From the Pictorial Script
of the Apocalypse of John
GA 104a
9 May 1909, Munich
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Reading the Pictures of the Apocalypse, tr. Hindes
Erster Vortrag
Lecture II-1
[ 1 ] Wir haben oft davon gesprochen, daß man Theosophie nicht als etwas Neues zu betrachten hat. Andere, äußere Strömungen des Wissens wollen oft gerne etwas Neues sein; aber Theosophie will und soll der für unsere Zeit passende Ausdruck sein für das Weisheitsstreben, wie es durch alle Zeiten geht; Theosophie sieht in allen zeitlichen Offenbarungen verschiedene Formen einer Urweisheit, wie sie durch alle Zeiten strömt.
[ 1 ] We have often said that Theosophy should not be regarded as something new. Other, external approaches of knowledge often want to see something new. But Theosophy wants to be, and should be, an expression of the striving for wisdom appropriate for our time, a manifestation of the striving that has existed through all time. Theosophy sees in all the temporal manifestations the various forms of a primal wisdom that has been flowing through all ages.
[ 2 ] Die Apokalypse, die zu den ältesten Urkunden des Christentums gehört, wurde zu allen Zeiten des Christentums in der verschiedensten Weise erklärt; und diese verschiedenen Erklärungen trugen immer den Charakter des subjektiven Auffassens der verschiedenen Epochen. Im großen und ganzen, wenn wir rasch den Blick schweifen lassen über die Jahrhunderte christlicher Entwickelung, können wir aber schon in älteren Zeiten den aufkeimenden materialistischen Sinn an dieses Buch herantreten sehen. Da finden wir, wie schon bald der Fehler gemacht worden ist, in den Bildern der Apokalypse bestimmte Vorgänge der Erden- und Menschheitsentwickelung zu sehen, wie zum Beispiel das Herabsteigen des verkündeten Messias in die Welt oder gar die Errichtung eines himmlischen Reiches auf dieser Welt im physischen Sinne. Als nun darauffolgende Zeiten gar nichts von alledem erfüllten und enthüllten, glaubte man in den verschiedenen Gegenden des Abendlandes, daß man sich in der Zeitangabe geirrt hätte und schob die Erfüllung der Weissagung immer mehr hinaus. Um das 12., 13. Jahrhundert fing man dann wieder an, die Apokalypse mehr innerlich zu deuten. So fing man in jener Zeit an, in der Veräußerlichung des Christentums mehr und mehr das Reich des Antichrist zu sehen. Die römische Kirche selbst wurde vielen zum Ausdruck dieses Reiches des Antichrist; die römische Kirche dagegen sah wiederum dasselbe im Protestantismus.
[ 2 ] The Apocalypse, which belongs among the oldest ancient documents of Christianity, has been explained in the most various ways during every age of Christianity. These explanations always carry a subjective imprint of the understanding characteristic of different epochs. On the whole, if we quickly survey the centuries of Christian development, we see, even in the earlier ages, a dawning materialistic interpretation brought to bear on this book. We find the mistake soon made of seeing in the pictures of the Apocalypse certain events in the evolution of the earth and humanity, for example, the descent of the Messiah who had been proclaimed, or even the establishment of a heavenly kingdom in the physical sense in this world. When the subsequent ages neither fulfilled nor revealed any of this, people in the various regions of the Occident believed that a mistake had been made in calculation; the date for the fulfillment of these prophesies was pushed more and more into the future. Around the twelfth and thirteenth centuries the Apocalypse began to be interpreted in a more inner way. At that time people began to see the kingdom of the Antichrist in the externalization of Christianity. For many, the Roman church itself became the expression of this kingdom of the Antichrist; the Roman church, on the other hand, saw the same thing in Protestantism.
