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Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a

4 June 1917, Hamburg

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Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und Menschlicher Lebenslauf. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse und Deren Betrachtung im Hinblick auf Unsere Schicksaltragende Zeit

Immortality of the Soul, Forces of Destiny, and the Human Life Course. Findings of Spiritual Science and their Consideration in Relation to our Fateful Times

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wer von dem Gesichtspunkte aus über Geisteswissenschaft spricht, von dem aus ich nun schon durch viele Jahre hier jeden Winter nach dem Herbst sprechen durfte, und der auch der heutigen Betrachtung zugrunde liegen soll, der muss sich bewusst sein, dass er in der gegenwärtigen Zeit noch vielen und manchen mannigfaltigen Vorurteilen gegenüber der Geisteswissenschaft sich entgegengestellt sehen muss. Und dies muss insbesondere dann der Fall sein, wenn die Betrachtung gehen will wie heute auf tiefste, bedeutsamste Menschenrätsel, allerdings Menschenrätsel, die auf der anderen Seite zusammenhängen mit demjenigen, was wiederum jedes Menschenherz, jeder Mensch hat als die Fragen seiner tiefsten Sehnsucht, [was jeder Mensch] als die Fragen seines tiefsten Lebensbedürfnisses empfindet. Die gegenwärtige wissenschaftliche Seelenkunde bietet insbesondere heute eine Anschauung dar, welcher eine Betrachtung, wie sie heute hier gepflogen werden soll, ich möchte sagen, so ungünstig wie möglich ist, indem gerade die wissenschaftliche Seelenkunde eine Richtung, eine Art und Weise angenommen hat, welche eigentlich — indem Sie natürlich ihren Weg verfolgen gar nicht dazu kommen [kann], über diese große bedeutsame Frage der Seelenunsterblichkeit, des menschlichen Schicksals, irgendwelche wissenschaftliche Betrachtungen anzustellen.

[ 1 ] Dear attendees! Anyone who speaks about Spiritual Science from the perspective that I have been privileged to speak from here every winter after autumn for many years now, and which will also form the basis of today's reflection, must be aware that in the present time, they will still have to face many and varied prejudices against Spiritual Science. And this must be the case in particular when the discussion, as today, is to deal with the deepest, most significant human mysteries, mysteries which, which, on the other hand, are connected with what every human heart, every human being has as the questions of their deepest longing, [what every human being] feels as the questions of their deepest life need. Contemporary scientific psychology, especially today, presents a view which, I would say, is as unfavorable as possible to a consideration such as the one we are going to engage in here today, in that scientific psychology has taken a direction, a course, which actually — by following its path, of course — cannot possibly lead to any scientific considerations of this great and significant question of the immortality of the soul, of human destiny.

[ 2 ] Lassen Sie mich einleitungsweise, meine sehr verehrten Anwesenden, darauf hinweisen, dass eigentlich die gebräuchliche wissenschaftliche Seelenkunde ganz und gar darin aufgeht, sich zu fragen: Wie entstehen aus Sinnesempfindungen Vorstellungen, wie verketten sich, dann verbinden sich und trennen sich in der menschlichen Seele die Vorstellungen, wie verbinden sich Gefühle wie Lust und Leid, wie die Aufmerksamkeit mit den Vorstellungen innerhalb des menschlichen Bewusstseins, wie gesellen sich zu den Vorstellungen die Willensimpulse hinzu und so weiter? Wie entwickelt sich das [Psychische] und dergleichen?

[ 2 ] Let me begin by pointing out, dear attendees, that conventional scientific psychology is entirely absorbed in asking itself: How do mental images arise from sensory perceptions, how do mental images link together, then connect and separate in the human soul, how do feelings such as pleasure and pain connect with mental images within human consciousness, how do impulses of will join with mental images, and so on? How does the [psychic] and the like develop?

[ 3 ] Nun hat einer der allerbedeutendsten, scharfsinnigsten deutschen Seelenforscher, der kürzlich verstorbene außergewöhnliche, hervorragende Franz Brentano, 1874 schon in seiner [«Psychologie vom empirischen Standpunkte»] einen sehr interessanten Ausspruch getan. Er sagte ungefähr: Was kann uns denn also diese Betrachtung von der Vergesellschaftung von Vorstellungen, von den Gegensätzen des [Psychischen], von dem Gegensatz wie Lust und Leid, und so weiter, sein, wenn wir heute in der Seelenbetrachtung nicht die Kräfte finden können, einigermaßen auch nur zu befriedigen die Hoffnung, die einst Platon und Aristoteles an die Seelenforschung geknüpft haben, [nämlich] zu erkennen, inwiefern die menschliche Seele nach dem Ablegen ihres sterblichen Teiles in eine andere Lebensform eingeht, mit anderen Worten, inwiefern man von einer Unsterblichkeit der Menschenseele und damit zusammenhängenden Fragen sprechen kann?

[ 3 ] Now, one of the most significant and astute German psychologists, the recently deceased, extraordinary, and outstanding Franz Brentano, made a very interesting statement in his [Psychology from an Empirical Standpoint]. He said something like: What good is this consideration of the socialization of mental images, of the opposites of the [psychic], of the opposites such as pleasure and pain, and so on, if we cannot find the forces in today's consideration of the soul to even somewhat satisfy the hope that Plato and Aristotle once attached to the study of the soul, [namely] to recognize the extent to which the human soul enters into another form of life after shedding its mortal part, in other words, to what extent one can speak of the immortality of the human soul and related questions?

[ 4 ] 1874 — es ist eine charakteristische Erscheinung —, hat dieser hervorragende Seelenforscher den ersten Band seiner Seelenkunde geschrieben, vier oder fünf Bände sollten es werden. Im Frühling 1874 erschien der erste Band. Für den Herbst war der zweite versprochen, in rascher Folge sollten die nächsten erscheinen, [aber] nichts ist mehr erschienen, nicht im Herbst der zweite, nicht im nächsten Jahr und nicht bis heute die folgenden Bände. Man [bekommt einen Eindruck], wenn man sich etwas in diesen ersten Band Brentanos menschlicher Seelenkunde vertieft, dass es trotz des streng naturwissenschaftlichen Standpunktes, den der Verfasser sich einzunehmen bemüht, Brentano vor allen Dingen darauf ankommt, gipfeln zu lassen zuletzt seine Betrachtung in der Anschauung der menschlichen Seelenunsterblichkeit und des Zusammenhanges des menschlichen Seelenwesens mit der gesamten geistigen Welt.

[ 4 ] In 1874 — and this is a characteristic phenomenon — this outstanding researcher of the soul wrote the first volume of his study of the soul, which was to comprise four or five volumes. The first volume appeared in the spring of 1874. The second was promised for the fall, with the next ones to follow in quick succession, [but] nothing more appeared, not the second in the fall, not the following year, and not the subsequent volumes to this day. One [gets the impression], when one delves a little deeper into this first volume of Brentano's human psychology, that despite the strictly scientific standpoint which the author endeavors to adopt, Brentano's primary concern is to culminate his observations in the view of the immortality of the human soul and the connection of the human soul with the entire spiritual world.

[ 5 ] Wer nun, von dem Gesichtspunkte ausgehend, welche die hier gemeinte Geisteswissenschaft in Bezug auf Seelenkunde einnehmen kann, an die Brentano-Betrachtung herangeht, der wird gewahr, wenn er sich intim beschäftigt mit dem einzigen erschienenen Band und mit dem, was dann in Folge Brentano später hat erscheinen lassen, dass Brentano wirklich aus einer inneren Notwendigkeit heraus die folgenden Bände gar nicht erscheinen lassen konnte, denn auch er hat nicht die Kraft finden können, das menschliche Forschen bis zu jenen Wegen zu bringen, in denen ergriffen werden kann das Geistige und der Zusammenhang der menschlichen Seele damit. Er hat das nicht gekonnt, Brentano, aus dem einfachen Grund, weil er nach den Denkgewohnheiten, nach den wissenschaftlichen Gewohnheiten der Gegenwart abgelehnt hat, zu dem aufzusteigen, von dem heute hier die Rede sein soll, weil er es abgelehnt hat, eigentliche Geisteswissenschaft in dem hier gemeinten Sinn zu treiben. Er hat damit praktisch den Beweis geliefert, dass die menschliche Seelenkunde zu den charakterisierten Menschenrätseln keine Stellung nehmen kann, wenn sie nicht aufsteigen will zu etwas Geisteswissenschaftlichem.

[ 5 ] Anyone who approaches Brentano's observations from the perspective that Spiritual Science can take with regard to psychology will realize, if they study the only published volume and what Brentano later published as a result, that Brentano really could not publish the following volumes out of an inner necessity, for he, too, was unable to find the strength to take human research to those paths where the spiritual and its connection with the human soul can be grasped. Brentano was unable to do this for the simple reason that, in accordance with the habits of thought and the scientific habits of the present, he refused to ascend to what we are going to talk about here today, because he refused to pursue true Spiritual Science in the sense meant here. He thus provided practical proof that human psychology cannot take a position on the human mysteries characterized here if it does not want to ascend to something from Spiritual Science.

[ 6 ] Jeder der verehrten Zuhörer, die seit Jahren diese Vorträge hier anhören, Sie werden wissen, dass ich es vermeide, irgendwie aus der objektiven Betrachtung herauszurücken und auf Persönliches zu kommen, es möge mir aber gestattet sein, dass ich heute gewissermaßen ausnahmsweise in der Einleitung zu unserer Betrachtung etwas Persönliches erwähne, das aber zugleich eine durch und durch sachliche Bedeutung hat.

[ 6 ] All of you, dear listeners, who have been listening to these lectures here for years, will know that I avoid straying from objective observation and becoming personal, but allow me today, as a kind of exception, to mention something personal in the introduction to our discussion, which at the same time has a thoroughly objective significance.

[ 7 ] Es ist jetzt 36 Jahre her, als ich begann, dass ich die ersten Bausteine zu demjenigen legte, was ich heute als geisteswissenschaftliche Vorträge und in meinen Schriften ausgeführt habe. Dazumal, als ich die ersten Bausteine vor mehr als drei Jahrzehnten zusammentrug, da fiel mir während des Forschens nach den Seelenrätseln des Menschen, [da fiel mir] in einem Aufsatz des sehr bedeutenden Deutsch-Österreichers Vischer — den man den «V-Vischer» nennt, der auch ein grundsätzlich tiefgehender Philosoph war —, in einem Aufsatz, den er geschrieben hat über das schöne Buch über «Die Traum-Phantasie», eine Sache so auf, dass ich sagen möchte: Blitzartig schlug das in mein damaliges Denken ein. Das war der Satz, wo Vischer, der nachsinnende Philosoph mit dem scharfen energischen Denken, auf das Wesen der menschlichen Seele kurz zu sprechen kommt. Und der Satz lautet: «Das innerste übersinnliche Wesen der menschlichen Seele», so sagte er, «kann nicht im Leib des Menschen lokalisiert sein, es kann aber jedenfalls auch nicht außerhalb des menschlichen Leibes sein.»

[ 7 ] It is now 36 years since I began to lay the first building blocks for what I have now developed in my lectures on Spiritual Science and in my writings. Back then, when I was gathering the first building blocks more than three decades ago, while researching the mysteries of the human soul, [it occurred to me] in an essay by the very important German-Austrian Vischer — who is called “V-Vischer” and who was also a fundamentally profound philosopher — in an essay he wrote about the beautiful book on “Die Traum-Phantasie” (The Dream Fantasy), something that I would like to say: It struck me like a bolt of lightning at that time. It was the sentence in which Vischer, the contemplative philosopher with his sharp, energetic mind, briefly touches on the essence of the human soul. And the sentence reads: “The innermost supersensible essence of the human soul,” he said, “cannot be located in the human body, but it certainly cannot be outside the human body either.”

[ 8 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, hier sehen Sie einen wissenschaftlichen Menschen, einen wissenschaftlich gründlichen Menschen, einen ehrlichen Denker ringen mit einem höchsten Rätsel. Und [Forschende] kommen da zu nichts anderem — Sie müssen es zugeben, indem ich Ihnen den Satz Vischers anführe — als zu einem vollkommenen Widerspruch. Man müht sich ab und kommt zu einem vollkommenen Widerspruch, indem man sagt, die menschliche Seele kann jedenfalls nicht im menschlichen Leib sein, [aber auch nicht anders als im Leib] sein. Wo [könnte] sie denn dann sein, könnte man trivial fragen. Ich sagte mir damals: Das ist eine derjenigen Fragen — und wir könnten, wenn wir solche Fragen anführen würden, sie zu Hunderten und Hunderten anführen —, bei welcher sehr, sehr viele ernste forschende Menschen stehen bleiben und sagen: Hier sind Grenzen des menschlichen Erkennens, hierüber kann das menschliche Erkennen nicht hinaus, da muss man stehen bleiben.

[ 8 ] Well, ladies and gentlemen, here you see a scientific man, a scientifically thorough man, an honest thinker wrestling with a supreme mystery. And [researchers] come to no other conclusion — you must admit, when I quote Vischer's sentence to you — than a complete contradiction. One struggles and comes to a complete contradiction by saying that the human soul cannot be in the human body, [but also cannot be anywhere else but in the body]. Where [could] it be then, one might ask trivially. I said to myself at the time: This is one of those questions — and we could cite hundreds and hundreds of such questions — at which very, very many serious researchers pause and say: Here are the limits of human knowledge; human knowledge cannot go beyond this; we must pause here.

[ 9 ] Ich möchte, verzeihen Sie, die gewöhnliche Bemerkung fortsetzen. Ich verfasste dazumal einen ersten, [man] kann sagen wissenschaftlichen Aufsatz, der gerade von solch einer Frage ausgeht, und ich schickte ihn an Vischer, der damals liebenswürdig einging auf die Sache und wirklich fand, dass einer der Hauptpunkte, [auf die eingegangen werden müsste], in jenem kleinen Aufsatz von mir bezeichnet war. Nur starb Vischer sehr bald- und ich hatte das Gefühl, das wäre einer derjenigen gewesen, noch herausgeboren aus den großen Überlieferungen der Weltanschauungen des neunzehnten Jahrhunderts, der die Anknüpfungspunkte zu der neueren Geisteswissenschaft noch hätte finden können, denn immer mehr und mehr entfernte sich im Grunde das menschliche Denken, das sonst auf anderen Gebieten so Großes, so Gewaltiges bis in die Gegenwart herein geleistet hat, von denjenigen Strömungen, die notwendig sind, um Stellung nehmen zu können zu den angedeuteten Rätseln.

[ 9 ] I would like to continue with the usual remark, if you will excuse me. At that time, I wrote a first, one might say scientific, essay that starts from just such a question, and I sent it to Vischer, who was kind enough to respond to the matter and really found that one of the main points [that needed to be addressed] was indicated in my little essay. But Vischer died very soon after—and I had the feeling that that he was one of those who, born out of the great traditions of nineteenth-century worldviews, could still have found the points of connection to the newer Spiritual Science, for human thinking, which had otherwise achieved such great and powerful things in other fields up to the present, was increasingly distancing itself from those currents that are necessary in order to take a stand on the mysteries indicated.

[ 10 ] Vischer, der sich im wissenschaftlichen Sinne an solche Fragen heranringt und sie nun nicht so betrachtet wie theoretische Fragen, sondern sie aufnimmt in sein Bewusstsein und mit ihnen ringt, der findet gerade an diesem Punkte, wo zunächst das gewöhnliche menschliche Denken wie an eine unübersteigliche Grenze kommt, der findet gerade da die Ausgangspunkte für das Erforschen des geistigen Lebens und des Lebens der Menschenseele darinnen. Diese Aussprüche zu erhärten, wird im Eigentlichen die Aufgabe der Betrachtung des heutigen Abends sein.

[ 10 ] Vischer, who approaches such questions in a scientific sense and does not regard them as theoretical questions, but takes them into his consciousness and wrestles with them, finds precisely at this point, where ordinary human thinking initially comes to what seems like an insurmountable barrier, finds precisely there the starting points for exploring spiritual life and the life of human beings . To substantiate these statements will actually be the task of this evening's consideration.

[ 11 ] Ich möchte nur anknüpfen an die Frage: Was muss eigentlich eine Geisteswissenschaft mit Bezug auf die menschliche Seele anstreben, wenn sie ganz im Sinne strengster wissenschaftlicher Betrachtung der heutigen Zeit gehalten sein will? Ich habe es vorher auch hier betont: Diejenige Geisteswissenschaft, die ich hier meine, ist nicht eine Gegnerin der Naturwissenschaft unserer Zeit, sondern im Gegenteil, sie ist gerade eine geistige Richtung, welche voll anerkennt die großen Fortschritte der Naturwissenschaft in den letzten Jahrhunderten und insbesondere in der neueren Zeit, welche anerkennt die tief eingreifende Bedeutung der Naturwissenschaft in das Leben, und welche daher in der naturwissenschaftlichen Betrachtung überhaupt das Musterbild einer jeglichen wissenschaftlichen Betrachtung sehen muss. Daher will diese Geisteswissenschaft in keinem Punkte mit der Naturwissenschaft in irgendeinen Widerspruch kommen, sie muss sich aber allein vorbehalten, dass die Erforschung des geistigen Gebietes gerade dann, wenn man so streng sein will wie die Naturwissenschaft auf ihrem Gebiet, dass sie dann andere Wege und Methoden einschlagen muss als die Naturwissenschaft.

[ 11 ] I would just like to follow up on the question: What must Spiritual Science actually strive for in relation to the human soul if it wants to be kept entirely in line with the strictest scientific considerations of the present day? I have emphasized this before: The Spiritual Science I am referring to here is not opposed to the natural sciences of our time. On the contrary, it is a spiritual direction that fully recognizes the great advances made by the natural sciences in recent centuries, and especially in modern times, that recognizes the profound significance of the natural sciences in life, and that therefore must see in the scientific approach the model for all scientific observation. For this reason, this spiritual science ist science does not in any way contradict natural science, but it must reserve for itself the right to explore the spiritual realm in a manner that is as rigorous as natural science in its own realm, which means that it must take different paths and methods than natural science.

[ 12 ] Nun hat die Naturwissenschaft Großes, Bedeutsames zutage gefördert, auch auf einem Gebiete, das grundverwandt ist demjenigen, von dem heute die Rede hier sein soll. Diese Naturwissenschaft hat es nämlich zustande gebracht, in einer heute schon sehr bedeutsamen Weise das Verhältnis zu erforschen zwischen dem auf- und abwogenden menschlichen Seelenleben vom Aufwachen bis zum Einschlafen und den leiblich-körperlichen Vorgängen und den Organen des Menschen.

[ 12 ] Now, natural science has brought to light great and significant things, even in a field that is fundamentally related to the one we are discussing here today. Natural science has succeeded in researching, in a way that is already very significant today, the relationship between the fluctuating human soul life from waking to falling asleep and the physical processes and organs of the human being.

