On the Astral World and Devachan
GA 88
4 November 1903, Berlin
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On the Astral World and Devachan, tr. SOL
2. Die höheren Welten und der Anteil des Menschen an Ihnen
2. The Higher Worlds and Humanity’s Role in Them
[ 1 ] Nachdenkliche Menschen könnten vielleicht ein Ereignis,. das in den letzten Tagen ganz überraschend eingetreten ist, als einen Beweis dafür nehmen, daß vieles Unbekannte in dem Raume sein kann, in dem wir uns alle befinden, von dem wir plötzlich Wirkungen wahrnehmen, ohne daß wir vorher von seinem Vorhandensein eine Ahnung gehabt haben. Sie werden ja schon erraten, daß ich damit auf ein Ereignis hinweise, das letzte Woche stattgefunden hat: An einem schönen Mittag, es war letzten Sonnabend, hörten in Frankreich plötzlich alle Telegrafenleitungen auf zu funktionieren; man konnte nach keinem Orte in Frankreich telegrafieren oder telefonieren und kein Physiker konnte sich eine Vorstellung machen, wovon das kam. Abends ging der Strom wieder wie vorher. Diese Störung war auf der ganzen Erde zu spüren. Man hatte vorher keine Ahnung, daß etwas derartiges auf unserer Erde vorgehen könnte, daß plötzlich alle telegrafischen Leitungen stillestehen. Die Wissenschaft wird die Ursache schon finden. Aber man wird sich klar sein müssen, daß fortwährend in der Welt eine Kraft wirken kann, von der wir uns keine Vorstellung machen können — Zusammenhänge, von denen wir nichts wissen, deren Wirkungsweise wir nicht im voraus kennen.
[ 1 ] Thoughtful people might perhaps take an event that occurred quite unexpectedly in recent days as proof that there may be many unknown things in the space in which we all find ourselves, from which we suddenly perceive effects without having had any prior inkling of their existence. You have probably already guessed that I am referring to an event that took place last week: On a beautiful afternoon—it was last Saturday—all telegraph lines in France suddenly stopped working; it was impossible to send a telegram or make a phone call to any place in France, and no physicist could fathom what had caused it. By evening, the power was back to normal. This disruption was felt all over the world. No one had any idea beforehand that something like this could happen on our planet—that all telegraph lines would suddenly come to a standstill. Science will surely find the cause. But we must realize that there may be a force constantly at work in the world that we cannot even imagine—connections of which we know nothing, whose mode of operation we cannot foresee.
[ 2 ] Wir Menschen gehören der astralen Welt ebenso an, wie wir der physischen Welt angehören. Wir gehören auch noch anderen Welten an, aber das Dasein dieser Welten verstehen wir erst, wenn wir sehen, was für Kräfte aus dem höheren Dasein hereinspielen. Demjenigen, dessen Augen für die astrale Welt geöffnet werden, geht ein neues Dasein auf: die Welt, in der wir alle Triebe und Instinkte, alle Leidenschaften und Temperamente so vor uns sehen, wie wir die Dinge um uns herum in der physischen Welt sehen. Diese astrale Welt ist aber nicht die höchste. Sie ist diejenige, welche um eine Stufe höher liegt als unsere physische Welt, sie ist eine feinere Welt, die unsere ganze Welt durchdringt. Dann ist unsere Welt auch durchdrungen von einer noch höheren Welt, der eigentlichen geistigen Welt, die wir in der Theosophie die devachanische oder die mentale Welt nennen und die, wenn wir den Blick dafür geöffnet haben, es uns möglich macht, die Gedanken, welche nicht von Gefühlen und Wünschen durchzogen sind, die also reine Gedanken sind, wie Dinge zu sehen. Das sind die drei Welten, welchen der Mensch angehört, das sind die drei Welten, welche er durchläuft in seinen Leben von Verkörperung zu Verkörperung. Also nicht die höchste Welt ist es, mit der wir es bei der Astralwelt zu tun haben. Der geistigen Welt soll ein besonderer Vortrag gewidmet werden.
[ 2 ] We humans belong to the astral world just as much as we belong to the physical world. We also belong to other worlds, but we can only understand the existence of these worlds when we see what forces are at work from the higher realms. For those whose eyes are opened to the astral world, a new reality unfolds: the world in which we see all our drives and instincts, all our passions and temperaments, just as clearly as we see the things around us in the physical world. This astral world, however, is not the highest. It is the one that lies one level higher than our physical world; it is a finer world that permeates our entire world. Then our world is also permeated by an even higher world, the actual spiritual world, which we in Theosophy call the devachanic or mental world and which, once we have opened our eyes to it, enables us to see thoughts—those not interwoven with feelings and desires, that is, pure thoughts—as if they were things. These are the three worlds to which human beings belong; these are the three worlds through which they pass in their lives from incarnation to incarnation. Thus, the astral world is not the highest world we are dealing with. A special lecture will be devoted to the spiritual world.
[ 3 ] Wir betrachten nun also diese Zwischenwelt, die aber, weil sie unserer physischen Welt zunächstliegt, für uns von ganz besonderer Wichtigkeit ist. Demjenigen, dessen Auge geöffnet ist für diese Sphäre, sprechen wir ein sogenanntes psychisches Sehen zu. Es erscheinen ihm nicht nur physische Dinge, sondern es erscheint ihm auch alles, was in den Menschen als Triebe, Wünsche und Leidenschaften lebt, als Dinge. Diese astrale Welt ist abgestuft. Sie ist so großartig, daß sich unsere physische Welt nicht damit vergleichen läßt. Nur eine skizzenhafte Schilderung kann ich davon geben. Wer das Auge dafür geöffnet hat, der sieht Dinge, die der gewöhnliche Mensch zwar wahrnimmt, die er aber sich noch nicht enträtseln kann. Das ist psychisches Sehen.
[ 3 ] We shall now consider this intermediate world, which, because it lies closest to our physical world, is of particular importance to us. We attribute what is known as psychic vision to those whose eyes are open to this sphere. Not only do physical things appear to them, but everything that lives within human beings as instincts, desires, and passions also appears to them as things. This astral world is graded. It is so magnificent that our physical world cannot be compared to it. I can only give a sketchy description of it. Those whose eyes are open to it see things that the ordinary person does indeed perceive, but which they cannot yet unravel. This is psychic vision.
