Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a
21 May 1917, Munich
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Soul Immortality, Forces of Destiny and the Course of Human Life, tr. SOL
Seelenrätsel und Weltenrätsel. Forschung und Anschauung im Deutschen Geistesleben
The Mystery of the Soul and the Mystery of the World. Research and Perception in German Intellectual Life
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wie ich mir erlaubte, im vorigen Vortrag zu sagen, wird heute mein Bestreben sein, die damals berührten Fragen über das menschliche Seelenleben und seinen Zusammenhang mit Welträtseln weiter auszuführen; doch werde ich trachten, es dahin zu bringen, dass auch der heutige Vortrag gewissermaßen aus sich selbst verständlich sein kann.
[ 1 ] Dear attendees! As I took the liberty of saying in my previous lecture, my aim today will be to elaborate further on the questions touched upon at that time concerning the human soul and its connection with the mysteries of the world; but I will endeavor to ensure that today's lecture can also be understood on its own terms, so to speak.
[ 2 ] Nach einer andern Richtung aber, sehr verehrte Anwesende, werde ich Sie heute gerade um Entschuldigung zu bitten haben, denn das, was ich vorzutragen gedenke, ist eine Zusammenfassung mehr von Ergebnissen als von einzelnen Entwicklungen, von Ergebnissen eines langen geistigen Forschungsweges; und ich werde zu verweisen haben auf die einzelnen Etappen zu diesem Forschungsweg und zu diesen Ergebnissen, die in meinen verschiedenen Schriften verzeichnet sind. Doch aber, trotzdem — verzeihen Sie auch heute diesen persönlichen Ausgangspunkt —, trotzdem die allerersten Keime von mir gelegt worden sind zu diesem Forschungsweg, wie er mir erscheint, vor jetzt reichlich Jahren, war durch diese ganze jahrzehntelange Zeit mein Bestreben auf der einen Seite durch das, was ich hier oftmals als Geistesforschung bezeichnet habe, immer wieder und wiederum auf die entsprechenden Fragen und Rätsel zurückzukommen, sie nach allen Seiten zu durchdringen, so, wie auf geistesforscherischem Wege dies eben geschehen kann. Wenn ich also von Ergebnissen sprechen werde, so sind diese gefunden [worden] auf dem hier oftmals durch Jahre hindurch besprochenen geistesforscherischem Weg.
[ 2 ] However, ladies and gentlemen, I must apologize to you today, because what I intend to present is a summary of results rather than individual developments, the results of a long journey of spiritual research; and I will have to refer to the individual stages of this path of research and to these results, which are recorded in my various writings. Nevertheless, please forgive me for this personal starting point today, even though the very first seeds of this path of research, as it appears to me, were sown by me many years ago, throughout these decades my endeavor has been, on the one hand, through what I have often referred to here as spiritual research, to return again and again to the corresponding questions and mysteries, to penetrate them from all sides, as can be done through spiritual research . So when I speak of results, these have been found through the spiritual research approach that has often been discussed here over the years.
[ 3 ] Nach der anderen Seite aber war etwas anderes fortdauernd durch diese Jahrzehnte hindurch mein Bestreben, das ist, die verschiedenen Fäden, die Gedankenfäden, die Vorstellungsfäden zu ziehen nach der heutigen naturwissenschaftlichen Forschung, nach dem, was ich oftmals hier genannt habe aus ehrlicher Überzeugung heraus, die bewunderungswürdigen Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Forschung der neueren Zeit. Und gerade mit Bezug darauf werde ich mir heute gestatten, einige Bemerkungen zu machen; denn gerade mit Bezug darauf hat sich mir ein Eigentümliches ergeben. Auf der einen Seite schien mir nichts selbstverständlicher, als dass die Ergebnisse, zu denen die von mir gemeinte Geistesforschung in Bezug auf Seelen- und Weltfragen des Menschen kommt, überall belegt, bestätigt werden durch das, was heute naturwissenschaftliche Errungenschaften sind. Überall, nicht nur in der Naturwissenschaft der Gegenwart, auf den verschiedensten Gebieten findet sich nicht nur kein Widerspruch — das würde noch nicht einmal viel besagen —, sondern überall Bestätigung, Belege der geisteswissenschaftlichen Forschung durch das, was heute uns naturwissenschaftlich vorliegt.
[ 3 ] On the other hand, however, my endeavour throughout these decades has been to namely to draw the various threads, the threads of thought, the threads of imagination, in accordance with current scientific research, in accordance with what I have often mentioned here out of honest conviction, the admirable results of modern scientific research. And it is precisely in relation to this that I will allow myself to make a few remarks today, for it is precisely in relation to this that something peculiar has occurred to me. On the one hand, nothing seemed more self-evident to me than that the results of the spiritual research I am referring to in relation to questions of the human soul and the world are everywhere substantiated and confirmed by what are now scientific achievements. Everywhere, not only in contemporary natural science, but in a wide variety of fields, there is not only no contradiction — which would not even mean much — but everywhere confirmation, evidence of Spiritual Science research through what is available to us today in natural science.
[ 4 ] Und doch wiederum überall, sehr verehrte Anwesende, vonseiten derer, die da glauben, fest auf dem Boden dieser neueren Naturwissenschaft zu stehen, überall Widerspruch über Widerspruch, Ablehnung über Ablehnung, indem man die geisteswissenschaftliche Forschung, wie ich sie hier meine, als eine Summe von Phantastereien, von willkürlich aufgestellten Gedankengespinsten oder Phantasiegebilden hinstellen möchte. Nun für denjenigen, der in der Sache völlige drinnensteht, ist das, was ich gesagt habe, allerdings nicht verwunderlich, wohl aber muss zunächst gerade das eben Angedeutete verwunderlich sein für unsere heutigen Zeitgenossen.
[ 4 ] And yet, again, everywhere, dear attendees, on the part of those who believe they stand firmly on the ground of this newer natural science, there is contradiction upon contradiction, rejection upon rejection, in which Spiritual Science research, as I mean it here, is presented as a sum of fantasies, of arbitrarily constructed flights of fancy or figments of the imagination. Now, for those who are completely familiar with the subject, what I have said is is not surprising, but what I have just indicated must first be surprising to our contemporaries today.
[ 5 ] Mir selbst, sehr verehrte Anwesende, erscheint aber oftmals gerade an denjenigen Stellen, wo die Naturwissenschaft sich am allermeisten wehrt gegen das, was hier geisteswissenschaftlich vorgebracht werden soll, der beste Beweis von dieser naturwissenschaftlichen Richtung herzukommen. Nur einleitungsweise möchte ich gerade von diesem Gedanken heute ausgehen. Auch auf dem Gebiete, welches feststellen will die Beziehungen des seelischen Lebens zur leiblichen Organisation des Menschen und zu dem leiblichen Erleben, hat, wie ich schon angedeutet habe, die Naturwissenschaft bedeutungsvolle, gewissenhafte Ergebnisse zutage gefördert. Die Art, wie diese Ergebnisse gedacht, für die Erkenntnisse verwertet werden, das ist gerade dabei das Bezeichnende, das Eigentümliche, dass /Lücke] auf einen anderen Forschungsweg bringen müsste, als der oft so gewöhnliche heute ist.
[ 5 ] To me, dear attendees, it often seems that the best evidence comes from the very areas where natural science most strongly resists what is to be presented here in Spiritual Science. I would like to start with this thought today, just by way of introduction. In the field that seeks to determine the relationships between the soul life and the physical organization of the human being and physical experience, natural science has, as I have already indicated, The way in which these results are conceived and used for knowledge is precisely what is characteristic and peculiar, and should lead us to a different path of research than the one that is so common today.
[ 6 ] Ich werde gerade bei diesem Ausgangspunkt heute Dinge vorzubringen haben, die, obzwar sie gerade recht aufgebaut sind auf naturwissenschaftlicher Forschung der Gegenwart, allem zu widersprechen scheinen, was von gewisser, scheinbar naturwissenschaftlich denkender Seite her behauptet wird; und auch da werde ich um Entschuldigung bitten müssen, weil durch diese Tatsachen eine große Anzahl von Gedanken paradox, höchst sonderbar werden erscheinen müssen. Ausgehen aber will ich davon, dass wir ja eine schon hervorragende Literatur haben, die gerade von naturwissenschaftlich Denkenden herrührt und sich damit beschäftigt, das menschliche Seelenleben in Beziehung zu bringen zum menschlichen Leibesleben. Ich könnte Dutzende und Dutzende Erzeugnisse aus dieser Literatur anführen, ich will eines herausgreifen, das wirklich gediegen ist, bedeutsam ist, aber das auch charakteristisch ist, ich will herausgreifen die physiologische Psychologie, die naturwissenschaftliche Seelenlehre Theodor Ziehens, ein ausgezeichnetes auch von seinem Standpunkt aus.
[ 6 ] Starting from this point, I will have to present things today which, although they are based precisely on current scientific research, seem to contradict everything that is claimed by a certain, apparently scientifically minded side; and here too I will have to apologize, because these facts will make a large number of thoughts appear paradoxical and highly strange. But I want to start from the premise that we already have an excellent body of literature that originates precisely from scientific thinkers and deals with relating human soul life to human physical life. I could cite dozens and dozens of works from this literature, but I want to pick out one that is truly solid, significant, but also characteristic: I want to pick out the physiological psychology, the scientific theory of the soul by Theodor Ziehen, which is also excellent from his point of view.
[ 7 ] Um zu sagen, was ich da sagen möchte, muss ich voraussetzen, dass ja erfahrungsgemäß dem gewöhnlichen Seelenerfahren nach wir uns vorstellen müssen, dass unser auf- und abflutendes Seelenleben, wie wir es alltäglich in Bewegung bringen zwischen Aufwachen und Einschlafen, wie wir mit ihm unsere Tage verbringen. Aber auch unsere gewöhnliche Wissenschaft begründet, dass dieses ganze auf- und abflutende Seelenleben rein erfahrungsgemäß zerfällt in das Vorstellungsleben, das mit dem Wahrnehmungsleben zusammenhängt, in das Gefühlsleben und das Willensleben. Jeder, der nur ein wenig Selbsterkenntnis zu üben in der Lage ist, wird nicht ableugnen die Bedeutung dieser Gliederung des Seelenlebens in Vorstellungs-, Gefühls- und Willensleben.
[ 7 ] In order to say what I want to say here, I must assume that, based on experience, we must create a mental image of our ebb and flow of soul life, as we set it in motion every day between waking up and falling asleep, and how we spend our days. But our ordinary science also establishes that this whole ebb and flow of soul life, purely from experience, breaks down into the life of imagination, which is connected with the life of perception, into the life of feeling, and into the life of will. Anyone who is capable of practicing even a little self-knowledge will not deny the significance of this division of the life of the soul into the life of mental images, feeling, and will.
[ 8 ] Nun ist das Eigentümliche, dass ganz in dem Sinn, wie es überhaupt ein zum naturwissenschaftlichen Denken heute angelegter Mann macht, Theodor Ziehen sich fragt: Wie steht das Seelenleben, dieses Auf- und Abfluten, in Beziehung zu dem Leibesleben? Und da ist es geradezu Gebrauch geworden, ein Gebrauch, der auf verantwortungsvolle Methodik aufgebaut ist, nur zu suchen die Beziehung des menschlichen Seelenlebens zum Sinnesleben und dessen Fortsetzung nach innen, zum Nervensystem. Und in dieser Beziehung wird Wunderbares geleistet und eine schöne Probe ist in diesem Buch zu finden, aber auch das, was gerade für diese Leistungen charakteristisch ist.
[ 8 ] Now, what is peculiar is that, in the same way that a man inclined toward scientific thinking would do today, Theodor Ziehen asks himself: How does the life of the soul, this ebb and flow, relate to the life of the body? And so it has become common practice, a practice based on responsible methodology, to seek only the relationship between human soul life and sensory life and its continuation inward, to the nervous system. And in this relationship, wonderful things are achieved, and a fine example can be found in this book, but also what is characteristic of these achievements.
[ 9 ] Man fragt also: Was geschieht eigentlich in diesem wunderbaren Bau des menschlichen Gehirns, in den Sinnesorganen; was im übrigen Nervenleben, wenn seelische Erscheinungen abfließen? Man sondert gewissermaßen aus der Gesamtorganisation das Nervenleben heraus, wenn man will die Beziehung finden zwischen dem Seelenleben und der menschlichen Leibesorganisation. Nun tritt das Eigentümliche ein, dass Theodor Ziehen mit großem Scharfsinn in schöner Weise die Beziehung findet zwischen dem Wahrnehmungs- und Vorstellungsleben und dem Nervenleben des Menschen, das er verfolgt gewissermaßen. Was geschieht da in diesem menschlichen Organismus, während der Mensch wahrnimmt, die Wahrnehmungen zu Vorstellungen verarbeitet, während sich Vorstellung an Vorstellung gliedert, während eine Idee aufsteigt, eine hinabgetauchte Vorstellung als Erinnerung heraufkommt? Für all dieses sucht Theodor Ziehen körperliche Vorgänge und man muss schon durchaus dilettantisch sein, wenn man die Bedeutung eines solchen Forschers etwa als materialistisch verketzern wollte; denn dieser Zweig der Forschung hat eine tiefe Berechtigung, und das zeigt uns gerade in wunderbarer Weise, wie menschliche Leibesorganisation Bedingung ist für das gewöhnliche Vorstellungsleben.
[ 9 ] So one asks: What actually happens in this wonderful structure of the human brain, in the sensory organs; what happens in the rest of the nervous system when mental phenomena flow out? One separates, as it were, the nervous life from the overall organization if one wants to find the relationship between the soul life and the human bodily organization. Now the peculiar thing is that Theodor Ziehen, with great acumen, beautifully finds the relationship between the life of perception and imagination and the nervous life of the human being, which he pursues, as it were. What happens in this human organism while the human being perceives, processes perceptions into mental images, while one mental image follows another, while a mental image arises, and a submerged mental image emerges as a memory? Theodor Ziehen seeks physical processes for all of this, and one would have to be quite amateurish to denounce the significance of such a researcher as materialistic, for this branch of research has a profound justification, and it shows us in a wonderful way how human physical organization is a prerequisite for ordinary imaginative life.
