The Influence of
Spiritual Beings upon Man
GA 102
13 May 1908, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Das Hereinwirken geistiger Wesenheiten in den Menschen, 5th ed.
Neunter Vortrag
Neunter Vortrag
[ 1 ] Dieser Vortrag soll ein Thema behandeln, das vom Gesichtspunkte des spirituellen Lebens aus zu betrachten bedeutsam sein wird. Wir werden einiges darüber vorbringen können, wie derjenige, der sich zur geisteswissenschaftlichen Anschauung bekennt, seine Stellung nehmen kann zu anderen geistigen Richtungen, wie er sich verhalten kann zur Entwickelung der heutigen Menschheit, überhaupt zu heutigen Fragen. Ich möchte in großen Umrissen zu Ihnen sprechen über die Entwickelung der religiösen Ideen in der Zeit der nachatlantischen Kultur bis zur Gegenwart.
[ 1 ] Dieser Vortrag soll ein Thema behandeln, das vom Gesichtspunkte des spirituellen Lebens aus zu betrachten bedeutsam sein wird. Wir werden einiges darüber vorbringen können, wie derjenige, der sich zur geisteswissenschaftlichen Anschauung bekennt, seine Stellung nehmen kann zu anderen geistigen Richtungen, wie er sich verhalten kann zur Entwickelung der heutigen Menschheit, überhaupt zu heutigen Fragen. Ich möchte in großen Umrissen zu Ihnen sprechen über die Entwickelung der religiösen Ideen in der Zeit der nachatlantischen Kultur bis zur Gegenwart.
[ 2 ] Wir werden uns dabei an das erinnern, was wir ja auch schon da oder dort erwähnt haben: daß der Begriff der Religion eigentlich etwas ist, was nur in der nachatlantischen Zeit einen Sinn hat. Vor der großen atlantischen Flut konnte es das, was man Religion nennt, überhaupt nicht geben, weil Religion voraussetzt, daß der Mensch eine unmittelbare Wahrnehmung oder Anschauung von den übersinnlichen Welten nicht hat, wenigstens daß die große Masse der Menschen solche Wahrnehmungen nicht hat. Religion ist die Verbindung des Menschen mit dem Übersinnlichen dann, wenn für die große Masse der Menschen das Übersinnliche nicht wahrnehmbar ist, sondern nur vermittelt werden kann auf verschiedene Weise, durch Propheten, Seher, Weise, Mysterien und so weiter, so wie es in den letzten Jahrtausenden der Fall war. Vor der großen atlantischen Flut, als unsere Vorfahren zum größten Teile in dem Gebiete der alten Atlantis gelebt haben, da hatten die Menschen alle noch mehr oder weniger unmittelbare Erfahrungen, Wahrnehmungen vom Übersinnlichen. In einer Zeit, in der die Menschen in der geistigen Welt selber lebten, in der sie jederzeit Erfahrungen machten wie die heutige Menschheit in der sinnlichen Welt, bedurfte es keiner Religion. Gegen das Ende dieser atlantischen Zeit ist ausgelöscht worden für die weitaus überwiegende Mehrzahl die übersinnliche Erfahrung. Es trat an ihre Stelle die ausgeprägte Sinneserfahrung, welche die Menschheit heute hat. Was ist übriggeblieben aus der alten atlantischen Zeit? Wenn wir in die graue Vorzeit zurückgehen und die Sagen und Mythen durchforschen, die germanischen Götterlehren auf uns wirken lassen, so finden wir Mitteilungen aus übersinnlichen Welten in bildlicher Gestalt. Diese Mitteilungen sind nicht von der Volksphantasie ersonnene Bilder, Personifikationen, wie man es uns vom grünen Tisch aus glauben machen will, sondern es sind wirkliche Erinnerungen aus jener alten Zeit, wo die Menschen selbst noch wußten, was sie erfahren hatten. Die Sagen von Wotan, Thor und so weiter sind solche Erinnerungen. Und das, was bis in die nachatlantische Zeit hinein vorzugsweise dem Menschen geblieben ist, ist im höchsten Sinne des Wortes eine Art Gedächtnisreligion. Am weitesten vorgeschritten ist sie bei den Völkern, die in Asiens Süden leben, bei den indischen Völkern; in anderer Form machte sie sich geltend in Europa. In Indien machte sich die Erinnerung an jene Zeit der Menschheit, wo jeder noch selbst Wahrnehmungen in der geistigen Welt hatte, bemerkbar als eine Sehnsucht nach jener Welt. Man empfand das Wirkliche als Illusion, als Maja, und sehnte sich zurück nach jenen alten Zeiten. Joga nannte man dasjenige, was bei einzelnen Menschen hervorbrachte die Fähigkeit, einzudringen in die übersinnlichen Welten. Nicht alle Völker schritten so vor, daß sie Weise hatten, die sich bis zu Joga aufschwingen konnten. Andere Völker mußten sich mit den Erinnerungen begnügen, so besonders die Völker des Nordens. Ihre Eingeweihten drangen auch ein in die geistigen Welten, hatten auch unmittelbare Erfahrungen in der göttlichen Welt, aber die nordische Natur machte es ihnen schwer, in größerer Zahl einzudringen. Dadurch bildete sich die nordische Mythologie aus.