[ 3 ] In neueren Zeiten, die so ganz und gar erfüllt sind von materialistischer Gesinnung, sagte man dann, daß der Schreiber der Offenbarung natürlich nichts wissen konnte von der Zukunft, sondern daß er schon hinter ihm liegende Ereignisse beschrieben habe. So meinte man, daß er in dem Tiere mit den zwei Hörnern einen so großen Gegner des Christentums wie den Nero gesehen habe. Wenn weiter die Rede ist von Erschütterungen der Erde, von Heuschreckenschwärmen und so weiter, so läßt sich unschwer nachweisen, daß solche Dinge dazumal über jene Gegenden gekommen sind. Nun, so etwas nennt man dann «objektive Forschung», und doch ist sie ja ganz beeinträchtigt durch subjektive Auffassung.
[ 3 ] In more recent times, times entirely permeated with a materialistic attitude, it has been said that, of course, the writer of the Apocalypse could not have known anything about the future; he was describing events that lie in the past. It was thought, for example, that he saw in the beast with two horns an opponent of Christianity as great as Nero. When the descriptions then went on to include earthquakes, swarms of locusts, and so forth, it was not hard to prove that such events did occur in those regions at that time. That is what is called “objective research”; nevertheless, it is wholly prejudiced by subjective understanding.
[ 4 ] Die Theosophie soll uns nun ein Instrument werden, die Apokalypse wieder spirituell aufzufassen und dadurch in ihren Sinn einzudringen. Nun könnte man meinen, diese Erklärung durch die Theosophie sei auch subjektiv gefärbt wie alle anderen Erklärungen. In einem gewissen Sinne ist sie es auch, doch ist ein Unterschied zwischen ihr und den anderen Erklärungen. Die äußeren Geschichtsschreiber wollen objektiv sein; sie können aber nur subjektiv sein. Wir aber wollen subjektiv in dem Sinne erklären, daß wir in aller Bescheidenheit uns bewußt sind: die Weisheit der Welt ist immer im Einklang mit der fortschreitenden Entwickelung, mit der fortschreitenden Zeit. Wenn wir für unsere Zeit das Richtige tun, so ist das eine in alle Zukunft hineinwirkende Kraft. Die Theosophie darf nicht zu einer Dogmatik werden. Das, was wir heute als Theosophie lehren, das ändert sich nicht seinem Wesen, aber seinen Formen nach. Wenn die Seelen der heutigen Zeit wiedergeboren werden, so werden sie in kommenden Zeiten ebenso reif sein, andere höhere, zukünftige Formen des Geisteslebens aufzunehmen. Unsere Erklärung der Apokalypse wird veralten; künftige Zeiten werden darüber hinausgehen. Aber die Apokalypse selbst wird darum nicht veralten. Sie ist weit größer als unsere Erklärungen und sie wird noch tiefere, noch höhere Erklärungen finden.
[ 4 ] Theosophy should become an instrument for us to spiritually comprehend the Apocalypse again and thereby penetrate its meaning. One could also think that the explanation given by Theosophy is as subjectively colored as all the other explanations. In a certain sense it is, but there is a difference between it and the other explanations. Those who describe history externally want to be objective, but they can only be subjective. We, however, want to explain subjectively in the sense that we are aware, in all modesty, that the wisdom of the world is always in harmony with advancing evolution, with the advance of time. When we do what is right for our time it is a force that works into all of the future. Theosophy must not become a dogmatism. What we teach today as Theosophy will not change in its essence but in its form. When the souls of the present age are born again in future times, they will be mature enough to take up other, higher, future forms of the spiritual life. Our explanation of the Apocalypse will age; future ages will go beyond it. But the Apocalypse itself will not, therefore, age. It is much greater than our explanations and will find even higher, even loftier explanations.
