Anthroposophy's Response
to Universal Questions
GA 108
26 October 1908 a.m., Berlin
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Die Beantwortung von Welt- und Lebensfragen, 3rd ed.
7. Novalis und seine «Hymnen an die Nacht»
7. Novalis und seine «Hymnen an die Nacht»
[ 1 ] Es wird jetzt eine Dichtung vorgetragen werden, für die eigentlich im tieferen Sinne eine entsprechende Stimmung nur dadurch vorhanden sein kann, daß der größte Teil der anwesenden Freunde sich in den letzten Zeiten mit der Materie der spirituellen Welt im Zusammenhange mit der ganzen geschichtlichen Entwickelung der Menschheit eingehend befaßt hat. Was hier zum Vortrag gebracht wird, bringt uns so recht zum Bewußtsein, wie Geisteswissenschaft oder Theosophie nicht etwa bloß durch die Theosophische Gesellschaft in der Welt verkündet wird, sondern daß Theosophie als Lehre, die sich begründet auf die großen okkulten Wahrheiten und Weistümer, etwas ist, was schon in alten Zeiten durch die besten Geister geflossen ist, die nach einer höheren Welt gesucht haben. Und wir können im Grunde genommen in alter und neuer Zeit so manche Persönlichkeiten finden, die uns tatsächlich zeigen, daß sie in ihren Vorstellungen, Ideen, Gefühlen und Empfindungen und in ihren Lebensgesinnungen ganz durchdrungen waren von einer Weltanschauung und aus ihr heraus wirkten, die wir eine theosophische nennen können, und daß sie im Einklang damit ihre ganze Lebenstätigkeit entfalteten. Eine solche ganz eigenartige Persönlichkeit lebte in Novalis während der letzten drei Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts.
[ 1 ] Es wird jetzt eine Dichtung vorgetragen werden, für die eigentlich im tieferen Sinne eine entsprechende Stimmung nur dadurch vorhanden sein kann, daß der größte Teil der anwesenden Freunde sich in den letzten Zeiten mit der Materie der spirituellen Welt im Zusammenhange mit der ganzen geschichtlichen Entwickelung der Menschheit eingehend befaßt hat. Was hier zum Vortrag gebracht wird, bringt uns so recht zum Bewußtsein, wie Geisteswissenschaft oder Theosophie nicht etwa bloß durch die Theosophische Gesellschaft in der Welt verkündet wird, sondern daß Theosophie als Lehre, die sich begründet auf die großen okkulten Wahrheiten und Weistümer, etwas ist, was schon in alten Zeiten durch die besten Geister geflossen ist, die nach einer höheren Welt gesucht haben. Und wir können im Grunde genommen in alter und neuer Zeit so manche Persönlichkeiten finden, die uns tatsächlich zeigen, daß sie in ihren Vorstellungen, Ideen, Gefühlen und Empfindungen und in ihren Lebensgesinnungen ganz durchdrungen waren von einer Weltanschauung und aus ihr heraus wirkten, die wir eine theosophische nennen können, und daß sie im Einklang damit ihre ganze Lebenstätigkeit entfalteten. Eine solche ganz eigenartige Persönlichkeit lebte in Novalis während der letzten drei Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts.
[ 2 ] Nicht dreißig Jahre alt geworden ist Novalis, und es ist zu hoffen, daß durch den Vortrag seiner «Hymnen an die Nacht» das Bewußtsein sich entwickeln wird, daß aus diesen Hymnen heraus spricht so vollkommen, als es in den letzten drei Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts nur möglich war - im umfassendsten Sinne gerade die Erkenntnis dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten.
[ 2 ] Nicht dreißig Jahre alt geworden ist Novalis, und es ist zu hoffen, daß durch den Vortrag seiner «Hymnen an die Nacht» das Bewußtsein sich entwickeln wird, daß aus diesen Hymnen heraus spricht so vollkommen, als es in den letzten drei Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts nur möglich war - im umfassendsten Sinne gerade die Erkenntnis dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten.
[ 3 ] Aus einem der angesehensten adligen Geschlechter ist der mit seinem Profannamen Friedrich von Hardenberg genannte Novalis geboren am 2. Mai 1772. Wer Gelegenheit hat, Weimar zu besuchen, sollte nicht versäumen, die einen tiefen Eindruck machende NovalisBüste sich anzusehen. Sie gehört zu den Dokumenten des klassischen Weimar, aus denen es deutlich spricht, wieviel spirituelle Hochkultur mit dieser Zeit, mit dem Ende des 18. Jahrhunderts verbunden war. Wer sich diese eigenartige Büste ansieht, der wird, wenn er überhaupt dafür eine Empfindung hat, sogar den Eindruck bekommen, daß aus dieser, man möchte sagen, über die Sphäre niederer Menschlichkeit hinausgehenden Physiognomie sich eine Seele ausdrückt, die ganz gegründet war im Okkulten, in den spirituellen Welten. Und dabei ist Novalis eine derjenigen Persönlichkeiten, die ein lebendiger Beweis dafür sind, wie diese Spiritualität, dieses SichErheben in die höchsten für den Menschen erreichbaren geistigen Welten, vereinbar ist mit einem festen praktischen Stehen auf dem Boden der physischen Wirklichkeit. Im Grunde genommen ist Novalis niemals in argen Konflikt gekommen mit den doch ganz konservativen Traditionen, in deren Kreisen seine Familie lebte, wobei namentlich zu berücksichtigen ist, daß in dieser Familie immer eine freie Empfänglichkeit für alles Edle und Gute vorhanden war, auch wenn es als ein zunächst Unbekanntes den Leuten entgegentreten mochte.
