Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Cosmogony
GA 94

6 June 1906, Paris

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

An Esoteric Cosmology, tr. Querido
  1. Cosmogony, tr. SOL
  2. Kosmogonie, 2nd ed.

Zehnter Vortrag

X. The Astral World II

[ 1 ] Dem Okkultisten geht es niemals darum, Dogmen aufzustellen. Er erzählt, was er gesehen hat, was er erforscht hat auf dem astralen Plan und auf dem geistigen Plan, oder was Meister, die als solche von ihm erkannt sind, ihm enthüllt haben. Er hat nicht den Ehrgeiz, zu bekehren, sondern er will den in ihm selbst erweckten Sinn auch bei anderen erwecken und sie fähig machen, ebenfalls zu schauen.

[ 1 ] The occultist will never dream of imposing dogmas. He is one who tells what he has seen and tested in the astral and spiritual worlds or what has been revealed to him by trustworthy and reliable teachers. He does not desire to convert but to quicken in others the sense that has awakened in him and to enable them to see likewise.

[ 2 ] Es soll hier die Rede sein von dem astralischen Menschen, wie er dem hellsichtigen Schauen erscheint. Der Astralmensch umschließt die ganze seelische Welt der Empfindungen, der Leidenschaften, Emotionen und Triebe. Sie zeigen sich für den inneren Sinn in Formen und Farben. Der Astralleib selbst ist ein wolkenähnliches eiförmiges Gebilde, das den Menschen umfließt und einhüllt. Wir können es innerlich wahrnehmen.

[ 2 ] Here we shall consider man as an astral being as he is revealed by clairvoyant vision. The astral being of man includes the whole world of feelings, passions, emotions and impulses of the soul. To inner sight these are changed into forms and colours. The astral body itself is a cloud-like, ovoid form, permeating and enveloping man. We can perceive it from within.

[ 3 ] Beim physischen Menschen handelt es sich darum, den Stoff und die Form ins Auge zu fassen. Der Stoff erneuert sich innerhalb von sieben Jahren, die Form bleibt erhalten. Denn hinter dem Stofflichen steht ein übersinnlicher Baumeister. Dieser Baumeister ist der Ätherleib. Ihn sehen wir nicht, wir sehen nur sein Werk, den Leib. Das physische Auge sieht im Organismus nur, was abgeschlossen und nicht das, was im Zustand des Werdens ist.

[ 3 ] In man as a physical being, we have to consider the substance and form of the body. The astral substance entirely changes in the course of seven years, but the form remains. Behind substance is the constructive, upbuilding principle—the etheric body. We do not, in the ordinary way, perceive it; we only see its accomplished work, in the physical body. The eye of sense only sees what is finished, not what is in the state of becoming.

[ 4 ] Das Gegenteil ist der Fall, wenn man die Imagination vom Astralleib hat, das heißt von seinem eigenen Astralleib. Wir empfinden ihn von innen durch unsere Leidenschaften und die verschiedenen Seelenregungen.

[ 4 ] The contrary is the case when we are able to see the astral body—that is to say, our own astral body. We become aware of it from within through our desires and the various movements of the soul.

[ 5 ] Die Fähigkeit des Hellsehers besteht nun darin: von außen sehen zu lernen, was wir im gewöhnlichen Leben von innen fühlen. Dann übertragen sich Empfindungen, Leidenschaften und Gedanken in lebendige und sichtbare Formen. Es ist das, was die Aura rings um die physische Hülle bildet, eine Lichtform.

[ 5 ] Seership consists in learning to see from without that which in ordinary life we feel from within. Feelings, desires and thoughts then become living and visible forms, constituting the aura around the physical sheath.

[ 6 ] Auf die gleiche Weise, wie der Ätherleib den physischen Leib aufbaut, gestalten die Gefühle den Astralleib. Alles, was in der Aura lebt, drückt sich darin aus. Jede menschliche Aura hat ihre speziellen Nuancen, ihre vorherrschenden Farben. Über dieser Grundfarbe spielen alle anderen Farben; so hat zum Beispiel das melancholische Temperament eine blaue Färbung. Aber in die Aura ergießen sich von außen her so viele verschiedene Eindrücke, daß der Beobachter sich leicht täuschen kann, besonders bei Beobachtung seiner eigenen Aura.

