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The Rudolf Steiner Archive

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Human Development and Christ-Knowledge
GA 100

16 November 1907, Basel

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Das Johannes-Evangelium I

Das Johannes-Evangelium I

[ 1 ] Wer das moderne Geistesleben aufmerksam betrachtet, der wird finden, daß ein tiefer Zwiespalt in vielen Seelen vorhanden ist. Sie bekommen schon in frühester Jugend statt einer einheitlichen Weltanschauung deren zwei: eine durch den Religionsunterricht und eine andere durch die Naturwissenschaft, wodurch sich bei ihnen von Anfang an Zweifel an der Richtigkeit der religiösen Überlieferungen einstellen.

[ 1 ] Wer das moderne Geistesleben aufmerksam betrachtet, der wird finden, daß ein tiefer Zwiespalt in vielen Seelen vorhanden ist. Sie bekommen schon in frühester Jugend statt einer einheitlichen Weltanschauung deren zwei: eine durch den Religionsunterricht und eine andere durch die Naturwissenschaft, wodurch sich bei ihnen von Anfang an Zweifel an der Richtigkeit der religiösen Überlieferungen einstellen.

[ 2 ] Man könnte glauben, daß die Theosophie ein neues Religionsbekenntnis zu den bereits bestehenden alten hinzubringen will. Dies ist aber nicht der Fall. Theosophie ist keine neue Religion, keine neue Sekte, sie ist mehr als Religion.

[ 2 ] Man könnte glauben, daß die Theosophie ein neues Religionsbekenntnis zu den bereits bestehenden alten hinzubringen will. Dies ist aber nicht der Fall. Theosophie ist keine neue Religion, keine neue Sekte, sie ist mehr als Religion.

[ 3 ] Es wird die Aufgabe dieser Vorträge sein, mit Hilfe der Theosophie zu zeigen, welche Bedeutung eine religiöse Urkunde wie das JohannesEvangelium besitzt. Gerade bei der Betrachtung dieses Evangeliums wird sich das Verhältnis der Theosophie zu den Religionsurkunden im allgemeinen zeigen. Sie dient zum Verständnis der in der Welt bestehenden religiösen Strömungen. Derjenige, welcher die Theosophie kennt, nimmt das Christentum wie es ist, als eine Tatsache, welche für das gesamte Geistesleben der Menschheit von höchster Bedeutung ist. Nur das moderne Geistesleben ist in die Unmöglichkeit versetzt, die Tiefe des Christentums verstehen zu können. 'Theosophie ist dasjenige Instrument und Mittel, ohne welches nichts auszurichten ist. Wenn wir dieses Instrument benutzen, können wir tief hineindringen in die Weisheiten der religiösen Urkunden. Man könnte die Theosophie mit der Philologie vergleichen. Auch die Philologie erlaubt uns, die christlichen Urkunden zu studieren. Die Theosophie jedoch führt uns in den Geist dieser Urkunden ein. Nicht derjenige ist der richtige Ausleger der Euklidischen Geometrie, der nur die griechische Sprache versteht, sondern derjenige, welcher die Kenntnis der geometrischen Tatsachen besitzt.

[ 3 ] Es wird die Aufgabe dieser Vorträge sein, mit Hilfe der Theosophie zu zeigen, welche Bedeutung eine religiöse Urkunde wie das JohannesEvangelium besitzt. Gerade bei der Betrachtung dieses Evangeliums wird sich das Verhältnis der Theosophie zu den Religionsurkunden im allgemeinen zeigen. Sie dient zum Verständnis der in der Welt bestehenden religiösen Strömungen. Derjenige, welcher die Theosophie kennt, nimmt das Christentum wie es ist, als eine Tatsache, welche für das gesamte Geistesleben der Menschheit von höchster Bedeutung ist. Nur das moderne Geistesleben ist in die Unmöglichkeit versetzt, die Tiefe des Christentums verstehen zu können. 'Theosophie ist dasjenige Instrument und Mittel, ohne welches nichts auszurichten ist. Wenn wir dieses Instrument benutzen, können wir tief hineindringen in die Weisheiten der religiösen Urkunden. Man könnte die Theosophie mit der Philologie vergleichen. Auch die Philologie erlaubt uns, die christlichen Urkunden zu studieren. Die Theosophie jedoch führt uns in den Geist dieser Urkunden ein. Nicht derjenige ist der richtige Ausleger der Euklidischen Geometrie, der nur die griechische Sprache versteht, sondern derjenige, welcher die Kenntnis der geometrischen Tatsachen besitzt.

