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The Rudolf Steiner Archive

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Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a

13 June 1917, Hanover

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Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und Menschlicher Lebenslauf. Geisteswissenschaftliche Ergebnisse und Deren Betrachtung im Hinblick auf Unsere Schicksaltragende Zeit

Immortality of the Soul, Forces of Destiny, and the Human Life Course. Findings of Spiritual Science and their Consideration in Relation to our Fateful Times

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Über die bedeutungsvollen, in das Menschenleben so tief einschneidenden Fragen, welche den Gegenstand der heutigen Betrachtung bilden sollen, ist es gegenwärtig schwierig zu sprechen, wenn bei solchem Sprechen der Anspruch gemacht wird, dass das Sprechen auf festem wissenschaftlichem Boden ruhe. Denn Betrachtungen über Seelenunsterblichkeit, Betrachtungen über die menschlichen Schicksalsfragen sind eigentlich in den letzten Jahrzehnten, man kann sagen, seit den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts ganz und gar aus den Schriften, aus den Büchern über wissenschaftliche Seelenkunde verschwunden. Und man merkt den Betrachtungen, die gerade von wissenschaftlicher Seite her über Seelenkunde getrieben werden, an, wie solche Fragen heute so genommen werden, als ob sie durchaus die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Betrachtung übersteigen würden. Dass dies nicht der Fall ist, das soll gerade den Gegenstand der heutigen Abendberrachtung bilden.

[ 1 ] My dear friends! It is difficult at present to speak about the significant questions that have such a profound impact on human life and which are to be the subject of today's consideration, if such speech is to be based on solid scientific ground. For considerations about the immortality of the soul, reflections on questions of human destiny have actually disappeared completely from writings and books on scientific psychology in recent decades, one might say since the 1960s. And one can see from the reflections on psychology that are currently being pursued from a scientific perspective how such questions are taken today as if they were completely beyond the scope of scientific consideration. That this is not the case is precisely the subject of this evening's reflection.

[ 2 ] Ich darf ja seit Jahren hier in Hannover über Gegenstände der geisteswissenschaftlichen Forschung sprechen. Und diejenigen, die öfter hier die Vorträge gehört haben, sie werden wissen, dass ich nicht gerne aus der objektiven Betrachtung herausfalle und auf Persönliches komme. Heute Abend aber bitte ich mir zu gestatten, von einer persönlichen Bemerkung auszugehen, die aber nur scheinbar persönlich ist, welche, wie ich glaube, mit der ganzen Anlage der Auseinandersetzungen objektiv zusammenhängt, die wir heute hier pflegen wollen.

[ 2 ] For years now, I have been allowed to speak here in Hanover on subjects related to Spiritual Science research. And those who have heard the lectures here more often will know that I do not like to stray from objective observation and get personal. Tonight, however, I ask you to allow me to start with a personal remark, which is only seemingly personal, which, I believe, is objectively related to the whole structure of the discussions we want to have here today.

[ 3 ] Als ich vor nunmehr 35 bis 36 Jahren die ersten Bausteine zusammentrug zu jener wissenschaftlichen Seelenkunde, die hier gemeint ist, da war die Zeit, in welcher ungeheures Aufsehen machte jene Rede, die dann im Druck erschienen ist, welche der berühmte Naturforscher du Bois-Reymond auf einer Naturforscherversammlung in den Siebzigerjahren gehalten hat. In dieser Rede — heute haben wir ja eine schnelllebige Zeit, die Rede machte dazumal Aufsehen, heute kümmert sich kaum jemand um diese Dinge —, in dieser Rede machte dazumal du Bois-Reymond geltend, dass, wie auch die Forschungen weiterschreiten mögen, die so aussichtsvolle, so tief einschneidende Naturforschung der neueren Zeit weiterschreiten möge; über zwei Fragen, zwei Rätselfragen des Daseins werde die Naturwissenschaft und überhaupt alle wissenschaftliche Betrachtung niemals hinauskommen. Und als solche zwei Rätselfragen bezeichnete du Bois-Reymond dazumal die Fragen nach dem Wesen des Stoffes, der Materie. «Niemals», meint er, «werde man wissen können, was da im Raume draußen spukt, was wir Materie oder Stoff nennen.» Und ebenso, meint er, werde man niemals wissen können, wie aus demjenigen, was da im menschlichen Organismus sich bewegt, was da drinnen materielle Vorgänge vollführt, wie daraus entstehe die einfachste Empfindung, die einfachste Bewusstseinstatsache. Für uns soll heute Abend nur wichtig sein, dass der große Naturforscher dazumal sein Denken gedrängt fand, von zwei Stellen zu sagen: Man kann nicht weiter mit dem Forschen, mit der Wissenschaft. Dann ließ du Bois Reymond eine andere Auseinandersetzung folgen, in welcher er sieben solcher Fragen aufzählte in der Schrift «Die sieben Welträtsel».

[ 3 ] When, 35 to 36 years ago, I gathered the first building blocks for the scientific psychology of the soul referred to here, it was the time when the speech given by the famous naturalist du Bois-Reymond at a naturalists' conference in the 1870s, which was later published in print, caused a tremendous stir. In this speech—today we live in fast-paced times, caused a sensation at the time, but today hardly anyone cares about these things — in this speech, du Bois-Reymond argued that, no matter how far research may progress, no matter how promising and profound the natural science of recent times may be, there are two questions, two enigmas of existence that natural science and all scientific observation will never be able to resolve. And du Bois-Reymond identified these two enigmas as the questions of the nature of substance, of matter. “Never,” he said, “will we be able to know what is out there in space, what we call matter or substance.” And likewise, he said, we will never be able to know how, from that which moves within the human organism, from that which performs material processes within it, the simplest sensation, the simplest fact of consciousness, arises. For us tonight, it is only important that the great natural scientist of that time found his thinking compelled to say in two places: One cannot continue with research, with science. Then du Bois Reymond followed up with another discussion in which he listed seven such questions in his work “The Seven World Riddles.”

[ 4 ] Nun könnte man die Zahl solcher Rätselfragen, an denen sozusagen der menschliche Verstand, das menschliche Forschen sich abrackert, zu Hunderten vermehren. Nicht auf die Besprechung solcher Rätselfragen kommt es mir heute an, sondern darauf, dass man in der Tat, wenn man ringt nach Erkenntnis, nach dem Sinn der Rätselfragen, die uns durch das Leben selber aufgegeben sind, dass man sich gestellt sieht an solche Grenzfragen des Daseins. Und, wie gesagt, in jener damaligen Zeit, in der ich versuchte, die ersten Bausteine zu jener Weltauffassung zu legen, von der ich heute sprechen will, da fiel das hinein in meinen Gesichtskreis noch ganz besonders auffällig, denn von einer ganz anderen Seite her, schien es mir, müsse man sich solchen Rätselfragen nähern.

[ 4 ] Now, one could multiply the number of such riddle questions, which the human mind and human research are struggling with, so to speak, . My concern today is not to discuss such riddles, but rather to point out that when we struggle for knowledge, for the meaning of the riddles that life itself presents us with, we are indeed confronted with such fundamental questions of existence. And, as I said, at that time, when I was trying to lay the first building blocks for the worldview I want to talk about today, this fell into my field of vision in a particularly striking way, because it seemed to me that such enigmatic questions had to be approached from a completely different angle.

[ 5 ] Ich schrieb dazumal eine Abhandlung über den irrtümlichen Weg, den du Bois-Reymond eingeschlagen hat gegenüber solchen Rätselfragen. Selbstverständlich wurde dasjenige, was dazumal gut gemeint war, von allen Seiten zurückgewiesen.

[ 5 ] At that time, I wrote a treatise on the erroneous path that du Bois-Reymond had taken with regard to such enigmatic questions. Of course, what was well-intentioned at the time was rejected by all sides.

[ 6 ] Einiges Glück hatte nur bei einigen zeitgenössischen Philosophen dasjenige, was ich auseinanderzusetzen hatte. Und in außerordentlich freundlicher Weise kam mir entgegen der große Ästhetiker und Philosoph, der selbst versuchte in einer tiefgründigen Weise in die Rätselfragen des Daseins einzudringen, nach den Möglichkeiten der damaligen Zeit, Friedrich Theodor Vischer, den man den «V-Vischer» nennt.

[ 6 ] Only a few contemporary philosophers were receptive to what I had to say. And I was met with extraordinary kindness by the great aesthetician and philosopher Friedrich Theodor Vischer, who himself attempted to penetrate the enigmatic questions of existence in a profound way, according to the possibilities of the time, and who is known as “V-Vischer.”

[ 7 ] Die Art, wie sich in unserer Zeit Menschen verhalten, wenn sie an solche Rätselfragen herankommen, die ist so, dass sie sagen: Nun ja, da sind wir an einer Grenze des menschlichen Erkennens angekommen; darüber kann eben das menschliche Erkennen nicht hinaus. Da muss man stehen bleiben. Da muss man einfach anerkennen, dass die Wissenschaft ihren Gesichtskreis für abgeschlossen erklären muss.

[ 7 ] The way people behave in our time when they encounter such enigmatic questions is to say: Well, we have reached the limits of human knowledge; human knowledge cannot go beyond that. We must stop there. We must simply acknowledge that science must declare its field of vision to be complete."

[ 8 ] Mit einer solchen Denkweise, meine sehr verehrten Anwesenden, wird man aber niemals imstande sein, auch nur irgendetwas Bedeutungsvolles, der menschlichen Seele Genügendes, über die großen, die größten Rätselfragen des Daseins zu sagen, wissenschaftlich auszumachen. Man muss in einer ganz anderen Weise, in einer ganz anderen Art, als das in der Gegenwart in weitesten Kreisen geschieht, an solche Fragen herantreten; man muss sie nicht theoretisch einseitig, philosophisch abstrakt fassen, sondern man muss sie in lebendigem innerem Ringen erfassen.

[ 8 ] With such a way of thinking, ladies and gentlemen, one will never be able to say anything meaningful, anything that satisfies the human soul, about the great, the greatest riddles of existence, scientifically. One must approach such questions in a completely different way, in a completely different manner than is currently done in most circles; one must not grasp them theoretically in a one-sided, philosophically abstract way, but rather in a lively inner struggle.

[ 9 ] Ich habe nun versucht, diejenigen Fragen, die insbesondere den Gegenstand unserer heutigen Betrachtungen bilden sollen, die Unsterblichkeitsfrage und die Schicksalsfrage, gerade in meinem letzten Buche «Vom Menschenrätsel» in der Weise zu stellen, wie sie eigentlich gestellt werden muss, wenn man irgendwie sich ihnen fruchtbringend nähern will.

[ 9 ] I have now attempted to pose the questions that are to be the subject of our present considerations, namely the question of immortality and the question of destiny, in my latest book, The Riddle of Man, in the way they must actually be posed if one wants to approach them in a fruitful way.

[ 10 ] Müssen wir uns denn nicht sagen: Wenn auch jemand noch so einleuchtend beweisen würde, dass von dem menschlichen Seelenleben dann, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, wenn er seinen Leib den irdischen Elementen übergibt, irgendetwas übrig bleibt, etwas weiterlebt, dass er dann schon Genüge getan hätte demjenigen, was [er] aus menschlichem Erkenntnisbedürfnis eigentlich zu fragen hat? Nein. Wenn man die Frage so beantwortet, wie Eduard von Hartmann sie beantwortet, dass dann, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, von der Seele übrig bleibt dasjenige, was hinter dem Bewusstsein als Unbewusstes liegt, dann würde man eben die Aussicht haben, nach dem Tode zu leben ohne ein Bewusstsein, wie irgendeine unbewusste Wesenheit. Das ist aber gar nicht einmal die Frage. Um eine solche unbewusste Wesenheit kümmert sich der Mensch gar nicht, wenn er die Frage nach Unsterblichkeit im wirklichen Sinne aufnimmt. Daher habe ich die Frage vor allen Dingen zu machen versucht — kurz und prägnant habe ich das dargestellt in dem genannten Buche, auch schon früher in meinem «Rätsel der Philosophie» —, ich habe versucht, diese Frage zu einer Bewusstseinsfrage zu machen. Dabei bin ich allerdings ausgegangen nicht von irgendwelchen phantastischen, von irgendwelchen abenteuerlichen Vorstellungen, sondern von jener bedeutsamen Grundlage, die im neueren Geistesleben in einer so eindringlichen Weise drinnensteht, ich bin ausgegangen von dem, was man die Goethe’sche Weltanschauung nennen kann; jene Weltanschauung, die ich zu durchforschen, zu durchdringen versuche eben seit mehr als dreißig Jahren.

[ 10 ] Must we not say to ourselves: even if someone were to prove conclusively that when a person passes through the gate of death, when they surrender their body to the earthly elements, something remains of their human soul, something lives on, that they would then have satisfied what [they] actually has to ask out of human curiosity? No. If one answers the question as Eduard von Hartmann does, that when a person passes through the gate of death, what remains of the soul is that which lies behind consciousness as the unconscious, then one would have the prospect of living after death without consciousness, like some unconscious entity. But that is not even the question. Humans are not concerned with such an unconscious entity when they address the question of immortality in the true sense. That is why I have tried above all to pose the question — I have presented this briefly and concisely in the book mentioned above, and also earlier in my “Riddle of Philosophy” — I have tried to make this question a question of consciousness. In doing so, however, I have not started from any fantastic, adventurous mental images, but from that significant foundation which is so forcefully present in modern intellectual life. I started from what can be called Goethe's worldview, the worldview that I have been trying to explore and penetrate for more than thirty years.

[ 11 ] Goethe trat ja entgegen solchen Grenzfragen, wie diejenigen sind, auf die ich aufmerksam gemacht habe, aus der Kant’schen Philosophie. Goethe hat diese Kant’sche Philosophie mit ihren Grenzfragen nicht so betrachtet wie andere, sondern auf das Ganze seiner Seele hat er sie wirken lassen. Und da trat ihm besonders anschaulich vor das geistige Auge dieses, dass Kant sagt, über gewisse Grenzen des Erkennens könne man in der Betrachtung nicht hinauskommen. Man könne über Freiheit, Unsterblichkeit gewisse, wie Kant es nennt, «praktische Postulate» aufstellen. Man könne sagen: Der Mensch könnte nicht sittlich sein, wenn er nicht voraussetzen würde, dass es diese beiden gibt, aber man könne nicht im Sinne desjenigen, was man Wissen nennt, über diese Fragen etwas wissen. Und Kant nennt das Bestreben, über diese Fragen in derselben Weise etwas zu erforschen, wie man erforscht den Umkreis natürlich-sinnlichen Daseins, ein «Abenteuer der Vernunft». Goethe wandte sich vor allen Dingen dagegen, aus dem ganzen Wesen seiner Natur heraus, und er sagt in dem schönen Aufsatz «Über Anschauende Urteilskraft», der sich in seinen naturwissenschaftlichen Schriften findet, das Folgende: Wenn man nun mit praktisch-sittlichen Postulaten herantritt an die Begriffe Freiheit und Unsterblichkeit, warum sollte es dem Geiste des Menschen nicht möglich sein, sich wirklich in eine höhere Region zu erheben, wo der Mensch lebt, und das Abenteuer der Vernunft mutig [zu] bestehen?

[ 11 ] Goethe opposed such boundary questions as those to which I have drawn attention, based on Kant's philosophy. Goethe did not view Kant's philosophy with its boundary questions in the same way as others, but allowed it to affect his entire soul. And then it became particularly clear to his mind's eye that Kant says that certain limits of knowledge cannot be transcended in contemplation. One can establish certain “practical postulates,” as Kant calls them, about freedom and immortality. One can say: that human beings could not be moral unless they assumed that these two things existed, but that one could not know anything about these questions in the sense of what is called knowledge. And Kant calls the endeavor to explore these questions in the same way as one explores the sphere of natural, sensory existence an “adventure of reason.” Goethe, above all, opposed this out of the very essence of his nature, and in his beautiful essay “On Perceptual Judgment,” which can be found in his scientific writings, he says the following: If one approaches the concepts of freedom and immortality with practical moral postulates, why should it not be possible for the human spirit to truly rise to a higher realm where man lives and courageously endure the adventure of reason?

[ 12 ] Und Goethe gebrauchte dazumal für jene geistige Tätigkeit, die er noch nicht im Sinne der heutigen Geisteswissenschaft hatte, aber die er ahnend in den ersten Elementen hatte, den Ausdruck, er nannte dieses Leben, das in die geistigen Regionen hereinführt, «anschauende Urteilskraft».

[ 12 ] And Goethe used the expression “intuitive judgment” for that spiritual activity, which he did not yet have in the sense of today's Spiritual Science, but which he had in its first elements, as he called this life that leads into the spiritual regions.

[ 13 ] Und in diesem Sinne nun weiterbildend dasjenige, was er als anschauende Urteilskraft ausgeführt hat, sprach ich von dem «schauenden Bewusstsein», sodass die Unsterblichkeitsfrage nunmehr die Form annimmt, dass zwar mit demjenigen Bewusstsein, das wir im äußeren Leben anwenden, und dem Bewusstsein, das in der gewöhnlichen Wissenschaft herrschend ist, die Unsterblichkeitsfrage und die Schicksalsfrage nicht gelöst werden können; dass aber der Mensch fähig ist, sich innerlich zu vergegenwärtigen ein anderes Bewusstsein, ein Bewusstsein, das er zwar für das gewöhnliche Leben hier zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod nicht hat, das er aber in sich so vergegenwärtigen kann, dass er von ihm wissen kann. Es überdauert Geburt und Tod, es führt ihn wirklich hinein in diejenigen Untergründe seines Wesens, wo dieses Wesen sich als unsterblich enthüllt.

[ 13 ] And in this sense, continuing to develop what he described as intuitive judgment, I spoke of “contemplative consciousness,” so that the question of immortality now takes the form that, although with the consciousness we use in outer life and the consciousness which prevails in ordinary science, the question of immortality and the question of fate cannot be solved; but that human beings are capable of bringing to mind another consciousness, a consciousness that they do not have in ordinary life here between birth or conception and death, but which they can bring to mind in such a way that they can know about it. It survives birth and death, it truly leads him into those depths of his being where this being reveals itself as immortal.

