Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a
11 June 1917, Leipzig
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Soul Immortality, Forces of Destiny and the Course of Human Life, tr. SOL
Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und Menschlicher Lebenslauf. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse und Deren Betrachtung im Hinblick auf Unsere Schicksaltragende Zeit
Immortality of the Soul, Forces of Destiny, and the Human Life Course. Findings of Spiritual Science and their Consideration in Relation to our Fateful Times
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Wer in der gegenwärtigen Zeit über diejenigen Rätsel des menschlichen Lebens sprechen will, von denen heute Abend in dieser Betrachtung die Rede sein soll, der muss sich bewusst sein, dass er gegenwärtig noch spricht im Grunde genommen gegen unzählige Vorurteile, nicht nur des weiteren öffentlichen Bewusstseins, sondern namentlich der gegenwärtigen Wissenschaftlichkeit. Obwohl ich gleich von Anfang an betonen möchte, dass dasjenige, was heute Abend vorgebracht werden soll, durchaus im Sinne wahrer, echter Wissenschaftlichkeit gehalten sein soll über die Rätsel der Seelenunsterblichkeit und des menschlichen Schicksals in ihrem Zusammenhang mit dem menschlichen Lebenslauf. Man kann am besten ermessen, in welche Unbestimmtheiten der Meinungen hinein man mit solchen Anschauungen spricht, wenn man in Erwägung zieht, dass Eduard von Hartmann, der bekannte Philosoph des Unbewussten, in einem umfangreichen Werke über die neuere Seelenkunde, die Seelenkunde der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, ausdrücklich erwähnt hat, dass, seit dem letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts, verschwinden aus den Betrachtungen über das Seelenleben gerade die Fragen nach der Seelenunsterblichkeit und der menschlichen Freiheit.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! Anyone who wishes to speak about the mysteries of human life in the present day, which will be the subject of this evening's discussion, must be aware that they are essentially speaking against countless prejudices, not only of the wider public consciousness, but also of contemporary science. Although I would like to emphasize from the outset that what is to be presented this evening is intended to be entirely in the spirit of true, genuine science, concerning the mysteries of the immortality of the soul and human destiny in their connection with the human life course. The best way to gauge the vagueness of opinions when discussing such views is to consider that Eduard von Hartmann, the well-known philosopher of the unconscious, in a comprehensive work on modern psychology, the psychology of the second half of the twentieth century, expressly mentions that, since the last third of the nineteenth century, questions about the immortality of the soul and human freedom have disappeared from considerations of the life of the soul.
[ 2 ] In charakteristischer Weise hat ein, wie ich glaube, größter Seelenforscher der neueren Zeit, Franz Brentano, der kürzlich in Zürich gestorben ist, in hohem Alter, als er 1874 aus dem damaligen Zeitbewusstsein heraus mit vollkommener Klarheit aus der ganzen Richtung und Strömung der damaligen Wissenschaft heraus den ersten Band seiner Psychologie oder Seelenkunde geschrieben hat, in derselben zum Ausdruck gebracht, dass die neuere Seelenkunde, insofern sie auf Wissenschaftlichkeit Anspruch macht, sich fast ausschließlich nur mehr beschäftigt mit der Beobachtung, wie sich einzelne Vorstellungen miteinander verketten im menschlichen Bewusstsein, wie Gefühle wiederum mit Vorstellungen zusammenkommen, wie Lust und Unlust auf- und abwogen, wie Willensimpulse in der Seele sich geltend machen, wie die Aufmerksamkeit das seelische Leben durchdringt und so weiter. Alles Fragen, die ja gewiss im engeren Rahmen der Wissenschaftlichkeit in hohem Maße interessieren müssen, die aber gerade die großen Sehnsüchte, die geltend gemacht werden müssen in der weiteren Menschheit über das seelische Leben, nicht befriedigen können. Und deshalb sagt Brentano in seinem Buche: «Wenn auch noch so sehr die neuere Seelenkunde zeigt, wie die Aufmerksamkeit wirkt, wie Gefühle auf und ab wogen, so kann das doch keineswegs entschädigen über den Verlust der großen Hoffnungen eines Plato, eines Aristoteles über das Überleben des besseren Teiles unseres Selbstes, wenn unser sterblicher Leib in die Elemente der Erde aufgelöst wird. Und wenn die neuere Wissenschaftlichkeit solche nicht erlangen würde, so wäre der Verlust ein ungeheurerer zu nennen.»
[ 2 ] In a characteristic way, Franz Brentano, who I believe to be one of the greatest psychologists of modern times and who recently died in Zurich at an advanced age, expressed this view when, in 1874, he wrote the first volume of his Psychology or Soul Science with complete clarity from the perspective of the consciousness of his time and in line with the overall direction and current of science at that time. that modern psychology, insofar as it claims to be scientific, is now concerned almost exclusively with observing how individual mental images are linked together in human consciousness, how feelings are combined with mental images, how pleasure and displeasure balance each other out, how impulses of the will assert themselves in the soul, how attention permeates the life of the soul, and so on. These are all questions that must certainly be of great interest within the narrower framework of scientific inquiry, but which cannot satisfy the great longings that must be asserted in humanity at large about spiritual life. And that is why Brentano says in his book: "No matter how much modern psychology shows how attention works, how feelings fluctuate, this can in no way compensate for the loss of Plato's great hopes Aristotle's great hopes for the survival of the better part of our self when our mortal body is dissolved into the elements of the earth. And if modern science were unable to achieve this, the loss would be even greater."
[ 3 ] Nun ist etwas sehr Merkwürdiges eingetreten, wovon ich glaube, dass es nicht nur eine persönliche Wichtigkeit hat, sondern dass es eine prinzipielle Wichtigkeit hat für unsere Zeit. Ich sagte: 1874 ist der erste Band von Brentanos Seelenkunde erschienen; es war im Frühling dieses Jahres. Er hat in der Vorrede für den Herbst den zweiten Band versprochen, und dem sollten dann noch zwei oder drei nachfolgen; auf vier bis fünf Bände war das ganze Werk berechnet. Es ist bis heute nichts erschienen als der erste, der einleitende Band im Januar 1874; nichts ist mehr nachgekommen.
[ 3 ] Now something very remarkable has happened, which I believe is not only of personal importance, but also of fundamental importance for our time. I said: In 1874, the first volume of Brentano's Seelenkunde (Psychology) was published; it was in the spring of that year. In the preface, he promised the second volume for the fall, and two or three more were to follow; the entire work was planned to comprise four to five volumes. To date, nothing has been published except the first, introductory volume in January 1874; nothing more has followed.
[ 4 ] Wenn man sich nun auf der einen Seite wirklich intensiv beschäftigt mit der Frage der Menschenseele selber, auf der anderen Seite einen Einblick gewonnen hat gerade in den geistigen Entwicklungsgang dieses bedeutenden Seelenforschers, dann kommt man, glaube ich, zu folgender Anschauung. Brentano strebte mit jeder Fieber seines wissenschaftlichen Lebens, die Seelenkunde dahin zu führen, wo sie kann Antwort finden auf die heute hier anzuregenden Fragen. Brentano wollte aus dem Geiste der modernen Wissenschaftlichkeit heraus diese Antworten finden. Er konnte das nicht. Ich habe mich bemüht, die sämtlichen noch erschienenen Schriften Franz Brentanos genau zu studieren. Ich kenne sein Lebenswerk sehr genau, ich musste mir die Anschauung bilden, dass er immer wiederum Ansätze genommen hat, die Seelenkunde bis zu diesen zwei Rätseln zu führen, dass er aber immer wiederum über eine gewisse Grenze nicht hinwegkonnte, und dass er deshalb als ein wirklich ehrlicher Mann niemals sein Werk fortgesetzt oder zu Ende geführt hat. Und wenn einmal der Nachlass Brentanos, der sehr groß sein soll, erscheinen wird, so wird gerade dieser Nachlass zeigen, dass dasjenige, was meiner Anschauung zugrunde liegt, voll berechtigt ist.
[ 4 ] I believe, to the following conclusion. With every fever of his scientific life, Brentano strove to lead psychology to where it can find answers to the questions to be raised here today. Brentano wanted to find these answers in the spirit of modern science. He was unable to do so. I have endeavored to study all of Franz Brentano's published writings in detail. I am very familiar with his life's work, and I have come to the conclusion that he repeatedly attempted to lead psychology to these two riddles, but that he was always unable to cross a certain boundary, and that, as a truly honest man, he therefore never continued or completed his work. And when Brentano's estate, which is said to be very large, is published, it will show that my view is entirely justified.
[ 5 ] Wenn ich nun den Grund sagen will, so werde ich ihn eigentlich zu sagen haben mit allen meinen heutigen Ausführungen, ich werde zu zeigen haben, dass eine Möglichkeit vorliegt, das menschliche Seelenleben wirklich kennenzulernen, dass man aber, um dieses zu können, wird eindringen müssen in das, was heute Abend charakterisiert werden soll, und was ich fast jeden Winter hier auseinandersetzen durfte als anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft. Diesen Weg aber, den wollte, den konnte Brentano aus einem gewissen wissenschaftlichen Vorurteil heraus nicht gehen. Daher musste er an seiner Grenze stranden.
[ 5 ] If I now want to state the reason, I will actually have to do so with all my remarks today. I will have to show that there is a possibility of truly knowing the human soul life, but that in order to do so, one will have to penetrate into what what is to be characterized this evening, and what I have been able to discuss here almost every winter as anthroposophically oriented Spiritual Science. But Brentano, out of a certain scientific prejudice, did not want to, and could not, follow this path. Therefore, he had to come to a standstill at his limit.
[ 6 ] Diejenigen der verehrten Zuhörer, welche die Jahre hindurch, als ich auch in Leipzig sprechen durfte, gehört haben meine Vorträge, sie werden sich erinnern, dass ich es so viel als möglich vermieden habe, irgendwie im Verlaufe dieser Vorträge aus der objektiven Betrachtung herauszufallen und auf Persönliches zu kommen. Ich möchte aber heute einige, vielleicht persönlich erscheinende Andeutungen machen, weil ich glaube, dass diese objektiv mit der Sache zusammenhängen.
[ 6 ] Those of you in the esteemed audience who have heard my lectures over the years when I was also allowed to speak in Leipzig will remember that I have avoided as much as possible, in the course of these lectures, to stray from objective observation and to touch on personal matters. Today, however, I would like to make a few remarks that may appear personal, because I believe that they are objectively related to the subject matter.
[ 7 ] Es ist nun, meine sehr verehrten Anwesenden, 35 bis 36 Jahre her, dass ich die ersten Keime zu legen versuchte zu demjenigen, was diesen Vorträgen und auch den heutigen Betrachtungen zugrunde liegt. Damals, als ich die ersten Gedanken über diese Weltanschauung niederschrieb, fiel mir in die Hände eine Abhandlung des großen, bedeutenden Ästhetikers und Philosophen Friedrich Theodor Vischer — den man den «V-Vischer» nennt —, welche damals handelte über das außerordentlich interessante Werk des nunmehr Leipziger Philosophen Volkelt. In dieser Abhandlung Vischers befindet sich ein merkwürdiger Satz, bei dem ich damals stehen bleiben musste, bei dem ich einsetzen musste, ich möchte sagen mit allem Streben. Ich hatte schon eingesetzt, im Grunde, und deshalb musste ich gerade bei diesem Satze stehen bleiben. Ich will Ihnen den Satz anführen. Es ist ein merkwürdiger Satz, den Vischer da niederschrieb: «Die Einheit des seelischen Lebens kann ganz gewiss nicht im Leibe lokalisiert sein, obwohl sie eigentlich nirgends anders als im Leibe vorkommen kann.»
[ 7 ] It is now, my dear audience, 35 to 36 years since I first attempted to sow the seeds of what forms the basis of these lectures and also of today's reflections. At that time, when I wrote down my first thoughts on this worldview, I came across a treatise by the great and important aesthetician and philosopher Friedrich Theodor Vischer — known as “V-Vischer” — which dealt with the extraordinarily interesting work of the now Leipzig philosopher Volkelt. In this treatise by Vischer there is a remarkable sentence that I had to pause at, that I had to engage with, I would say, with all my striving. I had already begun, basically, and that is why I had to pause at this particular sentence. I will quote the sentence for you. It is a remarkable sentence that Vischer wrote: “The unity of spiritual life certainly cannot be located in the body, although it cannot actually occur anywhere else but in the body.”
[ 8 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, was ist denn das eigentlich? Es ist ein vollständig paradoxer Satz. Jemand sagt: Dasjenige, was die einheitliche Seele ist, kann nicht im Leibe sein, kann aber auch nicht außerhalb des menschlichen Leibes ein. Ein völliger Widerspruch! Und dennoch, was für ein Widerspruch, ein Widerspruch, zu dem ein gewisses menschliches Denken nicht durch Willkür, sondern durch unbedingte innere Notwendigkeit kommen muss. Und man könnte nicht einen solchen Widerspruch bloß aufzählen, sondern man könnte, wenn die Zeit dazu vorhanden wäre, Hunderte von solchen Widersprüchen nennen, zu denen das gewöhnliche Denken und auch das gewöhnliche wissenschaftliche Denken kommen muss. Wenn nun an einen solchen Widerspruch das gewöhnliche Denken oder das gewöhnliche wissenschaftliche Denken kommen, was machen diese? Nun, sie bleiben stehen als an einer Grenze des menschlichen Erkenntnisvermögens. Sie sagen: Der Mensch hat eine bestimmte Fähigkeit des Erkennens, die führt ihn zu Grenzen, diese Grenzen kann er nicht überschreiten.
[ 8 ] Well, ladies and gentlemen, what does that actually mean? It is a completely paradoxical sentence. Someone says: That which is the unified soul cannot be in the body, but it cannot be outside the human body either. A complete contradiction! And yet, what a contradiction, a contradiction to which a certain human thinking must come not through arbitrariness, but through unconditional inner necessity. And one could not merely list such a contradiction, but, if there were time, one could name hundreds of such contradictions to which ordinary thinking and also ordinary scientific thinking must come. When ordinary thinking or ordinary scientific thinking comes to such a contradiction, what does it do? Well, it stops at the boundary of human cognitive ability. They say: Man has a certain capacity for knowledge, which leads him to boundaries that he cannot transcend.
[ 9 ] Sehen Sie, schon damals musste ich sagen — wie gesagt, aus den ersten Keimen, die sich mir ergaben für das, was ich hier Geisteswissenschaft oder Anthroposophie nenne —, ich musste mir sagen: Ein anderes Verhalten, als das gewöhnliche ist, zu diesen sogenannten Grenzfragen, ist das, worauf es ankommt, wenn man eine wirkliche Seelen- und Geisteswissenschaft begründen will. Und ich schrieb dazumal die Gedanken, die ich gerade in Anknüpfung an diesen Satz Vischers hatte, an Vischer, der in außerordentlich entgegenkommender Weise darauf antwortete, dass in der Tat gerade in der Art und Weise, wie ich auch die Zeitvorstellung in Verbindung brachte in dem Aufsatze, den ich ihm geschickt hatte, ein Weg sich eröffne in die Erkenntnis des geistigen Lebens hinein. Ich habe den Glauben, dass solche Menschen, wie Friedrich Theodor Vischer, die noch drinnenstanden in den Traditionen der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, in der Tat aus ihrer Wissenschaft und Philosophie heraus den Anschluss hätten finden können an die Geisteswissenschaft, der heute, wie es scheint, von den anderen Wissenschaften so schwer zu finden ist, was da macht, dass man eigentlich nur Gegnerschaft und Widersacherschaft aus der anderen Wissenschaft und dem gewöhnlichen Bewusstsein mit der Geisteswissenschaft findet. Allein Vischer starb sehr bald danach, und es blieb bei diesem einmaligen Briefwechsel. Und so ist denn dasjenige /Lücke] mithilfe zustande gekommen, was den Vorträgen der verflossenen Jahre und den heutigen Betrachtungen zugrunde liegt.
