Human Development and Christ-Knowledge
GA 100
17 June 1907, Kassel
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Theosophy and Rosicrucianism, tr. Unknown
Theosophie und Rosenkreuzertum II
2. Introductory Explanations Concerning the Nature of Man
[ 1 ] Nachdem wir gestern in einer Art von Einführung über Ziel und Wesen der geisteswissenschaftlichen Bewegung gesprochen haben, wollen wir heute direkt in das Wesen dieser Wissenschaft selbst eindringen. Es hat das ja den Nachteil, daß für diejenigen, die noch nicht mit diesen Dingen vertraut sind, etwas Schockierendes daraus resultieren kann; aber man muß Geduld haben und sich klar sein, daß manches, was für den ersten Anfang geradezu unsinnig scheint, sich im Laufe der Zeit als etwas In-sich-Haltbares und Begreifliches ausnehmen wird.
[ 1 ] Yesterday we spoke in an introductory way of the aim and essence of the spiritual-scientific movement; to-day we shall penetrate more directly into the essence of this science. It has the disadvantage that it may shock those who are not familiar with these things, but we must have patience and realise that many things which seem almost nonsensical at first, will in the course of time appear well founded and comprehensible.
[ 2 ] Von dem uns gestellten Thema werden wir zunächst die Betrachtung über das Wesen des Menschen durchzunehmen haben.
[ 2 ] Of the subject which lies before us, we shall first of all consider the nature of the human being.
[ 3 ] Dieser Mensch, der wir selber sind, soll vor unsere Seele treten. Er ist ein sehr kompliziertes Wesen, das komplizierteste, das überhaupt in der uns bekannten Welt uns entgegentreten kann. Daher ist zu allen Zeiten dieser Mensch von den Tiefersehenden Mikrokosmos genannt worden, im Gegensatz zum Makrokosmos, zum Weltenall, Paracelsus hat einen sehr schönen Vergleich gebraucht, um das Wesen des Menschen bildlich auszudrücken: Seht euch an die Natur, die euch umgibt, und denkt euch jedes Wesen — Pflanze, Tier, Stein — als je einen Buchstaben eines Alphabetes, und aus diesen Buchstaben ein Wort geschrieben, so habt ihr den Menschen.
[ 3 ] Let us place this human being before our soul. He is a most complicated being, the most complicated being of all which we encounter in the known world. Those who possessed a deeper insight have therefore always called man a microcosm, in contrast to the macrocosm, the universe. Paracelsus used a very fine comparison expressing man's being in the form of an image. He said: Contemplate Nature around you, and imagine every being in Nature, every plant, animal and stone, as the letter of an alphabet, and if you imagine a word written with these letters, you obtain man.
[ 4 ] In dieser Beziehung werden wir das Goethe-Wort bewahrheitet finden: Man muß die ganze Natur verstehen, um den Menschen zu begreifen. — Zunächst soll das, was ich heute sage, sozusagen nur eine Skizze vom Wesen des Menschen sein. Wie eine Kohlezeichnung zum Bilde sich verhält, so soll sich die heutige Ausführung verhalten zu dem, was wir in den nächsten Tagen über das Wesen des Menschen durchnehmen werden.
[ 4 ] We find, in this connection, the confirmation of Goethe's words, that we must understand the whole of Nature in order to understand man. To begin with, my explanations will only be a kind of sketch of man's nature. This will be related to the explanations of the following days in the same way in which a charcoal sketch is related to the finished picture.
[ 5 ] Wenn wir mit unseren physischen Sinnen als irdisches Wesen den Menschen betrachten, wie er so vor uns steht, wenn unsere Augen ihn sehen und unsere Hände ihn tasten, so ist er vom Standpunkt des Materialisten als ganzer Mensch aufgefaßt, als ein Wesen in einer Ganzheit. Für eine tiefersehende, das heißt für eine geistige Auffassung der Welt, ist das aber nur ein kleiner Teil des Menschen, den wir hier mit den physischen Sinnen wahrnehmen können; es ist derjenige Teil des Menschen, den der Anatom zergliedert und zerlegt, und den er in dieser Weise mit dem Verstande zu begreifen sucht, den er bis ins einzelne, in nur noch mit dem Mikroskop wahrnehmbare Zellen zerlegt, wodurch er sich ein Bild zu machen sucht von dem Bau und der Wirkungsart der einzelnen Organe.
[ 5 ] If we contemplate man with our physical senses, when he stands before us as an earthly being, if our eyes perceive him and our hands can touch him, we look upon him, from the materialistic standpoint, as complete, as a whole being. Yet a deeper, that is to say, a spiritual contemplation of the world, sees in that which is perceptible to our physical senses only a small part of the human being, that part which the anatomist dismembers and dissects, The anatomist endeavours to understand the human being through the intellect, by dissecting the visible part into cells which can only be perceived through the microscope, and he thinks that he thus obtains an idea of the structure and activity of the single organs.
[ 6 ] Alles das rechnet man in der Wissenschaft zum physischen Leibe. Diesen physischen Leib sieht man aber heute sehr häufig falsch an, indem man glaubt, das, was im Leben vor einem steht als Mensch, sei nur dieser physische Leib. Aber das ist gar nicht der Fall, sondern höhere Glieder der Menschennatur sind damit eng verbunden, wirken durch diesen physischen Leib hindurch und lassen ihn erst so erscheinen, wie er uns eben als Mensch in jedem unserer Mitmenschen entgegentritt. Dieser physische Leib würde ganz anders aussehen, wenn wir ihn von den höheren Gliedern der Menschennatur trennen könnten. Ihn, diesen physischen Leib, hat der Mensch gemeinsam mit der ganzen mineralischen Welt. Alle die Stoffe und alle die Kräfte, die zwischen den einzelnen mineralischen Stoffen ihr Spiel treiben, Eisen, Arsen, Kohle und so weiter, spielen auch in den Stoffen des menschlichen Leibes, des physischen Leibes der Tiere und der Pflanzen.
[ 6 ] Ordinary science thinks that all this constitutes the physical body of man. But at the present time, man's physical body is frequently looked upon in the wrong way, for people think that the human being standing before them only consists of a physical body. This is not the case at all, for higher members of human nature are intimately connected with the physical body, are active through it, and it is through these members that this body becomes manifest in the form in which one human being confronts another. The physical body would present an altogether different aspect were we to separate it from the higher members of human nature. Man has this physical body in common with the whole mineral world. All the substances and forces which are active in mineral substances, such as iron, arsenic, carbon, etc, are also active in the substances of the human body and in the physical body of animals and plants.