[ 14 ] Nun möchte ich zuerst durch einen Vergleich — es soll nicht eine Erklärung, sondern ein Vergleich sein —, wir werden daran weiter schen, was ich damit eigentlich meine. Und da möchte ich ausgehen davon, dass wir ja sozusagen ein primitives, ein chaotisches Bewusstsein im menschlichen Leben haben im Traumbewusstsein, und dass wir, wenn wir aus dem Traume aufwachen, eben in die gewöhnliche Sinneswelt hinein aufwachen, sodass wir unterscheiden können das Traumbewausstsein, welches auf und ab wogend hat eine Welt von Bildern, die während des Traumes für Wirklichkeit gehalten werden. Wacht man auf aus diesem Bewusstsein, so verbindet man das Ganze seines Menschenwesens mit der physischen Welt, ihren Gegenständen, ihren Vorgängen, dann weiß man durch das unmittelbare Leben, dass man jetzt in der Wirklichkeit darinnensteht. Und schaut man zurück, so nennt man die Welt, die man im Traume erfahren hat, nicht eine Wirklichkeit, sondern das, aus dem man erwacht ist.

[ 14 ] Now I would first like to use a comparison — it is not meant to be an explanation, but a comparison — to explain what I actually mean by this. And I would like to start from the premise that we have, so to speak, a primitive, chaotic consciousness in human life in dream consciousness, and that when we wake up from the dream, we wake up into the ordinary sensory world, so that we can distinguish the dream consciousness, which has a world of images that fluctuate up and down and are taken for reality during the dream. When one awakens from this consciousness, one connects one's entire human being with the physical world, its objects, its processes, and then one knows through immediate life that one is now standing in reality. And when one looks back, , you call the world you experienced in the dream not a reality, but that from which you have awakened.

[ 15 ] Nun, ebenso wie man erwachen kann aus dem Traum- oder Schlafbewusstsein in das gewöhnliche Tagesbewusstsein, das auch der gewöhnlichen Wissenschaft zugrunde liegt, so ist es auch möglich, dass ein Erwachen stattfindet aus dem gewöhnlichen Tagesbewusstsein in dasjenige Bewusstsein hinein, das man das «schauende Bewusstsein» nennen kann. Und der Mensch kann zu Vorstellungen kommen über ein Bewusstsein, das nicht das Leben durchwallt, das wir vom Morgen bis zum Abend durchwachen, sondern das diesem Bewusstsein zugrunde liegt, das aber überdauert das Leben des vergänglichen Leibes.

[ 15 ] Now, just as one can awaken from dream or sleep consciousness into ordinary daytime consciousness, which also underlies ordinary science, so it is also possible to awaken from ordinary daytime consciousness into that consciousness which can be called “seeing consciousness.” And human beings can form mental images of a consciousness that does not permeate the life we live from morning to night, but which underlies this consciousness and outlasts the life of the transitory body.

[ 16 ] Ich will nun versuchen, anschaulich zu machen, wie der Mensch in einer wissenschaftlich begründeten Weise von einem solchen schauenden Bewusstsein als einer Wirklichkeit sprechen kann. Dieses schauende Bewusstsein ist im gewöhnlichen Leben — sagte ich — zunächst nicht vorhanden. Dieses schauende Bewusstsein ist ebenso wenig im gewöhnlichen Leben vorhanden, wie im Schlafe, im Traume vorhanden ist ein Bewusstsein von den Gegenständen der rings herum liegenden Welt. Nun handelt es sich darum, ob es vielleicht Hindeutungen gibt im gewöhnlichen Bewusstsein auf ein solches schauendes Bewusstsein, das verborgen in unserem gewöhnlichen Bewusstsein liegen könnte. Solche Hindeutungen gibt es allerdings. Die gibt es gerade an denjenigen Stellen unseres heutigen zeitgenössischen Denkens, wo am gewissenhaftesten, am redlichsten geforscht, nach Wissenschaft getrachtet wird. Und Sie können ja ersehen, dass ich damit nichts anderes meine als den Boden der Naturwissenschaft. Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist — das muss immer wieder gesagt werden — ist nicht im geringsten Sinne gegnerisch eingestellt gegen die bewunderungswürdigen Fortschritte der Naturwissenschaft in den letzten Jahrhunderten und namentlich im letzten Jahrhundert. Geisteswissenschaft erkennt gerade voll an, was Naturwissenschaft in ihren Ergebnissen geleistet hat, was sie darin geleistet hat, das menschliche Forschen, das menschliche Denken zu disziplinieren, sodass gerade die Naturwissenschaft auf allen Gebieten vorbildlich sein kann in Bezug auf wissenschaftliche Gewissenhaftigkeit. Nun sucht aber Naturwissenschaft mit Bezug auf das menschliche Seelenleben etwas ganz anderes, als, wie wir heute sehen werden, die Geisteswissenschaft oder Anthroposophie suchen muss. Es ist dasjenige, was die Naturwissenschaft sucht, auf der einen Seite das Entgegengesetzte, aber es muss doch wiederum vorbildlich sein, wie Naturwissenschaft sucht. Und sie ist auf diesen Gebieten heute schon zu schönen Ergebnissen gekommen, die versprechen, noch größere, weitere Kreise zu ziehen in der nächsten Zeit, obwohl sie, wie sich mir gerade in diesem Winter bei einem gewissen Forschungsabschluss ergeben hat, unvollkommen einseitig sind; das macht nichts.

[ 16 ] I will now attempt to illustrate how human beings can speak of such a seeing consciousness as a reality in a scientifically grounded way. This seeing consciousness is not present in ordinary life, as I said. This seeing consciousness is just as little present in ordinary life as it is present in sleep or in dreams, a consciousness of the objects of the world around us. The question now is whether there are perhaps indications in ordinary consciousness of such a contemplative consciousness that could lie hidden in our ordinary consciousness. Such indications do indeed exist. They are found precisely in those areas of our contemporary thinking where the most conscientious , most honestly, and most earnestly sought after science. And you can see that by this I mean nothing other than the foundation of natural science. Spiritual Science, as it is meant here — this must be said again and again — is not in the least opposed to the admirable progress of natural science in recent centuries, and especially in the last century. Spiritual Science fully recognizes what natural science has achieved in its results, what it has accomplished in disciplining human research and human thinking, so that natural science in particular science can be exemplary in all fields in terms of scientific conscientiousness. However, when it comes to the human soul, natural science seeks something completely different from what Spiritual Science or anthroposophy must seek, as we shall see today. What natural science seeks is, on the one hand, the opposite, but it must still be exemplary in the way natural science seeks. And it has already achieved beautiful results in these areas today, which promise to draw even larger, wider circles in the near future, although, as I have just discovered this winter in a certain research conclusion, they are imperfectly one-sided; that does not matter.

[ 17 ] Nun möchte ich ausgehen von einer bestimmten Erscheinung; ich möchte ausgehen von Schriften, denen im schönsten Sinne gewissenhaft-wissenschaftliches, wenn auch einseitiges Denken zugrunde lieg ich möchte ausgehen von einem Buche von Theodor Ziehen «Physiologische Psychologie»; also, man könnte sagen «naturwissenschaftliche Seelenlehre». Was will ein solcher Forscher auf seinem naturwissenschaftlichen Gebiet? Er sagt: Wir erleben das menschliche Seelenleben; wir sind gewissermaßen selbst dieses menschliche Seelenleben. Es wogt in uns auf und ab dieses menschliche Seelenleben zwischen Geburt und Tod vom Einschlafen bis zum Aufwachen. In Denken, Vorstellen, Fühlen, Wollen wallt und wogt es auf und ab. Das haben wir zunächst als innere Erfahrung gegeben. Das nehmen wir aus uns selbst wahr, wie die Vorstellungen auf und ab wogen, sich mit Gefühls- und Willensimpulsen verbinden.

[ 17 ] Now I would like to start from a specific phenomenon; I would like to start from writings that are based on conscientious scientific thinking, albeit one-sided, in the most beautiful sense of the word. I would like to start from a book by Theodor Ziehen, “Physiological Psychology”; in other words, one could say “natural scientific psychology.” What does such a researcher want in his scientific field? He says: We experience human soul life; in a sense, we ourselves are this human soul life. This human soul life ebbs and flows within us between birth and death, from falling asleep to waking up. In thinking, creating mental images, feeling, and willing, it surges and ebbs. We have this as an inner experience. We perceive within ourselves how mental images surge and ebb, connecting with impulses of feeling and will.

[ 18 ] Der Naturwissenschaftler fragt nun: Wie steht dasjenige, was da auf und abwogt, im Zusammenhang mit demjenigen, was unsere leibliche Organisation ist? Der Naturforscher untersucht also in seiner gewissenhaften Weise — trotz mancher Kritik, die man einwenden kann, muss das gesagt werden —, er untersucht, was in der menschlichen Leibesorganisation auf und ab wogt. Nun ist es geradezu interessant, wie ein so gewissenhafter Forscher, wie Theodor Ziehen, zu seinen Resultaten kommt auf diesem Gebiet. Er kommt dazu, in redlicher Weise festzustellen, welches Verhältnis herrscht zwischen dem menschlichen Vorstellen und dem menschlichen Nervenleben, also der Leibesorganisation, insofern sie in den Nerven lokalisiert ist. Dann kommt er zu einem merkwürdigen Resultate, das sehr beachtenswert ist. Für die Vorstellungen findet er, dass sie, während sie verlaufen, ihre Parallelvorgänge haben in dem, was in dem Wunderbau des menschlichen Gehirns und seiner Fortsetzung des Nervensystems geschieht. Für dasjenige Leben, was wir als unser Gefühlsleben bezeichnen, namentlich auch für das Leben, das wir als unser Willensleben bezeichnen, findet er nichts dergleichen. Da macht er Stillstand. sehr merkwürdig, die Gefühle sieht er überhaupt nicht als etwas für sich Bestehendes an, trotzdem unsere Erfahrung ergibt, dass unsere Gefühle ebenso lebendig sind wie die Vorstellungen. Er bezeichnet diese Gefühle nur als Gefühlston der Vorstellungen, als eine Farbennuance der Vorstellungen. Er findet sich nicht zurecht. Er findet nicht die Möglichkeit, von den Gefühlen ebenso in die Leibesorganisation herunterzusteigen in gleich eindeutiger Weise, wie er das für die Vorstellungen findet; noch weniger für die Willensimpulse. Sodass er sagt: Der Naturforscher kann sich überhaupt nicht mit den Willensimpulsen beschäftigen, das überlassen wir den Philosophen, wobei von dem Naturforscher in der Regel die wohlwollende Bemerkung gemacht wird, dass man das der reichen Phantasie der Philosophen überlassen müsse.

[ 18 ] The natural scientist now asks: How does that which surges up and down relate to our physical organization? The natural scientist investigates in his conscientious manner — despite some criticism that can be raised, it must be said — he investigates what surges up and down in the human physical organization. Now it is downright interesting how such a conscientious researcher as Theodor Ziehen arrives at his results in this field. He comes to the honest conclusion that the relationship between human mental images and human nervous life, that is, the physical organization insofar as it is localized in the nerves. He then arrives at a remarkable result that is very noteworthy. He finds that, as mental images unfold, they have parallel processes in what happens in the marvelous structure of the human brain and its continuation in the nervous system. For the life that we call our emotional life, and especially for the life we call our emotional life, he finds nothing of the sort. There he comes to a standstill. Very strange, he does not regard feelings at all as something existing in themselves, even though our experience shows that our feelings are just as alive as our mental images. He describes these feelings only as the emotional tone of mental images, as a nuance of color in mental images. He cannot find his way. He does not find it possible to to descend from feelings into the physical organization in the same clear way as he finds for mental images; even less so for the impulses of the will. So he says: The natural scientist cannot deal with the impulses of the will at all; we leave that to the philosophers, whereupon the natural scientist usually makes the benevolent remark that this must be left to the rich imagination of the philosophers.

[ 19 ] Was liegt hier vor? Hier liegt etwas sehr Bedeutsames, etwas ungeheuer Einschneidendes vor, etwas, was geradezu, wenn man es richtig betrachtet, auf den Weg unmittelbar führt, den Geistesforschung einschlagen muss, für diejenigen Fragen, die wir heute zu besprechen haben.

[ 19 ] What do we have here? We have something very significant, something tremendously decisive, something that, when viewed correctly, leads directly to the path that spiritual research must take for the questions we are discussing today.

[ 20 ] Jeder Mensch, der das Seelenleben einigermaßen klar beobachtet, der findet: Zu unseren Vorstellungen stehen wir in einer ganz anderen Weise als zu unseren Gefühlen oder gar unseren Willensimpulsen. Nehmen wir einmal das Letztere. Für die Gefühle gilt es in ähnlicher Weise. Wenn wir irgendetwas wollen, dann haben wir eine Idee, die Vorstellung: Diese oder jenes wollen wir greifen oder tun; dann folgt die Handlung darauf. Was aber da unten im Organismus vor sich geht, was sich da auslebt im Organismus, wenn die Vorstellung «ich will das und das» sich umsetzt in eine Körperbewegung, eine Handlung, davon wissen wir ebenso wenig im gewöhnlichen, alltäglichen Bewusstsein, wie wir während des Schlafens wissen, was in unserm Organismus vor sich geht oder was in unserer Umwelt vor sich geht. Und man kann, gerade wenn man streng auf dem Boden der neueren Naturforschung steht, einen merkwürdigen Satz aussprechen, den Satz: «Wenn wir unseren Willen, unser Wollen, so eigentlich ins Auge fassen, sehen wir: Während wir am Tage wachen, schlafen wir mit Bezug auf unser Wollen. Wir schlafen nicht nur in der Nacht, wir verschlafen auch diejenigen Vorgänge in uns, die wir als Wollen bezeichnen.»

[ 20 ] Anyone who observes the life of the soul with any degree of clarity will find that we relate to our mental images in a completely different way than we do to our feelings or even our impulses of will. Let us take the latter as an example. The same applies to feelings. When we want something, we have a mental image: we want to grasp or do this or that; then the action follows. But what goes on down there in the organism, what is lived out in the organism when the mental image " I want this and that" is translated into a bodily movement, an action, we know as little about it in our ordinary, everyday consciousness as we know during sleep what is going on in our organism or what is going on in our environment. And if we stand strictly on the ground of modern natural science, we can utter a strange sentence, the sentence: “When we really consider our will, our volition, we see that while we are awake during the day, we are asleep with regard to our volition. We do not only sleep at night, we also sleep through those processes within us that we call volition.”

[ 21 ] Und interessant ist eines, wenn man diese Betrachtung fortsetzt, dass es mit den Gefühlen und Affekten, die unserem Seelenleben zugrunde liegen, so ist, dass diese eigentlich in derselben Weise im Seelenleben verlaufen wie auf anderen Gebieten die Dinge, die wir im Traumbewusstsein haben. Über unseren Willen breitet sich überhaupt die Dunkelheit des Schlafbewusstseins aus. Über unsere Affekte und Gefühle das Traumbewusstsein, das wirkliche Wachbewusstsein, das volle Wachbewusstsein, das haben wir nur über unsere Vorstellungen ausgebreitet. Und weil Theodor Ziehen nur ausgehen will vom vollen Wachbewusstsein, kommt er nicht dazu, die Gefühle als etwas Besonderes zu rechnen oder gar erst die Willensimpulse als etwas Besonderes zu rechnen.

[ 21 ] And it is interesting, if we continue this observation, that the feelings and emotions that underlie our soul life actually proceed in the same way in our soul life as the things we have in our dream consciousness do in other areas. The darkness of sleep consciousness spreads over our will. The dream consciousness, the real waking consciousness, the full waking consciousness, we have spread only over our mental images. And because Theodor Ziehen wants to proceed only from full waking consciousness, he does not come to regard feelings as something special, or even to regard the impulses of the will as something special.

[ 22 ] So können wir sagen: Wir sehen hier durch die Naturforschung selbst, in ihrer redlichen Methode, in das gewöhnliche Tagesbewusstsein hereinragen ein Schlafbewusstsein. Wir sind nur teilweise wach; wir schlafen eigentlich mit Bezug auf Gefühls- und Willensimpulse. Und die Frage kann wirklich entstehen aus einer tiefen Wirklichkeit heraus: Können wir in Bezug auf diese Dinge ebenso aufwachen, wie wir mit Bezug auf die äußeren sinnlichen Dinge aufwachen, wenn wir aus dem Schlafbewusstsein morgens aufwachen, und nicht mehr mit unserem eigenen Organismus es nur zu tun haben mit Traumbildern, sondern mit Dingen aus der Umgebung, mit denen wir unser ganzes Menschenleben verbinden? Kann ein solches Erwachen stattfinden? Dass ein solches Erwachen stattfinden kann, das darzustellen ist die Aufgabe der Geistesforschung, dass aus dem gewöhnlichen sogenannten wachen Tagesbewusstsein ein schauendes Bewusstsein sich entwickeln kann.

[ 22 ] So we can say: Through natural science itself, in its honest method, we see a sleep consciousness protruding into ordinary daily consciousness. We are only partially awake; we are actually asleep with regard to emotional and volitional impulses. And the question can really arise from a deep reality: Can we wake up to these things in the same way that we wake up to external sensory things when we wake up from sleep consciousness in the morning, and no longer have to deal with our own organism only with dream images, but with things from our surroundings with which we connect our entire human life? Can such an awakening take place? That such an awakening can take place is the task of spiritual research to demonstrate, that a seeing consciousness can develop out of the ordinary so-called waking daytime consciousness.

[ 23 ] Solche Fragen, Sie sehen das aus dem Gegenstand selbst und aus der Art der Betrachtung, solche Fragen entwickeln sich langsam und allmählich. Und es ist mir wiederum höchst merkwürdig gewesen — wiederum war es vor 36 Jahren —, als mir in die Hand fiel eine sehr bedeutungsvolle Abhandlung Friedrich Theodor Vischers; eine Abhandlung über das Volkelt’sche Buch über «Die Traumphantasie», in dem sich eine merkwürdige Bemerkung findet, eine Bemerkung, die allerdings dazumal vielleicht nur bei denjenigen so wie ein Blitz einschlagen konnte, in den Bewusstseinshorizont, der eben gerade die ersten Bausteine zur Geisteswissenschaft legen sollte. Vischer sagte dazumal in dieser außerordentlich bedeutungsvollen Abhandlung: «Wer sich nicht beschäftigen will mit den Rätseln des Traumes, der kann niemals die menschliche Leidenschaft verstehen.» Denken Sie, Vischer war ganz entfernt davon, auf dem Boden der heutigen Geisteswissenschaft zu stehen und mit ihren Methoden zu rechnen. Aber das war ihm ahnend aufgegangen, dass eine Verwandtschaft besteht zwischen dem, was im Traume als Bilder auf und ab wogt, und demjenigen, was wir erleben in unseren Leidenschaften, in unseren Gefühlen. Die Wissenschaft war nur nicht geneigt in den letzten Jahrzehnten, sich auf solche Dinge einzulassen. Daher ist es gekommen, dass die überall im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts, insbesondere in seinem Anfang auftretende Rätselfrage, durch die mancher Denker nahe daran war, dasjenige zu erfassen, was heute hier ausgeführt werden soll, dass sie zurückgewiesen worden ist, und dass man heute Mühe hat, wahrhaftig gegen eine Welt von Gegnerschaft sich durchzusetzen, könnte man sagen.

