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On the Astral World and Devachan
GA 88

28 October 1903, Berlin

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On the Astral World and Devachan, tr. SOL
  1. Über die astrale Welt und das Devachan, 1st ed.

1. Das Mysterium von Geburt und Tod

1. The Mystery of Birth and Death

[ 1 ] Wenn eine Schnecke durch einen Saal kriechen würde, in dem Beethovens Neunte Symphonie gespielt wird, so vernähme die Schnecke wohl nichts von alle dem, wovon die Menschen, die in demselben Saale sich befinden, in die schönsten Empfindungen versetzt werden. Die Töne der Symphonie drücken sich in den Luftwellen des Saales aus, diese Luftwellen verbreiten sich nach allen Seiten; sie sind der äußere Ausdruck des herrlichen Tonzusammenzuhanges. Dieser Tonzusammenhang geht durch den Organismus der Schnecke ebenso wie durch den Organismus des Menschen. In den Menschen ruft er Empfindungen der höchsten Art hervor, die Schnecke bleibt davon unberührt. Sie ist in demselben Medium, in demselben schwingenden Tongewoge darin wie der Mensch, sie weiß aber nichts von dem, was um sie her vorgeht. Eine Welt ist um sie herum, und sie ist in dieser Welt, sie hat aber keine Ahnung von dieser Welt. Und dennoch, diese Welt des Tongewoges ist nicht an einem anderen Ort, an dem sich die Schnecke nicht befindet, sondern an demselben Ort, an dem auch alles dasjenige ist, was die Schnecke braucht. Der Raum, in dem die Schnekke sich befindet, ist also ausgefüllt von den Tatsachen, die die Schnecke wahrnehmen kann, er ist aber auch ausgefüllt von einer Summe von Tatsachen, die die Schnecke nicht wahrnehmen kann.

[ 1 ] If a snail were to crawl through a hall where Beethoven’s Ninth Symphony is being played, the snail would likely hear none of what stirs the most beautiful emotions in the people present in that same hall. The sounds of the symphony are expressed in the airwaves of the hall; these airwaves spread in all directions; they are the outward expression of the magnificent harmony of sound. This harmony of sound passes through the snail’s organism just as it does through the human organism. In humans, it evokes sensations of the highest order; the snail remains untouched by it. It is in the same medium, in the same vibrating wave of sound as the human, yet it knows nothing of what is happening around it. A world surrounds it, and it is within this world, yet it has no inkling of this world. And yet, this world of sound waves is not in some other place where the snail is not, but in the very same place where everything the snail needs is found. The space in which the snail finds itself is thus filled with the facts that the snail can perceive, but it is also filled with a sum of facts that the snail cannot perceive.

[ 2 ] Wir haben damit festgestellt, daß um ein Wesen herum Erscheinungen leben können, ohne daß das Wesen eine Ahnung davon hat, und wir können die Frage aufwerfen, ob wir Menschen nicht vielleicht auch in einer Welt leben, die angefüllt ist von Tatsachen und Erscheinungen, von denen wir zunächst nichts wahrnehmen, von solchen Tatsachen und Erscheinungen, die sich zu unserer Welt so verhalten wie das Tongewoge der Neunten Symphonie zu dem, was eine Schnecke wahrzunehmen vermag. Die Frage muß uns also berühren, ob dasjenige, was wir in einem Raume, in dem wir sind, empfinden und wahrnehmen, alles ist, was in unserer Umgebung vorkommt. Es könnten ja Tatsachen in unserer Umgebung sein, die für uns einfach deshalb nicht da sind, weil wir die Organe für die Wahrnehmung dieser Tatsachen nicht ausgebildet haben. Es könnten ja Wesen in unserer Welt sich befinden oder wir Menschen selbst könnten durch Entwicklung uns zu Wesen ausbilden, die imstande sind, noch weitaus anderes wahrzunehmen als das, was in unserer Welt um uns ist. Es könnte vergleichsweise ein ähnliches Verhältnis bestehen zwischen mehr oder minder entwikkelten Menschen, wie zwischen der Schnecke und den Menschen.

[ 2 ] We have thus established that phenomena can exist around a being without that being having the slightest inkling of them, and we may ask whether we humans might not also be living in a world filled with facts and phenomena of which we initially perceive nothing—facts and phenomena that relate to our world in the same way that the sound waves of the Ninth Symphony relate to what a snail is capable of perceiving. We must therefore ask ourselves whether what we sense and perceive in the space in which we find ourselves is all that exists in our surroundings. There could well be facts in our surroundings that are simply not there for us because we have not developed the organs to perceive them. There could indeed be beings in our world, or we humans ourselves could, through evolution, develop into beings capable of perceiving far more than what is around us in our world. A similar relationship could exist between more or less developed humans as between the snail and humans.

[ 3 ] Das ist die Frage, welche in uns Vermutung über Vermutung erwecken muß über die uns umgebenden unbekannten Welten, und das ist auch die Frage, welche durch die theosophische Bewegung beantwortet werden soll. Es ist im wesentlichen die Aufgabe der theosophischen Bewegung, uns bekanntzumachen mit Welten, die uns täglich und stündlich umgeben, mit Welten, innerhalb derer wir leben, von denen wir aber unter gewöhnlichen Verhältnissen nichts wissen. Nicht mit Welten, die jenseits der unsrigen liegen, will uns die Theosophie bekanntmachen, nicht mit Welten, die an uns unzugänglichen Orten zu finden sind, sondern mit denjenigen Welten, die in unsere Welt fortwährend hereinragen, die uns immer umgeben, die uns aber unbekannt bleiben, weil unsere Organe dafür nicht aufgeschlossen sind. Zunächst können wir von diesen Welten nur sprechen. Wir können auf sie nur hindeuten und dazu auffordern, teilzunehmen an denjenigen Arbeiten, durch welche sich dem Menschen die Sinne erschließen zu diesen höheren Welten, so daß er diese höheren Welten wahrzunehmen vermag, so wie er heute nur die gewöhnliche Welt wahrzunehmen imstande ist. Von solchen Welten möchte ich Ihnen in den nächsten Vorträgen sprechen.

[ 3 ] This is the question that must give rise to speculation upon speculation within us regarding the unknown worlds that surround us, and this is also the question that the Theosophical Movement is intended to answer. Essentially, the task of the Theosophical Movement is to acquaint us with worlds that surround us every day and every hour, with worlds within which we live but of which we know nothing under ordinary circumstances. Theosophy does not seek to acquaint us with worlds that lie beyond our own, nor with worlds found in places inaccessible to us, but with those worlds that continually extend into our world, that always surround us, yet remain unknown to us because our senses are not attuned to them. For now, we can only speak of these worlds. We can only point to them and urge you to participate in those practices through which the senses open up to these higher worlds, so that you may perceive these higher worlds just as you are currently able to perceive only the ordinary world. I would like to speak to you about such worlds in the coming lectures.

