Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a
4 June 1917, Hamburg
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Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und menschlicher Lebenslauf, 1st ed.
Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und Menschlicher Lebenslauf. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse und Deren Betrachtung im Hinblick auf Unsere Schicksaltragende Zeit
Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und Menschlicher Lebenslauf. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse und Deren Betrachtung im Hinblick auf Unsere Schicksaltragende Zeit
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wer von dem Gesichtspunkte aus über Geisteswissenschaft spricht, von dem aus ich nun schon durch viele Jahre hier jeden Winter nach dem Herbst sprechen durfte, und der auch der heutigen Betrachtung zugrunde liegen soll, der muss sich bewusst sein, dass er in der gegenwärtigen Zeit noch vielen und manchen mannigfaltigen Vorurteilen gegenüber der Geisteswissenschaft sich entgegengestellt sehen muss. Und dies muss insbesondere dann der Fall sein, wenn die Betrachtung gehen will wie heute auf tiefste, bedeutsamste Menschenrätsel, allerdings Menschenrätsel, die auf der anderen Seite zusammenhängen mit demjenigen, was wiederum jedes Menschenherz, jeder Mensch hat als die Fragen seiner tiefsten Sehnsucht, [was jeder Mensch] als die Fragen seines tiefsten Lebensbedürfnisses empfindet. Die gegenwärtige wissenschaftliche Seelenkunde bietet insbesondere heute eine Anschauung dar, welcher eine Betrachtung, wie sie heute hier gepflogen werden soll, ich möchte sagen, so ungünstig wie möglich ist, indem gerade die wissenschaftliche Seelenkunde eine Richtung, eine Art und Weise angenommen hat, welche eigentlich — indem Sie natürlich ihren Weg verfolgen gar nicht dazu kommen [kann], über diese große bedeutsame Frage der Seelenunsterblichkeit, des menschlichen Schicksals, irgendwelche wissenschaftliche Betrachtungen anzustellen.
[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Wer von dem Gesichtspunkte aus über Geisteswissenschaft spricht, von dem aus ich nun schon durch viele Jahre hier jeden Winter nach dem Herbst sprechen durfte, und der auch der heutigen Betrachtung zugrunde liegen soll, der muss sich bewusst sein, dass er in der gegenwärtigen Zeit noch vielen und manchen mannigfaltigen Vorurteilen gegenüber der Geisteswissenschaft sich entgegengestellt sehen muss. Und dies muss insbesondere dann der Fall sein, wenn die Betrachtung gehen will wie heute auf tiefste, bedeutsamste Menschenrätsel, allerdings Menschenrätsel, die auf der anderen Seite zusammenhängen mit demjenigen, was wiederum jedes Menschenherz, jeder Mensch hat als die Fragen seiner tiefsten Sehnsucht, [was jeder Mensch] als die Fragen seines tiefsten Lebensbedürfnisses empfindet. Die gegenwärtige wissenschaftliche Seelenkunde bietet insbesondere heute eine Anschauung dar, welcher eine Betrachtung, wie sie heute hier gepflogen werden soll, ich möchte sagen, so ungünstig wie möglich ist, indem gerade die wissenschaftliche Seelenkunde eine Richtung, eine Art und Weise angenommen hat, welche eigentlich — indem Sie natürlich ihren Weg verfolgen gar nicht dazu kommen [kann], über diese große bedeutsame Frage der Seelenunsterblichkeit, des menschlichen Schicksals, irgendwelche wissenschaftliche Betrachtungen anzustellen.
[ 2 ] Lassen Sie mich einleitungsweise, meine sehr verehrten Anwesenden, darauf hinweisen, dass eigentlich die gebräuchliche wissenschaftliche Seelenkunde ganz und gar darin aufgeht, sich zu fragen: Wie entstehen aus Sinnesempfindungen Vorstellungen, wie verketten sich, dann verbinden sich und trennen sich in der menschlichen Seele die Vorstellungen, wie verbinden sich Gefühle wie Lust und Leid, wie die Aufmerksamkeit mit den Vorstellungen innerhalb des menschlichen Bewusstseins, wie gesellen sich zu den Vorstellungen die Willensimpulse hinzu und so weiter? Wie entwickelt sich das [Psychische] und dergleichen?
[ 2 ] Lassen Sie mich einleitungsweise, meine sehr verehrten Anwesenden, darauf hinweisen, dass eigentlich die gebräuchliche wissenschaftliche Seelenkunde ganz und gar darin aufgeht, sich zu fragen: Wie entstehen aus Sinnesempfindungen Vorstellungen, wie verketten sich, dann verbinden sich und trennen sich in der menschlichen Seele die Vorstellungen, wie verbinden sich Gefühle wie Lust und Leid, wie die Aufmerksamkeit mit den Vorstellungen innerhalb des menschlichen Bewusstseins, wie gesellen sich zu den Vorstellungen die Willensimpulse hinzu und so weiter? Wie entwickelt sich das [Psychische] und dergleichen?
[ 3 ] Nun hat einer der allerbedeutendsten, scharfsinnigsten deutschen Seelenforscher, der kürzlich verstorbene außergewöhnliche, hervorragende Franz Brentano, 1874 schon in seiner [«Psychologie vom empirischen Standpunkte»] einen sehr interessanten Ausspruch getan. Er sagte ungefähr: Was kann uns denn also diese Betrachtung von der Vergesellschaftung von Vorstellungen, von den Gegensätzen des [Psychischen], von dem Gegensatz wie Lust und Leid, und so weiter, sein, wenn wir heute in der Seelenbetrachtung nicht die Kräfte finden können, einigermaßen auch nur zu befriedigen die Hoffnung, die einst Platon und Aristoteles an die Seelenforschung geknüpft haben, [nämlich] zu erkennen, inwiefern die menschliche Seele nach dem Ablegen ihres sterblichen Teiles in eine andere Lebensform eingeht, mit anderen Worten, inwiefern man von einer Unsterblichkeit der Menschenseele und damit zusammenhängenden Fragen sprechen kann?
[ 3 ] Nun hat einer der allerbedeutendsten, scharfsinnigsten deutschen Seelenforscher, der kürzlich verstorbene außergewöhnliche, hervorragende Franz Brentano, 1874 schon in seiner [«Psychologie vom empirischen Standpunkte»] einen sehr interessanten Ausspruch getan. Er sagte ungefähr: Was kann uns denn also diese Betrachtung von der Vergesellschaftung von Vorstellungen, von den Gegensätzen des [Psychischen], von dem Gegensatz wie Lust und Leid, und so weiter, sein, wenn wir heute in der Seelenbetrachtung nicht die Kräfte finden können, einigermaßen auch nur zu befriedigen die Hoffnung, die einst Platon und Aristoteles an die Seelenforschung geknüpft haben, [nämlich] zu erkennen, inwiefern die menschliche Seele nach dem Ablegen ihres sterblichen Teiles in eine andere Lebensform eingeht, mit anderen Worten, inwiefern man von einer Unsterblichkeit der Menschenseele und damit zusammenhängenden Fragen sprechen kann?
[ 4 ] 1874 — es ist eine charakteristische Erscheinung —, hat dieser hervorragende Seelenforscher den ersten Band seiner Seelenkunde geschrieben, vier oder fünf Bände sollten es werden. Im Frühling 1874 erschien der erste Band. Für den Herbst war der zweite versprochen, in rascher Folge sollten die nächsten erscheinen, [aber] nichts ist mehr erschienen, nicht im Herbst der zweite, nicht im nächsten Jahr und nicht bis heute die folgenden Bände. Man [bekommt einen Eindruck], wenn man sich etwas in diesen ersten Band Brentanos menschlicher Seelenkunde vertieft, dass es trotz des streng naturwissenschaftlichen Standpunktes, den der Verfasser sich einzunehmen bemüht, Brentano vor allen Dingen darauf ankommt, gipfeln zu lassen zuletzt seine Betrachtung in der Anschauung der menschlichen Seelenunsterblichkeit und des Zusammenhanges des menschlichen Seelenwesens mit der gesamten geistigen Welt.
[ 4 ] 1874 — es ist eine charakteristische Erscheinung —, hat dieser hervorragende Seelenforscher den ersten Band seiner Seelenkunde geschrieben, vier oder fünf Bände sollten es werden. Im Frühling 1874 erschien der erste Band. Für den Herbst war der zweite versprochen, in rascher Folge sollten die nächsten erscheinen, [aber] nichts ist mehr erschienen, nicht im Herbst der zweite, nicht im nächsten Jahr und nicht bis heute die folgenden Bände. Man [bekommt einen Eindruck], wenn man sich etwas in diesen ersten Band Brentanos menschlicher Seelenkunde vertieft, dass es trotz des streng naturwissenschaftlichen Standpunktes, den der Verfasser sich einzunehmen bemüht, Brentano vor allen Dingen darauf ankommt, gipfeln zu lassen zuletzt seine Betrachtung in der Anschauung der menschlichen Seelenunsterblichkeit und des Zusammenhanges des menschlichen Seelenwesens mit der gesamten geistigen Welt.
[ 5 ] Wer nun, von dem Gesichtspunkte ausgehend, welche die hier gemeinte Geisteswissenschaft in Bezug auf Seelenkunde einnehmen kann, an die Brentano-Betrachtung herangeht, der wird gewahr, wenn er sich intim beschäftigt mit dem einzigen erschienenen Band und mit dem, was dann in Folge Brentano später hat erscheinen lassen, dass Brentano wirklich aus einer inneren Notwendigkeit heraus die folgenden Bände gar nicht erscheinen lassen konnte, denn auch er hat nicht die Kraft finden können, das menschliche Forschen bis zu jenen Wegen zu bringen, in denen ergriffen werden kann das Geistige und der Zusammenhang der menschlichen Seele damit. Er hat das nicht gekonnt, Brentano, aus dem einfachen Grund, weil er nach den Denkgewohnheiten, nach den wissenschaftlichen Gewohnheiten der Gegenwart abgelehnt hat, zu dem aufzusteigen, von dem heute hier die Rede sein soll, weil er es abgelehnt hat, eigentliche Geisteswissenschaft in dem hier gemeinten Sinn zu treiben. Er hat damit praktisch den Beweis geliefert, dass die menschliche Seelenkunde zu den charakterisierten Menschenrätseln keine Stellung nehmen kann, wenn sie nicht aufsteigen will zu etwas Geisteswissenschaftlichem.
[ 5 ] Wer nun, von dem Gesichtspunkte ausgehend, welche die hier gemeinte Geisteswissenschaft in Bezug auf Seelenkunde einnehmen kann, an die Brentano-Betrachtung herangeht, der wird gewahr, wenn er sich intim beschäftigt mit dem einzigen erschienenen Band und mit dem, was dann in Folge Brentano später hat erscheinen lassen, dass Brentano wirklich aus einer inneren Notwendigkeit heraus die folgenden Bände gar nicht erscheinen lassen konnte, denn auch er hat nicht die Kraft finden können, das menschliche Forschen bis zu jenen Wegen zu bringen, in denen ergriffen werden kann das Geistige und der Zusammenhang der menschlichen Seele damit. Er hat das nicht gekonnt, Brentano, aus dem einfachen Grund, weil er nach den Denkgewohnheiten, nach den wissenschaftlichen Gewohnheiten der Gegenwart abgelehnt hat, zu dem aufzusteigen, von dem heute hier die Rede sein soll, weil er es abgelehnt hat, eigentliche Geisteswissenschaft in dem hier gemeinten Sinn zu treiben. Er hat damit praktisch den Beweis geliefert, dass die menschliche Seelenkunde zu den charakterisierten Menschenrätseln keine Stellung nehmen kann, wenn sie nicht aufsteigen will zu etwas Geisteswissenschaftlichem.
[ 6 ] Jeder der verehrten Zuhörer, die seit Jahren diese Vorträge hier anhören, Sie werden wissen, dass ich es vermeide, irgendwie aus der objektiven Betrachtung herauszurücken und auf Persönliches zu kommen, es möge mir aber gestattet sein, dass ich heute gewissermaßen ausnahmsweise in der Einleitung zu unserer Betrachtung etwas Persönliches erwähne, das aber zugleich eine durch und durch sachliche Bedeutung hat.
[ 6 ] Jeder der verehrten Zuhörer, die seit Jahren diese Vorträge hier anhören, Sie werden wissen, dass ich es vermeide, irgendwie aus der objektiven Betrachtung herauszurücken und auf Persönliches zu kommen, es möge mir aber gestattet sein, dass ich heute gewissermaßen ausnahmsweise in der Einleitung zu unserer Betrachtung etwas Persönliches erwähne, das aber zugleich eine durch und durch sachliche Bedeutung hat.
[ 7 ] Es ist jetzt 36 Jahre her, als ich begann, dass ich die ersten Bausteine zu demjenigen legte, was ich heute als geisteswissenschaftliche Vorträge und in meinen Schriften ausgeführt habe. Dazumal, als ich die ersten Bausteine vor mehr als drei Jahrzehnten zusammentrug, da fiel mir während des Forschens nach den Seelenrätseln des Menschen, [da fiel mir] in einem Aufsatz des sehr bedeutenden Deutsch-Österreichers Vischer — den man den «V-Vischer» nennt, der auch ein grundsätzlich tiefgehender Philosoph war —, in einem Aufsatz, den er geschrieben hat über das schöne Buch über «Die Traum-Phantasie», eine Sache so auf, dass ich sagen möchte: Blitzartig schlug das in mein damaliges Denken ein. Das war der Satz, wo Vischer, der nachsinnende Philosoph mit dem scharfen energischen Denken, auf das Wesen der menschlichen Seele kurz zu sprechen kommt. Und der Satz lautet: «Das innerste übersinnliche Wesen der menschlichen Seele», so sagte er, «kann nicht im Leib des Menschen lokalisiert sein, es kann aber jedenfalls auch nicht außerhalb des menschlichen Leibes sein.»
[ 7 ] Es ist jetzt 36 Jahre her, als ich begann, dass ich die ersten Bausteine zu demjenigen legte, was ich heute als geisteswissenschaftliche Vorträge und in meinen Schriften ausgeführt habe. Dazumal, als ich die ersten Bausteine vor mehr als drei Jahrzehnten zusammentrug, da fiel mir während des Forschens nach den Seelenrätseln des Menschen, [da fiel mir] in einem Aufsatz des sehr bedeutenden Deutsch-Österreichers Vischer — den man den «V-Vischer» nennt, der auch ein grundsätzlich tiefgehender Philosoph war —, in einem Aufsatz, den er geschrieben hat über das schöne Buch über «Die Traum-Phantasie», eine Sache so auf, dass ich sagen möchte: Blitzartig schlug das in mein damaliges Denken ein. Das war der Satz, wo Vischer, der nachsinnende Philosoph mit dem scharfen energischen Denken, auf das Wesen der menschlichen Seele kurz zu sprechen kommt. Und der Satz lautet: «Das innerste übersinnliche Wesen der menschlichen Seele», so sagte er, «kann nicht im Leib des Menschen lokalisiert sein, es kann aber jedenfalls auch nicht außerhalb des menschlichen Leibes sein.»
[ 8 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, hier sehen Sie einen wissenschaftlichen Menschen, einen wissenschaftlich gründlichen Menschen, einen ehrlichen Denker ringen mit einem höchsten Rätsel. Und [Forschende] kommen da zu nichts anderem — Sie müssen es zugeben, indem ich Ihnen den Satz Vischers anführe — als zu einem vollkommenen Widerspruch. Man müht sich ab und kommt zu einem vollkommenen Widerspruch, indem man sagt, die menschliche Seele kann jedenfalls nicht im menschlichen Leib sein, [aber auch nicht anders als im Leib] sein. Wo [könnte] sie denn dann sein, könnte man trivial fragen. Ich sagte mir damals: Das ist eine derjenigen Fragen — und wir könnten, wenn wir solche Fragen anführen würden, sie zu Hunderten und Hunderten anführen —, bei welcher sehr, sehr viele ernste forschende Menschen stehen bleiben und sagen: Hier sind Grenzen des menschlichen Erkennens, hierüber kann das menschliche Erkennen nicht hinaus, da muss man stehen bleiben.
[ 8 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, hier sehen Sie einen wissenschaftlichen Menschen, einen wissenschaftlich gründlichen Menschen, einen ehrlichen Denker ringen mit einem höchsten Rätsel. Und [Forschende] kommen da zu nichts anderem — Sie müssen es zugeben, indem ich Ihnen den Satz Vischers anführe — als zu einem vollkommenen Widerspruch. Man müht sich ab und kommt zu einem vollkommenen Widerspruch, indem man sagt, die menschliche Seele kann jedenfalls nicht im menschlichen Leib sein, [aber auch nicht anders als im Leib] sein. Wo [könnte] sie denn dann sein, könnte man trivial fragen. Ich sagte mir damals: Das ist eine derjenigen Fragen — und wir könnten, wenn wir solche Fragen anführen würden, sie zu Hunderten und Hunderten anführen —, bei welcher sehr, sehr viele ernste forschende Menschen stehen bleiben und sagen: Hier sind Grenzen des menschlichen Erkennens, hierüber kann das menschliche Erkennen nicht hinaus, da muss man stehen bleiben.
[ 9 ] Ich möchte, verzeihen Sie, die gewöhnliche Bemerkung fortsetzen. Ich verfasste dazumal einen ersten, [man] kann sagen wissenschaftlichen Aufsatz, der gerade von solch einer Frage ausgeht, und ich schickte ihn an Vischer, der damals liebenswürdig einging auf die Sache und wirklich fand, dass einer der Hauptpunkte, [auf die eingegangen werden müsste], in jenem kleinen Aufsatz von mir bezeichnet war. Nur starb Vischer sehr bald- und ich hatte das Gefühl, das wäre einer derjenigen gewesen, noch herausgeboren aus den großen Überlieferungen der Weltanschauungen des neunzehnten Jahrhunderts, der die Anknüpfungspunkte zu der neueren Geisteswissenschaft noch hätte finden können, denn immer mehr und mehr entfernte sich im Grunde das menschliche Denken, das sonst auf anderen Gebieten so Großes, so Gewaltiges bis in die Gegenwart herein geleistet hat, von denjenigen Strömungen, die notwendig sind, um Stellung nehmen zu können zu den angedeuteten Rätseln.
[ 9 ] Ich möchte, verzeihen Sie, die gewöhnliche Bemerkung fortsetzen. Ich verfasste dazumal einen ersten, [man] kann sagen wissenschaftlichen Aufsatz, der gerade von solch einer Frage ausgeht, und ich schickte ihn an Vischer, der damals liebenswürdig einging auf die Sache und wirklich fand, dass einer der Hauptpunkte, [auf die eingegangen werden müsste], in jenem kleinen Aufsatz von mir bezeichnet war. Nur starb Vischer sehr bald- und ich hatte das Gefühl, das wäre einer derjenigen gewesen, noch herausgeboren aus den großen Überlieferungen der Weltanschauungen des neunzehnten Jahrhunderts, der die Anknüpfungspunkte zu der neueren Geisteswissenschaft noch hätte finden können, denn immer mehr und mehr entfernte sich im Grunde das menschliche Denken, das sonst auf anderen Gebieten so Großes, so Gewaltiges bis in die Gegenwart herein geleistet hat, von denjenigen Strömungen, die notwendig sind, um Stellung nehmen zu können zu den angedeuteten Rätseln.
[ 10 ] Vischer, der sich im wissenschaftlichen Sinne an solche Fragen heranringt und sie nun nicht so betrachtet wie theoretische Fragen, sondern sie aufnimmt in sein Bewusstsein und mit ihnen ringt, der findet gerade an diesem Punkte, wo zunächst das gewöhnliche menschliche Denken wie an eine unübersteigliche Grenze kommt, der findet gerade da die Ausgangspunkte für das Erforschen des geistigen Lebens und des Lebens der Menschenseele darinnen. Diese Aussprüche zu erhärten, wird im Eigentlichen die Aufgabe der Betrachtung des heutigen Abends sein.
[ 10 ] Vischer, der sich im wissenschaftlichen Sinne an solche Fragen heranringt und sie nun nicht so betrachtet wie theoretische Fragen, sondern sie aufnimmt in sein Bewusstsein und mit ihnen ringt, der findet gerade an diesem Punkte, wo zunächst das gewöhnliche menschliche Denken wie an eine unübersteigliche Grenze kommt, der findet gerade da die Ausgangspunkte für das Erforschen des geistigen Lebens und des Lebens der Menschenseele darinnen. Diese Aussprüche zu erhärten, wird im Eigentlichen die Aufgabe der Betrachtung des heutigen Abends sein.
[ 11 ] Ich möchte nur anknüpfen an die Frage: Was muss eigentlich eine Geisteswissenschaft mit Bezug auf die menschliche Seele anstreben, wenn sie ganz im Sinne strengster wissenschaftlicher Betrachtung der heutigen Zeit gehalten sein will? Ich habe es vorher auch hier betont: Diejenige Geisteswissenschaft, die ich hier meine, ist nicht eine Gegnerin der Naturwissenschaft unserer Zeit, sondern im Gegenteil, sie ist gerade eine geistige Richtung, welche voll anerkennt die großen Fortschritte der Naturwissenschaft in den letzten Jahrhunderten und insbesondere in der neueren Zeit, welche anerkennt die tief eingreifende Bedeutung der Naturwissenschaft in das Leben, und welche daher in der naturwissenschaftlichen Betrachtung überhaupt das Musterbild einer jeglichen wissenschaftlichen Betrachtung sehen muss. Daher will diese Geisteswissenschaft in keinem Punkte mit der Naturwissenschaft in irgendeinen Widerspruch kommen, sie muss sich aber allein vorbehalten, dass die Erforschung des geistigen Gebietes gerade dann, wenn man so streng sein will wie die Naturwissenschaft auf ihrem Gebiet, dass sie dann andere Wege und Methoden einschlagen muss als die Naturwissenschaft.
[ 11 ] Ich möchte nur anknüpfen an die Frage: Was muss eigentlich eine Geisteswissenschaft mit Bezug auf die menschliche Seele anstreben, wenn sie ganz im Sinne strengster wissenschaftlicher Betrachtung der heutigen Zeit gehalten sein will? Ich habe es vorher auch hier betont: Diejenige Geisteswissenschaft, die ich hier meine, ist nicht eine Gegnerin der Naturwissenschaft unserer Zeit, sondern im Gegenteil, sie ist gerade eine geistige Richtung, welche voll anerkennt die großen Fortschritte der Naturwissenschaft in den letzten Jahrhunderten und insbesondere in der neueren Zeit, welche anerkennt die tief eingreifende Bedeutung der Naturwissenschaft in das Leben, und welche daher in der naturwissenschaftlichen Betrachtung überhaupt das Musterbild einer jeglichen wissenschaftlichen Betrachtung sehen muss. Daher will diese Geisteswissenschaft in keinem Punkte mit der Naturwissenschaft in irgendeinen Widerspruch kommen, sie muss sich aber allein vorbehalten, dass die Erforschung des geistigen Gebietes gerade dann, wenn man so streng sein will wie die Naturwissenschaft auf ihrem Gebiet, dass sie dann andere Wege und Methoden einschlagen muss als die Naturwissenschaft.
[ 12 ] Nun hat die Naturwissenschaft Großes, Bedeutsames zutage gefördert, auch auf einem Gebiete, das grundverwandt ist demjenigen, von dem heute die Rede hier sein soll. Diese Naturwissenschaft hat es nämlich zustande gebracht, in einer heute schon sehr bedeutsamen Weise das Verhältnis zu erforschen zwischen dem auf- und abwogenden menschlichen Seelenleben vom Aufwachen bis zum Einschlafen und den leiblich-körperlichen Vorgängen und den Organen des Menschen.
[ 12 ] Nun hat die Naturwissenschaft Großes, Bedeutsames zutage gefördert, auch auf einem Gebiete, das grundverwandt ist demjenigen, von dem heute die Rede hier sein soll. Diese Naturwissenschaft hat es nämlich zustande gebracht, in einer heute schon sehr bedeutsamen Weise das Verhältnis zu erforschen zwischen dem auf- und abwogenden menschlichen Seelenleben vom Aufwachen bis zum Einschlafen und den leiblich-körperlichen Vorgängen und den Organen des Menschen.
