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The Rudolf Steiner Archive

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On the Astral World and Devachan
GA 88

11 February 1904, Berlin

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On the Astral World and Devachan, tr. SOL
  1. Über die astrale Welt und das Devachan, 1st ed.

9. Die Welt des Geistes oder Devachan III

9. The World of the Spirit, or Devachan III

[ 1 ] In den Vorträgen über die astrale Welt habe ich darzustellen versucht, welchen Weg die menschliche Seele zu durchwandeln hat, nachdem sie die Pforte des Todes durchschritten hat. Dieser Weg durch die Seelenwelt - oder die astrale Welt, wie sie in der theosophischen Literatur genannt wird —, ist verhältnismäßig kurz. Den längsten Teil der Zeit, welche die menschliche Seele braucht, um von einer Verkörperung zur nächsten zu kommen, verbringt sie in der geistigen Welt, in dem, was man in der Theosophie Devachan, das Land der Götter nennt. Ich werde, um einen deutschen Ausdruck zu gebrauchen, mich des Ausdrucks «Geisterland» oder «Geisteswelt» für «Devachan» bedienen. Wir müssen darauf sehen, daß wir allmählich deutsche Ausdrücke einführen. Und wenn wir wissen, daß wir mit dem sogenannten Geisterlande nichts anderes meinen als das, was in der Theosophie «Devachan» ist, so werden wir uns verständigen können.

[ 1 ] In the lectures on the astral world, I have attempted to describe the path the human soul must traverse after passing through the gate of death. This journey through the world of souls—or the astral world, as it is called in theosophical literature—is relatively short. The human soul spends the majority of the time required to pass from one incarnation to the next in the spiritual world, in what is called Devachan, the land of the gods, in Theosophy. To use a German expression, I will employ the terms “Geisterland” or “Geisteswelt” for “Devachan.” We must ensure that we gradually introduce German terms. And once we know that by the so-called “land of spirits” we mean nothing other than what in Theosophy is “Devachan,” we will be able to understand one another.

[ 2 ] In der Welt des Astralen wird sich die Seele zu reinigen haben von dem, was sie ans Irdische kettet, von den Trieben, Leidenschaften und Instinkten, welche notwendig sind zum irdischen Leben, aber unmöglich der menschlichen Seele auf der weiteren Wanderung anhaften können. Nachdem sie sich von alledem befreit hat, durchwandert sie das eigentliche Geistesland. Will man verstehen, was es heißt, durch das Geistesland zu gehen, so muß man sich das einmal klarmachen. Ich habe schon öfters betont, daß die Theosophie keineswegs sich abkehrt von irdischer Wirksamkeit, keineswegs verweist auf irgendein Jenseits, im Gegenteil: sie legt klar, daß die hauptsächliche Aufgabe des Menschen während des Verlaufes seiner Verkörperung hier im Irdischen liegt, daß es Aufgabe des Menschen ist, dieses irdische Dasein zu immer größerer und größerer Vollkommenheit zu bringen. Der Mensch hat das, was er in der höheren Welt erleben kann, als Frucht in die irdische Sphäre hineinzutragen, er hat das, was er in der Zwischenzeit zwischen zwei Verkörperungen beobachtet, anzuwenden in der physischen Verkörperung. Für diese physische Verkörperung ist es die Aufgabe der Erde und des Menschen, so vervollkommnet zu werden, daß das Vervollkommnete hinaufgetragen werden kann in höhere Reiche. Es ist unsere Aufgabe, mitzuarbeiten an der irdischen Vervollkommnung, denn diese Erde soll nach dem kosmischen Erdenplan nicht bleiben, wie sie ist, sondern sie soll eine höhere Welt werden. Und das, was sie befähigen wird, aufgenommen zu werden in eine höhere Welt, das sollen die Menschen in ihr bewirken; deshalb müssen sie von Zeit zu Zeit in das Geistesland zurückkehren. Der Mensch soll auf der Erde wirken, um sie ihrem Ziele zuzuführen, das geistig ist. Dafür muß er sich befähigen, geistig zu wirken. Er muß immer wieder und wieder in diesen Zustand zurückkehren, rein geistig in der Geisteswelt zu leben, um von da aus sich zu beschäftigen mit den Absichten und Zielen für das irdische Leben. Was wir erfahren in der geistigen Welt, das tragen wir hinein in das irdische Leben. Geradeso, wie beim Bau eines Hauses das erste und Wichtigste nicht auf dem Bauplatz geschieht, wo die Ziegel zusammengemauert werden, sondern in der Kammer des Architekten, wo der Bauplan ausgearbeitet wird, und geradeso, wie die Arbeiter nur das, was der Architekt ausgearbeitet hat, in die Wirklichkeit umsetzen, so ist das erste und das Wichtigste das, was wir aus der übersinnlichen Welt holen: die Ziele, die Absichten, die Pläne, um sie innerhalb der Körperwelt anzuwenden.

[ 2 ] In the astral world, the soul must purify itself of what binds it to the earthly realm—the drives, passions, and instincts that are necessary for earthly life but cannot possibly cling to the human soul on its further journey. Once it has freed itself from all of this, it traverses the true realm of the spirit. If one wishes to understand what it means to journey through the realm of the spirit, one must first make this clear to oneself. I have often emphasized that Theosophy by no means turns away from earthly activity, nor does it point to some afterlife; on the contrary: it makes clear that the primary task of the human being lies in the course of his or her incarnation here on Earth, that it is the human being’s task to bring this earthly existence to ever greater and greater perfection. Humanity must carry into the earthly sphere, as a fruit, what it can experience in the higher world; it must apply in physical incarnation what it observes in the interval between two incarnations. For this physical incarnation, it is the task of the Earth and of humanity to become so perfected that what has been perfected can be carried up into higher realms. It is our task to cooperate in earthly perfection, for according to the cosmic plan for the Earth, this Earth is not to remain as it is, but is to become a higher world. And that which will enable it to be received into a higher world is to be brought about by the human beings within it; therefore, they must return from time to time to the spiritual realm. Humanity is to work on Earth to lead it toward its goal, which is spiritual. To do this, they must enable themselves to work spiritually. They must return again and again to this state of living purely spiritually in the spiritual world, in order to engage from there with the intentions and goals for earthly life. What we experience in the spiritual world, we carry into earthly life. Just as in the construction of a house, the first and most important thing does not happen on the construction site, where the bricks are laid, but in the architect’s study, where the blueprint is drawn up; and just as the workers merely bring into reality what the architect has designed, so the first and most important thing is what we draw from the supersensible world: the goals, the intentions, the plans, to apply them within the physical world.

