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The Rudolf Steiner Archive

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Das christliche Mysterium
GA 97

14 March 1906, Stuttgart

23. Erkenntnisse und Lebensfrüchte der Geisteswissenschaft das Karmagesetz als Wirkung des Tatenlebens die Ursachen von Krankheit und Vererbung

[ 1 ] Wir wollen heute vom Karmagesetz des Menschen im einzelnen sprechen. Sie wissen, daß dasselbe durch die einzelnen Menschenleben hindurchwirkt. Eine jede noch so genaue Auseinandersetzung dieses Gesetzes ist natürlich immer lückenhaft, denn der Okkultist soll nicht von ausgedachten Fällen reden, sondern von Erfahrungen, die auf diesem Gebiete gemacht worden sind und von denen er wirklich Bestimmtes weiß, zum Beispiel durch Beobachtung eines Menschen, der so und so war und dessen verschiedene Leben man verfolgt. Wir fragen nun: Wie kommt das Lebensschicksal zustande, wie die Stellung, die der Mensch im Leben einnimmt, wie sein Charakter, seine Neigungen, Gewohnheiten und so weiter? Der eine wird mit einem heftigen, zornigen Charakter geboren, der andere als milder, sanfter Mensch. Dem einen wird ein gutes Schicksal zuteil, der andere steht in fortwährendem Kampf. Not und Sorge begleiten ihn.

[ 2 ] Vor allem müssen wir die verschiedenen Leiber der Menschen berücksichtigen und fragen, wie die karmischen Ursachen in den drei Leibern, dem physischen, ätherischen und astralischen im Menschen wirken. Wir betrachten zuerst wieder den physischen Leib und was durch denselben geschieht. Vor allen Dingen ist er der Faktor, durch den unsere Taten in der Welt ausgeführt werden, denn was wir tun, geschieht durch Bewegungen, die unser physischer Leib macht. Von diesem unserem Tun hängt unser äußeres Schicksal in der nächsten Inkarnation ab. Ob wir arm oder reich, an diesem Ort oder jenem, in dieser Umgebung oder jener geboren werden, ist das Resultat der Taten unseres physischen Leibes in früheren Leben. Begehen wir schlechte Taten, so werden wir in eine schlechte Umgebung geboren, gute Taten erwirken uns eine gute Umgebung. Dies ist das erste Gesetz.

[ 3 ] Nun kommt das zweite Gesetz. Wir kommen da am leichtesten zum Verständnis, wenn wir uns einmal in unsere eigene Kindheit hineinversetzen. Wir alle werden finden, daß wir seitdem viele neue Begriffe und Vorstellungen in uns aufgenommen und daß wir vieles gelernt haben. Wir zum Beispiel, die wir zur Geisteswissenschaft gekommen sind, haben allein dadurch schon viele neue Begriffe in uns aufgenommen. Denn, was lernen wir nicht alles durch sie, und welch neue Gedankengänge gibt sie uns! Der Inhalt dessen, was wir lernen und in unser Gedankenleben aufnehmen, geschieht durch den Astralleib. Es entstehen dadurch Veränderungen an demselben, und da dieser vergleichsweise der dünnste und feinste der Leiber ist, die der Mensch hat, so reagiert er auch am schnellsten auf jede Beeinflussung. Aber nicht nur in unseren Begriffen und Vorstellungen haben wir uns seit unserer Kindheit verändert, auch unser Temperament, unsere Neigungen, Gewohnheiten und unser Charakter sind anders geworden. Wir entsinnen uns, daß diese letztgenannten Eigenschaften durch die Einflüsse auf den Ätherleib beim Kinde gebildet wurden.

[ 4 ] Dadurch nun, daß der Ätherleib ein viel dichterer Körper als der Astralleib ist, erhalten sich diese Gewohnheiten viel zäher und viel länger; ja, falls nicht bewußt auf sie eingewirkt wird, fast das ganze Leben hindurch. Die Vorstellungen und Begriffe, die wir aufnehmen und die die Veränderungen am Astralleib ausmachen, gestalten mit Riesenschritten denselben um, im Vergleich zu den sich langsam verändernden Charaktereigenschaften, die dadurch auch allmählich den Ätherleib umgestalten. Wir können es mit den beiden Uhrzeigern, dem großen und dem kleinen, vergleichen: Der große läuft schnell, der kleine langsamer. So ist es mit den raschen Veränderungen am Astralleib, mit den langsameren am Ätherleib.

