Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Myths and Legends
Occult Signs and Symbols
GA 101

15 September 1907, Stuttgart

Translate the original German text into any language:

10. Okkulte Zeichen und Symbole III

10. Occult Signs and Symbols III

in ihrem Zusammenhang mit der astralen und geistigen Welt

in Relation to the Astral and Spiritual Worlds

[ 1 ] Das erste, was uns heute beschäftigen soll, ist eine Betrachtung über das, was man Zahlensymbolik nennt. Wenn man über okkulte Zeichen und Sinnbilder spricht, muß man wenigstens auch kurz jene Sinnbilder erwähnen, die sich in den Zahlen ausdrücken. Sie erinnern sich meiner vorgestrigen Ausführungen, wo die Rede war von den Zahlenverhältnissen im Universum, von den Geschwindigkeiten, mit denen sich die einzelnen Planeten bewegen. Wir haben gesehen, daß diese Zahlen und Zahlenverhältnisse sich ausdrücken in der Sphärenharmonie, die den Raum durchwogt, und daß sie eine gewisse Bedeutung haben für das Weltganze und für die Betrachtung der Welt.

[ 1 ] The first thing we shall deal with today is a consideration of what is called number symbolism. When talking about occult signs and symbols, one must at least also briefly mention those symbols that express themselves in numbers. You will recall my remarks from the day before yesterday, when we talked about the numerical ratios in the universe, about the speeds at which the individual planets move. We saw that these numbers and numerical ratios express themselves in the harmony of the spheres that undulates through space, and that they have a certain significance for the whole world and for the contemplation of the world.

[ 2 ] Heute soll uns nun eine intimere Zahlensymbolik beschäftigen, eine Symbolik, die wir freilich in ihrer Bedeutung nur streifen können, denn um uns wirklich in sie zu vertiefen, würden noch viele andere Dinge notwendig sein, auf die wir uns genauer einlassen müßten. Immerhin werden Sie wenigstens eine Idee davon erhalten, was damit gemeint ist, wenn zum Beispiel in der alten pythagoreischen Geheimschule gesagt wurde, daß man sich in die Zahlen und ihre Natur vertiefen müsse, um einen Einblick in die Welt zu gewinnen. Es mag manchem trocken und öde erscheinen, daß er über Zahlen nachdenken soll. Vor allem wird es denjenigen Menschen, die von der materialistischen Bildung unserer Zeit angekränkelt sind, wie eine Spielerei erscheinen, wenn man glaubt, durch die Betrachtung der Zahlen etwas über das Wesen der Dinge ergründen zu können. Dennoch ist es tief begründet, daß der große Pythagoras zu seinen Schülern sagte, das Wissen über die Natur der Zahlen führe tief hinein in das Wesen der Dinge. Man darf nur nicht glauben, daß es genüge, über die Zahl 1 oder 3 oder 7 nachzudenken. Der wirklichen Geheimlehre ist nichts von Hexerei und Zauberei eigen, auch nichts von einem Aberglauben über die Bedeutung irgendeiner Zahl; ihr Wissen beruht auf viel tieferen Dingen. Aus der kurzen Skizze, die Sie heute von mir erhalten sollen, werden Sie sehen, daß die Zahl einen gewissen Anhaltspunkt geben kann für das Sichvertiefen, das man auch Meditieren nennt, wenn man den Schlüssel dazu hat, sich richtig in die Zahl zu vertiefen.

[ 2 ] Today we will deal with a more intimate symbolism of numbers, a symbolism that we can only touch on in its meaning, because to really delve into it, many other things would be necessary that we would have to engage with in more detail. At least you will get an idea of what is meant when, for example, it was said in the old Pythagorean secret school that one must delve into numbers and their nature in order to gain insight into the world. It may seem dry and dull to some that they should reflect on numbers. Above all, it will seem like a game to those people who have been affected by the materialistic education of our time, if one believes that one can fathom something about the essence of things by observing numbers. Nevertheless, there are profound reasons for the fact that the great Pythagoras said to his disciples that knowledge about the nature of numbers leads deep into the essence of things. One must not believe that it is enough to reflect on the number 1 or 3 or 7. The real secret doctrine has nothing to do with witchcraft or magic, nor with a superstition about the meaning of any number; its knowledge is based on much deeper things. From the brief sketch that I want you to receive today, you will see that the number can provide a certain point of reference for deepening, which is also called meditation, if you have the key to really delve into the number.

[ 3 ] Wir müssen ausgehen von der Zahl Eins, von der Einheit. Inwiefern diese Zahl Eins wirklich das versinnbildlicht, was ich sagen werde, wird sich später bei der Betrachtung der anderen Zahlen noch deutlicher ergeben. In allem Okkultismus hat man immer mit der Zahl Eins die unzertrennliche Einheit Gottes in der Welt bezeichnet. Mit der Eins bezeichnet man den Gott. Nun darf man aber nicht glauben, daß man irgend etwas für die Welterkenntnis gewinnt, wenn man sich bloß in die Eins als Zahl vertieft; Sie werden sehen, in welcher Weise diese Vertiefung zu geschehen hat. Aber wir betrachten das weit fruchtbarer, wenn wir zunächst zu den anderen Zahlen übergehen.

[ 3 ] We must start from the number One, from unity. The extent to which this number One really symbolizes what I am about to say will become even clearer later when we look at the other numbers. In all occultism, the number One has always been used to denote the inseparable unity of God in the world. The One is used to refer to God. However, one should not think that simply delving into the One as a number will help one to understand the world. You will see how this delving should be done. But we consider it far more fruitful to move on to the other numbers.

[ 4 ] Die Zwei nennt man im Okkultismus die Zahl der Offenbarung. Mit der Zahl Zwei bekommen wir sozusagen schon etwas Boden unter die Füße, während wir bei der Zahl Eins noch ziemlich im Bodenlosen herumtappen. Wenn wir sagen: Zwei ist die Zahl der Offenbarung -, dann heißt das nichts anderes als: Alles, was uns in der Welt entgegentritt, was nicht in irgendeiner Beziehung verborgen ist, sondern heraustritt in die Welt, steht irgendwie in der Zweiheit. Sie werden nämlich die Zahl Zwei überall in der Natur verbreitet finden. Es kann sich nichts offenbaren, ohne die Zahl Zwei zu berühren. Licht kann sich niemals für sich allein als Einheit offenbaren. Wenn sich Licht offenbart, muß auch Schatten oder Dunkelheit dabei sein, es muß also eine Zweiheit da sein. Es könnte niemals eine Welt geben, die mit offenbartem Licht erfüllt wäre, wenn es nicht auch dementsprechenden Schatten gäbe. Und so ist es mit allen Dingen. Nie könnte sich das Gute offenbaren, wenn es nicht als Schattenbild das Böse hätte. Die Zweiheit von Gut und Böse ist eine Notwendigkeit in der offenbaren Welt. Solche Zweiheiten gibt es unendlich viele, sie erfüllen die ganze Welt, wir müssen sie nur an der richtigen Stelle aufsuchen.

