The Christian Mystery
GA 97
19 September 1906, Basel
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Das christliche Mysterium, 4th ed.
18. Die drei Einweihungspfade
18. Die drei Einweihungspfade
Ansprache zur Gründung des Paracelsus-Zweiges
Ansprache zur Gründung des Paracelsus-Zweiges
[ 1 ] Wenn man einen Vortrag über ein christliches Thema vor einer öffentlichen Versammlung hält, so kann man über die theosophische Weltbewegung nicht so intim sprechen wie im vorliegenden Fall in kleinerer, geschlossenerer Gesellschaft. In dem folgenden Vortrag soll eine skizzenhafte Schilderung der drei Pfade der Initiation gegeben werden.
[ 1 ] Wenn man einen Vortrag über ein christliches Thema vor einer öffentlichen Versammlung hält, so kann man über die theosophische Weltbewegung nicht so intim sprechen wie im vorliegenden Fall in kleinerer, geschlossenerer Gesellschaft. In dem folgenden Vortrag soll eine skizzenhafte Schilderung der drei Pfade der Initiation gegeben werden.
[ 2 ] Viele von Ihnen werden sich wohl in der mannigfaltigsten Weise mit der Theosophie befaßt haben und kennen auch verschiedene Anschauungen, die durch die theosophische Weltbewegung verbreitet werden. Aus Literatur, Vorträgen, eigenem Nachdenken ist manch einem das Interesse dafür rege geworden, von übersinnlichen, ewigen, über das Zeitlich-Vergängliche hinausgehenden Dingen genauere Kenntnis zu erhalten.
[ 2 ] Viele von Ihnen werden sich wohl in der mannigfaltigsten Weise mit der Theosophie befaßt haben und kennen auch verschiedene Anschauungen, die durch die theosophische Weltbewegung verbreitet werden. Aus Literatur, Vorträgen, eigenem Nachdenken ist manch einem das Interesse dafür rege geworden, von übersinnlichen, ewigen, über das Zeitlich-Vergängliche hinausgehenden Dingen genauere Kenntnis zu erhalten.
[ 3 ] So hat es denn besonders die Geisteswissenschaft zu ihrer Aufgabe gemacht, Belehrungen über das tiefere Wesen des Menschen und seine Stellung zum Weltganzen zu geben, ferner zu erforschen, was im Menschen das Ewige und Bleibende sei, welches die Ursachen von Krankheiten, vom Bösen und Übel in der Welt wie im einzelnen Menschen seien, wohinaus letztlich die Ziele und Zwecke der Welt und der Menschen laufen, und endlich, wie die Welt entstanden sei.
[ 3 ] So hat es denn besonders die Geisteswissenschaft zu ihrer Aufgabe gemacht, Belehrungen über das tiefere Wesen des Menschen und seine Stellung zum Weltganzen zu geben, ferner zu erforschen, was im Menschen das Ewige und Bleibende sei, welches die Ursachen von Krankheiten, vom Bösen und Übel in der Welt wie im einzelnen Menschen seien, wohinaus letztlich die Ziele und Zwecke der Welt und der Menschen laufen, und endlich, wie die Welt entstanden sei.
[ 4 ] Heute freilich sollen im wesentlichen die Pfade besprochen werden, die einzuschlagen sind, wenn man eine Einsicht in jene höheren Probleme erlangen will.
[ 4 ] Heute freilich sollen im wesentlichen die Pfade besprochen werden, die einzuschlagen sind, wenn man eine Einsicht in jene höheren Probleme erlangen will.
[ 5 ] Menschheitsmoral ist das höchste Ziel, das sich der Mensch setzen kann. Allgemeine Verbrüderung unter den Menschen ist das Ideal, das sich alle großen, edeln Menschen zu allen Zeiten vorgestellt haben. Das gleiche will auch die theosophische Vereinigung. Nie und nimmer bezweckt sie aber die Begründung einer neuen Sekte auf buddhistischer Grundlage, noch weniger will sie das Christentum abschaffen oder ersetzen. Sie will überhaupt auch nichts Unwissenschaftliches bringen. Wichtig ist dann noch, auseinanderzuhalten die Lehre der Theosophie, ihre Weltanschauung, und die Ziele derselben, nämlich die der allgemeinen Menschenverbrüderung.
[ 5 ] Menschheitsmoral ist das höchste Ziel, das sich der Mensch setzen kann. Allgemeine Verbrüderung unter den Menschen ist das Ideal, das sich alle großen, edeln Menschen zu allen Zeiten vorgestellt haben. Das gleiche will auch die theosophische Vereinigung. Nie und nimmer bezweckt sie aber die Begründung einer neuen Sekte auf buddhistischer Grundlage, noch weniger will sie das Christentum abschaffen oder ersetzen. Sie will überhaupt auch nichts Unwissenschaftliches bringen. Wichtig ist dann noch, auseinanderzuhalten die Lehre der Theosophie, ihre Weltanschauung, und die Ziele derselben, nämlich die der allgemeinen Menschenverbrüderung.
[ 6 ] Beides ist wichtig, die theoretische wie die praktische Seite der Theosophie. Ihre Erkenntnissätze sollen dazu dienen, uns mit dem Höheren und Höchsten bekanntzumachen. Denn durch ein solches theoretisches Denken leisten wir an unserer Seele eine gewisse Arbeit. Wir bereiten sie in gewissem Maße vor zur praktischen Menschenliebe und Verbrüderung. Die theoretischen Ziele sind, dahin zu gelangen, die Mitmenschen in ihrem Wesen zu verstehen, so daß einer dem andern wirklich verständnisvoll gegenübersteht und ihn demgemäß beurteilt und behandelt. Denn die verschiedenen Meinungen, Beschäftigungen, Umgebungen und so weiter bringen sie im Leben auseinander. Das Mittel, um trotz der verschiedensten Meinungen zwischen den Menschen Frieden und Liebe zu stiften, soll eine tiefere Einsicht und Erkenntnis sein, nämlich die theosophische Weltanschauung. Sie stammt ursprünglich von denen, welche sich bemüht haben, durch Vertiefung und Entwickelung ihrer schlummernden inneren Fähigkeiten mehr von der Welt zu erkennen, als es mittels der gewöhnlichen Sinne oder des gemeinen Menschenverstandes möglich ist. Solche Menschen nennt man Eingeweihte. Dabei unterscheidet man verschiedene Stufen der Initiierten. Die großen Religionsstifter waren große Eingeweihte, zum Beispiel Hermes, der Lehrer der altägyptischen Priester, Zarathustra, Moses, Plato, Jesus Christus. Sie alle haben eine höher entwickelte Seele getragen. Sie vermochten hineinzusehen in die geistige Welt, die uns ähnlich umgibt wie die physische.
[ 6 ] Beides ist wichtig, die theoretische wie die praktische Seite der Theosophie. Ihre Erkenntnissätze sollen dazu dienen, uns mit dem Höheren und Höchsten bekanntzumachen. Denn durch ein solches theoretisches Denken leisten wir an unserer Seele eine gewisse Arbeit. Wir bereiten sie in gewissem Maße vor zur praktischen Menschenliebe und Verbrüderung. Die theoretischen Ziele sind, dahin zu gelangen, die Mitmenschen in ihrem Wesen zu verstehen, so daß einer dem andern wirklich verständnisvoll gegenübersteht und ihn demgemäß beurteilt und behandelt. Denn die verschiedenen Meinungen, Beschäftigungen, Umgebungen und so weiter bringen sie im Leben auseinander. Das Mittel, um trotz der verschiedensten Meinungen zwischen den Menschen Frieden und Liebe zu stiften, soll eine tiefere Einsicht und Erkenntnis sein, nämlich die theosophische Weltanschauung. Sie stammt ursprünglich von denen, welche sich bemüht haben, durch Vertiefung und Entwickelung ihrer schlummernden inneren Fähigkeiten mehr von der Welt zu erkennen, als es mittels der gewöhnlichen Sinne oder des gemeinen Menschenverstandes möglich ist. Solche Menschen nennt man Eingeweihte. Dabei unterscheidet man verschiedene Stufen der Initiierten. Die großen Religionsstifter waren große Eingeweihte, zum Beispiel Hermes, der Lehrer der altägyptischen Priester, Zarathustra, Moses, Plato, Jesus Christus. Sie alle haben eine höher entwickelte Seele getragen. Sie vermochten hineinzusehen in die geistige Welt, die uns ähnlich umgibt wie die physische.