[ 4 ] Aber es gibt ein noch höheres Sehen, das spirituelle Sehen. Dieses verhält sich zum psychischen Sehen etwa so wie der Blick von der Spitze eines Berges, also von einem erhabenen Standpunkte oder doch von dem Abhange eines Berges aus auf die im Tale liegenden Orte und Gegenstände. Denken Sie sich ein Dorf, eine Stadt, ihre Umgebung, aber von unten gesehen, vom Boden aus, auf dem Sie stehen, so können Sie das vergleichen mit dem physischen Sehen des gewöhnlichen Durchschnittsmenschen. Steigen Sie den Berg hinan und bleiben etwa in der Mitte des Berges stehen, dann können Sie den Überblick, den Sie da erhalten, mit dem psychischen Sehen vergleichen. Steigen Sie ganz auf den Berg hinauf, dann können Sie den Überblick vergleichen mit dem spirituellen Sehen. Dieses spirituelle Sehen haben nur wenige Menschen in unserem Zeitalter. Später werden es mehr Menschen sein. Diejenigen Menschen haben es, welche es sich durch frühere Verkörperungen erworben haben, indem sie ein reines, mentales Leben geführt haben, diejenigen, welche auf dem Gebiete des Denkens die Wege des reinen, kristallklaren Erkennens der Welt gesucht haben. Derjenige Mensch, für den das Verfolgen der reinen moralischen Tat so selbstverständlich war, wie für den gewöhnlichen Menschen das Verfolgen seiner alltäglichen Beschäftigungen, Vergnügungen, Leidenschaften und Triebe, derjenige, für den das Leben in reinen Gedanken selbstverständlich war, der bringt dann im nächsten Leben die Fähigkeit mit, diese Dinge, denen er sich in den früheren Leben hingegeben hat, so um sich zu sehen, wie andere Menschen die physischen Dinge sehen. Er durchschaut die Welt, er blickt gleichsam von oben her nicht nur in die physische Welt hinein, sondern auch in diejenige, welche ich als die astrale Welt beschrieben habe. Er kann diese beschreiben, in großen Zügen allerdings, so wie sie sich von oben ausnimmt, aber er kann sie klarer beschreiben als derjenige, welcher bloß das psychische Schauen hat.
[ 4 ] But there is an even higher form of vision: spiritual vision. This relates to psychic vision much like the view from the top of a mountain—that is, from an elevated vantage point—or from the slope of a mountain down to the places and objects lying in the valley. Imagine a village, a city, and its surroundings, but seen from below, from the ground on which you stand; this is comparable to the physical vision of the average person. If you climb the mountain and stop somewhere near the middle, the view you have from there can be compared to psychic vision. If you climb all the way to the top of the mountain, then you can compare the view with spiritual vision. Only a few people in our age possess this spiritual vision. Later, there will be more people who do. Those who possess it are those who have acquired it through previous incarnations by leading a pure, mental life—those who, in the realm of thought, have sought the paths of pure, crystal-clear perception of the world. The person for whom the pursuit of pure moral action was as natural as it is for the average person to pursue their daily activities, pleasures, passions, and instincts—the person for whom life in pure thought was a matter of course—will then bring with them into the next life the ability to view these things to which they devoted themselves in former lives just as other people view physical things. He sees through the world; he looks, as it were, from above not only into the physical world but also into the one I have described as the astral world. He can describe it—in broad strokes, admittedly—as it appears from above, but he can describe it more clearly than one who possesses only psychic vision.
[ 5 ] Teile des psychischen Schauens sind das, was wir durch Hypnotismus und Magnetismus haben. Teil des psychischen Schauens ist auch das somnambule Schauen. Aber dennoch, wenn wir auf der psychischen Ebene stehenbleiben, stehen wir nicht auf dem Gipfel. Da wird auch noch Irrtum möglich sein. Nur der, welcher das spirituelle Schauen hat, kann die Welt nach allen Seiten hin überschauen. Nur der, welcher die Dinge von oben sieht, hat einen freien Ausblick über die Dinge der psychischen Welt. Derjenige, der in diese psychische Welt hineinzuschauen vermag, weiß als Tatsache, daß des Menschen Ursprung, sein Anfang, nicht innerhalb der physischen Welt liegt. Er weiß, daß dasjenige, was sich an dem Menschen als physischer Körper findet, auserwählt worden ist von einem höheren Körper, von etwas, das früher da war als der physische Körper.
[ 5 ] Parts of psychic vision are what we experience through hypnotism and magnetism. Somnambulistic vision is also part of psychic vision. Nevertheless, if we remain on the psychic plane, we are not at the summit. Error is still possible there. Only those who possess spiritual vision can survey the world in its entirety. Only those who see things from above have a clear view of the things of the psychic world. The one who is able to look into this psychic world knows as a fact that the origin of the human being, its beginning, does not lie within the physical world. He knows that what is found in the human being as a physical body has been chosen by a higher body, by something that existed before the physical body.
[ 6 ] Zweierlei Ansichten sind möglich, die materialistische und die geistige. Die materialistische Ansicht ist die, welche glaubt, daß der Mensch sich sein physisches Dasein aus physischen Stoffen bestehend schafft und daß dann, so glaubt diese Anschauung, diese materiellen Stoffe das Geistige erzeugen. Diese Anschauung verfolgt dann irgendeine materielle Erscheinung, indem sie zum Beispiel fragt: Was geht vor im Organismus, was geht vor in den feinen Funktionen, die sich im Gehirn abspielen, wenn ein Gefühl, wenn eine Vorstellung in uns ist? Derjenige, welcher das psychische Sehen hat, weiß, daß dieser Körper sich nicht selbst auferbaut hat; er weiß, daß der Körper von seinem eigenen höheren Menschen, welcher in ihm wohnt, ausgewählt worden ist. «Schaffen» bedeutet nicht das, was wir heute schaffen nennen, sondern es bedeutet Wählen. Das heißt: die Seele des Menschen, die Psyche, welche aus anderen Regionen kommt, hat sich diesen Körper erwählt, so daß er ihr ein Instrument sein kann zur Verfolgung derjenigen Ziele, die aus einer höheren Welt stammen.