[ 10 ] Nun aber fragt sich Theodor Ziehen: Ja, da redet man ja auch noch — sagt er — vom Gefühlsleben. Dieses Gefühlsleben, das lässt sich gerade, weil er ein chrlicher Forscher ist, weil er auf strenger Methode fußt, für ihn nicht unterbringen in den Vorgängen, die er in der Nerven-Leibes-Organisation aufzeigt. Das Gefühlsleben, das kann nicht in derselben Weise wie das Vorstellungsleben ein Gegenstück finden im Nervenleben, ein körperliches Gegenstück. Was tut daher Theodor Ziehen? Theodor Ziehen schaltet gewissermaßen vom menschlichen Seelenleben das Gefühlsleben als selbstständiges Element ganz aus. Nun, trotzdem ein Mensch mit gesundem Seelenleben sich sagen muss: Ebenso bedeutsam wie das Vorstellungsleben ist, ist das, was uns als Gefühlserlebnisse durch die Seele flutet, und selbstständig ist dieses Leben in den Gefühlserfahrungen. Trotzdem, Theodor Ziehen sieht sich genötigt — weil er nicht in derselben Weise ein Gegenstück finden kann für das Gefühlsleben im Nervenleben wie [das] Vorstellungsleben —, zu sagen: Gefühle sind eigentlich nichts Selbstständiges im menschlichen Seelenleben. Was man Gefühle nennt, ist eigentlich nur eine gewisse Betonung des Vorstellungslebens. Eine Vorstellung ist so, die andere so gefühlsmäßig betont; der einen haftet die Betonung an des Sympathischen, der anderen des Antipathischen und so weiter.
[ 10 ] But now Theodor Ziehen asks himself: Yes, he says, people also talk about emotional life. Precisely because he is a Christian researcher, because he relies on strict methods, he cannot accommodate this emotional life in the processes he describes in the nervous-physical organization. Emotional life cannot find a counterpart in nervous life, a physical counterpart, in the same way as imaginative life. So what does Theodor Ziehen do? Theodor Ziehen effectively excludes emotional life as an independent element from human soul life. Well, even though a person with a healthy soul life must say to themselves: Just as important as imaginative life is is what floods through the soul as emotional experiences, and this life is independent in emotional experiences. Nevertheless, Theodor Ziehen feels compelled — because he cannot find a counterpart for emotional life in nervous life in the same way as [that] for imaginative life — to say: Feelings are actually not independent in human soul life. What we call feelings are actually only a certain emphasis of the life of mental images. One mental image is emphasized in one way, another in another; one is attached to the sympathetic, the other to the antipathetic, and so on.
[ 11 ] Daher spricht Theodor Ziehen nicht von Gefühlen, sondern von dem Gefühlston der Vorstellungen. Dadurch gelangt er dazu, ein solches körperliches Gegenstück zum Gefühlsleben nicht zu brauchen, wie er das für das Vorstellungsleben mit Recht findet. In den Vorstellungen, die in der Seele ablaufen, vollzichen sich Nervenprozesse; aber je nachdem diese Vorstellungen betont sind, vollziehen sich diese Nervenprozesse so oder so und wir haben kein selbstständiges Gefühlsleben, sondern lediglich — im Sinne von Theodor Ziehen — die Gefühle als Betonungen des Vorstellungslebens. Da haben wir beim Gefühlsleben die eigentümliche Erscheinung, dass gerade der strenge Forscher halb die Gefühle ausscheidet, sie zu einem bloß Eigenschaftlichen des Vorstellungslebens machen muss, weil er nach seiner gerade strengen Methode nichts finden kann, was körperlich in demselben Sinne entsprechen würde dem Gefühlsleben wie die Nerven den Vorstellungsleben. Noch charakteristischer wird die Sache bei Theodor Ziehen in Bezug auf das Willensleben. Für das Gefühlsleben findet er wenigstens noch, die Gefühle seien Betonungen des Vorstellungslebens; für die Willensimpulse findet er nun gar nichts mehr, sie sind nicht unterzubringen, gerade der strengen Forschung gegenüber. Der Wille ist also nicht unterzubringen in der Leibesorganisation nach dieser naturwissenschaftlichen Methode.
[ 11 ] Therefore, Theodor Ziehen does not speak of feelings, but of the emotional tone of mental images. This leads him to conclude that there is no need for such a physical counterpart to emotional life, as he rightly finds for the life of mental images. Nervous processes take place in the mental images that occur in the soul; but depending on how these mental images are emphasized, these nervous processes take place in one way or another, and we have no independent emotional life, but only—in the sense of Theodor Ziehen—feelings as emphases of the life of mental images. In emotional life, we have the peculiar phenomenon that it is precisely the rigorous researcher who must half eliminate feelings, making them merely a characteristic of the life of imagination, because, according to his rigorous method, he cannot find anything that would correspond physically to the life of feeling in the same sense as the nerves correspond to the life of imagination. The matter becomes even more characteristic in Theodor Ziehen's view of the life of the will. For the life of feeling, he at least finds that feelings are emphases of the life of imagination; for the impulses of the will, he finds nothing at all, they cannot be accommodated, precisely in the face of rigorous research. The will cannot therefore be accommodated in the organization of the body according to this scientific method.
[ 12 ] Wohlwollend sagt man dann oftmals: Nun ja, da es ein naturwissenschaftliches Korrelat nicht gibt für das Willensleben, so überlässt man die Spekulation über den Willen den Metaphysikern und Philosophen, indes man dabei andeutet: Das sind so Herren, so Persönlichkeiten, welche geneigt sind, alles Mögliche in die Welt hineinzuträumen, was eine ernste Naturforschung eigentlich nichts angeht. Gerade wenn man anerkennt, voller Anerkennung ist über diese naturwissenschaftliche Methode, dann drängt einen diese Methode selber zu etwas ganz, ganz anderem, und gerade aus der Geistesforschung heraus erschien mir notwendig, dahinterzukommen, worauf eigentlich das beruht, dass im Verfolgen der menschlichen Seelenrätsel der strenge Naturforscher halb die Gefühle und ganz den Willen wegeskamotieren muss.
[ 12 ] People often say kindly: Well, since there is no scientific correlate for the life of the will, speculation about the will is left to metaphysicians and philosophers, while implying that these are gentlemen, personalities who are inclined to dream up all kinds of things that have nothing to do with serious natural science. Precisely when one recognizes this scientific method with full appreciation, this method itself urges one to something quite different, and it seemed necessary to me, precisely from the perspective of spiritual research, to find out what actually lies behind the fact that, in pursuing the mysteries of the human soul, the strict natural scientist must half conceal the feelings and completely conceal the will.
[ 13 ] Das, was ich jetzt sagen werde, ist wirklich nicht leichtsinnig hingesprochen, sondern mit geisteswissenschaftlichen Methoden gefunden. Und es ist geprüft wirklich im Laufe der Jahrzehnte und erst in diesem Winter von mir zu einem gewissen vorläufigen Abschluss gebracht. Es nimmt sich heute noch überraschend aus, aber wenn es mir gegönnt sein sollte, ein ausführliches Buch darüber zu schreiben, so wird man sehen, dass — was auf der einen Seite gefunden ist von Naturwissenschaft durch Verfolgen von Physik, Biologie, Physiologie und so weiter aufgrund der allereingehendsten naturwissenschaftlichen Ergebnisse belegt —, bewiesen werden kann; und dass die Naturwissenschaft nicht Grund hat sich gegen diese Sache zu wenden, sondern dass sie es ist, die sich zu diesen Dingen hinwenden muss, wenn sie sich richtig versteht. Es stellte sich mir heraus, dass gerade auf diesen Gebiet eine richtige Stellung der Fragen, eine richtige Formulierung des Rätsels, ungeheuer weit schon führt, und so sagte ich mir zunächst: Woher rührt denn diese offenbare Einseitigkeit bei so jemandem wie Theodor Ziehen? Ich könnte auch anderes anführen.
[ 13 ] What I am about to say is not spoken lightly, but has been discovered using Spiritual Science methods. It has been tested over decades and only this winter have I brought it to a certain preliminary conclusion. It still seems surprising today, but if I am allowed to write a detailed book about it, it will be seen that — what has been found on the one hand by natural science through the study of physics, biology, physiology, and so on, based on the most thorough scientific results — can be proven; and that natural science has no reason to oppose this, but rather that it is natural science that must turn to these things if it understands itself correctly. It became clear to me that, particularly in this field, a correct formulation of the questions, a correct formulation of the puzzle, leads an enormous way, and so I said to myself at first: Where does this obvious one-sidedness come from in someone like Theodor Ziehen? I could also cite other examples.
[ 14 ] Da stellte sich denn heraus, sehr verehrte Anwesende, dass die hier angeführte Forschung der heutigen Naturwissenschaft im Wesentlichen nach einer bestimmten Richtung hin sich selber zur Einseitigkeit verurteilt dadurch, dass sie das menschliche Seelenleben in Beziehung einzig und allein bringt zu einem Teil, zu einem Glied des menschlichen Lebens, nämlich zum Sinnes- und Nervenleben. Dann liegt aber, wenn man nur die richtige Vorstellung bei solcher Fragestellung hat, schon das darinnen, dass man auf einen anderen Weg geführt wird. Man fragt sich nämlich dann: Sollte denn nicht dieses menschliche Seelenleben nicht bloß einseitige Beziehungen haben zum Nervenleben, sondern sollte es nicht vielleicht Beziehungen haben als ganze Seele zum ganzen menschlichen Leibeswesen? Muss man nicht vielleicht die Seele nicht nur in Beziehung bringen zum Nervenleben, sondern die ganze Seele nach Vorstellen, Fühlen und Wollen in Beziehung bringen zum ganzen Leibesleben?
[ 14 ] It then became clear, dear audience, that the research of modern science cited here essentially condemns itself to one-sidedness by relating human soul life solely to one part, one member of human life, namely sensory and nervous life. But then, if one has the right mental image about such questions, it is already clear that one is led down a different path. For then one asks oneself: Shouldn't this human soul life have more than just one-sided relationships to the life of the nerves, but shouldn't it perhaps have relationships as a whole soul to the whole human physical being? Mustn't one perhaps relate the soul not only to the life of the nerves, but relate the whole soul, according to one's mental image, feelings, and will to the whole bodily life?
[ 15 ] Da stellte sich mir denn — und das sind wirklich nicht Einfälle, nicht leicht geschürzte Gedanken —, da stellte sich mir nach eingehender Berücksichtigung aller naturwissenschaftlichen Ergebnisse, die infrage kommen, heraus, dass das, was allerdings nicht auf naturwissenschaftlichem Wege von mir gefunden ist, sondern auf geistesforscherischem Wege, dass das nach allen Seiten hin bewiesen werden kann. Das Vorstellungsleben, das Wahrnehmungsleben hat allerdings eine solche Beziehung zu dem Nervenleben des Menschen und zum Sinnesleben, wie es von der Naturwissenschaft ausgebaut wird. Und auf diesem Gebiet des Vorstellungslebens ist schon viel getan worden. Und wenn verständig, vorurteilsfrei die entsprechende Bahn verfolgt wird, so wird auf diesem Wege Bedeutsamstes noch geleistet werden; und manches Seelenrätsel, das heute noch Naturforschern dunkel sein muss, das wird sich aufhellen, sodass es übereinstimmt mit den Ergebnissen der Geistesforschung. Für das Vorstellungleben also haben wir einen sehr schönen Unterbau in der gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Richtung; für das Gefühlsleben so wenig, dass ein ernster Forscher das Gefühlsleben halb ableugnen muss.
[ 15 ] Then it occurred to me — and these are really not just ideas, not easily conjured thoughts — after careful consideration of all the relevant scientific findings, it became clear to me that what I had discovered, not through scientific means, but through spiritual research, could be proven from all sides. The life of imagination and perception does indeed have such a relationship to the nervous life of the human being and to the sensory life as is developed by science. Much has already been accomplished in this field of the life of imagination. And if the appropriate path is pursued intelligently and without prejudice, the most significant achievements will still be made in this way; and many a mystery of the soul, which must still be obscure to natural scientists today, will be clarified so that it agrees with the results of spiritual research. So for the life of imagination, we have a very fine foundation in the current scientific direction; but so little for the life of feeling that a serious researcher must half deny the life of feeling.
[ 16 ] Nun findet man, wenn man so vorgeht, dass dieses Gefühlsleben des Menschen ebenso einen direkten Bezug hat zu all dem, was wir in Menschen bezeichnen können als Atmungsleben, als Atmungsrhythmus, wie das Vorstellungsleben so [zu] den Sinnesorganen und zum Nervensystem. Dieselben Wege, die man einschlägt vom Vorstellungsleben zum Nervenleben direkt, wird man einzuschlagen haben vom Gefühlsleben zum Rhythmus des Atmungsprozesses. Alles das, was Gefühlsleben ist, findet sein leibliches Gegenstück ganz genau so unmittelbar in Atmungsleben wie alles Vorstellungsmäßige sein körperliches Gegenstück im Nervenleben findet. Wenn einmal diese Wahrheit — nicht will ich sagen — anerkannt wird, das wird sie schon, sondern wenn sie so wird angenommen sein, dass man sie ernstlich verfolgt, so wird das für die Wissenschaft ganz unabsehbare Folgen haben.
[ 16 ] Now, if one proceeds in this way, one finds that this emotional life of the human being has just as direct a connection to everything we can describe in human beings as respiratory life, as respiratory rhythm, as the life of imagination has to the sense organs and the nervous system. The same paths that one takes from the life of imagination to the life of the nerves, one will have to take from the life of feeling to the rhythm of the breathing process. Everything that is the life of feeling finds its physical counterpart just as directly in the life of breathing as everything that is imaginative finds its physical counterpart in the life of the nerves. Once this truth — I do not want to say — is recognized, it will be, but when it is accepted in such a way that it is seriously pursued, it will have consequences for science that are completely unforeseeable.