[ 3 ] Das Wichtigste wird während der irdischen Verkörperung getan. Der Geist zieht sich von Zeit zu Zeit zurück, um die eigentliche Grundlage des irdischen Daseins kennenzulernen. Das ist der Sinn des Aufenthaltes im Devachan oder im Geistesland. Wenn der Mensch beim Tode seinen Körper verläßt, dann macht er zunächst einen Zustand der Bewußtlosigkeit durch; er durchschreitet die astrale Welt und erwacht endlich im Geisteslande. Da hat er dann alles dasjenige auszubilden, worin er sich in der irdischen Welt geübt hat. Wir haben uns vorzustellen — um bei demselben Bilde zu bleiben —, der Mensch arbeitet wie ein Architekt, der den Plan zu einem Haus entwirft. Hat der Architekt einen Plan gemacht, so lernt er bei der materiellen Realisation des Planes auch die Unvollkommenheiten, die Fehler desselben kennen; er ist ein Lernender, und genauso lernt auch der Mensch während seiner Verkörperung. Genauso, wie der Architekt die Erfahrungen und Beobachtungen, die er bei einem ersten Bau gemacht hat, erkennt, benützt und für einen späteren ausnützt, so verwandelt auch der Mensch seine Erfahrungen und Beobachtungen in vollkommenere Erkenntnisse und tritt danach, mit diesen Erkenntnissen bereichert, in die neue Verkörperung ein. Das ist der Sinn.

[ 3 ] The most important work is done during one’s earthly incarnation. From time to time, the spirit withdraws in order to come to know the true foundation of earthly existence. This is the purpose of the sojourn in Devachan, or the spiritual realm. When a person leaves their body at death, they first pass through a state of unconsciousness; they traverse the astral world and finally awaken in the spiritual realm. There they must then develop all that in which they have trained themselves in the earthly world. We must imagine—to stick with the same image—that the human being works like an architect who designs the plans for a house. Once the architect has drawn up a plan, he also comes to know its imperfections and flaws during the material realization of the plan; he is a learner, and in exactly the same way, the human being also learns during his incarnation. Just as the architect recognizes, utilizes, and applies the experiences and observations gained from a first construction project to a later one, so too does the human being transform his experiences and observations into more perfect insights and then, enriched by these insights, enters into the new incarnation. That is the meaning.

[ 4 ] Aus einer Art von Bewußtlosigkeit wacht der Mensch [zwischen Tod und neuer Geburt] im Devachan auf. Er hat dann die verschiedenen Stufen zu durchwandern. In jeder dieser Stufen bildet sich eine ganz bestimmte Art von Fähigkeiten aus. Sieben Stufen haben wir kennengelernt. Ich werde dieselben nochmals vor unserem Geiste vorüberziehen lassen und gleichzeitig angeben, was der Geist auf jeder Stufe zu vollbringen hat. Ich habe auseinandergesetzt, daß die unterste Region das Reich der Urbilder ist. Aber das ist bildlich zu verstehen; es ist ein Zustand. Da haben wir innerhalb dieser Welt anzutreffen die Urbilder für alles, was in der sinnlichen Welt uns entgegentritt. Ich habe gesagt, daß wir in der Geisteswelt geradeso innerhalb des Geistigen leben, wie wir innerhalb der Sinneswelt mit den Sinnen leben, und wir fühlen die geistige Welt so, wie wir die Sinneswelt mit den Sinnen fühlen, wie wir diese Sinneswelt hören und sehen und so weiter. Was in dieser irdischen Welt ein Gedanke ist, das ist in der geistigen Welt eine lebendige Wesenheit. Was als Gedanke durch unseren Kopf zieht, ist nur der Schatten einer geistigen Wesenheit. Diese geistige Wesenheit erscheint uns als Gedanke, weil sie durch den Schleier der physischen Körperlichkeit hindurchdringen muß. Der Mensch prägt seine Gedanken und Vorstellungen der Welt ein, und durch sie macht er die Erde vollkommener. In der geistigen Welt sind diese Gedanken Dinge, zwischen denen der Mensch wandelt. Und so, wie wir hier zwischen physischen Dingen wandeln, wie wir an sie stoßen und sie berühren, so wandeln wir im Geisteslande zwischen den Gedanken. Die Urbilder zu der Sinneswelt sind in der untersten Region des Geisteslandes zu finden. Da sind wir in der «Werkstätte», in welcher die sinnlichen Gegenstände «gemacht» werden. Wir sehen da die Urbilder der physischen Pflanzen-, Tier- und Menschenformen. Wir müssen uns Gedanken über das Gesehene machen. Diese Gedanken halten sich wie ein schattenhafter Schemen im Hintergrunde, und der Mensch glaubt nicht an die Realität der Gedanken, weil sie ein so schattenhaftes Dasein haben. Wie die Uhr so geschaffen ist, wie ihr Erfinder sie zuerst im Kopfe getragen hat, so ist jedes Ding geschaffen nach dem Gedanken, und das Gedankenwesen erscheint uns im Geisteslande.

[ 4 ] From a state of unconsciousness, the human being awakens [between death and rebirth] in Devachan. He must then pass through the various stages. In each of these stages, a very specific set of abilities develops. We have learned of seven stages. I will let these pass before our minds once more and at the same time indicate what the spirit must accomplish at each stage. I have explained that the lowest region is the realm of the archetypes. But this is to be understood figuratively; it is a state. There, within this world, we find the archetypes for everything that confronts us in the sensory world. I have said that in the spiritual world we live within the spiritual just as we live within the sensory world with our senses, and we perceive the spiritual world just as we perceive the sensory world with our senses—just as we hear and see this sensory world and so on. What is a thought in this earthly world is a living being in the spiritual world. What passes through our minds as a thought is only the shadow of a spiritual being. This spiritual being appears to us as a thought because it must penetrate through the veil of physical corporeality. Human beings imprint their thoughts and ideas upon the world, and through them they make the Earth more perfect. In the spiritual world, these thoughts are things among which human beings move. And just as we move here among physical things, just as we encounter them and touch them, so do we move in the spiritual realm among thoughts. The archetypes of the sensory world are to be found in the lowest region of the spiritual realm. There we are in the “workshop” where sensory objects are “made.” There we see the archetypes of the physical forms of plants, animals, and humans. We must reflect on what we have seen. These thoughts linger like shadowy figures in the background, and human beings do not believe in the reality of thoughts because they have such a shadowy existence. Just as a clock is made exactly as its inventor first conceived it in his mind, so every thing is created according to thought, and the being of thought appears to us in the spiritual realm.

