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Die Theosophie des Rosenkreuzers
GA 99

2 Juni 1907, München

Neunter Vortrag

[ 1 ] Wir werden uns über den Gang der Menschheit durch die drei Verkörperungen hindurch, die vor der Erde stattgefunden haben, Saturn, Sonne und Mond, am leichtesten verständigen, wenn wir zur Ergänzung den Menschen noch einmal im Schlaf, im Traum betrachten. Wenn der Mensch schläft, sehen wir als Scher den Astralleib und das in demselben eingeschlossene Ich wie schwebend über dem physischen Leibe. Dieser Astralleib ist dann außerhalb des physischen und Ätherleibes, aber bleibt mit ihnen verbunden. Er sendet gleichsam Fäden, besser gesagt Strömungen in den allgemeinen Leib des Kosmos und ist gleichsam in denselben hineingesenkt. So daß wir beim schlafenden Menschen den physischen, den ätherischen und den astralischen Leib haben, aber dieser letztere streckt Fühlfäden aus nach der großen astralischen Körperlichkeit.

[ 2 ] Wenn wir uns diesen Zustand dauernd denken, wenn hier auf dem physischen Plan nur Menschen wären, welche den physischen Leib mit dem Ätherleib durchsetzt hätten und oben darüber schwebend eine astralische Seele mit dem Ich, dann würden wir den Zustand haben, in dem die Menschheit auf dem Monde war. Nur daß auf dem Mond dieser astralische Leib nicht stark getrennt war von dem physischen Leib, sondern ebenso stark, wie er sich hinausstreckte in den Kosmos, ebenso stark senkte er sich hinein in den physischen Leib. Wenn Sie sich aber den Zustand denken ganz so, wie er heute im Schlafe ist, doch so, daß nicht einmal ein Träumen möglich ist, dann haben Sie den Zustand, in dem die Menschheit auf der Sonne war. Und wenn Sie sich jetzt vorstellen, daß der Mensch gestorben ist, daß auch sein Ätherkörper, verbunden mit dem Astralleib und dem Ich, heraus ist, aber so, daß die Verbindung doch nicht ganz gelöst ist, daß das, was heraus ist, was eingebettet ist in die umliegende kosmische Masse, seine Strahlen hinuntersendet und arbeitet an der physischen Leiblichkeit, dann haben Sie den Zustand, den die Menschheit auf dem Saturn hatte. Unten auf der Weltkugel des Saturn war nur das enthalten, was in unserer rein physischen Leiblichkeit ist; umgeben war sie gleichsam von einer ätherischastralischen Atmosphäre, in welcher eingebettet waren die Iche.

[ 3 ] Die Menschen waren tatsächlich schon vorhanden auf dem Saturn, aber in einem dumpfen, dumpfen Bewußtsein. Diese Seelen hatten die Aufgabe, regsam und in Tätigkeit zu erhalten etwas, was drunten zu ihnen gehörte. Sie arbeiteten von oben an ihrem physischen Leibe. Wie eine Schnecke, die sich ihr Gehäuse bearbeitet, ebenso schaffen sie von außen, wie ein Instrument, an den leiblichen Organen. Wir wollen beschreiben, wie dasjenige aussah, an dem die Seelen oben arbeiteten. Wir haben diesen physischen Saturn, diesen Saturn überhaupt, ein wenig zu beschreiben.

[ 4 ] Ich habe schon gesagt, das, was an der physischen Leiblichkeit dort ausgebildet wurde, waren die Anlagen der Sinnesorgane. Was als Sinnesanlage im Menschen lebte, bearbeiteten die Seelen äußerlich auf der Saturn-Oberfläche. Sie waren wirklich in dem den Saturn umgebenden Weltenraum, unten war ihre Werkstätte. Da arbeiteten sie die Typen für Augen und Ohren und für die anderen Sinnesorgane aus.