[ 17 ] Nun habe ich, als ich das letzte Mal hier sprach, betont, dass gerade der Geistesforscher darauf sehen muss, nicht nur das, was für seine Behauptungen spricht, redlich zu erwägen und dann so, wie man es gewohnt ist, geltend zu machen, sondern dass der Geistesforscher gar nicht anders kann, um das, was ich Gelenksamkeit des Denkens genannt habe, auszubilden, als sich immer alle möglichen Einwände klarzumachen, sich wirklich vor die Seele zu führen. Der Geistesforscher ist durchaus der Ansicht, dass nur der die Tragkraft eines Gedankens versteht, der ihn positiv denken kann. Niemand versteht den Materialismus, der ihn nur widerlegen kann, sondern nur derjenige, der ihn auch verteidigen kann, der weiß seine Grenzen, der weiß, um was es sich handelt, wenn materialistisch gedacht wird. So möchte ich — obwohl ich Ihnen Hunderte von Einwänden herzählen könnte, die beim leicht geschürzten Denken jemandem erquellen könnten aus naturwissenschaftlicher Erkenntnis —, möchte ich ihnen einen charakteristischen erwähnen.
[ 17 ] Now, when I last spoke here, I emphasized that the spiritual researcher in particular must not only consider honestly what speaks in favor of his assertions and then assert them in the usual way, but that the spiritual researcher cannot do otherwise than to develop what what I have called flexibility of thinking, than to always make clear to themselves all possible objections and really bring them before their soul. The spiritual researcher is of the opinion that only those who can think positively understand the significance of a thought. No one understands materialism who can only refute it, but only those who can also defend it, who know its limits, who know what materialistic thinking is all about. So, although I could list hundreds of objections that might spring to mind from scientific knowledge when thinking lightly, I would like to mention one characteristic one.
[ 18 ] Man kann nämlich gleich einwenden: Du redest den puresten Dilettantismus, ja sogar einen unbesonnenen, denn bedenke doch einmal das Musikverständnis, das Musikanhören. Du weißt doch, wenn der Mensch ein Tongefüge anhört, so wirkt das auf das Ohr, von da auf das Vorstellungsleben und, da aber die Musik vorzugsweise Gefühlserlebnis ist, so siehst du doch, dass da sich unmittelbar anknüpft an das Vorstellungsleben das musikalische Verständnis und musikalische Fühlen. So obenhin angeschen, scheint das ein unwiderleglicher Einwand zu sein. Was soll man dagegen sagen? Aber ich meine nicht die oberflächliche Betrachtung des Atmungsprozesses allein, sondern wenn ich von diesem Prozess rede, rede ich von der Atmung in allen ihren feinen Verzweigungen. Während des Atmens wird fortwährend der Rhythmus fortgesetzt — das könnte man beschreiben in den Einzelheiten — fortgesetzt bis ins Gehirn herauf. Der Atmungsrhythmus schlägt an die Sinnesorgane an, verästelt sich im menschlichen Organismus so fein wie der Nervenorganismus. Das Atmen geht überall hin. Und nun stellen Sie sich vor, ein Musikalisches wirkt auf das Ohr, es setzt sich fort ins Nervenleben. Dadurch wird es allein zu einem musikalischen Gefühlsleben, dass der Atmungsrhythmus von unten heraufkommt, dem Vorstellungsleben begegnet, und erst in der Art, wie der Atmungsrhythmus das vom Ohr Aufgenommene in seinen Atmungsrhythmus aufnimmt, erst das macht das musikalische Vorstellen. Dieses selbst lebt durchaus im Atmungsrhythmus, im fein verästelten Atmungsrhythmus.
[ 18 ] One might immediately object: You are talking pure amateurism, even reckless amateurism, because just consider the understanding of music, the listening to music. You know that when a person listens to a structure of sounds, it affects the ear, and from there the imagination, and since music is primarily an emotional experience, you can see that musical understanding and musical feeling are directly linked to the imagination. At first glance, this seems to be an irrefutable objection. What can one say in response? But I am not referring to a superficial consideration of the breathing process alone; when I speak of this process, I am referring to breathing in all its subtle ramifications. During breathing, the rhythm continues continuously — one could describe this in detail — continuing up into the brain. The breathing rhythm affects the sensory organs, branching out in the human organism as finely as the nervous system. Breathing goes everywhere. And now create a mental image of something musical affecting the ear, continuing into the nervous system. This alone creates a musical emotional life, in which the breathing rhythm rises from below, encounters the mental image, and only in the way in which the breathing rhythm takes in what is received by the ear into its breathing rhythm does musical imagination arise. This itself lives entirely in the breathing rhythm, in the finely branched breathing rhythm.
[ 19 ] Und so kann man Hunderte und Hunderte von Widerlegungen finden aus der Naturwissenschaft heraus für das, was ich gesagt habe, wenn man oberflächlich vorgeht. Geht man gründlich vor, vor gründlicher Kritik hat Geisteswissenschaft nichts zu fürchten. Ja, nun könnte die Frage entstehen: Ja, was aber spielt denn dann eigentlich das Nervensystem für eine Rolle, wenn es sich um Gefühlsleben handelt? Es spielt das Nervensystem keine andere Rolle gegenüber dem Atmen wie es spielt gegenüber dem Sinnesorgan beim Wahrnehmen. Ob ich einen Ton, eine Farbe wahrnehme, der Nerv spielt dieselbe Rolle, die er spielt, wenn er sich nach innen verästelt und [Gefühle] wahrnimmt. Der Unterschied zwischen Wahrnehmung und Bewusstwerden der Wahrnehmung beim Atmen ist der, dass der Nerv einmal, beim Sinnesorgan, nach außen gerichtet ist, das andere Mal, beim Atmen, nach innen.
[ 19 ] And so one can find hundreds and hundreds of refutations from natural science for what I have said, if one proceeds superficially. If one proceeds thoroughly, Spiritual Science has nothing to fear from thorough criticism. Yes, now the question could arise: Yes, but what role does the nervous system actually play when it comes to emotional life? The nervous system plays no different role in relation to breathing than it does in relation to the sensory organ in perception. Whether I perceive a sound or a color, the nerve plays the same role that it plays when it branches inward and perceives [feelings]. The difference between perception and becoming aware of perception in breathing is that in one case, with the sensory organ, the nerve is directed outward, and in the other case, in breathing, is directed inward.
[ 20 ] Der Nerv hat nicht die Aufgabe, irgendwie am Gefühl mehr zu bewirken als am äußeren Ton oder an der Farbe. Es geht ihn das Gefühl ebenso wenig an wie der äußere Ton oder die äußere Farbe. Er macht es zum bewussten Leben. Er streckt sich als Wahrnehmungsnerv auch dort hinein wo die Atmung spielt. Das Gefühlsleben spielt unmittelbar ins Atmungsleben hinein, ohne Vermittlung des Nervenlebens, wie unmittelbar die Farbe, der Ton anfasst das Nervensystem durch die Sinnesorgane. Nun, wenn man den menschlichen Leib studiert, so bekommt man im Wesentlichen drei Glieder dieses menschlichen Leibes, drei Systeme gewissermaßen.
[ 20 ] The nerve does not have the task of somehow affecting feeling more than it does external sound or color. It is as little concerned with feeling as it is with external sound or color. It makes it conscious life. As a nerve of perception, it also extends into the realm of breathing. The life of feeling plays directly into the life of breathing, without the mediation of the nervous life, just as color and sound directly affect the nervous system through the sense organs. Now, when one studies the human body, one essentially finds three parts of this human body, three systems, so to speak.
[ 21 ] Das eine ist das Sinneswahrnehmungssystem — da hat die Naturwissenschaft eine gute Basis geschaffen —; das Zweite ist das Atmungsleben — dieses ist körperlich das Gegenstück des Gefühlslebens —; ein drittes Glied im menschlichen Organismus, und zwar so, dass, wenn wir die drei Glieder zusammen haben, wenn wir den ganzen Menschen leiblich vor uns haben — ist das Stoffwechselleben. Und zwar bitte ich dieses wieder in allen seinen Verästelungen zu betrachten wie das Nervenleben und Atmungsleben. Ich bemerke ausdrücklich — damit nicht irgendwelche Persönlichkeiten, die da meinen, dass man eben leicht geschürzte Widerlegungen bilden kann aus den naturwissenschaftlichen Ergebnissen heraus, auf allerlei solche Widerlegungen kommen —, ich bemerke, die Sache wird sehr kompliziert in der wirklichen Betrachtung. Ich muss sie hier nur auseinanderlegen.
[ 21 ] One is the sensory perception system — natural science has created a good basis for this —; the second is the respiratory life — this is the physical counterpart of the emotional life —; a third member of the human organism, and in such a way that when we have the three members together, when we have the whole human being physically before us — is the metabolic life. And I ask you to consider this again in all its ramifications, like the nervous life and the respiratory life. I expressly note — so that no one thinks that it is easy to construct hasty refutations based on scientific findings, come up with all kinds of such refutations — I note that the matter becomes very complicated when viewed realistically. I must simply explain it here.
[ 22 ] Die Sache ist sehr kompliziert, weil diese drei Systeme ineinandergreifen, ja, nicht nebeneinander liegen. Der Nerv wird fortwährend ernährt, ist dem Stoffwechsel unterworfen; auch der Atmungsprozess und der Sinnesprozess ergreifen ihn. Auch das, was die Atmung vermittelt, unterliegt dem Stoffwechsel. Nur den Stoffwechsel kann man gewissermaßen als drittes Glied für sich betrachten. Und dann, dann kommt man dazu, sich zu sagen, das, was nun Theodor Ziehen ganz wegschaffen musste, um überhaupt mit seiner strengen Methode zurechtzukommen, was er gutmütig den Philosophen überlässt, das Willensleben, das steht in so unmittelbarer Beziehung zum Stoffwechsel wie das Sinneswahrnehmungsleben zu den Sinnesorganen und den Nerven, wie das Gefühlsleben zum Atmungssystem. Unmittelbar, direkt wiederum, unmittelbar wirkt, greift der Wille — das ist das Ergebnis der Geistesforschung — in den Stoffwechsel ein. Natürlich auch, wenn die Aufmerksamkeit entfaltet wird, in den Stoffwechsel des Nervensystems. Aber wenn Wille dabei ist, da ist das, was den Willen anbelangt nicht von dem abhängig im Nerven, durch das der Nerv Wahrnehmungsorgan ist, sondern von Stoffwechsel.
[ 22 ] The matter is very complicated because these three systems are intertwined, rather than existing side by side. The nerve is constantly nourished and is subject to metabolism; the respiratory and sensory processes also affect it. What respiration mediates is also subject to metabolism. Only metabolism can be considered, in a sense, as a third link in its own right. And then, then one comes to say to oneself that what Theodor Ziehen had to eliminate completely in order to cope with his strict method, what he good-naturedly leaves to the philosophers, the life of the will, is as directly related to metabolism as the life of sensory perception is to the sensory organs and nerves, as the life of feeling is to the respiratory system. Directly, directly, immediately, the will intervenes in the metabolism—that is the result of spiritual research. Of course, when attention is developed, it also intervenes in the metabolism of the nervous system. But when the will is involved, what concerns the will is not dependent on the nerves, through which the nerves are organs of perception, but on metabolism.
[ 23 ] Dadurch kompliziert sich natürlich die Sache. Aber das Wichtige, Wesentliche ist, dass eine so unmittelbare Beziehung lebt zwischen dem Willen und dem Stoffwechsel eben wie zwischen der Wahrnehmung und dem Nervensystem und dem Gefühl und dem Atmungssystem. Nun kommt man, wenn man diese Sache ganz durchforschen will, zu einem Resultat, durch das man heute allerdings in der wildesten Weise üblen Anstoß erregen wird. Aber Sie dürfen mir glauben, ich habe alles nach allen Seiten gerade naturwissenschaftlich durchprüft und trotzdem ich in Privatvorträgen schon seit vielen Jahren darüber vorgetragen habe, habe ich mir bis zum vorläufigen Abschluss in diesem Winter aufgespart und beginne erst jetzt dieses Resultat auch der Öffentlichkeit mitzuteilen.
[ 23 ] This naturally complicates matters. But the important, essential thing is that there is just as direct a relationship between the will and the metabolism as there is between perception and the nervous system and between feeling and the respiratory system. Now, if one wants to investigate this matter thoroughly, one comes to a conclusion that will certainly cause a great deal of offense today. But you can believe me, I have examined everything from all sides, strictly from a scientific point of view, and although I have been lecturing on this subject in private lectures for many years, I have saved it up until its preliminary conclusion this winter and am only now beginning to communicate this result to the public.
[ 24 ] Denn es stellte sich heraus das Merkwürdige, dass die Naturwissenschaftler bis jetzt strenge zweierlei Nerven unterscheiden. Die einen bezeichnen sie als sensitive Nerven, von außen nach innen, die anderen als motorische Nerven, als diejenigen, die von Gehirn und Rückenmark ausgehen und gleichsam die Strömungen nach außen tragen. Das Sinnesorgan wird zuerst beeindruckt, dann setzt sich das in den Nerven fort, führt die Wahrnehmung zu einem Wollen. Dann wird von irgendwoher die Seele — wenn man sie so annimmt — eingeschaltet in die beiden Nervengattungen, und [es] wird von irgendwoher durch einen Vorgang das Vorgestellte auf den motorischen Nerv übertragen. Der leitet es nach der Peripherie des Leibes, man bewegt die Hand, den Fuß und so weiter. Das ist die Zweigliederung des menschlichen Nervensystems. Sie wird vor der Naturwissenschaft der Zukunft ganz fallen müssen. Man spricht ein solches Resultat nicht leichtsinnig aus. Die Zweiteilung wird vor der Wissenschaft der Zukunft ganz fallen müssen. Man nennt die Nerven sensitiv oder motorisch, das ist mir einerlei; darauf kommt es mir an, dass es nur einerlei Nerven gibt und dass prinzipiell dasjenige, was man sensitiv und was man motorische Nerven nennt, ganz genau dieselbe Aufgabe hat. Ich weiß, dass man jetzt aus der Physiologie heraus leicht geschürzte Einwendungen machen kann, man braucht nur an die Erscheinungen bei Tabes-Kranken zu denken, an die Versuche mit dem Durchschneiden der Nerven.
