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The Rudolf Steiner Archive

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Über die astrale Welt und das Devachan
GA 88

8 December 1903, Berlin

21. Kosmologie nach der Genesis

[ 1 ] Die zwei ersten Kapitel der Genesis kann man besser verstehen, wenn man die verschiedenen Dinge kennt, die wir schon durchgenommen haben. Das erste Kapitel stellt dar die Entwicklung unseres Planeten durch die drei ersten Erdenrunden bis herein in die vierte Runde, bis zu dem Momente, in dem der Mensch erschaffen wird. Es schließt also mit der Erschaffung des Menschen, da, wo der Mensch der vierten Runde in der dritten Wurzelrasse in die erste Inkarnation eintritt. In ganz ähnlicher Weise stellt das die mosaische Genesis dar wie die griechische Mythologie. Es ist nur deutlicher ausgedrückt in der griechischen Mythologie, die hervorgehen läßt drei Ströme aus den drei Logoi: Uranos, Kronos und Zeus. Im Anfang unserer irdischen Entwicklung stellt Uranos den ersten Logos dar, welcher überhaupt erst die Spaltung hervorbringt aus dem undifferenzierten Zustande, der in dem vorangehenden Pralaya vorhanden war. Das treibende Wesen war Uranos; sein Gegensatz war Gaia. In ihnen wurzelt die Entstehung des irdischen Planeten. Uranos ist also in Verbindung mit der Gaia das Schöpferische. Man könnte daher auch sagen: Im Anfang waren Uranos und Gaia. Die zweite Strömung ist die Seelenströmung, Kronos, der das rein psychische Moment der Seele darstellt. Dann tritt das ein, was als die Pilgerfahrt der Seele bezeichnet wird, die Verbindung mit Zeus, dem Gott des Kama-Manas.

[ 2 ] Und wie heißt es nun in der Genesis?

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Und die Erde war wüst und leer,
und es war finster auf der Tiefe;
Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. (Genesis 1, 1-2)

[ 3 ] Das ist der Arupa-Zustand; er hat noch keine Form.

Und Gott sprach: Es werde Licht. Und es ward Licht.
Und Gott sah, daß das Licht gut war.
Da schied Gott das Licht von der Finsternis,
und nannte das Licht Tag, und die Finsternis Nacht.
Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. (Genesis 1, 3-5)

[ 4 ] Das ist die erste Form, der beginnende Rupa-Zustand. Der zweite Globus ist da.

Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern,
und die sei ein Unterschied zwischen den Wassern.
Da machte Gott die Feste, und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste.
Und es geschah also. Und Gott nannte die Feste Himmel.
Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag. (Genesis 1, 6-8)

[ 5 ] Wenn in der Genesis von Wasser gesprochen wird, bedeutet das immer die astrale Materie.

Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Örter, daß man das Trockene sähe.
Und es geschah also.
Und Gott nannte das Trockene Erde, und die Sammlung der Wasser nannte er Meer.
Und Gott sah, daß es gut war.
Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut, das sich besame, und fruchtbare Bäume, da ein jeglicher nach seiner Art Frucht trage, und habe seinen eigenen Samen bei ihm selbst auf Erden. Und es geschah also.
Und die Erde ließ aufgehen Gras und Kraut, das sich besamte, ein jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen, und ihren eigenen Samen bei sich selbst hatten, ein jeglicher nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.
Da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag. (Genesis 1, 9-13)

[ 6 ] Das war die Zeit, wo das Pflanzenreich entstand. Früher war das Pflanzenreich ein durcheinanderwogendes Pflanzenreich; es gab noch nicht gesonderte Pflanzen. Deshalb soll jetzt jede ihren Samen haben nach ihrer Art. Jetzt entstehen erst die besonderen Pflanzen.

Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht, und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre, und seien Lichter an der Feste des Himmels, daß sie scheinen auf Erden. Und es geschah also. Und Gott machte zwei große Lichter; ein groß Licht, das den Tag regiere, und ein klein Licht, das die Nacht regiere, dazu auch Sterne.