[ 23 ] Such questions, as you can see from the subject itself and from the nature of the observation, develop slowly and gradually. And it was again most remarkable to me — again, it was 36 years ago — when I came across a very significant treatise by Friedrich Theodor Vischer; a treatise on Volkelt's book on “Die Traumphantasie” (The Dream Fantasy) , in which there is a remarkable remark, a remark that at that time could perhaps only strike like lightning into the consciousness of those who were just beginning to lay the first building blocks of Spiritual Science. Vischer said at that time in this extraordinarily significant treatise: “Those who do not want to concern themselves with the mysteries of dreams will never understand human passion.” Bear in mind that Vischer was far removed from standing on the ground of today's Spiritual Science and reckoning with its methods. But he had sensed that there is a connection between what surges up and down in dreams as images and what we experience in our passions, in our feelings. Science has simply not been inclined to engage with such things in recent decades. That is why the enigmatic question that arose everywhere in the last third of the nineteenth century, especially at its beginning, and through which many thinkers came close to grasping what is to be explained here today, has been rejected, and why today, one might say, it is difficult to truly assert oneself against a world of opposition.

[ 24 ] Nunmehr möchte ich zeigen, wie dieses schauende Bewusstsein im Menschen sich eigentlich entwickelt; wie also der Mensch aufwacht aus dem gewöhnlichen Tagesbewusstsein in dieses schauende Bewusstsein, so wie er aufwacht aus dem Traumbewusstsein in das gewöhnliche Tagesbewusstsein. Wir können uns ja schon, wenn wir auf dem Vergleich aufbauen, das Folgende sagen: Wenn wir träumen, also im Schlafbewusstsein sind, da wogen die Traumbilder auf und ab. Wir wissen nur von diesen Traumbildern. Das ist unsere ganze Welt, wenn wir träumen. Wir wissen nichts von dem eigenen Organismus, aber auch nichts von der äußeren Sinneswelt. Die tritt sogleich in unsern Gesichtskreis, wenn wir aufwachen. Es tritt aber nur ein Teil unseres eigenen Menschenwesens in unsern Gesichtskreis, wenn wir aufwachen. Wir müssen uns klarmachen: In die Außenwelt wachsen wir hinein beim Aufwachen, aber in unser eigenes Menschenwesen nur wenig, so wenig, dass man wirklich sagen kann: Wir träumen unsere Gefühle, unsere Affekte; wir verschlafen dasjenige, was eigentlich in unseren Willensimpulsen vor sich geht.

[ 24 ] Now I would like to show how this contemplative consciousness actually develops in human beings; how human beings awaken from ordinary daytime consciousness into this contemplative consciousness, just as they awaken from dream consciousness into ordinary daytime consciousness. Building on this comparison, we can already say the following: When we dream, that is, when we are in sleep consciousness, the dream images surge up and down. We know only of these dream images. That is our whole world when we dream. We know nothing of our own organism, but also nothing of the external sensory world. That immediately enters our field of vision when we wake up. But only part of our own human being enters our field of vision when we wake up. We must realize that we grow into the outer world when we wake up, but only a little into our own human being, so little that one can really say: we dream our feelings, our emotions; we sleep through what is actually going on in our impulses of will.

[ 25 ] Das Aufwachen zum schauenden Bewusstsein muss ausgehen, wenn es nicht in Phantastik, in falsche, verworrene Mystik hineinführen soll — mit der sehr leicht dasjenige, was wahre Geisteswissenschaft ist, verwechselt wird, allein man kann sich darüber trösten, ist es ja sogar Vischer passiert, als er jene Abhandlung schrieb, in der der schöne Satz sich findet, von dem ich eben gesprochen habe, dass übelwollende Leute kamen und sagten: «Nun, jetzt geht noch gar dieser ernste, echte, dieser nüchterne Forscher in das Lager der Spiritisten über». Selbstverständlich ist dieser Forscher ebenso wenig in das Lager der Spiritisten oder verworrenen Okkultisten übergegangen wie dasjenige, was heute hier gemeint ist, irgendetwas zu tun hat mit Verworrenheiten irgendwelcher mystischer Richtung oder dergleichen —, ausgegangen muss werden bei diesem Aufwachen zum schauenden Bewusstsein vom Denken. Aber dieses Denken, wie man es im gewöhnlichen, wachen Tagesbewusstsein hat, muss vollständig umgewandelt werden.

[ 25 ] The awakening to seeing consciousness must go out if it is not to lead into fantasy, into false, confused mysticism — with which true Spiritual Science is very easily confused. but we can console ourselves with the fact that it even happened to Vischer when he wrote that treatise in which the beautiful sentence I just mentioned is found, that ill-willed people came and said: "Now even this serious, genuine, sober researcher is going over to the camp of the spiritualists ." Of course, this researcher has no more gone over to the camp of the spiritualists or confused occultists than what is meant here today has anything to do with the confusion of any mystical direction or the like —, must be assumed in this awakening to the seeing consciousness of thinking. But this thinking, as we have it in ordinary, waking daytime consciousness, must be completely transformed.

[ 26 ] Wovon muss diese Umwandlung ausgehen? Sie muss ausgehen davon, dass das Erkennen des Menschen nicht in der Weise haltmacht an den Grenzfragen, von denen gesprochen wird, so, wie man es heute so vielfach tut, indem man sagt: Bis hierher kommt das menschliche Erkennen, weiter nicht. Wer so stehen bleibt an diesen Grenzen, der gleicht demjenigen, der mit verschlossenen Augen und verschlossenen Ohren durch seinen Tastsinn an Wände antastet; er nimmt die Wände wahr, aber er nimmt gewissermaßen nur dasjenige wahr, was in ihm selber vorgeht, wenn er sich anstößt an die Wände. Nur der Tastsinn ist wirksam. Wollen wir aber ein wirkliches Bewusstsein der sinnlichen Außenwelt haben, so muss dieser Tastsinn sich entwickeln, sich schulen, sodass er nicht nur die Stöße vernimmt, die auf den Menschen selber ausgeübt werden, sondern dass er von dem Befühlen der Formen, dem Verfolgen der Grenzen sich Vorstellungen macht von demjenigen, was außer ihm ist. Er muss sich aber dann vervollkommnen und hat sich im Laufe von Jahren, von menschlichen Entwicklungsjahren vervollkommnet zum sinnlichen Sehen und Hören. Denn die Naturwissenschaft zeigt uns, dass das wahr ist, [was] Goethe mit einem schönen Ausspruch gesagt hat: Auch unsere Augen, unsere Ohren sind aus untergeordneten Organen, die Tastorganen ähnlich waren, hervorgegangen und haben sich aus den tastenden Sinnen hinaufentwickelt zu den schauenden und hörenden Sinnen.

[ 26 ] Where must this transformation begin? It must begin with the recognition that human knowledge does not stop at the boundary questions that are being discussed, as is so often done today, by saying: Human knowledge stops here, it goes no further. Those who remain at these boundaries are like someone who, with their eyes and ears closed, feels their way along walls with their sense of touch; they perceive the walls, but in a sense they only perceive what is going on inside themselves when they bump into the walls. Only the sense of touch is effective. But if we want to have a real awareness of the sensory external world, this sense of touch must develop and be trained so that it not only perceives the impacts exerted on the person themselves, but also forms mental images of what is outside itself by feeling shapes and tracing boundaries. However, it must then perfect itself, and over the course of years, years of human development, it has perfected itself into sensory seeing and hearing. For natural science shows us that this is true, [what] Goethe said in a beautiful saying: Our eyes and ears also developed from subordinate organs that were similar to tactile organs, and evolved from the tactile senses to the seeing and hearing senses.

[ 27 ] So muss der Geistesforscher im lebendigen inneren Ringen dazu kommen, nicht bloß mit seinem Denken haltzumachen an solchen Grenzen, sondern nunmehr rein in geistiger Denkbetätigung, aber in lebendiger, nicht in toter Denkbetätigung an diesen Grenzen sich zu fühlen wie an geistigen Grenzen, so wie der Tastsinn sich fühlt an körperlichen Grenzen. Sie schen, es besteht eine völlige Analogie zwischen der Art, wie sich unsere Sinne bildeten, und demjenigen, was der Geistesforscher anstrebt, indem er von dem gewöhnlichen zum schauenden Bewusstsein aufsteigen will. Der Geistesforscher sieht das gewöhnliche Denken, das der Mensch für das gewöhnliche Wachbewusstsein entwickelt, an als einen Ausgangspunkt, wie er das Tasten der Gegenstände ansieht als einen Ausgangspunkt. Aber er bleibt nicht stehen an diesem Ausgangspunkt. Sondern, wie das Tasten sich schulen muss, wie beim Kinde, so betastet gleichsam der Geistesforscher die Hundert und Hunderte von Grenzfragen, an die das menschliche Erkenntnisvermögen kommt. Und, indem man nicht einseitig philosophiert, sondern mit dem ganzen Seelenwesen sozusagen sich abarbeitet, um mit diesen bedeutungsvollen Fragen fertig zu werden im lebendigen Erleben, bildet man aus dem gewöhnlichen Denken das schauende Denken heraus. Dieses schauende Denken ist immer in uns, aber es kommt im gewöhnlichen Denken nicht zum Vorschein.

[ 27 ] Thus, in a lively inner struggle, the spiritual researcher must come to realize that he must not merely stop at such boundaries with his thinking, but must now feel himself at these boundaries as at spiritual boundaries, purely in spiritual thinking activity, but in lively, not dead thinking activity, just as the sense of touch feels itself at physical boundaries. You see, there is a complete analogy between the way our senses were formed and what the spiritual researcher strives for in seeking to ascend from ordinary consciousness to contemplative consciousness. The spiritual researcher regards ordinary thinking, which human beings develop for ordinary waking consciousness, as a starting point, just as he regards the touching of objects as a starting point. But he does not stop at this starting point. Rather, just as touching must be trained, as in the case of a child, the spiritual researcher touches, as it were, the hundreds and hundreds of borderline questions that human cognition encounters. And by not philosophizing one-sidedly, but by working through these meaningful questions with one's whole soul, so to speak, in order to deal with them in living experience, one develops contemplative thinking out of ordinary thinking. This contemplative thinking is always within us, but it does not come to the fore in ordinary thinking.

[ 28 ] Das gewöhnliche Denken, das ist gebunden an das menschliche Gehirn, das menschliche Nervensystem. Und, indem die Gedanken, die sich an unsere Sinnesbeobachtungen anschließen, das Werkzeug des Gehirns und des menschlichen Nervensystems benutzen müssen, werden sie gewissermaßen abgelähmt, man könnte sogar sagen abgetötet. Und im gewöhnlichen, alltäglichen Bewusstsein haben wir es zu tun — das ist ein Ergebnis der Geistesforschung —, im gewöhnlichen Bewusstsein haben wir es zu tun mit aus dem lebendigen Denken abgelähmten, abgetöteten Vorstellungen. Diese Vorstellungen müssen wir im gewöhnlichen Alltagsleben haben. Würde das Denken uns so zum Bewusstsein kommen, wie es eigentlich in uns lebt und wie man es durch das schauende Bewusstsein entdeckt, dann würden wir uns niemals unterscheiden können von den äußeren Sinnen. Es hat seine gute Bedeutung, dass, indem die äußeren Dinge in der physischen Welt einen Eindruck auf uns machen, sie sich bis zu den toten Gedanken ablähmen; denn dadurch lernen wir uns als ein Selbst unterscheiden von der Außenwelt. Und wenn wir dieses gelernt haben, dann können wir aufsteigen zum schauenden Bewusstsein, wo wir uns erfassen im lebendigen Denken.

[ 28 ] Ordinary thinking is bound to the human brain, the human nervous system. And because the thoughts that follow our sensory observations must use the tools of the brain and the human nervous system, they become, in a sense, paralyzed; one could even say deadened. And in ordinary, everyday consciousness, we have to deal with—this is a result of spiritual research—in ordinary consciousness, we have to deal with mental images that have been dulled and killed by living thinking. We must have these mental images in ordinary everyday life. If thinking came to us in consciousness as it actually lives within us and as it is discovered through contemplative consciousness, then we would never be able to distinguish ourselves from the outer senses. It is significant that, as external things in the physical world make an impression on us, they become numb to dead thoughts; for through this we learn to distinguish ourselves as a self from the outside world. And once we have learned this, we can ascend to seeing consciousness, where we grasp ourselves in living thinking.

[ 29 ] Dieses lebendige Denken, es hat wiederum seinen Anfangspunkt, obwohl nur Anfangspunkt an demjenigen, was wir in der Goethe’schen Weltanschauung haben. Und ich bin der Überzeugung, dass nur, wenn man aus dieser gesunden Grundlage heraus weiterarbeitet, man in wissenschaftlicher Weise zu einer Betrachtung des schauenden Bewusstseins, ja, zu einer Handhabung des schauenden Bewusstseins kommen kann.

[ 29 ] This living thinking, in turn, has its starting point, albeit only a starting point, in what we have in Goethe's worldview. And I am convinced that only by continuing to work from this healthy foundation can we arrive at a scientific understanding of seeing consciousness, indeed, at a mastery of seeing consciousness.

[ 30 ] Man lese heute diese ersten Anfänge, die zum schauenden Bewusstsein gemacht worden sind, obwohl es Anfänge sind, in Goethes schöner Abhandlung über die Metamorphose der Pflanzen, über die Metamorphose der Tiere, in seinen anderen, so wenig gewürdigten wissenschaftlichen Abhandlungen, die aus solchem Fleiß, nicht bloß aus dem Genie hervorgegangen sind, wie seine Betrachtungen über Wind und Wetter, oder seine biologischen Studien. Man betrachte das alles, da findet man ein wirklich lebendiges Denken gegenüber dem toten, abstrakten Denken. Darin besteht dieses lebendige Denken. Das Genauere für das, was ich jetzt prinzipiell auseinandergesetzt habe, finden Sie in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», in meiner «Geheimwissenschaft» oder in der «Theosophie» am Schlusse methodisch angegeben. Da finden Sie dasjenige, was man sich aneignen muss. Ich werde die Dinge, die in diesen Büchern in ihren Details ausgeführt sind, prinzipiell kurz berühren.

[ 30 ] Today, one can read these first beginnings, which have been made into seeing consciousness, even though they are beginnings, in Goethe's beautiful treatise on the metamorphosis of plants, on the metamorphosis of animals, in his other, so little appreciated scientific treatises, which arose from such diligence, not merely from genius, as his observations on wind and weather, or his biological studies. Consider all this, and you will find truly living thinking as opposed to dead, abstract thinking. This is what living thinking consists of. You will find more details on what I have now outlined in principle in my books “How to Attain Knowledge of Higher Worlds,” in my “Occult Science,” or in “Theosophy” at the end, methodically indicated. There you will find what one must acquire. I will briefly touch on the things that are explained in detail in these books.

[ 31 ] Das, was man sich erwerben muss vor allen Dingen, wenn man in innerer Geistesforschung in die Welt eindringen will, das ist, dass man eine ganz andere Stellung zum Denken einnehmen muss als die Stellung, die man im gewöhnlichen Denken hat. Gideon Spicker — der das schöne Buch geschrieben über «Lessings Weltanschauung», der geschrieben hat ein zweites schönes Buch «Vom [Kloster] ins Lehramt» —, Spicker hat das sehr schön ausgesprochen, was der Mensch eigentlich erlebt, wenn er das Denken, so wie er es im gewöhnlichen Wachbewusstsein hat, so recht betrachtet. Er sagt: «Jede Philosophie ohne alle Ausnahme muss ausgehen davon, dass sie die Notwendigkeit des Denkens behauptet.» Über diesen Ausgangspunkt könne keine Philosophie hinauskommen. Also auch Spicker steht ganz auf dem Standpunkte des gewöhnlichen Wachbewusstseins. Und er sagt dann: «denn jeder [Versuch, ihre Richtigkeit beweisen zu wollen], setzt schon die Notwendigkeit des Denkens voraus; dahinter aber lauert» — und das ist bedeutungsvoll, dass er es sagt, denn er war ein Ringer in der Erkenntnis, nicht ein gewöhnlicher Philosoph —, er sagt: «Hinter dem Denken lauert dasjenige, was ein furchtbarer Abgrund ist, eine von keinem Lichtstrahl erhellte Finsternis.» Man weiß nicht, was hinter diesem Denken lauert. Beides könne sein, entweder, dass da lauert «ein gnädiger Gott oder ein bösartiger Dämon».

[ 31 ] The most important thing one must acquire if one wants to penetrate the world through inner spiritual research is that one must take a completely different position toward thinking than the position one has in ordinary thinking. Gideon Spicker — who wrote the beautiful book about “Lessing's Worldview” and who has written a second beautiful book, “From [Monastery] to Teaching” — Spicker has expressed very beautifully what a person actually experiences when he truly considers thinking as he does in ordinary waking consciousness. He says: “Every philosophy without exception must start from the premise that it asserts the necessity of thinking.” No philosophy can go beyond this starting point. So Spicker, too, stands entirely on the standpoint of ordinary waking consciousness. And he then says: “because every [attempt to prove its correctness] already presupposes the necessity of thinking; but behind this lurks” — and it is significant that he says this, because he was a wrestler in knowledge, not an ordinary philosopher — he says: “Behind thinking lurks what is a terrible abyss, a darkness illuminated by no ray of light.” We do not know what lurks behind this thinking. It could be either “a gracious God or a malicious demon.”

[ 32 ] Es ist sehr bedeutsam, dass dieses Bekenntnis abgelegt wurde von einem Denker im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts. Aber dieses Denken, es muss lebendig gemacht werden, dann werden die Worte des tiefgründigen Philosophen Spicker einfach sinnlos werden.

[ 32 ] It is very significant that this confession was made by a thinker in the last third of the nineteenth century. But this thinking must be brought to life, then the words of the profound philosopher Spicker will simply become meaningless.

[ 33 ] Wie gesagt, die ersten Bausteine aus dieser Verlebendigung des Denkens hat eigentlich Goethe mit seiner Metamorphosenlehre gelegt. Er hat das Denken lebendig gemacht. Er hat es erfasst so, wie es sich stellen muss zur Wirklichkeit. Da muss vieles schwinden in den Denkgewohnheiten, die man im gewöhnlichen Bewusstsein hat. Ach, diese Denkgewohnheiten des gewöhnlichen Bewusstseins! Man glaubt, man habe einen Begriff, wenn man irgendetwas ausgedacht hat, man habe einen Begriff, eine Vorstellung von der Sache, die die Sache erschöpft. Im gewöhnlichen äußeren Sinnesleben glaubt man das nicht.