[ 4 ] Theosophie soll dem modernen Menschen nicht eine neue Religion sein, sondern das Mittel, welches ihm das Christentum in seinem wahren Gehalte wieder näher bringt. Das Christentum ist der Gipfel aller Religionen. Alle andern Religionen weisen nur auf das Christentum hin. Das Christentum ist die Religion aller Zukunft und wird von keiner andern abgelöst. Der in ihm sprudelnde Quell der Wahrheit ist unversieglich. Es ist so stark, daß es mit der fortschreitenden Entwickelung der Menschheit immer neue Seiten seines Wesens offenbaren wird. Die Theosophie soll uns das Christentum von einer neuen Seite zeigen.

[ 4 ] Theosophie soll dem modernen Menschen nicht eine neue Religion sein, sondern das Mittel, welches ihm das Christentum in seinem wahren Gehalte wieder näher bringt. Das Christentum ist der Gipfel aller Religionen. Alle andern Religionen weisen nur auf das Christentum hin. Das Christentum ist die Religion aller Zukunft und wird von keiner andern abgelöst. Der in ihm sprudelnde Quell der Wahrheit ist unversieglich. Es ist so stark, daß es mit der fortschreitenden Entwickelung der Menschheit immer neue Seiten seines Wesens offenbaren wird. Die Theosophie soll uns das Christentum von einer neuen Seite zeigen.

[ 5 ] Gegenüber den Religionsurkunden können vier verschiedene Standpunkte eingenommen werden: Erstens der Standpunkt des naiven Glaubens, wobei der Mensch sich nur an die Worte hält, die ihm gegeben werden. Viele können diesen Standpunkt nicht mit ihrem modernen Denken vereinbaren, und sie nehmen dann den zweiten Standpunkt ein: den des Kritisierens, des Zweifelns, des Verwerfens. Dies ist der Standpunkt der gescheiten, aufgeklärten Menschen. Religionswahrheiten sind ihnen ein überwundener Standpunkt. Viele von diesen aufgeklärten Menschen forschen weiter und finden, daß doch merkwürdig viel in diesen Religionsurkunden enthalten ist. Sie ringen sich durch zum dritten Standpunkt: dem der Symboliker. Diese Leute deuten viel oder wenig in die Religionsurkunden hinein, je nach ihrem Geist und Wissen. Viele ehemalige Freidenker in Deutschland haben sich zu diesem Standpunkt durchgerungen. Durch die Theosophie endlich wird der vierte Standpunkt ermöglicht. Man lernt dieReligionsurkunden wieder wörtlich nehmen. Merkwürdige Beispiele dafür finden wir bei der Betrachtung des Johannes-Evangeliums.

