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Mythen und Sagen
Okkulte Zeichen und Symbole
GA 93

15 September 1907, Stuttgart

10. Okkulte Zeichen und Symbole III

in ihrem Zusammenhang mit der astralen und geistigen Welt

[ 1 ] Das erste, was uns heute beschäftigen soll, ist eine Betrachtung über das, was man Zahlensymbolik nennt. Wenn man über okkulte Zeichen und Sinnbilder spricht, muß man wenigstens auch kurz jene Sinnbilder erwähnen, die sich in den Zahlen ausdrücken. Sie erinnern sich meiner vorgestrigen Ausführungen, wo die Rede war von den Zahlenverhältnissen im Universum, von den Geschwindigkeiten, mit denen sich die einzelnen Planeten bewegen. Wir haben gesehen, daß diese Zahlen und Zahlenverhältnisse sich ausdrücken in der Sphärenharmonie, die den Raum durchwogt, und daß sie eine gewisse Bedeutung haben für das Weltganze und für die Betrachtung der Welt.

[ 2 ] Heute soll uns nun eine intimere Zahlensymbolik beschäftigen, eine Symbolik, die wir freilich in ihrer Bedeutung nur streifen können, denn um uns wirklich in sie zu vertiefen, würden noch viele andere Dinge notwendig sein, auf die wir uns genauer einlassen müßten. Immerhin werden Sie wenigstens eine Idee davon erhalten, was damit gemeint ist, wenn zum Beispiel in der alten pythagoreischen Geheimschule gesagt wurde, daß man sich in die Zahlen und ihre Natur vertiefen müsse, um einen Einblick in die Welt zu gewinnen. Es mag manchem trocken und öde erscheinen, daß er über Zahlen nachdenken soll. Vor allem wird es denjenigen Menschen, die von der materialistischen Bildung unserer Zeit angekränkelt sind, wie eine Spielerei erscheinen, wenn man glaubt, durch die Betrachtung der Zahlen etwas über das Wesen der Dinge ergründen zu können. Dennoch ist es tief begründet, daß der große Pythagoras zu seinen Schülern sagte, das Wissen über die Natur der Zahlen führe tief hinein in das Wesen der Dinge. Man darf nur nicht glauben, daß es genüge, über die Zahl 1 oder 3 oder 7 nachzudenken. Der wirklichen Geheimlehre ist nichts von Hexerei und Zauberei eigen, auch nichts von einem Aberglauben über die Bedeutung irgendeiner Zahl; ihr Wissen beruht auf viel tieferen Dingen. Aus der kurzen Skizze, die Sie heute von mir erhalten sollen, werden Sie sehen, daß die Zahl einen gewissen Anhaltspunkt geben kann für das Sichvertiefen, das man auch Meditieren nennt, wenn man den Schlüssel dazu hat, sich richtig in die Zahl zu vertiefen.

[ 3 ] Wir müssen ausgehen von der Zahl Eins, von der Einheit. Inwiefern diese Zahl Eins wirklich das versinnbildlicht, was ich sagen werde, wird sich später bei der Betrachtung der anderen Zahlen noch deutlicher ergeben. In allem Okkultismus hat man immer mit der Zahl Eins die unzertrennliche Einheit Gottes in der Welt bezeichnet. Mit der Eins bezeichnet man den Gott. Nun darf man aber nicht glauben, daß man irgend etwas für die Welterkenntnis gewinnt, wenn man sich bloß in die Eins als Zahl vertieft; Sie werden sehen, in welcher Weise diese Vertiefung zu geschehen hat. Aber wir betrachten das weit fruchtbarer, wenn wir zunächst zu den anderen Zahlen übergehen.