[ 13 ] Wie können wir dann unser Seelenleben zügeln? Wir können es, indem es sich entwickelt in Denken, Fühlen und Wollen. Die Vorstellungen treten auf, klären uns über die Welt und uns selbst auf, [treten an uns als Impulse heran], Gefühle wogen in uns auf und ab, Willensimpulse durchsetzen dieses Seelenleben; so erleben wir es vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Der Naturwissenschaftsforscher legt sich die Frage vor: Welches ist das Verhältnis dieses auf- und abwogenden Seelenlebens zu dem, was man im menschlichen Organismus, im menschlichen Leib — und der Naturwissenschaftsforscher verfährt ja heute noch einseitig —, was man, sagt er, im menschlichen Nervensystem vor sich hat, im menschlichen Nervensystem und Sinnessystem vor sich hat?
[ 13 ] Wie können wir dann unser Seelenleben zügeln? Wir können es, indem es sich entwickelt in Denken, Fühlen und Wollen. Die Vorstellungen treten auf, klären uns über die Welt und uns selbst auf, [treten an uns als Impulse heran], Gefühle wogen in uns auf und ab, Willensimpulse durchsetzen dieses Seelenleben; so erleben wir es vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Der Naturwissenschaftsforscher legt sich die Frage vor: Welches ist das Verhältnis dieses auf- und abwogenden Seelenlebens zu dem, was man im menschlichen Organismus, im menschlichen Leib — und der Naturwissenschaftsforscher verfährt ja heute noch einseitig —, was man, sagt er, im menschlichen Nervensystem vor sich hat, im menschlichen Nervensystem und Sinnessystem vor sich hat?
[ 14 ] Und man kann ja allerdings durchaus zugeben, dass vielleicht das Allerwichtigste auf diesem Gebiet auch auf naturwissenschaftlichem Feld noch zu tun ist, aber der Anlauf, den die Naturwissenschaft getan hat, um zu zeigen, welche Bedingungen im menschlichen leiblichen Organismus vorliegen, was da geschieht im menschlichen Organismus, während unser Seelenleben abläuft, dieser Anlauf, den die Naturwissenschaft gemacht hat, stellt heute schon etwas Großartiges dar. Darauf [sei] nur hingewiesen. [Und] dieser Anlauf verspricht, dass in vielleicht gar nicht ferner Zeit noch ungeheuer Bedeutungsvolles gerade auf diesem Gebiet des naturwissenschaftlichen Forschens geschehen werde.
[ 14 ] Und man kann ja allerdings durchaus zugeben, dass vielleicht das Allerwichtigste auf diesem Gebiet auch auf naturwissenschaftlichem Feld noch zu tun ist, aber der Anlauf, den die Naturwissenschaft getan hat, um zu zeigen, welche Bedingungen im menschlichen leiblichen Organismus vorliegen, was da geschieht im menschlichen Organismus, während unser Seelenleben abläuft, dieser Anlauf, den die Naturwissenschaft gemacht hat, stellt heute schon etwas Großartiges dar. Darauf [sei] nur hingewiesen. [Und] dieser Anlauf verspricht, dass in vielleicht gar nicht ferner Zeit noch ungeheuer Bedeutungsvolles gerade auf diesem Gebiet des naturwissenschaftlichen Forschens geschehen werde.
[ 15 ] Was kommt auf diesem Gebiet des Forschens eigentlich zutage? Es kommt da zutage, welches Verhältnis besteht zwischen unserem Seelenleben, wie wir es zwischen Geburt oder Empfängnis und dem Tod erleben, [und] den körperlichen, den leiblichen Verrichtungen; es kommt das Verhältnis zutage zwischen unserem Seelenleben und dem Vergänglichen in uns, dem Leibesleben, jenem Leben, das von uns abfällt, wenn wir durch die Pforte [des Todes] gehen.
[ 15 ] Was kommt auf diesem Gebiet des Forschens eigentlich zutage? Es kommt da zutage, welches Verhältnis besteht zwischen unserem Seelenleben, wie wir es zwischen Geburt oder Empfängnis und dem Tod erleben, [und] den körperlichen, den leiblichen Verrichtungen; es kommt das Verhältnis zutage zwischen unserem Seelenleben und dem Vergänglichen in uns, dem Leibesleben, jenem Leben, das von uns abfällt, wenn wir durch die Pforte [des Todes] gehen.
[ 16 ] Will Geisteswissenschaft eine wirkliche Wissenschaft sein, so muss sie gewissermaßen den anderen Weg gehen; so wie die Naturwissenschaft auf der einen Seite das Seelenleben nimmt und die Brücke baut zu dem vergänglichen Leibesleben hin, so muss Geisteswissenschaft den Versuch machen, die Brücke zu bauen von dem Seelenleben, wie wir es in dieser Erfahrung vor uns haben, zu dem Geistigen hin.
[ 16 ] Will Geisteswissenschaft eine wirkliche Wissenschaft sein, so muss sie gewissermaßen den anderen Weg gehen; so wie die Naturwissenschaft auf der einen Seite das Seelenleben nimmt und die Brücke baut zu dem vergänglichen Leibesleben hin, so muss Geisteswissenschaft den Versuch machen, die Brücke zu bauen von dem Seelenleben, wie wir es in dieser Erfahrung vor uns haben, zu dem Geistigen hin.
[ 17 ] Da treten einem aber sogleich die Bedenken entgegen, die durchaus begreiflichen Bedenken entgegen, welche aus den denk- und wissenschaftlichen Gewohnheiten unserer Zeit entstehen. Auch bedeutende Seelenforscher des neunzehnten Jahrhunderts — und bis in unsere Zeit herein —, sie haben die vollkommensten Bedenken sozusagen geäußert gegen eine wirkliche Beobachtung des menschlichen Seelenlebens, gegen die Möglichkeit, dahinterzukommen, was eigentlich geistig in dem menschlichen Seelenleben drinnensteckt.
[ 17 ] Da treten einem aber sogleich die Bedenken entgegen, die durchaus begreiflichen Bedenken entgegen, welche aus den denk- und wissenschaftlichen Gewohnheiten unserer Zeit entstehen. Auch bedeutende Seelenforscher des neunzehnten Jahrhunderts — und bis in unsere Zeit herein —, sie haben die vollkommensten Bedenken sozusagen geäußert gegen eine wirkliche Beobachtung des menschlichen Seelenlebens, gegen die Möglichkeit, dahinterzukommen, was eigentlich geistig in dem menschlichen Seelenleben drinnensteckt.
[ 18 ] Ich könnte Ihnen anführen eine große Anzahl von Beispielen. Ich möchte eines anführen, weil besonders charakteristisch. [Ich möchte] anführen die Bedenken, die Eduard von Hartmann, der Philosoph des Unbewussten, der geisteswissenschaftlich die mannigfaltigen Beziehungen auch des menschlichen Seelenlebens wie die Geheimnisse der Welt übersinnlich zu durchfühlen versuchte, ich werde anführen, was er kurz vor seinem Tod im Beginne unseres Jahrhunderts in seinem Grundriss der Seelenkunde gegen die Möglichkeit geltend gemacht hat, das menschlichen Seelenleben wirklich zu beobachten. Er verzweifelt gewissermaßen an der Möglichkeit der Beobachtung des menschlichen Seelenlebens. Und wie rechtfertigt er dieses?
[ 18 ] Ich könnte Ihnen anführen eine große Anzahl von Beispielen. Ich möchte eines anführen, weil besonders charakteristisch. [Ich möchte] anführen die Bedenken, die Eduard von Hartmann, der Philosoph des Unbewussten, der geisteswissenschaftlich die mannigfaltigen Beziehungen auch des menschlichen Seelenlebens wie die Geheimnisse der Welt übersinnlich zu durchfühlen versuchte, ich werde anführen, was er kurz vor seinem Tod im Beginne unseres Jahrhunderts in seinem Grundriss der Seelenkunde gegen die Möglichkeit geltend gemacht hat, das menschlichen Seelenleben wirklich zu beobachten. Er verzweifelt gewissermaßen an der Möglichkeit der Beobachtung des menschlichen Seelenlebens. Und wie rechtfertigt er dieses?
[ 19 ] Er sagt, dass, indem wir das Seelenleben beobachten wollen, wir [gar] nicht dazu kommen können, [das Seelenleben zu beobachten], denn [sobald] wir anfangen [wollen], es zu beobachten, stören wir gleich das Seelenleben, sodass wir es nicht beobachten können. Wir können also nicht zu einer Beobachtung des Seelenlebens kommen. Er sagt, nehmen wir an, der Mensch wolle zarte Gefühle beobachten, er beginnt zu beobachten, aber indem er sich anstrengt, sie zu beobachten, da sind sie fort.
[ 19 ] Er sagt, dass, indem wir das Seelenleben beobachten wollen, wir [gar] nicht dazu kommen können, [das Seelenleben zu beobachten], denn [sobald] wir anfangen [wollen], es zu beobachten, stören wir gleich das Seelenleben, sodass wir es nicht beobachten können. Wir können also nicht zu einer Beobachtung des Seelenlebens kommen. Er sagt, nehmen wir an, der Mensch wolle zarte Gefühle beobachten, er beginnt zu beobachten, aber indem er sich anstrengt, sie zu beobachten, da sind sie fort.
[ 20 ] Also gerade die Beobachtung treibt dasjenige weg, was man beobachten will.
[ 20 ] Also gerade die Beobachtung treibt dasjenige weg, was man beobachten will.
[ 21 ] So sagt er weiter: Man erinnert sich, wie ein körperlicher Schmerz stärker wird, wenn man ihn beobachten will — besonders Hysteriker [zeigen das bei jeder] Gelegenheit, [wissen wohl Bescheid in solchen Dingen] —, dann besteht die Stärke ihres Schmerzes gerade darin, dass sie mit den Gedanken von dem Schmerz nicht loskommen; bloß ist es die Beobachtung, die dasjenige fälscht, was man beobachten will. Ein anderes Beispiel führt er an: Man nehme an, jemand habe etwas auswendig gelernt und wolle dies hersagen, und wolle sich nun beobachten, wie er es tue, er wird ganz sicher ins Stocken kommen, und nicht weiterkommen können. Also: Will man beobachten, wie die Seele Memoriertes aufsagt, so vertreibt man das Gedicht selbst.
[ 21 ] So sagt er weiter: Man erinnert sich, wie ein körperlicher Schmerz stärker wird, wenn man ihn beobachten will — besonders Hysteriker [zeigen das bei jeder] Gelegenheit, [wissen wohl Bescheid in solchen Dingen] —, dann besteht die Stärke ihres Schmerzes gerade darin, dass sie mit den Gedanken von dem Schmerz nicht loskommen; bloß ist es die Beobachtung, die dasjenige fälscht, was man beobachten will. Ein anderes Beispiel führt er an: Man nehme an, jemand habe etwas auswendig gelernt und wolle dies hersagen, und wolle sich nun beobachten, wie er es tue, er wird ganz sicher ins Stocken kommen, und nicht weiterkommen können. Also: Will man beobachten, wie die Seele Memoriertes aufsagt, so vertreibt man das Gedicht selbst.
[ 22 ] Und so meint Hartmann, könne man das Ich nicht beobachten, weil man durch die Beobachtung dasjenige vertreibt, was man beobachten will.
[ 22 ] Und so meint Hartmann, könne man das Ich nicht beobachten, weil man durch die Beobachtung dasjenige vertreibt, was man beobachten will.
[ 23 ] Es ist das einer von denjenigen Einwänden, welcher zu dem im menschlichen Geiste gehört, was ungemein einleuchtend ist, und es ist ja einer der Gründe, warum man Geisteswissenschaft so leicht gegnerisch ansehen kann, dass die Einwände eigentlich zu dem Einleuchtendsten gehören, was aufzubringen ist in der menschlichen Seele. Man könnte dann einleuchtender zeigen all das, was Hartmann anführt.
[ 23 ] Es ist das einer von denjenigen Einwänden, welcher zu dem im menschlichen Geiste gehört, was ungemein einleuchtend ist, und es ist ja einer der Gründe, warum man Geisteswissenschaft so leicht gegnerisch ansehen kann, dass die Einwände eigentlich zu dem Einleuchtendsten gehören, was aufzubringen ist in der menschlichen Seele. Man könnte dann einleuchtender zeigen all das, was Hartmann anführt.
[ 24 ] Aber nehmen Sie den Gedanken nur einmal von der Forschungs-Ecke aus. Denken Sie, die Naturwissenschaftsforschung hätte sich diesen Einwand gemacht: Wir können nicht das Seelenleben beobachten, also müssen wir verzichten, [danach] zu suchen, wie Gefühle im menschlichen Leib ihre Bedeutung haben. — Sie haben sich [aber gar] nicht stören lassen, trotzdem für sie [natürlich] auch das gilt, dass — wenn man an dasjenige herangeht, was man beobachten will — man es vertreibt. Das heißt, man hat auf dem Gebiet der Seelenkunde noch nicht den Mut [und die Kraft] gefunden, wirklich so vorzugehen wie die Naturwissenschaft auf ihrem Gebiet.
[ 24 ] Aber nehmen Sie den Gedanken nur einmal von der Forschungs-Ecke aus. Denken Sie, die Naturwissenschaftsforschung hätte sich diesen Einwand gemacht: Wir können nicht das Seelenleben beobachten, also müssen wir verzichten, [danach] zu suchen, wie Gefühle im menschlichen Leib ihre Bedeutung haben. — Sie haben sich [aber gar] nicht stören lassen, trotzdem für sie [natürlich] auch das gilt, dass — wenn man an dasjenige herangeht, was man beobachten will — man es vertreibt. Das heißt, man hat auf dem Gebiet der Seelenkunde noch nicht den Mut [und die Kraft] gefunden, wirklich so vorzugehen wie die Naturwissenschaft auf ihrem Gebiet.
[ 25 ] Nun muss man allerdings, wenn man gerade mit Bezug auf die heute aufzuwerfende Frage geisteswissenschaftlich an die Menschenseele herangeht, sich vor allen Dingen klar sein, wie die Frage zu stellen ist, [wie man da herankommt], irgendein Wissen zu erreichen davon, dass etwas im Menschen ist, das dableibt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, das nicht zugrunde gehen kann mit dem Tod, das in irgendeiner Form weitergehen wird. [...] Denn nehmen Sie an, man würde so etwas wissen, so könnte solches gesagt werden. Aber man weiß nichts über das innere Wesen desjenigen, was da fortlebt, nichts [über] das innere Wesen [...] [Lücke]. Was will [der Mensch] denn eigentlich wissen, wenn er an die Frage herantritt. Er will wissen, ob Bewusstsein über den Tod hinaus möglich ist, sich erhält, ob die menschliche Seele fähig ist, ein Bewusstsein zu entwickeln, das unabhängig werden kann vom menschlichen Leib, das daher fortdauern muss, wenn der menschliche Leib den Elementen der Erde übergeben wird. Das muss die eigentliche Frage sein.
[ 25 ] Nun muss man allerdings, wenn man gerade mit Bezug auf die heute aufzuwerfende Frage geisteswissenschaftlich an die Menschenseele herangeht, sich vor allen Dingen klar sein, wie die Frage zu stellen ist, [wie man da herankommt], irgendein Wissen zu erreichen davon, dass etwas im Menschen ist, das dableibt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist, das nicht zugrunde gehen kann mit dem Tod, das in irgendeiner Form weitergehen wird. [...] Denn nehmen Sie an, man würde so etwas wissen, so könnte solches gesagt werden. Aber man weiß nichts über das innere Wesen desjenigen, was da fortlebt, nichts [über] das innere Wesen [...] [Lücke]. Was will [der Mensch] denn eigentlich wissen, wenn er an die Frage herantritt. Er will wissen, ob Bewusstsein über den Tod hinaus möglich ist, sich erhält, ob die menschliche Seele fähig ist, ein Bewusstsein zu entwickeln, das unabhängig werden kann vom menschlichen Leib, das daher fortdauern muss, wenn der menschliche Leib den Elementen der Erde übergeben wird. Das muss die eigentliche Frage sein.
[ 26 ] Zuerst muss man sich über die Fragestellung selbst im Klaren sein. Aus diesem Grunde, meine sehr verehrten Anwesenden, habe ich diese ganze Frage in meinen vielen Schriften — und zuletzt besonders deutlich in meiner letzterschienenen Schrift «Vom Menschenrätsel» — versucht, die Frage von diesem Bewusstsein vor den Menschen einmal zu stellen. All diejenige Forschung, die ich nun seit mehr als drei Jahrzehnten gepflogen habe, sie knüpft im Grunde [genommen] an an die Weltanschauung Goethes. Aber ich darf dabei natürlich sagen — indem ich spreche von der Weltanschauung Goethes —, dass der Philosoph Herbart 1827, als er seine Philosophie geschrieben hat, sich einen Kantianer genannt hat, aber einen Kantianer vom Jahr 1827, und so darf man sich vielleicht auch heute, wenn man eine Geisteswissenschaft im Goethe’schen Sinne vertritt, nennen nicht einen Goetheaner in den Jahren, in denen Goethe gelebt hat, sondern einen Goetheaner des zwanzigsten Jahrhunderts. Fortgebildet durch die innere Kraft des Geisteslebens muss da Goethes Weltanschauung [sein], dann werden in [ihr] wachsen die weitergehenden Fragen, die wir gerade in unserer Zeit aufwerfen müssen aus dem tiefsten Schicksalsbedürfnis der gleichsam auch seit Goethe fortgeschrittenen Menschheit.
[ 26 ] Zuerst muss man sich über die Fragestellung selbst im Klaren sein. Aus diesem Grunde, meine sehr verehrten Anwesenden, habe ich diese ganze Frage in meinen vielen Schriften — und zuletzt besonders deutlich in meiner letzterschienenen Schrift «Vom Menschenrätsel» — versucht, die Frage von diesem Bewusstsein vor den Menschen einmal zu stellen. All diejenige Forschung, die ich nun seit mehr als drei Jahrzehnten gepflogen habe, sie knüpft im Grunde [genommen] an an die Weltanschauung Goethes. Aber ich darf dabei natürlich sagen — indem ich spreche von der Weltanschauung Goethes —, dass der Philosoph Herbart 1827, als er seine Philosophie geschrieben hat, sich einen Kantianer genannt hat, aber einen Kantianer vom Jahr 1827, und so darf man sich vielleicht auch heute, wenn man eine Geisteswissenschaft im Goethe’schen Sinne vertritt, nennen nicht einen Goetheaner in den Jahren, in denen Goethe gelebt hat, sondern einen Goetheaner des zwanzigsten Jahrhunderts. Fortgebildet durch die innere Kraft des Geisteslebens muss da Goethes Weltanschauung [sein], dann werden in [ihr] wachsen die weitergehenden Fragen, die wir gerade in unserer Zeit aufwerfen müssen aus dem tiefsten Schicksalsbedürfnis der gleichsam auch seit Goethe fortgeschrittenen Menschheit.
[ 27 ] Nun habe ich durch einen Vergleich — immer mit den nötigen Einschränkungen gemeint — in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» klarzumachen versucht, wie die Bewusstseinsfrage anzufassen ist. Wie gesagt, es soll nur zunächst ein Vergleich sein, ich werde nachher über das genauer sprechen. Ich sagte, wenn der Mensch im Traume ist, so hat er Bilder eines chaotischen Traumerlebens vor sich. Wir wissen, dass diese Erlebnisse durch das menschliche Innere, das organisch Leibliche, menschliche Innere aufsteigen, aber ihre Veranlassung haben durch dasjenige, was einen äußeren Eindruck macht, aber nicht bis zur Sinnesempfindung kommen kann.
[ 27 ] Nun habe ich durch einen Vergleich — immer mit den nötigen Einschränkungen gemeint — in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» klarzumachen versucht, wie die Bewusstseinsfrage anzufassen ist. Wie gesagt, es soll nur zunächst ein Vergleich sein, ich werde nachher über das genauer sprechen. Ich sagte, wenn der Mensch im Traume ist, so hat er Bilder eines chaotischen Traumerlebens vor sich. Wir wissen, dass diese Erlebnisse durch das menschliche Innere, das organisch Leibliche, menschliche Innere aufsteigen, aber ihre Veranlassung haben durch dasjenige, was einen äußeren Eindruck macht, aber nicht bis zur Sinnesempfindung kommen kann.
[ 28 ] Die Bilder steigen auf. [Der Mensch] lebt [im Traum] in einer Bilderwelt, die er für eine Wirklichkeit hält, Vorstellungen fluten auf und ab, die der Mensch für eine Wirklichkeit im Traum hält, wie er im wachen Leben die äußere Welt für eine Wirklichkeit hält. Allein, wenn der Mensch aufwacht, da fluten ebensolche Bilder auf und ab wie im Traume, aber der Unterschied ist der eine, dass der Mensch, indem er aufgewacht ist, in Verbindung gebracht sein will, [dass] sein ganzes Seelenleben mit demjenigen [in Verbindung gebracht sein will], was ihn als äußere Wirklichkeit umgibt. Dadurch sind nicht nur Bilder in seiner Seele bei dem Wachwerden wie im Traume, die aus dem Organischen des eigenen Inneren aufsteigen, sondern es fluten Bilder auf als Vorstellungen, welche durchaus im Einklang stehen — durch die Verbindung, die der menschliche Wille mit der äußeren physisch-sinnlichen Wirklichkeit hat —, mit dieser Wirklichkeit; der Mensch tritt aus sich heraus, er tritt in Einklang [mit der physisch-sinnlichen Wirklichkeit], mit der äußeren Wirklichkeit.
[ 28 ] Die Bilder steigen auf. [Der Mensch] lebt [im Traum] in einer Bilderwelt, die er für eine Wirklichkeit hält, Vorstellungen fluten auf und ab, die der Mensch für eine Wirklichkeit im Traum hält, wie er im wachen Leben die äußere Welt für eine Wirklichkeit hält. Allein, wenn der Mensch aufwacht, da fluten ebensolche Bilder auf und ab wie im Traume, aber der Unterschied ist der eine, dass der Mensch, indem er aufgewacht ist, in Verbindung gebracht sein will, [dass] sein ganzes Seelenleben mit demjenigen [in Verbindung gebracht sein will], was ihn als äußere Wirklichkeit umgibt. Dadurch sind nicht nur Bilder in seiner Seele bei dem Wachwerden wie im Traume, die aus dem Organischen des eigenen Inneren aufsteigen, sondern es fluten Bilder auf als Vorstellungen, welche durchaus im Einklang stehen — durch die Verbindung, die der menschliche Wille mit der äußeren physisch-sinnlichen Wirklichkeit hat —, mit dieser Wirklichkeit; der Mensch tritt aus sich heraus, er tritt in Einklang [mit der physisch-sinnlichen Wirklichkeit], mit der äußeren Wirklichkeit.
[ 29 ] Heraklit hat diese wunderbaren Worte gesagt, um zu charakterisieren, wie sich die wache Welt unterscheidet von der Traumwelt. [Heraklit hat gesagt: Im Traum-Schlaf hat jeder Mensch seine eigene Welt], wir können mit noch so vielen Menschen zusammen sein; das, was durch die Traumwelt wogt, braucht nichts zu tun haben mit der Welt der anderen. Sobald [sie] aufwachen, [haben sie] eine gemeinsame Welt, damit ausdrückend, dass der Mensch [aus] seiner Willenskraft heraus die Verbindung herstellt mit der verbindenden Welt.
[ 29 ] Heraklit hat diese wunderbaren Worte gesagt, um zu charakterisieren, wie sich die wache Welt unterscheidet von der Traumwelt. [Heraklit hat gesagt: Im Traum-Schlaf hat jeder Mensch seine eigene Welt], wir können mit noch so vielen Menschen zusammen sein; das, was durch die Traumwelt wogt, braucht nichts zu tun haben mit der Welt der anderen. Sobald [sie] aufwachen, [haben sie] eine gemeinsame Welt, damit ausdrückend, dass der Mensch [aus] seiner Willenskraft heraus die Verbindung herstellt mit der verbindenden Welt.
