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The Rudolf Steiner Archive

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Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a

18 May 1917, Munich

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Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und Menschlicher Lebenslauf. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse und deren Betrachtung im Hinblick auf Unsere Schicksaltragende Zeit

Immortality of the Soul, Forces of Destiny, and the Human Life Course. Findings of Spiritual Science and their Consideration in Relation to our Fateful Times

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Die beiden Vorträge über Seelenfragen, welche ich mir gestatten werde heute und am Montag hier zu halten, werden in einer gewissen Weise zusammengehören, und doch wiederum wird versucht werden von mir, jeden als ein selbstständiges Ganzes zu halten, sodass er aus sich selbst verstanden werden kann. Dennoch wird gewissermaßen das heute zu sagende mehr prinzipiell eine Art Vorrede sein zu den eingehenderen Betrachtungen, die dann im nächsten Vortrag gebracht werden sollen.

[ 1 ] Dear attendees! The two lectures on questions of the soul, which I will take the liberty of giving here today and on Monday, will in a certain sense belong together, and yet I will attempt to treat each as an independent whole, so that it can be understood on its own terms. Nevertheless, what I have to say today will, in a sense, be more of a kind of preface to the more detailed considerations that will then be presented in the next lecture.

[ 2 ] Gestatten Sie mir, dass ich heute den Ausgangspunkt nehme von einer persönlichen Bemerkung, welche aber durchaus im Zusammenhang des Ganzen begründet sein wird. Die verehrten Zuhörer, die seit Jahren hier anwesend sind, wissen, dass ich dieses sehr selten mache. Es ist jetzt etwa dreißig Jahre her schon — es war in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts —, als ich die ersten Bausteine bei mir selber legte zu derjenigen Weltanschauung, welche ich nun schon so viele Jahre in Vorträgen allwinterlich auch hier in München vertreten darf. Damals, während ich beschäftigt war, die ersten prinzipiellen Anfänge dessen, was ich mir nun näher erlaube, Geistesforschung zu nennen, zu legen, da fiel mir eine Abhandlung des berühmten Ästhetikers und Kunstforschers, Friedrich Theodor Vischer, in die Hände, des sogenannten «V-Vischer». Er war noch einer derjenigen, welche in der intensivsten Weise rangen mit dem Weltenrätseln. Aus der ganzen Tiefe jener philosophischen Strömung heraus, die ja heute mehr oder weniger vergessen worden ist und die, wie man hoffen kann, gerade durch Geisteswissenschaft ein vertiefteres Wiederauferstehen finden werden könne. Der Ausspruch, den ich meine, der in jener Abhandlung mir vor Augen fiel, klingt merkwürdig, sonderbar, paradox, könnte man sagen. Und gerade aus diesem Grunde möchte ich von diesem Ausspruch den Ausgangspunkt der heutigen Betrachtung nehmen. Die Berechtigung davon wird sich im Laufe des Vortrags selbst ergeben.

[ 2 ] Allow me to begin today with a personal remark, which will, however, be entirely relevant to the overall context. The esteemed audience members who have been attending these lectures for years know that I very rarely do this. It was about thirty years ago — in the 1980s — when I laid the first building blocks for myself in the worldview that I have now been able to represent for so many years in lectures every winter here in Munich. At that time, while I was busy laying the first fundamental beginnings of what I now dare to call spiritual research, I came across a treatise by the famous aesthetician and art researcher Friedrich Theodor Vischer, the so-called “V-Vischer.” He was one of those who wrestled most intensively with the riddles of the world. From the depths of that philosophical movement, which has now been more or less forgotten and which, one hopes, could find a deeper resurrection precisely through Spiritual Science. The statement I am referring to, which caught my eye in that treatise, sounds strange, peculiar, paradoxical, one might say. And it is precisely for this reason that I would like to take this statement as the starting point for today's reflection. Its justification will become clear in the course of the lecture itself.

[ 3 ] Friedrich Theodor Vischer bespricht eine Abhandlung des später bekannt gewordenen Philosophen Volkelt über die Phantasie und hatte bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit, in intimer Weise auf tiefe Fragen des menschlichen Seelenlebens wenigstens in seiner Art hinzuweisen. Da tat er eben jenen sonderbaren Ausspruch. Er sagt: «Die Einheit des menschlichen Seelenlebens kann nicht im menschlichen Leib lokalisiert sein, obwohl sie nirgends anders sein kann als im menschlichen Leib.»

[ 3 ] Friedrich Theodor Vischer discusses a treatise on imagination by the philosopher Volkelt, who later became well known, and on this occasion had the opportunity to refer in an intimate way to profound questions of human soul life, at least in his own way. It was then that he made that strange statement. He said: “The unity of human soul life cannot be located in the human body, although it can be nowhere else but in the human body.”

[ 4 ] Nun, sehr verehrte Anwesende, man kann sich nichts Paradoxeres denken als diesen Ausspruch; denn er ist ein vollkommener Widerspruch. Man könnte fragen mit dem vulgären Bewusstsein: Wo soll denn also dann das Seelische des Menschen gesucht werden, wenn man sagen muss, es kann nicht im Leibe sein, es kann aber jedenfalls auch nirgends anders als im Leibe sein? Als mir dieser Ausspruch vor Augen kam, da hatte ich den Glauben, dass der einzige Ausweg, zu dem das neuzeitliche Forschen kommen muss in Bezug auf solche Fragen, derjenige eben ist, den ich nun als Geisteswissenschaft vertrete, und zwar aus dem Grunde, weil ich sah, dass ein rückhaltloser Denker — ein Denker, dem es im höchsten Grade ernst war um die Erforschung der Seelenrätsel —, sich gestellt sieht da, wo er gerade auf diese Seelenrätsel eingehen will, vor eine Grenze des menschlichen Erkennens. Denn was soll das menschliche Erkennen denn eigentlich mit einem solchem Widerspruch zunächst anfangen? Das muss man sich fragen. Und ich schickte es damals — es war in meinem 21. Lebensjahre —, ich schickte eine Abhandlung an Friedrich Theodor Vischer, indem ich glaubte, dass er in den flüchtig und unreif gezeichneten Linien etwas finden könnte als den Ausweg aus einem solchen Problem. Und mit Bezug auf den wichtigstem Punkt in meiner damals unreifen Abhandlung antwortete mir Friedrich Theodor Vischer, dass er durchaus darin suche den Anfang für eine Art von Geistesforschung. Friedrich Theodor Vischer starb dann bald. Es blieb bei der Kürze dieses Briefwechsels. Und in der Folgezeit waren — das darf schon gesagt werden — nicht allzu viel Menschen da, welche geneigt waren, gerade auf die besondere Art der Geistesforschung wissenschaftlich einzugehen, welche hier gemeint ist.

[ 4 ] Well, dear audience, one cannot imagine anything more paradoxical than this statement, for it is a complete contradiction. One might ask, with vulgar consciousness: Where, then, should the soul of man be sought, if one must say that it cannot be in the body, but that it cannot be anywhere else but in the body? When this statement came to my attention, I believed that the only way out that modern research must find with regard to such questions is the one that I now represent as Spiritual Science, for the reason that I saw that an unreserved thinker — a thinker who was extremely serious about researching the mysteries of the soul — would find himself confronted with the limits of human knowledge when he tried to address these mysteries of the soul. For what can human knowledge actually do with such a contradiction? That is the question we must ask ourselves. And so, at the age of 21, I sent I sent a treatise to Friedrich Theodor Vischer, believing that he might find something in its hastily and immaturely sketched lines that could offer a way out of such a problem. And with reference to the most important point in my then immature treatise, Friedrich Theodor Vischer replied that he was indeed seeking in it the beginning of a kind of spiritual research. Friedrich Theodor Vischer died soon after. This brief correspondence was all that remained. And in the period that followed, it must be said that there were not too many people who were inclined to engage scientifically with the particular kind of spiritual research referred to here.

[ 5 ] Ich möchte dies auch noch aus dem Grund vorausstellen, sehr verehrte Anwesende, weil so leicht die Meinung gebildet wird, dass die hier vertretene Geistesforschung etwas ist, was auf einzelnen Einfällen beruht, was vielleicht sogar in Phantastereien führt und dergleichen, was leicht geschürzt, möchte ich sagen in Bezug auf Forschung ist. Allein, wer tiefer versucht, auf das, was hier gemeint ist, einzugehen, der wird finden, dass die Sorgfalt der Forschung, wenn auch andere Wege eingeschlagen werden müssen als in der äußeren Naturwissenschaft, dass die Gewissenhaftigkeit in der Verfolgung der Methode nichts nachgibt dem schönen Musterbeispiel, das die Errungenschaft gerade der modernen Wissenschaft ist, wenn auch, wie gesagt auf ganz anderen Wegen die Ergebnisse gesucht werden müssen.

[ 5 ] I would also like to point this out, dear attendees, because it is so easy to form the opinion that the spiritual research represented here is something based on individual ideas, which perhaps even leads to fantasies and the like, which is easily dismissed, I would say, in relation to research. However, anyone who tries to delve deeper into what is meant here will find that the diligence of the research, even if different paths must be taken than in the external natural sciences, that the conscientiousness in pursuing the method is in no way inferior to the fine example set by the achievements of modern science, even if, , as I said, the results must be sought in completely different ways.

[ 6 ] Wenn eine solche Frage wie diejenige der Seelenunsterblichkeit wissenschaftlich an den Menschen herantritt, dann ist vor allen Dingen notwendig, dass man sich klar wird, worin denn eigentlich der Grundnerv dieser Frage bestehen kann. Es wäre falsch, ganz offenbar falsch, wenn man glauben wollte, dass Spekulationen oder andere Methoden, die dazu führen sollten, klarzulegen das, was im Menscheninneren wohnt als Seele, mit dem Tode unzerstörbar ist.

[ 6 ] When a question such as that of the immortality of the soul is approached scientifically by human beings, then it is necessary above all to be clear about what the fundamental essence of this question actually is. It would be wrong, quite obviously wrong, to believe that speculation or other methods should lead to a clarification of what dwells within human beings as the soul and is indestructible by death.

[ 7 ] Gewiss, das kann für sich eine Frage sein, aber der eigentliche Nerv der Frage muss noch ganz woanders liegen. Denn es könnte sehr wohl sein, dass zum Beispiel eine Philosophie wie die Eduard von Hartmann’sche im neunzehnten Jahrhundert, welche von dem Unbewussten ausgeht, zur Anschauung führt, dass das menschliche unbewusste Seelenwesen über den Tod hinaus in die Unendlichkeit hinein sich erhält. Allein jedermann wird fühlen, dem es einmal ernst in dieser Frage ist, dass damit eigentlich nichts erreicht ist; denn der Nerv der Frage muss sein, nicht, ob das Seelenwesen als solches als irgendein Wesen sich erhält, sondern ob sich erhält dasjenige, was man im Leben zwischen Geburt und Tod als das Bewusstsein bezeichnet. Ob Vorstellungen gewonnen werden können, welche fähig sind, dem Menschen die wissenschaftliche Überzeugung beizubringen, dass Bewusstsein auch außer dem Leibe vorhanden sein kann, vorhanden sein muss. Daher ist es wissenschaftlich notwendig, dass die Frage der Seelenunsterblichkeit vor allen Dingen eine Bewusstseinsfrage ist, und von diesem Gesichtspunkt aus möchte ich diese heutigen vorbereitenden Auseinandersetzungen schon halten.

[ 7 ] Certainly, that may be a question in itself, but the real nerve of the question must lie elsewhere. For it could very well be that, for example, a philosophy such as that of Eduard von Hartmann in the nineteenth century, which starts from the unconscious, leads to the view that the human unconscious soul being survives beyond death into infinity. However, anyone who is serious about this question will feel that this does not really achieve anything; for the crux of the question must be not whether the soul as such survives as some kind of being, but whether that which we call consciousness in life between birth and death survives. Whether mental images can be gained that are capable of teaching people the scientific conviction that consciousness can, and must, exist outside the body. It is therefore scientifically necessary that the question of the immortality of the soul is above all a question of consciousness, and it is from this point of view that I would like to approach today's preliminary discussions.

[ 8 ] Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, geht daran, über die Beziehungen des menschlichen Seelenlebens zu einer geistigen Wesenheit — der Seele, überhaupt zu einem geistigen Weltwesen —, ebenso Anschauungen zu gewinnen, Erkenntnisse zu gewinnen, wie die Naturwissenschaft, und es sei gleich hier wieder betont, mit großem Glück darangeht heute, Anschauungen darüber zu gewinnen über das Verhältnis des menschlichen Seelenlebens zu dem körperlichen Wesen des Menschen.