[ 5 ] So also erscheint uns im Geisteslande die ganze sinnliche Welt, die wir hier sehen, in ihren Urbildern. Wir sehen dort alles, wie es gemacht wird, wir sehen, wie die Pflanze, das Tier hervorsprießt aus der tier- und pflanzenschaffenden Kraft. Wir lernen das, was hier ist, von einer anderen Seite zu sehen; wir sehen gleichsam das geistige Negativ gegenüber dem physischen Positiv. Wir treten in die Welt ein, deren Schilderung demjenigen, der kein Gefühl dafür hat, phantastisch erscheinen muß, die aber dem, dessen Sinne geweckt sind für diese Welt, unendlich viel wirklicher ist als die physische Welt. Sie ist die Urbilderwelt, die Welt der Ursachen. Da tritt mit uns eine geistige Wandlung ein, die sich immer mehr und mehr verstärkt, je mehr wir heimisch in dieser Welt werden.

[ 5 ] Thus, in the spiritual realm, the entire physical world that we see here appears to us in its archetypes. There we see everything as it is being created; we see how plants and animals spring forth from the life-giving force that creates them. We learn to see what is here from a different perspective; we see, as it were, the spiritual negative in contrast to the physical positive. We enter a world whose description must seem fantastical to those who have no feeling for it, but which is infinitely more real than the physical world to those whose senses are awakened to this world. It is the world of archetypes, the world of causes. There a spiritual transformation takes place within us, which grows ever stronger the more we become at home in this world.

[ 6 ] Die Wanderung durch diese Welt möchte ich Ihnen charakterisieren. Sie ist bedeutungsvoll, weil sie ein Licht wirft in diese Welt, ein Licht von unsagbarer Bedeutung. Unsere eigene Leiblichkeit, der Körper, den wir den unsrigen nennen, erscheint uns als ein Ding unter Dingen; er erscheint uns als der äußeren Wirklichkeit angehörig. Wir sehen, wie er entsteht und vergeht. So erscheint uns das Urbild unseres Leibes als ein Glied innerhalb der äußeren Wirklichkeit; wir fühlen uns ihm gegenüberstehend. Wir sagen nicht mehr zu dem Leibe «Das bin ich», sondern wir wissen, daß er der objektiven Wirklichkeit angehört. Und man lernt einen Satz der höchsten indischen Vedanta-Weisheit kennen, den Satz: Du mußt erkennen, daß du selbst ein Glied des ganzen Großen bist — «Das bist du.»

[ 6 ] I would like to describe to you the journey through this world. It is significant because it sheds light on this world—a light of ineffable significance. Our own physicality, the body we call our own, appears to us as a thing among things; it appears to us as belonging to external reality. We see how it comes into being and passes away. Thus the archetype of our body appears to us as a member within external reality; we feel ourselves standing opposite it. We no longer say to the body, “That is me,” but we know that it belongs to objective reality. And one comes to know a maxim of the highest Indian Vedanta wisdom, the maxim: You must recognize that you yourself are a part of the whole Great One—“That is you.”

[ 7 ] Dasjenige, was unseren Leib aufbaut, sehen wir so, als wenn wir auf einen Felsen treten. Es ist etwas völlig Fremdes. Wir lernen aus der Erfahrung den Satz verstehen: «Das bist du». Und wenn wir diesen Satz üben, dann ist das nichts als die Erinnerung daran, was wir früher im Geisteslande erfahren haben. Wir bringen diese Erinnerung ins Bewußtsein herein und erleben einen schwachen Abglanz der Geisteswelt in der Körperwelt. Das entrückt uns aber der Sinnenwelt, das erhebt uns in höhere Sphären. Wir fühlen uns als geistiges Wesen; wir wissen, daß wir ein Glied des Urgeistes sind, gleichsam ein Strahl, der von ihm ausströmt. Das wissen wir aus unmittelbarer Erkenntnis.

[ 7 ] We perceive the substance that constitutes our body as if we were stepping onto a rock. It is something entirely foreign. Through experience, we come to understand the statement: “This is you.” And when we practice this statement, it is nothing other than a recollection of what we once experienced in the spiritual realm. We bring this memory into our consciousness and experience a faint reflection of the spiritual world in the physical world. But this lifts us out of the sensory world; it elevates us into higher spheres. We feel ourselves to be spiritual beings; we know that we are a part of the Primordial Spirit, as it were, a ray streaming forth from it. We know this through direct insight.

[ 8 ] Der zweite Hauptsatz der Vedanta-Weisheit erfüllt sich ebenfalls unmittelbar in der ersten Region des Devachan: «Ich bin Brahman». Mit «Brahman» wird der Urgeist bezeichnet. Wenn der Mensch dahin gekommen ist, sich als ein Glied dieses Urgeistes zu fühlen, dann sagt er: In mir lebt der Urgeist, er selbst ist meine Wesenheit. — «Ich bin der Urgeist» ist eine unmittelbare Erfahrung, welche die Seele schon in der untersten Region des Geisteslandes macht. Das ist der Sinn des Lebens in der ersten Region des Devachan.

[ 8 ] The second principal tenet of Vedanta philosophy is also immediately fulfilled in the first region of Devachan: “I am Brahman.” “Brahman” refers to the Primordial Spirit. When a person has reached the point of feeling themselves to be a part of this Primordial Spirit, they say: The Primordial Spirit lives within me; it is my very essence. — “I am the Primordial Spirit” is a direct experience that the soul has even in the lowest region of the spiritual realm. This is the meaning of life in the first region of Devachan.

[ 9 ] Die zweite Region habe ich geschildert als diejenige, wo die Urbilder des gesamten Lebens auf unserer Erde sind. Wenn wir das Leben in unserer irdischen Welt betrachten, so finden wir dasselbe in einzelne Wesen gebaut, in Pflanzen, in Tiere und in Menschen. Das Leben dieser Pflanzen, Tiere und Menschen ist aber eine große, lebendige Einheit. Es stammt aus dem gemeinsamen Born des Lebens. Das Urbild desjenigen Lebens, das hier auf der Erde in seinem Abglanz lebt, das strömt dort wie ein Ozean durch alle Wesen des Geisterreiches. Der Okkultist weiß, daß dieses strömende Leben eine rosenrote Farbe hat, gleichsam wie ein rosenroter Ozean; als flüssiges Element durchströmt es alle Wesen des Geisteslandes. Dieses strömende, rosenrote, flüssige Leben durchzieht und durchpulst alles Leben des Geisteslandes. Wenn der Mensch die erste Region des Geisteslandes durchschritten hat, dann identifiziert er sich auf der zweiten Stufe mit diesem fließenden Leben. Dann lernt er das fließende Leben als seine Wesenheit kennen.

