Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis II
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90b
30 Januar 1905, Berlin
4. Die Apokalypse und theosophische Kosmologie I
[ 1 ] Wenn man den tiefen Sinn so bedeutender Werke wie der ApokaIypse verstehen will, dann muss man einen tiefen Einblick erhalten in den Weltenbau und in die ganze Entwicklung der Welt. Deshalb habe ich für die Zeit, in der ich nicht anwesend sein konnte, Fräulein von Sivers gebeten gehabt, durch einige Stunden die Evolutionslehre, die Lehre von der Entwicklung der verschiedenen Welten, die mit unserer Erde irgendwie in einer Beziehung stehen, einmal hier durchzusprechen. Es hat sich dabei selbstverständlich ergeben, dass in der Art und Weise, wie die Entwicklung hier vorgebracht worden ist, etwas Individuelles gesehen wurde. [Es ist durchaus in meinem Sinne geschehen, in welchem ich darüber Forschungen selbst angestellt habe.]
[ 2 ] Bevor wir überhaupt in irgendeiner Weise ersprießlich vorwärts rücken können in der Apokalypse - an die wir bald wieder herantreten können, wo Sie sehen werden, welche Tiefen darin enthalten sind, überhaupt im esoterischen Christentum enthalten sind -, müssen wir uns zuerst über gewisse Begriffe unseres Erd- und Sonnensystems klar werden. Deshalb werde ich selbst einige Einschiebungen über die Entwicklung unseres Planeten und unseres Sonnensystems machen. Wir kommen da zu recht schwierigen Partien der theosophischen oder mystischen Lehre, und ich muss daher einiges vorausschicken über die Art und Weise, wie Sie so etwas aufzufassen haben.
[ 3 ] Vor allen Dingen seien Sie sich darüber klar, dass die Apokalypse zu den bedeutendsten und tiefsten Werken der Welt gehört, dass die allergrößten Geheimnisse darin enthalten sind. Und außerdem seien Sie sich darüber klar, dass eine Erklärung der Apokalypse etwas außerordentlich Schwieriges ist, weil in der Gegenwart so wenig Vorbereitung für ein solches Verständnis vorhanden sein kann. Es ist im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts in Europa kaum eine Erklärung der Apokalypse gegeben worden. Erst jetzt, nach längerer Zeit, sind wir imstande, wieder von der Apokalypse zu sprechen. Seien Sie sich bewusst, dass die Erklärung der Apokalypse, wie wir sie geben, mit den allertiefsten Geheimnissen zusammenhängt, und Sie daraus in unserer Zeit etwas hören, was dem Menschen durch den Gang der Geistesentwicklung und durch den allgemeinen Weltengang verschlossen war. Man muss mit sich selbst nachsichtig sein, wenn nicht alles von Anfang an klar und durchsichtig sein kann. Es ist nicht möglich, dass das Schwierige von Anfang an klar ist.
[ 4 ] Die letzte Erklärung der Apokalypse gehört zu den tiefsten Geheimnissen der Einweihung, und der Schleier von dem, was heute gehoben werden kann, ist schon außerordentlich tiefliegend. Wir könnten nicht weiterrücken, wenn wir nicht einiges einfügten über das Weltensystem, mit dem unsere Erde zusammenhängt.
