On the Astral World and Devachan
GA 88
25 February 1904, Berlin
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On the Astral World and Devachan, tr. SOL
10. Die Welt des Geistes oder Devachan IV
10. The World of the Spirit, or Devachan IV
[ 1 ] Verehrte Anwesende! Es obliegt mir heute, die Vorträge über den sogenannten Devachanplan oder, wie wir es deutsch nennen müssen, das Geistesland, zu Ende zu führen. Wenn Sie in theosophischen Büchern über Devachan oder das Land der geistigen Wesenheiten lesen, so werden Sie die Schilderung finden, daß dieses Gebiet der Geistwelt ein Gebiet der Zufriedenheit, ein Gebiet der Glückseligkeit ist. Es wird Ihnen gesagt, das Devachan sei das «Land der Wonnen», das «Land des Glückes». Nun, verehrte Anwesende, es ist sehr leicht, eine solche Schilderung mißzuverstehen und sich etwas ganz Falsches unter diesen Worten vorzustellen. Wir müssen uns klar sein darüber, daß sehr viele Menschen dasjenige, was das Glück des Geisteslandes ist, gar nicht kennen, daß die überwiegende Mehrzahl der Menschen das Glück und die Zufriedenheit in Dingen suchen, von denen allerdings im Devachan nichts mehr anzutreffen ist. Selbst das, was sich zumeist die Menschen in religiösen Vorstellungen als Paradies ausmalen, als Land des Glückes und der Wonne, selbst das knüpft noch so sehr an Vorstellungen der unmittelbaren sinnlichen Wirklichkeit an, an Vorstellungen, die aus unserer körperlichen Umgebung genommen sind, daß wir diese Vorstellungen nicht auf das Land der geistigen Wesenheiten anwenden dürfen. Was die Menschen sich erhoffen an paradiesischen Freuden, was sie, anknüpfend an sinnliche Vorstellungen, als Paradies bezeichnen, das finden Sie bereits vor dem Eintreten ins Devachan, das finden Sie im fünften Gebiete des Kamaloka, im fünften Gebiete des Läuterungsfeuers, und zwar gerade zu dem Ziele und zu dem Zweck, um diesen Hang zu sinnlichen Freuden und sinnlichen Begierden abzustreifen. Was zum Beispiel der Indianer sich vorstellt als paradiesische Jagdgründe, wo er allen Jagdbegierden wird frönen können, das findet er bereits im fünften Gebiet des Kamaloka. Aber gerade davon muß der Mensch gereinigt werden, bevor er eintreten kann in die Geisteswelt. Auf der anderen Seite sagen viele, wenn Sie hören, daß von alle dem, was sie hier auf unserer Erde als sinnliche Wirklichkeit erleben, nichts mehr vorhanden ist im Geistesland, daß dann das Geistesland nichts anderes sei als eine Illusion, eine Art von Traum, den wir zwischen zwei Inkarnationen durchträumen. — Beides bedarf einer Richtigstellung. Es bedarf der Hinführung der Vorstellungen, die der Mensch aus seiner unmittelbar erlebten Wirklichkeit nimmt, zu ganz anderen und höheren Vorstellungen. Man kann eine entsprechende Vorstellung davon gewinnen, was eigentlich gemeint ist mit dem Land der Wonnen, dem Land der Glückseligkeit, was gemeint ist mit jener tiefen Innigkeit und geistigen Befriedigung, die wir erleben zwischen zwei Inkarnationen, wenn man hinhört auf das, was Schüler der großen Meister durch ihre Erfahrung schon in diesem Leben zu erzählen wissen.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! It falls to me today to conclude the lectures on the so-called Devachan plane or, as we must call it in German, the Land of Spirits. When you read about Devachan or the Land of Spiritual Beings in theosophical books, you will find descriptions of this realm of the spirit world as a realm of contentment, a realm of bliss. You are told that Devachan is the “Land of Delights,” the “Land of Happiness.” Now, esteemed audience, it is very easy to misunderstand such a description and to imagine something entirely wrong behind these words. We must be clear that very many people do not know at all what the happiness of the Land of the Spirits is, that the vast majority of people seek happiness and contentment in things of which, however, nothing is to be found in Devachan. Even what people usually imagine in religious concepts as paradise, as a land of happiness and bliss, even that is still so closely tied to ideas of immediate sensory reality, to ideas drawn from our physical surroundings, that we must not apply these ideas to the realm of spiritual beings. What people hope for in terms of paradisiacal joys, what they, drawing on sensory ideas, call paradise—you will find this even before entering Devachan; you will find it in the fifth region of Kamaloka, in the fifth region of the purifying fire, specifically for the very purpose of shedding this inclination toward sensual pleasures and sensual desires. What, for example, the Native American imagines as paradisiacal hunting grounds, where he will be able to indulge all his hunting desires, he already finds in the fifth region of Kamaloka. But it is precisely from this that a person must be purified before they can enter the spiritual world. On the other hand, many say, when they hear that nothing of what they experience here on Earth as sensual reality remains in the spiritual realm, that the spiritual realm is nothing but an illusion, a kind of dream we dream between two incarnations. — Both of these views require correction. It is necessary to guide the concepts that people derive from their directly experienced reality toward entirely different and higher concepts. One can gain a corresponding conception of what is actually meant by the land of delights, the land of bliss, and what is meant by that deep intimacy and spiritual satisfaction we experience between two incarnations, if one listens to what the disciples of the great Masters, through their experience, already know how to recount in this very life.
[ 2 ] Derjenige, der in diesem Leben zur Einweihung, zur Initiation gelangt, der erfährt in sich schon in diesem Leben durch den Einblick in das Geistesland etwas von dieser himmlischen Wonne, von dieser wahren geistigen Befriedigung. Sie werden fragen: Gibt es denn oder hat es in unseren Ländern etwas gegeben, was man Einweihung nennt? Gab es wirklich in unserer abendländischen Kultur Schüler, welche teilhaftig wurden jenes höchsten Schauens, das uns das Geistesland eröffnet? — Immer hat es die Möglichkeit gegeben, in Geheimschulen, in okkulten Schulen die Einweihung zu empfangen. Eine Strömung okkulter Weisheit kam im 14. Jahrhundert nach Europa. Diese Strömung, die man die rosenkreuzerische nennt, wurde von vielen verkannt; sie muß verkannt werden von allen denen, die sie nur von außen kennenlernen. Nur der sollte sie von innen kennenlernen, dem durch okkulte Schulung der Einblick gestattet wurde. Als Christian Rosenkreutz die Weisheit des Orients nach Europa brachte, da gründete er in Europa Schulen, in denen Schüler hinaufgebracht wurden zu den Stufen, wo das Sehen im Devachan, das Sehen der höheren Geheimnisse möglich wurde. Nur diejenigen, welche selbst eine Schulung erlangt haben, wissen etwas davon zu erzählen. Alle äußere Forschung, alles, was in Büchern verzeichnet ist, kann Ihnen keinen Aufschluß geben. Bis zum fahre 1875, dem fahre der Gründung der Theosophischen Gesellschaft, ist überhaupt, außer in den geheimsten Lehrstätten, über diese Dinge niemals gesprochen worden. Erst seit 1875 fühlten die Meister der Weisheit die Pflicht, der Menschheit einiges von diesen tiefsten geistigen Wahrheiten zu übermitteln.
