Consciousness — Life — Form
GA 89
3 April 1905
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Consciousness — Life — Form, tr. SOL
Über das zehnblättrige Buch
About the Ten-page Book
[ 1 ] Ich habe Sie das letzte Mal darauf aufmerksam gemacht, daß man, um im Okkultismus sich klar aussprechen zu können, eine sinnbildliche Ausdrucksweise notwendig hat. Das, was uns heute umgibt, ist erst so seit einem gewissen Zeitraum, der doch eigentlich kurz ist, denn unsere Vorfahren während der atlantischen und der lemurischen Zeit haben ja unter ganz anderen Verhältnissen gelebt. Der heutige Mensch kann sich davon keinen Begriff mehr machen. Dennoch müssen wir, wenn wir das, was heute ist, richtig verstehen wollen, uns zu jenen Begriffen und Ideen erheben ... [Lücke in den Aufzeichnungen].
[ 1 ] Last time, I pointed out to you that symbolic language is necessary in order to express oneself clearly in occultism. What surrounds us today has only been so for a certain period of time, which is actually quite short, because our ancestors during the Atlantean and Lemurian periods lived under completely different conditions. People today can no longer conceive of this. Nevertheless, if we want to understand what is happening today, we must rise to those concepts and ideas ... [gap in the notes].
[ 2 ] Die Sprache ist noch nicht sehr alt, sie bildete sich erst bei den Atlantiern aus. Unsere lemurischen Vorfahren hatten noch keine Sprache, sie hatten eine Art Gesang, Laute von großer magischer Kraft, die wie ein Zaubermittel waren und dem heutigen Menschen vielleicht unartikuliert vorkommen würden, die aber an Schönheit und Wohlklang alles übertrafen, was wir heute bei den höchsten Tieren finden können. Diese Laute hatten die Kraft, zum Beispiel Blumen schneller wachsen zu lassen oder tote Gegenstände in Bewegung zu bringen. Mit unserer heutigen gewöhnlichen Sprache können wir das nicht vergleichen. Deshalb können wir mit unserer Sprache nicht bezeichnen, was zu den höchsten Dingen gehört.
[ 2 ] Language is not very old; it only developed among the Atlanteans. Our Lemurian ancestors did not yet have language; they had a kind of song, sounds of great magical power, which were like a magic potion and would perhaps seem inarticulate to modern humans, but which surpassed in beauty and melodiousness everything we can find today among the highest animals. These sounds had the power, for example, to make flowers grow faster or to set dead objects in motion. We cannot compare this with our ordinary language today. Therefore, we cannot use our language to describe what belongs to the highest things.
[ 3 ] In den okkulten Schulen hat man sich darum immer einer allegorischen Sprache und einer allegorischen Schrift bedient. Diese allegorischen Zeichen sind ständige Ausdrucksformeln, die man erst verstehen lernen muß. Eine Formel ist zum Beispiel die des zehnblättrigen Buches. Was ist dies zehnblättrige Buch?
[ 3 ] In occult schools, allegorical language and allegorical writing have therefore always been used. These allegorical symbols are constant expressions that must first be learned to understand. One such expression is that of the ten-petaled book. What is this ten-petaled book?
[ 4 ] Das zehnblättrige Buch ist etwas Wirkliches, Reales. Ein großer Inhalt ist in diesem Buch gegeben, nur scheinbar einfach sind die Formeln. Etwas ganz Wirkliches ist es für den Geheimschüler, aber es wird ganz anders gelesen als ein gewöhnliches Buch, denn der Mensch mit seinem gewöhnlichen Verstande muß sich aus Buchstaben ein Wort und aus Worten den Satz bilden. Das Denken des Geheimwissenschafters ist ein anderes, es ist ein solches, das Einheiten ergreift, große Zusammenhänge auf einmal überschaut, es ist durchlebte Erfahrung, ein Schauen von höheren Wirklichkeiten. Der Mensch macht sich einen gemeinschaftlichen Begriff aus Einzelheiten. Der Geheimwissenschafter bekommt einen intuitiven Begriff auf einmal durch innere Erfahrung und ist nicht darauf angewiesen, soundso viele einzelne Erfahrungen zu machen. Es ist so, wie ein Mensch, der zum Beispiel einen Löwen gesehen hat, sich den Begriff «Löwe» machen kann.
