ausgangspunkt genommen werden muss von einer Fortbildung einer großen genialischen Idee gerade Goethes. Goethe, als er sich klarzumachen versuchte, was der Grundnerv der Kant’schen Philosophie ist — welche Grenzen des menschlichen Erkennens festsetzen will, dem menschlichen Wissen es absprechen will, an die Dinge, wie sie an sich sind, heranzukommen —, da vermeinte Goethe, dass ein vollständiges Missverstehen der ganzen menschlichen Seelenart darin liege, eine solche Voraussetzung zu machen. Und er prägte damals ein Wort, einen Begriff, der wirklich den Ausgangspunkt bildet, er prägte das Wort «anschauende Urteilskraft». Indem ich mich nun seit Jahrzehnten mit Goethe’scher Weltanschauung befasste und zu vergleichen imstande bin /Lücke], erscheint es mir in der Tat fruchtbar, gerade an solche Ausgangspunkte anzuknüpfen.
[ 21 ] Deshalb erlaube ich mir, in diesem neuesten Buche darauf hinzuweisen, wie das, worauf Goethe noch instinktiv, möchte ich sagen hinweist, dieses zu beschreiben versuchte durch einen Vergleich, indem ich sagte in diesem Buche:
[ 21 ] Deshalb erlaube ich mir, in diesem neuesten Buche darauf hinzuweisen, wie das, worauf Goethe noch instinktiv, möchte ich sagen hinweist, dieses zu beschreiben versuchte durch einen Vergleich, indem ich sagte in diesem Buche:
[ 22 ] Der Mensch kann, indem er sein gewöhnliches alltägliches Bewusstsein ins Auge fasst, dieses Bewusstsein, von dem er überzeugt ist, dass es ihm Kunde gibt von den Gegenständen und Ereignissen der äußeren Welt, vergleichen mit dem Traumbewusstsein, in dem Auf- und Abfluten oftmals chaotischer Bilder, und man kann ins Auge fassen den Übergang aus dem Traumbewusstsein ins gewöhnliche Wachbewusstsein. Mit diesem Übergang, mit diesem Erwachen des gewöhnlichen, wachen, gesunden Bewusstseins aus dem Traumbewusstsein, erlaubte ich mir zu vergleichen dasjenige, was Grundlage bilden muss für die Geisteswissenschaft, zu vergleichen ein anderes Bewusstsein, das ich das «schauende Bewusstsein» nannte.
[ 22 ] Der Mensch kann, indem er sein gewöhnliches alltägliches Bewusstsein ins Auge fasst, dieses Bewusstsein, von dem er überzeugt ist, dass es ihm Kunde gibt von den Gegenständen und Ereignissen der äußeren Welt, vergleichen mit dem Traumbewusstsein, in dem Auf- und Abfluten oftmals chaotischer Bilder, und man kann ins Auge fassen den Übergang aus dem Traumbewusstsein ins gewöhnliche Wachbewusstsein. Mit diesem Übergang, mit diesem Erwachen des gewöhnlichen, wachen, gesunden Bewusstseins aus dem Traumbewusstsein, erlaubte ich mir zu vergleichen dasjenige, was Grundlage bilden muss für die Geisteswissenschaft, zu vergleichen ein anderes Bewusstsein, das ich das «schauende Bewusstsein» nannte.
[ 23 ] So sagte ich: Wie man in der Lage ist aufzuwachen aus dem Traum- oder Schlafbewusstsein, zu dem mit der äußeren Sinneswelt in Beziehung tretenden Wachbewusstsein, so kann man aufwachen aus dem gewöhnlichen Wachbewusstsein zu dem schauenden Bewusstsein. Und dieses schauende Bewusstsein, das ist dann geeignet von sich aus Erkenntnisse zu gewinnen, Wirklichkeitserkenntnisse, wie das Wachbewusstsein berufen ist, über die Art zu entscheiden, wie sich der bloße Traum in die Wirklichkeit des Menschenlebens hineinstellt. Da handelt es sich dann darum, dass es möglich ist, es zu einem solchen Aufwachen aus dem gewöhnlichen Bewusstsein zu bringen.
[ 23 ] So sagte ich: Wie man in der Lage ist aufzuwachen aus dem Traum- oder Schlafbewusstsein, zu dem mit der äußeren Sinneswelt in Beziehung tretenden Wachbewusstsein, so kann man aufwachen aus dem gewöhnlichen Wachbewusstsein zu dem schauenden Bewusstsein. Und dieses schauende Bewusstsein, das ist dann geeignet von sich aus Erkenntnisse zu gewinnen, Wirklichkeitserkenntnisse, wie das Wachbewusstsein berufen ist, über die Art zu entscheiden, wie sich der bloße Traum in die Wirklichkeit des Menschenlebens hineinstellt. Da handelt es sich dann darum, dass es möglich ist, es zu einem solchen Aufwachen aus dem gewöhnlichen Bewusstsein zu bringen.
[ 24 ] Wer meine Schriften verfolgt, wird überall finden, dass ich vor allen Dingen das ablehnte, dass man aus dem gewöhnlichen Bewusstsein zu irgendetwas kommen könne, das über eine andere Welt aufklärt als die gewöhnliche. Das muss einem als Geistesforscher so feststehen, dass man durch das gewöhnliche Bewusstsein zu keiner anderen Wirklichkeit kommt als zur gewöhnlichen, wie es klar sein muss, dass man träumend nicht die Welt erkennen kann. Wer erwartet, dass der Traum ihn selber aufklären kann über das, was im Traumbewusstsein sich abspielt, der ist auf einem Holzwege.
[ 24 ] Wer meine Schriften verfolgt, wird überall finden, dass ich vor allen Dingen das ablehnte, dass man aus dem gewöhnlichen Bewusstsein zu irgendetwas kommen könne, das über eine andere Welt aufklärt als die gewöhnliche. Das muss einem als Geistesforscher so feststehen, dass man durch das gewöhnliche Bewusstsein zu keiner anderen Wirklichkeit kommt als zur gewöhnlichen, wie es klar sein muss, dass man träumend nicht die Welt erkennen kann. Wer erwartet, dass der Traum ihn selber aufklären kann über das, was im Traumbewusstsein sich abspielt, der ist auf einem Holzwege.
[ 25 ] Allein, der kann als gesund denkend aufgefasst werden, der überzeugt ist, dass er nach dem Aufwachen über den Schlafzustand ein gesundes Urteil fällen kann. Im Traum erscheint eine eigene Welt. Beurteilen kann man sie erst vom wachen Bewusstsein aus. Ebenso wenig kann man über die Welt, in der wir mit unserem Leibe zwischen Geburt und Tod leben, auf irgendeine Weise hinausgehen durch das gewöhnliche Wachbewusstsein. Will man darüber hinausgehen, dann muss dieses gewöhnliche Wachbewusstsein zu einem andersartigen Bewusstsein, eben zu einem schauenden Bewusstsein umgebilder werden. Und dieses Umbilden, das beruht auf rein im Geistig-Seelischen vor sich gehenden Erlebnissen.
[ 25 ] Allein, der kann als gesund denkend aufgefasst werden, der überzeugt ist, dass er nach dem Aufwachen über den Schlafzustand ein gesundes Urteil fällen kann. Im Traum erscheint eine eigene Welt. Beurteilen kann man sie erst vom wachen Bewusstsein aus. Ebenso wenig kann man über die Welt, in der wir mit unserem Leibe zwischen Geburt und Tod leben, auf irgendeine Weise hinausgehen durch das gewöhnliche Wachbewusstsein. Will man darüber hinausgehen, dann muss dieses gewöhnliche Wachbewusstsein zu einem andersartigen Bewusstsein, eben zu einem schauenden Bewusstsein umgebilder werden. Und dieses Umbilden, das beruht auf rein im Geistig-Seelischen vor sich gehenden Erlebnissen.
[ 26 ] Ich habe in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?», auch in meiner «Geheimwissenschaft» auf Einzelheiten hingewiesen, wie man aus dem gewöhnlichen Bewusstsein heraus das schauende gewinnt. Ich muss auf diese Schriften verweisen; aber ich will auch heute wieder auf einiges, das hier noch weniger berührt worden ist, hinweisen, das prinzipiell die ganze Frage zu entscheiden hat.
[ 26 ] Ich habe in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?», auch in meiner «Geheimwissenschaft» auf Einzelheiten hingewiesen, wie man aus dem gewöhnlichen Bewusstsein heraus das schauende gewinnt. Ich muss auf diese Schriften verweisen; aber ich will auch heute wieder auf einiges, das hier noch weniger berührt worden ist, hinweisen, das prinzipiell die ganze Frage zu entscheiden hat.
[ 27 ] Es handelt sich darum, dass wir mit dem gewöhnlichen Wachbewusstsein bis zum Denken kommen. Wenn wir wirklich ernsthaftig bemüht sind um die Welt- und Seelenrätsel, dann kommen wir bis zu einer gewissen Grenze des Denkens. Und ich habe gerade heute eine solche Grenze gezeigt an dem Fall des Friedrich Theodor Vischer, der ja wirklich versuchte, den Weg des Denkens zu gehen, soweit man ihn geht in Bezug auf Seelenfragen, der sich bewusst wurde: Gehst du diesen Weg, dann musst du etwas sagen, was eigentlich ein Widerspruch ist.
[ 27 ] Es handelt sich darum, dass wir mit dem gewöhnlichen Wachbewusstsein bis zum Denken kommen. Wenn wir wirklich ernsthaftig bemüht sind um die Welt- und Seelenrätsel, dann kommen wir bis zu einer gewissen Grenze des Denkens. Und ich habe gerade heute eine solche Grenze gezeigt an dem Fall des Friedrich Theodor Vischer, der ja wirklich versuchte, den Weg des Denkens zu gehen, soweit man ihn geht in Bezug auf Seelenfragen, der sich bewusst wurde: Gehst du diesen Weg, dann musst du etwas sagen, was eigentlich ein Widerspruch ist.
[Die Seele, als oberste Einheit aller Vorgänge, kann allerdings nicht im Leibe lokalisiert sein, obwohl sie anderswo als im Leibe nicht ist.]
[Die Seele, als oberste Einheit aller Vorgänge, kann allerdings nicht im Leibe lokalisiert sein, obwohl sie anderswo als im Leibe nicht ist.]
[ 28 ] Solche Punkte, zu denen man im menschlichen Denken kommt, gibt es viel; und demjenigen, der nun gewohnt ist, wissenschaftlich zu denken, der gewissermaßen sein wissenschaftliches Denken geschult hat an den anderen Wissenschaften, dem ergeben sich Hunderte und Hunderte solcher merkwürdiger Denkrätsel, wo man stille stehen muss. Es ist schon fast in unserer Zeit, in der man ja insbesondere wissenschaftlich diese Dinge nicht liebt, eine Art Gewohnheit geworden, wenn man an solche Dinge kommt, zu sagen: Da steht halt das menschliche Forschen an einer Grenze. Über diese Dinge kommt man nicht hinaus.