[ 3 ] Aus einem der angesehensten adligen Geschlechter ist der mit seinem Profannamen Friedrich von Hardenberg genannte Novalis geboren am 2. Mai 1772. Wer Gelegenheit hat, Weimar zu besuchen, sollte nicht versäumen, die einen tiefen Eindruck machende NovalisBüste sich anzusehen. Sie gehört zu den Dokumenten des klassischen Weimar, aus denen es deutlich spricht, wieviel spirituelle Hochkultur mit dieser Zeit, mit dem Ende des 18. Jahrhunderts verbunden war. Wer sich diese eigenartige Büste ansieht, der wird, wenn er überhaupt dafür eine Empfindung hat, sogar den Eindruck bekommen, daß aus dieser, man möchte sagen, über die Sphäre niederer Menschlichkeit hinausgehenden Physiognomie sich eine Seele ausdrückt, die ganz gegründet war im Okkulten, in den spirituellen Welten. Und dabei ist Novalis eine derjenigen Persönlichkeiten, die ein lebendiger Beweis dafür sind, wie diese Spiritualität, dieses SichErheben in die höchsten für den Menschen erreichbaren geistigen Welten, vereinbar ist mit einem festen praktischen Stehen auf dem Boden der physischen Wirklichkeit. Im Grunde genommen ist Novalis niemals in argen Konflikt gekommen mit den doch ganz konservativen Traditionen, in deren Kreisen seine Familie lebte, wobei namentlich zu berücksichtigen ist, daß in dieser Familie immer eine freie Empfänglichkeit für alles Edle und Gute vorhanden war, auch wenn es als ein zunächst Unbekanntes den Leuten entgegentreten mochte.
[ 4 ] Wenn wir die Biographie von Novalis studieren - sie ist selbst ein Kunstwerk - und sie auf uns wirken lassen, so erscheint uns der Vater als eine dem Praktischen zugewendete Natur. Novalis wurde eigentlich dem bürgerlichen Leben nach für einen ganz praktischen Beruf ausgebildet, für den notwendig war die Kenntnis der Jurisprudenz und der Mathematik. Er wurde Bergingenieur. Es ist hier nicht der Ort, auszuführen, wie er gerade in diesem Berufe ein Entzücken war für die, bei denen er praktizierte. Es ist hier auch nicht die Zeit, zu zeigen, wie die mathematisch-physikalischen Wissenschaften, welche die Grundlagen zu diesem Berufe bildeten, nicht nur in aller Theorie und Praxis völlig von ihm beherrscht wurden, sondern wie er vor allem ein tüchtiger Mathematiker war. Vor allem wichtig ist es, was Novalis als spirituelle Wesenheit von der Mathematik an der inneren Gliederung seines Wesens erzielte.
[ 4 ] Wenn wir die Biographie von Novalis studieren - sie ist selbst ein Kunstwerk - und sie auf uns wirken lassen, so erscheint uns der Vater als eine dem Praktischen zugewendete Natur. Novalis wurde eigentlich dem bürgerlichen Leben nach für einen ganz praktischen Beruf ausgebildet, für den notwendig war die Kenntnis der Jurisprudenz und der Mathematik. Er wurde Bergingenieur. Es ist hier nicht der Ort, auszuführen, wie er gerade in diesem Berufe ein Entzücken war für die, bei denen er praktizierte. Es ist hier auch nicht die Zeit, zu zeigen, wie die mathematisch-physikalischen Wissenschaften, welche die Grundlagen zu diesem Berufe bildeten, nicht nur in aller Theorie und Praxis völlig von ihm beherrscht wurden, sondern wie er vor allem ein tüchtiger Mathematiker war. Vor allem wichtig ist es, was Novalis als spirituelle Wesenheit von der Mathematik an der inneren Gliederung seines Wesens erzielte.