[ 5 ] Am physischen Leib, der ja der gröbste ist, gehen natürlich die Veränderungen noch langsamer vor sich, er ist der am langsamsten arbeitende. Wir werden noch an den weiteren Abenden hören, daß der Einzuweihende lernt, mit vergrößerter Geschwindigkeit an seinem Astral- und Ätherleib und zuletzt sogar an seinem physischen Leib zu arbeiten. Ja, er wird schließlich einmal so weit kommen, daß er seinen Pulsschlag ändern kann. Jetzt freilich sind wir noch nicht so weit, sondern was wir in diesem Leben lernen, wird erst im nächsten Leben die entsprechenden Veränderungen hervorrufen. Die Änderung, die der Astralleib in diesem Leben erfährt, tritt in der nächsten Inkarnation am Ätherleib auf, indem sie gestaltend auf ihn einwirkt. Gute Taten geben Neigungen zu guten Taten im nächsten Leben. Wir müssen unsere Gewohnheiten jetzt vorbereiten für das folgende Leben, damit wir dort die Wirkung haben. Will jemand etwa im nächsten Leben mit einem guten Gedächtnis geboren werden, so soll er bemüht sein, sich möglichst an alles zu erinnern, und alles, was er erlebt, sich ins Gedächtnis zurückzurufen. Er soll zum Beispiel am Abend daran denken, was er heute getan hat, und dann weiter, was er gestern, vor einem Monat, im letzten Jahr, was er in den vergangenen Jahren getan und erlebt hat. So bildet man das Gedächtnis aus. Menschen, die nur achtlos durch die Welt rasen, werden mit Neigungen geboren werden, die es unmöglich machen, daß irgend etwas, was ihnen begegnet, haften bleibt. Natürlich kann auch jemand gezwungen sein zu rasen, ich meinte das vorher Gesagte nur in bezug auf das oberflächliche Hinwegblicken über alles, was er erlebt.

[ 6 ] Wir alle kennen die Temperamente. Der Choleriker mit seinem stark wirkenden Willen und dem Drang, recht viel zu tun, der sich schon beim Kinde zeigt, will herrschen und den Ton unter seinen Kameraden angeben. Er ist mutig, kühn, tatendurstig. Cholerische Naturen waren Napoleon, Cäsar, Hannibal. Das melancholische Kind hingegen sondert sich ab, es ist mißtrauisch, möchte am liebsten seine Sachen unter Schloß und Riegel halten und schaut seinen Kameraden nach, wenn sie gegangen, ob sie nichts mitgenommen haben. Es beschäftigt sich viel mit sich selbst. Es ist dies der Mensch der Betrachtung und nicht der Tat. Das phlegmatische Kind zeigt kein besonderes Interesse. Es sucht in gewisser Weise alles auf, aber nichts macht einen großen Eindruck auf seine Seele. Es träumt viel, ist untätig und sucht den Sinnengenuß. Das sanguinische Temperament zeigt wohl Interesse für alles, aber dieses Interesse hält nicht an, sondern ist bald verflogen. Doch kann man die Menschen nicht in die verschiedenen Temperamente rubrizieren. In jedem ist meist nur als ein Grundton ein Temperament vertreten, aber die anderen spielen mit hinein. Diese vier Temperamente drücken sich im Ätherleib als vier verschiedene Arten aus und sind im Astralleib als vier verschiedene Grundfärbungen zu erkennen. Das melancholische Temperament wird bei der nächsten Inkarnation hervortreten, wenn jemand jetzt die Neigung hat, im engsten und stillsten Kreise zu leben und sich nur mit sich selbst zu beschäftigen. Der andere jedoch, der mit vielen Dingen zusammengekommen ist, ihnen auf den Grund ging und viele Erlebnisse, auch schwere durchmachte, wird als Choleriker geboren werden. Wer ein angenehmes Leben, ohne viel Kampf und Mühsal hatte, wird ein Sanguiniker oder Phlegmatiker. Was dem Astralleib in diesem Leben geschieht, geht karmisch im nächsten Leben als Grundwesen auf den Ätherkörper über.