[ 9 ] I have described the second region as the one where the archetypes of all life on our Earth are found. When we observe life in our earthly world, we find it embodied in individual beings—in plants, animals, and humans. Yet the life of these plants, animals, and humans forms a great, living unity. It springs from the common source of life. The archetype of that life, which lives here on Earth in its reflection, flows there like an ocean through all beings of the spirit realm. The occultist knows that this flowing life has a rose-red color, as it were like a rose-red ocean; as a liquid element, it flows through all beings of the spirit realm. This flowing, rose-red, liquid life permeates and pulses through all life in the spirit realm. Once a person has passed through the first region of the spirit realm, they identify with this flowing life on the second level. Then they come to know the flowing life as their very essence.

[ 10 ] Machen wir uns, um dies völlig zu verstehen, nochmals klar, was es für einen Sinn hat, [in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt] in diesen Regionen zu leben. Man lebt besonders lange in der ersten Region des Devachan. In der physischen Welt werden wir in ganz bestimmte, durch die physische Natur des Erdenkreises bestimmte Verhältnisse geboren. Wir werden geboren in einem Lande, in einer Familie, damit wir durch physische Verkettung diesen oder jenen Freund erwerben. Wir knüpfen, durch physische Verhältnisse veranlaßt, an etwas an, was den Inhalt des Alltagslebens ausmacht: das Leben in der Familie, das Leben im Stamm, in der Nation — das ist Karma. Alles, was aus physischen Verhältnissen stammt, das lernen wir in seinen Urbildern in der ersten Region des Geisteslandes kennen und beurteilen. Und die Fähigkeiten, die wir uns erwerben durch Üben im Familienleben, im Freundesleben und so weiter, die erfahren ihre völlige Durchbildung in der ersten Region des Devachan. Sie werden gesteigert und ausgebildet, so daß wir mit diesen gesteigerten und ausgebildeten Fähigkeiten zu einer neuen Verkörperung auf diese Erde zurückkehren können. Daher machen wir die Erfahrung, daß Menschen, die ihre ganze Aufgabe in den Verhältnissen des täglichen Lebens sehen, die nicht über die nächste Umgebung, über ihr Geschäft und so weiter hinauskommen, ein langes Leben in dieser ersten Region des Devachan haben.

[ 10 ] To fully understand this, let us once again clarify what the purpose is of living in these regions [during the time between death and rebirth]. One lives for a particularly long time in the first region of Devachan. In the physical world, we are born into very specific circumstances determined by the physical nature of the Earth. We are born in a country, into a family, so that through physical connections we may acquire this or that friend. Prompted by physical circumstances, we become connected to what constitutes the substance of everyday life: life in the family, life in the tribe, in the nation—that is karma. Everything that stems from physical circumstances, we come to know and assess in its archetypes in the first region of the spiritual realm. And the abilities we acquire through practice in family life, in friendships, and so on, undergo their complete development in the first region of Devachan. They are enhanced and developed so that we may return to this earth for a new incarnation with these enhanced and developed abilities. Hence we observe that people who see their entire purpose in the circumstances of daily life—who do not look beyond their immediate surroundings, their business, and so on—spend a long time in this first region of Devachan.

[ 11 ] In der zweiten Region des Devachan halten sich diejenigen auf, welche schon eine gewisse Vorbereitung mitbringen. Diese wird geschaffen durch eine höhere Ausbildung innerhalb des irdischen Lebens selbst. Der Mensch lernt erkennen, daß die Dinge des irdischen Lebens vergänglich und nur Äußerungen ewiger Urgründe sind. Er lernt, die Einheit in allem Leben zu erkennen und zur Einheit verehrungsvoll aufzublicken. Wenn der einfache Wilde in den Gegenständen göttliche Eigenschaften sieht und sie als ein Sinnbild des Göttlichen betrachtet, so geht das schon über die alltäglichen Verhältnisse hinaus. In dieser Region lernt der Mensch erkennen das Schaffen und Wirken der Gottheit. Da sehen wir die Bekenner der verschiedenen Religionen ausbilden die devotionellen Gefühle, indem sie sich demütig, verehrend ihren Göttern nähern. Mit einem höheren Grade der Frömmigkeit erreicht der Mensch seine Verkörperung, nachdem er durch diese zweite Region hindurchgegangen ist. Menschen, die einen Sinn für die allem zugrundeliegende Einheit haben, sehen wir lange Zeit verweilen in dieser zweiten Region. Wir sehen sie sich einleben in die Einheit alles Seins, und wir sehen, wie diese Geister, wenn sie zurückkehren auf die Erde, führende religiöse Persönlichkeiten werden. Diese Menschen sehen, daß die Interessen des einzelnen nicht mehr getrennt werden können von den Interessen der Gemeinschaft. Dieser Sinn für das Gemeinschaftsleben wird in der zweiten Region des Devachan ausgebildet.

[ 11 ] The second region of Devachan is inhabited by those who have already undergone a certain degree of preparation. This preparation is achieved through higher education within earthly life itself. The individual learns to recognize that the things of earthly life are transitory and are merely expressions of eternal principles. They learn to recognize the unity in all life and to look up to that unity with reverence. When the simple savage sees divine qualities in objects and regards them as symbols of the Divine, this already transcends everyday circumstances. In this region, human beings learn to recognize the creation and workings of the Deity. There we see the adherents of various religions developing devotional feelings as they approach their gods with humility and reverence. With a higher degree of piety, a person attains their embodiment after passing through this second region. We see people who have a sense of the underlying unity of all things lingering for a long time in this second region. We see them acclimatizing to the unity of all being, and we see how these spirits, when they return to Earth, become leading religious figures. These people see that the interests of the individual can no longer be separated from the interests of the community. This sense of community life is developed in the second region of Devachan.