[ 4 ] The ten-petaled book is something real, something tangible. This book contains great content, but the formulas are only seemingly simple. It is something very real for the secret student, but it is read very differently from an ordinary book, because people with their ordinary minds must form words from letters and sentences from words. The thinking of the secret scientist is different; it is one that grasps units, surveys large contexts at once; it is lived experience, a vision of higher realities. Man forms a collective concept from details. The secret scientist gains an intuitive concept at once through inner experience and does not need to have so many individual experiences. It is like a person who has seen a lion, for example, and can form the concept of “lion.”
[ 5 ] So bekommt der Geheimwissenschafter auch den Begriff von astralen und mentalen Wesenheiten auf einmal, weil er die Dinge auf einmal schaut. Für alle geistigen Dinge gibt es Urbilder. So wie der Maler ein bestimmtes intuitives Bild im Kopfe haben und nach diesem Bild hundert Bilder malen kann, so gibt es auf den höheren Planen für alle Dinge Urbilder, die der Hellseher schaut. Das Lesen in den Urbildern der Dinge, in den geistigen Urgründen, nennt man im Okkultismus: Das Lesen im zehnblättrigen Buche. In jeder Geheimschule konnte man in diesem zehnblättrigen Buche lesen. Auch damals, als die Menschheit noch nicht mit einem physischen Leibe bekleidet war, konnte jeder in diesem Buche lesen.
[ 5 ] In this way, the secret scientist also gains the concept of astral and mental beings at once, because he sees things at once. There are archetypes for all spiritual things. Just as a painter has a certain intuitive image in his mind and can paint a hundred pictures based on this image, so there are archetypes for all things on the higher planes, which the clairvoyant sees. Reading the archetypes of things, the spiritual origins, is called in occultism: reading the ten-leafed book. In every secret school, one could read this ten-leaf book. Even back then, when humanity was not yet clothed in a physical body, everyone could read this book.
[ 6 ] Versetzen wir uns in die lemurische Zeit, in der der Mensch sich umkleidete mit einer physischen Hülle. Damals lebte er in Vorstellungen, die ganz bildlich waren. Nicht außen sah er Bilder, sondern in seinem Innern; in seiner Seele fühlte er, zum Beispiel wenn er sich einem anderen Menschen näherte, eine gewisse Wärme oder etwas wie helle Farbbilder aufsteigen. Es war wie ein lebhafter Traum, bildhaft, doch nicht bewußt. Nur die Lehrer und Führer der Menschen konnten alles auf einmal überschauen, was die anderen nur in Dämmerdunkel auf- und abwogen fühlten in der Seele. Ihr Schauen war nicht begrenzt, alles lag vor ihnen ausgebreitet wie ein Tableau; nur die Aufmerksamkeit brauchten sie darauf zu wenden. Dies ist die Vorstellung von jener allumfassenden Einheit, die sich den Eingeweihten und dem Geheimschüler bietet. Heute können wir nicht alles zugleich sehen, weil wir mit unseren Sinneswerkzeugen wahrnehmen. Einen Unterschied zum Beispiel zwischen New York und Berlin hätte man damals nicht gesehen. Wer außerhalb seines physischen Leibes sieht, bemerkt, daß Raumesunterschiede sich ihm nur durch seine Sinne darstellen. Die ganze heutige Wissenschaft besteht darin, daß sie sich aus Einzelheiten aufbaut, die zusammengefügt werden. Aber dasjenige, was in der geistigen Welt vorgeht, entdeckt man nicht nach und nach, sondern, wenn man eine gewisse Stufe der Erkenntnis erlangt hat, liegt alles offen da.
[ 6 ] Let us transport ourselves back to the Lemurian era, when humans clothed themselves in a physical shell. At that time, they lived in a world of images that were entirely pictorial. They did not see images externally, but internally; in their souls, they felt, for example, when they approached another person, a certain warmth or something like bright color images rising up. It was like a vivid dream, pictorial, but not conscious. Only the teachers and leaders of the people could see everything at once, which the others could only feel in the twilight of their souls. Their vision was not limited; everything lay spread out before them like a tableau; they only needed to turn their attention to it. This is the idea of that all-encompassing unity that presents itself to the initiated and the secret student. Today, we cannot see everything at once because we perceive with our sensory tools. For example, a difference between New York and Berlin would not have been seen at that time. Those who see outside their physical body notice that differences in space are only represented to them through their senses. All of today's science consists of building up details that are then put together. But what goes on in the spiritual world is not discovered bit by bit; rather, once a certain level of knowledge has been attained, everything lies open before us.