[ 7 ] Solange man nicht selbst danach strebt, den Pfad der Einweihung zu gehen, gibt es nur ein Mittel, in jene geistigen Welten zu schauen, nämlich die menschliche Vernunft. Die Welt wird licht und klar bei der Durchdringung durch die Vernunft.
[ 7 ] Solange man nicht selbst danach strebt, den Pfad der Einweihung zu gehen, gibt es nur ein Mittel, in jene geistigen Welten zu schauen, nämlich die menschliche Vernunft. Die Welt wird licht und klar bei der Durchdringung durch die Vernunft.
[ 8 ] Durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauung wird die Weltkenntnis klarer und tiefer als durch die andern Philosophien. Die Vernunft ist die Richterin für die Annahme oder Verwerfung solcher Menschheitslehren. Nach ihnen hat der Mensch ein wirkliches Bedürfnis, weshalb sie ihm auch vorgetragen werden.
[ 8 ] Durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauung wird die Weltkenntnis klarer und tiefer als durch die andern Philosophien. Die Vernunft ist die Richterin für die Annahme oder Verwerfung solcher Menschheitslehren. Nach ihnen hat der Mensch ein wirkliches Bedürfnis, weshalb sie ihm auch vorgetragen werden.
[ 9 ] Wie man nun selber seine Seele so entwickelt, daß sie imstande ist, jenes Hohe, Übersinnliche zu erkennen, soll im folgenden des genaueren dargetan werden. Freilich ist zu einer solchen Entwickelung kein Soll oder gar ein Muß vorhanden. Nicht jeder braucht einen solchen Pfad zu beschreiten. Wer sich dazu eignet, wird schon die nötigen Anregungen erhalten und ihnen entsprechend die geeigneten Schritte tun.
[ 9 ] Wie man nun selber seine Seele so entwickelt, daß sie imstande ist, jenes Hohe, Übersinnliche zu erkennen, soll im folgenden des genaueren dargetan werden. Freilich ist zu einer solchen Entwickelung kein Soll oder gar ein Muß vorhanden. Nicht jeder braucht einen solchen Pfad zu beschreiten. Wer sich dazu eignet, wird schon die nötigen Anregungen erhalten und ihnen entsprechend die geeigneten Schritte tun.
[ 10 ] Methoden, sich jene höheren Fähigkeiten anzueignen, hat es zu allen Zeiten gegeben. Nur waren sie bis in die letzten Jahrzehnte hinein bloß wenigen auserwählten Geheimlehrern und Geheimschülern bekannt. Ein dazu Berufener kann den geeigneten Entwikkelungspfad eventuell auch selber finden. Es bedarf dazu nur des ernsthaften Entschlusses seines eigenen freien Willens.
[ 10 ] Methoden, sich jene höheren Fähigkeiten anzueignen, hat es zu allen Zeiten gegeben. Nur waren sie bis in die letzten Jahrzehnte hinein bloß wenigen auserwählten Geheimlehrern und Geheimschülern bekannt. Ein dazu Berufener kann den geeigneten Entwikkelungspfad eventuell auch selber finden. Es bedarf dazu nur des ernsthaften Entschlusses seines eigenen freien Willens.
[ 11 ] So soll auch dieser Vortrag keine propagandistische Tendenz haben und die Menschen auf einen solchen Pfad drängen wollen. Es sollen nur die Wege aufgedeckt werden, die man beschreiten könnte. Das Ziel dieses Entwickelungsganges ist die Einweihung, das heißt das Erringen der Fähigkeiten zu übersinnlichen Erkenntnissen.
[ 11 ] So soll auch dieser Vortrag keine propagandistische Tendenz haben und die Menschen auf einen solchen Pfad drängen wollen. Es sollen nur die Wege aufgedeckt werden, die man beschreiten könnte. Das Ziel dieses Entwickelungsganges ist die Einweihung, das heißt das Erringen der Fähigkeiten zu übersinnlichen Erkenntnissen.
[ 12 ] Es ist leider noch vielfach die irrige Meinung verbreitet, die Theosophie sei etwas aus dem Orient Herübergebrachtes, stamme eigentlich aus Indien, als eine Art Neu-Buddhismus, und wolle nun uns Abendländern sozusagen als neue Religion aufgedrängt werden.Hierdurch freilich fügt man der Theosophie großes Unrecht zu, denn sie ist schon von Anbeginn auch in Europa gewesen und hatte besonders in den letzten Jahrhunderten vielerorts tiefe Wurzeln geschlagen. Freilich hat man ihr seit jeher im Orient mehr Verständnis entgegengebracht.
[ 12 ] Es ist leider noch vielfach die irrige Meinung verbreitet, die Theosophie sei etwas aus dem Orient Herübergebrachtes, stamme eigentlich aus Indien, als eine Art Neu-Buddhismus, und wolle nun uns Abendländern sozusagen als neue Religion aufgedrängt werden.Hierdurch freilich fügt man der Theosophie großes Unrecht zu, denn sie ist schon von Anbeginn auch in Europa gewesen und hatte besonders in den letzten Jahrhunderten vielerorts tiefe Wurzeln geschlagen. Freilich hat man ihr seit jeher im Orient mehr Verständnis entgegengebracht.
[ 13 ] Der Orient und der Okzident haben auch ganz verschiedene Arten der Einweihung, entsprechend dem tieferen Charakter der Völker. Wichtiger als der orientalische Weg ist für uns hier natürlich der europäische, den zu beschreiten uns angemessener ist. Indessen führen alle diese Wege zu ein und demselben Ziel, denn die Wahrheit ist hier und dort, heute und gestern und in alle Ewigkeit dieselbe. Zunächst sollen nun die drei wichtigsten Einweihungspfade kurz geschildert werden: erstens die indische Jogaeinweihung, zweitens der christlich-gnostische Weg, der auch von heutigen Menschen noch sehr wohl betreten werden kann, drittens der rosenkreuzerische Weg, der dem heutigen Menschen, welcher im bloßen Glauben nicht letztlich Genüge finden kann, sondern mit den Errungenschaften der Kultur und Technik bekannt wird, jedenfalls der angemessenste ist. Auch dieser ist im tiefsten Grunde ein christlicher Weg, was schon daraus hervorgeht, daß gerade der rosenkreuzerisch Entwickelte die Weisheitslehren des Christentums am besten und tiefsten verstehen lernt.
[ 13 ] Der Orient und der Okzident haben auch ganz verschiedene Arten der Einweihung, entsprechend dem tieferen Charakter der Völker. Wichtiger als der orientalische Weg ist für uns hier natürlich der europäische, den zu beschreiten uns angemessener ist. Indessen führen alle diese Wege zu ein und demselben Ziel, denn die Wahrheit ist hier und dort, heute und gestern und in alle Ewigkeit dieselbe. Zunächst sollen nun die drei wichtigsten Einweihungspfade kurz geschildert werden: erstens die indische Jogaeinweihung, zweitens der christlich-gnostische Weg, der auch von heutigen Menschen noch sehr wohl betreten werden kann, drittens der rosenkreuzerische Weg, der dem heutigen Menschen, welcher im bloßen Glauben nicht letztlich Genüge finden kann, sondern mit den Errungenschaften der Kultur und Technik bekannt wird, jedenfalls der angemessenste ist. Auch dieser ist im tiefsten Grunde ein christlicher Weg, was schon daraus hervorgeht, daß gerade der rosenkreuzerisch Entwickelte die Weisheitslehren des Christentums am besten und tiefsten verstehen lernt.