[ 30 ] Gerade so nun, zeige ich, wie der Mensch aufwachen kann aus der Traumwelt in die Welt des gewöhnlichen Wachbewusstseins, so kann, indem darauf eine völlige Strenge der Besonnenheit [herrscht], ein Aufwachen stattfinden von dem gewöhnlichen Alltagsbewusstsein zu dem, was ich in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» — wissenschaftlich anknüpfend an den Goethe’schen Ausdruck «anschauende Urteilskraft» — das «schauende Bewusstsein» genannt habe. So, wie der Mensch, aufwachend aus dem Traume, [mit seiner] Seelenkraft in Verbindung bleibt mit der physischen Wirklichkeit, so bleibt der Mensch — aufwachend aus demjenigen Bewusstsein, das ihm spiegelt die äußere physisch-sinnliche Wirklichkeit — im schauenden Bewusstsein [mit] einer höheren Welt [verbunden], die nun eine höhere Wirklichkeit ist; sodass es sich darum handelt, die wissenschaftliche Möglichkeit darzustellen eines besonderen schauenden Bewusstseins. Dieses schauende Bewusstsein, bei ihm kommt es darauf an, dass wir nun nicht bloß wie im Wachbewusstsein unabhängig werden von unserem bloß inneren organischen Leben, sondern unabhängig werden auch von all denjenigen Bedingungen des Leibes, denen wir noch unterworfen sind, wenn wir der gewöhnlichen physisch-sinnlichen Welt im tagwachen Bewusstsein gegenüberstehen. Dieses schauende Bewusstsein auszubilden und es anzuwenden in wissenschaftlicher Forschung, das ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft.
[ 30 ] Gerade so nun, zeige ich, wie der Mensch aufwachen kann aus der Traumwelt in die Welt des gewöhnlichen Wachbewusstseins, so kann, indem darauf eine völlige Strenge der Besonnenheit [herrscht], ein Aufwachen stattfinden von dem gewöhnlichen Alltagsbewusstsein zu dem, was ich in meinem Buch «Vom Menschenrätsel» — wissenschaftlich anknüpfend an den Goethe’schen Ausdruck «anschauende Urteilskraft» — das «schauende Bewusstsein» genannt habe. So, wie der Mensch, aufwachend aus dem Traume, [mit seiner] Seelenkraft in Verbindung bleibt mit der physischen Wirklichkeit, so bleibt der Mensch — aufwachend aus demjenigen Bewusstsein, das ihm spiegelt die äußere physisch-sinnliche Wirklichkeit — im schauenden Bewusstsein [mit] einer höheren Welt [verbunden], die nun eine höhere Wirklichkeit ist; sodass es sich darum handelt, die wissenschaftliche Möglichkeit darzustellen eines besonderen schauenden Bewusstseins. Dieses schauende Bewusstsein, bei ihm kommt es darauf an, dass wir nun nicht bloß wie im Wachbewusstsein unabhängig werden von unserem bloß inneren organischen Leben, sondern unabhängig werden auch von all denjenigen Bedingungen des Leibes, denen wir noch unterworfen sind, wenn wir der gewöhnlichen physisch-sinnlichen Welt im tagwachen Bewusstsein gegenüberstehen. Dieses schauende Bewusstsein auszubilden und es anzuwenden in wissenschaftlicher Forschung, das ist die Aufgabe der Geisteswissenschaft.
[ 31 ] Dieses schauende Bewusstsein ist nicht irgendetwas Phantastisches, nicht irgendetwas Erträumtes, sondern es wird wirklich erweckt, so, wie das gewöhnliche Tagwachbewusstsein aus dem Schlafbewusstsein erweckt wird; und die Erweckung ist eine Erfahrung.
[ 31 ] Dieses schauende Bewusstsein ist nicht irgendetwas Phantastisches, nicht irgendetwas Erträumtes, sondern es wird wirklich erweckt, so, wie das gewöhnliche Tagwachbewusstsein aus dem Schlafbewusstsein erweckt wird; und die Erweckung ist eine Erfahrung.
[ 32 ] Wie wird es erweckt? Darüber kann heute schon durchaus eine vollgültige Auskunft gegeben werden. Und hier muss ich anknüpfen an das, was ich vorher als Grenze [des menschlichen Erkennens erwähnt habe].
[ 32 ] Wie wird es erweckt? Darüber kann heute schon durchaus eine vollgültige Auskunft gegeben werden. Und hier muss ich anknüpfen an das, was ich vorher als Grenze [des menschlichen Erkennens erwähnt habe].
[ 33 ] Kommt man an eine solche Frage wie «Was ist die Einheit des menschlichen Seelenlebens?» [Lücke] [mit] demjenigen Denken, das entlehnt [ist dem] Wachbewusstsein, kommt man zu solchen Fragen, so stellen sie sich eben — und wirklich zu schauen sind solche Fragen ja — als vollkommener Widerspruch dar. Dann [handelt es sich] darum, dass man nun nicht stehen bleibt mit dieser Seele, indem man theoretisch sich sagt, das sei Ignorabismus, sondern dass man gerade jetzt beginnt, zu versuchen, wenn man — statt dass man eine Theorie fortsetzt über die Grenze des menschlichen Erkennens — ausspricht allerlei über diese Grenze, statt dass man allerlei ausspricht Theoretisches, muss man versuchen, in wirklichem innerem lebendigem Ringen mit solchen Fragen zu ringen. Man muss fähig werden denkend — denn vom Denken, vom vollbewussten besonnenen Denken, nicht von irgendeinem Phantastischen geht Geisteswissenschaft aus —, man muss das Denken anwenden auf solche Fragen. Wie man, wenn man irgendein Gewicht zunächst nicht heben kann, versucht, sich weiter anzustrengen, das, was man nicht glaubt, überwinden zu können, zuletzt zu überwinden — das ist eine Sache des inneren [Anstrengens], ob man hinauskann über dasjenige Maß des Denkens, über die Art des Denkens, bei der man dann stehen bleibt, wenn man einfach solchen [Problemen] — wie die Grenzen des menschlichen Erkennens — [huldigt].
[ 33 ] Kommt man an eine solche Frage wie «Was ist die Einheit des menschlichen Seelenlebens?» [Lücke] [mit] demjenigen Denken, das entlehnt [ist dem] Wachbewusstsein, kommt man zu solchen Fragen, so stellen sie sich eben — und wirklich zu schauen sind solche Fragen ja — als vollkommener Widerspruch dar. Dann [handelt es sich] darum, dass man nun nicht stehen bleibt mit dieser Seele, indem man theoretisch sich sagt, das sei Ignorabismus, sondern dass man gerade jetzt beginnt, zu versuchen, wenn man — statt dass man eine Theorie fortsetzt über die Grenze des menschlichen Erkennens — ausspricht allerlei über diese Grenze, statt dass man allerlei ausspricht Theoretisches, muss man versuchen, in wirklichem innerem lebendigem Ringen mit solchen Fragen zu ringen. Man muss fähig werden denkend — denn vom Denken, vom vollbewussten besonnenen Denken, nicht von irgendeinem Phantastischen geht Geisteswissenschaft aus —, man muss das Denken anwenden auf solche Fragen. Wie man, wenn man irgendein Gewicht zunächst nicht heben kann, versucht, sich weiter anzustrengen, das, was man nicht glaubt, überwinden zu können, zuletzt zu überwinden — das ist eine Sache des inneren [Anstrengens], ob man hinauskann über dasjenige Maß des Denkens, über die Art des Denkens, bei der man dann stehen bleibt, wenn man einfach solchen [Problemen] — wie die Grenzen des menschlichen Erkennens — [huldigt].
[ 34 ] Das Ringen, das Arbeiten gerade mit solchen Fragen, welche wie Grenzen, wie Pfähle [sind], die einengen das menschliche Bewusstsein, gerade solches Ringen führt [weiter] in das Geistige hinein. Ich habe in ausführlicher Weise in meinen Schriften — besonders in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», «Geheimwissenschaft» und auch in dem Buch «Menschenrätsel» in dem letzten Kapitel — angeführt, was eigentlich mit dem Denken zu machen ist, wie das Denken zu behandeln ist, um in lebendigem Ringen von solchen Fragen aus in ein ganz neues Erfahrungs- und Erlebensgebiet hineinzukommen. Da muss allerdings dieses menschliche Denken manches von dem überwinden, was es gewohnt ist, von sich vorauszusetzen im gewöhnlichen Bewusstsein und sogar in der gewöhnlichen Wissenschaft. Es muss dieses menschliche Denken vor allen Dingen über sich selbst, über das Vorstellungsleben, völlig ins Klare kommen. Ich kann heute nicht auf Einzelheiten eingehen, aber auf prinzipielle Ergebnisse [möchte ich] eingehen, möchte Ihnen zeigen, woran es liegt, dass man weiterkommen kann.
[ 34 ] Das Ringen, das Arbeiten gerade mit solchen Fragen, welche wie Grenzen, wie Pfähle [sind], die einengen das menschliche Bewusstsein, gerade solches Ringen führt [weiter] in das Geistige hinein. Ich habe in ausführlicher Weise in meinen Schriften — besonders in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», «Geheimwissenschaft» und auch in dem Buch «Menschenrätsel» in dem letzten Kapitel — angeführt, was eigentlich mit dem Denken zu machen ist, wie das Denken zu behandeln ist, um in lebendigem Ringen von solchen Fragen aus in ein ganz neues Erfahrungs- und Erlebensgebiet hineinzukommen. Da muss allerdings dieses menschliche Denken manches von dem überwinden, was es gewohnt ist, von sich vorauszusetzen im gewöhnlichen Bewusstsein und sogar in der gewöhnlichen Wissenschaft. Es muss dieses menschliche Denken vor allen Dingen über sich selbst, über das Vorstellungsleben, völlig ins Klare kommen. Ich kann heute nicht auf Einzelheiten eingehen, aber auf prinzipielle Ergebnisse [möchte ich] eingehen, möchte Ihnen zeigen, woran es liegt, dass man weiterkommen kann.
[ 35 ] Dasjenige, was menschlicher Erkenntnisvorgang ist, das ist es, was sich der Geistesforscher vorlegen muss. Nun findet der Geistesforscher, dass dasjenige Denken, das man entwickelt im gewöhnlichen Wachbewusstsein, durchaus beeinflusst ist von dem Umstande, dass es von der äußeren sinnlichen Welt [herrührt]. Die äußere Sinneswelt wirkt auf unsere Augen und Ohren; diese knüpfen Vorstellungen an durch das, was die äußere Vorstellung gibt, aber diese Vorstellung, man lernt sie kennen in der Geisteswissenschaft.
[ 35 ] Dasjenige, was menschlicher Erkenntnisvorgang ist, das ist es, was sich der Geistesforscher vorlegen muss. Nun findet der Geistesforscher, dass dasjenige Denken, das man entwickelt im gewöhnlichen Wachbewusstsein, durchaus beeinflusst ist von dem Umstande, dass es von der äußeren sinnlichen Welt [herrührt]. Die äußere Sinneswelt wirkt auf unsere Augen und Ohren; diese knüpfen Vorstellungen an durch das, was die äußere Vorstellung gibt, aber diese Vorstellung, man lernt sie kennen in der Geisteswissenschaft.
[ 36 ] Für die Geisteswissenschaft wird die Frage «Was ist denn eigentlich dieses menschliche Vorstellen? Was sind denn Vorstellungen?» zu einer der leidvollsten Fragen, denn man lernt zunächst diejenige Vorstellungsart kennen, die sie an die äußere Welt anknüpft. Da merkt man, indem man den Vorstellungsvorgang wirklich verfolgt, dass dasjenige, was von der Außenwelt in unser Bewusstsein hereinwill, in der Vorstellung nicht mehr so vorhanden ist, wie es in der Außenwelt vorhanden ist. Unsere Vorstellungen, sie stellen sich dem Geistesforscher dar, man möchte zunächst sagen, wie Abschattungen desjenigen, woraus sie eigentlich stammen. Aber man könnte mehr sagen, [man] könnte sagen: Indem die äußere Sinneswelt das, was sie ist, auf uns wirken lässt, durch unsere Augen und Ohren — und wie dadurch Vorstellungen wirken —, wird dasjenige herausgepresst aus der äußeren Sinneswelt, was in ihr lebt, und das, was durch unser Hirn und [durch unsere] Nerven läuft und uns als Vorstellung zum Bewusstsein kommt, das ist eigentlich nur noch ein Schatten desjenigen, was es darstellt.
[ 36 ] Für die Geisteswissenschaft wird die Frage «Was ist denn eigentlich dieses menschliche Vorstellen? Was sind denn Vorstellungen?» zu einer der leidvollsten Fragen, denn man lernt zunächst diejenige Vorstellungsart kennen, die sie an die äußere Welt anknüpft. Da merkt man, indem man den Vorstellungsvorgang wirklich verfolgt, dass dasjenige, was von der Außenwelt in unser Bewusstsein hereinwill, in der Vorstellung nicht mehr so vorhanden ist, wie es in der Außenwelt vorhanden ist. Unsere Vorstellungen, sie stellen sich dem Geistesforscher dar, man möchte zunächst sagen, wie Abschattungen desjenigen, woraus sie eigentlich stammen. Aber man könnte mehr sagen, [man] könnte sagen: Indem die äußere Sinneswelt das, was sie ist, auf uns wirken lässt, durch unsere Augen und Ohren — und wie dadurch Vorstellungen wirken —, wird dasjenige herausgepresst aus der äußeren Sinneswelt, was in ihr lebt, und das, was durch unser Hirn und [durch unsere] Nerven läuft und uns als Vorstellung zum Bewusstsein kommt, das ist eigentlich nur noch ein Schatten desjenigen, was es darstellt.
[ 37 ] Es ist wie der Leichnam des Lebendigen, was da draußen in der Wirklichkeit lebt. Es sieht sonderbar aus, paradox oder kurios, wenn jemand das sagt. Aber das ist gut, dass es so ist, denn dasjenige, was deshalb, weil es so ist, die äußere Wirklichkeit nicht aufnehmen kann, das macht möglich, dass wir zu einem menschlichen Bewusstsein kommen können. [Ansonsten] würden wir [mit der äußeren Welt] die Sinneswelt so aufnehmen, wie sie ist, würden wir mit ihr zusammenschmelzen und nicht dazu kommen, uns als Ich, als Selbst auffassen zu können; wir wären nicht Mensch. Es hat also seine gute Begründung im Wesen des Alls, dass dasjenige, was in der äußeren Welt abgeschwächt wird — es gehört dazu, dieses Abschwächen —, dass wir mit wachen Sinnen so menschlich Mensch sein können; aber was daraus folgt, das ist, dass wir gerade von der äußeren Sinneswelt nur einen Leichnam-artigen Abklatsch, [einen Leichnam-artigen Schatten der äußeren Welt] in uns haben in den Vorstellungen.
[ 37 ] Es ist wie der Leichnam des Lebendigen, was da draußen in der Wirklichkeit lebt. Es sieht sonderbar aus, paradox oder kurios, wenn jemand das sagt. Aber das ist gut, dass es so ist, denn dasjenige, was deshalb, weil es so ist, die äußere Wirklichkeit nicht aufnehmen kann, das macht möglich, dass wir zu einem menschlichen Bewusstsein kommen können. [Ansonsten] würden wir [mit der äußeren Welt] die Sinneswelt so aufnehmen, wie sie ist, würden wir mit ihr zusammenschmelzen und nicht dazu kommen, uns als Ich, als Selbst auffassen zu können; wir wären nicht Mensch. Es hat also seine gute Begründung im Wesen des Alls, dass dasjenige, was in der äußeren Welt abgeschwächt wird — es gehört dazu, dieses Abschwächen —, dass wir mit wachen Sinnen so menschlich Mensch sein können; aber was daraus folgt, das ist, dass wir gerade von der äußeren Sinneswelt nur einen Leichnam-artigen Abklatsch, [einen Leichnam-artigen Schatten der äußeren Welt] in uns haben in den Vorstellungen.
[ 38 ] Da das so ist, dass das Wachbewusstsein nur schattenhaft begriffen werden kann, was tut man dann bei solch einer Grenzfrage? Man arbeitet nicht mit lebendiger Wirklichkeit, mit wahrer Lebendigkeit, sondern man arbeitet mit einem Schatten der Lebendigkeit, mit dem, woraus eigentlich das Leben herausgetrieben, [abgehängt worden] ist. Und man kann mit diesen toten Begriffen, die ganz gut sind für die äußere Welt und das Leben in der Naturwissenschaft, nicht an die Geistigkeit der Welt herankommen. Deshalb fühlt man zunächst, man könne überhaupt nichts machen, [man] komme an vollkommene Widersprüche. Man muss nun gebrauchen große Worte, die heute so ungewöhnlich sind, wenn man von diesen Dingen spricht. Allein, sehen Sie, man arbeitet ja den heutigen Zeiten gegenüber so, wie Kopernikus gearbeitet hat, wo die Menschheit es gewohnt war, das All so anzusehen, als ob die Erde stillstände und die Sonne sich bewege.
[ 38 ] Da das so ist, dass das Wachbewusstsein nur schattenhaft begriffen werden kann, was tut man dann bei solch einer Grenzfrage? Man arbeitet nicht mit lebendiger Wirklichkeit, mit wahrer Lebendigkeit, sondern man arbeitet mit einem Schatten der Lebendigkeit, mit dem, woraus eigentlich das Leben herausgetrieben, [abgehängt worden] ist. Und man kann mit diesen toten Begriffen, die ganz gut sind für die äußere Welt und das Leben in der Naturwissenschaft, nicht an die Geistigkeit der Welt herankommen. Deshalb fühlt man zunächst, man könne überhaupt nichts machen, [man] komme an vollkommene Widersprüche. Man muss nun gebrauchen große Worte, die heute so ungewöhnlich sind, wenn man von diesen Dingen spricht. Allein, sehen Sie, man arbeitet ja den heutigen Zeiten gegenüber so, wie Kopernikus gearbeitet hat, wo die Menschheit es gewohnt war, das All so anzusehen, als ob die Erde stillstände und die Sonne sich bewege.
[ 39 ] Damit muss man schon, wenn man von diesen Dingen spricht, von ungewohnten Vorstellungen ausgehen, da es sich handelt um eine Weiterführung des Denkens, um ein Gelenkiger-Machen des Denkens, dass dieses Denken in einer ganz anderen Weise lebt und unabhängiger von unserer Körperlichkeit verläuft, als es sonst ist; alles Denken, das den Bedingungen unserer Leiblichkeit unterworfen wird, das durch unsere Nerven fließt, all dieses Denken schattet sich so ab wie eben beschrieben.
[ 39 ] Damit muss man schon, wenn man von diesen Dingen spricht, von ungewohnten Vorstellungen ausgehen, da es sich handelt um eine Weiterführung des Denkens, um ein Gelenkiger-Machen des Denkens, dass dieses Denken in einer ganz anderen Weise lebt und unabhängiger von unserer Körperlichkeit verläuft, als es sonst ist; alles Denken, das den Bedingungen unserer Leiblichkeit unterworfen wird, das durch unsere Nerven fließt, all dieses Denken schattet sich so ab wie eben beschrieben.
[ 40 ] Wir müssen zu einem Denken kommen, das in sich lebendig ist. Wir müssen das aber auf eine Weise tun, dass wir nicht im Sinne einer nebulösen Mystik in uns hineinbrüten, dass wir glauben, nur durch inneres Brüten, durch inneres Spintisieren, wie es manche Mystik meint, aus dem Denken etwas machen zu können. Da kann man mancherlei machen, damit aber hat Geisteswissenschaft nichts zu tun. Es handelt sich um ganz etwas anderes: Darum, dass man das Denken gerade so bildet aus der wissenschaftlichen äußeren Welt, dass man versteht, mit den Erscheinungen der äußeren Welt in ein innerlicheres Verhältnis zu kommen als gewöhnlich, sodass es, wenn man ehrlich eine Erscheinung der äußeren Welt beobachtet, nicht nur einen Begriff [bildet], sondern eine ganze Reihe von Begriffen aufstellt, so wie man Bäume von vielen Seiten fotografieren kann es ist derselbe Baum fotografisch [immer] anders. Das kann man in das Leben so hineintragen, dass man nur eine Vorstellung sich bildet; [man kann es] aber auch so [hineintragen], dass man bewusst nach der Vielseitigkeit, der Beweglichkeit des Denkens arbeitet, sich bei jeglicher Erscheinung bemüht, viele Begriffe zu bekommen, die zu der Erscheinung «Ja», die [zu ihr] «Nein» sagen.
[ 40 ] Wir müssen zu einem Denken kommen, das in sich lebendig ist. Wir müssen das aber auf eine Weise tun, dass wir nicht im Sinne einer nebulösen Mystik in uns hineinbrüten, dass wir glauben, nur durch inneres Brüten, durch inneres Spintisieren, wie es manche Mystik meint, aus dem Denken etwas machen zu können. Da kann man mancherlei machen, damit aber hat Geisteswissenschaft nichts zu tun. Es handelt sich um ganz etwas anderes: Darum, dass man das Denken gerade so bildet aus der wissenschaftlichen äußeren Welt, dass man versteht, mit den Erscheinungen der äußeren Welt in ein innerlicheres Verhältnis zu kommen als gewöhnlich, sodass es, wenn man ehrlich eine Erscheinung der äußeren Welt beobachtet, nicht nur einen Begriff [bildet], sondern eine ganze Reihe von Begriffen aufstellt, so wie man Bäume von vielen Seiten fotografieren kann es ist derselbe Baum fotografisch [immer] anders. Das kann man in das Leben so hineintragen, dass man nur eine Vorstellung sich bildet; [man kann es] aber auch so [hineintragen], dass man bewusst nach der Vielseitigkeit, der Beweglichkeit des Denkens arbeitet, sich bei jeglicher Erscheinung bemüht, viele Begriffe zu bekommen, die zu der Erscheinung «Ja», die [zu ihr] «Nein» sagen.
[ 41 ] Dieses bewusste Arbeiten nach der Vielseitigkeit hin, das ist der Anfang. [Wenn] man weiter aufsteigt und darüber hinaus das Denken so schult, [dann macht] man eine eigentümliche innere Erfahrung. Diese Erfahrung besteht in etwas, was ungeheuer bedeutsam wirkt auf die menschliche Seele, denn sie ist das aufkeimende schauende Bewusstsein. Wenn der Naturforscher uns heute die menschlichen Sinne schildert, so zeigt er, dass die Sinne durch Differenzierung des Tastsinns entstanden sind. Goethe sagt sehr schön: Aus dieser Beziehung, aus untergeordneten Organen haben sich Augen und Ohren gebildet. Niedere Tiere haben bloß Tastorgane, die einen vervollkommnen sich, die anderen nicht. Die höheren Sinne sind nur Vervollkommnungen des einen Sinnes. Man gelangt auf den weiteren Wegen zu der inneren Erfahrung: Das Denken, von dem man gewöhnlich ausgeht, das sich nur spärlich loslöst von dem menschlichen Leib, das ist so — wenn wir anfangen damit im Wachbewusstsein — wie ein geistiges Tasten. Dann muss dieses Denken weiter aufgebaut werden, obwohl man immer im Bereich des vollkommen bewussten Denkens bleibt. Nirgends wird hinuntergestiegen in das Körperliche; es wird unabhängiger, als es im gewöhnlichen Tagesbewusstsein ist. Aber man steigt auf in diesem Denken, indem der Mensch ganz etwas anderes wird; indem sich wirklich dasjenige daraus entwickelt, [dass] aus dem tastenden Denken [ein] schauendes Denken wird, in dem Sinne, dass man sprechen kann — um diese Goethe’schen Ausdrücke zu gebrauchen — von «Geistesaugen, Geistesohren», die in die geistige Welt wirklich hineinschauen. Goethe versteht darunter noch Symbole; wir dürfen darüber sprechen von wissenschaftlicher Seite. Es kommt vor allen Dingen darauf an, dass alle Einseitigkeit, alle Möglichkeit ausgetrieben wird, die Dinge nur eigensinnig nach irgendeiner [Richtung zu betrachten], [nach irgendeiner] Begriffsformung hin zu verfolgen.