[ 2 ] Those who attain initiation in this life experience within themselves, even in this life, through a glimpse into the spiritual realm, something of this heavenly bliss, of this true spiritual fulfillment. You will ask: Is there, or has there ever been, anything in our countries that is called initiation? Were there really, in our Western culture, disciples who became partakers of that highest vision which opens up the spiritual realm to us? — There has always been the possibility of receiving initiation in secret schools, in occult schools. A current of occult wisdom came to Europe in the 14th century. This current, known as the Rosicrucian movement, was misunderstood by many; it must be misunderstood by all those who come to know it only from the outside. Only those to whom insight has been granted through occult training should come to know it from within. When Christian Rosenkreutz brought the wisdom of the East to Europe, he founded schools in Europe where students were raised to the levels where vision in the Devachan and the vision of the higher mysteries became possible. Only those who have themselves undergone such training can speak of it. All external research, everything recorded in books, cannot provide you with any insight. Until the year 1875, the year of the founding of the Theosophical Society, these matters were never discussed at all, except in the most secret schools of teaching. It was only since 1875 that the Masters of Wisdom felt the duty to convey some of these deepest spiritual truths to humanity.
[ 3 ] Noch heute finden Initiationen oder Einweihungen statt. Sie können indessen nur stattfinden innerhalb des Geisteslandes, desjenigen Gebietes, das ich Ihnen beschrieben habe. Heute muß jeder Einzuweihende zur eigenen Anschauung dieser höheren Geheimnisse auf dem Devachanplan kommen. Dies zwingt dazu, wenigstens eine kleine Vorstellung davon zu geben, wie derjenige empfindet und wie er umgewandelt wird, der auf dem Devachanplan die Einweihung empfängt. Was ich Ihnen geschildert habe von jenen höchsten Wesenheiten, die aus ganz anderen Welten kommen, um im Devachan zuerst ihre Verkörperung zu genießen, um dann herunterzusteigen in die tieferen Regionen, in die drei Welten, diese Wesenheiten zu schauen ist derjenige in der Lage, der in diesem Gebiete zur Initiation, zur Einweihung kommt. Wenn der Mensch die Initiation erlangt hat, dann fängt er an, einen ganz neuen Glauben, ein ganz neues Schauen zu gewinnen. Er ist wirklich ein anderer Mensch geworden. Und was für viele Menschen, die in seiner Umgebung leben, gar nicht vorhanden ist, wovon sie niemals eine Ahnung haben, das schaut er mit dem geistigen Auge.
[ 3 ] Initiations still take place today. However, they can only occur within the spiritual realm, the realm I have described to you. Today, every initiate must come to the Devachan plane to witness these higher mysteries for themselves. This necessitates at least a brief description of how one feels and how one is transformed when receiving initiation on the Devachan plane. What I have described to you regarding those highest beings who come from entirely different worlds to first enjoy their incarnation in Devachan, and then descend into the lower regions, into the three worlds—to behold these beings is the capacity of one who comes to this realm for initiation. Once a person has attained initiation, they begin to gain a completely new faith, a completely new way of seeing. They have truly become a different person. And what is entirely absent for many people living in their surroundings—of which they have never the slightest inkling—they perceive with the spiritual eye.
[ 4 ] Lassen Sie mich einen kurzen Abriß des Glaubensbekenntnisses geben, welches derjenige, der eingeweiht wird, zu dem seinigen macht. Dieses Glaubensbekenntnis wird Ihnen in einigen Wendungen bekannt erscheinen. Von allen tieferen Wahrheiten ist immer etwas in die Öffentlichkeit gekommen und in der Öffentlichkeit exoterisch fortgepflanzt worden.
[ 4 ] Let me give a brief outline of the creed that the initiate adopts as his own. This creed will seem familiar to you in some respects. Of all deeper truths, something has always come to public attention and been propagated exoterically in the public sphere.
[ 5 ] Derjenige, der eingeweiht wird, bekommt einen höheren Überblick über das, was hier in unserer physischen Wirklichkeit geschieht. Er bekommt diesen höheren Überblick dadurch, daß er sich außerhalb dieser physischen Wirklichkeit stellt. Wir sind ja, während wir in der Sinnenwelt leben, eingeschlossen in die körperliche Organisation und können nur durch unsere Augen sehen, durch unsere Ohren hören, durch unsere übrigen Sinneswerkzeuge wahrnehmen. Wir sind abhängig von dem, was uns unsere Sinne vermitteln. Das hört auf durch jene höhere Schulung, die der Einzuweihende empfängt. Vor dem Einzuweihenden liegt zunächst — ich kann das nur schildern — seine eigene physische Wirklichkeit völlig ausgebreitet. Er sieht sich objektiv neben sich, und so, wie wir irgendeinen anderen Gegenstand der Umgebung unserer sinnlichen Wirklichkeit anschauen, so schauen wir unsere eigene physische Körperlichkeit an, wenn wir eingeweiht werden. Unser Organismus liegt vor uns wie unser eigener Leichnam. Aber auch unser Astralkörper, unsere Begierden, Instinkte, unser ganzes sinnliches Triebleben, liegt vor uns da, und wir sprechen im Sinne der angeführten Vedantaweisheit: «Das bist du». Wir sehen uns völlig objektiv, mit allen Fehlern, mit dem, was wir im Leben erreicht haben durch die verschiedenen Inkarnationen hindurch. Es ist dasjenige, was Ihnen beschrieben wird als der Durchgang durch die Pforte des Todes, den jeder Einzuweihende durchzumachen hat. Er sieht dann dasjenige nicht mehr durch die Sinne, was er sonst in der Sinnenwelt um sich hat; er sieht in die Außenwelt vom Geisteslande her, und zwar nicht sinnlich. Er sieht aber auch in die Instinktwelt, in die Welt des Kama, der Leidenschaften, in die Welt, wo die menschlichen Triebe sind, in dasjenige, was die Menschen in Streit und Hader bringt, was sie erfreut und was ihnen Lust bereitet in dieser physischen Wirklichkeit; da sieht er hinein so, wie ein Fußgänger, der auf einem hohen Berge steht und in eine Gebirgslandschaft hineinsieht.