[ 14 ] Erstens: Der orientalische Jogaweg. Der menschlichen Seele ist es möglich, sich so weit zu entwickeln, daß sie wie ein Auge wird, welches direkt das Geistige, Ewige, Unzeitliche schaut. Der Weg, den der Orientale zu dieser Entwickelung einschlägt, ist wegen der völligen Andersartigkeit seiner Naturanlage und Organisation vom Weg des Europäers verschieden. Nicht etwa bloß dem Äußeren nach ist der Hindu vom Europäer verschieden, nein, sogar Gehirn und Seele sind bei beiden abweichend gebaut. Somit ergibt sich deutlich, daß zur wirklichen Erreichung jenes vorgesteckten Zieles der Hindu einen andern Weg einschlagen muß als der Europäer. Ja die Sache geht sogar so weit, daß ein Europäer sich gegebenenfalls moralisch und physisch ruiniert, wollte er den orientalischen Entwickelungspfad einschlagen. Jene Einsamkeit und Zurückgezogenheit der Seele, wie dies der Jogaweg erfordert, ist in unserer europäischen Kultur fast unmöglich. Man müßte dabei schon ganz aus dem gewöhnlichen Leben, ja aus unserer ganzen Kultur hinaustreten, um einzig nur seiner eigenen inneren Entwickelung zu obliegen.
[ 14 ] Erstens: Der orientalische Jogaweg. Der menschlichen Seele ist es möglich, sich so weit zu entwickeln, daß sie wie ein Auge wird, welches direkt das Geistige, Ewige, Unzeitliche schaut. Der Weg, den der Orientale zu dieser Entwickelung einschlägt, ist wegen der völligen Andersartigkeit seiner Naturanlage und Organisation vom Weg des Europäers verschieden. Nicht etwa bloß dem Äußeren nach ist der Hindu vom Europäer verschieden, nein, sogar Gehirn und Seele sind bei beiden abweichend gebaut. Somit ergibt sich deutlich, daß zur wirklichen Erreichung jenes vorgesteckten Zieles der Hindu einen andern Weg einschlagen muß als der Europäer. Ja die Sache geht sogar so weit, daß ein Europäer sich gegebenenfalls moralisch und physisch ruiniert, wollte er den orientalischen Entwickelungspfad einschlagen. Jene Einsamkeit und Zurückgezogenheit der Seele, wie dies der Jogaweg erfordert, ist in unserer europäischen Kultur fast unmöglich. Man müßte dabei schon ganz aus dem gewöhnlichen Leben, ja aus unserer ganzen Kultur hinaustreten, um einzig nur seiner eigenen inneren Entwickelung zu obliegen.
[ 15 ] Der auf diesem Weg geistig Weiterschreitende bedarf eines geistigen Führers oder Gurus, der ihn sicher durch die vielen Wirrnisse durchleitet. Ohne einen solchen Guru ist es unmöglich, diesen Pfad zu beschreiten. Ferner bedarf es dazu einer völligen Umwandlung des menschlichen Wesens, einer Umwandlung, die der Guru einem vorschreibt. Überhaupt besitzt dann ein solcher Guru eine unumschränkte Gewalt über seinen Schüler. Es bleibt dann nicht mehr gleichgültig, was der Mensch in seinem sonstigen Leben tut. Es genügt nicht mehr, ein anständiger, guter Mensch gewöhnlichen Schlages zu sein, einfach ein Mensch, den die Gesellschaft so im gewöhnlichen als musterhaft bezeichnet.
[ 15 ] Der auf diesem Weg geistig Weiterschreitende bedarf eines geistigen Führers oder Gurus, der ihn sicher durch die vielen Wirrnisse durchleitet. Ohne einen solchen Guru ist es unmöglich, diesen Pfad zu beschreiten. Ferner bedarf es dazu einer völligen Umwandlung des menschlichen Wesens, einer Umwandlung, die der Guru einem vorschreibt. Überhaupt besitzt dann ein solcher Guru eine unumschränkte Gewalt über seinen Schüler. Es bleibt dann nicht mehr gleichgültig, was der Mensch in seinem sonstigen Leben tut. Es genügt nicht mehr, ein anständiger, guter Mensch gewöhnlichen Schlages zu sein, einfach ein Mensch, den die Gesellschaft so im gewöhnlichen als musterhaft bezeichnet.
[ 16 ] Seele und Körper müssen nun möglichst vollständig unterschieden und getrennt werden können, sie dürfen sich nicht mehr wie früher gegenseitig durchdringen. Leidenschaften und tierische Instinkte sollen künftig nichts mehr mit der Seele zu tun haben, denn solange dies der Fall ist, wird die Seele gehemmt und verhindert, die Nebel der physischen Welt zu durchdringen und in die höhere geistige Welt zu schauen. Bei einer genauen Trennung aber von Seele und Körper kann letzterer sehr wohl seine Leidenschaften und Begierden geltend machen, währenddem sich gleichzeitig die Seele im höheren Leben befindet. So kann sich also die Seele höher bilden zum geistigen Schauen, währenddem der Körper allen möglichen schlechten Eigenschaften verfällt und eventuell verkommit, weil nun seine Leidenschaften und Triebe nicht mehr, wie dies früher noch möglich war, als Seele und Körper sich noch gegenseitig durchdrangen, von der einsichtigen Seele zum Bessern geleitet werden. Daraus ergibt sich die enorme Wichtigkeit einer richtigen Führung auf diesem gefährlichen Pfad. Auf den Guru hat man dann in jedem Falle strikt zu hören, auch in Fällen, wo man das ungern tut. Der Guru darf sich in die intimsten Herzensangelegenheiten hineinmischen und seinem Schüler entsprechende Verhaltensmaßregeln geben. Gewisse Beziehungen können einem verboten werden, weil sie einem hinderlich in der eingeschlagenen Entwickelung sind. Vorbedingungen für diesen Entwickelungsweg sind: Einmal der Ausartung seiner niederen Naturtriebe wirksam vorbeugen zu können; dann die stete Übung gewisser Handlungsweisen und Festigung bestimmter Eigenschaften und die Ausbildung weiterer, erst schlummernder oder noch nicht vorhandener Fähigkeiten.
[ 16 ] Seele und Körper müssen nun möglichst vollständig unterschieden und getrennt werden können, sie dürfen sich nicht mehr wie früher gegenseitig durchdringen. Leidenschaften und tierische Instinkte sollen künftig nichts mehr mit der Seele zu tun haben, denn solange dies der Fall ist, wird die Seele gehemmt und verhindert, die Nebel der physischen Welt zu durchdringen und in die höhere geistige Welt zu schauen. Bei einer genauen Trennung aber von Seele und Körper kann letzterer sehr wohl seine Leidenschaften und Begierden geltend machen, währenddem sich gleichzeitig die Seele im höheren Leben befindet. So kann sich also die Seele höher bilden zum geistigen Schauen, währenddem der Körper allen möglichen schlechten Eigenschaften verfällt und eventuell verkommit, weil nun seine Leidenschaften und Triebe nicht mehr, wie dies früher noch möglich war, als Seele und Körper sich noch gegenseitig durchdrangen, von der einsichtigen Seele zum Bessern geleitet werden. Daraus ergibt sich die enorme Wichtigkeit einer richtigen Führung auf diesem gefährlichen Pfad. Auf den Guru hat man dann in jedem Falle strikt zu hören, auch in Fällen, wo man das ungern tut. Der Guru darf sich in die intimsten Herzensangelegenheiten hineinmischen und seinem Schüler entsprechende Verhaltensmaßregeln geben. Gewisse Beziehungen können einem verboten werden, weil sie einem hinderlich in der eingeschlagenen Entwickelung sind. Vorbedingungen für diesen Entwickelungsweg sind: Einmal der Ausartung seiner niederen Naturtriebe wirksam vorbeugen zu können; dann die stete Übung gewisser Handlungsweisen und Festigung bestimmter Eigenschaften und die Ausbildung weiterer, erst schlummernder oder noch nicht vorhandener Fähigkeiten.