[ 5 ] Wenn Mathematik im einzelnen zeigt, wie sie geeignet macht zu einem Erheben in ein reines sinnlichkeitsfreies Denken, so haben wir, wenn es sich darum handelt, auf ein Musterbeispiel hinzuweisen, ein solches hier bei Novalis, wo die äußere Beobachtung nicht mitspricht. Ihm wurde das Leben in den Vorstellungen der Mathematik zu einem großen Gedicht, das ihn mit Entzücken erfüllte, so daß seine Seele sich erhöht empfand, wenn er sich vertiefte in die Zahlen und Größen. Sie wurde für ihn der Ausdruck des göttlichen Schaffens, des göttlichen Gedankens, wie er in den Kraftrichtungen und Kraftmaßen in den Raum hineinblitzt und sich da kristallisiert. Mathematik wurde für sein Gemüt der Weg zu dem Wärmsten, der Weg zum spirituellen Leben, während sie für die vielen Menschen, welche sie nur von außen kennen, immer etwas Kaltes bleibt. Das ist um so bedeutsamer, als uns bei Novalis diese Spiritualiät in einer Zartheit und Feinheit entgegentritt wie kaum bei irgendeinem anderen der bedeutendsten Geister.
[ 5 ] Wenn Mathematik im einzelnen zeigt, wie sie geeignet macht zu einem Erheben in ein reines sinnlichkeitsfreies Denken, so haben wir, wenn es sich darum handelt, auf ein Musterbeispiel hinzuweisen, ein solches hier bei Novalis, wo die äußere Beobachtung nicht mitspricht. Ihm wurde das Leben in den Vorstellungen der Mathematik zu einem großen Gedicht, das ihn mit Entzücken erfüllte, so daß seine Seele sich erhöht empfand, wenn er sich vertiefte in die Zahlen und Größen. Sie wurde für ihn der Ausdruck des göttlichen Schaffens, des göttlichen Gedankens, wie er in den Kraftrichtungen und Kraftmaßen in den Raum hineinblitzt und sich da kristallisiert. Mathematik wurde für sein Gemüt der Weg zu dem Wärmsten, der Weg zum spirituellen Leben, während sie für die vielen Menschen, welche sie nur von außen kennen, immer etwas Kaltes bleibt. Das ist um so bedeutsamer, als uns bei Novalis diese Spiritualiät in einer Zartheit und Feinheit entgegentritt wie kaum bei irgendeinem anderen der bedeutendsten Geister.
[ 6 ] Novalis war ein Zeitgenosse von Goethe. Man darf aber das, was Novalis an Spirituellem in sich hatte, nicht auf gleiche Stufe stellen mit dem, was Goethe davon hatte. Goethe hatte es durch einen regelrechten, aus den höheren Welten geleiteten Gang einer Initiation bis zu einer bestimmten Stufe hin. Novalis dagegen lebte ein Leben, das man am besten bezeichnen kann, indem man sagt: Dieser junge Mann, der mit neunundzwanzig Jahren den physischen Plan verlassen hat und der dem deutschen Geiste mehr gegeben hat als hundert und tausend andere, er hat ein Leben gelebt, das eigentlich die Erinnerung war an ein vorhergehendes. Durch ein ganz bestimmtes Ereignis wurden die spirituellen Erlebnisse früherer Inkarnationen herausgetrieben, stellten sich vor die Seele hin und flossen in zarten, rhythmisch wogenden Gedichten aus dieser Seele heraus.
[ 6 ] Novalis war ein Zeitgenosse von Goethe. Man darf aber das, was Novalis an Spirituellem in sich hatte, nicht auf gleiche Stufe stellen mit dem, was Goethe davon hatte. Goethe hatte es durch einen regelrechten, aus den höheren Welten geleiteten Gang einer Initiation bis zu einer bestimmten Stufe hin. Novalis dagegen lebte ein Leben, das man am besten bezeichnen kann, indem man sagt: Dieser junge Mann, der mit neunundzwanzig Jahren den physischen Plan verlassen hat und der dem deutschen Geiste mehr gegeben hat als hundert und tausend andere, er hat ein Leben gelebt, das eigentlich die Erinnerung war an ein vorhergehendes. Durch ein ganz bestimmtes Ereignis wurden die spirituellen Erlebnisse früherer Inkarnationen herausgetrieben, stellten sich vor die Seele hin und flossen in zarten, rhythmisch wogenden Gedichten aus dieser Seele heraus.
[ 7 ] So können wir sehen, daß Novalis es verstanden hat, wie der Mensch mit seiner Seele in eine höhere Welt hineingehoben werden kann. Für Novalis gab es die Möglichkeit, zu sehen, wie das wache Tagesleben mit seinem alltäglichen Bewußtsein nur ein Ausschnitt ist im gegenwärtigen Menschheitsleben, und wie jede Seele, die des Abends für die äußere Tageswahrnehmung untertaucht in Unbewußtheit, in Wahrheit untertaucht in die spirituelle Welt. Er war fähig, tief zu empfinden, zu wissen, daß in jenen spirituellen Welten, in welche die Seele des Nachts untertaucht, die höhere spirituelle Realität ist, daß der Tag mit allen Eindrücken, selbst mit den Eindrücken von Sonne und Licht, nur ein Ausschnitt der ganzen spirituellen Wirklichkeit ist. Und die Sterne, die das Licht des Tages wie verstohlen herniedersenden während der Nacht, erschienen ihm nur wie ein schwaches Leuchten, während ihm die Wahrheit gerade des Spirituellen aufging in dem Bewußtsein, das dem Seher aufleuchtet in dem blendenden, hellen astralischen Licht, wenn er in die Nacht hinein sich im Geiste zu versetzen in der Lage ist. So gehen denn die Welten der Nacht, die wahren spirituellen Welten vor Novalis auf, und so wird ihm die Nacht unter diesem Gesichtspunkte wertvoll.