[ 4 ] Zunächst möchte ich von der Welt sprechen, welche wir in der Theosophie die astrale Welt nennen. Sie wird sich uns zeigen als eine Welt, die nicht fern von uns ist, die überall ist, wo wir uns befinden. In dem Raume, in dem wir uns gegenwärtig befinden, ist sie geradeso wirklich wie die Welt, die Sie sehen. Die astrale Welt ist eine höhere Welt, welche mit ihren Erscheinungen die Welt, in der Sie sich befinden, genauso durchwogt und durchwellt, wie das Symphonie-Tongewoge die Welt der Schnecke durchwogt, von ihr aber nicht wahrgenommen wird. Also wir sprechen nicht von etwas, was außerhalb unserer Welt zu finden ist, sondern wir sprechen von etwas, was unsere Welt in jedem Punkte ihres Daseins durchsetzt. Die theosophische Anschauung lehrt uns verschiedene solcher Welten erkennen; sie lehrt uns zunächst diejenige Welt erkennen, welche uns aus dem alltäglichen Leben bekannt ist: die physische Welt — diejenige Welt also, welche jeder Mensch mit seinen Sinnesorganen zu empfinden imstande ist, die Welt, die wir sehen, hören, riechen, schmecken, greifen, die Welt, in der wir die Naturgegenstände, die Mineralien, die Pflanzen und die Tiere finden. Diese Welt wird durchsetzt, durchgeistigt, wenn ich mich so ausdrücken darf, von einer höheren Welt, von der sogenannten Astralwelt, die wir nun kennenlernen wollen. Genauso, wie sich eine Flüssigkeit mit einer anderen, feineren Flüssigkeit mischt, so daß die eine Flüssigkeit die andere in allen Teilen durchsetzt, so durchsetzt die astrale Welt unsere Welt des Physischen; und diese astrale Welt ist wiederum durchsetzt von einer noch höheren Welt, welche wir die mentale Welt nennen, das ist die eigentliche geistige Welt. So sind drei Welten ineinandergefügt, die eine immer die andere durchsetzend, von denen der Mensch mit seinen gegenwärtigen Organen aber nur die physische Welt wahrnimmt. Allmählich den Sinn aufzuschließen für die unsichtbaren und unter gewöhnlichen Umständen unhörbaren Welten, das ist die Aufgabe der Theosophie.

[ 4 ] First, I would like to speak about the world that we in Theosophy call the astral world. It will reveal itself to us as a world that is not far from us, but is everywhere we are. In the room where we currently find ourselves, it is just as real as the world you see. The astral world is a higher world whose manifestations permeate and ripple through the world in which you find yourselves just as the waves of sound in a symphony permeate the world of the snail, yet are not perceived by it. So we are not speaking of something to be found outside our world, but rather of something that permeates our world at every point of its existence. The theosophical view teaches us to recognize various such worlds; it teaches us first to recognize the world familiar to us from everyday life: the physical world—that is, the world which every human being is capable of perceiving with their sense organs, the world we see, hear, smell, taste, and touch, the world in which we find natural objects, minerals, plants, and animals. This world is permeated, spiritualized, if I may put it that way, by a higher world, the so-called astral world, which we now wish to get to know. Just as one liquid mixes with another, finer liquid, so that one liquid permeates the other in every part, so the astral world permeates our physical world; and this astral world is in turn permeated by an even higher world, which we call the mental world—that is, the true spiritual world. Thus three worlds are interwoven, each one permeating the other, yet of these, human beings, with their present organs, perceive only the physical world. Gradually opening the senses to the worlds that are invisible and, under ordinary circumstances, inaudible—that is the task of Theosophy.

[ 5 ] Was ist die astrale Welt? Wenn wir von der astralen Welt sprechen, so kommen wir am schnellsten dadurch zum Verständnis, wenn wir innerhalb all der Weltanschauungen, die außer dem Physischen noch ein Geistiges erkannt haben, diejenigen aufsuchen, in welchen von der Astralwelt und ihrer Beziehung zum Menschen gesprochen wurde. Auch die christliche Weltanschauung kennt diese Astralwelt. In den ersten Jahrhunderten des Christentums hat man bei dem Menschen nicht bloß zwei Naturen unterschieden, wie später und oberflächerlicher: Körper und Seele, sondern man unterschied drei: Körper, Seele und Geist. Seele und Geist hat man in allen tieferen Weltanschauungen seit Urzeiten immer als die Bestandteile des Menschen angesehen. Gehen Sie zurück zu jenen Völkerschaften, welche in unseren Gegenden lange vor den Germanen gelebt haben. Sehen Sie sich die Tempel jener uralten keltischen Völker an, so werden Sie finden, daß sie in der Mitte einen Altar hatten, der umgeben war von drei Säulenkreisen. Diese drei Säulenkreise bedeuteten nichts anderes als die dreifache Natur des Menschen: Körper, Seele, Geist. Die körperliche Natur ist bekannt. Unter der seelischen Natur verstand man in allen tieferen Religionen und Weltanschauungen das, was wir in der theosophischen Weltanschauung das Astrale nennen. Unter dem Ausdruck «Geist» verstand man das eigentlich Ewige der Natur des Menschen. Körper, Seele und Geist machen die dreifache Natur des Menschen aus. Den Körper hat die moderne Naturwissenschaft ziemlich genau studiert. Durch ihn stehen wir mit allem, was um uns herum ist, in Verbindung. Wir sind nicht einzelne, abgeschlossene Wesen. Wir könnten nicht körperlich leben, wenn unsere Umgebung eine andere wäre. Denken Sie sich die Temperatur der physischen Welt um zehn bis zwanzig Grad höher, als die Temperatur unseres Luftkreises ist, so könnte der Mensch darin nicht leben. Nicht allein davon hängt unser Leben ab, was innerhalb unserer Hautbegrenzung vorgeht, sondern auch von dem Leben der Erscheinungen in der Natur um uns herum. In gewisser Beziehung sind wir nur ein Ergebnis dessen, was rings um uns herum vorgeht. Wären keine Pflanzen in der Welt, wir könnten uns nicht ernähren. Nur dadurch, daß wir den physischen Stoffwechsel unterhalten können, sind wir imstande, körperlich zu leben. Ganz abhängig ist der Mensch von seiner physischen Umgebung, das heißt, er ist ein physisches Wesen innerhalb der ganzen physischen Natur, er gehört zu dieser physischen Natur. Die Materialisten des 19. Jahrhunderts haben das mit Recht so gesehen. Unser Körper ist die Wirkung der physischen Umgebung. Wir leben in der physischen Welt mit der physischen Welt.

[ 5 ] What is the astral world? When we speak of the astral world, the quickest way to understand it is to look, among all the worldviews that have recognized a spiritual realm in addition to the physical, for those that have spoken of the astral world and its relationship to human beings. The Christian worldview also recognizes this astral world. In the early centuries of Christianity, people did not merely distinguish between two natures in the human being, as was done later and more superficially—body and soul—but rather distinguished three: body, soul, and spirit. In all deeper worldviews since time immemorial, the soul and spirit have always been regarded as the constituent parts of the human being. Go back to those peoples who lived in our regions long before the Germanic tribes. Look at the temples of those ancient Celtic peoples, and you will find that they had an altar in the center, surrounded by three circles of pillars. These three circles of pillars signified nothing other than the threefold nature of the human being: body, soul, spirit. The physical nature is well known. In all deeper religions and worldviews, the soulful nature was understood to be what we in the theosophical worldview call the astral. The term “spirit” was understood to denote the truly eternal aspect of human nature. Body, soul, and spirit constitute the threefold nature of the human being. Modern science has studied the body quite thoroughly. Through it, we are connected to everything around us. We are not isolated, self-contained beings. We could not live physically if our environment were different. Imagine the temperature of the physical world to be ten to twenty degrees higher than the temperature of our atmosphere; humans could not live in such a world. Our life depends not only on what goes on within the confines of our skin, but also on the life of the phenomena in nature around us. In a certain sense, we are merely a result of what is happening all around us. If there were no plants in the world, we could not feed ourselves. It is only by being able to sustain our physical metabolism that we are able to live physically. Human beings are entirely dependent on their physical environment; that is to say, they are physical beings within the whole of physical nature; they belong to this physical nature. The materialists of the 19th century rightly saw it this way. Our body is the effect of the physical environment. We live in the physical world with the physical world.