[ 6 ] Two perspectives are possible: the materialistic and the spiritual. The materialistic perspective is the one that believes that human beings create their physical existence out of physical substances and that, according to this view, these material substances then give rise to the spiritual. This view then examines some material phenomenon, asking, for example: What is happening in the organism, what is happening in the subtle functions taking place in the brain, when a feeling or an idea arises within us? The one who possesses psychic vision knows that this body did not construct itself; he knows that the body has been chosen by his own higher self, which dwells within him. “Creating” does not mean what we today call creating, but rather it means choosing. That is to say: the human soul, the psyche, which comes from other regions, has chosen this body so that it may serve as an instrument for pursuing those goals that originate from a higher world.
[ 7 ] Nachdem ich dies vorausgeschickt habe, lassen Sie mich in kurzen Zügen darstellen, wie der Mensch seine Erdenpilgerschaft vorbereitet. Lassen Sie mich jetzt zeigen, wie der Mensch zustandekommt, und in einer anderen Stunde wollen wir seinen kosmischen Ursprung zeigen. Heute nur das, was zum Dasein des Menschen in unserer Zeitepoche führt. Ich sage Tatsachen, denn ich sagte schon, daß derjenige, der über die astrale Welt vorträgt, jedes Wort abwägen muß, daß er es nicht einmal, sondern viele Male prüfen muß. Nehmen Sie meine Worte nicht als zufällig gesprochen an, sondern so, daß ich mich vollständig verantwortlich fühle für das, was ich sage. Was ich als Tatsachen hinstelle, können Sie ebenso nehmen wie das, was der Naturforscher als Tatsachen hinstellt, die er mit dem Teleskop, mit dem Fernrohr und so weiter sehen kann.
[ 7 ] Having said this, let me briefly outline how human beings prepare for their earthly pilgrimage. Let me now show how human beings come into being, and at another time we will explore their cosmic origins. Today, I will focus only on what leads to human existence in our present era. I speak of facts, for as I have already said, anyone who speaks about the astral world must weigh every word, must examine it not once, but many times. Do not take my words as spoken casually, but rather as something for which I feel completely responsible. You may accept what I present as facts just as you would accept what the natural scientist presents as facts that he can observe with the telescope, the binoculars, and so on.
[ 8 ] Der Mensch ist ein Wesen, das nicht einmal lebt, sondern das in vielen, vielen Verkörperungen immer und immer wieder lebt. Der Mensch nimmt die physische Hülle oft an. Diese physische Hülle ist die äußerste der Hüllen, in welche der eigentliche Mensch eingehüllt ist. Dieser eigentliche Mensch, der von Inkarnation zu Inkarnation geht, der Schuld und Sühne von einer Inkarnation zur anderen hinüberträgt, wird als das höhere Selbst bezeichnet. Bei der Geburt tritt dieses höhere Selbst in unseren Körper ein. Nach dem Tode verläßt dieses höhere Selbst den Körper, um wiederum in eineinhalb bis zwei Jahrtausenden in einer neuen Verkörperung in der Welt zu erscheinen. In der Zwischenzeit hält sich dieses höhere Selbst in den höheren Welten auf, und, nachdem dieses Selbst in eine Art von Reifezustand übergegangen ist, sucht es sich wieder zu verkörpern. Es lebt in ihm gleichsam der Wunsch, wiederum innerhalb des materiellen, irdischen Daseins tätig zu sein, wiederum eine Lektion zu erlernen innerhalb des irdischen Daseins.
[ 8 ] Human beings are not merely living beings; rather, they live over and over again through many, many incarnations. Human beings often take on a physical body. This physical body is the outermost of the layers in which the true self is enveloped. This true human being, who passes from incarnation to incarnation, carrying guilt and atonement from one incarnation to the next, is referred to as the higher self. At birth, this higher self enters our body. After death, this higher self leaves the body, only to reappear in the world in a new incarnation in one and a half to two millennia. In the meantime, this higher self resides in the higher worlds, and, after this self has passed into a kind of state of maturity, it seeks to incarnate again. It lives within it, as it were, the desire to be active once more within material, earthly existence, to learn a lesson once more within earthly existence.
[ 9 ] Nun müssen wir ein zweifaches, ein doppeltes Entstehen des Menschen betrachten. Diese Betrachtung liefert uns zwei Tatsachenreihen: die eine, welche abläuft innerhalb unserer physischen Welt, die andere, welche abläuft in der höheren Welt. Ich werde vorläufig nur diese höhere Welt skizzieren.
[ 9 ] Now we must consider a twofold, a dual process of human development. This consideration provides us with two sets of facts: one that takes place within our physical world, and the other that takes place in the higher world. For the time being, I will outline only this higher world.
[ 10 ] In der Zwischenzeit, [zwischen dem Tode und einer neuen Geburt], ist der Mensch in der rein geistigen Welt — in der mentalen Welt oder dem Devachan —, in einer Welt, welche zwei Regionen hat, eine rein geistige, höhere Welt und eine niedere. Die höhere geistige Welt, welche wir auch als die «Arupa-Sphäre» bezeichnen, betritt der Mensch zwischen zwei Verkörperungen immer. Der Unentwickelte hält sich kürzere, der Entwickelte längere Zeit darin auf. Jeder Mensch muß durch diese Region hindurchgehen. Wir werden später sehen, warum. Aus dieser Region muß er in die untere Region, in diejenige, in welcher für uns der subjektive Gedanke ist, der Gedankenstoff. In dieser Region nimmt das Selbst einen Gedankenkörper an. Es umgibt sich mit Gedankenstoff, so daß wir dieses Selbst verfolgen können, wie es aus der höheren Region nun in die Gedankenstoffwelt eintritt. Diese Sphären sind eigentlich nicht übereinander, sondern ineinander geschoben. Es ist wie ein lebendiger Organismus, nur ist dieser tätiger als unser physischer Organismus. Nachdem das Selbst in diese Gedankenregion eingetreten ist und dort einen Organismus aus Gedankenstoff gebildet hat, treibt es ein Wunsch weiter herunter. Es umgibt sich mit Stoff aus der astralen oder psychischen Welt, so daß das höhere Selbst, bevor es in den physischen Organismus einzieht, bereits ein höherer Organismus ist. Jeder von uns war in den höheren Regionen ein höherer Organismus. Er war Gedankenstoff, und dieser war wiederum eingewebt in den Astralstoff. Ein solcher Organismus waren wir, bevor wir den physischen Leib betraten. Diese astrale Welt ist für den Seher, der in der psychischen Sphäre forschen kann, ebenso klar und durchsichtig, wie die physische Welt für die Augen des physischen Forschers.