[ 8 ] Spiritual Science, as it is meant here, sets out to gain insights and knowledge about the relationship between human soul life and a spiritual entity — the soul, or indeed any spiritual world being — just as natural science does, and it should be emphasized again here that today we are very fortunate to be able to gain insights into the relationship between human soul life and the physical being of the human being.

[ 9 ] Deshalb gestatten Sie mir, dass ich einleitend ein wenig davon ausgehe, was denn eigentlich prinzipiell die Naturwissenschaft versucht, indem sie ihrerseits die körperlichen Bedingungen des menschlichen Bewusstseins verfolgt, wie Geisteswissenschaft die geistigen Bedingungen des menschlichen Bewusstseins verfolgen muss. Naturwissenschaft geht mit Recht davon aus, dass wir in unserem Seelenleben eine Summe von Erkenntnissen haben, Wahrnehmungen, Gefühle, Willensimpulse, die in der verschiedensten Weise aufeinander wirken, die auf- und abfluten in Erinnern und Vergessen und die unser bewusstes Seelenleben zusammensetzen von der Zeit an, da wir ein solches zu führen in der Lage sind, bis zu dem Augenblick, wo wir durch die Pforte des Todes gehen.

[ 9 ] Therefore, allow me to begin by saying a little about what natural science is actually attempting to do in principle by pursuing the physical conditions of human consciousness, just as Spiritual Science must pursue the spiritual conditions of human consciousness. Natural science rightly assumes that in our soul life we have a sum of insights, perceptions, feelings, and impulses of will that interact in various ways, that ebb and flow in memory and forgetting, and that make up our conscious soul life from the time we are able to lead such a life until the moment we pass through the gate of death.

[ 10 ] Nun kann ich selbstverständlich nicht im Einzelnen darstellen, wie Naturwissenschaft ihre Aufgabe zu lösen versucht; aber aufmerksam kann ich doch darauf machen, dass Naturwissenschaft sich also sagt: Da läuft das Seelenleben ab, und wir untersuchen nun, indem wir den Ausgangspunkt nehmen von dem, was die Seele erlebt, was innerhalb des Leibesorganismus sich vollzieht, während die seelischen Erlebnisse sich abspielen. Wir untersuchen, was da in den verschiedenen Nervenzellen, Nervenfäden, die sich verästeln, die sich miteinander verbinden, geschehen kann, während man einen Gedanken hegt, ein Gefühl hat, einen Willensimpuls und dergleichen. Und man muss sagen, ganz unumwunden muss man sagen, dass Naturwissenschaft wirklich eine hohe Vollkommenheit in dieser Beziehung ausgebildet hat; denn obwohl das Wichtigste noch zu tun sein wird auf diesem Gebiete, muss man doch sagen: Vieles Organische im menschlichen Leibe hat die Naturwissenschaft zu enthüllen vermocht als Bedingung für das gewöhnliche Bewusstsein, die uns diese menschliche Leibesorganisation, insbesondere die Gehirnorganisation, als einen wirklichen Wunderbau darstellt, die uns zeigt, wie das menschliche Seelenleben an die Leibesorganisation gebunden ist.

[ 10 ] Now, of course, I cannot describe in detail how natural science attempts to solve its task; but I can point out that natural science says to itself: The soul life takes place, and we now investigate, taking as our starting point what the soul experiences, what takes place within the physical organism while the soul experiences are going on. We investigate what can happen in the various nerve cells, nerve fibers that branch out and connect with each other, while one has a thought, a feeling, an impulse of the will, and the like. And it must be said, quite frankly, that natural science has really developed a high degree of perfection in this regard; for although the most important work in this field is still to be done, it must be said that natural science has been able to reveal much of the organic nature of the human body as a condition for ordinary consciousness, showing us how human physical organization, especially the brain organization, as a truly miraculous structure that shows us how human soul life is bound to the body organization.

[ 11 ] Und wenn auch Geisteswissenschaft einen ganz anderen Weg machen muss, statt von der Seele hinunter zum Leib, hinauf zum Geist gehen muss, so muss doch auf der anderen Seite gesagt werden, dass auch der Geistesforscher an dem Methodischen der naturwissenschaftlichen Forschung auf diesem Gebiete, an Selbstdisziplinierung des Forschens ungeheuer viel lernen kann, ja, dass die Gedanken, die als Erkenntnisse errungen sind über die Beteiligung dieser oder jener Gehirnpartie an der Sprache, am Hören, Sehen und so weiter nämlich die Wege, die man einschlagen musste, um zu diesen Erkenntnissen zu kommen, dass diese alle, indem man sie verfolgt, Wichtigstes ergeben für die Selbstdisziplinierung des Denkens, wie es auch verwendet werden muss bei der wirklichen Geisteswissenschaft. Allein Naturwissenschaft hat die Möglichkeit, gewissermaßen, indem sie die Bedingungen des Bewusstseins sucht, das vor die äußeren Sinne hinzustellen, mit äußeren Laboratoriumsmethoden zu behandeln. Diese Möglichkeit hat Geisteswissenschaft nicht. Geisteswissenschaft muss auf vollkommen innerlichen Wegen gehen. Und es ist heute noch in weitesten Kreisen allerdings schwer verständlich — wie das, was nun schon einmal nicht zur äußeren Anschaulichkeit gebracht werden kann, wie das, was gewissermaßen nicht auf den Seziertisch oder unter das Mikroskop gelegt werden kann —, wie der Geist durchforscht werden kann. Wahre Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, kann allerdings nicht den Irrtum hervorrufen, als ob man den Geist äußerlich anschaulich machen könnte; aber Möglichkeiten, einen ähnlichen Weg zum Geistigen hinein einzuschlagen, wie die Naturwissenschaft zur Leibesorganisation einschlägt, gibt es nicht.

[ 11 ] And even if Spiritual Science must take a completely different path, going up to the spirit instead of down from the soul to the body, it must nevertheless be said that spiritual researchers can also learn an enormous amount from the methodology of scientific research in this field, from the self-discipline of research, indeed, that the thoughts gained as insights into the involvement of this or that part of the brain in language, hearing, seeing, and so on, namely the paths that had to be taken to arrive at these insights, that all of these, when pursued, are of utmost importance for the self-discipline of thought, as it must also be applied in the real Humanities. Only natural science has the possibility, so to speak, by seeking the conditions of consciousness that must be placed before the external senses, to treat them with external laboratory methods. Spiritual Science does not have this possibility. Spiritual Science must follow completely internal paths. And even today, it is still difficult for most people to understand how the spirit can be explored, since it cannot be made visible externally, since it cannot, so to speak, be placed on the dissecting table or under the microscope. True spiritual research, as it is meant here, cannot, of course, give rise to the misconception that the spirit can be made externally visible; but there are no possibilities of taking a similar path into the spiritual realm as natural science takes into the organization of the body.

[ 12 ] Was erreicht die Naturwissenschaft? Machen wir uns einmal klar, was sie erreicht. Sie nimmt ihren Ausgangspunkt von dem, was innerlich seelisch erlebt wird, nur kurz anhält, wieder erscheint, davon wie Wahrnehmungen, Vorstellungen auftauchen, wie sie sich zu Gefühlen erwärmen, in Willensimpulse umsetzen. Dieses Erleben ist eben unser inneres Erleben. Dieses Erleben kann Naturwissenschaft zu nichts anderem machen als zum Ausgangspunkt. Dann stellt sie uns den Wunderbau des menschlichen Organismus hin mit seinen Einrichtungen, dann die Vorgänge und so weiter. Nun habe ich schon angedeutet: Geradeso wie Naturwissenschaft hinuntergeht von dem Seelischen ins Leibliche, muss Geisteswissenschaft versuchen, vom Seelischen ins Geistige zu gehen. Da aber stellen sich in unserer heutigen Zeit noch bedeutsame Vorurteile und Hindernisse entgegen, und man kann schon nicht umhin, gerade von diesen Vorurteilen und Hindernissen, die vor allen Dingen in denkerischen Kreisen vorhanden sind, den Ausgangspunkt zu nehmen.

[ 12 ] What does natural science achieve? Let us be clear about what it achieves. It takes as its starting point what is experienced inwardly in the soul, only briefly pauses, reappears, how perceptions and mental images arise, how they warm up into feelings, and translate them into impulses of will. This experience is precisely our inner experience. Natural science can make nothing else of this experience than a starting point. Then it presents us with the marvelous structure of the human organism with its organs, then the processes, and so on. Now, I have already indicated that just as natural science descends from the soul to the physical, Spiritual Science must attempt to ascend from the soul to the spiritual. However, in our time, significant prejudices and obstacles still stand in the way, and one cannot help but starting point from these very prejudices and obstacles, which are particularly prevalent in intellectual circles.

[ 13 ] Die verehrten Zuhörer, die seit Jahren hier schon meine Vorträge gehört haben, wissen, dass ich kein Anhänger der Eduard von Hartmann’schen Philosophie bin, Dennoch muss man in diesem einen strengen Denker sehen, wenigstens in diesem Sinne streng, dass er in einem langen Leben versuchte, die verschiedenen Rätsel des menschlichen Seelenlebens und der Welt sich klarzumachen und sie so weit zu verfolgen, wie sie mit menschlichem Forschen verfolgt werden können. Daher möge es gestattet sein, hinzuweisen auf Eduard von Hartmann, der da aber nicht allein steht, wenn ich zeigen möchte, wie sich die Vorurteile auftürmen vor dem Wissenschaftler, wenn er den Weg von der Seele zum Geiste verfolgt.

[ 13 ] My esteemed listeners, who have been hearing my lectures here for years, know that I am not a follower of Eduard von Hartmann's philosophy. Nevertheless, one must see him as a rigorous thinker, at least in the sense that he spent his long life trying to understand the various mysteries of human soul life and the world, pursuing them as far as they can be pursued by human research. Therefore, allow me to refer to Eduard von Hartmann, who is not alone in this, when I want to show how prejudices pile up before the scientist when he pursues the path from the soul to the spirit.

[ 14 ] Und damit die verehrten Zuhörer die Sache klar durchschauen, möchte ich wörtlich einen Ausspruch Eduard von Hartmanns anführen, den Ausspruch, was ich ansehen muss als das stärkste Hindernis zu einer wirklichen Geistesforschung. Diese Forscher, die werfen die Frage auf: Können wir überhaupt so, wie wir wissenschaftlich die äußere Welt erforschen, können wir ebenso die Seelenerscheinungen erforschen und durch Erforschung der Seelenerscheinungen zu einer Anschauung kommen über die Fragen, welche vor allen Dingen mit Bezug auf die Seele dem menschlichen Sehnen, dem menschlichen Bedürfnis nachkommen? Nur indem ich fremdsprachliche Ausdrücke ersetze durch deutsche, werde ich nun die Bedenken, die Eduard von Hartmann sich selber entgegenbringt gegen eine Seelenforschung in der Form, wie man sonst an Wissenschaft denkt, ich werde sie vorlesen:

[ 14 ] And so that my esteemed listeners may clearly understand the matter, I would like to quote verbatim a statement by Eduard von Hartmann, a statement that I must regard as the greatest obstacle to genuine spiritual research. These researchers raise the question: Can we, in the same way that we scientifically research the external world, also research the phenomena of the soul and, through researching the phenomena of the soul, arrive at a view of the questions that, above all, relate to the soul, human longing, and human needs? Only by replacing foreign language expressions with German ones will I now address the concerns that Eduard von Hartmann himself raises against soul research in the form in which one otherwise thinks of science. I will read them aloud:

Die Seelenkunde will feststellen, was in der Seele gegeben ist. Dazu muss sie es vor allen Dingen beobachten. Nun ist es eine eigene Sache um die Beobachtung der eigenen seelischen Erlebnisse, da sie das, worauf sie sich richtet, unvermeidlich in geringerem oder höherem Grade stört und verändert. Wer eigene zarte Gefühle beobachten will, wird eben durch die Einstellung der Aufmerksamkeit auf sie diese Gefühle nicht unerheblich verändern.

Psychology seeks to determine what is present in the soul. To do this, it must above all observe it. Now, observing one's own soul experiences is a peculiar matter, since it inevitably disturbs and alters what it focuses on to a lesser or greater degree. Anyone who wants to observe their own delicate feelings will, by focusing their attention on them, alter these feelings to a not inconsiderable degree.