[ 2 ] Wir werden uns dabei an das erinnern, was wir ja auch schon da oder dort erwähnt haben: daß der Begriff der Religion eigentlich etwas ist, was nur in der nachatlantischen Zeit einen Sinn hat. Vor der großen atlantischen Flut konnte es das, was man Religion nennt, überhaupt nicht geben, weil Religion voraussetzt, daß der Mensch eine unmittelbare Wahrnehmung oder Anschauung von den übersinnlichen Welten nicht hat, wenigstens daß die große Masse der Menschen solche Wahrnehmungen nicht hat. Religion ist die Verbindung des Menschen mit dem Übersinnlichen dann, wenn für die große Masse der Menschen das Übersinnliche nicht wahrnehmbar ist, sondern nur vermittelt werden kann auf verschiedene Weise, durch Propheten, Seher, Weise, Mysterien und so weiter, so wie es in den letzten Jahrtausenden der Fall war. Vor der großen atlantischen Flut, als unsere Vorfahren zum größten Teile in dem Gebiete der alten Atlantis gelebt haben, da hatten die Menschen alle noch mehr oder weniger unmittelbare Erfahrungen, Wahrnehmungen vom Übersinnlichen. In einer Zeit, in der die Menschen in der geistigen Welt selber lebten, in der sie jederzeit Erfahrungen machten wie die heutige Menschheit in der sinnlichen Welt, bedurfte es keiner Religion. Gegen das Ende dieser atlantischen Zeit ist ausgelöscht worden für die weitaus überwiegende Mehrzahl die übersinnliche Erfahrung. Es trat an ihre Stelle die ausgeprägte Sinneserfahrung, welche die Menschheit heute hat. Was ist übriggeblieben aus der alten atlantischen Zeit? Wenn wir in die graue Vorzeit zurückgehen und die Sagen und Mythen durchforschen, die germanischen Götterlehren auf uns wirken lassen, so finden wir Mitteilungen aus übersinnlichen Welten in bildlicher Gestalt. Diese Mitteilungen sind nicht von der Volksphantasie ersonnene Bilder, Personifikationen, wie man es uns vom grünen Tisch aus glauben machen will, sondern es sind wirkliche Erinnerungen aus jener alten Zeit, wo die Menschen selbst noch wußten, was sie erfahren hatten. Die Sagen von Wotan, Thor und so weiter sind solche Erinnerungen. Und das, was bis in die nachatlantische Zeit hinein vorzugsweise dem Menschen geblieben ist, ist im höchsten Sinne des Wortes eine Art Gedächtnisreligion. Am weitesten vorgeschritten ist sie bei den Völkern, die in Asiens Süden leben, bei den indischen Völkern; in anderer Form machte sie sich geltend in Europa. In Indien machte sich die Erinnerung an jene Zeit der Menschheit, wo jeder noch selbst Wahrnehmungen in der geistigen Welt hatte, bemerkbar als eine Sehnsucht nach jener Welt. Man empfand das Wirkliche als Illusion, als Maja, und sehnte sich zurück nach jenen alten Zeiten. Joga nannte man dasjenige, was bei einzelnen Menschen hervorbrachte die Fähigkeit, einzudringen in die übersinnlichen Welten. Nicht alle Völker schritten so vor, daß sie Weise hatten, die sich bis zu Joga aufschwingen konnten. Andere Völker mußten sich mit den Erinnerungen begnügen, so besonders die Völker des Nordens. Ihre Eingeweihten drangen auch ein in die geistigen Welten, hatten auch unmittelbare Erfahrungen in der göttlichen Welt, aber die nordische Natur machte es ihnen schwer, in größerer Zahl einzudringen. Dadurch bildete sich die nordische Mythologie aus.
[ 3 ] Eines aber werden wir wie etwas Gemeinsames finden, was sich die Menschen noch erhalten haben in jener nachatlantischen Zeit: das ist ein Nachklang jener viel weiter ausgebildeten Gedächtniskraft, wie sie in der atlantischen Zeit vorhanden war. Damals war das Gedächtnis ganz anders entwickelt als heute. Die Menschen erinnerten sich weiter hinauf, bis zum Leben ferner Ahnen. Was vor Jahrhunderten ein solcher Ahne durchgemacht hatte, das wußten sie, wie ein Greis heute weiß, was er in der Jugend erlebt hatte. Solche Erinnerungen an die Ahnen prägten das aus, was man die Ahnenreligion, den Ahnenkult nennen kann. Ahnenkult, Verehrung der Vorfahren ist in Wahrheit die erste Religion. Das Gedächtnis hatte sich in gewisser Art lebendig erhalten. Diese Regsamkeit des Gedächtnisses war so groß, daß in der Tat für einzelne Menschen, wenn sie sich auch nicht bis zu Joga aufschwingen konnten, doch ein spiritueller Zustand eintreten konnte, daß ihnen im Traume oder in psychischen Zuständen der gemeinsame Ahnherr eines Volkes erschien.
[ 3 ] Eines aber werden wir wie etwas Gemeinsames finden, was sich die Menschen noch erhalten haben in jener nachatlantischen Zeit: das ist ein Nachklang jener viel weiter ausgebildeten Gedächtniskraft, wie sie in der atlantischen Zeit vorhanden war. Damals war das Gedächtnis ganz anders entwickelt als heute. Die Menschen erinnerten sich weiter hinauf, bis zum Leben ferner Ahnen. Was vor Jahrhunderten ein solcher Ahne durchgemacht hatte, das wußten sie, wie ein Greis heute weiß, was er in der Jugend erlebt hatte. Solche Erinnerungen an die Ahnen prägten das aus, was man die Ahnenreligion, den Ahnenkult nennen kann. Ahnenkult, Verehrung der Vorfahren ist in Wahrheit die erste Religion. Das Gedächtnis hatte sich in gewisser Art lebendig erhalten. Diese Regsamkeit des Gedächtnisses war so groß, daß in der Tat für einzelne Menschen, wenn sie sich auch nicht bis zu Joga aufschwingen konnten, doch ein spiritueller Zustand eintreten konnte, daß ihnen im Traume oder in psychischen Zuständen der gemeinsame Ahnherr eines Volkes erschien.
[ 4 ] Das war nicht bloß Sage, Mythe, was so ein alter Stamm als gemeinschaftlichen Ahnherrn lebendig hatte, sondern es war etwas, was von Zeit zu Zeit dem Menschen erschien, was im psychischen Bewußtsein erschien, was das Volk begleitete. Die einzelnen Völkerschaften, welche durch Europa strömten, hatten die mannigfaltigsten Erlebnisse. Aber ein Erlebnis blieb für viele immer rege und lebendig, und sie erzählten es denen, die in sie Vertrauen hatten, die an sie glaubten: das war das Erscheinen des Ahnherrn, der vom Geistgebiet aus ihr Berater war, mit ihnen in Beziehung stand. Er kam in besonders wichtigen Momenten, war da in zweifelhaften Fällen. Der Ahnenkultus war etwas, was durch die physischen Eigenschaften der Vorfahren durchaus lebendig war.
[ 4 ] Das war nicht bloß Sage, Mythe, was so ein alter Stamm als gemeinschaftlichen Ahnherrn lebendig hatte, sondern es war etwas, was von Zeit zu Zeit dem Menschen erschien, was im psychischen Bewußtsein erschien, was das Volk begleitete. Die einzelnen Völkerschaften, welche durch Europa strömten, hatten die mannigfaltigsten Erlebnisse. Aber ein Erlebnis blieb für viele immer rege und lebendig, und sie erzählten es denen, die in sie Vertrauen hatten, die an sie glaubten: das war das Erscheinen des Ahnherrn, der vom Geistgebiet aus ihr Berater war, mit ihnen in Beziehung stand. Er kam in besonders wichtigen Momenten, war da in zweifelhaften Fällen. Der Ahnenkultus war etwas, was durch die physischen Eigenschaften der Vorfahren durchaus lebendig war.