[ 28 ] Solche Punkte, zu denen man im menschlichen Denken kommt, gibt es viel; und demjenigen, der nun gewohnt ist, wissenschaftlich zu denken, der gewissermaßen sein wissenschaftliches Denken geschult hat an den anderen Wissenschaften, dem ergeben sich Hunderte und Hunderte solcher merkwürdiger Denkrätsel, wo man stille stehen muss. Es ist schon fast in unserer Zeit, in der man ja insbesondere wissenschaftlich diese Dinge nicht liebt, eine Art Gewohnheit geworden, wenn man an solche Dinge kommt, zu sagen: Da steht halt das menschliche Forschen an einer Grenze. Über diese Dinge kommt man nicht hinaus.
[ 29 ] Derjenige, der auf der geisteswissenschaftlichen Methode, wie sie in den angeführten Büchern entwickelt ist, sich schult, der findet, dass man allerdings an solche Grenzpunkte kommt, dass man aber dann nicht theoretisch dabei stehen zu bleiben hat, sondern zu beginnen hat — nun, mit diesen Problemen, bis zu welchen das gewöhnliche menschliche Denken wie zu konzentrierten Widersprüchen führt, beginnt erst recht einzusetzen mit der Kraft, die der Mensch in seinem Seelenleben entwickeln kann, sodass man nicht durch Hypothesen und Spekulationen versucht, über solche Grenzen leichtsinnig hinwegzuschreiten und etwa Phantasien aufzustellen über eine metaphysische Welt —, sondern dass man versucht, nun sich zu fragen: Kannst du vielleicht so recht klar ins Auge fassen, was da eigentlich in dein Denken einzieht als Widerspruch? Kannst du nun starke seelische Kräfte entwickeln, die dich hinausführen, die dir möglich machen, das Denken, das ganze Seelenleben über solche Punkte hinauszuführen?
[ 29 ] Derjenige, der auf der geisteswissenschaftlichen Methode, wie sie in den angeführten Büchern entwickelt ist, sich schult, der findet, dass man allerdings an solche Grenzpunkte kommt, dass man aber dann nicht theoretisch dabei stehen zu bleiben hat, sondern zu beginnen hat — nun, mit diesen Problemen, bis zu welchen das gewöhnliche menschliche Denken wie zu konzentrierten Widersprüchen führt, beginnt erst recht einzusetzen mit der Kraft, die der Mensch in seinem Seelenleben entwickeln kann, sodass man nicht durch Hypothesen und Spekulationen versucht, über solche Grenzen leichtsinnig hinwegzuschreiten und etwa Phantasien aufzustellen über eine metaphysische Welt —, sondern dass man versucht, nun sich zu fragen: Kannst du vielleicht so recht klar ins Auge fassen, was da eigentlich in dein Denken einzieht als Widerspruch? Kannst du nun starke seelische Kräfte entwickeln, die dich hinausführen, die dir möglich machen, das Denken, das ganze Seelenleben über solche Punkte hinauszuführen?
[ 30 ] Und so liegt es nämlich in dem guten Willen und in dem starken, ernsten Willen, das eigene Seelenleben jetzt wirklich an diesen klaren Menschenrätseln zu erproben. Man findet nun, dass das Denken, das man gewohnt ist und das auch gut und zweckmäßig für das äußere Sinnenleben ist, mit Recht zu solchen Grenzen führt; denn es ist gut, wenn man so denkt mit Bezug auf alles, was das äußere Sinnenleben betrifft. Man findet sich da am unbefangensten in diesem Leben der Sinne zurecht, kommt aber auch nicht darüber hinaus. Ich werde nun versuchen anzugeben, wie das Denken in gewisser Weise innerlich, der Art nach, aufrücken muss, in anderer Art sich zur Welt zu stellen als das gewöhnliche Denken. Da ist notwendig, dass das Denken bei sich etwas vornimmt, das geradezu genannt werden kann eine Erweiterung des ganzen bewussten Seelenlebens. Ich werde von einem Negativen ausgehen. Ich gehe aus davon, zuerst zu sagen, was mit dem Seelenleben nicht vor sich gehen soll. Nicht soll vor sich gehen das, was sich als Verengerung des Bewusstseins darstellt bei allen mehr oder weniger krankhaften Einflüssen auf das Bewusstsein.
[ 30 ] Und so liegt es nämlich in dem guten Willen und in dem starken, ernsten Willen, das eigene Seelenleben jetzt wirklich an diesen klaren Menschenrätseln zu erproben. Man findet nun, dass das Denken, das man gewohnt ist und das auch gut und zweckmäßig für das äußere Sinnenleben ist, mit Recht zu solchen Grenzen führt; denn es ist gut, wenn man so denkt mit Bezug auf alles, was das äußere Sinnenleben betrifft. Man findet sich da am unbefangensten in diesem Leben der Sinne zurecht, kommt aber auch nicht darüber hinaus. Ich werde nun versuchen anzugeben, wie das Denken in gewisser Weise innerlich, der Art nach, aufrücken muss, in anderer Art sich zur Welt zu stellen als das gewöhnliche Denken. Da ist notwendig, dass das Denken bei sich etwas vornimmt, das geradezu genannt werden kann eine Erweiterung des ganzen bewussten Seelenlebens. Ich werde von einem Negativen ausgehen. Ich gehe aus davon, zuerst zu sagen, was mit dem Seelenleben nicht vor sich gehen soll. Nicht soll vor sich gehen das, was sich als Verengerung des Bewusstseins darstellt bei allen mehr oder weniger krankhaften Einflüssen auf das Bewusstsein.
[ 31 ] Nehmen Sie alles das, was man als Suggestion, Hypnose und so weiter hat, so haben Sie das Gegenteil von dem, was Geistesforschung anstreben muss. Daher kann man geradezu zunächst negativ sagen: Der Weg der Geistesforschung geht in der gerade entgegengesetzten Richtung, in die das Bewusstsein kommt, wenn es unter Hypnose oder Suggestion gerät. Die Hypnose besteht darin, dass der Mensch einen solchen Einfluss auf sein Bewusstsein erfährt, dass er sich nicht kritisch gegenüber suggestiven Einflüssen verhalten kann. Wir wissen ja, man kann die Menschen in solche hypnotische Zustände bringen, dass sie die unglaublichsten Dinge für wahr halten, dass sie eine Kartoffel für einen Apfel ansehen. Man kann dann sagen: Das menschliche Vorstellen wird durch solche Einflüsse verengert und es wird hinweggeschafft die kritische Möglichkeit, die sich sagt: Was alles dagegenspricht, dass ich einen Apfel vor mir habe, wenn ich eine Kartoffel vor mir habe. Die Kritikfähigkeit des Menschen wird eingeschränkt, die Einwände, die sich das gesunde Bewusstsein macht, die werden paralysiert. Daher ist jede Hypnose etwas Pathologisches.
[ 31 ] Nehmen Sie alles das, was man als Suggestion, Hypnose und so weiter hat, so haben Sie das Gegenteil von dem, was Geistesforschung anstreben muss. Daher kann man geradezu zunächst negativ sagen: Der Weg der Geistesforschung geht in der gerade entgegengesetzten Richtung, in die das Bewusstsein kommt, wenn es unter Hypnose oder Suggestion gerät. Die Hypnose besteht darin, dass der Mensch einen solchen Einfluss auf sein Bewusstsein erfährt, dass er sich nicht kritisch gegenüber suggestiven Einflüssen verhalten kann. Wir wissen ja, man kann die Menschen in solche hypnotische Zustände bringen, dass sie die unglaublichsten Dinge für wahr halten, dass sie eine Kartoffel für einen Apfel ansehen. Man kann dann sagen: Das menschliche Vorstellen wird durch solche Einflüsse verengert und es wird hinweggeschafft die kritische Möglichkeit, die sich sagt: Was alles dagegenspricht, dass ich einen Apfel vor mir habe, wenn ich eine Kartoffel vor mir habe. Die Kritikfähigkeit des Menschen wird eingeschränkt, die Einwände, die sich das gesunde Bewusstsein macht, die werden paralysiert. Daher ist jede Hypnose etwas Pathologisches.
[ 32 ] Geisteswissenschaft geht gerade nach der entgegengesetzten Seite. Sie beruht darauf — es ist schwierig für die Dinge, die noch wenig bekannt sind, gangbare Aussprüche zu finden. Daher verzeihen Sie, wenn die Ausdrücke manchmal unschön und holperig sind. Aber es werden schon noch Zeiten kommen, wo prägnantere Ausdrücke geprägt werden können. Das Denken, von dem der Ausgangspunkt genommen werden muss, das muss gelenkiger gemacht werden, als es ist im gewöhnlichen tagwachenden Bewusstsein, wo es sich hält an das, was ihm die äußeren Erkenntnisse zeigen, was der Strom des äuReren Weltganges ist. Es muss sich, ohne irgendwie sich phantastisch zu gestalten, gewöhnen, sich gelenkiger zu machen. Ein Elementarisches ist es, dass man sich darin übt, möglichst vielseitig bei einem Erlebnis sich Ansichten darüber zu bilden, aber es in der Gewohnheit zu haben, auch die Einwände zur Hand zu haben, sodass man in die Lage kommt, gelenkiger von einem Gedanken zum anderen zu kommen, sich zu sagen das Für und Wider, ein zweites Wider, ein drittes Gegen als zweite Probe. Sie werden zugeben, das gewöhnliche Denken wird sich ungeheuer wohlfühlen, eine Ansicht zu haben.
[ 32 ] Geisteswissenschaft geht gerade nach der entgegengesetzten Seite. Sie beruht darauf — es ist schwierig für die Dinge, die noch wenig bekannt sind, gangbare Aussprüche zu finden. Daher verzeihen Sie, wenn die Ausdrücke manchmal unschön und holperig sind. Aber es werden schon noch Zeiten kommen, wo prägnantere Ausdrücke geprägt werden können. Das Denken, von dem der Ausgangspunkt genommen werden muss, das muss gelenkiger gemacht werden, als es ist im gewöhnlichen tagwachenden Bewusstsein, wo es sich hält an das, was ihm die äußeren Erkenntnisse zeigen, was der Strom des äuReren Weltganges ist. Es muss sich, ohne irgendwie sich phantastisch zu gestalten, gewöhnen, sich gelenkiger zu machen. Ein Elementarisches ist es, dass man sich darin übt, möglichst vielseitig bei einem Erlebnis sich Ansichten darüber zu bilden, aber es in der Gewohnheit zu haben, auch die Einwände zur Hand zu haben, sodass man in die Lage kommt, gelenkiger von einem Gedanken zum anderen zu kommen, sich zu sagen das Für und Wider, ein zweites Wider, ein drittes Gegen als zweite Probe. Sie werden zugeben, das gewöhnliche Denken wird sich ungeheuer wohlfühlen, eine Ansicht zu haben.