[ 5 ] Was war nun die Grundeigenschaft dieser Saturnmasse? Sie ist schwer zu bezeichnen, weil wir in unserer Sprache kaum ein Wort haben, das dazu paßt, denn unsere Worte sind ja auch ganz materialisiert; sie passen nur für den physischen Plan. Es gibt aber ein Wort, das diese feine Arbeit, die da geleistet wurde, ausdrücken kann. Man kann es bezeichnen mit dem Ausdruck: sich spiegeln. Die Saturnmasse hatte die Eigenschaft, in allen ihren Teilen das, was von außen als Licht, als Ton, als Geruch, als Geschmack herankam, zu spiegeln. Alles wurde wieder zurückgeworfen, man nahm es im Weltenraum gleichsam wahr als ein Sich-Spiegeln im Spiegel des Saturn. Man kann es nur damit vergleichen, wenn man seinem Nebenmenschen ins Auge blickt und das eigene Bildchen uns daraus entgegenschaut. So nahmen sich alle Seelen der Menschen wahr, aber nicht nur als Bild in Farben, sondern sie schmeckten sich, sie rochen sich, sie nahmen sich in einem bestimmten Wärmegefühl wahr. So war der Saturn ein spiegelnder Planet. Die in der Atmosphäre lebenden Menschen warfen ihre Wesenheiten hinein, und aus diesen Bildern, die da entstanden, bildeten sich die Anlagen zu den Sinnesorganen, denn es waren Bilder, die schöpferisch wirkten. Man denke sich vor einem Spiegel stehend, aus dem das eigene Bild einem entgegentritt, und dieses Bild beginne zu schaffen, sei nicht ein totes Bild wie beim heutigen leblosen Spiegel: da hat man die schöpferische Tätigkeit des Saturn, da hat man die Art und Weise, wie die Menschen selbst auf dem Saturn lebten und ihre Arbeit verrichteten.

[ 6 ] Das spielte sich unten auf der Kugel des Saturn ab. Oben die Seelen hatten das tiefe Trancebewußtsein, von dem ich gestern gesprochen habe. Sie wußten nichts von dieser Spiegelung, sie haben es nur getan. In diesem dumpfen Trancebewußtsein hatten sie das ganze kosmische All in sich, und so hat sich aus ihrem Wesen heraus das ganze kosmische All gespiegelt. Sie selbst aber waren eingebettet in eine Grundsubstanz geistiger Art. Sie waren nicht selbständig, sondern nur ein Glied der den Saturn umgebenden Geistigkeit. Daher konnten sie nicht geistig wahrnehmen. Höhere Geister nahmen wahr mit ihrer Hilfe. Sie waren die Organe der Geister, die damals wahrnahmen.

[ 7 ] Den Saturn umgab eine ganze Anzahl höherer Geister. Alles, was die christliche Esoterik Boten der Gottheit, Engel, Erzengel, Urkräfte, offenbarende Mächte genannt hat, alles das war enthalten in dieser Saturnatmosphäre. So wie dieHand zum Organismus gehört, so gehörten die Seelen zu diesen Wesenheiten, und so wenig wie die Hand ein selbständiges Bewußtsein hat, so wenig hatten sie damals ein eigenes Bewußtsein. Sie arbeiteten aus dem Bewußtsein höherer Geister, aus dem höheren Weltenbewußtsein heraus und gestalteten so die Bilder ihrer Sinnesorgane, die dann schöpferisch wurden, und sie gestalteten auch die Saturnmasse. Diese Saturnmasse dürfen Sie sich nicht so dicht vorstellen wie die heutige menschliche Fleischmasse. Der dichteste Zustand des Saturn, den er überhaupt erlangen konnte, war nicht einmal so dicht wie unsere heutige physische Luft. Der Saturn ist auch physisch geworden, hat es aber nur bis zur Dichtigkeit gebracht, die man die Dichte des Feuers, der Wärme nennt, der Wärme, in der die heutige Physik gar keinen Stoff mehr sieht. Die Wärme ist aber für den Okkultisten ein feinerer Stoff als die Gase; er hat die Eigenschaft, sich immer weiter auszudehnen. Und weil der Saturn aus diesem Stoff bestand, hatte er die Gabe, sich von innen auszudehnen, alles auszustrahlen, zu spiegeln. Ein solcher Körper strahlt alles aus; er hat nicht das Bedürfnis, alles in sich zu behalten.