Und Gott setzte sie an die Feste des Himmels, daß sie schienen auf die Erde, und den Tag und die Nacht regierten, und schieden Licht und Finsternis. Und Gott sah, daß es gut war. Da ward aus Abend und Morgen der vierte Tag. (Genesis 1, 14-19).

[ 7 ] Das ist die astrale Welt, der dritte Globus — das Sternenmeer, das Symbol für das astrale Dasein.

[ 8 ] Nun kommen wir zum eigentlichen Erdenglobus. Hier bildete sich nach und nach die Materie. Zuerst die Äthermaterie. Während der ersten zwei Zeitalter haben wir es zunächst mit Äthermaterie zu tun. Die verdichtet sich während der dritten Wurzelrasse, während der lemurischen Zeit. Zugleich findet eine Verdichtung der Materialität statt, so daß wir in der lemurischen Zeit ein Immer dichter-Werden der physischen Materialität haben.

Und Gott sprach: Es errege sich das Wasser mit webenden und lebendigen Tieren, und Gevögel fliege auf Erden unter der Feste des Himmels.
Und Gott schuf große Walfische und allerlei Tier, das da lebt und webt, davon das Wasser sich erregte, ein jegliches nach seiner Art, und allerlei gefiedertes Gevögel, ein jegliches nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war.
Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar, und mehret euch, und erfüllet das Wasser im Meer; und das Gefieder mehre sich auf Erden.
Da ward aus Abend und Morgen der fünfte Tag. (Genesis 1, 20-23)

[ 9 ] Das ist nicht das Tierreich, von dem uns die Naturgeschichte erzählt, sondern das, was im zweiten Teile der «Geheimlehre» von Blavatsky in den Dzyan-Strophen steht.

Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebendige Tiere, ein jegliches nach seiner Art: Vieh, Gewürm und Tiere auf Erden, ein jegliches nach seiner Art. Und es geschah also.

Und Gott machte die Tiere auf Erden, ein jegliches nach sei ner Art, und das Vieh nach seiner Art, und allerlei Gewürm auf Erden nach seiner Art. Und Gott sah, daß es gut war. (Genesis 1, 24-25)

[ 10 ] Er machte die Gesondertheit der Tiere, während sie früher durcheinanderwogten.

Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kreucht. Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; (Genesis 1, 26-27)

[ 11 ] und er schuf ihn männlich-weiblich, das heißt ungeschlechtlich.

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch, und füllet die Erde und macht sie euch untertan, und herrschet über Fische im Meer, und über Vögel unter dem Himmel, und über alles Tier, das auf Erden kreucht. (Genesis 1, 28)

[ 12 ] Mehret euch in nicht-geschlechtlicher Art, nicht durch Fortpflanzung, sondern einfach durch das Auseinanderhervorgehen, wie im Astralen.

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut. Da ward aus Abend und Morgen der sechste Tag. (Genesis 1, 31)

[ 13 ] Wir stehen jetzt in dem Zeitpunkt, wo die dritte Wurzelrasse der vierten Runde beginnt, das dritte Hauptzeitalter der Erde.

Also ward vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.

Und also vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhete am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er machte.

Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, ... (Genesis 2, 1-3)

[ 14 ] «Er ruhete heißt, er hat jetzt die Aufgabe den Menschen übertragen. Vorher hatte er alles, was zu erregen war, von innen angeregt. Jetzt geschah das kosmische Pfingstfest: Die Geister senkten sich herab und setzten das Werk fort.

... darum daß er an demselben geruhet hatte von allen seinen Werken, die Gott schuf und machte.

Also ist Himmel und Erde geworden, da sie geschaffen sind zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. Und allerlei Bäume auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und allerlei Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der Herr hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und war kein Mensch, der das Land bauete.

Aber ein Nebel ging auf von der Erde und feuchtete alles Land.

Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloß, und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele. (Genesis 2, 3-7)

[ 15 ] Jetzt war der Mensch da.

Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen, und setzte den Menschen drein, den er gemacht hatte.

Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, lustig anzusehen, und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. (Genesis 2, 8-9)

[ 16 ] Da wird geschildert der Übergang von den ätherischen Rassen zu den physischen Rassen. Diese werden zusammengefügt von den vier Seiten, von Ost, West, Süd, Nord, und von den vier Elementen, die den Fähigkeiten der Geist-Seele entsprechen. Der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen ist das Sinnbild für das Höhere, das sich mit dem Menschen verbunden hat.

Und es ging aus von Eden ein Strom, zu wässern den Garten, und teilte sich von dannen in vier Hauptwasser.
Das erste heißt Pison, das fließet um das ganze Land Hevila; und daselbst findet man Gold.
Und das Gold des Landes ist köstlich; und da findet man Bedellion und den Edelstein Onyx. (Genesis 2, 10-12)

[ 17 ] Die anderen Wasser heißen Gehon, Hiddekel und Euphrat. Die vier Gewässer sind die Symbole für die vier Astralformen der Materie, die zusammenfließen. Das Wasser bedeutet immer das Astrale in der esoterischen Sprache. In der esoterischen Sprache ist Gold das Symbol des Geistigen; der Onyx ist das Symbol der Materie, die am tiefsten heruntergeht. Der Onyx ist das Symbol dafür, wie sich das Lebendige verwandeln muß, bevor es in das höhere Prinzip aufgenommen werden kann. Das Lebendige, das Prana, muß durchgehen durch einen Läuterungszustand; diesen bezeichnet man als den Onyx-Zustand. Auch in Goethes «Märchen» findet man die Verwandlung des Mopses in einen Onyx.

Und Gott der Herr nahm den Menschen, und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaute und bewahrte.

Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten;

aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben.

Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. (Genesis 2, 15-18)

[ 18 ] Jetzt beginnt die vierte Runde; vorher war ein kleines Pralaya. Wenn die vierte Runde beginnt, enden erst die ätherischen Menschenrassen. Der Erstling der vierten Runde ist der Mensch. Und was jetzt entsteht, entsteht durch den Menschen; es wird Dekadenzprodukt, es fällt ab.

Denn als Gott der Herr gemacht hatte von der Erde allerlei Tiere auf dem Felde, und allerlei Vögel unter dem Himmel, brachte er sie zu dem Menschen, daß er sähe, wie er sie nennte;-denn wie der Mensch allerlei lebendige Tiere nennen würde, so sollten sie heißen.

Und der Mensch gab einem jeglichen Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre.

Da ließ Gott der Herr einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er entschlief. (Genesis 2, 19-21)

[ 19 ] Der Schlaf bedeutet jenen Übergang, den man ganz genau verstehen muß. Wir denken uns in der Mitte [des Raumes] ein Licht, das ringsherum in der mannigfaltigsten Weise gespiegelt wird. Denken wir uns, daß das Licht in der Mitte verlöscht, und die äußeren Lichter leuchten weiter. So ist das Hineinsenken von Manas in die Körper, die nun von innen zu leuchten beginnen, wenn Manas aufhört, die Menschen von außen zu bestrahlen. Das Traumbewußtsein bildet den Übergang zwischen dem Erstrahlen im Innern und dem Verschwinden des Lichtes im Äußeren. Die Geschlechtlichkeit ist der Gegenpol für Kama-Manas, so wie der Südpol der Gegenpol des Nordpols ist.

Und er nahm seiner Rippen eine, und schloß die Stätte zu mit Fleisch.

Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.

Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Beine und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männiin hei ßen, darum daß sie vom Manne genommen ist.

Darum wird ein Mann seinen Vater und Mutter verlassen, und an seinem Weibe hangen, und sie werden sein ein Fleisch. (Genesis 2, 21-24)

[ 20 ] Ein jeglicher Mensch wird seinen Vater und seine Mutter verlassen, das heißt: er wird dasjenige verlassen, was ihn früher ausgemacht hat.

[ 21 ] In den zwei ersten Kapiteln der Genesis ist die ägyptische Geheimlehre enthalten. Moses wurde in Ägypten initiiert; er hat die Geheimlehre dann mitgebracht und sie seinem Volke gegeben.