[ 17 ] Solche Vorbereitungen für den Pfad sind: Erstens: Abgewöhnung eines irrlichtelierenden Denkens. Dies scheint eine leichte Bedingung zu sein, ist aber in Wirklichkeit schwer. Wir werden von äußeren Eindrücken gejagt und getrieben. Zum wenigsten fünf Minuten des Tages sollte der Mensch völlig Herr über seine Gedankenfolge sein. Als Übung kann man zum Beispiel versuchen, eine einzige Vorstellung in den Mittelpunkt des Bewußtseins zu stellen. Dann darf durchaus nichts anderes mit dieser Vorstellung verbunden werden, so viel sich unwillkürlich daran reihen möge, als was ich durch freien Entschluß selber damit verbinde. Derlei Übungen sollten mit verschiedensten Gegenständen angestellt werden. Nach einiger Zeit stellt sich dann ein kontrollierteres Denken ein, das sich äußerlich schon in der präziseren Sprache ausdrückt.
[ 17 ] Solche Vorbereitungen für den Pfad sind: Erstens: Abgewöhnung eines irrlichtelierenden Denkens. Dies scheint eine leichte Bedingung zu sein, ist aber in Wirklichkeit schwer. Wir werden von äußeren Eindrücken gejagt und getrieben. Zum wenigsten fünf Minuten des Tages sollte der Mensch völlig Herr über seine Gedankenfolge sein. Als Übung kann man zum Beispiel versuchen, eine einzige Vorstellung in den Mittelpunkt des Bewußtseins zu stellen. Dann darf durchaus nichts anderes mit dieser Vorstellung verbunden werden, so viel sich unwillkürlich daran reihen möge, als was ich durch freien Entschluß selber damit verbinde. Derlei Übungen sollten mit verschiedensten Gegenständen angestellt werden. Nach einiger Zeit stellt sich dann ein kontrollierteres Denken ein, das sich äußerlich schon in der präziseren Sprache ausdrückt.
[ 18 ] Zweitens: Initiative des Handelns. Diese fehlt manchem Menschen fast ganz, denn von früh auf wird er gewöhnlich in einen Beruf gedrängt, der nun den größten Teil seines Handelns absorbiert. Unsere meisten Handlungen sind von außen bestimmt. Daher soll der, welcher die Einweihung sucht, es sich eindringlich angelegen sein lassen, zu einer bestimmten Tageszeit regelmäßig eine Handlung zu verrichten, die aus inneren, eigenen Antrieben heraus kommt, mag dies im Grunde auch etwas Unbedeutendes sein.
[ 18 ] Zweitens: Initiative des Handelns. Diese fehlt manchem Menschen fast ganz, denn von früh auf wird er gewöhnlich in einen Beruf gedrängt, der nun den größten Teil seines Handelns absorbiert. Unsere meisten Handlungen sind von außen bestimmt. Daher soll der, welcher die Einweihung sucht, es sich eindringlich angelegen sein lassen, zu einer bestimmten Tageszeit regelmäßig eine Handlung zu verrichten, die aus inneren, eigenen Antrieben heraus kommt, mag dies im Grunde auch etwas Unbedeutendes sein.
[ 19 ] Drittens soll der Schüler über das «himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt» hinauskommen, das heißt, der Mensch soll sich nicht jedem Schmerz und jeder Lust willenlos überlassen, sondern er soll sein inneres Gleichgewicht beibehalten auch bei den herbsten Schmerzen und den größten Lüsten. Dies braucht ganz gewiß keine Stumpfheit und Empfindungslosigkeit zu erzeugen, im Gegenteil, es bildet sich daraus ein um so feineres und intensiveres Empfinden.
[ 19 ] Drittens soll der Schüler über das «himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt» hinauskommen, das heißt, der Mensch soll sich nicht jedem Schmerz und jeder Lust willenlos überlassen, sondern er soll sein inneres Gleichgewicht beibehalten auch bei den herbsten Schmerzen und den größten Lüsten. Dies braucht ganz gewiß keine Stumpfheit und Empfindungslosigkeit zu erzeugen, im Gegenteil, es bildet sich daraus ein um so feineres und intensiveres Empfinden.
[ 20 ] Viertens: Eine persische Legende von Christus Jesus soll im Schüler lebendig werden, nämlich: Mit den Jüngern ging Jesus über Land. Am Wege lag ein halb verwester Hund, greulich anzusehen. Die Jünger wandten sich mit Entsetzen ab, Christus Jesus hingegen schaute mit liebevollen Augen den Kadaver an und bemerkte dazu: Schaut doch die wunderschönen Zähne dieses toten Tieres! — Die Quintessenz hiervon ist, aus dem Häßlichen auch noch das verborgene Schöne herauszufinden und überhaupt immer das Positive zu suchen, das, wozu man ja sagen kann. Selbst im Leben des ärgsten Bösewichts gibt es lichte Momente, denen man verständnisvoll begegnen soll.
[ 20 ] Viertens: Eine persische Legende von Christus Jesus soll im Schüler lebendig werden, nämlich: Mit den Jüngern ging Jesus über Land. Am Wege lag ein halb verwester Hund, greulich anzusehen. Die Jünger wandten sich mit Entsetzen ab, Christus Jesus hingegen schaute mit liebevollen Augen den Kadaver an und bemerkte dazu: Schaut doch die wunderschönen Zähne dieses toten Tieres! — Die Quintessenz hiervon ist, aus dem Häßlichen auch noch das verborgene Schöne herauszufinden und überhaupt immer das Positive zu suchen, das, wozu man ja sagen kann. Selbst im Leben des ärgsten Bösewichts gibt es lichte Momente, denen man verständnisvoll begegnen soll.
[ 21 ] Fünftens ist völlige Freiheit von Vorurteilen anzustreben. Niemals soll die Vergangenheit einem das Urteil über die Gegenwart bestimmen. Etwas Neues soll man nicht einfach von sich weisen, weil es einem noch nie begegnet ist. Neuen Erkenntnissen soll man unbefangen entgegentreten, wenn man ein Eingeweihter werden will.
[ 21 ] Fünftens ist völlige Freiheit von Vorurteilen anzustreben. Niemals soll die Vergangenheit einem das Urteil über die Gegenwart bestimmen. Etwas Neues soll man nicht einfach von sich weisen, weil es einem noch nie begegnet ist. Neuen Erkenntnissen soll man unbefangen entgegentreten, wenn man ein Eingeweihter werden will.
[ 22 ] Sechstens: Entwickelung zur Seelenharmonie. Diese wird eigentlich aus allen andern wie von selbst entstehen.
[ 22 ] Sechstens: Entwickelung zur Seelenharmonie. Diese wird eigentlich aus allen andern wie von selbst entstehen.
[ 23 ] Die angeführten Eigenschaften sind für jeden auf dem Jogaweg Einzuweihenden unerläßliche Vorbedingungen.
[ 23 ] Die angeführten Eigenschaften sind für jeden auf dem Jogaweg Einzuweihenden unerläßliche Vorbedingungen.
[ 24 ] Der eigentliche Jogaweg besteht ebenfalls aus einzelnen Abschnitten, die man scharf auseinanderhalten muß.
[ 24 ] Der eigentliche Jogaweg besteht ebenfalls aus einzelnen Abschnitten, die man scharf auseinanderhalten muß.
[ 25 ] Erstens: Der Jogaschüler soll nicht töten, nicht lügen, nicht stehlen, nicht ausschweifend leben und nicht begehren. Je mehr man aufhört, auf Kosten anderer zu leben, um so naher kommt man dem, was mit der Forderung «nicht stehlen» gemeint ist. Es handelt sich hier natürlich nicht um das auch kriminell strafbare Stehlen, sondern um feinere Arten desselben. Was die übrigen Erfordernisse besagen, weiß wohl jeder unmittelbar selbst.
[ 25 ] Erstens: Der Jogaschüler soll nicht töten, nicht lügen, nicht stehlen, nicht ausschweifend leben und nicht begehren. Je mehr man aufhört, auf Kosten anderer zu leben, um so naher kommt man dem, was mit der Forderung «nicht stehlen» gemeint ist. Es handelt sich hier natürlich nicht um das auch kriminell strafbare Stehlen, sondern um feinere Arten desselben. Was die übrigen Erfordernisse besagen, weiß wohl jeder unmittelbar selbst.