[ 5 ] Rücken wir uns vor die Seele die ersten Zeilen der Offenbarung, wie sie in Wahrheit lauten. Es wird uns gesagt, daß das Geheimnis Jesu Christi uns gegeben wird in Zeichen, daß diese Zeichen zu deuten sind und daß der Schreiber nach Maßgabe seiner Kräfte so viel von den Zeichen zu deuten versucht als möglich. Die Apokalypse ist in anderer Absicht geschrieben worden als das Johannes-Evangelium. Es handelt sich um ein persönliches Erlebnis, wenn der Schreiber uns sagt, daß er die Offenbarung Jesu Christi, die Erscheinung des Christus beschreibt. Es handelt sich also um etwas ähnliches wie das Erlebnis des Paulus vor Damaskus, das Mysterium des Paulus. Paulus ist derjenige, der am allermeisten getan hat zur Verkündigung und Verbreitung des Christentums, trotzdem er nicht zu den Jüngern gehört, die miterlebt haben die Ereignisse von Palästina und auch nicht deren tragischen Ausgang: die Kreuzigung des Christus Jesus. Wir wissen, die Evangelien stellen die Art dar, wie dies alles in die Herzen der damaligen Menschheit eingedrungen ist. Paulus hatte von alledem auch gehört, was in den Evangelien steht. Paulus kannte die Ereignisse von Palästina genau, und trotzdem hatte er gar nicht denken können, daß der am Kreuz Geendete der verheißene Erlöser oder Messias sei. Wie ein gemeiner Verbrecher, so sagte sich der Paulus, kann der Messias nicht enden. Man versteht Paulus schlecht, wenn man nicht einen tieferen Blick in seine Seele tut und in das, was als Wissen in ihm als jüdischen Eingeweihten lebte. Er wußte: Der Erlöser, der Messias hatte sich vorausverkündet im brennenden Dornbusch, im Feuer des Sinai. Darauf weist der Christus Jesus hin, als er sagt: «Wenn ihr aber seinen» — des Moses — «Schriften nicht glaubet, wie werdet ihr meinen Worten glauben?» (Joh. 5, 47) Der Christus sagt damit, daß er sich früher mit äußeren Mitteln, durch die Gewalt der Elemente, verkündet hat, daß er sich aber dann offenbart hat durch das Leben, Leiden und Wohnen im menschlichen Leibe, sozusagen herniedergestiegen ist aus dem Feuer des Sinai. Paulus, der jüdische Eingeweihte, kannte durchaus den vorausverkündeten Christus; denn hinter dem Geheimnis des Moses verbirgt sich folgendes: In der Zeit des Alten Testamentes und in der alten jüdischen Geheimlehre gab es, wie zu allen Zeiten, Mysterien und Eingeweihte. Halten wir uns an den Grundsatz, daß die Einweihung sich auch den Zeitumständen anpassen muß. Betrachten wir sie demnach, so müssen wir damit anfangen, uns den Menschen vorzustellen, wie ihn die Theosophie oder Geisteswissenschaft hinstellt, als viergliedrige Wesenheit, als begabt mit dem physischen Leib, den der Mensch mit dem Mineral gemeinsam hat, mit dem Ätherleib, den er mit dem Pflanzenreich gemeinsam hat, einem astralischen Leib, den auch das Tierreich hat, und endlich dem Ich oder Ich-Träger. So, wie der Mensch da vor uns steht, besteht er aus diesen vier Gliedern. Am Tage sind sie miteinander verbunden, aber während der Nacht sind das Ich und der astralische Leib in der geistigen Welt. So nimmt der heutige Mensch während der Nacht nichts wahr. Wenn der Mensch sich nun zu höherem geistigen Schauen hinaufentwickelt, so muß er gewisse Methoden innerer Entwickelung auf sich anwenden. Wer in die höheren Welten aufsteigen will, muß auf seine Seele wirken lassen Meditation und Konzentration und sich versenken in bestimmte Dinge, von denen eins unter Hunderten zum Beispiel das Rosenkreuz ist.