[ 33 ] Diese Einfachheit kann sich der Geistesforscher — natürlich im gewöhnlichen Leben kann etwas nützlich sein, was der Geistesforscher nicht brauchen kann —, diese Einfachheit kann sich der Geistesforscher nicht immer gestatten. Er muss in der Tat das Bewusstsein nicht verengern, sondern es erweitern; er muss in die Lage kommen, sich zu sagen, was alles gegen eine Ansicht eingewendet werden kann, was alles von den verschiedensten Seiten her spricht. Möglichst allseitige Meinungen und Gedanken über irgendeinen einzelnen Gegenstand muss der Geistesforscher entwickeln lernen. Das kann nur sein dadurch, dass der Geistesforscher dazu kommt, seine Interessen möglichst vielseitig zu machen, eine wirkliche Begabung dafür, nach und nach sich anzueignen aus dem Leben heraus, aus dem Studium des Lebens heraus, möglichst vielseitig über alle Dinge denken zu lernen.
[ 33 ] Diese Einfachheit kann sich der Geistesforscher — natürlich im gewöhnlichen Leben kann etwas nützlich sein, was der Geistesforscher nicht brauchen kann —, diese Einfachheit kann sich der Geistesforscher nicht immer gestatten. Er muss in der Tat das Bewusstsein nicht verengern, sondern es erweitern; er muss in die Lage kommen, sich zu sagen, was alles gegen eine Ansicht eingewendet werden kann, was alles von den verschiedensten Seiten her spricht. Möglichst allseitige Meinungen und Gedanken über irgendeinen einzelnen Gegenstand muss der Geistesforscher entwickeln lernen. Das kann nur sein dadurch, dass der Geistesforscher dazu kommt, seine Interessen möglichst vielseitig zu machen, eine wirkliche Begabung dafür, nach und nach sich anzueignen aus dem Leben heraus, aus dem Studium des Lebens heraus, möglichst vielseitig über alle Dinge denken zu lernen.
[ 34 ] Nicht auf die vielseitige Ansicht kommt es an, sondern auf die Gelenkigkeit des Denkens, auf die Erweiterung des Bewusstseins. Dem muss allerdings parallel gehen eine vollständige Kontrolle über das, was das eigene Selbst sich nach dieser Richtung leisten darf. Ohne Selbstkontrolle kann man sehr phantastisch werden. Wie diese Balance zwischen der Erweiterung der Denkinteressen, der Vorstellungs-, Gefühls-, Willensinteressen in der Selbstkontrolle zu erreichen ist, darüber sind ausführliche Studien in meinen Schriften zu finden. Hier möchte ich nur so viel sagen, dass jeder Mensch sich klarmachen kann: Das hast du erlebt im Laufe deines Lebens, du kannst dir ein Urteil über dieses und jenes erlauben. In dieser Bezichung wird man als Geistesforscher ungemein bescheiden. Man fragt sich: Wie weit reicht die Vorbildung, die das Leben gibt? Reicht das, um über irgendetwas zu urteilen? Das muss da sein. Denn geht man über das, was so in der ganzen Art seines seelischen Vorlebens geht, geht man über das hinaus, dann verfällt man der Phantasie, dann kann man das Blaue und Rote von allen Seiten herbeibringen, bei dem, was ich als Erweiterung des Denkens bezeichnete. Nun, es ist ein Anfang, der aber immer weiter und weiter führt.
[ 34 ] Nicht auf die vielseitige Ansicht kommt es an, sondern auf die Gelenkigkeit des Denkens, auf die Erweiterung des Bewusstseins. Dem muss allerdings parallel gehen eine vollständige Kontrolle über das, was das eigene Selbst sich nach dieser Richtung leisten darf. Ohne Selbstkontrolle kann man sehr phantastisch werden. Wie diese Balance zwischen der Erweiterung der Denkinteressen, der Vorstellungs-, Gefühls-, Willensinteressen in der Selbstkontrolle zu erreichen ist, darüber sind ausführliche Studien in meinen Schriften zu finden. Hier möchte ich nur so viel sagen, dass jeder Mensch sich klarmachen kann: Das hast du erlebt im Laufe deines Lebens, du kannst dir ein Urteil über dieses und jenes erlauben. In dieser Bezichung wird man als Geistesforscher ungemein bescheiden. Man fragt sich: Wie weit reicht die Vorbildung, die das Leben gibt? Reicht das, um über irgendetwas zu urteilen? Das muss da sein. Denn geht man über das, was so in der ganzen Art seines seelischen Vorlebens geht, geht man über das hinaus, dann verfällt man der Phantasie, dann kann man das Blaue und Rote von allen Seiten herbeibringen, bei dem, was ich als Erweiterung des Denkens bezeichnete. Nun, es ist ein Anfang, der aber immer weiter und weiter führt.
[ 35 ] Es kommt dabei nicht darauf an, meine sehr verehrten Anwesenden, diesen oder jenen Gedanken zu äußern, sondern mit seinem Denken sich über das gewöhnliche, alltägliche Bewusstsein so zu erheben, dass man ein neues Lebenselement anwesend, gegenwärtig macht. Das, was dann in diesem gelenkigen Denken lebt — das Wahrnehmen des ganz von unserem Leib und unserem Denken unabhängigen Pulsierens in dem einander stützenden Vorstellen und Fühlen —, das zu schauen, darauf kommt es an und da strömt allmählich das gewöhnliche Bewusstsein in das schauende Bewusstsein hinüber, wacht auf in einem neuen Lebenselemente.
[ 35 ] Es kommt dabei nicht darauf an, meine sehr verehrten Anwesenden, diesen oder jenen Gedanken zu äußern, sondern mit seinem Denken sich über das gewöhnliche, alltägliche Bewusstsein so zu erheben, dass man ein neues Lebenselement anwesend, gegenwärtig macht. Das, was dann in diesem gelenkigen Denken lebt — das Wahrnehmen des ganz von unserem Leib und unserem Denken unabhängigen Pulsierens in dem einander stützenden Vorstellen und Fühlen —, das zu schauen, darauf kommt es an und da strömt allmählich das gewöhnliche Bewusstsein in das schauende Bewusstsein hinüber, wacht auf in einem neuen Lebenselemente.
[ 36 ] Es ist natürlich damit nur in abstrakter Weise der Anfang charakterisiert; aber die Verfolgung dieses Anfanges führt wirklich zu etwas, was wie ein Aufwachen aus dem gewöhnlichen Bewusstsein ist. Der Geistesforscher muss in der Tat im hohen Grad dasjenige entwickeln, was sich nach der entgegengesetzten Seite jener Verengerung einstellt, die in der Suggestion, Hypnose und so weiter zu finden ist. Der Geistesforscher muss geradezu entwickeln eine gewisse Sehnsucht gegen alles das, was sich ihm als Meinung aufdrängt, die Einwände zu machen. Daher werden die verehrten Zuhörer, die mich öfters hören konnten, finden, dass, indem ich versuche, Geisteswissenschaft in der Gegenwart zu treiben, ich es geradezu zu meiner Gewohnheit gemacht habe, überall, wenn nur irgendetwas gesagt wird, auch die Gegenmeinung anzuführen, die Einwände überall vorzunehmen. Man erinnere sich an Vorträge, wie ich überall angeführt habe, das oder jenes kann eingewendet werden, das kann der Gegner sagen und so weiter. Ich darf wohl sagen, dass ich dies in meinen verschiedenen Schriften wirklich in einem ausgedehnten Maße getan habe, in einem solchen Maße, dass demjenigen, der böswillig oder hasserfüllt Einwände machen will gegen Geisteswissenschaft, in meinen Schriften hinlänglich diese Einwände zugänglich sind. Er findet sie alle darinnen, und er braucht nur das, was ich vertrete, wegzulassen und die Einwände abzuschreiben, was in letzter Zeit eine geübte Methode geworden ist, der sieht, wie in gehässiger Weise Geisteswissenschaft bekämpft wird.
[ 36 ] Es ist natürlich damit nur in abstrakter Weise der Anfang charakterisiert; aber die Verfolgung dieses Anfanges führt wirklich zu etwas, was wie ein Aufwachen aus dem gewöhnlichen Bewusstsein ist. Der Geistesforscher muss in der Tat im hohen Grad dasjenige entwickeln, was sich nach der entgegengesetzten Seite jener Verengerung einstellt, die in der Suggestion, Hypnose und so weiter zu finden ist. Der Geistesforscher muss geradezu entwickeln eine gewisse Sehnsucht gegen alles das, was sich ihm als Meinung aufdrängt, die Einwände zu machen. Daher werden die verehrten Zuhörer, die mich öfters hören konnten, finden, dass, indem ich versuche, Geisteswissenschaft in der Gegenwart zu treiben, ich es geradezu zu meiner Gewohnheit gemacht habe, überall, wenn nur irgendetwas gesagt wird, auch die Gegenmeinung anzuführen, die Einwände überall vorzunehmen. Man erinnere sich an Vorträge, wie ich überall angeführt habe, das oder jenes kann eingewendet werden, das kann der Gegner sagen und so weiter. Ich darf wohl sagen, dass ich dies in meinen verschiedenen Schriften wirklich in einem ausgedehnten Maße getan habe, in einem solchen Maße, dass demjenigen, der böswillig oder hasserfüllt Einwände machen will gegen Geisteswissenschaft, in meinen Schriften hinlänglich diese Einwände zugänglich sind. Er findet sie alle darinnen, und er braucht nur das, was ich vertrete, wegzulassen und die Einwände abzuschreiben, was in letzter Zeit eine geübte Methode geworden ist, der sieht, wie in gehässiger Weise Geisteswissenschaft bekämpft wird.
[ 37 ] Dieses Versuchen, gelenkiger zu machen das Denken, ist es, worauf es ankommt und wovon man den Ausgangspunkt nehmen kann, um zu erschen: Worum handelt es sich bei solchen Behauptungen wie denen des Friedrich Theodor Vischer? Da handelt es sich darum, dass man an sich bindet [Lücke]. Das Gehirn muss an diese Grenze kommen und eben das überschauen, dass es solche Grenzen geben muss. Das führt über sie hinaus. Bei dem Denken, bei dem man erlebt: Jetzt bist du nicht mehr innerhalb des Leibes, jetzt bist du außerhalb der Welt, mit der das gewöhnliche Bewusstsein zu tun hat. Jetzt bist du in dem aufgewachten, in dem schauenden Bewusstsein. Und dann, wenn man also dieses Bewusstsein entwickelt hat, dann wird in der Tat die Möglichkeit herbeigeführt, ein gesundes Urteil über beiderlei Bewusstseine sich zu erwerben.