[ 13 ] Wie können wir dann unser Seelenleben zügeln? Wir können es, indem es sich entwickelt in Denken, Fühlen und Wollen. Die Vorstellungen treten auf, klären uns über die Welt und uns selbst auf, [treten an uns als Impulse heran], Gefühle wogen in uns auf und ab, Willensimpulse durchsetzen dieses Seelenleben; so erleben wir es vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Der Naturwissenschaftsforscher legt sich die Frage vor: Welches ist das Verhältnis dieses auf- und abwogenden Seelenlebens zu dem, was man im menschlichen Organismus, im menschlichen Leib — und der Naturwissenschaftsforscher verfährt ja heute noch einseitig —, was man, sagt er, im menschlichen Nervensystem vor sich hat, im menschlichen Nervensystem und Sinnessystem vor sich hat?

[ 13 ] How, then, can we control our soul life? We can do so by developing it in thinking, feeling, and willing. Mental images arise, enlightening us about the world and ourselves, [approaching us as impulses], feelings surge up and down within us, impulses of the will permeate this soul life; this is how we experience it from waking up to falling asleep. The natural scientist asks himself the question: What is the relationship between this ebbing and flowing soul life and what one finds in the human organism, in the human body — and the natural scientist still proceeds one-sidedly today — what one finds, he says, in the human nervous system, in the human nervous system and sensory system?

[ 14 ] Und man kann ja allerdings durchaus zugeben, dass vielleicht das Allerwichtigste auf diesem Gebiet auch auf naturwissenschaftlichem Feld noch zu tun ist, aber der Anlauf, den die Naturwissenschaft getan hat, um zu zeigen, welche Bedingungen im menschlichen leiblichen Organismus vorliegen, was da geschieht im menschlichen Organismus, während unser Seelenleben abläuft, dieser Anlauf, den die Naturwissenschaft gemacht hat, stellt heute schon etwas Großartiges dar. Darauf [sei] nur hingewiesen. [Und] dieser Anlauf verspricht, dass in vielleicht gar nicht ferner Zeit noch ungeheuer Bedeutungsvolles gerade auf diesem Gebiet des naturwissenschaftlichen Forschens geschehen werde.

[ 14 ] And one can certainly admit that perhaps the most important work in this field still remains to be done in the natural sciences, but the attempt made by natural science to show what conditions exist in the human physical organism, what happens in the human organism while our soul life is going on, this attempt that natural science has made already represents something magnificent today. This [should] pointed out. [And] this attempt promises that in the not too distant future, something tremendously significant will happen in this very field of scientific research.

[ 15 ] Was kommt auf diesem Gebiet des Forschens eigentlich zutage? Es kommt da zutage, welches Verhältnis besteht zwischen unserem Seelenleben, wie wir es zwischen Geburt oder Empfängnis und dem Tod erleben, [und] den körperlichen, den leiblichen Verrichtungen; es kommt das Verhältnis zutage zwischen unserem Seelenleben und dem Vergänglichen in uns, dem Leibesleben, jenem Leben, das von uns abfällt, wenn wir durch die Pforte [des Todes] gehen.

[ 15 ] What is actually coming to light in this field of research? What is coming to light is the relationship between our soul life, as we experience it between birth or conception and death, [and] our physical, bodily functions; what is coming to light is the relationship between our soul life and the transitory in us, our bodily life, that life which falls away from us when we pass through the gate [of death].

[ 16 ] Will Geisteswissenschaft eine wirkliche Wissenschaft sein, so muss sie gewissermaßen den anderen Weg gehen; so wie die Naturwissenschaft auf der einen Seite das Seelenleben nimmt und die Brücke baut zu dem vergänglichen Leibesleben hin, so muss Geisteswissenschaft den Versuch machen, die Brücke zu bauen von dem Seelenleben, wie wir es in dieser Erfahrung vor uns haben, zu dem Geistigen hin.

[ 16 ] If Spiritual Science is to be a true science, it must, in a sense, take the other path; just as natural science takes the life of the soul on the one hand and builds a bridge to the transitory life of the body, so Spiritual Science must attempt to build a bridge from the life of the soul, as we have it before us in this experience, to the spiritual.

[ 17 ] Da treten einem aber sogleich die Bedenken entgegen, die durchaus begreiflichen Bedenken entgegen, welche aus den denk- und wissenschaftlichen Gewohnheiten unserer Zeit entstehen. Auch bedeutende Seelenforscher des neunzehnten Jahrhunderts — und bis in unsere Zeit herein —, sie haben die vollkommensten Bedenken sozusagen geäußert gegen eine wirkliche Beobachtung des menschlichen Seelenlebens, gegen die Möglichkeit, dahinterzukommen, was eigentlich geistig in dem menschlichen Seelenleben drinnensteckt.

[ 17 ] But then we are immediately confronted with reservations, perfectly understandable reservations, which arise from the intellectual and scientific habits of our time. Even eminent researchers of the soul in the nineteenth century — and up to the present day — have expressed the most profound reservations, so to speak, against any real observation of human soul life, against the possibility of discovering what is actually contained spiritually in human soul life.

[ 18 ] Ich könnte Ihnen anführen eine große Anzahl von Beispielen. Ich möchte eines anführen, weil besonders charakteristisch. [Ich möchte] anführen die Bedenken, die Eduard von Hartmann, der Philosoph des Unbewussten, der geisteswissenschaftlich die mannigfaltigen Beziehungen auch des menschlichen Seelenlebens wie die Geheimnisse der Welt übersinnlich zu durchfühlen versuchte, ich werde anführen, was er kurz vor seinem Tod im Beginne unseres Jahrhunderts in seinem Grundriss der Seelenkunde gegen die Möglichkeit geltend gemacht hat, das menschlichen Seelenleben wirklich zu beobachten. Er verzweifelt gewissermaßen an der Möglichkeit der Beobachtung des menschlichen Seelenlebens. Und wie rechtfertigt er dieses?

[ 18 ] I could cite a large number of examples. I would like to cite one because it is particularly characteristic. [I would like to] cite the reservations expressed by Eduard von Hartmann, the philosopher of the unconscious, who attempted to understand the manifold relationships of human life and the mysteries of the world through Spiritual Science, I will cite what he argued shortly before his death at the beginning of our century in his Grundriss der Seelenkunde (Outline of Psychology) against the possibility of truly observing human soul life. He despairs, as it were, of the possibility of observing human soul life. And how does he justify this?

[ 19 ] Er sagt, dass, indem wir das Seelenleben beobachten wollen, wir [gar] nicht dazu kommen können, [das Seelenleben zu beobachten], denn [sobald] wir anfangen [wollen], es zu beobachten, stören wir gleich das Seelenleben, sodass wir es nicht beobachten können. Wir können also nicht zu einer Beobachtung des Seelenlebens kommen. Er sagt, nehmen wir an, der Mensch wolle zarte Gefühle beobachten, er beginnt zu beobachten, aber indem er sich anstrengt, sie zu beobachten, da sind sie fort.

[ 19 ] He says that by wanting to observe the life of the soul, we cannot [even] begin to [observe the life of the soul], because [as soon as] we begin [to want] to observe it, we immediately disturb the life of the soul, so that we cannot observe it. We cannot, therefore, come to an observation of the life of the soul. He says, suppose a person wants to observe tender feelings, he begins to observe, but by striving to observe them, they are gone.

[ 20 ] Also gerade die Beobachtung treibt dasjenige weg, was man beobachten will.

[ 20 ] So it is precisely observation that drives away what one wants to observe.

[ 21 ] So sagt er weiter: Man erinnert sich, wie ein körperlicher Schmerz stärker wird, wenn man ihn beobachten will — besonders Hysteriker [zeigen das bei jeder] Gelegenheit, [wissen wohl Bescheid in solchen Dingen] —, dann besteht die Stärke ihres Schmerzes gerade darin, dass sie mit den Gedanken von dem Schmerz nicht loskommen; bloß ist es die Beobachtung, die dasjenige fälscht, was man beobachten will. Ein anderes Beispiel führt er an: Man nehme an, jemand habe etwas auswendig gelernt und wolle dies hersagen, und wolle sich nun beobachten, wie er es tue, er wird ganz sicher ins Stocken kommen, und nicht weiterkommen können. Also: Will man beobachten, wie die Seele Memoriertes aufsagt, so vertreibt man das Gedicht selbst.

[ 21 ] He goes on to say: We remember how physical pain becomes stronger when we want to observe it — hysterical people in particular [demonstrate this at every] opportunity, [knowing all about such things] — the intensity of their pain lies precisely in the fact that they cannot get their minds off the pain; but it is the observation that distorts what one wants to observe. He gives another example: suppose someone has memorized something and wants to recite it, and now wants to observe himself doing so, he will most certainly falter and be unable to continue. So, if one wants to observe how the soul recites what it has memorized, one drives away the poem itself.

[ 22 ] Und so meint Hartmann, könne man das Ich nicht beobachten, weil man durch die Beobachtung dasjenige vertreibt, was man beobachten will.

[ 22 ] And so, Hartmann believes, one cannot observe the self, because through observation one drives away what one wants to observe.

[ 23 ] Es ist das einer von denjenigen Einwänden, welcher zu dem im menschlichen Geiste gehört, was ungemein einleuchtend ist, und es ist ja einer der Gründe, warum man Geisteswissenschaft so leicht gegnerisch ansehen kann, dass die Einwände eigentlich zu dem Einleuchtendsten gehören, was aufzubringen ist in der menschlichen Seele. Man könnte dann einleuchtender zeigen all das, was Hartmann anführt.

[ 23 ] This is one of those objections that belongs to the human mind, which is extremely plausible, and it is one of the reasons why Spiritual Science can so easily be viewed with hostility, because the objections are actually among the most plausible that can be raised in the human soul. One could then demonstrate more clearly everything that Hartmann argues.

[ 24 ] Aber nehmen Sie den Gedanken nur einmal von der Forschungs-Ecke aus. Denken Sie, die Naturwissenschaftsforschung hätte sich diesen Einwand gemacht: Wir können nicht das Seelenleben beobachten, also müssen wir verzichten, [danach] zu suchen, wie Gefühle im menschlichen Leib ihre Bedeutung haben. — Sie haben sich [aber gar] nicht stören lassen, trotzdem für sie [natürlich] auch das gilt, dass — wenn man an dasjenige herangeht, was man beobachten will — man es vertreibt. Das heißt, man hat auf dem Gebiet der Seelenkunde noch nicht den Mut [und die Kraft] gefunden, wirklich so vorzugehen wie die Naturwissenschaft auf ihrem Gebiet.

[ 24 ]But just take the idea out of the research corner for a moment. Imagine that scientific research had made this objection: We cannot observe the life of the soul, so we must refrain from searching for how feelings have meaning in the human body. — They have not allowed themselves to be disturbed [at all], even though it is [of course] also true for them that — when one approaches what one wants to observe — one drives it away. This means that in the field of psychology, we have not yet found the courage [and the strength] to really proceed in the same way as natural science does in its field.

[ 25 ] Nun muss man allerdings, wenn man gerade mit Bezug auf die heute aufzuwerfende Frage geisteswissenschaftlich an die Menschenseele herangeht, sich vor allen Dingen klar sein, wie die Frage zu stellen ist, [wie man da herankommt], irgendein Wissen zu erreichen davon, dass etwas im Menschen ist, das dableibt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, das nicht zugrunde gehen kann mit dem Tod, das in irgendeiner Form weitergehen wird. [...] Denn nehmen Sie an, man würde so etwas wissen, so könnte solches gesagt werden. Aber man weiß nichts über das innere Wesen desjenigen, was da fortlebt, nichts [über] das innere Wesen [...] [Lücke]. Was will [der Mensch] denn eigentlich wissen, wenn er an die Frage herantritt. Er will wissen, ob Bewusstsein über den Tod hinaus möglich ist, sich erhält, ob die menschliche Seele fähig ist, ein Bewusstsein zu entwickeln, das unabhängig werden kann vom menschlichen Leib, das daher fortdauern muss, wenn der menschliche Leib den Elementen der Erde übergeben wird. Das muss die eigentliche Frage sein.

[ 25 ] Now, however, when approaching the human soul from a Spiritual Science perspective, particularly in relation to the question to be raised today, it is necessary above all to be clear about how the question should be posed, [how to approach it], to gain any knowledge of the fact that there is something in human beings that remains after they have passed through the gate of death, that cannot perish with death, that will continue in some form. [...] For suppose one knew such a thing, then one could say so. But one knows nothing about the inner nature of that which lives on, nothing [about] the inner nature [...] [gap]. What does [the human being] actually want to know when he approaches the question? He wants to know whether consciousness is possible beyond death, whether it is preserved, whether the human soul is capable of developing a consciousness that can become independent of the human body, which must therefore continue when the human body is surrendered to the elements of the earth. That must be the real question.

[ 26 ] Zuerst muss man sich über die Fragestellung selbst im Klaren sein. Aus diesem Grunde, meine sehr verehrten Anwesenden, habe ich diese ganze Frage in meinen vielen Schriften — und zuletzt besonders deutlich in meiner letzterschienenen Schrift «Vom Menschenrätsel» — versucht, die Frage von diesem Bewusstsein vor den Menschen einmal zu stellen. All diejenige Forschung, die ich nun seit mehr als drei Jahrzehnten gepflogen habe, sie knüpft im Grunde [genommen] an an die Weltanschauung Goethes. Aber ich darf dabei natürlich sagen — indem ich spreche von der Weltanschauung Goethes —, dass der Philosoph Herbart 1827, als er seine Philosophie geschrieben hat, sich einen Kantianer genannt hat, aber einen Kantianer vom Jahr 1827, und so darf man sich vielleicht auch heute, wenn man eine Geisteswissenschaft im Goethe’schen Sinne vertritt, nennen nicht einen Goetheaner in den Jahren, in denen Goethe gelebt hat, sondern einen Goetheaner des zwanzigsten Jahrhunderts. Fortgebildet durch die innere Kraft des Geisteslebens muss da Goethes Weltanschauung [sein], dann werden in [ihr] wachsen die weitergehenden Fragen, die wir gerade in unserer Zeit aufwerfen müssen aus dem tiefsten Schicksalsbedürfnis der gleichsam auch seit Goethe fortgeschrittenen Menschheit.

[ 26 ] First, one must be clear about the question itself. For this reason, ladies and gentlemen, I have attempted to pose this question to human beings in my many writings — most recently and particularly clearly in my latest publication “The Riddle of Man” — to pose the question of this consciousness before human beings. All the research I have been conducting for more than three decades is basically linked to Goethe's worldview. But I must of course say — when I speak of Goethe's worldview — that when the philosopher Herbart wrote his philosophy in 1827, he called himself a Kantian, but a Kantian of 1827, and so perhaps today, too, if one represents a Spiritual Science in Goethe's sense, one may call oneself not a Goethean of the years in which Goethe lived, but a Goethean of the twentieth century. Goethe's worldview must be further developed through the inner power of spiritual life, then the more far-reaching questions that we must raise in our time will grow out of it, out of the deepest need of destiny of humanity, which has also progressed since Goethe's time.

[ 27 ] Nun habe ich durch einen Vergleich — immer mit den nötigen Einschränkungen gemeint — in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» klarzumachen versucht, wie die Bewusstseinsfrage anzufassen ist. Wie gesagt, es soll nur zunächst ein Vergleich sein, ich werde nachher über das genauer sprechen. Ich sagte, wenn der Mensch im Traume ist, so hat er Bilder eines chaotischen Traumerlebens vor sich. Wir wissen, dass diese Erlebnisse durch das menschliche Innere, das organisch Leibliche, menschliche Innere aufsteigen, aber ihre Veranlassung haben durch dasjenige, was einen äußeren Eindruck macht, aber nicht bis zur Sinnesempfindung kommen kann.

[ 27 ] Now, through a comparison — always with the necessary restrictions — I have tried to clarify in my book “The Mystery of Man” how the question of consciousness should be approached. As I said, it is only meant to be a comparison for now, I will talk about this in more detail later. I said that when a person is dreaming, they have images of a chaotic dream experience before them. We know that these experiences arise from the human inner being, the organic physical, human inner being, but they are caused by what makes an external impression but cannot reach the level of sensory perception.

[ 28 ] Die Bilder steigen auf. [Der Mensch] lebt [im Traum] in einer Bilderwelt, die er für eine Wirklichkeit hält, Vorstellungen fluten auf und ab, die der Mensch für eine Wirklichkeit im Traum hält, wie er im wachen Leben die äußere Welt für eine Wirklichkeit hält. Allein, wenn der Mensch aufwacht, da fluten ebensolche Bilder auf und ab wie im Traume, aber der Unterschied ist der eine, dass der Mensch, indem er aufgewacht ist, in Verbindung gebracht sein will, [dass] sein ganzes Seelenleben mit demjenigen [in Verbindung gebracht sein will], was ihn als äußere Wirklichkeit umgibt. Dadurch sind nicht nur Bilder in seiner Seele bei dem Wachwerden wie im Traume, die aus dem Organischen des eigenen Inneren aufsteigen, sondern es fluten Bilder auf als Vorstellungen, welche durchaus im Einklang stehen — durch die Verbindung, die der menschliche Wille mit der äußeren physisch-sinnlichen Wirklichkeit hat —, mit dieser Wirklichkeit; der Mensch tritt aus sich heraus, er tritt in Einklang [mit der physisch-sinnlichen Wirklichkeit], mit der äußeren Wirklichkeit.

[ 28 ] The images arise. [The person] lives [in the dream] in a world of images that they consider to be reality; mental images flood in and out, which the person considers to be reality in the dream, just as they consider the external world to be reality in waking life. However, when the person wakes up, the same images flood in and out as in the dream, but the difference is that the person, , having awakened, wants to be connected, [that] his entire soul life wants to be connected with that which surrounds him as external reality. As a result, when he awakens, there are not only images in his soul, as in a dream, that rise from the organic nature of his own inner being, but mental images flood in as ideas that are entirely in harmony — through the connection that the human will has with external physical-sensory reality — with this reality; the human being steps out of himself, he enters into harmony [with physical-sensory reality], with external reality.

[ 29 ] Heraklit hat diese wunderbaren Worte gesagt, um zu charakterisieren, wie sich die wache Welt unterscheidet von der Traumwelt. [Heraklit hat gesagt: Im Traum-Schlaf hat jeder Mensch seine eigene Welt], wir können mit noch so vielen Menschen zusammen sein; das, was durch die Traumwelt wogt, braucht nichts zu tun haben mit der Welt der anderen. Sobald [sie] aufwachen, [haben sie] eine gemeinsame Welt, damit ausdrückend, dass der Mensch [aus] seiner Willenskraft heraus die Verbindung herstellt mit der verbindenden Welt.

[ 29 ] Heraclitus said these wonderful words to characterize how the waking world differs from the dream world. [Heraclitus said: In dream sleep, every human being has their own world], we can be with as many people as we like; what surges through the dream world need not have anything to do with the world of others. As soon as [they] wake up, [they] have a common world, expressing that human beings [from] their willpower establish the connection with the connecting world.