[ 15 ] Das ist ein sehr begreiflicher Einwand. Hat man zarte Gefühle, will sie beobachten, sie verschwinden, so sagt sich Eduard von Hartmann. Wie kann man sie beobachten? Und weiter sagt er:

[ 15 ] This is a very understandable objection. If one has delicate feelings and wants to observe them, they disappear, says Eduard von Hartmann. How can one observe them? And he goes on to say:

Ja, sogar diese Gefühle können ihm unter der Hand zerrinnen. Ein leichter körperlicher Schmerz wird durch die Beobachtung gesteigert; das Hersagen des allergeläufigsten Memorierstoffes kann ins Stocken geraten [...], wenn die Beobachtung den Gang dieses Ablaufes festzustellen bemüht ist.

Yes, even these feelings can slip away from him. A slight physical pain is intensified by observation; reciting the most familiar memorized material can falter [...] when observation attempts to determine the course of this process.

[ 16 ] Wer wüsste das nicht? Man hat etwas auswendig gelernt, man sagt es her, man bemüht sich, es zu beobachten, nun es wird wenige Menschen geben, die sich, indem sie anfangen, sich zu fragen: Wie geht das eigentlich vor sich? noch weiter können. Gewiss hebt Hartmann diese Sache hervor. Dann sagt er:

[ 16 ] Who doesn't know this? You have memorized something, you recite it, you try to observe it, but there will be few people who can go any further by asking themselves: How does this actually work? Hartmann certainly emphasizes this point. Then he says:

Starke Gefühle machen zur Beobachtung der eigenen seelischen Erlebnisse unfähig.

Strong feelings make it impossible to observe one's own spiritual experiences.

[ 17 ] Es fälscht also die Beobachtung die Ergebnisse, indem sie in das Gegebene erst das hineinlegt, was sie zu finden erwartet. Es scheint fast unmöglich, die Seelenerlebnisse des gegenwärtigen Augenblickes so zu vergegenständlichen, dass man sie zum Gegenstand einer gleichzeitigen Beobachtung macht. Entweder lässt das Erlebnis kein Resultat aufkommen oder die Beobachtung fälscht und vertreibt das Erlebnis. Nun hat man in diesen Behauptungen etwas vor sich, das sehr bezeichnend ist; denn niemand wird das, was da gesagt wird, irgendwie anzweifeln können.

[ 17 ] Observation therefore falsifies the results by first inserting into the given what it expects to find. It seems almost impossible to objectify the soul experiences of the present moment in such a way that they become the object of simultaneous observation. Either the experience does not produce a result, or the observation falsifies and dispels the experience. Now, in these assertions something very significant, for no one will be able to doubt what is being said here.

[ 18 ] Das ist einfach eine Selbstverständlichkeit, was hier gesagt wird, die jeder kennt, der nur irgendwie Seelenbeobachtung versucht. Also, wenn es eine Selbstverständlichkeit ist, könnte man sagen, dann ist es berechtigt, so etwas einzuwenden gegen die Erforschung der menschlichen Seele. Ja, es entsteht die Frage, ob ein solcher Einwand, trotzdem er sich auf ganz Richtigem aufbaut, irgendwie aus der Welt schaffen kann die Berechtigung, die Beziehungen zu suchen zwischen der Seele und dem Geiste.

[ 18 ] What is said here is simply a matter of course, known to anyone who has ever attempted to observe the soul in any way. So, if it is a matter of course, one could say that it is justified to raise such an objection to the study of the human soul. Yes, the question arises as to whether such an objection, even though it is based on something entirely correct, can somehow eliminate the justification for seeking relationships between the soul and the spirit.

[ 19 ] Lassen Sie mich zunächst mit einer Vorfrage antworten: Ist denn nicht die Naturwissenschaft in derselben Lage? Für sie gilt doch auch, dass, wenn sie die Seele beobachten will, obiges eintritt. Dennoch lässt sich die Naturwissenschaft in keiner Weise abhalten, die Beziehungen zu erforschen, die zwischen den seelischen Erlebnissen und dem menschlichen Gehirn bestehen. Dem Naturforscher würde es ganz sonderbar vorkommen, wenn man ihm sagte: Du sollst nicht untersuchen, welches die Bedingungen im Gehirn sind für das Vorstellen, weil man das seelische Leben nicht beobachten kann. Man sieht daraus, wie kurz gewoben zuweilen wichtigste Grundlagen sind, die für das Forschen und das Denken in der Gegenwart geradezu maßgebend gemacht werden. Nun werde ich zu schildern haben, wie man in der Tat ebenso, wenn man das Seelische zum Ausgangspunkt nimmt, den Weg nach den Geistigen nimmt, wie die Naturwissenschaft nach dem Leibe hin, und ich muss selbstverständlich mehr schildern einen rein geistigen Weg. Alles das muss sich im Geistigen vollziehen, was ich zu schildern haben werde. Und derjenige, der verlangt, dass das auf dem Seziertisch vorgeführt werden könne, macht sich nie klar, dass man den Geist als Ungeistiges zeigen würde, wenn man ihn sinnlich anschaulich machen wollte.

[ 19 ] Let me first answer with a preliminary question: Isn't natural science in the same situation? The same applies to natural science when it wants to observe the soul. Nevertheless, natural science is in no way deterred from researching the relationships that exist between spiritual experiences and the human brain. It would seem very strange to a natural scientist if someone said to him: You should not investigate the conditions in the brain that are necessary for the formation of a mental image, because the life of the soul cannot be observed. This shows how flimsy are sometimes the most important foundations that are made decisive for research and thinking in the present. Now I will have to describe how, in fact, if one takes the soul as the starting point, one takes the path to the spiritual, just as natural science takes the path to the physical, and I must of course describe more of a purely spiritual path. Everything I am about to describe must take place in the spiritual realm. And those who demand that this be demonstrated on the dissecting table never realize that if one wanted to make the spirit perceptible to the senses, one would be presenting it as something non-spiritual.

[ 20 ] Ich habe besonders in meinem letzten Buch von dem «Menschenrätsel» darauf hingewiesen, wie in der Tat die Fragen der Geistesforschung Bewusstseinsfragen sind und wie der Ausgangspunkt genommen werden muss von einer Fortbildung einer großen genialischen Idee gerade Goethes. Goethe, als er sich klarzumachen versuchte, was der Grundnerv der Kant’schen Philosophie ist — welche Grenzen des menschlichen Erkennens festsetzen will, dem menschlichen Wissen es absprechen will, an die Dinge, wie sie an sich sind, heranzukommen —, da vermeinte Goethe, dass ein vollständiges Missverstehen der ganzen menschlichen Seelenart darin liege, eine solche Voraussetzung zu machen. Und er prägte damals ein Wort, einen Begriff, der wirklich den Ausgangspunkt bildet, er prägte das Wort «anschauende Urteilskraft». Indem ich mich nun seit Jahrzehnten mit Goethe’scher Weltanschauung befasste und zu vergleichen imstande bin /Lücke], erscheint es mir in der Tat fruchtbar, gerade an solche Ausgangspunkte anzuknüpfen.

[ 20 ] In my last book, The Riddle of Man, I pointed out how questions of spiritual research are in fact questions of consciousness, and how the starting point must be taken from the further development of a great, ingenious idea of Goethe's. When Goethe tried to clarify for himself what the fundamental nerve of Kant's philosophy is — which seeks to set limits on human cognition, to deny human knowledge the ability to approach things as they are in themselves — Goethe believed that making such an assumption was a complete misunderstanding of the whole nature of the human soul. And at that time he coined a word, a concept that really forms the starting point, he coined the word “perceptive judgment.” Having studied Goethe's worldview for decades and being able to compare [gap], it seems to me indeed fruitful to build on such starting points.

[ 21 ] Deshalb erlaube ich mir, in diesem neuesten Buche darauf hinzuweisen, wie das, worauf Goethe noch instinktiv, möchte ich sagen hinweist, dieses zu beschreiben versuchte durch einen Vergleich, indem ich sagte in diesem Buche:

[ 21 ] That is why I take the liberty in this latest book of pointing out how Goethe, still instinctively, I would say, attempted to describe this by means of a comparison, by saying in this book:

[ 22 ] Der Mensch kann, indem er sein gewöhnliches alltägliches Bewusstsein ins Auge fasst, dieses Bewusstsein, von dem er überzeugt ist, dass es ihm Kunde gibt von den Gegenständen und Ereignissen der äußeren Welt, vergleichen mit dem Traumbewusstsein, in dem Auf- und Abfluten oftmals chaotischer Bilder, und man kann ins Auge fassen den Übergang aus dem Traumbewusstsein ins gewöhnliche Wachbewusstsein. Mit diesem Übergang, mit diesem Erwachen des gewöhnlichen, wachen, gesunden Bewusstseins aus dem Traumbewusstsein, erlaubte ich mir zu vergleichen dasjenige, was Grundlage bilden muss für die Geisteswissenschaft, zu vergleichen ein anderes Bewusstsein, das ich das «schauende Bewusstsein» nannte.

[ 22 ] By considering his ordinary everyday consciousness, the consciousness that he is convinced gives him knowledge of the objects and events of the external world, man can compare it with dream consciousness, in which and ebb of often chaotic images, and one can contemplate the transition from dream consciousness to ordinary waking consciousness. With this transition, with this awakening of ordinary, waking, healthy consciousness from dream consciousness, I took the liberty of comparing what must form the basis for Spiritual Science, comparing another consciousness, which I called “seeing consciousness.”

[ 23 ] So sagte ich: Wie man in der Lage ist aufzuwachen aus dem Traum- oder Schlafbewusstsein, zu dem mit der äußeren Sinneswelt in Beziehung tretenden Wachbewusstsein, so kann man aufwachen aus dem gewöhnlichen Wachbewusstsein zu dem schauenden Bewusstsein. Und dieses schauende Bewusstsein, das ist dann geeignet von sich aus Erkenntnisse zu gewinnen, Wirklichkeitserkenntnisse, wie das Wachbewusstsein berufen ist, über die Art zu entscheiden, wie sich der bloße Traum in die Wirklichkeit des Menschenlebens hineinstellt. Da handelt es sich dann darum, dass es möglich ist, es zu einem solchen Aufwachen aus dem gewöhnlichen Bewusstsein zu bringen.

[ 23 ] So I said: Just as one is able to wake up from dream or sleep consciousness to waking consciousness, which relates to the external sensory world, so one can awaken from ordinary waking consciousness to seeing consciousness. And this seeing consciousness is then capable of gaining insights on its own, insights into reality, just as waking consciousness is called upon to decide how mere dreams fit into the reality of human life. The question then is possible to bring about such an awakening from ordinary consciousness.

[ 24 ] Wer meine Schriften verfolgt, wird überall finden, dass ich vor allen Dingen das ablehnte, dass man aus dem gewöhnlichen Bewusstsein zu irgendetwas kommen könne, das über eine andere Welt aufklärt als die gewöhnliche. Das muss einem als Geistesforscher so feststehen, dass man durch das gewöhnliche Bewusstsein zu keiner anderen Wirklichkeit kommt als zur gewöhnlichen, wie es klar sein muss, dass man träumend nicht die Welt erkennen kann. Wer erwartet, dass der Traum ihn selber aufklären kann über das, was im Traumbewusstsein sich abspielt, der ist auf einem Holzwege.

[ 24 ] Anyone who follows my writings will find everywhere that I rejected above all else the idea that one can arrive at anything from ordinary consciousness that enlightens us about a world other than the ordinary one. As a spiritual researcher, one must be certain that through ordinary consciousness one cannot arrive at any other reality than the ordinary one, just as it must be clear that one cannot know the world through dreaming. Anyone who expects that dreams can enlighten them about what is happening in dream consciousness is on the wrong track.

[ 25 ] Allein, der kann als gesund denkend aufgefasst werden, der überzeugt ist, dass er nach dem Aufwachen über den Schlafzustand ein gesundes Urteil fällen kann. Im Traum erscheint eine eigene Welt. Beurteilen kann man sie erst vom wachen Bewusstsein aus. Ebenso wenig kann man über die Welt, in der wir mit unserem Leibe zwischen Geburt und Tod leben, auf irgendeine Weise hinausgehen durch das gewöhnliche Wachbewusstsein. Will man darüber hinausgehen, dann muss dieses gewöhnliche Wachbewusstsein zu einem andersartigen Bewusstsein, eben zu einem schauenden Bewusstsein umgebilder werden. Und dieses Umbilden, das beruht auf rein im Geistig-Seelischen vor sich gehenden Erlebnissen.

[ 25 ] Only those who are convinced that they can make a sound judgment about the state of sleep after waking up can be considered to be thinking healthily. A separate world appears in dreams. It can only be judged from the perspective of waking consciousness. Similarly, it is impossible to transcend the world in which we live with our bodies between birth and death in any way through ordinary waking consciousness. If one wants to transcend it, then this ordinary waking consciousness must be transformed into a different kind of consciousness, into a contemplative consciousness. And this transformation is based on experiences that take place purely in the spiritual-soul realm.