[ 37 ] Dieses Versuchen, gelenkiger zu machen das Denken, ist es, worauf es ankommt und wovon man den Ausgangspunkt nehmen kann, um zu erschen: Worum handelt es sich bei solchen Behauptungen wie denen des Friedrich Theodor Vischer? Da handelt es sich darum, dass man an sich bindet [Lücke]. Das Gehirn muss an diese Grenze kommen und eben das überschauen, dass es solche Grenzen geben muss. Das führt über sie hinaus. Bei dem Denken, bei dem man erlebt: Jetzt bist du nicht mehr innerhalb des Leibes, jetzt bist du außerhalb der Welt, mit der das gewöhnliche Bewusstsein zu tun hat. Jetzt bist du in dem aufgewachten, in dem schauenden Bewusstsein. Und dann, wenn man also dieses Bewusstsein entwickelt hat, dann wird in der Tat die Möglichkeit herbeigeführt, ein gesundes Urteil über beiderlei Bewusstseine sich zu erwerben.
[ 38 ] Dieses gesunde Urteilen ist heute leider noch so selten zu finden: Aber es wird schon kommen und muss kommen. Erweiterung der Interessen, sagte ich, Erweiterung überhaupt des ganzen Bewusstseins! Man muss in der Tat die Möglichkeit gewinnen, ich möchte sagen unterzutauchen in die Dinge, ganz aus sich herauszugehen, nicht wie man es in falscher Mystik macht, immer mehr und mehr in sich hineinzugehen, nicht Erweiterung eines brütenden Innenlebens ist es, worauf es ankommt, sondern auf die Erweiterung der äußeren Interessen, auf ein liebevolles Eingehen auf alles, was um uns in den Reichen der Natur ist. Mancherlei falsche Mystik steht der wirklichen, gesunden Geisteswissenschaft entgegen, falsche Mystik, die glaubt, einen erhabenen Standpunkt zu gewinnen, und gerade die Interessen wieder einengt, statt sie zu erweitern.
[ 38 ] Dieses gesunde Urteilen ist heute leider noch so selten zu finden: Aber es wird schon kommen und muss kommen. Erweiterung der Interessen, sagte ich, Erweiterung überhaupt des ganzen Bewusstseins! Man muss in der Tat die Möglichkeit gewinnen, ich möchte sagen unterzutauchen in die Dinge, ganz aus sich herauszugehen, nicht wie man es in falscher Mystik macht, immer mehr und mehr in sich hineinzugehen, nicht Erweiterung eines brütenden Innenlebens ist es, worauf es ankommt, sondern auf die Erweiterung der äußeren Interessen, auf ein liebevolles Eingehen auf alles, was um uns in den Reichen der Natur ist. Mancherlei falsche Mystik steht der wirklichen, gesunden Geisteswissenschaft entgegen, falsche Mystik, die glaubt, einen erhabenen Standpunkt zu gewinnen, und gerade die Interessen wieder einengt, statt sie zu erweitern.
[ 39 ] Man möge mir verzeihen, wenn ich ein triviales Beispiel anführe. Ich war in der Lage, einer Anzahl von Persönlichkeiten, die sich für Geistesforschung interessierten, ich möchte sagen die Vorträge, die gehalten wurden, anzuordnen, das Programm zu machen. Innerhalb dieses Programms war auch der Vortrag eines Mannes, der sehr eigentümlich gesprochen hat, so gesprochen hat, dass die Mehrzahl der bei jener Versammlung dazumal Anwesenden die Sache für den vollkommensten Unsinn gehalten hat, sich entsetzt hat über diesen Unsinn; und bald wäre es dazu gekommen, dass ich allein sitzen geblieben wäre, um zuzuhören demjenigen, was für Unsinn gehalten worden ist. Ja, gewiss, jeder darf sich selbstverständlich berechtigt fühlen, dasjenige, was er für einen Unsinn hält, sich nicht anzuhören. Aber eigentlich Geistesforscher kann man nicht werden, wenn man eine solche Seelenverfassung hat: Das höre ich nicht an. Wäre ein Schimpanse vorgeführt worden, so großes Interesse [Lücke], aber das, was nach der Meinung der Zuhörer verirrte Menschenseelen anzuführen hatten, das wurde abgelehnt. Das bedeutet Verengerung der Interessen.
[ 39 ] Man möge mir verzeihen, wenn ich ein triviales Beispiel anführe. Ich war in der Lage, einer Anzahl von Persönlichkeiten, die sich für Geistesforschung interessierten, ich möchte sagen die Vorträge, die gehalten wurden, anzuordnen, das Programm zu machen. Innerhalb dieses Programms war auch der Vortrag eines Mannes, der sehr eigentümlich gesprochen hat, so gesprochen hat, dass die Mehrzahl der bei jener Versammlung dazumal Anwesenden die Sache für den vollkommensten Unsinn gehalten hat, sich entsetzt hat über diesen Unsinn; und bald wäre es dazu gekommen, dass ich allein sitzen geblieben wäre, um zuzuhören demjenigen, was für Unsinn gehalten worden ist. Ja, gewiss, jeder darf sich selbstverständlich berechtigt fühlen, dasjenige, was er für einen Unsinn hält, sich nicht anzuhören. Aber eigentlich Geistesforscher kann man nicht werden, wenn man eine solche Seelenverfassung hat: Das höre ich nicht an. Wäre ein Schimpanse vorgeführt worden, so großes Interesse [Lücke], aber das, was nach der Meinung der Zuhörer verirrte Menschenseelen anzuführen hatten, das wurde abgelehnt. Das bedeutet Verengerung der Interessen.
[ 40 ] Die Erweiterung der Interessen aber ist notwendig, notwendig ist, sich hinzugeben allem, was aus einer menschlichen Seele kommen kann und zu wissen: Aus allem spricht das, was hinter den Dingen steht und was du gerade erforschen sollst. Besonders charakteristisch ist es, dass es für die Geistesforschung begeisterte Menschen waren, die da gezeigt haben, dass, wenn es darauf ankommt wahrzumachen, was Grundforderung der Geistesforschung ist, dass sie da nicht mitwollten, wie es sehr häufig ist. Nun, ich sagte: Ein gesundes Urteil kann man gewinnen über die zwei Bewusstseine, wenn man mit der Sache ernst ist. Nicht wahr, wenn einer schlecht schläft, sei es, dass er zu viel gegessen hat, sei es [Lücke] und schlecht träumt, so kann er sich am nächsten Tage nicht ordentlich in die gewöhnliche Welt hineinstellen. Er träumt fort oder ärgert sich fort. Ebenso wenig kann man in die geistige Welt mit dem schauenden Bewusstsein eintreten, wenn man sich nicht ein gesundes Urteil aneignet über alle Ereignisse der gewohnten Welt. Träumer, die nicht fertig werden können über die gewöhnliche Sinneswelt, die nicht mit den alleralltäglichsten Handlungen sich zurechtfinden können, die können ebenso wenig hoffen, in der geistigen Welt zurechtzukommen, ebenso wenig wie derjenige, der sich den Schlaf verdirbt, hoffen kann, mit dem Tag zurechtzukommen. Streben nach gesundem Seelenleben, nicht mystische Verworrenheit, nicht mystischer Hochmut, das ist eine der ersten Forderungen. Und ein gesundes Urteil über das, was das gewöhnliche Bewusstsein ist, auch den Willen dazu, innerhalb der gewöhnlichen Sinneswelt sich ein gesundes Urteil anzueignen, das gehört zum Aufrücken in das schauende Bewusstsein. Dann gibt es eben einen Weg, in dieses schauende Bewusstsein aufzurücken. Dann aber eröffnet sich die Möglichkeit, etwas zu schauen, was als ein Drittes da ist — leibliche Welt, seelisches Erlebnis, geistige Welt. Diese geistige Welt ist für die meisten Menschen überhaupt nichts, was sie zugeben. Aber man kann aufrücken.
[ 40 ] Die Erweiterung der Interessen aber ist notwendig, notwendig ist, sich hinzugeben allem, was aus einer menschlichen Seele kommen kann und zu wissen: Aus allem spricht das, was hinter den Dingen steht und was du gerade erforschen sollst. Besonders charakteristisch ist es, dass es für die Geistesforschung begeisterte Menschen waren, die da gezeigt haben, dass, wenn es darauf ankommt wahrzumachen, was Grundforderung der Geistesforschung ist, dass sie da nicht mitwollten, wie es sehr häufig ist. Nun, ich sagte: Ein gesundes Urteil kann man gewinnen über die zwei Bewusstseine, wenn man mit der Sache ernst ist. Nicht wahr, wenn einer schlecht schläft, sei es, dass er zu viel gegessen hat, sei es [Lücke] und schlecht träumt, so kann er sich am nächsten Tage nicht ordentlich in die gewöhnliche Welt hineinstellen. Er träumt fort oder ärgert sich fort. Ebenso wenig kann man in die geistige Welt mit dem schauenden Bewusstsein eintreten, wenn man sich nicht ein gesundes Urteil aneignet über alle Ereignisse der gewohnten Welt. Träumer, die nicht fertig werden können über die gewöhnliche Sinneswelt, die nicht mit den alleralltäglichsten Handlungen sich zurechtfinden können, die können ebenso wenig hoffen, in der geistigen Welt zurechtzukommen, ebenso wenig wie derjenige, der sich den Schlaf verdirbt, hoffen kann, mit dem Tag zurechtzukommen. Streben nach gesundem Seelenleben, nicht mystische Verworrenheit, nicht mystischer Hochmut, das ist eine der ersten Forderungen. Und ein gesundes Urteil über das, was das gewöhnliche Bewusstsein ist, auch den Willen dazu, innerhalb der gewöhnlichen Sinneswelt sich ein gesundes Urteil anzueignen, das gehört zum Aufrücken in das schauende Bewusstsein. Dann gibt es eben einen Weg, in dieses schauende Bewusstsein aufzurücken. Dann aber eröffnet sich die Möglichkeit, etwas zu schauen, was als ein Drittes da ist — leibliche Welt, seelisches Erlebnis, geistige Welt. Diese geistige Welt ist für die meisten Menschen überhaupt nichts, was sie zugeben. Aber man kann aufrücken.
[ 41 ] Gerade wenn man sich dieses schauende Bewusstsein aneignet, da findet man vor allen Dingen, dass, indem man zu dem gelenkigen Denken kommt, in diesem erst sich enthüllt seiner wahren Natur nach das, auf was zum Beispiel schon die Naturforschung immer hindeutet, über das sie viele hypothetische Anschauungen aufgebaut hat, mit dem sie aber als Naturforschung eigentlich nie zurechtgekommen ist. Da kommt man zu einer Auffassung der Äther-Idee. Stoßen Sie sich bitte nicht an dem Worte! Allein ich müsste viele Stunden sprechen, wenn ich die Anschauungen alle aufzählen wollte, die die Physik über den Äther gehabt hat. Aber es ist interessant, dass die Welt gerade in ihren strengsten wissenschaftlichen Vertretern zu diesem Äther hinstrebt, interessant, dass zum Beispiel Planck den schönen Satz enthält: «Man hat viel über den Äther gedacht; aber man wird, was man auch dem Äther für Eigenschaften beilegen wird, das Eine vielleicht schon heute sagen können: Der Äther muss etwas sein, was sich um uns her ausbreitet, uns durchdringt und was keine materiellen, keine stofflichen Eigenschaften hat.»