[ 4 ] The two is called the number of revelation in occultism. With the number two, we already get something solid under our feet, so to speak, while with the number one we are still groping around in the abyss. When we say that two is the number of revelation, we mean nothing other than that everything we encounter in the world, everything that is not hidden in some relationship but emerges into the world, exists somehow in duality. You will find the number two everywhere in nature. Nothing can reveal itself without touching the number two. Light can never reveal itself alone as a unit. When light reveals itself, there must also be shadow or darkness, so there must be a duality. There could never be a world filled with revealed light if there were no corresponding shadows. And so it is with all things. Good could never reveal itself if it did not have evil as its shadow. The duality of good and evil is a necessity in the revealed world. There are an infinite number of such dualities; they fill the whole world, we only have to look for them in the right place.

[ 5 ] Eine wichtige Zweiheit, über die der Mensch viel nachdenken kann im Leben, ist folgende: Wir haben gestern die verschiedenen Zustände betrachtet, die der Mensch durchgemacht hat, bevor er ein Bewohner unserer heutigen Erde wurde. Wir sahen, daß er auf dem Saturn und der Sonne eine gewisse Unsterblichkeit dadurch hatte, daß er seinen Leib von außen dirigierte, daß Stücke dieses Leibes abbröckelten und neue sich wieder ansetzten, so daß der Mensch nichts von Tod und Vergehen empfand. Aber sein Bewußtsein war damals nicht so wie sein heutiges Bewußtsein, es war ein dumpfes, dämmerndes Bewußtsein. Erst auf unserer Erde hat sich der Mensch ein Bewußtsein errungen, das mit Selbstbewußtsein verbunden ist. Hier erst wurde er ein Wesen, das von sich selbst etwas wußte und sich von den Gegenständen unterscheiden konnte. Dazu mußte er nicht nur den Leib von außen dirigieren, sondern er mußte hineinschlüpfen in diesen Leib - abwechselnd -, sich in ihm empfinden, «Ich» zu ihm sagen. Nur dadurch, daß der Mensch ganz in seinem Leibe drinnensteckt, hat er sein volles Bewußtsein erringen können. Aber nun teilt er auch das Schicksal dieses Leibes. Früher, als er noch darüberstand, tat er das nicht. Erst dadurch, daß der Mensch diesen Grad des Bewußtseins errungen hat, ist er in Beziehung zu dem Tode getreten. In dem Augenblick, wo sein Leib zerfällt, fühlt er, daß sein Ich aufhört, weil er dieses mit seinem Leibe identifiziert hat. Erst allmählich, durch geistige Entwickelung, wird er sich die alte Unsterblichkeit wieder erringen, und der Leib ist da als Schule, um sie sich bewußt zu erringen. Niemals würde der Mensch auf höherer Stufe die Unsterblichkeit erringen können, wenn er sie nicht erkaufte durch den Tod, wenn er nicht die Zweiheit Leben und Tod erkennen würde. Solange der Mensch nicht Bekanntschaft gemacht hatte mit dem Tode, war ihm die Welt noch nicht offenbar, denn zur offenbaren Welt gehört die Zweiheit Leben und Tod. Und so könnten wir auf Schritt und Tritt Zweiheiten im Leben nachweisen. Sie finden in der Physik positive und negative Elektrizität, im Magnetismus Anziehungs- und Abstoßungskraft, alles erscheint in der Zweiheit. Die Zwei ist die Zahl der Erscheinung, der Offenbarung.

[ 5 ] An important duality, which man can reflect on a great deal in life, is the following: Yesterday we looked at the various conditions that man went through before he became an inhabitant of our present Earth. We saw that he had a certain immortality on Saturn and the Sun in that he directed his body from the outside, that pieces of this body crumbled away and new ones formed again, so that man felt nothing of death and decay. But his consciousness was not then like his present consciousness, it was a dull, dusky consciousness. It was only on our Earth that man has gained an awareness that is connected to self-awareness. Only here did he become a being that knew something about itself and could distinguish itself from objects. To do this, he not only had to direct the body from the outside, but he also had to slip into this body - alternately -, feel himself in it, say “I” to it. Only by being completely enclosed in his body has man been able to attain full consciousness. But now he also shares the fate of this body. In the past, when he was still above it, he did not. It is only by man having attained this degree of consciousness that he has entered into a relationship with death. At the moment when his body decays, he feels that his ego ceases to exist because he has identified it with his body. Only gradually, through spiritual development, will he regain the old immortality, and the body is there as a school to consciously gain it. Man would never be able to achieve immortality at a higher level if he did not pay for it with death, if he did not recognize the duality of life and death. As long as man had not made acquaintance with death, the world was not yet revealed to him, because duality of life and death belongs to the revealed world. And so we could prove dualities in life at every turn. You find positive and negative electricity in physics, attractive and repulsive force in magnetism, everything appears in duality. Two is the number of manifestation, of revelation.