[ 10 ] In the interval [between death and a new birth], the human being is in the purely spiritual world—the mental world or Devachan—a world that has two regions: a purely spiritual, higher world and a lower one. The higher spiritual world, which we also call the “Arupa Sphere,” is always entered by the human being between two incarnations. The undeveloped person stays there for a shorter time, the developed person for a longer time. Every human being must pass through this region. We will see later why. From this region, they must descend into the lower region, the one in which, for us, the subjective thought—the thought-substance—resides. In this region, the Self assumes a thought-body. It surrounds itself with thought-substance, so that we can follow this Self as it now enters the world of thought-substance from the higher region. These spheres are not actually superimposed upon one another, but rather interlocked. It is like a living organism, only this one is more active than our physical organism. After the Self has entered this region of thought and formed an organism out of thought-matter there, a desire drives it further down. It surrounds itself with matter from the astral or psychic world, so that the higher Self, before it enters the physical organism, is already a higher organism. Each of us was a higher organism in the higher regions. It was thought-substance, and this was in turn woven into the astral substance. We were such an organism before we entered the physical body. This astral world is just as clear and transparent to the seer who can explore the psychic sphere as the physical world is to the eyes of the physical researcher.
[ 11 ] In der physischen Welt unterscheiden wir dreierlei Arten des Daseins, dreierlei Aggregatzustände: fest, flüssig und gasförmig; außerdem noch den sogenannten Äther, die ätherische Stofflichkeit, die der Grund ist, warum Licht durch den Raum geht, Wärme und so weiter. Dieses ist der feinste Zustand auf dem physischen Plan. Genau ebenso hinsichtlich der Einteilung, aber ganz anders hinsichtlich der Qualität, hinsichtlich der Eigenschaften, ist es in der astralen Welt. In der astralen Welt haben wir es mit verschiedener astraler Stofflichkeit zu tun. Etwas dringt herein in unsere Welt, die wir kennen, etwas durchdringt uns Menschen alle, und wir nennen es die astrale Welt. In der astralen Welt sehen wir, ohne daß wir es recht fassen können, die Astralstoffe. Noch im Mittelalter haben die Leute, die davon etwas wußten, von Stoffen gesprochen, durch welche das Hereinziehen des Selbstes [in das Physische] sich vollzieht, und sie haben diese Stoffe «Humores» genannt. Was in unserer physischen Welt diese verschiedenen Stoffzustände sind, fest, flüssig, gasförmig und ätherisch, das sind in der psychischen Welt die vier Humores, aber wir können diese nur benennen nach ihrem Abglanz, wie sie in uns sind, wie sie in uns leben. Den physischen Stoffzuständen fest, flüssig, gasförmig, ätherisch entspricht in der Astralwelt das, was wir die vier Temperamente nennen. Das, was in uns verursacht, daß wir dieses oder jenes Temperament haben, dem entspricht ein ganz bestimmter Stoffzustand. Wer im Astralkörper ein cholerisches Temperament hat, bei dem findet sich derjenige der Humores besonders ausgebildet, welcher dem Stoffzustande des Cholerischen entspricht — cholae. So haben wir in der astralen Welt die Temperamente als Entsprechung für die vier Stoffzustände. Wie die Alten von Erde, Wasser, Luft, Feuer sprachen, so sprachen sie auch von vier Stoffzuständen im Astralischen, und diese bestehen aus Astralstoffen. Je nachdem der eine oder der andere Astralstoff überwiegt, je nachdem trägt der Mensch das eine oder das andere Temperament.
[ 11 ] In the physical world, we distinguish three types of existence, three states of matter: solid, liquid, and gaseous; in addition, there is what is known as the ether, the ethereal substance that is the reason light travels through space, heat, and so on. This is the finest state on the physical plane. It is exactly the same in terms of classification, but quite different in terms of quality and properties, in the astral world. In the astral world, we are dealing with various astral substances. Something penetrates into the world we know; something permeates all of us humans, and we call it the astral world. In the astral world, we see the astral substances without being able to fully grasp them. Even in the Middle Ages, people who knew something about this spoke of substances through which the drawing in of the self [into the physical] takes place, and they called these substances “humors.” What in our physical world are these various states of matter—solid, liquid, gaseous, and ethereal—are in the psychic world the four humors; but we can only name them according to their reflection, as they are within us, as they live within us. The physical states of matter—solid, liquid, gaseous, ethereal—correspond in the astral world to what we call the four temperaments. That which causes us to have this or that temperament corresponds to a very specific state of matter. In someone who has a choleric temperament in the astral body, the one of the humors that corresponds to the choleric state of matter—cholae—is particularly developed. Thus, in the astral world, we have the temperaments as counterparts to the four states of matter. Just as the ancients spoke of earth, water, air, and fire, so too did they speak of four states of matter in the astral realm, and these consist of astral substances. Depending on whether one or the other astral substance predominates, a person possesses one temperament or the other.
[ 12 ] So wie unserem physischen Dasein der Raum mit seinen drei Dimensionen eigen ist, so gibt es auch einen Astralraum, der aber anders geartet ist als unser physischer Raum. Und weil er anders geartet ist, wird es dem Anfänger schwer, sich dort zurechtzufinden. Etwas den physischen Dimensionen Entsprechendes gibt es auch im Astralen. So wie unser physischer Raum Höhe, Breite und Tiefe hat, so gibt es auch auf dem astralischen Felde bestimmte Dimensionen. Und nun besteht ein merkwürdiger Zusammenhang zwischen den Dimensionen auf astralen Felde und dem, was wir im physischen Leben «Zeit» nennen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Physischen sind nur Projektionen, schattenhafte Bilder derjenigen Dimensionen, welche die Dimensionen in der Astralwelt sind. Es gibt auch in der astralen Welt etwas wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Dimensionen. Aber das unterscheidet die astrale Welt von unserer physischen, daß es noch eine für unser physisches Dasein unvorstellbare Dimension gibt, welche außer Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft besteht, welche oftmals als vierte Dimension gezählt wird. Es ist dies ein bildlicher, aber nicht ganz ungeeigneter Ausdruck. Es sollte niemand von der vierten Dimension sprechen, der keinen Blick dafür hat.