[ 30 ] Gerade so nun, zeige ich, wie der Mensch aufwachen kann aus der Traumwelt in die Welt des gewöhnlichen Wachbewusstseins, so kann, indem darauf eine völlige Strenge der Besonnenheit [herrscht], ein Aufwachen stattfinden von dem gewöhnlichen Alltagsbewusstsein zu dem, was ich in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» — wissenschaftlich anknüpfend an den Goethe’schen Ausdruck «anschauende Urteilskraft» — das «schauende Bewusstsein» genannt habe. So, wie der Mensch, aufwachend aus dem Traume, [mit seiner] Seelenkraft in Verbindung bleibt mit der physischen Wirklichkeit, so bleibt der Mensch — aufwachend aus demjenigen Bewusstsein, das ihm spiegelt die äußere physisch-sinnliche Wirklichkeit — im schauenden Bewusstsein [mit] einer höheren Welt [verbunden], die nun eine höhere Wirklichkeit ist; sodass es sich darum handelt, die wissenschaftliche Möglichkeit darzustellen eines besonderen schauenden Bewusstseins. Dieses schauende Bewusstsein, bei ihm kommt es darauf an, dass wir nun nicht bloß wie im Wachbewusstsein unabhängig werden von unserem bloß inneren organischen Leben, sondern unabhängig werden auch von all denjenigen Bedingungen des Leibes, denen wir noch unterworfen sind, wenn wir der gewöhnlichen physisch-sinnlichen Welt im tagwachen Bewusstsein gegenüberstehen. Dieses schauende Bewusstsein auszubilden und es anzuwenden in wissenschaftlicher Forschung, das ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft.

[ 30 ] Just as I show how people can wake up from the dream world into the world of ordinary waking consciousness, so, by exercising complete prudence, a waking up can take place from ordinary everyday consciousness to what I have called in my book “The Riddle of Man” — scientifically following Goethe's expression “perceptive judgment,” I have called “perceptive consciousness.” Just as a person, awakening from a dream, remains connected to physical reality through the power of their soul, so too does a person — awakening from the consciousness that reflects the external physical-sensory reality — remain connected in perceptive consciousness [with] a higher world [connected], which is now a higher reality; so that it is a matter of presenting the scientific possibility of a special seeing consciousness. This seeing consciousness depends on our becoming independent not only of our mere inner organic life, as in waking consciousness, but also of all those conditions of the body to which we are still subject when we face the ordinary physical-sensory world in waking consciousness. To develop this contemplative consciousness and apply it in scientific research is the task of Spiritual Science.

[ 31 ] Dieses schauende Bewusstsein ist nicht irgendetwas Phantastisches, nicht irgendetwas Erträumtes, sondern es wird wirklich erweckt, so, wie das gewöhnliche Tagwachbewusstsein aus dem Schlafbewusstsein erweckt wird; und die Erweckung ist eine Erfahrung.

[ 31 ] This contemplative consciousness is not something fantastical, not something dreamed up, but is truly awakened, just as ordinary waking consciousness is awakened from sleeping consciousness; and this awakening is an experience.

[ 32 ] Wie wird es erweckt? Darüber kann heute schon durchaus eine vollgültige Auskunft gegeben werden. Und hier muss ich anknüpfen an das, was ich vorher als Grenze [des menschlichen Erkennens erwähnt habe].

[ 32 ] How is it awakened? Today, it is already possible to give a fully valid answer to this question. And here I must refer back to what I mentioned earlier as the limit [of human knowledge].

[ 33 ] Kommt man an eine solche Frage wie «Was ist die Einheit des menschlichen Seelenlebens?» [Lücke] [mit] demjenigen Denken, das entlehnt [ist dem] Wachbewusstsein, kommt man zu solchen Fragen, so stellen sie sich eben — und wirklich zu schauen sind solche Fragen ja — als vollkommener Widerspruch dar. Dann [handelt es sich] darum, dass man nun nicht stehen bleibt mit dieser Seele, indem man theoretisch sich sagt, das sei Ignorabismus, sondern dass man gerade jetzt beginnt, zu versuchen, wenn man — statt dass man eine Theorie fortsetzt über die Grenze des menschlichen Erkennens — ausspricht allerlei über diese Grenze, statt dass man allerlei ausspricht Theoretisches, muss man versuchen, in wirklichem innerem lebendigem Ringen mit solchen Fragen zu ringen. Man muss fähig werden denkend — denn vom Denken, vom vollbewussten besonnenen Denken, nicht von irgendeinem Phantastischen geht Geisteswissenschaft aus —, man muss das Denken anwenden auf solche Fragen. Wie man, wenn man irgendein Gewicht zunächst nicht heben kann, versucht, sich weiter anzustrengen, das, was man nicht glaubt, überwinden zu können, zuletzt zu überwinden — das ist eine Sache des inneren [Anstrengens], ob man hinauskann über dasjenige Maß des Denkens, über die Art des Denkens, bei der man dann stehen bleibt, wenn man einfach solchen [Problemen] — wie die Grenzen des menschlichen Erkennens — [huldigt].

[ 33 ] If one approaches a question such as “What is the unity of human soul life?” [gap] [with] the kind of thinking that is borrowed [from] waking consciousness, then such questions arise — and such questions really are to be seen — as a complete contradiction. Then [it is a matter] of not remaining stuck with this soul, by saying to oneself theoretically that this is ignorabilism, but of beginning right now to try, when — instead of continuing a theory about the limits of human knowledge — one expresses all kinds of things about these limits, instead of expressing all kinds of theoretical things, one must try to wrestle with such questions in a real inner, living struggle. One must become capable of thinking — for Spiritual Science proceeds from thinking, from fully conscious, thoughtful thinking, not from some kind of fantasy — one must apply thinking to such questions. Just as, when one cannot lift a certain weight at first, one tries to continue striving to overcome what one does not believe one can overcome — that is a matter of inner [effort], whether one can go beyond the level of thinking, beyond the kind of thinking at which one then stops when one simply [pays homage] to such [problems] — such as the limits of human knowledge.

[ 34 ] Das Ringen, das Arbeiten gerade mit solchen Fragen, welche wie Grenzen, wie Pfähle [sind], die einengen das menschliche Bewusstsein, gerade solches Ringen führt [weiter] in das Geistige hinein. Ich habe in ausführlicher Weise in meinen Schriften — besonders in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», «Geheimwissenschaft» und auch in dem Buch «Menschenrätsel» in dem letzten Kapitel — angeführt, was eigentlich mit dem Denken zu machen ist, wie das Denken zu behandeln ist, um in lebendigem Ringen von solchen Fragen aus in ein ganz neues Erfahrungs- und Erlebensgebiet hineinzukommen. Da muss allerdings dieses menschliche Denken manches von dem überwinden, was es gewohnt ist, von sich vorauszusetzen im gewöhnlichen Bewusstsein und sogar in der gewöhnlichen Wissenschaft. Es muss dieses menschliche Denken vor allen Dingen über sich selbst, über das Vorstellungsleben, völlig ins Klare kommen. Ich kann heute nicht auf Einzelheiten eingehen, aber auf prinzipielle Ergebnisse [möchte ich] eingehen, möchte Ihnen zeigen, woran es liegt, dass man weiterkommen kann.

[ 34 ] The struggle, the work with precisely such questions, which are like boundaries, like stakes that constrain human consciousness, precisely such a struggle leads [further] into the spiritual realm. I have described in detail in my writings — especially in “How to Attain Knowledge of Higher Worlds,” “Occult Science,” and also in the book “The Riddle of Man” in the last chapter — what actually needs to be done with thinking, how thinking needs to be treated in order to enter a whole new realm of experience and perception in the living struggle with such questions. Of course, human thinking must overcome some of what what it is accustomed to assume in ordinary consciousness and even in ordinary science. Above all, human thinking must become completely clear about itself, about the life of imagination. I cannot go into details today, but I would like to discuss the fundamental results and show you why it is possible to make progress.

[ 35 ] Dasjenige, was menschlicher Erkenntnisvorgang ist, das ist es, was sich der Geistesforscher vorlegen muss. Nun findet der Geistesforscher, dass dasjenige Denken, das man entwickelt im gewöhnlichen Wachbewusstsein, durchaus beeinflusst ist von dem Umstande, dass es von der äußeren sinnlichen Welt [herrührt]. Die äußere Sinneswelt wirkt auf unsere Augen und Ohren; diese knüpfen Vorstellungen an durch das, was die äußere Vorstellung gibt, aber diese Vorstellung, man lernt sie kennen in der Geisteswissenschaft.

[ 35 ] What the human process of cognition is, that is what the spiritual researcher must present to himself. Now the spiritual researcher finds that the thinking that one develops in ordinary waking consciousness is thoroughly influenced by the fact that it originates from the external sensory world. The external sensory world acts upon our eyes and ears; these form mental images through what the external world presents, but these mental images one learns about them in Spiritual Science.

[ 36 ] Für die Geisteswissenschaft wird die Frage «Was ist denn eigentlich dieses menschliche Vorstellen? Was sind denn Vorstellungen?» zu einer der leidvollsten Fragen, denn man lernt zunächst diejenige Vorstellungsart kennen, die sie an die äußere Welt anknüpft. Da merkt man, indem man den Vorstellungsvorgang wirklich verfolgt, dass dasjenige, was von der Außenwelt in unser Bewusstsein hereinwill, in der Vorstellung nicht mehr so vorhanden ist, wie es in der Außenwelt vorhanden ist. Unsere Vorstellungen, sie stellen sich dem Geistesforscher dar, man möchte zunächst sagen, wie Abschattungen desjenigen, woraus sie eigentlich stammen. Aber man könnte mehr sagen, [man] könnte sagen: Indem die äußere Sinneswelt das, was sie ist, auf uns wirken lässt, durch unsere Augen und Ohren — und wie dadurch Vorstellungen wirken —, wird dasjenige herausgepresst aus der äußeren Sinneswelt, was in ihr lebt, und das, was durch unser Hirn und [durch unsere] Nerven läuft und uns als Vorstellung zum Bewusstsein kommt, das ist eigentlich nur noch ein Schatten desjenigen, was es darstellt.

[ 36 ] For Spiritual Science, the question “What actually is this human imagination? What are mental images?” becomes one of the most painful questions, because one first learns about the kind of imagination that is connected to the external world. By really following the process of mental imaging, one notices that what wants to enter our consciousness from the outside world is no longer present in the mental image as it is present in the outside world. Our mental images, as they appear to the spiritual researcher, could initially be described as shadows of what they actually originate from. But one could say more, [one] could say: As the external sensory world allows what it is to affect us through our eyes and ears — and as mental images work through this — what lives in the external sensory world is squeezed out, and what passes through our brain and [through our] nerves and comes to our consciousness as a mental image is actually only a shadow of what it represents.

[ 37 ] Es ist wie der Leichnam des Lebendigen, was da draußen in der Wirklichkeit lebt. Es sieht sonderbar aus, paradox oder kurios, wenn jemand das sagt. Aber das ist gut, dass es so ist, denn dasjenige, was deshalb, weil es so ist, die äußere Wirklichkeit nicht aufnehmen kann, das macht möglich, dass wir zu einem menschlichen Bewusstsein kommen können. [Ansonsten] würden wir [mit der äußeren Welt] die Sinneswelt so aufnehmen, wie sie ist, würden wir mit ihr zusammenschmelzen und nicht dazu kommen, uns als Ich, als Selbst auffassen zu können; wir wären nicht Mensch. Es hat also seine gute Begründung im Wesen des Alls, dass dasjenige, was in der äußeren Welt abgeschwächt wird — es gehört dazu, dieses Abschwächen —, dass wir mit wachen Sinnen so menschlich Mensch sein können; aber was daraus folgt, das ist, dass wir gerade von der äußeren Sinneswelt nur einen Leichnam-artigen Abklatsch, [einen Leichnam-artigen Schatten der äußeren Welt] in uns haben in den Vorstellungen.

[ 37 ] It is like the corpse of the living, what lives out there in reality. It seems strange, paradoxical, or curious when someone says that. But it is good that it is so, because that which, because it is so, cannot take in external reality, makes it possible for us to attain human consciousness. [Otherwise] we would perceive [the external world] the sensory world as it is, we would merge with it and not be able to perceive ourselves as I, as self; we would not be human. So there is a good reason in the nature of the universe for what is weakened in the external world — this attenuation is part of it —, that we can be human with alert senses; but what follows from this is that we have only a corpse-like imitation [a corpse-like shadow of the outer world] in our mental images from the outer sensory world.

[ 38 ] Da das so ist, dass das Wachbewusstsein nur schattenhaft begriffen werden kann, was tut man dann bei solch einer Grenzfrage? Man arbeitet nicht mit lebendiger Wirklichkeit, mit wahrer Lebendigkeit, sondern man arbeitet mit einem Schatten der Lebendigkeit, mit dem, woraus eigentlich das Leben herausgetrieben, [abgehängt worden] ist. Und man kann mit diesen toten Begriffen, die ganz gut sind für die äußere Welt und das Leben in der Naturwissenschaft, nicht an die Geistigkeit der Welt herankommen. Deshalb fühlt man zunächst, man könne überhaupt nichts machen, [man] komme an vollkommene Widersprüche. Man muss nun gebrauchen große Worte, die heute so ungewöhnlich sind, wenn man von diesen Dingen spricht. Allein, sehen Sie, man arbeitet ja den heutigen Zeiten gegenüber so, wie Kopernikus gearbeitet hat, wo die Menschheit es gewohnt war, das All so anzusehen, als ob die Erde stillstände und die Sonne sich bewege.

[ 38 ] Since it is the case that waking consciousness can only be grasped in a shadowy way, what does one do with such a borderline question? One does not work with living reality, with true liveliness, but with a shadow of liveliness, with that from which life has actually been driven out, [has been detached]. And with these dead concepts, which are quite suitable for the external world and life in natural science, cannot approach the spirituality of the world. Therefore, one initially feels that one cannot do anything at all, that one encounters complete contradictions. One must now use big words, which are so unusual today, when speaking of these things. But you see, we are working in relation to the present day in the same way that Copernicus worked, when humanity was accustomed to viewing the universe as if the Earth stood still and the Sun moved.

[ 39 ] Damit muss man schon, wenn man von diesen Dingen spricht, von ungewohnten Vorstellungen ausgehen, da es sich handelt um eine Weiterführung des Denkens, um ein Gelenkiger-Machen des Denkens, dass dieses Denken in einer ganz anderen Weise lebt und unabhängiger von unserer Körperlichkeit verläuft, als es sonst ist; alles Denken, das den Bedingungen unserer Leiblichkeit unterworfen wird, das durch unsere Nerven fließt, all dieses Denken schattet sich so ab wie eben beschrieben.

[ 39 ] When talking about these things, one must therefore start from unfamiliar mental images, since it is a matter of continuing to think a making of thinking more flexible, that this thinking lives in a completely different way and proceeds more independently of our physicality than it otherwise does; all thinking that is subject to the conditions of our physicality, that flows through our nerves, all this thinking is overshadowed as just described.

[ 40 ] Wir müssen zu einem Denken kommen, das in sich lebendig ist. Wir müssen das aber auf eine Weise tun, dass wir nicht im Sinne einer nebulösen Mystik in uns hineinbrüten, dass wir glauben, nur durch inneres Brüten, durch inneres Spintisieren, wie es manche Mystik meint, aus dem Denken etwas machen zu können. Da kann man mancherlei machen, damit aber hat Geisteswissenschaft nichts zu tun. Es handelt sich um ganz etwas anderes: Darum, dass man das Denken gerade so bildet aus der wissenschaftlichen äußeren Welt, dass man versteht, mit den Erscheinungen der äußeren Welt in ein innerlicheres Verhältnis zu kommen als gewöhnlich, sodass es, wenn man ehrlich eine Erscheinung der äußeren Welt beobachtet, nicht nur einen Begriff [bildet], sondern eine ganze Reihe von Begriffen aufstellt, so wie man Bäume von vielen Seiten fotografieren kann es ist derselbe Baum fotografisch [immer] anders. Das kann man in das Leben so hineintragen, dass man nur eine Vorstellung sich bildet; [man kann es] aber auch so [hineintragen], dass man bewusst nach der Vielseitigkeit, der Beweglichkeit des Denkens arbeitet, sich bei jeglicher Erscheinung bemüht, viele Begriffe zu bekommen, die zu der Erscheinung «Ja», die [zu ihr] «Nein» sagen.

[ 40 ] We must arrive at a way of thinking that is alive in itself. But we must do this in such a way that we do not brood within ourselves in the sense of a nebulous mysticism, believing that we can make something out of thinking only through inner brooding, through inner speculation, as some mystics believe. One can do many things in this way, but that has nothing to do with Spiritual Science. It is something completely different: it is about forming thinking from the scientific external world in such a way that one understands how to enter into a more inner relationship with the phenomena of the external world than usual, so that when one honestly observes a phenomenon of the external world, one not only forms a concept, but establishes a whole series of concepts, just as one can photograph trees from many sides, it is the same tree, but [always] different in the photograph. One can carry this into life in such a way that one only forms one mental image; but [one can also carry it into life] in such a way that one consciously works toward the versatility and flexibility of thinking, striving with every phenomenon to obtain many concepts that say “yes” to the phenomenon, that [to it] say “no.”

[ 41 ] Dieses bewusste Arbeiten nach der Vielseitigkeit hin, das ist der Anfang. [Wenn] man weiter aufsteigt und darüber hinaus das Denken so schult, [dann macht] man eine eigentümliche innere Erfahrung. Diese Erfahrung besteht in etwas, was ungeheuer bedeutsam wirkt auf die menschliche Seele, denn sie ist das aufkeimende schauende Bewusstsein. Wenn der Naturforscher uns heute die menschlichen Sinne schildert, so zeigt er, dass die Sinne durch Differenzierung des Tastsinns entstanden sind. Goethe sagt sehr schön: Aus dieser Beziehung, aus untergeordneten Organen haben sich Augen und Ohren gebildet. Niedere Tiere haben bloß Tastorgane, die einen vervollkommnen sich, die anderen nicht. Die höheren Sinne sind nur Vervollkommnungen des einen Sinnes. Man gelangt auf den weiteren Wegen zu der inneren Erfahrung: Das Denken, von dem man gewöhnlich ausgeht, das sich nur spärlich loslöst von dem menschlichen Leib, das ist so — wenn wir anfangen damit im Wachbewusstsein — wie ein geistiges Tasten. Dann muss dieses Denken weiter aufgebaut werden, obwohl man immer im Bereich des vollkommen bewussten Denkens bleibt. Nirgends wird hinuntergestiegen in das Körperliche; es wird unabhängiger, als es im gewöhnlichen Tagesbewusstsein ist. Aber man steigt auf in diesem Denken, indem der Mensch ganz etwas anderes wird; indem sich wirklich dasjenige daraus entwickelt, [dass] aus dem tastenden Denken [ein] schauendes Denken wird, in dem Sinne, dass man sprechen kann — um diese Goethe’schen Ausdrücke zu gebrauchen — von «Geistesaugen, Geistesohren», die in die geistige Welt wirklich hineinschauen. Goethe versteht darunter noch Symbole; wir dürfen darüber sprechen von wissenschaftlicher Seite. Es kommt vor allen Dingen darauf an, dass alle Einseitigkeit, alle Möglichkeit ausgetrieben wird, die Dinge nur eigensinnig nach irgendeiner [Richtung zu betrachten], [nach irgendeiner] Begriffsformung hin zu verfolgen.