[ 5 ] In Anknüpfung an die Dinge, die in meiner Abwesenheit besprochen worden sind, möchte ich einiges voraussenden. Fräulein von Sivers hat die Erd- und Sonnenentwicklung so vorgetragen, wie ich sie in der Lage bin vorzutragen. Die Ansichten stehen sich aber nur scheinbar bei den verschiedenen okkulten Forschern auf diesem Gebiet gegenüber. Nur dürfen Sie nicht glauben, dass, wenn etwas sich scheinbar widerspricht, das schon ein wirklicher Widerspruch ist. Wenn also Herr Schouten glaubt, einen Widerspruch zu finden zwischen dem, was hier vorgetragen worden ist und dem, was er weiß von unserem sehr verehrten Genossen Leadbeater, so bedarf das natürlich im Ganzen einer Art von Beleuchtung, wie man solche Sachen aufzufassen hat; wir werden das im Einzelnen besprechen. Vor allem halten Sie fest, dass kein praktischer Mystiker darauf Anspruch macht, ein allgemeingültiges Dogma vorzutragen. Diesen Anspruch machen nicht Leadbeater und auch ich nicht. Jeder trägt vor, was er als solche Beobachtungsresultate vorzubringen in der Lage ist. Und was hier vorgebracht wird, fassen Sie bitte nicht anders auf als eine Erzählung, die jemand gibt von dem, was er erfahren hat. Darüber kann geredet werden, das macht keinen Anspruch auf dogmatischen Wert, das sind keine Lehrsätze. Zunächst könnte man einwenden: Wenn sich verschiedene Forscher auf diesem Gebiet widersprechen, wie soll man überhaupt zu einer Klarheit kommen? $o liegt aber die Sache nicht. Wenn Sie Reisebeschreibungen der verschiedensten Gegenden lesen, so werden Sie sehen, wie verschieden schon diese Beschreibungen sind. Und so verschieden wie diese Beobachtungen sind, so verschieden sind auch die Beobachtungen der okkulten Forscher. Bei einiger Verständigung, die auf diesem Gebiete aber schwierig ist, kommt man immer, und zwar ausnahmslos, zu ganz denselben Ergebnissen. Niemals gibt es einen wirklichen Widerspruch zwischen zwei okkulten Forschern, wenn sie beide in der nötigen objektiven Weise zu Werke gehen, mit allen Mitteln der okkulten Forschung wirklich arbeiten.
[ 6 ] Allerdings macht man sich vielleicht gar keinen Begriff von der Art und Weise, wie auf diesem Gebiete überhaupt Forschungen zustande kommen. Ich möchte hier zunächst einmal von dem Fall sprechen, der hier besprochen worden ist, nämlich von dem Fall, der einen Differenzpunkt ausmacht - nicht in der übrigen Esoterik, aber in der jüngeren Strömung, die sich in der theosophischen Bewegung zum Ausdruck gebracht hat [wie bei Sinnett, Leadbeater und Blavatsky]. Die theosophische Bewegung ist im Verhältnis zur okkulten Bewegung eigentlich eine sehr junge Bewegung. Im Jahr 1875 wurde sie gegründet. Der Okkultismus aber ist Jahrtausende alt. In Europa gab es dieselben Lehren, wie sie die Theosophie bringt; die Theosophie gab es in Europa auch, nur im achtzehnten Jahrhundert ist sie etwas zurückgetreten, weil der Materialismus nicht gestattete, dass man von diesen Dingen sprach. Der Materialismus ist etwas, was verscheuchend auf die heilige Wissenschaft des Okkultismus wirkt.
[ 7 ] Innerhalb der theosophischen Bewegung selbst tritt in Bezug auf diese Lehre von der Entwicklung unserer Erde ein scheinbarer Widerspruch auf. Als zum ersten Mal die großen Lehrer der theosophischen Bewegung, die wir die Meister nennen, etwas von dem geheimen Wissen europäischen Schülern, sogenannten Laien-Chelas, mitteilten, da war es tatsächlich dieser europäische Laien-Schüler, unser verehrter Freund Sinnett, der das erste wirkungsvolle Buch «Esoterischer Buddhismus» nach den Mitteilungen des Meisters geschrieben hat. Es war diesem Laienschüler sehr viel unklar. Das konnte nicht anders sein, denn das ganze europäische Denken unterscheidet sich ganz wesentlich von der Art und Weise des Denkens eines wirklichen Okkultisten, eines wirklichen Esoterikers. Derjenige, der mit europäischen Kulturbegriffen ausgerüstet ist - und Sie dürfen nicht vergessen, dass der jetzige Mensch ganz in den Vorurteilen der heutigen Zeit aufwächst -, versteht schr leicht falsch, was der Esoteriker sagt, weil er es übersetzt in seine vom Materialismus hergenommenen Begriffe. So lag zunächst ein gewisses Missverhältnis zugrunde, als der erhabene Meister an Sinnett durch die Vermittlung von Helena Petrovna Blavatsky die ersten Lehren über die Entwicklung unserer Erde gab.