[ 5 ] Let us place before our souls the first lines of the Apocalypse as they are read in truth. We are told that the mystery of Jesus Christ is given to us in signs, that these signs are to be interpreted and that the writer is attempting to explain—to the best of his ability—as much of the signs as possible. The Apocalypse was written with a different intention than John's Gospel. We are dealing with a personal experience when the writer tells us that he is describing the revelation of Jesus Christ, the appearance of Christ. It is something similar to Paul's experience on the way to Damascus, similar to the mystery of Paul. Paul is the one who did the most to proclaim and spread Christianity despite his not being one of the disciples who experienced the events in Palestine with Jesus. Neither did he experience the tragic ending of those events: the crucifixion of Jesus Christ. Through the descriptions in the Gospels we know how all of this entered into the hearts of humankind at that time. Paul had heard about all that is described in the Gospels. Paul knew exactly what had happened in Palestine; nevertheless, he simply could not imagine that the one who had ended up on the cross was the promised Messiah, the redeemer. The Messiah, Paul said to himself, could not end up like a common criminal. Paul is not well understood unless we look deeply into his soul, unless we look at what lived in him as the knowledge of a Jewish initiate. He knew that the savior, the Messiah, had proclaimed himself ahead of time in the burning bush, in the fire of Mount Sinai. Christ points to this when he says, “But if you do not believe his [Moses'] writings, how will you believe my words?” (John 5:47) With these words Christ is saying that he had announced himself earlier through external means, through the power of the elements, and that he then, however, went on to reveal himself through life, suffering and dwelling in a human body—that he had descended, so to speak, from the fire of Sinai. Certainly the Jewish initiate, Paul, knew of the Christ who had been previously announced; for behind the mystery of Moses lay the following. During the time of the Old Testament and in ancient Jewish occult teaching there were, as in all ages, mysteries and initiates. Let us bear in mind the fundamental principle, that initiation must adapt to the conditions prevailing during any given age. If we consider initiation according to that principle, then we must begin by thinking of the human being as the human being presented by Theosophy or spiritual science. We must think of the human as a four-fold being, a being with four members—as endowed with a physical body in common with the mineral world; an etheric body in common with the plant kingdom; an astral body in common with the animal kingdom; and finally with an I or I-bearer. Standing before us, the human being consists of these four members. During the day they are bound together with one another but at night the I and the astral body are in the spiritual world. During the night the present-day human being perceives nothing. When human beings develop to a higher spiritual vision, they must apply certain methods of inner development to themselves. Anyone wishing to ascend to higher worlds must allow meditations and concentration to work on their soul. They must immerse their souls in certain things; one example among hundreds is the Rose Cross.
[ 6 ] Wenn der heutige Mensch schläft, so kann das alles, was er tagsüber erlebt, keinen so starken Eindruck auf seinen astralischen Leib machen, daß dies in der Nacht weiterwirkt. Wenn der heutige normale Mensch abends einschläft, ist sein Tagesleben wie ausgelöscht. Beim Einweihungsschüler, wenn er auch lange nichts von der Umwandlung seines astralischen Leibes merkt, ist es aber anders. Wenn er anfängt Meditation zu üben und die in okkulten Schulen vorgeschriebenen Übungen auf sich wirken läßt, sieht der Hellseher, während beim gewöhnlichen Menschen etwas Unorganisiertes, Chaotisches zu schauen ist, beim Meditanten ganz andere Strömungen, andere Formen und Organe. Das zeigt sich als Wirkung der Übungen, wenn auch der Schüler selbst lange nichts davon merkt. Es wird sein astralischer Leib ein anderes Wesen, wenngleich auch die Meditation noch so kurz ist. Chaotisch war vorher der astralische Leib, und alles, was der Mensch tat, wurde übertönt durch die Tageseindrücke. Nur die Vorschriften der okkulten Schulung geben etwas, was alle Alltagseindrücke übertönt. Daher nannte man diese Wandlung der Seele: Reinigung oder Katharsis. Der Schüler wird ein Gereinigter, während beim gewöhnlichen Menschen der astralische Leib fortfährt, chaotisch, ungeordnet zu sein.