[ 6 ] Nun wissen Sie, daß für diesen Körper ein ganz bestimmter Augenblick eintritt, in dem er denjenigen Gesetzen nicht mehr gehorcht, denen er unter den gewöhnlichen Lebensverhältnissen gehorcht hat, das ist der Moment des Todes. Im Augenblick des Todes gehorcht der Körper, der uns angehört, nicht mehr den-selben Gesetzen, denen er das ganze Leben hindurch gehorcht hat; und dennoch sind es Naturgesetze, denen er gehorcht. Wenn wir gestorben sind, kehrt unser körperlicher Organismus zu den Naturstoffen zurück, die während unseres Lebens in diesem Körper wirkten. Chemische und physikalische Kräfte wirken während unseres Lebens in unserem physischen Körper. Unsere Verdauung ist ein physischer Prozeß, unsere Atmung ist ein physischer Prozeß. Auch was beim Sehen in unserem Auge vorgeht, ist ein physischer Prozeß; es ist etwas ganz Ähnliches wie der Prozeß auf der photographischen Platte, wenn Sie sich photographieren lassen. Wir sind körperlich ein Zusammenfluß von physikalischen und chemischen Kräften, aber wir hören auf, ein Zusammenfluß von chemischen und physikalischen Kräften zu sein, wenn wir dem Tode anheimfallen. Dieser Körper hält dann nicht mehr zusammen; er fließt über in den Strom der allgemeinen physischen Erscheinungen. Der menschliche Körper als solcher ist aber unmöglich nur eine chemische und physikalische Zusammensetzung, denn in demselben Augenblick, in dem die chemischen und physikalischen Kräfte sich selbst überlassen sind, gehen sie ganz andere Bahnen, sie fügen sich in den Strom der allgemeinen chemischen und physikalischen Prozesse ein. Sie erzeugen nicht mehr die Seh-, Hör- und Denkprozesse, sondern sie gehen ganz andere Prozesse ein. Es muß also etwas dagewesen sein, was sie dazu aufgerufen hat, während unseres Lebens einen Organismus aufzustellen. Dieser Organismus ist eine Stunde vor dem Tode von keinen anderen Stoffen zusammengesetzt als eine Stunde nach dem Tode. Die physische Zusammensetzung ist genau dieselbe; es ist aber das Lebenselement nicht mehr da. Es ist das nicht mehr da, was diese physischen Stoffe aufruft zu einem mächtigen Wirken, wie sie niemals wirken würden, wenn sie sich selbst überlassen blieben.

[ 6 ] Now you know that there comes a very specific moment for this body when it no longer obeys the laws to which it has been subject under ordinary conditions of life; that is the moment of death. At the moment of death, the body that belongs to us no longer obeys the same laws it has obeyed throughout our entire life; and yet it is still the laws of nature that it obeys. When we die, our physical organism returns to the natural substances that were at work in this body during our life. Chemical and physical forces are at work in our physical body during our life. Our digestion is a physical process; our breathing is a physical process. What takes place in our eye when we see is also a physical process; it is very similar to the process on a photographic plate when you have your picture taken. Physically, we are a confluence of physical and chemical forces, but we cease to be a confluence of chemical and physical forces when we succumb to death. This body then no longer holds together; it flows into the stream of general physical phenomena. But the human body as such cannot possibly be merely a chemical and physical composition, for the very moment the chemical and physical forces are left to their own devices, they take entirely different paths; they merge into the stream of general chemical and physical processes. They no longer generate the processes of seeing, hearing, and thinking, but instead enter into entirely different processes. There must therefore have been something that called upon them to establish an organism during our lifetime. This organism is composed of no different substances one hour before death than one hour after death. The physical composition is exactly the same; but the element of life is no longer there. It is no longer present that which calls upon these physical substances to perform a powerful action, one they would never perform if left to their own devices.

[ 7 ] Das führt uns dahin einzusehen, daß dieser physikalisch und chemisch aufgebaute Körper, weil er in nur physikalischer und chemischer Beziehung eine Unmöglichkeit ist, durchlebt und durchströmt sein muß von einem höheren Prinzip, welches das niedere durchorganisiert, durchseelt und durchlebt. Das nächste Prinzip, das unseren Körper durchseelt und durchlebt, ist das, was bewirkt, daß seine Teile nicht schon bei Lebzeiten auseinanderfallen; und das, was das bewirkt, nennen wir das astrale Element im Menschen.

[ 7 ] This leads us to recognize that this body, composed of physical and chemical elements—since it is an impossibility in purely physical and chemical terms—must be permeated and animated by a higher principle that organizes, animates, and permeates the lower one. The next principle that animates and permeates our body is that which prevents its parts from falling apart even during our lifetime; and we call that which brings this about the astral element in human beings.

[ 8 ] Wir können ganz genau sagen, was das astrale Element im Menschen ist. Es ist das, was alle Menschen, die ein solches Element in sich haben, dazu veranlaßt, in sich etwas geschehen zu lassen, was wir im weitesten Sinne mit Lust und Unlust bezeichnen. Lust und Unlust ist etwas, was in unserem Körper und in den Körpern, welche in astraler Beziehung uns ähnlich sind, auftritt und was nicht bewirkt werden kann durch die chemischen und physikalischen Stoffe. Nehmen Sie einen Kristall oder irgendeine andere aus chemischen Stoffen zusammengesetzte physische Substanz. Alles kann mit ihm vorgehen, was sonst im Physischen vorgeht, nicht aber Lust und Unlust. Das ist nur im Menschen selbst zu finden und in denjenigen Wesen, die so wie der Mensch organisiert sind. Diese Wesen sind durchsetzt von einem Elemente, welches Lust und Unlust empfinden kann. Wenn Sie einen Stein stoßen, so wird er weiterfliegen oder irgendwo auffallen und einen Eindruck machen. Wenn Sie ein solches Naturobjekt in dieser oder in einer anderen Weise beeindrucken, so können Sie das von außen sehen; sie können es sogar einem Vorgang unterwerfen, der es zerstört, aber es wird nie Lust oder Unlust empfinden. Lust und Unlust reichen so weit, wie die astrale Welt reicht. Und genauso, wie ich durch die in mir sich vollziehenden Prozesse chemischer und physikalischer Art der äußeren Welt angehöre, so habe ich wirklich und real alle die verschiedenen Nuancen von Lust und Unlust in mir, und durch diese verschiedenen Nuancen und Erscheinungen von Lust und Unlust gehöre ich einer Welt an, die unsere körperliche Welt durchsetzt und durchseelt und die ebenso außer mir ist wie in mir. Im Raume ist nicht nur Luft, die das körperliche physische Leben unterhält, sondern der Raum ist auch durchsetzt von einer astralen Welt, an der wir Menschen ebenso teilnehmen, wie wir an der äußeren physischen Welt teilnehmen. Und so, wie wir nicht leben könnten als physische Wesen, ohne daß wir die physische Kraft durch unseren Organismus fließen lassen, ebensowenig könnten wir als Lust- und Unlustwesen, als astrale Wesen leben, ohne daß wir an dem teilnehmen, was in der astralen Welt vorgeht, was in ihr lebt und webt und was uns fortwährend durchzieht und durchgeistigt. So, wie wir in der physischen Welt durch unsere Haut abgegrenzt und dadurch individualisiert sind, so sind wir auch in der allgemeinen astralen Welt abgeschlossen. Wir sind innerhalb derselben als einzelne astrale Wesenheiten individualisiert und nehmen teil an dieser astralen Welt um uns herum.