[ 7 ] Wir werden ohne weiteres hingewiesen auf die höheren Glieder der menschlichen Natur, wenn wir uns einmal klarmachen, worin der gewaltige Unterschied zwischen diesem physischen Leib und den andern physischen Stoffen, die uns in der mineralischen Welt umgeben, besteht. Sie wissen alle, daß dieser wunderbare Bau des physischen Leibes das in sich birgt, was wir Innenleben, Bewußtsein, Lust und Leid, Freude, Liebe und Haß nennen; daß in diesem physischen Leibe nicht nur Stoffe der mineralischen Welt enthalten sind, sondern auch Gedanken. Sie sehen wohl die Röte der Wangen und die Farbe der Haare, aber Sie sehen nicht, was sich in diesem physischen Leibe abspielt an Lust und Leid, an Freude und Schmerz und so weiter. Alles das sehen wir nicht, aber doch spielt sich alles innerhalb der Hautumhüllung ab. Das ist schon der klarste und unwiderlegbarste Beweis, daß außer diesem Leibe noch etwas anderes da sein muß als nur die physischen Stoffe.
[ 7 ] Our attention is immediately drawn to the higher members of human nature if we once realise the tremendous difference which exists between man's physical body and the other physical substances which surround us in the mineral world. You will know that this wonderful structure of the physical body bears within it what we call inner life, consciousness, desires, joy and pain, love and hate; this physical body does not only contain substances pertaining to the mineral world, but also thoughts. You may indeed perceive the glow upon the countenance, or the colour of the hair, but you do not perceive what takes place within the physical body in the form of inclinations and dislikes, joy and suffering, etc, All this we do not see, nevertheless it takes place within the covering (sheath) of the skin. This is the most evident and irrefutable proof that there is something in addition to the physical body, something besides mere physical substances.
[ 8 ] Wenn Sie die Träne perlen sehen, so ist die Träne der rein physische Ausdruck der Trauer, die sich im Inneren abspielt. Schauen Sie nun die Welt der Mineralien an. Stumm blickt Sie diese Welt der Mineralien an. Keine Freude, kein Schmerz, nichts von alledem ist wahrzunehmen. Der Stein hat kein Gefühl, kein Bewußtsein wie wir. Für den Geisteswissenschafter ist dieser Stein zu vergleichen mit den Nägeln an unseren Fingern oder mit den Zähnen. Betrachten Sie einen Fingernagel, auch er hat kein Gefühl, keine Empfindung; und doch ist der Nagel ein Glied von uns. So wie wir etwas in uns haben müssen, was dies veranlaßt, daß sich Nägel und Zähne bilden, so gibt es auch in der Welt etwas, was die Mineralien bildet. Die Nägel haben selbst kein Bewußtsein, aber sie gehören zu etwas, was Bewußtsein hat. Kriecht ein Käferchen über den Nagel, so wird zum Beispiel für diesen Käfer der Nagel vielleicht ein Mineral sein. So ist es, wenn wir über die Erde kriechen und nicht merken, daß ein Bewußtsein hinter dieser mineralischen Erde liegt; denn genau so, wie hinter dem Nagel ein Bewußtsein liegt, so auch hinter den Mineralien. Wir werden noch sehen, daß es eine Welt und daß es ein Bewußtsein gibt, welches der mineralischen Welt zugrunde liegt. Dieses Ich-Bewußtsein der mineralischen Welt liegt so hoch über uns, wie etwa das Bewußtsein des Käfers, der über unseren Fingernagel kriecht, überragt wird von unserem Bewußtsein, welches hinter dem Nagel liegt.
[ 8 ] When you watch a tear falling, this tear is but the physical expression of sorrow, which is an inner process, Now look upon the mineral world: these minerals are dumb! You cannot perceive in them any joy or sorrow, nor any other inner life. The stone has no feelings and no consciousness, such as we have. To a spiritual scientist this stone appears like the nails upon our fingers, or like the teeth. Observe one of your finger nails: it has no feeling, no consciousness, nevertheless the nail forms part of your being. There must be something within us which brings about the formation of nails and teeth, and in the same way there must be something in the world outside which produces minerals. The nails themselves have no consciousness, but they form part of something which is endowed with consciousness. If a small beetle creeps over one of our nails, this nail perhaps appears to it as a mineral. This is the case when we creep over the earth, without being aware that behind this mineral earth there is consciousness, even as there is, consciousness behind our nails. Later on we shall see what kind of consciousness lies at the foundation of the mineral world. This Ego-consciousness of the mineral world lies high above us, even as, for instance, the consciousness, of the small beetle creeping over our nail is surpassed by our own consciousness behind the nails.
[ 9 ] Dieses Bewußtsein der mineralischen Welt schreibt die Rosenkreuzerphilosophie einer Welt zu, die sie die Vernunftwelt nennt; dort liegt das Bewußtsein der Mineralien, und dort urständet auch die menschliche Vernunft, derzufolge wir uns Gedanken bilden. Aber die Gedanken, die in uns leben, sind ein höchst trügerisches Ding; die Gedankenwelt des Menschen verhält sich zu den Wesenheiten dieser Vernunftwelt etwa wie unser Schatten an der Wand zu uns selbst. Wie der Schatten an der Wand doch nicht ich selbst bin, sondern eben nur der Schatten von mir, so sind die Gedanken der Menschen nur Schattenbilder von der Welt des Geistes. Aber daß ein Gedanke hier gefaßt wird, das hat seinen Grund darin, daß in der Vernunftwelt wirklich eine schaffende Wesenheit ist, die diesen Gedanken produziert. Es ist eine Welt, wo unsere Gedanken wirkliche Wesenheiten sind, denen man dort begegnet, wie man hier den andern Menschen begegnet. Das ist für den Eingeweihten die obere Devachanwelt, das Arupa Devachan der Inder, oder auch die obere Mentalwelt, das ist die Vernunftwelt der Rosenkreuzer. Wenn ein Eingeweihter durch diese physische Welt geht, spricht zu ihm auf jedem Stück Erde Leben, und er fühlt in allem die Manifestationen einer andern Welt. Da wir nun in unserem physischen Leibe nichts anderes sind als Stücke dieser physischen Welt, haben wir auch ein untergeordnetes physisches Bewußtsein, das hinaufreicht bis in die obere Vernunftwelt, eben bis dahin, wo auch das Bewußtsein der mineralischen Welt liegt.