[ 26 ] Ich habe in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?», auch in meiner «Geheimwissenschaft» auf Einzelheiten hingewiesen, wie man aus dem gewöhnlichen Bewusstsein heraus das schauende gewinnt. Ich muss auf diese Schriften verweisen; aber ich will auch heute wieder auf einiges, das hier noch weniger berührt worden ist, hinweisen, das prinzipiell die ganze Frage zu entscheiden hat.

[ 26 ] In my book “How to Know Higher Worlds,” and also in my “Secret Science,” I have pointed out details of how to gain contemplative consciousness from ordinary consciousness. I must refer to these writings, but today I would also like to point out a few things that have been touched upon even less here, which in principle have to decide the whole question.

[ 27 ] Es handelt sich darum, dass wir mit dem gewöhnlichen Wachbewusstsein bis zum Denken kommen. Wenn wir wirklich ernsthaftig bemüht sind um die Welt- und Seelenrätsel, dann kommen wir bis zu einer gewissen Grenze des Denkens. Und ich habe gerade heute eine solche Grenze gezeigt an dem Fall des Friedrich Theodor Vischer, der ja wirklich versuchte, den Weg des Denkens zu gehen, soweit man ihn geht in Bezug auf Seelenfragen, der sich bewusst wurde: Gehst du diesen Weg, dann musst du etwas sagen, was eigentlich ein Widerspruch ist.

[ 27 ] The point is that we arrive at thinking with ordinary waking consciousness. When we are seriously concerned with the riddles of the world and the soul, then we reach a certain limit of thinking. And just today I have shown such a limit in the case of Friedrich Theodor Vischer, who really tried to follow the path of thinking as far as it can be followed in relation to soul questions, and who became aware that if you follow this path, you have to say something that is actually a contradiction.

[Die Seele, als oberste Einheit aller Vorgänge, kann allerdings nicht im Leibe lokalisiert sein, obwohl sie anderswo als im Leibe nicht ist.]

[The soul, as the highest unity of all processes, cannot, however, be located in the body, although it is nowhere else but in the body.]

[ 28 ] Solche Punkte, zu denen man im menschlichen Denken kommt, gibt es viel; und demjenigen, der nun gewohnt ist, wissenschaftlich zu denken, der gewissermaßen sein wissenschaftliches Denken geschult hat an den anderen Wissenschaften, dem ergeben sich Hunderte und Hunderte solcher merkwürdiger Denkrätsel, wo man stille stehen muss. Es ist schon fast in unserer Zeit, in der man ja insbesondere wissenschaftlich diese Dinge nicht liebt, eine Art Gewohnheit geworden, wenn man an solche Dinge kommt, zu sagen: Da steht halt das menschliche Forschen an einer Grenze. Über diese Dinge kommt man nicht hinaus.

[ 28 ] There are many such points that human thinking arrives at; and for those who are accustomed to thinking scientifically, who have, so to speak, trained their scientific thinking in other sciences, hundreds and hundreds of such strange puzzles arise, where one must stand still. In our time, when such things are not particularly popular in scientific circles, it has almost become a habit to say, when one encounters such things, that human research has reached its limits. One cannot go beyond these things.

[ 29 ] Derjenige, der auf der geisteswissenschaftlichen Methode, wie sie in den angeführten Büchern entwickelt ist, sich schult, der findet, dass man allerdings an solche Grenzpunkte kommt, dass man aber dann nicht theoretisch dabei stehen zu bleiben hat, sondern zu beginnen hat — nun, mit diesen Problemen, bis zu welchen das gewöhnliche menschliche Denken wie zu konzentrierten Widersprüchen führt, beginnt erst recht einzusetzen mit der Kraft, die der Mensch in seinem Seelenleben entwickeln kann, sodass man nicht durch Hypothesen und Spekulationen versucht, über solche Grenzen leichtsinnig hinwegzuschreiten und etwa Phantasien aufzustellen über eine metaphysische Welt —, sondern dass man versucht, nun sich zu fragen: Kannst du vielleicht so recht klar ins Auge fassen, was da eigentlich in dein Denken einzieht als Widerspruch? Kannst du nun starke seelische Kräfte entwickeln, die dich hinausführen, die dir möglich machen, das Denken, das ganze Seelenleben über solche Punkte hinauszuführen?

[ 29 ] Those who train themselves in the Spiritual Science method as developed in the books cited will find that one does indeed come to such limits, but that one must not remain stuck there theoretically, but must begin — well, with these problems, to which ordinary human thinking leads as if to concentrated contradictions, one must begin to apply the power that human beings can develop in their soul life, so that one does not attempt to carelessly cross such boundaries through hypotheses and speculations and, for example, construct fantasies about a metaphysical world — but rather that one attempts to ask oneself: Can you perhaps clearly see what it is that actually enters your thinking as a contradiction? Can you now develop strong soul forces that lead you out, that enable you to lead your thinking, your whole soul life, beyond such points?

[ 30 ] Und so liegt es nämlich in dem guten Willen und in dem starken, ernsten Willen, das eigene Seelenleben jetzt wirklich an diesen klaren Menschenrätseln zu erproben. Man findet nun, dass das Denken, das man gewohnt ist und das auch gut und zweckmäßig für das äußere Sinnenleben ist, mit Recht zu solchen Grenzen führt; denn es ist gut, wenn man so denkt mit Bezug auf alles, was das äußere Sinnenleben betrifft. Man findet sich da am unbefangensten in diesem Leben der Sinne zurecht, kommt aber auch nicht darüber hinaus. Ich werde nun versuchen anzugeben, wie das Denken in gewisser Weise innerlich, der Art nach, aufrücken muss, in anderer Art sich zur Welt zu stellen als das gewöhnliche Denken. Da ist notwendig, dass das Denken bei sich etwas vornimmt, das geradezu genannt werden kann eine Erweiterung des ganzen bewussten Seelenlebens. Ich werde von einem Negativen ausgehen. Ich gehe aus davon, zuerst zu sagen, was mit dem Seelenleben nicht vor sich gehen soll. Nicht soll vor sich gehen das, was sich als Verengerung des Bewusstseins darstellt bei allen mehr oder weniger krankhaften Einflüssen auf das Bewusstsein.

[ 30 ] And so it is a matter of good will and strong, serious will to really test one's own soul life on these clear human riddles. One now finds that the thinking one is accustomed to, and which is also good and appropriate for the outer sensory life, rightly leads to such limits; for it is good to think in this way with regard to everything that concerns the outer sensory life. One finds oneself most at ease in this life of the senses, but one also cannot go beyond it. I will now try to indicate how thinking must, in a certain way, advance inwardly, in a different way, to relate to the world than ordinary thinking. It is necessary that thinking undertakes something that can be called an expansion of the whole conscious life of the soul. I will start from a negative point. I will begin by first saying what should not happen in the life of the soul. What should not happen is that which represents a narrowing of consciousness in all more or less pathological influences on consciousness.

[ 31 ] Nehmen Sie alles das, was man als Suggestion, Hypnose und so weiter hat, so haben Sie das Gegenteil von dem, was Geistesforschung anstreben muss. Daher kann man geradezu zunächst negativ sagen: Der Weg der Geistesforschung geht in der gerade entgegengesetzten Richtung, in die das Bewusstsein kommt, wenn es unter Hypnose oder Suggestion gerät. Die Hypnose besteht darin, dass der Mensch einen solchen Einfluss auf sein Bewusstsein erfährt, dass er sich nicht kritisch gegenüber suggestiven Einflüssen verhalten kann. Wir wissen ja, man kann die Menschen in solche hypnotische Zustände bringen, dass sie die unglaublichsten Dinge für wahr halten, dass sie eine Kartoffel für einen Apfel ansehen. Man kann dann sagen: Das menschliche Vorstellen wird durch solche Einflüsse verengert und es wird hinweggeschafft die kritische Möglichkeit, die sich sagt: Was alles dagegenspricht, dass ich einen Apfel vor mir habe, wenn ich eine Kartoffel vor mir habe. Die Kritikfähigkeit des Menschen wird eingeschränkt, die Einwände, die sich das gesunde Bewusstsein macht, die werden paralysiert. Daher ist jede Hypnose etwas Pathologisches.

[ 31 ] Take everything that is considered suggestion, hypnosis, and so on, and you have the opposite of what spiritual research must strive for. Therefore, one can say quite negatively at first: The path of spiritual research goes in the opposite direction to that which consciousness takes when it falls under hypnosis or suggestion. Hypnosis consists of a person experiencing such an influence on their consciousness that they cannot behave critically towards suggestive influences. We know that people can be brought into such hypnotic states that they believe the most incredible things to be true, that they see a potato as an apple. One can then say that the human mental image is narrowed by such influences and the critical faculty that asks, “What evidence is there that I have an apple in front of me when I have a potato in front of me?” is eliminated. People's critical faculties are restricted, and the objections raised by a healthy consciousness are paralyzed. That is why all hypnosis is pathological.

[ 32 ] Geisteswissenschaft geht gerade nach der entgegengesetzten Seite. Sie beruht darauf — es ist schwierig für die Dinge, die noch wenig bekannt sind, gangbare Aussprüche zu finden. Daher verzeihen Sie, wenn die Ausdrücke manchmal unschön und holperig sind. Aber es werden schon noch Zeiten kommen, wo prägnantere Ausdrücke geprägt werden können. Das Denken, von dem der Ausgangspunkt genommen werden muss, das muss gelenkiger gemacht werden, als es ist im gewöhnlichen tagwachenden Bewusstsein, wo es sich hält an das, was ihm die äußeren Erkenntnisse zeigen, was der Strom des äuReren Weltganges ist. Es muss sich, ohne irgendwie sich phantastisch zu gestalten, gewöhnen, sich gelenkiger zu machen. Ein Elementarisches ist es, dass man sich darin übt, möglichst vielseitig bei einem Erlebnis sich Ansichten darüber zu bilden, aber es in der Gewohnheit zu haben, auch die Einwände zur Hand zu haben, sodass man in die Lage kommt, gelenkiger von einem Gedanken zum anderen zu kommen, sich zu sagen das Für und Wider, ein zweites Wider, ein drittes Gegen als zweite Probe. Sie werden zugeben, das gewöhnliche Denken wird sich ungeheuer wohlfühlen, eine Ansicht zu haben.

[ 32 ] Spiritual Science goes in the opposite direction. It is based on the fact that it is difficult to find suitable expressions for things that are still little known. Therefore, please forgive me if the expressions are sometimes awkward and clumsy. But there will come a time when more concise expressions can be coined. The thinking from which the starting point must be taken must be made more flexible than it is in ordinary waking consciousness, where it clings to what external knowledge shows it, what the current of the external world is. Without becoming fantastical in any way, it must become accustomed to making itself more flexible. It is essential to practice forming as many different views as possible about an experience, but to also make it a habit to to also have the objections at hand, so that one is able to move more flexibly from one thought to another, to say to oneself the pros and cons, a second con, a third counterargument as a second test. You will admit that ordinary thinking will feel tremendously comfortable having one opinion.

[ 33 ] Diese Einfachheit kann sich der Geistesforscher — natürlich im gewöhnlichen Leben kann etwas nützlich sein, was der Geistesforscher nicht brauchen kann —, diese Einfachheit kann sich der Geistesforscher nicht immer gestatten. Er muss in der Tat das Bewusstsein nicht verengern, sondern es erweitern; er muss in die Lage kommen, sich zu sagen, was alles gegen eine Ansicht eingewendet werden kann, was alles von den verschiedensten Seiten her spricht. Möglichst allseitige Meinungen und Gedanken über irgendeinen einzelnen Gegenstand muss der Geistesforscher entwickeln lernen. Das kann nur sein dadurch, dass der Geistesforscher dazu kommt, seine Interessen möglichst vielseitig zu machen, eine wirkliche Begabung dafür, nach und nach sich anzueignen aus dem Leben heraus, aus dem Studium des Lebens heraus, möglichst vielseitig über alle Dinge denken zu lernen.

[ 33 ] The spiritual researcher cannot always allow himself this simplicity — of course, in ordinary life, something may be useful that the spiritual researcher cannot use —. In fact, he must not narrow his consciousness, but expand it; he must be able to tell himself what can be objected to a view, what can be said from the most diverse sides. The spiritual researcher must learn to develop opinions and thoughts about any single subject that are as comprehensive as possible. This can only be achieved if the spiritual researcher manages to make his interests as varied as possible, gradually acquiring a real talent for thinking about all things in as varied a way as possible, based on life experience and the study of life.