[ 8 ] Unsere Erde hat nämlich unseren jetzigen Zustand erreicht, nachdem sie vorher durch einen ganz anderen Zustand hindurchgegangen ist, und sie wird, wenn sie diesen jetzigen Zustand durchgemacht hat, wieder in einen anderen Zustand übergehen. Wir können das so aussprechen, dass wir sagen: Die Erde macht Verwandlungen durch. Die ersten Theosophen haben sich diese drei Metamorphosen - den Zustand unserer Erde, der dem jetzigen vorangegangen ist, den jetzigen Zustand und den, der darauf folgt - dadurch veranschaulicht, dass man drei Kugeln gezeichnet hat, die man auch Globen genannt hat.
[ 9 ] Der Esoteriker bezeichnet als «Erde» nicht das, was Gesteins- und Metallkomplexe sind, sondern er bezeichnet als Erde auch das, was zu der Erde gehört: die mineralische Welt, die Pflanzenwelt, die Tier- und die Menschenwelt. Dann haben wir uns diese Erde vorzustellen so, dass sie hervorgeht aus einem früheren Zustand. Den müssen Sie sich auch nicht so vorstellen wie die jetzige Erde, sondern so, dass Sie sich die damalige Erde in einer viel feineren Materie, gar nicht in einer physischen Materie vorstellen, sondern in einer Materie, die etwa so vorzustellen ist wie dasjenige, was wir menschlichen Astralkörper nennen, der den Menschen in Form einer Wolke einhüllt und durchtränkt. Aus solcher Materie bestand die damalige Erde. Dieser Zustand hat sich verdichtet zu unserm jetzigen physischen Zustand. Man hat ihn daher den unserer Erde vorangehenden astralen Globus genannt. Der nachfolgende, in den sich unsere Erde verwandeln wird, ist wiederum hinsichtlich der Materie ähnlich beschaffen wie dieser Zustand, er ist auch astralisch. Zum Unterschied von dem astralen Globus nennt man den dritten Globus den plastischen, aus dem Grunde weil, wenn Sie die Erde betrachten in diesem astralen Zustande, sie sich Ihnen undifferenziert zeigt, eine Masse, in welcher man viel weniger Wesenheiten unterscheiden kann als in dem dritten Globus.
[ 10 ] Vor allen Dingen werden Sie aber den Unterschied sehen, wenn Sie die Menschen betrachten. Auf allen drei Globen ist der Mensch vorhanden. Auf dem ersten Globus war der Mensch in einem solchen Zustand, dass er ganz abhängig war von den äußeren, auf ihn einwirkenden Kräften. Der Mensch in unserer Zeit, auf unserer physischen Erde, hat seine Hände, seine Beine, er kann gehen, kann sich bewegen, kann den Mund bewegen - das liegt heute alles in seiner Willkür. Das war auf dem astralen Globus noch nicht in demselben Maße vorhanden; der Mensch war damals noch viel mehr Automat. Er gab das wieder, was äußere Kräfte in ihm anregten. Er bewegte seine Hände, weil äußere Reize auf ihn einwirkten. Er war den äuReren Reizen anheimgegeben. Das ist anders geworden, der Mensch ist selbstständiger geworden auf dem Globus, den wir unsere Erde nennen. Und das wird noch anders sein, wenn wir auf dem dritten, dem plastischen Globus sein werden. Der physische Leib ist da verschwunden, die Erde ist in Auflösung, Verdunkelung ist eingetreten. Dann wird der Mensch nicht nur seine Glieder bewegen können, sondern er wird imstande sein, seine eigene Gestalt nach Willkür zu formen, sodass der Mensch - während er heute eine bleibende Physiognomie hat — nicht imstande sein wird, durch seine Physiognomie seine Gefühle zu verbergen. In seinem äußeren Aussehen wird er einen unmittelbaren Siegelabdruck geben von dem, was in seinem Inneren lebt. Wir werden imstande sein, unsere Hände zu verlängern, nicht nur zu bewegen. Der Mensch wird imstande sein, sich plastisch von innen heraus selbst zu bilden. Seine Form wird das Ergebnis dessen sein, was in seinem Innern lebt. Das Leben wird sich in der Form mehr zum Ausdruck bringen.