[ 4 ] Die Zwei nennt man im Okkultismus die Zahl der Offenbarung. Mit der Zahl Zwei bekommen wir sozusagen schon etwas Boden unter die Füße, während wir bei der Zahl Eins noch ziemlich im Bodenlosen herumtappen. Wenn wir sagen: Zwei ist die Zahl der Offenbarung -, dann heißt das nichts anderes als: Alles, was uns in der Welt entgegentritt, was nicht in irgendeiner Beziehung verborgen ist, sondern heraustritt in die Welt, steht irgendwie in der Zweiheit. Sie werden nämlich die Zahl Zwei überall in der Natur verbreitet finden. Es kann sich nichts offenbaren, ohne die Zahl Zwei zu berühren. Licht kann sich niemals für sich allein als Einheit offenbaren. Wenn sich Licht offenbart, muß auch Schatten oder Dunkelheit dabei sein, es muß also eine Zweiheit da sein. Es könnte niemals eine Welt geben, die mit offenbartem Licht erfüllt wäre, wenn es nicht auch dementsprechenden Schatten gäbe. Und so ist es mit allen Dingen. Nie könnte sich das Gute offenbaren, wenn es nicht als Schattenbild das Böse hätte. Die Zweiheit von Gut und Böse ist eine Notwendigkeit in der offenbaren Welt. Solche Zweiheiten gibt es unendlich viele, sie erfüllen die ganze Welt, wir müssen sie nur an der richtigen Stelle aufsuchen.

[ 5 ] Eine wichtige Zweiheit, über die der Mensch viel nachdenken kann im Leben, ist folgende: Wir haben gestern die verschiedenen Zustände betrachtet, die der Mensch durchgemacht hat, bevor er ein Bewohner unserer heutigen Erde wurde. Wir sahen, daß er auf dem Saturn und der Sonne eine gewisse Unsterblichkeit dadurch hatte, daß er seinen Leib von außen dirigierte, daß Stücke dieses Leibes abbröckelten und neue sich wieder ansetzten, so daß der Mensch nichts von Tod und Vergehen empfand. Aber sein Bewußtsein war damals nicht so wie sein heutiges Bewußtsein, es war ein dumpfes, dämmerndes Bewußtsein. Erst auf unserer Erde hat sich der Mensch ein Bewußtsein errungen, das mit Selbstbewußtsein verbunden ist. Hier erst wurde er ein Wesen, das von sich selbst etwas wußte und sich von den Gegenständen unterscheiden konnte. Dazu mußte er nicht nur den Leib von außen dirigieren, sondern er mußte hineinschlüpfen in diesen Leib - abwechselnd -, sich in ihm empfinden, «Ich» zu ihm sagen. Nur dadurch, daß der Mensch ganz in seinem Leibe drinnensteckt, hat er sein volles Bewußtsein erringen können. Aber nun teilt er auch das Schicksal dieses Leibes. Früher, als er noch darüberstand, tat er das nicht. Erst dadurch, daß der Mensch diesen Grad des Bewußtseins errungen hat, ist er in Beziehung zu dem Tode getreten. In dem Augenblick, wo sein Leib zerfällt, fühlt er, daß sein Ich aufhört, weil er dieses mit seinem Leibe identifiziert hat. Erst allmählich, durch geistige Entwickelung, wird er sich die alte Unsterblichkeit wieder erringen, und der Leib ist da als Schule, um sie sich bewußt zu erringen. Niemals würde der Mensch auf höherer Stufe die Unsterblichkeit erringen können, wenn er sie nicht erkaufte durch den Tod, wenn er nicht die Zweiheit Leben und Tod erkennen würde. Solange der Mensch nicht Bekanntschaft gemacht hatte mit dem Tode, war ihm die Welt noch nicht offenbar, denn zur offenbaren Welt gehört die Zweiheit Leben und Tod. Und so könnten wir auf Schritt und Tritt Zweiheiten im Leben nachweisen. Sie finden in der Physik positive und negative Elektrizität, im Magnetismus Anziehungs- und Abstoßungskraft, alles erscheint in der Zweiheit. Die Zwei ist die Zahl der Erscheinung, der Offenbarung.