[ 34 ] Nicht auf die vielseitige Ansicht kommt es an, sondern auf die Gelenkigkeit des Denkens, auf die Erweiterung des Bewusstseins. Dem muss allerdings parallel gehen eine vollständige Kontrolle über das, was das eigene Selbst sich nach dieser Richtung leisten darf. Ohne Selbstkontrolle kann man sehr phantastisch werden. Wie diese Balance zwischen der Erweiterung der Denkinteressen, der Vorstellungs-, Gefühls-, Willensinteressen in der Selbstkontrolle zu erreichen ist, darüber sind ausführliche Studien in meinen Schriften zu finden. Hier möchte ich nur so viel sagen, dass jeder Mensch sich klarmachen kann: Das hast du erlebt im Laufe deines Lebens, du kannst dir ein Urteil über dieses und jenes erlauben. In dieser Bezichung wird man als Geistesforscher ungemein bescheiden. Man fragt sich: Wie weit reicht die Vorbildung, die das Leben gibt? Reicht das, um über irgendetwas zu urteilen? Das muss da sein. Denn geht man über das, was so in der ganzen Art seines seelischen Vorlebens geht, geht man über das hinaus, dann verfällt man der Phantasie, dann kann man das Blaue und Rote von allen Seiten herbeibringen, bei dem, was ich als Erweiterung des Denkens bezeichnete. Nun, es ist ein Anfang, der aber immer weiter und weiter führt.

[ 34 ] It is not the diversity of views that matters, but the flexibility of thinking, the expansion of consciousness. However, this must go hand in hand with complete control over what one's own self is allowed to do in this direction. Without self-control, one can become very fantastical. How this balance between the expansion of intellectual interests, the interests of mental images, feeling, and will can be achieved in self-control can be found in my writings. Here I would just like to say that every person can realize: You have experienced this in the course of your life, you can allow yourself to judge this and that. In this respect, one becomes extremely modest as a spiritual researcher. One asks oneself: How far does the education that life provides extend? Is it enough to judge anything? That must be there. For if one goes beyond what is in the whole nature of one's spiritual past life, if one goes beyond that, then one falls prey to fantasy, then one can bring in the blue and red from all sides, in what I have called the expansion of thinking. Well, it is a beginning, but one that leads further and further.

[ 35 ] Es kommt dabei nicht darauf an, meine sehr verehrten Anwesenden, diesen oder jenen Gedanken zu äußern, sondern mit seinem Denken sich über das gewöhnliche, alltägliche Bewusstsein so zu erheben, dass man ein neues Lebenselement anwesend, gegenwärtig macht. Das, was dann in diesem gelenkigen Denken lebt — das Wahrnehmen des ganz von unserem Leib und unserem Denken unabhängigen Pulsierens in dem einander stützenden Vorstellen und Fühlen —, das zu schauen, darauf kommt es an und da strömt allmählich das gewöhnliche Bewusstsein in das schauende Bewusstsein hinüber, wacht auf in einem neuen Lebenselemente.

[ 35 ] It is not a matter, my dear audience, of expressing this or that thought, but of rising above ordinary, everyday consciousness with one's thinking in such a way that one makes a new element of life present, present. What then lives in this flexible thinking — the perception of the pulsation in the mutually supportive mental image and feeling, which is completely independent of our body and our thinking — to see that is what matters, and there the ordinary consciousness gradually flows over into the seeing consciousness, awakens in a new element of life.

[ 36 ] Es ist natürlich damit nur in abstrakter Weise der Anfang charakterisiert; aber die Verfolgung dieses Anfanges führt wirklich zu etwas, was wie ein Aufwachen aus dem gewöhnlichen Bewusstsein ist. Der Geistesforscher muss in der Tat im hohen Grad dasjenige entwickeln, was sich nach der entgegengesetzten Seite jener Verengerung einstellt, die in der Suggestion, Hypnose und so weiter zu finden ist. Der Geistesforscher muss geradezu entwickeln eine gewisse Sehnsucht gegen alles das, was sich ihm als Meinung aufdrängt, die Einwände zu machen. Daher werden die verehrten Zuhörer, die mich öfters hören konnten, finden, dass, indem ich versuche, Geisteswissenschaft in der Gegenwart zu treiben, ich es geradezu zu meiner Gewohnheit gemacht habe, überall, wenn nur irgendetwas gesagt wird, auch die Gegenmeinung anzuführen, die Einwände überall vorzunehmen. Man erinnere sich an Vorträge, wie ich überall angeführt habe, das oder jenes kann eingewendet werden, das kann der Gegner sagen und so weiter. Ich darf wohl sagen, dass ich dies in meinen verschiedenen Schriften wirklich in einem ausgedehnten Maße getan habe, in einem solchen Maße, dass demjenigen, der böswillig oder hasserfüllt Einwände machen will gegen Geisteswissenschaft, in meinen Schriften hinlänglich diese Einwände zugänglich sind. Er findet sie alle darinnen, und er braucht nur das, was ich vertrete, wegzulassen und die Einwände abzuschreiben, was in letzter Zeit eine geübte Methode geworden ist, der sieht, wie in gehässiger Weise Geisteswissenschaft bekämpft wird.

[ 36 ] Of course, this only characterizes the beginning in an abstract way; but pursuing this beginning really leads to something that is like an awakening from ordinary consciousness. The spiritual researcher must indeed develop to a high degree that which is the opposite of the narrowing found in suggestion, hypnosis, and so on. The spiritual researcher must develop a certain longing to object to everything that imposes itself on him as an opinion. Therefore, my esteemed listeners, who have often heard me speak, will find that in my attempt to practice Spiritual Science in the present, I have made it a habit to cite the opposing opinion and raise objections wherever anything is said. Remember lectures in which I have pointed out everywhere that this or that can be objected to, that the opponent can say this or that, and so on. I can safely say that I have done this to a great extent in my various writings, to such an extent that anyone who wants to raise malicious or hateful objections to Spiritual Science will find these objections readily available in my writings. They will find them all there, and all they need to do is omit what I represent and copy down the objections, which has recently become a common method, and they will see how Spiritual Science is being fought in a spiteful manner.

[ 37 ] Dieses Versuchen, gelenkiger zu machen das Denken, ist es, worauf es ankommt und wovon man den Ausgangspunkt nehmen kann, um zu erschen: Worum handelt es sich bei solchen Behauptungen wie denen des Friedrich Theodor Vischer? Da handelt es sich darum, dass man an sich bindet [Lücke]. Das Gehirn muss an diese Grenze kommen und eben das überschauen, dass es solche Grenzen geben muss. Das führt über sie hinaus. Bei dem Denken, bei dem man erlebt: Jetzt bist du nicht mehr innerhalb des Leibes, jetzt bist du außerhalb der Welt, mit der das gewöhnliche Bewusstsein zu tun hat. Jetzt bist du in dem aufgewachten, in dem schauenden Bewusstsein. Und dann, wenn man also dieses Bewusstsein entwickelt hat, dann wird in der Tat die Möglichkeit herbeigeführt, ein gesundes Urteil über beiderlei Bewusstseine sich zu erwerben.

[ 37 ] This attempt to make thinking more flexible is what matters and what can be taken as a starting point for finding out: What are claims such as those made by Friedrich Theodor Vischer all about? It is a matter of binding oneself [gap]. The brain must reach this boundary and realize that such boundaries must exist. This leads beyond them. In thinking, one experiences: Now you are no longer within the body, now you are outside the world with which ordinary consciousness deals. Now you are in the awakened, in the seeing consciousness.

And then, once you have developed this consciousness, the possibility of acquiring a healthy judgment about both types of consciousness is indeed brought about.

[ 38 ] Dieses gesunde Urteilen ist heute leider noch so selten zu finden: Aber es wird schon kommen und muss kommen. Erweiterung der Interessen, sagte ich, Erweiterung überhaupt des ganzen Bewusstseins! Man muss in der Tat die Möglichkeit gewinnen, ich möchte sagen unterzutauchen in die Dinge, ganz aus sich herauszugehen, nicht wie man es in falscher Mystik macht, immer mehr und mehr in sich hineinzugehen, nicht Erweiterung eines brütenden Innenlebens ist es, worauf es ankommt, sondern auf die Erweiterung der äußeren Interessen, auf ein liebevolles Eingehen auf alles, was um uns in den Reichen der Natur ist. Mancherlei falsche Mystik steht der wirklichen, gesunden Geisteswissenschaft entgegen, falsche Mystik, die glaubt, einen erhabenen Standpunkt zu gewinnen, und gerade die Interessen wieder einengt, statt sie zu erweitern.

[ 38 ] Unfortunately, this sound judgment is still so rare today: but it will come, and it must come. Expansion of interests, I said, expansion of consciousness as a whole! One must indeed gain the ability, I would say, to immerse oneself in things, to step completely outside of oneself, not as one does in false mysticism, going more and more inward. It is not the expansion of a brooding inner life that matters, but the expansion of one's external interests, a loving engagement with everything around us in the realms of nature. Many kinds of false mysticism stand in the way of real, healthy Spiritual Science, false mysticism that believes it is gaining a sublime standpoint, but in fact restricts interests instead of expanding them.

[ 39 ] Man möge mir verzeihen, wenn ich ein triviales Beispiel anführe. Ich war in der Lage, einer Anzahl von Persönlichkeiten, die sich für Geistesforschung interessierten, ich möchte sagen die Vorträge, die gehalten wurden, anzuordnen, das Programm zu machen. Innerhalb dieses Programms war auch der Vortrag eines Mannes, der sehr eigentümlich gesprochen hat, so gesprochen hat, dass die Mehrzahl der bei jener Versammlung dazumal Anwesenden die Sache für den vollkommensten Unsinn gehalten hat, sich entsetzt hat über diesen Unsinn; und bald wäre es dazu gekommen, dass ich allein sitzen geblieben wäre, um zuzuhören demjenigen, was für Unsinn gehalten worden ist. Ja, gewiss, jeder darf sich selbstverständlich berechtigt fühlen, dasjenige, was er für einen Unsinn hält, sich nicht anzuhören. Aber eigentlich Geistesforscher kann man nicht werden, wenn man eine solche Seelenverfassung hat: Das höre ich nicht an. Wäre ein Schimpanse vorgeführt worden, so großes Interesse [Lücke], aber das, was nach der Meinung der Zuhörer verirrte Menschenseelen anzuführen hatten, das wurde abgelehnt. Das bedeutet Verengerung der Interessen.

[ 39 ] Forgive me for giving a trivial example. I was in a position to arrange the lectures that were given and to set the program for a number of personalities who were interested in spiritual research. Within this program was also the lecture of a man who spoke in a very peculiar way, so that the majority of those present at that gathering at the time considered the matter to be complete nonsense, were horrified by this nonsense; and soon it would have come to the point where I would have been left sitting alone to listen to what was considered nonsense. Yes, of course, everyone is entitled to feel that they are not obliged to listen to what they consider nonsense. But one cannot actually become a spiritual researcher if one has such a state of mind: I will not listen to that. If a chimpanzee had been presented, there would have been great interest [gap], but what, in the opinion of the listeners, were the stray human souls had to say was rejected. That means a narrowing of interests.

[ 40 ] Die Erweiterung der Interessen aber ist notwendig, notwendig ist, sich hinzugeben allem, was aus einer menschlichen Seele kommen kann und zu wissen: Aus allem spricht das, was hinter den Dingen steht und was du gerade erforschen sollst. Besonders charakteristisch ist es, dass es für die Geistesforschung begeisterte Menschen waren, die da gezeigt haben, dass, wenn es darauf ankommt wahrzumachen, was Grundforderung der Geistesforschung ist, dass sie da nicht mitwollten, wie es sehr häufig ist. Nun, ich sagte: Ein gesundes Urteil kann man gewinnen über die zwei Bewusstseine, wenn man mit der Sache ernst ist. Nicht wahr, wenn einer schlecht schläft, sei es, dass er zu viel gegessen hat, sei es [Lücke] und schlecht träumt, so kann er sich am nächsten Tage nicht ordentlich in die gewöhnliche Welt hineinstellen. Er träumt fort oder ärgert sich fort. Ebenso wenig kann man in die geistige Welt mit dem schauenden Bewusstsein eintreten, wenn man sich nicht ein gesundes Urteil aneignet über alle Ereignisse der gewohnten Welt. Träumer, die nicht fertig werden können über die gewöhnliche Sinneswelt, die nicht mit den alleralltäglichsten Handlungen sich zurechtfinden können, die können ebenso wenig hoffen, in der geistigen Welt zurechtzukommen, ebenso wenig wie derjenige, der sich den Schlaf verdirbt, hoffen kann, mit dem Tag zurechtzukommen. Streben nach gesundem Seelenleben, nicht mystische Verworrenheit, nicht mystischer Hochmut, das ist eine der ersten Forderungen. Und ein gesundes Urteil über das, was das gewöhnliche Bewusstsein ist, auch den Willen dazu, innerhalb der gewöhnlichen Sinneswelt sich ein gesundes Urteil anzueignen, das gehört zum Aufrücken in das schauende Bewusstsein. Dann gibt es eben einen Weg, in dieses schauende Bewusstsein aufzurücken. Dann aber eröffnet sich die Möglichkeit, etwas zu schauen, was als ein Drittes da ist — leibliche Welt, seelisches Erlebnis, geistige Welt. Diese geistige Welt ist für die meisten Menschen überhaupt nichts, was sie zugeben. Aber man kann aufrücken.