[ 41 ] This conscious work toward versatility is the beginning. [If] one continues to ascend and, beyond that, trains one's thinking in this way, [then] one has a peculiar inner experience. This experience consists of something that has an enormously significant effect on the human soul, for it is the burgeoning conscious awareness. When natural scientists describe the human senses to us today, they show that the senses arose through the differentiation of the sense of touch. Goethe says very beautifully: From this relationship, from subordinate organs, eyes and ears have formed. Lower animals have only organs of touch, some of which are perfected, others not. The higher senses are only perfections of the one sense. One arrives at the inner experience by other paths: the thinking from which one usually starts, which detaches itself only sparsely from the human body, is — when we begin with it in waking consciousness — like a spiritual groping. Then this thinking must be further developed, although one always remains in the realm of fully conscious thinking. Nowhere does one descend into the physical; it becomes more independent than it is in ordinary daily consciousness. But one ascends in this thinking by becoming something completely different; by truly developing from it [that] groping thinking becomes seeing thinking, in the sense that one can speak — to use Goethe's expressions — of "spiritual eyes, spiritual ears ' that truly see into the spiritual world. Goethe still understands these as symbols; we may speak of them from a scientific point of view. Above all, it is important that all one-sidedness, all possibility of viewing things stubbornly in only one direction, [pursuing any] conceptual formation.

[ 42 ] Derjenige, der ein wirklicher Geistesforscher geworden ist, der entwickelt eine wahre Sehnsucht dahin, wenn er irgendwas darstellt, nicht nur die Sache so darzustellen, wie er sie sieht, sondern er sagt auch das, was man einwenden kann. Und diejenigen, die meine Vorträge gehört haben — die Bücher gelesen haben des nachts, die wieder tags Vorträge gehört haben —, wissen, dass ich geradezu dabei davon ausgehe, nicht nur dasjenige zu sagen, was für eine Sache spricht, sondern einfach die Einwände selber dem Leser vorstelle, die möglichen Einwände, sodass eigentlich jeder in meinen Schriften überall schon die Einwände verzeichnet findet. Dagegen [ist] in neuerer Zeit unter den vielen so oder so gemeinten Angriffen auf die Geisteswissenschaft auch der zur Möglichkeit geworden, dass Leute aus meinen Büchern die Einwände abschreiben können und das anders auslegen. Dann können sie das gebrauchen, um die Geisteswissenschaft aus dem Feld zu schlagen. Der Geistesforscher muss das machen, aber denjenigen, die Gegner werden wollen, denen gibt das Gelegenheit. Sie brauchen sich nicht anzustrengen, sondern nur die Einwände abzuschreiben, diejenigen [Lücke].

[ 42 ] Those who have become true spiritual researchers develops a true longing, when he presents anything, not only to present the matter as he sees it, but also to say what can be objected to. And those who have heard my lectures — who have read the books at night and listened to the lectures again during the day — know that I proceed from the principle of not only saying what speaks for a matter, but simply presenting the objections themselves to the reader, the possible objections, so that everyone can find the objections listed everywhere in my writings. In contrast, among the many attacks on Spiritual Science in recent times, there is also the possibility that people can copy the objections from my books and interpret them differently. Then they can use this to knock Spiritual Science out of the field. The spiritual researcher must do this, but it gives those who want to become opponents an opportunity. They don't need to make any effort, just copy the objections, those [gap].

[ 43 ] Sie sehen, worauf es ankommt: auf die Gelenkigkeit des Denkens, auf die Loslösung des Denkens von der Leiblichkeit. Man darf, wenn der Ausdruck nicht missverstanden wird, sagen: Durch eine solche Entwicklung des Denkens kommt der Mensch wirklich dazu, gewisse Kräfte, Erkenntniskräfte, zu entwickeln, wodurch er sich eigentlich außerhalb seines Leibes, nicht mehr im Leib befindet. Aber man darf es gar nicht missverstehen; versteht man daran etwas irrtümlich, so missversteht man es schon. Der Ausdruck ist ganz im wissenschaftlichen Sinn [gemeint].

[ 43 ] You see what is important: the flexibility of thinking, the detachment of thinking from physicality. If the expression is not misunderstood, one can say that through such a development of thinking, the human being really comes to develop certain powers, powers of cognition, through which he actually finds himself outside his body, no longer in the body. But one must not misunderstand this; if one misunderstands it, one has already misunderstood it. The expression is meant entirely in the scientific sense.

[ 44 ] Ich werde vielleicht Ihnen noch [einen] Vergleich machen, wenn ich versuche, dasjenige Denken zu charakterisieren, von dem der Ausgangspunkt genommen werden muss in der Geistesforschung. Dieses Denken ist das Gegenteil von demjenigen Denken, das zudem hinreichend bekannt geworden ist: [die Erscheinungen des] Hypnotismus, der Suggestion. [Lücke] Aber sie sind auch das volle Gegenstück zu dem, was Illusion, Halluzination und so weiter sind. Man kann sagen, dasjenige Denken, was hier gemeint ist, die Entwicklung der Seelenkräfte, die aus der [Lücke], die entwickeln sich nach der entgegengesetzten Seite hin. Vor allem kann sich entwickeln die traumartige Gestaltung des Bewusstseins in Suggestionsversuchen gerade nach der entgegengesetzten Seite hin. Daher kann nur Gehässigkeit dasjenige, was das Gegenteil ist von all diesen krankhaften Zuständen, mit diesen Zuständen selbst verbunden [sehen]. Es ist sicher das, was hier gemeint ist, das beste Mittel, um [gerade] Halluzinationen [nicht zur Ausbildung zu bringen, um alles Suggestive] zu überwinden.

[ 44 ] I will perhaps give you [another] comparison when I try to characterize the kind of thinking that must be taken as the starting point in spiritual research. This thinking is the opposite of the kind of thinking that has become sufficiently well known: [the phenomena of] hypnotism and suggestion. [gap] But they are also the complete opposite of what illusion, hallucination, and so on are. One can say that the thinking referred to here, the development of the soul forces that arise from the [gap], develops in the opposite direction. Above all, the dream-like formation of consciousness in suggestion experiments can develop precisely in the opposite direction. Therefore, only malice can [see] what is the opposite of all these pathological states as connected with these states themselves. It is certainly what is meant here, the best means of [precisely] overcoming hallucinations [from developing, in order to overcome everything suggestive].

[ 45 ] Worin besteht denn die Empfänglichkeit für Suggestionen? Darin, dass der Mensch davor zurückschrickt, gewisse Vorstellungen, welche gegen die Suggestion sprechen, [...] zu sehen. Es wird ihm suggeriert, eine Kartoffel sei eine Birne, er kann nicht wahrnehmen das Gegenteil, weil seine Kritik, seine Besonnenheit ausgeschlossen ist. [Lücke] All diese Dinge gehören darüber hinaus [dazu], den Umfang des Bewusstseins zu verengen, die Kritikfähigkeit herabzusetzen. Mit all dem, was Kritikfähigkeit herabsetzt, haben die Methoden der Geisteswissenschaft nicht nur nichts zu tun, sondern sie sind das volle Gegenteil, sie entwickeln gerade das Bewusstsein, nutzen Kritikfähigkeit. [...] [Es kommt] darauf an, dass man das nicht theoretisch anstellt, sondern im vollen inneren Leben anstellt, dann entwickelt sich dasjenige allmählich, was das schauende Bewusstsein genannt werden darf.

[ 45 ] What, then, is the receptivity to suggestion? It consists in the fact that people shy away from seeing certain mental images that contradict the suggestion. [...] If they are led to believe that a potato is a pear, they cannot perceive the opposite because their critical faculties and prudence are excluded. [Gap] All these things also contribute [contribute] to narrowing the scope of consciousness and reducing critical faculties. The methods of Spiritual Science not only have nothing to do with anything that reduces critical faculties, but are in fact the complete opposite: they develop consciousness and make use of critical faculties. [.. .] [It is important] not to do this theoretically, but to do it in one's full inner life, then what may be called seeing consciousness will gradually develop.

[ 46 ] Das darf nicht erreicht werden auf der Grundlage irgendeines träumerischen oder ungesunden Alltagsbewusstseins. Gewiss, es gibt sehr viele Menschen, welche als scheinbare, sich der Geisteswissenschaft Anhängende [empfinden] — all die Menschen, die im gewöhnlichen Leben nichts anzufangen wissen, die nur immer glauben, weil sie zu Höherem sich berufen glauben, sich berufen sehen zu dem, was über die nichtigere physische Welt hinausgeht. Solche Menschen kann eigentlich die Geisteswissenschaft nicht brauchen. Geradeso wie das gewöhnliche Wachbewusstsein davon abhängt, dass man einen gesunden Schlaf hat — Sie wissen alle, dass man bei ungesundem Schlaf nicht [viel] leistet am Tag —, wenn einer nicht ein [solcher] Mensch ist, der weiß, dass er im gewöhnlichen Leben seine Pflichten zu erfüllen hat, [dann] kann er nicht aufwachen zu dem schauenden Bewusstsein. Das ist es, was absolut notwendig ist, weil es immer mehr dazu kommt, dass man all die Taugenichtse des gewöhnlichen Lebens, die spielerischen Menschen, die nach träumerischer Arbeit streben, die Wirklichkeit, die viel mehr ist als die träumerische geistige Welt, deshalb /Lücke], all die Menschen, die im gewöhnlichen Leben nichts anzufangen wissen, die nur immer glauben: Die gewöhnliche Wissenschaft ist nichts Rechtes, die geht von Axiomen aus —, die taugen auch für die Geisteswissenschaft nichts. Erst wenn man [fest steht in der gewöhnlichen Wissenschaft], den besonderen, wahren Wert der Wissenschaft zu erfassen vermag, ist man reif, in die [Geisteswissenschaft] aufzusteigen. Begreifen kann Geisteswissenschaft jeder, der sich nur ohne Vorurteile auf die Kritik einlässt, aber zum Forschen ist notwendig das, was [wir] eben auseinandergesetzt haben; denn wenn der Mensch dazu gekommen ist, [das], was im Goethe’schen Ausdruck «geistige Ohren und Augen» [heißt], zu gebrauchen, dann gelangt er zu der Fähigkeit und Wirklichkeit, neue Erfahrungen in der Umgebung zu machen. Er gelangt dazu, ich möchte sagen ebenso eine Erfahrung zu machen, wie etwa der Bauer eine Erfahrung macht, der sich gesagt hat: Da ist der Teich, da ist Baum, [und] da ist Luft. Das hat er früher für nichts gehalten, das ist eine Erfahrung; aber auf einer höheren Stufe ist das die Erfahrung, dass man sieht: Da, wo man nichts gesehen hat, da lebt eine geistige Welt. Das erste Organ ist eine geistige Welt — was [so] genannt wird schon von der exakten Wissenschaft —, das erste Bewusstsein, [das] da erfahren wird, ist die sogenannte ätherische Welt. Die Physik spricht seit alten Zeiten vom Äther. Hier ist einer der Punkte, wo man sagen muss: Wirkliche Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft stehen so miteinander im Einklang, wie miteinander im Einklang stehen die Arbeiter, die von entgegengesetzten Seiten her bohren im Tunnel und in der Mitte zusammentreffen. Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft arbeiten so von verschiedenen Richtungen, [sie] finden sich schon in der Mitte zusammen.

[ 46 ] This cannot be achieved on the basis of some dreamy or unhealthy everyday consciousness. Certainly, there are many people who [feel] that they are adherents of Spiritual Science — all those people who do not know what to do with themselves in ordinary life, who only ever believe because they believe themselves to be called to higher things, to see themselves called to what lies beyond the more trivial physical world. Spiritual Science cannot really use such people. Just as ordinary waking consciousness depends on having a healthy sleep — you all know that if you don't sleep well, you can't get much done during the day — if someone isn't the kind of person who knows that they have duties to fulfill in ordinary life, they can't wake up to seeing consciousness. That's what's absolutely necessary, because it's becoming more and more common for all the good-for-nothings in ordinary life, the playful people who strive for dreamy work, the reality that is much more than the dreamy spiritual world, therefore /gap], all the people who don't know what to do with themselves in ordinary life, who always believe that ordinary science is no good, that it is based on axioms — they are also no good for Spiritual Science. Only when one [firmly established in ordinary science], is one ready to ascend to [Spiritual Science]. Anyone who is open to criticism without prejudice can understand Spiritual Science, but in order to research, it is necessary to have what [we] have just discussed; for when a person has come to use what Goethe called “spiritual ears and eyes,” then he or she attains the ability and reality to have new experiences in the environment. He or she attains, I would say, an experience similar to that of the farmer who said to himself: There is the pond, there is a tree, [and] there is air. He used to think this was nothing, but it is an experience; at a higher level, however, it is the experience of seeing that where one saw nothing before, there is a spiritual world. The first organ is a spiritual world — as it is already called by exact science — the first consciousness [which] is experienced there, is the so-called etheric world. Physics has spoken of ether since ancient times. Here is one of the points where one must say: true Spiritual Science and natural science are in harmony with each other, just as workers who drill from opposite sides in a tunnel and meet in the middle are in harmony with each other. Spiritual Science and natural science work from different directions, [they] already meet in the middle.

[ 47 ] Über den Äther existieren so viele Anschauungen, dass ich stundenlang reden müsste, wenn ich Ihnen diese Hypothesen alle erzählen und beschreiben würde, die über den Äther existieren. Allein das eine ist für die Gegenwart viel bedeutsamer als all diese Anschauungen. Das ist das, was Planck vor Kurzem geäußert hat, gerade über diesen Äther. Deshalb ist dies ein wichtiger Punkt, wo sich heute schon Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft treffen. Denken Sie, Planck sagt an einer Stelle: Man hat viele Ansichten schon über den Äther gehabt; wird man ihn aber einmal sachgemäß charakterisieren wollen, so wird man vor allen Dingen sagen müssen: Man muss sich von dem Äther eine Vorstellung machen, die [nur ja] von dem Äther alle materiellen Eigenschaften — und was auch sonst noch für eine Vorstellung — ausschließt; jedenfalls die [ausschließt], dass er keine materielle Eigenschaft hat. [Die Physiker] sind [fähig und] durch sich selbst so weit, [dass] sie [sich] den Äther [als nicht räumlich] vorstellen [können], als nicht mit materiellen Eigenschaften [behaftet], das heißt als etwas Geistiges. Dieses übersinnliche Geistige wird nun vom menschlichen schauenden Bewusstsein wirklich aufgenommen so wie die Farben von den Augen, die Töne von den Ohren, das wird wirklich beobachtet, und im Äther drinnen sind Ätherwesenheiten, Äthergeschehnisse wie in der physischen Welt.

[ 47 ] There are so many views on ether that I would have to talk for hours if I were to tell you and describe all these hypotheses exist about the ether. But one thing is much more important for the present than all these views. That is what Planck recently said about this very ether. This is therefore an important point where natural science and Spiritual Science already meet today. Consider what Planck says at one point: Many views have already been held about the ether; but if one wants to characterize it properly , we will first of all have to say: We must form a mental image of the ether that excludes [only] all material properties from the ether — and whatever else such a mental image might include — in any case, it excludes the idea that it has no material properties. [Physicists] are [capable and] have progressed so far [that] they [can] form a mental image of the ether [as non-spatial], as not having any material properties , that is, as something spiritual. This supersensible spiritual is now really perceived by human visual consciousness, just as colors are perceived by the eyes and sounds by the ears; it is really observed, and inside the ether there are etheric beings and etheric events, just as in the physical world.

[ 48 ] Und wir selbst sind nicht nur dieser physische Leib, der aus Muskeln und Knochen besteht, die den Stoffen entnommen sind der äußeren physischen Welt, sondern wir tragen in uns einen Äther- oder Lebensleib. Und all das, was da in der innersten Welt drinnenlebt, das hängt zusammen mit der Stufe des Bewusstseins, die ich nun seit Jahren schon aus gutem Grund nenne das imaginative Bewusstsein. Nicht, weil wir eine beliebige Vorstellung aufnehmen, sondern weil wir aufnehmen solche Vorstellungen, die alle bildhaft sind, während die bloßen Gedanken Schattengedanken sind, muss das imaginative Bewusstsein imaginative Vorstellungen haben.

[ 48 ] And we ourselves are not only this physical body, which consists of muscles and bones taken from the substances of the outer physical world, but we also carry within us an etheric or life body. And everything that lives within the innermost world is connected with the level of consciousness that I have been calling imaginative consciousness for years now, and with good reason. Not because we take in any mental images, but because we take in mental images that are all pictorial, while mere thoughts are shadow thoughts, imaginative consciousness must have imaginative mental images.

[ 49 ] Da kommen wir nicht zu dem, was die Halluzinatoren oder gar die Spiritisten glauben, sondern zu etwas ganz anderem. Wir kommen dazu einzusehen, dass wir als Menschen zwar nach Jahren nicht mehr dieselben physischen Stoffe in uns tragen — wir haben ja nach einer gewissen Anzahl von Jahren ganz andere physische Stoffe in uns —, aber wir haben zwischen Geburt und Tod den irdischen Äther, unseren Lebensleib, den Bildekräfteleib, damit der Ausdruck «Ätherleib» nicht missverstanden wird. Wir haben den Bildekräfteleib in uns, der uns immer und immer, [von] Jahr zu Jahr durch unseren Lebenslauf trägt zwischen Geburt und Tod.

[ 49 ] This does not lead us to what hallucinators or even spiritualists believe, but to something quite different. We come to realize that, as human beings, we may no longer carry the same physical substances within us after many years — after a certain number of years, we have completely different physical substances within us — but between birth and death we have the earthly ether, our life body, the formative body, so that the expression “etheric body” is not misunderstood. We have the formative body within us, which carries us through our life between birth and death, year after year.

[ 50 ] Da zeigen wir hin auf dasjenige, was eigentlich zugrunde liegt als das geistige Übersinnliche, und nicht durch [Spintisieren] oder Spekulieren, sondern darauf hin, indem wir uns ein Bewusstsein davon verschaffen haben, eine Anschauung.

[ 50 ] Here we point to what actually underlies the spiritual supersensible, not through [speculation] or conjecture, but by gaining an awareness of it, a vision.

[ 51 ] Und wir müssen nun wirklich nicht glauben, dass Geisteswissenschaft etwas ist, was im Handumdrehen so die Weltenrätsel lösen will. Will man durch geisteswissenschaftliches Arbeiten erkennen, so sind die Forschungswege [nicht mehr und] nicht weniger irre, als diejenigen der äußeren Naturwissenschaft oder einer anderen Wissenschaft sind. Man muss dann zum Beispiel zu so etwas kommen, muss sich die Frage in einer neuen Weise vorlegen: Was ist Vergessen? Was ist Erinnerung? Die Naturwissenschaft geht ja auch aus vom Einfachen und geht zum Schwierigen fort. Indem man jetzt den Bildekräfteleib kennt, sein Weben und Leben [schaut], dann bekommt man eine Antwort. Immer wenn wir uns an etwas erinnern oder eine Vorstellung desjenigen [Lücke], dann liegt dem zugrunde ein Prozess der Überwältigung des Leiblichen durch das Seelische. Das Seelische überwältigt das Leibliche und so weiter und so weiter [...].