[ 6 ] Aber es gibt keine Offenbarung, ohne daß hinter ihr das Göttliche waltet. Daher ist hinter jeder Zweiheit noch eine Einheit verborgen. Die Zahl Drei ist deshalb nichts anderes als die Zwei und die Eins, nämlich die Offenbarung und die hinter ihr stehende Göttlichkeit. Eins ist die Zahl der Einheit Gottes, Drei ist die Zahl der sich offenbarenden Göttlichkeit. Es gibt einen Satz im Okkultismus, der lautet: Niemals kann die Zwei eine Zahl für die Göttlichkeit sein. Die Eins ist eine Zahl für das Göttliche, und die Drei ist eine Zahl für das Göttliche, denn wenn es sich offenbart, offenbart es sich in der Zweiheit, und dahinter ist die Einheit. Der Mensch, der die Welt in der Zweiheit sieht, sieht sie nur im Offenbaren. Wer also sagt, in den äußeren Erscheinungen ist eine Zweiheit, der hat Recht. Wer aber sagt, daß diese Zweiheit das Ganze sei, hat immer Unrecht. Wir wollen uns das einmal an einigen wenigen Beispielen klarmachen. Es wird vielfach, auch da, wo von Theosophie die Rede ist, gegen diesen Satz des wahren Okkultismus gesündigt, daß die Zahl Zwei nur die Zahl der Offenbarung, nicht aber die Zahl der Fülle, der Vollständigkeit sei. So können Sie im populären Okkultismus von Leuten, die ihn nicht wirklich kennen, oft sagen hören, daß alle Entwickelung in Involution und Evolution verlaufe. Wir werden sehen, wie sich das in Wirklichkeit verhält. Aber zunächst wollen wir einmal untersuchen, was Involution und Evolution bedeuten. Betrachten wir einmal eine Pflanze, eine vollentwickelte Pflanze mit Wurzel, Blättern, Stengel, Blüte, Frucht, kurz mit allen Teilen, die eine Pflanze nur haben kann. Das ist das eine. Und nun betrachten Sie das kleine Samenkorn, aus dem die Pflanze wiederum entstehen kann. Wer den Samen anschaut, sieht nur ein kleines Körnchen, aber in diesem kleinen Körnchen ist die ganze Pflanze schon enthalten; sie steckt gewissermaßen eingehüllt darin. Warum steckt sie darin? Weil das Korn genommen ist von der Pflanze, weil die Pflanze alle ihre Kräfte in das Samenkorn hineingelegt hat. Deshalb unterscheidet man im Okkultismus die beiden Vorgänge: Der eine besteht darin, daß sich das Samenkorn aufrollt und zur ganzen Pflanze entfaltet - Evolution; der andere, daß sich die Pflanze zusammenfaltet, so daß ihre Gestalt gewissermaßen hineinkriecht in das Samenkorn - Involution. Wenn also irgendein Wesen, das viele Organe hat, sich so heranbildet, daß von diesen Organen nichts mehr sichtbar ist, daß sie zusammengeschrumpft sind zu einem kleinen Teil, so nennt man das eine Involution, und das Auseinandergehen, das Sichentfalten eine Evolution. Überall im Leben wechselt diese Zweiheit, aber stets nur im Offenbaren. Nicht bloß bei der Pflanze können Sie das verfolgen, auch in den höheren Gebieten des Lebens verhält es sich so.

[ 6 ] But there is no manifestation without the Divine behind it. Therefore, behind every duality there is still a unity hidden. The number three is therefore nothing other than the two and the one, namely the manifestation and the divinity behind it. One is the number of the unity of God, three is the number of the manifesting divinity. There is a sentence in occultism that reads: “The two can never be a number for divinity.” The one is a number for the divine, and the three is a number for the divine, because when it reveals itself, it reveals itself in duality, and behind it is unity. Man, who sees the world in duality, sees it only in the manifest. Therefore, anyone who says that there is duality in outer appearances is right. But anyone who says that this duality is the whole is always wrong. Let us try to understand this with the help of a few examples. Even where theosophy is concerned, this sentence from true occultism is often violated: the number two is only the number of revelation, but not the number of abundance, of completeness. In popular occultism, you can often hear people who do not really know it say that all development takes place in involution and evolution. We will see how this actually is. But first let us examine what involution and evolution mean. Let us look at a plant, a fully developed plant with roots, leaves, stems, flowers, fruit, in short, with all the parts that a plant can have. That is one thing. And now look at the small seed from which the plant can arise again. If you look at the seed, you see only a small grain, but the whole plant is already contained in this small grain; it is, so to speak, enclosed in it. Why is it enclosed in it? Because the grain is taken from the plant, because the plant has put all its powers into the seed. That is why in occultism we distinguish between the two processes: one consists of the seed rolling up and unfolding into the whole plant – evolution; the other of the plant folding up so that its form, as it were, creeps into the seed – involution. So when any being that has many organs develops in such a way that none of these organs is visible anymore, that they have shrunk together into a small part, this is called an involution, and the spreading apart, the unfolding, an evolution. This duality changes everywhere in life, but always only in the manifest. You can observe this not only in plants, but also in the higher realms of life.