[ 7 ] So können wir sehen, daß Novalis es verstanden hat, wie der Mensch mit seiner Seele in eine höhere Welt hineingehoben werden kann. Für Novalis gab es die Möglichkeit, zu sehen, wie das wache Tagesleben mit seinem alltäglichen Bewußtsein nur ein Ausschnitt ist im gegenwärtigen Menschheitsleben, und wie jede Seele, die des Abends für die äußere Tageswahrnehmung untertaucht in Unbewußtheit, in Wahrheit untertaucht in die spirituelle Welt. Er war fähig, tief zu empfinden, zu wissen, daß in jenen spirituellen Welten, in welche die Seele des Nachts untertaucht, die höhere spirituelle Realität ist, daß der Tag mit allen Eindrücken, selbst mit den Eindrücken von Sonne und Licht, nur ein Ausschnitt der ganzen spirituellen Wirklichkeit ist. Und die Sterne, die das Licht des Tages wie verstohlen herniedersenden während der Nacht, erschienen ihm nur wie ein schwaches Leuchten, während ihm die Wahrheit gerade des Spirituellen aufging in dem Bewußtsein, das dem Seher aufleuchtet in dem blendenden, hellen astralischen Licht, wenn er in die Nacht hinein sich im Geiste zu versetzen in der Lage ist. So gehen denn die Welten der Nacht, die wahren spirituellen Welten vor Novalis auf, und so wird ihm die Nacht unter diesem Gesichtspunkte wertvoll.
[ 8 ] Wodurch kam es, daß eine solche Erinnerung an frühere Inkarnationen bei ihm herauskam? Wodurch kam es, daß die Erlebnisse der okkulten Welt, die wir heute in der okkulten Erkenntnis darstellen können, bei ihm so einzigartig auftauchen konnten? Ihm hatte das Leben losgebunden von der Seele die in ihr schlummernden Weistümer früherer Inkarnationen. Man muß das Ereignis, daß diese spirituellen Erlebnisse herausgeholt hatte aus dieser Seele, selbst in das Licht einer spirituellen Betrachtung rücken, wenn man es verstehen will. Nur kindlicher Unverstand könnte dieses Ereignis in eine Linie stellen mit der Begegnung Goethes und Friederikes zu Sesenheim. Recht grobklotzig nimmt sich ein solcher Vergleich aus.
[ 8 ] Wodurch kam es, daß eine solche Erinnerung an frühere Inkarnationen bei ihm herauskam? Wodurch kam es, daß die Erlebnisse der okkulten Welt, die wir heute in der okkulten Erkenntnis darstellen können, bei ihm so einzigartig auftauchen konnten? Ihm hatte das Leben losgebunden von der Seele die in ihr schlummernden Weistümer früherer Inkarnationen. Man muß das Ereignis, daß diese spirituellen Erlebnisse herausgeholt hatte aus dieser Seele, selbst in das Licht einer spirituellen Betrachtung rücken, wenn man es verstehen will. Nur kindlicher Unverstand könnte dieses Ereignis in eine Linie stellen mit der Begegnung Goethes und Friederikes zu Sesenheim. Recht grobklotzig nimmt sich ein solcher Vergleich aus.
[ 9 ] Während seines Aufenthaltes in Grüningen lernte er ein dreizehnjähriges Mädchen kennen. Und Geheimnisse der Seele spielen sich ab, die man niemals, ohne die Zartheit der Seele zu verletzen, ein Liebesverhältnis nennen darf. Im Grunde genommen haben wir in Sophie von Kühn - so hieß dieses Mädchen - etwas wie ein aus dem Leben verscheidendes Wesen. Sie wurde ja sehr bald krank und starb auch bald darauf. Indem sich der Geist losrang in Sophie von Kühn, ringen sich los in Novalis’ eigenem Innenleben die inneren spirituellen Fähigkeiten.
[ 9 ] Während seines Aufenthaltes in Grüningen lernte er ein dreizehnjähriges Mädchen kennen. Und Geheimnisse der Seele spielen sich ab, die man niemals, ohne die Zartheit der Seele zu verletzen, ein Liebesverhältnis nennen darf. Im Grunde genommen haben wir in Sophie von Kühn - so hieß dieses Mädchen - etwas wie ein aus dem Leben verscheidendes Wesen. Sie wurde ja sehr bald krank und starb auch bald darauf. Indem sich der Geist losrang in Sophie von Kühn, ringen sich los in Novalis’ eigenem Innenleben die inneren spirituellen Fähigkeiten.