[ 6 ] The etheric body builds and moulds the physical body; the astral body is made up of desires. Every human aura has its own individual shades and predominating colours. There is one fundamental colour in which the others play. The aura of a man with a melancholic temperament, for example, is of a bluish hue. But so many impressions coming from without flow through it that the observer may easily be deceived, above all if he is looking at his own aura.

[ 7 ] Der Hellseher sieht seine eigene Aura umgekehrt, also das Äußere als das Innere und das Innere als das Äußere, weil er von außen sieht. Was sieht er nun?

[ 7 ] The clairvoyant sees his own aura reversed, as it were, the outer as the inner, the inner as the outer, because he is observing it from outside.

[ 8 ] Alle Religionsgründer waren vollendete Hellseher und geistige Menschheitsführer, und ihre moralischen Grundsätze wurden zu Lebensregeln, die durch astrale und geistige Wahrheiten bestimmt waren. Daraus erklären sich die Ähnlichkeiten aller Religionen. Eine solche Ähnlichkeit existiert beispielsweise zwischen dem achtgliedrigen Pfad des Buddha und den acht Seligpreisungen des Christus. Beiden liegt nämlich die Wahrheit zugrunde, daß der Mensch jedesmal, wenn er eine Tugend entwickelt, auch eine neue Wahrnehmungsfähigkeit ausbildet. Warum aber sind es gerade acht Stufen? Deshalb, weil es, wie der Hellseher weiß, acht Möglichkeiten zur Ausbildung von Hellseherorganen gibt.

[ 8 ] All the great Founders of religions have been possessed of clairvoyant sight. They are the spiritual Guides of mankind, and their precepts are precepts of the moral life based on astral and spiritual truths. This explains the similarities in all the religions. There is a certain similarity, for instance, between the Eight-fold Path of the Buddha and the Eight Beatitudes of Christ. The same underlying truth is that whenever man develops one of the virtues, he unfolds a new faculty of perception. Why are eight stages mentioned? Because the seer knows that the faculties which may be transmuted into organs of perception are eight in number.

[ 9 ] Die Wahrnehmungsorgane des Astralleibes heißen im Okkultismus Lotusblumen, heilige Räder, Chakrams. Das sechzehnspeichige Rad oder die sechzehnblättrige Lotusblume befindet sich in der Gegend des Kehlkopfes. In sehr alten Zeiten drehte sich diese Lotusblume in einer bestimmten Richtung, nämlich entgegengesetzt der Bewegung der Ührzeiger, das heißt von rechts nach links. Beim heutigen Menschen steht dieses Rad still; es dreht sich nicht mehr. Aber beim Hellseher fängt es tatsächlich wieder an sich zu bewegen, und zwar in umgekehrter Richtung, von links nach rechts. Nun waren acht von sechzehn Blättern einst sichtbar. Die acht dazwischenliegenden waren verborgen. In der Zukunft sollen sie alle sichtbar werden. Denn die ersten acht sind der unbewußten höheren Wahrnehmung zu verdanken, die acht neuen der bewußten, die aus der persönlichen Anstrengung entspringt. Und es sind genau diese acht neuen Blätter, welche die Seligpreisungen des Christus zur Entwickelung bringen.

[ 9 ] The astral organs of perception are called in occultism, the ‘lotus-flowers’ (sacred wheels, chakra). The lotus-flower with sixteen petals lies in the region of the larynx. In very ancient times this lotus-flower turned from right to left—that is to say in the opposite direction to the hands of a clock. In the man of today, this lotus-flower has ceased to turn. In the clairvoyant seer it begins to move in the opposite direction—from left to right. In earlier times, eight of the sixteen petals were visible, the others undeveloped. In future ages they will all be visible, for the first eight are the result of the action of unconscious initiation, the other eight of the conscious initiation attained by dint of personal effort. The eight new petals correspond to the Beatitudes of Christ.