[ 7 ] In den Einweihungsschulen wird nun bewußt nach dieser Erkenntnis an den verschiedenen Körpern gearbeitet, und zwar früher noch mehr als heute. Das hängt mit der zyklischen Entwickelung zusammen. Heute hat die Geheimlehre eine ganz andere Art zu lehren als vor fünftausend Jahren. Damals mußte man mehr an Menschengruppen arbeiten. Man arbeitete bewußt daran, daß ganze Kategorien von Menschen im nächsten Leben harmonisch zusammenstimmen konnten. In Indien wurde die gesamte Bevölkerung in vier Kasten geteilt und nun so an ihnen gearbeitet, daß die Menschen im nächsten Leben in eine bestimmte Kaste hineinpaßten. Die Ausbildung des Menschen war systematisch darauf eingerichtet, für Jahrtausende zu sorgen, auf Jahrtausende hinaus das Weltbild zu formen. Gerade das gab den okkulten Führern ihre große Macht. Jetzt ist das alles ganz anders geworden. Die fortschreitende Entwikkelung des Menschen löst ihn los aus diesen Gruppen, diesen Kasten, er kann nicht mehr gewissermaßen en gros erzogen werden. Der Mensch wird und soll immer individualisierter werden.

[ 8 ] Wie wirkt nun der Mensch im Hinblick auf das nächste Leben auf seinen Ätherleib ein? Alle Neigungen und Gewohnheiten des jetzigen Ätherleibes geben im nächsten Leben die Disposition zu Gesundheit oder Krankheit. Aus dem, was sich jetzt als bestimmte Gewohnheiten, sowohl gute wie schlechte, am Ätherleib langsam entwickelt, kristallisiert sich nach und nach der gute oder schlechte Charakter eines Menschen im kommenden Leben. Zum Beispiel, der eine Mensch sucht seinen Fleiß zu kultivieren, oder der andere arbeitet daran, seinen Zorn abzulegen. Wieder ein anderer gewöhnt sich den Trunk an, wodurch sein Wille schwach wird. Der andere wird faul und so weiter. Was nun in den Ätherleib durch ein Lebensdasein hineingelegt wird, erlangt im darauffolgenden im physischen Leib seinen Ausdruck. Eine schlechte Gewohnheit im vorhergehenden Leben ist eine Ursache zur Krankheit im nächsten, eine gute Gewohnheit ist natürlich eine Ursache zur Gesundheit. Eine bestimmte Leidenschaft bringt uns eine bestimmte Krankheit für das nächste Leben. Man könnte sehen, wie die Disposition eines Menschen zu Infektionskrankheiten auf diese Weise erworben wird. Wir wissen gut, daß jemand zu allen Menschen, an alle Orte hingehen kann, wo Epidemien oder ansteckende Krankheiten herrschen, ohne daß er sich gefährdet und diese Krankheiten bekommt. Der andere liest sie gleichsam auf der Straße auf und steckt sich gleich an. Es hängt nur von seiner Disposition ab, ob er angesteckt wird oder nicht. Nun wissen die Eingeweihten ganz genau, daß die Disposition, die zu Infektionskrankheiten führt, auf einem im vorigen Leben ausgeprägten egoistischen Erwerbssinn beruht, der in selbstischer Weise daran denkt, für sich Reichtümer zu sammeln. Wer in einem Leben reich werden will, schädigt sich für seine nächstkommende Inkarnation. Dieser egoistische Drang nach Erwerb und Reichtum ist eine Eigenschaft des Ätherkörpers, die im nächsten Leben als Disposition für Infektionskrankheiten hervortritt.