[ 41 ] Dieses bewusste Arbeiten nach der Vielseitigkeit hin, das ist der Anfang. [Wenn] man weiter aufsteigt und darüber hinaus das Denken so schult, [dann macht] man eine eigentümliche innere Erfahrung. Diese Erfahrung besteht in etwas, was ungeheuer bedeutsam wirkt auf die menschliche Seele, denn sie ist das aufkeimende schauende Bewusstsein. Wenn der Naturforscher uns heute die menschlichen Sinne schildert, so zeigt er, dass die Sinne durch Differenzierung des Tastsinns entstanden sind. Goethe sagt sehr schön: Aus dieser Beziehung, aus untergeordneten Organen haben sich Augen und Ohren gebildet. Niedere Tiere haben bloß Tastorgane, die einen vervollkommnen sich, die anderen nicht. Die höheren Sinne sind nur Vervollkommnungen des einen Sinnes. Man gelangt auf den weiteren Wegen zu der inneren Erfahrung: Das Denken, von dem man gewöhnlich ausgeht, das sich nur spärlich loslöst von dem menschlichen Leib, das ist so — wenn wir anfangen damit im Wachbewusstsein — wie ein geistiges Tasten. Dann muss dieses Denken weiter aufgebaut werden, obwohl man immer im Bereich des vollkommen bewussten Denkens bleibt. Nirgends wird hinuntergestiegen in das Körperliche; es wird unabhängiger, als es im gewöhnlichen Tagesbewusstsein ist. Aber man steigt auf in diesem Denken, indem der Mensch ganz etwas anderes wird; indem sich wirklich dasjenige daraus entwickelt, [dass] aus dem tastenden Denken [ein] schauendes Denken wird, in dem Sinne, dass man sprechen kann — um diese Goethe’schen Ausdrücke zu gebrauchen — von «Geistesaugen, Geistesohren», die in die geistige Welt wirklich hineinschauen. Goethe versteht darunter noch Symbole; wir dürfen darüber sprechen von wissenschaftlicher Seite. Es kommt vor allen Dingen darauf an, dass alle Einseitigkeit, alle Möglichkeit ausgetrieben wird, die Dinge nur eigensinnig nach irgendeiner [Richtung zu betrachten], [nach irgendeiner] Begriffsformung hin zu verfolgen.
[ 42 ] Derjenige, der ein wirklicher Geistesforscher geworden ist, der entwickelt eine wahre Sehnsucht dahin, wenn er irgendwas darstellt, nicht nur die Sache so darzustellen, wie er sie sieht, sondern er sagt auch das, was man einwenden kann. Und diejenigen, die meine Vorträge gehört haben — die Bücher gelesen haben des nachts, die wieder tags Vorträge gehört haben —, wissen, dass ich geradezu dabei davon ausgehe, nicht nur dasjenige zu sagen, was für eine Sache spricht, sondern einfach die Einwände selber dem Leser vorstelle, die möglichen Einwände, sodass eigentlich jeder in meinen Schriften überall schon die Einwände verzeichnet findet. Dagegen [ist] in neuerer Zeit unter den vielen so oder so gemeinten Angriffen auf die Geisteswissenschaft auch der zur Möglichkeit geworden, dass Leute aus meinen Büchern die Einwände abschreiben können und das anders auslegen. Dann können sie das gebrauchen, um die Geisteswissenschaft aus dem Feld zu schlagen. Der Geistesforscher muss das machen, aber denjenigen, die Gegner werden wollen, denen gibt das Gelegenheit. Sie brauchen sich nicht anzustrengen, sondern nur die Einwände abzuschreiben, diejenigen [Lücke].
[ 42 ] Derjenige, der ein wirklicher Geistesforscher geworden ist, der entwickelt eine wahre Sehnsucht dahin, wenn er irgendwas darstellt, nicht nur die Sache so darzustellen, wie er sie sieht, sondern er sagt auch das, was man einwenden kann. Und diejenigen, die meine Vorträge gehört haben — die Bücher gelesen haben des nachts, die wieder tags Vorträge gehört haben —, wissen, dass ich geradezu dabei davon ausgehe, nicht nur dasjenige zu sagen, was für eine Sache spricht, sondern einfach die Einwände selber dem Leser vorstelle, die möglichen Einwände, sodass eigentlich jeder in meinen Schriften überall schon die Einwände verzeichnet findet. Dagegen [ist] in neuerer Zeit unter den vielen so oder so gemeinten Angriffen auf die Geisteswissenschaft auch der zur Möglichkeit geworden, dass Leute aus meinen Büchern die Einwände abschreiben können und das anders auslegen. Dann können sie das gebrauchen, um die Geisteswissenschaft aus dem Feld zu schlagen. Der Geistesforscher muss das machen, aber denjenigen, die Gegner werden wollen, denen gibt das Gelegenheit. Sie brauchen sich nicht anzustrengen, sondern nur die Einwände abzuschreiben, diejenigen [Lücke].
[ 43 ] Sie sehen, worauf es ankommt: auf die Gelenkigkeit des Denkens, auf die Loslösung des Denkens von der Leiblichkeit. Man darf, wenn der Ausdruck nicht missverstanden wird, sagen: Durch eine solche Entwicklung des Denkens kommt der Mensch wirklich dazu, gewisse Kräfte, Erkenntniskräfte, zu entwickeln, wodurch er sich eigentlich außerhalb seines Leibes, nicht mehr im Leib befindet. Aber man darf es gar nicht missverstehen; versteht man daran etwas irrtümlich, so missversteht man es schon. Der Ausdruck ist ganz im wissenschaftlichen Sinn [gemeint].
[ 43 ] Sie sehen, worauf es ankommt: auf die Gelenkigkeit des Denkens, auf die Loslösung des Denkens von der Leiblichkeit. Man darf, wenn der Ausdruck nicht missverstanden wird, sagen: Durch eine solche Entwicklung des Denkens kommt der Mensch wirklich dazu, gewisse Kräfte, Erkenntniskräfte, zu entwickeln, wodurch er sich eigentlich außerhalb seines Leibes, nicht mehr im Leib befindet. Aber man darf es gar nicht missverstehen; versteht man daran etwas irrtümlich, so missversteht man es schon. Der Ausdruck ist ganz im wissenschaftlichen Sinn [gemeint].
[ 44 ] Ich werde vielleicht Ihnen noch [einen] Vergleich machen, wenn ich versuche, dasjenige Denken zu charakterisieren, von dem der Ausgangspunkt genommen werden muss in der Geistesforschung. Dieses Denken ist das Gegenteil von demjenigen Denken, das zudem hinreichend bekannt geworden ist: [die Erscheinungen des] Hypnotismus, der Suggestion. [Lücke] Aber sie sind auch das volle Gegenstück zu dem, was Illusion, Halluzination und so weiter sind. Man kann sagen, dasjenige Denken, was hier gemeint ist, die Entwicklung der Seelenkräfte, die aus der [Lücke], die entwickeln sich nach der entgegengesetzten Seite hin. Vor allem kann sich entwickeln die traumartige Gestaltung des Bewusstseins in Suggestionsversuchen gerade nach der entgegengesetzten Seite hin. Daher kann nur Gehässigkeit dasjenige, was das Gegenteil ist von all diesen krankhaften Zuständen, mit diesen Zuständen selbst verbunden [sehen]. Es ist sicher das, was hier gemeint ist, das beste Mittel, um [gerade] Halluzinationen [nicht zur Ausbildung zu bringen, um alles Suggestive] zu überwinden.
[ 44 ] Ich werde vielleicht Ihnen noch [einen] Vergleich machen, wenn ich versuche, dasjenige Denken zu charakterisieren, von dem der Ausgangspunkt genommen werden muss in der Geistesforschung. Dieses Denken ist das Gegenteil von demjenigen Denken, das zudem hinreichend bekannt geworden ist: [die Erscheinungen des] Hypnotismus, der Suggestion. [Lücke] Aber sie sind auch das volle Gegenstück zu dem, was Illusion, Halluzination und so weiter sind. Man kann sagen, dasjenige Denken, was hier gemeint ist, die Entwicklung der Seelenkräfte, die aus der [Lücke], die entwickeln sich nach der entgegengesetzten Seite hin. Vor allem kann sich entwickeln die traumartige Gestaltung des Bewusstseins in Suggestionsversuchen gerade nach der entgegengesetzten Seite hin. Daher kann nur Gehässigkeit dasjenige, was das Gegenteil ist von all diesen krankhaften Zuständen, mit diesen Zuständen selbst verbunden [sehen]. Es ist sicher das, was hier gemeint ist, das beste Mittel, um [gerade] Halluzinationen [nicht zur Ausbildung zu bringen, um alles Suggestive] zu überwinden.
[ 45 ] Worin besteht denn die Empfänglichkeit für Suggestionen? Darin, dass der Mensch davor zurückschrickt, gewisse Vorstellungen, welche gegen die Suggestion sprechen, [...] zu sehen. Es wird ihm suggeriert, eine Kartoffel sei eine Birne, er kann nicht wahrnehmen das Gegenteil, weil seine Kritik, seine Besonnenheit ausgeschlossen ist. [Lücke] All diese Dinge gehören darüber hinaus [dazu], den Umfang des Bewusstseins zu verengen, die Kritikfähigkeit herabzusetzen. Mit all dem, was Kritikfähigkeit herabsetzt, haben die Methoden der Geisteswissenschaft nicht nur nichts zu tun, sondern sie sind das volle Gegenteil, sie entwickeln gerade das Bewusstsein, nutzen Kritikfähigkeit. [...] [Es kommt] darauf an, dass man das nicht theoretisch anstellt, sondern im vollen inneren Leben anstellt, dann entwickelt sich dasjenige allmählich, was das schauende Bewusstsein genannt werden darf.
[ 45 ] Worin besteht denn die Empfänglichkeit für Suggestionen? Darin, dass der Mensch davor zurückschrickt, gewisse Vorstellungen, welche gegen die Suggestion sprechen, [...] zu sehen. Es wird ihm suggeriert, eine Kartoffel sei eine Birne, er kann nicht wahrnehmen das Gegenteil, weil seine Kritik, seine Besonnenheit ausgeschlossen ist. [Lücke] All diese Dinge gehören darüber hinaus [dazu], den Umfang des Bewusstseins zu verengen, die Kritikfähigkeit herabzusetzen. Mit all dem, was Kritikfähigkeit herabsetzt, haben die Methoden der Geisteswissenschaft nicht nur nichts zu tun, sondern sie sind das volle Gegenteil, sie entwickeln gerade das Bewusstsein, nutzen Kritikfähigkeit. [...] [Es kommt] darauf an, dass man das nicht theoretisch anstellt, sondern im vollen inneren Leben anstellt, dann entwickelt sich dasjenige allmählich, was das schauende Bewusstsein genannt werden darf.
[ 46 ] Das darf nicht erreicht werden auf der Grundlage irgendeines träumerischen oder ungesunden Alltagsbewusstseins. Gewiss, es gibt sehr viele Menschen, welche als scheinbare, sich der Geisteswissenschaft Anhängende [empfinden] — all die Menschen, die im gewöhnlichen Leben nichts anzufangen wissen, die nur immer glauben, weil sie zu Höherem sich berufen glauben, sich berufen sehen zu dem, was über die nichtigere physische Welt hinausgeht. Solche Menschen kann eigentlich die Geisteswissenschaft nicht brauchen. Geradeso wie das gewöhnliche Wachbewusstsein davon abhängt, dass man einen gesunden Schlaf hat — Sie wissen alle, dass man bei ungesundem Schlaf nicht [viel] leistet am Tag —, wenn einer nicht ein [solcher] Mensch ist, der weiß, dass er im gewöhnlichen Leben seine Pflichten zu erfüllen hat, [dann] kann er nicht aufwachen zu dem schauenden Bewusstsein. Das ist es, was absolut notwendig ist, weil es immer mehr dazu kommt, dass man all die Taugenichtse des gewöhnlichen Lebens, die spielerischen Menschen, die nach träumerischer Arbeit streben, die Wirklichkeit, die viel mehr ist als die träumerische geistige Welt, deshalb /Lücke], all die Menschen, die im gewöhnlichen Leben nichts anzufangen wissen, die nur immer glauben: Die gewöhnliche Wissenschaft ist nichts Rechtes, die geht von Axiomen aus —, die taugen auch für die Geisteswissenschaft nichts. Erst wenn man [fest steht in der gewöhnlichen Wissenschaft], den besonderen, wahren Wert der Wissenschaft zu erfassen vermag, ist man reif, in die [Geisteswissenschaft] aufzusteigen. Begreifen kann Geisteswissenschaft jeder, der sich nur ohne Vorurteile auf die Kritik einlässt, aber zum Forschen ist notwendig das, was [wir] eben auseinandergesetzt haben; denn wenn der Mensch dazu gekommen ist, [das], was im Goethe’schen Ausdruck «geistige Ohren und Augen» [heißt], zu gebrauchen, dann gelangt er zu der Fähigkeit und Wirklichkeit, neue Erfahrungen in der Umgebung zu machen. Er gelangt dazu, ich möchte sagen ebenso eine Erfahrung zu machen, wie etwa der Bauer eine Erfahrung macht, der sich gesagt hat: Da ist der Teich, da ist Baum, [und] da ist Luft. Das hat er früher für nichts gehalten, das ist eine Erfahrung; aber auf einer höheren Stufe ist das die Erfahrung, dass man sieht: Da, wo man nichts gesehen hat, da lebt eine geistige Welt. Das erste Organ ist eine geistige Welt — was [so] genannt wird schon von der exakten Wissenschaft —, das erste Bewusstsein, [das] da erfahren wird, ist die sogenannte ätherische Welt. Die Physik spricht seit alten Zeiten vom Äther. Hier ist einer der Punkte, wo man sagen muss: Wirkliche Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft stehen so miteinander im Einklang, wie miteinander im Einklang stehen die Arbeiter, die von entgegengesetzten Seiten her bohren im Tunnel und in der Mitte zusammentreffen. Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft arbeiten so von verschiedenen Richtungen, [sie] finden sich schon in der Mitte zusammen.
[ 46 ] Das darf nicht erreicht werden auf der Grundlage irgendeines träumerischen oder ungesunden Alltagsbewusstseins. Gewiss, es gibt sehr viele Menschen, welche als scheinbare, sich der Geisteswissenschaft Anhängende [empfinden] — all die Menschen, die im gewöhnlichen Leben nichts anzufangen wissen, die nur immer glauben, weil sie zu Höherem sich berufen glauben, sich berufen sehen zu dem, was über die nichtigere physische Welt hinausgeht. Solche Menschen kann eigentlich die Geisteswissenschaft nicht brauchen. Geradeso wie das gewöhnliche Wachbewusstsein davon abhängt, dass man einen gesunden Schlaf hat — Sie wissen alle, dass man bei ungesundem Schlaf nicht [viel] leistet am Tag —, wenn einer nicht ein [solcher] Mensch ist, der weiß, dass er im gewöhnlichen Leben seine Pflichten zu erfüllen hat, [dann] kann er nicht aufwachen zu dem schauenden Bewusstsein. Das ist es, was absolut notwendig ist, weil es immer mehr dazu kommt, dass man all die Taugenichtse des gewöhnlichen Lebens, die spielerischen Menschen, die nach träumerischer Arbeit streben, die Wirklichkeit, die viel mehr ist als die träumerische geistige Welt, deshalb /Lücke], all die Menschen, die im gewöhnlichen Leben nichts anzufangen wissen, die nur immer glauben: Die gewöhnliche Wissenschaft ist nichts Rechtes, die geht von Axiomen aus —, die taugen auch für die Geisteswissenschaft nichts. Erst wenn man [fest steht in der gewöhnlichen Wissenschaft], den besonderen, wahren Wert der Wissenschaft zu erfassen vermag, ist man reif, in die [Geisteswissenschaft] aufzusteigen. Begreifen kann Geisteswissenschaft jeder, der sich nur ohne Vorurteile auf die Kritik einlässt, aber zum Forschen ist notwendig das, was [wir] eben auseinandergesetzt haben; denn wenn der Mensch dazu gekommen ist, [das], was im Goethe’schen Ausdruck «geistige Ohren und Augen» [heißt], zu gebrauchen, dann gelangt er zu der Fähigkeit und Wirklichkeit, neue Erfahrungen in der Umgebung zu machen. Er gelangt dazu, ich möchte sagen ebenso eine Erfahrung zu machen, wie etwa der Bauer eine Erfahrung macht, der sich gesagt hat: Da ist der Teich, da ist Baum, [und] da ist Luft. Das hat er früher für nichts gehalten, das ist eine Erfahrung; aber auf einer höheren Stufe ist das die Erfahrung, dass man sieht: Da, wo man nichts gesehen hat, da lebt eine geistige Welt. Das erste Organ ist eine geistige Welt — was [so] genannt wird schon von der exakten Wissenschaft —, das erste Bewusstsein, [das] da erfahren wird, ist die sogenannte ätherische Welt. Die Physik spricht seit alten Zeiten vom Äther. Hier ist einer der Punkte, wo man sagen muss: Wirkliche Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft stehen so miteinander im Einklang, wie miteinander im Einklang stehen die Arbeiter, die von entgegengesetzten Seiten her bohren im Tunnel und in der Mitte zusammentreffen. Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft arbeiten so von verschiedenen Richtungen, [sie] finden sich schon in der Mitte zusammen.
[ 47 ] Über den Äther existieren so viele Anschauungen, dass ich stundenlang reden müsste, wenn ich Ihnen diese Hypothesen alle erzählen und beschreiben würde, die über den Äther existieren. Allein das eine ist für die Gegenwart viel bedeutsamer als all diese Anschauungen. Das ist das, was Planck vor Kurzem geäußert hat, gerade über diesen Äther. Deshalb ist dies ein wichtiger Punkt, wo sich heute schon Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft treffen. Denken Sie, Planck sagt an einer Stelle: Man hat viele Ansichten schon über den Äther gehabt; wird man ihn aber einmal sachgemäß charakterisieren wollen, so wird man vor allen Dingen sagen müssen: Man muss sich von dem Äther eine Vorstellung machen, die [nur ja] von dem Äther alle materiellen Eigenschaften — und was auch sonst noch für eine Vorstellung — ausschließt; jedenfalls die [ausschließt], dass er keine materielle Eigenschaft hat. [Die Physiker] sind [fähig und] durch sich selbst so weit, [dass] sie [sich] den Äther [als nicht räumlich] vorstellen [können], als nicht mit materiellen Eigenschaften [behaftet], das heißt als etwas Geistiges. Dieses übersinnliche Geistige wird nun vom menschlichen schauenden Bewusstsein wirklich aufgenommen so wie die Farben von den Augen, die Töne von den Ohren, das wird wirklich beobachtet, und im Äther drinnen sind Ätherwesenheiten, Äthergeschehnisse wie in der physischen Welt.
[ 47 ] Über den Äther existieren so viele Anschauungen, dass ich stundenlang reden müsste, wenn ich Ihnen diese Hypothesen alle erzählen und beschreiben würde, die über den Äther existieren. Allein das eine ist für die Gegenwart viel bedeutsamer als all diese Anschauungen. Das ist das, was Planck vor Kurzem geäußert hat, gerade über diesen Äther. Deshalb ist dies ein wichtiger Punkt, wo sich heute schon Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft treffen. Denken Sie, Planck sagt an einer Stelle: Man hat viele Ansichten schon über den Äther gehabt; wird man ihn aber einmal sachgemäß charakterisieren wollen, so wird man vor allen Dingen sagen müssen: Man muss sich von dem Äther eine Vorstellung machen, die [nur ja] von dem Äther alle materiellen Eigenschaften — und was auch sonst noch für eine Vorstellung — ausschließt; jedenfalls die [ausschließt], dass er keine materielle Eigenschaft hat. [Die Physiker] sind [fähig und] durch sich selbst so weit, [dass] sie [sich] den Äther [als nicht räumlich] vorstellen [können], als nicht mit materiellen Eigenschaften [behaftet], das heißt als etwas Geistiges. Dieses übersinnliche Geistige wird nun vom menschlichen schauenden Bewusstsein wirklich aufgenommen so wie die Farben von den Augen, die Töne von den Ohren, das wird wirklich beobachtet, und im Äther drinnen sind Ätherwesenheiten, Äthergeschehnisse wie in der physischen Welt.
[ 48 ] Und wir selbst sind nicht nur dieser physische Leib, der aus Muskeln und Knochen besteht, die den Stoffen entnommen sind der äußeren physischen Welt, sondern wir tragen in uns einen Äther- oder Lebensleib. Und all das, was da in der innersten Welt drinnenlebt, das hängt zusammen mit der Stufe des Bewusstseins, die ich nun seit Jahren schon aus gutem Grund nenne das imaginative Bewusstsein. Nicht, weil wir eine beliebige Vorstellung aufnehmen, sondern weil wir aufnehmen solche Vorstellungen, die alle bildhaft sind, während die bloßen Gedanken Schattengedanken sind, muss das imaginative Bewusstsein imaginative Vorstellungen haben.
[ 48 ] Und wir selbst sind nicht nur dieser physische Leib, der aus Muskeln und Knochen besteht, die den Stoffen entnommen sind der äußeren physischen Welt, sondern wir tragen in uns einen Äther- oder Lebensleib. Und all das, was da in der innersten Welt drinnenlebt, das hängt zusammen mit der Stufe des Bewusstseins, die ich nun seit Jahren schon aus gutem Grund nenne das imaginative Bewusstsein. Nicht, weil wir eine beliebige Vorstellung aufnehmen, sondern weil wir aufnehmen solche Vorstellungen, die alle bildhaft sind, während die bloßen Gedanken Schattengedanken sind, muss das imaginative Bewusstsein imaginative Vorstellungen haben.
[ 49 ] Da kommen wir nicht zu dem, was die Halluzinatoren oder gar die Spiritisten glauben, sondern zu etwas ganz anderem. Wir kommen dazu einzusehen, dass wir als Menschen zwar nach Jahren nicht mehr dieselben physischen Stoffe in uns tragen — wir haben ja nach einer gewissen Anzahl von Jahren ganz andere physische Stoffe in uns —, aber wir haben zwischen Geburt und Tod den irdischen Äther, unseren Lebensleib, den Bildekräfteleib, damit der Ausdruck «Ätherleib» nicht missverstanden wird. Wir haben den Bildekräfteleib in uns, der uns immer und immer, [von] Jahr zu Jahr durch unseren Lebenslauf trägt zwischen Geburt und Tod.
[ 49 ] Da kommen wir nicht zu dem, was die Halluzinatoren oder gar die Spiritisten glauben, sondern zu etwas ganz anderem. Wir kommen dazu einzusehen, dass wir als Menschen zwar nach Jahren nicht mehr dieselben physischen Stoffe in uns tragen — wir haben ja nach einer gewissen Anzahl von Jahren ganz andere physische Stoffe in uns —, aber wir haben zwischen Geburt und Tod den irdischen Äther, unseren Lebensleib, den Bildekräfteleib, damit der Ausdruck «Ätherleib» nicht missverstanden wird. Wir haben den Bildekräfteleib in uns, der uns immer und immer, [von] Jahr zu Jahr durch unseren Lebenslauf trägt zwischen Geburt und Tod.
[ 50 ] Da zeigen wir hin auf dasjenige, was eigentlich zugrunde liegt als das geistige Übersinnliche, und nicht durch [Spintisieren] oder Spekulieren, sondern darauf hin, indem wir uns ein Bewusstsein davon verschaffen haben, eine Anschauung.
[ 50 ] Da zeigen wir hin auf dasjenige, was eigentlich zugrunde liegt als das geistige Übersinnliche, und nicht durch [Spintisieren] oder Spekulieren, sondern darauf hin, indem wir uns ein Bewusstsein davon verschaffen haben, eine Anschauung.