[ 5 ] Immer mehr und mehr bildete sich dieser Ahnenkultus zu einer Art Religionssystem aus, welches zwar von gewissen Eingeweihten ausgearbeitet worden war, aber doch auch für viele Nichteingeweihte annehmbar war. In verschiedenen Gebieten trat ein solches Religionssystem auf, zum Beispiel im alten indischen Brahmanismus. Die letzten Nachklänge davon finden wir in der Vedantaphilosophie; aber auch in den ältesten philosophischen Systemen finden wir letzte Nachklänge dieses alten Pantheismus. Es war eine Art esoterischer Pantheismus, wie wir ihn eben im alten Brahmanismus vor uns haben. Er kommt auch schon zum Vorschein in dem eigentlichen System der Ägypter, auch bei den Hebräern. In Wirklichkeit können wir uns vorstellen, daß dieses religiöse System dadurch entstanden ist, daß sich allmählich eine umfassendere Idee von der göttlichen Wesenheit, die alles durchflutete und durchströmte, herausbildete. Der Ahnherr war zusammengewachsen mit den geistigen Grundlagen des Daseins, er war zu einer Art geistiger Urkraft geworden. Dann haben wir in dem, was wir nennen können Anthropomorphismus, eine spezielle Ausgestaltung des esoterischen Pantheismus. Er stellt sich die verschiedenen Götter in menschenähnlichen Bildern vor. Hierher gehört zum Beispiel das griechische Religionssystem. Aber man stellt es sich ganz falsch vor, wenn man denkt, daß hinter den einzelnen Göttern für den gebildeten Griechen nicht waltete die einheitliche geistige Welt. Wenn wir reden von Engeln, Erzengeln und so weiter, überhaupt von den verschiedenen geistigen Wesenheiten, die über dem Menschen stehen, wie wir das getan haben in der kosmischen Evolutionslehre, so reden wir in ganz ähnlicher Weise, wie es damals geschah, wenn man sprach von Zeus, Athene und so weiter im Vergleich zu dem alleinigen Weltengeist. Ein einheitlicher Weltgedanke liegt diesem System zugrunde. Der Pantheismus ist der geistige Untergrund der Dinge; dann werden die Götter als Menschen ausgestaltet.
[ 5 ] Immer mehr und mehr bildete sich dieser Ahnenkultus zu einer Art Religionssystem aus, welches zwar von gewissen Eingeweihten ausgearbeitet worden war, aber doch auch für viele Nichteingeweihte annehmbar war. In verschiedenen Gebieten trat ein solches Religionssystem auf, zum Beispiel im alten indischen Brahmanismus. Die letzten Nachklänge davon finden wir in der Vedantaphilosophie; aber auch in den ältesten philosophischen Systemen finden wir letzte Nachklänge dieses alten Pantheismus. Es war eine Art esoterischer Pantheismus, wie wir ihn eben im alten Brahmanismus vor uns haben. Er kommt auch schon zum Vorschein in dem eigentlichen System der Ägypter, auch bei den Hebräern. In Wirklichkeit können wir uns vorstellen, daß dieses religiöse System dadurch entstanden ist, daß sich allmählich eine umfassendere Idee von der göttlichen Wesenheit, die alles durchflutete und durchströmte, herausbildete. Der Ahnherr war zusammengewachsen mit den geistigen Grundlagen des Daseins, er war zu einer Art geistiger Urkraft geworden. Dann haben wir in dem, was wir nennen können Anthropomorphismus, eine spezielle Ausgestaltung des esoterischen Pantheismus. Er stellt sich die verschiedenen Götter in menschenähnlichen Bildern vor. Hierher gehört zum Beispiel das griechische Religionssystem. Aber man stellt es sich ganz falsch vor, wenn man denkt, daß hinter den einzelnen Göttern für den gebildeten Griechen nicht waltete die einheitliche geistige Welt. Wenn wir reden von Engeln, Erzengeln und so weiter, überhaupt von den verschiedenen geistigen Wesenheiten, die über dem Menschen stehen, wie wir das getan haben in der kosmischen Evolutionslehre, so reden wir in ganz ähnlicher Weise, wie es damals geschah, wenn man sprach von Zeus, Athene und so weiter im Vergleich zu dem alleinigen Weltengeist. Ein einheitlicher Weltgedanke liegt diesem System zugrunde. Der Pantheismus ist der geistige Untergrund der Dinge; dann werden die Götter als Menschen ausgestaltet.
[ 6 ] Und wenn wir uns fragen: Womit hängt das zusammen, daß der noch viel abstraktere esoterische Pantheismus überging in die vielgestaltige griechische Götterwelt? - so müssen wir darin erkennen ein tiefes Grundbedürfnis der Menschheit überhaupt, ein tiefes Prinzip in der Menschheitsentwickelung. Wenn wir den Übergang vom Ägyptischen zum Griechischen betrachten, so haben wir das Ausleben dieses Prinzips am schönsten vor Augen. Im ganzen Vorstellen vor der griechischen Zeit liegt etwas besonders Gewaltiges, Symbolisches. Die ägyptischen Pyramiden und Sphinxe sind großartige, gewaltige Schöpfungen des Menschengeistes, die in einer etwas abstrakten Form hindeuten auf einen geistigen Urgrund, den man noch nicht wagt, auszubilden. Wie hat der griechische Geist die Fähigkeit bewiesen, das Geistige hineinzuprägen in die bildliche Form! Es liegt darin ein ungeheurer Fortschritt, der sich überall verfolgen läßt. Am reinsten finden Sie diesen Übergang ausgedrückt, wenn Sie im Geiste verfolgen den Übergang von der morgenländischen zur griechischen Baukunst, wenn wir den architektonischen Gedanken in seiner Reinheit erfassen. Der architektonische Gedanke kommt während der ganzen Menschheitsentwickelung in der griechischen Architektur am besten zum Ausdruck. Nirgends finden wir ein solches restloses Ausfließen des Gedankens in die äußere Form wie in der griechischen Architektur. Wir sehen, wie alles so hineingestellt ist in den Raum, wie es den großen kosmischen Gesetzen entspricht.
[ 6 ] Und wenn wir uns fragen: Womit hängt das zusammen, daß der noch viel abstraktere esoterische Pantheismus überging in die vielgestaltige griechische Götterwelt? - so müssen wir darin erkennen ein tiefes Grundbedürfnis der Menschheit überhaupt, ein tiefes Prinzip in der Menschheitsentwickelung. Wenn wir den Übergang vom Ägyptischen zum Griechischen betrachten, so haben wir das Ausleben dieses Prinzips am schönsten vor Augen. Im ganzen Vorstellen vor der griechischen Zeit liegt etwas besonders Gewaltiges, Symbolisches. Die ägyptischen Pyramiden und Sphinxe sind großartige, gewaltige Schöpfungen des Menschengeistes, die in einer etwas abstrakten Form hindeuten auf einen geistigen Urgrund, den man noch nicht wagt, auszubilden. Wie hat der griechische Geist die Fähigkeit bewiesen, das Geistige hineinzuprägen in die bildliche Form! Es liegt darin ein ungeheurer Fortschritt, der sich überall verfolgen läßt. Am reinsten finden Sie diesen Übergang ausgedrückt, wenn Sie im Geiste verfolgen den Übergang von der morgenländischen zur griechischen Baukunst, wenn wir den architektonischen Gedanken in seiner Reinheit erfassen. Der architektonische Gedanke kommt während der ganzen Menschheitsentwickelung in der griechischen Architektur am besten zum Ausdruck. Nirgends finden wir ein solches restloses Ausfließen des Gedankens in die äußere Form wie in der griechischen Architektur. Wir sehen, wie alles so hineingestellt ist in den Raum, wie es den großen kosmischen Gesetzen entspricht.