[ 6 ] Aber es gibt keine Offenbarung, ohne daß hinter ihr das Göttliche waltet. Daher ist hinter jeder Zweiheit noch eine Einheit verborgen. Die Zahl Drei ist deshalb nichts anderes als die Zwei und die Eins, nämlich die Offenbarung und die hinter ihr stehende Göttlichkeit. Eins ist die Zahl der Einheit Gottes, Drei ist die Zahl der sich offenbarenden Göttlichkeit. Es gibt einen Satz im Okkultismus, der lautet: Niemals kann die Zwei eine Zahl für die Göttlichkeit sein. Die Eins ist eine Zahl für das Göttliche, und die Drei ist eine Zahl für das Göttliche, denn wenn es sich offenbart, offenbart es sich in der Zweiheit, und dahinter ist die Einheit. Der Mensch, der die Welt in der Zweiheit sieht, sieht sie nur im Offenbaren. Wer also sagt, in den äußeren Erscheinungen ist eine Zweiheit, der hat Recht. Wer aber sagt, daß diese Zweiheit das Ganze sei, hat immer Unrecht. Wir wollen uns das einmal an einigen wenigen Beispielen klarmachen. Es wird vielfach, auch da, wo von Theosophie die Rede ist, gegen diesen Satz des wahren Okkultismus gesündigt, daß die Zahl Zwei nur die Zahl der Offenbarung, nicht aber die Zahl der Fülle, der Vollständigkeit sei. So können Sie im populären Okkultismus von Leuten, die ihn nicht wirklich kennen, oft sagen hören, daß alle Entwickelung in Involution und Evolution verlaufe. Wir werden sehen, wie sich das in Wirklichkeit verhält. Aber zunächst wollen wir einmal untersuchen, was Involution und Evolution bedeuten. Betrachten wir einmal eine Pflanze, eine vollentwickelte Pflanze mit Wurzel, Blättern, Stengel, Blüte, Frucht, kurz mit allen Teilen, die eine Pflanze nur haben kann. Das ist das eine. Und nun betrachten Sie das kleine Samenkorn, aus dem die Pflanze wiederum entstehen kann. Wer den Samen anschaut, sieht nur ein kleines Körnchen, aber in diesem kleinen Körnchen ist die ganze Pflanze schon enthalten; sie steckt gewissermaßen eingehüllt darin. Warum steckt sie darin? Weil das Korn genommen ist von der Pflanze, weil die Pflanze alle ihre Kräfte in das Samenkorn hineingelegt hat. Deshalb unterscheidet man im Okkultismus die beiden Vorgänge: Der eine besteht darin, daß sich das Samenkorn aufrollt und zur ganzen Pflanze entfaltet - Evolution; der andere, daß sich die Pflanze zusammenfaltet, so daß ihre Gestalt gewissermaßen hineinkriecht in das Samenkorn - Involution. Wenn also irgendein Wesen, das viele Organe hat, sich so heranbildet, daß von diesen Organen nichts mehr sichtbar ist, daß sie zusammengeschrumpft sind zu einem kleinen Teil, so nennt man das eine Involution, und das Auseinandergehen, das Sichentfalten eine Evolution. Überall im Leben wechselt diese Zweiheit, aber stets nur im Offenbaren. Nicht bloß bei der Pflanze können Sie das verfolgen, auch in den höheren Gebieten des Lebens verhält es sich so.