[ 33 ] As I said, Goethe actually laid the first building blocks for this enlivening of thought with his theory of metamorphosis. He brought thought to life. He grasped it as it must relate to reality. Much of what we have in our habitual ways of thinking in ordinary consciousness must disappear. Ah, these habits of thinking in ordinary consciousness! We believe that we have a concept when we have thought something up, that we have a concept, a mental image of the thing that exhausts the thing. In ordinary external sensory life, we do not believe this.

[ 34 ] Man nimmt einen Baum von verschiedenen Seiten auf in der Fotografie, und man weiß, wenn der Baum von vier Seiten aufgenommen ist, so sind die vier Bilder ganz verschieden; sie beziehen sich auf die wahre Wirklichkeit des Baumes. Sie schauen verschieden aus, den ganzen Baum kann man nicht auf das Bild zaubern. Aber man wird fehlgehen, wenn man aus einer Fotografie auf die ganze Wirklichkeit des Baumes schließen will. Das muss sich der Geistesforscher schon mit dem Gedanken zum Vorbild machen. Er muss sich klarmachen, dass Gedanken und Vorstellungen immer nur von einer Seite der Wirklichkeit sich nähern können; dass man im Grunde genommen niemals die Wirklichkeit in die Vorstellung hineinzaubern kann. Er muss, mit anderen Worten, Wirklichkeitssinn entwickeln, nicht Denksinn bloß; nicht Vorstellungs-, nicht Gedanken-, nicht Ideensinn, sondern Wirklichkeitssinn. Er muss geradezu danach streben, sich viele Gedanken über irgendeinen Gegenstand zu machen, dadurch wird das Denken beweglich, dadurch wird es gelenkig. Dieses In-Bewegung-Bringen des Denkens, dieses Gelenkigmachen des Denkens, ist der erste Schritt, den man einschlagen muss. Er widerstrebt vielfach demjenigen Wege, den das Denken heute angenommen hat. Ja, heute schwört man so gerne auf Begriffe, auf einseitige Vorstellungen.

[ 34 ] One photographs a tree from different sides, and one knows that when the tree is photographed from four sides, the four images are completely different; they refer to the true reality of the tree. They look different; you cannot conjure up the whole tree in the picture. But you will be mistaken if you try to deduce the whole reality of the tree from a photograph. The spiritual researcher must take this to heart with regard to thought. He must realize that thoughts and mental images can only ever approach one side of reality; that, basically, one can never conjure up reality in one's mental image. In other words, they must develop a sense of reality, not merely a sense of thought; not a sense of mental images, not a sense of thought, not a sense of ideas, but a sense of reality. They must strive to think deeply about any subject, thereby making their thinking agile and flexible. This setting of thinking in motion, this making of thinking flexible, is the first step that must be taken. It often runs counter to the path that thinking has taken today. Yes, today people are so fond of swearing by concepts, by one-sided mental images.

[ 35 ] Wenn ich trivial sein will, kann ich darüber etwa Folgendes sagen: Es bildet sich irgendjemand dogmatisch die Vorstellung heraus: Bewegung machen ist für gewisse Krankheiten gut. Das kann richtig sein, so richtig wie eine Fotografie eines Baumes. Aber es kann nicht die ganze Wirklichkeit darin sein. Da kann es vorkommen, dass man einen Menschen klagen hört, er sei krank, und man gibt ihm den Rat, er müsse sich Bewegung machen. Dieser Rat kann ganz richtig sein. Aber der Mann wendet einem ein: Verzeihen Sie, aber Sie wissen vielleicht nicht, dass ich Briefträger bin. Sie sehen, eine Vorstellung kann sehr richtig sein von der einen Seite aus. Aber das, worauf es ankommt, ist nicht dieses einseitige Richtigsein, sondern darauf kommt es an, dass man mit der Vorstellung sich zur Wirklichkeit richtig stellen kann.

[ 35 ] If I want to be trivial, I can say something like this: Someone dogmatically forms a mental image of exercise being good for certain illnesses. That may be true, as true as a photograph of a tree. But it cannot be the whole reality. It may happen that you hear someone complain that they are ill, and you advise them that they need to exercise. This advice may be entirely correct. But the man replies: Excuse me, but you may not know that I am a postman. You see, a mental image can be very correct from one point of view. But what matters is not this one-sided correctness, but rather that one can use the mental image to correctly assess reality.

[ 36 ] Da fällt es wiederum demjenigen, der ernsthaft ringt, ganz merkwürdig ins Gemüt herein, wenn er bei Goethe hört, dass Goethe eines Tages zur Vorstellung einer Pflanze gekommen ist, die er die «Urpflanze» nennt, durch die er in der Lage ist, diese Vorstellung so zu verändern, dass, so wie die Pflanze draußen wächst, so wächst die Vorstellung. Das Denken kommt in Bewegung. Und Goethe sagt, mit einer solchen Vorstellung könne man viele Pflanzen erfinden. Man bekommt viele Bilder, die dann wirklich Pflanzen sein können, die die Möglichkeiten von Pflanzen haben. Da muss das Denken aufrücken ins Bildhafte. Daher habe ich diese erste Stufe, wo das Denken, das zuerst ein Tasten ist an den Grenzfällen des menschlichen Erkenntnisringens, wo dieses Denken sich beweglich macht, wie der Tastsinn, wo das Denken sich in geistiger Wirklichkeit bewegt, und diese geistige Wirklichkeit befühlt und erkennt — nur darf man die Worte nicht materialistisch nehmen —, ich habe diese erste Stufe genannt das «imaginative Erkennen». Nicht gemeint ist damit, dass man irgendetwas Eingebildetes vor sich hat; sondern, weil das Denken ein inhaltvolles wird, das vom abstrakten Denken, das nur die äußere Sinneswelt abbildet, aufsteigt zu einen Leben mit der Vorstellung, mit der Wirklichkeit selbst. Da handelt es sich dann gerade bei einem solchen Denken, das lebendig werden soll, darum, dass man wirklich den Willen habe, nicht bloß eine Meinung sich zu bilden, sondern immer auch die Gegenmeinung sich zu bilden; nicht nur das, was man für eine Sache sagen kann, sondern auch, was man gegen eine Sache sagen kann. Demjenigen, der ein wirklicher Geistesforscher werden will, darf nicht eine Vorstellung nur aufgehen; von allen Seiten müssen ihm Vorstellungen zukommen, sodass er weiß, er geht mit seinen Vorstellungen um die Wirklichkeit herum und die Wirklichkeit bleibt doch an ihrem Platze stehen, wie der Baum am Platze steht, wenn man ringsherum geht.

[ 36 ] Then it strikes the mind of those who are seriously struggling as very strange when they hear from Goethe that one day he came up with the idea of a mental image of a plant, which he calls the “primordial plant,” through which he is able to change this mental image so that, just as the plant grows outside, so does the mental image. Thinking is set in motion. And Goethe says that with such a mental image, one can invent many plants. One gets many images that can then really be plants, that have the possibilities of plants. Here, thinking must move up into the pictorial. That is why I have this first stage, where thinking is first a groping at the limits of human knowledge, where this thinking becomes mobile, like the sense of touch, where thinking moves in spiritual reality and feels and recognizes this spiritual reality—only one must not take the words materialistically—I have called this first stage “imaginative cognition.” This does not mean that one has something imaginary before one's eyes; rather, because thinking becomes meaningful, rising from abstract thinking, which only reflects the external sensory world, to a life with a mental image, with reality itself. In such thinking, which is to become alive, it is important to have the will not only to form an opinion, but also to always form the opposing opinion; not only what one can say for a cause, but also what one can say against it. For those who want to become true spiritual researchers, must not allow only one mental image to arise; mental images must come to them from all sides, so that they know that they are circling around reality with their mental images, and reality remains in its place, just as a tree remains in its place when one walks around it.

[ 37 ] Daher wird dasjenige eintreten, und hier darf ich vielleicht wiederum eine persönliche Bemerkung machen, dass der Geistesforscher sich die Gewohnheit ausbildet, die ich immer gepflogen habe, sowohl in meinen Büchern wie auch sonst, wenn sich die Gelegenheit dazu gibt, bei öffentlichen und auch bei sonstigen Vorträgen — diejenigen, die meine Vorträge oftmals gehört haben, werden wissen, dass das so ist —, nicht nur das zu sagen, was für, sondern auch das zu sagen, was gegen eine Sache vorzubringen ist, die man zu behaupten und zu vertreten hat. Das hat allerdings zu dem merkwürdigen Ergebnis geführt, dass jetzt, wo so viel Gehässigkeit auftritt gegen das, was ich hier vertrete, die Leute die Einwände gegen das von mir Gesagte aus meinen eigenen Büchern und Schriften abschreiben können. Das wird jetzt an vielen Stellen abgeschrieben; weggelassen wird dabei, was «für» zu sagen ist. Man hat eine leichte Methode, zu widerlegen den Geistesforscher; man braucht ihn nur abzuschreiben.

[ 37 ] Therefore, and here I may perhaps make another personal remark, the spiritual researcher will develop the habit that I have always practiced, both in my books and elsewhere, when the opportunity arises, in public and other lectures — those who have often heard my lectures will know that this is the case — not only to say what is in favor of, but also to say what is against a matter that one has to assert and defend. This has, however, led to the strange result that now, when there is so much hostility toward what I represent here, people can copy the objections to what I say from my own books and writings. This is now being copied in many places; what is omitted is what is " for" is to be said. There is an easy method of refuting the spiritual researcher; one need only copy him.

[ 38 ] Der Geistesforscher sucht nicht bloß nach Gedanken, sondern nach der Wirklichkeit. Daher wird man so schwer verstanden, wenn man Geisteswissenschaft treibt, so wie sie hier gemeint ist.

[ 38 ] The spiritual researcher seeks not merely thoughts, but reality. That is why it is so difficult to be understood when one pursues Spiritual Science as it is meant here.

[ 39 ] Sehen Sie, es ist mir selbst passiert, dass ich ungefähr zur gleichen Zeit den Vorwurf bekommen habe, ich wäre in einer «isolierten und verbitterten [Opposition] gegen die moderne Naturwissenschaft». Das wurde geschrieben ungefähr um die Wende des neunzehnten Jahrhunderts. Und ungefähr gleichzeitig wurde geschrieben, es wäre mir in vorzüglicher Weise gelungen, gerade die naturwissenschaftliche Erkenntnis des neunzehnten Jahrhunderts in meinem Buche, die Welträtsel so recht einzugliedern in die philosophische Entwicklung. sehen Sie, der eine der Schreibenden hat eben mehr von der Naturwissenschaft verstanden, und derjenige, der das erstere geschrieben hat, der bildete sich ein, mehr von der Philosophie zu verstehen. Das ist etwas, was der Geistesforschung gegenüber so genommen werden muss, dass derjenige, der es nicht versteht, dem kann es sehr leicht passieren, weil der Geistesforscher wirklich von den verschiedensten Seiten her die Dinge beleuchten muss. Der Materialismus ist nicht deshalb falsch für die Geistesforschung, weil es Materialismus ist — denn man muss die Materie materialistisch betrachten —, sondern weil diejenigen, die Materialisten im wahren Sinne des Worte sind, glauben, indem sie die Materie betrachten, betrachten sie die ganze Welt. Geistesforschung — das bitte ich sehr, zu beachten — treibt nicht derjenige, der immerfort von «Geist, Geist, Geist» spricht, so wie nicht derjenige in Wirklichkeit Christ ist, der nur immer den Namen «Herr, Herr, Herr» im Munde führt —, sondern ein wahrer Geistesforscher ist der, ob er nun die Materie oder den Geist betrachtet, der den Geist als Ausgangspunkt walten lässt.

[ 39 ] You see, it happened to me myself that at about the same time I was accused of being in an “isolated and bitter [opposition] to modern natural science.” This was written around the turn of the nineteenth century. And around the same time, it was written that I had succeeded admirably in integrating the scientific knowledge of the nineteenth century into my book, The Riddle of the Universe, in such a way that it fit perfectly into philosophical development. You see, one of the writers understood more about natural science, and the one who wrote the former imagined that he understood more about philosophy. This is something that must be taken into account in relation to spiritual research, because it can very easily happen to those who do not understand it, since spiritual researchers really have to examine things from a wide variety of angles. Materialism is not wrong for spiritual research because it is materialism — for one must view matter materialistically — but because those who are materialists in the true sense of the word believe that by viewing matter, they are viewing the whole world. Spiritual research — please note this — is not carried out by those who constantly talk about “spirit, spirit, spirit,” just as those who only ever say “Lord, Lord, Lord” are not really Christians — but a true spiritual researcher is someone who, whether they are looking at matter or spirit, takes spirit as their starting point.

[ 40 ] Nun, wozu kommt man, wenn man zunächst in dieser Weise das Denken beweglich gemacht, lebendig gemacht hat?

[ 40 ] Now, what does one arrive at when one has first made thinking flexible and alive in this way?

[ 41 ] Nun, da kommt man zunächst dazu, meine sehr verehrten Anwesenden, eine wirkliche Erklärung zu erhalten über dasjenige, was genannt werden kann die Bildekräftewelt, die Welt der Imaginationen, aber der wirklichen Imaginationen, nicht der eingebildeten; oder auch, wenn man einen physikalischen Ausdruck gebrauchen will, die Welt des Äthers. Da möchte ich sagen: So wie die Luft demjenigen nicht bewusst zu sein braucht, der niemals durch die Wissenschaft gehört hat, die Luft ist da, und wie der sagen könnte, hier ist ein Tisch, ein Stuhl, der aber von der Luft nichts weiß, bis er lernt, die Luft ist rings um ihn; so wird man, wenn man zur ersten Stufe des schauenden Bewusstseins, zum imaginativen Denken sich hinaufringt, gewahr, man lernt wissen, dass man um sich herum eine übersinnliche Welt hat, so wie man wissen lernt durch die gewöhnliche Wissenschaft, dass man die materielle Welt um sich hat.

[ 41 ] Well, first of all, my dear audience, we arrive at a real explanation of what can be called the world of formative forces, the world of imaginations, but real imaginations, not imagined ones; or, if you want to use a physical expression, the world of ether. I would like to say: just as the air does not need to be conscious to someone who has never heard of science, the air is there, and just as he could say, here is a table, a chair, but he knows nothing of the air until he learns that the air is all around him; so when one struggles up to the first stage of contemplative consciousness, to imaginative thinking, one becomes aware one learns to know that one has a supersensible world around oneself, just as one learns through ordinary science that one has the material world around oneself.

[ 42 ] Nun hat über den Äther auch die Physik sich Vorstellungen zu bilden. Ich würde lange Zeit sprechen müssen, wenn ich Ihnen die verschiedenen hypothetischen Vorstellungen aufzählen wollte, um die sich die Physik bemüht hat. Es gibt ungeheuer viele Hypothesen darüber, aber interessant ist eines dabei. Die Physik kommt heute zum Äther, sie muss den Äther voraussetzen; sie spricht vom Äther. Sie hat viele Hypothesen aufgebaut über den Äther. Aber hier ist ein Punkt, wo sich schon heute so recht dasjenige bewahrheitet, was immer wieder und wiederum gesagt werden muss: Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft arbeiten so wie Arbeiter, die von zwei Seiten aus in einen Berg hineinbohren, um in der Mitte zusammenzukommen und einen Tunnel durch den Berg zu machen. Und es wird sich immer mehr und mehr herausstellen, dass Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft, indem beide mit disziplinierten Methoden arbeiten, sich auch in der Mitte treffen werden. Und hier ist ein Punkt, wo sozusagen im Anfangsglied sich heute die materialistischste der Wissenschaften, die Physik, mit der Geisteswissenschaft findet. Geisteswissenschaft kann nicht vom Äther so sprechen in Hypothesen, als ob er nur eine feinere Materie wäre. Sondern für die Geisteswissenschaft ist der Äther etwas Übersinnliches, etwas, was keine materiellen Eigenschaften mehr hat, nichts Stoffliches mehr hat. Hier beginnt bereits das Geistige, das Übersinnliche. Der bedeutende Physiker Planck hat sehr merkwürdige Worte gesprochen über den Äther, er sagt: «Über den Äther hat man immer so gesprochen, wie viele Leute über das Perpetuum mobile sprechen. Sie haben allerlei ausgedacht. Aber geradeso, wie Helmholtz erst darauf gekommen ist, das Perpetuum mobile in das richtige Licht zu stellen, so wird man erst dazu kommen müssen, das Richtige über den Äther zu finden. Und das Richtige» — so sagt Planck — «wird man erst finden, wenn man sich von dem Äther eine Vorstellung macht, die von dem Äther alle materiellen Eigenschaften ausschließt. Was man auch sonst für Vorstellungen gewinnen könne, jedenfalls müsse man sich die Vorstellungen bilden, dass der Äther keine materiellen Eigenschaften hat. Materielle Eigenschaften darf man ihm nicht beilegen, diesem Äther, der in den Naturerscheinungen lebt.»

[ 42 ] Now physics also has to form mental images of the ether. I would have to speak at length if I wanted to list the various hypothetical mental images that physics has attempted. There are an enormous number of hypotheses about it, but one of them is interesting. Physics today comes to the ether, it must presuppose the ether; it speaks of the ether. It has constructed many hypotheses about the ether. But here is a point where what must be said again and again is already proving to be true today: Spiritual Science and natural science work like workers who drill into a mountain from two sides in order to meet in the middle and make a tunnel through the mountain. And it will become more and more apparent that Spiritual Science and natural science, by working with disciplined methods, will also meet in the middle. And here is a point where, in the initial stage, so to speak, the most materialistic of the sciences, physics, meets the Spiritual Science. The Spiritual Science cannot speak of the ether in hypotheses as if it were only a finer form of matter. Rather, for the Spiritual Science, the ether is something supersensible, something that no longer has material properties, no longer has anything material about it. This is where the spiritual, the supersensible, begins. The The eminent physicist Planck has spoken very strangely about the ether, saying: “People have always talked about the ether in the same way that many people talk about perpetual motion. They have come up with all kinds of ideas. But just as Helmholtz was the first to see perpetual motion in the right light, so too will we first have to find the right way of looking at the ether. And the right way,” — says Planck — “will only be found when we form a mental image of the ether that excludes all material properties from the ether. Whatever other mental images we may gain, we must in any case form the mental image that the ether has no material properties. We must not attribute material properties to this ether, which lives in natural phenomena.”