[ 7 ] Es ist ja vielleicht nur noch einmal in der Entwickelung der Menschheit geschehen, daß architektonische Gedanken geschaffen wurden: das ist der Gedanke der gotischen Architektur. Und wenn wir den gotischen Gedanken in Gegensatz bringen zu dem griechischen architektonischen Gedanken, so müssen wir sagen: In der Gotik haben wir es eigentlich gar nicht mehr mit einer reinen Architektur zu tun, sondern mit einer in den Formen nur andeutungsweise vorhandenen Ausprägung des in das Gefühl hineindrängenden mystischen Elementes. Die Gotik ist nicht die restlose Ausprägung dieses Gedankens. Der griechische Tempel dagegen ist das Wohnhaus des Gottes und ganz als solches zu verstehen. Denn man denke sich den Gott schöpferisch im Raume, seine Kräfte den Raum durchflutend, wie er sich gleichsam selbst einen Körper bildet, wie er sich ein Kleid webt, so haben wir den griechischen Tempel. Und wir wissen, wenn wir ihn vor uns stehen haben: das ist das Wohnhaus des Gottes. Der gotische Dom ist das nicht; er ist ein Bethaus. Er kann nicht gedacht werden ohne den Besucher, der darin ist, für den er stimmungsvoll erbaut ist. Denken Sie sich den griechischen Tempel ganz für sich hingestellt, nur belebt vom Gott, so haben wir ihn ganz. Das ist nicht symbolisch aufzufassen oder auszudeuten. Zum gotischen Tempel gehört der andächtige Gläubige. Und wer den Raum nicht als Leere versteht, sondern durchzogen von Kräften, wer da weiß, daß sich im Raume Kräfte kristallisieren und wer diese Kräfte spürt, der fühlt, daß sich im griechischen Tempel etwas herauskristallisiert hat aus den dynamischen Kräften der Welt. Wer ein Gefühl dafür hat, so stark, daß er diese Wesenheiten wahrnehmen kann, der weiß, daß durch den Raum Kräfte schießen. Von der Belebtheit des Raumes wußten die Griechen. Man kann am besten sich davon überzeugen, wie das Denken, das Fühlen, das Wollen konkret geworden ist, wenn man mit der griechischen die romanische Baukunst vergleicht, bei der wir vielfach sehen, wie die Säule zum Beispiel herausgehoben ist aus ihrer Raumesaufgabe als Träger. Die romanische Baukunst ist auch groß, hat aber viel Dekoratives, unter anderem eben diese Säulen, für die keine tiefere Motivierung da ist. Es fehlt aber der Sinn dafür, es fehlt der Raumessinn. Die Säule ist da, doch erfüllt sie ihren Zweck nicht. Das alles hängt zusammen mit den Entwickelungsstufen des menschlichen Geistes. Nur durch diesen Anthropomorphismus konnte die Menschheit vorbereitet werden zur Auffassung des Gottmenschen, zur Auffassung des in dem Menschen selbst wohnenden Gottes. Das aber ist das Christentum, das vom Okkultismus auch Theomorphismus genannt wird.
[ 7 ] Es ist ja vielleicht nur noch einmal in der Entwickelung der Menschheit geschehen, daß architektonische Gedanken geschaffen wurden: das ist der Gedanke der gotischen Architektur. Und wenn wir den gotischen Gedanken in Gegensatz bringen zu dem griechischen architektonischen Gedanken, so müssen wir sagen: In der Gotik haben wir es eigentlich gar nicht mehr mit einer reinen Architektur zu tun, sondern mit einer in den Formen nur andeutungsweise vorhandenen Ausprägung des in das Gefühl hineindrängenden mystischen Elementes. Die Gotik ist nicht die restlose Ausprägung dieses Gedankens. Der griechische Tempel dagegen ist das Wohnhaus des Gottes und ganz als solches zu verstehen. Denn man denke sich den Gott schöpferisch im Raume, seine Kräfte den Raum durchflutend, wie er sich gleichsam selbst einen Körper bildet, wie er sich ein Kleid webt, so haben wir den griechischen Tempel. Und wir wissen, wenn wir ihn vor uns stehen haben: das ist das Wohnhaus des Gottes. Der gotische Dom ist das nicht; er ist ein Bethaus. Er kann nicht gedacht werden ohne den Besucher, der darin ist, für den er stimmungsvoll erbaut ist. Denken Sie sich den griechischen Tempel ganz für sich hingestellt, nur belebt vom Gott, so haben wir ihn ganz. Das ist nicht symbolisch aufzufassen oder auszudeuten. Zum gotischen Tempel gehört der andächtige Gläubige. Und wer den Raum nicht als Leere versteht, sondern durchzogen von Kräften, wer da weiß, daß sich im Raume Kräfte kristallisieren und wer diese Kräfte spürt, der fühlt, daß sich im griechischen Tempel etwas herauskristallisiert hat aus den dynamischen Kräften der Welt. Wer ein Gefühl dafür hat, so stark, daß er diese Wesenheiten wahrnehmen kann, der weiß, daß durch den Raum Kräfte schießen. Von der Belebtheit des Raumes wußten die Griechen. Man kann am besten sich davon überzeugen, wie das Denken, das Fühlen, das Wollen konkret geworden ist, wenn man mit der griechischen die romanische Baukunst vergleicht, bei der wir vielfach sehen, wie die Säule zum Beispiel herausgehoben ist aus ihrer Raumesaufgabe als Träger. Die romanische Baukunst ist auch groß, hat aber viel Dekoratives, unter anderem eben diese Säulen, für die keine tiefere Motivierung da ist. Es fehlt aber der Sinn dafür, es fehlt der Raumessinn. Die Säule ist da, doch erfüllt sie ihren Zweck nicht. Das alles hängt zusammen mit den Entwickelungsstufen des menschlichen Geistes. Nur durch diesen Anthropomorphismus konnte die Menschheit vorbereitet werden zur Auffassung des Gottmenschen, zur Auffassung des in dem Menschen selbst wohnenden Gottes. Das aber ist das Christentum, das vom Okkultismus auch Theomorphismus genannt wird.
[ 8 ] Im Christentum fließen alle verschiedenen Göttergestalten zusammen in der einen lebendigen Gestalt des Christus Jesus. Dazu war nötig eine große, gewaltige Vertiefung der Menschheit, eine Vertiefung, welche die Menschheit fähig machte, nicht nur die lebendige Form des Raumes zu denken, wie es in der griechischen Plastik zum Ausdruck kommt, sondern die sich aufschwingen konnte zu dem Gedanken, die Innerlichkeit äußerlich zu sehen, zu dem Glauben, daß das Ewige in einer historischen Gestalt wirklich auf Erden im RäumlichZeitlichen gelebt hat. Das ist das Wesentliche im Christentum. Diese Idee bedeutete den größten Fortschritt, den die Menschheit auf Erden machen konnte.