[ 5 ] The person who is initiated gains a higher perspective on what is happening here in our physical reality. They gain this higher perspective by placing themselves outside of this physical reality. After all, while we live in the sensory world, we are confined to our physical organization and can only see through our eyes, hear through our ears, and perceive through our other sensory organs. We are dependent on what our senses convey to us. This comes to an end through the higher training that the initiate receives. Before the initiate lies—I can only describe it this way—his own physical reality spread out in its entirety. He sees himself objectively beside himself, and just as we look at any other object in the environment of our sensory reality, so do we look at our own physical body when we are initiated. Our organism lies before us like our own corpse. But our astral body, our desires, instincts, our entire sensory life of impulses, also lies there before us, and we speak in the sense of the aforementioned Vedanta wisdom: “That is you.” We see ourselves completely objectively, with all our faults, with what we have achieved in life through our various incarnations. This is what is described to you as the passage through the gate of death, which every initiate must undergo. He then no longer perceives through the senses what he otherwise has around him in the sensory world; he looks out into the external world from the realm of the spirit, and not through the senses. But he also sees into the world of instincts, into the world of Kama, the passions, into the world where human drives reside, into that which brings people into conflict and strife, what delights them and what gives them pleasure in this physical reality; he sees into it just as a hiker standing on a high mountain looks out over a mountain landscape.
[ 6 ] Und weil er sich erhoben hat über die Sinnlichkeit, weil er um sich nur eine Welt des reinen Geistes hat, deshalb sieht er auf der anderen Seite diejenigen Wesenheiten, die geistiger Natur sind, und er vernimmt etwas von dem, was man göttliche Weisheit nennt. Die göttliche Wesenheit selbst ist der Vatergeist aller Religionen; ihn kann niemand in seiner ureigensten Gestalt sehen. Das Höchste bleibt unoffenbar, selbst für die geöffneten geistigen Augen. Aber eine Vorstellung von dem, was schafft und wirkt in der Welt, die erhält der Eingeweihte. Er wird geführt vor die schaffenden, göttlichen Kräfte. Dann spricht er zum ersten Male das Wort aus Überzeugung, aus unmittelbarer Anschauung heraus, das Wort, das ihm vorher als Glaube beigebracht worden ist: [«Ich bin Brahman»]. Wird der Einzuweihende nunmehr durch die enge Pforte geführt, wo ihm das physische und das astrale Leben objektiv gezeigt wird, dann ertönt das Wort des einweihenden Priesters: Denjenigen, welche schon haben, denen wird viel gegeben werden, und denjenigen, welche noch nicht haben, denen wird auch das genommen, was sie schon haben. — Das ist der Initiationsspruch, der bei der ersten Pforte der Enweihung ertönt. Sie finden ihn auch in der Bibel, wie manchen Spruch, der aus der ägyptischen Priesterweisheit genommen ist. Diejenigen, welche haben, das sind die, denen bereits der Geist aufgegangen ist, um geistig zu fühlen, geistig zu empfinden. Diejenigen aber, die an diese Pforte kommen und keinen Glauben und keine Empfindung vom Geistigen haben, denen wird auch das Verlangen nach geistiger Erkenntnis genommen. Wehe dem, der unwürdig an diese Stätte kommt, der neugierig sich zugedrängt hat; ihm gegenüber ertönt eine andere Stimme, die wieder eine symbolische Bedeutung hat.
[ 6 ] And because he has risen above sensuality, because he is surrounded only by a world of pure spirit, he is able to perceive, on the other side, those beings that are of a spiritual nature, and he senses something of what is called divine wisdom. The divine being itself is the Father Spirit of all religions; no one can see him in his very own form. The Highest remains hidden, even from the opened spiritual eyes. But the initiate receives a conception of what creates and works in the world. He is led before the creative, divine powers. Then, for the first time, he utters the word out of conviction, from direct perception—the word that had previously been taught to him as a matter of faith: [“I am Brahman”]. When the initiate is now led through the narrow gate, where physical and astral life are objectively revealed to him, the words of the initiating priest resound: To those who already have, much will be given, and from those who do not yet have, even what they already have will be taken away. — This is the initiation saying that is spoken at the first gate of initiation. You will also find it in the Bible, as well as many sayings taken from Egyptian priestly wisdom. Those who have are those whose spirit has already awakened to feel and perceive spiritually. But those who come to this gate without faith or any sense of the spiritual will also have their desire for spiritual knowledge taken away. Woe to the one who comes to this place unworthily, who has pushed his way in out of curiosity; to him, another voice resounds, which again has a symbolic meaning.
[ 7 ] Der Mensch erfährt nunmehr, was universeller Geist ist, universelle Seele. Wir Menschen denken über die sinnlichen Dinge nach, aber der Geist, der in uns lebt, den wir als Gedanken in uns erfahren, der den Gegenstand unseres Nachdenkens bildet, das ist derselbe wie die Weisheit, aus der die Welt aufgebaut ist. Wir könnten nicht die Welt mit ihren Gesetzen erkennen, wenn sie nicht aus diesen geistigen Gesetzen aufgebaut wäre. Die Theosophie lehrt, daß das, was im Menschen als Geist, als Manas lebt, wesensgleich ist mit dem, was im großen Universum lebt, mit Mahat. Der Manas des Menschen saugt die Weisheit aus dem Manas des Universums, aus Mahat. Oder sollte ein Mensch glauben, daß die Gesetze, die wir am Himmel wirksam sehen, nach denen sich die Sterne bewegen, nur in seinem Verstande eine Bedeutung haben? Der Mahat des gestirnten Himmels ist das Verstandes- und Vernunftelement draußen in der großen Welt, und was Sie davon erfahren, ist Manas, das Verstandes- und Vernunftelement der kleinen Welt.
[ 7 ] Human beings now come to understand what universal spirit is, what universal soul is. We humans reflect on sensory things, but the spirit that lives within us—which we experience as thoughts within ourselves and which forms the object of our reflection—is one and the same as the wisdom from which the world is built. We could not perceive the world with its laws if it were not built upon these spiritual laws. Theosophy teaches that what lives within man as spirit, as Manas, is of the same essence as that which lives in the great universe, as Mahat. The Manas of man draws wisdom from the Manas of the universe, from Mahat. Or should a person believe that the laws we see at work in the heavens, by which the stars move, have meaning only in his mind? The Mahat of the starry heavens is the element of intellect and reason out there in the great world, and what you experience of it is Manas, the element of intellect and reason in the small world.