[ 12 ] Just as our physical existence is characterized by space with its three dimensions, there is also an astral space, which is, however, of a different nature than our physical space. And because it is of a different nature, it is difficult for the beginner to find their way there. There is also something in the astral realm that corresponds to the physical dimensions. Just as our physical space has height, width, and depth, there are also specific dimensions in the astral field. And now there is a curious connection between the dimensions in the astral realm and what we call “time” in physical life. Past, present, and future in the physical realm are merely projections, shadowy images of those dimensions that constitute the dimensions of the astral world. In the astral world, too, there is something like past, present, and future as dimensions. But what distinguishes the astral world from our physical one is that there is another dimension, unimaginable to our physical existence, which exists apart from the present, past, and future, and which is often counted as the fourth dimension. This is a figurative, but not entirely inappropriate, expression. No one who lacks an eye for it should speak of the fourth dimension.
[ 13 ] Die astrale Welt ist verwirrend für den, der zum erstenmal einen Blick in sie tut. Sie unterscheidet sich auch dadurch von der physischen Welt, daß die Dinge nicht fest sind, sondern durchlässig. Wir nennen sie daher auch die Region der Durchlässigkeit. Es gibt da für das astralische Auge keine Grenzen des Körpers wie in der physischen Welt; von jedem Körper ist seine Rückseite ebenso sichtbar wie die Vorderseite. Wir sehen im Grunde genommen in der Astralwelt gar nicht von außen wie im Physischen. Sie wissen, im Physischen sehen wir die Dinge so, wie sie sich sozusagen vor uns hinstellen, zum Beispiel sehen wir in einer von uns abgehenden Allee die Bäume perspektivisch. Der Raum bietet uns ein perspektivisches Schauen. Die entfernteren Bäume scheinen einander nähergerückt zu sein, die näheren Bäume scheinen weiter voneinander entfernt. Diese Art zu schauen hört vollständig auf im Astralen. Dort schauen wir die Dinge von innen. Wenn Sie einen Würfel von außen anschauen, so erscheinen Ihnen die Seiten des Würfels perspektivisch. Das astrale Schauen ist gleichsam so, als wenn Sie in der Mitte des Würfels stehen würden und ihn nach allen Seiten von innen beschauen könnten. Das hat ja auch Leadbeater in seiner «Astralebene» gesagt. Wir können davon nur eine Art Sinnbild, eine Art Projektion geben. Unsere Worte beziehen sich nur auf die physische Ebene; wir müssen daher das, was wir astral schauen, erst in die physische Sprache übertragen. Wenn wir sagen, wir sehen im Astralen die Dinge von innen an, so ist das nur eine Übersetzung dessen, was im Astralen vorhanden ist, in die physische Projektion hinein. Für den Anfänger wird dadurch eine Art Verwirrung geschaffen, daß er die Dinge von einer anderen Seite sieht [als von der gewohnten]. Sein Gesichtspunkt ändert sich vollständig. Allen Anfängern ist diese Erfahrung gemeinsam. Wenn Sie zum Beispiel eine Zahl im Astralen schauen, zum Beispiel 265, dann sehen Sie sie nach alter Gewohnheit so, wie Sie sie im Physischen von außen sehen. Im Astralen haben Sie aber den Standpunkt, die Dinge von innen zu sehen. Die Zahl muß im Astralen 562 gelesen werden, weil der Standpunkt von innen ist, also von der anderen Seite symmetrisch umgekehrt gelesen werden muß. Das sind die Gründe für das Verwirrende, das bei Anfängern zunächst auftritt, denen das Auge geöffnet wird. Es ist jedoch ein theosophischer Grundsatz, daß niemandem das Auge geöffnet werden darf, wenn es nicht an der Hand eines Adepten geschieht, wie wir die Kenner auf diesem Gebiete nennen. Wer geführt wird von Meistern, der kann unmöglich solchen Irrtümern ausgesetzt sein.
[ 13 ] The astral world is confusing to those who glimpse it for the first time. It also differs from the physical world in that things are not solid, but permeable. We therefore also call it the region of permeability. For the astral eye, there are no bodily boundaries as in the physical world; the back of every body is just as visible as the front. In the astral world, we do not, in fact, see from the outside as we do in the physical world. You know that in the physical world we see things as they stand before us, so to speak; for example, we see the trees in an avenue leading away from us in perspective. Space offers us a perspective view. The more distant trees seem to have moved closer together, while the nearer trees seem farther apart. This way of seeing ceases entirely in the astral. There we see things from the inside. If you look at a cube from the outside, the sides of the cube appear to you in perspective. Astral vision is, so to speak, as if you were standing in the center of the cube and could view it from the inside on all sides. Leadbeater also said this in his *Astral Plane*. We can only provide a kind of symbol, a kind of projection of this. Our words refer only to the physical plane; we must therefore first translate what we see in the astral into physical language. When we say that we view things from the inside in the astral, this is merely a translation of what exists in the astral into the physical projection. For the beginner, this creates a kind of confusion because they see things from a different angle [than the one they are accustomed to]. Their perspective changes completely. All beginners share this experience. For example, if you see a number in the astral, say 265, you will, out of old habit, see it as you would from the outside in the physical realm. In the astral, however, your perspective is to view things from the inside. The number must be read as 562 in the astral, because the perspective is from the inside, and thus it must be read symmetrically reversed from the other side. These are the reasons for the confusion that initially arises among beginners whose eyes are opened. It is, however, a theosophical principle that no one’s eyes should be opened unless it is done by the hand of an adept, as we call those knowledgeable in this field. Those who are guided by Masters cannot possibly be exposed to such errors.