[ 24 ] For it turned out, strangely enough, that scientists have so far distinguished between two types of nerves. They refer to one type as sensory nerves, which run from the outside to the inside, and the other as motor nerves, which originate in the brain and spinal cord and carry the currents to the outside, as it were. The sensory organ is first impressed, then this continues in the nerves, leading perception to a volition. Then, from somewhere, the soul—if one accepts it—is switched into the two types of nerves, and [it] is transferred from somewhere to the motor nerve through a process. This directs it to the periphery of the body, and one moves the hand, the foot, and so on. This is the two-part structure of the human nervous system. It will have to be completely abandoned by the natural sciences of the future. One does not speak of such a result lightly. The two-part division will have to be completely abandoned by the science of the future. Whether the nerves are called sensory or motor nerves is of no importance to me; what matters to me is that there is only one type of nerve and that, in principle, what what we call sensory nerves and what we call motor nerves have exactly the same function. I know that it is easy to raise objections based on physiology; one need only think of the symptoms in patients with tabes dorsalis, or the experiments involving the severing of nerves.
[ 25 ] Ich wollte, ich hätte Zeit, ich würde Ihnen zeigen können, dass alle diese Versuche, alle die Erscheinungen insbesondere bei Tabes-Kranken gerade das belegen, was ich eben hier vertreten habe: die Einerleiheit der Nerven, und das widerlegen, wenn man nur genau genug vorgeht, was heute als Theorie von der Zweiheit der Nerven besteht. Aber dazu ist nicht Zeit. Aber auf eines will ich hinweisen. Man kann so leicht darauf hinweisen: Ja, ahnst du nicht, wie der motorische Nerv sich allmählich einschleicht?
[ 25 ] I wish I had time to show you that all these experiments, all the symptoms, especially in patients with tabes, prove exactly what I have just stated here: the uniformity of nerves, and refute, if one proceeds with sufficient precision, what is today known as the theory of the duality of nerves. But there is no time for that. However, I would like to point out one thing. It is so easy to point out: Yes, don't you sense how the motor nerve gradually creeps in?
[ 26 ] Jemand lernt Klavierspielen, lernt die feinen Bewegungen, welche die Finger ausüben, oder bei irgendeiner anderen Fertigkeit oder Tätigkeit, er lernt das — man hat die Anschauung —, deshalb, weil er anfangs nicht den Strom, den Impuls, durch den motorischen Nerv leiten kann, sondern wenn er die Bewegung oft und oft ausführt, dann kann er ihn leiten. Es schleicht sich der Nervenweg ein. Aber so ist es nicht in Wirklichkeit. Das, was als Wille in den sich bewegenden Fingern betätigt wird, greift unmittelbar in den Stoffwechsel ein und alles, was Nerv ist, hat nur die Aufgabe, die feine Bewegung innerlich wahrzunehmen, wie der Nerv von den Sinnen den Ton wahrnimmt.
[ 26 ] Someone learns to play the piano, learns the subtle movements that the fingers perform, or in any other skill or activity, he learns that — one has the impression — because at first he cannot conduct the current, the impulse, through the motor nerve, but when he performs the movement over and over again, then he can conduct it. The nerve pathway creeps in. But that is not how it really is. What is activated as will in the moving fingers intervenes directly in the metabolism, and everything that is nerve has only the task of perceiving the fine movement internally, just as the nerve perceives sound from the senses.
[ 27 ] Auch der motorische Nerv ist zu nichts anderem da, als dass die Bewegung nicht unbewusst ausgeführt wird, dass wir das innerlich mit dem Nervenapparat wahrnehmen. Überall ist der Nerv mit derselben Funktion begabt, nur unterscheidet er sich das eine Mal von anderen dadurch, dass er zum Sinnesorgan hingeht und den Eindruck von außen wahrnimmt, und das andere Mal den unmittelbar bewirkten Stoffwechsel innerlich wahrnimmt. Der motorische Nerv ist ganz gleichartig mit dem sensitiven. Ich glaube überhaupt, dass vielleicht die ersten Menschen, die sich diesen feineren Resultaten, welche mithilfe der Geisteswissenschaft gewonnen sind, die sich diesen feineren Resultaten — zuerst die Menschen, die künstlerisch sind —, geneigt zeigen werden. Ich glaube, dass viel eher als bei den Physiologen Anhängerschaft für diese Ideen zum Beispiel bei den verständigen Klavierspielern zu finden seien. Die werden nämlich bald merken, dass darauf die Fertigkeit beruht, dass sie immer mehr und mehr lernen, die Bewegungen in ihren Feinheiten zu verfolgen, dass man die eigenen Fingerbewegungen bis in die feinsten Details hinein verfolgen lernen kann, dass man die feinen, unmittelbar ausgeführten Bewegungen bis in ihre Nuancen hinein wahrzunehmen vermag; und lernen wird man, wenn man verständig wird, beobachten, wie das Lallen des Kindes übergeht in das Sprechen, wie das ein Prozess ist, darauf beruhend, dass der Stoffwechsel beherrschen gelernt wird durch den Willen und dann fein wahrgenommen wird, indem das bewusst gemacht wird [Lücke].
[ 27 ] The motor nerve also serves no other purpose than to ensure that the movement is not performed unconsciously, that we perceive it internally with the nervous system. Everywhere, the nerve is endowed with the same function, only it differs from others in that it goes to the sensory organ and perceives the impression from outside, and in other cases it perceives the directly caused metabolism internally. The motor nerve is quite similar to the sensory nerve. I believe that perhaps the first people to show an inclination toward these finer results, which have been obtained with the help of Spiritual Science, will be those who are artistic. I believe that supporters of these ideas are much more likely to be found among knowledgeable piano players than among physiologists, for example. They will soon realize that skill is based on learning more and more to follow the movements in their subtleties, that one can learn to follow one's own finger movements down to the finest details, that one can perceive the subtle, immediately executed movements down to their nuances; and when one becomes knowledgeable, one will learn to observe how a child's babbling turns into speech, how this is a process based on learning to control one's metabolism through willpower and then perceiving it subtly by becoming aware of it [gap].
[ 28 ] Da haben Sie kurz angedeutet die Beziehung des ganzen Seelenlebens zum ganzen menschlichen Leibesleben; denn andere Prozesse gibt es nicht. Allen Bewegungsprozessen liegen Stoffwechselprozesse zugrunde. Andere gibt es nicht, als Stoffwechsel-, Atmungs-, Wahrnehmungsund Nervenprozesse. Da haben Sie Wollen, Fühlen, Denken, Vorstellen und Wahrnehmen zusammen in Beziehung gesetzt zum dreigliedrigen Menschen, dem Nerven-, Atmungs- und Stoffwechsel-Menschen. Vor dieser Erkenntnis schließt sich heute noch gerade da, wo Strenge des Forschens vorliegt, die Naturwissenschaft selbst das Tor zu. Es würde und wird immer interessant sein, nun in allen Einzelheiten — denn das kann geschehenen zu belegen dasjenige, was eben ausgeführt worden ist.
[ 28 ] You have briefly indicated the relationship of the whole soul life to the whole human body life; for there are no other processes. All movement processes are based on metabolic processes. There are no others than metabolic, respiratory, perceptual, and nervous processes. You have related willing, feeling, thinking, mental images, and perceiving to the threefold human being, the nervous, respiratory, and metabolic human being. Even today, where rigorous research is conducted, it would and will always be interesting to prove in detail what has just been explained.
[ 29 ] Allein gefunden ist das alles von mir nicht worden etwa durch Rückschlüsse von den Erscheinungen der verschiedenen Leibesvorgänge auf die Seelenvorgänge, sondern auf jenem Wege der Geistesforschung, den ich oftmals hier angedeutet habe. Denn ebenso wie man nach der einen Seite hin dreigliedrig findet das menschliche Leibesleben, so findet man nach der anderen Seite, wenn man zum schauenden Bewusstsein kommt, die Beziehung des Seelenlebens zum Geistesmenschen. Geradeso wie nach der einen Seite der Leib der dreigliedrige Wahrnehmungs-, Atmungs-, Stoffwechselleib das Gegenstück ist zum Seelenleben, so ist auf der anderen dreigliedrig der Geist, das Gegenstück zur menschlichen Seele. Nur handelt es sich darum, dass man auch nur zu suchen hat ebenso den Weg vom Vorstellungsleben zum Geiste hin wie vom Vorstellungsleben zum Leibe hin, indem man beim Nervensystem anlangt.
[ 29 ] I have not discovered all this on my own, for example by drawing conclusions about the soul processes from the phenomena of the various bodily processes, but rather through the path of spiritual research that I have often indicated here. For just as on the one hand we find the human physical life to be threefold, so on the other hand, when we come to contemplative consciousness, we find the relationship of the soul life to the spiritual human being. Just as on the one hand the body, the threefold body of perception, respiration, and metabolism, is the counterpart to the soul life, so, on the other side, the spirit is the counterpart to the human soul. The only thing is that one has to seek the path from the life of imagination to the spirit just as one seeks the path from the life of imagination to the body, arriving at the nervous system.
[ 30 ] Diesen Weg des Vorstellungslebens zum Geiste hin kann man nur finden, wenn man das, was sonst menschliches Vorstellen und Denken ist, durch die zum Beispiel in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» angeführten Methoden so ausbildet, dass man wirklich das Denken, das zunächst nur anwendbar ist auf das äußere Sinnesleben, so weit bringt, dass es sich wirklich losreißen kann vom Leibe, dass es innerhalb der Denkbewegung selber selbstständig wird. Es ist der entgegengesetzte Weg einzuschlagen, der bei aller Verengerung des Bewusstseins einzuschlagen ist.
[ 30 ] This path from the life of mental images to the spirit can only be found if one trains what is otherwise human imagination and thinking, for example, using the methods described in my book "How to Attain Knowledge of Higher Worlds? " so that one really brings thinking, which is initially only applicable to the outer sense life, to the point where it can truly detach itself from the body and become independent within the movement of thinking itself. The opposite path must be taken, which is to be taken in all narrowing of consciousness.
[ 31 ] Auf der einen Seite liegt das krankhaft hypnotische Leben; das Gegenteil bringt die Geistesforschung zur Entwicklung in allem, auch in dem, was man oftmals mystisches Erleben nennt, geschieht ja die Sache so, dass man während verhältnismäßig der Mensch im gewöhnlichen, gesunden Leben in seinem Denken, Fühlen, Wollen eine Selbstständigkeit hat gegenüber dem Leibesleben, wird in alledem, was Hypnose, Illusion, Halluzination, was ungesunde Mystik ist, die manchmal in wunderbar poetischen Bildern sich ausleben kann, die Seele hinabgedrängt. Jede Vision besteht ja darin, dass das Vorstellungsleben seiner Selbstständigkeit entkleidet wird — statt in sich zu leben —, tiefer hinuntergedrängt wird, sodass der Leib zu stark engagiert ist. Geisteswissenschaft hat mit alldem nichts zu tun, sondern muss gerade dieses ganze visionäre Leben, auch das falsche mystische Leben, überwinden. Und derjenige, der mir in meinen Büchern wo geredet wird von Seelen- oder Welträtseln —, ein einziges Ergebnis nachweisen kann, das bloß auf dem Wege einer an das Körperliche gebundenen Mystik gewonnen wäre — was allerdings von Freunden und Gegnern so gedeutet wird, weil man es so gerne hat: man möchte Visionen sehen —, wer mir das nachweisen kann, der möge das tun. Er wird keines finden.
[ 31 ] On the one hand, there is the morbidly hypnotic life; the opposite brings spiritual research to development in everything, even in what is often called mystical experience. The fact is that while in ordinary, healthy life, the human being has independence in his thinking, feeling, and willing in relation to the life of the body, in everything that is hypnosis, illusion, hallucination, which is unhealthy mysticism that can sometimes express itself in wonderfully poetic images, the soul is pushed down. Every vision consists in the fact that the life of imagination is stripped of its independence — instead of living within itself — and is pushed deeper down, so that the body is too strongly engaged. Spiritual Science has nothing to do with all this, but must overcome precisely this whole visionary life, including the false mystical life. . And anyone who can prove to me in my books, where I speak of soul or world riddles, a single result that was gained solely through mysticism bound to the physical — which, however, is interpreted as such by friends and opponents because people like it so much: they want to see visions — anyone who can prove this to me, let them do so. They will find none.
[ 32 ] Alles das, was sich wirklich geisteswissenschaftlich gefunden habe, wird gesucht, indem das vom Leibesleben freie Denken noch freier gemacht wird, noch mehr verstärkt wird in seiner Eigenart. Dazu gehört allerdings mehr, als oftmals zugehört, [um] zu irgendeiner vertrackten Vision zu kommen. Dazu gehört, dass zum Beispiel das Denken als gesundes Denken zum Ausgangspunkt genommen wird, und dann innerhalb dieses Denkens das gesucht wird, was sich nur im Denken selbst ergibt; ich möchte sagen, noch freier, selbstständiger als das Denken an sich schon ist; sodass die Fragen richtig gestellt werden, und dann die im Denken entwickelten Antworten erteilt werden aus dem, was immer um uns herum ist, die Antworten aus der geistigen Welt heraus gegeben werden. Das Denken, richtig ausgebildet, befreit von seinem Leibesleben. Das Denken wird frei gemacht, sodass wir dringen in das, was hinter der Sinneswelt ist.
[ 32 ] Everything that has truly been found in Spiritual Science is sought by making thinking, which is free from physical life, even freer, even more intensified in its uniqueness. This, however, involves more than is often heard, [in order] to arrive at some complicated vision. It includes, for example, taking healthy thinking as the starting point and then searching within this thinking for what arises only in thinking itself; I would say, even freer, more independent than thinking already is; so that the questions are asked correctly, and then the answers developed in thinking are given from what is always around us, the answers are given from the spiritual world. Thinking, properly trained, freed from its physical life. Thinking is made free so that we penetrate into what is behind the sensory world.