[ 12 ] Steigen wir auf in die dritte Region. Hier finden wir nicht mehr die Urbilder für das, was in dem irdischen Dasein lebt, sondern wir finden die Urbilder des seelischen Daseins selbst. Hier sind die Urbilder aller Begierden und Instinkte, aller Empfindungen und Gefühle und aller Leidenschaften, von der niedersten Leidenschaft bis hinauf zu dem höchsten Pathos. Für alles das gibt es rein geistige Urbilder, und die sind in der dritten Region des Devachan. Ebenso wie alles Leben in der zweiten Region, bildet in der dritten Region alles Empfinden, Fühlen, alles Leiden und so weiter eine große Einheit. Da sind die Instinkte des einen Wesens nicht getrennt von den Instinkten, die ein anderes Wesen hat. Da ist das «Das bist du» schon durchgeführt. Wir können nicht mehr — wie in den beschränkten Verhältnissen des Sinnendaseins — zwischen meinem Gefühl und deinem Gefühl unterscheiden. Das fremde Weh ist ebenso wie das unsrige. Wir vernehmen das «Seufzen der Kreatur». Wir nehmen wahr jede Lust und Unlust, ob es unsere ist oder ob es fremde ist. Wir sagen zu allem: Das bist du. — Wir fühlen mit allem mit. Ich habe diese Region beschrieben als die Atmosphäre, als den Luftkreis des Geisteslandes. So, wie unsere Erde umhüllt ist vom physischen Luftkreis, so ist der Geistkontinent umhüllt von diesem Luftkreis, von den Sphären des Wehes und des Unglücks, von den Urbildern der menschlichen Leidenschaften, wie von Stürmen und von sich entladenden, donnernden Gewittern. Leben wir in der dritten Region des Devachan, so lernen wir verstehen den Satz eines Inspirierten und erkennen, was es heißt, man vereinigt sich mit dem «Seufzen der Kreaturen, die da harren der Annahme an Kindesstatt». Das bildet in uns eine andere Seite des Empfindens aus, wir lernen das irdische Empfinden von einer anderen Seite kennen, nicht als egoistische Einzelempfindung, sondern so, daß wir den Sinn, das Mitgefühl für alle Wesenheiten ausgebildet haben in dieser dritten Region. Was wir in unserer Verkörperung an Selbstlosigkeit entfalten, an Wohlwollen gegenüber unseren Mitmenschen, das ist die Erinnerung an diese dritte Region des Devachan; das bringen wir mit aus dieser dritten Region. Philanthropen, die Genies der menschlichen Wohltätigkeit, bilden ihre Fähigkeiten dort aus; sie machen ein langes Leben in der dritten Region des Devachan durch.

[ 12 ] Let us ascend to the third region. Here we no longer find the archetypes of what lives in earthly existence, but rather the archetypes of soul life itself. Here are the archetypes of all desires and instincts, all sensations and feelings, and all passions, from the lowest passion up to the highest pathos. For all of this there are purely spiritual archetypes, and these are in the third region of Devachan. Just as all life in the second region forms a great unity, so too in the third region all sensation, feeling, all suffering, and so on form a great unity. There, the instincts of one being are not separate from the instincts of another being. There, the “That is you” has already been realized. We can no longer—as in the limited conditions of sensory existence—distinguish between my feeling and your feeling. Another’s sorrow is just as much our own. We hear the “sigh of the creature.” We perceive every pleasure and displeasure, whether it is ours or another’s. We say of everything: That is you. — We feel in sympathy with everything. I have described this region as the atmosphere, as the airy sphere of the spirit realm. Just as our Earth is enveloped by the physical atmosphere, so is the spirit continent enveloped by this airy sphere, by the spheres of sorrow and misfortune, by the archetypes of human passions, as by storms and by thunderous, discharging thunderstorms. When we live in the third region of Devachan, we come to understand the words of an inspired being and realize what it means to unite with the “sigh of the creatures who wait to be accepted as children.” This develops another aspect of feeling within us; we come to know earthly feeling from a different perspective, not as an egoistic, individual sensation, but in such a way that we have cultivated a sense of compassion for all beings in this third region. What we develop in our incarnation in terms of selflessness and goodwill toward our fellow human beings is the memory of this third region of Devachan; that is what we bring with us from this third region. Philanthropists, the geniuses of human charity, develop their abilities there; they spend a long life in the third region of Devachan.

[ 13 ] Wie verhalten sich diese drei Regionen des Devachan zu unserer irdischen Welt? In der ersten Region finden wir die Urbilder der körperlichen Dinge, in der zweiten die Urbilder des Lebens, in der dritten die Urbilder der seelischen Welt, der Triebe, Instinkte und Leidenschaften. Wir finden das, was wir brauchen, um innerhalb des irdischen Lebens zu wirken, im Geistesland.

[ 13 ] How do these three regions of Devachan relate to our earthly world? In the first region we find the archetypes of physical things; in the second, the archetypes of life; and in the third, the archetypes of the soul world—the drives, instincts, and passions. We find what we need to work within earthly life in the spiritual realm.

[ 14 ] Die vierte Region ist eine Art reines Geistesland, aber nicht im vollen Sinne des Wortes. Wenn wir den Unterschied zwischen der vierten Region und den unteren drei Regionen verstehen wollen, so müssen wir uns klar sein, daß bei allem, was der Mensch an Schöpferkraft mitbringt in die physische Welt, er abhängig ist von dem, was schon auf der Erde vorhanden ist. Wir sind wie ein Töpfer, der seine Gedanken dem Ton einprägt. Indem wir Botschaften aus dem Geisterlande hier verwirklichen wollen, sind wir von dem Tone der irdischen Welt abhängig. Wir müssen uns demjenigen fügen, was schon geschaffen ist. Wir müssen studieren, was als physische Kraft und als physischer Stoff schon in der Welt existiert. Wir müssen uns an dasjenige halten, was unsere Mitgeschöpfe empfinden an Leid, an Lust- und Unlustempfindungen. Wir müssen uns mit dem, was wir mitbringen aus dem Geisteslande, richten nach dem, was wir hier antreffen. Wir schaffen da nur ein Abbild dessen, was im Geisteslande ist.

[ 14 ] The fourth region is a kind of pure spiritual realm, but not in the full sense of the word. If we wish to understand the difference between the fourth region and the lower three regions, we must realize that, in all the creative power that human beings bring into the physical world, they are dependent on what already exists on Earth. We are like a potter who imprints his thoughts upon the clay. In seeking to bring messages from the spirit world to life here, we are dependent on the clay of the earthly world. We must conform to what has already been created. We must study what already exists in the world as physical force and physical matter. We must adhere to what our fellow creatures experience in terms of suffering, pleasure, and pain. We must align what we bring with us from the spirit world with what we encounter here. We create only a reflection of what exists in the spirit world.