[ 8 ] Nun steigt der Allgeist, der Universalgeist, auf den Einzuweihenden herab. Der Einweihungspriester spricht die Worte: Dies ist mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. — Der Betreffende, nunmehr Eingeweihte, weiß, was Weltengeist ist. Dann kann er den Glauben an den schöpferischen Weltengeist aus eigener Überzeugung aussprechen und sagen: Ich glaube an den göttlichen Vatergeist, der das Geistige, das auch das Himmlische genannt wird, und das Körperliche, das Irdische, gemacht hat. - Im christlichen Glaubensbekenntnis heißt es: Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, der Himmel und Erde geschaffen hat. — Und dann ist dem Menschen eines klar geworden: daß er selbst in Wahrheit und Wirklichkeit seinen Ursprung aus demselben universellen Weltengeist genommen hat, der ihm hier im Geisteslande entgegentritt. Er weiß, daß er zur Tiefe heruntergestiegen ist in die sinnlich-physische Materie; er weiß aber auch, daß er heruntergestiegen ist aus göttlichen Welten und aus dem Geist stammt. Er weiß, daß er die geistige Wesenheit, die er in sich trägt, aus dem Borne des göttlichen Vatergeistes selbst erhalten hat, daß er ein Strahl ist aus der Sonne des göttlichen Vatergeistes. Das wird er gewahr als eine wirkliche göttliche Kraft, als etwas, das er erfährt und von dem er unmittelbare Gewißheit hat. Er fängt an, einen neuen Glauben an die Menschheit zu gewinnen. Die Menschheit wird ihm zum eingeborenen Sohne Gottes, zu dem Sohne, von dem er in seinem Glaubensbekenntnis spricht: Ich glaube an den göttlichen Ursprung der Menschheit — an den Gott im Menschen selbst, wie die ägyptische Priesterweisheit das ausgedrückt hat — oder an den Christus im Menschen, der heruntergestiegen ist aus himmlischen Welten. Und dann wird ihm klar, daß der Mensch, bevor diese Zeiten in der Erdenentwickelung herangekommen waren, diese Zeiten, in denen wir jetzt leben, diese Zeiten, in denen die Menschen durch ihre Sinne wahrnehmen, in der ihre sinnlichen Triebe sie zu ihren Handlungen veranlassen —, es wird ihm klar, daß der Mensch, bevor er herabgestiegen ist in diese Sinnessphäre, in einer anderen, in einer rein geistigen Sphäre war.
[ 8 ] Now the World Spirit, the Universal Spirit, descends upon the initiate. The priest of initiation speaks the words: “This is my beloved Son, in whom I am well pleased.” — The person in question, now an initiate, knows what the World Spirit is. Then he can profess his faith in the creative World Spirit out of his own conviction and say: I believe in the divine Father Spirit, who created the spiritual, which is also called the heavenly, and the physical, the earthly. — The Christian creed states: I believe in God, the almighty Father, who created heaven and earth. — And then one thing has become clear to the human being: that he himself, in truth and reality, has taken his origin from the very same universal World Spirit that meets him here in the spiritual realm. He knows that he has descended into the depths of sensory-physical matter; but he also knows that he has descended from divine worlds and originates from the Spirit. He knows that he has received the spiritual being he carries within himself from the source of the divine Father Spirit itself, that he is a ray from the sun of the divine Father Spirit. He becomes aware of this as a real divine power, as something he experiences and of which he has immediate certainty. He begins to gain a new faith in humanity. Humanity becomes to him the only-begotten Son of God, the Son of whom he speaks in his creed: “I believe in the divine origin of humanity”—in the God within man himself, as the Egyptian priestly wisdom expressed it—or in the Christ within man who has descended from the heavenly worlds. And then it becomes clear to him that before these times in the Earth’s development had arrived—these times in which we now live, these times in which people perceive through their senses, in which their sensory impulses prompt them to their actions— it becomes clear to him that before descending into this sensory sphere, human beings were in another, purely spiritual sphere.
[ 9 ] Der Schüler hat jetzt das Geistesland kennengelernt, und er weiß, daß dieses Land das Land war, in dem der Mensch seinerzeit war als eingeborener Sohn Gottes, er weiß, daß der Mensch geboren ist aus jungfräulicher Geistmaterie — Maria oder Maja —, und er weiß, daß der Geistmensch Christus herabgestiegen ist in die sinnliche Materie, er weiß, daß dieser Geistmensch in jedem von . uns enthalten ist und sich nach und nach durch die verschiedenen Inkarnationen entwickelt, er weiß, daß dieser Geistmensch von sinnlicher Körperlichkeit umgeben lebt, im physischen Körper lebt. Die Dinge der äußeren Welt wirken sinnlich auf unseren Körper ein und bauen uns unsere Augen, unsere Ohren und die anderen Sinnesorgane auf. Innerhalb dieser körperlichen Sinnlichkeit leben wir und lassen die Welt in uns eindringen. Durch die Sinnesorgane schauen wir wie durch Fenster auf die äußere Welt; wir sind eingeschlossen in die sinnliche Materie und deshalb durch sie beschränkt.
[ 9 ] The student has now become acquainted with the spiritual realm, and knows that this realm was the realm in which humanity once existed as the firstborn son of God; he knows that humanity was born of virgin spiritual matter — Mary or Maja —, and he knows that the spiritual human being, Christ, descended into physical matter; he knows that this spiritual human being is contained within each of us and develops gradually through the various incarnations; he knows that this spiritual human being lives surrounded by physical corporeality, lives within the physical body. The things of the outer world act upon our body through the senses and form our eyes, our ears, and the other sense organs. Within this physical sensibility we live and allow the world to penetrate us. Through the sense organs we look out upon the outer world as through windows; we are enclosed within sensory matter and therefore limited by it.
[ 10 ] Rein und geistig ist der Christus, der in die Menschen einzieht; jungfräuliche Geistmaterie ist er. Nun ist er herabgestiegen in die zusammengezogene, sinnliche Materie. Diejenigen, die esoterisch sprechen, nennen das das Wasser oder das Meer. So heißt es zum Beispiel in der Genesis: Der Geist Gottes schwebte über den Wassern. — Das bedeutet, der Geist schwebt über der Materie. Man nennt diese Materie griechisch auch «Pöntos Pyletös», wörtlich zusammengezogenes Meer. Der Mensch ist eingezogen in diese zusammengezogene Materie, die seine Organe gebildet hat. Dadurch ist aus dem tätigen Wesen im Geisteslande ein Wesen geworden, welches passiv die Eindrücke durch die Sinnesorgane von außen empfängt: Passiv ist der Mensch geworden, ein Pöntos Pyletös. Das unterscheidet das Anschauen in der geistigen Welt von dem Anschauen in der Sinnenwelt. Wenn wir in der geistigen Welt einen Gegenstand vor uns haben wollen, dann haben wir zuerst den Gedanken, und diesen Gedanken bildet der Geist im Geisteslande, das heißt, die Abbilder zu allem Schaffen findet der Mensch im Geisteslande. In der sinnlichen Welt nimmt der Mensch leidend auf, passiv geworden ist der Mensch. Wir alle sind passiv geworden, gleichsam leidend in der zusammengezogenen Materie. Das war das ursprüngliche Bekenntnis des ägyptischen Priesterglaubens. Das ist das Symbolum, daß der Christus zu der Menschheit herabgestiegen ist, daß er Materie angenommen hat und passiv leidend wurde in dem zusammengezogenen Meer, in dem Pöntos Pyletös. Im Laufe der Zeit ging dies in das Christentum über, und dadurch, daß das Wort Pöntos Pyletös gründlich mißverstanden wurde, ist die mißverständliche Stelle im christlichen Glaubensbekenntnis entstanden, die heißt: «gelitten unter Pontius Pilatus», die nichts anderes ist als die angeführte Stelle des Glaubensbekenntnisses der ägyptischen Priester. Leidend ist der Mensch geworden; er ist nicht mehr aktiv, sondern passiv. Das ist derjenige Glaubensartikel, der im okkulten Symbolum die sogenannte Menschwerdung bedeutet.