[ 9 ] You see, even then I had to say — as I said, from the first seeds that came to me for what I call here Spiritual Science or anthroposophy — I had to say to myself: A different approach than the usual one to these so-called borderline questions is what matters if one wants to establish a true Spiritual Science of the soul and spirit. And at that time I wrote the thoughts I had in connection with this sentence of Vischer's to Vischer, who replied in an extremely accommodating manner that, in fact, precisely in the way I also connected the concept of time in the essay I had sent him, a path opens up to the knowledge of spiritual life. I believe that people like Friedrich Theodor Vischer, who were still rooted in the traditions of the first half of the nineteenth century, could indeed have found a connection to Spiritual Science from their science and philosophy, which today, it seems, so difficult to find in other sciences, which means that one actually only encounters opposition and adversity from other sciences and ordinary consciousness with Spiritual Science. But Vischer died very soon after that, and it remained at this one-time exchange of letters. And so, with his help, that which underlies the lectures of past years and today's reflections has come about.
[ 10 ] Das Erste, worauf es ankommt, ist, dass man sich klar wird darüber, dass unsere heutige Zeit nach ihren Denkgewohnheiten, nach demjenigen, was sie notwendigerweise wollen muss, zu all den verschiedenen Antworten, die gegeben worden sind im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende auf unsere Frage, dass unsere heutige Zeit eine wissenschaftlich geordnete, eine wissenschaftlich gemeinte Antwort braucht. Und da will ich denn betonen, was ich schon öfter gesagt habe: Die hier gemeinte Geisteswissenschaft steht in keinem Gegensatz zu dem, was naturwissenschaftliches Denken in unserer Zeit ist, im Gegenteil. Gerade diese Geisteswissenschaft hat alle Gründe, die hohe Bedeutung und die großen Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Weltanschauung voll anzuerkennen; und überall muss ihr Bestreben sein, das strenge und disziplinierte Denken zu ihrem Vorbild zu machen. Und so wird es denn auch nützlich sein, um anschaulich zu machen, was heute gewollt ist, zu zeigen, wie Geisteswissenschaft nach einer anderen Richtung hin etwas Ähnliches zu besorgen hat wie die Naturwissenschaft nach der einen Seite hin in Bezug auf das Seelenleben.
[ 10 ] The first thing that matters is to realize that our present age, according to its habits of thinking, according to what it necessarily must want, needs a scientifically ordered, scientifically intended answer to our question, which has been asked over the course of centuries and millennia. And here I would like to emphasize what I have said many times before: the Spiritual Science referred to here is in no way opposed to what scientific thinking is in our time; on the contrary. It is precisely this Spiritual Science that has every reason to fully recognize the great significance and achievements of the scientific worldview; and everywhere its endeavor must be to to take strict and disciplined thinking as their model. And so it will also be useful, in order to illustrate what is desired today, to show how Spiritual Science has to accomplish something similar in a different direction to what natural science has accomplished in one direction with regard to the life of the soul.
[ 11 ] Dieses menschliche Seelenleben, wir sind es ja im Grunde genommen selbst. Wir erfahren es, indem wir uns selber erfahren. Unser Denken, unser Vorstellen, unser Fühlen, unser Wollen, sie wogen auf und ab, und das, was da auf und ab wogt zwischen Geburt und Tod, das ist dasjenige, was wir unser Seelenleben nennen, was wir im Grunde genommen «Uns Selbst», insofern wir im fleischlichen Leibe leben, nennen können.
[ 11 ] This human soul life is, after all, ourselves. We experience it by experiencing ourselves. Our thinking, our mental images, our feeling, our willing, they ebb and flow, and what ebbs and flows between birth and death is what we call our soul life, what we can basically call “ourselves” insofar as we live in a physical body.
[ 12 ] Was tut nun die Naturwissenschaft? Sie setzt sich zur Aufgabe, zu untersuchen, welches Verhältnis, welche Beziehungen herrschen zwischen dem, was da auf und ab wogt als Vorstellen, Fühlen und Wollen in unserem Seelenleben, und demjenigen, was menschliche Leibesorganisation ist. Und so wie auf anderen Gebieten die Naturwissenschaft ungeheuere Erfolge errungen hat, so auch auf diesem Gebiete, obwohl sich mir gerade in diesem Winter manche Einseitigkeit der naturwissenschaftlichen Denker auch auf diesem Gebiete gezeigt hat. Aber diese Naturwissenschaft hat versucht zu zeigen, was eigentlich im menschlichen Organismus, im leiblichen Organismus, namentlich im Nervensystem vor sich geht, was da drinnen geschieht, während Vorstellungen, Fühlungen, Wollungen auf und ab wogen. Und das ist die eigentliche Aufgabe der Naturwissenschaft. Kann man sagen, dass die Naturwissenschaft heute schon Großartiges geleistet hat, so ist dieses Geleistete etwas, was Gewähr dafür bietet, dass vielleicht in der nächsten Zukunft schon gerade mit Bezug auf die Feststellung des menschlichen Seelenlebens und der Leibesorganisation Großartiges, Großgewaltiges geleistet werden wird.
[ 12 ] What does natural science do? It sets itself the task of investigating what relationship, what connections exist between what surges up and down as a mental image, feeling, and will in our soul life, and what constitutes the human physical organization. And just as natural science has achieved tremendous successes in other fields, so too in this field, although this winter in particular has revealed to me a certain one-sidedness among scientific thinkers in this field as well. But natural science has attempted to show what actually goes on in the human organism, in the physical organism, namely in the nervous system, what happens there while mental images, feelings, and desires ebb and flow. And that is the real task of natural science. If we can say that natural science has already achieved great things today, then these achievements are something that guarantees that, perhaps in the near future, great and powerful things will be achieved, particularly with regard to the study of the human soul and the physical organism.
[ 13 ] So kann man sagen, da das ja offenbar ist, dass sich die Naturwissenschaft zur Aufgabe gemacht hat, festzustellen, welche Beziehung herrscht zwischen dem menschlichen Seelenleben und demjenigen, was am Menschen vergänglich ist, was, indem er durch die Pforte des Todes tritt, den Elementen der Erde übergeben wird. Den anderen Weg, den entgegengesetzten Weg, könnte man sagen, wenn es nicht missverstanden wird, hat nun die Geisteswissenschaft einzuschlagen. Auch sie hat dieses menschliche Seelenleben in eine Beziehung zu bringen, aber nun nicht zum leiblichen Leben, sondern zum geistigen Leben hin. Und es fragt sich zunächst: Ist es möglich, ebenso streng, wie die Naturwissenschaft die Beziehungen findet zwischen dem Seelenleben und dem, was am Menschen vergänglich ist, Beziehungen festzustellen zwischen dem, was als Seelenleben erlebt ist, und demjenigen, was geistig ist, und wovon wir sehen werden, dass es das unsterbliche Teil des Menschen ist.
[ 13 ] So we can say since it is obvious that natural science has set itself the task of determining the relationship between the human soul life and that which is transitory in human beings, that which, when they pass through the gate of death, is surrendered to the elements of the earth. The other path, the opposite path, one could say, if it is not misunderstood, is now to be taken by Spiritual Science. It, too, has to relate this human soul life, but now not to physical life, but to spiritual life. And the first question is: Is it possible, just as rigorously as natural science finds the relationships between the life of the soul and what is transitory in human beings, to establish relationships between what is experienced as the life of the soul and what is spiritual, and what we will see is the immortal part of the human being?
[ 14 ] Aber, indem man nun diese Frage aufwirft nicht so im Allgemeinen — das machen Dilettanten —, indem man diese Frage aufwirft in dem Sinne, wie man gewöhnt ist, aus der modernen Wissenschaft heraus Fragen aufzuwerfen, da stößt man sogleich auf merkwürdige Voreingenommenheiten. Und ich könnte nun eine große Zahl von modernen Seelenforschern anführen, bei denen sich zeigen würde, wie diese Vorurteile herrschen, welche geradezu geeignet sind, den Weg zu verlegen, der von dem Seelischen ebenso gut zu dem Unvergänglichen hinführt, wie er hinführt zu dem Vergänglichen. Nur ein Beispiel möchte ich anführen, weil es charakteristisch ist.
[ 14 ] But when we raise this question not in a general way — as dilettantes do — but in the way we are accustomed to raising questions in modern science, we immediately encounter strange prejudices. And I could now cite a large number of modern soul researchers who demonstrate how these prejudices prevail, prejudices that are downright capable of blocking the path that leads from the soul to the imperishable just as well as it leads to the perishable. I would like to cite just one example, because it is characteristic.
[ 15 ] Wenn auch viele Menschen heute nicht Anhänger Eduard von Hartmanns sind, ich bin es auch nicht, so muss man doch zugestehen, dass dieser Eduard von Hartmann ein tiefbedeutender Philosoph war, welcher nach den verschiedensten Richtungen hin allseitige Betrachtungen über das Leben und die Wissenschaft angestellt hat; und so kann denn sozusagen wie repräsentativ dasjenige angeführt werden, was er in seiner kurzen Seelenkunde oder Psychologie angeführt hat, und was nur aufzufassen ist wie die Behauptung einer Unmöglichkeit, irgendwie zu Beobachtungen des seelischen Lebens zu kommen. Was viele heute sagen, fasst in charakteristische Sätze Eduard von Hartmann zusammen. Er sagt Dinge, denen man nicht widersprechen kann — das ist sehr wichtig —, Dinge, die eigentlich im Grunde jedem voll einleuchten müssen. Zum Beispiel: Zarte Gefühle, wenn sie in der Seele auftauchen, werden, wenn man sie beobachten will, was naturwissenschaftlich geschehen soll, aus der Seele im Momente ausgetrieben. Man schaue nur seine Gefühle an und versuche, sie zu beobachten; sie sind nicht da; die Beobachtung vertreibt sie. Weiter: Jeder Mensch, der weiß, was Historiker leisten können [Lücke] körperliche Schmerzen sind ja im Grunde auch seelische Erlebnisse, körperliche Schmerzen vergeistigen sich, wenn der Mensch an sie denkt, sie beobachten will. Also die Beobachtung verfälscht dasjenige, was sie beobachten will.
[ 15 ] Even though many people today are not followers of Eduard von Hartmann, and I am not either, one must nevertheless admit that Eduard von Hartmann was a profound philosopher who made comprehensive observations about life and science in a wide variety of directions; and so what he wrote in his short treatise on psychology can be cited as representative, so to speak, and can only be understood as the assertion of the impossibility of somehow arriving at observations of spiritual life. Eduard von Hartmann summarizes what many people say today in characteristic sentences. He says things that cannot be contradicted—which is very important — things that should actually be completely obvious to everyone. For example: when tender feelings arise in the soul, if one wants to observe them, which is what should happen in natural science, they are driven out of the soul in that moment. Just look at your feelings and try to observe them; they are not there; observation drives them away. Furthermore: Every person who knows what historians can achieve [gap] physical pain is basically also a mental experience; physical pain becomes spiritual when a person thinks about it, wants to observe it. So observation distorts what it wants to observe.
[ 16 ] Ein sehr schönes Beispiel gibt er an, das charakteristisch ist, das eigentlich jeder kennt: Man stelle sich vor, dass jemand einen Stoff, den er gut beherrscht mit dem Gedächtnis, aufsagen will, und während des Aufsagens beobachtet er sich selbst. Jeder Mensch weiß, wenn er ein Gedicht aufsagt und sich dabei selbst beobachten will, so bleibt er unweigerlich stecken. Das heißt: Will man etwas, was die Seele ablaufen lässt, beobachten, so vertreibt die Beobachtung dasjenige, was man beobachten will; man kann es nicht beobachten. Was zieht nun der moderne Seelenforscher aus dieser selbstverständlichen Unmöglichkeit, die Seelenerscheinung so, wie er will, zu beobachten, für einen Schluss? Er zieht den Schluss: Also kann man die Seelenerscheinungen nicht beobachten.
[ 16 ] He gives a very nice example that is characteristic and that everyone is familiar with: Imagine that someone wants to recite a text that they know well from memory, and while reciting, they observe themselves. Everyone knows that if they recite a poem and try to observe themselves at the same time, they will inevitably get stuck. In other words, if you want to observe something that the soul lets flow, the observation drives away what you want to observe; you cannot observe it. What conclusion does the modern soul researcher draw from this obvious impossibility of observing the soul phenomenon as he wants to? He concludes: So you cannot observe the soul phenomena.
[ 17 ] Nun aber, denken wir uns einmal, die Naturforscher würden dasselbe sagen. Ja, unser Vorstellen, unser Fühlen und Wollen, die laufen in uns ab, man kann sie nicht beobachten; deshalb kann man auch nicht das Verhältnis zum Leiblichen, zum Vergänglichen beobachten. Nicht wahr, die Naturforscher sagen das nicht, sondern sie sind sich bewusst, dass es gar keine Hindernisse gibt, die Beziehungen des Seelischen zum Leiblichen festzustellen, trotzdem sie nicht so beobachtet werden können, wie da auch von Eduard von Hartmann auseinandergesetzt wird. Also wird der Einwand auch vermutlich nicht gelten für die eigentliche Geistesforschung, für die Feststellung der Beziehung zwischen dem seelischen Erleben und demjenigen, was im Menschen als Geist waltet geradeso wie in ihm das Körperliche waltet. Und man kann nur dann zurechtkommen mit solchen Dingen, wenn man wirklich sie durchschaut. Wenn man wirklich auf den Standpunkt sich stellen kann, der da fragt: Welchen Geltungsbereich haben solche Gedanken? So kann also das Vorurteil, das zwar moderne Seelenforschung abgehalten hat, überhaupt an das Wesen des menschlichen Seelenwesens heranzutreten, das kann uns nicht abhalten, wirkliche Geistesforschung zu suchen. Wenn wir aber an solche Fragen herantreten wie diejenigen nach der Seelenunsterblichkeit und nach dem menschlichen Schicksal, dann kommt es darauf an, dass man vor allen Dingen solche Fragen richtig zu stellen versteht. Solche Fragen werden nicht immer richtig gestellt. Und wenn man nicht in der Lage ist, die Fragen richtig zu stellen, dann verlegt man sich schon von vorneherein die Möglichkeit, zu Antworten zu kommen. Ich habe in meinem letzten Buche «Vom Menschenrätsel» in einem kurzen Abriss im letzten Kapitel versucht, in zartester Weise gerade die Fragestellung, die hier auftauchen muss, zu charakterisieren.
[ 17 ] Now, let us imagine that natural scientists would say the same thing. Yes, our mental images, our feelings, and our wills take place within us; they cannot be observed. Therefore, one cannot observe their relationship to the physical, to the transitory. But natural scientists do not say this. Rather, they are aware that there are no obstacles to determining the relationship between the soul and the body, even though they cannot be observed in the way Eduard von Hartmann discusses. So the objection probably does not apply to actual spiritual research, to the determination of the relationship between soul experience and that which reigns in human beings as spirit, just as the physical reigns in them. And one can only come to terms with such things if one really understands them. If one can really take the standpoint that asks: What is the scope of such thoughts? Then the prejudice that has prevented modern soul research from even approaching the essence of the human soul cannot prevent us from seeking real spiritual research. But when we approach questions such as those concerning the immortality of the soul and human destiny, it is important above all to know how to ask such questions correctly. Such questions are not always asked correctly. And if one is not able to ask the questions correctly, then one deprives oneself of the possibility of finding answers from the outset. In my last book, The Riddle of Man, I attempted in a brief outline in the last chapter to characterize in the most delicate way possible the very question that must arise here.
[ 18 ] Nicht wahr, was wäre es denn, wenn wir beweisen könnten, dass vom menschlichen Seelenleben, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, irgendetwas übrig bleibt, irgendetwas nicht der Auflösung in die Elemente der Erde unterworfen wäre. Gewiss, er könnte geführt werden, der Beweis, manche haben versucht, ihn scheinbar zu führen; aber er hilft eigentlich nicht demjenigen, was das menschliche Seelenleben selbst mit solchen Fragen meint; er hilft dem wirklich nicht weiter. Die Frage kann nicht sein: Bleibt irgendetwas vom menschlichen Seelenwesen über den Tod hinaus übrig, sondern die Frage muss vor allen Dingen sein: Bleibt Bewusstsein, vollständiges Bewusstsein über den Tod hinaus der menschlichen Seele eigen? Denn, wenn so, wie Eduard von Hartmann meint, der Menschenseele etwas Unbewusstes zugrunde liegt, und dieses bleibt über den Tod hinaus, dann würde ja mit Recht, obwohl solcher Einwand kleinlich erscheint, sich ergeben: Ja, was hat denn die menschliche Seele davon, wenn sie ein unbewusstes Dasein nach dem Tode noch so lange führt? Da handelt es sich darum, ob gefunden werden kann, dass bewusst die menschliche Seele den Tod überdauert und einer geistigen Welt mit Bewusstsein angehört, auch wenn das Leibeswesen nicht mehr an sich hat.