[ 15 ] In der vierten Region sind die Urbilder für das, was der Mensch als eine Art originale Werke innerhalb der Welt schafft, was er schafft über das Bestehende hinaus. Alles, was Kunst und Wissenschaft hervorgebracht haben, alles, was wir als technische Erfindungen kennen, alles das, was niemals da sein würde ohne den Einfluß des Menschengeistes, das ist als Urbild in der vierten Region des Devachan anzutreffen. Wer an den Kulturfortschritten seiner Zeit teilnimmt, an dem wissenschaftlichen Streben, an dem Ausbau staatlicher Einrichtungen, an der Vervollkommnung dessen, was frei aus dem Geiste geboren wird, was nicht an die Seele gebunden ist: sie alle sind befruchtet von dem, was sie in der vierten Region des Devachan erlebten. Dasjenige, was wir dort erfahren, prägen wir in die sinnliche Wirklichkeit ein und schaffen es dadurch um. Wenn wir uns fragen, ob diese vierte Region unabhängig ist von der irdischen Region, so müssen wir sagen: in gewisser Weise —, denn der Mensch, der aus ihr kommt, bringt etwas mit, was noch nicht da ist. Aber doch ist sie wieder abhängig, denn der Mensch kann immer nur auf einer gewissen Stufe der Vervollkommnung stehen, und er kann nur das ausgestalten, wofür die Menschheit reif ist. Die vierte Region des Devachan hängt mit dem irdischen Dasein so zusammen, daß sie auf der einen Seite frei, auf der anderen Seite aber doch wieder abhängig ist von einem gewissen [Stand des irdischen] Daseins.

[ 15 ] In the fourth region lie the archetypes for what human beings create as a kind of original work within the world—that which they create beyond what already exists. Everything that art and science have produced, everything we know as technical inventions, everything that would never exist without the influence of the human spirit—all of this can be found as an archetype in the fourth region of Devachan. Those who participate in the cultural progress of their time, in scientific endeavors, in the development of state institutions, in the perfection of that which is freely born of the spirit, that which is not bound to the soul: they are all inspired by what they experienced in the fourth region of Devachan. What we experience there, we imprint upon sensory reality and thereby transform it. If we ask ourselves whether this fourth region is independent of the earthly region, we must say: in a certain sense—for the human being who comes from it brings with them something that is not yet there. Yet it is also dependent, for a human being can only ever stand at a certain stage of perfection, and can only shape that for which humanity is ripe. The fourth region of Devachan is connected to earthly existence in such a way that, on the one hand, it is free, but on the other hand, it is once again dependent on a certain [state of earthly] existence.

[ 16 ] Wenn wir aufsteigen zur fünften Region des Geisteslandes, so sind wir völlig frei von den Fesseln des irdischen Daseins. Dann sind wir nach allen Seiten frei und entwicklungsfähig. Dann haben wir das Element zu unserer Umgebung, in dem unsere eigentliche, wahre, wirkliche Heimat ist. In dieser höheren Region erfahren wir die eigentlichen Absichten, die der Weltengeist mit der irdischen Entwicklung hat. Wir nehmen teil an den Absichten des Weltengeistes. Alle Dinge werden dann sprechend. Wir lernen, was der göttliche Weltengeist für ein Ziel für die Pflanzen, für die Tiere und für die Menschen hat; wir lernen kennen in vollkommener Gestalt dasjenige, wovon das Geschaffene nur ein unvollkommenes Abbild ist. Was wir erleben, sind die Absichten, die Intentionen, die Ziele — die Ziele, die aus dem Ewigen herausströmen, die lernen wir hier kennen. Und wenn wir, davon gestärkt und gekräftigt, zurückkehren in die physische Welt, dann sind wir Sendboten der göttlichen Absichten, dann vollziehen wir dasjenige, was als wahrhaft Geistiges, als unabhängiges Geistiges dieser Welt eingefügt werden soll.

[ 16 ] When we ascend to the fifth region of the spiritual realm, we are completely free from the bonds of earthly existence. Then we are free in every direction and capable of further development. Then we find ourselves in the element that is our true, real home. In this higher region, we come to understand the true intentions that the World Spirit has for earthly development. We participate in the intentions of the World Spirit. All things then come to speak. We learn what goal the divine World Spirit has for plants, for animals, and for human beings; we come to know in perfect form that of which the created world is only an imperfect image. What we experience are the purposes, the intentions, the goals—the goals that flow forth from the Eternal; these we come to know here. And when, strengthened and invigorated by this, we return to the physical world, we become messengers of the divine intentions; we then carry out that which is to be woven into this world as truly spiritual, as independent spirit.

[ 17 ] Nun können Sie sich leicht vorstellen, daß dasjenige, was aus dieser Region geschöpft werden kann, davon abhängen wird, wieviel das Selbst während seiner Verkörperung im physischen Leben schon entwickelt hat. Wenn der Mensch keine Anlage zeigt, sich zu den höheren Absichten aufzuschwingen, wenn er am Alltäglichen haftet und nicht erfassen kann das, was ewig ist, dann wird er nur ein kurzes Aufblitzen haben in der fünften Region des Devachan. Und derjenige, der innerhalb des irdischen Lebens wenig,am Irdischen hängt, der nachsinnt in freiem Denken über das irdische Dasein, wer ohne egoistisches Interesse Werke des Mitleids und der Wohltätigkeit übt, der hat in diesem Dasein sich die Anwartschaft erworben, längere Zeit zu verweilen in den höheren Regionen des Devachan. Das befähigt ihn, in höherem Sinne dasjenige auszubilden, was freie Geistestätigkeit ist. Hier strömt ihm dasjenige zu, was aus dem Ewigen, dem Göttlichen fließt. Hier nimmt das Selbst die Gedankenwelt, unbegrenzt durch die irdische Unvollkommenheit, in sich auf.

[ 17 ] Now you can easily imagine that what can be drawn from this region will depend on how much the Self has already developed during its incarnation in physical life. If a person shows no inclination to rise to higher purposes, if they cling to the mundane and cannot grasp what is eternal, then they will have only a brief glimpse of the fifth region of Devachan. And the one who, during earthly life, is little attached to the earthly, who reflects in free thought upon earthly existence, who performs acts of compassion and charity without selfish interest—such a person has earned in this life the right to dwell for a longer time in the higher regions of Devachan. This enables them, in a higher sense, to develop what constitutes free spiritual activity. Here, that which flows from the Eternal, the Divine, pours into them. Here, the Self takes in the world of thought, unrestricted by earthly imperfection.