[ 8 ] Im Christentum fließen alle verschiedenen Göttergestalten zusammen in der einen lebendigen Gestalt des Christus Jesus. Dazu war nötig eine große, gewaltige Vertiefung der Menschheit, eine Vertiefung, welche die Menschheit fähig machte, nicht nur die lebendige Form des Raumes zu denken, wie es in der griechischen Plastik zum Ausdruck kommt, sondern die sich aufschwingen konnte zu dem Gedanken, die Innerlichkeit äußerlich zu sehen, zu dem Glauben, daß das Ewige in einer historischen Gestalt wirklich auf Erden im RäumlichZeitlichen gelebt hat. Das ist das Wesentliche im Christentum. Diese Idee bedeutete den größten Fortschritt, den die Menschheit auf Erden machen konnte.
[ 9 ] Wir brauchen nur zu vergleichen - und wir dürfen diesen Vergleich machen — den griechischen Tempel, der ein Wohnhaus des Gottes ist, mit dem, was später die christliche Kirche wird, wie sie am reinsten sich in der Gotik ausprägt, so werden wir sehen, daß in den äußeren Formen sogar ein Rückschritt eintreten muß, wenn man das Ewige im Zeitlichen, Räumlichen dargestellt haben will. Und dasjenige, was eine spätere Kunst erreicht dadurch, daß sie das Innere im Äußeren zum Ausdruck bringt, das steht durchaus unter dem Eindruck der christlichen Geistesströmung. Im Grunde genommen muß man sagen, daß man es begreifen kann, daß die Architektur am schönsten werden konnte da, wo man noch hängen konnte mit ganzer Seele an den äußeren Kräften, die durch den Raum fluten.
[ 9 ] Wir brauchen nur zu vergleichen - und wir dürfen diesen Vergleich machen — den griechischen Tempel, der ein Wohnhaus des Gottes ist, mit dem, was später die christliche Kirche wird, wie sie am reinsten sich in der Gotik ausprägt, so werden wir sehen, daß in den äußeren Formen sogar ein Rückschritt eintreten muß, wenn man das Ewige im Zeitlichen, Räumlichen dargestellt haben will. Und dasjenige, was eine spätere Kunst erreicht dadurch, daß sie das Innere im Äußeren zum Ausdruck bringt, das steht durchaus unter dem Eindruck der christlichen Geistesströmung. Im Grunde genommen muß man sagen, daß man es begreifen kann, daß die Architektur am schönsten werden konnte da, wo man noch hängen konnte mit ganzer Seele an den äußeren Kräften, die durch den Raum fluten.
[ 10 ] So sehen wir, wie der religiöse Gedanke sich immer mehr vertieft in der nachatlantischen Zeit, wie die Menschen ihre Hinweise suchen für das Übersinnliche. Nicht schwer wird es werden, in allem, was hier gesagt ist, Hinweise zu sehen für die Sehnsucht der Menschen, einzudringen in die äußere Form, in die äußere Form irgendwie das Über 4er sinnliche zu bannen. Darauf hin zielen die allerursprünglichsten Urgründe der Kunst. Mit dem Christentum haben wir sozusagen unsere Zeit erreicht. Aus diesem jetzt angeführten, im Zusammenhang mit verschiedenem anderen, was über die Entwickelung der nachatlantischen Zeit gesagt ist, werden Sie erkennen, daß der Gang der Menschheit immer mehr und mehr nach der Verinnerlichung hinstrebt. Es gibt auch in den verschiedenen Rassen ein immer größeres Bewußtsein von der Verinnerlichung im Äußeren.
[ 10 ] So sehen wir, wie der religiöse Gedanke sich immer mehr vertieft in der nachatlantischen Zeit, wie die Menschen ihre Hinweise suchen für das Übersinnliche. Nicht schwer wird es werden, in allem, was hier gesagt ist, Hinweise zu sehen für die Sehnsucht der Menschen, einzudringen in die äußere Form, in die äußere Form irgendwie das Über 4er sinnliche zu bannen. Darauf hin zielen die allerursprünglichsten Urgründe der Kunst. Mit dem Christentum haben wir sozusagen unsere Zeit erreicht. Aus diesem jetzt angeführten, im Zusammenhang mit verschiedenem anderen, was über die Entwickelung der nachatlantischen Zeit gesagt ist, werden Sie erkennen, daß der Gang der Menschheit immer mehr und mehr nach der Verinnerlichung hinstrebt. Es gibt auch in den verschiedenen Rassen ein immer größeres Bewußtsein von der Verinnerlichung im Äußeren.
[ 11 ] Wir möchten sagen, in den griechischen Götterbildern sehen wir, wie das, was in dem Menschen innerlich lebt, sich herausergießt in die äußere Welt. Im Christentum ist der wichtigste Impuls nach dieser Richtung gegeben. Wir sehen mit dem Christentum dasjenige heraufkommen, was man bis in unsere Zeit Wissenschaft nennt. Denn das, was man heute so nennt, die Erfassung der gedanklichen Urgründe des Daseins, fängt ja erst an in der chaldäischen Zeit. Jetzt, in unserer Zeit, leben wir wirklich in einem großen Umschwunge in der Menschheitsentwickelung.
[ 11 ] Wir möchten sagen, in den griechischen Götterbildern sehen wir, wie das, was in dem Menschen innerlich lebt, sich herausergießt in die äußere Welt. Im Christentum ist der wichtigste Impuls nach dieser Richtung gegeben. Wir sehen mit dem Christentum dasjenige heraufkommen, was man bis in unsere Zeit Wissenschaft nennt. Denn das, was man heute so nennt, die Erfassung der gedanklichen Urgründe des Daseins, fängt ja erst an in der chaldäischen Zeit. Jetzt, in unserer Zeit, leben wir wirklich in einem großen Umschwunge in der Menschheitsentwickelung.
[ 12 ] Überblicken wir nun das, was wir skizzenhaft betrachtet haben und fragen wir uns: Warum ist das alles so geschehen, warum hat sich der Mensch dazu entwickelt, das Innere dem Äußeren einzuprägen? — so ist die Antwort diese, daß der Mensch durch die Entwickelung seiner Organisation dazu gedrängt worden ist. Die alten Atlantier konnten Wahrnehmungen machen in der übersinnlichen Welt, weil bei ihnen der Ätherleib noch nicht ganz hineingezogen war in den physischen Leib. Ein Punkt des Ätherkopfes deckte sich noch nicht mit dem entsprechenden Punkt im physischen Kopfe. In dem völligen Durchdringen des Ätherleibes mit dem physischen Leib ist der Grund gegeben dafür, daß der Mensch jetzt mehr hinausgedrängt wird in die äußere Welt.