[ 26 ] Zweitens ist es sehr erwünscht, gewisse symbolische Handlungen als die seinigen anzuerkennen. Man soll einen Sinn dafür haben und verstehen lernen, daß eine Kultushandlung eigentlich bloß ein symbolischer Ausdruck für einen tieferen Inhalt ist.
[ 26 ] Zweitens ist es sehr erwünscht, gewisse symbolische Handlungen als die seinigen anzuerkennen. Man soll einen Sinn dafür haben und verstehen lernen, daß eine Kultushandlung eigentlich bloß ein symbolischer Ausdruck für einen tieferen Inhalt ist.
[ 27 ] Drittens: Einnehmen einer bestimmten Körperstellung und -lage, denn es ist durchaus nicht gleichgültig, welche Lage man dem Körper bei den Übungen zur höheren Weisheit gibt. Man soll ihn nämlich möglichst in die Richtung der geistigen Strömungen in der Welt bringen.
[ 27 ] Drittens: Einnehmen einer bestimmten Körperstellung und -lage, denn es ist durchaus nicht gleichgültig, welche Lage man dem Körper bei den Übungen zur höheren Weisheit gibt. Man soll ihn nämlich möglichst in die Richtung der geistigen Strömungen in der Welt bringen.
[ 28 ] Viertens:Von großer Wichtigkeit ist auch das Pranayama oder das Jogaatmen, welches mit der Forderung zusammenhängt, nicht zu töten, denn durch seinen Atem wirkt der Mensch auf viele Dinge seiner Umgebung tötend. Das Jogaatmen zielt darauf ab, dem menschlichen Atem jenen tötenden Einfluß auf andere Lebewesen allmählich zu nehmen. Vor allem soll nicht mehr so viel tötende Kohlensäure abgegeben werden. Daß dies möglich ist, ergibt sich schon daraus, daß die tief Eingeweihten Jahrzehnte in dumpfen Höhlen zubringen können, ohne physisch zu verderben.
[ 28 ] Viertens:Von großer Wichtigkeit ist auch das Pranayama oder das Jogaatmen, welches mit der Forderung zusammenhängt, nicht zu töten, denn durch seinen Atem wirkt der Mensch auf viele Dinge seiner Umgebung tötend. Das Jogaatmen zielt darauf ab, dem menschlichen Atem jenen tötenden Einfluß auf andere Lebewesen allmählich zu nehmen. Vor allem soll nicht mehr so viel tötende Kohlensäure abgegeben werden. Daß dies möglich ist, ergibt sich schon daraus, daß die tief Eingeweihten Jahrzehnte in dumpfen Höhlen zubringen können, ohne physisch zu verderben.
[ 29 ] Die fünfte Stufe bezieht sich auf die Unterdrückung des Ablaufs bestimmter sinnlicher Vorstellungen. Wir dürfen hier nicht mehr jede sinnliche Vorstellung auf uns einwirken lassen, sondern sollen einzelne herausnehmen, um auf sie dann alle Aufmerksamkeit zu konzentrieren. Ferner sollen die andern Gedanken jeweils einen bestimmten und geregelten Weg des Ablaufs erhalten.
[ 29 ] Die fünfte Stufe bezieht sich auf die Unterdrückung des Ablaufs bestimmter sinnlicher Vorstellungen. Wir dürfen hier nicht mehr jede sinnliche Vorstellung auf uns einwirken lassen, sondern sollen einzelne herausnehmen, um auf sie dann alle Aufmerksamkeit zu konzentrieren. Ferner sollen die andern Gedanken jeweils einen bestimmten und geregelten Weg des Ablaufs erhalten.
[ 30 ] Sechstens: Im weiteren Verfolg hat sich der Schüler etwa auf einen Lichteindruck, oder besser gesagt, auf das in der Seele haftende Bild eines solchen Eindrucks zu konzentrieren. Letzteres bildeteine noch höhere Stufe. Noch wertvoller ist die Meditation, die von einer Vorstellung ausgeht, die nicht mehr der sinnlichen Welt angehört. Daß der Mensch sich solchen Vorstellungen in Kontemplation hingibt, ist für seine Schulung durchaus erforderlich.
[ 30 ] Sechstens: Im weiteren Verfolg hat sich der Schüler etwa auf einen Lichteindruck, oder besser gesagt, auf das in der Seele haftende Bild eines solchen Eindrucks zu konzentrieren. Letzteres bildeteine noch höhere Stufe. Noch wertvoller ist die Meditation, die von einer Vorstellung ausgeht, die nicht mehr der sinnlichen Welt angehört. Daß der Mensch sich solchen Vorstellungen in Kontemplation hingibt, ist für seine Schulung durchaus erforderlich.
[ 31 ] Die folgende siebente Stufe ist sehr schwer, denn sie besteht darin, daß der Mensch nun überhaupt jegliche Vorstellung aus seinem Bewußtsein verbannt und dabei doch vollständig wach bleibt. So nähert er sich dem Zustand intuitiver Empfängnis. Jetzt erst ist der Boden bereitet, damit uns aus einer bisher noch unbekannten Welt deren Inhalt zufließt.
[ 31 ] Die folgende siebente Stufe ist sehr schwer, denn sie besteht darin, daß der Mensch nun überhaupt jegliche Vorstellung aus seinem Bewußtsein verbannt und dabei doch vollständig wach bleibt. So nähert er sich dem Zustand intuitiver Empfängnis. Jetzt erst ist der Boden bereitet, damit uns aus einer bisher noch unbekannten Welt deren Inhalt zufließt.
[ 32 ] Bei all dieser Vorbereitung und Schulung ist der Guru unentbehrlich, denn erst durch ihn und ausschließlich durch ihn werden diese inneren Vorgänge in der richtigen Weise und zum Heil des Schülers geleitet.
[ 32 ] Bei all dieser Vorbereitung und Schulung ist der Guru unentbehrlich, denn erst durch ihn und ausschließlich durch ihn werden diese inneren Vorgänge in der richtigen Weise und zum Heil des Schülers geleitet.
[ 33 ] Die hier gebrachte Darlegung dieses Jogaweges ist freilich nur eine unvollständige Skizze und ja nicht etwa für irgend jemand eine Anleitung zur Betretung dieses Weges. Es bedarf, um es noch einmal zu sagen, von Zeit zu Zeit der unentbehrlichen, nur von Mensch zu Mensch zu übermittelnden Anleitung durch den Guru.
[ 33 ] Die hier gebrachte Darlegung dieses Jogaweges ist freilich nur eine unvollständige Skizze und ja nicht etwa für irgend jemand eine Anleitung zur Betretung dieses Weges. Es bedarf, um es noch einmal zu sagen, von Zeit zu Zeit der unentbehrlichen, nur von Mensch zu Mensch zu übermittelnden Anleitung durch den Guru.
[ 34 ] Zweitens: Der christlich-gnostische Weg. Der Hauptunterschied dieses Weges vom vorigen ist der, daß hier nicht jeder einzelne Schüler einen besonderen Guru für sich braucht. Er ist dieses Erfordernisses enthoben durch die Existenz einer großen, erhabenen Persönlichkeit, nämlich des Christus Jesus, welcher dem Schüler Ziel und Wegweiser sein soll. Die genauere Darlegung des einzuschlagenden Weges findet er in der Heiligen Schrift, der Bibel, und zwar speziell im Johannes-Evangelium, welches in seinem tieferen Grunde in der Tat eine direkte Anweisung zu mystischer Schulung ist.
[ 34 ] Zweitens: Der christlich-gnostische Weg. Der Hauptunterschied dieses Weges vom vorigen ist der, daß hier nicht jeder einzelne Schüler einen besonderen Guru für sich braucht. Er ist dieses Erfordernisses enthoben durch die Existenz einer großen, erhabenen Persönlichkeit, nämlich des Christus Jesus, welcher dem Schüler Ziel und Wegweiser sein soll. Die genauere Darlegung des einzuschlagenden Weges findet er in der Heiligen Schrift, der Bibel, und zwar speziell im Johannes-Evangelium, welches in seinem tieferen Grunde in der Tat eine direkte Anweisung zu mystischer Schulung ist.