[ 7 ] Nun gibt es zehn Stufen, das sind die zehn Blätter des zehnblättrigen Buches, die ich Ihnen nun zunächst andeuten will.
[ 7 ] Now there are ten levels, which are the ten leaves of the ten-leaf book, which I will now begin to outline for you.
[ 8 ] Was steht auf dem ersten Blatt? Es enthält ungeheuer viel, aber man muß es erleben. Denken Sie sich eine Blume. Wenn wir in diesem Jahr eine Blume gepflanzt haben, so sehen wir, wie sie Wurzel getrieben hat, Stengel, Zweige, Blätter, Blüten sich entwikkeln und zuletzt das Samenkorn, der Keim, den wir wieder in die Erde legen. In diesem ganz kleinen Keim sehen wir nichts mehr von der Pflanze, aber sie ist in ihm enthalten, bis auf einen Punkt zusammengezogen. Sehen wir eine Tulpe an, wie sie in einen Punkt zusammengedrängt ist und wie sie sich wiederum ausbreitet. Wir sehen da das Wesen der Tulpe abwechseln zwischen großer Ausdehnung und einer Zusammenziehung ins Punktuelle, wie in ein Nichts zusammengedrängt. Dieses Sich-Ausbreiten und Sich-in-ein-Punktuelles-Zusammenziehen können wir in der ganzen Welt verfolgen, in der Natur und im Menschen. Auch ein ganzes Sonnensystem entfaltet sich, geht durch einen Schlafzustand, um wieder zu erwachen. Diese beiden Zustände nennt man in der Theosophie Manvantara = Sich-Ausdehnen, und Pralaya = In-einenPunkt-Zusammenschrumpfen. Es ist kein Unterschied für die äußere Wahrnehmung zwischen Keim von Sonnensystem und Blume; sie sind für den äußeren Sinn nicht vorhanden. Unser gegenwärtiges Weltensystem wird auch einmal zu einem solchen Punkte sich zusammenziehen; in diesem Punkt aber wird dann das ganze Leben zusammengedrängt sein, und es wird wieder aus ihm herausquellen. Versetzt man sich in dieses in einen Punkt zusammengedrängte mannigfache Leben der Welt, so hat man einen Begriff von der göttlichen schaffenden Kraft, die aus dem Nichts heraus schafft. Derjenige, welcher die Geheimnisse des Weltalls durchdringen will, muß lernen, seine Gedanken auf einen Punkt zu konzentrieren, aber nicht auf einen toten Punkt, sondern auf einen lebendigen Punkt, der zugleich nichts und alles ist. Es ist nicht leicht, sich in dieses allgemeine Schlafen der Natur zu versetzen, das ein Null-Leben, zu gleicher Zeit aber auch ein All-Leben ist; man muß es gefühlt, gedacht und gewollt haben. Nur wer dies durchdacht hat, kann die übrigen Blätter lesen.
[ 8 ] What is written on the first leaf? It contains an enormous amount, but one must experience it. Think of a flower. When we planted a flower this year, we saw how it took root, how the stem, branches, leaves, and blossoms developed, and finally the seed, the germ, which we put back into the earth. In this very small germ, we no longer see anything of the plant, but it is contained within it, contracted to a single point. Let us look at a tulip, how it is compressed into a point and how it spreads out again. We see the essence of the tulip alternating between great expansion and contraction into a point, as if compressed into nothingness. We can observe this spreading out and contracting into a point throughout the world, in nature and in human beings. Even an entire solar system unfolds, goes through a state of sleep, and then awakens again. In theosophy, these two states are called Manvantara = expansion, and Pralaya = contraction into a point. There is no difference in external perception between the seed of a solar system and a flower; they do not exist for the external senses. Our present world system will also shrink to such a point one day; but in this point, all life will then be concentrated, and it will spring forth from it again. If one imagines oneself in this manifold life of the world compressed into a single point, one has a concept of the divine creative power that creates out of nothing. Those who want to penetrate the mysteries of the universe must learn to concentrate their thoughts on a point, but not on a dead point, rather on a living point that is at once nothing and everything. It is not easy to put oneself in this general sleep of nature, which is a zero-life, but at the same time also an all-life; one must have felt it, thought it, and wanted it. Only those who have thought this through can read the remaining pages.