[ 51 ] And we really must not believe that Spiritual Science is something that wants to solve the mysteries of the world in the blink of an eye. If one wants to gain insight through spiritual scientific work, the paths of research are [no more and] no less uncertain than those of external natural science or any other science. One must then arrive at something like this, for example, and ask oneself the question in a new way: What is forgetting? What is memory? Natural science also starts with the simple and moves on to the difficult. By now knowing the image-forming body, [seeing] its weaving and life, one then gets an answer. Whenever we remember something or have a mental image of it [gap], this is based on a process of the soul overcoming the physical. The soul overcomes the physical, and so on and so forth [...].

[ 52 ] Wird [aber das Leibliche] nun so stark, dass es die Kräfte des Seelischen überwindet, dann wird vergessen. [Dann] steht die Vorstellung über Erinnerung und Vergessen. Und man steigt dann zu den Vorstellungen auf, die uns lehren, dass es gewisse Gesetze gibt, zu etwas, was die Naturwissenschaft mit Recht in neuerer Zeit erforscht, dasjenige, was die ererbten Merkmale in uns mitträgt. Aber wir tragen in uns auch diejenigen Kräfte, die dann im Ätherleib leben, welche im Verlauf unseres Seelenlebens überwinden die [physischen] Vererbungskräfte. Und man schaut ein ständiges Überwinden der bleibenden Kräfte [durch die] Erziehungskräfte, [durch] Selbstzucht.

[ 52 ] But if [the physical] becomes so strong that it overcomes the forces of the soul, then we forget. [Then] the mental image stands above memory and forgetting. And we then ascend to the mental images that teach us that there are certain laws, to something that natural science has rightly been researching in recent times, that which carries the inherited characteristics within us. But we also carry within us those forces that then live in the etheric body, which in the course of our soul life overcome the [physical] forces of heredity. And one sees a constant overcoming of the permanent forces [by] educational forces, [through] self-discipline.

[ 53 ] Dann aber steigt man auf noch weiter, nur muss man den Prozess noch weiter ausbilden. Man muss von dem imaginativen Bewusstsein zu einer noch höheren Stufe des Bewusstseins aufsteigen — [ich bitte Sie, sich] nicht am Ausdruck [zu] stoßen, [er ist] nicht abergläubisch gemeint —, [zu demjenigen,] was ich das inspirierte Bewusstsein genannt habe. Ich konnte Ihnen zeigen, dass der Ausdruck sehr gut gewählt ist, weil das [Inspirative, qualitativ betrachtet,] das Gegenbild ist von dem, was die Atmung im menschlichen Leibe ist, [ein] aus der Sache herausgenommener Ausdruck. Es muss aber aufsteigen zu dem, was man das inspirierte Bewusstsein nennt. Da muss man noch weiterkommen.

[ 53 ] But then one rises even further, only one must develop the process even further. One must ascend from imaginative consciousness to an even higher level of consciousness — [I ask you not to] take offense at the expression, [it is] not meant in a superstitious sense —, [to what] I have called inspired consciousness. I was able to show you that the expression is very well chosen, because [inspired consciousness, qualitatively speaking,] is the counterpart of what breathing is in the human body, [an] expression taken from the subject. But it must ascend to what is called inspired consciousness. There we must go even further.

[ 54 ] Nun finden Sie wiederum diejenigen inneren Seelenverrichtungen, die zu stehen sind, in den genannten Büchern dargestellt. Wir müssen, um dazuzukommen, die Möglichkeit finden, unser Denken, unser Fühlen ganz zu verbinden mit der geistigen Wirklichkeit. Das heißt, wir müssen nicht so denken wie im gewöhnlichen Bewusstsein, weil gedacht wird, sondern so, dass ich vergleichen kann dieses Denken, für das man Gewohnheit entwickeln muss, mit dem, was wie das moralische Leben in der äußeren Welt verläuft. Ich möchte das, was ich da meine, die Vermoralisierung des Denkens nennen. Wenn man im gewöhnlichen Leben denkt, überlegt man, ob der Gedanke logisch begründet ist. [Lücke] Verbietet man sich nicht, unlogisch zu denken, [Lücke], da wird die Geschichte ganz anders. Im äußeren Leben, wenn man nicht bloß seine Gedanken denkt, [denkt man nicht viel nach, ob ein Gedanke mit der Wirklichkeit übereinstimmt]. Die Wirklichkeit [aber] stellt andere Anforderungen an uns als das bloße Denken. Ein unrichtiger Gedanke im gewöhnlichen Leben ist zollfrei, sagt man.

[ 54 ] Now you will find those inner soul activities that are to be accomplished described in the books mentioned. In order to achieve this, we must find a way to connect our thinking and our feeling completely with spiritual reality. This means that we must not think as we do in ordinary consciousness, because thinking is done, but in such a way that I can compare this thinking, for which one must develop a habit, with what happens in moral life in the outer world. I would like to call what I mean here the moralization of thinking. When one thinks in ordinary life, one considers whether the thought is logically justified. [Gap] If you don't forbid yourself to think illogically, [gap], the story becomes quite different. In outer life, when you don't just think your thoughts, [you don't think much about whether a thought corresponds to reality] . Reality [however] places different demands on us than mere thinking. An incorrect thought in everyday life is toll-free, as they say.

[ 55 ] Der Geistesforscher aber darf nicht darin stehen bleiben: Das Denken muss ähnlich werden dem äußeren moralischen Leben. Im moralischen Leben dürfen wir nicht theoretisieren — das ist gut, das ist böse —, sondern da müssen wir gute Handlungen tun, unsere Pflicht erfüllen, schlechte Handlungen aber unterlassen, nicht bloß als unrichtig beichten, sondern sie unterdrücken, uns dazu bringen, dass wir sie nicht gestatten, dass es [nicht getan wird], außer unserer Gewohnheit liegt, dasjenige, was wir tun wollen, zu tun. Dieses, was die äußere Wirklichkeit allzeit stärker von uns verlangt, das muss der Geistesforscher [lernen], auf das Denken zu übertragen. Er muss dazu kommen, sich gewisse Gedankengänge zu gestatten, andere nicht zu gestatten, weil [er sonst] in falschen Bahnen bleibt, er muss den Gedanken so fühlen, dass er sich aus dieser Strömung heraus [entwickeln muss].

[ 55 ] But the spiritual researcher must not stop there: thinking must become similar to external moral life. In moral life, we must not theorize — this is good, that is evil — but we must do good deeds, fulfill our duty, refrain from bad actions, not merely confess them as wrong, but suppress them, bring ourselves to not allow them, to [not do them], unless it is our habit to do what we want to do. The spiritual researcher must [learn] to transfer to thinking what external reality demands of us more and more strongly. He must come to allow himself certain trains of thought and not allow others, because [otherwise] he remains on the wrong track; he must feel the thought in such a way that he must develop out of this current.

[ 56 ] Beispiel: Sehen Sie, ich darf wirklich nicht glauben, dass das Missverständnis zu stark hervorgerufen wird, dass ich die Naturwissenschaft unterschätze, aber mit Bezug auf das, was ich jetzt mit dem [Denken] gemeint habe, ist diese [moderne] Naturwissenschaft ganz. eigentümlich. Sehen Sie, da hat vor einiger Zeit ein gewisser Professor Dewar einen Vortrag gehalten, in dem er spricht, wie die Erde ausschauen wird ungefähr mit den Bewohnern, die auf ihr leben werden in zwanzig Millionen Jahren. Das alles, was er darüber sagt, ist ungeheuer geistreich. Er führt aus: Dann wird die Temperatur hinuntergesunken sein auf minus 200 Grad Celsius. Dann wird das, was jetzt Luft ist, zu Wasser geworden sein, Wasser wird gefroren sein. Dann wird etwas sein statt der Luft, das Element Helium, und so weiter, was zusammengesetzt ist, dann wird — und das wird [von Dewar] alles ernsthaft vorgetragen und ist eigentlich geistreich vom Standpunkte des naturwissenschaftlichen Denkens —, dann wird die Milch fest sein und im bläulichen Licht erglänzen. Und mit Eiweiß [wird man] die Wand bestreichen [können], nun [und die Wand] werde so leuchten, dass man [wird Zeitungen lesen können.]

[ 56 ] Example: You see, I really must not believe that the misunderstanding is being caused too strongly, that I underestimate natural science, but with reference to what I have now meant by [thinking], this [modern] natural science is quite peculiar. You see, some time ago a certain Professor Dewar gave a lecture in which he talks about what the Earth will look like, roughly, with the inhabitants who will live on it in twenty million years. Everything he says about it is tremendously witty. He explains: By then, the temperature will have dropped to minus 200 degrees Celsius. Then what is now air will have turned into water, and water will be frozen. Then there will be something instead of air, the element helium, and so on, which is composed, then — and this is all presented seriously [by Dewar] and is actually witty from the point of view of scientific thinking — then milk will be solid and glow in a bluish light. And [it will be possible] to coat the wall with egg white, and [the wall] will glow so brightly that [it will be possible to read newspapers].

[ 57 ] Sehr geistreich vorgetragen von [Dewar]. Das ist gestattet dem gewöhnlichen Denken. Derjenige aber, der mit seinem Denken wirklichkeitsverwandt bleibt, der fragt: Kann ich solche Gedanken ausbilden? Wo soll denn die Milch herkommen, [die fest ist, und so weiter und so weiter], wo die Zeitungen, die gelesen werden, wenn man Eiweiß anstreicht an die Wände? Sie merken, dass es eine Möglichkeit gibt, innerlich so weit zu kommen, dass man nicht bloß richtige Vorstellungen bilder — diese Vorstellungen sind nicht wirklichkeitsverwandt —, [sondern] dazu kommt, um an einem gewissen Punkte wirklichkeitsverwandtes Denken zu erwerben; das gibt dann die Möglichkeit zur inspirierten Erkenntnis. Noch ein Vergleich. Man müsste ja auch den einzelnen menschlichen Leib so untersuchen, ganz nach der Methode des Professors Dewar, [man] könnte sagen: Der Mensch hat einen Magen in sich, ich untersuche diesen Magen von acht zu acht Tagen und rechne aus, so in einem Jahr, [wie er sich verändert].

[ 57 ] Very wittily presented by [Dewar]. That is permissible in ordinary thinking. But those who remain realistic in their thinking ask: Can I develop such thoughts? Where is the milk supposed to come from, [which is solid, and so on and so forth], where will the newspapers come from that are read when protein is painted on the walls? You realize that there is a possibility of getting so far inwardly that one does not merely form correct mental images — these mental images are not related to reality — [but] comes to acquire, at a certain point, thinking that is related to reality; which then provides the opportunity for inspired insight. Another comparison. One would also have to examine the individual human body, entirely according to Professor Dewar's method, [one] could say: Man has a stomach inside him, I examine this stomach every eight days and calculate, in a year, [how it changes].

[ 58 ] So machen es die Kollegen überall, sie rechnen aus, wie die Erde vor zwanzig Millionen Jahren [aussah], nach zwanzig Millionen Jahren [aussehen wird]; [ebenso] kann ich den Magen untersuchen und kann dann die Frage [Lücke], und kann sagen: Wie wird [also] der Mensch aussehen, wenn sein Magen sich verändert? [Wie wird er aussehen] in 150 Jahren, oder wie hat er ausgesehen vor 150 Jahren oder, wenn ich ihn untersucht habe, [mehr] rückwärts? Das Einzelne ist einzuwenden: Vor 150 Jahren war der Mensch noch nicht da; und nach 150 Jahren wird er wieder nicht leben. Der Gedanke kann sehr geistreich [sein], [aber] wirklichkeitsgerränkt braucht er nicht zu sein. Daher kann alles das, was die Geologie über die Erde sagt vor zwanzig Millionen und nach zwanzig Millionen Jahren sehr geistreich ausgebildet sein. Wenn aber die Erde vorher zerstäubt im Weltenraum und vor fünf Millionen Jahren nicht da war, dann hilft einem die Berechnung nichts, so geistreich sie auch ist.

[ 58 ] This is what colleagues everywhere do; they calculate what the earth [looked like] twenty million years ago and what it [will look like] in twenty million years; [similarly], I can examine the stomach and then ask the question [gap], and say: What will [then] humans look like when their stomachs change? [What will they look like] in 150 years, or what did they look like 150 years ago, or, if I have examined them, [further] back in time? The objection is valid: 150 years ago, humans did not yet exist; and in 150 years, they will no longer be alive. The idea may be very ingenious, but it does not need to be realistic. Therefore, everything that geology says about the Earth twenty million years ago and twenty million years from now may be very ingeniously conceived. But if the Earth was previously scattered in space and did not exist five million years ago, then the calculation is of no help, however ingenious it may be.

[ 59 ] Sie sehen, es ist ein großer Unterschied zwischen wirklichkeitsdurchtränktem Denken und bloß logischem. Zu diesem wirklichkeitsdurchtränkten Denken muss man aufsteigen, dann kommt man nicht nur dazu, den Bildekräfteleib zu [entdecken], welcher den Menschen von Geburt zu Tod trägt, sondern dazu, im Menschen zu entdecken, was diesen Leib zwar annimmt aus der Vererbung heraus, was aber aus der geistigen Welt herkommt, indem der Mensch sein irdisches Dasein beginnt, und was wiederum durch die Pforte [des Todes] geht, wenn der Mensch stirbt.

[ 59 ] You see, there is a big difference between thinking that is steeped in reality and thinking that is merely logical. One must ascend to this thinking steeped in reality, then one not only comes to [discover] the image-forming body that carries human beings from birth to death, but also to discover in human beings what this body takes on from heredity, but which comes from the spiritual world when human beings begin their earthly existence, and which in turn passes through the gate [of death] when human beings die.

[ 60 ] Da beginnt man, dasjenige zu entdecken in dem Menschen, was in Wahrheit unsterblich ist. Das schauende Bewusstsein kann sich losreißen von dem Leiblichen. Daher kann es sich auch schon verbinden mit dem, was als Bewusstsein wirklich ist, wenn der Leib nicht äußerer Ausdruck des Menschenwesens ist. Hier haben wir den Punkt, wo wir wirklich erkennen lernen dasjenige im Menschen, was durch Geburt und Tod geht, was wirklich das Unsterbliche im Menschen darstellt. Und von hier aus kommen wir dann zu einer ganz anderen Auffassung über die Unsterblichkeitsfrage. Wir haben zunächst gezeigt, dass der Mensch zu einem anderen Bewusstsein kommen kann, dieses Bewusstsein kann in sich das Unsterbliche der Menschenseele haben. Daher ist dieses Unsterbliche der Menschenseele dasjenige, was eben ohne Leib bewusst sein kann. [...] Und von da aus aufsteigend kann man dabei die Unsterblichkeitsfrage verbinden mit der Schicksalsfrage.

[ 60 ] There we begin to discover that which in truth is immortal in human beings. The seeing consciousness can detach itself from the physical body. Therefore, it can already connect with that which is truly consciousness when the body is not the outer expression of the human being. Here we have the point where we really learn to recognize that which in human beings what passes through birth and death, what truly represents the immortal in human beings. And from here we then arrive at a completely different view of the question of immortality. We have first shown that human beings can attain a different consciousness, and that this consciousness can contain within itself the immortal part of the human soul. Therefore, this immortal part of the human soul is that which can be conscious without the body. [... ] And ascending from there, one can connect the question of immortality with the question of destiny.

[ 61 ] Die Unsterblichkeitsfrage hat schon das Rätsel vieler gebildet. Allein, weil man Geisteswissenschaft ablehnte, konnte man nicht zu einer Lösung kommen. Aber Geisteswissenschaft wird in diese Dinge hineinleuchten. Die Schicksalsfrage hat noch weniger den Gegenstand gebildet der Wissenschaft [...]. Schopenhauer, [Lücke] er hat nichts ausmachen können über die Schicksalsfrage. Aber er hat einen interessanten Vergleich gewählt. So unvollkommen auch der Vergleich ist, so muss man eines sagen, dass er einen bestimmten, [merkwürdigen] Vergleich gewählt hat. Das bezeugt, dass er wenigstens eine Ahnung hatte, [Lücke]. Überschauen wir einen Traum, dann erscheint er [zunächst] verworren, wachen wir auf, dann werden wir den Traum beurteilen und werden unter Umständen auch finden, was in dem Traume gebildet werden kann.

[ 61 ] The question of immortality has already puzzled many. Simply because Spiritual Science was rejected, it was not possible to arrive at a solution. But Spiritual Science will shed light on these things. The question of fate has been even less the subject of scientific inquiry [...]. Schopenhauer, [gap] was unable to make any headway on the question of fate. But he chose an interesting comparison. However imperfect the comparison may be, one thing must be said: he chose a specific, [strange] comparison. This testifies to the fact that he at least had an inkling [gap]. When we look at a dream, it seems [at first] confused, but when we wake up, we evaluate the dream and may even find what can be formed in the dream.

[ 62 ] Aus jeder Feuerwehr, aus jeder kann sich eine Dramatik der Traumhandlung entwickeln. Vom Wachbewusstsein aus weiß er: Ein [Löschzug] ist [vorbei]gezogen, das hat seine Traumhandlung hervorgerufen.

[ 62 ] A dramatic dream plot can develop from any fire department, from any one. From his waking consciousness, he knows: A [fire engine] has passed by, and that has triggered his dream plot.

[ 63 ] Wenn Sie den Vergleich nehmen, dass das schauende Bewusstsein ein Aufwachen darstellt vom gewöhnlichen Bewusstsein, dann können Sie unter Umständen ahnen, dass die Frage aufgeworfen werden kann: Ist es vielleicht möglich, dass [das], was uns als Schicksal erscheint — das uns so erscheint, dass es hereinbricht, äußerlich auf uns —, ist es nicht möglich, dass uns da das, was wir planlos zu erleben scheinen, dass das, wenn wir es so von dem Traum mit dem Wachbewusstsein, mit dem schauenden Bewusstsein überblicken, dann in anderem Licht erscheint, [was wir im gewöhnlichen Bewusstsein erleben], wir dann die Veranlassung sehen [Lücke]?

[ 63 ] If you take the comparison that the observing consciousness represents an awakening from ordinary consciousness, then you may suspect that the question may be raised: Is it perhaps possible that [what] appears to us as fate — which appears to us to be descending upon us, externally upon us — is it not possible that what we seem to experience haphazardly, when we survey it from the dream with waking consciousness, with observing consciousness, then appears in a different light, [what we experience in ordinary consciousness], we then see the cause [gap]?