[ 7 ] Verfolgen Sie zum Beispiel einmal in Gedanken die Entwickelung des europäischen Geisteslebens von Augustinus bis Calvin bis über das Mittelalter hinaus. Wenn Sie den Blick schweifen lassen über das Geistesleben dieser Zeit, so werden Sie bei Augustinus selber eine gewisse mystische Innigkeit sehen. Niemand wird seine Schriften, besonders seine «Bekenntnisse» lesen, ohne zu empfinden, wie tief innig das Gefühlsleben dieses Menschen war. Und wenn wir dann weiter hinaufsteigen in der Zeit, so finden wir eine so wunderbare Erscheinung wie Scotus Erigena, einen Mönch, der aus Schottland stammte und daher auch der schottische Johannes genannt wurde, der am Hofe Karls des Kahlen lebte. In der Kirche hat er schlecht abgeschnitten; die Sage erzählt, daß seine Ordensbrüder ihn mit Stecknadeln zu Tode gemartert hätten. Wörtlich ist das freilich nicht zu nehmen; aber wahr ist, daß er zu Tode gemartert wurde. Ein herrliches Buch ist von ihm verfaßt worden: «De devisione naturae «Über die Einteilung der Natur» -, das eine ungeheure Tiefe aufweist. Weiter finden wir die Mystiker der sogenannten deutschen Pfaffengasse, wo diese Gefühlsinnigkeit ganze Volksmassen ergriffen hat. Es waren nicht nur die Spitzen der Geistlichkeit, sondern auch das Volk; die Menschen, die auf dem Acker oder in der Schmiede arbeiteten, sie alle wurden von jener Gefühlsinnigkeit ergriffen, die sich als ein Zug der Zeit in dieser Weise auslebte. Weiter hinauf finden wir Nicolaus Cusanus, der 1400-1464 lebte. Und so können wir die Zeit hinauf verfolgen bis zum Ende des Mittelalters; immer finden wir jene Gefühlstiefe, jene Innigkeit, die sich über alle Kreise hin ausbreitete. Wenn wir nun diese Zeit vergleichen mit der späteren, die sie ablöste, mit derjenigen, die im 16. Jahrhundert beginnt und bis zu uns herauf sich erstreckt, dann bemerken wir einen gewaltigen Unterschied. Am Ausgangspunkte sehen wir Kopernikus stehen, der durch einen umfassenden Gedanken eine Erneuerung des Geisteslebens bewirkt; der diesen Gedanken so der Menschheit einverleibt, daß heute für einen Narren gilt, wer etwas anderes glaubt. Wir sehen Galilei, der an den Schwingungen einer Kirchenlampe in Pisa die Pendelgesetze entdeckt. So können wir Schritt für Schritt den Gang der Zeit verfolgen, überall würden wir den strikten Gegensatz zum Mittelalter finden. Das Gefühl nimmt immer mehr und mehr ab, die Innigkeit schwindet; der Verstand, die Intellektualität kommt mehr und mehr heraus, die Menschen werden immer klüger und gescheiter. Da folgen zwei Zeitepochen aufeinander, die genau entgegengesetzten Charakter haben. Die Geisteswissenschaft gibt uns die Erklärung beider Zeitepochen. Es gibt ein okkultes Gesetz, das besagt, daß es so sein muß. In der Zeit von Augustinus bis Calvin war die Epoche mystischer Evolution und intellektueller Involution, und seither leben wir in einer Zeit intellektueller Evolution und mystischer Involution. Was bedeutet das? Von Augustinus bis zum 16. Jahrhundert war eine Zeit der äußeren Entfaltung des mystischen Lebens, da war es draußen. Aber etwas anderes war damals erst keimhaft vorhanden: das intellektuelle Leben. Es war wie ein Same gleichsam in der geistigen Erde verborgen, um sich nach dem 16. Jahrhundert nach und nach zu entfalten. Das intellektuelle Leben war also dazumal in der Involution, so wie die Pflanze im Samen drinnen ist. Nichts in der Welt kann entstehen, wenn es nicht vorher in einer solchen Involution war. Seit dem 16. Jahrhundert ist die Intellektualität in der Evolution, das mystische Leben ist zurückgetreten, es ist in der Involution. Und jetzt ist die Zeit gekommen, wo dieses mystische Leben wieder heraustreten muß, wo es durch die theosophische Bewegung wieder zur Entfaltung, zur Evolution gebracht werden muß.