[ 35 ] Bei diesem Weg ist der Führer mehr ein Berater als ein autoritativer eigentlicher Guru. In der Anleitung zur Einweihung ist hier zugleich die höchste Autorität beschlossen, nämlich Jesus Christus. Das Johannes-Evangelium gibt diese Anleitung zur mystischen Entwickelung. Es ist also kein Studienbuch, sondern in wahrhaftem Sinne ein Lebensbuch. Schon die ersten wenigen Sätze dieses Evangeliums haben eine bestimmte mystische Kraft und sind überaus wichtig zum Betreten des Einweihungspfades. So muß sich ein christlicher Mysterienschüler in bezug auf diese wenigen Sätze meditativ verhalten, das heißt zum Beispiel, jeden Morgen um eine bestimmte Zeit diese Sätze und sonst gar nichts anderes zum Inhalt seiner Seele machen. Nach einiger Zeit wird ihm dann der tiefe Gehalt dieser Sätze intuitiv klar, und jetzt erst ist der Moment gekommen, wo man das weitere Studium des Johannes-Evangeliums wirklich fruchtbringend beginnen kann.
[ 35 ] Bei diesem Weg ist der Führer mehr ein Berater als ein autoritativer eigentlicher Guru. In der Anleitung zur Einweihung ist hier zugleich die höchste Autorität beschlossen, nämlich Jesus Christus. Das Johannes-Evangelium gibt diese Anleitung zur mystischen Entwickelung. Es ist also kein Studienbuch, sondern in wahrhaftem Sinne ein Lebensbuch. Schon die ersten wenigen Sätze dieses Evangeliums haben eine bestimmte mystische Kraft und sind überaus wichtig zum Betreten des Einweihungspfades. So muß sich ein christlicher Mysterienschüler in bezug auf diese wenigen Sätze meditativ verhalten, das heißt zum Beispiel, jeden Morgen um eine bestimmte Zeit diese Sätze und sonst gar nichts anderes zum Inhalt seiner Seele machen. Nach einiger Zeit wird ihm dann der tiefe Gehalt dieser Sätze intuitiv klar, und jetzt erst ist der Moment gekommen, wo man das weitere Studium des Johannes-Evangeliums wirklich fruchtbringend beginnen kann.
[ 36 ] Im Verlauf dieses Studiums werden sich allmählich in unsere Träume leise jene Bilder des Evangeliums einschleichen, so daß wir die darin dargelegten Handlungen innerlich selber erleben. Dieses innere Erlebnis erstreckt sich dann über sämtliche Entwickelungsstufen, deren eingehendere Schilderung ich hier nicht bringen will.
[ 36 ] Im Verlauf dieses Studiums werden sich allmählich in unsere Träume leise jene Bilder des Evangeliums einschleichen, so daß wir die darin dargelegten Handlungen innerlich selber erleben. Dieses innere Erlebnis erstreckt sich dann über sämtliche Entwickelungsstufen, deren eingehendere Schilderung ich hier nicht bringen will.
[ 37 ] Ist man vorgeschritten bis zur Fußwaschung, welche die symbolische Handlung für das demütige Bekennen der Abhängigkeit und des Hervorwachsens aus dem unter einem Stehenden, Niedereren ist, so machen sich auch schon äußerlich gewisse Symptome geltend: ein eigenartiges Gefühl von rieselndem Wasser an den Füßen. Als inneres Symptom steht ihm gegenüber das imaginative Bild der Fußwaschung. In der christlichen mystischen Entwickelung bedeutet die Fußwaschung die erste Stufe.
[ 37 ] Ist man vorgeschritten bis zur Fußwaschung, welche die symbolische Handlung für das demütige Bekennen der Abhängigkeit und des Hervorwachsens aus dem unter einem Stehenden, Niedereren ist, so machen sich auch schon äußerlich gewisse Symptome geltend: ein eigenartiges Gefühl von rieselndem Wasser an den Füßen. Als inneres Symptom steht ihm gegenüber das imaginative Bild der Fußwaschung. In der christlichen mystischen Entwickelung bedeutet die Fußwaschung die erste Stufe.
[ 38 ] Als zweite Station folgt dann die Geißelung, welche man ebenfalls gefühlsmäßig erlebt. Sie bedeutet, daß wir trotz großer und vieler Schmerzen und Kümmernisse, die wir im Leben auszuhalten haben, immer aufrechtstehen und nicht kleinmütig werden. Auch hier haben wir sowohl ein äußeres wie ein inneres Symptom, nämlich ein seltsames physisches Stechen und das geistige Bild unserer eigenen Geißelung.
[ 38 ] Als zweite Station folgt dann die Geißelung, welche man ebenfalls gefühlsmäßig erlebt. Sie bedeutet, daß wir trotz großer und vieler Schmerzen und Kümmernisse, die wir im Leben auszuhalten haben, immer aufrechtstehen und nicht kleinmütig werden. Auch hier haben wir sowohl ein äußeres wie ein inneres Symptom, nämlich ein seltsames physisches Stechen und das geistige Bild unserer eigenen Geißelung.
[ 39 ] Dritte Stufe die Dornenkrönung. Diese Handlung besagt, daß, wenn uns auch Schmerzvolles begegnet, wenn uns unsere heiligsten Gefühle und Überzeugungen mit Hohn und Spott verfolgt würden, man seine innere Festigkeit, sein Gleichgewicht nicht verlieren soll. Symptome: Kopfschmerzen, Vision der eigenen Person mit der Dornenkrone auf dem Haupt.
[ 39 ] Dritte Stufe die Dornenkrönung. Diese Handlung besagt, daß, wenn uns auch Schmerzvolles begegnet, wenn uns unsere heiligsten Gefühle und Überzeugungen mit Hohn und Spott verfolgt würden, man seine innere Festigkeit, sein Gleichgewicht nicht verlieren soll. Symptome: Kopfschmerzen, Vision der eigenen Person mit der Dornenkrone auf dem Haupt.
[ 40 ] Viertens die Kreuztragung [Kreuzigung]: Hier soll dem Schüler zum Erlebnis werden, daß der Leib eigentlich ein gleichgültiges Objekt ist gegenüber der Seele und deren Wichtigkeit. Sind wir uns dessen wirklich bewußt, dann werden wir auch imstande sein, den Leib bloß als Instrument zu höheren Dingen zu benutzen, dann werden wir ihn wirklich beherrschen. Symptome: Erscheinen der Wundmale Christi als gerötete Stellen an Händen und Füßen. Diese Blutsprobe tritt freilich nur für Augenblicke während der Meditation auf. Innerliche Vision, daß man selber gekreuzigt werde.
[ 40 ] Viertens die Kreuztragung [Kreuzigung]: Hier soll dem Schüler zum Erlebnis werden, daß der Leib eigentlich ein gleichgültiges Objekt ist gegenüber der Seele und deren Wichtigkeit. Sind wir uns dessen wirklich bewußt, dann werden wir auch imstande sein, den Leib bloß als Instrument zu höheren Dingen zu benutzen, dann werden wir ihn wirklich beherrschen. Symptome: Erscheinen der Wundmale Christi als gerötete Stellen an Händen und Füßen. Diese Blutsprobe tritt freilich nur für Augenblicke während der Meditation auf. Innerliche Vision, daß man selber gekreuzigt werde.
[ 41 ] Fünftens der mystische Tod. Hier hat der Schüler das sonderbare Erlebnis, als ob die ganze Welt um ihn mit einem Schleier zugedeckt wäre, und hinter dem Schleier ahnt er das Wesenhafte. Während er sich so in der Finsternis fühlt, reißt plötzlich der Schleier, und er blickt hindurch in eine ganz neue, wundersame Welt hinein. In einem ganz andern Maße lernt er nun beurteilen, was auf dem Grunde der menschlichen Seele liegt. Es ist dieser mystische Tod gleichsam ein Hinabsteigen in die Hölle.