[ 10 ] Der Mensch besitzt noch eine andere Lotusblume, die mit den zwölf Blättern. Sie hat ihren Sitz in der Herzgegend. Einst waren nur sechs Blätter sichtbar. Die Erwerbung von sechs Tugenden wird die sechs anderen Blätter in der Zukunft zur Entfaltung bringen. Diese sechs Tugenden sind: Gedankenkontrolle, Initiativkraft, seelisches Gleichgewicht, Positivität, die erlaubt, jedem Ding die beste Seite abzugewinnen, eine von Vorurteilen freie Gesinnung und schließlich die Harmonie des Seelenlebens. Alsdann werden sich die zwölf Blütenblätter in Bewegung setzen. In ihnen drückt sich der heilige Charakter der Zwölfzahl aus, den wir wiederfinden in den zwölf Aposteln, in den zwölf Gefährten des Artus — und jedesmal handelt es sich um Schöpfertum, um Tätigkeit. Und so verhält es sich, weil alles auf der Welt sich in zwölf verschiedenen Nuancen entwickelt. In Goethes Gedicht «Die Geheimnisse», in dem das Ideal der Rosenkreuzer sich ausspricht, finden wir dafür ein neues Beispiel. Nach einer Erklärung des Dichters, die Goethe selbst jungen Leuten gegeben hat, repräsentiert jeder der zwölf Ritter des Rosenkreuzes eine religiöse Strömung.

[ 10 ] Another lotus-flower (with twelve petals) is situated in the region of the heart. In earlier times, six petals only were visible. The acquisition of six virtues will, in times to come, develop the other six. These six virtues are: control of thought, power of initiative, balance of the faculties, optimism which enables a man always to see the positive side of things, freedom from prejudice, and finally, harmony in the life of soul. When these virtues have been acquired, the twelve petals begin to move. They express the sacred quality of the number twelve which we have in the twelve Apostles, the twelve knights of King Arthur, and again in all creation, in all action. Everything in the world develops according to twelve different aspects. We have another example in Goethe's poem, Die Geheimnisse, which expresses the ideal of the Rosicrucians. According to the explanation given by Goethe to certain students, each of the twelve Companions of the Rose Cross represents a religious creed.

[ 11 ] Man findet gleicherweise diese Wahrheiten in den Zeichen und Symbolen, denn diese Symbole sind nicht willkürliche Erfindungen, sondern entsprechen Realitäten. Zum Beispiel das Symbol des Kreuzes, wie dasjenige der Swastika, ist die Darstellung des vierblättrigen Chakram des Menschen. Und die zwölfblättrige Lotusblume findet ihren Ausdruck im Symbol des Rosenkreuzes und der zwölf Gefährten. Der Dreizehnte unter ihnen, der unsichtbare Gefährte, der sie alle eint, das ist die Wahrheit, das einende Band aller Religionen. Jeder Neubeginn, jede neue religiöse Offenbarung, ist ein «Dreizehnter», der eine neue Synthese der zwölf Nuancen der geistigen Wahrheit gibt.

[ 11 ] We find these virtues expressed again in signs and symbols, for symbols are not arbitrary inventions—they are realities. The symbol of the Cross, for instance, as well as that of the Swastika, represents the four-petalled chakram in man. The twelve-petalled flower is expressed in the symbol of the Rose Cross and the twelve Companions. The thirteenth among them, the invisible Companion who unites them all, represents the truth that unites all religions.

[ 12 ] Aus dieser Wahrheit sprießen die Riten und kultischen Zeremonien der Religionen hervor. Auf dem Grunde aller Riten und aller durch die Hellseher eingerichteten Kulte ist es die göttliche Weisheit, die spricht. Durch sie drückt sich die Astralwelt in der physischen Welt aus. Der Ritus repräsentiert wie in einem Abglanz das, was sich in den höheren Welten ereignet. Diese Tatsache findet sich im Ritus der Freimaurer ebenso wie in den Religionen Asiens. Bei der Geburt einer neuen Religion gibt ein Eingeweihter die Grundlagen, auf denen das Ritual des äußeren Kultus sich aufbaut. Mit der Menschheitsevolution entwickelt sich der Ritus, lebendiges Bild der geistigen Welt, bis hin zu den Sphären der künstlerischen Produktion. Denn die Kunst geht gleicherweise aus der Astralwelt hervor - und der Ritus wird Schönheit. Das geschah bekanntlich zur Zeit der griechischen Kultur.