[ 64 ] Da zeigt [sich] dann in dem Augenblick, in dem das Bewusstsein aufsteigt zum Inspirierten, dass die Frage, die die Naturwissenschaft begonnen hat, in ein rein materialistisches Fahrwasser zu bringen — das auf der einen Seite berechtigt ist —, da zeigt sich dann eigentlich etwas mit Bezug auf das Schicksal. Nehmen wir zunächst das innere Schicksal, unser inneres Schicksal. Es wird bildlich dadurch, dass wir mit diesen oder jenen Fähigkeiten geboren werden; [je] nach dem können wir dieses [oder jenes] machen, [sind wir] tächtig oder untüchtig. Von der inneren [Denkfähigkeit] hängt ab unser Schicksal zunächst.

[ 64 ] Then, at the moment when consciousness rises to the inspired, it becomes apparent that the question that natural science has begun to address in a purely materialistic vein — which is justified on the one hand — then something actually becomes apparent with regard to destiny. Let us first take inner destiny, our inner destiny. It is illustrated by the fact that we are born with these or those abilities; depending on this, we can do this or that, we are capable or incapable. Our destiny depends first and foremost on our inner [ability to think].

[ 65 ] Nun hat die Naturwissenschaft sich darauf verlegt, unsere inneren Fähigkeiten auf die [vererbten] Eigenschaften unserer Vorfahren zurückzuführen. Man kann so kommen und sagen: Du, Geistesforscher, du bist doch ein richtiger Dilettant. Sieh dir an, wie die Wissenschaft gezeigt hat, wie sich die Merkmale vererben, wie zum Beispiel an genau dem Zusammenfluss jener Fähigkeiten hast du /unleserliches Zeichen] im einzelnen Zweig bei den Vorfahren. — Der Geistesforscher muss darauf erwidern: Er schaut sich das schon alles an, er rechnet auch die Berechtigung desjenigen, was Naturwissenschaft sagt, an, aber er muss noch etwas anderes hinzufügen, und das fügt er ebenso aus der Beobachtung hinzu, wie der Naturwissenschaftsforscher seine Beobachtung vorbringt. Die Naturwissenschaft entwickelt richtige Beobachtungsergebnisse in Bezug auf die Vererbungsfrage, [zum Beispiel die] Mendel’schen [Gesetze]. Die weiß auch die Geistesforschung vollkommen anzuerkennen [—.]. Aber die Logik ist ein Merkwürdiges.

[ 65 ] Now, natural science has taken to attributing our inner abilities to the [inherited] characteristics of our ancestors. One might come along and say: Hey, spiritual researcher, you are a real dilettante. Look at how science has shown how characteristics are inherited, such as, for example, the confluence of those abilities you have [illegible character] in the individual branch of your ancestors. — The spiritual researcher must reply: He is already looking at all this, he also acknowledges the validity of what natural science says, but he must add something else, and he adds this from observation, just as the natural scientist adds his observations . Natural science develops correct observational results with regard to the question of heredity, [for example, Mendel's [laws]]. Spiritual research also fully recognizes this [—.]. But logic is a strange thing.

[ 66 ] Ein Buch ist erschienen über Goethes Genie, da findet man beschrieben, welche Eigenschaften die Vorfahren, [Vater, Mutter und so weiter, und so weiter] [Lücke] [gehabt] haben, alles sehr schön, um dann zu zeigen, wie bei Goethe eine Zusammensummierung auf Goethe zeigt. Deshalb sagt man, das zeige uns, dass die Eigenschaft am Ende einer Vererbungslinie steht [...]. Jedoch] ist das nun nicht [richtig], aus dem einfachen Grund: Würde man denken, würde man eines genau aufzeigen und nicht durch Vater und Mutter zurückgehen: Dass das die Eigenschaften zeigt, ist nicht merkwürdiger, als [dass] ein durch Wasser Gezogener nass ist. Aber würde man etwas wissen wollen, müsste man das genau aufzeigen: der Sohn, der Enkel, da erben sich die genialen Eigenschaften weiter —, man wird das bleiben lassen, man wird nicht zu dem [Lücke] kommen. [unklare Passage] [...].

[ 66 ] A book has been published about Goethe's genius, in which one finds a description of the characteristics of his ancestors [father, mother, and so on and so forth] [gap], all very nice, in order to then show how a summation of these characteristics points to Goethe. That is why one says that this shows us that the characteristic is at the end of a line of heredity [...]. However], this is not [correct], for the simple reason that if one were to think about it, one would point out one thing in particular and not go back to the father and mother: that this shows the characteristics is no more remarkable than [that] someone who has been pulled through water is wet. But if one wanted to know something, one would have to point it out precisely: the son, the grandson, the genius traits are passed on — one will leave that alone, one will not come to the [gap]. [unclear passage] [...].

[ 67 ] Wirklichkeitsgemäß ist es durchaus, hinzuschauen auf die physische Merkwürdigkeit, aber dem Geistesforscher zeigt sich etwas anderes. Nun, Sie können in den genannten Büchern das Einzelne lesen, aber ich werde das prinzipielle Ergebnis hier [Lücke].

[ 67 ] It is quite realistic to look at the physical peculiarity, but the spiritual researcher sees something else. Well, you can read the details in the books mentioned, but I will give the basic result here [gap].

[ 68 ] Der Mensch lebt in der geistigen Welt, bevor er sich verbindet mit dem Ererbten vom Vater. Aber ebenso, wie wir hier nicht nur den physischen Leib haben, sondern darinnen das Geistig-Seelische, und ebenso wie jedes Mal, wenn wir eine Hand bewegen, das Geistig-Seelische das tut, - das äußerlich Leibliche nur Ausdruck ist -, so ist das wirklich Geistige auch nicht in einem unbestimmten jenseitigen, weit entfernten Wolkenkuckucksheim, sondern es ist da, wo das Physische ist; es ist durchtränkt das Physische [von dem Geistig-Seelischen]. Das Physische geschieht aus dem Geistigen heraus. [Daher geschieht auch dasjenige, was physisch geschieht in den weit zurückliegenden Generationen unserer Ururahnen aus der geistigen Welt heraus.] Wir aber sind darinnen als geistige Individuen, wir sind auch darinnen gewesen — und wirken mit den Kräften der geistigen Welt in die physische herein. An die zehn, zwölf Generationen vor uns, aus denen wir uns entwickeln, haben wir die weiteren Eigenschaften auf die Nachkommen übertragen. Wir sind selbst darinnen, in dem ganzen Geschehen, das die Eigenschaften von den Vorfahren auf die Nachkommen überträgt. Wir bestimmen selbst, indem wir vor Geburt jahrhundertelang in der geistigen Welt sind, [indem wir] aus der geistigen Welt die Eigenschaften der Vorfahren dirigieren. Wir bestimmen die Vererbungseigenschaften, aus denen heraus der physische Leib heraus gebaut wird, wir arbeiten aus der geistigen Welt [heraus] dasjenige, was unser inneres Schicksal formiert. Das ist das innere Schicksal.

[ 68 ] Human beings live in the spiritual world before they connect with what they have inherited from their father. But just as we do not only have a physical body here, but also a spiritual-soul body within it, and just as every time we move a hand, it is the spiritual-soul body that does so – the physical body is only an expression of this – so too the truly spiritual is not in some vague, distant, cloud cuckoo land beyond, but is where the physical is; it permeates the physical [with the spiritual-soul]. The physical arises out of the spiritual. [Therefore, what what happens physically in the distant generations of our ancestors comes from the spiritual world.] But we are in it as spiritual individuals, we have also been in it — and we work into the physical with the forces of the spiritual world. To the ten or twelve generations before us, from which we develop, we have passed on further characteristics to our descendants. We ourselves are within it, in the whole process that transmits the characteristics from ancestors to descendants. We determine this ourselves by being in the spiritual world for centuries before birth, [by] directing the characteristics of our ancestors from the spiritual world. We determine the hereditary characteristics from which the physical body is built; we work from the spiritual world [from] the spiritual world what forms our inner destiny. That is the inner destiny.

[ 69 ] Das äußere Schicksal, das an uns herantritt, [das] durch die äußeren Lebensereignisse [kommt], wie kommt das zustande? Da muss ich zeigen, dass [hierzu notwendig] wir zu einer höheren Erkenntnisstufe noch aufsteigen können, zu dem, was ich, [wie ich] meine, mit dem eigentlich passenden Wort das intuitive Bewusstsein genannt habe. Ich kann es nur ausführen mit Bezug auf die Schicksalsfrage.

[ 69 ] How does the outer destiny that comes to us [through] the outer events of life come about? Here I must show that [to do this] we can ascend to a higher level of knowledge, to what I have called, [as I] believe, the most appropriate term, intuitive consciousness. I can only explain this in relation to the question of destiny.

[ 70 ] Der Mensch kommt dazu, indem er Erkenntnisse entwickelt, die dem schauenden Bewusstsein angehören, indem er solche Erkenntnisse in seiner Seele entwickelt. Eines Tages [kommt er dazu], etwas ganz Bestimmtes zu erleben, zu dem wirklichen Erkennen der geistigen Welt. [Es handelt sich] nicht darum, Phantastereien zu treiben, sondern darum, sich mit seiner eigenen Seele in die geistige Welt hineinzuschaffen, im lebendigen Erleben, sich in dieses hineinzuschaffen. [Man findet dann] so aus der Seele hinaufsteigen dasjenige, was aus dem schauenden Bewusstsein heraus Aufklärung bringt über die geistige Welt, über dasjenige, was als Seelenunsterbliches durch Geburten und Tod geht. Dann kommt der Tag, und er ist ein wichtiger Tag im menschlichen Leben, ein Schicksalstag, wo man sich das Folgende sagt: Du hast vieles erlebt, hast erlebt vielleicht dasjenige, was dein Leben hinaufgetragen hat zu den höchsten [Erlebnissen], was dir Lust gebracht hat in den verschiedensten Stufen, hast erlebt das, [was dich im Tiefsten] betrübt hat, den Hingang geliebter Menschen, dasjenige, was sich dem Menschen ergeben kann, was den Menschen in die tiefste Betrübnis, in die herbste Bedrängnis versetzen kann. Aber ein solches, das so einschneidet in das menschliche Erleben wie das, wenn dir aufgegangen ist die Wahrheit und Wirklichkeit der geistigen Welt durch das schauende Bewusstsein, das hast du bisher nicht erlebt. Man braucht nicht stumpf zu werden gegenüber den Schicksalserlebnissen des gewöhnlichen Lebens, [im Gegenteil], man kann noch viel sensitiver werden als im äußeren Leben etwa für das, was sich den Menschen ergeben kann, was den Menschen zum Glück hinaufführen kann oder in die Bedrängnis versetzen kann, und dennoch, es tritt der Augenblick ein, wo auch dasjenige, was [als] höchster Schicksalsschlag /Lücke] zwar recht groß erscheinen kann, aber größer als das alles kann erscheinen im menschlichen Bewusstsein das Erleben der geistigen Welt ist. Und ist dieser Augenblick eingetreten, dann ist eingetreten dasjenige, was unmittelbares Erleben eines inneren Schicksals ist. Dann hat man das Schicksal da, wo es innerlich so erlebt werden kann, dass man es innerlich durch die selbst heraufgeführte Erkenntnis erlebt. Wo man es selbst herbeigeführt hat, hat man es so aufgefasst, dass man weiß, du bist dabei gewesen. Jetzt kann man es beurteilen, weil man dabei war. Und jetzt erst strömt von diesem Erleben aus Licht auf die Schicksalsfrage. Jetzt ist es so, wie wenn man aus dem Traum erwachen würde. Jetzt beginnt es das zu werden, was Knebel so schön [sagte]: Wer auf sein Schicksal zurückschaut, /Lücke] wir könnten ja nicht anders sein, [als wir sind], wenn [wir ein] anderes Schicksal hätten.

[ 70 ] Human beings achieve this by developing insights that belong to the contemplative consciousness, by developing such insights in their souls. One day [they come to] experience something very specific, the real recognition of the spiritual world. [It is] not a matter of indulging in fantasies, but of entering the spiritual world with one's own soul, of entering it in living experience. [One then finds] rising up from the soul that which, out of the seeing consciousness, brings enlightenment about the spiritual world, about that which, as the immortal soul, passes through births and deaths. Then the day comes, and it is an important day in human life, a fateful day, when one says to oneself: You have experienced many things, you have perhaps experienced that has carried your life up to the highest [experiences], what has brought you pleasure in the most diverse stages, you have experienced that [which has saddened you most deeply], the passing of loved ones, that which can befall human beings, that which can plunge them into the deepest sorrow, into the harshest distress. But something that cuts so deeply into human experience as when you have realized the truth and reality of the spiritual world through contemplative consciousness, you have not yet experienced. One need not become numb to the vicissitudes of ordinary life; [on the contrary], one can become even more sensitive than in outer life, for example, to what can happen to people, what can lead them to happiness or plunge them into distress, and yet there comes a moment when even that which [as] the greatest stroke of fate / gap] may seem quite great, but greater than all that can appear in human consciousness is the experience of the spiritual world. And when this moment has come, then what has come is the immediate experience of an inner fate. Then one has fate where it can be experienced inwardly in such a way that one experiences it inwardly through the insight one has brought about oneself. Where one has brought it about oneself, one has understood it in such a way that one knows, you were there. Now one can judge it because one was there. And only now does light flow from this experience onto the question of destiny. Now it is as if one were awakening from a dream. Now it begins to become what Knebel so beautifully [said]: Those who look back on their destiny, [gap] we could not be otherwise [than we are] if [we had] a different destiny.

[ 71 ] Wie aus einem Lebenstraum erwacht man, und dasjenige, was wir vorher nur aufgenommen haben — das eine mit Lust, das andere mit Leid erworben, [das uns] in Bedrängnis versetzt hat —, all das wird jetzt so, wie wenn wir aus einem Traum erwachen in die Wirklichkeit. Wir erwachen zu unserem Schicksal und in eine neue Welt. Wir erinnern uns an dasjenige, was man nur im gewöhnlichen Leben nicht sieht, was man, ich möchte sagen, schlafend sieht. Ein ganz neues Licht breitet sich über die Schicksalserlebnisse aus.

[ 71 ] It is as if we are awakening from a lifelong dream, and what we previously only absorbed — some with pleasure, some with suffering, [which] caused us distress — all of that now becomes, as when we awaken from a dream, reality. We awaken to our fate and to a new world. We remember what one does not see in ordinary life, what one, I would say, sees while asleep. A whole new light spreads over the experiences of fate.

[ 72 ] Nehmen Sie nur an, man ist [siebzehn], achtzehn Jahre alt, man spürt etwas keimen in sich, man durchlebt das Leben von der einseitigen Weise, [ein] Ereignis von anderen [gefolgt, führt] voran, man schreitet vor, weist die einen [Ereignisse] zurück, nimmt die anderen an, wird an fremde Orte geführt, indem man Ereignisse annimmt. In all dem ist etwas Unbestimmtes. Aber darin entdeckt der Geistesforscher etwas — denken Sie, man möchte da fast den Vorwurf des Materialismus schon auf sich haften lassen, aber das ist ja heute geistig gemeint —, was sich vergleichen lässt dem physischen Hunger, der in der Seele vorhanden ist, dem dann im Leben aus Erfahrung mit Bezug auf /Lücke?] entgegentritt, und den Hunger abschaffen; so ist etwas [Lücke].

[ 72 ] Just imagine you are [seventeen], eighteen years old, you feel something germinating within you, you live life in a one-sided way, [one] event followed by another [leads] you forward, you move forward, rejecting some [events], accepting others, being led to strange places by accepting events. There is something indefinite in all this. But in it, the spiritual researcher discovers something—you might almost want to accuse him of materialism, but today that is meant in a spiritual sense—that can be compared to the physical hunger that exists in the soul, which is then countered in life by experience with reference to /gap?], and which abolishes hunger; so something [gap] .

[ 73 ] Das führt uns von Ereignis zu Ereignis, wir glauben, wir werden durch unseren geistigen Hunger vorwärtsgetrieben, dann tritt das Schicksalserlebnis ein, [unklare Passage] dass wir lernen, dass [unleserliche Zeichen, Lücke].

[ 73 ] This leads us from event to event; we believe we are driven forward by our spiritual hunger, then the experience of fate occurs, [unclear passage] that we learn that [illegible characters, gap].

[ 74 ] Ich kann Ihnen nur prinzipiell dasjenige ausführen, was man so entdeckt hat für das Schicksal. Und da kommt dann das, was volle Wissenschaft ist: Wir lernen erkennen durch das anschauende Bewusstsein, dass, eben[so], wie [aus dem Leben] zwischen Tod und Geburt herausfließt unser innerliches Schicksal aus innerer Kraft, so fließt dasjenige, was in uns sitzt als Hunger nach dem Dasein, vom verflossenen Erdenleben heraus. Es werden die verflossenen Erdenleben in uns wirklich gegenständlich, und es wird dasjenige, was wir jetzt durchleben, der Ausgangspunkt für folgende Erdenleben.

[ 74 ] I can only explain to you in principle what has been discovered about fate. And then comes what is full science: we learn to recognize through contemplative consciousness that, just as just as our inner destiny flows from inner strength [from life] between death and birth, so what sits within us as a hunger for existence flows from past earthly lives. Past earthly lives become truly concrete within us, and what we are now experiencing becomes the starting point for subsequent earthly lives.

[ 75 ] Ich kann es nur andeuten, in voller Wissenschaftlichkeit nimmt es sich anders aus als in empfindsamer Mystik, aber es wird schon aufgehen, wenn man [Lücke] auch auf die geistige Wissenschaft anzuwenden.

[ 75 ] I can only hint at it; in full scientific terms it appears different than in sensitive mysticism, but it will work out if one applies [gap] to spiritual science as well.

[ 76 ] Dasjenige, was heute auf Seite von der Naturwissenschaft gegen die Geisteswissenschaft eingewendet wird, wird ja auch vielfach verstärkt von der religiösen Seite, indem man [sich jenem gewiss war]: Geisteswissenschaft weiß etwas, wogegen sich eine religiöse Weltanschauung auflehnen kann.

[ 76 ] What is objected to today on the part of natural science against Spiritual Science is also reinforced in many ways by the religious side, in that [it was certain]: Spiritual Science knows something that a religious worldview can rebel against.

[ 77 ] Gerade weil von dieser Seite manches gekommen ist: Ebenso wenig wie der Kopernikanismus, wie die Lehre von der Umdrehung der Erde beeinträchtigt hat, was Religion [ist], sondern im Gegenteil [Lücke], ebenso wenig hat wahre Geisteswissenschaft, weil sie wahre Geisteswissenschaft ist, das religiöse Bewusstsein jemals untergraben, sondern im Gegenteil: Derjenige, der in wahrer Geisteswissenschaft [lebt], wird in dieser Region Impulse erreichen, die ihn gerade zum religiösen Leben hinführen. Und eine neue Bewegung, eine religiöse Bewegung wird aufsteigen, ohne [Lücke]. Derjenige ist kleinmütig gegenüber dem Christentum, der da glaubt, dass das, was auf einer sicheren Basis steht, dass das beeinträchtigt wird durch die Geisteswissenschaft. Ebenso wenig, wie es durch Kopernikanismus beeinträchtigt werden konnte, kann es [Lücke].