[ 18 ] Wouldn't it be something if we could prove that when a person passes through the gate of death, something of their soul life remains, something that is not subject to dissolution into the elements of the earth? Certainly, the proof could be provided; some have apparently attempted to do so. but it does not really help those who are concerned with such questions in relation to the human soul life itself; it really does not help them at all. The question cannot be: Does anything remain of the human soul after death? Rather, the question must be, above all: Does consciousness, complete consciousness, remain inherent in the human soul after death? For if, as Eduard von Hartmann believes, the human soul is based on something unconscious, and this remains after death, then, although such an objection may seem petty, it would be right to ask: Yes, what does the human soul gain from continuing to exist unconsciously for so long after death? The question is whether it can be found that the human soul consciously survives death and belongs to a spiritual world with consciousness, even when the physical body no longer exists.
[ 19 ] Zur Beantwortung dieser Frage habe ich versucht zu zeigen, dass der Mensch mit demjenigen Bewusstsein, das das Bewusstsein des Alltags ist, auch das Bewusstsein der gewöhnlichen Wissenschaft ist, allerdings nicht zur Beantwortung dieser Frage kommen kann, aus dem einfachen Grunde, weil die gewöhnliche naturwissenschaftliche Anschauung lehrt, dass dieses Bewusstsein an das Leibliche gebunden ist. Und so, wie dieses Bewusstsein an das Leibliche gebunden ist, muss es sich eben vernichtigen. Ist also nicht aufzufinden ein anderes Bewusstsein, dann könnte man nicht wissenschaftlich an die Unsterblichkeitsfrage herangehen. Deshalb zeigte ich, dass innerhalb des gewöhnlichen Bewusstseins und des gewöhnlichen Wissenschafts-Bewusstseins ein anderes vorhanden ist, dass ich in Anlehnung an einen Begriff, den Goethe gefasst hatte, indem er sprach von der «anschauenden Urteilskraft», das schauende Bewusstsein zu nennen versuchte. Und ich habe zunächst durch einen Vergleich getrachtet, klarzulegen, was damit gemeint ist. Wohl verstanden, es ist mit diesem Vergleiche nichts bewiesen, sondern nur zu verdeutlichen, was ich mit diesem Begriffe meine.
[ 19 ] To answer this question, I have tried to show that human beings, with the consciousness that is the consciousness of everyday life, which is also the consciousness of ordinary science, cannot answer this question for the simple reason that the ordinary scientific view teaches that this consciousness is bound to the physical body. And since this consciousness is bound to the physical body, it must destroy itself. If, therefore, no other consciousness can be found, then it would not be possible to approach the question of immortality scientifically. That is why I showed that within ordinary consciousness and ordinary scientific consciousness there is another consciousness, which I tried to call “contemplative consciousness,” based on a concept that Goethe had formulated when he spoke of “contemplative judgment.” And I first attempted to clarify what this means by means of a comparison. It should be understood that this comparison does not prove anything, but only serves to clarify what I mean by this term.
[ 20 ] Vergleichen wir dasjenige, was wir als gewöhnliches Tagesbewusstsein haben, was unserer Wissenschaft dient, mit einem anderen Bewusstsein, das durchaus nicht in irgendeiner Weise als wissenschaftlich angesprochen werden soll, nur zum Vergleiche, mit dem Traumbewusstsein. Im Traumbewusstsein wogen auf und ab Bilder; während des Traumes halten wir diese Bilder für Wirklichkeit. Indem wir aufwachen, wachen wir auf zu dem, was wir unser gewöhnliches Tagesbewusstsein nennen. Dieses Tagesbewusstsein unterscheidet sich von dem Traumbewusstsein dadurch, dass wir im Traumbewusstsein nur mit uns selbst beschäftigt sind, dass wir ganz in uns selbst versenkt sind. Was da auf und ab wogt ist lediglich ein Bild desjenigen, was organisch in uns ist. [Heraklit] hat ein schönes Wort gesprochen: Im Traume, im Schlafe ist der Mensch mit sich allein beschäftigt; in dem Augenblick, wo er aufwacht, hat er den Raum mit den anderen Menschen gemeinschaftlich.
[ 20 ] Let us compare what we have as ordinary daytime consciousness, which serves our science, with another consciousness, which should in no way be considered scientific, just for comparison, with dream consciousness. In dream consciousness, images ebb and flow; during the dream, we consider these images to be reality. When we wake up, we awaken to what we call our ordinary daytime consciousness. This daytime consciousness differs from dream consciousness in that that in dream consciousness we are only concerned with ourselves, that we are completely absorbed in ourselves. What ebbs and flows there is merely an image of what is organically within us. [Heraclitus] said something beautiful: in dreams, in sleep, man is preoccupied with himself; the moment he wakes up, he shares the space with other people.
[ 21 ] Wir wachen auf [Lücke] und verbinden unseren Willen, unser ganzes Seelenwesen mit der Umgebung. Dadurch aber schlagen wir gewissermaßen dasjenige, was als bloße Bilder im Traume auf und ab wogt, und nur Realität für uns hat, wir schlagen es über die äußere Realität hinüber; wir haken gewissermaßen unseren Willen mit unserm ganzen Seelenwesen in die äußere Realität ein. So erwachen wir aus dem Traumbewusstsein in das wache Tagesbewusstsein.
[ 21 ] We wake up [gap] and connect our will, our entire soul, with our surroundings. In doing so, however, we strike, as it were, what surges up and down as mere images in dreams and has only reality for us; we strike it across to external reality; we hook our will, as it were, with our whole soul into external reality. Thus we awaken from dream consciousness into waking daytime consciousness.
[ 22 ] Und wiederum ist es möglich, obzwar es nicht zugegeben wird aus dem Vorurteil der Zeit heraus, dass der Mensch aus dem Wachbewusstsein ebenso aufwacht zu dem, was ich eben in Anlehnung an ein Goethe’sches Wort genannt habe das schauende Bewusstsein, welches sich zum Tagesbewusstsein so verhält, wie dieses Tagesbewusstsein sich verhält zum Traumbewusstsein. Das soll zunächst nur ein Vergleich sein. Aber es wird dann so sein, dass, wenn der Mensch aus dem gewöhnlichen Tagesbewusstsein in das schauende Bewusstsein hinein erwacht, die Realität, die Wirklichkeit desjenigen, was er da wahrnimmt, nun wiederum weiterwächst. Während wir in die physisch-sinnliche Welt hineinwachsen beim Aufwachen aus dem Traumesbewusstsein, wachen wir in die geistige Welt hinein auf, indem wir uns erheben, erwecken vom dem gewöhnlichen Tagesbewusstsein in das schauende Bewusstsein hinein.
[ 22 ] And again, it is possible, although it is not admitted due to the prejudice of the times, that human beings awaken from waking consciousness to what I have just called, in reference to a quote from Goethe, “seeing consciousness,” which relates to daytime consciousness in the same way that daytime consciousness relates to dream consciousness. This is only meant to be a comparison for now. But it will then be the case that when human beings awaken from ordinary daytime consciousness into seeing consciousness, the reality, the actuality of what they perceive there will continue to grow. While we grow into the physical-sensory world when we wake up from dream consciousness, we wake up into the spiritual world by rising, awakening from ordinary daytime consciousness into seeing consciousness.
[ 23 ] Nun werde ich zu zeigen haben im Einzelnen, was mit diesem schauenden Bewusstsein gemeint ist. Auszugehen ist dabei durchaus von demjenigen, was besonnenes menschliches Denken ist. Ich muss das immer wiederum betonen aus dem Grunde, weil gerade hier an diesem Punkte sich die größten Missverständnisse auftun. Ausgegangen muss werden von dem vollbesonnenen menschlichen Denken. Aber nun zeigt sich gerade dem Geistesforscher, dass er auszugehen hat von jenem Punkte, den ich vorhin gekennzeichnet habe. Man kann nicht Geistesforscher werden, wenn man nicht im inneren, ernsten Seelenleben, im erlebten Seelenleben mit allen Fasern der Erkenntnissehnsucht nach jenen Punkten hingekommen ist, die ich in einem einzelnen Falle angedeutet habe durch das, was Friedrich Theodor Vischer aussprach: Die menschliche Seele kann nicht im Leibe sein, aber sie kann auch nicht außerhalb des Leibes vorkommen.
[ 23 ] Now I will have to show in detail what is meant by this seeing consciousness. The starting point here is definitely what is prudent human thinking. I must emphasize this again and again because it is precisely at this point that the greatest misunderstandings arise. The starting point must be fully prudent human thinking. But now it becomes clear to the spiritual researcher that he must start from the point I indicated earlier. One cannot become a spiritual researcher unless one has arrived, in one's inner, serious soul life, in one's experienced soul life, with every fiber of one's thirst for knowledge, at those points which I have indicated in a single case through what Friedrich Theodor Vischer expressed: The human soul cannot be in the body, but neither can it exist outside the body.
[ 24 ] Ja, wo soll sie denn dann sein? Man kommt an zahlreiche solche Punkte, man stößt gleichsam wie an Wände mit dem Seelenleben des Wachbewusstseins. Und wie gesagt, das gewöhnliche Bewusstsein bleibt da stehen, setzt Grenzen des Erkennens. Der Geistesforscher muss gleich an diesem Punkt sich anders verhalten. Der Geistesforscher bekommt an diesem Punkte ungefähr das Gefühl — in einem geistigen Sinne ist das gemeint; alles was zur Geistesforschung kommt, ist inneres Seelenleben —, er fühlt an solchem Punkte ungefähr so, wie wenn der Mensch mit dem Tastsinn an Wände und an die Umgebung anstößt, ohne sehen und hören zu können. Nach und nach gelangt der Mensch dazu — das Aufwachsen in der Kindheit bezeugt dies —, dieses Tasten an den Widerständen der Umgebung zu organisieren, zu formen; er gelangt dazu, die Gegenstände in ihren Formen zu erkennen, indem er sie abtastet. In einer ganz ähnlichen Weise kann das Denken belebt werden, wenn man nicht mutlos und sozusagen innerlich feige stehen bleibt an diesem wichtigen Punkte, sondern fühlt und erlebt, was man fühlen und erleben kann: Hier stößt du an geistige Widerstände wie an geistige Wände. Es gehört mancherlei an inneren Vorgängen dazu, an genau dieses Gefühl des geistigen Sich-Stoßens, das Gefühl des Habens eines geistigen Tastsinns, der aus dem Denken herauswächst, dieses Gefühl richtig zu bekommen.
[ 24 ] Yes, where should it be then? One comes to numerous such points, one encounters, as it were, walls with the soul life of waking consciousness. And as I said, ordinary consciousness stops there, sets limits to knowledge. The spiritual researcher must behave differently at this point. At this point, the spiritual researcher gets a feeling — in a spiritual sense, that is; everything that comes to spiritual research is inner soul life — he feels at such a point roughly as when a person bumps into walls and surroundings with his sense of touch, without being able to see or hear. Gradually, the human being learns — as growing up in childhood testifies — to organize and shape this touching of the resistances of the environment; he learns to recognize objects in their forms by touching them. In a very similar way, thinking can be enlivened if one does not remain discouraged and, so to speak, inwardly cowardly at this important point, but feels and experiences what one can feel and experience: here you encounter spiritual obstacles like spiritual walls. It takes a variety of inner processes to get this feeling of mental collision right, the feeling of having a mental sense of touch that grows out of thinking.
[ 25 ] Ich habe beschrieben, was man zu tun hat, was ich hier nur kurz andeuten kann, in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?», im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft» und im letzten Kapitel des neuesten Buches «Vom Menschenrätsel». Da versuche ich zu zeigen, wie aus dem Denken, das der Mensch im gewöhnlichen Leben hat, das lebendige Denken entsteht; ein Denken, das sich an diesen Grenzpunkten anstößt als ein geistiges Tasten. Und damit, dass man das geistige Tasten fühlt, ist schon dasjenige gewonnen, was man die erste Stufe des schauenden Bewusstseins nennen kann.
[ 25 ] I have described what one has to do, which I can only briefly hint at here, in my books “How to Attain Knowledge of Higher Worlds,” in the second part of my “Occult Science,” and in the last chapter of my latest book, "The Riddle of Man ." There I try to show how living thinking arises from the thinking that people have in ordinary life; a kind of thinking that encounters these boundaries as a spiritual groping. And by feeling this spiritual groping, one has already attained what can be called the first stage of visionary consciousness.
[ 26 ] Nun ist einiges Prinzipielle zu sagen, wie sich der Mensch zu verhalten hat, wie er dieses Schauen im Denken zunächst entwickeln kann. Es muss vieles im menschlichen Denken eintreten, um dieses schauende Denken zu verrichten. Vor allen Dingen muss uns klar sein, dass viele Denkgewohnheiten, die uns im gewöhnlichen Leben natürlich sind, und die auch hineingehören ins gewöhnliche Leben, nun aufhören müssen, aber nur während der Geistesforschung. Wenn jemand Chemie studiert, brauchen sie auch nicht aufzuhören. Aber wenn jemand Geistesforscher werden will, muss er sich solche Denkgewohnheiten aneignen, die vor allen Dingen darauf ausgehen, eine Sache von möglichst vielen Seiten zu betrachten. Im gewöhnlichen Leben hat man die Tendenz, auf eine Sache loszugehen und sich einen Begriff von der Sache zu verschaffen. Man weiß nicht im gewöhnlichen Leben, dass ein Begriff nur sein kann eine Art Weg in das Leben hinein. Hier muss der Geistesforscher seine Selbsterziehung walten lassen. Er muss in die Lage kommen, sich ganz andere Begriffe auszubilden. Wie man einen Baum von verschiedenen Seiten fotografiert, und die Fotos zeigen alle denselben Baum, trotz ihrer Verschiedenheit, aber im Zusammenschauen der Fotos bekommt man erst die Vorstellung von der Wirklichkeit des Baumes; wer sagt, das sei ein anderer Baum auf der einen Fotografie als auf der anderen, der sagt eine Torheit. Da bemerkt man leicht die Torheit. Dass es beim Denken geradeso ist, dass, wenn man die Dinge von den verschiedensten Seiten betrachtet, sie sich erst enthüllen, das muss für den Geistesforscher Grundlage sein. Daher muss der Geistesforscher dazu kommen, die Vorstellung als Instrument für die Wirklichkeit zu betrachten.
[ 26 ] Now there are some fundamental things to say about how human beings should behave, how they can initially develop this contemplation in their thinking. Much must take place in human thinking in order to accomplish this contemplative thinking. Above all, we must realize that many habits of thinking that are natural to us in ordinary life, and which also belong in ordinary life, must now cease, but only during spiritual research. If someone is studying chemistry, they do not need to cease. But if someone wants to become a spiritual researcher, they must acquire habits of thinking that are primarily aimed at viewing a subject from as many sides as possible. In ordinary life, we tend to approach a subject and form a concept of it. In ordinary life, we do not know that a concept can only be a kind of path into life. Here, the spiritual researcher must exercise self-education. They must be able to form completely different concepts. Just as one photographs a tree from different angles, and the photos all show the same tree, despite their differences, but only by looking at the photos together does one get a mental image of the reality of the tree; Anyone who says that it is a different tree in one photograph than in the other is saying something foolish. It is easy to see the foolishness in this. The fact that it is the same with thinking, that when one looks at things from different sides, they only reveal themselves, must be the basis for the spiritual researcher. Therefore, the spiritual researcher must come to regard the mental image as an instrument for reality.
[ 27 ] Gerade unter dem Einfluss der gegenwärtigen Zeit sind die Menschen abgeneigt, zu solchen Vorstellungen sich zu wenden, die zum schauenden Bewusstsein führen. Die Menschen möchten heute am liebsten auf Vorstellungen schwören. Es gibt Leute, welche sagen, sie haben herausgefunden, dass es gut ist für gewisse Krankheiten, sich Bewegung zu machen. Sie halten nun an diesem Begriff als einem absoluten Begriff fest. Es kommt jemand zu ihnen, der klagt gerade über diejenige Krankheit, von der sie meinen, dass Bewegung gut dafür sei. Ja, sagen sie, du musst dir Bewegung machen. Der Kranke antwortet: Vergessen Sie nicht, dass ich Briefträger bin. Dergleichen kann man heute überall erleben, und in der Wissenschaft können unzählige Beispiele von solchem dogmatischem Festhalten an Begriffen und Vorstellungen aufgewiesen werden.