[ 8 ] We can say quite precisely what the astral element in human beings is. It is that which causes all people who possess such an element within themselves to allow something to occur within them that we describe, in the broadest sense, as pleasure and displeasure. Pleasure and displeasure are phenomena that occur in our bodies and in bodies that are similar to us in astral terms, and which cannot be brought about by chemical or physical substances. Take a crystal or any other physical substance composed of chemical substances. Everything that otherwise occurs in the physical realm can happen to it, but not pleasure and displeasure. These are found only within human beings themselves and in those beings organized like humans. These beings are permeated by an element capable of experiencing pleasure and displeasure. If you strike a stone, it will fly on or fall somewhere and make an impression. If you affect such a natural object in this or another way, you can see it from the outside; you can even subject it to a process that destroys it, but it will never feel pleasure or displeasure. Pleasure and displeasure extend as far as the astral world extends. And just as I belong to the external world through the chemical and physical processes taking place within me, so do I truly and really possess all the various nuances of pleasure and displeasure within me; and through these various nuances and manifestations of pleasure and displeasure, I belong to a world that permeates and animates our physical world and that is just as much outside of me as it is within me. Space contains not only air, which sustains physical life, but space is also permeated by an astral world in which we humans participate just as we participate in the external physical world. And just as we could not live as physical beings without allowing physical energy to flow through our organism, so too could we not live as beings of pleasure and displeasure, as astral beings, without participating in what takes place in the astral world—what lives and weaves within it and what continually permeates and animates us. Just as we are demarcated by our skin in the physical world and thereby individualized, so too are we enclosed within the general astral world. We are individualized within it as distinct astral beings and participate in this astral world around us.

[ 9 ] Wir haben nun auf eine Welt hingedeutet, welche unsere physische Welt durchsetzt und durchzieht und durchwogt, wie die Tonwelt der Neunten Symphonie die Welt durchwogt, in welcher auch die Schnecke lebt. Im gewöhnlichen Leben nimmt der Mensch die Welt durch seine Sinne wahr, aber er ist nicht imstande, jene Welt wahrzunehmen, die ihn selbst durchgeistigt und durchwebt und seinen eigenen Astralorganismus ausmacht. Der Umstand, daß wir eine Welt nicht wahrnehmen, ist nun aber kein Grund zu sagen, daß diese Welt nicht da ist. Warum nehmen Sie jeden anderen hier sitzenden Menschen als physisches Wesen wahr? Weil Ihre Augen darauf eingerichtet sind, die physischen Lichtstrahlen durch Ihre Augen wahrzunehmen. Ihre Augen können die physischen Körper der anderen Menschen um Sie herum wahrnehmen. Diese physischen Körper sind für Sie wirklich. Sie wären für Sie nicht da, wenn Ihre Augen nicht da wären, sie zu sehen. Ebenso ist in jedem dieser anderen Menschen Lust und Unlust in unzähligen Nuancen vorhanden. Eine ebenso reiche Welt wie die, welche Sie mit Augen sehen, ist in jedem von Ihnen; es ist eine reiche Welt von Lust und Unlust. Und ebenso wirklich wie Ihr physischer Körper, ist ein zweiter Körper, der den physischen Körper durchsetzt, von dem dieser physische Körper ganz durchdrungen ist. Sie dürfen nicht

[ 9 ] We have now pointed to a world that permeates, runs through, and surges through our physical world, just as the world of sound in the Ninth Symphony surges through the world in which the snail also lives. In ordinary life, human beings perceive the world through their senses, but they are unable to perceive that world which spiritualizes and interweaves them and constitutes their own astral organism. The fact that we do not perceive a world is, however, no reason to say that this world does not exist. Why do you perceive every other person sitting here as a physical being? Because your eyes are attuned to perceiving the physical rays of light through your eyes. Your eyes can perceive the physical bodies of the other people around you. These physical bodies are real to you. They would not be there for you if your eyes were not there to see them. Likewise, within each of these other people, pleasure and displeasure exist in countless nuances. A world just as rich as the one you see with your eyes exists within each of you; it is a rich world of pleasure and displeasure. And just as real as your physical body is a second body that permeates the physical body, a body by which this physical body is completely permeated. You must not

[ 10 ] sagen, daß nur das wirklich ist, was Sie sehen, was Sie physisch wahrnehmen können, denn jeder von Ihnen weiß, daß eine Welt von Lust und Unlust in ihm ebenso wirklich lebt, wie Muskelfleisch und Nervenfasern in ihm leben. Nur weil die geistigen Augen nicht aufgeschlossen sind, deshalb sehen Sie diese Wirklichkeiten nicht. Wären Ihre Augen dafür aufgeschlossen, dann würden Sie bei jedem anderen Menschen, ebenso wie Sie seine Hautfarbe und seine Kleider wahrnehmen, ihn auch wahrnehmen können durchströmt von Kräften und Substantialitäten, von Wesenheiten, die wirklich sind, die wir als Lust- und Unlustwesen bezeichnen können. Für denjenigen, dessen Sinn aufgeschlossen ist für diese Wirklichkeiten, ist diese Welt ebenso wirklich wie die körperliche Welt.

[ 10 ] say that only what you see, what you can physically perceive, is real, for each of you knows that a world of pleasure and pain lives within you just as truly as muscle tissue and nerve fibers do. It is only because your spiritual eyes are not open that you do not see these realities. If your eyes were open to this, then with every other person, just as you perceive their skin color and their clothes, you would also be able to perceive them as being permeated by forces and substances, by beings that are real, which we can describe as beings of pleasure and displeasure. For those whose senses are open to these realities, this world is just as real as the physical world.

[ 11 ] In jedem Menschen ist so außer dem physischen Körper noch der astrale Körper, der so genannt wird, weil er für den Seher in einem hellen Lichte erglänzt, das ein Ausdruck ist für sein ganzes Lust- und Unlustleben, für alles, was als Gefühl in ihm lebt. So wie nicht nur Sie selbst wissen, daß Sie aus Fleisch und Blut bestehen, sondern die anderen Menschen dies auch wahrnehmen können, so sind die Lust- und Unlustgefühle nur solange für Sie allein da, als nicht ein anderer sie wahrnimmt. Etwas größer als Ihr physischer Körper ist Ihr astraler Organismus, etwas herausragend über denselben. Denken Sie sich einen Saal, in dem eine Versammlung abgehalten wird und in dem die verschiedenen Redner sprechen. Wenn ein Hellseher mit seinen Seheraugen den Saal durchschaut, nimmt er nicht nur die Worte wahr, die gesprochen werden, nicht nur die funkelnden Augen und die sprechenden Physiognomien, er sieht noch etwas anderes: er sieht, wie von dem Redner zu den anderen Menschen die Leidenschaften herüberspielen, er sieht, wie die Empfindungen und Gefühle in dem Redner aufleuchten, er sieht, ob ein Redner zum Beispiel aus Rache oder aus Enthusiasmus spricht. Bei dem Enthusiasten sieht er das Feuer des Astralkörpers ausströmen, und bei der großen Menge der Menschen sieht er eine Fülle von Strahlen; diese rufen wiederum in dem Redner Lust oder Unlust hervor. Da ist eine Wechselwirkung der Tempe ramente, die offen und klar vor dem Seher sich abspielt. Das ist eine ebenso wirkliche Welt, von der wir ein Teil sind, wie die äußere Welt, in der wir leben.