[ 9 ] The Rosicrucian philosophy ascribes this consciousness of the mineral kingdom to a world which it calls the WORLD OF INTELLIGENCE; there lies the consciousness of minerals, and there lies also the foundation of human intelligence, enabling us to form thoughts. Yet the thoughts which live in us are very deceptive, for human thoughts are related to the Beings of the Intelligent World in the same way in which our shadow is related to our real self. Even as the shadow upon the wall is not I, but only my own shadow, so man's thoughts are only shadow-pictures in the world of the spirit. But here on earth we are able to grasp a thought because in the Intelligent World there is a real Being who produces this thought. This is a world in which our thoughts are real beings, whom we encounter in the same way in which we here meet other human beings. This Intelligent World of the Rosicrucians is for an initiate the higher Devachan World, the Arupa Devachan of the Hindoos, or the higher Mental World. When an initiate passes through the physical world, every portion of the earth speaks to him of life, and he experiences everywhere the manifestations of another world. Since in our physical body we are nothing but portions of the physical world, we also have a subordinate physical consciousness, reaching as far as the Intelligent World, that is to say, as far as the consciousness of the mineral world.
[ 10 ] Also unser physischer Körper ist mineralischer Natur seiner Stofflichkeit nach, und das Bewußtsein von diesem physischen Körper liegt auch da, wo das Bewußtsein dieser mineralischen Welt zu suchen ist.
[ 10 ] Our physical body is therefore, in its substances, of mineral nature, and the consciousness of the physical body lies there where the consciousness of the mineral world is to be found.
[ 11 ] Was ist denn aber nun der Unterschied zwischen diesem physischen Körper und einem Mineral, zum Beispiel dem Bergkristall? Wenn wir unseren Leib mit einem Kristall vergleichen, so finden wir ohne weiteres, daß er im Vergleich mit diesem doch ein sehr kompliziertes Ding ist. Vergegenwärtigen wir uns einmal, was für ein Unterschied ist zwischen einem Mineral und einem lebenden Wesen. Den Stoffen nach besteht gar kein Unterschied, denn es kommen im lebenden Wesen genau dieselben Stoffe vor wie im Mineral, nur der Aufbau ist ein viel komplizierterer.
[ 11 ] What is, however, the difference between our physical body and a mineral—for instance, a rock crystal? If we compare our body with a crystal; we find upon comparison, that our body is a most complicated thing, Let us picture to ourselves the difference between a mineral and a living being. In regard to the substances, there is no difference at all, for exactly the same substances can be found in living beings as in minerals, except that the structure is far more complicated.
[ 12 ] Wenn Sie das Mineral in seiner Form vor sich haben, so bleibt es dasselbe Mineral durch sich selbst. Das ist aber nicht so beim lebendigen Wesen, bei Pflanze, Tier und Mensch. Sobald sich nämlich der Stoff so kompliziert, daß er sich nicht mehr durch sich selbst halten kann, also in sich selbst zerfallen müßte, dann gibt es etwas, was in diesem Stoff wenn er eben zu kompliziert wird, um sich durch sich selbst halten zu können -, etwas, was ihn an diesem Verfall hindert, und dann haben wir das vor uns, was wir ein lebendes Wesen nennen. Daher sagt die Geisteswissenschaft: Ein lebendes Wesen würde von selbst in die einzelnen Komponenten seines Stoffes zerfallen, wenn nicht in ihm selbst der Verhinderer dieses Verfalles vorhanden wäre. Und das, was dieses lebende Wesen jeden Augenblick am Zerfall des Stoffes hindert, also den Verhinderer dieses Zerfalles, nennen wir den Äther- oder Lebensleib, der aber ein Gebilde ganz anderer Natur ist als die physischen Stoffe, aus denen der physische Leib besteht, der aber die Fähigkeit hat, in jedem Lebewesen die komplizierten physischen Stoffe zu bilden und zu erhalten und am Zerfall zu verhindern. Was sich so rein äußerlich in einem Organismus äußert, nennen wir Leben. Dieser Äther- oder Lebensleib oder Bildekräfteleib kann mit physischen Augen nicht wahrgenommen werden, wohl aber durch den ersten Grad der hellseherischen Schau, und die Aufgabe des Sehers ist es, sich so heranzubilden, daß er diesen Ätherleib eben sehen kann, wie wir mit den physischen Augen den physischen Leib sehen. Auch die moderne Naturwissenschaft sucht wohl nach diesem Ätherleib, aber nur durch Spekulation sucht sie sich eine Vorstellung davon zu machen und spricht zum Beispiel von der Lebenskraft, Lebensenergie.
[ 12 ] If you have before you the mineral and its form, you will find that it remains the same; if it only depends upon itself. But this is not the case in a living being, in a plant, an animal, or a human being. As soon as a substance takes on so complicated a form that it can no longer be held together through its own forces, in other words, that it would decay if left to itself, there is something in this substance which prevents it from decaying, and in that case we have before us what we call a LIVING BEING. Spiritual science therefore says: A living being would decay into the component parts of its substances if it were left to itself, if within it there did not exist something which prevents this decay. That which every moment prevents this living being from decaying, the preventing factor of such a decay, is what we call the etheric or the vital body. This is of an entirely different nature from the substances which constitute the physical body in every living being, and it has the capacity to produce the most complicated physical substances, to maintain them and to prevent their decay. What a living organism thus reveals in a purely external form, is what we call LIFE. This etheric or vital body, or this body of formative forces, cannot be perceived by physical eyes, but it can be perceived through the first degree of clairvoyant vision, and it is the task of a clairvoyant to develop himself so as to be able to perceive this etheric body. Modern natural science does indeed try to discover the etheric body, but it tries to form a conception of it in a purely speculative way, by speaking, for instance of vital force, or vital energy.
[ 13 ] Wie stellt sich denn nun dieser Ätherleib für das hellseherische Auge, also für den Hellseher dar?
[ 13 ] How does the etheric body appear to a clairvoyant eye, that is to say, to the clairvoyant?