[ 51 ] Und wir müssen nun wirklich nicht glauben, dass Geisteswissenschaft etwas ist, was im Handumdrehen so die Weltenrätsel lösen will. Will man durch geisteswissenschaftliches Arbeiten erkennen, so sind die Forschungswege [nicht mehr und] nicht weniger irre, als diejenigen der äußeren Naturwissenschaft oder einer anderen Wissenschaft sind. Man muss dann zum Beispiel zu so etwas kommen, muss sich die Frage in einer neuen Weise vorlegen: Was ist Vergessen? Was ist Erinnerung? Die Naturwissenschaft geht ja auch aus vom Einfachen und geht zum Schwierigen fort. Indem man jetzt den Bildekräfteleib kennt, sein Weben und Leben [schaut], dann bekommt man eine Antwort. Immer wenn wir uns an etwas erinnern oder eine Vorstellung desjenigen [Lücke], dann liegt dem zugrunde ein Prozess der Überwältigung des Leiblichen durch das Seelische. Das Seelische überwältigt das Leibliche und so weiter und so weiter [...].
[ 51 ] Und wir müssen nun wirklich nicht glauben, dass Geisteswissenschaft etwas ist, was im Handumdrehen so die Weltenrätsel lösen will. Will man durch geisteswissenschaftliches Arbeiten erkennen, so sind die Forschungswege [nicht mehr und] nicht weniger irre, als diejenigen der äußeren Naturwissenschaft oder einer anderen Wissenschaft sind. Man muss dann zum Beispiel zu so etwas kommen, muss sich die Frage in einer neuen Weise vorlegen: Was ist Vergessen? Was ist Erinnerung? Die Naturwissenschaft geht ja auch aus vom Einfachen und geht zum Schwierigen fort. Indem man jetzt den Bildekräfteleib kennt, sein Weben und Leben [schaut], dann bekommt man eine Antwort. Immer wenn wir uns an etwas erinnern oder eine Vorstellung desjenigen [Lücke], dann liegt dem zugrunde ein Prozess der Überwältigung des Leiblichen durch das Seelische. Das Seelische überwältigt das Leibliche und so weiter und so weiter [...].
[ 52 ] Wird [aber das Leibliche] nun so stark, dass es die Kräfte des Seelischen überwindet, dann wird vergessen. [Dann] steht die Vorstellung über Erinnerung und Vergessen. Und man steigt dann zu den Vorstellungen auf, die uns lehren, dass es gewisse Gesetze gibt, zu etwas, was die Naturwissenschaft mit Recht in neuerer Zeit erforscht, dasjenige, was die ererbten Merkmale in uns mitträgt. Aber wir tragen in uns auch diejenigen Kräfte, die dann im Ätherleib leben, welche im Verlauf unseres Seelenlebens überwinden die [physischen] Vererbungskräfte. Und man schaut ein ständiges Überwinden der bleibenden Kräfte [durch die] Erziehungskräfte, [durch] Selbstzucht.
[ 52 ] Wird [aber das Leibliche] nun so stark, dass es die Kräfte des Seelischen überwindet, dann wird vergessen. [Dann] steht die Vorstellung über Erinnerung und Vergessen. Und man steigt dann zu den Vorstellungen auf, die uns lehren, dass es gewisse Gesetze gibt, zu etwas, was die Naturwissenschaft mit Recht in neuerer Zeit erforscht, dasjenige, was die ererbten Merkmale in uns mitträgt. Aber wir tragen in uns auch diejenigen Kräfte, die dann im Ätherleib leben, welche im Verlauf unseres Seelenlebens überwinden die [physischen] Vererbungskräfte. Und man schaut ein ständiges Überwinden der bleibenden Kräfte [durch die] Erziehungskräfte, [durch] Selbstzucht.
[ 53 ] Dann aber steigt man auf noch weiter, nur muss man den Prozess noch weiter ausbilden. Man muss von dem imaginativen Bewusstsein zu einer noch höheren Stufe des Bewusstseins aufsteigen — [ich bitte Sie, sich] nicht am Ausdruck [zu] stoßen, [er ist] nicht abergläubisch gemeint —, [zu demjenigen,] was ich das inspirierte Bewusstsein genannt habe. Ich konnte Ihnen zeigen, dass der Ausdruck sehr gut gewählt ist, weil das [Inspirative, qualitativ betrachtet,] das Gegenbild ist von dem, was die Atmung im menschlichen Leibe ist, [ein] aus der Sache herausgenommener Ausdruck. Es muss aber aufsteigen zu dem, was man das inspirierte Bewusstsein nennt. Da muss man noch weiterkommen.
[ 53 ] Dann aber steigt man auf noch weiter, nur muss man den Prozess noch weiter ausbilden. Man muss von dem imaginativen Bewusstsein zu einer noch höheren Stufe des Bewusstseins aufsteigen — [ich bitte Sie, sich] nicht am Ausdruck [zu] stoßen, [er ist] nicht abergläubisch gemeint —, [zu demjenigen,] was ich das inspirierte Bewusstsein genannt habe. Ich konnte Ihnen zeigen, dass der Ausdruck sehr gut gewählt ist, weil das [Inspirative, qualitativ betrachtet,] das Gegenbild ist von dem, was die Atmung im menschlichen Leibe ist, [ein] aus der Sache herausgenommener Ausdruck. Es muss aber aufsteigen zu dem, was man das inspirierte Bewusstsein nennt. Da muss man noch weiterkommen.
[ 54 ] Nun finden Sie wiederum diejenigen inneren Seelenverrichtungen, die zu stehen sind, in den genannten Büchern dargestellt. Wir müssen, um dazuzukommen, die Möglichkeit finden, unser Denken, unser Fühlen ganz zu verbinden mit der geistigen Wirklichkeit. Das heißt, wir müssen nicht so denken wie im gewöhnlichen Bewusstsein, weil gedacht wird, sondern so, dass ich vergleichen kann dieses Denken, für das man Gewohnheit entwickeln muss, mit dem, was wie das moralische Leben in der äußeren Welt verläuft. Ich möchte das, was ich da meine, die Vermoralisierung des Denkens nennen. Wenn man im gewöhnlichen Leben denkt, überlegt man, ob der Gedanke logisch begründet ist. [Lücke] Verbietet man sich nicht, unlogisch zu denken, [Lücke], da wird die Geschichte ganz anders. Im äußeren Leben, wenn man nicht bloß seine Gedanken denkt, [denkt man nicht viel nach, ob ein Gedanke mit der Wirklichkeit übereinstimmt]. Die Wirklichkeit [aber] stellt andere Anforderungen an uns als das bloße Denken. Ein unrichtiger Gedanke im gewöhnlichen Leben ist zollfrei, sagt man.
[ 54 ] Nun finden Sie wiederum diejenigen inneren Seelenverrichtungen, die zu stehen sind, in den genannten Büchern dargestellt. Wir müssen, um dazuzukommen, die Möglichkeit finden, unser Denken, unser Fühlen ganz zu verbinden mit der geistigen Wirklichkeit. Das heißt, wir müssen nicht so denken wie im gewöhnlichen Bewusstsein, weil gedacht wird, sondern so, dass ich vergleichen kann dieses Denken, für das man Gewohnheit entwickeln muss, mit dem, was wie das moralische Leben in der äußeren Welt verläuft. Ich möchte das, was ich da meine, die Vermoralisierung des Denkens nennen. Wenn man im gewöhnlichen Leben denkt, überlegt man, ob der Gedanke logisch begründet ist. [Lücke] Verbietet man sich nicht, unlogisch zu denken, [Lücke], da wird die Geschichte ganz anders. Im äußeren Leben, wenn man nicht bloß seine Gedanken denkt, [denkt man nicht viel nach, ob ein Gedanke mit der Wirklichkeit übereinstimmt]. Die Wirklichkeit [aber] stellt andere Anforderungen an uns als das bloße Denken. Ein unrichtiger Gedanke im gewöhnlichen Leben ist zollfrei, sagt man.
[ 55 ] Der Geistesforscher aber darf nicht darin stehen bleiben: Das Denken muss ähnlich werden dem äußeren moralischen Leben. Im moralischen Leben dürfen wir nicht theoretisieren — das ist gut, das ist böse —, sondern da müssen wir gute Handlungen tun, unsere Pflicht erfüllen, schlechte Handlungen aber unterlassen, nicht bloß als unrichtig beichten, sondern sie unterdrücken, uns dazu bringen, dass wir sie nicht gestatten, dass es [nicht getan wird], außer unserer Gewohnheit liegt, dasjenige, was wir tun wollen, zu tun. Dieses, was die äußere Wirklichkeit allzeit stärker von uns verlangt, das muss der Geistesforscher [lernen], auf das Denken zu übertragen. Er muss dazu kommen, sich gewisse Gedankengänge zu gestatten, andere nicht zu gestatten, weil [er sonst] in falschen Bahnen bleibt, er muss den Gedanken so fühlen, dass er sich aus dieser Strömung heraus [entwickeln muss].
[ 55 ] Der Geistesforscher aber darf nicht darin stehen bleiben: Das Denken muss ähnlich werden dem äußeren moralischen Leben. Im moralischen Leben dürfen wir nicht theoretisieren — das ist gut, das ist böse —, sondern da müssen wir gute Handlungen tun, unsere Pflicht erfüllen, schlechte Handlungen aber unterlassen, nicht bloß als unrichtig beichten, sondern sie unterdrücken, uns dazu bringen, dass wir sie nicht gestatten, dass es [nicht getan wird], außer unserer Gewohnheit liegt, dasjenige, was wir tun wollen, zu tun. Dieses, was die äußere Wirklichkeit allzeit stärker von uns verlangt, das muss der Geistesforscher [lernen], auf das Denken zu übertragen. Er muss dazu kommen, sich gewisse Gedankengänge zu gestatten, andere nicht zu gestatten, weil [er sonst] in falschen Bahnen bleibt, er muss den Gedanken so fühlen, dass er sich aus dieser Strömung heraus [entwickeln muss].
[ 56 ] Beispiel: Sehen Sie, ich darf wirklich nicht glauben, dass das Missverständnis zu stark hervorgerufen wird, dass ich die Naturwissenschaft unterschätze, aber mit Bezug auf das, was ich jetzt mit dem [Denken] gemeint habe, ist diese [moderne] Naturwissenschaft ganz. eigentümlich. Sehen Sie, da hat vor einiger Zeit ein gewisser Professor Dewar einen Vortrag gehalten, in dem er spricht, wie die Erde ausschauen wird ungefähr mit den Bewohnern, die auf ihr leben werden in zwanzig Millionen Jahren. Das alles, was er darüber sagt, ist ungeheuer geistreich. Er führt aus: Dann wird die Temperatur hinuntergesunken sein auf minus 200 Grad Celsius. Dann wird das, was jetzt Luft ist, zu Wasser geworden sein, Wasser wird gefroren sein. Dann wird etwas sein statt der Luft, das Element Helium, und so weiter, was zusammengesetzt ist, dann wird — und das wird [von Dewar] alles ernsthaft vorgetragen und ist eigentlich geistreich vom Standpunkte des naturwissenschaftlichen Denkens —, dann wird die Milch fest sein und im bläulichen Licht erglänzen. Und mit Eiweiß [wird man] die Wand bestreichen [können], nun [und die Wand] werde so leuchten, dass man [wird Zeitungen lesen können.]
[ 56 ] Beispiel: Sehen Sie, ich darf wirklich nicht glauben, dass das Missverständnis zu stark hervorgerufen wird, dass ich die Naturwissenschaft unterschätze, aber mit Bezug auf das, was ich jetzt mit dem [Denken] gemeint habe, ist diese [moderne] Naturwissenschaft ganz. eigentümlich. Sehen Sie, da hat vor einiger Zeit ein gewisser Professor Dewar einen Vortrag gehalten, in dem er spricht, wie die Erde ausschauen wird ungefähr mit den Bewohnern, die auf ihr leben werden in zwanzig Millionen Jahren. Das alles, was er darüber sagt, ist ungeheuer geistreich. Er führt aus: Dann wird die Temperatur hinuntergesunken sein auf minus 200 Grad Celsius. Dann wird das, was jetzt Luft ist, zu Wasser geworden sein, Wasser wird gefroren sein. Dann wird etwas sein statt der Luft, das Element Helium, und so weiter, was zusammengesetzt ist, dann wird — und das wird [von Dewar] alles ernsthaft vorgetragen und ist eigentlich geistreich vom Standpunkte des naturwissenschaftlichen Denkens —, dann wird die Milch fest sein und im bläulichen Licht erglänzen. Und mit Eiweiß [wird man] die Wand bestreichen [können], nun [und die Wand] werde so leuchten, dass man [wird Zeitungen lesen können.]
[ 57 ] Sehr geistreich vorgetragen von [Dewar]. Das ist gestattet dem gewöhnlichen Denken. Derjenige aber, der mit seinem Denken wirklichkeitsverwandt bleibt, der fragt: Kann ich solche Gedanken ausbilden? Wo soll denn die Milch herkommen, [die fest ist, und so weiter und so weiter], wo die Zeitungen, die gelesen werden, wenn man Eiweiß anstreicht an die Wände? Sie merken, dass es eine Möglichkeit gibt, innerlich so weit zu kommen, dass man nicht bloß richtige Vorstellungen bilder — diese Vorstellungen sind nicht wirklichkeitsverwandt —, [sondern] dazu kommt, um an einem gewissen Punkte wirklichkeitsverwandtes Denken zu erwerben; das gibt dann die Möglichkeit zur inspirierten Erkenntnis. Noch ein Vergleich. Man müsste ja auch den einzelnen menschlichen Leib so untersuchen, ganz nach der Methode des Professors Dewar, [man] könnte sagen: Der Mensch hat einen Magen in sich, ich untersuche diesen Magen von acht zu acht Tagen und rechne aus, so in einem Jahr, [wie er sich verändert].
[ 57 ] Sehr geistreich vorgetragen von [Dewar]. Das ist gestattet dem gewöhnlichen Denken. Derjenige aber, der mit seinem Denken wirklichkeitsverwandt bleibt, der fragt: Kann ich solche Gedanken ausbilden? Wo soll denn die Milch herkommen, [die fest ist, und so weiter und so weiter], wo die Zeitungen, die gelesen werden, wenn man Eiweiß anstreicht an die Wände? Sie merken, dass es eine Möglichkeit gibt, innerlich so weit zu kommen, dass man nicht bloß richtige Vorstellungen bilder — diese Vorstellungen sind nicht wirklichkeitsverwandt —, [sondern] dazu kommt, um an einem gewissen Punkte wirklichkeitsverwandtes Denken zu erwerben; das gibt dann die Möglichkeit zur inspirierten Erkenntnis. Noch ein Vergleich. Man müsste ja auch den einzelnen menschlichen Leib so untersuchen, ganz nach der Methode des Professors Dewar, [man] könnte sagen: Der Mensch hat einen Magen in sich, ich untersuche diesen Magen von acht zu acht Tagen und rechne aus, so in einem Jahr, [wie er sich verändert].
[ 58 ] So machen es die Kollegen überall, sie rechnen aus, wie die Erde vor zwanzig Millionen Jahren [aussah], nach zwanzig Millionen Jahren [aussehen wird]; [ebenso] kann ich den Magen untersuchen und kann dann die Frage [Lücke], und kann sagen: Wie wird [also] der Mensch aussehen, wenn sein Magen sich verändert? [Wie wird er aussehen] in 150 Jahren, oder wie hat er ausgesehen vor 150 Jahren oder, wenn ich ihn untersucht habe, [mehr] rückwärts? Das Einzelne ist einzuwenden: Vor 150 Jahren war der Mensch noch nicht da; und nach 150 Jahren wird er wieder nicht leben. Der Gedanke kann sehr geistreich [sein], [aber] wirklichkeitsgerränkt braucht er nicht zu sein. Daher kann alles das, was die Geologie über die Erde sagt vor zwanzig Millionen und nach zwanzig Millionen Jahren sehr geistreich ausgebildet sein. Wenn aber die Erde vorher zerstäubt im Weltenraum und vor fünf Millionen Jahren nicht da war, dann hilft einem die Berechnung nichts, so geistreich sie auch ist.
[ 58 ] So machen es die Kollegen überall, sie rechnen aus, wie die Erde vor zwanzig Millionen Jahren [aussah], nach zwanzig Millionen Jahren [aussehen wird]; [ebenso] kann ich den Magen untersuchen und kann dann die Frage [Lücke], und kann sagen: Wie wird [also] der Mensch aussehen, wenn sein Magen sich verändert? [Wie wird er aussehen] in 150 Jahren, oder wie hat er ausgesehen vor 150 Jahren oder, wenn ich ihn untersucht habe, [mehr] rückwärts? Das Einzelne ist einzuwenden: Vor 150 Jahren war der Mensch noch nicht da; und nach 150 Jahren wird er wieder nicht leben. Der Gedanke kann sehr geistreich [sein], [aber] wirklichkeitsgerränkt braucht er nicht zu sein. Daher kann alles das, was die Geologie über die Erde sagt vor zwanzig Millionen und nach zwanzig Millionen Jahren sehr geistreich ausgebildet sein. Wenn aber die Erde vorher zerstäubt im Weltenraum und vor fünf Millionen Jahren nicht da war, dann hilft einem die Berechnung nichts, so geistreich sie auch ist.
[ 59 ] Sie sehen, es ist ein großer Unterschied zwischen wirklichkeitsdurchtränktem Denken und bloß logischem. Zu diesem wirklichkeitsdurchtränkten Denken muss man aufsteigen, dann kommt man nicht nur dazu, den Bildekräfteleib zu [entdecken], welcher den Menschen von Geburt zu Tod trägt, sondern dazu, im Menschen zu entdecken, was diesen Leib zwar annimmt aus der Vererbung heraus, was aber aus der geistigen Welt herkommt, indem der Mensch sein irdisches Dasein beginnt, und was wiederum durch die Pforte [des Todes] geht, wenn der Mensch stirbt.
[ 59 ] Sie sehen, es ist ein großer Unterschied zwischen wirklichkeitsdurchtränktem Denken und bloß logischem. Zu diesem wirklichkeitsdurchtränkten Denken muss man aufsteigen, dann kommt man nicht nur dazu, den Bildekräfteleib zu [entdecken], welcher den Menschen von Geburt zu Tod trägt, sondern dazu, im Menschen zu entdecken, was diesen Leib zwar annimmt aus der Vererbung heraus, was aber aus der geistigen Welt herkommt, indem der Mensch sein irdisches Dasein beginnt, und was wiederum durch die Pforte [des Todes] geht, wenn der Mensch stirbt.
[ 60 ] Da beginnt man, dasjenige zu entdecken in dem Menschen, was in Wahrheit unsterblich ist. Das schauende Bewusstsein kann sich losreißen von dem Leiblichen. Daher kann es sich auch schon verbinden mit dem, was als Bewusstsein wirklich ist, wenn der Leib nicht äußerer Ausdruck des Menschenwesens ist. Hier haben wir den Punkt, wo wir wirklich erkennen lernen dasjenige im Menschen, was durch Geburt und Tod geht, was wirklich das Unsterbliche im Menschen darstellt. Und von hier aus kommen wir dann zu einer ganz anderen Auffassung über die Unsterblichkeitsfrage. Wir haben zunächst gezeigt, dass der Mensch zu einem anderen Bewusstsein kommen kann, dieses Bewusstsein kann in sich das Unsterbliche der Menschenseele haben. Daher ist dieses Unsterbliche der Menschenseele dasjenige, was eben ohne Leib bewusst sein kann. [...] Und von da aus aufsteigend kann man dabei die Unsterblichkeitsfrage verbinden mit der Schicksalsfrage.
[ 60 ] Da beginnt man, dasjenige zu entdecken in dem Menschen, was in Wahrheit unsterblich ist. Das schauende Bewusstsein kann sich losreißen von dem Leiblichen. Daher kann es sich auch schon verbinden mit dem, was als Bewusstsein wirklich ist, wenn der Leib nicht äußerer Ausdruck des Menschenwesens ist. Hier haben wir den Punkt, wo wir wirklich erkennen lernen dasjenige im Menschen, was durch Geburt und Tod geht, was wirklich das Unsterbliche im Menschen darstellt. Und von hier aus kommen wir dann zu einer ganz anderen Auffassung über die Unsterblichkeitsfrage. Wir haben zunächst gezeigt, dass der Mensch zu einem anderen Bewusstsein kommen kann, dieses Bewusstsein kann in sich das Unsterbliche der Menschenseele haben. Daher ist dieses Unsterbliche der Menschenseele dasjenige, was eben ohne Leib bewusst sein kann. [...] Und von da aus aufsteigend kann man dabei die Unsterblichkeitsfrage verbinden mit der Schicksalsfrage.
[ 61 ] Die Unsterblichkeitsfrage hat schon das Rätsel vieler gebildet. Allein, weil man Geisteswissenschaft ablehnte, konnte man nicht zu einer Lösung kommen. Aber Geisteswissenschaft wird in diese Dinge hineinleuchten. Die Schicksalsfrage hat noch weniger den Gegenstand gebildet der Wissenschaft [...]. Schopenhauer, [Lücke] er hat nichts ausmachen können über die Schicksalsfrage. Aber er hat einen interessanten Vergleich gewählt. So unvollkommen auch der Vergleich ist, so muss man eines sagen, dass er einen bestimmten, [merkwürdigen] Vergleich gewählt hat. Das bezeugt, dass er wenigstens eine Ahnung hatte, [Lücke]. Überschauen wir einen Traum, dann erscheint er [zunächst] verworren, wachen wir auf, dann werden wir den Traum beurteilen und werden unter Umständen auch finden, was in dem Traume gebildet werden kann.
[ 61 ] Die Unsterblichkeitsfrage hat schon das Rätsel vieler gebildet. Allein, weil man Geisteswissenschaft ablehnte, konnte man nicht zu einer Lösung kommen. Aber Geisteswissenschaft wird in diese Dinge hineinleuchten. Die Schicksalsfrage hat noch weniger den Gegenstand gebildet der Wissenschaft [...]. Schopenhauer, [Lücke] er hat nichts ausmachen können über die Schicksalsfrage. Aber er hat einen interessanten Vergleich gewählt. So unvollkommen auch der Vergleich ist, so muss man eines sagen, dass er einen bestimmten, [merkwürdigen] Vergleich gewählt hat. Das bezeugt, dass er wenigstens eine Ahnung hatte, [Lücke]. Überschauen wir einen Traum, dann erscheint er [zunächst] verworren, wachen wir auf, dann werden wir den Traum beurteilen und werden unter Umständen auch finden, was in dem Traume gebildet werden kann.
[ 62 ] Aus jeder Feuerwehr, aus jeder kann sich eine Dramatik der Traumhandlung entwickeln. Vom Wachbewusstsein aus weiß er: Ein [Löschzug] ist [vorbei]gezogen, das hat seine Traumhandlung hervorgerufen.
[ 62 ] Aus jeder Feuerwehr, aus jeder kann sich eine Dramatik der Traumhandlung entwickeln. Vom Wachbewusstsein aus weiß er: Ein [Löschzug] ist [vorbei]gezogen, das hat seine Traumhandlung hervorgerufen.
[ 63 ] Wenn Sie den Vergleich nehmen, dass das schauende Bewusstsein ein Aufwachen darstellt vom gewöhnlichen Bewusstsein, dann können Sie unter Umständen ahnen, dass die Frage aufgeworfen werden kann: Ist es vielleicht möglich, dass [das], was uns als Schicksal erscheint — das uns so erscheint, dass es hereinbricht, äußerlich auf uns —, ist es nicht möglich, dass uns da das, was wir planlos zu erleben scheinen, dass das, wenn wir es so von dem Traum mit dem Wachbewusstsein, mit dem schauenden Bewusstsein überblicken, dann in anderem Licht erscheint, [was wir im gewöhnlichen Bewusstsein erleben], wir dann die Veranlassung sehen [Lücke]?
[ 63 ] Wenn Sie den Vergleich nehmen, dass das schauende Bewusstsein ein Aufwachen darstellt vom gewöhnlichen Bewusstsein, dann können Sie unter Umständen ahnen, dass die Frage aufgeworfen werden kann: Ist es vielleicht möglich, dass [das], was uns als Schicksal erscheint — das uns so erscheint, dass es hereinbricht, äußerlich auf uns —, ist es nicht möglich, dass uns da das, was wir planlos zu erleben scheinen, dass das, wenn wir es so von dem Traum mit dem Wachbewusstsein, mit dem schauenden Bewusstsein überblicken, dann in anderem Licht erscheint, [was wir im gewöhnlichen Bewusstsein erleben], wir dann die Veranlassung sehen [Lücke]?