[ 8 ] Der Saturn war nicht etwa eine gleichförmige Masse, sondern so, daß man darin eine Differenzierung, eine Konfiguration hätte wahrnehmen können. Später rundeten sich die Organe sogar in zellenförmige Kugeln, nur daß Zellen klein sind; damals aber waren es große Kugeln, wie wenn Sie eine Maulbeere oder Brombeere nehmen. Sehen hätten Sie noch nicht können auf dem Saturn, denn jede Spiegelung warf alles, was ihr an Licht zukam, nach außen zurück. Innerhalb dieser Saturnmasse war alles finster. Nur gegen Ende seiner Entwickelung leuchtete der Saturn etwas auf. In der Umgebung der Atmosphäre dieser Saturnmasse gab es eine Anzahl von Wesen. Nicht nur Sie selbst bereiteten Ihre Sinnesorgane vor, denn des Menschen Seele war noch nicht so weit entwickelt, daß sie hätte allein arbeiten können. Sie arbeitete mit anderen geistigen Wesenheiten zusammen, trivial ausgedrückt, unter deren Leitung.

[ 9 ] So selbständig, wie der heutige Mensch arbeitet, so arbeiteten auf dem Saturn gewisse Wesenheiten, die dazumal auf der Menschenstufe standen. Sie konnten nicht so gestaltet sein wie der heutige Mensch, da Wärme die einzige Substanz des Saturn war. Sie standen aber in bezug auf ihre Intelligenz, auf ihr Ichbewußtsein, auf der Stufe des heutigen Menschen; doch konnten sie sich keinen physischen Leib, kein Gehirn bilden. Betrachten wir sie etwas näher. Der heutige Mensch besteht aus einer Vierheit: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und das Ich, und im Ich vorgebildet Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch — Manas, Buddhi, Atma. Das niederste, wenn auch in seiner Art vollkommenste Glied auf dem Erdenplaneten ist die physische Körperlichkeit, das nächsthöhere der Ätherleib, dann der Astralleib und das Ich. Es gibt nun auch Wesenheiten, die keinen physischen Leib haben, deren niederstes Glied der Ätherleib ist. Sie haben den physischen Leib nicht nötig, um sich in unserer sinnlichen Welt zu betätigen; dafür haben sie ein Glied, das höher ist als unser siebentes. Andere Wesenheiten haben als niederstes Glied den Astralleib und dafür ein neuntes, und wieder andere, die als niederstes Glied das Ich haben, die haben dafür noch ein zehntes Glied. Wenn wir die Wesenheiten ansehen, die das Ich als unterstes Glied haben, müssen wir sagen, sie bestehen aus dem Ich, Geistselbst, Lebensgeist, Geistesmensch. Dann kommt das achte, neunte und zehnte Glied, das, was die christliche Esoterik die göttliche Dreieinigkeit nennt: Heiliger Geist, Sohn oder Wort, Vater. In der theosophischen Literatur ist man gewohnt, sie die drei Logoi zu nennen.

[ 10 ] Diese Wesenheiten, deren unterstes Glied das Ich ist, waren gerade diejenigen, welche bei der Saturnentwickelung besonders für uns in Betracht kommen. Sie waren auf der Stufe, auf der heute die Menschen stehen. Sie konnten ihr Ich betätigen unter den ganz anderen Verhältnissen, die ich geschildert habe. Das waren die Vorfahren unserer heutigen Menschheit, die Menschen des Saturn. Sie bestrahlten die Oberfläche des Saturn mit ihrer Ichheit, ihrer äußersten Wesenheit. Sie waren die Einpflanzer der Ichheit in die physische Körperlichkeit, die sich auf der Saturnoberfläche bildete. So sorgten sie dafür, daß der physische Leib so vorbereitet wurde, daß er später der Träger des Ich werden konnte. Nur ein solcher physischer Leib, wie Sie ihn heute haben, mit Füßen, Händen und Kopf und den eingegliederten Sinnesorganen, konnte Ichträger werden auf der vierten Stufe, der Erde. Dazu mußte ihm der Keim auf dem Saturn eingepflanzt werden. Diese Ichwesen des Saturn nennt man auch die Geister des Egoismus.