[ 18 ] Jede Inkarnation ist nur ein unvollkommenes Abbild dessen, was der Mensch eigentlich ist. Das geistige Selbst ist im Geisteslande, und indem es in den menschlichen Leib, in die menschliche Seele einzieht, kann es nur ein schwaches Abbild dessen verwirklichen, was es im Grunde genommen eigentlich ist. Wenn der Mensch heimkehrt in das eigentliche Selbst, in seine ursprüngliche Eigenheit, wenn er die fünfte Region kennenlernt, da weitet sich der Blick über seine eigenen Inkarnationen, da ist er imstande, seine Vergangenheit und seine Zukunft zu überschauen. Er erlebt ein Aufblitzen des Gedächtnisses über seine vergangenen Inkarnationen und kann sie in Zusammenhang bringen mit dem, was er in der Zukunft vollbringen kann. Er überschaut die Vergangenheit und die Zukunft mit prophetischem Blick. Alles, was er vollbringt, erscheint ihm wie aus dem ewigen Selbst herausfließend. Das ist das, was das Selbst sich erwirbt in der fünften Region des Geisteslandes. Deshalb nennen wir dieses Selbst, insofern es sich in der fünften Region auslebt und sich seiner eigenen Wesenheit bewußt wird, den Ursachenträger der menschlichen Wesenheit, der alle Ergebnisse des vergangenen Lebens in die Zukunft hinüberträgt. Das, was wiedererscheint in den verschiedenen Verkörperungen, das ist der Ursachenkörper, und zwar so lange, bis der Mensch übergeht zu höheren Zuständen, wo höhere Gesetze als die der Wiederverkörperung gelten. Seit dem Anfang des Planetenlebens unterliegen wir dem Gesetz der Wiederverkörperung. Der Kausalkörper ist dasjenige, was das Ergebnis eines früheren Lebens hinüberträgt in die kommenden Leben, was als Früchte genießt dasjenige, was in den vorhergehenden Leben erarbeitet wurde.

[ 18 ] Every incarnation is merely an imperfect reflection of what a human being truly is. The spiritual self resides in the spiritual realm, and as it enters the human body and the human soul, it can only manifest a faint reflection of what it essentially is. When a person returns to their true self, to their original nature, when they become acquainted with the fifth region, their perspective expands to encompass their own incarnations, and they are able to survey their past and their future. He experiences a flash of memory regarding his past incarnations and can connect them with what he can accomplish in the future. He surveys the past and the future with a prophetic gaze. Everything he accomplishes appears to him as flowing forth from the eternal Self. This is what the Self acquires in the fifth region of the spiritual realm. Therefore, we call this Self—insofar as it lives out its life in the fifth region and becomes conscious of its own essence—the bearer of the causes of human existence, which carries all the results of past lives into the future. That which reappears in the various incarnations is the causal body, and this continues until the human being passes into higher states where laws higher than those of reincarnation apply. Since the beginning of planetary life, we have been subject to the law of reincarnation. The causal body is that which carries the results of a previous life into future lives, reaping as fruit what was earned in previous lives.

[ 19 ] Wenn durch eine Reihe von solchen irdischen Pilgerfahrten das eigentliche geistige Selbst oder der Ursachenträger im physischen Leibe sich verkörpert hat und nun im Geisteslande so lebt, daß er imstande ist, sich im Geisteslande so frei zu bewegen, wie der sinnliche Mensch sich zwischen den sinnlichen Dingen bewegt — denn das ist eine Erfahrung, die wir da machen: uns bewegen zu lernen in einer Weise, die viel initiativer und höher erscheint als innerhalb der sinnlichen Wirklichkeit —, dann rücken wir auf in die sechste Region des Devachan, dann erwerben wir uns die Anwartschaft, gewisse Zeiten zwischen zwei Leben in der sechsten Region zu verbringen. In der sechsten Region lebt das menschliche Selbst bereits seine tiefere Wesenheit des eigenen Innern aus; da lebt es das aus, was wir das Leben im Geistigen, im ewigen Selbst nennen. Da lebt es aus, was unmittelbar aus dem Borne des göttlichen Selbst schöpft. Da lernt der Mensch, so heimisch zu werden im Geisteslande, wie der physische Mensch heimisch ist in der physischen Welt. Die Gesetze der geistigen Welt werden ihm so vertraut, daß er sich als zu ihnen gehörig betrachtet. In dieser sechsten Region lernt der Mensch, daß er in diese physische Welt als ein Sendbote des rein Göttlichen kommt; er nimmt die Absichten für das, was er braucht, um in der physischen Welt zu wirken, nicht mehr aus der physischen Welt selbst; er vollführt die Pläne der göttlichen Weltenordnung selbst: er schafft aus dem Geistigen, er wirkt aus dem Geistigen. Er ist aber deshalb kein Fremdling auf der Erde, und er wirkt auch nicht wie ein Fremdling; er hat sich die freie Unbefangenheit in dieser sechsten Region erworben. Wenn er in der physischen Welt als Sendbote der geistigen Welt erscheint, so ist sein Werk umso fruchtbarer, weil er nicht an den Dingen dieser Welt hängt; und weil er sie vollkommen objektiv beurteilt, so wird er das Richtige tun. Seine Tat wird eine Tat der göttlichen Weltenordnung selbst sein, ein Ausdruck, eine Offenbarung der göttlichen Weltenordnung selbst.

[ 19 ] When, through a series of such earthly pilgrimages, the true spiritual Self or the bearer of causes has incarnated in the physical body and now lives in the spiritual realm in such a way that it is able to move there as freely as the sensory human moves among sensory things—for this is an experience we have there: learning to move in a way that seems far more proactive and elevated than within sensory reality—then we advance to the sixth region of Devachan, and then we earn the right to spend certain periods between two lives in the sixth region. In the sixth region, the human self already lives out its deeper essence from within; there it lives out what we call life in the spiritual, in the eternal self. There it lives out what draws directly from the source of the divine self. There the human being learns to become as at home in the spiritual realm as the physical human being is at home in the physical world. The laws of the spiritual world become so familiar to them that they regard themselves as belonging to them. In this sixth region, the human being learns that they come into this physical world as a messenger of the purely Divine; he no longer takes the intentions for what he needs to work in the physical world from the physical world itself; he carries out the plans of the divine world order himself: he creates from the spiritual, he works from the spiritual. Yet he is therefore no stranger on Earth, nor does he act like a stranger; he has acquired free impartiality in this sixth region. When he appears in the physical world as a messenger of the spiritual world, his work is all the more fruitful because he is not attached to the things of this world; and because he judges them completely objectively, he will do what is right. His deed will be a deed of the divine world order itself, an expression, a revelation of the divine world order itself.