[ 11 ] Diese drei Entwicklungsstadien sind nicht die einzigen, welche unsere Erde durchmacht. Diesem astralen Globus ging ein anderer voran, und dem plastischen wird wiederum ein anderer folgen. Während hier [auf dem astralen Globus] die Wesenheiten, mit denen wir es zu tun haben - also auch die Menschen -, in einem Stoffe sind, der unserem Astralkörper gleichkommt, so ist hier [auf dem Globus, der dem astralen voranging] der Mensch und alle Wesenheiten, überhaupt die ganze Erde, in einer Materie, die der mentalen Aura, dem Denkkörper des Menschen gleichkommt. Es ist auf diesem Globus alles von äußeren Reizen abhängig. Aber das kommt nicht in unserer astralen Materie zum Vorschein. Was hier lebt, könnte man niemals sehen, auch nicht mit den Sinnen des Hellsehers. Da gibt es nur zu vernehmen, was der ‹Hellhörer› vernehmen kann. Alles ist geistiger Ton. Die geistigen Töne schwirren auf diesem Globus nur so durcheinander und sind dasselbe, was auf dem astralen Globus das Ineinanderfluten der Farben ist. Es ist ein Globus, den man den Rupa-Globus nennt. Das ist die Form, die wir auf unserer Erde im physischen Zustande in den Luftwellen kennen. So ist die unendlich feine Materie, aus der unsere Gedanken geformt sind. Nur Gedankenmaterie war damals auf der Erde vorhanden, als sie in diesem Zustande war. Dieser Globus ging allmählich durch Verdichtung in den astralen Globus über. ‹Rupa› heißt Form.
[ 12 ] In einem ähnlichen Zustand wird der Mensch wieder sein, wenn er den plastischen Zustand durchgemacht hat. Auf dem plastischen Globus bringen sich die Leidenschaften und Gefühle außerordentlich plastisch zum Ausdruck, während hier [auf dem intellektuellen Globus] in dem höheren Zustand alles in Tönen zum Ausdruck kommt. Diese Tonwelt, in der der Mensch leben wird, wird sich von der Tonwelt [absteigender] Linie [des Rupa-Globus] wesentlich unterscheiden. Wenn sich der Hellseher innerhalb dieses Globus versetzt und die ganze Tonwelt wahrnimmt, so nimmt er etwas wahr, was dem gleicht, das Sie hören, wenn Sie in einem Saal sitzen, in dem eine Symphonie gespielt wird, das aber ein rein Geistiges ist, das nicht mit physischen Ohren gehört wird. Während Sie [auf dem Rupa-Globus] absteigend etwas wie eine Symphonie wahrnehmen, nehmen Sie [auf dem intellektuellen Globus] aufsteigend Worte wahr, eine artikulierte Tonwelt mit dem Ausdruck der im Menschen lebenden Gedanken- und Vorstellungswelt.