[ 11 ] In addition to the physical body, every human being possesses the astral body, so called because it shines with a bright light to the seer, which is an expression of the person’s entire life of pleasure and displeasure, of everything that lives within them as emotion. Just as you yourself know that you are made of flesh and blood, and others can perceive this as well, so too are feelings of pleasure and displeasure present only to you alone as long as no one else perceives them. Your astral organism is slightly larger than your physical body, extending slightly beyond it. Imagine a hall in which a gathering is being held and in which various speakers are addressing the audience. When a clairvoyant looks through the hall with his clairvoyant eyes, he perceives not only the words that are spoken, not only the sparkling eyes and the expressive physiognomies; he sees something else as well: he sees how the passions flow from the speaker to the other people; he sees how the sensations and feelings light up within the speaker; he sees whether a speaker is speaking, for example, out of revenge or out of enthusiasm. In the enthusiast, he sees the fire of the astral body radiating forth, and in the great crowd of people, he sees a multitude of rays; these in turn evoke pleasure or displeasure in the speaker. There is an interplay of temperaments that unfolds openly and clearly before the seer. This is a world just as real, of which we are a part, as the outer world in which we live.

[ 12 ] Nicht umsonst, nicht zwecklos hat die theosophische Bewegung den Menschen hingewiesen auf diese unsichtbaren Welten, von denen die Menschen ein Teil sind, in die wir fortwährend unsere Wirkungen hineinsenden. Sie können kein Wort sprechen, keinen Gedanken fassen, ohne daß Gefühle in den Raum hinauswirken. Wie unsere Handlungen in den Raum hinauswirken, so wirken auch die Gefühle; sie durchsetzen den Raum und beeinflussen die Menschen und die ganze astrale Welt. Der Mensch ist unter gewöhnlichen Verhältnissen sich nicht bewußt, daß ein Strom von Wirkungen von ihm ausgeht, daß er eine Ursache ist, deren Wirkungen überall in der Welt wahrzunehmen sind. Er ist sich nicht bewußt, daß er dadurch auch Unheil anrichten kann, daß er Ströme von Lust und Unlust, von Leidenschaften und Trieben in die Welt hinaussendet, die auf andere Menschen auf die schädlichste Weise wirken können. Er ist sich nicht bewußt, was er mit seinem Gefühlsleben bewirkt.

[ 12 ] It is not in vain, nor without purpose, that the Theosophical Movement has drawn people’s attention to these invisible worlds, of which human beings are a part, and into which we continually send our influences. You cannot utter a word or form a thought without emotions radiating out into space. Just as our actions radiate out into space, so do our feelings; they permeate space and influence people and the entire astral world. Under ordinary circumstances, a person is not aware that a stream of effects emanates from them, that they are a cause whose effects can be perceived everywhere in the world. They are not aware that they can thereby also cause harm, that they send out streams of pleasure and displeasure, of passions and drives into the world, which can affect other people in the most harmful way. They are not aware of what they bring about with their emotional life.

[ 13 ] Unser Wissen ist nicht zu einem zwecklosen Dasein bestimmt; es ist nicht dazu da, um bloß zu erkennen, nicht um seiner selbst willen ist es da. Es ist eine schöne Phrase der abendländischen Gelehrsamkeit geworden, das Wissen sei um seiner selbst willen da. Wer sich in die morgenländische Weisheit vertieft, der findet noch etwas anderes als das Wissen um seiner selbst willen. Er weiß, daß es sich beim Wissen darum handelt, sich im Sinne dieses Wissens in der Welt zu betätigen. Wir lernen die physische Welt kennen, um in der physischen Natur nicht wie in einem Chaos zu wirtschaften. Und wir lernen die höhere Natur kennen, um in dieser höheren Natur in bewußter Weise zu wirken. Wer diese höhere Natur er-kennt und beherrscht, lernt, in ihr bewußt zu wirken; er lernt, seine Gedanken zu beherrschen und sie nicht zufällig wirken zu lassen, sie auch nicht zufällig loszulassen, sondern sie im Zaume zu halten; er lernt, sein Innenleben zu beherrschen, sein Innenleben zu regeln, so daß es im idealsten Sinne auf die Umwelt veredelnd wirkt. Dadurch erlangen die höheren Welten, die — lassen Sie mich das betonen — ebenso wirklich sind wie unsere physische Welt, ja noch wirklicher, eine immense Bedeutung für die physische Welt. Wer weiß, daß das, was in der astralen Weh vorgeht, viel wichtiger ist für den Weltprozeß als das, was Sie in der physischen Welt zu sehen und zu tun vermögen, der wird diese Welt auch richtig in ihrer Bedeutung einschätzen.

[ 13 ] Our knowledge is not destined for a purposeless existence; it is not meant merely to recognize, nor does it exist for its own sake. It has become a beautiful phrase of Western scholarship that knowledge exists for its own sake. Those who delve into Eastern wisdom find something other than knowledge for its own sake. They know that knowledge is about acting in the world in accordance with that knowledge. We come to know the physical world so that we do not act in physical nature as if in chaos. And we come to know the higher nature so that we may act within this higher nature in a conscious manner. Whoever recognizes and masters this higher nature learns to act consciously within it; they learn to master their thoughts and not to let them act haphazardly, nor to let them go haphazardly, but to keep them in check; they learn to master their inner life, to regulate their inner life, so that it has a refining effect on the environment in the most ideal sense. Through this, the higher worlds—which, let me emphasize, are just as real as our physical world, indeed even more real—acquire immense significance for the physical world. Whoever knows that what takes place in the astral world is far more important for the world process than what you are able to see and do in the physical world will also correctly assess the significance of this world.

[ 14 ] Wenn Sie noch weiter hinaufsteigen, würden Sie Welten finden, die noch wichtiger sind als die astrale Welt. Davon spricht auch die christliche Religion. Was diese als «Seele» bezeichnet, ist die astrale Welt, was sie als «Geist» bezeichnet, ist das, was Sie in der Theosophie als «Mentalebene» kennen. Warum ist die höhere, die astrale Welt so unendlich viel wichtiger als die physische Welt? Weil die physische Welt nichts anderes ist als der Ausdruck dieser astralen Welt, als die Wirkung der astralen Welt. Ich möchte Ihnen als Erläuterung eine Erscheinung anführen, die Ihnen zeigen wird, wie unendlich viel bedeutsamer das ist, was in der astralen Welt vorgeht, als das, was in der physischen Welt sich abspielt. Was ich zu sagen habe, bezeichnet man in der Lehre der Mystik und in der Theosophie als das Mysterium von Geburt und Tod. Es ist das eines der größten Mysterien oder Weltengeheimnisse. Wir sprechen von sieben Weltengeheimnissen.

[ 14 ] If you were to ascend even further, you would find worlds that are even more important than the astral world. The Christian religion also speaks of these. What it calls the “soul” is the astral world; what it calls the “spirit” is what you know in Theosophy as the “mental plane.” Why is the higher, astral world so infinitely more important than the physical world? Because the physical world is nothing other than the expression of this astral world, the effect of the astral world. To illustrate this, I would like to cite a phenomenon that will show you how infinitely more significant what takes place in the astral world is than what unfolds in the physical world. What I have to say is referred to in the teachings of mysticism and in Theosophy as the mystery of birth and death. It is one of the greatest mysteries or secrets of the world. We speak of seven world secrets.