[ 9 ] Diese Einheit der Zeit, des Raumes und der Kraft zu erfassen, versinken darin, das ist das Lesen des ersten Blattes. In einer Strophe des Dzyanbuches finden Sie eine wunderschöne Beschreibung.
[ 9 ] To grasp this unity of time, space, and power, to sink into it, that is the reading of the first leaf. In a stanza of the Dzyan book you will find a beautiful description.
[ 10 ] Das zweite Blatt zeigt uns In aller Welt die Zweiheit. Überall, wo Sie in der Natur hingehen, finden Sie die Zweiheit: Licht und Schatten, positiv und negativ, männlich und weiblich, links und rechts, gerade und ungrade, gut und böse. Die Zweiheit ist tief begründet in der Natur alles Werdens, und wer die Natur verstehen will, muß sich diese Zweiheit in seinem Geiste ganz klarmachen. Erst wenn wir die Zweiheit im eigenen Leben sehen, kommen wir zum Verstehen der Welt. Der Geheimschüler muß sich zur Pflicht machen, in diesen Zweiheiten denken zu lernen. Er darf nie nur das eine denken, er muß immer beides miteinander denken. Wenn er zum Beispiel an sein Verhältnis zum Göttlichen denkt: In mir lebt ein göttliches Ich -, so stellt dieser Satz nur eines dar, zu dem als ein zweites gehört: und ich lebe in dem göttlichen Ich. Beides ist wahr. Der Geheimschüler muß sich sagen:
[ 10 ] The second leaf shows us duality in all the world. Wherever you go in nature, you will find duality: light and shadow, positive and negative, male and female, left and right, even and odd, good and evil. Duality is deeply rooted in the nature of all becoming, and anyone who wants to understand nature must make this duality clear in their mind. Only when we see duality in our own lives can we come to understand the world. The secret student must make it his duty to learn to think in these dualities. He must never think only one thing, he must always think both together. For example, when he thinks of his relationship to the divine: “A divine self lives within me” — this sentence represents only one thing, to which a second belongs: “and I live in the divine self.” Both are true. The secret student must say to himself:
[ 11 ] Der Mensch ist ein sinnliches Wesen, aber er wird sein ein geistiges Wesen; ich war einst ein geistiges Wesen und mußte ein sinnliches Wesen werden.
[ 11 ] Human beings are sensual beings, but they will become spiritual beings; I was once a spiritual being and had to become a sensual being.
[ 12 ] Nur dann kann man alle Wahrheit erkennen, wenn man sich die innere Pflicht auferlegt, nie in einer Einheit, sondern immer in der Zweiheit zu denken. Wenn der Mensch lernt, in diesen Dualitäten zu denken, dann denkt man erst richtig und sachgemäß.
[ 12 ] Only then can one recognize all truth, when one imposes on oneself the inner duty to never think in terms of unity, but always in terms of duality. When man learns to think in these dualities, then he thinks correctly and appropriately.
[ 13 ] Das ist das Lesen der zweiten Seite, des zweiten Blattes in dem zehnblättrigen Buche. In den alten deutschen Göttermythen und auch in gnostischen Büchern finden Sie diese Zweiheit wiederholt dargestellt. Gewisse rohe Vorstellungen haben sich ... [Lücke in den Aufzeichnungen] und sehen namentlich die Dualität zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen und führen alles auf diese Dualität zurück. Aber in Wahrheit ist das Männliche und das Weibliche nur ein Spezialfall für eine viel höhere Zweiheit. Und diesen Spezialfall zur Erklärung von allem zu nehmen, heißt, sich vor der geistigen Wirklichkeit die Augen zu verbinden und am Niedrigsten zu kleben.