[ 33 ] Dieses Denken habe ich mir erlaubt zu nennen: imaginatives Vorstellen, nicht, weil Eingebildetes zugrunde liegt, sondern weil ein Energischeres, es in seiner Freiheit zur Bildlichkeit bringendes Vorstellen zugrunde liegt. Aber das Bild wird nicht hervorgerufen durch ein Herabquetschen des Denkens und des Sinnesorgans in das Gehirn, was Visionäre glauben können, sondern gerade durch die Absonderung des Denkens vom Leibesleben. Dadurch wird es erreicht, dass das Denken selbstständig gemacht wird gegenüber dem Leibesleben. Daher hat alles, was Imagination genannt wird, absolut gar keine Berührung mit dem Leibesleben. Der Leib geht mit seinem Erleben nebenher.
[ 33 ] I have taken the liberty of calling this thinking: imaginative mental image, not because it is based on imagination, but because it is based on a more energetic form of mental image that brings it to life in its freedom. But the image is not brought about by squeezing thinking and the sensory organs into the brain, as visionaries may believe, but precisely by separating thinking from physical life. This achieves the independence of thinking from physical life. Therefore, everything that is called imagination has absolutely no connection with physical life. The body goes along with its experience.
[ 34 ] Das ist ja der auch schon hier öfters erwähnte Unterschied zwischen dem Visionären und dem wirklich in seinem Denken frei gewordenen Geistesforscher, dass letzterer immer in der Lage ist, neben dem, was ihm gegeben ist im imaginativen Vorstellen, das gewöhnliche, gesunde Sinnesleben nebenher zu haben, und das geht parallel nebeneinander. Die Sache ist schon krankhaft, wenn das eine durch das andere ersetzt wird, wenn man nicht ein ganz vernünftiger Mensch sein kann, seine täglichen Aufgaben verrichten kann, seine Kinder ordentlich erziehen kann und so weiter und daneben das, was mit dem Leibesleben nichts zu tun hat, entwickeln kann, das Hineindringen des Geistig-Seelischen in uns in das Geistig-Seelische um uns herum. Dann möchte ich einmal wissen, ob mir jemand sagen wird, dass derjenige, der auch ein bloßer Visionär ist, oder gar, der eine krankhafte Vorstellung hat, nebenher auch das Gesunde hat. Dann wäre es ja nicht krankhaft, wenn er wüsste, dass die andere Vorstellung krankhaft ist. Aber man denkt über diese Dinge viel zu sehr oberflächlich, beurteilt sie von außen her.
[ 34 ] This is the difference, already mentioned here several times, between the visionary and the spiritual researcher who has truly freed his thinking: the latter is always able to have, alongside what is given to him in mental images, the ordinary, healthy sensory life, and the two run parallel to each other. It is pathological when one replaces the other, when one cannot be a completely reasonable person, perform one's daily tasks, raise one's children properly, and so on, and at the same time develop what has nothing to do with physical life, the penetration of the spiritual-soul within us into the spiritual-soul around us. Then I would like to know if anyone will tell me that someone who is merely a visionary, or even someone who has a pathological mental image, also has a healthy side. Then it would not be pathological if he knew that the other mental image was pathological. But people think about these things far too superficially, judging them from the outside.
[ 35 ] Dann, wenn wir eindringen durch echte, wahre Forschung in vertieftem Denken in dasjenige, was um uns herum geistig ist, dann haben wir ein erstes Element der geistigen Welt, dann haben wir das, wovon die Physik heute nur träumt, wir haben das Ätherleben. Und so, wie wir durch das Sinnesleben wissen, dass die Stoffe, die draußen sind im physischen Leben, in unserem Fleisch und Blut leben, so wissen wir durch das imaginative Vorstellen, dass das Übersinnlich-Ätherische als Bildekräfte alles durchdringt und in uns als Bildekräfte leibt, unseren Organismus durchdringt als ein zweiter übersinnlicher Organismus, den wir so in uns tragen, der wissenschaftlich durchforscht werden kann wie der physische. Wie dieser physische Leib ein Stück ist aus der physischen Welt, so ist unser eigener ätherischer Organismus ein Stück der umliegenden ätherischen Welt, die übersinnlich ist, und die übersinnliche Gesetzmäßigkeit spielt in unseren, ätherischen Leib herein wie die physischen Gesetze in den physischen Leib.
[ 35 ] Then, when we penetrate through genuine, true research in deepened thinking into what is spiritual around us, then we have a first element of the spiritual world, then we have what physics today only dreams of, we have etheric life. And just as we know through our sensory life that the substances that are outside in physical life live in our flesh and blood, so we know through a mental image that the supersensible-etheric, as formative forces, permeates everything and lives in us as formative forces, permeating our organism as a second supersensible organism, which we carry within us and which can be scientifically researched just like the physical one. Just as this physical body is a part of the physical world, so our own etheric organism is a part of the surrounding etheric world, which is supersensible, and supersensible laws play into our etheric body just as physical laws play into the physical body.
[ 36 ] Was hat dieser Bildekräfteleib für eine Aufgabe? Er hat die Aufgabe, hinüberzutragen dasjenige, was augenblicklich ist, von Augenblick zu Augenblick, von Stunde zu Stunde; er hat das Leben in der Zeit zu unterhalten zwischen Geburt und Tod des Menschen. Ohne diesen Bildekräfteleib würden wir niemals das zusammenhängende menschliche Leben haben. Unsere Stoffe wechseln wir, tauschen wir aus, der Bildekräfteleib trägt die neuen Stoffe in derselben Weise sie metamorphosierend in das zukünftige Leben. Dieser Bildekräfteleib ist ein streng wissenschaftliches Ergebnis ebenso wie der physische Organismus. Dieser Bildekräfte-Organismus steht nun in demselben Verhältnis vom Geiste heraus zum Vorstellungsleben wie vom Leibe heraus der Nervenleib. Wie das Nervensinnesleben das leibliche Gegenstück ist vom Vorstellungsleben, so ist das geistige Gegenstück der Bildekräfteleib. Wie das Nervensystem ein Wunderbau ist, so ist geistig dasjenige, was erkennbar ist als Bildekräfteleib, ein Wunderbau im Geiste, der nur seine Aufgabe hat nicht im einzelnen Augenblicke des menschlichen Erlebens, sondern im Zeitenlauf zwischen der Geburt oder Empfängnis und dem Tod.
[ 36 ] What is the task of this formative body? Its task is to carry over what is momentary, from moment to moment, from hour to hour; it has the task of sustaining life in time between the birth and death of the human being. Without this image-forming body, we would never have a coherent human life. We change and exchange our substances, and the image-forming body carries the new substances in the same way, metamorphosing them into future life. This formative body is a strictly scientific result, just like the physical organism. This formative body now stands in the same relationship to the life of imagination from the spirit as the nerve body stands from the body. Just as the nerve-sense life is the physical counterpart of the life of imagination, so the spiritual counterpart is the formative body. Just as the nervous system is a marvel of construction, so too is that which can be recognized as the formative body a marvel of construction in the spirit, whose task lies not in the individual moments of human experience, but in the passage of time between birth or conception and death.
[ 37 ] Damit ist man noch nicht angelangt bei dem, was nun über Geburt und Tod hinausgeht; denn da muss die Erkenntnis, die innerliche Belebung des Bewusstseins zu einer anderen Erkenntnis noch aufsteigen. Stoßen Sie sich nicht an dem Ausdruck — er ist vor vielen Jahren wohlbedacht gewählt und heute wird man erst einsehen, warum gerade dieser Ausdruck erneuert wurde von mir —, wir steigen auf zur «inspirierten Erkenntnis». Man steigt zu ihr auf, indem man gewissermaßen dasjenige, was zur imaginativen Erkenntnis führt, weiter ausbildet. Da ist es notwendig, dass man noch etwas ganz anderes hineinbringt in sein schon frei gewordenes Denken und Vorstellungsleben. Man muss sich aneignen etwas ganz Neues. Auch darüber habe ich schon gesprochen im vorvorigen Heft des «Reiches».
[ 37 ] This does not yet bring us to what goes beyond birth and death, for there the knowledge, the inner enlivening of consciousness, must rise to another level of knowledge. Do not be offended by the expression — it was carefully chosen many years ago, and today you will understand why I have renewed it — we rise to “inspired knowledge.” One ascends to it by further developing, as it were, that which leads to imaginative knowledge. It is necessary to bring something completely different into one's already liberated thinking and imagination. One must acquire something completely new. I have already spoken about this in the previous issue of “Reich.”
[ 38 ] Ich kann das nur durch einen Vergleich klarmachen. Im gewöhnlichen Leben, denken wir logisch. Wir sind zufrieden damit. Allerdings, man muss, um Geistesforscher zu werden, nicht bloß lernen, über anderes zu denken, sondern auch anders zu denken. Dahinein finden sich die Menschen außerordentlich schwer, denn heute denkt man abstrakt. Man denkt, man habe schon etwas mit engen Begriffen, wenn man einsieht: Diese Vorstellung ist richtig. Eine Vorstellung kann sehr richtig sein, aber es kommt auf den Wirklichkeitswert der Vorstellung an. Heute hat man eine gewisse Wollust nur auf die logische, wissenschaftliche Richtigkeit des Vorstellens zu sehen, aber damit ist der Wirklichkeitswert der Vorstellung noch nicht erschöpft. Auf ihn kommt man erst, wenn man weiß, dass unsere Vorstellungen, so wie wir sie haben, zunächst nur Instrumente sind für die Wirklichkeit, nicht etwas, woran wir absolut festhalten müssen. Ich möchte ein triviales Beispiel gebrauchen, nur zur Veranschaulichung. Es ist gewiss eine sehr schöne Vorstellung, wenn man sagt: ein guter Schlaf ist sehr gesund. Man kann sich in diese Vorstellung sehr verlieben. Gesunder Schlaf ist sehr gesund. Es kommt jemand, der diese Vorstellung hegt, zu jemand zu Besuch. Man führt ihm eine Dame vor, von der sagt man ihm: ach, der Dame fehlt dieses oder jenes. Sie selber klagt. Er bleibt bei der als richtig erkannten Vorstellung, für die er fanatisch eingenommen ist, und sagt: Ach, gnädige Frau, Sie müssen nur recht viel schlafen; denn ein gesunder Schlaf ist gerade für Ihren Zustand gut. Dann führt er sie zur Tür. Ja, was sagen Sie dazu, die schläft ja so den ganzen Tag! Oder es kann jemand fanatisch sein für die Vorstellung, dass das Spazierengehen sehr gesund sei. Ein solcher Mensch rät jemandem, der ihm allerlei Zustände schildert: Ja, Sie müssen sich Bewegung machen. Der aber antwortet ihm: Ja, Sie vergessen, dass ich Briefträger bin.
[ 38 ] I can only make this clear by means of a comparison. In ordinary life, we think logically. We are satisfied with that. However, in order to become a spiritual researcher, one must not only learn to think about other things, but also to think differently. People find this extremely difficult, because today we think abstractly. People think they already have something with narrow concepts when they realize: this mental image is correct. A mental image can be very correct, but it depends on the reality value of the mental image. Today, people have a certain lust for only looking at the logical, scientific correctness of mental images, but that does not exhaust the reality value of the mental image. You only arrive at it when you know that our mental images, as we have them, are initially only instruments for reality, not something we must hold on to absolutely. I would like to use a trivial example, just to illustrate. It is certainly a very nice mental image to say that a good night's sleep is very healthy. One can fall very much in love with this mental image. Healthy sleep is very healthy. Someone who cherishes this mental image comes to visit someone else. He is introduced to a lady, about whom he is told: oh, this lady is lacking this or that. She herself complains. He sticks to the mental image he knows to be right, which he is fanatically committed to, and says: “Oh, madam, you just need to get plenty of sleep, because healthy sleep is good for your condition.” Then he shows her to the door. Yes, what do you say to that, she sleeps all day long! Or someone may be fanatical about the mental image that walking is very healthy. Such a person advises someone who describes all kinds of conditions to him: “Yes, you must get some exercise.” But the other person replies: “Yes, you forget that I am a mail carrier.”
[ 39 ] Unsere Vorstellungen sind nicht dazu da, dass wir sie in begrenzter Art dogmatisch als absolut richtig anerkennen. Sie sind Instrumente, die uns durch die Wirklichkeit durchführen. Dies muss man als innere Gesinnung ausbilden, wenn man zu weiteren Stufen der Geistesforschung aufsteigen will. Dass zwei Menschen in ihren Vorstellungen übereinstimmen, das scheint jedem eine sehr schöne Sache zu sein. Aber Franz I. sagt einmal: «Ich weiß nicht, was der eigentlich gegen mich hat. Wir stimmen in unserm Wollen und Vorstellen ganz überein.» Sie wollten nämlich beide Mailand erobern. Auch dies ist radikal ausgedrückt. Und wenn es feiner auftritt, dann merkt man es nur nicht, dann hält man fest daran: Wenn zwei übereinstimmend denken, dann muss das der Beweis sein, dass die Gedanken auch übertreten können in die Wirklichkeit. Kurz, hier liegt Bedeutsames vor, das wohl durchforscht werden muss, wenn man Geistesforscher werden will. Ich habe es trivial charakterisiert; es könnte auch gelehrt charakterisiert werden. Aber man muss dahin kommen, für sein Vorstellungs- und Denkleben anzufangen, in gewisser Weise zu denken, was ich eben durch folgenden Vergleich klarmachen kann.