[ 40 ] But it is necessary to broaden one's interests, it is necessary to devote oneself to everything that can come from a human soul and to know: Everything speaks of what lies behind things and what you are supposed to explore. It is particularly characteristic that it was people enthusiastic about spiritual research who showed that, when it comes to realizing what is the basic requirement of spiritual research, they did not want to go along with it, as is very often the case. Well, I said: You can gain a sound judgment about the two consciousnesses if you are serious about the matter. Isn't it true that if someone sleeps poorly, whether because they have eaten too much or [gap] and has bad dreams, they cannot properly enter the ordinary world the next day. They continue to dream or continue to be annoyed. Similarly, one cannot enter the spiritual world with a contemplative consciousness if you do not acquire a healthy judgment about all the events of the familiar world. Dreamers who cannot cope with the ordinary sensory world, who cannot find their way around the most everyday activities, can just as little hope to cope in the spiritual world as those who spoil their sleep can hope to to cope with the day. Striving for a healthy soul life, not mystical confusion, not mystical arrogance, that is one of the first requirements. And a healthy judgment about what ordinary consciousness is, as well as the will to acquire a healthy judgment within the ordinary sensory world, is part of advancing into seeing consciousness. Then there is a way to advance into this contemplative consciousness. But then the possibility opens up to see something that is there as a third element — the physical world, the soul experience, the spiritual world. For most people, this spiritual world is not something they admit to at all. But one can advance.

[ 41 ] Gerade wenn man sich dieses schauende Bewusstsein aneignet, da findet man vor allen Dingen, dass, indem man zu dem gelenkigen Denken kommt, in diesem erst sich enthüllt seiner wahren Natur nach das, auf was zum Beispiel schon die Naturforschung immer hindeutet, über das sie viele hypothetische Anschauungen aufgebaut hat, mit dem sie aber als Naturforschung eigentlich nie zurechtgekommen ist. Da kommt man zu einer Auffassung der Äther-Idee. Stoßen Sie sich bitte nicht an dem Worte! Allein ich müsste viele Stunden sprechen, wenn ich die Anschauungen alle aufzählen wollte, die die Physik über den Äther gehabt hat. Aber es ist interessant, dass die Welt gerade in ihren strengsten wissenschaftlichen Vertretern zu diesem Äther hinstrebt, interessant, dass zum Beispiel Planck den schönen Satz enthält: «Man hat viel über den Äther gedacht; aber man wird, was man auch dem Äther für Eigenschaften beilegen wird, das Eine vielleicht schon heute sagen können: Der Äther muss etwas sein, was sich um uns her ausbreitet, uns durchdringt und was keine materiellen, keine stofflichen Eigenschaften hat.»

[ 41 ] Precisely when one acquires this observing consciousness, one finds above all that, by coming to flexible thinking, what natural science, for example, has always pointed to, about which it has built up many hypothetical views, but with which it has never really come to terms as natural science, reveals itself in its true nature. This leads to a conception of the idea of ether. Please do not take offense at the word! I would have to speak for many hours if I wanted to list all the views that physics has had about ether. But it is interesting that the world, especially in its most rigorous scientific representatives, strives toward this ether; it is interesting that Planck, for example, contains the beautiful sentence: “Much has been thought about the ether; but whatever properties one may attribute to the ether, one thing can perhaps already be said today: the ether must be something that spreads around us, permeates us, and has no material, no physical properties.”

[ 42 ] Also, selbst die Physik führt heute zu einer Ätheridee, die den Äther als unstofflich, als geistig hinstellt. Das ist sehr charakteristisch. Es gibt Wege, wo man wie in einem Tunnel von zwei Seiten her zusammenkommt. So werden sich Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft treffen. Aber das rein Geistige des Äthers kann nur gefunden werden, wenn das schauende Bewusstsein, das webende [unklare Stelle und Lücke].

[ 42 ] So even physics today leads to an idea of ether that presents ether as immaterial, as spiritual. This is very characteristic. There are paths where two sides come together, as in a tunnel. This is how natural science and Spiritual Science will meet. But the purely spiritual nature of the ether can only be found if the observing consciousness, the weaving [unclear passage and gap].

[ 43 ] Dann nimmt man wahr, was in einem Aufsatz, den ich in der Zeitschrift «Das Reich» veröffentlicht habe, genannt habe in Bezug auf den Menschen, den Bildekräfteleib. Dieser Bildekräfteleib besteht aus demjenigen, was man Äther nennen kann. Aber dieser geistige Äther ist überall um uns herum. Lernt man den Bildekräfteleib in der Anschauung kennen, so stellt er sich dar als dasjenige, was in uns lebt zwischen Geburt und Tod. Es ist dem Naturforscher bekannt, dass das sich ändert, was in uns als Stoff ist. Dasjenige, was in uns so anwesend ist, dass es unser Leben — nicht den Körper —, unser Leben zwischen Geburt und dem Tode so zu einem einheitlichen macht, dass es das stoffliche Erlebnis von Zeit zu Zeit hinüberträgt, was als lebendiger Bildekräfteleib ist, das ist das Erste, was man mit dem schauenden Bewusstsein durchdringen kann. Dann muss man sich allerdings gewöhnen, so gewissenhaft vorzugehen, wie man vorgeht auf dem Boden der äußeren Naturwissenschaft, indem man sich nicht scheut, vom Einzelnen aufzusteigen zum Komplizierten und Ganzen.

[ 43 ] Then one perceives what I have called, in an essay published in the magazine “Das Reich,” the formative body in relation to the human being. This formative body consists of what can be called ether. But this spiritual ether is all around us. When we learn to recognize the formative force body in our perception, it presents itself as that which lives within us between birth and death. Natural scientists know that what is within us as matter changes. That which is so present within us that it makes our life — not the body —, our life between birth and death, in such a way that it carries the material experience from time to time, what is the living formative body, that is the first thing that can be penetrated with the observing consciousness. Then, however, one must accustom oneself to proceeding as conscientiously as one proceeds on the ground of external natural science, not shying away from ascending from the individual to the complex and the whole.

[ 44 ] Man kann dann, wenn man so an das Elementarste gekommen ist, mit dem schauenden Bewusstsein nun auch erst fruchtbar untersuchen, worin zum Beispiel solche einfachen Erlebnisse bestehen wie Erinnern und Vergessen. Und da — ich kann natürlich die Sache nicht im Detail auseinandersetzen, aber auf die Ergebnisse der Geistesforschung kann ich hinweisen —, da findet man: Wenn ich mir eine Vorstellung bilde, diese in die Erinnerung hinuntertaucht, so wird das, was rein geistig abläuft, der körperlichen Organisation [Lücke].

[ 44 ] Once one has arrived at the most elementary level in this way, one can then use the observing consciousness to fruitfully investigate what, for example, simple experiences such as remembering and forgetting consist of. And there — I cannot, of course, go into detail, but I can point to the results of spiritual research — one finds that when I form a mental image and it sinks into my memory, what takes place purely spiritually becomes part of the physical organization [gap].

[ 45 ] Gelingt es dem, was als rein geistige Energie vorhanden ist, das Leibliche so zu überwinden, dass dieses Leibliche gewissermaßen ertötet wird, gelingt es gewissermaßen, das Leibliche so herabzustimmen, dass das Geistige diesem Leiblichen durch gewisse Vorgänge sich so einprägt, dass das Geistige den Sieg über das Leibliche davongetragen hat, dann ist das die Grundlage zum Erinnern. Vergessen aber tritt ein, wenn das Leibliche wiederum die Oberhand gewinnt, wenn das, was durch den Geist eingeprägt wird, durch die Vitabilität wieder ausgelöscht wird. So eignet man sich an die Möglichkeit, demjenigen, was im Innern vorgeht, zuzuschauen. Und so gelangt man auch dazu, mit dem schauenden Bewusstsein nun nicht mehr zu stolpern, wenn man einen Memorierstoff aufsagt. Das heißt, man darf nicht glauben, dass die Sache so einfach geht. Auch derjenige, der schon Praxis hat in der Geisteswissenschaft, wird stottern, wenn er etwas aufsagt und sich zuhört. Aber das braucht er nicht. Indem er das schauende Bewusstsein hat, hat er eine Fähigkeit, die er nicht hatte. Er kann hinterher zurückschauen auf das, was in der Seele vorgegangen ist. Also, wenn es mit dem Aufsagen vorbei ist, sieht er zurück; es bleibt dem schauenden Bewusstsein, und er kann es hinterher beobachten. Man erlangt eben einen neuen Menschen in sich; es wacht ein neuer Mensch auf, der in bewusster Weise sich zum gewöhnlichen Menschen verhält wie der wache zum träumenden. Hat man das erlangt, dann wird man sich bewusst des in sich wachenden Menschen und man gelangt von dem Bewusstsein aus auch weiter. Man schaut nicht nur Erinnern und Vergessen in neuem Lichte, sondern auch Umfänglicheres. Man erlebt die Möglichkeit zu ersehen: Gewisse Eigenschaften hast du in dir, vererbt von den Vorfahren; aber eine Strömung ist da, die fortwährend diese ererbten Merkmale wegschafft, überwindet, worauf gerade die Selbstentwicklung des Menschen beruht.

[ 45 ] If what is present as purely spiritual energy succeeds in overcoming the physical in such a way that the physical is, in a sense, killed, if it succeeds, in a sense, in suppressing the physical to such an extent that the spiritual is imprinted on the physical through certain processes, so that the spiritual has won the victory over the physical, then that is the basis for remembering. But forgetting occurs when the physical regains the upper hand, when what has been imprinted by the spirit is erased again by vitality. In this way, one acquires the ability to observe what is going on inside. And in this way, one also manages to no longer stumble with the observing consciousness when reciting something from memory. That is to say, one must not believe that it is so simple. Even those who already have practice in Spiritual Science will stutter when they recite something and listen to themselves. But they do not need to. By having the observing consciousness, they have an ability that they did not have before. They can look back afterwards on what has gone on in the soul. So when the recitation is over, they look back; it remains in their observing consciousness, and they can observe it afterwards. One gains a new person within oneself; a new person awakens who consciously relates to the ordinary person as the awake relates to the dreaming. Once one has attained this, one becomes aware of the person awakening within oneself and one also progresses further from this consciousness. One sees not only remembering and forgetting in a new light, but also something more comprehensive. One experiences the possibility of seeing: you have certain qualities within you, inherited from your ancestors; but there is a current that continually removes and overcomes these inherited characteristics, which is precisely what human self-development is based on.

[ 46 ] Und für diese zwei Strömungen bekommt man eine richtige Unterscheidung, kurz, man entdeckt dasjenige, was im Leibe lebt. Und hat man es entdeckt, dann überschaut man es so, dass man sieht: es ist auch vorhanden vor der Geburt und nach dem Tode. Es kommt aus der geistigen Welt, verkörpert sich, nimmt Leibesorganisation an, geht durch die Pforte des Todes. Man lernt es erkennen als dasjenige, was nicht an den Leib gebunden ist. Und dann stellt sich etwas ein, was auch einmal erwähnt werden muss, was aber allerdings heute noch ebenso schwer zu begreifen ist wie für die Zeitgenossen des Kopernikus schwer zu begreifen war, nun, dasjenige, was er hinstellte, er, der geradezu die Welt auf den Kopf stellte. So wird der Mensch lernen etwas Ähnliches durch Geisteswissenschaft mit Bezug auf sein Leibes- und Geistesleben und seelisches Erleben. Wir sprechen nur. Aber der Geistesforscher verbindet mit diesem Sprechen dasjenige, was ich eben charakterisiert habe, das eigentliche Seelenwesen, das ein bewusstes Seelenwesen ist, für das das gewöhnliche Leben Gegenstand ist.