[ 27 ] Particularly under the influence of the present age, people are averse to turning to such mental images that lead to seeing consciousness. People today would prefer to swear by mental images. There are people who say they have discovered that exercise is good for certain illnesses. They now hold on to this idea as an absolute concept. Someone comes to them complaining about the very illness for which they believe exercise is good. Yes, they say, you must exercise. The sick person replies: Don't forget that I am a mail carrier. Such things can be experienced everywhere today, and countless examples of such dogmatic adherence to concepts and mental images can be found in science.
[ 28 ] Während der Geistesforschung darf man niemals einen Begriff festhalten. Vorstellungen darf man nur festhalten als Werkzeuge, um zur Wirklichkeit zu kommen. Daher muss der Geistesforscher sich dazu bequemen, nicht nur das zu denken über die Sachen und Vorgänge, was im gewissen Sinne die Sache und den Vorgang so erklärt, wie es seiner Meinung nach sein muss, sondern es müssen ihm wie zufliegen auch alle Einwände; er muss sich dazu bequemen, in der umfassendsten Weise gegen das, was seine eigene Meinung ist, sich kritisch verhalten zu können. Er muss Vielseitigkeit des Denkens anstreben, und zwar so, dass er ein inneres Erleben davon hat, wie viel dasjenige, was für eine Sache zu sagen ist und wie viel dasjenige, was gegen eine Sache zu sagen ist, gegeneinander wert ist. Und so muss er von solchen feinen und intimen Voraussetzungen ausgehend zu einer Belebung des Denkens kommen.
[ 28 ] In spiritual research, one must never cling to a concept. Mental images may only be held as tools for arriving at reality. Therefore, the spiritual researcher must be willing not only to think about things and processes in a way that, in a certain sense, explains the thing and the process as he believes it must be, but also to allow all objections to come to him; he must be willing to be critical of his own opinion in the most comprehensive way possible. He must strive for versatility of thought in such a way that he has an inner experience of how much what can be said for a thing and how much what can be said against a thing are worth in relation to each other. And so, starting from such subtle and intimate premises, he must arrive at a revitalization of thought.
[ 29 ] Ein schöner Anfang ist gemacht worden, indem Goethe versuchte, die Tierformen und die Pflanzenformen in seiner Metamorphosenlehre mit lebendigen Begriffen zu erfassen, denn die Begriffe werden in der Tat dann lebendig. Nehmen Sie nur das, dass man versucht gewöhnlich in der Wissenschaft genau festzustellen durch Begriffe einen Affen, einen Menschen. Die Entwicklungslehre will Beziehungen des Affen zum Menschen feststellen. Aus den Begriffen, die uns die sinnliche Anschauung vom Affen gibt, können wir nicht kommen zum Begriff des Menschen. Erst wenn wir etwas Lebendiges erfassen können vom Affen, wird der Begriff lebendig, wandelt sich um, wie im Sinne der Goethe’schen Metamorphosenlehre sich Wandlungen vollziehen. Dann wird der Begriff lebendig. Dann wird aus dem Denken etwas, wie es vorhin nicht war, es wird eine geistige Tat.
[ 29 ] A good start was made when Goethe attempted to capture animal and plant forms in his theory of metamorphosis using living concepts, because concepts do indeed come to life when they are used in this way. Take, for example, the fact that science usually attempts to precisely define a monkey or a human being through concepts. The theory of evolution seeks to establish the relationship between monkeys and humans. We cannot arrive at the concept of the human being from the concepts that our sensory perception of monkeys gives us. Only when we can grasp something living in the monkey does the concept come alive, transforming itself, as in Goethe's theory of metamorphosis. Then the concept comes alive. Then thinking becomes something it was not before; it becomes a spiritual act.
[ 30 ] Lassen Sie mich noch kurz erwähnen, dass dem Geistesforscher — und hier will ich wiederum, weil es zur Sachlichkeit gehört, die gewöhnlichen Benennungen einfügen —, dass demjenigen, dem der geistesforscherische Weg natürlich ist, es auch ganz selbstverständlich ist, dass, wenn er eine Ansicht über irgendeine Sache zu äußern hat, die Ergebnisse darzustellen hat, er dazu gedrängt wird, immer auch die Einwände zu sagen. Das hat ja in der letzten Zeit zu einem merkwürdigen Ergebnis geführt. Diejenigen, die meine Bücher und Vorträge auch in engeren Kreisen kennen, die wissen, dass ich immer bemüht bin, getreu demjenigen, was ich eben gesagt habe, nicht nur dasjenige zu sagen, was sich mir als Feststellung ergeben hat, sondern immer auch, um die Sache darzustellen in ihrem ganzen Gewicht, auch die entgegengesetzte Meinung ausführlich zu verzeichnen und auszusprechen, wenn nur immer Gelegenheit ist. Jetzt, da sich ein gehässiger Kampf gegen diese Geisteswissenschaft ergibt, zeigt es sich, dass den Gegnern das sehr bequem ist. Man braucht ja nur das, was in meinen Büchern und Vorträgen sich findet, und Einwände, die aus dem genannten Grunde ich selber immer mache, abzuschreiben, dann kann man die schönsten Widerlegungen der Geisteswissenschaft finden. Das wird heute sehr häufig gemacht, manchmal in gehässigster Weise, indem man nur weglässt, was für die Dinge zu sagen ist.
[ 30 ] Let me briefly mention that for the spiritual researcher — and here I want to use the usual terms again, because it is a matter of objectivity — for those for whom the path of spiritual research is natural, it is also quite natural that when they have to express an opinion on any matter, they have to present the results, they feel compelled to always state the objections as well. This has led to a curious result in recent times. Those who are familiar with my books and lectures, even in smaller circles, know that I always strive, in keeping with what I have just said, not only to state what I have established, but also, in order to present the matter in its entirety, to record and express the opposing opinion in detail, whenever the opportunity arises. Now that a vicious battle is being waged against Spiritual Science, it is becoming apparent that this is very convenient for its opponents. All one has to do is copy what is found in my books and lectures, along with the objections that I myself always raise for the reasons mentioned, and one can find the most beautiful refutations of Spiritual Science. This is done very frequently today, sometimes in the most vicious way, by simply omitting what needs to be said about the issues.
[ 31 ] Dasjenige, um was es sich handelt, das ist: von dem gewöhnlichen zum lebendigen Denken zu kommen. Dann kommt man auch dazu, die Natur des gewöhnlichen Denkens zu erkennen; zu erkennen, was das gewöhnliche Denken ist. Dieses gewöhnliche Denken, das ist im Grunde genommen dadurch entstanden, dass die Leibes-Organisation aus dem, was immer in uns vorhanden ist aus dem lebendigen Denken, etwas wie ein abgelegtes, sogar getötetes inneres Produkt macht. Das gewöhnliche Vorstellen ist nicht für das menschliche tagwache Bewusstsein das, was eigentlich in Wirklichkeit im Menschen waltet, sondern mehr oder weniger ein abgelähmtes Produkt dessen, was da waltet, und wir gehen nur zurück von einem abgelähmten, toten Denken zu dem lebendigen Denken, das ich mir erlaubt habe in meinen Schriften das imaginative Denken zu nennen, das imaginative Erkennen zu nennen, weil es nicht so, man möchte sagen, in abstrakten Konturen wirkt wie das gewöhnliche Denken, sondern wirkt so, dass alles in Bildern verläuft in diesem schauenden Denken.
[ 31 ] What this is all about is moving from ordinary thinking to living thinking. Then you also come to recognize the nature of ordinary thinking; to recognize what ordinary thinking is. This ordinary thinking has basically come about because the body organization turning what is always present in us, what is living thinking, into something like a discarded, even killed inner product. Ordinary mental images are not, for human waking consciousness, what actually prevails in human beings, but more or less a paralyzed product of what prevails there, And we only go back from a numb, dead thinking to the living thinking, which I have taken the liberty of calling imaginative thinking in my writings, imaginative cognition, because it does not, so to speak, work in abstract contours like ordinary thinking, but works in such a way that everything proceeds in images in this contemplative thinking.
[ 32 ] Und nun lassen Sie mich noch dasjenige, was ich als erste Stufe charakterisiert habe des schauenden Bewusstseins, lassen Sie mich es von der negativen Seite her charakterisieren.
[ 32 ] And now let me characterize what I have described as the first stage of contemplative consciousness from the negative side.
[ 33 ] Heute kennen sehr viele Leute dasjenige, was veränderte Bewusstseinszustände sind, wie sie auftreten als Halluzination, als Illusion; insbesondere aber bildete in der letzten Zeit ein ausführliches Studium der Wissenschaft dasjenige, was durch Suggestion erzeugt wird. Soll man nun sagen, wie sich dasjenige, was ich hier meine, verhält gegen alle diese abnormen Seelenzustände, so muss man sagen: Es ist das, was hier als Geisteswissenschaft charakterisiert worden ist, das gerade Gegenteil. Währenddem eine Suggestion gerade darin besteht, dass ein persönlicher Einfluss von einem Menschen ausgeübt wird auf einen anderen Menschen, sodass diesem anderen Menschen die Kritik getrübt wird, es werden die entgegengesetzten Vorstellungen ausgelöscht, es wird sein Bewusstsein verengt. Und so ist es auch bei anderen Zuständen, das Bewusstsein wird in all diesen Fällen verengert, es wird ein niedrigerer Grad des Bewusstseins erreicht als in der gewöhnlichen Sinnesanschauung. Das Entgegengesetzte findet statt bei dem hier Gemeinten. Da wird nicht das Bewusstsein verengt, da wird nicht die Kritik herabgedämmt, sondern da wird ein jeder persönlicher Einfluss ausgeschlossen.
[ 33 ] Today, many people are familiar with altered states of consciousness, such as hallucinations and illusions; but in recent times, scientific study has focused in particular on what what is produced by suggestion. If one is to say how what I mean here relates to all these abnormal states of mind, one must say: it is the very opposite of what has been characterized here as Spiritual Science. Whereas suggestion consists precisely in a personal influence is exerted by one person on another, so that the other person's critical faculties are clouded, opposing mental images are erased, and their consciousness is narrowed. And so it is with other states; in all these cases, consciousness is narrowed, and a lower degree of consciousness is reached than in ordinary sensory perception. The opposite opposite occurs in the case referred to here. Consciousness is not narrowed, critical faculties are not dampened, but rather all personal influence is excluded.
[ 34 ] Als Zweites wird derjenige, dem es darum zu tun ist, zum geistigen Schauen emporzusteigen, darauf hingewiesen, er findet sich selber durch die genannten Schriften darauf hingewiesen, dass er nicht die Kritikfähigkeit einzuengen, das Bewusstsein zu verengen hat, sondern zu erweitern hat; dass er alles, was an Einwänden gemacht werden kann, [in] sich aufgehend fühlt, sodass sein Bewusstsein in die Weite getrieben wird. Und es gehört schon viel Gehässigkeit dazu, wenn immer wiederum diese Geisteswissenschaft in ihrer methodischen Grundlage verwechselt wird mit ihrem Gegenteil. Denn alles das, was Geisteswissenschaft als Methode anstrebt, das ist gerade dazu geeignet, alle diejenigen Dinge, die zu einem abnormen Bewusstseinszustand führen, streng auszuschließen. Denn man kommt durch dieses Bewusstsein nur zu mystischen Schwärmereien und Phantastereien, aber niemals zu einem Eintreten in die geistige Welt.
[ 34 ] Secondly, those who are concerned with ascending to spiritual vision are advised, as indicated in the aforementioned writings, that they should not restrict their critical faculties or narrow their consciousness, but rather expand them; that they should feel absorbed by all the objections that can be made [in] themselves, so that their consciousness is driven into the vastness. And it takes a great deal of malice to repeatedly confuse the methodological basis of Spiritual Science with its opposite. For everything that Spiritual Science strives for as a method is precisely suited to strictly exclude all those things that lead to an abnormal state of consciousness. For this consciousness only leads to mystical ravings and fantasies, but never to an entry into the spiritual world.
[ 35 ] Erwähnen will ich nur noch, dass derjenige, der nun auf diesem Wege versucht, den Weg in die geistige Welt hinein zu nehmen durch das schauende Bewusstsein, sich klar darüber sein muss, dass sein gewöhnliches Tagesbewusstsein in Ordnung ist, dass wirklich das schauende Bewusstsein darauf gebaut werden kann.
[ 35 ] I would just like to mention that anyone who now attempts to enter the spiritual world in this way through contemplative consciousness must be clear that their ordinary daytime consciousness is in order, that contemplative consciousness can truly be built upon it.
[ 36 ] Denken Sie nur einmal, dass man ja ein ordentliches Tagesbewusstsein nur entwickeln kann, wenn man gut geschlafen hat, wenn man nicht durch Träume im Schlaf gestört ist wie derjenige, der im Schlafe krankhafte Zustände durchmacht. Ebenso kann derjenige, der im Tagesbewusstsein zur Phantasterei, zur mystischen Schwärmerei, zur Verworrenheit neigt, nicht in ein ordentliches schauendes Bewusstsein sich hineinentwickeln. Wer in der Geistesforschung vordringen will, dem muss klar sein, dass er von einem geordneten gewöhnlichen Bewusstsein auszugehen hat; dass er im gewöhnlichen Bewusstsein als besonnener, klarer Mensch dasteht, der nicht zu irgendwelchen Verworrenheiten neigt, oder aber er muss sich streng in Selbstzucht nehmen, damit die Verworrenheiten aufhören. Die Menschen, die da glauben, durch halb bewusste Zustände in irgendeine geistige Welt hineinzukommen, die kommen nicht in die geistige Welt hinein, sondern sogar aus der physischen Welt hinaus, und sie steigen in ihre eigene Leiblichkeit hinunter. Und es werden selbst da, wo man schon Mystik liebt, sogenannte mystische Zustände sehr häufig verwechselt mit dem Zustand des wirklichen geistigen Schauens. Während diese Zustände nichts anderes sind als ein raffinierteres Erleben der eigenen Leibeszustände; nur ist man sich dessen nicht bewusst.
[ 36 ] Just think that one can only develop a proper everyday consciousness if one has slept well, if one is not disturbed by dreams during sleep, such as those who experience pathological conditions in their sleep. Similarly, those who tend toward fantasy, mystical enthusiasm, and confusion in their everyday consciousness confusion in their daytime consciousness cannot develop a proper, clear consciousness. Anyone who wants to advance in spiritual research must realize that they must start from an orderly, ordinary consciousness; that they must stand in ordinary consciousness as a level-headed, clear-minded person who is not prone to any confusion, or else they must exercise strict self-discipline so that the confusion ceases. People who believe that they can enter some spiritual world through semi-conscious states do not enter the spiritual world, but rather leave the physical world and descend into their own physicality. And even where mysticism is already loved, so-called mystical states are very often confused with the state of true spiritual vision. These states are nothing more than a more refined experience of one's own bodily states; only one is not aware of this.
[ 37 ] Wohin gelangt man nun zunächst, wenn man das schauende Bewusstsein in der richtigen Art anwendet? Dazu gelangt man, zu erleben, was jemand erlebt, der aus einem ganz naiven Bewusstsein heraus aufwacht zu dem erweiterten Bewusstsein. Es kann Menschen geben, die sagen: Hier ist ein Tisch und ein Stuhl, aber hier nicht. Dann lernen die Menschen, dass da Luft ist. So wie man lernen kann, dass da Luft ist, so erfährt man durch die Geistesforschung, indem das Denken aus dem toten Zustand zu dem lebendigen Zustand, zu einem wirklichen geistigen Tasten vorrückt, dass Geistiges um uns herum ist, dass Geistiges zugrunde liegt allem Physisch-Sinnlichen. Und das Erste, was man da erlebt, das ist das, was ich genannt habe im vorletzten Heft der Zeitschrift «Das Reich» das Bildekräftewesen in unserer Umgebung, dass man auch bezeichnen kann als das Wesen der Ätherwelt um uns herum. Diese Ätherwelt muss dann als die niedrigste übersinnliche Welt aufgefasst werden.