[ 39 ] Our mental images are not there for us to recognize them dogmatically as absolutely correct in a limited way. They are instruments that guide us through reality. This must be developed as an inner attitude if one wants to ascend to further stages of spiritual research. It seems to everyone to be a very nice thing when two people agree in their mental images. But Franz I once said: “I don't know what he actually has against me. We are in complete agreement in our desires and mental images.” Both of them wanted to conquer Milan. This is also expressed in radical terms. And when it occurs in a more subtle form, one simply does not notice it, but holds fast to the belief that when two people think alike, this must be proof that their thoughts can also become reality. In short, this is something significant that needs to be thoroughly researched if one wants to become a spiritual researcher. I have characterized it trivially; it could also be characterized in a scholarly way. But one must come to the point of beginning to think in a certain way for one's mental images and thinking, which I can clarify with the following comparison.
[ 40 ] Wenn wir im äußeren Leben stehen, sind wir auch nicht zufrieden, wenn wir nur logisch hin- und herspielen mit unseren Handlungen und Impulsen. Wir machen Handlungen, vollführen sie, weil unsere Pflicht sie uns auferlegt; andere unterlassen wir oder leiten sie in andere Richtung. Die Logik würde nichts nützen in der Sinneswelt, da müssen wir mit der Wirklichkeit rechnen. Da müssen wir uns aus dem Zusammenhang eines Ganzen eine Handlung gestatten oder versagen. Dieses muss sich übertragen auch auf das Gedankenleben, wenn man weiterkommen will vom imaginativen Bewusstsein heraus. Man muss dazu kommen, nicht nur gewisse Gedanken für richtig, andere für unrichtig zu halten, sondern in der Lage sein, gegenüber bestimmten Wirklichkeiten einen Gedanken als erlaubt, einen anderen als zu versagend empfindend erleben.
[ 40 ] When we are in the outer world, we are not satisfied if we only play logically back and forth with our actions and impulses. We perform actions because our duty imposes them on us; we refrain from others or direct them in a different direction. Logic would be of no use in the sensory world; there we have to reckon with reality. There we have to allow or deny ourselves an action based on the context of a whole. This must also be transferred to the life of thought if one wants to progress beyond imaginative consciousness. One must come to not only consider certain thoughts to be right and others to be wrong, but also be able to experience a thought as permissible and another as unacceptable in relation to certain realities.
[ 41 ] Eine innere Vermoralisierung, Durchmoralisierung des Denk-, des Vorstellungslebens muss eintreten. Wenn diese eintritt, dann erlangt man die Möglichkeit der inspirierten Erkenntnis, jener Erkenntnis, die auch zu überliefern vermag das zweite Geistesglied des Menschen, das nun zum Gefühlsleben so steht wie das Atmungsleben zum Gefühlsleben leiblich. Und deshalb, weil dieser Parallelismus besteht, habe ich das, was vom Geiste her dem Gefühlsleben entspricht, was dort sein Gegenstück ist, das genannt, das durch die inspirierte Erkenntnis gegeben ist, die uns zeigt, dass wir ein zweites Glied im Geiste haben, so wie wir zum Gehirn- und Nervenleben leiblich das Atmungsleben haben und wie uns das Atmungsleben mit der Umwelt in Zusammenhang bringt die Luft, die ich in mir habe ist /Lücke] draußen und drinnen. Vom Atmungssystem führen überall die Fäden hin in die Umgebung. Da gehöre ich der Welt an. So gehöre ich der geistigen Welt an in dem Geist-Organismus-Teil, der erkannt wird durch die inspirierte Erkenntnis und zwar in dem Teil, den wir in uns tragen, den wir durchlebt haben zwischen dem letzten Tod und dem Zeitpunkt, wo wir das Geistige eingesenkt haben in das Leibliche, das wir von den Ahnen ererbt haben. Das zweite Glied des Geistorganismus führt uns in die Welt hinein, die wir durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.
[ 41 ] An inner moralization, an over-moralization of the life of thought and imagination must occur. When this occurs, one gains the possibility of inspired knowledge, that knowledge which is also capable of transmitting the second spiritual member of the human being, which now stands to the life of feeling as the life of breathing stands to the life of feeling in the physical body. And because this parallelism exists, I have called that which corresponds to the life of feeling from the spirit its counterpart there, which is given through inspired knowledge, which shows us that we have a second member in the spirit, just as we have the respiratory life in relation to the physical brain and nerve life, and just as the respiratory life connects us with the environment the air that I have within me is /gap] outside and inside. From the respiratory system, the threads lead everywhere into the environment. That is how I belong to the world. In the same way, I belong to the spiritual world in the part of the spirit organism that is recognized through inspired knowledge, namely in the part that we carry within us, that we have lived through between the last death and the moment when we sank the spiritual into the physical, which we have inherited from our ancestors. The second link in the spiritual organism leads us into the world we live through between death and a new birth.
[ 42 ] Ein Drittes in der Erkenntnis können wir erlangen, wenn wir diese Erkenntnis noch weiter ausbilden. Und ich habe schon angedeutet ein wichtiges Ereignis, wodurch die Erkenntnis noch freier und höher gegliedert werden kann. Das ist, wenn wir das Schicksalsmäßige der Erkenntnis selber fühlen, wenn wir bei der Erkenntnis so dabei sind, dass wir das Erlangen der Erkenntnis als ein Schicksal fühlen, wenn wir uns zu sagen verstehen: Dich hat Schweres, Freudiges betroffen und du wirst nicht stumpf; du fühlst wie einer [Lücke]. Aber gegenüber alledem, was äußerlich herantreten kann, habe ich eines erkannt: das Bewusstsein, dass ich innerlich ergreifen kann den Geist durch die imaginierte, durch die inspirierte Erkenntnis. Das ist für mich ein solcher Schicksalsfall geworden wie ein anderer Schicksalsfall. Hier habe ich Schicksal miterlebt. Erlebt man so Schicksal mit und erlebt man andere Erkenntnisvorgänge mit derselben Innerlichkeit, dann rückt man auf zu dem, was intuitive Erkenntnis genannt werden kann, wo es wirklich erst der Fall ist, dass wir in das Objekt der Erkenntnis selber bewusst untertauchen. Und wenn diese Erkenntnis erlangt ist, wenn wir gewissermaßen einmal innerlich selber dabei gewesen sind bei dem Schicksal, dann merken wir, dass in unser Leben hereinspielt ein drittes Glied des menschlichen Geistesorganismus, das so steht zum Willensleben wie da steht der Stoffwechselorganismus zu dem Willensleben von der leiblichen Seite; denn dann merkt man, das, was äußerlich als Schicksalsschlag an uns herantritt, das wirkt herüber aus früheren Erdenleben und das, was wir jetzt wieder als Schicksalsschlag zuerst empfinden, das wirkt in spätere Erdenleben hinüber. Wir lernen erkennen, was in unser Willensleben hereinwirkt. Aber diese Dinge lassen sich durch Perioden in ihrem Parallelismus zum Leibesleben und Seelenleben sehr wohl zeigen.
[ 42 ] We can attain a third level of knowledge if we develop this knowledge further. And I have already hinted at an important event through which knowledge can be structured even more freely and highly. This is when we feel the fateful nature of knowledge itself, when we are so involved in knowledge that we feel the attainment of knowledge as a destiny, when we understand how to say to ourselves: You have been affected by difficult and joyful things, and you do not become dull; you feel like one [gap]. But in contrast to everything that can approach me externally, I have recognized one thing: the awareness that I can grasp the spirit inwardly through imagined, inspired knowledge. For me, this has become as much a case of destiny as any other. Here I have experienced destiny. If one experiences fate in this way and experiences other processes of knowledge with the same inwardness, then one moves on to what can be called intuitive knowledge, where it is really the case that we consciously immerse ourselves in the object of knowledge itself. And when this insight is gained, when we have, so to speak, been inwardly present at destiny itself, then we realize that a third link in the human spirit organism comes into play in our lives, which stands to the life of the will as the metabolic organism stands to the life of the will from the physical side; for then we realize that what comes to us externally as a stroke of destiny has an effect from previous earthly lives, and what we now perceive as a stroke of fate will have an effect in later earthly lives. We learn to recognize what influences our will life. But these things can be shown very well through periods in their parallelism to physical life and soul life.
[ 43 ] Wir leben, wir beobachten ja das Leben in seinen intimen Feinheiten nicht. Wir sind fünfzehn Jahre alt; etwas lebt in uns, was wir gar nicht wissen, wonach wir uns aber richten. Feiner als ein Instinkt lebt es in uns. Wir tun dieses oder jenes, glauben es zu tun, weil das oder jenes uns dazu drängt; aber in allem lebt etwas, was aus dem eigenen Wesen heraus uns Richtung gibt. Hat man Talent für Selbstbeobachtung, so kommt man darauf: Du hast in dir etwas, was Sehnsucht, Trieb ist — so fein muss man das auffassen —, dich gerade dorthin zu bewegen. Man würde merken, man macht eine Reise; man hat nicht bemerkt, dass ein Trieb dagewesen ist nach etwas Unbestimmtem; aber die Reise endet damit, dass man eine Bekanntschaft macht. Diese kommt einem Unbestimmten in uns entgegen. Ein geistiger Prozess vollzieht sich, der sein leibliches Gegenbild hat. Verzeihen Sie, es kann gerade deshalb, weil der Geisteswissenschaftler real in der Welt steht, kann manches sehr materialistisch im Vergleich erscheinen. Man hat einen Drang, der treibt wie Durst und Hunger — die Sättigung hilft ab —, man hat einen Drang, was ist er? Er ist das Seelenglied, das dem entspricht, was der Hunger im Stoffwechselorganismus ist. Aus dem früheren Erdenleben impulst herüber dasjenige, was treibt, und die Sättigung erfolgt durch ein Ereignis. Da haben Sie das dritte Glied, das unser Schicksal [Lücke] wie der Stoffwechsel im Leibe zum Willensleben gehört, und sei es in der gewöhnlichen Stllung von Hunger und Durst. Wie er zugrunde liegt demjenigen, was wir unmittelbar vom Leibesleben heraus tun und seelisch als Wille erleben, so tut das Schicksal in uns — das für die intuitive Erkenntnis herübertönt aus früheren Erdenleben —, das erzeugt jenen Geisteshunger und Geistesdurst, der im Schicksal nur unvermerkt für die grobe Beobachtung lebt.
[ 43 ] We live, but we do not observe life in its intimate details. We are fifteen years old; something lives within us that we do not even know, but which we follow. It lives within us more subtly than an instinct. We do this or that, believing we are doing it because this or that compels us to do so; but in everything there lives something that gives us direction from our own being. If you have a talent for self-observation, you will realize: you have something within you that is a longing, an urge—you have to perceive it as something subtle—to move you in that direction. You would notice that you are on a journey; you did not notice that there was an urge for something undefined; but the journey ends with you making an acquaintance. This acquaintance meets something undefined within us. A spiritual process takes place that has its physical counterpart. Forgive me, but precisely because because the spiritual scientist stands in the real world, some things may appear very materialistic in comparison. One has an urge that drives like thirst and hunger — satiation helps — one has an urge, what is it? It is the soul member that corresponds to what hunger is in the metabolic organism. From previous earthly lives, that which drives us overflows, and satisfaction is achieved through an event. There you have the third member, which belongs to our destiny [gap] like metabolism in the body belongs to the life of the will, even if it is in the ordinary position of hunger and thirst. Just as it underlies what we do directly from our physical life and experience spiritually as will, so fate within us — which resonates from previous earthly lives for intuitive knowledge — creates that spiritual hunger and thirst that lives in fate only unnoticed by coarse observation.
[ 44 ] Da sehen Sie, wie durchaus, indem Schritt für Schritt vorgegangen wird, Geisteswissenschaft ebenso etwas Methodisches ist wie die äußere Naturwissenschaft; nur heute noch ungewohnt den Menschen. Aber es ist vieles den heutigen Menschen ungewohnt. Es war auch ungewohnt den Zeitgenossen des Kopernikus, zu glauben, dass die Sonne stillstehe und die Erde um sie herumgehe. Man hat sich daran gewöhnt und wird sich auch [an] die Geisteswissenschaft gewöhnen. Ich weiß, sie kann heute noch widerlegt werden. Auch den Kopernikanismus hat Tycho de Brahe widerlegt, aber nützlicher war, dass Kepler den Kopernikanismus ausgebaut hat. Ich weiß, dass sehr unvollkommen ist, was ich heute noch sagen kann, und ich weiß, dass alles mögliche eingewendet werden kann, aber ich halte es für nützlicher, wenn andere kommen, die die Sache so modifizieren werden, dass die Sache tragkräftiger wird. Mir erscheint nützlicher die Fortentwicklung der Wissenschaft. Derjenige, der so denkt, der steht vielleicht richtig im Geistesleben der Menschheit doch drinnen; denn er ermisst sowohl die Tragkraft der Kritik wie auch die des Ausbauens. Dann aber, wenn man richtig wird zu forschen verstehen, dann wird man einsehen, dass all das, was wir als Leib in uns tragen, das absolut unerlässliche Werkzeug ist zwischen Geburt und Tod, dass es eine Vertracktheit ist, für das Leben zwischen Geburt und Tod allerlei Mystisches zu suchen, dass wir aber aufsteigen zum Geistesleben und den dreigegliederten Geist finden, den zu imaginierenden Geist, den durch Inspiration zu erkennenden Geist finden, und damit eindringen in das Ewige, in das durch Geburt und Tod gehende Ewige, in das Unsterbliche des Menschenwesens, das man nicht durch Spekulation finden kann, sondern durch das Aufsuchen desjenigen, was als Geist in uns denkt. Dann aber entdeckt man auch, dass wir in Beziehung stehen zu einer Geisteswelt, wie durch den physischen Organismus zur physischen Welt, und dass dasjenige, was wir als physischen Leib den physischen Elementen übergeben nur dann bloß den physischen Gesetzen übergeben ist, wenn das dreigliedrige Geistige hier außen ist. Dann fühlen wir, dass wir sagen können: Unser Leib hält solange zusammen, als er vom Geiste zusammengehalten wird. Der Leib wird mit dem Tod übergeben den irdischen Elementen und der Geist geht seine Wege in die geistige Welt hinein. Im Zusammenhange mit diesen Rätseln gewinnen auch die Weltenrätsel Boden.