[ 64 ] Da zeigt [sich] dann in dem Augenblick, in dem das Bewusstsein aufsteigt zum Inspirierten, dass die Frage, die die Naturwissenschaft begonnen hat, in ein rein materialistisches Fahrwasser zu bringen — das auf der einen Seite berechtigt ist —, da zeigt sich dann eigentlich etwas mit Bezug auf das Schicksal. Nehmen wir zunächst das innere Schicksal, unser inneres Schicksal. Es wird bildlich dadurch, dass wir mit diesen oder jenen Fähigkeiten geboren werden; [je] nach dem können wir dieses [oder jenes] machen, [sind wir] tächtig oder untüchtig. Von der inneren [Denkfähigkeit] hängt ab unser Schicksal zunächst.
[ 64 ] Da zeigt [sich] dann in dem Augenblick, in dem das Bewusstsein aufsteigt zum Inspirierten, dass die Frage, die die Naturwissenschaft begonnen hat, in ein rein materialistisches Fahrwasser zu bringen — das auf der einen Seite berechtigt ist —, da zeigt sich dann eigentlich etwas mit Bezug auf das Schicksal. Nehmen wir zunächst das innere Schicksal, unser inneres Schicksal. Es wird bildlich dadurch, dass wir mit diesen oder jenen Fähigkeiten geboren werden; [je] nach dem können wir dieses [oder jenes] machen, [sind wir] tächtig oder untüchtig. Von der inneren [Denkfähigkeit] hängt ab unser Schicksal zunächst.
[ 65 ] Nun hat die Naturwissenschaft sich darauf verlegt, unsere inneren Fähigkeiten auf die [vererbten] Eigenschaften unserer Vorfahren zurückzuführen. Man kann so kommen und sagen: Du, Geistesforscher, du bist doch ein richtiger Dilettant. Sieh dir an, wie die Wissenschaft gezeigt hat, wie sich die Merkmale vererben, wie zum Beispiel an genau dem Zusammenfluss jener Fähigkeiten hast du /unleserliches Zeichen] im einzelnen Zweig bei den Vorfahren. — Der Geistesforscher muss darauf erwidern: Er schaut sich das schon alles an, er rechnet auch die Berechtigung desjenigen, was Naturwissenschaft sagt, an, aber er muss noch etwas anderes hinzufügen, und das fügt er ebenso aus der Beobachtung hinzu, wie der Naturwissenschaftsforscher seine Beobachtung vorbringt. Die Naturwissenschaft entwickelt richtige Beobachtungsergebnisse in Bezug auf die Vererbungsfrage, [zum Beispiel die] Mendel’schen [Gesetze]. Die weiß auch die Geistesforschung vollkommen anzuerkennen [—.]. Aber die Logik ist ein Merkwürdiges.
[ 65 ] Nun hat die Naturwissenschaft sich darauf verlegt, unsere inneren Fähigkeiten auf die [vererbten] Eigenschaften unserer Vorfahren zurückzuführen. Man kann so kommen und sagen: Du, Geistesforscher, du bist doch ein richtiger Dilettant. Sieh dir an, wie die Wissenschaft gezeigt hat, wie sich die Merkmale vererben, wie zum Beispiel an genau dem Zusammenfluss jener Fähigkeiten hast du /unleserliches Zeichen] im einzelnen Zweig bei den Vorfahren. — Der Geistesforscher muss darauf erwidern: Er schaut sich das schon alles an, er rechnet auch die Berechtigung desjenigen, was Naturwissenschaft sagt, an, aber er muss noch etwas anderes hinzufügen, und das fügt er ebenso aus der Beobachtung hinzu, wie der Naturwissenschaftsforscher seine Beobachtung vorbringt. Die Naturwissenschaft entwickelt richtige Beobachtungsergebnisse in Bezug auf die Vererbungsfrage, [zum Beispiel die] Mendel’schen [Gesetze]. Die weiß auch die Geistesforschung vollkommen anzuerkennen [—.]. Aber die Logik ist ein Merkwürdiges.
[ 66 ] Ein Buch ist erschienen über Goethes Genie, da findet man beschrieben, welche Eigenschaften die Vorfahren, [Vater, Mutter und so weiter, und so weiter] [Lücke] [gehabt] haben, alles sehr schön, um dann zu zeigen, wie bei Goethe eine Zusammensummierung auf Goethe zeigt. Deshalb sagt man, das zeige uns, dass die Eigenschaft am Ende einer Vererbungslinie steht [...]. Jedoch] ist das nun nicht [richtig], aus dem einfachen Grund: Würde man denken, würde man eines genau aufzeigen und nicht durch Vater und Mutter zurückgehen: Dass das die Eigenschaften zeigt, ist nicht merkwürdiger, als [dass] ein durch Wasser Gezogener nass ist. Aber würde man etwas wissen wollen, müsste man das genau aufzeigen: der Sohn, der Enkel, da erben sich die genialen Eigenschaften weiter —, man wird das bleiben lassen, man wird nicht zu dem [Lücke] kommen. [unklare Passage] [...].
[ 66 ] Ein Buch ist erschienen über Goethes Genie, da findet man beschrieben, welche Eigenschaften die Vorfahren, [Vater, Mutter und so weiter, und so weiter] [Lücke] [gehabt] haben, alles sehr schön, um dann zu zeigen, wie bei Goethe eine Zusammensummierung auf Goethe zeigt. Deshalb sagt man, das zeige uns, dass die Eigenschaft am Ende einer Vererbungslinie steht [...]. Jedoch] ist das nun nicht [richtig], aus dem einfachen Grund: Würde man denken, würde man eines genau aufzeigen und nicht durch Vater und Mutter zurückgehen: Dass das die Eigenschaften zeigt, ist nicht merkwürdiger, als [dass] ein durch Wasser Gezogener nass ist. Aber würde man etwas wissen wollen, müsste man das genau aufzeigen: der Sohn, der Enkel, da erben sich die genialen Eigenschaften weiter —, man wird das bleiben lassen, man wird nicht zu dem [Lücke] kommen. [unklare Passage] [...].
[ 67 ] Wirklichkeitsgemäß ist es durchaus, hinzuschauen auf die physische Merkwürdigkeit, aber dem Geistesforscher zeigt sich etwas anderes. Nun, Sie können in den genannten Büchern das Einzelne lesen, aber ich werde das prinzipielle Ergebnis hier [Lücke].
[ 67 ] Wirklichkeitsgemäß ist es durchaus, hinzuschauen auf die physische Merkwürdigkeit, aber dem Geistesforscher zeigt sich etwas anderes. Nun, Sie können in den genannten Büchern das Einzelne lesen, aber ich werde das prinzipielle Ergebnis hier [Lücke].
[ 68 ] Der Mensch lebt in der geistigen Welt, bevor er sich verbindet mit dem Ererbten vom Vater. Aber ebenso, wie wir hier nicht nur den physischen Leib haben, sondern darinnen das Geistig-Seelische, und ebenso wie jedes Mal, wenn wir eine Hand bewegen, das Geistig-Seelische das tut, - das äußerlich Leibliche nur Ausdruck ist -, so ist das wirklich Geistige auch nicht in einem unbestimmten jenseitigen, weit entfernten Wolkenkuckucksheim, sondern es ist da, wo das Physische ist; es ist durchtränkt das Physische [von dem Geistig-Seelischen]. Das Physische geschieht aus dem Geistigen heraus. [Daher geschieht auch dasjenige, was physisch geschieht in den weit zurückliegenden Generationen unserer Ururahnen aus der geistigen Welt heraus.] Wir aber sind darinnen als geistige Individuen, wir sind auch darinnen gewesen — und wirken mit den Kräften der geistigen Welt in die physische herein. An die zehn, zwölf Generationen vor uns, aus denen wir uns entwickeln, haben wir die weiteren Eigenschaften auf die Nachkommen übertragen. Wir sind selbst darinnen, in dem ganzen Geschehen, das die Eigenschaften von den Vorfahren auf die Nachkommen überträgt. Wir bestimmen selbst, indem wir vor Geburt jahrhundertelang in der geistigen Welt sind, [indem wir] aus der geistigen Welt die Eigenschaften der Vorfahren dirigieren. Wir bestimmen die Vererbungseigenschaften, aus denen heraus der physische Leib heraus gebaut wird, wir arbeiten aus der geistigen Welt [heraus] dasjenige, was unser inneres Schicksal formiert. Das ist das innere Schicksal.
[ 68 ] Der Mensch lebt in der geistigen Welt, bevor er sich verbindet mit dem Ererbten vom Vater. Aber ebenso, wie wir hier nicht nur den physischen Leib haben, sondern darinnen das Geistig-Seelische, und ebenso wie jedes Mal, wenn wir eine Hand bewegen, das Geistig-Seelische das tut, - das äußerlich Leibliche nur Ausdruck ist -, so ist das wirklich Geistige auch nicht in einem unbestimmten jenseitigen, weit entfernten Wolkenkuckucksheim, sondern es ist da, wo das Physische ist; es ist durchtränkt das Physische [von dem Geistig-Seelischen]. Das Physische geschieht aus dem Geistigen heraus. [Daher geschieht auch dasjenige, was physisch geschieht in den weit zurückliegenden Generationen unserer Ururahnen aus der geistigen Welt heraus.] Wir aber sind darinnen als geistige Individuen, wir sind auch darinnen gewesen — und wirken mit den Kräften der geistigen Welt in die physische herein. An die zehn, zwölf Generationen vor uns, aus denen wir uns entwickeln, haben wir die weiteren Eigenschaften auf die Nachkommen übertragen. Wir sind selbst darinnen, in dem ganzen Geschehen, das die Eigenschaften von den Vorfahren auf die Nachkommen überträgt. Wir bestimmen selbst, indem wir vor Geburt jahrhundertelang in der geistigen Welt sind, [indem wir] aus der geistigen Welt die Eigenschaften der Vorfahren dirigieren. Wir bestimmen die Vererbungseigenschaften, aus denen heraus der physische Leib heraus gebaut wird, wir arbeiten aus der geistigen Welt [heraus] dasjenige, was unser inneres Schicksal formiert. Das ist das innere Schicksal.
[ 69 ] Das äußere Schicksal, das an uns herantritt, [das] durch die äußeren Lebensereignisse [kommt], wie kommt das zustande? Da muss ich zeigen, dass [hierzu notwendig] wir zu einer höheren Erkenntnisstufe noch aufsteigen können, zu dem, was ich, [wie ich] meine, mit dem eigentlich passenden Wort das intuitive Bewusstsein genannt habe. Ich kann es nur ausführen mit Bezug auf die Schicksalsfrage.
[ 69 ] Das äußere Schicksal, das an uns herantritt, [das] durch die äußeren Lebensereignisse [kommt], wie kommt das zustande? Da muss ich zeigen, dass [hierzu notwendig] wir zu einer höheren Erkenntnisstufe noch aufsteigen können, zu dem, was ich, [wie ich] meine, mit dem eigentlich passenden Wort das intuitive Bewusstsein genannt habe. Ich kann es nur ausführen mit Bezug auf die Schicksalsfrage.
[ 70 ] Der Mensch kommt dazu, indem er Erkenntnisse entwickelt, die dem schauenden Bewusstsein angehören, indem er solche Erkenntnisse in seiner Seele entwickelt. Eines Tages [kommt er dazu], etwas ganz Bestimmtes zu erleben, zu dem wirklichen Erkennen der geistigen Welt. [Es handelt sich] nicht darum, Phantastereien zu treiben, sondern darum, sich mit seiner eigenen Seele in die geistige Welt hineinzuschaffen, im lebendigen Erleben, sich in dieses hineinzuschaffen. [Man findet dann] so aus der Seele hinaufsteigen dasjenige, was aus dem schauenden Bewusstsein heraus Aufklärung bringt über die geistige Welt, über dasjenige, was als Seelenunsterbliches durch Geburten und Tod geht. Dann kommt der Tag, und er ist ein wichtiger Tag im menschlichen Leben, ein Schicksalstag, wo man sich das Folgende sagt: Du hast vieles erlebt, hast erlebt vielleicht dasjenige, was dein Leben hinaufgetragen hat zu den höchsten [Erlebnissen], was dir Lust gebracht hat in den verschiedensten Stufen, hast erlebt das, [was dich im Tiefsten] betrübt hat, den Hingang geliebter Menschen, dasjenige, was sich dem Menschen ergeben kann, was den Menschen in die tiefste Betrübnis, in die herbste Bedrängnis versetzen kann. Aber ein solches, das so einschneidet in das menschliche Erleben wie das, wenn dir aufgegangen ist die Wahrheit und Wirklichkeit der geistigen Welt durch das schauende Bewusstsein, das hast du bisher nicht erlebt. Man braucht nicht stumpf zu werden gegenüber den Schicksalserlebnissen des gewöhnlichen Lebens, [im Gegenteil], man kann noch viel sensitiver werden als im äußeren Leben etwa für das, was sich den Menschen ergeben kann, was den Menschen zum Glück hinaufführen kann oder in die Bedrängnis versetzen kann, und dennoch, es tritt der Augenblick ein, wo auch dasjenige, was [als] höchster Schicksalsschlag /Lücke] zwar recht groß erscheinen kann, aber größer als das alles kann erscheinen im menschlichen Bewusstsein das Erleben der geistigen Welt ist. Und ist dieser Augenblick eingetreten, dann ist eingetreten dasjenige, was unmittelbares Erleben eines inneren Schicksals ist. Dann hat man das Schicksal da, wo es innerlich so erlebt werden kann, dass man es innerlich durch die selbst heraufgeführte Erkenntnis erlebt. Wo man es selbst herbeigeführt hat, hat man es so aufgefasst, dass man weiß, du bist dabei gewesen. Jetzt kann man es beurteilen, weil man dabei war. Und jetzt erst strömt von diesem Erleben aus Licht auf die Schicksalsfrage. Jetzt ist es so, wie wenn man aus dem Traum erwachen würde. Jetzt beginnt es das zu werden, was Knebel so schön [sagte]: Wer auf sein Schicksal zurückschaut, /Lücke] wir könnten ja nicht anders sein, [als wir sind], wenn [wir ein] anderes Schicksal hätten.
[ 70 ] Der Mensch kommt dazu, indem er Erkenntnisse entwickelt, die dem schauenden Bewusstsein angehören, indem er solche Erkenntnisse in seiner Seele entwickelt. Eines Tages [kommt er dazu], etwas ganz Bestimmtes zu erleben, zu dem wirklichen Erkennen der geistigen Welt. [Es handelt sich] nicht darum, Phantastereien zu treiben, sondern darum, sich mit seiner eigenen Seele in die geistige Welt hineinzuschaffen, im lebendigen Erleben, sich in dieses hineinzuschaffen. [Man findet dann] so aus der Seele hinaufsteigen dasjenige, was aus dem schauenden Bewusstsein heraus Aufklärung bringt über die geistige Welt, über dasjenige, was als Seelenunsterbliches durch Geburten und Tod geht. Dann kommt der Tag, und er ist ein wichtiger Tag im menschlichen Leben, ein Schicksalstag, wo man sich das Folgende sagt: Du hast vieles erlebt, hast erlebt vielleicht dasjenige, was dein Leben hinaufgetragen hat zu den höchsten [Erlebnissen], was dir Lust gebracht hat in den verschiedensten Stufen, hast erlebt das, [was dich im Tiefsten] betrübt hat, den Hingang geliebter Menschen, dasjenige, was sich dem Menschen ergeben kann, was den Menschen in die tiefste Betrübnis, in die herbste Bedrängnis versetzen kann. Aber ein solches, das so einschneidet in das menschliche Erleben wie das, wenn dir aufgegangen ist die Wahrheit und Wirklichkeit der geistigen Welt durch das schauende Bewusstsein, das hast du bisher nicht erlebt. Man braucht nicht stumpf zu werden gegenüber den Schicksalserlebnissen des gewöhnlichen Lebens, [im Gegenteil], man kann noch viel sensitiver werden als im äußeren Leben etwa für das, was sich den Menschen ergeben kann, was den Menschen zum Glück hinaufführen kann oder in die Bedrängnis versetzen kann, und dennoch, es tritt der Augenblick ein, wo auch dasjenige, was [als] höchster Schicksalsschlag /Lücke] zwar recht groß erscheinen kann, aber größer als das alles kann erscheinen im menschlichen Bewusstsein das Erleben der geistigen Welt ist. Und ist dieser Augenblick eingetreten, dann ist eingetreten dasjenige, was unmittelbares Erleben eines inneren Schicksals ist. Dann hat man das Schicksal da, wo es innerlich so erlebt werden kann, dass man es innerlich durch die selbst heraufgeführte Erkenntnis erlebt. Wo man es selbst herbeigeführt hat, hat man es so aufgefasst, dass man weiß, du bist dabei gewesen. Jetzt kann man es beurteilen, weil man dabei war. Und jetzt erst strömt von diesem Erleben aus Licht auf die Schicksalsfrage. Jetzt ist es so, wie wenn man aus dem Traum erwachen würde. Jetzt beginnt es das zu werden, was Knebel so schön [sagte]: Wer auf sein Schicksal zurückschaut, /Lücke] wir könnten ja nicht anders sein, [als wir sind], wenn [wir ein] anderes Schicksal hätten.
[ 71 ] Wie aus einem Lebenstraum erwacht man, und dasjenige, was wir vorher nur aufgenommen haben — das eine mit Lust, das andere mit Leid erworben, [das uns] in Bedrängnis versetzt hat —, all das wird jetzt so, wie wenn wir aus einem Traum erwachen in die Wirklichkeit. Wir erwachen zu unserem Schicksal und in eine neue Welt. Wir erinnern uns an dasjenige, was man nur im gewöhnlichen Leben nicht sieht, was man, ich möchte sagen, schlafend sieht. Ein ganz neues Licht breitet sich über die Schicksalserlebnisse aus.
[ 71 ] Wie aus einem Lebenstraum erwacht man, und dasjenige, was wir vorher nur aufgenommen haben — das eine mit Lust, das andere mit Leid erworben, [das uns] in Bedrängnis versetzt hat —, all das wird jetzt so, wie wenn wir aus einem Traum erwachen in die Wirklichkeit. Wir erwachen zu unserem Schicksal und in eine neue Welt. Wir erinnern uns an dasjenige, was man nur im gewöhnlichen Leben nicht sieht, was man, ich möchte sagen, schlafend sieht. Ein ganz neues Licht breitet sich über die Schicksalserlebnisse aus.
[ 72 ] Nehmen Sie nur an, man ist [siebzehn], achtzehn Jahre alt, man spürt etwas keimen in sich, man durchlebt das Leben von der einseitigen Weise, [ein] Ereignis von anderen [gefolgt, führt] voran, man schreitet vor, weist die einen [Ereignisse] zurück, nimmt die anderen an, wird an fremde Orte geführt, indem man Ereignisse annimmt. In all dem ist etwas Unbestimmtes. Aber darin entdeckt der Geistesforscher etwas — denken Sie, man möchte da fast den Vorwurf des Materialismus schon auf sich haften lassen, aber das ist ja heute geistig gemeint —, was sich vergleichen lässt dem physischen Hunger, der in der Seele vorhanden ist, dem dann im Leben aus Erfahrung mit Bezug auf /Lücke?] entgegentritt, und den Hunger abschaffen; so ist etwas [Lücke].
[ 72 ] Nehmen Sie nur an, man ist [siebzehn], achtzehn Jahre alt, man spürt etwas keimen in sich, man durchlebt das Leben von der einseitigen Weise, [ein] Ereignis von anderen [gefolgt, führt] voran, man schreitet vor, weist die einen [Ereignisse] zurück, nimmt die anderen an, wird an fremde Orte geführt, indem man Ereignisse annimmt. In all dem ist etwas Unbestimmtes. Aber darin entdeckt der Geistesforscher etwas — denken Sie, man möchte da fast den Vorwurf des Materialismus schon auf sich haften lassen, aber das ist ja heute geistig gemeint —, was sich vergleichen lässt dem physischen Hunger, der in der Seele vorhanden ist, dem dann im Leben aus Erfahrung mit Bezug auf /Lücke?] entgegentritt, und den Hunger abschaffen; so ist etwas [Lücke].
[ 73 ] Das führt uns von Ereignis zu Ereignis, wir glauben, wir werden durch unseren geistigen Hunger vorwärtsgetrieben, dann tritt das Schicksalserlebnis ein, [unklare Passage] dass wir lernen, dass [unleserliche Zeichen, Lücke].
[ 73 ] Das führt uns von Ereignis zu Ereignis, wir glauben, wir werden durch unseren geistigen Hunger vorwärtsgetrieben, dann tritt das Schicksalserlebnis ein, [unklare Passage] dass wir lernen, dass [unleserliche Zeichen, Lücke].
[ 74 ] Ich kann Ihnen nur prinzipiell dasjenige ausführen, was man so entdeckt hat für das Schicksal. Und da kommt dann das, was volle Wissenschaft ist: Wir lernen erkennen durch das anschauende Bewusstsein, dass, eben[so], wie [aus dem Leben] zwischen Tod und Geburt herausfließt unser innerliches Schicksal aus innerer Kraft, so fließt dasjenige, was in uns sitzt als Hunger nach dem Dasein, vom verflossenen Erdenleben heraus. Es werden die verflossenen Erdenleben in uns wirklich gegenständlich, und es wird dasjenige, was wir jetzt durchleben, der Ausgangspunkt für folgende Erdenleben.
[ 74 ] Ich kann Ihnen nur prinzipiell dasjenige ausführen, was man so entdeckt hat für das Schicksal. Und da kommt dann das, was volle Wissenschaft ist: Wir lernen erkennen durch das anschauende Bewusstsein, dass, eben[so], wie [aus dem Leben] zwischen Tod und Geburt herausfließt unser innerliches Schicksal aus innerer Kraft, so fließt dasjenige, was in uns sitzt als Hunger nach dem Dasein, vom verflossenen Erdenleben heraus. Es werden die verflossenen Erdenleben in uns wirklich gegenständlich, und es wird dasjenige, was wir jetzt durchleben, der Ausgangspunkt für folgende Erdenleben.
[ 75 ] Ich kann es nur andeuten, in voller Wissenschaftlichkeit nimmt es sich anders aus als in empfindsamer Mystik, aber es wird schon aufgehen, wenn man [Lücke] auch auf die geistige Wissenschaft anzuwenden.
[ 75 ] Ich kann es nur andeuten, in voller Wissenschaftlichkeit nimmt es sich anders aus als in empfindsamer Mystik, aber es wird schon aufgehen, wenn man [Lücke] auch auf die geistige Wissenschaft anzuwenden.
[ 76 ] Dasjenige, was heute auf Seite von der Naturwissenschaft gegen die Geisteswissenschaft eingewendet wird, wird ja auch vielfach verstärkt von der religiösen Seite, indem man [sich jenem gewiss war]: Geisteswissenschaft weiß etwas, wogegen sich eine religiöse Weltanschauung auflehnen kann.
[ 76 ] Dasjenige, was heute auf Seite von der Naturwissenschaft gegen die Geisteswissenschaft eingewendet wird, wird ja auch vielfach verstärkt von der religiösen Seite, indem man [sich jenem gewiss war]: Geisteswissenschaft weiß etwas, wogegen sich eine religiöse Weltanschauung auflehnen kann.
[ 77 ] Gerade weil von dieser Seite manches gekommen ist: Ebenso wenig wie der Kopernikanismus, wie die Lehre von der Umdrehung der Erde beeinträchtigt hat, was Religion [ist], sondern im Gegenteil [Lücke], ebenso wenig hat wahre Geisteswissenschaft, weil sie wahre Geisteswissenschaft ist, das religiöse Bewusstsein jemals untergraben, sondern im Gegenteil: Derjenige, der in wahrer Geisteswissenschaft [lebt], wird in dieser Region Impulse erreichen, die ihn gerade zum religiösen Leben hinführen. Und eine neue Bewegung, eine religiöse Bewegung wird aufsteigen, ohne [Lücke]. Derjenige ist kleinmütig gegenüber dem Christentum, der da glaubt, dass das, was auf einer sicheren Basis steht, dass das beeinträchtigt wird durch die Geisteswissenschaft. Ebenso wenig, wie es durch Kopernikanismus beeinträchtigt werden konnte, kann es [Lücke].