[ 14 ] Diese Welt ist es, in der der Mensch vor seiner physischen Verkörperung sich befindet, bevor sein physischer Körper sich gebildet hat. Wir wollen nun das betrachten, was von der physischen Welt dem astralen Organismus entgegeneilt, des Menschen physische Körperlichkeit, die durch physische, durch physiologische Kräfte geboren wird. Ich mache Sie auf eine Tatsache aufmerksam, die zugleich das Mysterium von Geburt und Tod betrifft. Dadurch, daß der Mensch einzieht in die physische Welt, dadurch, daß er von der physischen Welt Besitz ergreift und sich physische Materie einwebt, dadurch unterliegt er den Gesetzen der Fortpflanzung, den Gesetzen derjenigen Geburt und desjenigen Todes, wie wir sie in der physischen Welt heute kennen. Zwar gibt es noch eine andere Geburt und einen anderen Tod.; aber die Geburt und der Tod, welche wir kennen, gibt es erst in unserer Menschheitsepoche innerhalb der atlantischen Zeit und eines Teiles der lemurischen Zeit. Diesen drei Menschheitsepochen [Wurzelrassen] gingen zwei andere voran, in denen die Menschen keinen so dichten Körper hatten wie wir. Sie hatten einen feinen, noch nicht grobstofflichen Körper, und mit diesem Körper war noch nicht das verbunden, was wir jetzt als physischen Fortpflanzungsvorgang kennen. Dieser tritt erst innerhalb der dritten Wurzelrasse, [in der lemurischen Zeit], ein. Vorher gab es eine Art der Fortpflanzung innerhalb der Lebewesen, an die uns heute noch die niedersten Naturwesen erinnern, die sich einfach durch Zellteilung fortpflanzen. Eine Zelle schnürt sich ein und teilt sich; das ist eine ungeschlechtliche Fortpflanzung. Die Menschen pflanzten sich während der ersten und zweiten Wurzelrasse, [in der polarischen und hyperboräischen Zeit], durch eine solche Teilung des ätherischen Körpers fort. Diese beiden Menschenrassen, welche der dritten vorangingen, pflanzten sich so fort, daß der eine Körper den anderen aus sich heraustreten ließ. Diese Art der Fortpflanzung bildet nur noch ein Erinnerungsstück an diese ältesten Zeitepochen.
[ 14 ] This is the world in which the human being finds themselves before their physical incarnation, before their physical body has been formed. Let us now consider what comes from the physical world to meet the astral organism: the human being’s physical corporeality, which is brought into being by physical, physiological forces. I would like to draw your attention to a fact that concerns both the mystery of birth and death. By entering the physical world, by taking possession of the physical world and weaving physical matter into his being, the human being becomes subject to the laws of procreation, the laws of that birth and that death as we know them in the physical world today. There is, admittedly, another kind of birth and another kind of death; but the birth and death we know have existed only within our epoch of humanity, during the Atlantean period and part of the Lemurian period. These three epochs of humanity [root races] were preceded by two others, in which human beings did not have bodies as dense as ours. They had a fine, not yet gross-material body, and what we now know as the physical process of reproduction was not yet associated with this body. This first occurs within the third root race [during the Lemurian epoch]. Previously, there was a form of reproduction among living beings that is still reminiscent of the lowest natural beings today, which reproduce simply through cell division. A cell constricts and divides; this is asexual reproduction. During the first and second root races, [in the Polar and Hyperborean epochs], human beings reproduced through such a division of the etheric body. These two human races, which preceded the third, reproduced in such a way that one body allowed the other to emerge from within itself. This form of reproduction is now merely a remnant of those most ancient epochs.
[ 15 ] Sie wissen vielleicht, daß die älteste Zeit die Verehrung des Adam Kadmon hatte. Sie wissen das aus der indischen Geheimlehre, und Sie kennen auch aus der Bibel die doppelte Schöpfungsgeschichte. In der ersten Schöpfungsgeschichte wird erzählt: Gott schuf den Menschen, und — wie es dort wörtlich heißt — er schuf den Menschen männlich-weiblich. — Die geschlechtliche Fortpflanzung war nicht die erste. Das, was man oftmals bei einer äußerlichen Betrachtung der Bibel als Widerspruch empfindet, die doppelte Schöpfungsgeschichte, ist kein Widerspruch, denn die erste Schöpfungsgeschichte erzählt von jenen Menschenrassen, bei denen es noch keine Geschlechtlichkeit gab, welche noch männlich-weiblich waren. Erst in der dritten Wurzelrasse, in der lemurischen Zeit, trat die Spaltung der Geschlechter auf und das, was wir im heutigen Sinne im Physischen Geburt und Tod nennen. Es trat [in dieser Zeit] aber auch etwas anderes auf, was früher noch nicht da war: Die Menschen hatten noch nicht das Vorstellungsvermögen [im heutigen Sinne]. Daß wir heute einen Gegenstand uns vorstellen können, das ist etwas, was erst in der fünften Zeitepoche so geworden ist. Ich kann mir ein Gedankenbild schaffen, zum Beispiel von einer Flasche. Das konnten die [früheren Menschen] noch nicht. Gleichzeitig mit der physischen Stofflichkeit entwickelte sich die Fähigkeit des Vorstellens.
[ 15 ] You may know that in ancient times there was a veneration of Adam Kadmon. You know this from Indian esoteric teachings, and you are also familiar with the dual creation story from the Bible. The first creation story tells us: God created humankind, and—as it literally states there—he created humankind male and female. — Sexual reproduction was not the first form of procreation. What is often perceived as a contradiction when viewing the Bible superficially—the two accounts of creation—is not a contradiction, for the first account speaks of those human races in which there was no sexual differentiation yet, who were still male and female. It was not until the third root race, in the Lemurian epoch, that the division of the sexes occurred, along with what we today call physical birth and death. But something else also emerged [during this time] that had not existed before: human beings did not yet possess the power of imagination [in the modern sense]. The fact that we can imagine an object today is something that only came about in the fifth epoch. I can create a mental image, for example, of a bottle. The [earlier humans] could not yet do that. The ability to imagine developed simultaneously with physical materiality.