[ 37 ] Where does one arrive at first when one applies the seeing consciousness in the right way? One arrives at experiencing what someone experiences who awakens from a completely naive consciousness to an expanded consciousness. There may be people who say: Here is a table and a chair, but not here." Then people learn that there is air. Just as one can learn that there is air, so one learns through spiritual research, as thinking advances from a dead state to a living state, to a real spiritual feeling, that there is spirit around us, that spirit underlies everything physical and sensory. And the first thing one experiences there is what I called in the penultimate issue of the magazine “Das Reich” the image forces in our environment, which can also be described as the essence of the etheric world around us. This etheric world must then be understood as the lowest supersensible world.
[ 38 ] Damit berührt man einen Punkt, meine sehr verehrten Anwesenden, an dem man eigentlich so recht zeigen kann, wie die hier gemeinte Geisteswissenschaft, und das, was Naturwissenschaft ist, wie die eigentlich von zwei Seiten einander entgegenarbeiten. Heute ist es schon so. Sie wissen, man bohrt einen Tunnel oftmals, indem man von zwei Seiten in den Berg hineinbohrt. Sind die Dinge gut geordnet, so stoßen die Bohrenden in der Mitte zusammen. So arbeiten in die lebendige Wirklichkeit hinein Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft; sind sie richtig orientiert, so treffen sie sich. Allerdings, dasjenige, was oftmals heute als naturwissenschaftliche Weltanschauung — die man ja heute moderner monistische Weltanschauung nennt —, was da als solche verbreitet wird, das beruht ja zum großen Teil auf Dilettantismus. Derjenige der die naturwissenschaftliche Entwicklung kennt, der weiß, wie nahe an gewissen Punkten sich heute schon die naturwissenschaftliche Forschung und die Geisteswissenschaft sind. Das kann man insbesondere am Ätherbegriff zeigen. Es gibt heute schon einen Physiker, Planck, der eine sehr schöne Sache ausgesprochen hat, ein Ergebnis seiner physikalischen Forschung. Achten Sie bitte darauf, es ist ein Physiker, der das Folgende sagt: «Wenn man nach der neueren Forschung der [Lücke], dass man dem Äther nicht materielle Eigenschaften beilegen darf.»
[ 38 ] This touches on a point, my dear friends, where we can actually show how Spiritual Science, as we understand it here, and natural science actually work against each other from two sides. This is already the case today. As you know, tunnels are often dug by drilling into a mountain from two sides. If everything is properly organized, the drillers meet in the middle. This is how natural science and Spiritual Science work their way into living reality; if they are correctly oriented, they will meet. However, what is often presented today as a scientific worldview — which is now called a modern monistic worldview — is largely based on dilettantism. Anyone familiar with scientific developments knows how close scientific research and Spiritual Science already are to each other on certain points. This can be demonstrated in particular by the concept of ether. There is already a physicist today, Planck, who has expressed a very beautiful idea, a result of his physical research. Please note that that it is a physicist who says the following: “According to the latest research on the [gap], one must not attribute material properties to the ether.”
[ 39 ] Denken Sie, ein Physiker ist heute dabei, den Äther als übersinnliche Wesenheit zu charakterisieren; den Äther so zu charakterisieren, dass man ihm keine materiellen Eigenschaften beilegen darf. Mit diesen übersinnlichen Ätherwesen oder Bildekräftewesen hat man es zuerst zu tun. Das ist das, was man zuerst entdeckt. Ich will es heute charakterisieren in Bezug auf seine Anwendung auf den Menschen. Wir haben es zu tun beim Menschen mit dem physischen Leibe, der uns durch die Geburt zukommt, und den wir im Tode den Elementen der Erde übergeben. Aber indem wir aufsteigen zum schauenden Bewusstsein, wird uns — wie uns die zunächst unverständliche Luft zum Bewusstsein gebracht wird —, wird uns bewusst die Ätherwelt und unser Drinnenstehen in dieser übersinnlichen Welt. Während die Stoffe, die unseren physischen Leib zusammensetzen, sich fortwährend wandeln, bleibt uns unser Bildekräfteleib zwischen Geburt und Tod als dauerndes Übersinnliches, als dauerndes Geistiges zunächst vorhanden. Und in dieses dauernde Geistige — das uns hinüberträgt von Augenblick zu Augenblick, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr —, in dieses Übersinnliche schauen wir hinein, indem wir unser Denken wirklich so behandelt haben und es zu etwas anderem gemacht haben, als das gewöhnliche Denken ist. Wir schauen da zunächst in das Übersinnliche hinein, das unserem Vergänglichen zugrunde liegt; wir haben eben die erste Stufe des schauenden Bewusstseins erreicht.
[ 39 ] Consider that a physicist today is characterizing the ether as a supersensible entity; characterizing the ether in such a way that one must not attribute material properties to it. These supersensible etheric beings or formative forces are what we are dealing with first. That is what we discover first. Today I want to characterize it in relation to its application to human beings. In humans, we are dealing with the physical body that we receive at birth and that we surrender to the elements of the earth at death. But as we ascend to contemplative consciousness, we become aware of the etheric world and our place within this supersensible world, just as we become aware of the air, which is initially incomprehensible to us. we become aware of the etheric world and our standing within this supersensible world. While the substances that make up our physical body are constantly changing, our image-forming body remains available to us between birth and death as a lasting supersensible, as a lasting spiritual entity. And we look into this lasting spiritual entity — which carries us from moment to moment, from day to day, from week to week, from year to year — into this supersensible world, by having truly treated our thinking in this way and made it into something other than ordinary thinking. We first look into the supersensible that underlies our transience; we have just reached the first stage of contemplative consciousness.
[ 40 ] Nun muss allerdings Geistesforschung so ernst genommen werden, wie ernst genommen wird die Wissenschaft auch sonst. Da muss man allerdings auch ausgehen von Kleinigkeiten, die man sonst nicht gerne berücksichtigt. Da gelangt der Geistesforscher zunächst dazu, Erinnern und Vergessen zu beobachten. Er bekommt dadurch, dass er den Bildekräfteleib ins Auge fasst, die Vorstellung, dass in ihn dringt dasjenige, was den Lauten ätherisch zugrunde liegt; das dringt in den physischen Leib ein, ruft dort Veränderungen hervor. Umgekehrt ist es beim Vergessen; da macht sich die Vitalität des physischen Leibes geltend; da erringt er einen Sieg über die Tätigkeit des Geistes. Das schaut man dann an. Das schaut man wirklich als eine unmittelbare Gegenwart an. Dann steigt man auf, gelangt zu neuen Vorstellungen über das, was im Menschen ist, nach den heutigen naturwissenschaftlichen Begriffen, an vererbten Merkmalen. Diese vererbten Merkmale stehen auf der einen Seite; die bedeuten zunächst etwas in uns, was uns von außen zukommt durch den physischen Leib. Etwas anderes sehen wir aus dem Geistigen in den physischen Leib hineindringen, in dem, was wir als Selbstzucht oder als Erziehung von außen gegen die vererbten Eigenschaften aufzubringen haben. Und wir sehen das Zusammenarbeiten der ererbten Eigenschaften mit dem, was in die Seele hineinwirkt.
[ 40 ] Now, however, spiritual research must be taken as seriously as science is taken in other areas. This means starting with small details that are not usually given much consideration. The spiritual researcher begins by observing memory and forgetting. By focusing on the image-forming body, they gain a mental image of what underlies sounds in the etheric realm that penetrates into it; this penetrates into the physical body and causes changes there. The opposite is true of forgetting; here the vitality of the physical body asserts itself; it triumphs over the activity of the spirit. This is then observed. One really sees this as an immediate presence. Then one rises, arrives at new mental images about what is in human beings, according to today's scientific concepts, about inherited characteristics. These inherited characteristics stand on one side; they initially mean something in us that comes to us from outside through the physical body. We see something else penetrating the physical body from the spiritual realm, in what we have to bring to bear as self-discipline or education from outside against the inherited characteristics. And we see the interaction of the inherited characteristics with what works into the soul.
[ 41 ] Dann kommt man zu dem nächsten Erkennen, zu demjenigen Erkennen, das ich mir gestattet habe in meinen Büchern und Vorträgen das inspirierte Erkennen zu nennen. Es wird sich zeigen, dass dieser Ausdruck in einer ganz eminenten Weise demjenigen entspricht, was eigentlich gemeint ist. Ich bitte nur dasjenige unter der inspirierten Erkenntnis zu verstehen, was ich selber hier anführe, und es nicht zu verwechseln mit der hergebrachten Bedeutung des Ausdruckes.
[ 41 ] Then we come to the next insight, the insight that I have taken the liberty of calling inspired insight in my books and lectures. It will become apparent that this expression corresponds in a very eminent way to what is actually meant. I ask you to understand only what I myself refer to here as inspired insight, and not to confuse it with the traditional meaning of the expression.
[ 42 ] Da muss allerdings dann dasjenige, was die Seele erlebt hat bis zu dem geschilderten lebendigen Denken, noch weitergebracht werden. Das Hineingehen in die Wirklichkeit vom bloßen logischen Denken, vom bloßen ideellen Denken, das Hineintauchen in die Wirklichkeit, das muss weitergetrieben werden. Das Denken muss noch mehr verlebendigt werden. Dazu gelangt man nur, wenn man im inneren Seelenleben einen Prozess durchmacht, der wirklich im Innern des Menschen eine Art von Erfassung von Wirklichkeiten bedeutet, gegenüber bloRen logischen Wesenhaftigkeiten nur. Man muss die Tatsächlichkeit, die in der Außenwelt sonst waltet, übertragen auf das eigene innere Seelenleben. Nehmen wir das moralische Ausleben. Wenn wir im moralischen Ausleben in der sozialen Menschenordnung drinnenstehen, können wir nicht damit zufrieden sein, logisch zu sein. Etwas ist gut, etwas ist böse. Das logische Wissen genügt nicht, sondern wir sind nur ein Vollmensch, wenn wir wirklich dazu gelangen, das Gute zu tun, das Böse zu unterlassen; eine Handlung, die wir als pflichtgemäß anerkennen, auch auszuführen; eine andere, die wir nicht als pflichtgemäß erkennen, zu unterdrücken. Im gewöhnlichen Denken ist man damit zufrieden, den einen Gedanken als logisch, den anderen als unlogisch hinzustellen, aber es gilt einem der ganze Gedanke als zollfrei. Das muss im Bereiche der Geistesforschung aufhören. Da muss der Geistesforscher dazu gelangen, sich gewisse Vorstellungen so lebendig zu machen, dass ihnen gegenüber im unmittelbaren Erleben andere Vorstellungen erlöschen; anderen Vorstellungen muss man so gegenüberstehen, dass sie ihre eigene Wirklichkeit auslöschen. Man muss zu einer ganz anderen Art, in die Wirklichkeit hinzukommen, gelangen als im gewöhnlichen Leben.
[ 42 ] However, what the soul has experienced up to the point of the living thinking described must then be taken further. Entering into reality from mere logical thinking, from mere ideal thinking, immersing oneself in reality, this must be taken further. Thinking must be made even more alive. This can only be achieved by undergoing a process in one's inner soul life that truly means a kind of grasping of realities within the human being, as opposed to mere logical essences. One must transfer the reality that otherwise prevails in the outer world to one's own inner soul life. Let us take moral living as an example. If we are involved in moral living within the social order of human beings, we cannot be satisfied with being logical. Something is good, something is evil. Logical knowledge is not enough; we are only complete human beings when we truly manage to do good and refrain from evil; when we carry out an action that we recognize as our duty, and suppress another that we do not recognize as our duty. In ordinary thinking, people are satisfied with presenting one thought as logical and another as illogical, but the whole thought is considered duty-free. This must cease in the field of spiritual research. Here, the spiritual researcher must succeed in making certain mental images so vivid that other mental images are extinguished in direct experience; one must confront other mental images in such a way that they extinguish their own reality. One must arrive at a completely different way of approaching reality than in ordinary life.
[ 43 ] Ein Beispiel der gewöhnlichen Wissenschaft sei hier angeführt. Da gestattet man sich manches; ich will nichts dagegen einwenden; es gibt Beispiele, die außerordentlich geistvoll, durchsichtig und lehrreich sind. Ich möchte hinweisen auf einen Vortrag, den Professor [Dewar] gehalten hat, in dem er spricht von einem gewissen Endzustand der Erde, den man biologisch-physikalisch finden kann. Da rechnet er aus einen Endzustand der Erde, der in Tausenden von Jahren eingetreten sein wird, wo die Erde abgekühlt sein wird. Er malt diesen Endzustand so aus, dass er den Zuhörern zeigen will, die Erde werde einmal zu dieser Abkühlung kommen, wo dann dasjenige, was flüssiges Wasser ist, zur Erde geworden sein wird; wo die Luft vorhanden sein wird als Meere und Ströme; wie dann gewisse Drähte, die heute nur Grammgewichte tragen, nachher so stark sein werden, dass sie schwere Lasten tragen werden. Die Wände wird man bestreichen mit Eiweiß, das wird leuchtend sein. Man wird Zeitung lesen können mit diesem Leuchten von den Wänden herunter. Man wird eine Milch haben, die wird fest sein; sie wird in blauem Lichte erglänzen. Kurz, er malt den Endzustand der Erde nach Art der Wissenschaft aus.
[ 43 ] An example from ordinary science can be cited here. There, one allows oneself many things; I do not wish to object to that; there are examples that are extraordinarily ingenious, transparent, and instructive. I would like to refer to a lecture given by Professor [Dewar] in which he speaks of a certain final state of the Earth that can be found biologically and physically. He calculates a final state of the Earth that will occur in thousands of years, when the Earth will have cooled down. He paints this final state in such a way that he wants to show his listeners that the Earth will one day reach this cooling point, where then what is liquid water will have become earth; where the air will be present as seas and streams; how certain wires, which today carry only gram weights, will subsequently be so strong that they will carry heavy loads. The walls will be coated with egg white, which will be luminous. People will be able to read newspapers by the light shining from the walls. There will be milk that is solid; it will glow in blue light. In short, he paints a picture of the final state of the earth in a scientific manner.
[ 44 ] Der Geistesforscher im Bereiche seiner Geistesforschung kann mit solchen Vorstellungen nicht mitgehen, denn sie verhalten sich in der folgenden Weise in Bezug auf die Methode — ich möchte aber nicht missverstanden werden, als ob ich etwas gegen die Naturforschung und deren Denkweise einzuwenden hätte —, nach der so etwas ausgedacht ist, durchaus so. Es ist dasselbe, wie wenn ich herginge und sagte: Der Mensch hat einen Magen oder Knochen; ich betrachte den Magen oder die Knochen von acht zu acht Tagen, ich sche da, wie sich die Dinge immer verändern. Ich betrachte das nun durch Jahre, wie sich die Sache verändert, und nun rechne ich aus, wie diese Veränderung des Magens oder der Knochen nach zweihundert Jahren sein müsste. Da kann ich dann erkennen, wie der Mensch ausschaut nach zweihundert Jahren. Aber, nicht wahr, der Mensch würde dann längst gestorben sein. So könnte ich auch nach den sehr geistvollen Regeln der Geologie, ausrechnen, wie die Erde früher war, wenn ich betrachte, wie sie sich verändert hat. Das kann durchaus sehr geistvoll sein. Aber es wäre so, wie wenn ich untersuchen würde die Organe eines Kindes, und dann ausrechnen würde, wie sie vor hundertzwanzig Jahren waren. Meine Methode wäre ganz richtig. Die Methoden sind oft sehr geistreich. Alles, was vorgebracht wird, ist richtig, aber es ist kein Denken, was in der Wirklichkeit steht.
[ 44 ] The spiritual researcher in the field of spiritual research cannot go along with such mental images, because they behave in the following way with regard to the method — but I do not want to be misunderstood as if I had anything against natural science and its way of thinking — according to which such things are conceived. It is the same as if I were to say: Man has a stomach or bones; I observe the stomach or bones every eight days, I observe how things are constantly changing. I observe this over years, how things change, and now I calculate what this change in the stomach or bones would be like after two hundred years. Then I can see what a human being would look like after two hundred years. But, wouldn't you agree, the human being would have died long ago. In the same way, according to the very ingenious rules of geology, I could calculate what the earth was like in the past by observing how it has changed. That can be very ingenious indeed. But it would be like examining the organs of a child and then calculating what they were like 120 years ago. My method would be quite correct. The methods are often very ingenious. Everything that is put forward is correct, but it is not thinking that is grounded in reality.