[ 44 ] You can see how, by proceeding step by step, Spiritual Science is just as methodical as the external natural sciences; only today it is still unfamiliar to people. But there is much that is unfamiliar to people today. It was also unfamiliar to Copernicus' contemporaries to believe that the sun stood still and the earth revolved around it. People have become accustomed to this and will also become accustomed to Spiritual Science. I know that it can still be refuted today. Tycho Brahe also refuted Copernicanism, but it was more useful that Kepler expanded on Copernicanism. I know that what I can say today is very imperfect, and I know that all kinds of objections can be raised, but I think it is more useful if others come along who will modify the matter in such a way that it becomes more sustainable. The further development of science seems more useful to me. Those who think this way are perhaps correctly positioned within the intellectual life of humanity, for they appreciate both the validity of criticism and that of expansion. But then, when one learns to research correctly, one will realize that everything we carry within us as a body is the absolutely indispensable tool between birth and death, that it is a complication to seek all kinds of mysticism for life between birth and death, but that we ascend to spiritual life and find the threefold spirit, the spirit to be imagined, the spirit to be recognized through inspiration, and thus penetrate into the eternal, into the eternal that passes through birth and death, into the immortality of the human being, which cannot be found through speculation, but by seeking out that which thinks as spirit within us. But then one also discovers that we are related to a spiritual world, just as we are related to the physical world through the physical organism, and that what we surrender to the physical elements as our physical body is only subject to physical laws when the threefold spirit is outside here. Then we feel that we can say: our body holds together as long as it is held together by the spirit. With death, the body is surrendered to the earthly elements and the spirit goes its way into the spiritual world. In connection with these mysteries, the mysteries of the world also gain ground.
[ 45 ] Man denkt heute nach über Anfang und Ende der Erdenentwicklung, was vor zwanzig Millionen Jahren bestanden haben kann. Da findet man eine Erdenentwicklung, in die hineingekommen ist, ich weiß nicht woher, die Menschheitsentwicklung als Episode. Dann rechnet man aus, wie die Erde sein wird nach Milliarden von Jahren; die Vorstellung, die man anstellt, die Rechnung, soll nicht angefochten werden. Es gibt nichts Richtigeres, als wenn zum Beispiel ein Professor [Dewar] einführte in einem Vortrag in London, wo er fragte: Wie wird die Erde ausschauen nach Milliarden Jahren, wenn sie sich abgekühlt haben wird bis zu [200] Grad Celsius unter null? Nun ja, er gibt ein sehr schönes — ob es prophetisch ist, das überlasse ich Ihrem Geschmack —, ein sehr schönes Bild, wie die Erde sein wird. Die Luft, die uns umgibt, ist flüssig geworden, ist eine Art Ozean. Das Wasser von jetzt ist fest geworden. Alles hat sich verändert. Sehr schön oder auch nicht schön beschreibt [Dewar] vor seinen gläubigen Zuhörern, wie die Milch aus der Kuh fest sein wird, wie sie lumineszent sein wird, wie man wird die Wände mit Eiweiß anstreichen können, das wird so leuchtend sein, dass man wird Zeitungen lesen können — absolut richtig gerechnet, streng naturwissenschaftliche Resultate. Von welcher Strenge dieses Resultat ist, das man bekommt, wenn man den heutigen Zustand der Erde zurückrechnet, welche Geschöpfe gewesen sind vor zwanzig Millionen Jahren, das kann man berechnen, [daran] ist gar nichts widerlegbar, gar nichts.
[ 45 ] Today, we think about the beginning and end of the Earth's development, what may have existed twenty million years ago. We find an Earth development into which, I don't know from where, the development of humanity has entered as an episode. Then we calculate what the Earth will be like after billions of years; the mental image we form, the calculation, should not be challenged. There is nothing more correct than, for example, when Professor [Dewar] introduced a lecture in London in which he asked: What will the Earth look like in billions of years, when it will have cooled down to [200] degrees Celsius below zero? Well, he gives a very beautiful — whether it is prophetic, I leave to your taste — a very beautiful picture of what the Earth will be like. The air that surrounds us has become liquid, a kind of ocean. The water we know today has become solid. Everything has changed. In front of his faithful audience, [Dewar] describes, in very beautiful or perhaps not so beautiful terms, how milk from cows will be solid, how it will be luminescent, how walls can be painted with egg white, which will be so bright that you will be able to read newspapers — absolutely correctly calculated, strictly scientific results. The rigor of this result, which one obtains when one calculates back the current state of the earth, what creatures existed twenty million years ago, can be calculated, [there] is nothing refutable, nothing at all.
[ 46 ] Aber wer durchdrungen ist von den Methoden der Geisteswissenschaft, der weiß, dass die Rechnung zwar richtig, streng exakt ist, aber er weiß auch noch etwas anderes: dass dieses Resultat nach derselben Methode gewonnen ist, als wenn ich betrachte den Magen eines Menschen, und ich würde betrachten können, wie sich in acht Tagen die Leber verändert, wie sie sich verändert in vierzehn Tagen, in drei Jahren, in acht Jahren. Und daraus die Rechnung anstellte, wie nun Leber und Lunge nach zweihundert Jahren sein müssten. Die Rechnung wird ganz richtig sein, absolut richtig; aber dieser menschliche Leib wird wohl nach zweihundert Jahren nicht mehr leben; er stirbt nämlich vorher. Für den Leib erscheint es Ihnen sehr plausibel; für die Erde erscheint das Gegenteil plausibel, nämlich, dass man eine solche Rechnung anstellen kann. Man könnte sich auch fragen: wie verändern sich die Organe eines siebenjährigen Kindes; man rechnet zurück, man kriegt das Vorresultat vor vierzig Jahren. So kann man auch ausrechnen, wie die Erde in zwanzig Millionen Jahren sein wird und vor zwanzig Millionen Jahren war, aber sie war vor zwanzig Millionen Jahren ebenso wenig als Erde da, wie das Kind vor vierzig Jahren und nach zwanzig Milliarden Jahren wird die Erde ebenso wenig als Erde da sein; und die Beschreibung des Professors ist zwar exakt, nur stirbt die Erde früher. Über diese Dinge, die sich der naturwissenschaftlichen Beobachtung entziehen, kann allein die Geisteswissenschaft etwas aussagen, und sie findet, dass das Leben der Erde, so wie es jetzt ist, gewisse Naturgesetze zeigt, aber sie sind — hier muss die Geisteswissenschaft allerdings den Kantianismus noch über-Kanten. Kant blieb bei einer Halbheit stehen. Die Naturgesetze gelten bloß von Anfang der Erde bis zu ihren Ende, und wenn wir ausrechnen darüber hinaus, dann gelten unsere Gesetze nicht. Denn ebenso wie der menschliche Leib, der aus den physischen Vorbedingungen herausgeboren wird, sich mit einem Geistigen verbindet, so ist es mit der Erde, die von einem gewissen Zeitpunkt an rückwärts geistig war. Sie kam aus geistigen Vorbedingungen in die Welt des Sonnensystems. Was wir Naturgesetze nennen, ist lediglich an die Bedingungen des Zusammenseins der Erde mit den Sonnenbedingungen zu knüpfen; und wie der geistige Organismus des Menschen, wenn wir den Leib verlassen, ins Geistige geht, ebenso wahr entzieht sich die Erde dem Sonnenorganismus, nur dass der Mensch seinen Leib dem Irdischen übergibt, die Erde ihr Geistiges dem Geistesleben, dem dann die Menschenseelen angehören. Zu diesen Vorstellungen aufzurücken, ist möglich. Die Weltenrätsel ergeben sich, wenn man erweitert die Seelenrätsel richtig betrachtet.
[ 46 ] But anyone who is steeped in the methods of Spiritual Science knows that the calculation is correct, strictly exact, but they also know something else: that this result is obtained using the same method as if I were to observe a human stomach and could observe how the liver changes in eight days, how it changes in fourteen days, in three years, in eight years. And from this I calculated what the liver and lungs would be like after two hundred years. The calculation will be completely correct, absolutely correct; but this human body will probably no longer be alive after two hundred years; it will die before then. For the body, it seems very plausible to you; for the earth, the opposite seems plausible, namely that such a calculation can be made. One could also ask: how do the organs of a seven-year-old child change? One calculates backwards and gets the preliminary result forty years ago. In the same way, one can also calculate what the earth will be like in twenty million years and what it was like twenty million years ago, but twenty million years ago it was just as little there as earth as the child was forty years ago, and after twenty billion years the earth will be just as little there as earth; and the professor's description is accurate, only the earth dies earlier. About these things, which elude scientific observation, and it finds that life on Earth, as it is now, exhibits certain natural laws, but they are—here, Spiritual Science must go beyond Kantianism. Kant stopped at a halfway point. The laws of nature apply only from the beginning of the Earth to its end, and if we calculate beyond that, then our laws do not apply. For just as the human body, which is born out of physical preconditions, connects with a spiritual element, so it is with the Earth, which was spiritually backward from a certain point in time. It came into the world of the solar system from spiritual preconditions. What we call natural laws are merely linked to the conditions of the Earth's coexistence with the sun; and just as the spiritual organism of the human being enters the spiritual realm when we leave the body, so too does the Earth withdraw from the solar organism, except that the human being surrenders his body to the earthly realm, and the Earth surrenders its spiritual realm to the spiritual life, to which the human souls then belong. It is possible to advance to these mental images. The mysteries of the world arise when one correctly considers the mysteries of the soul in a broader context.
[ 47 ] Ich bin fest davon überzeugt: Mit diesem eben Angedeuteten steht man natürlich heute noch zum großen Teil allein da. Aber wenn man auch heute noch allein dasteht, so stand ja auch Kopernikus allein da und diejenigen, die etwas einzuwenden hatten gegen Kopernikus, haben das zum Teil eingewendet bis zum Jahre [1822]. Von derselben Kategorie sind die Einwendungen gegen die Geisteswissenschaft. Sie tritt heute gewiss unvollkommen in die menschliche Kultur ein; aber ich bin fest davon überzeugt, dass dasjenige, was als Geisteswissenschaft gesucht wird, gerade im richtigen deutschen Geistesleben fußt. Damit will ich nicht irgendetwas Chauvinistisches vorbringen und ich halte es nicht für irgendeinen Zufall, dass ein etwas tieferer Geist lange vor diesem Kriege selbst für die Physik glaubte, auf die ganze Bedeutung des inneren Nervs des deutschen Geisteslebens eingehen zu müssen. Eduard von Hartmann sagte einmal, in Bezug auf Physik scheint mir wichtig:
[ 47 ] I am firmly convinced that, with what I have just indicated, one still stands alone today, for the most part. But even if one still stands alone today, Copernicus also stood alone, and those who had objections to Copernicus continued to raise them in part until the year [1822]. The objections to Spiritual Science are of the same category. It certainly enters human culture today in an imperfect form, but I am firmly convinced that what is sought as Spiritual Science is based precisely on the right German spiritual life. I do not mean to put forward anything chauvinistic, and I do not consider it a coincidence that, long before this war, a somewhat deeper spirit believed that even physics had to respond to the whole significance of the inner nerve of German spiritual life. Eduard von Hartmann once said, with regard to physics, what seems important to me:
Es ist zu hoffen, dass die Irrwege bald als solche erkannt werden und der deutsche Geist der Anglomanie den Rücken kehren wird.
It is to be hoped that the errors will soon be recognized as such and that the German spirit of Anglomania will turn its back on them.
[ 48 ] Eduard von Hartmann ist ein Jahrzehnt vor dem Kriege gestorben. Ich freute mich, diese Worte bei ihm zu finden; denn der erste Aufsatz, den ich als junger Dachs geleistet habe, der behandelte den schädlichen Einfluss des englischen Materialismus auf das deutsche Geistesleben, und hatte die Aufgabe, das deutsche Geistesleben aufzurufen. Es gibt schon Geister in der deutschen Entwicklung, die von solchen Impulsen durchdrungen waren. Wie wunderbar tönen uns des Novalis’ Seherworte entgegen:
[ 48 ] Eduard von Hartmann died a decade before the war. I was delighted to find these words in his work, because the first essay I wrote as a young student dealt with the harmful influence of English materialism on German intellectual life and had the task of calling for a revival of German intellectual life. There are already minds in German development that were imbued with such impulses. How wonderful Novalis's prophetic words sound to us:
Wir werden erst Physiker werden, wenn wir imaginative Stoffe und Kräfte zu Maßstab der Naturstoffe und -kräfte machen.
We will only become physicists when we make imaginative substances and forces the measure of natural substances and forces.
[ 49 ] Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, sie kann erst heute gefunden werden. Wir stehen an ihrem Anfang; aber gerade die Sehnsucht darnach war gerade im deutschen Geistesleben immer da. Da muss angeknüpft werden. Deshalb ist es auch, dass wir in deutschen Geistesleben selbst da, wo die Betreffenden keine Forscher sind, ein Aufbäumen sehen gegen das, was so im Sinn des Dewars Anfang und Ende der Erdenentwicklung berechnet, die Kant-Laplace’sche Theorie als etwas gut Fundiertes hinstellt. Herman Grimm hat den schönen Ausspruch getan aus seinen Empfinden heraus. Aus seinem mit dem Geist verwandten Empfinden heraus wandte er sich gegen die Auslegung von Goethe, als ob er Anfang und Ende der Erde hätte vorstellen wollen, mit schönen Worten, die ihm heute verziehen werden, die künftige Wissenschaft rechtfertigen wird.
[ 49 ] Spiritual Science, as it is meant here, can only be found today. We are at its beginning; but the longing for it has always been there, especially in German intellectual life. We must build on that. That is why, even in German intellectual life, where those concerned are not researchers, we see a rebellion against what Dewar calculates to be the beginning and end of the Earth's development, presents the Kant-Laplace theory as something well-founded. Herman Grimm made a beautiful statement based on his feelings. Out of his spiritual sensibility, he turned against Goethe's interpretation, as if he had wanted to create a mental image of the beginning and end of the earth, with beautiful words that will be forgiven today and justified by future science.