[ 8 ] So wechselt überall im Leben Involution und Evolution ab im Offenbaren. Aber wer dabei stehenbleibt, betrachtet nur die Außenseite. Will man das Ganze betrachten, so muß noch ein Drittes hinzukommen, das hinter diesen beiden steht. Was ist dieses Dritte? Denken Sie sich einmal, Sie stünden einer Erscheinung der Außenwelt gegenüber und Sie denken darüber nach. Sie sind da, die äußere Welt ist da, und in Ihnen entstehen Ihre Gedanken. Diese Gedanken waren früher nicht da. Wenn Sie zum Beispiel den Gedanken der Rose bilden, so entsteht dieser erst in dem Augenblick, wo Sie in Beziehung zu der Rose treten; Sie waren da, die Rose war da; und wenn nun in Ihnen der Gedanke, das Bild der Rose aufsteigt, so entsteht etwas ganz Neues, noch nicht Dagewesenes. Das ist auch auf anderen Gebieten des Lebens der Fall. Stellen Sie sich den schaffenden Michelangelo vor. Michelangelo hat ja beinah nie nach Modellen gearbeitet. Wir wollen uns aber einmal vorstellen, er habe eine Gruppe von Modellen zusammengestellt. Michelangelo war da, die Modelle waren da. Aber das Bild, das Michelangelo nun von dieser Gruppe in der Seele hat, das ist neu, das ist eine völlig neue Schöpfung. Das hat nichts zu tun mit Involution und Evolution. Das ist ein völlig Neues, das entsteht aus dem Verkehr eines Wesens, das empfangen kann, mit einem Wesen, das geben kann. Solche Neuschöpfungen entstehen immer durch den Verkehr von Wesen mit Wesen. Solche Neuschöpfungen sind ein Anfang. Erinnern Sie sich an das, was wir gestern hier betrachtet haben, wie die Gedanken schöpferisch sind, wie sie die Seele veredeln können, ja später sogar an der Formung des Körpers arbeiten. Dasjenige, was irgendein Wesen einmal denkt, die Gedankenschöpfung, die Vorstellungsschöpfung, die arbeitet, die wirkt weiter. Sie ist eine Neuschöpfung und zugleich ein Anfang, aber sie zieht Folgen nach sich. Wenn Sie heute gute Gedanken haben, so sind diese Gedanken fruchtbar für die fernste Zukunft, denn Ihre Seele geht ihren eigenen Weg in der geistigen Welt. Ihr Leib geht wieder in die Elemente zurück, er zerfällt. Aber wenn auch alles zerfällt, wodurch der Gedanke entstanden ist, die Wirkung des Gedankens bleibt, der Gedanke wirkt fort. Nehmen wir noch einmal das Beispiel von Michelangelo. Seine herrlichen Bilder haben auf Millionen von Menschen erhebend gewirkt. Aber diese Bilder werden einst zu Staub zerfallen, und es wird Generationen geben, die nichts mehr von seinen Schöpfungen sehen werden. Was in Michelangelos Seele gelebt hat, bevor seine Bilder äußere Gestalt angenommen haben, was zuerst als Neuschöpfung in seiner Seele war, das lebt fort, das bleibt, und das wird in künftigen Entwickelungsstufen hervortreten und Form gewinnen. Wissen Sie, weshalb uns heute Wolken und Sterne entgegentreten? Weil es in der Vorzeit Wesen gab, die den Gedanken der Wolken und der Sterne hatten. Alles entsteht aus Gedanken-Schöpfungen, und der Gedanke ist eine Neuschöpfung. Aus Gedanken ist alles entstanden, und die größten Dinge der Welt sind hervorgegangen aus den Gedanken der Gottheit.

[ 9 ] Da haben Sie das Dritte. Im Offenbaren wechseln die Dinge zwischen Evolution und Involution. Aber dahinter steht tief verborgen das Dritte, das erst die Fülle gibt, eine Schöpfung, die eine völlige Neuschöpfung ist, die aus dem Nichts hervorgegangen ist. Dreierlei gehört also zusammen: Die Schöpfung aus dem Nichts, und dann, wenn diese offenbar wird und in der Zeit verläuft, nimmt sie die Formen des Offenbaren an: Evolution und Involution.

[ 10 ] So ist es gemeint, wenn gewisse religiöse Systeme davon sprechen, daß die Welt aus dem Nichts geschaffen ist. Und wenn man heute darüber spottet, so geschieht das, weil die Menschen nicht verstehen, was in diesen Urkunden steht. Im Offenbaren - um es noch einmal zusammenzufassen - wechselt alles zwischen Involution und Evolution. Dem liegt zugrunde eine verborgene Schöpfung aus dem Nichts, die sich mit dieser Zweiheit zu einer Dreiheit vereinigt. Die Dreiheit ist die Verbindung des Göttlichen mit dem Offenbaren.

