Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a

22 June 1904, Berlin

34. Arten, um zum Wissen und Wollen zu Kommen

[ 1 ] Der Erfinder hat eine Idee - zum Beispiel der Uhr - im Kopf, dann sucht er Gerätschaften. Ist die Uhr fertig, so weiß er, wie sie gemacht wird, er hat Kenntnis der Uhr. Die Idee ist vorangegangen, [dem folgt] die Ausführung in physischer Tatsächlichkeit. Aus dem mentalen Plan wurde die Idee geschöpft, dann versetzt in den physischen Plan. Nehmen wir an, der Uhrmacher sei gestorben. Ein anderer, um die Uhr nachzumachen muss Stück für Stück nehmen und dann die Gesetze studieren, um andere zu formen. Also zuerst die Betrachtung, dann wird die Idee abgeleitet, um zu formen. Es gibt also zwei Arten, Erkenntnis zu schöpfen: wo die Idee originaliter liegt oder aus Betrachtung geschöpft wird.

[ 2 ] Im Kosmischen liegt allem die Idee zugrunde. ‹Mahat› nennen wir sie, den universellen Geist, nach dem alles Physische zusammengesetzt ist. Die Wesen, die anstelle des Uhrmachers sind, können noch nicht auf dem physischen Plan wirken. ‹Dhyanis›, sie haben die Ideen zum physischen Plan, sie würden andere unterrichten, so wie der Erfinder, wenn er nicht gleich gestorben wäre.

[ 3 ] Zweifache Art des Unterrichts: Ursprüngliche Art des Unterrichts, dass die rein geistigen Naturen - Dhyanis - die Ideen ins Mentale unmittelbar versetzen, der vorangehenden Rasse; ein Unterrichten durch unmittelbares Übertragen der Intuition. Die ersten Menschen wurden also so unterrichtet, wie man von den Schöpfern unterrichtet wird; später so wie von denen, die an Objekten des physischen Plans gelernt haben. Auch von dieser Art des unmittelbaren Einfließens ist ein Rest enthalten in der Natur. Wie heute der Biber baut, seinen Damm so anlegt, dass ein Ingenieur den Winkel mit aller Verstandeskunst nicht besser anlegen könnte. Der Biber hat diese Art der Aufnahme in degeneriertem Zustande. Es gab einen Zustand, wo die Menschen ebenso die Weisheit bekamen und sich ihre Baue zurechtlegten. Moeris-See, nicht mehr vorhanden, aber einst künstlich gebaut in Ägypten, mit einem Kanalisationssystem, wie es heute nicht erfunden werden könnte. Die Menschheit hat einst mehr gekonnt, aber auf andere Art, das sie nicht in mathematischen Formen in abstrakten, sondern in symbolischen Formen aufzeichnen konnten. Ein unmittelbares Einfließen des Mahat; ein Herausziehen aus dem physischen Plan Manas aus Mahat.

[ 4 ] Heute muss man sorgfältig berechnen, wie Balken gelegt werden sollen; damals tastete er an, konnte mehr tun in Bezug auf den Unterricht; die unmittelbare Telepathie von Mensch zu Mensch - ein Einströmen des Willens in die Zirbeldrüse. Bei alten Völkern noch ähnliche Einrichtungen, die sinnlos scheinen: [Couvade,] das Kindbett des Mannes. Meinung, dass dies für das Kind eine entsprechend günstige Bedeutung hat, stammt von der Zeit, in der die psychischen Kräfte noch lebhaft wirkten, sodass die psychischen Vorgänge von Seiten des Mannes ebenso wirkten wie die physischen von Seiten der Frau. [Couvade:] ein Ruhen, Konzentrieren der psychischen Kräfte des Vaters zum Wohle des Kindes.

[ 5 ] Es findet ein Abstieg statt, eine andere Art von Wissens- und Willensübertragung, und muss von unten herauf wieder erobert werden. Keine Aufnahme war damals von den Sinnen nötig, um Mahat aufzunehmen; der Führer der Rasse braucht also kein verfeinertes Verstandesorgan zu haben, sondern das dritte Auge. Dies ist die Organisation des Menschen-Löwen. Er ist mehr differenziert; Spiritualität einerseits, tierische Natur andererseits.

[ 6 ] Die Lehrart von unten beginnt - Spiritualität ist gröber geworden. Sie beginnt mit der Empfindung; Mahat fängt an von außen einzudringen. Durch die Sinne fließt der Weltverstand ein. Dadurch wird der äußere Eindruck für ihn ein Anlass, nachzudenken. Sein Verstand ist noch sehr gering, erste Regung; der Mensch, der auf der höchsten Stufe dann steht, der Führer, wird überall die Schrift des Weltengeistes lesen, Gedächtnis hat er aber noch nicht. Dieser zwerghafte Geist, der auf das Firmament blickt - der Astrologie aus den Empfindungseindrücken ableitet -, wird als Avatar, durch den Zwerg symbolisiert: erstes Anschauen von Mahat aus dem Verstand heraus. Man vergaß gleich, aber sah auf den Grund, nicht ergrübeln, erdenken, sondern anschauen.

[ 7 ] Astrologie und Alchemie, das Absehen vom Gegenstand, was er für Gesetze hat.

[ 8 ] 1. Erst kommt also Mahat von außen durch die Empfindung, drinnen entwickelt.

[ 9 ] 2. Durch die Vorstellung, wo er die Empfindung festhält, gedächtnismäßig; der Mensch wird Mahat erst empfangen, wenn er durch die Vorstellung an ihn herantritt.

[ 10 ] Das hat zwei Stufen, nämlich das Aufgehen von Mahat in der Vorstellung.

[ 11 ] Die Rama-Entwicklung: erstens den Rama des Mittelpunktes und zweitens den des entwickelten Vorstellungslebens.

[ 12 ] Das nächste ist, dass der Mensch schon Begriffe heranbildet.

[ 13 ] Zum Beispiel Tollkirschen, an der äußeren Erfahrung ist die Vorstellung herangebildet. Tollkirschen sind nicht essbar; Begriff: Wo solch ein Stoff ist, ist der Gegenstand nicht essbar.

[ 14 ] Avatar - Krishna, der die Welt mit Ideen erfüllt, die für den physischen Plan gelten, überall anwendbar sind, für ihn zugeschnitten, obgleich sie hoch über ihm schweben.

[ 15 ] Nachdem der Mensch bis zur Bildung der Ideen herangewachsen ist, offenbart sich wieder die Weisheit, der Urquell der Ideen, aus dem die Welt herausgeflossen ist. Er nimmt die Idee selbst wahr: Führer der Buddha, für eine Menschheit taugend, die ganz auf dem physischen Plan lebt, aber schon zur Spiritualität heransteigt.

[ 16 ] Mythologie, der Sternenhimmel vom Weisen angeschaut, bevölkert, verkommt zum Götzendienst und steigt auf der andern Seite als Ideenlehre auf.

[ 17 ] Reinheit der Bhagavad Gita, mit Idee erfüllt, die Mythologie verlassend, verkommt auf der einen Seite zum Mystizismus und steigt auf der andern Seite zur Weisheit auf, — niedersteigend zum vollkommenen Materialismus und Mechanismus, aufsteigend zum Christentum.