[ 77 ] Gerade weil von dieser Seite manches gekommen ist: Ebenso wenig wie der Kopernikanismus, wie die Lehre von der Umdrehung der Erde beeinträchtigt hat, was Religion [ist], sondern im Gegenteil [Lücke], ebenso wenig hat wahre Geisteswissenschaft, weil sie wahre Geisteswissenschaft ist, das religiöse Bewusstsein jemals untergraben, sondern im Gegenteil: Derjenige, der in wahrer Geisteswissenschaft [lebt], wird in dieser Region Impulse erreichen, die ihn gerade zum religiösen Leben hinführen. Und eine neue Bewegung, eine religiöse Bewegung wird aufsteigen, ohne [Lücke]. Derjenige ist kleinmütig gegenüber dem Christentum, der da glaubt, dass das, was auf einer sicheren Basis steht, dass das beeinträchtigt wird durch die Geisteswissenschaft. Ebenso wenig, wie es durch Kopernikanismus beeinträchtigt werden konnte, kann es [Lücke].
[ 78 ] Und derjenige ist erst wahrer Christ und erkennt die Grundfesten seines Christentums, der nicht sagt: Ich muss es schützen gegen wissenschaftliche Fortschritte —, sondern der da sagt: Ich weiß, dass es so stark ist, dass es kein wissenschaftlicher Fortschritt irgendwie [ins Wanken] bringen kann. Wahre Naturwissenschaft wird das Christentum stützen, wahre Geisteswissenschaft wird es nicht nur stützen, sondern erst in der richtigen Weise neu wiederbeleben können, wenn sie andere stützt, [die] wankend geworden als [Lücke].
[ 78 ] Und derjenige ist erst wahrer Christ und erkennt die Grundfesten seines Christentums, der nicht sagt: Ich muss es schützen gegen wissenschaftliche Fortschritte —, sondern der da sagt: Ich weiß, dass es so stark ist, dass es kein wissenschaftlicher Fortschritt irgendwie [ins Wanken] bringen kann. Wahre Naturwissenschaft wird das Christentum stützen, wahre Geisteswissenschaft wird es nicht nur stützen, sondern erst in der richtigen Weise neu wiederbeleben können, wenn sie andere stützt, [die] wankend geworden als [Lücke].
[ 79 ] Von anderer Seite ist es recht begreiflich, dass Geisteswissenschaft angefochten wird: Du gibst ja vor, Geisteswissenschaft beruhe auf Erfahrung, das sind ja nur deine Beobachtungen. — Aber die Beobachtungen kann jeder Mensch prüfen, und es wird ja ausdrücklich darauf hingewiesen: Es handelt sich nicht um Halluzinatorisches, sondern um das, was nicht halluzinatorische Einbildungen sind. [Auch hört man oft, die Ergebnisse der Geisteswissenschaft seien] nicht durch das Denken zu prüfen. Aber das wird ja gerade gefordert, dass das Denken solches klären wird, dass es sich nicht handelt um bloße Beobachtung, sondern darum, dass man ein so scharfes Denken fordert, dass diese Beobachtung vor der Vernunft gerechtfertigt werden kann. [Lücke]
[ 79 ] Von anderer Seite ist es recht begreiflich, dass Geisteswissenschaft angefochten wird: Du gibst ja vor, Geisteswissenschaft beruhe auf Erfahrung, das sind ja nur deine Beobachtungen. — Aber die Beobachtungen kann jeder Mensch prüfen, und es wird ja ausdrücklich darauf hingewiesen: Es handelt sich nicht um Halluzinatorisches, sondern um das, was nicht halluzinatorische Einbildungen sind. [Auch hört man oft, die Ergebnisse der Geisteswissenschaft seien] nicht durch das Denken zu prüfen. Aber das wird ja gerade gefordert, dass das Denken solches klären wird, dass es sich nicht handelt um bloße Beobachtung, sondern darum, dass man ein so scharfes Denken fordert, dass diese Beobachtung vor der Vernunft gerechtfertigt werden kann. [Lücke]
[ 80 ] Die Vernunft ist es, die eine Halluzination [von einem Schauen unterscheiden kann] und als Halluzination erkennt. Die Geisteswissenschaft erfordert noch ein höheres Denken.
[ 80 ] Die Vernunft ist es, die eine Halluzination [von einem Schauen unterscheiden kann] und als Halluzination erkennt. Die Geisteswissenschaft erfordert noch ein höheres Denken.
[ 81 ] Die Naturwissenschaft darf man bewundern, allein darinnen eigentümlich ist heute vorhanden gerade auf naturwissenschaftlichem Gebiet jenes scharfe Denken, jenes wissenschaftlichkeitsverwandte Denken, jenes gewissenhafte, immer sich selbst prüfende Denken, welches notwendig ist gerade für den Geistesforscher, da könnte ich Ihnen manche anschauliche Beispiele anführen. Nur eines zum Schluss:
[ 81 ] Die Naturwissenschaft darf man bewundern, allein darinnen eigentümlich ist heute vorhanden gerade auf naturwissenschaftlichem Gebiet jenes scharfe Denken, jenes wissenschaftlichkeitsverwandte Denken, jenes gewissenhafte, immer sich selbst prüfende Denken, welches notwendig ist gerade für den Geistesforscher, da könnte ich Ihnen manche anschauliche Beispiele anführen. Nur eines zum Schluss:
[ 82 ] Ich betone ausdrücklich, ich greife, wenn ich nicht selber angegriffen werde, niemanden an, den ich nicht schätze; Einwände bringe ich eben gegen solche Menschen vor, die ich gerade schätze, und wen ich auswähle, [Lücke] [ist] ein Zeichen dafür, dass ich den Betreffenden auf seinem Gebiet erst recht schätze. Es ist eine billige Art, denjenigen, den man nicht schätzen kann, widerlegen zu wollen. Das, was gezeigt werden muss, muss gezeigt werden gerade an denjenigen, die man schätzen kann.
[ 82 ] Ich betone ausdrücklich, ich greife, wenn ich nicht selber angegriffen werde, niemanden an, den ich nicht schätze; Einwände bringe ich eben gegen solche Menschen vor, die ich gerade schätze, und wen ich auswähle, [Lücke] [ist] ein Zeichen dafür, dass ich den Betreffenden auf seinem Gebiet erst recht schätze. Es ist eine billige Art, denjenigen, den man nicht schätzen kann, widerlegen zu wollen. Das, was gezeigt werden muss, muss gezeigt werden gerade an denjenigen, die man schätzen kann.
[ 83 ] Da haben wir einen großen bedeutenden Naturwissenschaftsforscher der Gegenwart, den ich wirklich [als] einen der ersten anerkenne auf seinem Gebiet. Aber er zeigt, dass man ein großer Naturwissenschaftsforscher sein kann, ohne jenes sich selbst kontrollierende Denken zu haben, das auf Schritt und Tritt da sein muss. [Er hat] ein Buch geschrieben, in dem er ein Bild gibt über den Zusammenhang der Welterscheinungen von seinem Standpunkte aus. In der Vorrede dieses Buches sagt dieser Verfasser:
[ 83 ] Da haben wir einen großen bedeutenden Naturwissenschaftsforscher der Gegenwart, den ich wirklich [als] einen der ersten anerkenne auf seinem Gebiet. Aber er zeigt, dass man ein großer Naturwissenschaftsforscher sein kann, ohne jenes sich selbst kontrollierende Denken zu haben, das auf Schritt und Tritt da sein muss. [Er hat] ein Buch geschrieben, in dem er ein Bild gibt über den Zusammenhang der Welterscheinungen von seinem Standpunkte aus. In der Vorrede dieses Buches sagt dieser Verfasser:
Ob man in der «besten der Welten» lebt, [kann] ein Verstand sich nicht vorstellen, dass wir aber in der «besten der Zeiten» leben, dürfen wir schon behaupten, denn es ist ja wirklich so, dass alle früheren Zeiten in den Naturwissenschaften unbedeutend waren. Wir haben es in der Naturwissenschaft so weit gebracht, dass man die gegenwärtige Zeit als die «beste der Zeiten» ansehen muss. Daher dürfen wir,
Ob man in der «besten der Welten» lebt, [kann] ein Verstand sich nicht vorstellen, dass wir aber in der «besten der Zeiten» leben, dürfen wir schon behaupten, denn es ist ja wirklich so, dass alle früheren Zeiten in den Naturwissenschaften unbedeutend waren. Wir haben es in der Naturwissenschaft so weit gebracht, dass man die gegenwärtige Zeit als die «beste der Zeiten» ansehen muss. Daher dürfen wir,
[ 84 ] sagt er,
[ 84 ] sagt er,
mit Goethe sagen, wenn wir auf diese «beste der Zeiten» hindeuten, dürfen wir mit Goethe sagen:
Es ist ein groß’ Ergötzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
mit Goethe sagen, wenn wir auf diese «beste der Zeiten» hindeuten, dürfen wir mit Goethe sagen:
Es ist ein groß’ Ergötzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen,
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.
[ 85 ] Man braucht ein geistig gewissenhaftes Denken, [ein auf] sich selbst konzentrierendes Denken, denn diesen Ausspruch lässt Goethe in seinem «Faust» den Wagner tun [...].
[ 85 ] Man braucht ein geistig gewissenhaftes Denken, [ein auf] sich selbst konzentrierendes Denken, denn diesen Ausspruch lässt Goethe in seinem «Faust» den Wagner tun [...].
[ 86 ] Sie sehen, man kann eine zweite Frage sich [stellen], und so beantworten, sich im Denken kontrollieren, dass man sich selber mit dem Wagner, der Theoretiker ist, mit dem [Wagner sich] verbindet, dass man sich selbst mit dem Wagner [verbindet], während man glaubt, einen tiefsinnigen Ausspruch zu zitieren, indem man anführt einen Ausdruck, [längere Lücke].
[ 86 ] Sie sehen, man kann eine zweite Frage sich [stellen], und so beantworten, sich im Denken kontrollieren, dass man sich selber mit dem Wagner, der Theoretiker ist, mit dem [Wagner sich] verbindet, dass man sich selbst mit dem Wagner [verbindet], während man glaubt, einen tiefsinnigen Ausspruch zu zitieren, indem man anführt einen Ausdruck, [längere Lücke].
[ 87 ] Das ist nicht bloß ein einzelnes Beispiel, sondern ein typisches Beispiel, wie gerade Materialisten [Lücke] jenes Denken, das so notwendig ist, nicht haben können. Daher darf man sich nicht wundern, wenn [der] Geisteswissenschaft manches entgegengebracht wird. Von dieser Seite aus zeigt sich ja als Erstes — die Anschauungen im spekulativen philosophischen Bewusstsein, an einem anschaulichen Beispiele, das hier schon erwähnt [wurde —, zeigt sich] etwas recht Merkwürdiges. Als der [Materialismus] da, [an diesem] Punkt der naturwissenschaftlichen Weltanschauung [anlangte], [das] war in dem ersten Jahrzehnt der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, da glaubten alle Leute, in dem Darwinismus seien gelöst alle Weltenrätsel.
[ 87 ] Das ist nicht bloß ein einzelnes Beispiel, sondern ein typisches Beispiel, wie gerade Materialisten [Lücke] jenes Denken, das so notwendig ist, nicht haben können. Daher darf man sich nicht wundern, wenn [der] Geisteswissenschaft manches entgegengebracht wird. Von dieser Seite aus zeigt sich ja als Erstes — die Anschauungen im spekulativen philosophischen Bewusstsein, an einem anschaulichen Beispiele, das hier schon erwähnt [wurde —, zeigt sich] etwas recht Merkwürdiges. Als der [Materialismus] da, [an diesem] Punkt der naturwissenschaftlichen Weltanschauung [anlangte], [das] war in dem ersten Jahrzehnt der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, da glaubten alle Leute, in dem Darwinismus seien gelöst alle Weltenrätsel.
[ 88 ] Hartmann, der noch keine Geisteswissenschaft hatte, aber vom spekulativ-philosophischen Standpunkt aus die Einseitigkeit der Wissenschaft kannte, er schrieb einiges gegen die materialistische Färbung des Darwinismus, indem er zeigte, dass Geist in allem leben muss. Da erscheint Gegenschrift über Gegenschrift, in denen überall gesagt wird: Nun ja, da kommt dieser dilettantische Philosoph und labert in einer dilettantischen Weise vom Geistigen; den Geist hat die Naturwissenschaft längst überwunden. Dann [aber] erscheint eine Schrift von einem Anonymus. Sie war sehr geistvoll. Haeckel, Oscar Schmidt, viele andere, sie sagten ungefähr: Da hat einmal einer, der die Sache der Naturwissenschaft vom Grunde aus versteht, diesen Philosophen Hartmann widerlegt. Warum der Dichter uns nur nicht genannt wird? Wir betrachten ihn als den Unsrigen, er steht auf der Höhe der Naturwissenschaft. Sie trägt alles bei /Lücke]. Es wurde bald eine zweite Auflage notwendig; da nannte sich der Mann, es war Hartmann selber. Die dritte Auflage wurde nicht so schnell verkauft.
[ 88 ] Hartmann, der noch keine Geisteswissenschaft hatte, aber vom spekulativ-philosophischen Standpunkt aus die Einseitigkeit der Wissenschaft kannte, er schrieb einiges gegen die materialistische Färbung des Darwinismus, indem er zeigte, dass Geist in allem leben muss. Da erscheint Gegenschrift über Gegenschrift, in denen überall gesagt wird: Nun ja, da kommt dieser dilettantische Philosoph und labert in einer dilettantischen Weise vom Geistigen; den Geist hat die Naturwissenschaft längst überwunden. Dann [aber] erscheint eine Schrift von einem Anonymus. Sie war sehr geistvoll. Haeckel, Oscar Schmidt, viele andere, sie sagten ungefähr: Da hat einmal einer, der die Sache der Naturwissenschaft vom Grunde aus versteht, diesen Philosophen Hartmann widerlegt. Warum der Dichter uns nur nicht genannt wird? Wir betrachten ihn als den Unsrigen, er steht auf der Höhe der Naturwissenschaft. Sie trägt alles bei /Lücke]. Es wurde bald eine zweite Auflage notwendig; da nannte sich der Mann, es war Hartmann selber. Die dritte Auflage wurde nicht so schnell verkauft.
[ 89 ] Wir haben das sonderbare Beispiel erlebt — ich habe es vor allem aus dem Mund des Haeckel gehört —, wie er Oscar Hertwig meinen Bruder [und] treuesten Schüler [nannte. Oscar Hertwig aber brachte] eine Widerlegung der Zufallscheorie. Wir sehen den Haeckel-Schüler bereits eine ganz neue nach dem Geistigen hin strebende Weltanschauung aufstellen, wir sehen hier wiederum Haeckel zitiert von Oscar Hertwig, dem Schüler Haeckels. Eine merkwürdige Erscheinung: Wir sind auf dem Wege, wo die Naturwissenschaft aus ihren eigenen Kräften, aus eigenen Strömungen, aus [eigenem] Streben in die Geisteswissenschaft hineinmünden muss. Geisteswissenschaft ist aufgestellt nicht aus Willkür, sondern aus tiefster Erkenntnis der Zeit. [Lücke]
[ 89 ] Wir haben das sonderbare Beispiel erlebt — ich habe es vor allem aus dem Mund des Haeckel gehört —, wie er Oscar Hertwig meinen Bruder [und] treuesten Schüler [nannte. Oscar Hertwig aber brachte] eine Widerlegung der Zufallscheorie. Wir sehen den Haeckel-Schüler bereits eine ganz neue nach dem Geistigen hin strebende Weltanschauung aufstellen, wir sehen hier wiederum Haeckel zitiert von Oscar Hertwig, dem Schüler Haeckels. Eine merkwürdige Erscheinung: Wir sind auf dem Wege, wo die Naturwissenschaft aus ihren eigenen Kräften, aus eigenen Strömungen, aus [eigenem] Streben in die Geisteswissenschaft hineinmünden muss. Geisteswissenschaft ist aufgestellt nicht aus Willkür, sondern aus tiefster Erkenntnis der Zeit. [Lücke]
[ 90 ] Ist sie nicht dasjenige, was die Gegenwart [braucht], der gerade durch die notwendigen bewundernswürdigen Fortschritte der neueren Zeit der unmittelbare Zusammenhang mit den geistigen Welten, der in alten Zeiten vorhanden war, verloren gegangen [ist]? Ist dann nicht [im Recht] diese Menschenseele in dieser neueren Zeit, in dieser Gegenwart, wo so vieles an sie herantritt, gegenüber dem sie sich nicht anderes sagen kann als: So, wie ich mich zur Wissenschaft stellen muss, muss sie mir auch etwas zu sagen wissen über mein Herzen-Teuerstes [...].
[ 90 ] Ist sie nicht dasjenige, was die Gegenwart [braucht], der gerade durch die notwendigen bewundernswürdigen Fortschritte der neueren Zeit der unmittelbare Zusammenhang mit den geistigen Welten, der in alten Zeiten vorhanden war, verloren gegangen [ist]? Ist dann nicht [im Recht] diese Menschenseele in dieser neueren Zeit, in dieser Gegenwart, wo so vieles an sie herantritt, gegenüber dem sie sich nicht anderes sagen kann als: So, wie ich mich zur Wissenschaft stellen muss, muss sie mir auch etwas zu sagen wissen über mein Herzen-Teuerstes [...].
[ 91 ] In der Gegenwart kann es große, teils einschneidende Schicksalsfragen [geben] — wie das Schicksal tiefgehende Fragen an uns stellt —, die, wenn man wissenschaftlich sich dieser Frage nähert, dann wird das eine Wissenschaft sein.
[ 91 ] In der Gegenwart kann es große, teils einschneidende Schicksalsfragen [geben] — wie das Schicksal tiefgehende Fragen an uns stellt —, die, wenn man wissenschaftlich sich dieser Frage nähert, dann wird das eine Wissenschaft sein.
[ 92 ] Geisteswissenschaft ist eine solche, die nicht nur den Verstand befriedigt, nicht nur aus theoretischen Standpunkten befriedigt, sondern eine Wissenschaft, welche das menschliche Herz befriedigt, welche das menschliche Herz beruhigt, welches es erkraftet in den schwierigsten Fragen des Daseins, wie sie insbesondere in unserer Zeit vor unserer unmittelbaren Gegenwart stehen. Und ich bin, meine sehr verehrten Anwesenden, nicht bloß aus dem Zeitenbewusstsein heraus, nicht bloß aus dem, was wir jetzt unmittelbar erleben, sondern seit ich streben konnte in der Richtung, die in die Geisteswissenschaft hineinmündete, ich war immer davon überzeugt, dass notwendig ist, um zu wahrer Geistesforschung in der neueren Menschheit zu kommen, dass da an Quellen menschlicher Geisteskraft [angeknüpft werden muss], die sich — nachdem das alte Griechentum über die Wellen der Menschheitsentwicklung hingegangen ist —, die sich nun eröffnen als menschliche, wissenschaftliche Kräfte in dem, was ich nennen möchte das deutsche Geistesleben. Dies [konnte ich] nicht entwickeln aus einem Gefühl, sondern aus einer Erkenntnis, die sich seit Jahrzehnten festgesetzt hat.
[ 92 ] Geisteswissenschaft ist eine solche, die nicht nur den Verstand befriedigt, nicht nur aus theoretischen Standpunkten befriedigt, sondern eine Wissenschaft, welche das menschliche Herz befriedigt, welche das menschliche Herz beruhigt, welches es erkraftet in den schwierigsten Fragen des Daseins, wie sie insbesondere in unserer Zeit vor unserer unmittelbaren Gegenwart stehen. Und ich bin, meine sehr verehrten Anwesenden, nicht bloß aus dem Zeitenbewusstsein heraus, nicht bloß aus dem, was wir jetzt unmittelbar erleben, sondern seit ich streben konnte in der Richtung, die in die Geisteswissenschaft hineinmündete, ich war immer davon überzeugt, dass notwendig ist, um zu wahrer Geistesforschung in der neueren Menschheit zu kommen, dass da an Quellen menschlicher Geisteskraft [angeknüpft werden muss], die sich — nachdem das alte Griechentum über die Wellen der Menschheitsentwicklung hingegangen ist —, die sich nun eröffnen als menschliche, wissenschaftliche Kräfte in dem, was ich nennen möchte das deutsche Geistesleben. Dies [konnte ich] nicht entwickeln aus einem Gefühl, sondern aus einer Erkenntnis, die sich seit Jahrzehnten festgesetzt hat.
[ 93 ] Als ich vor drei Jahrzehnten im allerersten Aufsatz schrieb in einer deutschen Zeitschrift [über mitteleuropäischen Geistesleben], da führte ich aus in dem einen Gedanken Keime, die ich für die Geisteswissenschaft hatte, dass wir bräuchten eine Vertiefung unseres Geisteslebens aus den Quellen, die nur deutsche Quellen sind, ich schrieb dazumal jenes. Das ergab nun eine Tatsache, vor 36 Jahren, dass wir vor allen Dingen überwinden müssen das, was wir, wie im neunzehnten Jahrhundert [in einer Weise], wie es an diesem Ort berechtigt sein mag, wie es aber unser Geistesleben nicht in dieser Reinheit sich entwickeln lässt, dass wir das, was aus englischem Geistesleben mit Unrecht das mitteleuropäische Geistesleben beeinflusst, unterscheiden müssen von den wahren Geistesquellen. Das ist nicht chauvinistisch gemeint, sondern so, dass die Kräfte, die vorhanden sind in der Welt, auch erkannt sein müssen, wenn sie im Bewusstsein erkannt sein sollen; so ist es kein bloßes Gefühl, sondern — so kann ich sprechen —, ist Wissenschaft, dass ich das suchen muss bei den tiefsten Quellen des deutschen Geistesleben, die dazu berufen sind.
[ 93 ] Als ich vor drei Jahrzehnten im allerersten Aufsatz schrieb in einer deutschen Zeitschrift [über mitteleuropäischen Geistesleben], da führte ich aus in dem einen Gedanken Keime, die ich für die Geisteswissenschaft hatte, dass wir bräuchten eine Vertiefung unseres Geisteslebens aus den Quellen, die nur deutsche Quellen sind, ich schrieb dazumal jenes. Das ergab nun eine Tatsache, vor 36 Jahren, dass wir vor allen Dingen überwinden müssen das, was wir, wie im neunzehnten Jahrhundert [in einer Weise], wie es an diesem Ort berechtigt sein mag, wie es aber unser Geistesleben nicht in dieser Reinheit sich entwickeln lässt, dass wir das, was aus englischem Geistesleben mit Unrecht das mitteleuropäische Geistesleben beeinflusst, unterscheiden müssen von den wahren Geistesquellen. Das ist nicht chauvinistisch gemeint, sondern so, dass die Kräfte, die vorhanden sind in der Welt, auch erkannt sein müssen, wenn sie im Bewusstsein erkannt sein sollen; so ist es kein bloßes Gefühl, sondern — so kann ich sprechen —, ist Wissenschaft, dass ich das suchen muss bei den tiefsten Quellen des deutschen Geistesleben, die dazu berufen sind.
[ 94 ] Nachdem durch das Griechentum ein Höchstes geleistet worden ist für Lücke] von der Anthropologie zur Anthroposophie [zu führen]: zur ersten orientierenden Geisteswissenschaft.
[ 94 ] Nachdem durch das Griechentum ein Höchstes geleistet worden ist für Lücke] von der Anthropologie zur Anthroposophie [zu führen]: zur ersten orientierenden Geisteswissenschaft.
[ 95 ] Daher konnte es mich in ganz besonderer Weise berühren, als ich später bei einem Mann, der auch ganz darinnen stand im deutschen Geistesleben, Hartmann, folgende merkwürdige Bemerkung fand, die heute fast aus der [Lücke].