[ 10 ] Vielleicht könnte Ihnen, wenn man sich überhaupt darauf einläßt, in keinem anderen Falle die Unfähigkeit einer an die äußere Erfahrung gebundenen Denkweise so sehr vor Augen treten als bei dem, was wir erleben mußten an der Beurteilung dieses Verhältnisses, das nur erkannt werden kann, wenn man es ganz in seiner Spiritualität zu erkennen vermag, durch unsere heutige materielle Zeit. Leute, die sagen, die Wissenschaft müsse sich auf die Dokumente stützen, sie müsse das positiv auf dem physischen Plan Erfaßbare vor allem ins Feld führen, solche Naturwissenschafter, welche die recht verzerrte Seite, die zur Farce gewordene Seite der Naturwissenschaft darstellen, haben es uns erleben lassen, daß sie glaubten, aus den Dokumenten darlegen zu können, daß im Grunde Novalis in Grüningen einer Illusion anheimgefallen sei. Schön wäre die Poesie - so sagen sie -, aber schauen wir uns die Dokumente an, schauen wir uns an, was der Herr von Rockenthien war, bei dem Sophie von Kühn lebte! - Und schauen wir uns - so sagt einer der «Novaliskenner» - einige Briefchen an, die Sophie von Kühn an Novalis geschrieben hat. Sophie von Kühn machte nicht nur in jeder Zeile, sondern fast in jedem Wort einen orthographischen Fehler! Und Novalis wäre einer großen Täuschung zum Opfer gefallen.
[ 10 ] Vielleicht könnte Ihnen, wenn man sich überhaupt darauf einläßt, in keinem anderen Falle die Unfähigkeit einer an die äußere Erfahrung gebundenen Denkweise so sehr vor Augen treten als bei dem, was wir erleben mußten an der Beurteilung dieses Verhältnisses, das nur erkannt werden kann, wenn man es ganz in seiner Spiritualität zu erkennen vermag, durch unsere heutige materielle Zeit. Leute, die sagen, die Wissenschaft müsse sich auf die Dokumente stützen, sie müsse das positiv auf dem physischen Plan Erfaßbare vor allem ins Feld führen, solche Naturwissenschafter, welche die recht verzerrte Seite, die zur Farce gewordene Seite der Naturwissenschaft darstellen, haben es uns erleben lassen, daß sie glaubten, aus den Dokumenten darlegen zu können, daß im Grunde Novalis in Grüningen einer Illusion anheimgefallen sei. Schön wäre die Poesie - so sagen sie -, aber schauen wir uns die Dokumente an, schauen wir uns an, was der Herr von Rockenthien war, bei dem Sophie von Kühn lebte! - Und schauen wir uns - so sagt einer der «Novaliskenner» - einige Briefchen an, die Sophie von Kühn an Novalis geschrieben hat. Sophie von Kühn machte nicht nur in jeder Zeile, sondern fast in jedem Wort einen orthographischen Fehler! Und Novalis wäre einer großen Täuschung zum Opfer gefallen.
[ 11 ] In Jena, wo sie im letzten Jahre untergebracht war, sah sie auch Goethe - und einen tiefen Eindruck machte sie auf Goethe! Wer nicht begreifen kann, daß diese einzigartigen Worte Goethes darüber mehr wert sind als alle Dokumente, die man aufstöbern kann da alle Dokumente lügen können -, wer, wenn er mit einem Beweis etwas zeigen will, nicht daran denkt, auch den Gegenbeweis zu erbringen, dem ist nicht zu helfen trotz all seiner Wissenschaft.
[ 11 ] In Jena, wo sie im letzten Jahre untergebracht war, sah sie auch Goethe - und einen tiefen Eindruck machte sie auf Goethe! Wer nicht begreifen kann, daß diese einzigartigen Worte Goethes darüber mehr wert sind als alle Dokumente, die man aufstöbern kann da alle Dokumente lügen können -, wer, wenn er mit einem Beweis etwas zeigen will, nicht daran denkt, auch den Gegenbeweis zu erbringen, dem ist nicht zu helfen trotz all seiner Wissenschaft.
[ 12 ] Was war dieses Ereignis für Novalis? Sophie von Kühn starb, und Novalis lebte sich etwa in die Stimmung ein: Ich sterbe ihr nach! Niemals war er von da an in seiner Seele getrennt von ihr. Ausgegossen war aus der Seele der verstorbenen Sophie von Kühn die Kraft, die ihm in der eigenen Seele die Erfahrung der Nacht vermittelte, und auf gingen ihm die großen Erlebnisse, wie er sie in seinen Dichtungen dargestellt hat.
[ 12 ] Was war dieses Ereignis für Novalis? Sophie von Kühn starb, und Novalis lebte sich etwa in die Stimmung ein: Ich sterbe ihr nach! Niemals war er von da an in seiner Seele getrennt von ihr. Ausgegossen war aus der Seele der verstorbenen Sophie von Kühn die Kraft, die ihm in der eigenen Seele die Erfahrung der Nacht vermittelte, und auf gingen ihm die großen Erlebnisse, wie er sie in seinen Dichtungen dargestellt hat.