[ 5 ] Gegenüber den Religionsurkunden können vier verschiedene Standpunkte eingenommen werden: Erstens der Standpunkt des naiven Glaubens, wobei der Mensch sich nur an die Worte hält, die ihm gegeben werden. Viele können diesen Standpunkt nicht mit ihrem modernen Denken vereinbaren, und sie nehmen dann den zweiten Standpunkt ein: den des Kritisierens, des Zweifelns, des Verwerfens. Dies ist der Standpunkt der gescheiten, aufgeklärten Menschen. Religionswahrheiten sind ihnen ein überwundener Standpunkt. Viele von diesen aufgeklärten Menschen forschen weiter und finden, daß doch merkwürdig viel in diesen Religionsurkunden enthalten ist. Sie ringen sich durch zum dritten Standpunkt: dem der Symboliker. Diese Leute deuten viel oder wenig in die Religionsurkunden hinein, je nach ihrem Geist und Wissen. Viele ehemalige Freidenker in Deutschland haben sich zu diesem Standpunkt durchgerungen. Durch die Theosophie endlich wird der vierte Standpunkt ermöglicht. Man lernt dieReligionsurkunden wieder wörtlich nehmen. Merkwürdige Beispiele dafür finden wir bei der Betrachtung des Johannes-Evangeliums.

[ 6 ] Unter den vier Evangelien nimmt das Johannes-Evangelium einen ganz besonderen Platz ein. Während die drei Evangelien des Matthäus, Markus und Lukas uns ein geschichtliches Bild des Jesus von Nazareth geben, wird das Johannes-Evangelium als Apotheose, als ein wundervolles Gedicht angesehen. Es zeigt mehrfache Widersprüche gegenüber den Angaben der drei andern Evangelien; aber diese Widersprüche sind so offenbar zutage liegend, daß nicht angenommen werden kann, die alten Verteidiger des Johannes-Evangeliums hätten dieselben nicht wahrgenommen.

[ 6 ] Unter den vier Evangelien nimmt das Johannes-Evangelium einen ganz besonderen Platz ein. Während die drei Evangelien des Matthäus, Markus und Lukas uns ein geschichtliches Bild des Jesus von Nazareth geben, wird das Johannes-Evangelium als Apotheose, als ein wundervolles Gedicht angesehen. Es zeigt mehrfache Widersprüche gegenüber den Angaben der drei andern Evangelien; aber diese Widersprüche sind so offenbar zutage liegend, daß nicht angenommen werden kann, die alten Verteidiger des Johannes-Evangeliums hätten dieselben nicht wahrgenommen.

[ 7 ] Gegenwärtig wird das Johannes-Evangelium am wenigsten als glaubwürdig angesehen. Der Grund dazu liegt in der materialistischen Gesinnung unseres Zeitalters. Im 19. Jahrhundert ist die Menschheit materialistisch im Fühlen geworden und als Folge davon auch im Denken; denn wie der Mensch fühlt, so urteilt er. Materialismus ist nicht allein diejenige Weltanschauung, die in den Büchern von Büchner, Moleschott und Vogt zum Ausdruck kommt, sondern sogar diejenigen, die als Erklärer der religiösen Urkunden sich auf einen gewissen geistigen Standpunkt stellen wollen, tun dies in völlig materialistischer Weise. Als Beispiel könnte man anführen den Streit zwischen Karl Vogt und dem Göttinger Professor Wagner. Dieser Streit ist seinerzeit in der «Augsburger Zeitung» ausgefochten worden und völlig zugunsten des Karl Vogt ausgefallen. Dabei vertrat Wagner die Existenz der Seele, tat dies aber auch in völlig materialistischer Weise.

[ 7 ] Gegenwärtig wird das Johannes-Evangelium am wenigsten als glaubwürdig angesehen. Der Grund dazu liegt in der materialistischen Gesinnung unseres Zeitalters. Im 19. Jahrhundert ist die Menschheit materialistisch im Fühlen geworden und als Folge davon auch im Denken; denn wie der Mensch fühlt, so urteilt er. Materialismus ist nicht allein diejenige Weltanschauung, die in den Büchern von Büchner, Moleschott und Vogt zum Ausdruck kommt, sondern sogar diejenigen, die als Erklärer der religiösen Urkunden sich auf einen gewissen geistigen Standpunkt stellen wollen, tun dies in völlig materialistischer Weise. Als Beispiel könnte man anführen den Streit zwischen Karl Vogt und dem Göttinger Professor Wagner. Dieser Streit ist seinerzeit in der «Augsburger Zeitung» ausgefochten worden und völlig zugunsten des Karl Vogt ausgefallen. Dabei vertrat Wagner die Existenz der Seele, tat dies aber auch in völlig materialistischer Weise.