[ 13 ] This is the reading of the second page, the second leaf in the ten-leaf book. In the old German myths of the gods and also in Gnostic books, you will find this duality repeatedly depicted. Certain crude ideas have ... [gap in the notes] and see in particular the duality between the masculine and the feminine and trace everything back to this duality. But in truth, the masculine and the feminine are only a special case of a much higher duality. And to take this special case to explain everything means to blindfold oneself to spiritual reality and to cling to the lowest level.
[ 14 ] Das dritte Blatt stellt die Dreiheit dar. Dreigliedrige Vorstellungen sind überall anzutreffen: Ein dreigliedriges Wesen ist der Mensch; er besteht aus Leib, Seele, Geist. Die Gnosis spricht von Vater, Wort und Geist. Ein Dreigliedriges tritt uns im Ägyptischen entgegen in den Gottheiten Osiris, Isis, Horus. Die Dreigliedrigkeit schließt ein wichtiges Geheimnis in sich. Wer sich gewöhnt, die Zweigliedrigkeit hinüberzuführen in die Dreigliedrigkeit, gewinnt eine Handhabe, die ihn zum Verstehen der ganzen Welt führt. Die Welt in ihrer Dreigliedrigkeit durchdenken, heißt: sie mit Weisheit durchdringen.
[ 14 ] The third sheet depicts the trinity. Threefold concepts are found everywhere: human beings are threefold beings, consisting of body, soul, and spirit. Gnosticism speaks of the Father, the Word, and the Spirit. We encounter a threefold concept in Egyptian mythology in the deities Osiris, Isis, and Horus. The threefold nature contains an important secret. Those who accustom themselves to transforming duality into triality gain a tool that leads them to understanding the whole world. To think through the world in its triality means to penetrate it with wisdom.
[ 15 ] Viertes Blatt: Pythagoräisches Quadrat. Der Mensch steht vor mir als Vierheit: er besteht aus Körper, Seele, Geist, und darin lebt das vierte, das Selbstbewußtsein. Daher sagt Pythagoras ... [Lücke in den Aufzeichnungen]. Die niiedrigerstehende Natur des Menschen entwickelt aus sich heraus die höhere. Das ist das Geheimnis der Vierheit, die sich aus der Dreiheit entwickelt. Diese Vierheit trifft man bei allen Wesen an. Die Wesen sind für den umfassenden Blick des großen Eingeweihten, der alle Zeiträume überschaut, alle gleich. Der Mensch ist eine Vierheit, die auf dem physischen Plane lebt. Der Löwe lebt nicht mit seiner Vierheit auf dem physischen Plan; hier hat er nur seine Dreiheit: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib, sein Ich lebt in der geistigen Welt als sein Viertes.
[ 15 ] Fourth sheet: Pythagorean square. Human beings stand before me as a fourfold entity: they consist of body, soul, spirit, and within them lives the fourth, self-consciousness. Therefore, Pythagoras says ... [gap in the notes]. The lower nature of human beings develops the higher nature from within itself. This is the secret of the fourfold entity that develops from the threefold entity. This fourfold entity is found in all beings. To the comprehensive view of the great initiate, who surveys all periods of time, all beings are the same. Man is a fourfold being living on the physical plane. The lion does not live with its fourfold nature on the physical plane; here it has only its threefold nature: physical body, etheric body, astral body; its I lives in the spiritual world as its fourth nature.
[ 16 ] Die höhere Natur erscheint nur auf niederer Stufe als die sinnliche Natur. Wenn der Mensch bis in die Fasern hinein seinen physischen Leib wird beherrschen können, wird er Atma werden; wird er den Ätherkörper beherrschen, so wird er Budhi sein, wird er den Astralkörper beherrschen, wird er Manas sein. Das ist die Vierheit: die drei Glieder der niederen Natur, die einst zur höheren Natur umgewandelt sein werden. Die Vierheit ist bei allen Wesen vorhanden, die auf der Welt anzutreffen sind. Für das Auge des Sehers, der große Zeiträume überschauen kann, sind alle Wesen gleich, nur für ... [Lücke in den Aufzeichnungen] verschieden.
[ 16 ] Higher nature appears only at a lower level than sensual nature. When human beings are able to control their physical body down to its very fibers, they will become Atma; when they control their etheric body, they will become Budhi; when they control their astral body, they will become Manas. This is the fourfold nature: the three members of the lower nature, which will one day be transformed into the higher nature. The fourfold nature is present in all beings that can be found in the world. To the eye of the seer, who can see across great periods of time, all beings are the same, only different for ... [gap in the records].