[ 41 ] Fünftens der mystische Tod. Hier hat der Schüler das sonderbare Erlebnis, als ob die ganze Welt um ihn mit einem Schleier zugedeckt wäre, und hinter dem Schleier ahnt er das Wesenhafte. Während er sich so in der Finsternis fühlt, reißt plötzlich der Schleier, und er blickt hindurch in eine ganz neue, wundersame Welt hinein. In einem ganz andern Maße lernt er nun beurteilen, was auf dem Grunde der menschlichen Seele liegt. Es ist dieser mystische Tod gleichsam ein Hinabsteigen in die Hölle.
[ 42 ] Jetzt ist er ein Erweckter und kann zur sechsten Stufe, zur Grablegung, fortschreiten. Hier empfindet der Mensch seine ganze äußere Umgebung als seinen Leib. Seine Persönlichkeit weitet sich aus und umfaßt die ganze Erde. Der Leib fühlt sich mit der Erde eins, und das persönliche Bewußtsein dehnt sich zum Erdenbewußtsein aus.
[ 42 ] Jetzt ist er ein Erweckter und kann zur sechsten Stufe, zur Grablegung, fortschreiten. Hier empfindet der Mensch seine ganze äußere Umgebung als seinen Leib. Seine Persönlichkeit weitet sich aus und umfaßt die ganze Erde. Der Leib fühlt sich mit der Erde eins, und das persönliche Bewußtsein dehnt sich zum Erdenbewußtsein aus.
[ 43 ] Die siebente Stufe kann nicht genauer beschrieben werden, denn sie steht jenseits allen sinnlichen Vorstellungsvermögens. Höchstens kann sie noch denkend von jenen Menschen erfaßt werden, welche durch unablässige Übung endlich von dieser Welt frei geworden sind. Diese Stufe umfaßt das Eingehen zu vollkommener Göttlichkeit und Herrlichkeit, wofür unsere Worte zur Schilderung nicht mehr ausreichen.
[ 43 ] Die siebente Stufe kann nicht genauer beschrieben werden, denn sie steht jenseits allen sinnlichen Vorstellungsvermögens. Höchstens kann sie noch denkend von jenen Menschen erfaßt werden, welche durch unablässige Übung endlich von dieser Welt frei geworden sind. Diese Stufe umfaßt das Eingehen zu vollkommener Göttlichkeit und Herrlichkeit, wofür unsere Worte zur Schilderung nicht mehr ausreichen.
[ 44 ] Dieser christliche Weg ist zwar ein schwieriger, weil er innerlich mit großer Demut und Selbstentäußerung verknüpft ist. Wer ihn aber durchwandelt hat, der hat erreicht, was des Menschen Ziel und Würde ist, in dem ist das wahre Christentum wirklich lebendig geworden.
[ 44 ] Dieser christliche Weg ist zwar ein schwieriger, weil er innerlich mit großer Demut und Selbstentäußerung verknüpft ist. Wer ihn aber durchwandelt hat, der hat erreicht, was des Menschen Ziel und Würde ist, in dem ist das wahre Christentum wirklich lebendig geworden.
[ 45 ] Drittens: Der rosenkreuzerische Pfad. Dieser Weg ist eigentlich nur eine Modifikation der andern beiden. Er ist im 14. Jahrhundert aufgekommen, weil die Adepten damals schon voraussahen, daß in den nächsten Jahrhunderten die Kulturverhältnisse ganz anders würden.
[ 45 ] Drittens: Der rosenkreuzerische Pfad. Dieser Weg ist eigentlich nur eine Modifikation der andern beiden. Er ist im 14. Jahrhundert aufgekommen, weil die Adepten damals schon voraussahen, daß in den nächsten Jahrhunderten die Kulturverhältnisse ganz anders würden.
[ 46 ] Für den modernen Menschen ist dieser Weg der geeignetste. Er ist auch dem Europäer am angemessensten. Freilich ist damit nicht gesagt, daß nicht einer der andern Wege ebenfalls zum Ziel führen könnte. Das rosenkreuzerische System ist jedoch mit unserer ganzen Kultur und Zivilisation vereinbar. Dieser Weg ist allerdings bisher nicht in Büchern oder Handschriften niedergelegt, sondern durch mündliche Überlieferung von einer Generation auf die andere übertragen worden. Eine ausführlichere Darlegung desselben findet sich in der «Luzifer-Gnosis» unter dem Titel «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten».
[ 46 ] Für den modernen Menschen ist dieser Weg der geeignetste. Er ist auch dem Europäer am angemessensten. Freilich ist damit nicht gesagt, daß nicht einer der andern Wege ebenfalls zum Ziel führen könnte. Das rosenkreuzerische System ist jedoch mit unserer ganzen Kultur und Zivilisation vereinbar. Dieser Weg ist allerdings bisher nicht in Büchern oder Handschriften niedergelegt, sondern durch mündliche Überlieferung von einer Generation auf die andere übertragen worden. Eine ausführlichere Darlegung desselben findet sich in der «Luzifer-Gnosis» unter dem Titel «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten».
[ 47 ] Hier haben wir eine ganz andere Auffassung des Guru. Er ist dem Schüler nicht mehr eine unbedingte Autorität, sondern mehr ein Ratgeber und Freund. Autorität ist hier bloß noch die freie Entschließung des Individuums.
[ 47 ] Hier haben wir eine ganz andere Auffassung des Guru. Er ist dem Schüler nicht mehr eine unbedingte Autorität, sondern mehr ein Ratgeber und Freund. Autorität ist hier bloß noch die freie Entschließung des Individuums.
[ 48 ] Die Entwickelung vollzieht sich in sieben Stufen, nämlich: Erstens Studium, zweitens Imagination, drittens Erkenntnis der okkulten Schrift, viertens Rhythmisierung des Lebens, fünftens Aufsuchen von entsprechenden Beziehungen zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos, sechstens Kontemplation, siebentens Erleben der Gottseligkeit.
[ 48 ] Die Entwickelung vollzieht sich in sieben Stufen, nämlich: Erstens Studium, zweitens Imagination, drittens Erkenntnis der okkulten Schrift, viertens Rhythmisierung des Lebens, fünftens Aufsuchen von entsprechenden Beziehungen zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos, sechstens Kontemplation, siebentens Erleben der Gottseligkeit.
[ 49 ] Es ist also zunächst ein Studium erforderlich, freilich nicht ein wissenschaftliches Studium im gelehrten Sinne, sondern eine Beschäftigung mit Gedanken über Welt und Menschenleben, über Entstehung der Gestirne und so weiter oder sonstige Schulung des Denkens. Das Denken hat nämlich die Eigenschaft, neue Erfahrungen und Erlebnisse zu geben, das heißt, nur das zielbewußte, logische Denken. Es bildet einen sicheren Führer durch alle Welten, denn in jeder muß in derselben Weise konsequent gedacht werden.
[ 49 ] Es ist also zunächst ein Studium erforderlich, freilich nicht ein wissenschaftliches Studium im gelehrten Sinne, sondern eine Beschäftigung mit Gedanken über Welt und Menschenleben, über Entstehung der Gestirne und so weiter oder sonstige Schulung des Denkens. Das Denken hat nämlich die Eigenschaft, neue Erfahrungen und Erlebnisse zu geben, das heißt, nur das zielbewußte, logische Denken. Es bildet einen sicheren Führer durch alle Welten, denn in jeder muß in derselben Weise konsequent gedacht werden.
[ 50 ] Zweitens die Aneignung der Imagination. Sie besteht darin, daß man nicht bloß ein theoretisches und gedankliches, sondern ein moralisches Verhältnis zu seiner Umgebung gewinnt. Man soll hier lernen, an jedem Ding das herauszufinden, was einem moralischen Hintergrund entspricht. Zur Pflege dieser Imagination kann man sich zum Beispiel das Bild einer Pflanze in aller Klarheit und Deutlichkeit vor Augen bringen. Oder man legt ein Körnchen vor sich hin und imaginiert nun das allmähliche Emporsprießen eines Halmes und zuletzt einer fertigen Pflanze mit Früchten. Nach einiger Übung sieht man dann wirklich, wie eine Pflanze aus einem solchen Körnchen herauskommt und emporwächst. Dazu bedarf es freilich schon starker okkulter Kräfte. Aber mit geringeren Mitteln kann man als ein kleines Flammchen, das aus dem Samen herauskommt, den Astralkörper der Pflanze wahrnehmen.