[ 13 ] Noch einmal kreuzte ein weibliches Wesen seinen Weg: Julie von Charpentier. Sie aber war ihm nur das irdische Symbolum für die Seele der verstorbenen Sophie von Kühn. Losgelöst waren aus seiner Seele die Weistümer, die er in die «Hymnen an die Nacht» hineingegossen hat, nur durch diesen ersten Seelenbund.
[ 13 ] Noch einmal kreuzte ein weibliches Wesen seinen Weg: Julie von Charpentier. Sie aber war ihm nur das irdische Symbolum für die Seele der verstorbenen Sophie von Kühn. Losgelöst waren aus seiner Seele die Weistümer, die er in die «Hymnen an die Nacht» hineingegossen hat, nur durch diesen ersten Seelenbund.
Hier trug Marie von Sivers (Marie Steiner) die erste und die zweite Hymne vor.
Hier trug Marie von Sivers (Marie Steiner) die erste und die zweite Hymne vor.
I
Welcher Lebendige, Sinnbegabte, liebt nicht vor allen Wundererscheinungen des verbreiteten Raums um ihn, das allerfreuliche Licht — mit seinen Farben, seinen Strahlen und Wogen; seiner milden Allgegenwart, als weckender Tag. Wie des Lebens innerste Seele atmet es der rastlosen Gestirne Riesenwelt, und schwimmt tanzend in seiner blauen Flut — atmet es der funkelnde, ewigruhende Stein, die sinnige, saugende Pflanze, und das wilde, brennende, vielgestaltete Tier -vor allen aber der herrliche Fremdling mit den sinnvollen Augen, dem schwebenden Gange, und den zartgeschlossenen, tonreichen Lippen. Wie ein König der irdischen Natur ruft es jede Kraft zu zahllosen Verwandlungen, knüpft und löst unendliche Bündnisse, hängt sein himmlisches Bild jedem irdischen Wesen um. — Seine Gegenwart allein offenbart die Wunderherrlichkeit der Reiche der Welt.
Abwärts wend' ich mich zu der heiligen, unaussprechlichen, geheimnisvollen Nacht. Fernab liegt die Welt — in eine tiefe Gruft versenkt — wüst und einsam ist ihre Stelle. In den Saiten der Brust weht tiefe Wehmut. In Tautropfen will ich hinuntersinken und mit der Asche mich vermischen. — Fernen der Erinnerung, Wünsche der Jugend, der Kindheit Träume, des ganzen langen Lebens kurze Freuden und vergebliche Hoffnungen kommen in grauen Kleidern, wie Abendnebel nach der Sonne Untergang. In andern Räumen schlug die lustigen Gezelte das Licht auf. Sollte es nie zu seinen Kindern wiederkommen, die mit der Unschuld Glauben seiner harren?
Was quillt auf einmal so ahndungsvoll unterm Herzen, und verschluckt der Wehmut weiche Luft? Hast auch du ein Gefallen an uns, dunkle Nacht? Was hältst du unter deinem Mantel, das mir unsichtbar kräftig an die Seele geht? Köstlicher Balsam träuft aus deiner Hand, aus dem Bündel Mohn. Die schweren Flügel des Gemüts hebst du empor. Dunkel und unaussprechlich fühlen wir uns bewegt — ein ernstes Antlitz seh' ich froh erschrocken, das sanft und andachtsvoll sich zu mir neigt, und unter unendlich verschlungenen Locken der Mutter liebe Jugend zeigt. Wie arm und kindisch dünkt mir das Licht nun — wie erfreulich und gesegnet des Tages Abschied — Also nur darum, weil die Nacht dir abwendig macht die Dienenden, säetest du in des Raumes Weiten die leuchtenden Kugeln, zu verkünden deine Allmacht — deine Wiederkehr — in den Zeiten deiner Entfernung. Himmlischer, als jene blitzenden Sterne, dünken uns die unendlichen Augen, die die Nacht in uns geöffnet. Weiter sehn sie, als die blässesten jener zahllosen Heere — unbedürftig des Lichts durchschaun sie die Tiefen eines liebenden Gemüts — was einen höhern Raum mit unsäglicher Wollust füllt. Preis der Weltkönigin, der hohen Verkündigerin heiliger Welten, der Pflegerin seliger Liebe — sie sendet mir dich — zarte Geliebte — liebliche Sonne der Nacht, — nun wach' ich — denn ich bin Dein und Mein — du hast die Nacht mir zum Leben verkündet — mich zum Menschen gemacht — zehre mit Geisterglut meinen Leib, daß ich lustig mit dir inniger mich mische und dann ewig die Brautnacht währt.