[ 43 ] Da sehen Sie: Die Physik ist bereits dabei, den Äther als etwas Übersinnliches anzuerkennen. Wenn heute in populären Weltanschauungsschriften und so weiter andere Dinge behauptet werden, so muss man durchaus sagen: Solche Behauptungen, die in populären Schriften und Vorträgen über Weltanschauung verzapft werden, die stehen zumeist auf einem wissenschaftlichen Boden von Jahrzehnten vorher. Derjenige, der mit der Wissenschaft mitgegangen ist, weiß, wie nahe heute schon selbst die Physik dem ist, was Geisteswissenschaft zu sagen hat.

[ 43 ] So you see: Physics is already in the process of recognizing the ether as something supernatural. When other things are claimed today in popular worldview writings and so on, it must be said that such claims, which are peddled in popular writings and lectures on worldview, are mostly based on scientific groundwork laid decades ago. Those who have kept up with science know how close even physics is today to what Spiritual Science has to say.

[ 44 ] Dann aber, wenn das schauende Bewusstsein sich zum schauenden Denken, zum imaginativen Erkennen erhoben hat, haben wir nicht den verschwommenen pantheistischen Äther um uns, sondern wir haben um uns in dieser Ätherwelt oder Bildekräftewelt, wie ich sie in meinem Aufsatz in der Zeitschrift «Das Reich» genannt habe, eine neue Welt; eine Welt von neuen Wesen, von übersinnlichen Wesen und übersinnlichen Vorgängen. Und wir gehören dazu, zu dieser Welt; so wie wir mit unseren Knochen und Muskeln, mit unserem Blute zur äußeren physischen Welt gehören, so gehören wir mit zu dieser uns umgebenden Ätherwelt. Wir tragen in uns den Ätherleib, so wie wir den aus Fleisch und Knochen und Blut bestehenden physischen Leib an uns tragen. Wir sind nicht nur dieser physische Leib; wir sind der Leib, den man als Ätherleib bezeichnen kann, der eben aus dem übersinnlichen Äther besteht, der herausgeboren ist aus dem übersinnlichen Äther, wie unser sinnlicher Leib aus dem Sinnlichen heraus geboren ist.

[ 44 ] But then, when the seeing consciousness has risen to seeing thinking, to imaginative cognition, we do not have the blurred pantheistic ether around us, but we have around us in this ether world or world of formative forces, as I called it in my essay in the journal “Das Reich,” a new world; a world of new beings, of supersensible beings and supersensible processes. And we belong to this world; just as we belong to the outer physical world with our bones and muscles, with our blood, so we belong to this etheric world that surrounds us. We carry the etheric body within us, just as we carry the physical body consisting of flesh and bones and blood. We are not only this physical body; we are the body that can be called the etheric body, which consists precisely of the supersensible ether, which is born out of the supersensible ether, just as our sensory body is born out of the sensory.

[ 45 ] Denn wir haben in diesem Ätherleib dasjenige, worin eigentlich unser Denken verläuft. Denn wir sind nicht das, als was wir uns beim gewöhnlichen Tagesbewusstsein vorkommen. Da schwächt sich ab die lebendige Vorstellung in unserem Ätherleib zu den abstrakten Gedanken. Aber in Wirklichkeit leben in unserem Ätherleib die lebendigen Gedanken, die Imaginationen, die Bildgedanken. Und nur dadurch, dass wir angewiesen sind im gewöhnlichen Bewusstsein, unseren physischen Leib als Werkzeug zu benützen, nur deshalb schwächen sich ab, lähmen sich ab die Bildgedanken zu den abstrakten Gedanken, zu den toten Gedanken. Diesen Ätherleib, wir tragen ihn in uns, so wie er in uns ist, von der Geburt oder der Empfängnis bis zum Tode. Während wir die Stoffe, die wir aufnehmen mit der Nahrung, die Stoffe, die uns in der Vererbung zukommen, immerfort austauschen, bleibt der Ätherleib derselbe zwischen Geburt und Tod und geht mit durch die Pforte des Todes. Wir haben das erste Übersinnliche im Menschen erfasst, dasjenige, was ihn geleitet von Augenblick zu Augenblick, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Der Ätherleib ist das erste Übersinnliche, mit dem wir allerdings noch nicht in eine hohe geistige Welt aufgestiegen sind; aber es ist eine höhere Welt- als in dem übersinnlichen Ätherleib —, [die] in diese Welt selbst als ein Übersinnliches hereinragt.

[ 45 ] For in this etheric body we have that in which our thinking actually takes place. For we are not what we appear to be in our ordinary daily consciousness. There, the living mental image in our etheric body weakens into abstract thoughts. But in reality, our etheric body is home to living thoughts, imaginations, and visual thoughts. And it is only because we are instructed in our ordinary consciousness to use our physical body as a tool that our visual thoughts weaken and become paralyzed, turning into abstract thoughts, into dead thoughts. We carry this etheric body within us, just as it is, from birth or conception until death. While we constantly exchange the substances we take in with our food, the substances we receive through heredity, the etheric body remains the same between birth and death and passes through the gate of death. We have grasped the first supersensible element in the human being, that which guides him from moment to moment, from day to day, from week to week, from year to year, from decade to decade. The etheric body is the first supersensible thing with which we have not yet ascended into a higher spiritual world; but it is a higher world than in the supersensible etheric body —, [which] protrudes into this world itself as something supersensible.

[ 46 ] Dann kann aber dieses Denken weiter fortgebildet werden, meine sehr verehrten Anwesenden, nur muss man sich klar sein, dass dieses Denken wirklich uns erfassen muss, wenn wir Geistesforscher werden wollen, dass dieses Denken wirklich ein neues Element sein muss in uns, dass nicht bloß das gewöhnliche Denken — das eben nur bis zu den charakterisierten Grenzen kommen kann, wenn das gewöhnliche Denken in philosophischer Weise über die übersinnliche Welt etwas auszusagen vermag —, sondern dass dieses Denken in der Weise weiterschreiten muss, dass es wirklich hineindringen muss in der charakterisierten Weise in die Wirklichkeit. Das muss dem Geistesforscher zur Gewohnheit werden.

[ 46 ] But then this thinking can be developed further, my dear audience, only we must be clear that this thinking must really grasp us if we want to become spiritual researchers, that this thinking must truly be a new element within us, that it must not merely be ordinary thinking — which can only reach the limits described above, when ordinary thinking is able to say something about the supersensible world in a philosophical way — but that this thinking must go further, in such a way that it really penetrates reality in the way described. This must become a habit for the spiritual researcher.

[ 47 ] Vielleicht darf ich sagen: Dieselben Ausführungen, die ich von Anfang bis jetzt hier gemacht habe, ich habe sie vorgestern in Leipzig entwickelt. Dasjenige, was ich vorgestern vorgetragen habe, und was ich heute vorgetragen habe, ist dasselbe. Derjenige aber, der nachgeschrieben haben würde, der würde vielleicht finden, dass nicht ein Gedanke an dieser Stelle hier so ausgesprochen worden ist wie vorgestern. Auch in dieser Beziehung sucht der Geistesforscher dasjenige, was er darstellen will, von den verschiedensten Seiten her zu beleuchten. Es wird ihm zur Gewohnheit, wird etwas Selbstverständliches, während dem die heutigen Denkgewohnheiten dahin gehen, einen bestimmten Begriff vorzunehmen, ihn in Worte zu prägen, und das dann immer abzuhaspeln. Auf dieses lebendige Bewusstsein kommt es an, dass man sich immerfort so oder so oder so zur Wirklichkeit stellen kann, so wie der fotografische Apparat. Man schaut auf die Wirklichkeit hin, man versucht durch Charakteristik dieser Wirklichkeit von allen Seiten, die doch eigentlich unausgesprochen bleiben muss, auf die Wirklichkeit hinzuweisen. Man weist darauf hin.

[ 47 ] Perhaps I may say: the same remarks I have made here from the beginning until now, I developed the day before yesterday in Leipzig. What I presented the day before yesterday and what I have presented today is the same. However, anyone who had taken notes might find that a thought has not been expressed here in the same way as the day before yesterday. In this respect, too, the spiritual researcher seeks to illuminate what he wants to present from a wide variety of angles. It becomes a habit for him, something self-evident, whereas today's habits of thinking tend to to take a certain concept, put it into words, and then always reel it off. What matters is this living consciousness, that one can constantly approach reality in one way or another, like a camera. One looks at reality and tries to point to it by characterizing it from all sides, which must actually remain unspoken. One points it out.

[ 48 ] Aber es lässt sich auch noch das Folgende sagen: Indem das Denken beweglich wird, wie ich es charakterisiert habe, bildet es sich im Menschen in der entgegengesetzten Richtung aus wie gewisse Dinge, die heute leider beliebt sind, die den Gegenstand der physischen Forschung bilden, mit dem auch sehr leicht die Geistesforschung zusammengeworfen wird. Durch diese anderen Dinge, durch Halluzinationen, durch Illusionieren, durch Suggestionen, Hypnose wird das Bewusstsein gerade verringert. Durch alles das, was geisteswissenschaftliche Methode ist, wird das Bewusstsein kritisch gemacht, erweitert. Es kann nur der törichten Einfalt beikommen — aber die Gesamtheit wird eben oft zur törichten Einfalt —, zu verwechseln dasjenige, was ich eben als geistesforscherischen Weg beschrieben habe, der sich unabhängig macht vom Leibe des Menschen, der hinaustritt aus dem Leibe, sich freimacht vom Leibe, sich im Geiste mit dem Geiste bewegt, das zu verwechseln mit dem, was den Menschen unkritisch macht, was den Menschen beirrt. Die Geisteswissenschaft führt den Menschen gerade an die Kritik heran. Entgegengesetztes wird mit dem Entgegengesetzten heute verwechselt, scheinbar aus einem Grunde, der sehr durchsichtig, aber nicht schön ist. Diese Dinge müssen sehr ernst genommen werden.

[ 48 ] But the following can also be said: as thinking becomes flexible, as I have characterized it, it develops in humans in the opposite direction to certain things that are unfortunately popular today, which form the subject of physical research, with which spiritual research is also very easily conflated. Through these other things, through hallucinations, through illusions, through suggestions, hypnosis, consciousness is actually diminished. Through everything that is Spiritual Science method, consciousness is made critical, expanded. Only foolish simplicity can confuse what I have just described as the path of spiritual research which makes itself independent of the human body, which steps out of the body, frees itself from the body, moves in spirit with the spirit, with what makes people uncritical, what misleads people. Spiritual Science leads people precisely to criticism. Today, opposites are confused with opposites, apparently for a reason that is very transparent but not beautiful. These things must be taken very seriously.

[ 49 ] Nehmen Sie das, was ich mit dem Ausdruck «inspirierte Erkenntnis» bezeichnet habe, lassen Sie sich nicht beirren durch irgendwelche hergebrachten Meinungen über den Ausdruck Inspiration. Gerade die Forschungen dieses Winters zeigen mir, wie recht ich hatte, diese zweite Stufe des schauenden Bewusstseins «inspirierte Erkenntnis» zu nennen.

[ 49 ] Take what I have called “inspired knowledge” and do not be misled by any traditional opinions about the term inspiration. The research I have done this winter shows me how right I was to call this second stage of contemplative consciousness “inspired knowledge.”

[ 50 ] Wenn wir der Außenwelt gegenüberstehen, da können wir nicht mit der bloßen Logik zufrieden sein. Wenn wir bloß im gewöhnlichen Bewusstsein denken, so denken wir logisch. Dann sind wir für die heutigen Denkgewohnheiten schon sehr zufrieden, wenn wir nur logisch denken können. Nun ja, aber da haben wir es leicht, einen falschen Gedanken zu haben. Man sagt ja: Gedanken sind zollfrei. Warum? Weil ein falscher Gedanke, er kann im Denken zusammenleben mit dem richtigen Gedanken. Was von verschiedenen Seiten her beleuchtet werden kann, kann zusammenleben in der Wirklichkeit. In einer moralischen Wirklichkeit kann eine schlechte Handlung mit einer guten Handlung nicht bestehen. Da sind es nicht nur Vorstellungen, sondern da herrscht die Nötigung, die pflichtgemäße Handlung auszuführen, die unzweckmäßige zu unterlassen. Da stehen wir anders der Welt gegenüber, wenn wir in der Wirklichkeit drinnenstehen. Dieses Stehen-in-der-Wirklichkeit-Drinnen, das muss man nun übertragen auf das Denken. Uns müssen diejenigen Dinge, die als Vorstellungen auftauchen, als Gedanken, wirklich so werden, dass wir dem einen Vorstellungskomplex gegenüber das lebendige Gefühl haben: Dem darfst du dich überlassen, das führt dich in eine gewisse Richtung; dem anderen gegenüber haben wir das Gefühl: den musst du unterdrücken oder nebenher laufen lassen. Wirklichkeit, Realität muss in den lebendigen Gedanken- und Vorstellungsprozess einziehen; ein Vermoralisieren muss das ganze Vorstellungsleben durchziehen.

[ 50 ] When we face the outside world, we cannot be satisfied with mere logic. When we think only in ordinary consciousness, we think logically. Then, for today's habits of thinking, we are already very satisfied if we can think logically. Well, yes, but then it is easy for us to have a false thought. As they say, thoughts are duty-free. Why? Because a false thought can coexist in our thinking with the right thought. What can be illuminated from different sides can coexist in reality. In a moral reality, a bad action cannot coexist with a good action. There, it is not just a matter of mental images, but there is a compulsion to perform the dutiful action and to refrain from the inappropriate one. We face the world differently when we stand inside reality. This standing inside reality must now be transferred to thinking. The mental images that arise as thoughts must become so real to us that we have a vivid feeling toward one complex of mental images: you may surrender to this, it will lead you in a certain direction; while with the other we have the feeling: you must suppress this or let it run alongside. Reality must enter into the living process of thought and imagination; moralizing must permeate the whole life of imagination.

[ 51 ] Das aber führt die Seele wirklich hinaus aus dem Leibe. Das führt diese Menschenseele so aus dem Leibe, dass man jetzt weiß: Sogar bei der Mystik, oftmals bei der schönsten Mystik, geht man eigentlich tiefer in den Leib hinein. Nachher können die Aussprüche dieser schönen Mystik sehr poetisch sein, sie sind aber nur dadurch schön, dass sie noch tiefer in den Leib hineingehen. Ich denke zum Beispiel jetzt an die schönen mystischen Ergüsse einer Mechthildis von Magdeburg. Wer möchte sie nicht bewundern? Aber derjenige, der die Dinge kennt, weiß: sie sind entstanden, weil die Trägerin dieser Mystik sich noch tiefer in den Leib hineinbegeben hat, noch mehr schläft, sozusagen, als es im gewöhnlichen Wachbewusstsein geschieht, dass sie mehr schläft in Gefühl und Wille, als es sonst im gewöhnlichen Wachbewusstsein der Fall ist.

[ 51 ] But that really leads the soul out of the body. It leads the human soul out of the body in such a way that we now know: even in mysticism, often in the most beautiful mysticism, one actually goes deeper into the body. Afterwards, the utterances of this beautiful mysticism can be very poetic, but they are only beautiful because they go even deeper into the body. I am thinking, for example, of the beautiful mystical effusions of Mechthild of Magdeburg. Who would not admire them? But anyone who knows these things knows that they arose because the bearer of this mysticism went even deeper into the body, slept even more, so to speak, than happens in ordinary waking consciousness, that she slept more in feeling and will than is otherwise the case in ordinary waking consciousness.

[ 52 ] Nun, ist man zunächst aufgewacht über das Vorstellungsleben selber — nicht nur, dass man über die Gefühle träumt und im Willen schläft, sondern die Vorstellung hat man nur als Spiegelbild —, man wacht auf zum lebendigen Vorstellungsleben, und dadurch bekommt man den Ätherleib, der uns begleitet von der Geburt oder Empfängnis bis zum Tode. Indem man aber immer weitergeht, indem man das Denken innerlich vermoralisiert, indem man die Gedanken selber zu lebendigen Mächten macht, die einander etwas zu sagen haben, die sich innerlich als Gedanken mit Sympathie oder Antipathie aufstoßen, indem man frei wird von aller leiblichen Miträtigkeit, steigt man auf zu der inspirierten Erkenntnis. Und jetzt, indem man ganz frei geworden ist vom Leibe, wird man euch frei von alledem, was den menschlichen Lebenslauf bis zum Tode begleitet. Man erhebt sich zu dem, was wir das eigentliche Übersinnliche der Menschenwesenheit nennen können.

[ 52 ] Now, once one has awakened to the mental image itself — not only dreaming about feelings and sleeping in the will, but having the mental image only as a mirror image — one awakens to the living mental image, and through this one receives the etheric body that accompanies us from birth or conception until death. But by continuing further, by moralizing thinking inwardly, by making thoughts themselves into living powers that have something to say to each other, that repel each other inwardly as thoughts with sympathy or antipathy, by becoming free from all physical complicity, one ascends to inspired knowledge. And now, having become completely free from the body, one becomes free from everything that accompanies the human life course until death. One rises to what we can call the actual supersensible nature of human beings.

[ 53 ] Nicht so nähert sich die Geisteswissenschaft dem Menschlich-Übersinnlichen, dass sie philosophische Betrachtungen anstellt, ob nun dieses Menschenwesen unsterblich ist oder nicht, sondern so, dass sie hinführt zu dem Übersinnlichen selber. Indem das schauende Bewusstsein aufsteigt zur inspirierten Erkenntnis, zeigt sich, dass in jedem Menschen — indem er durchlebt seinen Lebenslauf zwischen Geburt und Tod durch die Ereignisse des wachen Bewusstseins —, verdeckt wird, was unten ist, was aber durch Geburten und Tode geht.

[ 53 ] Spiritual Science does not approach the human supersensible by engaging in philosophical considerations as to whether this human being is immortal or not, but by leading us to the supersensible itself. As the contemplative consciousness rises to inspired knowledge, it becomes apparent that in every human being — as they live through their life between birth and death through the events of waking consciousness — what is below is concealed, but it passes through births and deaths.

[ 54 ] Geradeso wie wir nicht zu wissen brauchen, wenn wir die rote Rose sehen, dass sie rot ist — wir sehen es —, so werden wir im schauenden Bewusstsein zur Menschenseele hingeführt, von der nicht «bewiesen» zu werden braucht, dass sie unsterblich ist; sondern es zeigt diese übersinnliche Seele in ihrer eigenen Wesenheit dasjenige, was sich verbindet mit dem, was von Eltern und Voreltern durch die Vererbung kommt, was vor der Geburt lebt in einer geistigen Welt, was aus der geistigen Welt herauskommt, so wie die Vererbungssubstanz von den Eltern und Voreltern gekommen ist. Man sieht, wie die Menschenseele aus der geistigen Welt kommt, wie sie wieder in die geistige Welt eintritt.