[ 45 ] Zu solchen Dingen wird man hingeführt, wenn das Denken den Weg sucht aus den Abstraktionen in dasjenige hinein, was Wirklichkeit ist. Und dann eröffnet sich die zweite Stufe des Erkennens, dasjenige, was ich das inspirierte Denken nenne. Dieses Denken führt uns dann zu einem anderen Erleben. Nicht nur, dass wir den Ätherleib im Menschen erleben, sondern wir erleben dasjenige, was nun wirklich Geburt und Tod überdauert; was sich zeigt als dasjenige, was vorhanden war vor der Empfängnis, was aus einer geistigen Welt herausgekommen ist, was in eine geistige Welt hineintreten wird, wenn der Mensch durch den Tod gegangen ist. Wir erleben es im schauenden Bewusstsein. Wir erleben etwas, was vom Leibe unabhängig ist. Wir erleben jetzt, dass es ein Bewusstsein gibt, dass dem gewöhnlichen Bewusstsein ein anderes zugrunde liegt, das sich vom Leibe freimachen kann; was da war was vom Menschen bewusst da war, was nur in seinem Bewusstsein ausgelöscht ist im gewöhnlichen menschlichen Seelenleben dadurch, dass er den Leib angenommen hat. Was aber wiederum erwachen wird, wenn er durch die Pforte [des Todes] geht, und erkenntnismäßig in Vorstellungen sich vor die Seele stellt, sodass man erkennt, dass die Seele wirklich vorhanden war vor der Empfängnis, dass sich das Seelisch-Geistige mit demjenigen verbunden hat, was von den Eltern gegeben worden ist, und dass er seinen physischen Leib mit dem, was im gewöhnlichen Denken, Fühlen und Wollen sich abspielt, den Elementen der Erde übergibt, und mit demjenigen, was da in ihm lebt im schauenden, im inspirierten Bewusstsein hingeht in eine geistige Welt.
[ 45 ] One is led to such things when thinking seeks a way out of abstractions and into what is real. And then the second stage of knowledge opens up, what I call inspired thinking. This thinking then leads us to a different experience. Not only do we experience the etheric body in human beings, but we also experience that which truly survives birth and death; that which reveals itself as that which was present before conception, which came out of a spiritual world, which will enter a spiritual world when the human being has passed through death. We experience it in our contemplative consciousness. We experience something that is independent of the body. We now experience that there is a consciousness that underlies ordinary consciousness, that can free itself from the body; what was there, what was consciously there in the human being, but which has been erased from his consciousness in ordinary human soul life by his taking on the body. But this will awaken again when he passes through the gate [of death] and presents itself to the soul in mental images, so that one recognizes that the soul really existed before conception, that the soul-spiritual has connected itself with what has been given by the parents, and that he surrenders his physical body with what takes place in ordinary thinking, feeling, and willing to the elements of the earth, and with what lives in him in contemplative, inspired consciousness goes into a spiritual world.
[ 46 ] Hier ist es auch, wo ich einen Punkt hervorheben möchte. Es kann ja nicht alles heute zum Vortrag gebracht werden. Wir sehen, dass der menschliche Lebenslauf zunächst durchdrungen ist vom Ätherischen. Wir sehen aber auch, dass dieser menschliche Lebenslauf wie eine Episode hineingestellt ist in ein großes Gesamtleben. Wir sehen, dass der Mensch mit dem Teil, den die inspirierte Erkenntnis erreicht, in die geistige Welt hineinragt und nach dem Tode wieder hineingeht. Auf die Erfassung des Bewusstseins nach dem Tode kommt es an.
[ 46 ] This is also where I would like to emphasize one point. After all, not everything can be covered in today's lecture. We see that the human life course is initially permeated by the etheric. But we also see that this human life course is inserted like an episode into a greater overall life. We see that human beings, with the part that inspired knowledge reaches, extend into the spiritual world and re-enter it after death. What matters is the grasping of consciousness after death.
[ 47 ] Jetzt können wir auf die konkrete Frage eingehen, welche, uns die Beziehungen dieser geistigen Welt zum gewöhnlichen menschlichen Lebenslauf vor Augen stellt. Sie wissen alle, dass die heutige Naturwissenschaft mit Recht stolz darauf ist, dass sie enthüllt hat, wie der Mensch in sich Eigenschaften trägt, welche mit seinem leiblich-körperlichen Wesen verbunden sind, welche er ererbt hat von seinen Vorfahren.
[ 47 ] Now we can address the specific question that the relationship between this spiritual world and the ordinary human life cycle presents us with. You all know that today's natural science is rightly proud of having revealed how human beings carry within themselves qualities that are connected with their physical nature, which they have inherited from their ancestors.
[ 48 ] Es kann nun sehr leicht sein, es liegt sehr nahe, dass nun derjenige, der da glaubt, fest zu stehen auf dem Boden der Naturwissenschaft — der Geistesforscher steht ebenso auch ganz fest auf dem Boden der Naturwissenschaft, aber man kann ihm einwenden, wenn man nicht das berücksichtigt, was er zu sagen hat, man kann ihm einwenden: Ja, da hat die Naturwissenschaft mit ihrer strengen, sicheren Methode sich abgemüht, zu zeigen, wie es sich mit den Vererbungsverhältnissen eigentlich verhält, und du willst kommen und etwas ganz anderes sagen. Ja, die Wissenschaft hat ja manches geleistet.
[ 48 ] It may now be very easy, it may seem very obvious, that those who believe they stand firmly on the ground of natural science — spiritual researchers also stand firmly on the ground of natural science, but one can object to them, if one does not take into account what they have to say, one can object: Yes, natural science, with its rigorous, reliable methods, has worked hard to show how heredity actually works, and you want to come along and say something completely different. Yes, science has achieved a great deal.
[ 49 ] Heute möchte ich aufmerksam machen auf ein schönes Buch über Goethe, worin gezeigt wird, wie dasjenige, was im Innern Goethes als Eigenschaften aufgetreten ist, wie das vorbereitet war durch seine Vorfahren, durch die Reihe der Vorfahren. Sehr schön wird da dasjenige zusammengetragen, was bei den verschiedenen Vorfahren vorhanden war und sich in der physischen Vererbung auf Goethe übertragen hat. Daraus soll der Schluss gezogen werden, dass derjenige, welcher als ein Genie auftritt, die verschiedenen Eigenschaften summiert zeigt, die sich bei den Vorfahren gezeigt haben. Ist das eine naturwissenschaftliche Denkweise? Im trivialen Vergleich ließe sich sagen, dass ein Mensch in seinem physischen Organismus die Eigenschaften seiner Vorfahren trägt, das er doch physisch in der Entwicklung hindurchgegangen ist durch den Strom dieser Eigenschaften; das ist nicht wunderbarer, als dass ein Mensch nass ist, der durch das Wasser gegangen ist.
[ 49 ] Today I would like to draw your attention to a beautiful book about Goethe, which shows how the qualities that appeared within Goethe were prepared by his ancestors, by a series of ancestors. It beautifully compiles what was present in the various ancestors and was transferred to Goethe through physical inheritance. From this, the conclusion should be drawn that someone who appears as a genius displays a sum of the various characteristics that were evident in their ancestors. Is this a scientific way of thinking? In a trivial comparison, one could say that a person carries the characteristics of their ancestors in their physical organism, that they have physically gone through the stream of these characteristics in their development; this is no more remarkable than the fact that a person who has walked through water is wet.
[ 50 ] Aber wollte man wirklich logisch-real zeigen, dass sich die genialen Eigenschaften auf die Nachkommen vererben, so müsste man es anders machen. Man müsste ein Genie nehmen und zeigen an den Nachkommen, dass sich die genialen Eigenschaften des Genies vererbt haben. Das wird man aber bleiben lassen. Die Nachkommen großer, genialer Männer, sie würden die Sache von der Vererblichkeit der großen Eigenschaften nicht sehr erhärten. Geisteswissenschaft zeigt gerade für das inspirierte Bewusstsein, dass beim Menschen, wenn man auf seine geistig-seelischen Eigenschaften hinsieht, diese geistig-seelischen Anlagen nicht aus den körperlichen Dispositionen herausstammen. Sie dienen nur zur Einkleidung, diese körperlichen Dispositionen. Aber das, was im Zentrum des Menschen sitzt, das zeigt sich als herübergekommen aus seinem geistigen Aufenthalt als Geistseele, bevor er durch die Empfängnis mit der physischen Materie umkleidet worden ist. Und hier kommt die Geisteswissenschaft zu einem Ergebnis, das für viele paradox erscheint. Das ist: Dasjenige, was in uns lebt, das steht im Zusammenhang nicht bloß mit den Eigenschaften unserer Vorfahren, sondern das steht vor allen Dingen im Zusammenhang mit dem, was wir selbst sind in der geistigen Welt, bevor wir mit physischer Materie umkleidet worden sind. Aber wie? Darüber kann man sich nur eine Vorstellung machen, wenn man weiß: Gerade so, wie dieses Geistig-Seelische in meinem Leibe ist, wenn ich dieses oder jenes tue, denn allem Leiblich-Körperlichen liegt das Seelisch-Geistige zugrunde, so liegt allem, was uns als Stoff umgibt, ein Geistiges zugrunde.
[ 50 ] But if one really wanted to show logically and realistically that genius traits are inherited by descendants, one would have to do it differently. One would have to take a genius and show in his descendants that the genius traits of the genius have been inherited. But that will not be done. The descendants of great, genius men would not really confirm the heritability of great qualities. Spiritual Science shows, especially with regard to inspired consciousness, that in humans, when one looks at their spiritual spiritual-soul qualities, these spiritual-soul dispositions do not originate from physical dispositions. These physical dispositions serve only as a garment. But what lies at the center of the human being is revealed to have come over from his spiritual abode as a spirit soul before he was clothed with physical matter through conception. And here Spiritual Science comes to a conclusion that seems paradoxical to many. That is: what lives within us is not only connected with the characteristics of our ancestors, but above all with what we ourselves are in the spiritual world before we were clothed in physical matter. But how? One can only create a mental image of this if one knows that just as this spiritual-soul aspect is in my body when I do this or that, because everything physical is based on the soul-spiritual, so everything that surrounds us as matter is based on the spiritual.
[ 51 ] Und dieses Geistig-Seelische, das zugrunde liegt, ist nicht irgendwo in einem Wolkenkuckucksheim, sondern überall um uns herum, ist immer bei dem PhysischKörperlichen. Und so ist denn eine geistige Wesenheit, in der wir lebten, sagen wir, vor Jahrhunderten, in der wir lebten, bevor wir geboren worden sind, diese geistige Wesenheit ist mit ihren Kräften, mit alledem was sie ist, in Beziehung mit dem, was hier vorgeht. Und wir leben darin. Wir senden selbst mit dem, was aus der geistigen Welt herunterströmt, die Kräfte herunter. Wir haben, sagen wir einen Vorfahren der achten Generation vor unserer Geburt; da sind wir in der geistigen Welt darinnen. In dem, was damals einen Mann und eine Frau zusammengeführt hat, da wirken die geistigen Kräfte, die wir selber heruntersenden aus der geistigen Welt. Das fließt aus unserem eigenen Wesen in unsere Vorfahrenreihe hinein. Und so geht es durch die Generationen hindurch, bevor dasjenige Elternpaar kommt, das uns zum physischen Dasein verhilft. Da fließt dasjenige, was in uns ist, in das, was sich die physische Vererbung macht. Wir haben dann selbst dasjenige mit zubereitet, was uns dann angeboren wird in der physischen Vererbung.
[ 51 ] And this spiritual-soul element that underlies everything is not somewhere in a cloud cuckoo land, but everywhere around us, always with the physical-bodily. And so a spiritual being in which we lived, say, centuries ago, in which we lived before we were born, this spiritual being is connected with its powers, with all that it is, with what is happening here. And we live in it. We ourselves send down the powers with what flows down from the spiritual world. Let's say we have an ancestor from the eighth generation before our birth; we are there in the spiritual world. In what brought a man and a woman together at that time, the spiritual forces that we ourselves send down from the spiritual world are at work. This flows from our own being into our ancestral line. And so it goes through the generations before the parents who help us into physical existence arrive. What is within us flows into what becomes our physical inheritance. We ourselves have then helped to prepare what will be innate in us in our physical heredity.
[ 52 ] So ist im Einklang mit der geistigen Welt zu denken das Physisch-Leibliche, und im Einklang zu denken dieses Physisch-Leibliche mit unserem Geistig-Seelischen. Das ist ein Ergebnis der Geisteswissenschaft. Diejenigen Eigenschaften, die wir aus dem innersten Wesen hervorbringen, die unsere Begabungen, unser Tätigkeitsvermögen, unsere Talente ausmachen, wir bringen sie aus der geistigen Welt mit, und insofern sie in uns vererbt sind, sind wir selber die Ursache. Da sehen wir hinein aus dem Sterblichen des Menschen in das Unsterbliche. Da sehen wir hinein, wie aus der geistigen Welt heraus dasjenige geformt wird, was sich mit dem vergänglichen Leibe umkleidet. Heute kann ich nur von diesem Ergebnis der Geistesforschung sprechen, aber in meinen Schriften werden Sie das Nähere finden können. Sie werden sehen können, wie Schritt für Schritt diese Ergebnisse sich dem Geistesforscher darstellen. Sie werden sehen können, wie das allerdings darauf beruht, dass auf ein erwachtes Bewusstsein hingewiesen werden muss, aber wie dieses Bewusstsein uns bringt dasjenige in der Wirklichkeit, was sich — so wie die Rose sich als rot erweist —, wenn wir sie vor uns haben, als geistige Wirklichkeit erweist, weil wir es vor uns haben. Geisteswissenschaft führt den Menschen — so wie der Mensch vor der Rose von selber weiß, dass die Rose rot ist — an das Wesen, das geistig-seelische Wesen heran. Und haben wir es vor uns, dann stellt es sich als das Unsterbliche des Menschen dar.
[ 52 ] Thus, the physical-bodily must be thought of in harmony with the spiritual world, and this physical-bodily must be thought of in harmony with our spiritual-soul. This is a result of Spiritual Science. The qualities that we bring forth from our innermost being, which constitute our gifts, our capacity for activity, our talents, we bring them with us from the spiritual world, and insofar as they are inherited in us, we ourselves are the cause. Here we see into the immortal from the mortal in human beings. Here we see how that which clothes itself in the transitory body is formed out of the spiritual world. Today I can only speak of this result of spiritual research, but you will find more details in my writings. You will be able to see how, step by step, these results present themselves to the spiritual researcher. You will be able to see how this is based on the fact that an awakened consciousness must be pointed out, but how this consciousness brings us what is real, just as — just as the rose proves to be red — when we have it before us, as spiritual reality, because we have it before us. Spiritual Science leads human beings — just as human beings know of themselves that the rose is red when they stand before it — to the essence, the spiritual-soul essence. And when we have it before us, it presents itself as the immortal part of the human being.
[ 53 ] Und nun, meine sehr verehrten Anwesenden, möchte ich auf ein Drittes hinweisen, womit wir dann gewissermaßen unsere Aufgabe erschöpft haben werden. Die Erkenntnis kann zu einer dritten Stufe sich hinaufringen. Ich habe Ihnen geschildert als die erste Stufe der Erkenntnis die imaginative Erkenntnis. Als die zweite Stufe die inspirierte Erkenntnis, das sich Hineinleben in die Wirklichkeit, wo man sich [versagt die Vorstellung, dass man zweitens lesen wird bei] /Lücke), weil sie unreal sind, trotzdem sie auf logisch-richtigen Grundlagen beruhen. Von diesem inspirierten Denken führt dann die weitere Entwicklung, das weitere Hineinarbeiten in das schauende Bewusstsein dazu, dass man es nicht mit dem Denken wie mit einem Tasten zu tun hat, wo man stößt an die Grenzen; es wird zum Gefühlssinn. Sondern wie die physischen Sinne sich entwickelt haben, wie sich Augen und Ohren entwickelt haben als höhere Stufen derselben, so entwickelt sich aus diesem geistigen Fühlen dasjenige, was ich mit einem Goethe’schen Ausdruck «Geistesaugen», «Geistesohren» nennen möchte.