[ 11 ] So sehen Sie, wie man über die Zahl Drei nachdenken kann, man darf nur nicht pedantisch darüber spintisieren. Man muß hinter der Zweiheit, die einem überall begegnen kann, die Dreiheit aufsuchen. Dann betrachtet man das Zahlensymbol in der richtigen Art im pythagoreischen Sinne, wenn man hinter der Zwei die Drei sucht. Für alle Zweiheiten kann das verborgene Dritte gefunden werden. |

[ 12 ] Wir kommen jetzt zu der Zahl Vier. Die Vier ist das Zeichen des Kosmos oder der Schöpfung. Sie werden verstehen, warum man Vier die Zahl der Schöpfung nennt, wenn Sie sich daran erinnern, was schon früher gesagt wurde, daß unsere Erde - soweit wir es verfolgen können - sich in ihrer vierten Verkörperung befindet. Alles, was uns auf unserer Erde entgegentritt, auch das vierte Prinzip im Menschen, setzt voraus, daß diese Schöpfung in dem vierten Zustande ihrer planetarischen Entwickelung ist. Das ist nur ein besonderes Beispiel für alle hervortretenden Schöpfungen. Jede Schöpfung steht unter dem Zeichen der Vierheit. Im Okkultismus sagt man: Der Mensch ist heute im Mineralreich. - Was bedeutet das? Der Mensch versteht heute nur das Mineralreich, und er kann auch nur dieses beherrschen. Er kann durch Zusammenfügen von Mineralischem ein Haus bauen, eine Uhr konstruieren und anderes, weil diese Dinge den Gesetzen der mineralischen Welt unterliegen. Aber anderes vermag er noch nicht. Er kann zum Beispiel keine Pflanze aus eigenem Nachdenken heraus heute schon bilden; dazu müßte er selbst im Pflanzenreich stehen. Das wird später einmal der Fall sein. Heute ist der Mensch ein Schöpfer im Mineralreich. Diesem sind drei andere Reiche vorangegangen, man nennt sie die drei Elementarreiche; das Mineralreich ist das vierte. Im ganzen gibt es sieben solcher Naturreiche. So steht der Mensch heute in seinem vierten Reiche; da erlangt er sein eigentliches Bewußtsein nach außen hin. Auf dem Monde wirkte er noch im dritten Elementarreich, auf der Sonne im zweiten und auf dem Saturn im ersten. Auf dem Jupiter wird der Mensch im Pflanzenreich wirken können, er wird Pflanzen schaffen können, so wie er heute eine Uhr machen kann. Alles, was in der Schöpfung sichtbar hervortritt, steht im Zeichen der Vier. Es gibt viele Planeten, die Sie mit physischen Augen nicht sehen können; diejenigen Planeten, die im ersten, zweiten und dritten Elementarreiche stehen, sind für physische Augen nicht sichtbar. Erst wenn ein Planet in das vierte Reich, in das Mineralreich, eintritt, können Sie ihn erblicken. Deshalb ist Vier die Zahl des Kosmos oder der Schöpfung. Mit dem Eintritt in seinen vierten Zustand wird erst ein . Wesen voll sichtbar für Augen, die Äußeres sehen können.