[ 15 ] Wer trivial denkt — und die heutige Welt ist nur allzu geneigt, trivial zu denken —, der wird uns leicht der Schwärmerei und Unklarheit bezichtigen. Aber wir Theosophen wissen, was die drei Worte bedeuten, die in den ersten Jahrhunderten des Christentums, in welchen das Christentum noch zu den tiefsten Religionen der Welt gehörte, häufig genannt wurden: Wahrnehmen, Denken, Vermuten. — Diese drei Worte wurden nebeneinander genannt. Daß das Vermuten neben dem Wahrnehmen und Denken genannt wurde, das zeigt uns, daß die Menschen in bezug auf die Erkenntnis nicht so unbescheiden waren wie heute. Ja, unbescheiden sind heute die Menschen in bezug auf die Erkenntnis, unbescheiden deshalb, weil sie ablehnend sind gegenüber allem, was ihre Sinne und ihr Verstand nicht begreifen. Denken Sie sich, wenn die Schnecke sich unterfinge zu sagen, hier im Saal sei nichts anderes als das, was sie wahrnehme —, müßten wir nicht von dieser Schnecke sagen, sie habe in bezug auf die Erkenntnis eine große Unbescheidenheit? Täuschen Sie sich nicht. Im schlimmsten Sinne des Wortes ist es ebenso mit dem Menschen, wenn er sagt: Was mein Verstand nicht wahrnehmen und nicht begreifen kann, das gibt es nicht in dieser Welt. — Zwei Dinge, Wahrnehmen und Denken, sind es, die uns in der Welt Schönheit, Größe und Zahl vermitteln. Aber es gibt noch ein drittes, das uns immer bescheiden sein läßt, das uns strebend sein läßt, das uns immer tiefer hineinführt in die Welt: das ist das Vermuten, das Vermuten, daß es noch etwas anderes geben könnte als das, was wir wissen.

[ 15 ] Those who think trivially—and today’s world is all too prone to trivial thinking—will readily accuse us of fancifulness and obscurity. But we Theosophists know the meaning of the three words that were frequently mentioned in the early centuries of Christianity, when Christianity was still among the world’s most profound religions: perception, thinking, and conjecture. — These three words were mentioned side by side. The fact that supposition was mentioned alongside perception and thinking shows us that people were not as presumptuous regarding knowledge as they are today. Yes, people today are presumptuous regarding knowledge, presumptuous because they are hostile toward everything their senses and intellect cannot grasp. Just imagine, if the snail were to presume to say that here in this hall there is nothing other than what it perceives—wouldn’t we have to say of this snail that it exhibits great immodesty regarding knowledge? Make no mistake. In the worst sense of the word, it is the same with human beings when they say: “What my mind cannot perceive or comprehend does not exist in this world.”—It is two things, perception and thought, that convey beauty, grandeur, and number to us in the world. But there is a third thing that keeps us humble, that keeps us striving, that leads us ever deeper into the world: that is conjecture—the conjecture that there might be something else besides what we know.

[ 16 ] Die theosophische Bewegung unterscheidet sich darin von allen übrigen Erkenntnisbewegungen. Was will der gewöhnliche Wissenschaftler, der stolz ist auf seine Kultur und unbescheiden ist in bezug auf sein gewöhnliches Erkennen? Er will alles das, was er wahrnehmen und erkennen kann, weiter verfolgen, und er will seine Erkenntnisse auf unzählige Sachen verbreiten. Das ist so, wie wenn die Schnecke nach allen Seiten herumkriecht und wahr-nimmt, was sie wahrnehmen kann — sie würde nichts wahrnehmen als das, was ihre Schneckenorgane wahrnehmen können. So ist es auch bei den Menschen. Deshalb hat man dem Wahrnehmen und dem Denken das Vermuten hinzugefügt, das Vermuten, daß — wenn wir uns weiterentwickeln — uns höhere Sinnesorgane aufgehen werden, die uns das aufschließen, was uns für gewöhnlich verschlossen ist in der Welt. So unterscheidet sich die Gesinnung des Theosophen von der des gewöhnlichen Wissenschaftlers dadurch, daß er sich entwickeln will, daß er ehrlich und rechtschaffen an die Entwicklung seiner Fähigkeiten glaubt und sich bemüht, an sich selbst zu arbeiten. Das, verehrte Anwesende, ist theosophische Gesinnung: an sich zu arbeiten, damit uns höhere Organe aufgehen, damit wir in die Lage kommen, in dem, was uns umgibt, Bedeutungsvolles, Wichtiges wahrzunehmen. Das muß immer mehr und mehr abendländische Gesinnung werden, wenn die abendländische Menschheit nicht ganz in der materialistischen Strömung aufgehen will. Wenn diese theosophische Gesinnung sich immer mehr und mehr verbreitet, dann wird man einsehen, daß alles dasjenige, was äußere physische Tatsachen und Erscheinungen sind, die Folgen, die Wirkungen tieferliegender Ursachen sind, die in der astralen Welt oder in noch höheren Welten liegen. Gewöhnlich ist die abendländische Wissenschaft damit zufrieden, den Körper in allen seinen Bestandteilen zu erforschen. Aber die theosophische Gesinnung fragt: Hat dieser Körper sich selbst zusammengefügt? Wo könnte der Grund dafür sein? Können wir glauben, daß die Kräfte draußen in der Natur das Bedürfnis fühlen, sich zum Menschen zusammenzufügen? Nein. Wer in der höheren Welt zu sehen vermag, der weiß, daß der Mensch, bevor er im physischen Organismus lebt, vor seiner Geburt in einem astralen Dasein lebte. So wahr wir vor unserem physischen Dasein, vor der Geburt, ein astrales Dasein hatten, so wahr haben wir ein astrales Dasein auch nach unserer Geburt, und dieses reicht weiter als unser physischer Körper. Alles das ist eingeschlossen in dem, was wir das Mysterium von Geburt und Tod nennen.

[ 16 ] The Theosophical Movement differs from all other intellectual movements in this respect. What does the ordinary scientist, who takes pride in his education and is presumptuous regarding his ordinary knowledge, want? He wants to pursue everything he can perceive and understand, and he wants to extend his knowledge to countless things. It is as if a snail were crawling in all directions and perceiving whatever it can perceive—it would perceive nothing other than what its snail-like organs are capable of perceiving. So it is with human beings as well. That is why we have added the element of conjecture to perception and thought—the conjecture that, as we continue to develop, higher sensory organs will open up to us, revealing what is usually hidden from us in the world. Thus the theosophist’s mindset differs from that of the ordinary scientist in that he seeks to develop himself, that he believes honestly and sincerely in the development of his abilities, and strives to work on himself. That, dear attendees, is the theosophical attitude: to work on oneself so that higher faculties may open up to us, so that we may become capable of perceiving what is meaningful and significant in our surroundings. This must increasingly become the Western attitude if Western humanity does not wish to be completely absorbed by the materialistic current. If this theosophical attitude spreads more and more, then people will come to realize that all external physical facts and phenomena are the consequences, the effects of deeper causes lying in the astral world or in even higher worlds. Usually, Western science is content to investigate the body in all its components. But the theosophical mindset asks: Did this body assemble itself? What could be the reason for this? Can we believe that the forces out there in nature feel the need to assemble themselves into a human being? No. Whoever is able to see into the higher world knows that before living in the physical organism, before birth, the human being lived in an astral existence. Just as we had an astral existence before our physical existence, before birth, so too do we have an astral existence after our birth, and this extends beyond our physical body. All of this is encompassed in what we call the mystery of birth and death.