[ 20 ] In dieser sechsten Region des Geisteslandes genießt der Mensch nun auch den Umgang mit jenen erhabenen Wesenheiten, von denen ich das letzte Mal gesprochen habe, welche mitwirken an dem Plane der göttlichen Weltordnung. Ausgebreitet ist ihr Blick über die göttliche Weisheit, offen und unverschleiert. Der Mensch, der sich bis zur sechsten Region entwickelt hat, kann da verstehen, was sie zu ihm sagen über den göttlichen Weltenplan. Kehrt er zurück auf den irdischen Plan, dann ist er befähigt, selbst die Richtung und die Ziele seines Lebens zu bestimmen. Dann handelt er aus sich heraus, er kann bewußt in die Zukunft wirken; dann ist er fähig, hier auf dieser Erde ein Eingeweihter zu werden. Derjenige, welcher befähigt ist, ein Eingeweihter zu werden, der hat sich erst durch die Taten, die nicht durch Egoismus mit dem Irdischen verbunden sind, sondern die er in selbstloser Aufopferung getan hat, die Anwartschaft errungen, um im Zwischenzustand zwischen zwei Verkörperungen in der Gegenwart der Geister zu leben und vertraut zu werden mit den Kräften und Schätzen des Geisteslandes. Kehrt er dann zurück in die Verkörperung, dann ist sein Gedächtnis offen für die früheren Verkörperungen, dann sieht er, daß er da und dort schon gelebt hat, und er bestimmt die Zukunft seiner nächsten Verkörperung — wenn auch nicht in allen Einzelheiten, denn das ist nicht zu bestimmen. Diejenigen, welche in dem Zwischenzustande zwischen ihren Verkörperungen im Geisteslande solches erlebt haben, die sind die Aspiranten für die Einweihung in die Mysterien; es sind die, welche aufgenommen werden in die Geheimschulen und dort die Weisheiten erfahren, welche sie der Welt zu verkündigen haben, damit sie den Weg des Fortschrittes gehe.

[ 20 ] In this sixth region of the spiritual realm, the human being now also enjoys the company of those exalted beings I spoke of last time, who contribute to the plan of the divine world order. Their gaze is cast over divine wisdom, open and unveiled. The human being who has developed to the sixth region can understand there what they tell him about the divine world plan. When he returns to the earthly plane, he is then able to determine the direction and goals of his life for himself. Then he acts from within himself; he can consciously shape the future; then he is capable of becoming an initiate here on this earth. The one who is capable of becoming an initiate has first earned the right, through deeds not bound to the earthly by selfishness but performed in selfless devotion, to live in the presence of the spirits during the interval between two incarnations and to become familiar with the forces and treasures of the spiritual realm. When he then returns to incarnation, his memory is open to his past incarnations; he sees that he has already lived here and there, and he determines the future of his next incarnation—though not in every detail, for that cannot be determined. Those who have experienced such things in the intermediate state between their incarnations in the spirit realm are the aspirants for initiation into the mysteries; they are the ones who are admitted into the secret schools and there learn the wisdom they are to proclaim to the world, so that it may walk the path of progress.

[ 21 ] Das sind diejenigen, die aus persönlicher Erfahrung bekräftigen können, daß die Lehren der Theosophie Wahrheiten und Tatsachen sind. Sie sind es aber auch, die die Pflicht haben, so oft und so gut sie es können, das, was sich ihnen als unumstößliche Wahrheiten ergeben hat, den anderen zu verkündigen und in ihnen anzufachen das hohe Gefühl und die Kraft, die den Menschen weiter hinaufleitet auf der Stufenleiter der Erkenntnis. Derjenige, welcher an die Wiederverkörperung zu glauben vermag, der weiß, daß sie etwas Mögliches ist, der hat schon die erste Stufe erreicht. Wer glaubt — wenn auch nur dumpf —, daß die Wiederverkörperung möglich ist, der kann erwarten, daß dieser Gedanke in ihm zur Erkenntnis der Wirklichkeit wird, denn der Glaube, der als lebendige Kraft in der menschlichen Seele wirkt, erzeugt Wunder in der Menschenseele. Wer nicht weiß, wie dasjenige wirkt, das aus geistigen Tiefen herauskommt, der nennt solche Menschen Schwärmer und Träumer, weil er sich nicht bewußt ist, daß sie aus einem viel tieferen Bewußtsein heraus schaffen als er selbst. Aber der Weltengang ist eine fortwährende Verkörperung dessen, was die Träumer und Idealisten gedacht haben.

[ 21 ] These are the ones who can attest from personal experience that the teachings of Theosophy are truths and facts. But they are also the ones who have a duty, as often and as well as they can, to proclaim to others what has revealed itself to them as irrefutable truths, and to kindle in them the noble sentiment and the strength that lead humanity further up the ladder of knowledge. Whoever is able to believe in reincarnation, whoever knows that it is a possibility, has already reached the first step. Whoever believes—even if only dimly—that reincarnation is possible can expect this thought to become a realization of reality within them, for faith, acting as a living force in the human soul, works wonders in the human soul. Those who do not know how that which comes from spiritual depths works call such people enthusiasts and dreamers, because they are not aware that these people create from a much deeper consciousness than their own. But the course of the world is a continuous embodiment of what the dreamers and idealists have thought.

[ 22 ] Die siebente Stufe kann nur derjenige erreichen, der in diesem Leben ein Eingeweihter gewesen ist, der den Sinn der Mysterien erfaßt hat, der mitwirken kann an dem Bau und an dem Plan der göttlichen Weltenordnung. Er tritt, nachdem er seine Aufgabe in den niederen Regionen verrichtet hat, unmittelbar in die höchste Region ein, woraus der Quell des Daseins kommt, wo alle Lebensimpulse und Daseinsströme fließen. Der Eingeweihte allein hat die Anwartschaft auf die siebente Stufe des Devachan oder Geisteslandes.

[ 22 ] The seventh stage can be attained only by one who has been an initiate in this life, who has grasped the meaning of the mysteries, and who can participate in the construction and the plan of the divine world order. After fulfilling his task in the lower regions, he enters directly into the highest region, from which the source of existence emanates, where all life impulses and currents of existence flow. The initiate alone is entitled to the seventh stage of Devachan, or the Land of the Spirits.

[ 23 ] Wir haben gesehen, daß die Aufgabe des Menschen in dieser irdischen Welt liegt, daß wir uns nicht von ihr zurückziehen dürfen. Aber was in dieser Welt liegt, das muß befruchtet werden von den Erfahrungen, die wir im Lande des Geistes machen und die wir als Botschaften erkennen, die wir im irdischen Leben auszuführen haben. Damit wir umso sicherer wirken können, müssen wir das Leben als eine Schule betrachten; wir müssen das Leben uns zu einer Lektion machen. Wir müssen erkennend betrachten, wie gleichsam die Strahlen des höheren Lebens hineinfließen in die irdische Welt. Darüber werden wir das nächste Mal weitersprechen.

[ 23 ] We have seen that humanity’s task lies in this earthly world, and that we must not withdraw from it. But what lies within this world must be enriched by the experiences we gain in the realm of the spirit—experiences we recognize as messages we are to carry out in our earthly lives. In order to act with greater certainty, we must regard life as a school; we must make life a lesson for ourselves. We must observe with insight how, as it were, the rays of the higher life flow into the earthly world. We will speak further about this next time.