[ 13 ] Diesen beiden Globen geht je ein anderer voran - einer absteigend, einer aufsteigend. Das sind die Arupa-Globen. Sie sind formlos. Die Menschen waren dazumal so vorhanden, dass von ihnen in dieser ganzen Welt, die noch feiner ist als die Rupa-Welt, nichts anderes lebte als einzelne Töne, mit einem ganz bestimmten Timbre. Diese einzelnen Töne, die noch nicht zusammenstimmten, die [- wenn man so sagen darf -] noch nicht zu Melodien sich formten, sondern als einzelne Töne lebten, waren ganz wesenhaft. Unter diesen Wesen waren einzelne Grundwesenheiten der Pflanzen und Tiere und vor allem war auch jeder Mensch, wie er heute ist, schon vorhanden als ein Ton. Jeder Mensch hatte damals einen anderen Ton. Dadurch ist der Mensch ein Wesen, das sich von anderen unterscheidet. Dieser Ton, mit ganz bestimmter Färbung, ist der Mensch wieder, wenn er wiederum auf dem Globus angelangt sein wird, den wir den archetypischen Globus nennen wollen. Da ist der Mensch wiederum Ton, aber aus diesem Ton klingt alles das heraus, was er erfahren hat. Es ist ein Ton [von großer Fülle], aus dem die ganze reiche Erfahrung des Menschen herausklingt. Davon ist kaum eine Vorstellung zu machen, aber wie gesagt, es ist so vorzustellen, dass dies [auf dem Rupa-Globus] ein armer Ton ist, während [auf dem archetypischen Globus] das andere ein Ton ist, aus dem alles spricht, was der Mensch in den verschiedenen Entwicklungsstadien durchgemacht hat.
[ 14 ] Wenn Sie das verfolgen, dann haben Sie ein Bild, wie sich die Erde in ihre verschiedenen Zustände verwandelt. Eine zusammengehörige Gruppe von Metamorphosen nennt man eine Planetenkette. Der Ausdruck entspricht dem Sachverhalt nicht genau, weil das eine schematische Zeichnung ist. Würde ich die Zeichnung so entwerfen sollen, dass sie dem Tatbestand besser entspräche, so müsste ich die Kugeln alle auf einen einzigen Platz zeichnen. Wir haben nicht ein nacheinander erfolgendes Auftreten neuer Kugeln, sondern ein Verwandeln.
[ 15 ] Diese erste Arupa-Kugel verdichtet sich, und aus ihr entsteht der Zustand der Rupa-Kugel. Aus dieser entsteht die astrale Kugel, und diese verdichtet sich dann so weit, dass die Erde daraus sich bildet. Und dann käme das Folgende, aber so, dass ich das alles übereinander zeichnen müsste. Die Zeichnung dürfen Sie nur als eine schematische auffassen. Wir haben es also mit sieben aufeinanderfolgenden Verwandlungen zu tun, [die der Planet durchmacht].
[ 16 ] Zunächst hat man sich - irre geführt - vorgestellt, dass nicht Verwandlungen stattfinden, sondern dass man es mit sieben im Raume verteilten Kugeln zu tun hätte und dass das Leben von einem auf den anderen Globus übergehe.
[ 17 ] Das macht nichts, wenn man sich das zunächst so vorstellt, denn in diesen hohen Gebieten ist es ohnehin schwierig, zu richtigen Vorstellungen zu kommen. Und so schadet es auch nichts, wenn gesprochen wird von der Lebenswelle, die von Globus zu Globus fließt.
[ 18 ] Etwas anderes ist es, dass durch die erste Mitteilung des Meisters die folgende Vorstellung hervorgerufen worden ist. Man hat gedacht, dass die Lebenswelle von dem einen nach dem anderen Globus überfließt. In Bezug auf die Globen - wenigstens in Bezug auf zwei — haben sich Vorstellungen eingeschlichen, als ob der erste und der dritte Globus dem Mars und dem Merkur entsprechen würde.
[ 19 ] Der Meister erklärte nach Rückfrage, dass Mars und Merkur nichts zu tun haben mit der Entwicklung der auf der Erde befindlichen Menschheit. Für den Okkultisten ist das eine vollständige Unmöglichkeit, denn Mars und Merkur sind physische Globen, die anderen sind aber nicht physisch. Mars und Merkur sind in demselben physischen Zustand wie die Erde, sie haben also auch die physische Ausgestaltung einer solchen Planetenkette, wie die Erde sie hat.
[ 20 ] Der Mars ist also der physische Repräsentant einer ebensolchen Planetenkette wie unsere Erde. Ebenso ist es mit dem Merkur. Später traten da immer mehr und mehr Forscher bei uns auf, welche diese Dinge nicht nur so verfolgen konnten, was ihnen die Meister sagten, sondern dass sie aus der eigenen Anschauung kennenlernten, was da vorliegt. Sie lernten die Methoden kennen. Diese Anschauung kann etwas irreführend sein über den Tatbestand.