[ 53 ] And now, my dear audience, I would like to point out a third thing, with which we will then have exhausted our task, so to speak. Knowledge can ascend to a third level. I have described to you imaginative knowledge as the first stage of knowledge. The second stage is inspired knowledge, living into reality, where one [refuses to create a mental image that one will read secondly at] /gap), because they are unreal, even though they are based on logically correct foundations. From this inspired thinking, further development, further working into the contemplative consciousness, leads to the realization that one is not dealing with thinking as with groping, where one encounters limits; it becomes a sense of feeling. But just as the physical senses have developed, just as the eyes and ears have developed as higher stages of the same, so from this spiritual feeling develops that what I would like to call, using Goethe's expression, “spiritual eyes” and “spiritual ears.”
[ 54 ] Die niederen Tiere haben bloß den Tastsinn; dann entwickeln sich die höheren Sinne heraus. So entwickelt sich aus dem geistigen Tasten das geistige Auge, das geistige Ohr. Und man gelangt dann im inneren Erleben zu einem sehr wichtigen Punkte, der allerdings für den Geistesforscher etwas ungeheuer Erschütterndes hat. Man gelangt zu dem Punkte, wo man wirklich im inneren Erleben weiß: das Tiefste in deinem Wesen, dasjenige in deinem Wesen, von dem ein solcher Denker wie Vischer sagt: «es kann nicht außer dem Leibe sein», es ist ganz gewiss innerhalb einer geistig-unendlichen, unsterblichen Welt; da ist es drinnen verankert. Man hat in seinem eigenen Erkenntniswege dann diejenigen inneren Bedingungen herbeigeführt, welche zu einem inneren Erlebnis führen, das man ein inneres Schicksalserlebnis nennen kann.
[ 54 ] Lower animals have only the sense of touch; then the higher senses develop. Thus, from spiritual touch, the spiritual eye and the spiritual ear develop. And then one arrives at a very important point in inner experience, which, however, has something tremendously shocking for the spiritual researcher. One arrives at the point where one really knows in inner experience: the deepest thing in your being, that thing in your being of which a thinker like Vischer says: “it cannot be outside the body,” is most certainly within a spiritually infinite, immortal world; it is anchored there. In one's own path of knowledge, one has then brought about those inner conditions that lead to an inner experience that can be called an inner experience of destiny.
[ 55 ] Eine große Bedeutung hat dieses Schicksalserlebnis, wenn man weiß, wie sich dadurch, dass die Erkenntnis in der Weise, wie ich es geschildert habe, umgewandelt wird, wenn das eingetreten ist, dann, dann weiß man, dass man etwas erlebt hat, was sich nicht vergleichen lässt mit irgendeinem Schicksalserlebnis. Nicht etwa, weil man stumpf geworden wäre gegen die äußeren Schicksalserlebnisse; im Gegenteil, man wird sogar weniger stumpf. Dasjenige, was der Mensch im Schicksalsmäßigen erlebt — indem ihn auf der einen Seite Erlebnisse erfüllen mit Freude, mit Entzücken, mit Kraft, mit Lebenslust, indem auf der anderen Seite diese Erlebnisse ihn in den tiefsten Schmerz hinabdrücken können —, das alles, was das Schicksal bringt, den Menschen erhebend, den Menschen zermalmend, das alles ist etwas, für das man nicht etwa stumpfer wird, sondern, was man empfindender noch miterlebt. Aber dennoch, den größten Schicksalserlebnissen gegenüber bleibt dann, wenn man jene Schicksalsumwandlung, die ich geschildert habe, in der Seele durchgemacht hat, bleibt dieses Schicksalserlebnis des Sich-eins-Wissens mit dem Geiste das größte; es überragt alles andere. Von diesem Augenblicke an ist in Bezug auf das Schicksal dasjenige erwacht, was man nennen kann das intuitive Bewusstsein. Von diesem Augenblicke an weiß man, was Schicksal eigentlich bedeutet. Dann weiß man, man hat ein Schicksalserlebnis im gewöhnlichen Leben durchgemacht, das man selber herbeigeführt hat.
[ 55 ] This experience of destiny is of great significance when one knows how, through the transformation of knowledge in the way I have described, when this has occurred, then one knows that one has experienced something that cannot be compared to any other experience of destiny. Not because one has become numb to external experiences of fate; on the contrary, one becomes even less numb. What a person experiences in terms of fate — on the one hand, experiences fill them with joy, delight, strength, and zest for life, while on the other hand, these experiences can plunge them into the deepest pain — everything that fate brings, uplifting them, crushing them, all of this is something for which they do not become more dull, but rather experience even more sensitively. But nevertheless, when one has undergone the transformation of fate that I have described in one's soul, the greatest experience of fate remains that of knowing oneself to be one with the spirit; it towers above everything else. From that moment on, what can be called intuitive consciousness awakens in relation to fate. From that moment on, one knows what fate actually means. Then one knows that one has undergone an experience of fate in ordinary life that one has brought about oneself.
[ 56 ] Dann gewinnt das früher Gesagte noch eine andere Seite. Nun weiß man, dass der Vergleich mit dem Traume, den Schopenhauer braucht, über die scheinbare Absichtlichkeit der menschlichen Seele sprechend, man weiß, dass dieser Vergleich mit dem Traume nicht so ohne Bedeutung ist. Mit Bezug auf das menschliche Schicksal erleben wir so, dass das eine Erlebnis Freude, das andere Leid bringt; wir erleben dieses Schicksal, indem wir das eine an das andere gereiht fühlen durch den Affekt und so weiter. Aber indem wir zum schauenden Bewusstsein kommen, wird etwas in einem viel tieferen Sinne wahr, als es mancher geahnt hat, der das Leben so ernsthaftig betrachtet wie Knebel, ein Freund Goethes, der einmal sagte: Für denjenigen, der am Lebensabend das menschliche [Lücke], sondern man sieht [Lücke] in diesem Schicksal.
[ 56 ] Then what was said earlier takes on another aspect. Now one knows that the comparison with dreams, which Schopenhauer uses when speaking of the apparent intentionality of the human soul, is not without significance. With regard to human destiny, we experience that one experience brings joy, the other suffering; we experience this destiny by feeling one thing after another through emotion and so on. But as we come to contemplative consciousness, something becomes true in a much deeper sense than many who view life as seriously as Knebel, a friend of Goethe's, who once said: “For those who, in the twilight of their lives, see the human [gap], but rather see [gap] in this fate.”
[ 57 ] So sagt ahnend Knebel, man kann es ihm glauben oder nicht, kann es annehmen oder verwerfen, er sagt: Man sieht, wie diese Ereignisse alle zusammengehören, wie wir gar nicht wir selbst sein könnten, wenn irgendetwas anderes in dieses Leben hineingekommen wäre.
[ 57 ] So Knebel says, presciently, and whether you believe him or not, accept it or reject it, he says: “You see how all these events belong together, how we could not be ourselves if anything else had come into this life.”
[ 58 ] Schopenhauer, der in dieser Weise tiefgründiger war als mancher andere Philosoph, er kommt zu dem Ergebnis: [Lücke]
[ 58 ] Schopenhauer, who was more profound in this way than many other philosophers, comes to the conclusion: [gap]
[ 59 ] Für das schauende Bewusstsein, das das innere Schicksalserlebnis, bei dessen Bereitung man selber dabei ist, durchgemacht hat, für dieses schauende Bewusstsein stellt sich in der Tat das äußere Leben — um das FichteWort zu gebrauchen — gerade mit Bezug auf das Schicksal wie «ein Traum» dar. Wir fassen das schicksalsmäßige Erleben auf, indem wir die einzelnen Ereignisse auf uns wirken lassen, aber wir lassen sie so wirken wie im "Traum. Im Traume hören wir «Oh!», «Feuerio!», wir wachen auf und draußen fährt die Feuerwehr herbei. Daran knüpft sich an ein dramatischer Vorgang im Traum. Die äußere Veranlassung werden wir gewahr, wenn wir erwachen. Es wird von außen Aufklärendes hineingeworfen in das, was wir innerlich erleben.
[ 59 ] For the observing consciousness that has undergone the inner experience of fate, in the preparation of which one is oneself present, for this observing consciousness, external life indeed appears — to use Fichte's word — appears to be “a dream” in relation to fate. We comprehend the experience of fate by allowing the individual events to affect us, but we allow them to affect us as in a “dream.” In a dream, we hear “Oh!”, “Fire!” We wake up and see the fire department rushing to the scene. This is linked to a dramatic event in the dream. We become aware of the external cause when we wake up. Something illuminating from the outside is thrown into what we experience internally.
[ 60 ] So ist es aber auch, wenn das schauende Bewusstsein aufblickt zu dem, was aus der geistigen Welt heraus unser Schicksal durchdringt. Da ist es so, dass dasjenige, was [Lücke], wohl aber durch das, was mit Hilfe der geistigen Welt in die physische Welt hineinwirkt, zusammengeordnet erscheint. Da finden wir aus der geistigen Welt heraus die Ursachen für dasjenige, was in der physischen Welt geschieht. Da lernen wir zurückblicken in der dritten Art der Erkenntnis, der Intuition, jetzt nicht nur in das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, sondern wir lernen zurückblicken auf die wiederholten Erdenleben. Wir sehen, wie wir selber in früheren Erdenleben die Grundlagen gelegt haben für das, was im jetzigen Leben geschieht. Wir sehen ausgehen vom jetzigen Erdenleben die Ursachen zu den späteren Erdenleben. Das ganze menschliche Leben verfließt uns in aufeinanderfolgenden Zuständen, in denen wir vom Leibe umkleidet sind zwischen Geburt und Tod, leibfrei sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Wir blicken hin auf das ganze menschliche Leben.
[ 60 ] But this is also the case when the observing consciousness looks up to what permeates our destiny from the spiritual world. There, what [gap] appears to be coordinated with what works into the physical world with the help of the spiritual world. There we find the causes of what happens in the physical world in the spiritual world. There we learn to look back in the third kind of knowledge, intuition, not only into the life between death and a new birth, but we learn to look back on repeated earthly lives. We see how we ourselves laid the foundations in earlier earthly lives for what is happening in our present life. We see the causes of later earthly lives emanating from our present earthly life. The whole of human life flows into successive states in which we are clothed in the body between birth and death, and are without a body between death and a new birth. We look at the whole of human life.
[ 61 ] Was ich soeben ausgesprochen habe, es ist etwas, was innerhalb des deutschen Geisteslebens schon Lessing kannte. In seiner «Erziehung des Menschengeschlechts» sehen wir das zum ersten Male ausgesprochen aus guten denkerischen Gründen heraus.
[ 61 ] What I have just said is something that Lessing already knew within German spiritual life. In his “Education of the Human Race,” we see this expressed for the first time for good reasons of thought.
[ 62 ] Es ist notwendig, dass wir da einen Einblick gewinnen. Wie der Traum geordnet wird indem wir erwachen, wie im Traume nicht sich der Traum aufklärt, sondern erst im Wachbewusstsein die Aufklärung gefunden wird für den Traum, so wird für das Schicksalsmäßige Aufklärung gefunden aus dem schauenden Bewusstsein, das in die geistige Welt hineindringen kann.
[ 62 ] It is necessary that we gain insight into this. Just as dreams are ordered when we wake up, just as dreams are not explained in dreams, but only in waking consciousness is the explanation for dreams found, so too is the explanation for fate found in the contemplative consciousness that can penetrate the spiritual world.
[ 63 ] Ich will nur darauf hinweisen, weil es ja eine gehässige Gegnerschaft gibt, die mit törichten Einwänden kommt, zum Beispiel, wenn gesagt wird: Also wird in einer solchen Anschauung von den wiederholten Erdenleben alles, was im Leben hier passiert, wie verdient aus früheren Erdenleben geschildert.
[ 63 ] I just want to point this out because there is a spiteful opposition that comes up with foolish objections, for example, when it is said: So, in such a view of repeated earthly lives, everything that happens in life here is described as deserved from previous earthly lives.
[ 64 ] Als ob das, was uns als Unglück trifft, auch noch als Schuld gefühlt werden muss. Das ist ein törichter Einwand und kann nur entstehen durch Verwechslung mit dieser oder jener Mystik oder Theosophie; und zwar aus dem Grunde, weil all diese Begriffe von Schuld oder Verdienst der physischen Welt nur angehören, dem gewöhnlichen Wachbewusstsein. Sie führen in andere Begriffe hinein, wo das Leben in einem höheren Sinn seinen Sinn bekommt, wenn man aufsteigt vom gewöhnlichen Bewusstsein zum schauenden Bewusstsein.
[ 64 ] As if what befalls us as misfortune must also be felt as guilt. This is a foolish objection and can only arise from confusion with this or that mysticism or theosophy; and that is because all these concepts of guilt or merit belong only to the physical world, to ordinary waking consciousness. They lead into other concepts, where life takes on meaning in a higher sense when one ascends from ordinary consciousness to contemplative consciousness.
[ 65 ] Und Unfug wäre es, wenn man diejenigen Begriffe von Schuld und Sühne, die für das gewöhnliche Leben gelten, einfach anwenden würde auf das, was im Schicksal sich auslebt. Aber einen höheren, einen geistigen Sinn zeigt uns diese Geisteswissenschaft für den Menschen, indem sie in der Tat ihn hineinstellt mit dem übersinnlichen Teil seines Wesens, mit seinem Schicksal, das er wie traumhaft erlebt, indem sie ihn hineinstellt in eine geistige Welt, und dem ganzen Wesen einen höheren Sinn gibt. Man sollte lieber denken in einer Zeit, wie die jetzige ist: Wie geschieht dasjenige, was mir geschieht? Wie gibt das meinem Leben in seinem ganzen Zusammenhang einen Sinn? Man sollte denken, obwohl das durchaus nicht im gewöhnlichen Sinne angewendet werden soll auf das, was um uns herum geschieht: Ein höherer Sinn liegt in diesem Leben. Und gerade wenn so Schweres, so Furchtbares erlebt wird, wie in der Gegenwart in unserer schicksaltragenden Zeit erlebt wird, da sollte der Gedanke die Seele durchdringen können, dass dieses Leben, in dem der Mensch mit seinem übersinnlichen Wesen sich in der geistigen Welt weiß, einen höherem Sinn hat; dass dasjenige, was als Unglück in das Leben vieler Menschen eingreift, nicht zu suchen ist allein in der Vergangenheit, sondern dass es betrachtet werden sollte als der Ausgangspunkt für kommende Erdenleben.
[ 65 ] And it would be nonsense to simply apply the concepts of guilt and atonement that apply to ordinary life to what is lived out in destiny. But the Spiritual Science shows us a higher, spiritual meaning for human beings by placing them, with the supersensible part of their being, with his destiny, which he experiences as if in a dream, by placing him in a spiritual world and giving his whole being a higher meaning. In times such as these, it is better to think: How does what is happening to me come about? How does this give meaning to my life in its entirety? One should think, although this should by no means be applied in the ordinary sense to what is happening around us: A higher meaning lies in this life. And especially when such difficult, such terrible things are experienced, as are being experienced in our present fateful time, the thought should be able to penetrate the soul that this life, in which human beings with their supersensible nature know themselves to be in the spiritual world, has a higher meaning; that what intervenes in the lives of many people as misfortune is not to be sought solely in the past, but should be regarded as the starting point for future earthly lives.