[ 7 ] Verfolgen Sie zum Beispiel einmal in Gedanken die Entwickelung des europäischen Geisteslebens von Augustinus bis Calvin bis über das Mittelalter hinaus. Wenn Sie den Blick schweifen lassen über das Geistesleben dieser Zeit, so werden Sie bei Augustinus selber eine gewisse mystische Innigkeit sehen. Niemand wird seine Schriften, besonders seine «Bekenntnisse» lesen, ohne zu empfinden, wie tief innig das Gefühlsleben dieses Menschen war. Und wenn wir dann weiter hinaufsteigen in der Zeit, so finden wir eine so wunderbare Erscheinung wie Scotus Erigena, einen Mönch, der aus Schottland stammte und daher auch der schottische Johannes genannt wurde, der am Hofe Karls des Kahlen lebte. In der Kirche hat er schlecht abgeschnitten; die Sage erzählt, daß seine Ordensbrüder ihn mit Stecknadeln zu Tode gemartert hätten. Wörtlich ist das freilich nicht zu nehmen; aber wahr ist, daß er zu Tode gemartert wurde. Ein herrliches Buch ist von ihm verfaßt worden: «De devisione naturae «Über die Einteilung der Natur» -, das eine ungeheure Tiefe aufweist. Weiter finden wir die Mystiker der sogenannten deutschen Pfaffengasse, wo diese Gefühlsinnigkeit ganze Volksmassen ergriffen hat. Es waren nicht nur die Spitzen der Geistlichkeit, sondern auch das Volk; die Menschen, die auf dem Acker oder in der Schmiede arbeiteten, sie alle wurden von jener Gefühlsinnigkeit ergriffen, die sich als ein Zug der Zeit in dieser Weise auslebte. Weiter hinauf finden wir Nicolaus Cusanus, der 1400-1464 lebte. Und so können wir die Zeit hinauf verfolgen bis zum Ende des Mittelalters; immer finden wir jene Gefühlstiefe, jene Innigkeit, die sich über alle Kreise hin ausbreitete. Wenn wir nun diese Zeit vergleichen mit der späteren, die sie ablöste, mit derjenigen, die im 16. Jahrhundert beginnt und bis zu uns herauf sich erstreckt, dann bemerken wir einen gewaltigen Unterschied. Am Ausgangspunkte sehen wir Kopernikus stehen, der durch einen umfassenden Gedanken eine Erneuerung des Geisteslebens bewirkt; der diesen Gedanken so der Menschheit einverleibt, daß heute für einen Narren gilt, wer etwas anderes glaubt. Wir sehen Galilei, der an den Schwingungen einer Kirchenlampe in Pisa die Pendelgesetze entdeckt. So können wir Schritt für Schritt den Gang der Zeit verfolgen, überall würden wir den strikten Gegensatz zum Mittelalter finden. Das Gefühl nimmt immer mehr und mehr ab, die Innigkeit schwindet; der Verstand, die Intellektualität kommt mehr und mehr heraus, die Menschen werden immer klüger und gescheiter. Da folgen zwei Zeitepochen aufeinander, die genau entgegengesetzten Charakter haben. Die Geisteswissenschaft gibt uns die Erklärung beider Zeitepochen. Es gibt ein okkultes Gesetz, das besagt, daß es so sein muß. In der Zeit von Augustinus bis Calvin war die Epoche mystischer Evolution und intellektueller Involution, und seither leben wir in einer Zeit intellektueller Evolution und mystischer Involution. Was bedeutet das? Von Augustinus bis zum 16. Jahrhundert war eine Zeit der äußeren Entfaltung des mystischen Lebens, da war es draußen. Aber etwas anderes war damals erst keimhaft vorhanden: das intellektuelle Leben. Es war wie ein Same gleichsam in der geistigen Erde verborgen, um sich nach dem 16. Jahrhundert nach und nach zu entfalten. Das intellektuelle Leben war also dazumal in der Involution, so wie die Pflanze im Samen drinnen ist. Nichts in der Welt kann entstehen, wenn es nicht vorher in einer solchen Involution war. Seit dem 16. Jahrhundert ist die Intellektualität in der Evolution, das mystische Leben ist zurückgetreten, es ist in der Involution. Und jetzt ist die Zeit gekommen, wo dieses mystische Leben wieder heraustreten muß, wo es durch die theosophische Bewegung wieder zur Entfaltung, zur Evolution gebracht werden muß.

[ 7 ] For example, follow in your mind the development of European intellectual life from Augustine to Calvin to beyond the Middle Ages. If you let your gaze wander over the intellectual life of this time, you will see a certain mystical intimacy in Augustine himself. No one will read his writings, especially his “Confessions”, without feeling how deeply intimate this person's emotional life was. And if we then go further back in time, we find such a wonderful figure as Scotus Erigena, a monk who came from Scotland and was therefore also called the Scottish John, who lived at the court of Charles the Bald. He did poorly in the church; legend has it that his fellow monks martyred him to death with pins. This is not to be taken literally, of course; but it is true that he was martyred to death. He wrote a magnificent book: “De devisione naturae ‘On the Division of Nature’, which shows tremendous depth. Furthermore, we find the mystics of the so-called German Pfaffengasse, where this emotional intimacy took hold of entire masses of people. It was not only the clergy, but also the people; the people who worked in the fields or in the smithies, they were all seized by this emotional sentimentality, which, as a feature of the time, was expressed in this way. Further up we find Nicolaus Cusanus, who lived from 1400 to 1464. And so we can follow the trend upward through time to the end of the Middle Ages; always we find the same depth of feeling, the same intimacy, spreading throughout all circles. If we now compare this time with the later one that replaced it, with the one that begins in the 16th century and extends up to us, then we notice an enormous difference. At the starting point we see Copernicus, who, through a comprehensive idea, brings about a renewal of intellectual life; who incorporates this idea into humanity in such a way that today anyone who believes otherwise is considered a fool. We see Galileo discovering the laws of the pendulum by swinging a church lamp in Pisa. Step by step, we can follow the course of time and everywhere we would find the strict opposite of the Middle Ages. The feeling decreases more and more, the intimacy fades away; the mind, the intellectuality comes out more and more, people become ever wiser and cleverer. Two eras follow one another, which have exactly opposite characters. Spiritual science gives us the explanation of both eras. There is an occult law that says it must be so. The period from Augustine to Calvin was one of mystical evolution and intellectual involution, and since then we have been living in a time of intellectual evolution and mystical involution. What does that mean? From Augustine to the 16th century, there was a time of external development of the mystical life; it was external. But something else was only just beginning to take shape: the intellectual life. It was hidden like a seed in the spiritual soil, so to speak, in order to unfold little by little after the 16th century. So the intellectual life was in involution in those days, just as the plant is in the seed. Nothing in the world can come into being unless it has first been in such an involution. Since the 16th century, intellectuality has been in evolution; the mystical life has receded, it is in involution. And now the time has come when this mystical life must emerge again, when it must be brought to development, to evolution, again, through the theosophical movement.