[ 77 ] Precisely because some things have come from this side: Just as Copernicanism, the doctrine of the rotation of the earth, did not impair religion [is], but on the contrary [gap], true Spiritual Science, because it is true Spiritual Science, has never undermined religious consciousness, but on the contrary: those who [live] in true Spiritual Science will attain impulses in this region that will lead them precisely to religious life. And a new movement, a religious movement, will arise, without [gap]. Those who believe that what stands on a secure foundation will be undermined by Spiritual Science are faint-hearted toward Christianity. Just as little as it could be undermined by Copernicanism, it cannot [gap].

[ 78 ] Und derjenige ist erst wahrer Christ und erkennt die Grundfesten seines Christentums, der nicht sagt: Ich muss es schützen gegen wissenschaftliche Fortschritte —, sondern der da sagt: Ich weiß, dass es so stark ist, dass es kein wissenschaftlicher Fortschritt irgendwie [ins Wanken] bringen kann. Wahre Naturwissenschaft wird das Christentum stützen, wahre Geisteswissenschaft wird es nicht nur stützen, sondern erst in der richtigen Weise neu wiederbeleben können, wenn sie andere stützt, [die] wankend geworden als [Lücke].

[ 78 ] And only those who are true Christians and recognize the foundations foundations of his Christianity, not one who says, “I must protect it against scientific progress,” but one who says, "I know that it is so strong that no scientific progress can in any way [shake] it. True natural science will support Christianity, true Spiritual Science will not only support it, but will be able to revive it in the right way when it supports others [who] have become shaken [gap].

[ 79 ] Von anderer Seite ist es recht begreiflich, dass Geisteswissenschaft angefochten wird: Du gibst ja vor, Geisteswissenschaft beruhe auf Erfahrung, das sind ja nur deine Beobachtungen. — Aber die Beobachtungen kann jeder Mensch prüfen, und es wird ja ausdrücklich darauf hingewiesen: Es handelt sich nicht um Halluzinatorisches, sondern um das, was nicht halluzinatorische Einbildungen sind. [Auch hört man oft, die Ergebnisse der Geisteswissenschaft seien] nicht durch das Denken zu prüfen. Aber das wird ja gerade gefordert, dass das Denken solches klären wird, dass es sich nicht handelt um bloße Beobachtung, sondern darum, dass man ein so scharfes Denken fordert, dass diese Beobachtung vor der Vernunft gerechtfertigt werden kann. [Lücke]

[ 79 ] From another point of view, it is quite understandable that Spiritual Science is challenged: you claim that Spiritual Science is based on experience, but these are only your observations. — But anyone can test these observations, and it is expressly pointed out that these are not hallucinations, but rather things that are not hallucinatory imaginings. [It is also often said that the results of Spiritual Science cannot be verified by thinking. But that is precisely what is required, that thinking will clarify that this is not mere observation, but that such sharp thinking is required that this observation can be justified before reason. [Gap]

[ 80 ] Die Vernunft ist es, die eine Halluzination [von einem Schauen unterscheiden kann] und als Halluzination erkennt. Die Geisteswissenschaft erfordert noch ein höheres Denken.

[ 80 ] It is reason that can distinguish a hallucination [from a vision] and recognize it as a hallucination. Spiritual Science requires even higher thinking.

[ 81 ] Die Naturwissenschaft darf man bewundern, allein darinnen eigentümlich ist heute vorhanden gerade auf naturwissenschaftlichem Gebiet jenes scharfe Denken, jenes wissenschaftlichkeitsverwandte Denken, jenes gewissenhafte, immer sich selbst prüfende Denken, welches notwendig ist gerade für den Geistesforscher, da könnte ich Ihnen manche anschauliche Beispiele anführen. Nur eines zum Schluss:

[81] One may admire natural science, but it is precisely in the field of natural science that one finds today that sharp thinking, that scientific thinking, that conscientious, constantly self-examining thinking that is necessary for the spiritual researcher. I could give you many vivid examples of this. Just one to conclude:

[ 82 ] Ich betone ausdrücklich, ich greife, wenn ich nicht selber angegriffen werde, niemanden an, den ich nicht schätze; Einwände bringe ich eben gegen solche Menschen vor, die ich gerade schätze, und wen ich auswähle, [Lücke] [ist] ein Zeichen dafür, dass ich den Betreffenden auf seinem Gebiet erst recht schätze. Es ist eine billige Art, denjenigen, den man nicht schätzen kann, widerlegen zu wollen. Das, was gezeigt werden muss, muss gezeigt werden gerade an denjenigen, die man schätzen kann.

[ 82 ] I would like to emphasize that, unless I am attacked myself, I do not attack anyone whom I do not respect; I raise objections against those whom I respect, and those whom I choose [gap] [is] a sign that I respect the person in question in their field all the more. It is a cheap way to try to refute those whom one cannot respect. What needs to be shown must be shown precisely to those whom one can respect.

[ 83 ] Da haben wir einen großen bedeutenden Naturwissenschaftsforscher der Gegenwart, den ich wirklich [als] einen der ersten anerkenne auf seinem Gebiet. Aber er zeigt, dass man ein großer Naturwissenschaftsforscher sein kann, ohne jenes sich selbst kontrollierende Denken zu haben, das auf Schritt und Tritt da sein muss. [Er hat] ein Buch geschrieben, in dem er ein Bild gibt über den Zusammenhang der Welterscheinungen von seinem Standpunkte aus. In der Vorrede dieses Buches sagt dieser Verfasser:

[ 83 ] Here we have a great and important contemporary scientist, whom I truly recognize as one of the foremost in his field. But he shows that one can be a great scientist without having that self-controlling thinking that must be present at every turn. [He has] written a book in which he gives a picture of the connection between world phenomena from his point of view. In the preface to this book, the author says:

Ob man in der «besten der Welten» lebt, [kann] ein Verstand sich nicht vorstellen, dass wir aber in der «besten der Zeiten» leben, dürfen wir schon behaupten, denn es ist ja wirklich so, dass alle früheren Zeiten in den Naturwissenschaften unbedeutend waren. Wir haben es in der Naturwissenschaft so weit gebracht, dass man die gegenwärtige Zeit als die «beste der Zeiten» ansehen muss. Daher dürfen wir,

Whether we live in the “best of all worlds” is something the mind cannot create a mental image of, but we can already claim that we live in the “best of all times,” , because it is indeed true that all previous eras were insignificant in terms of natural science. We have made such progress in natural science that the present era must be regarded as the “best of times.” Therefore, we may,

[ 84 ] sagt er,

[ 84 ] he says,

mit Goethe sagen, wenn wir auf diese «beste der Zeiten» hindeuten, dürfen wir mit Goethe sagen:

Es ist ein groß’ Ergötzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.

with Goethe, when we refer to this “best of times,” we can say with Goethe:

It is a great delight
To put oneself in the spirit of the times,
To see how a wise man thought before us,
And how we have finally come so far.

[ 85 ] Man braucht ein geistig gewissenhaftes Denken, [ein auf] sich selbst konzentrierendes Denken, denn diesen Ausspruch lässt Goethe in seinem «Faust» den Wagner tun [...].

[ 85 ] One needs to think conscientiously, to concentrate on oneself, for Goethe has Wagner say this in his “Faust” [... ].

[ 86 ] Sie sehen, man kann eine zweite Frage sich [stellen], und so beantworten, sich im Denken kontrollieren, dass man sich selber mit dem Wagner, der Theoretiker ist, mit dem [Wagner sich] verbindet, dass man sich selbst mit dem Wagner [verbindet], während man glaubt, einen tiefsinnigen Ausspruch zu zitieren, indem man anführt einen Ausdruck, [längere Lücke].

[ 86 ] You see, one can ask oneself a second question and answer it in such a way as to control one's thinking, that one associates oneself with Wagner, the theorist, [Wagner], that one connects oneself with Wagner [connects oneself], while believing that one is quoting a profound statement by citing an expression, [longer gap].

[ 87 ] Das ist nicht bloß ein einzelnes Beispiel, sondern ein typisches Beispiel, wie gerade Materialisten [Lücke] jenes Denken, das so notwendig ist, nicht haben können. Daher darf man sich nicht wundern, wenn [der] Geisteswissenschaft manches entgegengebracht wird. Von dieser Seite aus zeigt sich ja als Erstes — die Anschauungen im spekulativen philosophischen Bewusstsein, an einem anschaulichen Beispiele, das hier schon erwähnt [wurde —, zeigt sich] etwas recht Merkwürdiges. Als der [Materialismus] da, [an diesem] Punkt der naturwissenschaftlichen Weltanschauung [anlangte], [das] war in dem ersten Jahrzehnt der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, da glaubten alle Leute, in dem Darwinismus seien gelöst alle Weltenrätsel.

[ 87 ] This is not just a single example, but a typical example, of how materialists [gap] cannot have the thinking that is so necessary. Therefore, one should not be surprised when [the] Spiritual Science is met with resistance. From this perspective, the first thing that becomes apparent is that the views in speculative philosophical consciousness, using a vivid example already mentioned here, reveal something quite remarkable. When [materialism] [reached] this point in the scientific worldview, [which] was in the first decade of the second half of the nineteenth century, everyone believed that Darwinism had solved all the mysteries of the world.

[ 88 ] Hartmann, der noch keine Geisteswissenschaft hatte, aber vom spekulativ-philosophischen Standpunkt aus die Einseitigkeit der Wissenschaft kannte, er schrieb einiges gegen die materialistische Färbung des Darwinismus, indem er zeigte, dass Geist in allem leben muss. Da erscheint Gegenschrift über Gegenschrift, in denen überall gesagt wird: Nun ja, da kommt dieser dilettantische Philosoph und labert in einer dilettantischen Weise vom Geistigen; den Geist hat die Naturwissenschaft längst überwunden. Dann [aber] erscheint eine Schrift von einem Anonymus. Sie war sehr geistvoll. Haeckel, Oscar Schmidt, viele andere, sie sagten ungefähr: Da hat einmal einer, der die Sache der Naturwissenschaft vom Grunde aus versteht, diesen Philosophen Hartmann widerlegt. Warum der Dichter uns nur nicht genannt wird? Wir betrachten ihn als den Unsrigen, er steht auf der Höhe der Naturwissenschaft. Sie trägt alles bei /Lücke]. Es wurde bald eine zweite Auflage notwendig; da nannte sich der Mann, es war Hartmann selber. Die dritte Auflage wurde nicht so schnell verkauft.

[ 88 ] Hartmann, who did not yet have a Spiritual Science, but who knew the one-sidedness of science from a speculative-philosophical point of view, wrote a number of things against the materialistic coloring of Darwinism, showing that spirit must live in everything. Then counter-writings appear, in which it is said everywhere: Well, here comes this dilettante philosopher, babbling in a dilettante manner about the spiritual; science has long since overcome the spirit. Then [however] a writing by an anonymous author appears. It was very witty. Haeckel, Oscar Schmidt, and many others said something like: Someone who fundamentally understands natural science has refuted this philosopher Hartmann. Why isn't the author named? We consider him one of our own; he is at the height of natural science. It contributes everything [gap]. A second edition soon became necessary; then the man revealed himself, it was Hartmann himself. The third edition did not sell so quickly.

[ 89 ] Wir haben das sonderbare Beispiel erlebt — ich habe es vor allem aus dem Mund des Haeckel gehört —, wie er Oscar Hertwig meinen Bruder [und] treuesten Schüler [nannte. Oscar Hertwig aber brachte] eine Widerlegung der Zufallscheorie. Wir sehen den Haeckel-Schüler bereits eine ganz neue nach dem Geistigen hin strebende Weltanschauung aufstellen, wir sehen hier wiederum Haeckel zitiert von Oscar Hertwig, dem Schüler Haeckels. Eine merkwürdige Erscheinung: Wir sind auf dem Wege, wo die Naturwissenschaft aus ihren eigenen Kräften, aus eigenen Strömungen, aus [eigenem] Streben in die Geisteswissenschaft hineinmünden muss. Geisteswissenschaft ist aufgestellt nicht aus Willkür, sondern aus tiefster Erkenntnis der Zeit. [Lücke]

[ 89 ] We have experienced the strange example—I heard it primarily from Haeckel himself—of how he called Oscar Hertwig my brother [and] most loyal student. Oscar Hertwig, however, brought forth a refutation of the theory of chance. We see Haeckel's student already establishing a completely new worldview striving toward the spiritual; here we see Haeckel being quoted by Oscar Hertwig, Haeckel's student. A remarkable phenomenon: we are on a path where natural science must flow into Spiritual Science from its own forces, from its own currents, from its own striving. Spiritual Science is not established arbitrarily, but from the deepest insight of the time. [Gap]

[ 90 ] Ist sie nicht dasjenige, was die Gegenwart [braucht], der gerade durch die notwendigen bewundernswürdigen Fortschritte der neueren Zeit der unmittelbare Zusammenhang mit den geistigen Welten, der in alten Zeiten vorhanden war, verloren gegangen [ist]? Ist dann nicht [im Recht] diese Menschenseele in dieser neueren Zeit, in dieser Gegenwart, wo so vieles an sie herantritt, gegenüber dem sie sich nicht anderes sagen kann als: So, wie ich mich zur Wissenschaft stellen muss, muss sie mir auch etwas zu sagen wissen über mein Herzen-Teuerstes [...].

[ 90 ] Is it not what the present [needs], precisely because the necessary and admirable progress of recent times has caused the direct connection with the spiritual worlds that existed in ancient times to be lost? Is it not [right] then for the human soul in these modern times, in the present, when so much comes upon it that it can say nothing else but: Just as I must relate to science, so must it also have something to say to me about what is dearest to my heart [...].

[ 91 ] In der Gegenwart kann es große, teils einschneidende Schicksalsfragen [geben] — wie das Schicksal tiefgehende Fragen an uns stellt —, die, wenn man wissenschaftlich sich dieser Frage nähert, dann wird das eine Wissenschaft sein.

[ 91 ] In the present, there may be great, sometimes decisive questions of fate — just as fate poses profound questions to us — which, if approached scientifically, will then be a science.

[ 92 ] Geisteswissenschaft ist eine solche, die nicht nur den Verstand befriedigt, nicht nur aus theoretischen Standpunkten befriedigt, sondern eine Wissenschaft, welche das menschliche Herz befriedigt, welche das menschliche Herz beruhigt, welches es erkraftet in den schwierigsten Fragen des Daseins, wie sie insbesondere in unserer Zeit vor unserer unmittelbaren Gegenwart stehen. Und ich bin, meine sehr verehrten Anwesenden, nicht bloß aus dem Zeitenbewusstsein heraus, nicht bloß aus dem, was wir jetzt unmittelbar erleben, sondern seit ich streben konnte in der Richtung, die in die Geisteswissenschaft hineinmündete, ich war immer davon überzeugt, dass notwendig ist, um zu wahrer Geistesforschung in der neueren Menschheit zu kommen, dass da an Quellen menschlicher Geisteskraft [angeknüpft werden muss], die sich — nachdem das alte Griechentum über die Wellen der Menschheitsentwicklung hingegangen ist —, die sich nun eröffnen als menschliche, wissenschaftliche Kräfte in dem, was ich nennen möchte das deutsche Geistesleben. Dies [konnte ich] nicht entwickeln aus einem Gefühl, sondern aus einer Erkenntnis, die sich seit Jahrzehnten festgesetzt hat.

[ 92 ] Spiritual Science is one that not only satisfies the intellect, not only satisfies from a theoretical point of view, but is a science that satisfies the human heart, that calms the human heart, that strengthens it in the most difficult questions of existence, as they arise in particular in our time before our immediate present. And I am, my dear friends, not only out of an awareness of the times, not only out of what we are now directly experiencing, but ever since I was able to strive in the direction that led to Spiritual Science, I have always been convinced that in order to arrive at true spiritual research in modern humanity, it is necessary to draw on sources of human spiritual power that — after ancient Greece has passed over the waves of human development — which are now opening up as human, scientific forces in what I would like to call German spiritual life. I could not develop this from a feeling, but from a realization that has become established over decades.

[ 93 ] Als ich vor drei Jahrzehnten im allerersten Aufsatz schrieb in einer deutschen Zeitschrift [über mitteleuropäischen Geistesleben], da führte ich aus in dem einen Gedanken Keime, die ich für die Geisteswissenschaft hatte, dass wir bräuchten eine Vertiefung unseres Geisteslebens aus den Quellen, die nur deutsche Quellen sind, ich schrieb dazumal jenes. Das ergab nun eine Tatsache, vor 36 Jahren, dass wir vor allen Dingen überwinden müssen das, was wir, wie im neunzehnten Jahrhundert [in einer Weise], wie es an diesem Ort berechtigt sein mag, wie es aber unser Geistesleben nicht in dieser Reinheit sich entwickeln lässt, dass wir das, was aus englischem Geistesleben mit Unrecht das mitteleuropäische Geistesleben beeinflusst, unterscheiden müssen von den wahren Geistesquellen. Das ist nicht chauvinistisch gemeint, sondern so, dass die Kräfte, die vorhanden sind in der Welt, auch erkannt sein müssen, wenn sie im Bewusstsein erkannt sein sollen; so ist es kein bloßes Gefühl, sondern — so kann ich sprechen —, ist Wissenschaft, dass ich das suchen muss bei den tiefsten Quellen des deutschen Geistesleben, die dazu berufen sind.

[ 93 ] When I wrote in a German journal three decades ago in my very first essay [on Central European spiritual life], I expressed in that one thought the seeds I had for Spiritual Science, that we needed a deepening of our spiritual life from sources that are only German sources, I wrote that at the time. This has now become a fact, 36 years ago, that we must above all overcome what we, as in the nineteenth century [in a way] that may be justified in this place, but which does not allow our spiritual life to develop in this purity, that we must distinguish what unjustly influences Central European spiritual life from English spiritual life from the true sources of spirituality. This is not meant in a chauvinistic way, but rather in the sense that the forces that exist in the world must also be recognized if they are to be recognized in consciousness; so it is not merely a feeling, but — so to speak — it is science that I must seek this in the deepest sources of German spiritual life, which are called upon to do so.

[ 94 ] Nachdem durch das Griechentum ein Höchstes geleistet worden ist für Lücke] von der Anthropologie zur Anthroposophie [zu führen]: zur ersten orientierenden Geisteswissenschaft.

[ 94 ] After the Greeks had achieved the highest possible level of anthropology, it was necessary to bridge the gap between anthropology and anthroposophy: to the first orienting Spiritual Science.

[ 95 ] Daher konnte es mich in ganz besonderer Weise berühren, als ich später bei einem Mann, der auch ganz darinnen stand im deutschen Geistesleben, Hartmann, folgende merkwürdige Bemerkung fand, die heute fast aus der [Lücke].

[ 95 ] That is why I was particularly moved when I later found the following remarkable remark by Hartmann, a man who was also deeply involved in German spiritual life, which today has almost disappeared from [Lücke].