[ 6 ] When human beings of the present day are asleep what they experience during the day does not make a strong enough impression on their astral body for it to continue working at night. When a normal person of the present day falls asleep in the evening, day life is as if extinguished. With students of initiation it is different, even if they do not notice the transformation of their astral body for a long time. In a meditant who has begun and practices the exercises prescribed in occult schools, a clairvoyant sees entirely different streams, other forms and organs than those unorganized and chaotic forms seen in ordinary people. This shows itself as the results of the exercises even if the students themselves have not noticed any results for a long time. The astral body changes, it becomes a different being even if the meditation is very short. The astral body was chaotic before and everything the human being did was drowned out by the impressions of the day. Only the prescriptions from the occult school provide something that drowns out the impressions from everyday life. Therefore, this transformation of the soul is called purification or catharsis. The student is purified while the astral body continues to be chaotic and unordered in an ordinary person.
[ 7 ] Nun muß aber auch durch den Lehrer dem Schüler zum Bewußtsein gebracht werden, was die geistige Welt um ihn herum ist. Damit nun das, was so im astralischen Leib geschah, sich in den Ätherleib fortpflanzen konnte, wurde in früheren Zeiten folgendes mit dem Schüler vorgenommen. Wenn der Schüler bereit war, sozusagen auf der Höhe der Einweihung stand, hatte er einige Zeit, meist dreieinhalb Tage, liegend zuzubringen, in denen ihn der Initiator in vollständige Lethargie oder Abgestorbenheit brachte. Da wurde dann der Ätherleib herausgehoben und der Astralleib drückte nun alles, was er in sich durch die okkulten Übungen vorbereitet hatte, in den Ätherleib ab. Sonst ist der physische Leib ein Hindernis, um das, was der Mensch in der geistigen Welt erfährt, ihm zum Bewußtsein zu bringen. In diesem Augenblicke nun, da der Initiator den Ätherleib aus dem physischen Leibe holte, trat also die Erleuchtung ein und der Erleuchtete erlebte jetzt die geistige Welt, und nach dreieinhalb Tagen war er eben ein Eiingeweihter, der von den geistigen Welten erzählen konnte.
[ 7 ] Now, the teacher must also make the student aware of the nature of the surrounding spiritual world. For what happens in the astral body to carry over into the etheric body, the following steps were undertaken with the student in earlier times. When the students were ready, at the peak of their initiation, so to speak, they had to spend some time, usually three and a half days, lying down, during which time the initiator brought them to a state of complete lethargy or torpor. The etheric body was then lifted out of the physical body and the astral body impressed into the etheric body all that had been prepared in the astral through occult exercises. Otherwise the physical body is a hindrance to bringing to consciousness what the person experiences in the spiritual world. In this moment, when the initiator led the etheric body out of the physical body, enlightenment occurred and the enlightened one experienced the spiritual world; after three and a half days the student was an initiate who could tell others about the spiritual world.
[ 8 ] Bei den Mysterien der verschiedenen Völker können wir denselben Vorgang finden. Aber bei den Eingeweihten des Alten Testaments war die Einweihung eine andere; denn sie erlebten das, was Moses auf dem Sinai erlebt hatte, noch einmal. So konnten sie dem Volke sagen, daß der Messias erscheinen würde, daß der Messias aus ihrem Volke selbst hervorgehen würde, daß er die Entwickelungsprinzipien aller Menschheitsentwickelung im fleischlichen Leibe selbst verkörpern würde. Das war der höchste Moment der Einweihung, wenn der erleuchtete Hebräer erleben durfte, daß in der Zukunft der Christus erstehen würde. Von alledem wußte der Paulus als jüdischer Eingeweihter; trotzdem konnte er aber vor dem Ereignis von Damaskus nimmermehr glauben, daß der am Kreuz Gestorbene derselbe sei.