[ 9 ] Wenn man sich über Gesundheit und Krankheit informieren will, so muß man allerdings bedenken, daß da viele Dinge zusammenwirken. Die Ursachen von Krankheiten brauchen nicht bloß im Einzelkarma zu liegen. Es gibt auch in bezug auf Krankheiten ein Volkskarma. Das kann ein Beispiel lehren, das man beobachtet hat. Dieser Fall betrifft gewisse Gesundheitsverhältnisse der Rassen und ganzer Völker. Wir alle kennen die Völkerwanderung und deren Geschichte. Wir wissen, daß damals von Osten her verschiedene Stämme, die Hunnen, Mongolen, sich aufmachten und nach Europa kamen. Sie ergossen sich von Asien her über das Land und stießen mit den Germanen zusammen. Diese Hunnen, wie überhaupt die mongolische Rasse, waren Nachzügler der Atlantier - darauf deutet schon der Name Attila oder Atli -, Zurückgebliebene dieser großen Rasse. Während die Germanen, Perser und Inder die vorgeschritteneren Rassen repräsentierten, waren die Mongolen, die auf einer bestimmten Stufe stehengebliebenen Atlantier, im Verfall. Während der große Menschheitsstrom sich nach vorwärts entwickelt, bleiben solche einzelnen niederen Völkerrassen zurück und gliedern sich ab. Die Astralleiber dieser zurückgebliebenen Rassen tragen nun astralische Verwesungsstoffe in sich. Natürlich kamen solche in großen Mengen mit zu uns herüber. Die Europäer gerieten in Furcht und Schrecken durch diese ansturmenden Massen, und durch diese Furcht und den Schrecken, den sie empfanden, gediehen die astralischen Verwesungsstoffe noch besser, denn Furcht und Schrecken sind Eigenschaften des Astralleibes, die günstig auf das Gedeihen dieser schädlichen Einflüsse wirken. Die europäischen Astralleiber wurden infiziert, und diese Infektion zeigte sich in den späteren Generationen als Aussatz, jene schreckliche Krankheit, die solche Verheerungen im Mittelalter anrichtete. Dies war die physische Folge des Einflusses der mongolischen Astralleiber auf die europäischen, und der Leitungsstrom gewissermaßen, auf dem dieser Einfluß sich in die europäischen Leiber ergoß, war die Furcht und der Schrekken, der die Germanen erfüllte vor den verheerenden Scharen, die ihr Land überfluteten. Man sieht, wie hier Krankheiten im Volkskarma entstehen, und wie diese sich von Generation auf Generation vererben. Die Vorfahren erlebten geistig die Krankheit, und sie ging bei den späteren Generationen ins Physische über. So und nicht anders ist auch der Bibelspruch gemeint: «Die Sünden der Väter suche ich heim an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied.» Wir können dies ganz wörtlich nehmen. Es ist damit diese Art von Volkskarma gemeint.

[ 10 ] Überhaupt werden die religiösen Urkunden viel zu wenig wörtlich genommen. Zuerst ist der Mensch ein Naiver, wie zum Beispiel heute noch vielfach die Leute auf dem Lande. Dort nehmen die Menschen die Bibelsprüche buchstäblich. Dann wird der Mensch gescheit und damit negierend. Er wirft alles Altüberlieferte über Bord, das ist die zweite Stufe. Als dritte Stufe kommen die modernen Freidenker, die alles nur noch als Symbol ansehen wollen. Hier kann Bruno Wille als Beispiel gelten. Nun hängt aber viel davon ab, wie gescheit ein solcher Auslegender ist, denn der eine findet ein noch besseres Symbol als der andere und glaubt nun, seines als das allein richtige der Welt verkünden zu müssen. Da wird aber viel unterlegt und nicht nur ausgelegt. Es gibt aber noch eine vierte Stufe: Die Geheimwissenschaft. Sie lehrt uns, die religiösen Urkunden wieder wörtlich zu verstehen und aufzufassen. Zuletzt wird man Geheimschüler, nachdem man erst naiver Mensch und dann Freidenker und Symboliker war.

[ 11 ] Bei unserer Betrachtung des Krankheitskarmas, sowohl des einzelnen als auch ganzer Stämme, haben wir gesehen, daß dasjenige, was vorher geistig vorbereitet gewesen ist, später im physischen Leben sich wieder geltend macht. Sorgen wir deshalb für gute Erziehung und gute Gewohnheiten der Menschheit, dann werden wir da“durch auch die Gesundheit fördern! Nicht nur das sittliche Element wird durch gute Neigungen gefördert, sondern faktisch auch die Gesundheit, da eine schlechte Gewohnheit eine Krankheit fürs nächste Leben schafft. Die Nervosität, diese eigentlich heute am weitesten verbreitete Krankheitsform, ist die Folge einer bestimmten Geistesverfassung in einer früheren Zeit. Niemals würde sie aufgetreten sein, wenn nicht die materialistische Weltanschauung mit ihren Denkgewohnheiten herrschend geworden wäre. Würde diese Geistesrichtung fortdauern, so würde sie verheerend auf die Volksgesundheit wirken und die Menschheit dem Irrsinn nahebringen. Kinder würden schon zitternd vor Nervenschwäche geboren werden, ja eine Irrsinnsepidemie würde durch zunehmenden Materialismus zu befürchten sein, und die Menschen würden aus jeder Empfindung heraus ein peinigendes Schmerzgefühl haben. Das ist der furchtbare Einfluß des Materialismus, wie er sich physisch ausleben wird, nachdem er die Geister infiziert hat.