[ 46 ] And one gains a proper understanding of these two currents; in short, one discovers what lives in the body. And once you have discovered it, you see it in such a way that you realize: it is also present before birth and after death. It comes from the spiritual world, incarnates itself, takes on bodily organization, passes through the gate of death. You learn to recognize it as that which is not bound to the body. And then something arises that must also be mentioned, but which is just as difficult to comprehend today as it was for Copernicus' contemporaries, namely, what he presented, he who turned the world upside down. In this way, human beings will learn something similar through Spiritual Science with regard to their physical and spiritual life and soul experience. We only speak. But the spiritual researcher connects this speaking with what I have just characterized, the actual soul being, which is a conscious soul being for which ordinary life is the object.

[ 47 ] Der Geistesforscher zeigt, dass eine Vorstellung, die man im gewöhnlichen Leben hatte, ebenso falsch ist, wie falsch war die Vorstellung der vorkopernikanischen Zeit, dass die Sonne sich um die Erde bewege. Welches ist diese gewöhnliche Vorstellung? Das ist die, die da glaubt: Wir werden geboren, unsere Seele wird ebenso geboren, wird zwei, drei, vier, sieben, sechzig Jahre alt und so weiter. Die Seele läuft gewissermaßen so nach dem Leibesleben. Das ist die gewöhnliche triviale Vorstellung. Die Geistesforschung kommt dazu, diese triviale Vorstellung als falsch zu erkennen. Wir erinnern uns im Leben bis zu einem gewissen Zeitpunkt zurück. An diesem Zeitpunkt bleibt das, was wir unser eigentliches inneres Selbst nennen, in Wirklichkeit stehen. Bevor wir mit der Empfängnis die ersten Atome unseres Leibes empfangen [Lücke] unser Selbst geht gar nicht aus der geistigen Welt heraus, bleibt immer darinnen. Dasjenige, was sich zeitlich entwickelt, was sich verändert, das ist der Leib. Der Leib wirft dann seine Erfahrungen, seine Geschehnisse, in das Seelische zurück, das ruhend bleibt.

[ 47 ] The spiritual researcher shows that a mental image that one had in ordinary life is just as false as the mental image of the pre-Copernican era that the sun moves around the earth was false. What is this ordinary mental image? It is the belief that we are born, our soul is also born, and it becomes two, three, four, seven, sixty years old, and so on. The soul, in a sense, follows the life of the body. That is the ordinary, trivial mental image. Spiritual research comes to recognize this trivial mental image as false. We remember back to a certain point in our lives. At this point, what we call our actual inner self actually remains. Before we receive the first atoms of our body at conception [gap], our self does not leave the spiritual world at all, but always remains within it. That which develops over time, that which changes, is the body. The body then throws its experiences, its events, back into the soul, which remains at rest.

[ 48 ] Das leibliche Leben — ich sage das sehr uneigentlich —, das leibliche Leben kreist gewissermaßen um das ruhig bleibende Seelenleben. Unser Seclenleben bleibt in der geistigen Welt drinnen, und was der Leib erlebt, wird in die geistige Welt hineingestrahlt. Und die Seele nimmt auf mit dem schauenden Bewusstsein, das bei jedem Menschen vorhanden ist, nimmt auf, was der Leib erlebt, und trägt es durch die Pforte des Todes als Ergebnis des Lebens. Das wird der Kopernikanismus des Seelenlebens sein, dass man erkennen wird, wie die Seele nicht folgt dem äußeren leiblichen Leben, sondern wie sich dieses um das geistige Leben als sein Zentrum dreht. Umkehren wird man die Vorstellung über das Scelenleben, wie der Kopernikanismus die Vorstellung umgekehrt hat in Bezug auf den Kosmos. Dann aber gelangt man dazu, auch das richtige Verhältnis zu erfassen, das besteht zwischen dem, was sich durch und mit Hilfe des Leibes abspielt, und dem, was als seelisches Wesen in uns wohnt.

[ 48 ] Physical life — I say this very improperly — physical life revolves, as it were, around the soul life, which remains calm. Our soul life remains in the spiritual world, and what the body experiences is radiated into the spiritual world. And the soul takes in with the contemplative consciousness that is present in every human being, takes in what the body experiences, and carries it through the gate of death as the result of life. This will be the Copernican revolution of the soul life, that one will recognize how the soul does not follow the outer physical life, but how the latter revolves around the spiritual life as its center. The mental image of the soul life will be reversed, just as Copernicanism reversed the mental image of the cosmos. But then we will also come to understand the correct relationship that exists between what takes place through and with the help of the body and what dwells within us as a spiritual being.

[ 49 ] Wir können uns in die Welt besser stellen, wenn wir gewisse Fähigkeiten haben und so weiter. Das ist eine innere Konfiguration unseres Lebens. Woher kommt sie? Geisteswissenschaft widerspricht nicht der Naturwissenschaft. Selbstverständlich hängt vieles am Leibesleben; aber das, was da als Fähigkeiten auftritt, hängt ebenso sehr ab von dem, wo herum der Leib kreist, von dem Seelischen. Woher dieses? Aus der rein geistigen Welt, der es angehört. Und wenn wir aufsteigen aus der Erkenntnis, die ich beschrieben habe, zu immer höheren und höheren Stufen, dann steigen wir auf zu einer Erkenntnis der geistigen Welt, die wir dann anschauen. Geistesforschung kommt zu dem, was in uns lebt, was vor der Geburt vorhanden war, was hinaustritt in die geistige Welt nach dem Tode und was innerlich uns bestimmt und uns zu dem macht, das wir eigentlich sind. Die inneren Schicksalskräfte entdecken wir auf diese Weise. Innere Schicksalskräfte — ich werde den Ausdruck noch genauer erklären, wenn ich nun auch auf das äuRere Schicksal komme —, unsere Schicksale werden von innen und außen bestimmt durch das, was uns zufällt als Schicksal.

[ 49 ] We can better position ourselves in the world if we have certain abilities and so on. This is an inner configuration of our life. Where does it come from? Spiritual Science does not contradict natural science. Of course, much depends on physical life; but what appears there as abilities depends just as much on what surrounds the body, on the soul. Where does this come from? From the purely spiritual world to which it belongs. And when we ascend from the knowledge I have described to ever higher and higher levels, we ascend to a knowledge of the spiritual world, which we then contemplate. Spiritual research comes to what lives within us, what was present before birth, what emerges into the spiritual world after death, and what determines us inwardly and makes us what we actually are. In this way we discover the inner forces of destiny. Inner forces of destiny — I will explain the expression in more detail when I come to outer destiny — our destinies are determined from within and without by what befalls us as destiny.

[ 50 ] Halten wir fest daran, dass aufgestiegen werden kann von dem gewöhnlichen Wachbewusstsein zum schauenden Bewusstsein, und lehnen wir uns an an den Vergleich mit dem Traumbewusstsein. Im Traumbewausstsein laufen die Träume chaotisch ab. Die Außenwelt hat Einfluss auf das Chaos der Träume. Erinnern Sie sich: Jemand träumt. Er hört rufen: «Feuerio!» Er wacht auf, die Feuerwehr fährt vorbei. Die Traumwelt ist chaotisch.

[ 50 ] Let us hold fast to the idea that it is possible to ascend from ordinary waking consciousness to visionary consciousness, and let us lean on the comparison with dream consciousness. In dream consciousness, dreams unfold chaotically. The outside world influences the chaos of dreams. Remember: someone is dreaming. They hear someone shouting, “Fire!” They wake up, and the fire department is driving by. The dream world is chaotic.

[ 51 ] Schopenhauer, der in dieser Beziehung tiefer geschürft hat als mancher andere Philosoph, hat auch den Vergleich des Schicksals mit dem Traum gebraucht; nur hatte er noch nicht die Geisteswissenschaft. Im Traum haben wir ein Chaos. Wir ahnen die Zusammenhänge, wenn wir den Traum vergleichen mit der wachenden Wirklichkeit. Im Schicksal, das uns äußerlich trifft, haben wir Ereignisse, die an uns herankommen. Das gewöhnliche Wachbewusstsein, das noch nicht als ein Schauendes sich betätigt, steht dem, was wir die Schicksalserlebnisse nennen, so gegenüber wie der Träumende den Träumen. Er kann keine Ordnung hineinbringen. So erleben wir die Schicksale. Wir können keine Ordnung hineinbringen, brauchen es auch nicht, sollen es nicht können im gewöhnlichen Wachbewusstsein.

[ 51 ] Schopenhauer, who delved deeper into this relationship than many other philosophers, also used the comparison of fate with dreams; only he did not yet have Spiritual Science. In dreams, we have chaos. We sense the connections when we compare the dream with waking reality. In fate, which affects us externally, we have events that come to us. Ordinary waking consciousness, which does not yet function as a seeing consciousness, faces what we call fateful experiences in the same way as the dreamer faces dreams. It cannot bring order to them. This is how we experience fate. We cannot bring order to it, nor do we need to, nor should we be able to in ordinary waking consciousness.

[ 52 ] Aber wie ist es denn mit dem, was eigentlich in diesem Schicksal um den Menschen herum und mit dem Menschen sich abspielt? Für das innere Schicksal gebraucht sehr häufig das heutige naturwissenschaftliche Denken unnaturwissenschaftliche Begriffe. Und es sind sehr schöne Bücher geschrieben worden, zum Beispiel ein sehr schönes über Goethe, worin Goethes Eigenschaften aufgesucht werden, dann gesucht werden Vater, Großvater, Urgroßvater. Einzelne Eigenschaften, die bei Goethe konzentriert auftreten, die werden verfolgt bei den Vorfahren. Der Naturwissenschaftler kann sagen: Nun kommst du Geisteswissenschaftler und willst uns das widerlegen. Allein, was Naturwissenschaft da feststellt, will von der Geisteswissenschaft nicht abgeleugnet werden. Aber rechte Logik ist da gar nicht drinnen. Denn was müsste sie tun? Sie müsste ein Genie aufzeigen und zeigen, wie die Nachkommen die Eigenschaften erwerben, die schon da sind. Dass der Nachkomme gewisse Eigenschaften der Vorfahren hat, das ist nicht mehr, wie wenn jemand aus dem Wasser gezogen wird und dann nass ist. Aber man wird bleiben lassen zu prüfen, inwiefern die Genies die genialen Eigenschaften erwerben. Wenn man diese Dinge durchgeht, findet man bei den Nachkommen nicht immer dieselben genialen Eigenschaften.

[ 52 ] But what about what actually happens in this fate around and with human beings? When it comes to inner fate, today's scientific thinking very often uses non-scientific terms. And some very beautiful books have been written, for example a very beautiful one about Goethe, in which Goethe's characteristics are sought out, then his father, grandfather, and great-grandfather are sought out. Individual characteristics that appear concentrated in Goethe are traced back to his ancestors. The natural scientist may say: Now you, the spiritual scientist, come along and want to refute us. However, what science establishes here is not denied by Spiritual Science. But there is no real logic in this. For what would it have to do? It would have to identify a genius and show how the descendants acquire the characteristics that are already there. The fact that the descendant has certain characteristics of the ancestors is no more than when someone is pulled out of the water and is then wet. But we will refrain from examining the extent to which geniuses acquire their genius traits. When one goes through these things, one does not always find the same genius traits in the descendants.

[ 53 ] Man fasst nicht ins Auge, was eigentlich der Vererbung zugrunde liegt. Geisteswissenschaft steht auf dem Boden: Geistige Welt ist überall um uns herum, die zu unserem Leiblichen gehört, nur von dem Leibe vorher und nachher abgesondert. So ist die ganze physische Welt eingetaucht in die geistige. Nun denke man sich einmal: Der Mensch tritt mit ganz bestimmten Eigenschaften, die er erwirbt, auf; aber er war schon vorhanden, dieser Mensch, bevor er — geistig-seelisch Jahrzehnte, Jahrhunderte —, bevor er durch das physische Dasein die Erde betritt. Er hat nicht nur als geistiges Wesen ein Verhältnis zu seinem Leibe, er hat zu dem Physischen immer ein Verhältnis. Und wenn ich in der geistigem Welt bin, wenn mein fünfzigster Vorfahre lebt, so habe ich ein Verhältnis zu ihm, und als geistige Individualität bestimme ich mir, indem ich Einfluss habe auf meinen Vorfahren, die Eigenschaften, die ich ererben werde. Ich habe selbst auf die Eigenschaften, die meine Vorfahren annehmen, einen Einfluss; und indem ich von einem Vater und einer Mutter abstamme, war ich mit-tätig von der geistigen Welt aus, um die Eigenschaften, die ich ererbe, selber zu bestimmen — das in Bezug auf die inneren Schicksalseigenschaften, wo wir wirklich durchaus unseres Glückes Schmied sind.