[ 16 ] Nun treffen wir hier merkwürdigerweise auf eine jener wichtigen historischen Tatsachen, die dann in der Gegenwart zur Gründung der theosophischen Bewegung geführt haben. Die Naturwissenschaft ist in den letzten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts dazu gekommen, über die geschlechtliche Fortpflanzung und über Geburt und Tod sich Vorstellungen zu machen, die die Theosophen schon vor Jahrhunderten gehabt haben. Die letzte Zeit, die wir alle miterlebt haben, hat Licht hineingebracht in die physische Fortpflanzung des Menschen und damit auch der höheren Tiere. Heute steht die Naturforschung nicht mehr auf demselben Standpunkt wie vor zwanzig Jahren, daß die Zweigeschlechtlichkeit notwendig sei. Sie können das heute in naturwissenschaftlichen Werken lesen. Sichere und maßgebende Forschungen haben ergeben, daß die heutige Fortpflanzungsart einen ganz anderen Sinn hat als den, welchen man ihr bisher gegeben hat. Denn die Natur hätte ausreichen können auch mit der Eingeschlechtlichkeit. Es ist heute durchaus naturwissenschaftlich erwiesen, daß zwei Geschlechter nicht notwendig sind zur Fortpflanzung, daß etwas anderes beabsichtigt war mit der Zweigeschlechtlichkeit, denn es wäre ja zur Fortpflanzung das eine Geschlecht genügend gewesen. Was hat die Zweigeschlechtlichkeit also für einen Sinn? Da sagt uns die Naturwissenschaft: Die Zweigeschlechtlichkeit ist eingetreten, damit eine Qualitätenmischung stattfindet. Es würde sonst eine viel geringere Mannigfaltigkeit in dem physischen Körperlichen vorhanden sein; die späteren Nachkommen würden immer denselben Typus zeigen wie die frühesten Vorfahren. Um möglichst viele Stoffe zu mischen, um die Eigenschaftsmischung herbeizuführen, hat die Natur zwei Geschlechter entstehen lassen. Eine Mannigfaltigkeit sollte hervorgebracht werden in der dritten Menschheitsrasse. Und da sind auch die ersten Tiere entstanden. Es hat die Natur den Zweck verfolgt, möglichst mannigfaltige Wesen hervorzubringen, damit die aus dem Geistigen und dem Astralischen herunterkommenden Wesenheiten möglichst mannigfaltige Körper finden. Der Mensch sollte einen neuen Körper finden, der durch die mannigfaltigste Mischung hindurchgegangen ist, um nicht der alte Typus zu bleiben. Sie sehen, von der Naturwissenschaft ist hier das erforscht worden, was auch die Theosophie seit alten Zeiten gelehrt hat.
[ 16 ] Strangely enough, we now encounter one of those important historical facts that subsequently led to the founding of the Theosophical Movement in the present day. In the last two decades of the 19th century, natural science has come to form ideas about sexual reproduction, birth, and death that theosophists had already held centuries ago. The recent period we have all witnessed has shed light on the physical reproduction of humans and, consequently, of higher animals. Today, scientific research no longer holds the same view as it did twenty years ago, namely that the existence of two sexes is necessary. You can read this today in scientific works. Reliable and authoritative research has shown that the current mode of reproduction has a completely different purpose than the one previously attributed to it. For nature could have managed just as well with a single sex. It is now scientifically proven that two sexes are not necessary for reproduction, that something else was intended with sexual dimorphism, for one sex would have been sufficient for reproduction. So what is the purpose of sexual dimorphism? Here, science tells us: Sexual dimorphism arose so that a mixing of qualities could take place. Otherwise, there would be far less diversity in the physical body; later descendants would always exhibit the same type as their earliest ancestors. In order to mix as many substances as possible, to bring about this blending of qualities, nature brought about two sexes. A diversity was to be brought forth in the third human race. And that is also when the first animals came into being. Nature pursued the goal of bringing forth beings as diverse as possible, so that the entities descending from the spiritual and astral realms might find bodies as diverse as possible. Humanity was to find a new body that had undergone the most diverse mixture, so as not to remain the old type. You see, what has been researched here by natural science is precisely what theosophy has taught since ancient times.
[ 17 ] Nachdem wir nun beides gesehen haben, das Herabsteigen des Geistigen und wie das Physische dem herabssteigenden Geistigen entgegenkommt, wollen wir nochmals den Vorgang betrachten. Was ich sage, sind Tatsachen, es ist durchaus sicher. Ich werde von beiden Seiten die Elemente darstellen, welche bei der Menschwerdung vorhanden sind. Zuerst haben wir es bei der Menschwerdung zu tun mit der Entwicklung des Keimes, der in den ersten Tagen einem kleinen Fischchen ähnlich sieht. Diesen Keim brauche ich nur skizzenhaft anzudeuten; er ist etwa so. (Es wurde an die Tafel gezeichnet; die Zeichnung ist nicht erhalten). Diesem kommt etwa am siebzehnten Tag das Astralwesen entgegen; und dieses Astralwesen kennt der psychische Forscher so gut wie der physische Forscher das Physische. Der Seher sieht im Astralen viele trichterförmige Gestalten. Das sind die werdenden Menschen; das sind die Wesenheiten, die ihre physische Verkörperung suchen. Von dem dringenden Wunsche beseelt, sich zu verkörpern, durcheilen diese Gebilde mit großer Geschwindigkeit den Astralraum und suchen nach physischer Stofflichkeit. Wer den zweiten Teil des «Faust» gelesen hat und sich an die Szene mit dem Homunculus erinnert, der wird sie nur verstehen, wenn er weiß, daß Goethe diesen Vorgang hat darstellen wollen. Diese astralen Gebilde haben die verschiedensten Färbungen, von denen wir uns kaum eine Vorstellung machen können. Innerhalb dieses Astralkörpers befindet sich ein Streifen, der sich ins Unbestimmte verliert. Er ist von hellgelber Farbe. Dieser Astralkörper verbindet sich mit dem von ihm selbst gewählten physischen Körper, wenn der Embryo ungefähr die Gestalt eines Fischchens hat. Dann tritt eine Veränderung ein. Es spaltet sich der Lichtstrahl in zwei Teile, in zwei hellleuchtende Strahlenstreifen. Das ist bei der Mehrzahl der Menschen der Fall, und so würde Ihnen das erscheinen, wenn Sie die Menschen bei ihrer Entstehung verfolgen könnten. Nur bei wenigen Menschen zeigt sich ein etwas anderer Vorgang. Nur wenige Menschen zeigen einen bleibenden hellen Streifen, der allerdings etwas verblaßt in dem Augenblick, wo er bei anderen Menschen ganz verschwindet, aber er bleibt doch. Das sind diejenigen Menschen, welche ein spirituelles Schauen haben.