[ 41 ] Gerade wenn man sich dieses schauende Bewusstsein aneignet, da findet man vor allen Dingen, dass, indem man zu dem gelenkigen Denken kommt, in diesem erst sich enthüllt seiner wahren Natur nach das, auf was zum Beispiel schon die Naturforschung immer hindeutet, über das sie viele hypothetische Anschauungen aufgebaut hat, mit dem sie aber als Naturforschung eigentlich nie zurechtgekommen ist. Da kommt man zu einer Auffassung der Äther-Idee. Stoßen Sie sich bitte nicht an dem Worte! Allein ich müsste viele Stunden sprechen, wenn ich die Anschauungen alle aufzählen wollte, die die Physik über den Äther gehabt hat. Aber es ist interessant, dass die Welt gerade in ihren strengsten wissenschaftlichen Vertretern zu diesem Äther hinstrebt, interessant, dass zum Beispiel Planck den schönen Satz enthält: «Man hat viel über den Äther gedacht; aber man wird, was man auch dem Äther für Eigenschaften beilegen wird, das Eine vielleicht schon heute sagen können: Der Äther muss etwas sein, was sich um uns her ausbreitet, uns durchdringt und was keine materiellen, keine stofflichen Eigenschaften hat.»
[ 42 ] Also, selbst die Physik führt heute zu einer Ätheridee, die den Äther als unstofflich, als geistig hinstellt. Das ist sehr charakteristisch. Es gibt Wege, wo man wie in einem Tunnel von zwei Seiten her zusammenkommt. So werden sich Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft treffen. Aber das rein Geistige des Äthers kann nur gefunden werden, wenn das schauende Bewusstsein, das webende [unklare Stelle und Lücke].
[ 42 ] Also, selbst die Physik führt heute zu einer Ätheridee, die den Äther als unstofflich, als geistig hinstellt. Das ist sehr charakteristisch. Es gibt Wege, wo man wie in einem Tunnel von zwei Seiten her zusammenkommt. So werden sich Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft treffen. Aber das rein Geistige des Äthers kann nur gefunden werden, wenn das schauende Bewusstsein, das webende [unklare Stelle und Lücke].
[ 43 ] Dann nimmt man wahr, was in einem Aufsatz, den ich in der Zeitschrift «Das Reich» veröffentlicht habe, genannt habe in Bezug auf den Menschen, den Bildekräfteleib. Dieser Bildekräfteleib besteht aus demjenigen, was man Äther nennen kann. Aber dieser geistige Äther ist überall um uns herum. Lernt man den Bildekräfteleib in der Anschauung kennen, so stellt er sich dar als dasjenige, was in uns lebt zwischen Geburt und Tod. Es ist dem Naturforscher bekannt, dass das sich ändert, was in uns als Stoff ist. Dasjenige, was in uns so anwesend ist, dass es unser Leben — nicht den Körper —, unser Leben zwischen Geburt und dem Tode so zu einem einheitlichen macht, dass es das stoffliche Erlebnis von Zeit zu Zeit hinüberträgt, was als lebendiger Bildekräfteleib ist, das ist das Erste, was man mit dem schauenden Bewusstsein durchdringen kann. Dann muss man sich allerdings gewöhnen, so gewissenhaft vorzugehen, wie man vorgeht auf dem Boden der äußeren Naturwissenschaft, indem man sich nicht scheut, vom Einzelnen aufzusteigen zum Komplizierten und Ganzen.
[ 43 ] Dann nimmt man wahr, was in einem Aufsatz, den ich in der Zeitschrift «Das Reich» veröffentlicht habe, genannt habe in Bezug auf den Menschen, den Bildekräfteleib. Dieser Bildekräfteleib besteht aus demjenigen, was man Äther nennen kann. Aber dieser geistige Äther ist überall um uns herum. Lernt man den Bildekräfteleib in der Anschauung kennen, so stellt er sich dar als dasjenige, was in uns lebt zwischen Geburt und Tod. Es ist dem Naturforscher bekannt, dass das sich ändert, was in uns als Stoff ist. Dasjenige, was in uns so anwesend ist, dass es unser Leben — nicht den Körper —, unser Leben zwischen Geburt und dem Tode so zu einem einheitlichen macht, dass es das stoffliche Erlebnis von Zeit zu Zeit hinüberträgt, was als lebendiger Bildekräfteleib ist, das ist das Erste, was man mit dem schauenden Bewusstsein durchdringen kann. Dann muss man sich allerdings gewöhnen, so gewissenhaft vorzugehen, wie man vorgeht auf dem Boden der äußeren Naturwissenschaft, indem man sich nicht scheut, vom Einzelnen aufzusteigen zum Komplizierten und Ganzen.
[ 44 ] Man kann dann, wenn man so an das Elementarste gekommen ist, mit dem schauenden Bewusstsein nun auch erst fruchtbar untersuchen, worin zum Beispiel solche einfachen Erlebnisse bestehen wie Erinnern und Vergessen. Und da — ich kann natürlich die Sache nicht im Detail auseinandersetzen, aber auf die Ergebnisse der Geistesforschung kann ich hinweisen —, da findet man: Wenn ich mir eine Vorstellung bilde, diese in die Erinnerung hinuntertaucht, so wird das, was rein geistig abläuft, der körperlichen Organisation [Lücke].
[ 44 ] Man kann dann, wenn man so an das Elementarste gekommen ist, mit dem schauenden Bewusstsein nun auch erst fruchtbar untersuchen, worin zum Beispiel solche einfachen Erlebnisse bestehen wie Erinnern und Vergessen. Und da — ich kann natürlich die Sache nicht im Detail auseinandersetzen, aber auf die Ergebnisse der Geistesforschung kann ich hinweisen —, da findet man: Wenn ich mir eine Vorstellung bilde, diese in die Erinnerung hinuntertaucht, so wird das, was rein geistig abläuft, der körperlichen Organisation [Lücke].
[ 45 ] Gelingt es dem, was als rein geistige Energie vorhanden ist, das Leibliche so zu überwinden, dass dieses Leibliche gewissermaßen ertötet wird, gelingt es gewissermaßen, das Leibliche so herabzustimmen, dass das Geistige diesem Leiblichen durch gewisse Vorgänge sich so einprägt, dass das Geistige den Sieg über das Leibliche davongetragen hat, dann ist das die Grundlage zum Erinnern. Vergessen aber tritt ein, wenn das Leibliche wiederum die Oberhand gewinnt, wenn das, was durch den Geist eingeprägt wird, durch die Vitabilität wieder ausgelöscht wird. So eignet man sich an die Möglichkeit, demjenigen, was im Innern vorgeht, zuzuschauen. Und so gelangt man auch dazu, mit dem schauenden Bewusstsein nun nicht mehr zu stolpern, wenn man einen Memorierstoff aufsagt. Das heißt, man darf nicht glauben, dass die Sache so einfach geht. Auch derjenige, der schon Praxis hat in der Geisteswissenschaft, wird stottern, wenn er etwas aufsagt und sich zuhört. Aber das braucht er nicht. Indem er das schauende Bewusstsein hat, hat er eine Fähigkeit, die er nicht hatte. Er kann hinterher zurückschauen auf das, was in der Seele vorgegangen ist. Also, wenn es mit dem Aufsagen vorbei ist, sieht er zurück; es bleibt dem schauenden Bewusstsein, und er kann es hinterher beobachten. Man erlangt eben einen neuen Menschen in sich; es wacht ein neuer Mensch auf, der in bewusster Weise sich zum gewöhnlichen Menschen verhält wie der wache zum träumenden. Hat man das erlangt, dann wird man sich bewusst des in sich wachenden Menschen und man gelangt von dem Bewusstsein aus auch weiter. Man schaut nicht nur Erinnern und Vergessen in neuem Lichte, sondern auch Umfänglicheres. Man erlebt die Möglichkeit zu ersehen: Gewisse Eigenschaften hast du in dir, vererbt von den Vorfahren; aber eine Strömung ist da, die fortwährend diese ererbten Merkmale wegschafft, überwindet, worauf gerade die Selbstentwicklung des Menschen beruht.
[ 45 ] Gelingt es dem, was als rein geistige Energie vorhanden ist, das Leibliche so zu überwinden, dass dieses Leibliche gewissermaßen ertötet wird, gelingt es gewissermaßen, das Leibliche so herabzustimmen, dass das Geistige diesem Leiblichen durch gewisse Vorgänge sich so einprägt, dass das Geistige den Sieg über das Leibliche davongetragen hat, dann ist das die Grundlage zum Erinnern. Vergessen aber tritt ein, wenn das Leibliche wiederum die Oberhand gewinnt, wenn das, was durch den Geist eingeprägt wird, durch die Vitabilität wieder ausgelöscht wird. So eignet man sich an die Möglichkeit, demjenigen, was im Innern vorgeht, zuzuschauen. Und so gelangt man auch dazu, mit dem schauenden Bewusstsein nun nicht mehr zu stolpern, wenn man einen Memorierstoff aufsagt. Das heißt, man darf nicht glauben, dass die Sache so einfach geht. Auch derjenige, der schon Praxis hat in der Geisteswissenschaft, wird stottern, wenn er etwas aufsagt und sich zuhört. Aber das braucht er nicht. Indem er das schauende Bewusstsein hat, hat er eine Fähigkeit, die er nicht hatte. Er kann hinterher zurückschauen auf das, was in der Seele vorgegangen ist. Also, wenn es mit dem Aufsagen vorbei ist, sieht er zurück; es bleibt dem schauenden Bewusstsein, und er kann es hinterher beobachten. Man erlangt eben einen neuen Menschen in sich; es wacht ein neuer Mensch auf, der in bewusster Weise sich zum gewöhnlichen Menschen verhält wie der wache zum träumenden. Hat man das erlangt, dann wird man sich bewusst des in sich wachenden Menschen und man gelangt von dem Bewusstsein aus auch weiter. Man schaut nicht nur Erinnern und Vergessen in neuem Lichte, sondern auch Umfänglicheres. Man erlebt die Möglichkeit zu ersehen: Gewisse Eigenschaften hast du in dir, vererbt von den Vorfahren; aber eine Strömung ist da, die fortwährend diese ererbten Merkmale wegschafft, überwindet, worauf gerade die Selbstentwicklung des Menschen beruht.
[ 46 ] Und für diese zwei Strömungen bekommt man eine richtige Unterscheidung, kurz, man entdeckt dasjenige, was im Leibe lebt. Und hat man es entdeckt, dann überschaut man es so, dass man sieht: es ist auch vorhanden vor der Geburt und nach dem Tode. Es kommt aus der geistigen Welt, verkörpert sich, nimmt Leibesorganisation an, geht durch die Pforte des Todes. Man lernt es erkennen als dasjenige, was nicht an den Leib gebunden ist. Und dann stellt sich etwas ein, was auch einmal erwähnt werden muss, was aber allerdings heute noch ebenso schwer zu begreifen ist wie für die Zeitgenossen des Kopernikus schwer zu begreifen war, nun, dasjenige, was er hinstellte, er, der geradezu die Welt auf den Kopf stellte. So wird der Mensch lernen etwas Ähnliches durch Geisteswissenschaft mit Bezug auf sein Leibes- und Geistesleben und seelisches Erleben. Wir sprechen nur. Aber der Geistesforscher verbindet mit diesem Sprechen dasjenige, was ich eben charakterisiert habe, das eigentliche Seelenwesen, das ein bewusstes Seelenwesen ist, für das das gewöhnliche Leben Gegenstand ist.