[ 11 ] Egoismus ist etwas, was zwei Seiten hat, eine vortreffliche und eine verwerfliche. Wenn damals auf dem Saturn und auf den folgenden Planeten nicht immer wieder und wieder die Wesenheit des Egoismus eingepflanzt worden wäre, dann wäre der Mensch nie ein selbständiges Wesen geworden, das «Ich» zu sich sagen kann. In Ihrer Leiblichkeit ist schon von dem Saturn her die Summe der Kraft eingeimpft, die Sie stempelt zu einer selbständigen Wesenheit, die Sie abgliedert von allen anderen Wesenheiten. Dazu mußten die Geister des Egoismus, die Asuras, wirken. Es gibt unter ihnen zwei Arten, abgesehen von kleinen Schattierungen. Die eine Art ist die, die den Egoismus in der edlen, selbständigen Weise ausgebildet hat, die immer höher und höher gestiegen ist in der Ausbildung des Freiheitssinnes: das ist die vortreffliche Selbständigkeit des Egoismus. Diese Geister haben durch alle folgenden Planeten die Menschheit geleitet. Sie sind die Erzieher der Menschen zur Selbständigkeit geworden.

[ 12 ] Nun gibt es auf jedem Planeten auch solche Geister, die in der Entwickelung zurückgeblieben sind. Sie sind stationär geblieben, sie wollten nicht weiter. Daraus werden Sie ein Gesetz erkennen: Wenn das Vortrefflichste fällt, wenn es die «große Sünde» begeht, nicht mitzugehen mit der Entwickelung, dann wird es gerade das Schlechteste. Der edle Freiheitssinn ist in der Verwerflichkeit verkehrt worden in sein Gegenteil. Das sind die schwer in Betracht kommenden Geister der Versuchung; sie verleiten zu dem verwerflichen Egoismus. Auch heute sind sie noch in unserer Umgebung, diese schlimmen Geister des Saturn. Alles, was schlimm ist, hat seine Kraft von diesen Geistern.

[ 13 ] Jeder Planet, wenn er seine Entwickelung vollendet hat, wird wieder geistig; er ist sozusagen nicht mehr vorhanden und geht über in einen Schlafzustand, um wieder daraus hervorzugehen. So auch der Saturn. Seine nächste Verkörperung ist die Sonne, jene Sonne, die Sie erhalten würden, wenn Sie alles das, was auf der Sonne, dem Mond und der Erde ist, mitsamt allen irdischen und geistigen Wesenheiten, zusammenmischen würden wie in einem Kessel. Die Sonnenentwickelung ist dadurch ausgezeichnet, daß der Ätherkörper einzog in den unten vorbereiteten physischen Menschenkörper. Die Sonne hat schon eine dichtere Körperlichkeit als der Saturn; sie ist zu vergleichen mit der Dichte der heutigen Luft. Die menschliche physische Körperlichkeit, der eigene Leib, den Sie sich formten, den sehen Sie auf der Sonne vom Ätherleib durchsetzt. Sie selbst gehörten zu einem Luftleib, wie auf dem Saturn zu einem Wärmeleib. Ihr Ätherleib war schon unten, aber in der Atmosphäre der Sonne war Ihr Astralleib mit Ihrem Ich eingegliedert in dem großen allgemeinen Astralleib der Sonne, und da wirkten Sie hinunter in den physischen und Ätherleib, ähnlich wie heute im Schlaf, wenn Ihr Astralleib draußen ist und an dem physischen und Ätherleibe arbeitet. Sie arbeiteten dazumal die ersten Anlagen aus zu all dem, was heute Wachstums- und Verdauungs- und Fortpflanzungsorgane sind. Sie gestalteten die Anlagen der Sinnesorgane vom Saturn um; einige behielten ihren Charakter bei, andere wurden umgestaltet zu Drüsen und Wachstumsorganen. Alle Wachstums- und alle Fortpflanzungsorgane sind umgestaltete, vom Ätherleib ergriffene Sinnesorgane.

