Die Tempellegende und die Goldene Legende
als symbolischer Ausdruck vergangener
und zukünftiger Entwicklungsgeheimnisse des Menschen
GA 93
Januar 1906, Berlin
21. Über Goethe und Sein Verhältnis zum Rosenkreuzertum
[ 1 ] In das Rosenkreuzer-Mysterium Goethes einzudringen gibt es zwei Wege, einen exoterischen und einen esoterischen oder okkulten. Der exoterische ergibt sich durch Studium derjenigen Dichtungen Goethes, die ein äußerer Ausdruck seiner rosenkreuzerischen Gesinnung und seines diesbezüglichen Wissens sind.
[ 2 ] Dahin gehören:
[ 3 ] 1. Das Gedicht «Geheimnisse». Es stellt dar das Mysterium der Loge der 12 mit dem 13. an der Spitze. Der Inhalt ist eine Hindeutung auf die Erlebnisse im Vorhof der rosenkreuzerischen ParcivalEinweihung (Gral-Initiation).
[ 4 ] 2. Die Grundlage im «Faust». Homunkulus ist der Astralleib; der Gang zu den «Müttern» ist die Darstellung der Aufsuchung des «goldenen Dreiecks» und des «verlorengegangenen Wortes».
[ 5 ] 3. Die Stellen im «Wilhelm Meister», die «Wanderung und Wandelung der Seele» darstellend bis zur Erweiterung des Bewußtseins zum kosmischen Schauen (Kontemplation der kosmischen Vorgänge. Makariens Vision ist solche Kontemplation).
[ 6 ] 4. Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie stellt dar die alchymistische Initiation in der von Christian Rosenkreutz gestifteten Form: das was in richtiger Schrift - nicht nach der mangelhaften Tradition der Logen - geschrieben wird der 030 Grad (vulgär in Maurersprache der 30. Grad). Dieses Märchen enthält in symbolischer Sprache alle Geheimnisse dieses Grades, wie die Herkules-Sage alle Geheimnisse des Royal-Arch-Grades enthält, der in richtiger Schrift geschrieben wird 013 Grad und welcher auch der 4. genannt wird.
[ 7 ] 5. Wichtiges über Rosenkreuz-Initiation enthält auch das Gedicht «Pandora».
[ 8 ] Die Mittel, um auf esoterisch-okkultem Wege in Goethes Rosenkreuzertum einzudringen, werden gegeben bei der Einweihung (Initiation) in den wirklichen 020 Grad, der auch - um das Geheimnis zu verhüllen - so geschrieben wird 6 3 Grad und gelesen 6 x 3 = 18. Grad (Rose-Croix). Da wird auf okkultem Wege gezeigt, daß Goethe zwischen seinem Leipziger und Straßburger Aufenthalt eine Initiation erhalten hat, welche aber erst allmählich fruchtbar in ihm geworden ist, und die es ihm ermöglichte, eine ganz bestimmte rosenkreuzerische Mission zu erfüllen. Man kann darüber mehr nicht niederschreiben; mündlich könnte man noch einiges darüber sagen: noch mehr nur in einer wahren rosenkreuzerischen Loge des 6 3 = 6 x 3 = 18. Grades.1Dieser Text liegt nur in der Handschrift von Marie Steiner-von Sivers vor. Vermutlich wurde er von Rudolf Steiner niedergeschrieben für Edouard Schur€ um 1906 herum, da sich diese Niederschrift bei Marie Steiner unmittelbar anschließt an diejenige eines von Rudolf Steiner für Schuré 1906 niedergeschriebenen Textes «Zeichen und Entwickelung der drei Logoi in der Menschheit» (abgedruckt in «Nachrichten der Rudolf SteinerNachlaßverwaltung» Nr.14, Michaeli 1965, sowie in «Die Apokalypse des Johannes», Bibl.-Nr. 104, 6. Auflage GA 1979).