[ 13 ] Fünf ist die Zahl des Bösen. Das können wir uns am besten klarmachen, wenn wir wieder den Menschen betrachten. Der Mensch hat sich zu einer Vierheit entwickelt, zu einem Wesen der Schöpfung, aber auf der Erde tritt zu ihm das fünfte Glied, das Geistselbst. Wäre der Mensch nur eine Vierheit geblieben, dann würde er immer von oben, von den Göttern, zum Guten dirigiert worden sein; zur Selbständigkeit hätte er sich niemals entwickelt. Er ist dadurch frei geworden, daß er auf der Erde die Keimanlage zu dem fünften Glied, dem Geistselbst, bekommen hat. Dadurch hat er die Möglichkeit erhalten, das Böse zu tun, dadurch aber ist er auch selbständig geworden. Kein Wesen, das nicht in der Fünfheit auftritt, kann das Böse tun, und überall, wo uns ein Böses begegnet, das tatsächlich aus sich selbst verderblich wirken kann, da ist eine Fünfheit im Spiele. Das ist überall, auch draußen in der Welt, der Fall. Der Mensch beobachtet das nur nicht, und die heutige materialistische Weltanschauung hat keinen Begriff davon, daß man die Welt in dieser Weise betrachten kann. An einem Beispiel können wir sehen, wie überall da, wo die Fünf uns entgegentritt, die Berechtigung sich ergibt, von einem Bösen in irgendeinem Sinne zu reden. Wie segensreich würde es sich auswirken, wenn die Medizin sich dies einmal zunutze machen und den Verlauf von Krankheiten danach studieren würde, wie sich eine Krankheit vom Ausbruch an bis zum fünften Tage entwickelt, oder wie an den einzelnen Tagen in der fünften Stunde nach Mitternacht oder in der fünften Woche. Denn immer beherrscht die Zahl Fünf dasjenige, wo der Arzt am fruchtbarsten eingreifen kann. Vorher kann er nicht viel anderes tun, als die Natur ihren Lauf gehen lassen; aber da kann er helfend eingreifen, wenn er das Gesetz der Zahl Fünf beachtet, weil da das Prinzip der Zahl Fünf in die Tatsachenwelt einfließt, das mit Berechtigung schädigend oder böse genannt werden kann. So können wir auf vielen Gebieten zeigen, wie die Zahl Fünf eine große Bedeutung für das äußere Geschehen hat.

[ 14 ] Es gibt sieben Perioden im Leben des Menschen: Die erste ist die, bevor er geboren wird, die zweite dauert bis zum Zahnwechsel, die dritte bis zur Geschlechtsreife, die vierte etwa sieben bis acht Jahre weiter, die fünfte etwa bis zum dreißigsten Lebensjahr, und so fort. Wenn die Menschen einmal wissen werden, was für diese Perioden alles in Betracht kommt und was gerade in der fünften Periode am besten herantreten soll an den Menschen oder ihm fernbleiben, dann werden sie auch viel darüber wissen, wie sie sich ein gutes Alter bereiten können. Da kann für das ganze übrige Leben Gutes oder Böses bewirkt werden. Bei den ersten Perioden kann man viel tun durch Erziehung nach diesen Gesetzen. Dann aber tritt ein Wendepunkt ein in der fünften Periode des Menschenlebens, der ausschlaggebend ist für das ganze weitere Leben. Dieser Wendepunkt in der fünften Periode des Menschenlebens muß mindestens überschritten werden, bevor der Mensch sozusagen mit voller Sicherheit auf das Leben losgelassen werden kann. Der heute herrschende Grundsatz, die Menschen schon sehr früh hinauszuschicken ins Leben, ist sehr schlecht. Es ist von großer Bedeutung, solche alten okkulten Grundsätze zu beachten. Deshalb hatte man früher, auf Anordnung solcher, die etwas davon wußten, die sogenannte Lehr- und Wanderzeit zu absolvieren, ehe man als Meister bezeichnet werden konnte.

[ 15 ] Die Sieben ist die Zahl der Vollkommenheit. Sie können wiederum sich das am Menschen selber klarmachen. Er ist in der Vierzahl als Geschöpf, und er ist in der Fünfzahl, insofern er ein gutes oder ein böses Wesen sein kann. Wenn er alles ausgebildet haben wird, was im Keime in ihm enthalten ist, dann wird er ein siebengliedriges, in seiner Art vollkommenes Wesen sein. Die Siebenzahl herrscht in der Welt der Farben, im Regenbogen, sie herrscht in der Welt der Töne, in der Skala. Überall, auf allen Gebieten des Lebens können Sie die Siebenzahl als eine Art von Vollkommenheitszahl darstellen. Es steckt weder Aberglaube noch Zauberei dahinter.