[ 8 ] So wechselt überall im Leben Involution und Evolution ab im Offenbaren. Aber wer dabei stehenbleibt, betrachtet nur die Außenseite. Will man das Ganze betrachten, so muß noch ein Drittes hinzukommen, das hinter diesen beiden steht. Was ist dieses Dritte? Denken Sie sich einmal, Sie stünden einer Erscheinung der Außenwelt gegenüber und Sie denken darüber nach. Sie sind da, die äußere Welt ist da, und in Ihnen entstehen Ihre Gedanken. Diese Gedanken waren früher nicht da. Wenn Sie zum Beispiel den Gedanken der Rose bilden, so entsteht dieser erst in dem Augenblick, wo Sie in Beziehung zu der Rose treten; Sie waren da, die Rose war da; und wenn nun in Ihnen der Gedanke, das Bild der Rose aufsteigt, so entsteht etwas ganz Neues, noch nicht Dagewesenes. Das ist auch auf anderen Gebieten des Lebens der Fall. Stellen Sie sich den schaffenden Michelangelo vor. Michelangelo hat ja beinah nie nach Modellen gearbeitet. Wir wollen uns aber einmal vorstellen, er habe eine Gruppe von Modellen zusammengestellt. Michelangelo war da, die Modelle waren da. Aber das Bild, das Michelangelo nun von dieser Gruppe in der Seele hat, das ist neu, das ist eine völlig neue Schöpfung. Das hat nichts zu tun mit Involution und Evolution. Das ist ein völlig Neues, das entsteht aus dem Verkehr eines Wesens, das empfangen kann, mit einem Wesen, das geben kann. Solche Neuschöpfungen entstehen immer durch den Verkehr von Wesen mit Wesen. Solche Neuschöpfungen sind ein Anfang. Erinnern Sie sich an das, was wir gestern hier betrachtet haben, wie die Gedanken schöpferisch sind, wie sie die Seele veredeln können, ja später sogar an der Formung des Körpers arbeiten. Dasjenige, was irgendein Wesen einmal denkt, die Gedankenschöpfung, die Vorstellungsschöpfung, die arbeitet, die wirkt weiter. Sie ist eine Neuschöpfung und zugleich ein Anfang, aber sie zieht Folgen nach sich. Wenn Sie heute gute Gedanken haben, so sind diese Gedanken fruchtbar für die fernste Zukunft, denn Ihre Seele geht ihren eigenen Weg in der geistigen Welt. Ihr Leib geht wieder in die Elemente zurück, er zerfällt. Aber wenn auch alles zerfällt, wodurch der Gedanke entstanden ist, die Wirkung des Gedankens bleibt, der Gedanke wirkt fort. Nehmen wir noch einmal das Beispiel von Michelangelo. Seine herrlichen Bilder haben auf Millionen von Menschen erhebend gewirkt. Aber diese Bilder werden einst zu Staub zerfallen, und es wird Generationen geben, die nichts mehr von seinen Schöpfungen sehen werden. Was in Michelangelos Seele gelebt hat, bevor seine Bilder äußere Gestalt angenommen haben, was zuerst als Neuschöpfung in seiner Seele war, das lebt fort, das bleibt, und das wird in künftigen Entwickelungsstufen hervortreten und Form gewinnen. Wissen Sie, weshalb uns heute Wolken und Sterne entgegentreten? Weil es in der Vorzeit Wesen gab, die den Gedanken der Wolken und der Sterne hatten. Alles entsteht aus Gedanken-Schöpfungen, und der Gedanke ist eine Neuschöpfung. Aus Gedanken ist alles entstanden, und die größten Dinge der Welt sind hervorgegangen aus den Gedanken der Gottheit.

[ 8 ] Thus in nature, as everywhere, evolution alternates with involution in manifestation. But he who stops at this, considers only the outer aspect. If one wishes to see the whole, a third factor must be added, which stands behind these two. What is this third factor? Imagine for a moment that you are standing before an appearance in the outer world and are thinking about it. You are there, the external world is there, and your thoughts arise within you. These thoughts were not there before. For example, when you form the thought of the rose, it arises only at the moment when you enter into relation to the rose; you were there, the rose was there; and when the thought, the image of the rose, now arises within you, something completely new, something that has not yet existed, arises. This is also the case in other areas of life. Imagine the creative Michelangelo. Michelangelo almost never worked from models. But let us imagine that he has put together a group of models. Michelangelo was there, the models were there. But the image that Michelangelo now has of this group in his soul is new, it is a completely new creation. It has nothing to do with involution and evolution. It is something completely new, which arises from the interaction of a being that can receive with a being that can give. Such new creations always arise from the interaction of beings with beings. Such new creations are a beginning. Do you remember what we looked at here yesterday, how thoughts are creative, how they can ennoble the soul, and later even work on forming the body? Whatever any being thinks at some point, the creation of thought, the creation of imagination, that continues to work and has an effect. It is a new creation and a beginning at the same time, but it has consequences. If you have good thoughts today, they will bear fruit in the most distant future, for your soul goes its own way in the spiritual world. Your body will disintegrate again into the elements. But even if everything that gave rise to the thought disintegrates, the effect of the thought remains, the thought continues to have an effect. Let us take the example of Michelangelo again. His magnificent paintings have had an uplifting effect on millions of people. But these pictures will one day crumble to dust, and there will be generations that will no longer see his creations. What lived in Michelangelo's soul before his pictures took on external form, what was first as a new creation in his soul, that lives on, that remains, and that will emerge in future stages of development and gain form. Do you know why we encounter clouds and stars today? Because in the distant past there were beings who had the thought of clouds and stars. Everything comes from thought-creations, and thought is a new creation. Everything has come into being from thoughts, and the greatest things in the world have emerged from the thoughts of the Godhead.

[ 9 ] Da haben Sie das Dritte. Im Offenbaren wechseln die Dinge zwischen Evolution und Involution. Aber dahinter steht tief verborgen das Dritte, das erst die Fülle gibt, eine Schöpfung, die eine völlige Neuschöpfung ist, die aus dem Nichts hervorgegangen ist. Dreierlei gehört also zusammen: Die Schöpfung aus dem Nichts, und dann, wenn diese offenbar wird und in der Zeit verläuft, nimmt sie die Formen des Offenbaren an: Evolution und Involution.

[ 9 ] There you have the third. In the manifested, things alternate between evolution and involution. But behind this, deeply hidden, is the third, which alone gives abundance, a creation that is a complete new creation, that has emerged from nothing. So three things belong together: the creation out of nothing, and then, when it becomes manifest and proceeds in time, it takes on the forms of the manifest: evolution and involution.

[ 10 ] So ist es gemeint, wenn gewisse religiöse Systeme davon sprechen, daß die Welt aus dem Nichts geschaffen ist. Und wenn man heute darüber spottet, so geschieht das, weil die Menschen nicht verstehen, was in diesen Urkunden steht. Im Offenbaren - um es noch einmal zusammenzufassen - wechselt alles zwischen Involution und Evolution. Dem liegt zugrunde eine verborgene Schöpfung aus dem Nichts, die sich mit dieser Zweiheit zu einer Dreiheit vereinigt. Die Dreiheit ist die Verbindung des Göttlichen mit dem Offenbaren.

[ 10 ] This is what is meant when certain religious systems speak of the world being created out of nothing. And if people today scoff at this, it is because they do not understand what is written in these records. In the revealed, to summarize once again, everything alternates between involution and evolution. The basis for this is a hidden creation out of nothing, which unites with this duality to form a trinity. The trinity is the connection of the divine with the revealed.