[ 10 ] The Christ who enters into human beings is pure and spiritual; he is virgin spiritual matter. Now he has descended into condensed, sensual matter. Those who speak esoterically call this the water or the sea. For example, Genesis states: The Spirit of God hovered over the waters. — This means that the Spirit hovers over matter. In Greek, this matter is also called “Pöntos Pyletös,” literally “contracted sea.” Human beings have drawn into this condensed matter, which has formed their organs. As a result, the active being in the spiritual realm has become a being that passively receives impressions from the outside through the sense organs: human beings have become passive, a Pöntos Pyletös. This distinguishes perception in the spiritual world from perception in the sensory world. When we wish to have an object before us in the spiritual world, we first have the thought, and the spirit forms this thought in the spiritual realm; that is to say, human beings find the images of all creation in the spiritual realm. In the sensory world, human beings receive passively; human beings have become passive. We have all become passive, as it were, suffering within the condensed matter. That was the original creed of the Egyptian priestly faith. This is the symbol that Christ descended to humanity, that he took on matter and became passively suffering within the condensed sea, within the Pöntos Pyletös. Over time, this was incorporated into Christianity, and because the term Pöntos Pyletös was thoroughly misunderstood, the ambiguous passage in the Christian creed arose, which reads: “suffered under Pontius Pilate,” which is nothing other than the aforementioned passage from the creed of the Egyptian priests. Man has become a sufferer; he is no longer active, but passive. This is the article of faith that signifies the so-called Incarnation in the occult Symbolum.
[ 11 ] Hat nun der Einzuweihende erkannt, was in diesen tiefen Wahrheiten gesagt ist, dann sieht er sich solange um in der objektiven, sinnlichen Wirklichkeit, bis er in sich selber klar geworden ist, daß er nunmehr heruntersteigen kann in diese Sinnlichkeit, um aus Pflicht und in hingebender Selbstaufopferung innerhalb der sinnlichen Wirklichkeit zu wirken. Wenn er so weit ist, daß er nicht mehr die sinnlichen Triebe zu befriedigen sucht, sondern diese nur benutzt, um innerhalb der sinnlichen Welt zu wirken, dann ist er selbst ein Eingeweihter, dann ist er initiiert, dann hat er die feste Sicherheit, daß er durchschauen kann die allgemeine Weltengerechtigkeit. Früher lebte er in der Sinneswelt eingeschlossen, und unklar war ihm das Rätsel von Geburt und Tod, das Rätsel des ewigen Werdens. Jetzt ist ihm klar, daß er ewig ist und erhaben über Geburt und Tod. Er sieht dasjenige, was veränderlich ist und gleichzeitig die urewige Weltengerechtigkeit, die wir in der theosophischen Sprache Karma nennen. Er ist zu einem Weisen geworden in Weitengerechtigkeit, er kann richten über Leben und Tod, oder, wie es bei den ägyptischen Eingeweihten heißt, über Geburt und Tod. Und jetzt glaubt er an die erhabene Gemeinschaft der leibbefreiten Geister. Nur in der sinnlichen Welt sind wir getrennt, im Devachan sind wir eine Gemeinschaft der leibbefreiten Geister. Das christliche Glaubensbekenntnis drückt das so aus, daß es sagt: Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen. - Aus dem esoterischen Bekenntnis der ägyptischen Eingeweihten ist das christliche Glaubensbekenntnis erwachsen, das eine ganz esoterische Sprache spricht. Es ist zum Teil aus mißverstandenen Symbolen, zum Teil aus esoterischen Sprüchen übersetzt, die die Einzuweihenden als unmittelbares Wissen im Devachanlande empfangen haben.
[ 11 ] Once the initiate has recognized what is said in these profound truths, he then looks around in objective, sensory reality until it becomes clear within himself that he can now descend into this sensuousness in order to work within sensory reality out of duty and in self-sacrificing devotion. When he has reached the point where he no longer seeks to satisfy his sensory urges, but uses them only to work within the sensory world, then he himself is an initiate; then he has been initiated; then he has the firm certainty that he can perceive the universal justice of the world. Previously, he lived confined within the sensory world, and the mystery of birth and death, the mystery of eternal becoming, was unclear to him. Now it is clear to him that he is eternal and transcendent of birth and death. He sees that which is changeable and, at the same time, the primal cosmic justice that we call karma in theosophical language. He has become a sage in cosmic justice; he can judge life and death, or, as the Egyptian initiates say, birth and death. And now he believes in the sublime communion of spirits liberated from the body. Only in the sensory world are we separated; in Devachan we are a communion of spirits liberated from the body. The Christian creed expresses this by saying: I believe in the communion of saints. - The Christian creed grew out of the esoteric creed of the Egyptian initiates and speaks a wholly esoteric language. It is translated partly from misunderstood symbols and partly from esoteric sayings that the initiates received as direct knowledge in the land of Devachan.
[ 12 ] Nun wird Ihnen aus dieser Auseinandersetzung etwas klarer geworden sein, was man meint mit dem Lande der Wonnen und der Glückseligkeit. Es ist die Wonne der Unbegrenztheit, der ewigen Tätigkeit, des ewigen Wirkens. Warum kann uns alles das, was uns in der physischen Welt bedrückt, im Devachan nicht mehr bedrücken? Nicht deshalb ist Devachan ein Land der Glückseligkeit, weil uns dort Wonnen zuteil werden, wie sie der Mensch in seiner Sinnenwelt verlangt und begehrt, sondern deshalb, weil er frei ist von Körperlichkeit, frei ist von dem, was nach sinnlichen Gelüsten verlangt, frei ist aber auch von dem, was ihn begrenzt, und weil es ihm möglich macht, auf das, was sonst von außen auf ihn wirkt, zurückzuwirken. Was uns begrenzt in der sinnlichen Welt, ist entfernt, was uns Schmerz machen kann, ist nicht mehr da. Denn wodurch entsteht der Schmerz? Dadurch, daß auf unseren Astralkörper oder auf unseren physischen Körper Eindrücke gemacht werden. Diese Körper haben wir abgelegt, wenn wir im Devachan sind; es ist der Grund weggefallen zu den Schmerzen und zu den Unlustgefühlen, die wir in der physischen Welt erleben. Weil niemand mehr egoistisch sein kann, kann auch niemand mehr egoistische Freuden verlangen; weil niemand mehr einen Astralkörper hat, ist man frei von allem, was seine eigene Persönlichkeit bedrücken kann. Deshalb erkennt man das Devachan als das «Land der Wonne», das «Land der Glückseligkeit».