[ 54 ] Just as we do not need to know that the red rose is red when we see it — we see it — so in contemplative consciousness we are led to the human soul, whose immortality does not need to be “proved”; rather, this supersensible soul shows in its own being that which connects with what comes from parents and ancestors through heredity, what lives in a spiritual world before birth, what comes out of the spiritual world, just as the hereditary substance came from parents and ancestors. One sees how the human soul comes from the spiritual world, how it re-enters the spiritual world.

[ 55 ] Diese unsterbliche Seele, sie lebt in uns, aber das Ewige, es wird verhüllt dadurch, dass wir zwischen der Geburt und dem Tode Erfahrungen machen müssen durch unsere Sinne, Erfahrungen in den Begriffen, die abgelähmt sind. Aber es lebt in uns vor der Empfängnis, es lebt in uns nach unserm Tode. Und weil wir uns aufgeschwungen haben zum schauenden Bewusstsein, das den Leib nicht braucht, während das gewöhnliche Bewusstsein den Leib braucht, um sich zu entfalten, können wir uns nun Vorstellungen machen, dass dieses unsterbliche Menschenwesen nicht ein unbewusstes, sondern ein im schauenden Bewusstsein [Lebendes], das wir hier erkenntnismäßig erleben, dass dieses wahre, unsterbliche Wesen im schauenden Bewusstsein vorhanden ist.

[ 55 ] This immortal soul lives within us, but the eternal is veiled by the fact that between birth and death we must experience through our senses, experiences in concepts that are dulled. But it lives within us before conception, it lives within us after our death. And because we have risen to a seeing consciousness that does not need the body, whereas ordinary consciousness needs the body in order to unfold, we can now create mental images of this immortal human being as not being unconscious, but [living] in seeing consciousness, which we experience here in terms of knowledge, that this true, immortal being is present in seeing consciousness.

[ 56 ] Nur in einem Punkte lassen Sie uns nun ausführen, wie der Mensch dieses sein unsterbliches Wesen erkennt. Ich müsste durch viele Stunden reden, wollte ich alles sagen, was man erlangen kann an Erkennen, was der Mensch alles erleben kann im geistigen Gebiet. Aber in Bezug auf diejenige Frage, die man fast gar nicht mehr in den heutigen Lehrbüchern der Seelenkunde findet, in Bezug auf die Schicksalsfrage, lassen Sie uns besprechen, was das inspirierte Bewusstsein zu sagen hart.

[ 56 ] Let us now explain, in just one point, how human beings recognize this immortal being. I would have to speak for many hours if I wanted to say everything what can be gained in terms of knowledge, what human beings can experience in the spiritual realm. But with regard to the question that is hardly to be found in today's textbooks on psychology, with regard to the question of fate, let us discuss what inspired consciousness has to say.

[ 57 ] Diese Schicksalsfrage — Schopenhauer ist eigentlich unter den neueren Philosophen der einzige, der gewagt hat, Betrachtungen darüber anzustellen, aber er sagt gleich, dass man sie nur als hypothetische Betrachtung ansehen soll, weil er nicht wagt, etwas Bestimmtes zu sagen.

[ 57 ] This question of fate — Schopenhauer is actually the only one among the more recent philosophers who has dared to reflect on it, but he immediately says that it should only be regarded as a hypothetical consideration, because he does not dare to say anything definite.

[ 58 ] Manche Menschen, wenn sie alt geworden sind in einem besinnlichen Leben, sie sprechen wie Goethes Freund Knebel, der sehr schön das Folgende ausspricht: «Die Menschen, wenn sie auch ein noch so verworrenes Leben führen, wenn sie im Alter zurückblicken, kann es ihnen erscheinen, als wenn doch ein fester Plan dem ganzen Verlauf ihres Lebens zugrunde läge; als wenn eine unsichtbare Hand die Schicksalszufälle zusammengetragen hätte.» Ja, dasjenige, was die Menschen am meisten aus der Richtung zu bringen scheint, es zeigt sich bei näherer Betrachtung erst recht als solches, das mit dem ganzen Schicksalsplane zusammenhängt. Was solche Leute, die im Sinnen alt, im Alter sinnend geworden sind, aussprechen, darüber sagt das inspirierte Bewusstsein etwas aus. Es gehört dem schauenden Bewusstsein an. Und indem gezeigt worden ist, dass sich dieses schauende Bewusstsein verhält zu dem gewöhnlichen Tagesbewusstsein, wie das Tagesbewusstsein sich verhält zum Traumbewusstsein, können wir die Frage aufwerfen: Ist es nicht vielleicht so mit diesem gewöhnlichen Tagesbewusstsein gegenüber dem schauenden Bewusstsein wie mit den Traumerlebnissen gegenüber den gewöhnlichen Sinneserlebnissen im Tagesbewusstsein?

[ 58 ] Some people, when they have grown old in a contemplative life, speak like Goethe's friend Knebel, who expresses the following very beautifully: " No matter how confused their lives may be, when people look back in old age, it may seem to them as if there were a fixed plan underlying the entire course of their lives; as if an invisible hand had brought together the coincidences of fate. " Yes, what seems to throw people off course the most, on closer inspection, turns out to be precisely that which is connected with the whole plan of destiny. What such people, who have become contemplative in old age, is expressed by the inspired consciousness. It belongs to the contemplative consciousness. And since it has been shown that this contemplative consciousness relates to ordinary daytime consciousness as daytime consciousness relates to dream consciousness, we can ask the question: Is it not perhaps the case with this ordinary daytime consciousness in relation to the seeing consciousness as it is with dream experiences in relation to ordinary sensory experiences in daytime consciousness?

[ 59 ] Wir erleben ja unser Schicksal. Wir erleben die Schicksale, indem sie uns auf der einen Seite Gefühle der Freude, des Glückes bringen, auf der anderen Seite bitteres Leid und Schmerzen bringen. Aber derjenige, der das Menschenwesen durchschaut, wenn er es auch nur ahnend durchschaut, wie Friedrich Theodor Vischer, er weiß, dass wir eigentlich nur in diesen Dingen träumen. «Wer sich nicht beschäftigen will mit den Rätseln des Traumes, der kann nie die menschlichen Leidenschaften verstehen.» Er kann aber auch das Gefühl nicht verstehen; das Gefühl, wie es lebt, indem die Schicksale in unser Leben hereintreten.

[ 59 ] We do experience our destiny. We experience destinies in that, on the one hand, they bring us feelings of joy happiness, and on the other hand bring us bitter suffering and pain. But those who see through human nature, even if only intuitively, like Friedrich Theodor Vischer, know that we are actually only dreaming in these things. "Those who do not want to concern themselves with the mysteries of dreams can never understand human passions.

" Nor can they understand feeling; feeling as it lives when fate enters our lives.

[ 60 ] Nun betrachten wir zunächst dasjenige Schicksal, das wir uns gewissermaßen von innen heraus schaffen. Es hängt ja vielfach von den Fähigkeiten, den Talenten ab, wie wir uns entwickeln, wie wir uns ausbilden können. Der eine neigt mehr zu diesem, der andere zu jenem, woher kommt das? Ist es wirklich zu vergleichen mit einer Art höheren Traumerlebens? Diese Fragen müssen wir stellen. Nun, die neuere Naturwissenschaft hat auch auf diesem Felde manches hingestellt. Und ich kann mir gut denken, dass jemand sagt: Ach, nun hat diese Naturforschung so Bedeutungsvolles hervorgebracht über die Art und Weise, wie wir ererben gewisse körperliche Anlagen von den Vorfahren und Vorvorfahren. Sie zeigt, wie sich das auslebt in unseren Talenten und Fähigkeiten, Und da kommt nun — so könnte der für die Naturforschung Enthusiasmierte sagen —, da kommt nun dieser Geistesforscher und sagt: Das ist ganz anders; das kommt ja aus der geistigen Welt, und nicht von den Vorfahren; aus der geistigen Welt kommt es, wo der Mensch lebte, bevor er sich umkleidet hat mit der Vererbungssubstanz. Nun, die Geistesforschung erkennt auch auf diesem Gebiete voll an die großen Ergebnisse der Naturwissenschaft. Aber die muss sie in ihrer Einseitigkeit erkennen, muss zeigen, dass etwas anderes dazugehört. Sie steht im vollen Einklang mit der Naturwissenschaft, indem sie das Einseitige noch erweitert.

[ 60 ] Now let us first consider the fate that we create, as it were, from within. How we develop and how we can educate ourselves. One person is more inclined toward this, another toward that. Where does that come from? Can it really be compared to a kind of higher dream experience? We must ask these questions. Well, modern science has also made some discoveries in this field. And I can well imagine someone saying: Oh, now this natural science has produced such meaningful insights into the way we inherit certain physical dispositions from our ancestors and ancestors' ancestors. It shows how this is expressed in our talents and abilities. And now — as someone enthusiastic about natural science might say — along comes this spiritual researcher and says: That is completely different; it comes from the spiritual world, and not from our ancestors ; it comes from the spiritual world, where human beings lived before they clothed themselves in the substance of heredity. Now, spiritual research also fully recognizes the great achievements of natural science in this field. But it must recognize them in their one-sidedness and show that something else belongs to them. It is in complete harmony with natural science in that it expands upon its one-sidedness.

[ 61 ] Geisteswissenschaft bekräftigt gerade die Naturwissenschaft; sie bekämpft sie nicht, sie erweitert sie nur. Es ist ein schönes Buch erschienen über Goethe. Da wird gezeigt, wie Goethes Eigenschaften zu finden sind bei diesem oder jenem Vorfahren. Es sollte da gezeigt werden, wie durch die Vererbung das Genie zusammensummiert die Eigenschaften seiner Vorfahren. Es ist das doch kein wissenschaftliches Vorgehen; die Tatsache kann nicht geleugnet werden, dass es so ist. Und es kann sehr viel Bedeutsames auf diesem Felde durch Naturforschung geleistet werden. Aber es ist nichts Wunderbares, was da ausgeführt wird, ebenso wenig wie es wunderbar ist, wenn jemand nass ist, wenn er im Wasser gewesen ist. Man trägt selbstverständlich das an sich, wodurch man hindurchgegangen ist. Man trägt selbstverständlich dasjenige an sich, was man aufgenommen hat, indem man durch die Vorfahrenreihe gegangen ist. Naturwissenschaft müsste das eigentlich genauer nehmen und davon aus zu den Nachkommen gehen, und müsste zeigen, wie die genialen Eigenschaften sich vererben. Das wird man wohl bleiben lassen; man könnte dabei doch recht merkwürdige Entdeckungen machen.

[ 61 ] Spiritual Science actually reinforces natural science; it does not combat it, it only expands it. A beautiful book has been published about Goethe. It shows how Goethe's characteristics can be found in this or that ancestor. The aim is to show how, through heredity, genius sums up the characteristics of its ancestors. This is not a scientific approach; the fact cannot be denied that this is the case. And a great deal of significant work can be done in this field through natural science. But there is nothing miraculous about what is being done here, just as it is not miraculous that someone is wet after being in water. It is only natural to carry with you what you have gone through. It is only natural to carry with you what you have absorbed by going through the line of ancestors. Natural science would have to take a closer look at this and, based on this, look at descendants, and it should show how genius traits are inherited. This will probably be left alone; yet one could make some very strange discoveries in the process.

[ 62 ] Aber die Sache verhält sich eben anders. Ohne dass man negiert dasjenige, was die Naturwissenschaft zu sagen hat, zeigt das inspirierte Bewusstsein, das den wirklichen unsterblichen Kern des Menschen als Gegenstand hat, wie das Sinnesbewusstsein die Augen und Ohren zum Gegenstand hat, es zeigt dieses inspirierte Bewusstsein, dass dasjenige, was in uns als die wesentlichsten inneren Wurzeln unserer Fähigkeiten, unserer Begabungen, unserer starken und schwachen Seiten lebt, was sich nur bedient desjenigen, was wir als Leib um uns gelegt haben durch die Geburt, dass das nicht von den physischen Vorfahren kommt, sondern dass es kommt aus den Kräften heraus, die wir durchlebt haben in der geistigen Welt, bevor wir durch die Empfängnis mit einem physischen Leibe umkleidet worden sind.

[ 62 ] But the situation is different. Without negating what natural science has to say, inspired consciousness, which has the real immortal core of the human being as its object, just as sensory consciousness has the eyes and ears as its object, shows that what lives within us as the most essential inner roots of our abilities, our talents, our strengths and weaknesses, which only makes use of what we have been given as a body through birth, does not come from our physical ancestors, but from the forces we experienced in the spiritual world before we were clothed in a physical body through conception.

[ 63 ] Der Geistesforscher, der nun durch alle diejenigen Methoden, die ich dargestellt habe, die Möglichkeit erlangt hat, das Geistige im Seelischen zu beobachten, er weiß, dass dasjenige, was den Fähigkeiten und Begebungen, den Stärken und Schwächen, zugrunde liegt, ebenso wenig unmittelbar ererbt sein kann, wie ererbt sein kann irgendetwas, was wir erleben und in Erinnerung behalten. Wir wissen, dass das von außen gekommen ist. Wir können es nicht Vererbung nennen, was wir da erinnern, wie es von außen gekommen ist. So lernt der Geistesforscher im inspirierten Bewusstsein unterscheiden, wie dasjenige, was als Vererbungssubstanz von den Eltern und Voreltern kommt, durchdrungen wird vom Geistigen; durchdrungen wird mit den Impulsen, die dann leben in dieser Vererbungssubstanz. Und er kommt da zu einer Vorstellung, die ich nur den Ergebnissen nach auseinandersetzen kann. Eine Vorstellung, die heute noch paradox anmuten kann, die aber dasjenige, was Naturwissenschaft aussagen kann, gerade in die richtigen Bahnen bringt.

[ 63 ] The spiritual researcher who has now gained the ability to observe the spiritual in the soul through all the methods I have described knows that what underlies abilities and talents, strengths and weaknesses, can be no more directly inherited as can be inherited anything that we experience and remember. We know that this has come from outside. We cannot call what we remember inheritance, as it came from outside. Thus, the spiritual researcher learns in inspired consciousness to distinguish how that which comes as hereditary substance from parents and ancestors is permeated by the spiritual; permeated with the impulses that then live in this hereditary substance. And he arrives at a mental image that I can only discuss in terms of its results. A mental image that may seem paradoxical today may still seem paradoxical today, but which puts what natural science can say on the right track.

[ 64 ] Wir müssen uns nur vorstellen, wir sind mit dem unsterblichen Teil in der geistigen Welt darinnen, bevor wir in die physische Welt eintreten. Wir sind durch Jahrhunderte in der geistigen Welt, bevor wir uns wieder mit einem Leibe umkleiden. Aber die geistige Welt hat der Geistesforscher nach den Ergebnissen seiner Wissenschaft so vorzustellen, dass sie nicht irgendwo in einem Wolkenkuckucksheim liegt. Die geistige Welt ist immer um uns, so wie Geist und Seele immer in uns sind, ob wir nun die Hand bewegen oder sonst etwas körperlich ausführen. Alles, was physisch-wirklich ist, ist durchdrungen von dem Geiste. Nichts geschieht, hinter dem nicht die geistigen Wesen und geistigen Vorgänge stehen. Das ist aber nicht pantheistisch, sondern das ist ganz konkret vorzustellen.

[ 64 ] We only have to create a mental image of ourselves as being in the spiritual world with our immortal part before we enter the physical world. We are in the spiritual world for centuries before we clothe ourselves again with a body. But according to the findings of his science, the spiritual researcher must create a mental image of the spiritual world in such a way that it is not located somewhere in a cloud cuckoo land. The spiritual world is always around us, just as spirit and soul are always within us, whether we move our hand or perform any other physical action. Everything that is physically real is permeated by spirit. Nothing happens that is not supported by spiritual beings and spiritual processes. But this is not pantheistic; it can be imagined in very concrete mental images.

[ 65 ] Blicken wir zurück, da schauen wir in die Generationenreihe, da sehen wir die Eltern und Großeltern. Aber während sie sich herunterentwickeln, um in Familien zusammengeführt zu werden in Liebe, während diese Generation die ererbten Eigenschaften fortpflanzt, geht in der geistigen Welt etwas vor. Da sind wir ja selbst drinnen. Und so wie meine Seele in meiner Hand wirkt, so wirkt das, was durch Jahrhunderte von mir in der geistigen Welt lebt, während mein Urururgroßvater hier unten lebt, in den Kräften, wodurch er die vorige Generation findet, wodurch sie vererbt werden. In diesem ganzen Vererbungsvorgange stecken wir mit den Kräften drinnen, die wir aus der geistigen Welt herunterschicken. Und wenn wir am Ende der Generationsreihe von unserem Elternpaar geboren werden, dann sind wir es selber gewesen, die von der geistigen Welt aus mitgewirkt haben, dass diese Eigenschaften uns umkleiden. Wir sind dabei, indem wir von den Eigenschaften der Generationsreihe umkleidet werden.

[ 65 ] When we look back, we see the generations, we see our parents and grandparents. But while they develop downwards to be brought together in families in love, while this generation passes on the inherited characteristics, something is happening in the spiritual world. We ourselves are part of this. And just as my soul works in my hand, so too does that which has lived through centuries of me in the spiritual world, while my great-great-great-grandfather lives down here, work in the forces through which he finds the previous generation, through which they are inherited. In this whole process of inheritance, we are involved with the forces that we send down from the spiritual world. And when we are born at the end of the generational line from our parents, it is we ourselves who have contributed from the spiritual world to these characteristics clothing us. We are involved in this by being clothed in the characteristics of the generational line.

[ 66 ] Nicht widerlegt werden die Vorstellungen der Naturwissenschaft, sondern sie werden gerade auf eine gesunde, eine wahrhaft geisteswissenschaftliche Basis gebracht. Sie sehen, die Welt wird wirklich erweitert vom Physischen ins Geistige hinein. Wir sind dabei, indem sich die zu vererbenden Eigenschaften entwickeln; wir sind verwoben mit der geistigen Welt, die immerfort die physische Welt durchdringt, die auch in dem steckt, was in den Vorgenerationen dasjenige bereitet, was in unserer Vererbung auftritt. Damit haben wir selbst unser inneres Schicksal bestimmt. Wir sind herangekommen durch das inspirierte Bewusstsein an das innere Schicksal. Wir haben die Ursachen unseres Schicksals nicht zu suchen in dieser Welt, wo das Schicksal uns zufällt, wo es wie zusammengewürfelt erscheint, sondern wir haben sie zu suchen im Geistigen. So wie wir die Erklärungen für den Traum nicht zu suchen haben, indem wir erwarten, wir werden träumen, was er bedeutet, sondern wie wir aufwachen müssen, so müssen wir im inspirierten Bewusstsein aufwachen. Dann wird aus dem, was wir hier träumen in Gefühlen und Affekten, Wirklichkeit, aber eine Wirklichkeit, die vor der Geburt und nach dem Tode beginnt in der geistigen Welt. [Heraklit] sagte schon: «Im Traume hat jeder seine eigene Welt; indem er aufwacht, hat man mit den anderen gemeinsam eine Welt um sich herum.» Da wachen wir auf aus dem, was wir träumen über unsere Affekte, über alles das, was an Sympathie und Antipathie dem inneren Schicksal gegenübersteht. Aber wir wissen jetzt, wie doch die Wirklichkeit anregt die Träume, so regt die geistige Wirklichkeit an dasjenige, was uns als inneres Schicksal begegnet. Und wiederum tragen wir das, was wir erleben durch unsere Fähigkeiten, durch die Pforte des Todes und verbinden es mit den geistigen Kräften und erleben es weiter in der geistigen Welt.