[ 21 ] Es gibt Methoden, durch die sich der Hellseher zurückversetzen kann auf den astralen Globus und auch vorwärts versetzen kann auf den plastischen Globus, den Globus «Drei. Wenn man sich in den Zustand des astralen Hellsehens versetzt und seinen Gedanken richtet auf den Punkt, wo der astrale Globus zu finden sein muss, dann kann man verfolgen, wie es dazumal war, als unsere Tiere, Pflanzen und Mineralien auf diesem Standpunkt waren. Das hat man dann vor sich und kann es genau verfolgen. Wenn man sich in einen solchen Zustand versetzt, in den Zustand eines astralen Hellsehers, dann ist man nicht bloß vereint, nicht bloß darinnen in der Astralwelt, welche man aufgesucht hat, sondern man ist auch in den astralen Welten, die damit verwandt sind mit derjenigen, die man aufgesucht hat, die also in einem ebensolchen Zustande sind. Man ist in allen Weltenkörpern darinnen, die in demselben Zustande sind. Raum und Zeit benehmen sich in dieser Beziehung für den Hellseher in ganz gleicher Weise. Sie machen gar keinen Unterschied. Wenn man sich zurückversetzt auf den unserer Erde vorangehenden Globus, wenn man auf dem Planeten ist, ist man auch auf allen Planeten, die eine Ähnlichkeit mit dem damaligen Zustand der Erde haben. Der Hellseher ist dann tatsächlich auf denjenigen Planeten, die heute zu den Planeten unseres Sonnensystems gehören und in diesem Zustande sind. Nicht alle Planeten sind im gleichen Zustande. Der Mars ist heute zwar physisch, aber er ist erst auf der Stufe der Entwicklung, auf der unsere Erde damals war, als sie den astralen Zustand durchmachte. Die Erde ist damals in der Lage gewesen zu erstarren, physisch zu werden. In dieser Lage ist der heutige Mars. Er ist auf der Stufe des dritten Globus, aber nicht astral, sondern physisch. Nun kann man wahrnehmen, was in diesem Zustande vorhanden ist. Wenn man sich auf diesen Zustand des Mars versetzt, dann ist man nicht nur auf unserer Erde, sondern auch auf dem Mars.
[ 22 ] Sie können also jetzt hellseherisch den gegenwärtigen Zustand des Mars studieren, und da können Sie eine interessante Entdeckung machen. Was Sie sonst bloß astralisch beobachten können, in Wolkengebilden, das können Sie am heutigen Mars betrachten. Es ist so, wie wenn das plötzlich in Erstarrung übergegangen wäre. Wenn wir also den Mars untersuchen, so können wir uns fast so vorkommen, wie wenn wir diesen Mars vor einiger Zeit verlassen hätten. [Der Mensch von heute, hier, von unserer Erde, hat niemals auf dem Mars gelebt.] Wir waren allerdings in einer Astralform, als wir diesen verlassen haben. Der heutige Mars sieht so aus, wie wenn der Mensch ihn verlassen hätte und auf die Erde herübergekommen wäre. Das ist das interessante Problem, welches dazu führen kann zu glauben, man hätte einmal auf dem Mars gelebt. Dieser astrale Globus «Eins ist nicht mit dem Mars zu verwechseln.