[ 12 ] By now, this discussion should have made it somewhat clearer to you what is meant by the land of delight and bliss. It is the delight of boundlessness, of eternal activity, of eternal action. Why is it that everything which oppresses us in the physical world can no longer oppress us in Devachan? Devachan is not a land of bliss because we are granted there the delights that human beings crave and desire in their sensory world, but because it is free from physicality, free from what craves sensory pleasures, and free from what limits us; and because it enables us to act back upon what would otherwise act upon us from the outside. What limits us in the sensory world is removed; what can cause us pain is no longer there. For what gives rise to pain? It arises when impressions are made upon our astral body or our physical body. We have shed these bodies when we are in Devachan; the basis for the pains and feelings of displeasure that we experience in the physical world has been removed. Because no one can be selfish anymore, no one can demand selfish pleasures either; because no one has an astral body anymore, one is free from everything that can oppress one’s own personality. That is why Devachan is recognized as the “land of delight,” the “land of bliss.”
[ 13 ] Ich habe gesagt, daß gerade im dritten Gebiete des Devachan uns offenbar wird jeglicher Schmerz, jeglicher Seufzer der Kreatur, daß wir alles das wahrnehmen können, was hier auf der Erde vorgeht an Schmerzen und Leiden, was sich abspielt an Leidenschaften und Begierden. Aber wir nehmen es so wahr, wie wir die Objekte hier in der Sinnenwelt wahrnehmen — eine Wahrnehmung, welche nicht so stark und nicht so grell ist, daß sie uns Schmerz verursacht. Es ist auch nicht so, wie wenn wir einen Gegenstand betasten, befühlen, der einen hohen Temperaturgrad hat, daß wir uns verbrennen — kurz, wir nehmen wahr, ohne daß wir egoistische Schmerzen oder persönliche Lust empfinden. Wir sehen die Gesamtheit aller Schmerzen, aller Leiden an, und wir stehen als geistige Wesenheiten darüber und fühlen, daß wir mitzuarbeiten haben daran, diese Schmerzen zu lindern oder zu mindern. Es ist uns ganz gleich, ob dieser Schmerz oder diese Lust uns angehört oder anderen. Unsere Persönlichkeit ist abgestreift; die Schmerzen sind nicht mehr persönlich. Es ist die Ursache weggefallen, aus der für uns persönliches Leid entstehen konnte. Weil wir entkörpert gleichsam frei sind von allem, was uns bedrücken konnte, deshalb nennt man das Devachan das Land der Wonne, deshalb muß die Glückseligkeit im Devachan als eine solche beschrieben werden, die sich mit nichts vergleichen läßt, was hier in der sinnlichen Wirklichkeit vor sich geht. Nur derjenige weiß, was diese «Wonnen» des Devachan bedeuten, der als ein Eingeweihter selbst schon hier in dieser physisch-sinnlichen Verkörperung Erfahrungen gemacht und Kunde und Weisheit von diesem Devachan erhalten hat.
[ 13 ] I have said that it is precisely in the third region of Devachan that every pain, every sigh of a creature becomes apparent to us, that we can perceive all the pain and suffering that takes place here on Earth, as well as the passions and desires that unfold. But we perceive it in the same way we perceive objects here in the sensory world—a perception that is not so intense or so harsh as to cause us pain. Nor is it like when we touch an object that is very hot and burn ourselves—in short, we perceive without experiencing selfish pain or personal pleasure. We look upon the totality of all pain, of all suffering, and we stand above it as spiritual beings and feel that we have a part to play in alleviating or lessening this pain. It makes no difference to us whether this pain or this pleasure belongs to us or to others. Our personality has been shed; the pains are no longer personal. The cause from which personal suffering could arise for us has ceased to exist. Because, being disembodied, we are, as it were, free from everything that could oppress us, this is why Devachan is called the land of bliss; this is why the bliss in Devachan must be described as something that cannot be compared to anything that takes place here in sensory reality. Only those who, as initiates, have already gained experience here in this physical-sensory embodiment and have received knowledge and wisdom of this Devachan know what these “delights” of Devachan mean.
[ 14 ] Alles dasjenige, was uns vom Devachanlande erzählt wird, stammt aus den Erfahrungen und den unmittelbaren Beobachtungen und aus den Einblicken solcher Eingeweihter, die gelernt haben, selbst aktiv tätig zu sein innerhalb des geistigen Daseins. Diese haben auch gelernt, daß es die größte Illusion wäre, davon zu sprechen, daß das Leben im Devachan zwischen zwei Verkörperungen eine Illusion sei. Das ist gerade die Illusion, daß wir das Leben im Devachan als eine Illusion, als einen Traum betrachten. Und in der Tat: alles wirkliche Leben stammt aus dem Devachan. Und nur deshalb, weil es die Aufgabe des irdischen Daseins ist, die Menschen in ihrer geistigen Tätigkeit herunterzuführen bis in die irdische Welt, muß der Christus im Menschen, in sinnlicher Verkörperung erscheinen. Deshalb ist nach dem Ausspruch Platos, des großen griechischen Philosophen, die Weltseele in Kreuzesform durch das Universum gelegt und über den irdischen Weltleib ausgespannt. Das hat Plato gesagt. Es ist ein Symbolum, das der Eingeweihte kennt in seiner tiefsten Bedeutung.
[ 14 ] Everything we are told about the land of Devachan comes from the experiences, direct observations, and insights of those initiates who have learned to be actively engaged within spiritual existence. They have also learned that it would be the greatest illusion to speak of life in Devachan between two incarnations as an illusion. It is precisely the illusion that we regard life in Devachan as an illusion, as a dream. And in fact: all real life originates from Devachan. And only because the task of earthly existence is to bring human beings down in their spiritual activity into the earthly world must the Christ appear in human beings in a physical incarnation. That is why, according to the saying of Plato, the great Greek philosopher, the world soul is laid across the universe in the shape of a cross and stretched out over the earthly world body. That is what Plato said. It is a symbol whose deepest meaning is known to the initiate.
[ 15 ] So, wie das Instrument, das Werkzeug, den Werkmeister braucht, so braucht unser physisches Dasein die geistige Welt, damit die geistige Welt der Baumeister am physischen Leib sein kann. Wie niemals zum Beispiel ein Hammer ohne Einfluß geistigen Nachdenkens entstanden wäre und niemals gebraucht werden könnte von einem Wesen, das nur physische Kräfte hätte und nicht nachdenken könnte, so könnte auch der Mensch seine Aufgabe nicht erfüllen, wenn er nicht immer wieder aufsteigen würde in das Geistesland und sich dort immer wieder die Kräfte holen würde, um in der sinnlichen Wirklichkeit zu wirken. In dasjenige Land steigt er, wo er Kunde der reinen Geistigkeit erhält, wo er lernt, wie die geistigen Kräfte wirken, ohne daß sie passiv werden innerhalb der Sinne, wo er lernt, frei die Flügel zu entfalten und zu wirken. Dann kann er wiederum verkörpert, leidend werden in der zusammengezogenen Materie des irdischen Daseins, im Pöntos Pyletös. Von Inkarnation zu Inkarnation wandert der Mensch; immer wieder zieht er ein in den Pöntos Pyletös; immer wieder wird der Geist gekreuzigt in der Materie.