[ 8 ] We can find the same process in the mysteries of various ancient peoples. But initiation was different with the initiates of the Old Testament, for they experienced yet again what Moses had experienced at Sinai. In this way they were able to tell the people that the Messiah would appear, that the Messiah would come forth from the nation itself, that he would incarnate the principles of development for all human evolution in a body of flesh. That was the supreme moment of the initiation—when the enlightened Hebrew was allowed to experience that the Christ would arise in the future. Paul, as a Jewish initiate, knew all of this; nevertheless, before the Damascus event he could never have believed that the one who died on the cross was the same one as the Messiah.
[ 9 ] Nun erzählt Paulus von sich, er sei eine Frühgeburt, das heißt ein Eingeweihter aus Gnaden. Das hebt er hervor, daß er die Einweihung nicht erhielt durch stufenweise Schulung; aber er steht doch der geistigen Welt näher als diejenigen Menschen, die tiefer in die Materie hinabgestiegen sind. So konnte er erleben, was die «Krone des Lebens», der letzte Akt in der alttestamentlichen Einweihung, war: die Krönung durch das Erscheinen des Christus. Im Lichtesglanz erschien ihm das, was die alttestamentlichen Eingeweihten immer erlebten; was sie erlebt hatten als Zukunftsereignis, das sah er nun als Erscheinung, die ihm sagte, daß dieses Wesen dasselbe sei wie das, welches im Leibe des Jesus von Nazareth gelebt hatte und starb. Er wußte jetzt: der Messias, der Christus ist schon da.
[ 9 ] Paul said of himself that he was a “premature birth,” that is, an initiate through grace. He stresses that he did not receive initiation through a training that required a sequence of steps. But he stood closer to the spiritual world than those people who had descended deeper into matter. He was able to experience the “crown of life,” the last act in Old Testament initiation. This was the crowning through the appearance of Christ. What the Old Testament initiates always experienced appeared to them in a glorious light. What they had experienced as a future event, he now saw as a vision that told him this being was the same one who had lived and died in the body of Jesus of Nazareth. Now he knew that the Messiah, the Christ, is already here.
[ 10 ] Daß der Christus kommen sollte, das war das größte Ereignis der alten Einweihung gewesen. Daß Er gestorben war und doch lebte, verbunden mit dem irdischen Dasein und fortwirkend in der Menschheitsentwickelung, das sehen wir dann aus allen Briefen des Paulus. Er sah dieses Ereignis als etwas, das schon Gegenwart geworden war.
[ 10 ] The greatest element of the old initiation had been the knowledge that the Messiah was to come, that he had died and yet still lived, now united with earthly existence—and continues to work in the evolution of humankind—this we see from all the letters Paul wrote. He saw this event as something that had already become present.
[ 11 ] Versetzen wir uns einmal in alle anderen Finweihungen, die nicht althebräisch und nicht christlich waren. Da wußte man: In alten atlantischen Zeiten kommen wir zu einer Gestalt des Menschen, die noch ganz anders ist als die heutige. Der Ätherleib ist ja der Bildner des physischen Leibes; durch die Einweihung nun sah man immer das, was als Ätherleib dem physischen Leib zugrunde lag. Man mußte in der geistigen Welt verzichten auf das Bild des physischen Menschenleibes; man sah nur den Ätherleib des Menschen.
[ 11 ] Let us put ourselves in the place of all the other initiates who were not ancient Hebrews and not Christian. They knew that in the ancient Atlantean times we come to a form of the human being entirely different from that of the present. The etheric body creates and forms the physical body, of course, and through initiation they could always see the etheric body that formed the basis for the physical body. In the spiritual world they had to do without a picture of the physical human body; they saw only the etheric body of the human being.