[ 14 ] Wenn Sie zum Beispiel ein Ding der mineralischen Welt, sagen wir einen Bergkristall, mit dem Auge des Sehers betrachten, und zu diesem Zweck den physischen Stoff ausschalten durch eine Art Ablenkung der Aufmerksamkeit, dann sehen Sie in dem Raume, den der physische Kristall einnimmt, nichts. Der Raum ist leer. Betrachten Sie aber auf dieselbe Weise irgendein lebendes Wesen, also Pflanze, Tier oder Mensch, dann ist dieser Raum, den der physische Körper einnimmt, nicht leer, sondern noch immer ausgefüllt mit einer Art Lichtgestalt, und das ist eben der vorhin erwähnte Ätherleib. Dieser Ätherleib ist nicht bei allen Lebewesen gleich, sondern sogar außerordentlich verschieden, auch in bezug auf die Form und das Größenverhältnis verschieden zu dem physischen Körper des betreffenden Lebewesens, und zwar ganz nach der Entwickelungsstufe, auf der das Lebewesen steht. Bei den Pflanzen ist dieser Ätherleib noch ganz anders geformt als die Pflanze selbst; beim Tier ist er der äußeren Tierform schon ähnlicher, und beim Menschen stellt sich der Ätherleib als eine Lichtgestalt dar, die der Form nach fast genau dem physischen Leibe entspricht. Sieht man sich zum Beispiel ein Pferd von diesem Standpunkte aus an, so sieht man außerhalb des Kopfes, vor der Stirn, diesen Ätherleib ziemlich weit herausragen in Form einer Lichtgestalt, die sich aber der Form des Pferdekopfes ungefähr anpaßt, während Sie beim heutigen Durchschnittsmenschen den Ätherleib nur oberhalb des Kopfes und zu beiden Seiten desselben ganz wenig herausragen sehen.
[ 14 ] If you contemplate an object of the mineral world, for instance, a rock crystal, through the eye of a clairvoyant, eliminating for this purpose the physical substance, by deviating as it were, your attention from it you would see nothing in the space occupied by the physical crystal. This space is void. But if you contemplate in the same way a living being, a plant, an animal, or a human being, this space occupied by the physical body will not be empty, for it will be filled up by a kind of shape of light, and this is the above-mentioned etheric body. The etheric body is not of the same kind in every living being; on the contrary, it takes on very different forms, even as regards shape and size in relation to the physical body of the living being in question; this varies according to the stage of development of the different beings. The etheric body of plants has quite a different shape from the plants themselves; the etheric body of animals has a greater resemblance to the external shape, and the etheric body of man appears as a shape of light which corresponds almost exactly to the form of the physical body. If we contemplate, for instance, a horse from this standpoint, we see its etheric body protruding rather far from the head as a shape of light, but it more or less resembles the shape of the horse's head. But in the case of an average man of to-day we can see his etheric body protruding only slightly above the head and its sides.
[ 15 ] Was nun die Substantialität des Ätherleibes anbelangt, so macht man sich gewöhnlich falsche Vorstellungen von der Stofflichkeit dieses Ätherleibes. Auch in der Theosophischen Gesellschaft ist viel Irriges und Verwirrendes geredet und geschrieben worden über diesen Ätherleib, aber das gehört zu den Kinderkrankheiten der Theosophischen Gesellschaft und muß überwunden werden. Um sich eine richtige Vorstellung von der Stofflichkeit des Ätherleibes zu machen, folgen Sie mir bitte in einem Vergleich.
[ 15 ] In regard to the substance of the etheric body, one generally has quite wrong ideas. Even in theosophy people write and talk a lot of confusing nonsense on the etheric body, but this forms part of the “childhood illnesses” of the Theosophical Society, and they must be overcome. To obtain a correct idea of the substantiality of the etheric body, please try to follow my thoughts in this comparison:—
[ 16 ] Denken Sie sich, Sie hätten hundert Mark und würden immer mehr und mehr davon ausgeben; dann wird das Vermögen immer dünner und dünner, und schließlich haben Sie nichts mehr. Das wäre also der dünnste Zustand des Vermögens. Aber es gibt einen noch dünneren, indem man das Nichts des Besitzes noch mehr vermindert, indem man negatives Vermögen, also Schulden macht. Man kann also das Vermögen noch vermindern, denn nun hätte man weniger als Nichts, wenn man zum Beispiel zehn Mark Schulden macht.
[ 16 ] Imagine that you have one hundred pounds and that you spend more and more: Your property will grow smaller and smaller and finally you will have nothing at all. This would be the least possible substantial state of your property. But there is one still less substantial, when you diminish still more the zero-stage of your property by making debts and acquiring a “negative” property. You can therefore reduce your property still more, for you have less than nothing if you borrow, for instance, ten pounds.
[ 17 ] Oder denken Sie sich das auf etwas anderes angewandt. Denken Sie sich eine Schlacht mit ihrem ungeheuren Getöse; gehen Sie nun weiter weg davon, dann wird das Getöse schwächer und schwächer, es wird stiller und stiller, bis Sie gar nichts mehr davon hören. Vermindert man nun dieses Nichtshören: es wird stiller als still, lautloser als lautlos nun, eine solche Ruhe gibt es in der Tat. Und sie ist etwas im höchsten Grade Beseligendes, wenn sich das auch der gewöhnliche Mensch nicht so leicht wird vorstellen können.
[ 17 ] Or imagine this applied to something else. Imagine a battle with its tremendous noise; if you go further away from it the noise will grow weaker and weaker; the silence will grow until you finally hear nothing more. If you reduce still further this stage of hearing nothing at all, then it will be more than silent around you, more than soundless ... Such a silence actually exists, and it is in the highest degree blissful, though an ordinary person will not so easily be able to imagine it.
[ 18 ] Denken Sie sich aber nun diese Beispiele einmal angewendet auf die Dichtigkeit des Stoffes, dann haben Sie ja zunächst einmal die allgemein bekannten drei Aggregatzustände: fest, flüssig, gas- oder luftförmig; aber dabei dürfen wir nicht stehenbleiben, entsprechend dem oben angeführten Beispiel vom Vermögen. Wie wir da das Vermögen zu einem negativen Vermögen verdünnen können, so wird auch hier der Stoff immer dünner und dünner, über den gasförmigen Zustand hinaus immer dünner. Und so denken Sie sich eine Art von Stoff, der entgegengesetzt wäre dem physischen Stoffe; dann kommen Sie zu einer ungefähren Vorstellung von dem, woraus der Äther besteht.
[ 18 ] Now imagine these examples applied to the density of substance. At first you will have the three generally known aggregate conditions: the solid, liquid and gaseous conditions; but in accordance with the above-mentioned example of the property, you should not remain by these three conditions. Even as it is possible to dilute the property into a “negative” property, so the substance can also become thinner and thinner, more and more diluted, beyond the gaseous stage. Imagine therefore a kind of substance opposed to the physical substance; this will give you a kind of idea of that which constitutes the etheric body.