[ 23 ] Der Merkur ist weiter in seiner Entwicklung als unsere Erde. Er ist bereits auf dem Zustand angelangt, auf dem die Menschen angelangt sein werden, wenn wir die astralische Plastizität haben werden. Die Wesen des Merkurs können den physischen Zustand ertragen. Die Erdenmenschen werden diesen Zustand auf einem astralen plastischen Globus durchmachen. Aber der Merkur gibt uns ein Bild davon, wie der Mensch werden wird, wenn er auf einem plastischen Globus sein wird. Bei ihnen ist die Plastizität mit dem physischen Zustand vereinbar. [Eine Verwandtschaft ist also vorhanden]. Aber die Planeten haben selbst ihre Ketten, und nur durch ihre Evolutionsstadien kann der Anschein erweckt werden, als ob die Erdenentwicklung etwas damit zu tun hätte. Die Wesen, die auf dem Merkur und auf dem Mars leben, sind nicht menschenähnlich. Sie machen ganz andere Evolutionen durch. Die Menschen können nur auf der physischen Erde physisch sein, während die Marswesen mit den Eigenschaften des astralen Menschen physisch sein können und die Merkurwesen plastisch sind auf dem physischen Globus, was die Menschen nur auf dem plastischen Globus sein können.
[ 24 ] Damit haben wir das absolviert, was wir die Planetenkette nennen, und zwar die Planetenkette unserer Erde. Diese Planetenkette ist aus einer anderen Planetenkette hervorgegangen. Das nächste Mal werde ich zeigen, wie unsere Erde aus einem anderen Planeten sich herausentwickelt hat, so wie wir dazumal die lunarische Epoche hatten. Was übrig blieb von dieser Epoche, ist in unserem heutigen Mond enthalten. Unser heutiger Mond ist nicht der Vorgänger der Erde, er ist nur ein verdichtetes physisches Stück davon, gleichsam eine Schlacke. Wenn wir davon sprechen, dass die Wesen der Erde vom Monde herüber sich entwickelt haben, so ist das zwar nicht ganz genau, aber in den Grenzen, von denen ich gesprochen habe, ist es durchaus richtig. Wir werden bei dieser Mondepoche eine etwas ähnliche siebengliedrige Kette kennenlernen, sodass wir sagen können: Bevor die Erde auf ihre sieben Glieder gekommen ist, hat sie sich in den sieben Gliedern der lunarischen Epoche entwickelt. Diese siebengliedrige Mondepoche ist dadurch ausgezeichnet, dass die Menschen damals noch nicht das helle Verstandesbewusstsein hatten, das der Mensch heute hat, sondern ein Bewusstsein, das ähnlich ist einer Traumtrance. Das ist der Nachklang des früheren dumpfen Bewusstseins.
[ 25 ] Ferner haben wir es mit einem Planeten zu tun, der nicht mehr in unserem Raume zu finden ist. Dieser Planet ist zu dem geworden, was heute die Sonne ist, durch verschiedene Zwischenphasen hindurch. Daher ist für die alte Esoterik die Sonne ein Planet. Die Esoterik meint nicht die physische Sonne, sondern den Vater unserer physischen Sonne. Das nächste Mal werde ich den Sonnenvorgänger der Erde erklären.
[ 26 ] Unsere Erde ist also durchgegangen durch ein, zwei, drei Globen von je sieben Gliedern und ist jetzt im vierten Globus der Kette mit ebenfalls sieben Gliedern, sodass das 28 Glieder ergibt. Zukünftig wird sie noch hindurchgehen durch drei weitere Glieder, die ähnlich sein werden dem Jupiter und der Venus und so weiter. Das nächste Glied der Kette, das den Menschen als hochentwickeltes Wesen enthalten wird, einen Planeten, der nicht im physischen Zustande ist, werden wir noch kennenlernen, und endlich werden wir das eigentliche Ziel unserer Erdentwicklung verfolgen können.
[ 27 ] Es kommen also noch drei Globen mit je sieben Gliedern, gleich 21 Gliedern, hinzu, sodass wir 7 x 7 Glieder haben, das heißt 49 Metamorphosen, die wir durchzumachen haben. Diese 49 Metamorphosen schreibt der Esoteriker nicht so auf wie der moderne Mensch. [Die Esoterik kennt nicht das Zehnersystem, sondern das System der Sieben.] 66 bedeutet bei dem Esoteriker nicht 66, sondern [6 x 6 =] 36; nach dem Siebener-System macht das: 7 x 7 = 49. So wird Ihnen begreiflich sein, was es bedeutet, wenn der Esoteriker aufschreibt 77. Das bedeutet für ihn nicht 77, sondern 7 x 7 = 49 Metamorphosen. Auf jedem Planeten sind sieben Wurzelrassen. Wir haben also sieben Ketten mit je sieben Planeten oder Globen und jeden Globus mit sieben Wurzelrassen, das macht zusammen 343 Zustände. Diese Zahl spielt in der Geheimlehre eine gewisse Rolle. In der ersten Zeit wurde die Sache sehr wenig verstanden. Der Verkehr mit dem Meister ist so, dass man selbst das Problem löst, und dann von dem Meister die Antwort erhält, ob es stimmt oder nicht.