[ 17 ] Die Theosophie versteht die Wichtigkeit des dritten Wortes: das Vermuten. Was ich heute vermute, wird vielleicht morgen schon zu Erkenntnis, und was ich gestern noch vermutet habe, wurde mir heute zur Gewißheit. Wer auf das Tiefere dieses Vermutens vertraut, der glaubt nicht an Erkenntnisgrenzen; er sagt sich: Ich glaube nicht daran, daß dasjenige, was ich zu irgendeiner Zeit erkenne, das Tiefste ist. — Und so sind wir uns klar darüber, daß auch bei den wichtigsten Erscheinungen der Natur ihre Gesetze, ihre Wesenheiten tief verhüllt sind. «Geheimnisvoll am lichten Tag, läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben.». Geheimnisvoll, mysteriös, ist die Natur, ist das ganze Leben, und darin einzudringen ist die Aufgabe des Menschen. Denn mit den Mysterien zu arbeiten, ist des Menschen Aufgabe.

[ 17 ] Theosophy understands the importance of the third word: conjecture. What I conjecture today may become knowledge as early as tomorrow, and what I conjectured yesterday has become a certainty for me today. Whoever trusts in the deeper meaning of this conjecture does not believe in limits to knowledge; he tells himself: I do not believe that what I recognize at any given time is the deepest truth. — And so we are clear that even in the most important phenomena of nature, its laws and its essences are deeply veiled. “Mysterious in broad daylight, nature cannot be stripped of its veil.” Mysterious, enigmatic, is nature, is all of life, and to penetrate it is the task of humanity. For working with the mysteries is the task of humanity.

[ 18 ] Wir sprechen von sieben großen Geheimnissen des Lebens. Sieben große Geheimnisse gibt es, die uns die sieben großen Phasen des Lebens enthüllen. Die «unaussprechlichen» werden sie genannt. Das vierte dieser großen Geheimnisse, in die wir nach und nach durch diese Vorträge eingeführt werden sollen, ist das Geheimnis von Geburt und Tod. Es ist nicht so, daß wir nötig haben, einen Schleier zu lüften, um das Geheimnis von Geburt und Tod zu verstehen. Der Körper, der zwischen Geburt und Tod lebt, wird aufgesucht von einem anderen Körper, der nur in der astralen Welt lebt. Unser Astralkörper ist vor unserem physischen Körper vorhanden. Er ist die Grundnote unseres Empfindungslebens, die Grundnote unseres Temperamentes und unserer Leidenschaften. Das sieht der Seher in der astralen Welt. Bevor der Mensch geboren wird, baut sich diese Grundnote, die jeder von uns in sich trägt, den physischen Körper auf. Unsere physischen Körper erbauen nicht unsere Leidenschaften, Begierden und Temperamente, sondern diese kommen aus einer anderen Welt und suchen sich die entsprechenden Körper aus. Daher ist jeder Mensch ausgestattet mit einer ganz bestimmten seelischen Wesenheit. Wer imstande ist, den Menschen wirklich zu studieren, der weiß, daß sich die Menschen voneinander unterscheiden, daß es nicht zwei Menschen gibt, die einander in bezug auf Leidenschaften, Begierden und physische Körpernatur gleich sind. In bezug auf die physische Körpernatur sind sie vielleicht nur wenig voneinander verschieden, aber ungeheuer verschieden sind die Menschen hinsichtlich ihrer astralen Wesenheit.

[ 18 ] We are speaking of the seven great mysteries of life. There are seven great mysteries that reveal to us the seven great phases of life. They are called the “inexpressible ones.” The fourth of these great mysteries, to which we are to be gradually introduced through these lectures, is the mystery of birth and death. It is not that we need to lift a veil to understand the mystery of birth and death. The body that lives between birth and death is visited by another body that exists only in the astral world. Our astral body precedes our physical body. It is the fundamental tone of our emotional life, the fundamental tone of our temperament and our passions. This is what the seer perceives in the astral world. Before a human being is born, this fundamental tone—which each of us carries within—constructs the physical body. Our physical bodies do not create our passions, desires, and temperaments; rather, these come from another world and select the corresponding bodies. Therefore, every human being is endowed with a very specific soul entity. Anyone capable of truly studying human beings knows that people differ from one another, that no two people are alike in terms of passions, desires, and the nature of their physical bodies. In terms of the nature of their physical bodies, they may differ only slightly from one another, but people differ enormously in terms of their astral nature.

[ 19 ] Bevor ein Mensch geboren wird, sieht der Seher der Stätte der Geburt zuströmen den Astralkörper des Menschen, die Summe seiner Begierden, Triebe und Leidenschaften, die sich später in dem physischen Körper entwickeln und sich mit der äußeren Welt in Wechselwirkung setzen. Und innerhalb dieses Astralkörpers, als das innerste Wesen des sich verkörpernden Menschen, ist das eigentliche höhere Geistwesen des Menschen. Aus einer noch höheren Welt herab steigt dieses höhere Geistwesen des Menschen, und innerhalb der astralen Welt umgibt sich dieses höhere Geistwesen des Menschen mit dem, was wir Begierdenstoff, Astralstoff nennen. So durcheilt er die astrale Welt mit Windeseile. Der Seher sieht es in der Astralwelt lange vor seiner Geburt. Es ist in einer leuchtenden glockenförmigen Gestalt vorhanden und senkt sich nieder auf den menschlichen Körper, um diesen zu durchgeistigen. Das, was wir über einen solchen Astralstoff heute sagen, zieht uns leicht den Vorwurf der Schwärmerei zu, und es ist natürlich, daß, wenn wir in der heutigen Welt so sprechen, wir diesen Vorwurf erhalten können. Wir müssen daher umso vorsichtiger sein. Wir dürfen uns nicht erlauben, so davon zu sprechen, und wir sollten auch nicht davon sprechen, wenn wir nicht ebenso fest und sicher in dieser Welt zu Hause sind wie in der physischen Welt.

[ 19 ] Before a human being is born, the seer sees the human’s astral body—the sum of their desires, instincts, and passions—flowing toward the place of birth; these will later develop within the physical body and interact with the external world. And within this astral body, as the innermost essence of the incarnating human being, lies the human being’s true higher spiritual being. Descending from an even higher world, this higher spiritual being of the human being surrounds itself within the astral world with what we call desire-substance, astral substance. Thus it traverses the astral world at lightning speed. The seer sees it in the astral world long before the person’s birth. It exists in a luminous, bell-shaped form and descends upon the human body to spiritualize it. What we say today about such astral substance easily draws the accusation of fanciful speculation, and it is natural that, when we speak this way in today’s world, we may face this accusation. We must therefore be all the more cautious. We must not allow ourselves to speak of it in this way, nor should we speak of it unless we are just as firmly and securely at home in this world as we are in the physical world.