[ 19 ] Wie das negative Vermögen die umgekehrten Bedingungen des positiven hat — Plusvermögen macht reich, Minusvermögen macht arm; je mehr Vermögen ich habe, desto mehr kann ich kaufen, je weniger Vermögen ich habe, desto weniger kann ich mir kaufen -, so hat auch der Weltenäther, von dem ja der Ätherleib eines jeden Lebewesens ein Teil ist, eben auch die umgekehrten Eigenschaften des physischen Stoffes. Wie der feste Stoff das Bestreben hat, auseinanderzufallen, so ist der Ätherleib bestrebt, alles zusammenzuhalten und den physischen Körper, den er durchdrungen hat, am Zerfall zu verhindern. Dieser Zerfall in die einzelnen Grundstoffe tritt bei jedem Lebewesen sofort ein, sobald der Ätherleib aus dem physischen Leibe heraustritt, oder mit andern Worten, wenn der physische Tod des Lebewesens eintritt. So haben wir damit die Materie verfolgt in eine Welt hinein, wo sie die entgegengesetzte Wirkung hat wie unsere physische Materie.
[ 19 ] A “negative” property has the opposite qualities of a positive one, for a “plus” property makes us rich, and a “minus” property poor; the more money I have, the more I can buy; the less money I have, the less I can buy. In the same way, the cosmic ether, of which the etheric body of every living being is a part, has the opposite qualities of physical substances.
Even as physical substance has the inclination to fall asunder, to decay, so the etheric body has the inclination to hold everything together, preventing the physical body, which it permeates from decaying. As soon as the etheric body abandons the physical body—in other words, when physical death arises—the decomposition into the elemental parts immediately sets in. We have thus traced matter into a world where it has the opposite effect of our physical matter.
[ 20 ] Wenn ich sage, daß beim Menschen der Ätherleib ähnlich dem physischen Leib aussieht, so komme ich zu einer Tatsache, die man kennen muß, und die hier erwähnt werden soll, da wichtige Folgerungen daraus für die späteren Vorträge entstehen. Dieser Ausspruch bedarf nämlich einer sehr wichtigen Einschränkung, denn in Wahrheit ist nämlich der Ätherleib sehr verschieden vom physischen Leibe und diesem eigentlich nur in seinem oberen Teile, im Kopfteil, ähnlich; sehr verschieden aber ist er vom physischen Leibe in der Hinsicht, daß er ein diesem entgegengesetztes Geschlecht hat: der Ätherleib des Mannes ist nämlich weiblich, und umgekehrt, der des Weibes männlich. Jeder Mensch ist also zweigeschlechtlich; das physische Geschlecht ist nur ein äußerer Ausdruck, der seinen entgegengesetzten Pol im Ätherleibe hat. Wie ein Magnet Nordpol und Südpol hat, wie es beim Magneten gar keinen Nordpol allein gibt, so auch hier Pol und Gegenpol.
[ 20 ] When I say that man's etheric body resembles his physical body, I mention a fact which must be borne in mind and which must be mentioned here, for it will give rise to important conclusions in following lectures. This statement must be subjected to an important limitation, for in reality the etheric body differs greatly from the physical body and resembles it only in its upper part, in the head; but it differs from it greatly in regard to the fact that it is of opposite sex: man's etheric body is feminine, and woman's etheric body is masculine. Every human being is therefore bisexual; the sex of the physical body is only an external expression, having its opposite pole in the etheric body. Even as a magnet has a north pole and a south pole, even as a magnet cannot have only a north pole, so we also find two poles in man: the pole and the counter-pole.
[ 21 ] Dieser Äther- oder Lebensleib, auch Bildekräfteleib genannt, ist also das zweite Glied der menschlichen Wesenheit und bleibt von der Geburt bis zum Tode innig verbunden mit dem physischen Leibe des Menschen, und das Herauslösen dieses Lebensleibes aus dem physischen Körper ist eben der Tod.
[ 21 ] The etheric or vital body, also called the body of formative forces, therefore constitutes the second member of man's being, and from birth to death it remains intimately connected with man's physical body, and when the etheric body severs itself from the physical body, this signifies death.
[ 22 ] Der physische Leib wird erst aufgebaut von dem Ätherleib; dieser Ätherleib ist sozusagen der Architekt des physischen Leibes. Wenn Sie sich ein Bild dafür machen wollen, so nehmen Sie das Bild von Wasser und Eis. Wenn das Wasser sich abkühlt, nimmt es eine andere Form an, es wird zu Eis. Und genau wie aus dem Wasser Eis entsteht durch Verdichtung, so ist aus dem physischen Leibe der Ätherleib herausgegliedert.
[ 22 ] The physical body is first built up by the etheric body; the etheric body is, so to speak, the architect of the physical body. If you wish to have a picture for this, take that of water and ice: When the water cools down, it takes on another shape, it becomes ice. Even as ice is formed out of water through condensation, so the physical body is formed out of the etheric body.
[ 23 ] Eis: Wasser, Physischer Leib: Ätherleib; das heißt, die Kräfte des Ätherleibes sind greifbar, physisch wahrnehmbar geworden im physischen Leibe. Geradeso wie im Wasser auch schon die Kräfte lagen, welche sich dann in dem festen Eise äußern, so liegen im Ätherleib alle die Kräfte zum Aufbau des physischen Leibes schon darinnen. So liegt also schon im Ätherleib zum Beispiel eine Kraft, aus der sich das Herz, der Magen, das Gehirn und so weiter herausgliedern. So ist für jedes Organ unseres physischen Leibes im Ätherleib eine Anlage vorhanden; aber diese Anlagen sind keine Stoffe, sondern Kräfteströmungen. Diesen Ätherleib nun hat der Mensch gemeinsam mit allen Pflanzen und allen Tieren, also mit allen physischen Wesenheiten, die eben Leben äußern.
[ 23 ] Ice—water, physical—etheric body; this means, that the forces of the etheric body have become tangible, physically perceptible in the physical body. Even as the water already contained the forces which then manifest themselves in the solid ice, so the etheric body already contains, all the forces needed for the structure of the physical body. The etheric body thus already contains a force producing, for example; the heart, or the stomach, or the brain, and so forth. For each organ of our physical body there is a predisposition in the etheric body; these predispositions are not substances, but currents of forces. Man has the etheric body in common with every plant and animal, that is to say, with every physical being manifesting LIFE.
[ 24 ] Nun kann man fragen: Haben die Pflanzen eine Art Bewußtsein in dem Sinne, wie wir für die Welt der Mineralien ein Bewußtsein gefunden haben? — Wir haben ja vorhin gesehen, daß das Bewußtsein der Mineralien in der oberen Vernunftwelt gefunden wird durch die Geistesforschung, wo ja auch unsere Gedanken urständen.