[ 14 ] Wenn Sie den Körper der Sonne vergleichen mit dem Saturn, so finden Sie einen gewissen Unterschied. Der Saturn war noch wie eine spiegelnde Oberfläche; er strahlte zurück alles, was er empfing an Geschmack, Geruch, alle Sinneswahrnehmungen. Nicht so war es bei der Sonne. Während der Saturn alles direkt zurückstrahlte, ohne sich dessen zu bemächtigen, durchdrang die Sonne sich damit und strahlte es erst dann zurück. Das kam daher, weil sie einen Ätherleib hatte. Ihr Leib, der vom Ätherleib durchsetzt war, machte es so, wie es heute die Pflanze mit dem Sonnenlicht macht: sie nimmt das Sonnenlicht auf, sie durchdringt sich damit und gibt es dann zurück. Stellt man sie an irgendeinen dunklen Ort, dann verliert sie die Farbe und wird welk. Ohne Licht wäre kein grüner Farbstoff. So war es mit Ihrem eigenen Leibe auf der Sonne: er durchdrang sich mit Licht, aber auch mit anderen Ingredienzien, und so wie die Pflanze zurückschickt das Licht, nachdem sie sich daran gekräftigt hat, so strahlte einstmals die Sonne das Licht zurück, nachdem sie es in sich verarbeitet hatte. Aber nicht nur mit dem Licht, sondern auch mit Geschmack, Geruch, Wärme, mit allem durchdrang sie sich und strahlte es wieder heraus.

[ 15 ] Daher war auch Ihr eigener Leib auf der Sonne in dem Zustand der Pflanzenheit. Er schaute nicht so aus wie eine Pflanze im heutigen Sinne, denn diese hat sich erst auf der Erde gebildet. Das, was Sie heute im Innern tragen, die Drüsen, die Organe, die man Wachstums- und Fortpflanzungsorgane nennt, die waren auf der Sonne, wie heute Berge und Felsen auf der Erde sind. Daran arbeiteten Sie, wie man heute ein Gärtchen pflegt und bearbeitet. Die Sonne strahlte die Ingredienzien des Weltenraumes zurück. Sie glänzte in den herrlichsten Farben. Ein wunderbares Tönen ging hinaus, ein köstliches Aroma strömte aus von ihr. Die alte Sonne war ein wunderbares Wesen im Weltenraum. So arbeiteten die Menschen dazumal auf der Sonne an ihrer eigenen Körperlichkeit, wie gewisse Wesen, zum Beispiel Korallen, von außen an ihrem Bau arbeiten. Das geschah unter der Leitung höherer Wesen, denn es gab höhere Wesenheiten in der Atmosphäre der Sonne.

[ 16 ] Mit einer Kategorie derselben müssen wir uns besonders befassen, die damals auf der Stufe stand wie die Menschen heute. Auf dem Saturn haben wir die Geister des Egoismus, die den Freiheits- und den Selbständigkeitssinn einpflanzten und auf der Menschenstufe standen. Auf der Sonne waren es andere Wesenheiten, die nicht das Ich, sondern den Astralleib als unterstes Glied hatten. Sie bestanden aus Astralleib, Ich, Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmensch und dem achten Glied, dem, was die christliche Esoterik Heiliger Geist nennt, und endlich als neuntem Gliede dem Sohne, dem «Wort» im Sinne des Johannes-Evangeliums. Das zehnte Glied hatten sie noch nicht; dafür hatten sie unten angesetzt den Astralleib. Das waren die Geister, die sich auf der Sonne betätigten; sie leiteten alle astrale Arbeit. Sie unterscheiden sich von dem heutigen Menschen dadurch, daß der Mensch Luft atmet, weil Luft in der Umgebung der Erde ist, jene Geister aber Wärme oder Feuer.

[ 17 ] Die Sonne war selbst eine Art von Luftmasse. Das, was sie umgab, war jene Stofflichkeit, die früher den Saturn selbst gebildet hatte: das Feuer, die Wärme. Der Teil, der sich verdichtet hatte, hatte die gasförmige Sonne gebildet, und was sich nicht verdichten konnte, war ein wogendes Feuermeer. Diese Wesenheiten konnten also auf der Sonne so leben, daß sie Wärme, Feuer ein- und ausatmeten. Daher nennt man diese Geister die Feuergeister. Sie standen auf der Sonne auf der Stufe der Menschheit, und sie arbeiteten in dem Dienst der Menschheit. Sonnen- oder Feuergeister nennt man diese Wesenheiten. Der Mensch war damals auf der Stufe des Schlafbewußtseins. Diese Sonnen-Feuergeister hatten schon das Ich-Bewußtsein. Sie haben sich seither auch weiterentwickelt und höhere Bewußtseinsstufen erstiegen. Man nennt sie in der christlichen Esoterik Erzengel. Und der am höchsten entwickelte Geist, der auf der Sonne war als Feuergeist, der sich heute noch auf der Erde betätigt, mit höchstentwickeltem Bewußtsein, dieser Sonnenoder Feuergeist, das ist der Christus, ebenso wie der höchstentwickelte Saturngeist der Vatergott ist. Für die christliche Esoterik war daher in dem fleischlichen Leibe des Christus Jesus ein solcher Sonnen-Feuergeist verkörpert, und zwar der höchste, der Regent der Sonnengeister. Damit er auf die Erde kommen konnte, mußte er einen physischen Leib benutzen. Er mußte unter denselben irdischen Bedingungen stehen wie der Mensch, um sich hier betätigen zu können.