[ 20 ] Ich betrachte es als eine Anforderung an einen Lehrer der Theosophie, daß er nur soviel von der Lehre vertritt, wie er nach seinem besten Gewissen verantworten kann, das heißt, ich verlange von jedem theosophischen Lehrer, daß er nur das sagt, wovon er selbst eine unmittelbare Kenntnis, ein unmittelbares Wissen hat. Nicht ein Wort sollte der theosophische Lehrer über diese höheren Welten sprechen, wenn er nicht imstande ist, selbst zu forschen; genau mit demselben Recht, wie auch niemand über Chemie sprechen kann, der sie nicht studiert hat. Deshalb werde ich in den Vorträgen nur das sagen, was ich mit absoluter Sicherheit zu sagen in der Lage bin. Niemand ist in der Lage, die astrale Welt in ihrer Ganzheit zu schildern; sie ist reichhaltiger und umfangreicher als unsere physische Welt. Ich gebe zu, daß auch der Geistesforscher im einzelnen sich irren kann, so wie man sich in der physischen Welt irren kann, wenn man zum Beispiel die Höhe eines Berges bestimmen will. Aber ebensowenig wie ein solcher Irrtum im einzelnen ein Anlaß sein kann, die physische Welt abzuleugnen, ebensowenig kann ein Mensch versucht sein, wegen eines Irrtums im einzelnen die Wirklichkeit der astralen Welt zu leugnen.

[ 20 ] I consider it a requirement for a teacher of Theosophy that he advocate only as much of the doctrine as he can justify in good conscience; that is to say, I demand of every Theosophical teacher that he speak only of that of which he himself has direct knowledge. The theosophical teacher should not speak a single word about these higher worlds if he is not capable of conducting research himself; just as no one who has not studied chemistry can speak about it. Therefore, in these lectures I will say only what I am able to say with absolute certainty. No one is capable of describing the astral world in its entirety; it is richer and more extensive than our physical world. I admit that even the spiritual researcher can err in details, just as one can err in the physical world, for example, when trying to determine the height of a mountain. But just as such an error in detail cannot be a reason to deny the physical world, so too can a person not be tempted to deny the reality of the astral world because of an error in detail.

[ 21 ] Bevor der Mensch für die physische Welt geboren wird, lebt er als Triebwesen mit seinem «Körper des Verlangens» in der astralen Welt. In der astralen Welt gibt es nicht Geburt und Tod in demselben Sinne wie in der physischen Welt. In der astralen Welt gilt das Mysterium von der sogenannten Wahlanziehung. Es geht dabei so zu wie in dieser physischen Welt mit unseren Begierden und Wünschen. Wie eine Begierde sich aus der anderen entwickelt, so geht es in der astralen Welt zu. Ein Wesen entwickelt sich aus dem anderen durch eine ewige Fortpflanzung, ohne daß wir Geburt und Tod zu verzeichnen hätten. Die Wesen unterliegen nur der Wahlanziehung, nicht der Geburt und dem Tode. Woher kommt es, daß die physischen Wesen der Geburt und dem Tode unterliegen? Auf diese Frage wollte ich heute besonders hinweisen. Woher kommen Geburt und Tod in die physische Natur? ich habe gesagt, bevor der Mensch auf der physischen Welt lebt, lebt er in der astralen Welt und unterliegt da der Wahlanziehung; Geburt und Tod würde es da nicht geben. Nun gibt es aber Geburt und Tod, weil das Astrale den mittleren Punkt bildet zwischen zwei anderen Welten.

[ 21 ] Before a human being is born into the physical world, they live in the astral world as a being of instinct, with their “body of desire.” In the astral world, there is no birth or death in the same sense as in the physical world. In the astral world, the mystery of so-called “attraction by choice” applies. It works in the same way as in this physical world with our desires and wishes. Just as one desire develops from another, so it is in the astral world. One being develops from another through an eternal process of reproduction, without our having to record birth and death. Beings are subject only to the law of attraction, not to birth and death. Why is it that physical beings are subject to birth and death? I wanted to draw particular attention to this question today. Where do birth and death come from in physical nature? I have said that before a human being lives in the physical world, they live in the astral world and are subject there to the law of attraction; there would be no birth and death there. But now there is birth and death, because the astral world forms the middle point between two other worlds.

[ 22 ] Der Mensch ist ein Bürger zweier Welten. Er deutet hinunter nach der physischen Welt und hinauf nach der höchsten, der geistigen Welt. Durch seine astrale Natur verbindet der Mensch die geistige Welt in ihrer Ewigkeit mit der physischen Welt. Der Mensch war lange, lange Zeit, durch mehrere kosmische Epochen hindurch, ein bloß astrales Wesen. Wir stehen heute in der fünften «Wurzelrasse», der nachatlantischen Zeit, ihr gingen die vierte und die dritte voran. Erst in der dritten «Wurzelrasse», in der lemurischen Zeit, ist der Mensch ein physisches Wesen geworden; vorher war er der Astralwelt näher. Damals aber, als der Mensch noch Astralwesen war, hatte er noch nicht die Kraft des Geistes. Die höhere, die geistige Seele hat sich erst mit dem Astralwesen vereinigt in dem Augenblicke, in dem das Geistige mit dem Physischen sich vereinigt hat. Und dieses vereinigte Geistig-Physische fordert für das Physische Geburt und Tod. Deshalb, weil der Mensch der Schauplatz des höchsten Geistigen ist, muß er innerhalb des Physischen geboren werden und sterben. Das astrale Wesen wird weder geboren noch stirbt es. Das geistige Wesen wird dadurch seine Ewigkeit bewahren, daß es das physische Wesen von Zeit zu Zeit immer wieder zerstört, um wieder aufzusteigen in das Geistige und dann wieder herunterzusteigen in die physische Welt. Das hat Goethe angedeutet in seinem Prosahymnus «Die Natur»: Leben ist ihre schönste Erfindung, und der Tod ist ihr Kunstgriff, viel Leben zu haben.

[ 22 ] Human beings are citizens of two worlds. They point downward toward the physical world and upward toward the highest, the spiritual world. Through their astral nature, human beings connect the spiritual world in its eternity with the physical world. For a very long time, through several cosmic epochs, human beings were merely astral beings. We are now in the fifth “root race,” the post-Atlantean era, which was preceded by the fourth and third. It was not until the third “root race,” the Lemurian era, that human beings became physical beings; before that, they were closer to the astral world. Back then, however, when human beings were still astral beings, they did not yet possess the power of the spirit. The higher, spiritual soul united with the astral being only at the moment when the spiritual united with the physical. And this united spiritual-physical entity demands birth and death for the physical. Therefore, because the human being is the stage for the highest spiritual, he must be born and die within the physical. The astral being is neither born nor does it die. The spiritual being will thereby preserve its eternity by destroying the physical being time and again, in order to ascend once more into the spiritual and then descend again into the physical world. Goethe hinted at this in his prose hymn “Nature”: Life is its most beautiful invention, and death is its stratagem for having much life.

[ 23 ] Dieses Zusammenwirken von Geburt und Tod, das Mysterium des ganzen Lebens, soll uns weiter in diesen Vorträgen beschäftigen, und auch die Wesen der astralen Welt, von denen wir bisher wenig erwähnt haben, werden wir kennenlernen, um so einzusehen, daß es mehr Wesen gibt, als der Mensch in seiner heutigen materialistischen Gesinnung sich träumen läßt.

[ 23 ] This interplay of birth and death—the mystery of life itself—will continue to be the focus of these lectures, and we will also become acquainted with the beings of the astral world, whom we have scarcely mentioned thus far, so that we may come to realize that there are more beings than human beings, with their current materialistic mindset, can even imagine.