I
Welcher Lebendige, Sinnbegabte, liebt nicht vor allen Wundererscheinungen des verbreiteten Raums um ihn, das allerfreuliche Licht — mit seinen Farben, seinen Strahlen und Wogen; seiner milden Allgegenwart, als weckender Tag. Wie des Lebens innerste Seele atmet es der rastlosen Gestirne Riesenwelt, und schwimmt tanzend in seiner blauen Flut — atmet es der funkelnde, ewigruhende Stein, die sinnige, saugende Pflanze, und das wilde, brennende, vielgestaltete Tier -vor allen aber der herrliche Fremdling mit den sinnvollen Augen, dem schwebenden Gange, und den zartgeschlossenen, tonreichen Lippen. Wie ein König der irdischen Natur ruft es jede Kraft zu zahllosen Verwandlungen, knüpft und löst unendliche Bündnisse, hängt sein himmlisches Bild jedem irdischen Wesen um. — Seine Gegenwart allein offenbart die Wunderherrlichkeit der Reiche der Welt.
Abwärts wend' ich mich zu der heiligen, unaussprechlichen, geheimnisvollen Nacht. Fernab liegt die Welt — in eine tiefe Gruft versenkt — wüst und einsam ist ihre Stelle. In den Saiten der Brust weht tiefe Wehmut. In Tautropfen will ich hinuntersinken und mit der Asche mich vermischen. — Fernen der Erinnerung, Wünsche der Jugend, der Kindheit Träume, des ganzen langen Lebens kurze Freuden und vergebliche Hoffnungen kommen in grauen Kleidern, wie Abendnebel nach der Sonne Untergang. In andern Räumen schlug die lustigen Gezelte das Licht auf. Sollte es nie zu seinen Kindern wiederkommen, die mit der Unschuld Glauben seiner harren?
Was quillt auf einmal so ahndungsvoll unterm Herzen, und verschluckt der Wehmut weiche Luft? Hast auch du ein Gefallen an uns, dunkle Nacht? Was hältst du unter deinem Mantel, das mir unsichtbar kräftig an die Seele geht? Köstlicher Balsam träuft aus deiner Hand, aus dem Bündel Mohn. Die schweren Flügel des Gemüts hebst du empor. Dunkel und unaussprechlich fühlen wir uns bewegt — ein ernstes Antlitz seh' ich froh erschrocken, das sanft und andachtsvoll sich zu mir neigt, und unter unendlich verschlungenen Locken der Mutter liebe Jugend zeigt. Wie arm und kindisch dünkt mir das Licht nun — wie erfreulich und gesegnet des Tages Abschied — Also nur darum, weil die Nacht dir abwendig macht die Dienenden, säetest du in des Raumes Weiten die leuchtenden Kugeln, zu verkünden deine Allmacht — deine Wiederkehr — in den Zeiten deiner Entfernung. Himmlischer, als jene blitzenden Sterne, dünken uns die unendlichen Augen, die die Nacht in uns geöffnet. Weiter sehn sie, als die blässesten jener zahllosen Heere — unbedürftig des Lichts durchschaun sie die Tiefen eines liebenden Gemüts — was einen höhern Raum mit unsäglicher Wollust füllt. Preis der Weltkönigin, der hohen Verkündigerin heiliger Welten, der Pflegerin seliger Liebe — sie sendet mir dich — zarte Geliebte — liebliche Sonne der Nacht, — nun wach' ich — denn ich bin Dein und Mein — du hast die Nacht mir zum Leben verkündet — mich zum Menschen gemacht — zehre mit Geisterglut meinen Leib, daß ich lustig mit dir inniger mich mische und dann ewig die Brautnacht währt.
II
Muß immer der Morgen wiederkommen? Endet nie des Irdischen Gewalt? unselige Geschäftigkeit verzehrt den himmlischen Anflug der Nacht. Wird nie der Liebe geheimes Opfer ewig brennen? Zugemessen ward dem Lichte seine Zeit; aber zeitlos und raumlos ist der Nacht Herrschaft. — Ewig ist die Dauer des Schlafs. Heiliger Schlaf — beglücke zu selten nicht der Nacht Geweihte in diesem irdischen Tagewerk. Nur die Toren verkennen dich und wissen von keinem Schlafe, als dem Schatten, den du in jener Dämmerung der wahrhaften Nacht mitleidig auf uns wirfst. Sie fühlen dich nicht in der goldnen Flut der Trauben — in des Mandelbaums Wunderöl, und dem braunen Safte des Mohns. Sie wissen nicht, daß du es bist, der des zarten Mädchens Busen umschwebt und zum Himmel den Schoß macht -ahnden nicht, daß aus alten Geschichten du himmelöffnend entgegentrittst und den Schlüssel trägst zu den Wohnungen der Seligen, unendlicher Geheimnisse schweigender Bote.