[ 12 ] Überblicken wir nun das, was wir skizzenhaft betrachtet haben und fragen wir uns: Warum ist das alles so geschehen, warum hat sich der Mensch dazu entwickelt, das Innere dem Äußeren einzuprägen? — so ist die Antwort diese, daß der Mensch durch die Entwickelung seiner Organisation dazu gedrängt worden ist. Die alten Atlantier konnten Wahrnehmungen machen in der übersinnlichen Welt, weil bei ihnen der Ätherleib noch nicht ganz hineingezogen war in den physischen Leib. Ein Punkt des Ätherkopfes deckte sich noch nicht mit dem entsprechenden Punkt im physischen Kopfe. In dem völligen Durchdringen des Ätherleibes mit dem physischen Leib ist der Grund gegeben dafür, daß der Mensch jetzt mehr hinausgedrängt wird in die äußere Welt.
[ 13 ] Als die Pforten sich schlossen vor der übersinnlichen Welt, brauchte der Mensch in seiner künstlerischen Entwickelung ein Band, eine Verbindung der sinnlichen mit der übersinnlichen Welt. Früher, in der atlantischen Zeit, brauchte er das nicht, denn damals war er noch imstande, aus unmittelbarer Erfahrung die übersinnliche Welt kennenzulernen. Von den Göttern und Geistern brauchte man den Menschen erst zu erzählen, als sie die Wahrnehmung dafür verloren hatten, gerade wie man von Pflanzen nur denjenigen Menschen erzählen muß, die sie nie gesehen haben. Das ist der Grund der religiösen Entwickelung der nachatlantischen Zeit. Warum mußte denn ein Wesen übersinnlicher Art wie Christus in einer endlichen Persönlichkeit, in Jesus erscheinen und auf Erden wandeln? Warum mußte Christus eine historische Persönlichkeit werden? Warum mußten die Blicke der Menschen gebannt werden auf diese Gestalt? Wir haben gesagt, daß die Menschen nicht mehr hineinschauen konnten in die übersinnliche Welt. Was mußte geschehen, daß der Gott für sie eine Erfahrung werden konnte? Er mußte sinnlich werden, in einem sinnlich-physischen Leibe sich verkörpern. Das ist die Antwort auf die Frage. Solange die Menschen im Geistigen wahrnehmen konnten, solange sie dort in übersinnlicher Erfahrung die Götter wahrnehmen konnten, hätte kein Gott Mensch zu werden brauchen. Aber jetzt mußte der Gott da sein innerhalb der sinnlichen Welt. Aus diesen Gefühlen heraus sind die Worte der Jünger geflossen zur Bekräftigung dieser Tatsache: «Wir haben unsere Hände in seine Wunden gelegt... .», und ähnliche. So sehen wir, wie die Erscheinung des Christus Jesus selbst uns aus der Natur der nachatlantischen Menschen klar wird, wie wir erkennen, warum eigentlich Christus für die sinnliche Wahrnehmung sich offenbaren mußte. Die stärkste historische Tatsache mußte da sein für die Menschen. Das geistige Selbst mußte auf sinnliche Art da sein, damit die Menschen einen Anhaltspunkt hatten, der sie verbinden konnte mit der übersinnlichen Welt.
[ 13 ] Als die Pforten sich schlossen vor der übersinnlichen Welt, brauchte der Mensch in seiner künstlerischen Entwickelung ein Band, eine Verbindung der sinnlichen mit der übersinnlichen Welt. Früher, in der atlantischen Zeit, brauchte er das nicht, denn damals war er noch imstande, aus unmittelbarer Erfahrung die übersinnliche Welt kennenzulernen. Von den Göttern und Geistern brauchte man den Menschen erst zu erzählen, als sie die Wahrnehmung dafür verloren hatten, gerade wie man von Pflanzen nur denjenigen Menschen erzählen muß, die sie nie gesehen haben. Das ist der Grund der religiösen Entwickelung der nachatlantischen Zeit. Warum mußte denn ein Wesen übersinnlicher Art wie Christus in einer endlichen Persönlichkeit, in Jesus erscheinen und auf Erden wandeln? Warum mußte Christus eine historische Persönlichkeit werden? Warum mußten die Blicke der Menschen gebannt werden auf diese Gestalt? Wir haben gesagt, daß die Menschen nicht mehr hineinschauen konnten in die übersinnliche Welt. Was mußte geschehen, daß der Gott für sie eine Erfahrung werden konnte? Er mußte sinnlich werden, in einem sinnlich-physischen Leibe sich verkörpern. Das ist die Antwort auf die Frage. Solange die Menschen im Geistigen wahrnehmen konnten, solange sie dort in übersinnlicher Erfahrung die Götter wahrnehmen konnten, hätte kein Gott Mensch zu werden brauchen. Aber jetzt mußte der Gott da sein innerhalb der sinnlichen Welt. Aus diesen Gefühlen heraus sind die Worte der Jünger geflossen zur Bekräftigung dieser Tatsache: «Wir haben unsere Hände in seine Wunden gelegt... .», und ähnliche. So sehen wir, wie die Erscheinung des Christus Jesus selbst uns aus der Natur der nachatlantischen Menschen klar wird, wie wir erkennen, warum eigentlich Christus für die sinnliche Wahrnehmung sich offenbaren mußte. Die stärkste historische Tatsache mußte da sein für die Menschen. Das geistige Selbst mußte auf sinnliche Art da sein, damit die Menschen einen Anhaltspunkt hatten, der sie verbinden konnte mit der übersinnlichen Welt.
[ 14 ] Die bloße Wissenschaft artete immer mehr aus in eine Verehrung, eine Anbetung der äußeren Welt. Darin haben wir heute einen Höhepunkt erreicht. Das Christentum war eine starke Stütze gegen dieses Aufgehen im Sinnlichen. Heute muß das Christentum erfaßt werden in theosophischer Vertiefung, um in neuem Verständnis vor die Menschen hintreten zu können. Früher, im Mittelalter, gab es noch eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Christentum. Heute brauchen wir eine übersinnliche Vertiefung des Wissens, der Weisheit selber, um das Christentum in seiner ganzen Tiefe zu verstehen. So stehen wir vor einer geistigen Auffassung des Christentums. Das ist die nächste Stufe, das theosophische oder geisteswissenschaftliche Christentum. Dagegen wird die auf das Materielle gehende Wissenschaft den Zusammenhang mit den übersinnlichen Welten mehr und mehr verlieren.