[ 11 ] So sehen Sie, wie man über die Zahl Drei nachdenken kann, man darf nur nicht pedantisch darüber spintisieren. Man muß hinter der Zweiheit, die einem überall begegnen kann, die Dreiheit aufsuchen. Dann betrachtet man das Zahlensymbol in der richtigen Art im pythagoreischen Sinne, wenn man hinter der Zwei die Drei sucht. Für alle Zweiheiten kann das verborgene Dritte gefunden werden. |

[ 11 ] So you see how one can reflect on the number three, one must not just quibble over it pedantically. One must seek the trinity behind the dyad, which one can encounter everywhere. Then one regards the number symbol in the right way in the Pythagorean sense, when one seeks the three behind the two. The hidden third can be found for all dyads. |

[ 12 ] Wir kommen jetzt zu der Zahl Vier. Die Vier ist das Zeichen des Kosmos oder der Schöpfung. Sie werden verstehen, warum man Vier die Zahl der Schöpfung nennt, wenn Sie sich daran erinnern, was schon früher gesagt wurde, daß unsere Erde - soweit wir es verfolgen können - sich in ihrer vierten Verkörperung befindet. Alles, was uns auf unserer Erde entgegentritt, auch das vierte Prinzip im Menschen, setzt voraus, daß diese Schöpfung in dem vierten Zustande ihrer planetarischen Entwickelung ist. Das ist nur ein besonderes Beispiel für alle hervortretenden Schöpfungen. Jede Schöpfung steht unter dem Zeichen der Vierheit. Im Okkultismus sagt man: Der Mensch ist heute im Mineralreich. - Was bedeutet das? Der Mensch versteht heute nur das Mineralreich, und er kann auch nur dieses beherrschen. Er kann durch Zusammenfügen von Mineralischem ein Haus bauen, eine Uhr konstruieren und anderes, weil diese Dinge den Gesetzen der mineralischen Welt unterliegen. Aber anderes vermag er noch nicht. Er kann zum Beispiel keine Pflanze aus eigenem Nachdenken heraus heute schon bilden; dazu müßte er selbst im Pflanzenreich stehen. Das wird später einmal der Fall sein. Heute ist der Mensch ein Schöpfer im Mineralreich. Diesem sind drei andere Reiche vorangegangen, man nennt sie die drei Elementarreiche; das Mineralreich ist das vierte. Im ganzen gibt es sieben solcher Naturreiche. So steht der Mensch heute in seinem vierten Reiche; da erlangt er sein eigentliches Bewußtsein nach außen hin. Auf dem Monde wirkte er noch im dritten Elementarreich, auf der Sonne im zweiten und auf dem Saturn im ersten. Auf dem Jupiter wird der Mensch im Pflanzenreich wirken können, er wird Pflanzen schaffen können, so wie er heute eine Uhr machen kann. Alles, was in der Schöpfung sichtbar hervortritt, steht im Zeichen der Vier. Es gibt viele Planeten, die Sie mit physischen Augen nicht sehen können; diejenigen Planeten, die im ersten, zweiten und dritten Elementarreiche stehen, sind für physische Augen nicht sichtbar. Erst wenn ein Planet in das vierte Reich, in das Mineralreich, eintritt, können Sie ihn erblicken. Deshalb ist Vier die Zahl des Kosmos oder der Schöpfung. Mit dem Eintritt in seinen vierten Zustand wird erst ein . Wesen voll sichtbar für Augen, die Äußeres sehen können.

[ 12 ] We now come to the number four. Four is the sign of Cosmos or Creation. You will understand why four is called the number of Creation if you remember what was said earlier, that our Earth is in its fourth embodiment, as far as we can tell. Everything we encounter on Earth, including the fourth principle in man, presupposes that this Creation is in the fourth state of its planetary development. This is only one particular example of all emerging creations. Every creation is under the sign of the four. In occultism it is said: Man is in the mineral kingdom today. - What does that mean? Man today only understands the mineral kingdom, and he can only rule over this. He can build a house by combining minerals, construct a clock and other things, because these things are subject to the laws of the mineral world. But he is not yet able to do anything else. For example, he cannot yet create a plant out of his own reflection; to do that, he would have to stand in the plant kingdom himself. That will be the case one day. Today, man is a creator in the mineral kingdom. This was preceded by three other kingdoms, which are called the three elemental kingdoms; the mineral kingdom is the fourth. In all there are seven such kingdoms of nature. Thus man stands today in his fourth kingdom; there he attains his true consciousness outwardly. On the Moon he still worked in the third elemental kingdom, on the Sun in the second and on Saturn in the first. On Jupiter, man will be able to work in the plant kingdom; he will be able to create plants just as he can make a watch today. Everything that visibly emerges in creation is under the sign of the four. There are many planets that you cannot see with your physical eyes; those planets that are in the first, second and third elemental realms are not visible to physical eyes. Only when a planet enters the fourth realm, the mineral realm, can you see it. Therefore, four is the number of the cosmos or creation. Only when it enters its fourth state does a being become fully visible to eyes that can see the outside world.

[ 13 ] Fünf ist die Zahl des Bösen. Das können wir uns am besten klarmachen, wenn wir wieder den Menschen betrachten. Der Mensch hat sich zu einer Vierheit entwickelt, zu einem Wesen der Schöpfung, aber auf der Erde tritt zu ihm das fünfte Glied, das Geistselbst. Wäre der Mensch nur eine Vierheit geblieben, dann würde er immer von oben, von den Göttern, zum Guten dirigiert worden sein; zur Selbständigkeit hätte er sich niemals entwickelt. Er ist dadurch frei geworden, daß er auf der Erde die Keimanlage zu dem fünften Glied, dem Geistselbst, bekommen hat. Dadurch hat er die Möglichkeit erhalten, das Böse zu tun, dadurch aber ist er auch selbständig geworden. Kein Wesen, das nicht in der Fünfheit auftritt, kann das Böse tun, und überall, wo uns ein Böses begegnet, das tatsächlich aus sich selbst verderblich wirken kann, da ist eine Fünfheit im Spiele. Das ist überall, auch draußen in der Welt, der Fall. Der Mensch beobachtet das nur nicht, und die heutige materialistische Weltanschauung hat keinen Begriff davon, daß man die Welt in dieser Weise betrachten kann. An einem Beispiel können wir sehen, wie überall da, wo die Fünf uns entgegentritt, die Berechtigung sich ergibt, von einem Bösen in irgendeinem Sinne zu reden. Wie segensreich würde es sich auswirken, wenn die Medizin sich dies einmal zunutze machen und den Verlauf von Krankheiten danach studieren würde, wie sich eine Krankheit vom Ausbruch an bis zum fünften Tage entwickelt, oder wie an den einzelnen Tagen in der fünften Stunde nach Mitternacht oder in der fünften Woche. Denn immer beherrscht die Zahl Fünf dasjenige, wo der Arzt am fruchtbarsten eingreifen kann. Vorher kann er nicht viel anderes tun, als die Natur ihren Lauf gehen lassen; aber da kann er helfend eingreifen, wenn er das Gesetz der Zahl Fünf beachtet, weil da das Prinzip der Zahl Fünf in die Tatsachenwelt einfließt, das mit Berechtigung schädigend oder böse genannt werden kann. So können wir auf vielen Gebieten zeigen, wie die Zahl Fünf eine große Bedeutung für das äußere Geschehen hat.