[ 46 ] Und für diese zwei Strömungen bekommt man eine richtige Unterscheidung, kurz, man entdeckt dasjenige, was im Leibe lebt. Und hat man es entdeckt, dann überschaut man es so, dass man sieht: es ist auch vorhanden vor der Geburt und nach dem Tode. Es kommt aus der geistigen Welt, verkörpert sich, nimmt Leibesorganisation an, geht durch die Pforte des Todes. Man lernt es erkennen als dasjenige, was nicht an den Leib gebunden ist. Und dann stellt sich etwas ein, was auch einmal erwähnt werden muss, was aber allerdings heute noch ebenso schwer zu begreifen ist wie für die Zeitgenossen des Kopernikus schwer zu begreifen war, nun, dasjenige, was er hinstellte, er, der geradezu die Welt auf den Kopf stellte. So wird der Mensch lernen etwas Ähnliches durch Geisteswissenschaft mit Bezug auf sein Leibes- und Geistesleben und seelisches Erleben. Wir sprechen nur. Aber der Geistesforscher verbindet mit diesem Sprechen dasjenige, was ich eben charakterisiert habe, das eigentliche Seelenwesen, das ein bewusstes Seelenwesen ist, für das das gewöhnliche Leben Gegenstand ist.
[ 47 ] Der Geistesforscher zeigt, dass eine Vorstellung, die man im gewöhnlichen Leben hatte, ebenso falsch ist, wie falsch war die Vorstellung der vorkopernikanischen Zeit, dass die Sonne sich um die Erde bewege. Welches ist diese gewöhnliche Vorstellung? Das ist die, die da glaubt: Wir werden geboren, unsere Seele wird ebenso geboren, wird zwei, drei, vier, sieben, sechzig Jahre alt und so weiter. Die Seele läuft gewissermaßen so nach dem Leibesleben. Das ist die gewöhnliche triviale Vorstellung. Die Geistesforschung kommt dazu, diese triviale Vorstellung als falsch zu erkennen. Wir erinnern uns im Leben bis zu einem gewissen Zeitpunkt zurück. An diesem Zeitpunkt bleibt das, was wir unser eigentliches inneres Selbst nennen, in Wirklichkeit stehen. Bevor wir mit der Empfängnis die ersten Atome unseres Leibes empfangen [Lücke] unser Selbst geht gar nicht aus der geistigen Welt heraus, bleibt immer darinnen. Dasjenige, was sich zeitlich entwickelt, was sich verändert, das ist der Leib. Der Leib wirft dann seine Erfahrungen, seine Geschehnisse, in das Seelische zurück, das ruhend bleibt.
[ 47 ] Der Geistesforscher zeigt, dass eine Vorstellung, die man im gewöhnlichen Leben hatte, ebenso falsch ist, wie falsch war die Vorstellung der vorkopernikanischen Zeit, dass die Sonne sich um die Erde bewege. Welches ist diese gewöhnliche Vorstellung? Das ist die, die da glaubt: Wir werden geboren, unsere Seele wird ebenso geboren, wird zwei, drei, vier, sieben, sechzig Jahre alt und so weiter. Die Seele läuft gewissermaßen so nach dem Leibesleben. Das ist die gewöhnliche triviale Vorstellung. Die Geistesforschung kommt dazu, diese triviale Vorstellung als falsch zu erkennen. Wir erinnern uns im Leben bis zu einem gewissen Zeitpunkt zurück. An diesem Zeitpunkt bleibt das, was wir unser eigentliches inneres Selbst nennen, in Wirklichkeit stehen. Bevor wir mit der Empfängnis die ersten Atome unseres Leibes empfangen [Lücke] unser Selbst geht gar nicht aus der geistigen Welt heraus, bleibt immer darinnen. Dasjenige, was sich zeitlich entwickelt, was sich verändert, das ist der Leib. Der Leib wirft dann seine Erfahrungen, seine Geschehnisse, in das Seelische zurück, das ruhend bleibt.
[ 48 ] Das leibliche Leben — ich sage das sehr uneigentlich —, das leibliche Leben kreist gewissermaßen um das ruhig bleibende Seelenleben. Unser Seclenleben bleibt in der geistigen Welt drinnen, und was der Leib erlebt, wird in die geistige Welt hineingestrahlt. Und die Seele nimmt auf mit dem schauenden Bewusstsein, das bei jedem Menschen vorhanden ist, nimmt auf, was der Leib erlebt, und trägt es durch die Pforte des Todes als Ergebnis des Lebens. Das wird der Kopernikanismus des Seelenlebens sein, dass man erkennen wird, wie die Seele nicht folgt dem äußeren leiblichen Leben, sondern wie sich dieses um das geistige Leben als sein Zentrum dreht. Umkehren wird man die Vorstellung über das Scelenleben, wie der Kopernikanismus die Vorstellung umgekehrt hat in Bezug auf den Kosmos. Dann aber gelangt man dazu, auch das richtige Verhältnis zu erfassen, das besteht zwischen dem, was sich durch und mit Hilfe des Leibes abspielt, und dem, was als seelisches Wesen in uns wohnt.
[ 48 ] Das leibliche Leben — ich sage das sehr uneigentlich —, das leibliche Leben kreist gewissermaßen um das ruhig bleibende Seelenleben. Unser Seclenleben bleibt in der geistigen Welt drinnen, und was der Leib erlebt, wird in die geistige Welt hineingestrahlt. Und die Seele nimmt auf mit dem schauenden Bewusstsein, das bei jedem Menschen vorhanden ist, nimmt auf, was der Leib erlebt, und trägt es durch die Pforte des Todes als Ergebnis des Lebens. Das wird der Kopernikanismus des Seelenlebens sein, dass man erkennen wird, wie die Seele nicht folgt dem äußeren leiblichen Leben, sondern wie sich dieses um das geistige Leben als sein Zentrum dreht. Umkehren wird man die Vorstellung über das Scelenleben, wie der Kopernikanismus die Vorstellung umgekehrt hat in Bezug auf den Kosmos. Dann aber gelangt man dazu, auch das richtige Verhältnis zu erfassen, das besteht zwischen dem, was sich durch und mit Hilfe des Leibes abspielt, und dem, was als seelisches Wesen in uns wohnt.
[ 49 ] Wir können uns in die Welt besser stellen, wenn wir gewisse Fähigkeiten haben und so weiter. Das ist eine innere Konfiguration unseres Lebens. Woher kommt sie? Geisteswissenschaft widerspricht nicht der Naturwissenschaft. Selbstverständlich hängt vieles am Leibesleben; aber das, was da als Fähigkeiten auftritt, hängt ebenso sehr ab von dem, wo herum der Leib kreist, von dem Seelischen. Woher dieses? Aus der rein geistigen Welt, der es angehört. Und wenn wir aufsteigen aus der Erkenntnis, die ich beschrieben habe, zu immer höheren und höheren Stufen, dann steigen wir auf zu einer Erkenntnis der geistigen Welt, die wir dann anschauen. Geistesforschung kommt zu dem, was in uns lebt, was vor der Geburt vorhanden war, was hinaustritt in die geistige Welt nach dem Tode und was innerlich uns bestimmt und uns zu dem macht, das wir eigentlich sind. Die inneren Schicksalskräfte entdecken wir auf diese Weise. Innere Schicksalskräfte — ich werde den Ausdruck noch genauer erklären, wenn ich nun auch auf das äuRere Schicksal komme —, unsere Schicksale werden von innen und außen bestimmt durch das, was uns zufällt als Schicksal.
[ 49 ] Wir können uns in die Welt besser stellen, wenn wir gewisse Fähigkeiten haben und so weiter. Das ist eine innere Konfiguration unseres Lebens. Woher kommt sie? Geisteswissenschaft widerspricht nicht der Naturwissenschaft. Selbstverständlich hängt vieles am Leibesleben; aber das, was da als Fähigkeiten auftritt, hängt ebenso sehr ab von dem, wo herum der Leib kreist, von dem Seelischen. Woher dieses? Aus der rein geistigen Welt, der es angehört. Und wenn wir aufsteigen aus der Erkenntnis, die ich beschrieben habe, zu immer höheren und höheren Stufen, dann steigen wir auf zu einer Erkenntnis der geistigen Welt, die wir dann anschauen. Geistesforschung kommt zu dem, was in uns lebt, was vor der Geburt vorhanden war, was hinaustritt in die geistige Welt nach dem Tode und was innerlich uns bestimmt und uns zu dem macht, das wir eigentlich sind. Die inneren Schicksalskräfte entdecken wir auf diese Weise. Innere Schicksalskräfte — ich werde den Ausdruck noch genauer erklären, wenn ich nun auch auf das äuRere Schicksal komme —, unsere Schicksale werden von innen und außen bestimmt durch das, was uns zufällt als Schicksal.
[ 50 ] Halten wir fest daran, dass aufgestiegen werden kann von dem gewöhnlichen Wachbewusstsein zum schauenden Bewusstsein, und lehnen wir uns an an den Vergleich mit dem Traumbewusstsein. Im Traumbewausstsein laufen die Träume chaotisch ab. Die Außenwelt hat Einfluss auf das Chaos der Träume. Erinnern Sie sich: Jemand träumt. Er hört rufen: «Feuerio!» Er wacht auf, die Feuerwehr fährt vorbei. Die Traumwelt ist chaotisch.
[ 50 ] Halten wir fest daran, dass aufgestiegen werden kann von dem gewöhnlichen Wachbewusstsein zum schauenden Bewusstsein, und lehnen wir uns an an den Vergleich mit dem Traumbewusstsein. Im Traumbewausstsein laufen die Träume chaotisch ab. Die Außenwelt hat Einfluss auf das Chaos der Träume. Erinnern Sie sich: Jemand träumt. Er hört rufen: «Feuerio!» Er wacht auf, die Feuerwehr fährt vorbei. Die Traumwelt ist chaotisch.
[ 51 ] Schopenhauer, der in dieser Beziehung tiefer geschürft hat als mancher andere Philosoph, hat auch den Vergleich des Schicksals mit dem Traum gebraucht; nur hatte er noch nicht die Geisteswissenschaft. Im Traum haben wir ein Chaos. Wir ahnen die Zusammenhänge, wenn wir den Traum vergleichen mit der wachenden Wirklichkeit. Im Schicksal, das uns äußerlich trifft, haben wir Ereignisse, die an uns herankommen. Das gewöhnliche Wachbewusstsein, das noch nicht als ein Schauendes sich betätigt, steht dem, was wir die Schicksalserlebnisse nennen, so gegenüber wie der Träumende den Träumen. Er kann keine Ordnung hineinbringen. So erleben wir die Schicksale. Wir können keine Ordnung hineinbringen, brauchen es auch nicht, sollen es nicht können im gewöhnlichen Wachbewusstsein.