[ 66 ] The mental images of natural science are not refuted, but rather placed on a healthy, truly spiritual Science of Spirituality basis. You see, the world is truly expanded from the physical into the spiritual. We are involved in this as the inheritable characteristics develop; we are interwoven with the spiritual world, which constantly permeates the physical world, which is also contained in what the previous generations have prepared, what appears in our inheritance. In this way, we ourselves have determined our inner destiny. Through inspired consciousness, we have arrived at our inner destiny. We do not have to seek the causes of our destiny in this world, where destiny befalls us, where it seems to be thrown together, but we have to seek them in the spiritual realm. Just as we do not have to seek explanations for dreams by expecting to dream what they mean, but rather by waking up, so too must we wake up in inspired consciousness. Then what we dream here in feelings and emotions becomes become reality, but a reality that begins before birth and after death in the spiritual world. [Heraclitus] already said: “In dreams, everyone has their own world; when they wake up, they share a world with others around them.” There we wake up from what we dream about our emotions, about everything that stands in the way of our inner destiny in terms of sympathy and antipathy. But we now know how reality stimulates dreams, just as spiritual reality stimulates what we encounter as our inner destiny. And again, we carry what we experience through our abilities, through the gate of death, and connect it with the spiritual forces and continue to experience it in the spiritual world.

[ 67 ] Nun kommen wir zu dem äußeren Schicksal. Denn unser Schicksal setzt sich zusammen nicht nur aus dem, was wir uns selber bereiten durch unsere Fähigkeiten, unsere Stärken und Schwächen, sondern es tritt ein Ereignis an uns heran von außen, wozu die Fähigkeiten nichts können. Und um diese Schicksalsfragen aufzufangen, um über diese Fragen die gültige Antwort zu bekommen, da muss man zur dritten Stufe des schauenden Bewusstseins aufsteigen; zu jener Stufe, die ich die «intuitive Erkenntnis» genannt habe.

[ 67 ] Now we come to external destiny. For our destiny is not only made up of what we bring upon ourselves through our abilities, our strengths and weaknesses, but also of events that come upon us from outside, over which our abilities have no control. And in order to address these questions of fate, to obtain the valid answer to these questions, one must ascend to the third stage of contemplative consciousness; to that stage which I have called “intuitive knowledge.”

[ 68 ] Imaginative Erkenntnis, inspirierte Erkenntnis, intuitive Erkenntnis: Das sind die drei Stufen des schauenden Bewusstseins. Ich will diese dritte Stufe nur in Bezug auf die Schicksalsfrage ausführen, denn ein weites Feld des geistigen Forschens stünde vor uns, wenn ich alles das ausführen wollte, was erlebt werden kann im schauenden intuitiven Erkennen. Aber, indem ich über die Schicksalsfrage spreche von diesem Gesichtspunkte aus, muss ich sprechen von dem, wo wir das Schicksal in unser gewöhnliches Bewusstsein hereinbekommen. Gewöhnlich haben wir es nicht drinnen. Gewöhnlich erleben wir es träumend in unseren Gefühlen, unseren Empfindungen. Aber wie wachen wir auf, um unser Schicksal zu verstehen?

[ 68 ] Imaginative knowledge, inspired knowledge, intuitive knowledge: These are the three stages of contemplative consciousness. I will only elaborate on this third stage in relation to the question of destiny, because a vast field of spiritual research would lie before us if I were to elaborate on everything that can be experienced in contemplative intuitive knowledge. But in speaking about the question of destiny from this point of view, I must speak about where we bring destiny into our ordinary consciousness. Usually we do not have it within us. Usually we experience it dreamily in our feelings, our sensations. But how do we wake up to understand our destiny?

[ 69 ] Indem man in der Erkenntnis so vorrückt vom wachenden zum schauenden Bewusstsein, da kommt eines Tages der Augenblick — man braucht nicht einmal in innerlicher Entwicklung, wahrhaftig nicht durch innere Übungen herbeizuführen, was ich schildern werde, wenn man einfach sich einlässt auf das, was in den Büchern über Geisteswissenschaft geschildert wird, auch wenn man kein Geistesforscher geworden ist, da kommt das, was ich schildern werde —, eines Tages kommt man zu einem erschütternden Erlebnis, wo man sich sagt, also auch für den, der die Literatur lebendig durchdringt, wo man sich sagt: Ich habe im Leben manches erlebt; ich habe Schicksalsschläge erlebt, welche mich tief in Leid und Schmerzen gestürzt haben; ich habe erlebt Schicksale, die mich erhoben haben, die mir Freude und Lust gebracht haben; denn man braucht nicht stumpf zu werden durch dieses Erleben. Man kann im Gegenteil empfänglicher werden für das Erdenleid und Erdenglück im Schicksal.

[ 69 ] By advancing in knowledge from waking to watching consciousness, one day the moment comes — one does not even need to bring about what I am about to describe through inner development, truly not through inner exercises, if one simply engages with what is described in the books on Spiritual Science, even if one has not become a spiritual researcher. then what I am about to describe will come — one day you will have a shattering experience where you say to yourself, even for those who live and breathe the literature, where you say to yourself: I have experienced many things in life; I have experienced strokes of fate that have plunged me into deep suffering and pain; I have experienced fates that have uplifted me, that have brought me joy and pleasure; for one does not need to become numb through these experiences. On the contrary, one can become more receptive to earthly suffering and earthly happiness in fate.

[ 70 ] Aber, wenn man die Erkenntnis so ernst genommen hat, wie es hier gemeint ist, wenn diese Erkenntnis einem das geworden ist, dass man weiß: Man hat sich durch diese Erkenntnis mit dem unsterblichen Teil des Menschen verbunden; man lebt, indem man zum bildlichen Denken gekommen ist, dann dieses zum Geistesauge und Geistesohr gebracht hat im Leben, in der geistigen Welt drinnen; dann wird das selbst ein Schicksal. Das wird ein Schicksal, meine sehr verehrten Anwesenden, das nun bedeutsamer einschlägt in das Leben als jedes andere Schicksal, und das man, das ist bedeutsam, nun selbst herbeigeführt hat. Diese Dinge — ja, man möchte ganz andere Worte haben, als sie in der gewöhnlichen Sprache möglich sind, wenn man sie genügend beschreiben wollte —, diese Dinge sind bedeutsam, weil sie das ganze Menschenwesen als menschliche Seele umwandelt. Nicht stumpf braucht man zu werden, im Gegenteil, man kann alle übrigen Schicksale umso intensiver empfinden. Aber das eine Schicksal, das man selber vom ersten Bausteine an aufgebaut hat, und das sich dann zusammenformt darin, dass man sich sagt: Du bist ein anderer geworden; du lebst jetzt in gewissen Zeiten, in dem, was nicht leiblich, nicht sinnlich ist, was im Leben geistig drinnensteht, was seine Unsterblichkeit selber bezeugt. Indem man sich dieses Schicksal selber bereitet, ist man durch Erkenntnis urteilsfähig geworden über die Schicksalsfrage. Jetzt beginnt diese Schicksalsfrage Gegenstand der intuitiven Erkenntnis zu werden. Jetzt erweitert sich neuerdings das Bewusstsein, das ich das schauende Bewusstsein genannt habe. Und jetzt weiß man: Dasjenige, was zugrunde liegt deinem Wollen, was du immer verschläfst, was ist es? Wie kommt es hinein in dich? So kommt es hinein, wie das, was du im Leben erfährst, jetzt aus dir wiederum herauskommt, was aber dich selber hinüberträgt durch Geburt und Tod.

[ 70 ] But if one has taken this insight as seriously as is meant here, if this insight has become such that one knows: through this insight one has connected oneself with the immortal part of the human being; that you live by having arrived at figurative thinking, then brought this to the mind's eye and mind's ear in life, in the spiritual world; then this itself becomes a destiny. This becomes a destiny, my dear audience, that now has a more significant impact on life than any other destiny, and which, significantly, you yourself have brought about. These things — yes, one would like to have words quite different from those available in ordinary language if one wanted to describe them adequately — these things are significant because they transform the whole human being as a human soul. One does not need to become dull; on the contrary, one can feel all other destinies all the more intensely. But the one fate that one has built up oneself from the very first building block, and which then takes shape in the realization that one has become someone else; one now lives in certain times, in what is not physical, not sensual, what is spiritual in life, what testifies to its own immortality. By preparing this destiny for yourself, you have become capable of judging the question of destiny through knowledge. Now this question of destiny begins to become the object of intuitive knowledge. Now the consciousness that I have called the contemplative consciousness expands anew. And now you know: What is it that underlies your will, what you always sleep through, what is it? How does it come into you? It comes in just as what you experience in life now comes out of you again, but which carries you yourself through birth and death.

[ 71 ] Da müssen wir eines berücksichtigen. Vornehme, schöne Gedanken haben über verschiedene Dinge, dass soll man und kann man. Man kann auch schöne Motive haben für sein Handeln und diese Motive ausführen. Aber es ist ganz sicher, so recht lernen, sich mit seinem Handeln richtig hineinzustellen ins Leben, das kann man doch nur durch das Leben selbst. Man kann eine große Geschicklichkeit haben und den besten Willen, etwas auszuführen, so gut wird man es nicht machen, als wenn man es schon gemacht hat. Man lehrt nur am Leben eigentlich richtig. Und man hat am meisten gelernt im Leben dann, wenn man durch die Pforte des Todes zu gehen hat. Wohin trägt man das, was man gelernt hat?

[ 71 ] We must take one thing into account here. One can and should have noble, beautiful thoughts about various things. One can also have beautiful motives for one's actions and carry out these motives. But is quite certain that one can only truly learn to position oneself correctly in life through life itself. One can have great skill and the best will to carry something out, but one will not do it as well as if one had already done it. Only life can truly teach. And one has learned the most in life when one has to pass through the gate of death. Where does one take what one has learned?

[ 72 ] Da muss man noch eine andere Betrachtung, die dem intuitiven Bewusstsein zugänglich ist, anstellen, wenn man über diese Frage Klarheit haben will. Wenn man das menschliche Schicksal von außen kommend betrachtet, es stellt sich merkwürdig dar. Das gewöhnliche Bewusstsein verschläft ja eigentlich das Wollen. Wir sind siebzehn Jahre alt; wir fühlen irgendetwas Unbestimmtes, es bleibt einem schwächer als ein Traum. Das Leben trägt uns weiter, sagen wir ins 25. Jahr hinein; Schicksalsschlag über Schicksalsschlag begegnet uns, fällt uns zu. Das Leben treibt uns, meinen wir. Wir meinen, das oder das treibt uns in seinen Weg. Aber wenn wir genau aufmerksam sind, dann finden wir etwas ganz anderes; wir finden einen merkwürdigen Zug in uns. Wir lernen erkennen: Es ist doch etwas, was nicht bloß zufällig von dort her reißt, uns in den Schicksalsschlag hineinreißt, sondern wir sind aktiv dabei. Wenn wir zurückschauen, finden wir, wir haben doch, wenn auch dumpf und traumhaft, gewollt dieses oder jenes; dadurch sind wir zu dem Schicksalsschlag geführt worden. Und der Geistesforscher kommt darauf, da etwas in der Seele zu finden, was sich vergleichen lässt mit dem Hungergefühl. Und wenn dann das eintritt, was wir eigentlich im Geheimen gesucht haben, was sich nur verborgen hat dadurch, dass wir unseren Leib dem Schicksalsschlag zutreiben, dann ist es wie eine Befriedigung, wenn wir es erreicht haben, wie eine Befriedigung des Hungers; es schläft die Seele, sie merkt sie nicht, aber sie ist doch da. Und das intuitive Bewusstsein lernt wissen, woher das kommt. Sie kommen aus dem Leben.

[ 72 ] If you want to gain clarity on this question, you have to consider another aspect that is accessible to intuitive consciousness. When you look at human destiny from the outside, it appears strange. Ordinary consciousness actually oversleeps the will. We are seventeen years old; we feel something vague, it remains weaker than a dream. Life carries us on, let's say into our 25th year; stroke of fate after stroke of fate befalls us, falls upon us. Life drives us, we think. We think that this or that drives us in its path. But if we pay close attention, we find something completely different; we find a strange pull within ourselves. We learn to recognize that it is not just something that happens by chance, that drags us into the stroke of fate, but that we are actively involved. When we look back, we find that we did, albeit dimly and dreamlike, want this or that; this is what led us to the stroke of fate. And the spiritual researcher comes to find something in the soul that can be compared to the feeling of hunger. And when what we have actually been secretly seeking occurs, what we have actually been secretly seeking, which has only been hidden by the fact that we drive our body toward the stroke of fate, then it is like a satisfaction when we have achieved it, like the satisfaction of hunger; the soul sleeps, it does not notice it, but it is still there. And intuitive consciousness learns to know where it comes from. They come from life.

[ 73 ] So wie wir im Leben uns die wichtigsten Lebens Lücke] aneignen, so eignen wir uns an das, was wir verschlafen durch das Leben. Und wir lernen auf diese Weise erkennen, dass wir Leben in Leben hineintragen, dass das menschliche Erdenleben in wiederholten Erdenleben verfließt. Dasjenige, was in uns wie schlafend lebt und herandringt aus dem äußeren Leben, dem wir wie im Durste zugehen, wie wir den Nahrungsmitteln mit dem Hunger zugehen, was von draußen zu kommen scheint, das wirkt in uns, weil das frühere Erdenleben und das, was wir uns in diesem Leben aneigneten, das tragen wir in spätere Erdenleben hinüber. So verfließt das ganze sterbliche Leben des Menschen in wiederholten Erdenleben. Von Leben zu Leben wird getragen das äußere Schicksal und in dem dazwischenliegenden geistigen Leben, in welchem in der geistigen Welt die Impulse gelegt werden zu alledem, was von innen her wirkt. Diese Dinge führen erst zu einer vollständigen — um das Goethe-Wort zu gebrauchen —, zu einer geistgemäßen Erkenntnis der Menschheit; sie führen zu einem wirklichen Verständnis des Menschen.

[ 73 ] Just as we acquire the most important things in life, we also acquire what we have slept through in life. And in this way we learn to recognize that we carry life into life, that human life on earth flows into repeated lives on earth. That which lives within us as if asleep and draws near from outer life, which we approach as if thirsty, as we approach food when hungry, which seems to come from outside, has an effect on us because we carry our previous earthly life and what we have acquired in this life over into later earthly lives. Thus the whole mortal life of the human being flows into repeated earthly lives. From life to life, the outer destiny is carried, and in the spiritual life in between, in which the impulses for all that works from within are laid down in the spiritual world. These things lead to a complete — to use Goethe's words — spiritual understanding of humanity; they lead to a real understanding of the human being.

[ 74 ] Es darf nicht, wie es geschehen ist leider, die törichte Einfalt kommen und sagen: Ja, da machst du ja dasjenige, was der Mensch als Schicksal erlebt, zu seiner eigenen Schuld. Und heute, wo wir in einer so schicksaltragenden Zeit leben, könnte es besonders grausam erscheinen — und Geisteswissenschaft ist auch in dieser Beziehung verleumdet worden —, dass der Mensch nicht nur sein Unglück erlebt, sondern dass es noch so hingestellt wird als Folgen der früheren Leben. Aber so ist es nicht. Nicht von Schuld und Sühne ist die Rede; das sind Begriffe des gewöhnlichen Bewusstseins. Im schauenden Bewusstsein haben diese Begriffe keinen Wert. Da überschauen wir, wie allerdings das Leben von Erdendasein zu Erdendasein geht und zwischendurch die geistigen Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchmacht; wie dadurch das Leben seinen höheren Sinn bekommt; wie der Lebenstraum eingegliedert wird in eine höhere geistige Wirklichkeit, wie sonst der äußere Traum in die äußere Wirklichkeit eingegliedert wird.

[ 74 ] We must not, as has unfortunately happened, allow foolish simplicity to come and say: Yes, you are making what human beings experience as fate their own fault. And today, when we are living in such a fateful time, it might seem particularly cruel — and Spiritual Science has also been slandered in this regard — that human beings not only experience their misfortune, but that it is also presented as the consequences of previous lives. But that is not the case. We are not talking about guilt and atonement; those are concepts of ordinary consciousness. In clairvoyant consciousness, these concepts have no value. There we see how life passes from one earthly existence to another, and in between undergoes spiritual lives between death and a new birth; how life thereby acquires its higher meaning; how the dream of life is integrated into a higher spiritual reality, just as the outer dream is integrated into outer reality.

[ 75 ] Aber wir lernen vor allen Dingen die gewöhnlichen Begriffe, die Begriffe des gewöhnlichen Lebens auch im höheren Sinne aufzufassen. Wir lernen hinschauen auf die früheren Erdenleben, aus denen wir uns Ursachen für das gegenwärtige Leben geschaffen haben. Aber auch lernen wir, wie das Unglück, das uns vielleicht zum ersten Mal trifft, Grund- und Ausgangspunkt für das Schicksal im folgenden Erdenleben sein kann. Kein Unglück kann es geben im menschlichen Leben, das nicht irgendwie der Ausgangspunkt ist für einen Reichtum des Lebens, für eine Erhöhung, für eine Sinnerweiterung des Lebens. Mag es auch im einzelnen Menschenleben schwer sein, nicht nur mit dem Gefühl, das niemals über sich ganz aufgeklärt ist, das Unglück zu betrachten; aber gerade in einer solchen schicksaltragenden Zeit, wie die heutige ist, müsste doch manches Licht hereinfallen in die denkende und sinnende Menschenseele, die so viel Unglück um sich herum hat, wenn allem Leben ein ebenso hoher Sinn gegeben wird, wie unseren Träumen der Sinn gegeben wird im Aufwachen in die physische Wirklichkeit hinein.