[ 17 ] Wodurch unterscheidet sich ein Löwe von einem Menschen? Vor dem menschlichen Auge ist ein Löwe niedriger als ein Mensch, weil der Mensch einen begrenzten Blick hat. Er lebt heute auf dem physischen Plan, während der Löwe seinen Geist im mentalen und seine Seele im astralen gelassen hat.
[ 17 ] How does a lion differ from a human being? To the human eye, a lion is lower than a human being because humans have limited vision. They live today on the physical plane, while lions have left their spirit in the mental plane and their soul in the astral plane.
| Human being | Lion |
|---|---|
| 4 mental | 4 Ich (kommt aus der geistigen Welt) |
| 3 astral | 3 astral |
| 2 etheric | 2 etheric |
| 1 physical | 1 physical |
| Human being | Lion |
|---|---|
| 4 mental | 4 I (comes from the spiritual world) |
| 3 astral | 3 astral |
| 2 etheric | 2 etheric |
| 1 physical | 1 physical |
[ 18 ] Auch die Pflanze und auch das Mineral haben ihre Vierheit. Die Pflanze ist nur mit dem physischen Leib und dem Ätherleib auf dem physischen Plan. Pflanze und Mineral haben die anderen Teile ihrer Vierheit in der geistigen Welt. Aber eine Vierheit haben Menschen, Tier, Pflanze und Mineral. Diese muß der Schüler des Okkultismus immer innerlich miterleben, wenn er das vierte Blatt lesen will.
[ 18 ] Plants and minerals also have their fourfold nature. Plants are only on the physical plane with their physical body and etheric body. Plants and minerals have the other parts of their fourfold nature in the spiritual world. But humans, animals, plants, and minerals all have a fourfold nature. Students of occultism must always experience this inwardly if they want to read the fourth leaf.
[ 19 ] Fünftes Blatt: Beim Lesen des fünften Blattes enthüllt sich alles dasjenige, was der Mensch aus sich herausprojiziert, wie ein Schattenbild in die Welt wirft. Das ist mehr als die bloße Vierheit. Er fängt an zu verehren. Man nennt das Idolatrie. Der Mensch ist ein denkendes, ein vorstellendes Wesen. Wenn er anfängt, über die Dinge nachzudenken, schreibt er ihnen göttliche Ursachen zu. Mythen entstehen, in denen der Mensch das Übersinnliche in Zusammenhang bringt mit dem Sinnlichen. Die Welt der Mythen und Sagen stellt in mannigfacher Weise die Kulturen der alten Völker dar. Dieser ganze Prozeß liegt vor dem Eingeweihten, und es kommt der Moment, wo er anfängt, den Faden zu begreifen, der sich durch alle Mythen zieht.
[ 19 ] Fifth leaf: When reading the fifth leaf, everything that humans project out of themselves is revealed, like a shadow image cast into the world. This is more than mere four-foldness. He begins to worship. This is called idolatry. Man is a thinking, imagining being. When he begins to think about things, he attributes divine causes to them. Myths arise in which man connects the supersensible with the sensible. The world of myths and legends represents the cultures of ancient peoples in many ways. This whole process lies before the initiate, and there comes a moment when he begins to grasp the thread that runs through all myths.
[ 20 ] Das Pferd zum Beispiel, was bedeutet es? Es stellt ein Wesen dar, das auf einer gewissen Stufe zurückgeblieben ist, über die der physische Mensch in seiner Entwicklung hinausgeschritten ist. Aber es gab einen Moment in der hyperboräischen Zeit, da mußte der Mensch zuerst die Anlage zur Klugheit entwickeln. Anlagen entwickeln sich lang vorher. Nun habe ich Ihnen gesagt, daß alle Höherentwicklung erkauft werden muß dadurch, daß ein anderes zurückbleibt. Wenn eines steigen will, muß das andere sinken. Damals, als der Mensch die Anlage zur Klugheit entwickelte, war das nur dadurch möglich, daß die Menschennatur das aus sich heraussonderte, was dann im späteren Verlauf die Pferdenatur entwikkelte. In der atlantischen Zeit entwickelte sich das Pferd und der Mensch hatte einen Instinkt dafür, daß seine Entwicklung zusammenhing mit dem Pferd. Dieser Instinkt wurde in der späteren Zeit zur Mythe. Der Atlantier hatte ein instinktives Bewußtsein von der Verwandtschaft seiner Klugheit mit dem Pferd, und daher wurde in der ersten Epoche der nachatlantischen Zeit das Pferd als Symbol der Klugheit verehrt. Die ersten nachatlantischen Epochen hatten die Klugheit auszubilden. Deshalb werden in der Apokalypse, als die sieben Siegel abgenommen sind, Pferde vorgeführt. Odysseus ersinnt ein hölzernes Pferd.