[ 51 ] Schopenhauer, der in dieser Beziehung tiefer geschürft hat als mancher andere Philosoph, hat auch den Vergleich des Schicksals mit dem Traum gebraucht; nur hatte er noch nicht die Geisteswissenschaft. Im Traum haben wir ein Chaos. Wir ahnen die Zusammenhänge, wenn wir den Traum vergleichen mit der wachenden Wirklichkeit. Im Schicksal, das uns äußerlich trifft, haben wir Ereignisse, die an uns herankommen. Das gewöhnliche Wachbewusstsein, das noch nicht als ein Schauendes sich betätigt, steht dem, was wir die Schicksalserlebnisse nennen, so gegenüber wie der Träumende den Träumen. Er kann keine Ordnung hineinbringen. So erleben wir die Schicksale. Wir können keine Ordnung hineinbringen, brauchen es auch nicht, sollen es nicht können im gewöhnlichen Wachbewusstsein.
[ 52 ] Aber wie ist es denn mit dem, was eigentlich in diesem Schicksal um den Menschen herum und mit dem Menschen sich abspielt? Für das innere Schicksal gebraucht sehr häufig das heutige naturwissenschaftliche Denken unnaturwissenschaftliche Begriffe. Und es sind sehr schöne Bücher geschrieben worden, zum Beispiel ein sehr schönes über Goethe, worin Goethes Eigenschaften aufgesucht werden, dann gesucht werden Vater, Großvater, Urgroßvater. Einzelne Eigenschaften, die bei Goethe konzentriert auftreten, die werden verfolgt bei den Vorfahren. Der Naturwissenschaftler kann sagen: Nun kommst du Geisteswissenschaftler und willst uns das widerlegen. Allein, was Naturwissenschaft da feststellt, will von der Geisteswissenschaft nicht abgeleugnet werden. Aber rechte Logik ist da gar nicht drinnen. Denn was müsste sie tun? Sie müsste ein Genie aufzeigen und zeigen, wie die Nachkommen die Eigenschaften erwerben, die schon da sind. Dass der Nachkomme gewisse Eigenschaften der Vorfahren hat, das ist nicht mehr, wie wenn jemand aus dem Wasser gezogen wird und dann nass ist. Aber man wird bleiben lassen zu prüfen, inwiefern die Genies die genialen Eigenschaften erwerben. Wenn man diese Dinge durchgeht, findet man bei den Nachkommen nicht immer dieselben genialen Eigenschaften.
[ 52 ] Aber wie ist es denn mit dem, was eigentlich in diesem Schicksal um den Menschen herum und mit dem Menschen sich abspielt? Für das innere Schicksal gebraucht sehr häufig das heutige naturwissenschaftliche Denken unnaturwissenschaftliche Begriffe. Und es sind sehr schöne Bücher geschrieben worden, zum Beispiel ein sehr schönes über Goethe, worin Goethes Eigenschaften aufgesucht werden, dann gesucht werden Vater, Großvater, Urgroßvater. Einzelne Eigenschaften, die bei Goethe konzentriert auftreten, die werden verfolgt bei den Vorfahren. Der Naturwissenschaftler kann sagen: Nun kommst du Geisteswissenschaftler und willst uns das widerlegen. Allein, was Naturwissenschaft da feststellt, will von der Geisteswissenschaft nicht abgeleugnet werden. Aber rechte Logik ist da gar nicht drinnen. Denn was müsste sie tun? Sie müsste ein Genie aufzeigen und zeigen, wie die Nachkommen die Eigenschaften erwerben, die schon da sind. Dass der Nachkomme gewisse Eigenschaften der Vorfahren hat, das ist nicht mehr, wie wenn jemand aus dem Wasser gezogen wird und dann nass ist. Aber man wird bleiben lassen zu prüfen, inwiefern die Genies die genialen Eigenschaften erwerben. Wenn man diese Dinge durchgeht, findet man bei den Nachkommen nicht immer dieselben genialen Eigenschaften.
[ 53 ] Man fasst nicht ins Auge, was eigentlich der Vererbung zugrunde liegt. Geisteswissenschaft steht auf dem Boden: Geistige Welt ist überall um uns herum, die zu unserem Leiblichen gehört, nur von dem Leibe vorher und nachher abgesondert. So ist die ganze physische Welt eingetaucht in die geistige. Nun denke man sich einmal: Der Mensch tritt mit ganz bestimmten Eigenschaften, die er erwirbt, auf; aber er war schon vorhanden, dieser Mensch, bevor er — geistig-seelisch Jahrzehnte, Jahrhunderte —, bevor er durch das physische Dasein die Erde betritt. Er hat nicht nur als geistiges Wesen ein Verhältnis zu seinem Leibe, er hat zu dem Physischen immer ein Verhältnis. Und wenn ich in der geistigem Welt bin, wenn mein fünfzigster Vorfahre lebt, so habe ich ein Verhältnis zu ihm, und als geistige Individualität bestimme ich mir, indem ich Einfluss habe auf meinen Vorfahren, die Eigenschaften, die ich ererben werde. Ich habe selbst auf die Eigenschaften, die meine Vorfahren annehmen, einen Einfluss; und indem ich von einem Vater und einer Mutter abstamme, war ich mit-tätig von der geistigen Welt aus, um die Eigenschaften, die ich ererbe, selber zu bestimmen — das in Bezug auf die inneren Schicksalseigenschaften, wo wir wirklich durchaus unseres Glückes Schmied sind.
[ 53 ] Man fasst nicht ins Auge, was eigentlich der Vererbung zugrunde liegt. Geisteswissenschaft steht auf dem Boden: Geistige Welt ist überall um uns herum, die zu unserem Leiblichen gehört, nur von dem Leibe vorher und nachher abgesondert. So ist die ganze physische Welt eingetaucht in die geistige. Nun denke man sich einmal: Der Mensch tritt mit ganz bestimmten Eigenschaften, die er erwirbt, auf; aber er war schon vorhanden, dieser Mensch, bevor er — geistig-seelisch Jahrzehnte, Jahrhunderte —, bevor er durch das physische Dasein die Erde betritt. Er hat nicht nur als geistiges Wesen ein Verhältnis zu seinem Leibe, er hat zu dem Physischen immer ein Verhältnis. Und wenn ich in der geistigem Welt bin, wenn mein fünfzigster Vorfahre lebt, so habe ich ein Verhältnis zu ihm, und als geistige Individualität bestimme ich mir, indem ich Einfluss habe auf meinen Vorfahren, die Eigenschaften, die ich ererben werde. Ich habe selbst auf die Eigenschaften, die meine Vorfahren annehmen, einen Einfluss; und indem ich von einem Vater und einer Mutter abstamme, war ich mit-tätig von der geistigen Welt aus, um die Eigenschaften, die ich ererbe, selber zu bestimmen — das in Bezug auf die inneren Schicksalseigenschaften, wo wir wirklich durchaus unseres Glückes Schmied sind.
[ 54 ] Das äußere Schicksal, das an uns herantritt, wie erforscht man dieses? Da muss zuerst etwas eintreten. Ich habe geschildert, dass der Mensch zum schauenden Bewusstsein kommen kann, dass er fühlen kann als geistiges Wesen, das den Leib äußerlich sieht wie äußere Gegenstände sonst. Dann tritt ein Moment ein, ein Augenblick, wo man sich sagen kann: Diese Erkenntnis, die du dir errungen hast, die bildet selbst für dich einen Schicksalsfall. Dieser Augenblick, der kann werden ein tief einschneidender bedeutungsvollster Lebensaugenblick. Eintreten kann der Augenblick, wenn man sich sagen kann: Man braucht wahrhaftig nicht stumpf zu werden gegen das, was den Menschen im Schicksal hinauf- und hinunterträgt gegen Schwerstes, im Gegenteil, man kann feiner empfindend werden für alles das, was den Menschen erheben kann bis zum höchsten Geistigen und hinunterwerfen kann in Schwerstes, was ihn bringen kann in Glück und Unglück; dennoch hat man es ernst gemeint mit der Erkenntnis und es geht einem auf, was man nennen kann: Erwachen des Bewusstseins. Dann tritt der Augenblick ein, wo man sich sagt: Das, was jetzt an dich herangetreten ist, das ist bedeutsamer als die anderen Schicksalserkenntnisse. Du hast etwas herbeigeführt, was deinem Schicksal einen Fall bringt, der sich als ein größerer hinstellt neben die größten Schicksalserlebnisse. Aber man war dabei, hat miterlebt, wie das geworden ist. Man hat dem Schicksal in seinem Werden beigewohnt. Das verändert die Seele, das macht die Seele zu etwas anderem, das eröffnet eine weitere Stufe des schauenden Bewusstseins. Dann gelangt man nicht nur dahin, zu schauen, wie aus der geistigen Welt unser Schicksal kommt, sondern man gelangt dazu, sich Vorstellungen bilden zu können, wie aus früheren Erdenleben bestimmende Impulse herüberfließen in dieses Erdenleben, und wie in diesem Leben Dinge an uns herantreten, die mit uns leben das Leben zwischen Tod und neuer Geburt und bestimmende Schicksalskräfte werden im nächsten Erdenleben.
[ 54 ] Das äußere Schicksal, das an uns herantritt, wie erforscht man dieses? Da muss zuerst etwas eintreten. Ich habe geschildert, dass der Mensch zum schauenden Bewusstsein kommen kann, dass er fühlen kann als geistiges Wesen, das den Leib äußerlich sieht wie äußere Gegenstände sonst. Dann tritt ein Moment ein, ein Augenblick, wo man sich sagen kann: Diese Erkenntnis, die du dir errungen hast, die bildet selbst für dich einen Schicksalsfall. Dieser Augenblick, der kann werden ein tief einschneidender bedeutungsvollster Lebensaugenblick. Eintreten kann der Augenblick, wenn man sich sagen kann: Man braucht wahrhaftig nicht stumpf zu werden gegen das, was den Menschen im Schicksal hinauf- und hinunterträgt gegen Schwerstes, im Gegenteil, man kann feiner empfindend werden für alles das, was den Menschen erheben kann bis zum höchsten Geistigen und hinunterwerfen kann in Schwerstes, was ihn bringen kann in Glück und Unglück; dennoch hat man es ernst gemeint mit der Erkenntnis und es geht einem auf, was man nennen kann: Erwachen des Bewusstseins. Dann tritt der Augenblick ein, wo man sich sagt: Das, was jetzt an dich herangetreten ist, das ist bedeutsamer als die anderen Schicksalserkenntnisse. Du hast etwas herbeigeführt, was deinem Schicksal einen Fall bringt, der sich als ein größerer hinstellt neben die größten Schicksalserlebnisse. Aber man war dabei, hat miterlebt, wie das geworden ist. Man hat dem Schicksal in seinem Werden beigewohnt. Das verändert die Seele, das macht die Seele zu etwas anderem, das eröffnet eine weitere Stufe des schauenden Bewusstseins. Dann gelangt man nicht nur dahin, zu schauen, wie aus der geistigen Welt unser Schicksal kommt, sondern man gelangt dazu, sich Vorstellungen bilden zu können, wie aus früheren Erdenleben bestimmende Impulse herüberfließen in dieses Erdenleben, und wie in diesem Leben Dinge an uns herantreten, die mit uns leben das Leben zwischen Tod und neuer Geburt und bestimmende Schicksalskräfte werden im nächsten Erdenleben.