[ 24 ] Now we may ask: Do the plants have a kind of consciousness such as we have found for the world of the minerals? We have already seen that spiritual research discovers the consciousness of minerals in the higher Intelligent World, the origin of our thoughts.
[ 25 ] So wie unsere Finger nicht ein selbständiges Bewußtsein haben, sondern wie das Bewußtsein eines Fingers zum Bewußtsein des ganzen Menschen gehört, ebenso gehören die Pflanzen auch zu einem Bewußtsein, und dieses liegt nun in der unteren Vernunftwelt, der Gestirnwelt, der himmlischen Welt, des Rupa Devachan. Wenn der Geistesforscher diese Welt betritt, dann begegnet er dort den Seelen der Pflanzen. Die Seelen der Pflanzen sind dort ebensolche Wesen wie wir hier; und diese Wesen verhalten sich zu den Pflanzen etwa, wie eben der Mensch sich zu seinen Fingern verhält.
[ 25 ] Even as our fingers do not have a consciousness of their own, for the consciousness of the finger forms part of man's consciousness, so the plants form part of a state of consciousness lying on the lower Intelligent World, in the heavenly world (Rupa Devachan), When the spiritual investigator enters this world, he encounters in it the souls of the plants. There, the souls of the plants are Beings, such as we are beings here on earth; and these Beings are related to the plants in the same way in which man is related to his fingers.
[ 26 ] In dieser unteren Devachanwelt ist also das Bewußtsein der Pflanzen verankert. In ihr wurzeln die Kräfte, die allem Wachstum und allem organischen Aufbau zugrunde liegen. In ihr wurzeln also auch die Kräfte, die unseren eigenen physischen Leib aufbauen; das heißt also, die Kräfte unseres Ätherleibes, den wir ja schon als den Architekten des physischen Leibes bezeichnet haben. Dieses Bewußtsein der Pflanzenwelt, das ist ein ungemein viel höheres und weisheitsvolleres als das Bewußtsein des Menschen.
[ 26 ] The consciousness of plants is therefore rooted in this lower Devachan World. In it are rooted the forces which lie at the foundation of every growth and of every organic structure; in it are also rooted the forces which build up our physical body, that is to say, the forces of our etheric body, which, we have already designated as the architect of our physical body. This consciousness of the vegetable world is far higher and wiser than the consciousness of man,
[ 27 ] Das wird Ihnen ohne weiteres klarwerden, wenn Sie bedenken, wie weise nicht nur des Menschen physischer Leib, sondern aller von einem Ätherleibe durchdrungenen Wesen, also aller Lebewesen, aufgebaut ist. Welche ungeheure Weisheit gehört dazu, den einfachsten physischen Leib irgendeines Lebewesens aufzubauen, geschweige denn das kunstvollste Gebilde aller irdischen Lebewesen: den menschlichen Leib!
[ 27 ] You will realise this at once if you bear in mind the wise structure not only of man's physical body, but of every being permeated by an etheric body, that is to say, of every living being. What enormous wisdom is needed to build up the simplest physical body of any living being; not to mention the most wonderful structure all living beings on earth; the human body!
[ 28 ] Betrachten Sie nur einmal zum Beispiel den menschlichen Oberschenkelknochen in seinem oberen Teile, wie wunderbar nach allen Regeln der Baukunst die einzelnen Knochenbälkchen aneinandergegliedert sind! Der Oberschenkelknochen ist gerade an dieser Stelle durchaus ein viel komplizierteres Gebilde, als wie er uns äußerlich betrachtet erscheint; er ist zusammengesetzt aus einem Gerüste von Balken, die in ihrer Winkelstellung zueinander derartig weisheitsvoll gefügt sind, daß mit dem kleinsten Maß von Stoff es erreicht ist, daß der ganze Körper getragen werden kann. Wahrlich ein größeres Kunstwerk als der komplizierteste Brückenbau, und keine Ingenieurkunst der Welt kann etwas Derartiges nachmachen. Oder betrachten Sie den Bau des Herzens; es ist so weisheitsvoll gebaut, daß der Mensch mit all seiner Weisheit ein rechtes Kind ist gegen die Weisheit, die sich darin offenbart. Und was hält dieses menschliche Herz alles aus, trotzdem die Torheit des Menschen es fast täglich zu ruinieren versucht, zum Beispiel durch unsere sogenannten Genußmittel, Kaffee, Alkohol, Nikotin.
[ 28 ] Observe, for instance, man's upper thigh bone; how wonderfully and in accordance with every rule of architecture the single little osseous joists and beams are put together! In its upper part, the upper thigh bone is far more complicated than it appears to us externally; for it is composed of a trestle of beams whose angles are arranged so skillfully that the weight of the whole body is borne by the least quantity of matter; truly a far greater work of art than the most complicated bridge construction; no engineering skill in the world could imitate it! Or contemplate the structure of the heart: it is built so wisely that man with all his wisdom is but a child in comparison to that wisdom which reveals itself in the structure of the heart. How many things does the human heart withstand, though man's foolish attempts to ruin it every day, for instance, through our so-called stimulants—coffee, alcohol, nicotine.
[ 29 ] Zur Ausführung eines solchen Wunderbaues wie den des physischen Leibes sind Kräfte nötig, die sich hinauferstrecken bis in die Astralwelt, und erst die Wesenheiten dieser Astralwelt sind, trivial gesprochen, so gescheit, daß sie einen solchen physischen Leib aufbauen können.
[ 29 ] Forces reaching as far as the astral world are needed for the construction of such a wonderful edifice as our physical body; only the Beings of this astral world are, trivially speaking, clever enough to build up such a physical body.