[ 95 ] Daher konnte es mich in ganz besonderer Weise berühren, als ich später bei einem Mann, der auch ganz darinnen stand im deutschen Geistesleben, Hartmann, folgende merkwürdige Bemerkung fand, die heute fast aus der [Lücke].
[ 96 ] Man glaubt, Physik ist etwas Objektives. Hartmann, der objektiver anzuschauen vermag solche Dinge, [Hartmann] sagte schon vor Jahren:
[ 96 ] Man glaubt, Physik ist etwas Objektives. Hartmann, der objektiver anzuschauen vermag solche Dinge, [Hartmann] sagte schon vor Jahren:
Es ist zu hoffen, [dass auch in der modernen Physik die idealistischen und agnostischen Irrwege bald wieder als solche] erkannt werden dürften, sobald die Religion und die Philosophie sich [von ihnen abwendet und], wo ein Geist, der uns /unleserlich] gegangen ist, den Rücken kehrt.
Es ist zu hoffen, [dass auch in der modernen Physik die idealistischen und agnostischen Irrwege bald wieder als solche] erkannt werden dürften, sobald die Religion und die Philosophie sich [von ihnen abwendet und], wo ein Geist, der uns /unleserlich] gegangen ist, den Rücken kehrt.
[ 97 ] Das klingt wirklich nach den besten Quellen dieses deutschen Geisteslebens. Man braucht sich nur zu erinnern [an] des Novalis — jenes wunderbaren deutschen Geistes — schönen Ausspruch über die Physiker. Novalis, der in einem jugendlichen Leben aus der ganzen Pracht des deutschen Geistes heraus geschaffen hat, er sprach den Satz:
[ 97 ] Das klingt wirklich nach den besten Quellen dieses deutschen Geisteslebens. Man braucht sich nur zu erinnern [an] des Novalis — jenes wunderbaren deutschen Geistes — schönen Ausspruch über die Physiker. Novalis, der in einem jugendlichen Leben aus der ganzen Pracht des deutschen Geistes heraus geschaffen hat, er sprach den Satz:
Wir werden erst Physiker [werden, wenn wir imaginative Stoffe und Kräfte zum Maßstab der Naturstoffe und -kräfte] machen.
Wir werden erst Physiker [werden, wenn wir imaginative Stoffe und Kräfte zum Maßstab der Naturstoffe und -kräfte] machen.
[ 98 ] Ist das nicht [Novalis’] Leitspruch für dasjenige, was Geisteswissenschaft will?
[ 98 ] Ist das nicht [Novalis’] Leitspruch für dasjenige, was Geisteswissenschaft will?
[ 99 ] Anfänglich habe ich mir gestattet, dieses Geisteswissenschaft zu nennen; ich betrachte, meine sehr verehrten Anwesenden, geistige Größen, wo ich nur hinschauen mag, die tief darinnen wurzeln in dem deutschen Geistesleben, in dem deutschen Geisteswesen. Ich sehe zurück vor allen Dingen auf den wunderbaren Troxler, auf jenen merkwürdigen Geist, der in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zwar noch nicht Geisteswissenschaft hatte, der aber aus der Tiefe des deutschen Sinnens und Schauens heraus strebte nach einer solchen geisteswissenschaftlichen Erfassung der Welt und des Zusammenhanges des Menschen mit dieser Welt, wie sie wirklich entwickelt ist, ein Erkennen der wahren Gründe des menschlichen Wesens, und da sagte Troxler 1827:
[ 99 ] Anfänglich habe ich mir gestattet, dieses Geisteswissenschaft zu nennen; ich betrachte, meine sehr verehrten Anwesenden, geistige Größen, wo ich nur hinschauen mag, die tief darinnen wurzeln in dem deutschen Geistesleben, in dem deutschen Geisteswesen. Ich sehe zurück vor allen Dingen auf den wunderbaren Troxler, auf jenen merkwürdigen Geist, der in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zwar noch nicht Geisteswissenschaft hatte, der aber aus der Tiefe des deutschen Sinnens und Schauens heraus strebte nach einer solchen geisteswissenschaftlichen Erfassung der Welt und des Zusammenhanges des Menschen mit dieser Welt, wie sie wirklich entwickelt ist, ein Erkennen der wahren Gründe des menschlichen Wesens, und da sagte Troxler 1827:
Wenn es nun höchst [erfreulich ist, dass die neueste Philosophie, welche [...] in jeder Anthroposophie [...] sich offenbaren muss, emporwindet, so ist doch nicht zu übersehen, dass diese Idee nicht eine Frucht der Spekulation sein kann, und die wahrhafte Individualität des Menschen weder mit dem, was sie als subjektiven Geist oder endliches Ich aufstellt, noch mit dem, was sie als absoluten Geist oder absolute Persönlichkeit diesem gegenüberstellt,] verwechselt werden darf.
Wenn es nun höchst [erfreulich ist, dass die neueste Philosophie, welche [...] in jeder Anthroposophie [...] sich offenbaren muss, emporwindet, so ist doch nicht zu übersehen, dass diese Idee nicht eine Frucht der Spekulation sein kann, und die wahrhafte Individualität des Menschen weder mit dem, was sie als subjektiven Geist oder endliches Ich aufstellt, noch mit dem, was sie als absoluten Geist oder absolute Persönlichkeit diesem gegenüberstellt,] verwechselt werden darf.
[ 100 ] Ein bewusstes Aufsteigen von der Seele zum Geist, wie dies doch erst in unserer Geisteswissenschaft erfasst werden kann, das stand schon 1827 dem ausgezeichneten, leider vergessenen Troxler vor Augen.
[ 100 ] Ein bewusstes Aufsteigen von der Seele zum Geist, wie dies doch erst in unserer Geisteswissenschaft erfasst werden kann, das stand schon 1827 dem ausgezeichneten, leider vergessenen Troxler vor Augen.
[ 101 ] Nun sehen wir zu Hermann Fichte, den Sohn des großen Fichte — den ich vor Jahren hier charakterisiert habe als Beeinflusser des deutschen Geisteslebens —, auf jenen Sohn, der in so liebevoller Weise den Unterricht des Vaters so genossen hat. Hören wir, wo er spricht über den Weg, den der Mensch machen muss von der bloßen Anthropologie zu der Erfassung des wahren Wesens des Menschen. Hören wir, was Hermann Fichte sagt. Er sagt:
[ 101 ] Nun sehen wir zu Hermann Fichte, den Sohn des großen Fichte — den ich vor Jahren hier charakterisiert habe als Beeinflusser des deutschen Geisteslebens —, auf jenen Sohn, der in so liebevoller Weise den Unterricht des Vaters so genossen hat. Hören wir, wo er spricht über den Weg, den der Mensch machen muss von der bloßen Anthropologie zu der Erfassung des wahren Wesens des Menschen. Hören wir, was Hermann Fichte sagt. Er sagt:
Das Sinnenbewusstsein dagegen und die auf seinem Ausgangspunkte [entstehende Erscheinungswelt mit dem gesamten, auch menschlichen Sinnenleben, haben keine andere Bedeutung, als nur die Stätte zu sein, in welcher jenes übersinnliche Leben des Geistes sich vollzieht, indem er durch frei bewusste eigene Tat den jenseitigen Geistesgehalt der Ideen in die Sinneswelt einführt] (...] [Diese gründliche Erfassung des Menschenwesens erhebt nunmehr die «Anthropologie»; in ihrem Endresultate zur] «Anthroposophie».
Das Sinnenbewusstsein dagegen und die auf seinem Ausgangspunkte [entstehende Erscheinungswelt mit dem gesamten, auch menschlichen Sinnenleben, haben keine andere Bedeutung, als nur die Stätte zu sein, in welcher jenes übersinnliche Leben des Geistes sich vollzieht, indem er durch frei bewusste eigene Tat den jenseitigen Geistesgehalt der Ideen in die Sinneswelt einführt] (...] [Diese gründliche Erfassung des Menschenwesens erhebt nunmehr die «Anthropologie»; in ihrem Endresultate zur] «Anthroposophie».
[ 102 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, Anthroposophie ist nicht etwa aus einer Willkür heraus geboren. Sie ist erlauscht aus dem tiefsten Geistesbedürfnis des deutschen Volkes selbst. Setzt man das tiefste deutsche Geistesleben fort, so kommt man zur Anthroposophie.
[ 102 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, Anthroposophie ist nicht etwa aus einer Willkür heraus geboren. Sie ist erlauscht aus dem tiefsten Geistesbedürfnis des deutschen Volkes selbst. Setzt man das tiefste deutsche Geistesleben fort, so kommt man zur Anthroposophie.
[ 103 ] Dann kommt man aber auch dazu, diejenigen Deutschen zu verstehen, die aus der Tiefe des deutschen Geisteslebens heraus Protest erheben müssen gegen alle Vermaterialisierungen der Wissenschaft, denn diese kann niemals aus den tiefsten Quellen des deutschen Geisteslebens heraus kommen. Vermaterialisierung kann daher ein solcher Mann wie Grimm, wenn auch nicht aus Geisteswissenschaft heraus, so aus einem Gefühl des festen Stehens auf dem Boden der Goethe’schen Weltanschauung [ablehnen]. Er lehnt ab, was jene äußere, materialistische Laplace-Kant’sche Theorie [besagt], welche die Welt darstellt mit Ausschluss des geistigen Lebens als hervorgegangen aus einem Weltennebel. Man macht das den Kindern begreiflich, indem man sagt: Seht her, die Welt ist der Nebel gewesen, da haben sich die Ringe gebildet, die Planeten /unklare Passage]. Seht ihr, wie in der Mitte die Sonne prangt? [Lücke] Wunderbare Anschauung — und die Kinder gehen nach Hause: Der Herr Lehrer hat uns erklärt, wie das Planetensystem entstanden ist. Es ist immer gut, wie es moralisch ist, sich selbst zu vergessen. [Ich] werde [bei] einem wissenschaftlichen Experiment aber nicht vergessen, was das Eigentliche ist; hätte der Herr Lehrer nicht gerührt [Lücke]. Daher muss man, wenn man das Ganze nimmt, allgemein nimmt, [erkennen], dass das nur der große Herr Lehrer mit einer Reißstecknadel war, der die Sache zum [Drehen] gebracht hat. Das hat man wohl unterlassen. Wir sprechen in der Geisteswissenschaft nicht von dem Riesen-Herr-Lehrer, aber von den geistigen Mächten und Kräften, zu denen das schauende Bewusstsein sich hinaufbegibt. Es war das sein — [Grimms] — gefühlsmäßiges Drinnenstehen in diesem Protest gegen allen Materialismus, [das] sprach.
[ 103 ] Dann kommt man aber auch dazu, diejenigen Deutschen zu verstehen, die aus der Tiefe des deutschen Geisteslebens heraus Protest erheben müssen gegen alle Vermaterialisierungen der Wissenschaft, denn diese kann niemals aus den tiefsten Quellen des deutschen Geisteslebens heraus kommen. Vermaterialisierung kann daher ein solcher Mann wie Grimm, wenn auch nicht aus Geisteswissenschaft heraus, so aus einem Gefühl des festen Stehens auf dem Boden der Goethe’schen Weltanschauung [ablehnen]. Er lehnt ab, was jene äußere, materialistische Laplace-Kant’sche Theorie [besagt], welche die Welt darstellt mit Ausschluss des geistigen Lebens als hervorgegangen aus einem Weltennebel. Man macht das den Kindern begreiflich, indem man sagt: Seht her, die Welt ist der Nebel gewesen, da haben sich die Ringe gebildet, die Planeten /unklare Passage]. Seht ihr, wie in der Mitte die Sonne prangt? [Lücke] Wunderbare Anschauung — und die Kinder gehen nach Hause: Der Herr Lehrer hat uns erklärt, wie das Planetensystem entstanden ist. Es ist immer gut, wie es moralisch ist, sich selbst zu vergessen. [Ich] werde [bei] einem wissenschaftlichen Experiment aber nicht vergessen, was das Eigentliche ist; hätte der Herr Lehrer nicht gerührt [Lücke]. Daher muss man, wenn man das Ganze nimmt, allgemein nimmt, [erkennen], dass das nur der große Herr Lehrer mit einer Reißstecknadel war, der die Sache zum [Drehen] gebracht hat. Das hat man wohl unterlassen. Wir sprechen in der Geisteswissenschaft nicht von dem Riesen-Herr-Lehrer, aber von den geistigen Mächten und Kräften, zu denen das schauende Bewusstsein sich hinaufbegibt. Es war das sein — [Grimms] — gefühlsmäßiges Drinnenstehen in diesem Protest gegen allen Materialismus, [das] sprach.
[ 104 ] Das, was schon [unleserliches Wort], das einmal All werden wird — und Geisteswissenschaft wird schon die Wege ebnen, um so etwas zu verstehen, wie eine solche Welt entsteht:
[ 104 ] Das, was schon [unleserliches Wort], das einmal All werden wird — und Geisteswissenschaft wird schon die Wege ebnen, um so etwas zu verstehen, wie eine solche Welt entsteht:
Längst hatte, in seinen Jugendzeiten [schon, die große LaplaceKant’sche Phantasie von der Entstehung und dem einstigen Untergang der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht, als erstarrende Kugel, in unfassbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit einbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen: ein langer, aber dem heutigen Publikum völlig] begreiflicher Prozess, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens mehr bedürfe als die Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten.
Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg macht, wäre ein erfrischendes appetitliches Stück im Vergleiche zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wissbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären, die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn] aufwenden werden.
Längst hatte, in seinen Jugendzeiten [schon, die große LaplaceKant’sche Phantasie von der Entstehung und dem einstigen Untergang der Erdkugel Platz gegriffen. Aus dem in sich rotierenden Weltnebel — die Kinder bringen es bereits aus der Schule mit — formt sich der zentrale Gastropfen, aus dem hernach die Erde wird, und macht, als erstarrende Kugel, in unfassbaren Zeiträumen alle Phasen, die Episode der Bewohnung durch das Menschengeschlecht mit einbegriffen, durch, um endlich als ausgebrannte Schlacke in die Sonne zurückzustürzen: ein langer, aber dem heutigen Publikum völlig] begreiflicher Prozess, für dessen Zustandekommen es nun weiter keines äußeren Eingreifens mehr bedürfe als die Bemühung irgendeiner außenstehenden Kraft, die Sonne in gleicher Heiztemperatur zu erhalten.
Es kann keine fruchtlosere Perspektive für die Zukunft gedacht werden als die, welche uns in dieser Erwartung als wissenschaftlich notwendig heute aufgedrängt werden soll. Ein Aasknochen ein Aasknochen, um den ein hungriger Hund einen Umweg macht, wäre ein erfrischendes appetitliches Stück im Vergleiche zu diesem letzten Schöpfungsexkrement, als welches unsere Erde schließlich der Sonne wieder anheimfiele, und es ist die Wissbegier, mit der unsere Generation dergleichen aufnimmt und zu glauben vermeint, ein Zeichen kranker Phantasie, die als ein historisches Zeitphänomen zu erklären, die Gelehrten zukünftiger Epochen einmal viel Scharfsinn] aufwenden werden.
[ 105 ] So Grimm.
[ 105 ] So Grimm.
[ 106 ] Und wir dürfen sagen nicht nur aus einem zum Geistigen hinneigenden Bewusstsein, sondern aus echtem deutschem Bewusstsein heraus. Es wird vielleicht noch manches geschehen müssen, bevor die Vorurteile schwinden, welche der Geisteswissenschaft heute noch entgegenstehen. Aber die Zeit wird kommen, so wie sie gekommen ist für die kopernikanische, für die Kepler’sche Weltanschauung.
[ 106 ] Und wir dürfen sagen nicht nur aus einem zum Geistigen hinneigenden Bewusstsein, sondern aus echtem deutschem Bewusstsein heraus. Es wird vielleicht noch manches geschehen müssen, bevor die Vorurteile schwinden, welche der Geisteswissenschaft heute noch entgegenstehen. Aber die Zeit wird kommen, so wie sie gekommen ist für die kopernikanische, für die Kepler’sche Weltanschauung.
[ 107 ] Ich weiß sehr gut, ich kann heute manches erst stammelnd aussprechen. Und manches, was ich gerade heute gesagt habe, es war unvollkommen gesagt, aber ich halte es wenig mit Tycho de Brahe, der dazumal bewiesen hat, dass die kopernikanische Weltanschauung nicht richtig sein könne. Das war alles sehr scharfsinnig bei Tycho de Brahe, aber ich meine, es ist besser, es mit Kepler zu halten, der zwar auch die kopernikanische [Weltanschauung] nicht angenommen, aber der sie vervollkommnet hat. So weiß ich, es ist unvollkommen gesagt, aber es werden schon diejenigen kommen, die es in der Zukunft vervollkommnen werden, nicht [durch] eine einseitige, ungesunde Kritik, sondern [durch] diejenigen, welche im positiven Sinne weiterarbeiten wollen. Das habe ich aus bester Erkenntnis gesagt.
[ 107 ] Ich weiß sehr gut, ich kann heute manches erst stammelnd aussprechen. Und manches, was ich gerade heute gesagt habe, es war unvollkommen gesagt, aber ich halte es wenig mit Tycho de Brahe, der dazumal bewiesen hat, dass die kopernikanische Weltanschauung nicht richtig sein könne. Das war alles sehr scharfsinnig bei Tycho de Brahe, aber ich meine, es ist besser, es mit Kepler zu halten, der zwar auch die kopernikanische [Weltanschauung] nicht angenommen, aber der sie vervollkommnet hat. So weiß ich, es ist unvollkommen gesagt, aber es werden schon diejenigen kommen, die es in der Zukunft vervollkommnen werden, nicht [durch] eine einseitige, ungesunde Kritik, sondern [durch] diejenigen, welche im positiven Sinne weiterarbeiten wollen. Das habe ich aus bester Erkenntnis gesagt.
[ 108 ] Man wird, wenn diese Geisteswissenschaft aufgebaut werden soll, die Erkenntniskräfte des deutschen Geistes dazu brauchen. Und in diesem Sinne darf Geisteswissenschaft mit jener Kulturwelle zusammengebracht werden können, die wir die deutsche Kulturwelle nennen könnten.
[ 108 ] Man wird, wenn diese Geisteswissenschaft aufgebaut werden soll, die Erkenntniskräfte des deutschen Geistes dazu brauchen. Und in diesem Sinne darf Geisteswissenschaft mit jener Kulturwelle zusammengebracht werden können, die wir die deutsche Kulturwelle nennen könnten.
[ 109 ] Und einstmals hat der große Fichte in bedeutungsvoller Zeit die Reden [gehalten], die er nicht aus chauvinistischem Bewusstsein heraus gehalten hat, sondern in schwerer Zeit, um der deutschen Seele jenes Erziehungs-System zu zeigen, durch das sie zu einem wirklichen Sieger durch den Geist in der Welt werden kann —, Fichte hat sich genötigt gefunden, [in der] ersten dieser Reden dem großen Ausblick sich zuzuwenden, indem er sagt: Es zählt nicht nur deutsches Volk und deutsches Wesen, wer auf [Lücke], sondern die Welt zählt auf diese tiefste Quelle des geistigen Wesens.
[ 109 ] Und einstmals hat der große Fichte in bedeutungsvoller Zeit die Reden [gehalten], die er nicht aus chauvinistischem Bewusstsein heraus gehalten hat, sondern in schwerer Zeit, um der deutschen Seele jenes Erziehungs-System zu zeigen, durch das sie zu einem wirklichen Sieger durch den Geist in der Welt werden kann —, Fichte hat sich genötigt gefunden, [in der] ersten dieser Reden dem großen Ausblick sich zuzuwenden, indem er sagt: Es zählt nicht nur deutsches Volk und deutsches Wesen, wer auf [Lücke], sondern die Welt zählt auf diese tiefste Quelle des geistigen Wesens.
[ 110 ] Darum, meine sehr verehrten Anwesenden, darf der Deutsche in dieser Zeit der schweren Prüfung, in dieser schwersten Zeit, es darf der Deutsche hinschauen auf die tiefsten Quellen seines Wesens. Auf die Verbindung dieser tiefsten Quellen seines Wesens mit dem Wesen des Weltengeistes darf er hinschauen, und dann braucht er nicht zu glauben, dass er — nicht in unbescheidener Überhebung über andere — in Demut zu den Aufgaben, die er hat gegenüber dem Weltengeist, sagen darf: Wenn es Feinde ringsherum darnach gelüstet, dieses deutsche Geistesleben auszulöschen, diesem deutschen Geistesleben einen unwiederbringlichen Schaden zuzufügen, so streben sie damit nicht nur diesen Schaden des deutschen Geistesleben an, sondern sie streben an den Schaden der ganzen Menschheitsentwicklung, mit der sich der deutsche Geist durch seine tiefste Kraft verbunden weiß, sodass das, was er zu tun hat, kein anderer tun kann. Sie streben den Schaden der ganzen Menschheitsentwicklung an. Denn nicht, weil wir bloß am deutschen Wesen hängen, sondern weil wir mit aller /Lücke] in die Wege des Weltengeistes schauen wollen, sagen wir: [große Lücke).
[ 110 ] Darum, meine sehr verehrten Anwesenden, darf der Deutsche in dieser Zeit der schweren Prüfung, in dieser schwersten Zeit, es darf der Deutsche hinschauen auf die tiefsten Quellen seines Wesens. Auf die Verbindung dieser tiefsten Quellen seines Wesens mit dem Wesen des Weltengeistes darf er hinschauen, und dann braucht er nicht zu glauben, dass er — nicht in unbescheidener Überhebung über andere — in Demut zu den Aufgaben, die er hat gegenüber dem Weltengeist, sagen darf: Wenn es Feinde ringsherum darnach gelüstet, dieses deutsche Geistesleben auszulöschen, diesem deutschen Geistesleben einen unwiederbringlichen Schaden zuzufügen, so streben sie damit nicht nur diesen Schaden des deutschen Geistesleben an, sondern sie streben an den Schaden der ganzen Menschheitsentwicklung, mit der sich der deutsche Geist durch seine tiefste Kraft verbunden weiß, sodass das, was er zu tun hat, kein anderer tun kann. Sie streben den Schaden der ganzen Menschheitsentwicklung an. Denn nicht, weil wir bloß am deutschen Wesen hängen, sondern weil wir mit aller /Lücke] in die Wege des Weltengeistes schauen wollen, sagen wir: [große Lücke).
[ 111 ] Würde [von] jemandem dasjenige, was des deutschen Volkes Aufgabe ist, in der Welt zuschanden gemacht werden können, [so würde] mit seiner Aufgabe dem WeltenGeiste selber für die ganze Menschheit ein ungeheurer Schaden zugefügt werden müssen.
[ 111 ] Würde [von] jemandem dasjenige, was des deutschen Volkes Aufgabe ist, in der Welt zuschanden gemacht werden können, [so würde] mit seiner Aufgabe dem WeltenGeiste selber für die ganze Menschheit ein ungeheurer Schaden zugefügt werden müssen.
[ 112 ] Deshalb darf der Deutsche sagen: Das Licht, das er zu den Lichtern der Weltenentwicklung anzuzünden hat, dieses Licht darf nicht verlöschen. Darum ist es kein blinder Glaube, sondern Zuversicht in das Licht des deutschen Geistes, der uns auch in der schwersten Zeit in eine Zukunft schauen lässt. Der deutsche Geist hat nicht vertan. Er wartet auf seine Aufgabe — wie auch [immer] die Feinde über [diese Aufgabe], [wie auch immer sie] über den deutschen Geist denken mögen, wie auch [immer] sie zu seinem Schaden streben mögen.
[ 112 ] Deshalb darf der Deutsche sagen: Das Licht, das er zu den Lichtern der Weltenentwicklung anzuzünden hat, dieses Licht darf nicht verlöschen. Darum ist es kein blinder Glaube, sondern Zuversicht in das Licht des deutschen Geistes, der uns auch in der schwersten Zeit in eine Zukunft schauen lässt. Der deutsche Geist hat nicht vertan. Er wartet auf seine Aufgabe — wie auch [immer] die Feinde über [diese Aufgabe], [wie auch immer sie] über den deutschen Geist denken mögen, wie auch [immer] sie zu seinem Schaden streben mögen.