[ 16 ] Jetzt wollen wir noch einmal auf die Einheit zurückblicken. Dadurch, daß wir noch andere Zahlen betrachtet haben, wird das, was über die Einheit zu sagen ist, im richtigen Lichte erscheinen. Das Wesentliche der Einheit ist die Unteilbarkeit. In der Wirklichkeit kann man freilich die Einheit auch wieder teilen, zum Beispiel in 1/3 und 2/3. Nun gibt es aber etwas sehr Bedeutsames und Wichtiges, das Sie in Gedanken vollziehen können: In der geistigen Welt bleibt das Drittel, wenn Sie zwei Drittel wegnehmen, dazugehörig. Gott ist ein einheitliches Wesen. Wenn etwas von Gott herausgeteilt wird als Offenbarung, so bleibt der ganze Rest vorhanden als etwas, was dazugehört. Im pythagoreischen Sinne: Teile die Einheit, aber teile die Einheit nie anders, als daß du im Untergedanken den Rest dazu hast.

[ 17 ] Was heißt das eigentlich, die Einheit zu teilen? Nehmen Sie zum Beispiel ein Goldplättchen, und schauen Sie hindurch, dann erscheint Ihnen die Welt grün. Das Gold hat nämlich die Eigenschaft, wenn weißes Licht darauf fällt, die gelben Strahlen zurückzuwerfen. Wo aber kommen die anderen Farben hin, die noch im Weiß enthalten sind? Sie gehen in den Gegenstand hinein und durchdringen ihn. Ein roter Gegenstand ist deshalb rot, weil er die roten Strahlen zurückwirft und das übrige in sich aufnimmt. Man kann das Rot nicht aus dem Weißen herausziehen, ohne daß das übrige zurückbleibt. Damit streifen wir den Rand eines großen Weltgeheimnisses. Sie können die Dinge in einer bestimmten Weise anschauen. Wenn zum Beispiel das Licht auf ein rotes Tischtuch fällt, das über einen Tisch ausgebreitet ist, so empfinden wir die Farbe Rot. Die anderen im Sonnenlicht enthaltenen Farben werden «aufgesaugt», die grüne Farbe zum Beispiel wird von dem Tischtuch aufgenommen und nicht wiedergegeben. Wenn wir uns nun bemühen, gleichzeitig mit der Farbe Rot auch die Farbe Grün in unser Bewußtsein aufzunehmen, dann haben wir die Einheit wieder hergestellt. Wir haben im pythagoreischen Sinne die Einheit geteilt, so daß der Rest erhalten bleibt. Wenn man das meditativ durchführt, daß man das Geteilte stets wieder zur Einheit verbindet, so ist das eine bedeutungsvolle Arbeit, durch die man in der Entwickelung hoch aufsteigen kann. Es gibt in der Mathematik einen Ausdruck dafür, der in den okkulten Schulen überall gilt:

$$1 = (2 + x) - (1 + x)$$

[ 18 ] Das ist eine okkulte Formel, welche ausdrücken soll, wie man die Eins teilt, und wie man die Teile so darstellt, daß sie wieder die Eins ergeben. Der Okkultist soll die Teilung der Einheit so denken, daß er die Teile immer zur Einheit wieder zusammenfügt.

[ 19 ] So haben wir heute das, was man Zahlensymbolik nennt, einer Betrachtung unterworfen und daraus gesehen, daß, wenn man die Welt meditativ unter den Gesichtspunkt der Zahlen rückt, man tief in die Weltgeheimnisse eindringen kann. Zur Ergänzung sei noch einmal gesagt: In der fünften Woche, am fünften Tage oder in der fünften Stunde ist es wichtig, darauf zu achten, daß etwas verfehlt oder gutgemacht werden kann. In der siebenten Woche, am siebenten Tage oder in der siebenten Stunde oder in einem bestimmten entsprechenden Zahlenverhältnis, zum Beispiel 3 1/2, weil darin auch die Sieben steckt -, da geschieht immer etwas durch die Sache selbst, zum Beispiel wird das Fieber am siebenten Tage einer Krankheit einen bestimmten Charakter annehmen oder auch am vierzehnten Tage. Es liegen immer Zahlenverhältnisse zugrunde, die die Struktur der Welt angeben.

[ 20 ] Wer sich in richtiger Weise in dasjenige vertieft, was man im pythagoreischen Sinne heißt: Studiere die Zahl -, der lernt aus dieser Zahlensymbolik heraus das Leben und die Welt verstehen. Davon sollten die heutigen Ausführungen Ihnen einen skizzenhaften Gedanken geben.