[ 12 ] This truth underlies the rites and ceremonies of the various religions. Divine wisdom speaks through the rites and cults which have been founded by seers. The astral world expresses itself through them in the physical world. As in a reflection, the rite represents what is happening in higher worlds. This fact appears again in masonic ritual and in certain Asiatic religions. At the birth of a new religion, an Initiate gives the foundations upon which the ritual of the outer cult is built. As evolution proceeds, the rite—a living picture of the spiritual world—tends towards the domain of Art. Art, too, comes from the astral world; the rite becomes beauty. This came to pass notably at the time of Greek civilisation. Art is an astral event of which the cause has been forgotten. We have an example in the Mysteries and Gods of Greece.

[ 13 ] Die Kunst ist ein astraler Vorgang, dessen Ursprung vergessen worden ist. Ein klares Beispiel dafür finden wir in den Mysterien und bei den Göttern der Griechen. In den Mysterien schildert der Hierophant die menschliche Entwickelung in ihren drei Phasen: Tiermensch, eigentlicher Mensch und Gottmensch - der wahrhafte Übermensch und nicht der falsche Übermensch Nietzsches. In diesen drei Typen vermittelte er den Einzuweihenden ein lebendiges Bild, wie er es aus dem Astrallicht empfing. Zugleich fanden diese drei übersinnlichen Typen ihren Ausdruck in der Dichtung und in der bildenden Kunst durch folgende drei Symbole: erstens den tierischen Typus, den Satyr; zweitens den menschlichen Typus, Hermes oder Merkur; drittens den göttlichen Typus, Zeus, Jupiter. Jeder von ihnen, mit allem was ihn umgibt, repräsentiert einen ganzen Menschheitszyklus. Auf diese Weise übertrugen die Schüler der Mysterien in die Kunst, was sie im Astrallicht gesehen hatten.

[ 13 ] In the Mysteries, the hierophant retraced the development of man in its three stages: man the animal, man the human, man the God (the true Superman, not the false Superman of Nietzsche). The hierophant projected these three super-sensible types as living images into the astral light, where they were visible to those who had been initiated into the Mysteries. At the same time they were expressed in poetry and sculpture by three symbols: (1) the Satyr, or bestial type; (2) the human type: Hermes, or Mercury; (3) the divine type: Zeus, or Jupiter. Each of these figures, together with everything around them, represents a cycle of human evolution. That is the way in which the disciples of the Mysteries carried over into Art what they had seen in the astral light.

[ 14 ] Der Höhepunkt des Menschenlebens liegt gegenwärtig um das fünfunddreißigste Jahr herum. Warum ist das so? Warum beginnt Dante seine Reise mit fünfunddreißig Jahren, in der Mitte des Menschenlebens? Weil zu diesem Zeitpunkt der Mensch, dessen Aktivität bis dahin auf die Ausarbeitung der leiblichen Hüllen konzentriert war, zu den geistigen Regionen aufsteigt und seine Aktivität darauf verwenden kann, schauend zu werden. So wird auch Dante mit fünfunddreißig Jahren hellsehend. Zu diesem Zeitpunkt hören die physischen Kräfte auf, den geistigen Einfluß für sich in Anspruch zu nehmen. Diese vom Leiblichen frei gewordenen Kräfte können sich jetzt in Hellsichtigkeit verwandeln.

[ 14 ] The zenith of the earthly life of man is reached at about the age of thirty-five. Why is this so? Why does Dante begin his journey at the age of thirty-five, the middle point of human life? Before this moment, man's activity has been concentrated on the development of the physical body but he can now begin his ascent to the spiritual worlds and apply his forces for the unfolding of seership. Dante became a seer at the age of thirty-five. It is the age when the physical forces cease to forestall the influx of Spirit; liberated from the body, these same forces can be transformed into clairvoyant faculties.