[ 13 ] Five is the number of evil. We can best realize this if we again consider the human being. Man has developed into a fourfold being, into a creature of creation, but on earth the fifth link, the spiritual self, joins him. If man had remained only a tetrad, he would always have been directed from above, by the gods, to do good; he would never have developed independence. He has become free through receiving on earth the germ of the fifth element, the spirit-self. Through this he has gained the possibility of doing evil, but through this also he has become independent. No being that does not appear in the pentad can do evil, and wherever we encounter evil that can actually have a corrupting effect of its own, a pentad is at work. This is the case everywhere, even out in the world. Man just does not observe this, and today's materialistic world view has no concept of the fact that one can look at the world in this way. We can see from the following example how, wherever we encounter the number five, there is justification for speaking of evil in some sense. How beneficial it would be if medicine were to make use of this and study the course of diseases according to how an illness develops from the onset to the fifth day, or how it develops on the individual days in the fifth hour after midnight or in the fifth week. For the number five always dominates where the doctor can intervene most fruitfully. Before that, he cannot do much except let nature take its course; but he can intervene to help if he observes the law of the number five, because that is where the principle of the number five flows into the world of facts, which can justifiably be called damaging or evil. Thus, we can show in many areas how the number five has a great significance for external events.

[ 14 ] Es gibt sieben Perioden im Leben des Menschen: Die erste ist die, bevor er geboren wird, die zweite dauert bis zum Zahnwechsel, die dritte bis zur Geschlechtsreife, die vierte etwa sieben bis acht Jahre weiter, die fünfte etwa bis zum dreißigsten Lebensjahr, und so fort. Wenn die Menschen einmal wissen werden, was für diese Perioden alles in Betracht kommt und was gerade in der fünften Periode am besten herantreten soll an den Menschen oder ihm fernbleiben, dann werden sie auch viel darüber wissen, wie sie sich ein gutes Alter bereiten können. Da kann für das ganze übrige Leben Gutes oder Böses bewirkt werden. Bei den ersten Perioden kann man viel tun durch Erziehung nach diesen Gesetzen. Dann aber tritt ein Wendepunkt ein in der fünften Periode des Menschenlebens, der ausschlaggebend ist für das ganze weitere Leben. Dieser Wendepunkt in der fünften Periode des Menschenlebens muß mindestens überschritten werden, bevor der Mensch sozusagen mit voller Sicherheit auf das Leben losgelassen werden kann. Der heute herrschende Grundsatz, die Menschen schon sehr früh hinauszuschicken ins Leben, ist sehr schlecht. Es ist von großer Bedeutung, solche alten okkulten Grundsätze zu beachten. Deshalb hatte man früher, auf Anordnung solcher, die etwas davon wußten, die sogenannte Lehr- und Wanderzeit zu absolvieren, ehe man als Meister bezeichnet werden konnte.

[ 14 ] There are seven periods in the life of a human being: the first is before he is born, the second lasts until the change of teeth, the third until sexual maturity, the fourth for about seven to eight years, the fifth until about the age of thirty, and so on. Once people know what needs to be taken into account during these periods and what should best be approached or avoided by people during the fifth period, they will also know a great deal about how to prepare for a good old age. Good or bad can be done for the rest of one's life. During the first periods, much can be done through education according to these laws. But then there is a turning point in the fifth period of a person's life, which is decisive for the whole of their future life. This turning point in the fifth period of a person's life must at least be crossed before the person can be let loose into life with complete security, so to speak. The prevailing principle today of sending people out into life very early on is very bad. It is of great importance to observe such old occult principles. That is why in the past, on the orders of those who knew something about it, one had to complete the so-called apprenticeship and traveling time before one could be called a master.

[ 15 ] Die Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit. Sie können wiederum sich das am Menschen selber klarmachen. Er ist in der Vierzahl als Geschöpf, und er ist in der Fünfzahl, insofern er ein gutes oder ein böses Wesen sein kann. Wenn er alles ausgebildet haben wird, was im Keime in ihm enthalten ist, dann wird er ein siebengliedriges, in seiner Art vollkommenes Wesen sein. Die Siebenzahl herrscht in der Welt der Farben, im Regenbogen, sie herrscht in der Welt der Töne, in der Skala. Überall, auf allen Gebieten des Lebens können Sie die Siebenzahl als eine Art von Vollkommenheitszahl darstellen. Es steckt weder Aberglaube noch Zauberei dahinter.

[ 15 ] The seven is the number of perfection. Again, you can see this in the human being himself. He is a creature in the number four, and he is in the number five, insofar as he can be a good or an evil being. When he has developed everything that is in him in the germ, then he will be a seven-membered being, perfect in his way. The number seven reigns in the world of colors, in the rainbow, it reigns in the world of sounds, in the scale. Everywhere, in all areas of life, you can represent the number seven as a kind of perfect number. There is neither superstition nor magic behind it.

[ 16 ] Jetzt wollen wir noch einmal auf die Einheit zurückblicken. Dadurch, daß wir noch andere Zahlen betrachtet haben, wird das, was über die Einheit zu sagen ist, im richtigen Lichte erscheinen. Das Wesentliche der Einheit ist die Unteilbarkeit. In der Wirklichkeit kann man freilich die Einheit auch wieder teilen, zum Beispiel in 1/3 und 2/3. Nun gibt es aber etwas sehr Bedeutsames und Wichtiges, das Sie in Gedanken vollziehen können: In der geistigen Welt bleibt das Drittel, wenn Sie zwei Drittel wegnehmen, dazugehörig. Gott ist ein einheitliches Wesen. Wenn etwas von Gott herausgeteilt wird als Offenbarung, so bleibt der ganze Rest vorhanden als etwas, was dazugehört. Im pythagoreischen Sinne: Teile die Einheit, aber teile die Einheit nie anders, als daß du im Untergedanken den Rest dazu hast.