[ 8 ] Dadurch, daß unsere Theologen ebenfalls materialistisch fühlen, entsprechen ihnen die drei Evangelien der Synoptiker besser, weil bei denselben eine materialistische Auslegung eher zulässig ist. Dem materialistischen Denken widerstrebt es, ein Wesen anzunehmen, welches alle Menschen überragt. Mehr sagt es ihnen zu, in Jesus von Nazareth nur einen edlen Menschen, den «schlichten Mann» von Nazareth, zu sehen. Beim Johannes-Evangelium ist der Standpunkt ganz unzulässig, in Jesus nur das zu sehen, was in jedem andern Menschen auch lebt. Die Seele des Christus in dem Leibe Jesu ist etwas ganz anderes. Das Johannes-Evangelium zeigt uns Christus nicht nur als überragendes menschliches Wesen, sondern als solches, das die ganze Erde umfaßt.

[ 8 ] Dadurch, daß unsere Theologen ebenfalls materialistisch fühlen, entsprechen ihnen die drei Evangelien der Synoptiker besser, weil bei denselben eine materialistische Auslegung eher zulässig ist. Dem materialistischen Denken widerstrebt es, ein Wesen anzunehmen, welches alle Menschen überragt. Mehr sagt es ihnen zu, in Jesus von Nazareth nur einen edlen Menschen, den «schlichten Mann» von Nazareth, zu sehen. Beim Johannes-Evangelium ist der Standpunkt ganz unzulässig, in Jesus nur das zu sehen, was in jedem andern Menschen auch lebt. Die Seele des Christus in dem Leibe Jesu ist etwas ganz anderes. Das Johannes-Evangelium zeigt uns Christus nicht nur als überragendes menschliches Wesen, sondern als solches, das die ganze Erde umfaßt.

[ 9 ] Wenn man das Johannes-Evangelium nicht dem Wortlaute, sondern dem Geiste nach übersetzt, so lauten die ersten vierzehn Verse folgendermaßen:

[ 9 ] Wenn man das Johannes-Evangelium nicht dem Wortlaute, sondern dem Geiste nach übersetzt, so lauten die ersten vierzehn Verse folgendermaßen:

«Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.

Dieses war im Urbeginne bei Gott.

Alles ist durch dasselbe geworden, und außer durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden.

In diesem war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen. Es ward ein Mensch, gesandt war er von Gott, mit seinem Namen Johannes.

Dieser kam zum Zeugnis, auf daß er Zeugnis ablege von dem Lichte, auf daß durch ihn alle glauben sollten.

Er war nicht das Licht, sondern ein Zeuge des Lichtes.

Denn das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen.

Es war in der Welt, und die Welt ist durch es geworden, aber die Welt hat es nicht erkannt.

Zu den einzelnen Menschen kam es, bis zu den Ich-Menschen kam es; aber die einzelnen Menschen, die Ich-Menschen, nahmen es nicht auf.

Die es aber aufnahmen, die konnten sich durch es als Gottes Kinder offenbaren.

Die seinem Namen vertrauten, sind nicht aus Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches und nicht aus menschlichem Willen, sondern aus Gott geworden.

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnert, und wir haben seine Lehre gehört, die Lehre von dem einigen Sohne des Vaters, erfüllt von Hingabe und Wahrheit.»

«Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.

Dieses war im Urbeginne bei Gott.

Alles ist durch dasselbe geworden, und außer durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden.

In diesem war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen. Es ward ein Mensch, gesandt war er von Gott, mit seinem Namen Johannes.

Dieser kam zum Zeugnis, auf daß er Zeugnis ablege von dem Lichte, auf daß durch ihn alle glauben sollten.