[ 15 ] Wir berühren hier ein tiefes Mysterium: das Gesetz der Umbildung der Organe. Die ganze Entwickelung des Menschen geht durch eine Umbildung der Organe hindurch. Was bei ihm den höheren Stand erreicht hat, ist das Resultat des verwandelten niedrigsten. So müssen auch die Fortpflanzungsorgane verwandelt werden.

[ 15 ] Here we are touching upon a deep mystery: the law of the transformation of organs. Transformation of the organs constitutes man's evolution. The highest in him is the product of what once was the lowest and which has been transfigured.

[ 16 ] Mit der Trennung der Geschlechter hat sich auch der Astralleib geteilt: in eine untere Partie, die den physischen Fortpflanzungsorganismus hervorbringt, und eine obere Partie, die den Gedanken, die Imagination, das Wort entzündet.

[ 16 ] At the time of the separation of the sexes, the astral body of man divided: the lower part producing the sexual (physical) organism and the higher part giving rise to thought, imagination, speech.

[ 17 ] Das Fortpflanzungsorgan, die Zeugungskraft, und das stimmliche Organ, das schöpferische Wort, bildeten einst ein Ganzes. Man begreift das einigende Band dieser zwei Pole da, wo sie noch ein einziges Organ bildeten. Der negative tierische Pol und der positive göttliche Pol waren einst vereinigt und haben sich getrennt.

[ 17 ] In days of yore, the sexual organs (the procreative forces) and the organ of the voice (the word creative) were united. Two poles have appeared in man's being, where formerly there was but one single organ. The negative pole (animal) and the positive pole (divine) were once united and have separated.

[ 18 ] Der dritte Logos ist die schöpferische Macht des Wortes, wie sie zu Beginn des Johannes-Evangeliums zum Ausdruck kommt. Sein Widerhall ist das menschliche Wort. In den alten Mythen und Legenden hat diese Tatsache einen tiefen Ausdruck gefunden in der Beschreibung des hinkenden Vulkan. Seine Aufgabe war, das heilige Feuer zu hüten. Er hinkt, weil der Mensch bei der Einweihung etwas von seinem physischen Körper einbüßen muß - der untere Teil des Körpers kommt aus einer Vergangenheit, die verschwinden muß. Die niedere menschliche Natur muß fallen, um sich in der Folgezeit zu einem um so höheren Grad zu erheben. So hat sich der Mensch im Laufe seiner Entwickelung in ein Unteres und ein Oberes gespalten.

[ 18 ] The third aspect of the Logos is the creative power of the word (as expressed at the beginning of the Gospel of St. John), of which the words of human speech are the reflection. In the old myths and legends this truth was represented in the figure of Vulcan, the cripple. His mission was to guard the sacred fire. He is crippled because, in initiation, man must lose something of his lower, physical forces; the lower part of the body is a product of the past. Raised to the heights of initiation, the lower nature must fall away, to rise thereafter to a yet higher stage. Thus in the course of his evolution man has divided into a lower and higher nature.

[ 19 ] Auf gewissen Bildern des Mittelalters sieht man den Menschen durch eine Linie in zwei Teile gespalten. Die linke obere Partie und der Kopf sind über dem Strich, die rechte obere Partie und die untere Körperpartie sind unter dem Strich. Diese Linie zeigt die Vergangenheit und die Zukunft des menschlichen Körpers an. Die Lotusblume mit zwei Blütenblättern befindet sich unter der Stirn an der Nasenwurzel. Das ist ein noch nicht entwickeltes Astralorgan, das sich eines Tages zu zwei Fühlern oder Flügeln entwickeln wird. Ein Symbol dafür sieht man schon in den zwei Hörnern, die sich auf der Stirn des Moses finden.