[ 14 ] Die bloße Wissenschaft artete immer mehr aus in eine Verehrung, eine Anbetung der äußeren Welt. Darin haben wir heute einen Höhepunkt erreicht. Das Christentum war eine starke Stütze gegen dieses Aufgehen im Sinnlichen. Heute muß das Christentum erfaßt werden in theosophischer Vertiefung, um in neuem Verständnis vor die Menschen hintreten zu können. Früher, im Mittelalter, gab es noch eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Christentum. Heute brauchen wir eine übersinnliche Vertiefung des Wissens, der Weisheit selber, um das Christentum in seiner ganzen Tiefe zu verstehen. So stehen wir vor einer geistigen Auffassung des Christentums. Das ist die nächste Stufe, das theosophische oder geisteswissenschaftliche Christentum. Dagegen wird die auf das Materielle gehende Wissenschaft den Zusammenhang mit den übersinnlichen Welten mehr und mehr verlieren.
[ 15 ] Welches ist nun die Aufgabe der Geisteswissenschaft? Kann der den Geist suchende Mensch hinblicken auf die heutige übliche Wissenschaft? Das, was die heute übliche Wissenschaft ist, das ist gerade das, was immer mehr den Gang der nachatlantischen Entwickelung einschlagen wird und immer mehr nur auf das Äußere, Physische, Materielle hingehen wird, immer mehr den Zusammenhang verlieren wird mit der geistigen Welt. Verfolgen Sie, welche Wissenschaft es auch sein mag, zurück in frühere Zeiten: Wie viele geistige Elemente waren doch früher darin!
[ 15 ] Welches ist nun die Aufgabe der Geisteswissenschaft? Kann der den Geist suchende Mensch hinblicken auf die heutige übliche Wissenschaft? Das, was die heute übliche Wissenschaft ist, das ist gerade das, was immer mehr den Gang der nachatlantischen Entwickelung einschlagen wird und immer mehr nur auf das Äußere, Physische, Materielle hingehen wird, immer mehr den Zusammenhang verlieren wird mit der geistigen Welt. Verfolgen Sie, welche Wissenschaft es auch sein mag, zurück in frühere Zeiten: Wie viele geistige Elemente waren doch früher darin!
[ 16 ] Sie werden überall sehen, in der Medizin und auf anderen Gebieten, wie der geistige Zusammenhang immer mehr verschwunden ist. Das können Sie überall verfolgen. Und dieser Gang muß so sein, denn der Gang der nachatlantischen Zeit ist so, daß jener ursprüngliche Zusammenhang mit der übersinnlichen Welt immer mehr verlorengehen muß. Wir können heute den Gang der Wissenschaft voraussagen. Die äußere Wissenschaft wird nicht, wieviel auch Versuche gemacht werden, einer spirituellen Vertiefung fähig sein. Sie wird immer mehr in dasjenige übergehen, was eine höhere Anleitung zu technischen Handfertigkeiten ist, ein Mittel zur Beherrschung der äußeren Welt. Mathematik war für den Pythagoreer noch ein Mittel, in den Zusammenhang der höheren Welten, in die Weltenharmonie hineinzusehen; für den heutigen Menschen ist sie ein Mittel, die Technik weiter auszugestalten und damit die äußere Welt zu beherrschen. Verweltlicht, unphilosophisch gemacht — das wird der Gang der äußeren Wissenschaft sein. Aus der spirituellen Entwickelung werden sich alle Menschen ihre Impulse zu holen haben. Und diese spirituelle Entwickelung schlägt den Gang zum spirituellen Christentum ein. Die Geisteswissenschaft wird dasjenige sein, was die Impulse für jedes geistige Leben zu geben imstande ist.
[ 16 ] Sie werden überall sehen, in der Medizin und auf anderen Gebieten, wie der geistige Zusammenhang immer mehr verschwunden ist. Das können Sie überall verfolgen. Und dieser Gang muß so sein, denn der Gang der nachatlantischen Zeit ist so, daß jener ursprüngliche Zusammenhang mit der übersinnlichen Welt immer mehr verlorengehen muß. Wir können heute den Gang der Wissenschaft voraussagen. Die äußere Wissenschaft wird nicht, wieviel auch Versuche gemacht werden, einer spirituellen Vertiefung fähig sein. Sie wird immer mehr in dasjenige übergehen, was eine höhere Anleitung zu technischen Handfertigkeiten ist, ein Mittel zur Beherrschung der äußeren Welt. Mathematik war für den Pythagoreer noch ein Mittel, in den Zusammenhang der höheren Welten, in die Weltenharmonie hineinzusehen; für den heutigen Menschen ist sie ein Mittel, die Technik weiter auszugestalten und damit die äußere Welt zu beherrschen. Verweltlicht, unphilosophisch gemacht — das wird der Gang der äußeren Wissenschaft sein. Aus der spirituellen Entwickelung werden sich alle Menschen ihre Impulse zu holen haben. Und diese spirituelle Entwickelung schlägt den Gang zum spirituellen Christentum ein. Die Geisteswissenschaft wird dasjenige sein, was die Impulse für jedes geistige Leben zu geben imstande ist.
[ 17 ] Es wird ja die Wissenschaft immer mehr technische Anleitung. Und das Universitätsleben gleitet immer mehr in das Fachschulleben hinüber und das ist das Richtige. Alles Geistige wird sich zu einem freien Menschengut entwickeln, das aus der Wissenschaft heraus muß. Die Wissenschaft wird dann in einem ganz anderen Zusammenhange, in einer ganz anderen Form wieder auftreten. Da ist es für die heutige Menschheit notwendig, daß das Wiederanknüpfen an die großen Erfahrungen der übersinnlichen Welten geschehe. Daß es notwendig ist, können Sie sehen, wenn Sie sich klarmachen, was werden wird, wenn das nicht geschieht. Der Ätherkopf ist jetzt hineingezogen in den Menschen; das Verknüpftsein des Ätherleibes mit dem physischen Leibe, das steht heute im Höhepunkt der Entwickelung. Deshalb ist niemals der Prozentsatz der Menschen, die übersinnliche Erfahrungen machen könnten, geringer gewesen. Aber der Gang der Entwickelung der Menschheit bewegt sich so vorwärts, daß ein Wiederheraustreten des Ätherleibes ganz von selbst wieder eintritt. Und das hat jetzt schon angefangen. Wieder tritt der Ätherleib heraus, er wird wieder selbständiger, freier und wird in der Zukunft wieder so außerhalb des physischen Leibes sein wie in früher Vorzeit. Die Lockerung des Ätherleibes muß wieder eintreten, und das hat schon jetzt angefangen. Nun muß aber der Mensch in seinem heraustretenden Ätherleib das mitnehmen, was er im physischen Leibe erlebt hat, besonders das physische Ereignis von Golgatha, das er physisch, das heißt in einem Erdendasein erleben muß. Sonst geht ihm etwas unwiederbringlich verloren: der Ätherleib zöge sich heraus, ohne daß er etwas Wesentliches mitnimmt, und leer im Ätherleib würden solche Menschen bleiben. Aber diejenigen, welche das spirituelle Christentum durcherlebt haben, werden im Ätherleibe in Fülle das haben, was sie im physischen Leibe durchgemacht haben.