Und längst hatte [...] die große Laplace-Kant’sche Phantasie von der Entstehung und dem einstigen Untergange der Erdkugel Platz. gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht, als erstarrende Kugel, in unfassbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit einbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen: ein langer, aber dem heutigen Publikum völlig begreiflicher Prozess, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens mehr bedürfe als die Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten.
Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg machte, wäre ein erfrischendes, appetitliches Stück im Vergleiche zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wissbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären, die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn aufwenden werden.
And long ago [...] the great Laplace-Kant fantasy of the origin and eventual demise of the globe had taken hold. From the rotating nebula—children already learn this in school—the central gas drop forms, which then becomes the Earth, and, as a solidifying sphere, goes through all phases, including the episode of habitation by the human race, in inconceivable periods of time, to finally fall back into the sun as burnt-out slag: a long, but one that is completely comprehensible to today's audience, for the realization of which no external intervention is now required other than the effort of some outside force to maintain the sun at the same heating temperature.
No more fruitless perspective for the future can be imagined than the one that is being imposed on us today as scientifically necessary. A carcass that a hungry dog would detour around would be a refreshing, appetizing morsel in comparison to this last excrement of creation, as which our earth would ultimately fall back to the sun, and it is the thirst for knowledge with which our generation accepts such things and believes them to be true, a sign of a sick imagination, which scholars of future epochs will once again apply much acumen to explain as a historical phenomenon of the times.
[ 50 ] Das, was Herman Grimm ahnt, wird die Geisteswissenschaft zur Wahrheit machen. Sie wird erkennen lassen, wie das, was man als exakte Forschung anerkennt, nichts anderes ist als der Ausfluss einer kranken Phantasie. Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, ist tief im deutschen Geistesleben drinnen veranlagt.
[ 50 ] What Herman Grimm suspects will be proven true by Spiritual Science. It will reveal how what is recognized as exact research is nothing more than the product of a sick imagination. Spiritual Science, as it is meant here, is deeply rooted in German intellectual life.
[ 51 ] Und zum Schluss lassen Sie mich nur, ich möchte sagen eine kleine Probe davon geben, wie diese Geisteswissenschaft im deutschen Geistesleben veranlagt ist. Sehen Sie, einer derjenigen, welche sich besonders verdient gemacht haben, so wie es damals möglich war zu vertiefen das Denken, sodass der ätherische, der imaginative menschliche Geist erkannt werden kann, ist der Sohn des großen Fichte, Immanuel Hermann Fichte. Dieser vertritt das, was wir Anthroposophie nennen; denn er sagt:
[ 51 ] And finally, let me just give you a small sample of how the Spiritual Science is predisposed in German intellectual life. You see, one of those who rendered outstanding services, as it was possible at that time to deepen thinking so that the etheric, imaginative human spirit could be recognized, is the son of the great Fichte, Immanuel Hermann Fichte. He represents what we call anthroposophy, for he says:
Das Sinnenbewusstsein dagegen und die auf seinem Ausgangspunkte entstehende Erscheinungswelt mit dem gesamten, auch menschlichen Sinnenleben, haben keine andere Bedeutung, als nur die Stätte zu sein, in welcher jenes übersinnliche Leben des Geistes sich vollzieht, indem er durch frei bewusste eigene Tat den jenseitigen Geistesgehalt der Ideen in die Sinneswelt einführt. [...] Diese gründliche Erfassung des Menschenwesens erhebt nunmehr die «Anthropologie»; in ihrem Endresultate zur «Anthroposophie».
Sensory consciousness, on the other hand, and the world of phenomena arising from its starting point, with the entire sensory life, including that of human beings, have no other meaning than to be the place where the supersensible life of the spirit takes place, introducing the otherworldly spiritual content of ideas into the sensory world through freely conscious action. [...] This thorough understanding of the human being now elevates “anthropology” to “anthroposophy” in its final result.
[ 52 ] So in den Vierzigerjahren das Suchen des deutschen Geistes nach der Anthroposophie.
[ 52 ] Thus, in the 1940s, the German spirit sought anthroposophy.
[ 53 ] Und ebenso spricht Troxler von dem übersinnlichen Leib oder Schema
[ 53 ] And Troxler likewise speaks of the supersensible body or schema
einen feinen, hehren Seelenleib unterschieden von dem gröberen Körper [...] eine Seele, die ein Bild des Leibes an sich habe, das sie Schema nannten, und das ihnen der innere, höhere Mensch war.
a fine, noble soul body distinct from the coarser body [...] a soul that had an image of the body itself, which they called the schema, and which was their inner, higher human being.
[ 54 ] — so Troxler 1827 in seinen Schriften über Seelenrätsel und Menschheitsrätsel.
[ 54 ] — according to Troxler in 1827 in his writings on the mysteries of the soul and the mysteries of humanity.
[ 55 ] Man steht durchaus in den schönsten Impulsen des deutschen Geisteslebens, wenn man versucht, diesen mehr oder weniger vergessenen Ton des tieferen Geisteslebens wieder zu beleben, aber so, dass er eigentlich etwas ganz Neues werden muss: aus einer Spekulation eine unmittelbare Erfahrung. Man braucht nicht zurückzuschrecken vor alle dem, was heute gegen die Geisteswissenschaft eingewendet wird. Einwendungen, die selbst von gut meinenden Menschen gemacht werden, sie gehen aus Unverstand hervor, so wie wenn vor einigen Jahren ein Mann, der glaubte, ein ernster Kritiker zu sein, meine Geisteswissenschaft damit treffen zu können, dass er sagt, er will mir eine Anzahl von Menschen zur Verfügung stellen, derer Charakter man auf geisteswissenschaftlicher Art erforschen soll. Die Veranstaltungen, die er verlangt, würden ausschalten die Methoden, die der Geistesforscher einschlagen muss. Die Dinge werden eben sehr eigentümlich beurteilt. Es wird besonders gesagt: Dasjenige, was geisteswissenschaftliches Resultat ist, von dem wird versichert, dass es eine Erfahrung ist. Dabei wird böswillig verschwiegen, dass nicht bloß das Erlebnis verlangt wird, nicht bloß das Denken verlangt wird für den Geistesforscher, welches ausreicht für die gewöhnliche Forschung, sondern dass verlangt wird ein höheres Denken. Wenn jemand von den Hypothesen spricht, muss man ihm erwidern: Man kann doch als gesunder Mensch /Lücke]. Aber nicht Herabminderung gesunder Vernunft wird verlangt, sondern Erhöhung derselben. So wird überall dasjenige, was als Geisteswissenschaft angegriffen wird leicht, nicht so angegriffen wie man heute dieses oder jenes angreift, sondern Geisteswissenschaft wird oft so angegriffen, dass man, weil man sich nicht einlassen kann auf die Angriffe, so wird von manchen anstelle des Eingehens in die wirkliche Geisteswissenschaft das gesetzt, was man dafür hält; und das ist ein Charakteristikon, dass persönliche Verunglimpfungen, Anzweifelungen der Wahrheitsliebe und so weiter an die Stelle des objektiven Kampfes gesetzt werden. Verunglimpfungen sind leichter in Umlauf zu bringen als das ernste Eingehen auf die Forschungsresultate der Geisteswissenschaft. Glauben Sie aber nicht, dass ich mit diesem heute meine, was mir unangenehm ist, ein Kampf; im Gegenteil, je mehr Widerlegungen erscheinen, aber im Stil sonstiger Widerlegungen, desto besser; je mehr solche Beurteilungen in denjenigen Grenzen sich halten, die der anständige Mensch einhält, sagen wir auf dem Gebiet der Literatur, desto besser.
[ 55 ] One is certainly in tune with the most beautiful impulses of German intellectual life when one attempts to revive this more or less forgotten tone of deeper intellectual life, but in such a way that it must actually become something completely new: from speculation to direct experience. One need not shy away from all that objections that are raised against Spiritual Science today. Objections, even those made by well-meaning people, arise from a lack of understanding, as when, a few years ago, a man who believed himself to be a serious critic thought he could strike a blow against my Spiritual Science by saying that he would provide me with a number of people whose characters I should investigate in a spiritual scientific manner. The events he demanded would rule out the methods that spiritual researchers must use. Things are judged in a very peculiar way. It is said in particular that the results of Spiritual Science are assured to be experiences. In doing so, it is maliciously concealed that it is not merely experience that is required, not merely thinking that is required of the spiritual researcher, which is sufficient for ordinary research, but that higher thinking is required. When someone speaks of hypotheses, one must reply: As a healthy person, one can [gap]. But it is not a reduction of healthy reason that is required, but an elevation of it. Thus, everywhere, what is attacked as Spiritual Science is not attacked in the way that this or that is attacked today, but Spiritual Science is often attacked in such a way that, because one cannot engage with the attacks, some people, instead of entering into real Spiritual Science, substitute what they think it is; and that is a characteristic feature that personal denigrations, doubts about the love of truth, and so on are substituted for objective struggle. Denigrations are easier to circulate than serious engagement with the research results of Spiritual Science. But do not think that by this I mean a struggle with what is unpleasant to me; on the contrary, the more refutations appear, but in the style of other refutations, the better; the more such judgments remain within the limits that decent people observe, say in the field of literature, the better.
[ 56 ] Und da will ich zum Schluss etwas herausheben. Mir hat einen großen Spaße gemacht, als ich einmal den «Simplicissimus» in die Hand bekam, wo von «Doktor [Schwätzer]» oder Ähnlichem die Rede war. Man konnte mit Fingern zeigen auf das, was von mir als Geisteswissenschaft getrieben wird; aber es war mit wirklichem Humor geschrieben. Ich liebe diese Erzählungen, wie ich auch die anderen Dinge nicht ungelesen lasse, sofern sie, selbst wenn sie Spott und Hohn sind, sich in den Grenzen halten, welche berechtigt sind in literarischem Verkehr — desto mehr werde ich verstehen, darauf einzugehen und desto mehr soll man darauf eingehen können, wahrhaftig, ob es ein anderer ist oder ich, wenn man lachen kann. Ich lache gerne mit und ich finde nicht, dass in solchen Dingen irgendetwas liegt, worüber man Zurückweisungen haben muss. Wie gesagt, mich hat die Sache sehr unterhalten; aber gegenüber sehr vielem anderen und namentlich gegenüber der allgemeinen Stimmung der Geisteswissenschaft gegenüber darf doch auch noch das erwähnt werden, dass es einem, insbesondere in der jetzigen schweren Zeit, als etwas Wichtiges erscheint, dass Verständnis dafür da sein könne, dass gerade aus den tiefsten Gründen des mitteleuropäischen Geisteslebens heraus Gefühl und Sinn für diese Geisteswissenschaft erwachsen müssten. Vieles von dem, was die Zukunft zu leisten haben wird, wird vielleicht in der Richtung sich beleben, dass durch Geisteswissenschaft wieder belebt wird ein verklungener Ton des deutschen Geisteslebens. Denn dieses wird gerade liegen in der richtigen vollen Ausgestaltung des Sinnes der Goethe’schen Naturanschauung, die elementar hinweist auf die Geisteswissenschaft, auf das, was in ihr veranlagt ist. Daher lassen Sie mich mit Veränderung eines Goethe-Wortes schließen, andeutend die Gesinnung der Geisteswissenschaft. «Betrachtung von Schillers Schädel». Goethe sollte sehen in der Form des Schädels den plastischen Abdruck des Geistes und in dieser Betrachtung prägt er die Worte:
[ 56 ] And I would like to emphasize something in conclusion. I was greatly amused when I once came across the Simplicissimus, which mentioned “Doctor [Schwätzer]” or something similar. One could point the finger at what I do as a Spiritual Science scholar, but it was written with real humor. I love these stories, just as I don't leave other things unread, provided that, even if they are mockery and scorn, they remain within the limits that are justified in literary communication — the more I understand how to respond to them, the more one should be able to respond to them, truly, whether it is someone else or me, if one can laugh. I like to laugh along, and I don't think there is anything in such things that one needs to reject. As I said, I found the matter very entertaining; but in contrast to many other things, and especially in contrast to the general attitude toward Spiritual Science, it should also be mentioned that, especially in these difficult times, it seems important to me that there could be an understanding that precisely from the deepest reasons of Central European spiritual life, feeling and sense for Spiritual Science must arise. Much of what the future will have to accomplish will perhaps take shape in the direction of a revival, through Spiritual Science, of a faded tone of German spiritual life. For this will lie precisely in the correct, full development of the meaning of Goethe's view of nature, which points elementarily to Spiritual Science, to what is inherent in it. Therefore, let me conclude with a modification of a quote from Goethe, suggesting the attitude of Spiritual Science. “Contemplation of Schiller's Skull.” Goethe saw in the shape of the skull the plastic imprint of the spirit, and in this contemplation he coined the words:
Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen,
Als dass sich Geist-Natur ihm offenbare?
Wie sie das Feste lässt zu Geist verrinnen,
Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre.
What more can man gain in life
Than for spirit-nature to reveal itself to him?
How it allows the solid to melt into spirit,
How it preserves what is spiritually created.
[ 57 ] Geisteswissenschaft sucht im Stofflichen das Wirken und Weben des Geistes; aber sie sucht auch den Geist in seiner Selbstständigkeit, in seiner Ewigkeit und Unsterblichkeit, als Menschenseele den Geist im Werden, den Geist als Löser der Seelen- und Weltenrätsel; Geisteswissenschaft sucht den Menschen mit der Gesinnung zu durchdringen und zur wissenschaftlichen Wahrheit zu machen das Wort:
[ 57 ] Spiritual Science seeks the workings and weavings of the spirit in the material world; but it also seeks the spirit in its independence, in its eternity and immortality, as the human soul, the spirit in becoming, the spirit as the solver of the riddles of the soul and the world; Spiritual Science seeks to permeate the human being with the conviction and to make the word scientific truth:
Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen
Als dass sich Geist-Natur ihm offenbare,
Wie sie zum Stoffe lässt den Geist zerrinnen,
wie sich der Geist im Stoffe selbst bewahre!
What more can man gain in life
Than that spirit-nature reveal itself to him,
How it lets spirit melt into matter,
How spirit preserves itself in matter!