Er war nicht das Licht, sondern ein Zeuge des Lichtes.

Denn das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen.

Es war in der Welt, und die Welt ist durch es geworden, aber die Welt hat es nicht erkannt.

Zu den einzelnen Menschen kam es, bis zu den Ich-Menschen kam es; aber die einzelnen Menschen, die Ich-Menschen, nahmen es nicht auf.

Die es aber aufnahmen, die konnten sich durch es als Gottes Kinder offenbaren.

Die seinem Namen vertrauten, sind nicht aus Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches und nicht aus menschlichem Willen, sondern aus Gott geworden.

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnert, und wir haben seine Lehre gehört, die Lehre von dem einigen Sohne des Vaters, erfüllt von Hingabe und Wahrheit.»

[ 10 ] Bei Johannes ist Wahrheit — ἀλήθεια aletheia - Manas, Hingabe — Χάρις charis - Buddhi und Weisheit - σοφία sophia — Atma.

[ 10 ] Bei Johannes ist Wahrheit — ἀλήθεια aletheia - Manas, Hingabe — Χάρις charis - Buddhi und Weisheit - σοφία sophia — Atma.

[ 11 ] Schon das erste Wort wird von einem modernen Menschen in einem abstrakten Sinn genommen. Man denkt sich den Urbeginn als einen abstrakten Anfang. Um aber die richtige Bedeutung dieses Wortes zu erfassen, muß man sich vergegenwärtigen, was in der christlichen Geheimschule des Dionysius Areopagita darüber gelehrt wurde: Mineral, Pflanze, Tier und Mensch bilden die Entwickelungsreihe derjenigen Wesenheiten, welche den physischen Körper benötigen; darüber stehen Wesenheiten, die ohne einen solchen existieren. Dies sind die Engel, Erzengel, die Uranfänge oder Urbeginne, die Mächte, Gewalten, Herrschaften, Throne, Cherubim und Seraphim und immer höher hinauf.

[ 11 ] Schon das erste Wort wird von einem modernen Menschen in einem abstrakten Sinn genommen. Man denkt sich den Urbeginn als einen abstrakten Anfang. Um aber die richtige Bedeutung dieses Wortes zu erfassen, muß man sich vergegenwärtigen, was in der christlichen Geheimschule des Dionysius Areopagita darüber gelehrt wurde: Mineral, Pflanze, Tier und Mensch bilden die Entwickelungsreihe derjenigen Wesenheiten, welche den physischen Körper benötigen; darüber stehen Wesenheiten, die ohne einen solchen existieren. Dies sind die Engel, Erzengel, die Uranfänge oder Urbeginne, die Mächte, Gewalten, Herrschaften, Throne, Cherubim und Seraphim und immer höher hinauf.

[ 12 ] Die Urbeginne sind also wirkliche Wesenheiten. Man bezeichnete mit diesem Namen diejenigen Wesenheiten, die im Anfang unserer Weltentwickelung so weit waren, wie die Menschheit in ihrer Entwickelung in der Vulkanphase sein wird. Betrachtet man im Lichte dieser Anschauung den ersten Vers: «Im Urbeginne war das Wort Logos...», so könnte man sich den Sachverhalt durch folgendes Gleichnis bildlich darstellen: Bevor man das Wort ausspricht, lebt dieses Wort in uns als Gedanke. Wird das Wort ausgesprochen, so wird die uns umgebende Luft in Schwingungen versetzt. Denken wir uns diese Schwingungen durch irgendeinen Vorgang zum Erstarren gebracht, so würden wir die Worte als Formen und Gestalten zu Boden fallen sehen. Wir würden die schöpferische Macht des Wortes mit unseren Augen wahrnehmen. Wirkt das Wort also bereits jetzt schöpferisch, so wird dies in Zukunft noch in viel stärkerem Maße der Fall sein. Der heutige Mensch besitzt Organe, die erst in der Zukunft zu ihrer vollen Bedeutung gelangen werden, und auch solche, die sich bereits in Dekadenz befinden. Zu den letzteren gehören die Fortpflanzungsorgane, zu den ersteren das Herz und der Kehlkopf, die beide erst im Anfange ihrer Entwickelung stehen. Das Herz ist gegenwärtig ein unwillkürlicher Muskel, obwohl es quergestreift ist wie alle willkürlichen Muskeln. Diese Querstreifung ist bereits ein Fingerzeig, daß sich das Herz im Übergang aus einem unwillkürlichen in ein willkürliches Organ befindet. Der Kehlkopf ist bestimmt, in einer fernen Zukunft das Fortpflanzungsorgan des Menschen zu werden, so paradox das auch klingen mag. So wie der Mensch durch die Sprache jetzt schon seine Gedanken in Luftschwingungen umsetzen kann, wird er dereinst sein eigenes Ebenbild durch das Wort schaffen können.