[ 75 ] But above all, we learn to understand the ordinary concepts, the concepts of ordinary life, in a higher sense. We learn to look at our previous earthly lives, from which we have created the causes for our present life. But we also learn how misfortune, which may befall us for the first time, can be the basis and starting point for destiny in the following earthly life. There can be no misfortune in human life that is not somehow the starting point for a richness of life, for an elevation, for an expansion of the meaning of life. It may be difficult in individual human lives to view misfortune not only with a feeling that is never completely clear to oneself; but especially in such a fateful time as today, some light should fall into the thinking and contemplating human soul, which has so much misfortune around it, if all life is given as high a meaning as our dreams are given when we wake up into physical reality .

[ 76 ] Und zum Schlusse lassen Sie mich eine Überzeugung aussprechen. Gewiss, Betrachtungen anzustellen über die tiefgehenden Fragen, es muss zu jederzeit dem Menschenherzen, der Menschenseele naherücken. In unserer Zeit aber sind noch besondere Aufforderungen da, wo wir so viele Prüfungen und wenn auch Hoffnungen so doch Unglück und Leid und Schmerzen um uns haben, da müssen wir geradezu lechzen nach einer Aufklärung, die uns hinausführt über die bloße Betrachtung des Lebens vom wachen Tagesbewusstsein aus zu der Eingliederung dieses Lebens in eine höhere geistige Wirklichkeit, in der alles sinnvoll wird, was vielleicht kaum sich als sinnvoll darstellen kann. Und meine Überzeugung möchte ich am Schlusse dahingehend aussprechen, dass solche Betrachtungen des Lebens, solche Betrachtungen des Menschenwesens, wirklich innerlich zusammenhängen mit alledem, was mir als die tiefste, die innerste Quelle des deutschen Geisteslebens geradezu erscheint.

[ 76 ] And finally, let me express a conviction. Certainly, contemplating profound questions must always be close to the human heart, to the human soul. But in our time there are still special challenges, where we have so many trials and, even if we have hopes, we still have misfortune and suffering and pain around us, so we must crave enlightenment, that leads us beyond the mere contemplation of life from the waking consciousness of the day to the integration of this life into a higher spiritual reality, in which everything that perhaps can hardly be presented as meaningful becomes meaningful. And I would like to express my conviction in conclusion that such reflections on life, such reflections on the human being, are truly connected internally with all that appears to me as the deepest most profound, the innermost source of German spiritual life.

[ 77 ] Wenn ich mir vorstelle, Geisteswissenschaft soll in der Welt in der richtigen Weise, in derjenigen Weise, wie sie sich als geistige Wissenschaft der äußeren Naturwissenschaft entgegenstellt, wie es ihrer würdig ist, entstehen, dann kann ich nur denken, dass die Quellen, die in Goethe, die auch in anderen in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erflossen sind, die vielfach vergessen worden sind, weiter verfolgt werden, dass von diesen Quellen deutschen Geisteslebens aus auch weiter gesucht wird.

[ 77 ] When I have a mental image of Spiritual Science arising in the world in the right way, in the way that it stands in opposition to the external natural sciences as a spiritual science, in a manner worthy of it, then I can only think that the sources that flowed in Goethe and also in others in the first half of the nineteenth century, which have been largely forgotten, should be pursued further, that the search should continue from these sources of German spiritual life.

[ 78 ] Einer der ersten Aufsätze, die ich geschrieben habe als ganz junger Mensch, beschäftigt sich damit, darzustellen, wie eine Erhebung ins Geistige herein gerade aus den echten Wurzeln deutschen Geisteslebens kommen muss. Jugendlich unreif vielleicht war in vielem dieser Aufsatz, aber ich will doch auch heute, weil er gut gemeint war daran anknüpfend, darauf aufmerksam machen, dass ich sagte: Wir mögen die materialistische Form des Darwinismus vom Auslande hinnehmen. Vertieft werden geistig müssen diese Dinge durch die tiefsten Quellen des deutschen Geisteslebens.

[ 78 ] One of the first essays I wrote as a very young man deals with how an elevation into the spiritual must come precisely from the genuine roots of German spiritual life. This essay may have been youthful and immature in many ways, but I would like to draw attention to it today, because it was well-intentioned, and because I said: We may accept the materialistic form of Darwinism from abroad. But these things must be deepened spiritually through the deepest sources of German spiritual life.

[ 79 ] Das darf wohl in der heutigen Zeit auch gesagt werden. Deshalb erschien es mir so befriedigend. Eduard von Hartmann — ich bin nicht sein Anhänger, aber er ist einer der geistvollsten Philosophen, der auch ins Geistige seine Philosophie zu vertiefen suchte; es berührte mich angenehm, als er es aussprach, dass er glaube, dass selbst die moderne Physik frei werden müsse wiederum von den abstrakten und agnostischen Irrwegen, wenn die Universitätsphilosophie sich von ihnen abwender, und der deutsche Zeitgeist sich freimacht von der Anglomanie.

[ 79 ] That can also be said in today's world. That is why it seemed so satisfying to me. Eduard von Hartmann — I am not his follower, but he is one of the most spiritual philosophers who also sought to deepen his philosophy into the spiritual realm; I was pleasantly touched when he said that he believed that even modern physics must free itself from abstract and agnostic aberrations if university philosophy turns away from them and the German zeitgeist frees itself from Anglomania.

[ 80 ] Der deutsche Zeitgeist hat nicht nötig, gerade wo er zu den höchsten Stufen des geistigen Lebens aufsteigen will, Fremdes anzunehmen. Er darf gerade da auf die tiefste Wurzeln seiner eigenen Kraft bauen. Und, darauf darf ich besonders hinweisen, es weist darauf hin der ganze Geist meines Buches «Vom Menschenrätsel», als ich versuchte zu zeigen, wie diejenigen, die gebaut haben auf dem tiefgründigsten Suchen des deutschen Geisteslebens, führen wollten die menschliche Anthropologie, die Lehre vom äußeren physischen Menschen, zu einer geistigen Auffassung. So Troxler, der leider Vergessene, aber er wird wiederum berühmt werden, denn er hat die ersten ahnenden Bausteine zusammengetragen zu dem, was aufgehen will im weitesten Sinne als Geisteswissenschaft oder Anthroposophie. Er spricht schon von dem «übersinnlichen Geiste» und über «geistige Sinne».

[ 80 ] The German Zeitgeist does not need to accept foreign ideas, especially when it wants to ascend to the highest levels of spiritual life. It can build on the deepest roots of its own strength. And, I would like to point out in particular, this is indicated by the entire spirit of my book “Vom Menschenrätsel” (The Mystery of Man), when I attempted to show how those who built on the most profound search of German spiritual life wanted to lead human anthropology, the study of the outer physical human being, to a spiritual understanding. Such is Troxler, who is unfortunately forgotten, but who will become famous again, because he gathered the first intuitive building blocks for what will emerge in the broadest sense as Spiritual Science or anthroposophy. He already speaks of the “supersensible spirit” and “spiritual senses.”

[ 81 ] «Das Übersinnliche muss erfasst werden [Lücke], so ist doch nicht zu übersehen, [dass diese Idee nicht eine Frucht der Spekulation sein kann].»

[ 81 ] “The supersensible must be grasped [gap], yet it cannot be overlooked [that this idea cannot be the fruit of speculation].”

[ 82 ] Und Immanuel Hermann Fichte, der Sohn des großen Johann Gottlieb Fichte, er spricht es aus, dass der Mensch sich erheben kann — er hatte erst die Ahnung: Geisteswissenschaft konnte erst in unserer Zeit entstehen —, dass der Mensch sich erheben muss von der bloßen Anthropologie zu etwas anderem. Er sagt schon in den Vierzigerjahren:

[ 82 ] And Immanuel Hermann Fichte, the son of the great Johann Gottlieb Fichte, expresses that human beings can rise above themselves — he first had the inkling that Spiritual Science could only arise in our time — that human beings must rise above mere anthropology to something else. He already said in the 1840s:

[Das Sinnenbewusstsein dagegen und die auf seinem Ausgangs punkte entstehende Erscheinungswelt mit dem gesamten, auch menschlichen Sinnenleben, haben keine andere Bedeutung, als nur die Stätte zu sein, in welcher jenes übersinnliche Leben des Geistes sich vollzieht, indem er durch frei bewusste eigene Tat den jenseitigen Geistesgehalt der Ideen in die Sinneswelt einführt. [...] Diese gründliche Erfassung des Menschenwesens erhebt nunmehr die «Anthropologie»; in ihrem Endresultate zur «Anthroposophie».]

[Sensory consciousness, on the other hand, and the world of phenomena arising from its starting point, with the entire sensory life, including that of human beings, have no other meaning than to be the place where the supersensible life of the spirit takes place, introducing the otherworldly spiritual content of ideas into the sensory world through its own freely conscious actions. [...] This thorough understanding of the human being now elevates “anthropology” to “anthroposophy” in its final result.]

[ 83 ] Anthroposophie, meine sehr verehrten Anwesenden, ist nicht etwas, was aus der Willkür hervorgeholt ist. Es ist gerade für denjenigen, der das deutsche Geistesleben erfasst, dasjenige, was aus den tiefsten Quellen dieses deutschen Geisteslebens herausgeholt werden kann. Alle diese Quellen sind vergessen worden in den letzten Jahrzehnten; sie müssen wieder eröffnet werden. Ich sage wahrhaftig nicht, dass man mit irgendeiner Philosophie in einseitiger Weise beweisen kann, dass irgendein Philosoph von ganz besonderer Fähigkeit ist, aber richten dürfen wir uns doch nach dem, was der Bibelspruch sagt: «An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.» Da, wo solche Früchte gereift sind, wie diejenigen auf Troxlers, auf Fichtes Bäumen, da liegen andere Quellen, andere Wurzeln der Volkskräfte, aus denen sie herstammen, die zu ganz anderem noch berufen sind. Nicht als etwas Absolutes, sondern als Symptom für die eigenen Wurzeln der Volkskräfte, möchte ich dieses sagen, was die anthroposophisch [orientierte] Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, wie sie Immanuel Fichte und Troxler geahnt haben, zu sagen hat. Wenn zum Beispiel Novalis sagt:

[ 83 ] Anthroposophy, ladies and gentlemen, is not something that has been conjured up arbitrarily. For those who understand German spiritual life, it is precisely that can be drawn from the deepest sources of this German spiritual life. All these sources have been forgotten in recent decades; they must be reopened. I am certainly not saying that any philosophy can prove in a one-sided way that any philosopher is of very special ability, but we can still judge by what the Bible says: “By their fruits ye shall know them.” Where such fruits have ripened, as those on Troxler's and Fichte's trees, there lie other sources, other roots of the forces of the people from which they originate, which are called to something quite different. Not as something absolute, but as a symptom of the roots of the forces of the people, I would like to say this, which anthroposophically [oriented] Spiritual Science, as it is meant here, as Immanuel Fichte and Troxler sensed it. When, for example, Novalis says:

Wir werden erst wahre Physiker [werden, wenn wir imaginative Stoffe und Kräfte zum Maßstab der Naturstoffe und -kräfte machen.]

We will only become true physicists [when we make imaginative substances and forces the measure of natural substances and forces.]

[ 84 ] Solches wagt eigentlich nur in dieser rein geistigen Weise deutsches Geistesleben. Man braucht nicht chauvinistisch zu sein. Das, was ich jetzt ausspreche, ist nicht aus dem Gefühl, sondern aus der Erkenntnis heraus gesprochen. Aber man darf dieses sagen. Und man darf noch mehr sagen. Ist Geisteswissenschaft ja doch wirklich so recht geeignet, den Menschen nicht stolz oder hochmütig zu machen, sondern ihn gerade demütig zu machen auf dem Wege des Forschens, des immerwährenden Ringens nach dem Ziele [Lücke]. Leicht und leichtfertig wirft man der Geisteswissenschaft vor, dass sie nicht nur Gegnerin der Naturwissenschaft, sondern auch Gegnerin der Religion sei. Das ist sie wahrhaftig nicht. Und wenn nicht in jedem geisteswissenschaftlichen Vortrage der Name Christi ausgesprochen wird, so ist sie doch diejenige Wissenschaft, die den Weg zum Geiste zeigt, und deshalb auch den Weg zur wirklichen Religion. Und wenn man nicht ins religiöse Fahrwasser übergeht, so könnte das auch sein, weil man gerade der Religion nicht ins Handwerk pfuschen will; weil man das bringen will auf dem Boden der Geisteswissenschaft, was zum Religiösen wiederum hinführt, was einem aber nicht vorgeworfen werden darf aus dem einfachen Grunde, weil man eben gerade der Religion nicht ins Handwerk pfuschen will. Aber zum Stolz und zur Überhebung kann Geisteswissenschaft niemals führen. Und auch da hat gerade der deutsche Geist schon im achtzehnten Jahrhundert ein schönes Wort gefunden. Derjenige hat es gefunden, der manches gemütsinnige Wort aus echtem deutschem Geistesleben hinaus gesprochen hat, der aber auch Fremdländisches aufgenommen hat. Im achtzehnten Jahrhundert schrieb Saint Martin ein Buch, das von Matthias Claudius übersetzt worden ist. Claudius, dieser Urdeutsche, er fand auch das rechte Wort für die Geisteswissenschaft, indem er sagte:

[ 84 ] Only German intellectual life dares to do this in such a purely spiritual way. There is no need to be chauvinistic. What I am now saying is not spoken out of feeling, but out of knowledge. But one may say this. And one may say even more. Spiritual Science is really so well suited to making people not proud or arrogant, but rather humble on the path of research, of the everlasting struggle toward the goal [gap]. People are quick to accuse Spiritual Science of being not only an opponent of natural science, but also an opponent of religion. This is truly not the case. And even if the name of Christ is not mentioned in every Spiritual Science lecture, it is still the science that shows the way to the spirit, and therefore also the path to true religion. And if one does not enter into religious waters, it could also be because one does not want to meddle in religion; because one wants to bring to the field of Spiritual Science that which leads back to religion, but one cannot be reproached for this for the simple reason that one does not want to meddle in religion. But Spiritual Science can never lead to pride and arrogance. And here, too, the German spirit found a beautiful word as early as the eighteenth century. It was found by someone who spoke many heartfelt words from genuine German spiritual life, but who also absorbed foreign influences. In the eighteenth century, Saint Martin wrote a book that was translated by Matthias Claudius. Claudius, that quintessential German, also found the right word for Spiritual Science when he said:

[Denn ob einer auf einen Schnurrbart oder auf eine Metaphysik und Henriade eingebildet und ein Narr ist, ob einer über einen größern Kürbis oder über die Erfindung der Differential- oder Integral-Rechnung hasset und neidet; kurz ob man sich von seinen fünf Jochochsen oder von seiner Polyhistoren am Seil halten und hindern lässt, das scheint im Grunde einerlei zu sein und nicht zweierlei.]

[For whether one is conceited and a fool about a mustache or about metaphysics and Henriade, whether one hates and envies a larger pumpkin or the invention of differential or integral calculus; in short, whether one is held back and hindered by one's five yoke oxen or by one's polyhistors on a rope, that seems to be basically the same thing and not two different things.]

[ 85 ] Aber ich möchte sagen: In Erneuerung einer Empfindung, die in Johann Gottlieb Fichte lebte, als er seine bedeutungsvollen «Reden an die deutsche Nation» hielt, um die Kräfte aufzurufen, die in den echten Quellen deutschen Volkstums liegen; als er diese Reden in schweren Zeiten des Deutschtums sprach, sagte er zum Schlusse: Er spreche nicht darum, um irgendwie ein anderes Volk herabzusetzen, sondern darum, weil er begreiflich machen wolle seinen Deutschen, dass sie in sich etwas tragen, was nicht verschwinden darf, weil es sonst nicht nur den Deutschen selbst, sondern der Welt verloren wäre. In unserer heutigen schicksaltragenden Zeit darf es am Schlusse ausgesprochen werden:

[ 85 ] But I would like to say: In renewing a sentiment that lived in Johann Gottlieb Fichte when he gave his meaningful “Speeches to the German Nation” to call upon the forces that lie in the true sources of German folklore; when he gave these speeches in difficult times for Germanism, he said in conclusion: He did not speak in order to belittle another people in any way, but because he wanted to make his Germans understand that they carry within themselves something that must not disappear, because otherwise it would be lost not only to the Germans themselves, but to the world. In our fateful times today, it must be said in conclusion:

[ 86 ] Wie auch die Feinde dräuen mögen, wie auch die Feinde denken mögen ringsherum heute über dieses deutsche Geistesleben, von dem wir einen kleinen Ausschnitt heute hier mit Bezug auf den Geist getan haben, auch dieser Ausschnitt lehrt uns: Könnte sich das erfüllen, was heute viele der Feinde wollen, könnte dieses Deutschtum in den tiefen Wurzeln seines Wesens geschädigt werden, dann würde nicht nur des Deutschtum etwas verlieren, jedes Volk hat seine [Schwächen], aber auch seine besondere Begabung, und eine der besonderen Begabungen des deutschen Volkes ging uns heute auf - sie hat für die ganze Menschheit Bedeutung. Und deshalb darf in dieser schicksaltragenden Zeit sozusagen wie eine empfindungsgemäße Zusammenfassung der heutigen Betrachtung gesagt werden: Wir dürfen die Hoffnung haben, dass wir aus den Prüfungen dieser heutigen Zeit so hervorgehen werden, dass die Wurzeln des deutschen Volkstums ungeschädigt bleiben; dass sich das nicht erfüllt, was heute von so vielen Seiten gewünscht wird. Denn, ginge das verloren, wovon man in der weiten Welt heute will, dass es verloren gehe, es ginge nicht nur für unser deutsches Volk etwas verloren, es ginge damit etwas Unwiederbringliches verloren für die ganze Entwicklung der Menschheit.

[ 86 ] No matter how threatening the enemies may be, no matter what the enemies around us may think today about this German intellectual life, of which we have presented a small excerpt here today with reference to the spirit, this excerpt also teaches us: If what many of the enemies want today were to come to pass, if this Germanness were to be damaged in the deep roots of its being, then not only would Germanness lose something, every people has its [weaknesses] , but also its special talents, and one of the special talents of the German people dawned on us today – it is significant for all of humanity. And that is why, in this fateful time, we can say, as it were, as a summary of today's reflection: We can hope that we will emerge from the trials of the present time in such a way that the roots of German culture remain undamaged; that what so many people today wish for will not come to pass. For if what the wider world today wants to see lost were to be lost, it would not only be something that would be lost to our German people, it would be something irretrievably lost to the entire development of humanity.