[ 18 ] So haben wir es zu tun auf der Sonne mit einem Sonnenleib, gleichsam mit einem Leibe des Sonnenplaneten, mit Ich-Geistern, die Feuergeister sind, und mit einem Regenten dieser Sonne, dem höchstentwickelten Sonnengeist, dem Christus. Während die Erde Sonne war, war dieser Geist der Zentralgeist der Sonne. Als die Erde Mond war, war er höherentwickelt, aber er verblieb bei dem Mond. Als die Erde Erde ward, war er höchstentwickelt und verblieb bei der Erde, nachdem er sich mit ihr nach dem Mysterium von Golgatha vereinigt hatte. Er bildet so den höchsten planetarischen Geist der Erde. Die Erde ist sein Leib heute, wie dazumal die Sonne sein Leib war. Daher müssen Sie das Johannes-Wort wörtlich nehmen: «Wer mein Brot isset, der tritt mich mit Füßen.» Denn die Erde ist der Leib Christi, und wenn die Menschen, die das Brot essen, das dem Leibe der Erde entnommen ist, auf der Erde gehen, so treten sie mit Füßen den Leib des Christus. Nehmen Sie dieses Wort ganz wörtlich, wie überhaupt alle religiösen Urkunden wörtlich genommen werden müssen. Nur muß man erst den Buchstaben in seiner wahren Bedeutung kennen und dann den Geist suchen.

[ 19 ] Nun noch eins: Innerhalb dieser Sonnenmasse kamen nicht alle Wesen zu der Entwickelungsstufe, von der ich Ihnen gesprochen habe. Manche blieben zurück auf der Stufe des Saturndaseins. Sie konnten das, was in den Weltenraum hineinstrahlte, nicht in sich aufnehmen und nach der Aufnahme zurückschicken. Sie mußten es direkt zurückschicken, sie konnten sich nicht damit durchdringen. Diese Wesenheiten erschienen deshalb auf der Sonne als eine Art von dunklen Eingliederungen, als etwas, was nicht Eigenlicht aussenden konnte. Und weil sie in der Sonnenmasse eingeschlossen waren, umgeben von einer Eigenlicht aussendenden Masse, wirkten sie wie dunkle Stellen. Wir müssen daher unterscheiden solche Sonnenstellen, die das, was sie empfangen hatten, in den Weltenraum hinausstrahlten, und solche, die nichts hinausstrahlen konnten. So wirkten sie wie dunkle Einschiebsel innerhalb der Sonnenmasse; sie hatten auf dem Saturn nichts hinzugelernt. Ebenso, wie Sie im menschlichen Leibe auch nicht überall Drüsen und Wachstumsorgane finden, sondern er durchsetzt ist von Totem, Eingegliedertem, ebenso war die Sonne durchsetzt von diesen dunklen Einschiebseln.

[ 20 ] Unsere heutige Sonne ist der Nachkomme der alten Erdensonnenmasse. Sie hat herausgeworfen den Mond und die Erde und hat das Vortrefflichste zurückbehalten. Dasjenige, was in der damaligen Sonnenmasse vorhanden war als Reste vom Saturn, hat seine Rudimente in der heutigen Sonne in den sogenannten Sonnenflecken. Sie sind die letzten Rudimente des Saturn, die als dunkle Einschiebsel in der leuchtenden Sonnenmasse verblieben. Unsere okkulte Weisheit deckt die verborgenen geistigen Quellen der physischen Tatsachen auf. Die physische Wissenschaft konstatiert die physischen Ursachen der Sonnenflecken durch ihre Astronomie und Astrophysik; die geistigen Ursachen aber liegen in jenen zurückgebliebenen Rückständen des Saturn.