[ 17 ] Now that we have seen both the descent of the spiritual and how the physical meets the descending spiritual, let us consider the process once more. What I am saying are facts; it is absolutely certain. I will describe the elements present in the process of human incarnation from both sides. First, in human incarnation we are dealing with the development of the embryo, which in the early days resembles a small fish. I need only sketch this embryo; it looks something like this. (It was drawn on the blackboard; the drawing has not been preserved.) Around the seventeenth day, the astral being comes to meet this embryo; and the psychic researcher knows this astral being as well as the physical researcher knows the physical. The seer sees many funnel-shaped figures in the astral realm. These are the human beings-to-be; these are the beings seeking their physical embodiment. Driven by the urgent desire to incarnate, these forms rush through the astral space at great speed, searching for physical matter. Anyone who has read the second part of *Faust* and remembers the scene with the homunculus will understand it only if they know that Goethe intended to depict this process. These astral forms have the most varied hues, of which we can scarcely form a conception. Within this astral body there is a streak that fades into the indefinite. It is a pale yellow color. This astral body unites with the physical body it has chosen for itself when the embryo has roughly the shape of a small fish. Then a change occurs. The beam of light splits into two parts, into two brightly shining streaks of light. This is the case for the majority of people, and this is how it would appear to you if you could observe human beings during their formation. Only in a few people does a somewhat different process occur. Only a few people exhibit a lasting bright strip, which, however, fades somewhat at the very moment when it disappears entirely in others, yet it remains nonetheless. These are the people who possess spiritual vision.
[ 18 ] Wir halten zunächst fest an dem gewöhnlichen Vorgang, wo das Lichtstreifchen sich teilt. Nun vereinigt sich das astrale Gebilde mit dem physischen Menschenkeim. Von dem einen Tröpfchen wird alles durchströmt, gleichsam von einer hellgelben Flüssigkeit. Dieses wächst später zu dem sogenannten sympathischen Nervengeflecht aus, welches das physische Nervensystem des Menschen versorgt. Wir haben ja außer dem Gehirn- und Rückenmarksystem ein anderes Nervensystem, das sympathische, das die niederen Funktionen dirigiert. Der eine Tropfen durchströmt das sympathische Nervensystem, der andere Gehirn- und Rückenmarksystem. So wird der Mensch beseelt. Gesetzmäßig gehen die beiden Lichtkegel in das Physische über und durchgeistigen es. Bei jedem Menschen tritt erneut dieser Lichtschein auf, der das Gehirn im besonderen durchzieht. Wenn der Moment eingetreten ist, dann ist tatsächlich das, was der Mensch mitgebracht hat aus dem früheren Leben, und das, was er aus der physischen Welt hat, miteinander vereinigt. So kommen die beiden Wesenheiten zusammen, welche den vollen Menschen ausmachen.
[ 18 ] We will first focus on the usual process in which the sliver of light divides. Now the astral form unites with the physical human embryo. Everything is permeated by a single droplet, as it were, of a pale yellow liquid. This later develops into the so-called sympathetic nervous plexus, which supplies the human physical nervous system. In addition to the brain and spinal cord system, we have another nervous system, the sympathetic system, which directs the lower functions. One drop flows through the sympathetic nervous system, the other through the brain and spinal cord system. This is how the human being is animated. In accordance with the laws of nature, the two cones of light pass into the physical realm and spiritualize it. In every human being, this radiance appears anew, permeating the brain in particular. When the moment arrives, what the human being has brought with them from their previous life and what they possess from the physical world are indeed united. Thus the two entities that constitute the whole human being come together.
[ 19 ] Wir haben gelebt in früheren Inkarnationen; wir sind durch die geistige Welt hindurchgegangen; da waren wir Geist. Der Geist geht herunter durch die astrale Welt und umgibt sich mit dem Astralstoff. Das ist das, was der Mensch mitbringt aus dem früheren Leben und was er anzieht aus der astralen Sphäre. Diese beiden Dinge sind es, die der Mensch mitbringt, das Geistige und das Astrale. Der Lichtschein, das sind die Fähigkeiten, die wir mitbrachten aus früheren Leben. Diese ziehen ein, nachdem das Wesen den brennenden Wunsch gestillt hat, mit einem astralen Organismus verbunden zu sein. Von jetzt ab wächst der Menschenkeim nicht nur durch die physische Kraft, sondern auch von innen heraus. Was er in früheren Leben gewonnen hat, das arbeitet jetzt von innen heraus an der Herstellung des Körpers. Nicht Ihr Organismus baut Ihre Seele auf, sondern Ihre Seele baut Ihren Organismus auf. Der Menschenkeim ist erst wenige Tage alt, wenn er mit der Seele vereinigt wird. Er ist das einzige, was uns von außen gegeben wird. Er wird uns durch ganz bestimmte Gesetze gegeben. Wir werden sie noch genauer besprechen.
[ 19 ] We have lived in previous incarnations; we have passed through the spiritual world; there we were spirits. The spirit descends through the astral world and surrounds itself with astral matter. This is what a person brings with them from their previous life and what they draw from the astral sphere. These are the two things that a human being brings with them: the spiritual and the astral. The radiance of light represents the abilities we brought with us from past lives. These take hold after the being has satisfied the burning desire to be connected to an astral organism. From now on, the human embryo grows not only through physical force but also from within. What it has gained in past lives now works from within to build the body. It is not your organism that builds your soul, but your soul that builds your organism. The human embryo is only a few days old when it is united with the soul. It is the only thing given to us from the outside. It is given to us through very specific laws. We will discuss them in greater detail.
[ 20 ] Tatsächlich verstehen wir des Menschen Geburt und seinen Tod nur dann, wenn wir wissen, aus welchen zwei Wesenheiten er besteht und wie diese zwei Wesenheiten zusammengeströmt sind, welche den ganzen Menschen bilden. Es ist also so, daß wir selbst an unseren äußeren Organen arbeiten; sie sind nicht ein Produkt der äußeren Welt, sie sind ein Abbild dessen, was wir mitgebracht haben.
[ 20 ] In fact, we can only understand a person’s birth and death if we know of the two entities of which they are composed and how these two entities have come together to form the whole person. It is therefore the case that we ourselves work on our external organs; they are not a product of the external world, but a reflection of what we have brought with us.