[ 55 ] Wie herüberwirken frühere Erdenleben in dieses Leben, wie sie unser Schicksal bestimmen, so erleben wir, wenn wir erleben gelernt haben, inneres Schicksal. Dies führt uns dazu, das Schicksal, wie es an uns herantritt im gewöhnlichen Leben, gewissermaßen mit einem Traumerleben zu vergleichen. Kommt man zum schauenden Bewusstsein, so ist man aufgewacht, und wie sich der Traum erklärt im wachen Leben, so der Schicksals-Seelen-Traum im Zusammenhang der aufeinanderfolgenden Erdenleben. Und Zusammenhang kommt in das Schicksal, wenn wir auf das gewöhnliche Erleben vom schauenden Bewusstsein aus schauen.
[ 55 ] Wie herüberwirken frühere Erdenleben in dieses Leben, wie sie unser Schicksal bestimmen, so erleben wir, wenn wir erleben gelernt haben, inneres Schicksal. Dies führt uns dazu, das Schicksal, wie es an uns herantritt im gewöhnlichen Leben, gewissermaßen mit einem Traumerleben zu vergleichen. Kommt man zum schauenden Bewusstsein, so ist man aufgewacht, und wie sich der Traum erklärt im wachen Leben, so der Schicksals-Seelen-Traum im Zusammenhang der aufeinanderfolgenden Erdenleben. Und Zusammenhang kommt in das Schicksal, wenn wir auf das gewöhnliche Erleben vom schauenden Bewusstsein aus schauen.
[ 56 ] Bis hierher gestatten Sie die Betrachtung heute zu führen und am Montag anzuknüpfen, dann wird sich auch ergeben, wie die Kräfte sind, die aus früheren Leben in dieses Leben hereinkommen, und wie wir dazu kommen, getrieben zu werden zu unserem Schicksal, das uns treibt zu einem bestimmten Erlebnis, das dann Schicksalserlebnis wird. Heute lassen Sie uns damit schließen, dass es nicht verwunderlich zu sein braucht, dass gegenwärtiges Denken vielfach ablehnt dasjenige, was erfordert, dass man anders denkt, um in die geistige Welt hineinzukommen. Dieses Denken liebt man heute vielfach nicht. Diese Geisteswissenschaft ist nicht das, was man oftmals Mystik nennt, das aber oft nur eine Träumerei ist. Nicht ein herabgedämpftes Denken, sondern ein schärferes Denken ist der Ausgangspunkt, um dann darüber hinaus zum Schauen zu kommen; aber man liebt die Verschärfung des Denkens nicht, es ist auch nicht notwendig.
[ 56 ] Bis hierher gestatten Sie die Betrachtung heute zu führen und am Montag anzuknüpfen, dann wird sich auch ergeben, wie die Kräfte sind, die aus früheren Leben in dieses Leben hereinkommen, und wie wir dazu kommen, getrieben zu werden zu unserem Schicksal, das uns treibt zu einem bestimmten Erlebnis, das dann Schicksalserlebnis wird. Heute lassen Sie uns damit schließen, dass es nicht verwunderlich zu sein braucht, dass gegenwärtiges Denken vielfach ablehnt dasjenige, was erfordert, dass man anders denkt, um in die geistige Welt hineinzukommen. Dieses Denken liebt man heute vielfach nicht. Diese Geisteswissenschaft ist nicht das, was man oftmals Mystik nennt, das aber oft nur eine Träumerei ist. Nicht ein herabgedämpftes Denken, sondern ein schärferes Denken ist der Ausgangspunkt, um dann darüber hinaus zum Schauen zu kommen; aber man liebt die Verschärfung des Denkens nicht, es ist auch nicht notwendig.
[ 57 ] Lassen Sie mich ein Beispiel herausgreifen. Ein großer Naturforscher der Gegenwart — ich bin wahrhaftig nicht geneigt, seine Größe zu verkennen — hat aus seinem naturwissenschaftlichen Fachstudium heraus auch über allgemeine Weltenfragen geschrieben. Er hat eine Vorrede geschrieben, darin verrät sich in höchst merkwürdiger Weise der Grad seines Denkens. Bedenken Sie, der Grad eines Denkens eines hervorragenden Naturforschers. Es sagt ungefähr das Folgende am Schlusse:
[ 57 ] Lassen Sie mich ein Beispiel herausgreifen. Ein großer Naturforscher der Gegenwart — ich bin wahrhaftig nicht geneigt, seine Größe zu verkennen — hat aus seinem naturwissenschaftlichen Fachstudium heraus auch über allgemeine Weltenfragen geschrieben. Er hat eine Vorrede geschrieben, darin verrät sich in höchst merkwürdiger Weise der Grad seines Denkens. Bedenken Sie, der Grad eines Denkens eines hervorragenden Naturforschers. Es sagt ungefähr das Folgende am Schlusse:
Ob wir in der «besten der Welten» leben, das wage ich nicht zu bestimmen; dass wir aber, weil wir die neue Naturforschung haben, in der «besten der Zeiten» leben, das kann man unbedingt behaupten.
Ob wir in der «besten der Welten» leben, das wage ich nicht zu bestimmen; dass wir aber, weil wir die neue Naturforschung haben, in der «besten der Zeiten» leben, das kann man unbedingt behaupten.
[ 58 ] Der Mann ist so sehr froh über die Gegenwart und über ihr Denken, dass er auf alles andere hochnäsig heruntersieht, und da stützt er sich auf Goethe. Das ist so bequem. Das macht er so: Indem wir die heutige Zeit als die beste betrachten, berufen wir uns auf Goethe, wie er so schön sagt:
[ 58 ] Der Mann ist so sehr froh über die Gegenwart und über ihr Denken, dass er auf alles andere hochnäsig heruntersieht, und da stützt er sich auf Goethe. Das ist so bequem. Das macht er so: Indem wir die heutige Zeit als die beste betrachten, berufen wir uns auf Goethe, wie er so schön sagt:
«Es ist ein großes Ergötzen,
sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht.
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.»
«Es ist ein großes Ergötzen,
sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht.
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.»
[ 59 ] Dabei ist das Denken des modernen Menschen so scharf, dass ihm gar nicht einfällt: das sagt ja der Wagner im «Faust», sagt gar nicht Goethe. Er kennt zum andern nicht die Worte Fausts:
[ 59 ] Dabei ist das Denken des modernen Menschen so scharf, dass ihm gar nicht einfällt: das sagt ja der Wagner im «Faust», sagt gar nicht Goethe. Er kennt zum andern nicht die Worte Fausts:
Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!
Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!
[ 60 ] Diejenigen, die tiefer in die Naturwissenschaft hineingesehen haben, wie zum Beispiel Fechner im neunzehnten Jahrhundert, der durchblickte das, was Naturwissenschaft leisten konnte, und es auch nicht unterschätzte — ebenso wenig wie es hier unterschätzt werden soll —, Gustav Theodor Fechner sagt: «Das, was diese Naturwissenschaft geleistet hat, das ist wie eine Nachtansicht; auf sie muss folgen eine Tagansicht.» Gustav Theodor Fechner, er, der gesunde Naturforscher ist sich klar, dass das der Fall ist, was er mit den Worten charakterisiert: «Die Naturforscher sind dahin gekommen abzulehnen, das Göttliche anzubeten; dafür beten sie an das goldene Kalb des Protoplasmas.» Er sagt: «Die Zukunft muss in die Dunkelheit der Weltanschauung, die von der Naturwissenschaft kommt, Licht hineinbringen, das vom Geiste kommt. Die Nachtansicht muss von der Tagansicht abgelöst werden.»
[ 60 ] Diejenigen, die tiefer in die Naturwissenschaft hineingesehen haben, wie zum Beispiel Fechner im neunzehnten Jahrhundert, der durchblickte das, was Naturwissenschaft leisten konnte, und es auch nicht unterschätzte — ebenso wenig wie es hier unterschätzt werden soll —, Gustav Theodor Fechner sagt: «Das, was diese Naturwissenschaft geleistet hat, das ist wie eine Nachtansicht; auf sie muss folgen eine Tagansicht.» Gustav Theodor Fechner, er, der gesunde Naturforscher ist sich klar, dass das der Fall ist, was er mit den Worten charakterisiert: «Die Naturforscher sind dahin gekommen abzulehnen, das Göttliche anzubeten; dafür beten sie an das goldene Kalb des Protoplasmas.» Er sagt: «Die Zukunft muss in die Dunkelheit der Weltanschauung, die von der Naturwissenschaft kommt, Licht hineinbringen, das vom Geiste kommt. Die Nachtansicht muss von der Tagansicht abgelöst werden.»
[ 61 ] Nun, Geisteswissenschaft möchte etwas dazu beitragen, diese Tagansicht herbeizuführen; denn sie ist mit Gustav Theodor Fechner davon durchdrungen, dass die Gegenwart und die Zukunft diese Tagansicht brauchen. Sie weiß aber auch das, was Fechner mit den schönen einfachen Worten zusammenfasst:
[ 61 ] Nun, Geisteswissenschaft möchte etwas dazu beitragen, diese Tagansicht herbeizuführen; denn sie ist mit Gustav Theodor Fechner davon durchdrungen, dass die Gegenwart und die Zukunft diese Tagansicht brauchen. Sie weiß aber auch das, was Fechner mit den schönen einfachen Worten zusammenfasst:
[ 62 ] Gewiss war es notwendig, dass zuerst die Gewissenhaftigkeit der naturforscherischen Weltanschauung heraufgeführt worden ist; aber gerade diese Gewissenhaftigkeit muss über sich selbst hinaus — und in den Geist hinein — führen. Klarheit wird das Letzte sein! Aber, sagt die Geistesforschung, das Letzte wird auch die Klarheit sein.
[ 62 ] Gewiss war es notwendig, dass zuerst die Gewissenhaftigkeit der naturforscherischen Weltanschauung heraufgeführt worden ist; aber gerade diese Gewissenhaftigkeit muss über sich selbst hinaus — und in den Geist hinein — führen. Klarheit wird das Letzte sein! Aber, sagt die Geistesforschung, das Letzte wird auch die Klarheit sein.