[ 19 ] In certain mediaeval pictures, the human body is divided into two parts by a straight line; the head and left upper part of the body are above, the right upper part and the lower part of the body are below the line. This division is an indication of the past and the future of the human body. The two-petalled lotus-flower lies beneath the forehead, at the root of the nose. As yet it is an undeveloped astral organ which will one day unfold into two antennae or wings. The symbol of them can already be seen in the horns traditionally represented on the head of Moses.

[ 20 ] Von oben nach unten gesehen, vom Kopf zum Fortpflanzungsorgan, ist der Mensch zusammengesetzt und je zur Hälfte wesensgleich, das ist das Produkt der Vergangenheit. Von links nach rechts ist er symmetrisch: das ist Gegenwart und Zukunft. Aber diese beiden symmetrischen Partien haben nicht den gleichen Wert.

[ 20 ] Viewed from above downwards, head and sexual organ, man is synthetic and one. All this is the product of the past. Left and right he is symmetrical, representing the present and the future. These two symmetrical parts, however, have not the same value.

[ 21 ] Warum sind wir für gewöhnlich Rechtshänder? Die rechte Hand, die von den beiden diejenige ist, die heute am aktivsten arbeitet, ist dazu bestimmt, sich später zurückzubilden. Die linke Hand ist das Organ, das überleben wird, wenn die zwei Flügel an der Stirn sich entwickelt haben werden. Das Gehirn der Brust wird das Herz sein, das ein Bewußtseinsorgan sein wird. Und es wird drei Organe für die Fortbewegung geben.

[ 21 ] Why is man usually right-handed? The right hand which is the more active of the two today, is destined subsequently to atrophy. The left hand will survive when the two ‘wings’ on the forehead have developed. The heart will be the brain of the chest—an organ of knowledge.

[ 22 ] Bevor der Mensch sich aufrichtete, gab es eine Zeit, wo er auf allen vieren ging. Das ist der Ursprung des Rätsels, das die Sphinx aufgab. Sie fragte: Welches Wesen geht in seiner Kindheit auf allen vieren, in der Mitte seines Lebens auf zwei, im Alter auf drei Beinen? Ödipus antwortet ihm: Das ist der Mensch, der in der Tat als Kind auf allen vieren geht und als Greis sich auf einen Stock stützt. In Wirklichkeit bezieht sich das Rätsel und seine Lösung auf die Entwickelung der ganzen Menschheit: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, wie man sie in den alten Mysterien kannte. Vierfüßig in einer verflossenen Epoche seiner Evolution, hält sich der Mensch heute aufrecht auf zwei Beinen. In der Zukunft wird er fliegen und wird sich tatsächlich dreier Hilfsmittel bedienen: Die zwei Flügel, die sich aus der zweiblättrigen Lotusblume entwickeln, werden das Organ seines Bewegungswillens sein, und außerdem das umgewandelte Werkzeug der linken Brustseite und der linken Hand. Solcherart werden die Werkzeuge der zukünftigen Fortbewegung sein.

[ 22 ] Before man assumed the upright posture there was a time when he moved on all fours. Such is the origin of the riddle of the Sphinx: ‘Who is the being who in infancy walks on four legs, in middle age on two, in old age on three?’ Oedipus answers that this being is man, who when, a baby crawls on all fours, and in old age leans on a stick. In reality, riddle and answer refer to the whole evolution of humanity, past, present and future, as it was known in the ancient Mysteries. Quadruped in a previous epoch of development, man walks today on two feet; in the future he will ‘fly’ and will indeed make use of three auxiliary organs, namely the two wings developed from the two-petalled lotus which will be the motive organ of his will, and for the rest, the organ arising by a metamorphosis of the left half of the chest, and the left hand. Such will be the organs of movement in the future.

[ 23 ] Ebenso wie die rechte Seite und die rechte Hand werden die gegenwärtigen Zeugungsorgane sich zurückbilden, und der Mensch wird, wie wir es weiter oben gesehen haben, seinesgleichen durch das Wort hervorbringen. Sein Wort wird im Ätherkörper seinesgleichen formen.

[ 23 ] The present organs of reproduction will atrophy as well as the right side and the right hand. Man will give birth to his like by the force of the word; his word will mould ethereal bodies like his own.