[ 66 ] So wie wir hinweisen können auf vergangene Erdenleben, so können wir auch hinweisen auf zukünftige Erdenleben, und auf die Zeiten, die wir in der geistigen Welt durchmachen. Das Unglück, das schwere Schicksal, das uns niederschmettert, das aus einer schicksaltragenden Zeit selbst erfließt, es gibt auch dem unsterblichen Teil des Menschen Kräfte, dass er später höhere Aufgaben wird vollziehen können, als wenn er vom Unglück nicht getroffen worden wäre. Das ist nicht eine Rechtfertigung des Unglücks, das wäre eine Torheit, sondern es ist ein Hinweis darauf, wie auch das, was Unglück ist, einen wirklichen Sinn bekommen kann. Selbstverständlich, so wie jetzt Krankheiten geheilt werden müssen, und man nicht den törichten Einwand machen darf: Vielleicht erleben wir etwas, was nur durch die Krankheit erlebt werden kann, deshalb wollen wir sie nicht heilen, so wäre der Einwand töricht: «Also muss das Schicksal, das ein Unglück ist, als begründet hingestellt werden.» Aber, wenn es da ist, kann es nur in seinem Sinn erfasst werden, wenn aufzusteigen vermag der Mensch durch das schauende Bewusstsein in die geistige Welt. Und so glaube ich, dass diese, unsere schwere Zeit zwar nicht etwa allein begründen kann das Interesse, die Aufmerksamkeit der Menschen für das unsterbliche Teil des Menschen, für die Schicksalsfrage, das Eingreifen von Unsterblichkeit und Schicksal in den menschlichen Lebenslauf. Denn das müssen Rätselfragen sein, die durch alle Zeiten als Rätselfragen vor der menschlichen Seele stehen, /große Lücke] Schicksalsfrage, Licht in manche Seele hineinschickt, Licht, an das auch der Wissenschaftler der Gegenwart glauben kann. Deshalb wird unsere Zeit vielleicht geeignet sein, weil sie solches Licht braucht, anzufachen ein Interesse für die Geisteswissenschaft, die das geistige Teil des Menschen ebenso wissenschaftlich erfassen will, wie das vergängliche Teil des Menschen selber erfasst wird durch die Naturwissenschaft.
[ 66 ] Just as we can point to past earthly lives, we can also point to future earthly lives and to the times we go through in the spiritual world. The misfortune, the heavy fate that overwhelms us, which flows from a fateful time itself, also gives the immortal part of the human being powers that will enable it to perform higher tasks later than if it had not been struck by misfortune. This is not a justification of misfortune, that would be foolish, but it is an indication of how even misfortune can have a real meaning. Of course, just as illnesses must now be cured, and one must not make the foolish objection: Perhaps we are experiencing something that can only be experienced through illness, so we do not want to cure it, for the objection would be foolish: " So fate, which is misfortune, must be presented as justified." But when it is there, it can only be understood in its meaning if man is able to ascend into the spiritual world through contemplative consciousness. And so I believe that these our difficult times cannot alone justify people's interest and attention in the immortal part of the human being, in the question of fate, in the intervention of immortality and fate in the course of human life. For these must be enigmatic questions that stand before the human soul as enigmatic questions throughout all ages, /large gap] question of destiny, sends light into many a soul, light in which even the scientists of the present day can believe. That is why our time may be suitable, because it needs such light, to kindle an interest in Spiritual Science, which seeks to grasp the spiritual part of the human being just as scientifically as the transitory part of the human being itself is grasped by natural science.
[ 67 ] Zum Schlusse möchte ich, nicht aus irgendeinem persönlichen Gefühl, nicht aus dem heraus, was man nennen kann, in der Empfindung nur begründet oder im Herzen begründet, sondern aus dem heraus, was sich wirklich aus einem jahrzehntelangen Drinnen-Stehen und Ringen in der Geisteswissenschaft mir ergeben hat, das Folgende sagen: Wenn ich durchblicke das menschliche geistige Erleben, durchblicke, wie es sich ergeben hat hinauf bis ins neunzehnte Jahrhundert, und durch dieses hindurch den Blick richte auf die tiefsten, bedeutsamsten Quellen gerade des deutschen Geisteslebens, wie gesagt, nicht aus Gefühlen heraus, nicht etwa aus Chauvinismus heraus, sondern aus demjenigen, was aus einer richtigen Erkenntnis heraus sich ergibt, möchte ich sagen: Die Quellen des deutschen Geisteslebens, sie enthalten dasjenige, aus dem wirklich in gerader Fortsetzung dasjenige gewonnen werden kann, in geistigster Weise, in intimster Weise gewonnen werden kann, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist. Und ich darf dieses deshalb jetzt sagen, weil es wirklich nicht eine Überzeugung von heute ist.
[ 67 ] In conclusion, I would like to say, not out of any personal feeling, not out of what what one might call a feeling based solely on emotion or on the heart, but out of what has really emerged for me from decades of standing within and wrestling with Spiritual Science, I would like to say the following: When I look through human spiritual experience, look through how it has developed up to the nineteenth century, and through this direct my gaze to the deepest, most significant sources of German spiritual life, as I said, not out of feelings, not out of chauvinism, but out of what results from a correct understanding, I would like to say: The sources of German spiritual life contain that from which, in a truly direct continuation, that which is meant here as Spiritual Science can be gained in the most spiritual way, in the most intimate way. And I can say this now because it is really not a conviction of today.
[ 68 ] Damals, vor 36 Jahren, als ich die ersten Keime zu dem gelegt habe, was ich dann in den weiteren Jahrzehnten auszubauen versuchte, und wovon ich ein geringes Teil heute zur Darstellung bringen wollte, damals schrieb ich einen der allerersten Aufsätze. In diesem Aufsatz, den ich als ein junger Dachs schrieb, schrieb ich, es sei notwendig, dass das deutsche Geistesleben, nachdem es so lange vom fremdländischen Geistesleben sich beeinflussen ließ, was ganz gut ist an seinem Ort, was an seinem Ort durchaus nicht herabgesetzt werden soll in chauvinistischer Weise, aber dadurch, dass sich das deutsche Geistesleben viel zu stark hat beeinflussen lassen, hat es sich manchem entfremdet, was in den guten Quellen seiner Eigenheit liegt. Und in der ersten Unreifheit jenes Aufsatzes schrieb ich /Lücke] zum Beispiel auch den Darwinismus, der als eine materialistische Form desjenigen betrachtet werden muss, was schon in geistiger Weise von Goethe vorhanden war. Man hatte ein Recht, diesen Darwinismus aufzunehmen; aber deutsches Geistesleben ist vor allen Dingen dazu berufen, dasjenige, was da in einer materialistischen Form in unsere Welt hereintritt, zu durchdringen mit echter Geistigkeit, die einzelnen Erkenntnisse der äußeren Welt zu durchdringen mit der Geistigkeit, die aus den Quellen des deutschen Geisteslebens gewonnen werden können. Dass dadurch der reale Beweis in der Weltenentwicklung geführt werden kann, dass es ein gutes Teil ist zur allgemeinen Menschheitsentwicklung, was gerade deutscher Geist zu der allgemeinen Menschheitsentwicklung beizutragen hat.
[ 68 ] Back then, 36 years ago, when I sowed the first seeds of what I then tried to develop over the following decades, and of which I wanted to present a small part today, I wrote one of my very first essays. In this essay, which I wrote as a young badger, I wrote that it was necessary for German intellectual life, after having been influenced for so long by foreign intellectual life, which is quite good in its own right and should not be disparaged in a chauvinistic manner, but because German intellectual life had allowed itself to be influenced far too strongly, it had become alienated from many of the good sources of its own uniqueness. And in the initial immaturity of that essay, I wrote, for example, about Darwinism, which must be regarded as a materialistic form of what was already present in a spiritual way in Goethe. One had a right to take up this Darwinism; but German intellectual life is called upon above all to permeate what enters our world in a materialistic form with genuine spirituality, to permeate the individual insights of the outer world with the spirituality that can be gained from the sources of German intellectual life. That this can provide real proof in the development of the world that what the German spirit has to contribute to the general development of humanity is a good part of that development.
[ 69 ] Und so wurde ich auch zu dem geführt, was ich im vorigen Jahr hier ausführen durfte. Ich wurde dazu geführt, zu sehen, wie bei bedeutenden deutschen Männern, bei Troxler, bei Immanuel Fichte, dem Sohne des großen Philosophen Fichte, wie bei ihnen auftritt die Idee, es müsse aus der bloßen Betrachtung des Sinnlich-Physischen aufgestiegen werden zu einer geistgemäßen Anschauungsweise, das Wort ist von Goethe geprägt. Troxler wie Fichte, sie sagen beide: «Das, was wahre Anthropologie ist, muss aufsteigen zur Erkenntnis der geistigen Wirklichkeit, muss werden Anthroposophie.» Nicht indem nur, wie in anderen nationalen Gesellschaften der Name Anthroposophie auftaucht, sondern indem aus dem innersten Mark und Nerv gestrebt wird, taucht bei hervorragenden, in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts lebenden Geistern der Name Anthroposophie auf. Und nichts anderes als eine Fortsetzung und eine in die geistige Welt hineingehende Erhebung dieses deutschen Geisteslebens ist das, was hier gemeint ist unter der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft. Daher war es mir eine besondere Befriedigung, als ich fand bei Eduard von Hartmann, wie er sogar in Bezug auf die Physik sagt: «Es steht zu hoffen, dass, indem die moderne Physik sich von dem abstrakten und agnostischen Naturwissen frei machen wird, die Universitätsphilosophie sich von ihnen abwenden wird, der deutsche Zeitgeist dazu kommen werde, die Anglomanie aus sich auszumerzen.»
[ 69 ] And so I was also led to what I was able to present here last year. I was led to see how, in the case of important German men, such as Troxler and Immanuel Fichte, the son of the great philosopher Fichte, the idea arises that one must ascend from the mere observation of the sensory-physical to a spiritual way of seeing, a term coined by Goethe. Troxler and Fichte both say: "That true anthropology must rise to the recognition of spiritual reality, must become anthroposophy." Not merely by the name anthroposophy appearing in other national societies, but by striving from the innermost core and nerve, the name anthroposophy appears among outstanding minds living in the first half of the nineteenth century. And nothing other than a continuation and an elevation of this German spiritual life into the spiritual world. That is what is meant here by anthroposophically oriented Spiritual Science. Therefore, it was a particular satisfaction for me when I found Eduard von Hartmann saying, even in relation to physics: "It is to be hoped that as modern physics frees itself from abstract and agnostic knowledge of nature, university philosophy will turn away from it, and the German spirit of the age will come to eradicate Anglomania from itself."
[ 70 ] Damit ist nicht gemeint, dass gegen das Englische Front gemacht werden soll in chauvinistischer Weise, sondern dass der deutsche Geist sein Eigenes ergreifen soll, dass man die Anglomanie auszuscheiden hat, die man selbst in die Physik hineingebracht hat.
[ 70 ] This does not mean that a chauvinistic front should be formed against the English, but that the German spirit should embrace its own, that the Anglomania that has been brought into physics itself must be eliminated.
[ 71 ] Die gegenwärtige Zeit, diese schicksaltragende Zeit, sie ist so recht geeignet, gerade den deutschen Geist, der jetzt von allen Seiten nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Worten und Gedanken, mit Hass und hassenden Gefühlen, in solch unglaublicher Weise angegriffen wird, diesen deutschen Geist zur Besinnung zu bringen über seine eigenen, tiefsten, bedeutsamsten Erlebnisquellen. Das sage ich nicht deshalb, dass man mit der Einseitigkeit anthroposophischer Welterkenntnis nun alle Welt umformen könnte, und dass der deutsche Geist bestünde geradezu darin, immer nach dem Geiste zu streben nur. Nein, das nicht. Sondern, das was ich meine ist etwas anderes. Was ich meine ist dieses, dass, wo solches wächst, wie auf dem Boden Troxlers und Immanuel Fichtes, dasjenige, was als Anthroposophie sich geltend machte dazumal, wo solches gefunden werden kann, um als [Lücke] und Ausbau aufgenommen zu werden, da lebt in den Tiefen der Volkheit tieferes, umfassenderes gewaltigeres Leben; da lebt solches Leben, von dem man sagen muss, nicht wie so gerne andere Nationen es machen, dass sie sich zu Führern der Gesamtheit hinstellen wollen, das niemals, von dem man aber sagen kann, dass der deutsche Geist weiß, wie viel er aus den Wurzeln seines Wesens heraus zu der Weltentwicklung hinzuzubringen haben wird, und dass, wenn er es nicht bringt, [Lücke]. Darum lassen Sie mich es aussprechen: Fichte schloss in schwerer Zeit seine «Reden an die deutsche Nation» damit, dass er den Deutschen zurief: Wenn der Deutsche nicht dasjenige leistet, was nur aus deutschem Wesen geleistet werden kann, so geht etwas zugrunde, was der ganzen Welt und aller Menschheit verloren wäre.
[ 71 ] The present time, this fateful time, is so well suited to bringing the German spirit, which is now being attacked from all sides not only with weapons but also with words and thoughts, with hatred and hateful feelings, in such an incredible way, to bring this German spirit to reflect on its own deepest, most significant sources of experience. I am not saying this because the one-sidedness of anthroposophical world knowledge could now transform the whole world, and that the German spirit consists precisely in always striving only for the spirit. No, that is not what I mean. What I mean is something else. What I mean is this: where such things grow, as on the soil of Troxler and Immanuel Fichte, where what asserted itself as anthroposophy at that time can be found, in order to be taken up as [gap] and development, there lives in the depths of the people a deeper, more comprehensive, more powerful life; there lives such a life that one must say, not as other nations so often do, that they want to set themselves up as leaders of the whole, never, but that one can say that the German spirit knows how much it has to contribute to world development from the roots of its being, and that if it does not contribute it, [gap]. Therefore, let me say it plainly: in difficult times, Fichte concluded his “Addresses to the German Nation” by calling out to the Germans: if the Germans do not achieve what only the German essence can achieve, then something will be lost that would be a loss to the whole world and all of humanity.
[ 72 ] Das kann nach dem, was durch andere erflossen ist im deutschen Wesen in der Folgezeit, worauf wir demütig blicken, indem wir es weiter fortsetzen wollen, das kann auch heute gesagt werden. Deshalb darf gerade eine geisteswissenschaftliche Betrachtung in dieser unserer schicksaltragenden Zeit wohl auch damit beschlossen werden, dass in einer Weise, wie das Fichte-Wort lautet, etwas verändert gesagt werde, in einer Weise, die hindeutet auf des deutschen Volkes tiefstes Wesen: Wenn dasjenige erreicht würde, was eine Welt von Feinden ringsherum mit diesem deutschen Wesen vorhat, dann würde nicht nur für das deutsche Wesen selbst etwas ausgelöscht werden, was für dieses Wesen unwiederbringlich wäre, sondern es würde etwas ausgelöscht werden durch die Taten der Feinde, was für die ganze Weltentwicklung, was auch für diese Feinde selbst also, unwiederbringlich verloren wäre.
[ 72 ] This can also be said today, in light of what has flowed from others in the German spirit in the subsequent period, which we look upon with humility as we seek to continue it. can also be said today. Therefore, especially in these fateful times, a consideration of Spiritual Science may well be concluded with a variation on Fichte's words, in a way that points to the deepest essence of the German people: If what what a world of enemies around us intends to do with this German essence, then not only would something be destroyed for the German essence itself that would be irretrievable for this essence, but something would be destroyed by the actions of the enemies that would be irretrievably lost for the entire development of the world, and thus also for these enemies themselves.
[ 73 ] Ich glaube, jeder Blick, der in die Tiefen der Entwicklung des neuzeitlichen Geisteslebens blickt, hineinsieht, aber auch jeder Blick, der hinsieht auf dasjenige, was als Grundlage für die geistige Erforschung der Welt als geistige Wissenschaft in den Quellen der deutschen Volkheit liegt, jeder Blick muss darüber belehren:
[ 73 ] I believe that every glance that looks into the depths of the development of modern spiritual life, but also every glance that looks at what lies at the foundation of the spiritual exploration of the world as spiritual science in the sources of the German people, every glance must teach us this:
[ 74 ] Nein, wie auch das Schicksalswesen dräuen mag, wie auch die Feinde dieses deutsche Wesen verurteilen mögen in unserer Zeit, dieses deutsche Wesen hat noch nicht vertan. Es hat seine Aufgabe in der Weltentwicklung noch nicht erfüllt. Es darf nicht in Erfüllung gehen, was die Feinde wollen. Es muss das deutsche Wesen herausgestalten dasjenige, was seine Wurzeln hat in wahrer Geisterkenntnis, für alle Entwicklung der Menschheit auf der Erde. So darf uns auch aus den Empfindungen, die aus Geisteswissenschaft kommen können, ein Gefühl werden, welches uns durchdringen muss mit Lebens- und Arbeitskraft in dieser unserer schicksaltragenden Zeit.
[ 74 ] No, however threatening fate may be, however much the enemies of this German essence may condemn it in our time, this German essence has not yet been lost. It has not yet fulfilled its task in world development. What the enemies want must not come to pass. The German essence must shape that which has its roots in true spiritual knowledge, for all the development of humanity on earth. Thus, from the feelings that can come from Spiritual Science, we may also develop a feeling that must permeate us with vitality and energy in this fateful time of ours.