[ 15 ] Just as an instrument or tool needs a master craftsman, so our physical existence needs the spiritual world, so that the spiritual world may be the architect of the physical body. Just as, for example, a hammer could never have come into being without the influence of spiritual thought and could never be used by a being who possessed only physical powers and was incapable of thought, so too could human beings not fulfill their task if they did not repeatedly ascend into the realm of the spirit and there repeatedly draw upon the powers necessary to act within sensory reality. He ascends to that realm where he receives knowledge of pure spirituality, where he learns how spiritual forces work without becoming passive within the senses, where he learns to freely spread his wings and act. Then he can once again become incarnate, suffering within the constricted matter of earthly existence, in the Pöntos Pyletös. From incarnation to incarnation, the human being wanders; time and again he enters the Pöntos Pyletös; time and again the spirit is crucified in matter.
[ 16 ] Niemals kann der Theosoph materialistisch sein — auch nicht in kleinstem Anfluge — und in der physischen Welt das Ganze des Daseins erblicken. Und namentlich, wenn er in der Lage ist, eigene Be obachtungen im Lande des Geistes zu machen, wird er zu der Erkenntnis kommen, daß Askese wirklichkeitsfeindlich wäre. Was der Mensch als geistiges Wesen für eine Aufgabe hat, das wird uns klar im Geisteslande. Die irdische Welt, in der wir leben, ist der uns zu gewiesene Aufenthaltsort während unserer gegenwärtigen Evolution. Und was wir aus dem Geisteslande holen, das sollen wir zum Segen dieser irdischen Welt anwenden. Damit wir auf dieser Erde wirken können, deshalb werden wir immer wieder zwischen zwei Inkarnationen mit neuen Aufträgen aus dem Geisteslande versehen. Verehrte Anwesende, wir haben nun die Gebiete der drei Welten durchwandert. Drei Welten sind es, in denen der Mensch lebt: die irdische Welt, die seelische oder astrale Welt und die geistige Welt oder Devachan. Hier in diesem Dasein lebt der Mensch in allen drei Welten. In jedem sinnlichen Menschen ist auch ein seelischer Mensch und ein geistiger Mensch enthalten. Bewußtsein hat allerdings der Mensch nur innerhalb des Sinnlichen, aber wirken tut in ihm der astrale und der geistige Mensch ebenso; in jedem Menschen ist auch die Seele und der Geist wirksam. Das Bewußtsein des Menschen erwacht zwischen zwei Inkarnationen im Kamaloka, im Seelenlande; dann wird der Mensch sehend, er wird erweckt zwischen zwei Inkarnationen — je nach der Entwicklungsstufe, je nachdem, was er mitbringt aus dieser irdischen Inkarnation — im Devachan, im Geisteslande, um wiederum zurückzukehren in die astrale Welt, um sich mit Astralmaterie zu umkleiden und wiederum inkarniert zu werden in der physischen Wirklichkeit. Das ist der Gang, die Pilgerschaft des menschlichen Geistes.
[ 16 ] A theosophist can never be materialistic—not even in the slightest degree—nor view the physical world as the entirety of existence. And especially when he is in a position to make his own observations in the realm of the spirit, he will come to realize that asceticism would be contrary to reality. The task that man, as a spiritual being, has to fulfill becomes clear to us in the realm of the spirit. The earthly world in which we live is the abode assigned to us during our present evolution. And what we bring from the spiritual realm, we should apply for the benefit of this earthly world. So that we may work on this earth, we are repeatedly entrusted with new tasks from the spiritual realm between two incarnations. Esteemed attendees, we have now traversed the realms of the three worlds. There are three worlds in which human beings live: the earthly world, the soul world or astral world, and the spiritual world or Devachan. Here in this life, human beings live in all three worlds. Every physical human being also contains a soul being and a spiritual being. Human beings, however, are conscious only within the physical realm, yet the astral and spiritual human beings are equally active within them; the soul and the spirit are also at work in every human being. Human consciousness awakens between two incarnations in Kamaloka, in the realm of the soul; then the human being becomes seeing; between two incarnations—depending on the stage of development, depending on what they bring with them from this earthly incarnation—they are awakened in Devachan, the realm of the spirit, only to return once more to the astral world, to clothe themselves in astral matter, and to be incarnated again in physical reality. This is the path, the pilgrimage of the human spirit.
[ 17 ] Aus dem Geisteslande stammt die menschliche Wesenheit. Jungfräuliche Materie war es ursprünglich, aus welcher der Mensch, als er noch im reinen Geisteslande lebte, sich selbst einen Leib bildete. Diesem unserem irdischen Zustande ist vor langer Zeit ein anderes Leben auf unserer Erde vorangegangen. Da waren die Menschen noch reine Geister, da war nur geistige Wirklichkeit vorhanden. Dann stieg der Mensch zunächst herab in das astrale Dasein, noch nicht bis zur physischen Wirklichkeit. Er war damals noch der Adam-Kadmon, jene «reine» Wesenheit, in der noch nicht die physische Triebwelt vorhanden war.
[ 17 ] The human being originates from the spiritual realm. It was originally virgin matter from which the human being, while still living in the pure spiritual realm, formed a body for itself. Our present earthly existence was preceded long ago by another life on our Earth. At that time, human beings were still pure spirits; only spiritual reality existed. Then humanity first descended into astral existence, not yet reaching physical reality. At that time, humanity was still the Adam Kadmon, that “pure” being in whom the physical world of instincts had not yet emerged.
[ 18 ] Dann kam dasjenige, was in der Genesis so wunderbar symbolisch ausgedrückt wird, wo es heißt: Jehova formte den Menschen aus einem Erdenkloß und blies ihm ein den lebendigen Odem. — Der Geist bekam sinnlichdichte Materie und damit zugleich das ganze Dasein der physisch-sinnlichen Wirklichkeit. Der Mensch war bis dahin in einer Art von Unterbewußtsein. Das wache Bewußtsein, das wir heute haben, dieser Verstand, durch den wir die Dinge erwägen und mit dem wir uns orientieren in der physischen Welt, ist dem Menschen erst geworden mit dem Heruntersteigen in die sinnliche Welt; zugleich mit der niederen sinnlichen Wirklichkeit hat der Mensch die Vernunft bekommen. Dies ist wiederum in der Genesis in symbolischer Weise dargestellt als die Schlange; sie beschenkt die Menschheit mit dem irdischen Verstande.