[ 16 ] Now let us look back at unity again. The fact that we have looked at other numbers will help to put what needs to be said about unity in perspective. The essence of unity is indivisibility. In reality, however, unity can also be divided, for example into 1/3 and 2/3. But there is something very significant and important that you can do in your mind: In the spiritual world, when you take away two-thirds, the third remains part of it. God is a unified being. When something is taken out of God as a revelation, all the rest remains as something that belongs to it. In the Pythagorean sense: divide the unity, but never divide the unity in such a way that you do not have the rest in the subordinate thought.

[ 17 ] Was heißt das eigentlich, die Einheit zu teilen? Nehmen Sie zum Beispiel ein Goldplättchen, und schauen Sie hindurch, dann erscheint Ihnen die Welt grün. Das Gold hat nämlich die Eigenschaft, wenn weißes Licht darauf fällt, die gelben Strahlen zurückzuwerfen. Wo aber kommen die anderen Farben hin, die noch im Weiß enthalten sind? Sie gehen in den Gegenstand hinein und durchdringen ihn. Ein roter Gegenstand ist deshalb rot, weil er die roten Strahlen zurückwirft und das übrige in sich aufnimmt. Man kann das Rot nicht aus dem Weißen herausziehen, ohne daß das übrige zurückbleibt. Damit streifen wir den Rand eines großen Weltgeheimnisses. Sie können die Dinge in einer bestimmten Weise anschauen. Wenn zum Beispiel das Licht auf ein rotes Tischtuch fällt, das über einen Tisch ausgebreitet ist, so empfinden wir die Farbe Rot. Die anderen im Sonnenlicht enthaltenen Farben werden «aufgesaugt», die grüne Farbe zum Beispiel wird von dem Tischtuch aufgenommen und nicht wiedergegeben. Wenn wir uns nun bemühen, gleichzeitig mit der Farbe Rot auch die Farbe Grün in unser Bewußtsein aufzunehmen, dann haben wir die Einheit wieder hergestellt. Wir haben im pythagoreischen Sinne die Einheit geteilt, so daß der Rest erhalten bleibt. Wenn man das meditativ durchführt, daß man das Geteilte stets wieder zur Einheit verbindet, so ist das eine bedeutungsvolle Arbeit, durch die man in der Entwickelung hoch aufsteigen kann. Es gibt in der Mathematik einen Ausdruck dafür, der in den okkulten Schulen überall gilt:

[ 17 ] What does it actually mean to divide the unit? Take a gold plate, for example, and look through it, then the world appears green to you. This is because gold has the property of reflecting the yellow rays when white light falls on it. But what happens to the other colors that are also contained in white? They go into the object and permeate it. A red object is red because it reflects the red rays and absorbs the rest. You cannot extract the red from the white without the rest remaining behind. This brings us to the edge of a great world secret. You can look at things in a certain way. For example, when light falls on a red tablecloth spread over a table, we perceive the color red. The other colors contained in sunlight are “absorbed”; the green color, for example, is absorbed by the tablecloth and not reflected. If we now try to include the color green in our consciousness at the same time as the color red, we have restored the unity. We have divided the unity in the Pythagorean sense, so that the remainder remains. If one meditates on this, so that one always reconnects the divided to the unity, then this is a meaningful work, through which one can rise high in the development. There is an expression for this in mathematics, which applies everywhere in the occult schools:

$$1 = (2 + x) - (1 + x)$$$$1 = (2 + x) - (1 + x)$$

[ 18 ] Das ist eine okkulte Formel, welche ausdrücken soll, wie man die Eins teilt, und wie man die Teile so darstellt, daß sie wieder die Eins ergeben. Der Okkultist soll die Teilung der Einheit so denken, daß er die Teile immer zur Einheit wieder zusammenfügt.

[ 18 ] This is an occult formula that is supposed to express how to divide one and how to represent the parts so that they add up to one again. The occultist should think of the division of the unit in such a way that he always reassembles the parts into the unit.

[ 19 ] So haben wir heute das, was man Zahlensymbolik nennt, einer Betrachtung unterworfen und daraus gesehen, daß, wenn man die Welt meditativ unter den Gesichtspunkt der Zahlen rückt, man tief in die Weltgeheimnisse eindringen kann. Zur Ergänzung sei noch einmal gesagt: In der fünften Woche, am fünften Tage oder in der fünften Stunde ist es wichtig, darauf zu achten, daß etwas verfehlt oder gutgemacht werden kann. In der siebenten Woche, am siebenten Tage oder in der siebenten Stunde oder in einem bestimmten entsprechenden Zahlenverhältnis, zum Beispiel 3 1/2, weil darin auch die Sieben steckt -, da geschieht immer etwas durch die Sache selbst, zum Beispiel wird das Fieber am siebenten Tage einer Krankheit einen bestimmten Charakter annehmen oder auch am vierzehnten Tage. Es liegen immer Zahlenverhältnisse zugrunde, die die Struktur der Welt angeben.

[ 19 ] Thus, today we have subjected to a consideration what is called number symbolism and have seen from it that if one meditatively shifts the world from the point of view of numbers, one can penetrate deeply into the secrets of the world. To complete the picture, it should be said once more: in the fifth week, on the fifth day or in the fifth hour, it is important to be aware that something can be missed or made good. In the seventh week, on the seventh day or in the seventh hour or in a certain corresponding numerical proportion, for example 3 1/2, because seven is also included, something always happens through the thing itself, for example, the fever on the seventh day of an illness will take on a certain character or also on the fourteenth day. There are always numerical proportions at the basis that indicate the structure of the world.

[ 20 ] Wer sich in richtiger Weise in dasjenige vertieft, was man im pythagoreischen Sinne heißt: Studiere die Zahl -, der lernt aus dieser Zahlensymbolik heraus das Leben und die Welt verstehen. Davon sollten die heutigen Ausführungen Ihnen einen skizzenhaften Gedanken geben.

[ 20 ] Those who properly immerse themselves in what it means in the Pythagorean sense to study numbers will learn to understand life and the world from this numerical symbolism. Today's remarks should give you a sketchy idea of this.