[ 50 ] Zweitens die Aneignung der Imagination. Sie besteht darin, daß man nicht bloß ein theoretisches und gedankliches, sondern ein moralisches Verhältnis zu seiner Umgebung gewinnt. Man soll hier lernen, an jedem Ding das herauszufinden, was einem moralischen Hintergrund entspricht. Zur Pflege dieser Imagination kann man sich zum Beispiel das Bild einer Pflanze in aller Klarheit und Deutlichkeit vor Augen bringen. Oder man legt ein Körnchen vor sich hin und imaginiert nun das allmähliche Emporsprießen eines Halmes und zuletzt einer fertigen Pflanze mit Früchten. Nach einiger Übung sieht man dann wirklich, wie eine Pflanze aus einem solchen Körnchen herauskommt und emporwächst. Dazu bedarf es freilich schon starker okkulter Kräfte. Aber mit geringeren Mitteln kann man als ein kleines Flammchen, das aus dem Samen herauskommt, den Astralkörper der Pflanze wahrnehmen.
[ 51 ] Drittens die Erlernung der okkulten Schrift. Es ist dies eine Aneignung von Zeichen, welche mit dem Weltprozeß zu tun haben.
[ 51 ] Drittens die Erlernung der okkulten Schrift. Es ist dies eine Aneignung von Zeichen, welche mit dem Weltprozeß zu tun haben.
[ 52 ] Viertens die Rhythmisierung des Lebens. Hierzu gehört eine Regelung des Atemvorganges, bei der das Verhältnis von ausgeatmeter Kohlensäure zu eingeatmetem Sauerstoff in bestimmter Weise geändert wird. Eine Rhythmisierung des Lebens ist in unserer unruhigen Zeit überhaupt sehr notwendig. Alle Vorgänge folgen sich in einem großen Rhythmus, und dieser Rhythmus soll so viel als möglich auch ins Leben hineingetragen werden. So soll man zum Beispiel einen Meditationsprozeß genau zu einer bestimmten Stunde ansetzen, oder am Abend zur selben Stunde eine Rückschau auf sein vergangenes Leben halten. Dadurch entbindet man starke Kräfte in seiner Seele.
[ 52 ] Viertens die Rhythmisierung des Lebens. Hierzu gehört eine Regelung des Atemvorganges, bei der das Verhältnis von ausgeatmeter Kohlensäure zu eingeatmetem Sauerstoff in bestimmter Weise geändert wird. Eine Rhythmisierung des Lebens ist in unserer unruhigen Zeit überhaupt sehr notwendig. Alle Vorgänge folgen sich in einem großen Rhythmus, und dieser Rhythmus soll so viel als möglich auch ins Leben hineingetragen werden. So soll man zum Beispiel einen Meditationsprozeß genau zu einer bestimmten Stunde ansetzen, oder am Abend zur selben Stunde eine Rückschau auf sein vergangenes Leben halten. Dadurch entbindet man starke Kräfte in seiner Seele.
[ 53 ] Fünftens Aufsuchen der Entsprechungen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos. Den Zusammenhang zwischen diesen beiden hat auch Goethe in dem schönen Worte ausgedrückt:
[ 53 ] Fünftens Aufsuchen der Entsprechungen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos. Den Zusammenhang zwischen diesen beiden hat auch Goethe in dem schönen Worte ausgedrückt:
Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken,
Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?
Wär nicht das Auge sonnenhaft,
Die Sonne könnt es nie erblicken,
Läg nicht in uns des Gottes eigne Kraft,
Wie könnt uns Göttliches entzücken?
[ 54 ] Eine eingehende Versenkung in unsere Organe belehrt uns über die ihnen entsprechenden Teile des Makrokosmos. Zum Beispiel das Studium des Auges belehrt uns über das Licht, ein Erforschen der Lunge gibt uns Aufschluß über die Zusammensetzung der Luft und so weiter. Ähnlich soll man zuletzt zu der eigenen Selbsterkenntnis kommen.
[ 54 ] Eine eingehende Versenkung in unsere Organe belehrt uns über die ihnen entsprechenden Teile des Makrokosmos. Zum Beispiel das Studium des Auges belehrt uns über das Licht, ein Erforschen der Lunge gibt uns Aufschluß über die Zusammensetzung der Luft und so weiter. Ähnlich soll man zuletzt zu der eigenen Selbsterkenntnis kommen.
[ 55 ] So wird uns durch Versenkung in die innere kleine Welt allmählich auch die große Welt offenbar. Durch solche vergleichende Betrachtungen wird endlich der Zustand der Gottseligkeit erreicht, als Folge aller vorhergehenden Übungen und besonders der tiefruhigen Kontemplation der sechsten Stufe.
[ 55 ] So wird uns durch Versenkung in die innere kleine Welt allmählich auch die große Welt offenbar. Durch solche vergleichende Betrachtungen wird endlich der Zustand der Gottseligkeit erreicht, als Folge aller vorhergehenden Übungen und besonders der tiefruhigen Kontemplation der sechsten Stufe.
[ 56 ] Bei alledem ist erforderlich, daß der Mensch durchdrungen ist von bestimmten guten Eigenschaften, als da sind Selbstvertrauen, Selbstbeherrschung und Geistesgegenwart.
[ 56 ] Bei alledem ist erforderlich, daß der Mensch durchdrungen ist von bestimmten guten Eigenschaften, als da sind Selbstvertrauen, Selbstbeherrschung und Geistesgegenwart.
[ 57 ] An dieser inneren Fortbildung soll unablässig gearbeitet werden. Denn trotzdem das Göttliche wirklich schon in uns latent ist, wird es doch nicht ohne Arbeit und entsprechende Entwickelung unmittelbar offenbar. Dieser Weg verlangt kein Hinausgehen aus menschlichen und sozialen Kreisen, um in der Einsamkeit seiner eigenen Entwickelung zu obliegen. Er fordert auch keine Verachtung der Materie, sondern ein bloßes Darüber-Hinauskommen und eine Überwindung derselben zu Höherem.
[ 57 ] An dieser inneren Fortbildung soll unablässig gearbeitet werden. Denn trotzdem das Göttliche wirklich schon in uns latent ist, wird es doch nicht ohne Arbeit und entsprechende Entwickelung unmittelbar offenbar. Dieser Weg verlangt kein Hinausgehen aus menschlichen und sozialen Kreisen, um in der Einsamkeit seiner eigenen Entwickelung zu obliegen. Er fordert auch keine Verachtung der Materie, sondern ein bloßes Darüber-Hinauskommen und eine Überwindung derselben zu Höherem.
[ 58 ] Selbsterkenntnis ist Welterkenntnis! — diene zum Leitspruch.
[ 58 ] Selbsterkenntnis ist Welterkenntnis! — diene zum Leitspruch.
[ 59 ] Die geschilderten drei Wege nun führen den Menschen zur höheren Schülerschaft hin. Erst von dieser aus kann er dann durch einen wahrhaft Eingeweihten den letzten Schlüssel zum Weltgeheimnis erlangen, um dadurch einen Einblick in die tieferen Zusammenhänge des Welt- und Menschenlebens zu bekommen. Jene höchste Stufe bedeutet dann die Befähigung, Intuitionen aus höheren Welten in sich aufzunehmen. Es ist ein Zustand geistiger Helle und göttlichen Lichtes.
[ 59 ] Die geschilderten drei Wege nun führen den Menschen zur höheren Schülerschaft hin. Erst von dieser aus kann er dann durch einen wahrhaft Eingeweihten den letzten Schlüssel zum Weltgeheimnis erlangen, um dadurch einen Einblick in die tieferen Zusammenhänge des Welt- und Menschenlebens zu bekommen. Jene höchste Stufe bedeutet dann die Befähigung, Intuitionen aus höheren Welten in sich aufzunehmen. Es ist ein Zustand geistiger Helle und göttlichen Lichtes.