[ 17 ] Es wird ja die Wissenschaft immer mehr technische Anleitung. Und das Universitätsleben gleitet immer mehr in das Fachschulleben hinüber und das ist das Richtige. Alles Geistige wird sich zu einem freien Menschengut entwickeln, das aus der Wissenschaft heraus muß. Die Wissenschaft wird dann in einem ganz anderen Zusammenhange, in einer ganz anderen Form wieder auftreten. Da ist es für die heutige Menschheit notwendig, daß das Wiederanknüpfen an die großen Erfahrungen der übersinnlichen Welten geschehe. Daß es notwendig ist, können Sie sehen, wenn Sie sich klarmachen, was werden wird, wenn das nicht geschieht. Der Ätherkopf ist jetzt hineingezogen in den Menschen; das Verknüpftsein des Ätherleibes mit dem physischen Leibe, das steht heute im Höhepunkt der Entwickelung. Deshalb ist niemals der Prozentsatz der Menschen, die übersinnliche Erfahrungen machen könnten, geringer gewesen. Aber der Gang der Entwickelung der Menschheit bewegt sich so vorwärts, daß ein Wiederheraustreten des Ätherleibes ganz von selbst wieder eintritt. Und das hat jetzt schon angefangen. Wieder tritt der Ätherleib heraus, er wird wieder selbständiger, freier und wird in der Zukunft wieder so außerhalb des physischen Leibes sein wie in früher Vorzeit. Die Lockerung des Ätherleibes muß wieder eintreten, und das hat schon jetzt angefangen. Nun muß aber der Mensch in seinem heraustretenden Ätherleib das mitnehmen, was er im physischen Leibe erlebt hat, besonders das physische Ereignis von Golgatha, das er physisch, das heißt in einem Erdendasein erleben muß. Sonst geht ihm etwas unwiederbringlich verloren: der Ätherleib zöge sich heraus, ohne daß er etwas Wesentliches mitnimmt, und leer im Ätherleib würden solche Menschen bleiben. Aber diejenigen, welche das spirituelle Christentum durcherlebt haben, werden im Ätherleibe in Fülle das haben, was sie im physischen Leibe durchgemacht haben.
[ 18 ] Am größten ist die Gefahr bei denjenigen, die durch wissenschaftliche Verführung sich von den spirituellen Wahrheiten abgewandt haben. Aber der Anfang des Heraustretens des Ätherleibes ist schon gemacht. Die Nervosität unserer Zeit ist ein Zeichen dafür. Diese wird immer mehr zunehmen, wenn der Mensch das nicht mit hinausnimmt, was das größte Ereignis im physischen Leibe ist. Dazu hat er zwar noch viel Zeit, denn für die große Masse dauert es noch lange, aber einzelne kommen jetzt schon dazu. Würde es aber einen Menschen geben, der niemals das durchgemacht hat im Physischen, was das größte Ereignis in der physischen Welt ist, der niemals die Tiefe des Christentums er An lebt und seinem Ätherleibe einverleibt hat, so würde ihm das bevorstehen, was man nennt den geistigen Tod. Denn die Leere des Ätherleibes wird den geistigen Tod zur Folge haben.
[ 18 ] Am größten ist die Gefahr bei denjenigen, die durch wissenschaftliche Verführung sich von den spirituellen Wahrheiten abgewandt haben. Aber der Anfang des Heraustretens des Ätherleibes ist schon gemacht. Die Nervosität unserer Zeit ist ein Zeichen dafür. Diese wird immer mehr zunehmen, wenn der Mensch das nicht mit hinausnimmt, was das größte Ereignis im physischen Leibe ist. Dazu hat er zwar noch viel Zeit, denn für die große Masse dauert es noch lange, aber einzelne kommen jetzt schon dazu. Würde es aber einen Menschen geben, der niemals das durchgemacht hat im Physischen, was das größte Ereignis in der physischen Welt ist, der niemals die Tiefe des Christentums er An lebt und seinem Ätherleibe einverleibt hat, so würde ihm das bevorstehen, was man nennt den geistigen Tod. Denn die Leere des Ätherleibes wird den geistigen Tod zur Folge haben.
[ 19 ] Der atlantische hellsehende Mensch brauchte keine Religion, weil ihm das Erleben des Übersinnlichen Tatsache war. Von einer solchen Zeit ging alle Entwickelung der Menschen aus. Dann schwand die Anschauung der geistigen Welt. Religere heißt verknüpfen, und so ist Religion eine Verknüpfung des Sinnlichen mit dem Übersinnlichen. Die Zeit des heraufziehenden Materialismus brauchte die Religion. Aber es wird die Zeit kommen, in der die Menschen wiederum Erfahrungen haben können in der übersinnlichen Welt. Dann werden sie keine Religion mehr brauchen. Das neue Schauen hat zur Voraussetzung das Mitbringen des spirituellen Christentums, es wird die Konsequenz des Christentums sein. Das begründet den Satz, den ich Sie bitte, sich als besonders wichtig zu merken: Das Christentum hat begonnen als Religion, aber es ist größer als alle Religionen.
[ 19 ] Der atlantische hellsehende Mensch brauchte keine Religion, weil ihm das Erleben des Übersinnlichen Tatsache war. Von einer solchen Zeit ging alle Entwickelung der Menschen aus. Dann schwand die Anschauung der geistigen Welt. Religere heißt verknüpfen, und so ist Religion eine Verknüpfung des Sinnlichen mit dem Übersinnlichen. Die Zeit des heraufziehenden Materialismus brauchte die Religion. Aber es wird die Zeit kommen, in der die Menschen wiederum Erfahrungen haben können in der übersinnlichen Welt. Dann werden sie keine Religion mehr brauchen. Das neue Schauen hat zur Voraussetzung das Mitbringen des spirituellen Christentums, es wird die Konsequenz des Christentums sein. Das begründet den Satz, den ich Sie bitte, sich als besonders wichtig zu merken: Das Christentum hat begonnen als Religion, aber es ist größer als alle Religionen.
[ 20 ] Das, was das Christentum gibt, wird mitgenommen werden in alle Zeiten der Zukunft und wird noch einer der wichtigsten Impulse der Menschheit sein, wenn es keine Religion mehr geben wird. Selbst wenn die Menschen das religiöse Leben überwunden haben werden, wird das Christentum doch bleiben. Daß es erst Religion war, hängt mit der Entwickelung der Menschheit zusammen; aber das Christentum ist als Weltauffassung größer als alle Religionen.
[ 20 ] Das, was das Christentum gibt, wird mitgenommen werden in alle Zeiten der Zukunft und wird noch einer der wichtigsten Impulse der Menschheit sein, wenn es keine Religion mehr geben wird. Selbst wenn die Menschen das religiöse Leben überwunden haben werden, wird das Christentum doch bleiben. Daß es erst Religion war, hängt mit der Entwickelung der Menschheit zusammen; aber das Christentum ist als Weltauffassung größer als alle Religionen.