[ 21 ] Wir fragen uns jetzt: Welche Reiche hat es gegeben auf dem Saturn? Nur ein Reich, dessen letzte Rudimente in dem jetzigen Mineral erhalten sind. Wenn wir von dem Durchgang des Menschen durch das Mineralreich sprechen, dürfen wir nicht an das heutige Mineral denken. Sie müssen vielmehr die letzten Nachkommen des Saturnminerals in Ihren Augen, Ohren und Ihren anderen Sinnesorganen sehen. Das ist das Physischste, das Mineralischste an Ihnen. Der Apparat des Auges ist wie ein physikalisches Instrument und bleibt auch eine Zeitlang nach dem Tode unverändert.

[ 22 ] Das eine Reich des Saturn rückt auf der Sonne zu einer Art von Pflanzendasein auf. Der eigene Leib der Menschen wächst uns da entgegen wie eine Pflanze. Was als Saturnreich zurückgeblieben war, war eine Art Mineralreich der Sonne. Das hatte die Gestalt von verkümmerten Sinnesorganen, die ihren Zweck nicht erreichen konnten. Aber alle diese Wesenheiten auf der Sonne, die werdende Menschenleiber waren, hatten noch nicht in sich ein Nervensystem; das wurde erst auf dem Monde eingegliedert vom astralischen Leibe. Auch die Pflanzen haben kein Nervensystem und daher keine Empfindung. Es ist ein Mißverständnis, wenn man ihnen Empfindung zuschreibt.

[ 23 ] Aber diese Astralleiber, namentlich diejenigen, die von den Feuergeistern ausgingen, sandten eine Art von Strömung hinein in die Körperlichkeit, die da unten war als physische und ätherische Leiber. Diese Lichtströmungen verteilten sich baumartig. Die letzten Rudimente dieser Einströmungen auf der Sonne, die sich später verdickten und äußerliche Form erhalten haben, sind das Organ, das man das Sonnengeflecht nennt. Es ist der letzte verdichtete Nachklang alter, zur Substantialität verdichteter Einstrahlungen auf der Sonne. Daher der Name Plexus solaris, Sonnengeflecht. Sie müssen sich die Leiber, die Sie auf der Sonne gehabt haben, so vorstellen, wie wenn von oben Strahlen in sie hineindringen würden, die sich baumförmig verflechten. So stellt sich die Sonne dar in den zahlreichen Verästelungen, die in Ihrem Sonnengeflecht sind. Diese Verästelungen werden in der germanischen Mythologie in der Weltenesche dargestellt, die freilich auch noch manches andere bedeutet.

[ 24 ] Dann ging die Sonne in den Schlafzustand über und wandelte sich in das, was wir im okkulten Sinne den Mond nennen. Wir haben es darin mit einer dritten Verkörperung der Erde zu tun, die uns wiederum einen regierenden Zentralgeist darstellen wird. Wie uns der höchste Regent des Saturn, der Ich-Geist, als Vatergott erscheint, der höchste Regent, der höchste Gott der Sonne, der Sonnengott, als Christus, so wird uns der Regent der Mondengestalt der Erde als Heiliger Geist mit seinen Scharen erscheinen, die in der christlichen Esoterik die Boten der Gottheit, die Engel, genannt werden.

[ 25 ] So haben wir zwei Schöpfungstage absolviert, die man in der esoterischen Sprache Dies Saturni und Dies Solis nennt. Dazu kommt: Dies Lunae, der Mond-Tag. Immer hat man das Bewußtsein gehabt, daß man es mit einer leitenden Gottheit des Saturn, der Sonne und des Mondes zu tun gehabt hat.

[ 26 ] Das Wort «Dies» = Tag und «Deus» = Gott hat denselben Ursprung, so daß ebensogut «Dies» mit «Tag» wie mit «Gottheit» übersetzt werden kann. Man kann also ebensogut sagen für «Dies Solis» Sonnentag wie Sonnengott und meint damit zu gleicher Zeit ChristusGeist.