[ 53 ] One does not grasp what actually underlies heredity. Spiritual Science stands on the ground: The spiritual world is all around us, belonging to our physical body, only separated from the body before and after. Thus, the entire physical world is immersed in the spiritual world. Now consider this: Human beings appear with very specific characteristics that they acquire; but they already existed before they entered the physical world — spiritually and emotionally for decades, centuries — before entering the earth through physical existence. Not only does he have a relationship to his body as a spiritual being, he always has a relationship to the physical. And when I am in the spiritual world, when my fiftieth ancestor is alive, I have a relationship to him, and as a spiritual individuality I determine, by influencing my ancestors, the characteristics that I will inherit. I myself have an influence on the characteristics that my ancestors take on; and by descending from a father and a mother, I was co-active from the spiritual world in determining the characteristics that I inherit — in relation to the inner characteristics of destiny, where we are truly the architects of our own fortune.

[ 54 ] Das äußere Schicksal, das an uns herantritt, wie erforscht man dieses? Da muss zuerst etwas eintreten. Ich habe geschildert, dass der Mensch zum schauenden Bewusstsein kommen kann, dass er fühlen kann als geistiges Wesen, das den Leib äußerlich sieht wie äußere Gegenstände sonst. Dann tritt ein Moment ein, ein Augenblick, wo man sich sagen kann: Diese Erkenntnis, die du dir errungen hast, die bildet selbst für dich einen Schicksalsfall. Dieser Augenblick, der kann werden ein tief einschneidender bedeutungsvollster Lebensaugenblick. Eintreten kann der Augenblick, wenn man sich sagen kann: Man braucht wahrhaftig nicht stumpf zu werden gegen das, was den Menschen im Schicksal hinauf- und hinunterträgt gegen Schwerstes, im Gegenteil, man kann feiner empfindend werden für alles das, was den Menschen erheben kann bis zum höchsten Geistigen und hinunterwerfen kann in Schwerstes, was ihn bringen kann in Glück und Unglück; dennoch hat man es ernst gemeint mit der Erkenntnis und es geht einem auf, was man nennen kann: Erwachen des Bewusstseins. Dann tritt der Augenblick ein, wo man sich sagt: Das, was jetzt an dich herangetreten ist, das ist bedeutsamer als die anderen Schicksalserkenntnisse. Du hast etwas herbeigeführt, was deinem Schicksal einen Fall bringt, der sich als ein größerer hinstellt neben die größten Schicksalserlebnisse. Aber man war dabei, hat miterlebt, wie das geworden ist. Man hat dem Schicksal in seinem Werden beigewohnt. Das verändert die Seele, das macht die Seele zu etwas anderem, das eröffnet eine weitere Stufe des schauenden Bewusstseins. Dann gelangt man nicht nur dahin, zu schauen, wie aus der geistigen Welt unser Schicksal kommt, sondern man gelangt dazu, sich Vorstellungen bilden zu können, wie aus früheren Erdenleben bestimmende Impulse herüberfließen in dieses Erdenleben, und wie in diesem Leben Dinge an uns herantreten, die mit uns leben das Leben zwischen Tod und neuer Geburt und bestimmende Schicksalskräfte werden im nächsten Erdenleben.

[ 54 ] How do we explore the external destiny that approaches us? First, something must happen. I have described how human beings can attain seeing consciousness, how they can feel as spiritual beings who see the body externally, just as they see other external objects. Then a moment occurs, an instant when one can say to oneself: This insight that you have gained is itself a case of fate for you. This moment can become a deeply incisive, most meaningful moment in life. The moment can occur when one can say to oneself: One truly does not need to become dull to what fate lifts and down against the most difficult things in life. On the contrary, one can become more sensitive to everything that can lift people up to the highest spiritual realm and throw them down into the most difficult things, which can bring them happiness and misfortune. Nevertheless, one has been serious about the insight, and one realizes what can be called an awakening of consciousness. Then the moment comes when one says to oneself: What has now come to you is more significant than the other insights into fate. You have brought about something that brings your fate to a point that stands as greater than the greatest experiences of fate. But you were there, you witnessed how it came about. You have witnessed destiny in the making. This changes the soul, transforms the soul into something else, opens up a further stage of contemplative consciousness. Then one not only comes to see how our destiny comes from the spiritual world, but one also comes to be able to form mental images of how decisive impulses flow over from previous earthly lives into this earthly life, and how in this life things approach us that live with us between death and new birth and become decisive forces of destiny in the next earthly life.

[ 55 ] Wie herüberwirken frühere Erdenleben in dieses Leben, wie sie unser Schicksal bestimmen, so erleben wir, wenn wir erleben gelernt haben, inneres Schicksal. Dies führt uns dazu, das Schicksal, wie es an uns herantritt im gewöhnlichen Leben, gewissermaßen mit einem Traumerleben zu vergleichen. Kommt man zum schauenden Bewusstsein, so ist man aufgewacht, und wie sich der Traum erklärt im wachen Leben, so der Schicksals-Seelen-Traum im Zusammenhang der aufeinanderfolgenden Erdenleben. Und Zusammenhang kommt in das Schicksal, wenn wir auf das gewöhnliche Erleben vom schauenden Bewusstsein aus schauen.

[ 55 ] How previous earthly lives affect this life, how they determine our destiny, we experience, when we have learned to experience, inner destiny. This leads us to compare destiny, as it approaches us in ordinary life, with a dream experience, so to speak. When we come to seeing consciousness, we are awake, and just as the dream explains itself in waking life, so the destiny-soul dream in the context of successive earthly lives. And connection comes into destiny when we look at ordinary experience from the perspective of conscious awareness.

[ 56 ] Bis hierher gestatten Sie die Betrachtung heute zu führen und am Montag anzuknüpfen, dann wird sich auch ergeben, wie die Kräfte sind, die aus früheren Leben in dieses Leben hereinkommen, und wie wir dazu kommen, getrieben zu werden zu unserem Schicksal, das uns treibt zu einem bestimmten Erlebnis, das dann Schicksalserlebnis wird. Heute lassen Sie uns damit schließen, dass es nicht verwunderlich zu sein braucht, dass gegenwärtiges Denken vielfach ablehnt dasjenige, was erfordert, dass man anders denkt, um in die geistige Welt hineinzukommen. Dieses Denken liebt man heute vielfach nicht. Diese Geisteswissenschaft ist nicht das, was man oftmals Mystik nennt, das aber oft nur eine Träumerei ist. Nicht ein herabgedämpftes Denken, sondern ein schärferes Denken ist der Ausgangspunkt, um dann darüber hinaus zum Schauen zu kommen; aber man liebt die Verschärfung des Denkens nicht, es ist auch nicht notwendig.

[ 56 ] Let us leave it there for today and continue on Monday, when we will also see how the forces from previous lives enter into this life and how we come to be driven toward our destiny, which drives us toward a certain experience that then becomes a fateful experience. Today, let us conclude by saying that it should come as no surprise that present-day thinking often rejects that which requires us to think differently in order to enter the spiritual world. This way of thinking is often unpopular today. This Spiritual Science is not what is often called mysticism, which is often just a daydream. The starting point is not subdued thinking, but sharper thinking, in order to then go beyond it to seeing; but people do not like the sharpening of thinking, nor is it necessary.

[ 57 ] Lassen Sie mich ein Beispiel herausgreifen. Ein großer Naturforscher der Gegenwart — ich bin wahrhaftig nicht geneigt, seine Größe zu verkennen — hat aus seinem naturwissenschaftlichen Fachstudium heraus auch über allgemeine Weltenfragen geschrieben. Er hat eine Vorrede geschrieben, darin verrät sich in höchst merkwürdiger Weise der Grad seines Denkens. Bedenken Sie, der Grad eines Denkens eines hervorragenden Naturforschers. Es sagt ungefähr das Folgende am Schlusse:

[ 57 ] Let me give you an example. A great contemporary natural scientist — I am truly not inclined to underestimate his greatness — has also written about general questions of the world based on his scientific studies. He wrote a preface in which the level of his thinking is revealed in a most remarkable way. Consider the level of thinking of an outstanding natural scientist. It says something like the following at the end:

Ob wir in der «besten der Welten» leben, das wage ich nicht zu bestimmen; dass wir aber, weil wir die neue Naturforschung haben, in der «besten der Zeiten» leben, das kann man unbedingt behaupten.

I dare not say whether we live in the “best of all worlds,” but we can certainly say that, because we have new natural science, we live in the “best of times.”

[ 58 ] Der Mann ist so sehr froh über die Gegenwart und über ihr Denken, dass er auf alles andere hochnäsig heruntersieht, und da stützt er sich auf Goethe. Das ist so bequem. Das macht er so: Indem wir die heutige Zeit als die beste betrachten, berufen wir uns auf Goethe, wie er so schön sagt:

[ 58 ] The man is so happy about the present and its thinking that he looks down on everything else with arrogance, and he bases this on Goethe. That is so convenient. He does it like this: By considering the present time to be the best, we refer to Goethe, as he so beautifully says:

«Es ist ein großes Ergötzen,
sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht.
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.»

“It is a great delight
to put oneself in the spirit of the times,
to see how a wise man thought before us.
And how we have finally come so wonderfully far.”

[ 59 ] Dabei ist das Denken des modernen Menschen so scharf, dass ihm gar nicht einfällt: das sagt ja der Wagner im «Faust», sagt gar nicht Goethe. Er kennt zum andern nicht die Worte Fausts:

[ 59 ] At the same time, modern man's thinking is so sharp that it does not even occur to him that this is what Wagner says in “Faust,” not Goethe. Nor does he know Faust's words:

Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!

How can all hope not fade from the mind,
That clings to stale evidence,
Digging greedily for treasures,
And is happy when it finds earthworms!

[ 60 ] Diejenigen, die tiefer in die Naturwissenschaft hineingesehen haben, wie zum Beispiel Fechner im neunzehnten Jahrhundert, der durchblickte das, was Naturwissenschaft leisten konnte, und es auch nicht unterschätzte — ebenso wenig wie es hier unterschätzt werden soll —, Gustav Theodor Fechner sagt: «Das, was diese Naturwissenschaft geleistet hat, das ist wie eine Nachtansicht; auf sie muss folgen eine Tagansicht.» Gustav Theodor Fechner, er, der gesunde Naturforscher ist sich klar, dass das der Fall ist, was er mit den Worten charakterisiert: «Die Naturforscher sind dahin gekommen abzulehnen, das Göttliche anzubeten; dafür beten sie an das goldene Kalb des Protoplasmas.» Er sagt: «Die Zukunft muss in die Dunkelheit der Weltanschauung, die von der Naturwissenschaft kommt, Licht hineinbringen, das vom Geiste kommt. Die Nachtansicht muss von der Tagansicht abgelöst werden.»

[ 60 ] Those who have looked more deeply into natural science, such as Fechner in the nineteenth century, who understood what natural science could achieve and did not underestimate it — just as it should not be underestimated here — Gustav Theodor Fechner says: “What this natural science has achieved is like a night view; it must be followed by a day view.” Gustav Theodor Fechner, the healthy natural scientist, is clear that this is the case, which he characterizes with the words: "Natural scientists have come to reject the worship of the divine; instead, they worship the golden calf of protoplasm. “ He says: ”The future must bring light from the spirit into the darkness of the worldview that comes from natural science. The night view must be replaced by the day view."

[ 61 ] Nun, Geisteswissenschaft möchte etwas dazu beitragen, diese Tagansicht herbeizuführen; denn sie ist mit Gustav Theodor Fechner davon durchdrungen, dass die Gegenwart und die Zukunft diese Tagansicht brauchen. Sie weiß aber auch das, was Fechner mit den schönen einfachen Worten zusammenfasst:

[ 61 ] Well, Spiritual Science would like to contribute something to bringing about this view of the day, for it is imbued with Gustav Theodor Fechner's conviction that the present and the future need this view of the day. But it also knows what Fechner sums up in these beautiful, simple words:

[ 62 ] Gewiss war es notwendig, dass zuerst die Gewissenhaftigkeit der naturforscherischen Weltanschauung heraufgeführt worden ist; aber gerade diese Gewissenhaftigkeit muss über sich selbst hinaus — und in den Geist hinein — führen. Klarheit wird das Letzte sein! Aber, sagt die Geistesforschung, das Letzte wird auch die Klarheit sein.

[ 62 ] Certainly, it was necessary to first bring forth the conscientiousness of the natural scientific worldview; but it is precisely this conscientiousness that must lead beyond itself — and into the spirit. Clarity will be the last thing! But, says spiritual research, the last thing will also be clarity.