Weitere Notizen, vermutlich zu einer Fragenbeantwortung zum Vortrag vom 30. Januar 1905
[ 28 ] Wenn man die Erde von außen betrachtet, so stellt sie sich dar als eine Kugel mit grünem Grundton. [Die Erde hat die Grundfarbe Grün.] Während es verhältnismäßig leicht ist, die früheren Stadien zu prüfen, ist es schwierig, spätere zu schauen. Die Akasha-Chronik spricht da nicht mit, sie liefert nur die Intentionen. In der Wissenschaft gibt es ähnliche Methoden, um zurückzuschauen und um vorauszuschauen. Wenn der Naturwissenschaftler Wasserstoff und Sauerstoff und elektrischen Strom hat, so weiß er, dass daraus Wasser entsteht.
[ 29 ] Der astrale Globus unserer Erde ist der Materie nach vollständig wieder astraler Globus — nur ausgearbeiteter. Die astrale Welt hat Geburt und Tod schon vorgearbeitet.
[ 30 ] Der Mond hat einen sehr dichten physischen Körper. Er hat auch etwas Ähnliches wie einen Astralkörper. Er verhält sich zur Erde, wie die negative fotografische Platte sich verhält zur positiven. Alles, was auf der Erde erfreulich erscheint, ist in der Erscheinung auf dem Monde eine sehr betrübliche Sache. Alles bedeutet dort gerade das Entgegengesetzte. Für die psychische Anschauung ist es unmöglich, die astrale Materie zu sehen. Mit der psychischen Kraft der Erde sieht man die astrale Sphäre des Mondes nicht. Wenn man die Operationen, die man bei karmischen Untersuchungen über das Karma der Menschen macht, studiert, dann gelangt man in die Region, wo man etwas von diesem Mond selbst wahrnehmen kann.
[ 31 ] Die Zahl 666 bedeutet 216 - 6 x 6 x 6 —. Der vollkommenste Zustand, der siebente, bleibt bei der Apokalypse aus.
[ 32 ] [666 die Zahl des Tieres, diese Zahl erhält man, wenn man die beiden oberen Globen jeder Kette wegstreicht. Diese beiden oberen Globen sind die der Gottheit. Eine Kette ist eine Runde.]
[ 33 ] Über die Zeit der nächsten Katastrophe ist es schwer, etwas zu sagen, denn der, welcher etwas davon weiß, kann nichts sagen. Unsere fünfte Rasse wird untergehen durch den Kampf aller gegen alle. Über den Zeitpunkt kann man da nichts sagen. Man darf auch über Zahlen nicht sprechen. Im Laufe der Vortragsserie kann vielleicht etwas darüber gesagt werden. Wir befinden uns ja in einer Zeit, wo außerordentlich schnell die Dinge sich entwickeln. Das neunzehnte Jahrhundert bedeutet im Astralen so viel wie das vorhergehende Jahrtausend. In immer rascherem Tempo geht es voran. Bei den Wurzelrassen kann man das auch schon beobachten. Gegen das Ende der Zyklen ist das Leben ein stark beschleunigtes.
[ 34 ] Die Bibel bezeichnet den siebenten Zustand auf dem intellektuellen Globus als Seligkeit. In Indien nennt man es Devachan. Der siebente Zustand ist immer der Seligkeitszustand, nur in ganz verschiedenem Grad bei den verschiedenen Planeten.