[ 12 ] Die Urbeginne sind also wirkliche Wesenheiten. Man bezeichnete mit diesem Namen diejenigen Wesenheiten, die im Anfang unserer Weltentwickelung so weit waren, wie die Menschheit in ihrer Entwickelung in der Vulkanphase sein wird. Betrachtet man im Lichte dieser Anschauung den ersten Vers: «Im Urbeginne war das Wort Logos...», so könnte man sich den Sachverhalt durch folgendes Gleichnis bildlich darstellen: Bevor man das Wort ausspricht, lebt dieses Wort in uns als Gedanke. Wird das Wort ausgesprochen, so wird die uns umgebende Luft in Schwingungen versetzt. Denken wir uns diese Schwingungen durch irgendeinen Vorgang zum Erstarren gebracht, so würden wir die Worte als Formen und Gestalten zu Boden fallen sehen. Wir würden die schöpferische Macht des Wortes mit unseren Augen wahrnehmen. Wirkt das Wort also bereits jetzt schöpferisch, so wird dies in Zukunft noch in viel stärkerem Maße der Fall sein. Der heutige Mensch besitzt Organe, die erst in der Zukunft zu ihrer vollen Bedeutung gelangen werden, und auch solche, die sich bereits in Dekadenz befinden. Zu den letzteren gehören die Fortpflanzungsorgane, zu den ersteren das Herz und der Kehlkopf, die beide erst im Anfange ihrer Entwickelung stehen. Das Herz ist gegenwärtig ein unwillkürlicher Muskel, obwohl es quergestreift ist wie alle willkürlichen Muskeln. Diese Querstreifung ist bereits ein Fingerzeig, daß sich das Herz im Übergang aus einem unwillkürlichen in ein willkürliches Organ befindet. Der Kehlkopf ist bestimmt, in einer fernen Zukunft das Fortpflanzungsorgan des Menschen zu werden, so paradox das auch klingen mag. So wie der Mensch durch die Sprache jetzt schon seine Gedanken in Luftschwingungen umsetzen kann, wird er dereinst sein eigenes Ebenbild durch das Wort schaffen können.

[ 13 ] Die Urbeginne besaßen diese schöpferische Kraft bereits zu Beginn unserer jetzigen Weltentwickelung und können daher mit Recht als göttliche Wesenheiten angesehen werden. Zu Beginn der Erdenentwikkelung wurde ein göttliches Wort ausgesprochen, und dies ist zu Mineral, Pflanze, Tier und Mensch geworden.

[ 13 ] Die Urbeginne besaßen diese schöpferische Kraft bereits zu Beginn unserer jetzigen Weltentwickelung und können daher mit Recht als göttliche Wesenheiten angesehen werden. Zu Beginn der Erdenentwikkelung wurde ein göttliches Wort ausgesprochen, und dies ist zu Mineral, Pflanze, Tier und Mensch geworden.