[ 96 ] Man glaubt, Physik ist etwas Objektives. Hartmann, der objektiver anzuschauen vermag solche Dinge, [Hartmann] sagte schon vor Jahren:

[ 96 ] People believe that physics is something objective. Hartmann, who is able to view such things more objectively, [Hartmann] said years ago:

Es ist zu hoffen, [dass auch in der modernen Physik die idealistischen und agnostischen Irrwege bald wieder als solche] erkannt werden dürften, sobald die Religion und die Philosophie sich [von ihnen abwendet und], wo ein Geist, der uns /unleserlich] gegangen ist, den Rücken kehrt.

It is to be hoped [that in modern physics, too, the idealistic and agnostic aberrations will soon be recognized as such] as soon as religion and philosophy [turn away from them and] where a spirit that has gone [illegible] turns its back on us.

[ 97 ] Das klingt wirklich nach den besten Quellen dieses deutschen Geisteslebens. Man braucht sich nur zu erinnern [an] des Novalis — jenes wunderbaren deutschen Geistes — schönen Ausspruch über die Physiker. Novalis, der in einem jugendlichen Leben aus der ganzen Pracht des deutschen Geistes heraus geschaffen hat, er sprach den Satz:

[ 97 ] That really sounds like the best sources of this German intellectual life. One need only remember [the] beautiful saying of Novalis — that wonderful German spirit — beautiful saying about physicists. Novalis, who in his youthful life created from all the splendor of the German spirit, said the following:

Wir werden erst Physiker [werden, wenn wir imaginative Stoffe und Kräfte zum Maßstab der Naturstoffe und -kräfte] machen.

We will only become physicists [when we make imaginative substances and forces the measure of natural substances and forces].

[ 98 ] Ist das nicht [Novalis’] Leitspruch für dasjenige, was Geisteswissenschaft will?

[ 98 ] Is this not [Novalis's] motto for what Spiritual Science aims to achieve?

[ 99 ] Anfänglich habe ich mir gestattet, dieses Geisteswissenschaft zu nennen; ich betrachte, meine sehr verehrten Anwesenden, geistige Größen, wo ich nur hinschauen mag, die tief darinnen wurzeln in dem deutschen Geistesleben, in dem deutschen Geisteswesen. Ich sehe zurück vor allen Dingen auf den wunderbaren Troxler, auf jenen merkwürdigen Geist, der in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zwar noch nicht Geisteswissenschaft hatte, der aber aus der Tiefe des deutschen Sinnens und Schauens heraus strebte nach einer solchen geisteswissenschaftlichen Erfassung der Welt und des Zusammenhanges des Menschen mit dieser Welt, wie sie wirklich entwickelt ist, ein Erkennen der wahren Gründe des menschlichen Wesens, und da sagte Troxler 1827:

[ 99 ] Initially, I took the liberty of calling this Spiritual Science; I see, my esteemed audience, spiritual greats wherever I look, deeply rooted in German spiritual life, in the German spirit. Above all, I look back on the wonderful Troxler, on that remarkable spirit who, in the first half of the nineteenth century, did not yet have Spiritual Science, but who, from the depths of German thinking and vision, strove for such a spiritual scientific understanding of the world and of the connection of human beings with this world as it has really developed, a recognition of the true reasons for human existence, and in 1827 Troxler said:

Wenn es nun höchst [erfreulich ist, dass die neueste Philosophie, welche [...] in jeder Anthroposophie [...] sich offenbaren muss, emporwindet, so ist doch nicht zu übersehen, dass diese Idee nicht eine Frucht der Spekulation sein kann, und die wahrhafte Individualität des Menschen weder mit dem, was sie als subjektiven Geist oder endliches Ich aufstellt, noch mit dem, was sie als absoluten Geist oder absolute Persönlichkeit diesem gegenüberstellt,] verwechselt werden darf.

While it is most gratifying that the latest philosophy, which [...] must reveal itself in every anthroposophy [...] must reveal itself, is on the rise, it cannot be overlooked that this idea cannot be a fruit of speculation, and that the true individuality of the human being must not be confused either with what it posits as subjective spirit or finite ego, or with what it contrasts with this as absolute spirit or absolute personality.

[ 100 ] Ein bewusstes Aufsteigen von der Seele zum Geist, wie dies doch erst in unserer Geisteswissenschaft erfasst werden kann, das stand schon 1827 dem ausgezeichneten, leider vergessenen Troxler vor Augen.

[ 100 ] A conscious ascent from the soul to the spirit, as can only be grasped in our Spiritual Science, was already before the eyes of the excellent, unfortunately forgotten Troxler in 1827.

[ 101 ] Nun sehen wir zu Hermann Fichte, den Sohn des großen Fichte — den ich vor Jahren hier charakterisiert habe als Beeinflusser des deutschen Geisteslebens —, auf jenen Sohn, der in so liebevoller Weise den Unterricht des Vaters so genossen hat. Hören wir, wo er spricht über den Weg, den der Mensch machen muss von der bloßen Anthropologie zu der Erfassung des wahren Wesens des Menschen. Hören wir, was Hermann Fichte sagt. Er sagt:

[ 101 ] Now let us turn to Hermann Fichte, the son of the great Fichte — whom I characterized here years ago as an influencer of German intellectual life —, to that son who so lovingly enjoyed his father's teaching. Let us listen to him as he speaks about the path that man must take from mere anthropology to the understanding of the true nature of man. Let us listen to what Hermann Fichte says. He says:

Das Sinnenbewusstsein dagegen und die auf seinem Ausgangspunkte [entstehende Erscheinungswelt mit dem gesamten, auch menschlichen Sinnenleben, haben keine andere Bedeutung, als nur die Stätte zu sein, in welcher jenes übersinnliche Leben des Geistes sich vollzieht, indem er durch frei bewusste eigene Tat den jenseitigen Geistesgehalt der Ideen in die Sinneswelt einführt] (...] [Diese gründliche Erfassung des Menschenwesens erhebt nunmehr die «Anthropologie»; in ihrem Endresultate zur] «Anthroposophie».

Sensory consciousness, on the other hand, and the world of phenomena arising from its starting point, with the entire sensory life, including that of human beings, have no other meaning than to be the place where that supersensible life of the spirit takes place, in that it introduces the otherworldly spiritual content of ideas into the sensory world through its own freely conscious actions] (...] [This thorough understanding of the human being now elevates “anthropology” to its final result, “anthroposophy.”

[ 102 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, Anthroposophie ist nicht etwa aus einer Willkür heraus geboren. Sie ist erlauscht aus dem tiefsten Geistesbedürfnis des deutschen Volkes selbst. Setzt man das tiefste deutsche Geistesleben fort, so kommt man zur Anthroposophie.

[ 102 ] Ladies and gentlemen, anthroposophy was not born out of arbitrariness. It arose from the deepest spiritual need of the German people themselves. If one continues the deepest German spiritual life, one arrives at anthroposophy.

[ 103 ] Dann kommt man aber auch dazu, diejenigen Deutschen zu verstehen, die aus der Tiefe des deutschen Geisteslebens heraus Protest erheben müssen gegen alle Vermaterialisierungen der Wissenschaft, denn diese kann niemals aus den tiefsten Quellen des deutschen Geisteslebens heraus kommen. Vermaterialisierung kann daher ein solcher Mann wie Grimm, wenn auch nicht aus Geisteswissenschaft heraus, so aus einem Gefühl des festen Stehens auf dem Boden der Goethe’schen Weltanschauung [ablehnen]. Er lehnt ab, was jene äußere, materialistische Laplace-Kant’sche Theorie [besagt], welche die Welt darstellt mit Ausschluss des geistigen Lebens als hervorgegangen aus einem Weltennebel. Man macht das den Kindern begreiflich, indem man sagt: Seht her, die Welt ist der Nebel gewesen, da haben sich die Ringe gebildet, die Planeten /unklare Passage]. Seht ihr, wie in der Mitte die Sonne prangt? [Lücke] Wunderbare Anschauung — und die Kinder gehen nach Hause: Der Herr Lehrer hat uns erklärt, wie das Planetensystem entstanden ist. Es ist immer gut, wie es moralisch ist, sich selbst zu vergessen. [Ich] werde [bei] einem wissenschaftlichen Experiment aber nicht vergessen, was das Eigentliche ist; hätte der Herr Lehrer nicht gerührt [Lücke]. Daher muss man, wenn man das Ganze nimmt, allgemein nimmt, [erkennen], dass das nur der große Herr Lehrer mit einer Reißstecknadel war, der die Sache zum [Drehen] gebracht hat. Das hat man wohl unterlassen. Wir sprechen in der Geisteswissenschaft nicht von dem Riesen-Herr-Lehrer, aber von den geistigen Mächten und Kräften, zu denen das schauende Bewusstsein sich hinaufbegibt. Es war das sein — [Grimms] — gefühlsmäßiges Drinnenstehen in diesem Protest gegen allen Materialismus, [das] sprach.

[ 103 ] But then one also comes to understand those Germans who, out of the depths of German spiritual life, must protest against all materialization of science, for this can never come from the deepest sources of German spiritual life. Materialization can therefore be rejected by a man like Grimm, if not out of Spiritual Science, then out of a feeling of standing firmly on the ground of Goethe's worldview [ He rejects what that external, materialistic Laplace-Kant theory [says], which depicts the world as having emerged from a nebula, excluding spiritual life. This is made understandable to children by saying: Look, the world was a nebula, and then the rings formed, the planets [unclear passage]. Do you see how the sun shines in the middle? [gap] A wonderful view — and the children go home: The teacher explained to us how the planetary system was formed. It is always good, as it is moral, to forget oneself. [I] will not forget what is essential [in] a scientific experiment; if the teacher had not stirred [gap]. Therefore, when one takes the whole, takes it generally, one must [recognize] that it was only the great teacher with a drawing pin who set the whole thing in motion. That has probably been neglected. In Spiritual Science, we do not speak of the giant teacher, but of the spiritual powers and forces to which the contemplative consciousness ascends. It was his — [Grimm's] — emotional involvement in this protest against all materialism [that] spoke.

[ 104 ] Das, was schon [unleserliches Wort], das einmal All werden wird — und Geisteswissenschaft wird schon die Wege ebnen, um so etwas zu verstehen, wie eine solche Welt entsteht:

[ 104 ] That which is already [illegible word], which will one day become everything — and Spiritual Science will already pave the way for understanding how such a world comes into being:

Längst hatte, in seinen Jugendzeiten [schon, die große LaplaceKant’sche Phantasie von der Entstehung und dem einstigen Untergang der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht, als erstarrende Kugel, in unfassbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit einbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen: ein langer, aber dem heutigen Publikum völlig] begreiflicher Prozess, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens mehr bedürfe als die Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten.

Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg macht, wäre ein erfrischendes appetitliches Stück im Vergleiche zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wissbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären, die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn] aufwenden werden.

Long ago, in his youth, [already, the great Laplace-Kantian fantasy of the origin and eventual demise of the globe had taken hold. From the rotating nebula — children already learn this at school — the central gastropause forms, from which the Earth subsequently develops, and, as a solidifying sphere, goes through all phases, including the episode of habitation by the human race, in inconceivable periods of time, finally falling back into the Sun as burnt-out slag: a long process, but one that is completely comprehensible to today's audience], for the realization of which no external intervention is now required other than the effort of some outside force to maintain the sun at the same heating temperature.

No more fruitless perspective for the future can be imagined than the one that is being imposed on us today as scientifically necessary. A carcass bone, a carcass bone that a hungry dog makes a detour around, would be a refreshing, appetizing morsel in comparison to this final excrement of creation, as which our Earth would ultimately fall back to the Sun, and it is the thirst for knowledge with which our generation accepts such things and believes them to be true, a sign of a sick imagination, which, as a historical phenomenon, the scholars of future epochs will one day devote much acumen to explaining.

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[ 105 ] So Grimm.

[ 105 ] So Grimm.

[ 106 ] Und wir dürfen sagen nicht nur aus einem zum Geistigen hinneigenden Bewusstsein, sondern aus echtem deutschem Bewusstsein heraus. Es wird vielleicht noch manches geschehen müssen, bevor die Vorurteile schwinden, welche der Geisteswissenschaft heute noch entgegenstehen. Aber die Zeit wird kommen, so wie sie gekommen ist für die kopernikanische, für die Kepler’sche Weltanschauung.

[ 106 ] And we may say this not only from a consciousness inclined toward the spiritual, but from genuine German consciousness. Perhaps much will have to happen before the prejudices that still stand in the way of Spiritual Science today disappear. But the time will come, just as it came for the Copernican and Keplerian worldviews.

[ 107 ] Ich weiß sehr gut, ich kann heute manches erst stammelnd aussprechen. Und manches, was ich gerade heute gesagt habe, es war unvollkommen gesagt, aber ich halte es wenig mit Tycho de Brahe, der dazumal bewiesen hat, dass die kopernikanische Weltanschauung nicht richtig sein könne. Das war alles sehr scharfsinnig bei Tycho de Brahe, aber ich meine, es ist besser, es mit Kepler zu halten, der zwar auch die kopernikanische [Weltanschauung] nicht angenommen, aber der sie vervollkommnet hat. So weiß ich, es ist unvollkommen gesagt, aber es werden schon diejenigen kommen, die es in der Zukunft vervollkommnen werden, nicht [durch] eine einseitige, ungesunde Kritik, sondern [durch] diejenigen, welche im positiven Sinne weiterarbeiten wollen. Das habe ich aus bester Erkenntnis gesagt.

[ 107 ] I know very well that I can only stammer out some things today. And some of what I have said today was imperfectly expressed, but I have little sympathy for Tycho Brahe, who proved at the time that the Copernican worldview could not be correct. Tycho Brahe was very astute in all this, but I think it is better to agree with Kepler, who also did not accept the Copernican [worldview], but who perfected it. So I know it is imperfectly said, but there will be those who will perfect it in the future, not [through] one-sided, unhealthy criticism, but by those who want to continue working in a positive sense. I have said this to the best of my knowledge.

[ 108 ] Man wird, wenn diese Geisteswissenschaft aufgebaut werden soll, die Erkenntniskräfte des deutschen Geistes dazu brauchen. Und in diesem Sinne darf Geisteswissenschaft mit jener Kulturwelle zusammengebracht werden können, die wir die deutsche Kulturwelle nennen könnten.

[ 108 ] If the Spiritual Science is to be developed, the powers of insight of the German spirit will be needed. And in this sense, Spiritual Science may be brought together with that cultural wave which we might call the German cultural wave.

[ 109 ] Und einstmals hat der große Fichte in bedeutungsvoller Zeit die Reden [gehalten], die er nicht aus chauvinistischem Bewusstsein heraus gehalten hat, sondern in schwerer Zeit, um der deutschen Seele jenes Erziehungs-System zu zeigen, durch das sie zu einem wirklichen Sieger durch den Geist in der Welt werden kann —, Fichte hat sich genötigt gefunden, [in der] ersten dieser Reden dem großen Ausblick sich zuzuwenden, indem er sagt: Es zählt nicht nur deutsches Volk und deutsches Wesen, wer auf [Lücke], sondern die Welt zählt auf diese tiefste Quelle des geistigen Wesens.

[ 109 ] And once, in a significant time, the great Fichte gave speeches that he did not give out of chauvinistic consciousness, but in difficult times, in order to show the German soul that system of education through which it could become a real victor in the world through the spirit — Fichte found himself compelled turn to the grand vision in the first of these speeches, saying: It is not only the German people and the German spirit that count, but the world counts on this deepest source of spiritual being.

[ 110 ] Darum, meine sehr verehrten Anwesenden, darf der Deutsche in dieser Zeit der schweren Prüfung, in dieser schwersten Zeit, es darf der Deutsche hinschauen auf die tiefsten Quellen seines Wesens. Auf die Verbindung dieser tiefsten Quellen seines Wesens mit dem Wesen des Weltengeistes darf er hinschauen, und dann braucht er nicht zu glauben, dass er — nicht in unbescheidener Überhebung über andere — in Demut zu den Aufgaben, die er hat gegenüber dem Weltengeist, sagen darf: Wenn es Feinde ringsherum darnach gelüstet, dieses deutsche Geistesleben auszulöschen, diesem deutschen Geistesleben einen unwiederbringlichen Schaden zuzufügen, so streben sie damit nicht nur diesen Schaden des deutschen Geistesleben an, sondern sie streben an den Schaden der ganzen Menschheitsentwicklung, mit der sich der deutsche Geist durch seine tiefste Kraft verbunden weiß, sodass das, was er zu tun hat, kein anderer tun kann. Sie streben den Schaden der ganzen Menschheitsentwicklung an. Denn nicht, weil wir bloß am deutschen Wesen hängen, sondern weil wir mit aller /Lücke] in die Wege des Weltengeistes schauen wollen, sagen wir: [große Lücke).

[ 110 ] Therefore, my dear audience, in this time of severe trial, in this most difficult time, Germans may look to the deepest sources of their being. They may look to the connection between these deepest sources of their essence and the essence of the world spirit, and then they need not believe that they — not in immodest arrogance toward others — may say in humility to the tasks they have toward the world spirit: If enemies all around desire to extinguish this German spiritual life, to inflict irreparable damage on this German spiritual life, they are not only seeking to damage German spiritual life, but they are seeking to damage the entire development of humanity, with which the German spirit knows itself to be connected through its deepest power, so that what it has to do cannot be done by anyone else. They are seeking to damage the entire development of humanity. For it is not because we are merely attached to the German spirit, but because we want to look with all our hearts into the ways of the world spirit that we say: [large gap).

[ 111 ] Würde [von] jemandem dasjenige, was des deutschen Volkes Aufgabe ist, in der Welt zuschanden gemacht werden können, [so würde] mit seiner Aufgabe dem WeltenGeiste selber für die ganze Menschheit ein ungeheurer Schaden zugefügt werden müssen.

[ 111 ] If someone were to destroy what is the task of the German people in the world, [then] with its task, the world spirit itself would have to suffer enormous damage for the whole of humanity.

[ 112 ] Deshalb darf der Deutsche sagen: Das Licht, das er zu den Lichtern der Weltenentwicklung anzuzünden hat, dieses Licht darf nicht verlöschen. Darum ist es kein blinder Glaube, sondern Zuversicht in das Licht des deutschen Geistes, der uns auch in der schwersten Zeit in eine Zukunft schauen lässt. Der deutsche Geist hat nicht vertan. Er wartet auf seine Aufgabe — wie auch [immer] die Feinde über [diese Aufgabe], [wie auch immer sie] über den deutschen Geist denken mögen, wie auch [immer] sie zu seinem Schaden streben mögen.

[ 112 ] Therefore, the German may say: The light that he has to kindle among the lights of world development, this light must not be extinguished. That is why it is not blind faith, but confidence in the light of the German spirit, that allows us to look to the future even in the most difficult times. The German spirit has not wasted its opportunity. It is waiting for its task — no matter what its enemies may think of this task, no matter what they may think of the German spirit, no matter how they may strive to harm it.