[ 20 ] The horse, for example, what does it mean? It represents a being that has remained at a certain stage that physical man has outgrown in his development. But there was a moment in the Hyperborean epoch when man first had to develop the capacity for intelligence. Capacities develop long before. Now I have told you that all higher development must be purchased by something else remaining behind. If one wants to rise, the other must sink. At that time, when human beings developed the capacity for intelligence, this was only possible because human nature separated from itself what later developed into the nature of the horse. In the Atlantean epoch, the horse developed, and human beings had an instinctive sense that their development was connected with the horse. This instinct became a myth in later times. The Atlanteans had an instinctive awareness of the relationship between their intelligence and the horse, and therefore, in the first epoch of the post-Atlantean period, the horse was revered as a symbol of intelligence. The first post-Atlantean epochs had to develop intelligence. That is why horses are presented in the Apocalypse when the seven seals are removed. Odysseus devises a wooden horse.
[ 21 ] Zum Verständnis der Mythen ist dreierlei notwendig: Zuerst muß man die Mythe dem Buchstaben nach nehmen, zweitens sie sinnbildlich auffassen — das geschieht in den Religionen -, drittens muß man sie in einem höheren Sinne wieder wörtlich verstehen. Wenn dieser wunderbare Zusammenhang vor dem intuitiven Auge auftritt, heißt das: das Lesen des fünften Blattes.
[ 21 ] Three things are necessary for understanding myths: First, one must take the myth literally; second, one must understand it symbolically — as is done in religions; third, one must understand it literally again in a higher sense. When this wonderful connection appears before the intuitive eye, it means reading the fifth leaf.
[ 22 ] Sechstes Blatt: Dieses enthält die Geheimnisse über das, was der Mensch als das Übersinnliche erkennt und zu dem er hinstrebt. Die Ideale, die der Mensch aus seiner Natur selbst heraus schafft, sind auf diesem sechsten Blatt verzeichnet, zum Beispiel die großen Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Das Zusammenschließen der menschlichen Natur mit etwas, was noch nicht da ist, was sich der Mensch erst erringen muß, ist auf diesem sechsten Blatt, das Schaffen, das Wollen über sich selbst hinaus. «Den lieb ich, der Unmögliches begehrt». Der Mensch lernt hinschauen auf Zukunftszustände der Menschheit, er lernt zu sehen die Keime der Zukunft in der Gegenwart. Der Eingeweihte kann in dem sechsten Blatt so lesen, wie Johannes in der Apokalypse die Zukunftszustände der Menschheit beschrieben hat.
[ 22 ] Sixth leaf: This contains the secrets of what humans recognize as the supernatural and to which they aspire. The ideals that humans create from their own nature are recorded on this sixth leaf, for example, the great ideals of freedom, equality, and brotherhood. The union of human nature with something that is not yet there, something that man must first achieve, is on this sixth leaf: creation, the will to transcend oneself. “I love him who desires the impossible.” Man learns to look at the future states of humanity; he learns to see the seeds of the future in the present. The initiate can read in the sixth leaf how John described the future states of humanity in the Apocalypse.
[ 23 ] Siebentes Blatt: Da lernt der Schüler das Geheimnis und die Bedeutung der Siebenzahl verstehen. Die Dinge entwickeln sich in der Siebenzahl, weil die Drei, von der sie ausgeht, noch einmal wiederholt wird, und selbst sind sie das Siebente. Der Mensch muß lernen, sich zu sagen: Ich bestehe aus der Dreiheit, aus ihr soll hervorgehen eine höhere Dreiheit; das ist die Sechsheit. Ausgehend von der Dreiheit, kehrt er zurück zu einer höheren Dreiheit, der Sechsheit. Er selbst ist der Siebente. Diesen Vorgang verstehen, heißt das siebente Blatt lesen.