[ 12 ] Dies Weltenbild der Zukunft war nun die wahre Ursache, warum sich die okkulten Führer der Menschheit in die Notwendigkeit versetzt sahen, etwas aus dem Schatz der spirituellen Wahrheiten in die Welt einfließen zu lassen. Denn nur durch eine spirituelle Weltanschauung, die, losgelöst von den Fesseln des Materialismus, aufschaut zu den höchsten Lebensströmen der Menschheit und sie in sich einfließen laßt, nur durch sie kann den kommenden Generationen auch eine gute Gesundheitsanlage wiedergegeben werden. Die Gründe, weshalb unsere geisteswissenschaftliche Weltanschauung heute verbreitet wird, gehen viel tiefer, als mancher denkt, und in ihr und durch sie kann jeder mit seinem Teil an dieser Gesundung der Menschen mitarbeiten. Früher hatte das Wort «nervös» eine ganz andere Bedeutung als heute. Es hieß: muskelstark, Nerven wie Stricke haben. Man sieht schon aus dieser Umwandlung des Wortsinns, wie etwas ganz Neues in die Welt gekommen ist.

[ 13 ] Wir wollen uns noch der Frage zuwenden: Wie steht es mit der Einzelvererbung beim Kinde, geistig sowie physisch, und wie mit dem Karma? Wir wissen, daß sowohl Eigenschaften, wie Ähnlichkeiten vom Vater, der Mutter, dem Onkel, der Tante, den Großeltern vererbt werden. Ein Kind sieht seinem Vater, das andere der Mutter ähnlich. Die musikalische Veranlagung zum Beispiel kann sich durch Generationen hindurch vererben. In der Familie Bach gab es etwa achtundzwanzig Musiker im Laufe von zweihundertfünfzig Jahren, wenn auch nur einen ganz berühmten darunter, und in der Mathematikerfamilie Bernoulli acht bedeutende Mathematiker. Es gibt viele Beispiele, wo die Vererbung eine große Rolle spielt. Man muß aber im wahren Sinn die Bedeutung von Karma und Reinkarnation verstehen, dann erst begreift man richtig die Vererbung, denn die Vererbungstheorie der materialistischen Wissenschaft ist nur zum Teil wahr und manches dabei verzerrt gesehen. Zum bedeutenden Musiker zum Beispiel gehört nicht nur die musikalische Anlage in der Seele. Diese allein könnte sich nicht auswirken, wenn sich diese Seele nicht verkörpern könnte in einem Leib, der mit einem musikalisch konstruierten Ohre versehen ist. Was nun in einer solchen Musikerfamilie physisch ist, diese guten und fein konstruierten Gehörorgane, die vererben sich von Eltern auf Kinder, und ein Menschenkeim, der aus dem Devachan kommt und einer neuen Verkörperung entgegeneilt, wird sich hingezogen fühlen zu einer solchen Familie, in der seine musikalische Seele sich in gutgebildeten musikalischen Organen ausleben kann. Wie der Pol die Magnetnadel anzieht, so wird ein solches Kind hineingeboren in eine Familie, wo seine persönlichen Anlagen die besten physischen Vorbedingungen vorfinden. Es stimmt eben alles ganz ausgezeichnet. Ein astralischer Menschenkeim wird zu einer Familie hingetrieben, die physisch zu ihm paßt. Das banale Sprichwort: Man muß vorsichtig in der Wahl seiner Eltern sein -, ist deshalb nicht ganz so unsinnig, wie es klingen mag. Nicht das Kind sieht den EItern ähnlich, sondern es wird von denjenigen Eltern geboren, die ihm am ähnlichsten sind, die es schon vorher liebt. Die tiefste Sympathie besteht schon vor der Geburt, das Kind fühlt sich schon zu der Mutter hingezogen. Die Mutterliebe ist die sekundäre Liebe, sie ist die Erwiderung der schon vorher vorhandenen Kindesliebe.