[ 30 ] Und nun kommen wir zum dritten Glied der menschlichen Wesenheit. Die Pflanzen haben einen physischen Leib und einen Ätherleib; sie haben aber etwas nicht, was Tiere und Menschen haben: sie haben nicht Leid, nicht Lust, keine Schmerzen und keine Empfindung. Das ist der Unterschied von Tier und Mensch einerseits und den Pflanzen andererseits. Der Unterschied beruht darauf, daß in Tier und Mensch sich Innenvorgänge abspielen. Die neuere Wissenschaft hat ja sogar auch den Pflanzen aus den Vorgängen, welche man bei ihnen beobachtet, Empfindung zusprechen wollen. Es ist jammervoll, wenn man sieht, was für ein Unfug mit Begriffen getrieben wird, denn hier finden keinerlei innere Vorgänge statt wie bei einer jeden Empfindung; diese «Empfindung» müßte man mit demselben Rechte auch dem blauen Lakmuspapier zuschreiben. Aber das kommt davon, wenn man die Empfindung hier in der physischen Welt sucht. In der physischen Welt kann man keine Empfindung bei einem derartigen Phänomen, wie es sich an manchen Pflanzen zeigt, finden; da muß man in die himmlischen Welten gehen. Eingeschaltet soll hier werden, um Mißverständnissen vorzubeugen, daß bei den sogenannten reagierenden Pflanzen, zum Beispiel der Mimose, dieser Reizvorgang sich nicht als Empfindung spiegelt in der physischen Welt, sondern nur in der niederen Vernunftwelt, wo sich ja das Bewußtsein der Pflanzen befindet. Hier unten in der physischen Welt hat nur der Mensch und das Tier Begierde und Leidenschaften, Freuden und Schmerzen. Warum? Weil sie außer dem physischen Leib und Ätherleib auch noch den Astralleib haben, das dritte Glied der menschlichen Wesenheit.
[ 30 ] And now we come to the third member of man's being. Plants have a physical body and an etheric body; but they lack something which both man and the animals have; they have no pain, no desires, no sufferings, and no sensations whatever. This is the difference between man and animal on the one side, and the plants on the other. The difference consists therein that inner, processes take place in the animals and in man. From processes observed in plants, modern science even seeks to ascribe sensations to plants. It is a shame to see how concepts are being misused! These are no inner processes, as in the case of a sensation—such sensations might just as well be ascribed to a blue litmus paper. Such mistakes arise if sensations are looked for in the physical world; no sensation can be found in the physical world in a phenomenon of the kind which may be observed in certain plants, for we must rise up to heavenly worlds if we wish to find sensations in plants. To prevent misunderstandings, let me add that in the case of so-called reacting plants, for instance, in the mimosa, the sensitive process of reaction does not reflect itself in the physical world as a sensation, but only in the lower Intelligent World, the seat of the plant's consciousness. Here, in the physical, world, only man and animals have instincts and passions, joys and pains. Why?—Because they have, in addition to the physical and etheric body, also the astral body, the third member of human nature.
[ 31 ] Für den Seher stellt sich der Astralleib so dar, daß der ganze Mensch eingehüllt ist in eine eiförmige Wolke, und in dieser Wolke drückt sich eine jede Empfindung aus, jeder Trieb, jede Leidenschaft. Dieser Astralleib ist also der Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz. Mit diesem dritten Glied verhält es sich anders als mit dem physischen Leib und Ätherleib. Wenn nämlich der Mensch schläft, liegt im Bett nur der physische Leib und Ätherleib, während sich der Astralleib mit dem Ich herausgehoben hat; wenn dagegen der Astralleib und der ÄÄtherleib heraustreten aus dem physischen Leibe, dann tritt der Tod ein, und damit ja der Zerfall des physischen Leibes.
[ 31 ] To a clairvoyant seer, the astral body appears in such a way as to envelop the whole human being in an egg-shaped cloud, and within this cloud every sensation comes to expression, every instinct and every passion. The astral body is therefore the carrier of desire, pain, suffering and joy. This third member presents a different aspect from the etheric body and the physical body. When man is asleep, only the physical and the etheric body lie upon the bed, whereas the astral body and the Ego are lifted out; but when the astral body and the etheric body go out of the physical body, then death arises, and with it the decay of the physical body.
[ 32 ] Warum heißt dieses Wesensglied nun Astralleib? Es gibt dafür gar keinen treffenderen Ausdruck. Warum? Dieses Wesensglied hat eine wichtige Aufgabe, und diese wichtige Aufgabe müssen wir uns klarmachen. Dieser Astralleib ist in der Nacht kein Müßiggänger, denn in der Nacht arbeitet er, wie der Seher sehen kann, an dem physischen und Ätherleib. Während des Tages nutzen Sie den physischen und Ätherleib ab, denn alles, was Sie tun, ist ja Abnützung des physischen Leibes, und der Ausdruck dieser Abnützung ist ja die Ermüdung. Das nun, was Sie während des Tages abnutzen, das bessert der Astralleib während der Nacht wieder aus. Tatsächlich schafft der Astralleib während des Schlafes die Ermüdung hinweg. Daraus ergibt sich die Wichtigkeit und Notwendigkeit des Schlafes. Der Seher kann diese Ausbesserung bewußt vornehmen. Das Erquickende des Schlafes beruht darauf, daß der Astralleib am physischen und Ätherleib richtig gearbeitet hat. Weil der Astralleib aber erst in den physischen und ÄÄtherleib zurückkehren muß, tritt die Erquickung des Schlafes erst allmählich, das heißt etwa eine Stunde nach dem Erwachen auf.
[ 32 ] Why is this third member called astral body?—No more appropriate name could be found for it! Why?—Because this member has an important task which we must bear in mind. At night, this astral body is not inactive, for then it works upon the physical and etheric body, and the clairvoyant seer can observe this. During the day, we use up our physical and etheric body, for everything we do uses up the physical body, and the expression of this is fatigue. Now the astral body repairs what we use up during the day. The astral body really eliminates fatigue while we are asleep. This shows the importance and necessity of sleep. The clairvoyant seer can do this repair-work consciously. The refreshing element of sleep depends on the fact that the astral body has worked in the right way upon the physical and astral bodies. But since the astral body must first return into the physical and etheric bodies, the refreshment of sleep arises gradually, that is to say, about one hour after waking up.
[ 33 ] Mit diesem Heraustreten des Astralleibes während des Schlafes ist noch etwas anderes, Wichtiges verbunden. Wenn nämlich der Astralleib während des wachen Tageslebens mit der Außenwelt in Verbindung tritt, muß er zusammenleben mit dem physischen und Ätherleib; aber während er sich vom Körper loslöst, also während des Schlafes, ist er von dieser Fessel des physischen und Ätherleibes befreit. Und da tritt etwas Wunderbares ein: da reichen die Kräfte des Astralleibes bis in die Gestirnenwelt, wo die Seelenwesenheiten der Pflanzen sind, und aus dieser Welt nimmt er seine Kraft. Der Astralleib ruht in der Welt, in der die Gestirne eingebettet sind. Das ist die Welt der Sphärenharmonie der Pythagoreer. Sie ist eine reale Wirklichkeit und keine Phantasie. Wenn man bewußt in dieser Welt lebt, dann hört man die Sphärenharmonien, dann hört man klingen die Kräfte und Verhältnisse der Sterne zueinander. Goethe war in diesem Sinne ein Eingeweihter, und aus diesem Geiste heraus ist auch der Beginn des «Prologes im Himmel» aus «Faust» zu verstehen:
[ 33 ] Something else, something important is also connected with the fact that the astral body goes out during sleep. When the astral body enters in connection with the external world during the waking life of daytime, it must live together with the physical and etheric body; but when it extricates itself from the body, that is to say, during sleep, it is freed from these fetters of the physical and etheric body. Then something wonderful arises; the forces of the astral body then reach as far as the starry world, where the soul-Beings of the plants are to be found, and it draws its strength from that world. The astral body reposes in a world where the stars are embedded. This is the world of the Harmony of the Spheres, according to the Pythagoreans. It is a reality and not a mere fancy. If we live consciously in this world, we can hear the harmonies of the spheres, we can hear the stars resounding in their reciprocal forces and relations. In this sense, Goethe was an initiate, and in this meaning we should read the beginning of the Prologue in Heaven of “Faust:—
Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.
Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
Wenn keiner sie ergründen mag;
Die unbegreiflich hohen Werke
Sind herrlich, wie am ersten Tag.
“The sun, with many a sister-sphere,
Still sings the rival psalm of wonder,
And still his fore-ordained career
Accomplishes with tread of thunder.
The sight sustains the angels' prime,
Though none may spell the mystic story;
Thy Works, unspeakably sublime,
Live on, in all their primal glory.”
(Translation after Latham)
[ 34 ] Man kennt Goethe sehr wenig und weiß meist nicht, daß er eingeweiht war, sondern sagt einfach: Ein Dichter braucht solche Bilder. - Aber Goethe wußte, daß die Sonne in einem Reigen darinnensteht, und daß sie als Sonnengeist tönt! Daher bleibt Goethe auch in diesem Bilde und spricht weiter:
[ 34 ] People do not know Goethe, and as a rule they are not aware that he was an initiate, for they simply say: A poet needs images ... . Yet Goethe knew that the sun stands in the midst of a choir and that it resounds as Spirit of the Sun! Goethe therefore remains by this image and continues:—
Horchet! horcht dem Sturm der Horen!
Tönend wird für Geistesohren
Schon der neue Tag geboren.
Felsentore knarren rasselnd,
Phöbus’ Räder rollen prasselnd;
Welch Getöse bringt das Licht!
Es drommetet, es posaunet,
Auge blinzt und Ohr erstaunet,
Unerhörtes hört sich nicht.
“Hark! The Hours in storm are winging,
And to spirit ears loud-ringing,
Now the new-born day is springing.
Rocky portals clang asunder,
Phoebus' wheels roll forth in thunder,
What a tumult brings the light!
Loud the trump of dawn hath sounded,
Eye is dazzled, ear astounded,
The Unheard no ear may smite.”
(Translation after Latham)
[ 35 ] In dieser Gestirnwelt lebt der Astralleib während der Nacht. Und während er am Tage in eine Art Disharmonie kommt mit den weltlichen Dingen, ist er in der Nacht, während des Schlafes, wieder eingebettet in den Schoß der Sternenwelt. Und dann kommt er morgens zurück mit dem, was er sich aus dieser Welt mitgebracht hat an Kräften. Die Harmonie der Sphären bringt man sich aus dieser Astralwelt mit, wenn man herauskommt aus dem Schlafe. In der Gestirnwelt, der Astralwelt, hat der Astralleib seine wahre Heimat, und deshalb ist er auch so genannt worden: Astralleib. — So haben wir nun drei Glieder der menschlichen Wesenheit kennengelernt: Physischen Leib, Ätherleib, Astralleib.
[ 35 ] During the night, the astral body lives in this world of stars. During the day it comes into a kind of disharmony of wordly things, whereas at night, during sleep, it is once more embedded in the world of the stars. And in the morning it returns with the forces which it brings along from this world. From the astral world we bring with us the harmony of the spheres, when we awake from sleep! The real home of the astral body is the world of the stars, the astral world, and that why it is called astral body.
[ 36 ] Das vierte Glied, das Ich, wollen wir das nächste Mal kennenlernen. Das Ich ist dasjenige Glied, das den Menschen zur Krone der Schöpfung macht und das ihn über das Tier erhebt.
[ 36 ] The fourth part, the Ego, we shall learn to know next time. The Ego is that member which raises man above the animal and makes of him the crown of creation.
[ 37 ] Das Tier hat noch nicht ein solches Bewußtsein wie der Mensch; es hat zwar auch ein Bewußtsein, ebensogut wie wir das bei der Pflanze gesehen haben und beim Mineral; aber dieses Bewußtsein der Tiere liegt in der Astralwelt. Das vierte Glied des Menschen, dieses Ich, das gliedert sich mit den drei andern Gliedern zusammen zu der heiligen Vierheit des Menschen, von der alle alten Schulen reden.
[ 37 ] The animal does not have man's consciousness, although it has a certain kind of consciousness, just as we have seen it in the case of the plant and of the mineral; but the consciousness of animals lies in the astral world. Man's fourth member, the Ego, constitutes with the other three members, the, “holy fourfold essence” of man, of which all the ancient Schools speak.
[ 38 ] So hat der Mensch den physischen Leib gemeinschaftlich mit dem Mineral, den Ätherleib gemeinschaftlich mit der Pflanze, und den Astralleib gemeinschaftlich mit dem Tier. Das Ich hat er allein; und das hebt ihn über alles andere hinaus. Im Menschen finden wir gewissermaßen eine Essenz von alledem, was wir um uns herum ausgebreitet sehen. In der Tat: einen Mikrokosmos! Deshalb müssen wir, wenn wir den Menschen erkennen wollen, zuerst das erkennen, was uns umgibt.
[ 38 ] Man therefore has the physical body in common with the mineral, the etheric body in common with the plants, and the astral body in common with the animal. He alone has an Ego, and this raises him above the others. In man we find, as it were, the essence of everything which we see spread out round about us. In fact, a microcosm! We must therefore first learn to know our environment, if we wish to know man.
[ 39 ] So müssen wir uns die drei Wesensglieder, diese drei Körper, als drei Hüllen denken, die aus den verschiedensten Regionen heraus gewoben sind, und in diesen Hüllen wohnen wir, das heißt, das Ich, mit den höheren Gliedern der menschlichen Wesenheit, unserem unsterblichen Teil.
[ 39 ] We should therefore think of these three members, of these three bodies, as sheaths, woven in different regions, and we, that is to say, our Ego, lives in these sheaths, together with the higher members of human nature, together with our immortal part.