[ 12 ] In der althebräischen Einweihung aber sah man immer als Krönung den physischen Menschen vergeistigt und in die geistige Welt versetzt. Und den Christus verstand man als solchen Menschen, als die erste wirkliche Menschengestalt, die überhaupt von der physischen Welt aus in der geistigen Welt zu sehen sein würde. So sah man in der hebräischen Einweihung, wie in ferner Zukunft durch den «Menschensohn», den Christus, die physische Form geheiligt und gereinigt werden würde. Deshalb wußte der Paulus, daß das, was ihm als Menschengestalt vor Damaskus erschien, kein anderer sein konnte als Christus.
[ 12 ] But the ancient Hebrew initiates always saw the physical human being spiritualized and placed in the spiritual world as its crowning, and such people understood the Christ to be the first real human form that could be seen in the spiritual world from the point of view provided by the physical world. In this way those receiving the Hebrew initiation saw how, in the distant future, the “Son of Man,” the Christ, would heal and purify the physical form. For this reason Paul knew that what appeared to him before Damascus in human form could be none other than the Christ.
[ 13 ] Ein gleiches schildert uns auch der Apokalyptiker, wenn er von dem «Menschensohn» spricht. Er nennt die sieben Gemeinden die «sieben Sterne» und den «Menschensohn» die vergeistigte, gereinigte Form im physischen Leibe, nicht nur im Ätherleibe, sondern das physische Menschenbild verklärt und geheiligt.
[ 13 ] The writer of the Apocalypse describes the same thing to us when he speaks of the “Son of Man.” He calls the seven communities the “seven stars,” and he saw the “Son of Man” as the spiritualized, purified form of the physical body, not only the etheric body, but the spiritual-physical form of “Man,” the human being, now purified and sanctified.
[ 14 ] So stellt er vor uns dasselbe hin, was Paulus vor Damaskus erblickt hatte, und er führt aus, was der Impuls dieses Christus-Ereignisses für die ganze Menschheit bedeuten sollte. Er spricht uns von den sieben Gemeinden in sieben Briefen oder Sendschreiben an die Gemeinden als von der Aufgabe der sieben nachatlantischen Kulturen; und die nach unserem fünften Hauptzeitalter kommenden, uns folgenden sieben Kulturen stellt er dar in den sieben Siegeln; die sieben Kulturen aber des siebenten großen Hauptzeitalters stellt er dar in den sieben Posaunen.
[ 14 ] In this way he places before us the same being that Paul beheld outside Damascus. Then he details what the impulse behind this Christ event should mean for all humanity. He speaks to us of the seven communities in seven letters to the communities. They are messages concerning the tasks of the seven post-Atlantean cultures. In the seven seals, he portrays the seven cultures following our fifth main epoch. [This fifth main epoch is called the post-Atlantean. It consists of seven cultures of which we are now in the fifth with two more to pass before the start of the next main epoch.] And in the seven trumpets, he portrays the seven cultures of the seventh great main epoch.
[ 15 ] Was als heutige Kultur sich abspielt, können wir in der physischen Welt schauen. Aber das, was in der sechsten großen Hauptzeit sich abspielt, das kann man in den Bildern der astralen Welt voraus erleben. Das siebente große Hauptzeitalter hingegen kann man erleben in den Tönen der Sphärenharmonie, in der devachanischen Welt. Man erlebt sie als Folge des Christus-Impulses.
[ 15 ] What takes place in our present-day culture we can see in the physical world. But what will take place in the sixth great main epoch can be seen ahead of time in the pictures of the astral world. The seventh great main epoch, on the other hand, can be experienced in the sounds heard in the harmony of the spheres, in the devachanic world. They are experienced as a result of an impulse given by Christ.
[ 16 ] So ist die Apokalypse die Darstellung dessen, was der christliche Eingeweihte erlebte: die Schilderung der christlichen Einweihung, ein Bild der Erlebnisse eines im christlichen Sinne Eingeweihten, der verstanden hat, was durch den Christus in die Welt gekommen ist.
[ 16 ] In this way, the Apocalypse is a portrayal of what the Christian initiate experienced. It is a description of Christian initiation, a picture of the experiences of a man initiated in the Christian sense who has understood what has come into the world through Christ.