[ 23 ] Seventh leaf: Here the student learns to understand the mystery and meaning of the number seven. Things develop in the number seven because the three from which they originate is repeated once more, and they themselves are the seventh. Man must learn to say to himself: I consist of the trinity, from which a higher trinity shall emerge; that is the sixfold. Starting from the trinity, he returns to a higher trinity, the sixfold. He himself is the seventh. To understand this process is to read the seventh leaf.
[ 24 ] Vom achten, neunten und zehnten Blatt wollen wir das nächstemal sprechen. Eine Allegorie ist das zehnblättrige Buch, es faßt in wenigen Worten zusammen, was man sonst lange beschreiben müßte. Abbreviatur von dem, was umfassendes Leben hat.
[ 24 ] We will talk about the eighth, ninth, and tenth leaves next time. The ten-page book is an allegory; it summarizes in a few words what would otherwise take a long time to describe. It is an abbreviation of what has comprehensive life.
[ 25 ] Paracelsus sagt: Der Arzt muß die ganze Natur lesen, er muß in der Natur Examen gehen, und aus den einzelnen Buchstaben zusammenfassen das Wort und nicht die Weisheit nur aus Büchern schöpfen.
[ 25 ] Paracelsus says: The physician must read all of nature, he must take exams in nature, and from the individual letters he must summarize the word, and not draw wisdom only from books.
[ 26 ] In unserer Zeit mußte das Spirituelle zurücktreten; das mußte so sein, um die großen Eroberungen des physischen Planes möglich zu machen, um vollkommen zu werden in der Beherrschung der Sinneswelt. Jetzt ist der Zeitpunkt nahe, wo die Menschheit wiederum sich spirituell vertiefen muß. Der Mensch eilt gegenwärtig auf dem physischen Plan einem Stadium zu, das nicht ertragen werden könnte, wenn nicht das spirituelle Leben sich wieder entwickelte. Ein Bild, wie nötig der Mensch es hat, sich spirituell zu vertiefen: Sie kennen die ungeheuren Fortschritte zum Beispiel der Elektrizitätslehre; mit diesen Kräften ist eine ungeheure Kraft verknüpft, die es möglich machen wird, daß der Mensch diese Kräfte mißbraucht. Der Mensch wird, und zwar in nicht allzuferner Zeit, Herr sein über furchtbare Kräfte, die er auf dem physischen Plan wird wirken lassen. Er wird zum Beispiel Detonationen, Explosionen an entfernten Orten erzeugen können, ohne daß jemand imstande sein wird, den Urheber zu erkennen. Macht wird die Menschheit haben. Und wehe, wenn der Mensch dann moralisch nicht auf der Höhe steht und diese furchtbaren Kräfte nicht nur und ausschließlich zu guten Zwecken gebraucht! Diese Zeit haben die Lenker der Menschheit, die Meister, vorausgesehen, und es ist die Mission der theosophischen Lehre, die Gemüter vorzubereiten auf das Kommende, sie zu warnen, ihnen den Weg und das Ziel zu zeigen.
[ 26 ] In our time, the spiritual had to take a back seat; this had to be so in order to make possible the great conquests of the physical plane, in order to become perfect in the mastery of the sensory world. Now the time is near when humanity must once again deepen spiritually. Humanity is currently rushing toward a stage on the physical plane that could not be endured unless spiritual life were to develop again. An illustration of how necessary it is for man to deepen spiritually: you are familiar with the tremendous advances in electrical science, for example; these forces are associated with an enormous power that will make it possible for man to misuse them. In the not too distant future, human beings will be masters of terrible forces that they will be able to wield on the physical plane. For example, they will be able to cause detonations and explosions in distant places without anyone being able to identify the perpetrator. Humanity will have power. And woe betide us if humanity is not morally up to the task and does not use these terrible forces solely and exclusively for good purposes! The leaders of humanity, the masters, have foreseen this time, and it is the mission of theosophical teaching to prepare minds for what is to come, to warn them, to show them the way and the goal.