[ 18 ] Then came what is so wonderfully symbolized in Genesis, where it says: Jehovah formed man from a lump of earth and breathed into him the breath of life. — The spirit took on sensually dense matter and, with it, the entire existence of physical-sensual reality. Until then, humanity had existed in a kind of subconscious state. The waking consciousness we possess today—this intellect through which we weigh things and orient ourselves in the physical world—only came into being with humanity’s descent into the sensory world; along with the lower sensory reality, humanity received reason. This, in turn, is symbolically represented in Genesis as the serpent; it bestows earthly reason upon humanity.
[ 19 ] Der tiefste Punkt in der Menschheitsentwicklung ist derjenige, wo Geburt und Tod stattfinden, wo das Unsterbliche des Menschen immer hindurchschreiten muß durch die Pforte des Todes. Dies wird in der nächsten Epoche abgelöst werden, dann wird der Mensch, ähnlich wie in der vorhergehenden Epoche, nur noch Astralwesen sein; und dann wird die letzte Epoche kommen, wo der Mensch nur ein geistiges Dasein haben wird.
[ 19 ] The lowest point in human development is that at which birth and death occur, where the immortal part of the human being must always pass through the gate of death. This will be superseded in the next epoch; then, as in the preceding epoch, human beings will be merely astral beings; and then the final epoch will come, when human beings will have only a spiritual existence.
[ 20 ] So lehrt uns gerade die Betrachtung des Devachan, wie alles in der Welt, im großen und im kleinen, in einer Entwicklung steht, wie alles Dasein aus dem Geiste kommt, durch die sinnliche Wirklichkeit hindurchgeht, um wieder zum Geistigen aufzusteigen. Die Betrachtung dieses höheren, geistigen Gebietes zeigt uns, daß dasjenige, was wir Tod nennen, was wir Vergehen nennen, nichts weiter ist als ein vorübergehender, fast ein illusionärer Zustand einer Weltepoche, daß es nicht etwas ist, was Dauer haben kann. Die Überzeugung, die Klarheit, das Wissen darüber, daß der Mensch aus höheren Gebieten gekommen ist und daß er zu höheren Gebieten wieder gehen wird, das ist es, was uns die Kraft gibt, daß wir nach und nach, wenn wir in der Theosophie vorschreiten, alles nachempfinden können, was ein Initiierter des frühen Christentums — Paulus — empfunden und mit den Worten ausgedrückt hat: Tod, wo ist dein Stachel?
[ 20 ] Thus, contemplation of the Devachan teaches us how everything in the world, on both a grand and a small scale, is in a state of development; how all existence arises from the spirit, passes through sensory reality, and then ascends once more to the spiritual realm. Contemplation of this higher, spiritual realm shows us that what we call death, what we call passing away, is nothing more than a temporary, almost illusory state of a world epoch, that it is not something that can be permanent. The conviction, the clarity, the knowledge that humanity has come from higher realms and that it will return to higher realms—this is what gives us the strength so that, as we progress in Theosophy, we can gradually come to feel everything that an initiate of early Christianity—Paul—felt and expressed in the words: “Death, where is your sting?”
[ 21 ] Andererseits soll man aber auch niemals das irdische Dasein verachten. So, wie die Biene den Honig in den Bienenstock hineinträgt, so haben wir aus der irdischen Welt den Honig zu saugen und ihn hinaufzutragen in die geistige Welt. Wir finden uns aber nur zurecht, wenn wir wissen, welches die Grundkräfte unseres Daseins sind. Aus diesem Grunde habe ich die Vorträge über das Devachangebiet gehalten. Nur eines konnte mich bewegen, diese Vorträge zu halten, von denen ich weiß, daß sie leicht mißverstanden werden können, das ist ein Satz, den die Verfasserin des theosophischen Grundbuches «Licht auf den Weg» geschrieben hat:
[ 21 ] On the other hand, however, one should never despise earthly existence. Just as the bee carries honey into the hive, so must we draw honey from the earthly world and carry it up into the spiritual world. However, we can only find our way if we know what the fundamental forces of our existence are. For this reason, I have given the lectures on the Devachan realm. Only one thing could move me to give these lectures, which I know can easily be misunderstood: a sentence written by the author of the theosophical primer *Light on the Path*:
[ 22 ] Und so du die Wahrheit erkannt hast, so darfst du sie nicht für dich behalten. — Wer die Wahrheit erkannt hat, darf sie nicht für sich behalten. Und wer sich berufen fühlt, sie zu sagen, der muß sie sagen, gleichgültig, wie sie aufgenommen wird. Höher als alles andere ist der Ruf aus der geistigen Welt, wenn wir ihn einmal vernommen haben. Dieser Ruf erweckt in uns ein Bewußtsein, das ganz anders ist als alles Bewußtsein, das wir uns aus dem sinnlichen Dasein kennen. Und dann können wir aus der Anschauung des Geisteslandes heraus einen Spruch Salomons zu unserer Devise machen:
[ 22 ] And once you have recognized the truth, you must not keep it to yourself. — Whoever has recognized the truth must not keep it to themselves. And whoever feels called to speak it must speak it, no matter how it is received. Once we have heard it, the call from the spiritual world is higher than anything else. This call awakens within us a consciousness that is entirely different from any consciousness we know from our sensory existence. And then, from the perspective of the spiritual realm, we can make a saying of Solomon our motto:
Deshalb flehte ich um Einsicht, und sie ward mir gegeben,
ich rief den Höchsten an, und Weisheit ward meinem Geiste.
Ich schätze die Wahrheit höher als alles dasjenige, was im
Sinnenreiche um mich herum lebt.
Therefore I sought understanding, and it was given to me;
I called upon the Most High, and wisdom came to my spirit.
I value truth above all that lives in the
world of the senses around me.
[ 23 ] Der Weise schätzt die Weisheit höher als alle sinnlichen Reiche, die um ihn herum sind. Deshalb versucht er es, diese Weisheit zu verkündigen. Das soll eine Rechtfertigung dessen sein, was mich bewogen hat, über dieses subtile Gebiet des Daseins zu sprechen, obgleich ich weiß, wie diese Dinge mißverstanden werden können und wie schwierig es ist, darüber in einer einigermaßen verständlichen Sprache zu sprechen. Aber wenn wir diesen Ruf empfunden haben, dann lassen wir im Sinne der salomonischen Weisheit ihn austönen in die Worte:
[ 23 ] The wise man values wisdom more highly than all the material riches that surround him. That is why he strives to proclaim this wisdom. This is meant to serve as a justification for what has moved me to speak about this subtle realm of existence, even though I know how these things can be misunderstood and how difficult it is to speak about them in reasonably comprehensible language. But if we have felt this call, then, in the spirit of Solomonic wisdom, let us give voice to it in these words:
Propter hoc optavi et datus est mihi sensus
et invocavi et venit in me spiritus sapientiae
et praeposui illam regnis et sedibus et divitias nihil esse duxi
in comparatione illius.
Therefore I wished, and it was given me;
I called, and the spirit of wisdom came to me.
I preferred it to kingdoms and thrones,
and counted riches as nothing in comparison with it.