II
Muß immer der Morgen wiederkommen? Endet nie des Irdischen Gewalt? unselige Geschäftigkeit verzehrt den himmlischen Anflug der Nacht. Wird nie der Liebe geheimes Opfer ewig brennen? Zugemessen ward dem Lichte seine Zeit; aber zeitlos und raumlos ist der Nacht Herrschaft. — Ewig ist die Dauer des Schlafs. Heiliger Schlaf — beglücke zu selten nicht der Nacht Geweihte in diesem irdischen Tagewerk. Nur die Toren verkennen dich und wissen von keinem Schlafe, als dem Schatten, den du in jener Dämmerung der wahrhaften Nacht mitleidig auf uns wirfst. Sie fühlen dich nicht in der goldnen Flut der Trauben — in des Mandelbaums Wunderöl, und dem braunen Safte des Mohns. Sie wissen nicht, daß du es bist, der des zarten Mädchens Busen umschwebt und zum Himmel den Schoß macht -ahnden nicht, daß aus alten Geschichten du himmelöffnend entgegentrittst und den Schlüssel trägst zu den Wohnungen der Seligen, unendlicher Geheimnisse schweigender Bote.
[ 14 ] So weit führt uns das Gedicht ein in die Welten, in denen als ein Geist Novalis lebte, wenn er innerhalb seiner Erfahrung der ewigen Weistümer war.
[ 14 ] So weit führt uns das Gedicht ein in die Welten, in denen als ein Geist Novalis lebte, wenn er innerhalb seiner Erfahrung der ewigen Weistümer war.
[ 15 ] Sie werden schon öfter gehört haben, daß solches Aufsteigen in die höheren Welten verknüpft ist mit einem Eindringen in noch andere Geheimnisse des Daseins. Daher mußte auch sein Blick zurückschweifen in die Zeiten urferner Vergangenheit, wo das, was jetzt in der Welt lebt, noch im Schoße der Gottheit war und noch nicht heruntergestiegen war in den irdischen Leib. Als die Seelen der Naturreiche noch in der reinen Geistigkeit lebten, die nur in der astralischen Welt zu erreichen war, da trug sich zu, was sich in gewaltigen Bildern Novalis dem Seher enthüllte, als er den Blick rückwärts wandte. Er sah die Zeit, wo die Seelen der Pflanzen, der Tiere und der Menschen noch Genossen von göttlichen Wesenheiten waren, als jene Unterbrechung des Bewußtseins noch nicht eingetreten war, die für den Menschen auftaucht in dem Wechsel zwischen Nacht und Tag - und als noch nichts vorhanden war von jener Unterbrechung, die sich ausdrückt in den Worten Geburt und Tod. Alles Leben floß im Geistig-Seelischen dahin, und die Worte Geburt und Tod hatten noch keinen Sinn für das Walten in der urfernen Vergangenheit.
[ 15 ] Sie werden schon öfter gehört haben, daß solches Aufsteigen in die höheren Welten verknüpft ist mit einem Eindringen in noch andere Geheimnisse des Daseins. Daher mußte auch sein Blick zurückschweifen in die Zeiten urferner Vergangenheit, wo das, was jetzt in der Welt lebt, noch im Schoße der Gottheit war und noch nicht heruntergestiegen war in den irdischen Leib. Als die Seelen der Naturreiche noch in der reinen Geistigkeit lebten, die nur in der astralischen Welt zu erreichen war, da trug sich zu, was sich in gewaltigen Bildern Novalis dem Seher enthüllte, als er den Blick rückwärts wandte. Er sah die Zeit, wo die Seelen der Pflanzen, der Tiere und der Menschen noch Genossen von göttlichen Wesenheiten waren, als jene Unterbrechung des Bewußtseins noch nicht eingetreten war, die für den Menschen auftaucht in dem Wechsel zwischen Nacht und Tag - und als noch nichts vorhanden war von jener Unterbrechung, die sich ausdrückt in den Worten Geburt und Tod. Alles Leben floß im Geistig-Seelischen dahin, und die Worte Geburt und Tod hatten noch keinen Sinn für das Walten in der urfernen Vergangenheit.
[ 16 ] Da schlug ein in dieses Leben der Götter und göttlichen Erdenwesen der Gedanke des Todes, und herunter in die irdische Welt ging die geistige. Verborgen wurden die Götterwesen in irdische Leiber, verzaubert wurden die Götterwesen in die Reiche der Mineralien, Pflanzen, Tiere. Aber wer fähig wird, wiederum zur spirituellen Welt zurückzugehen, der findet die Götter in allen Erscheinungen; der lernt erkennen, daß die Götter vorher verbunden waren mit den Menschen, bevor irdisches Leben da war. Und er lernt, was das Leben der Seele ist, er lernt erkennen, daß der Tag mit seinen Eindrücken ein schwacher Ausschnitt ist aus der großen Welt, deren Wesentliches die Dauer, die Ewigkeit ist. Und er lernt entzaubern, was in den Reichen der Natur schwebt.
[ 16 ] Da schlug ein in dieses Leben der Götter und göttlichen Erdenwesen der Gedanke des Todes, und herunter in die irdische Welt ging die geistige. Verborgen wurden die Götterwesen in irdische Leiber, verzaubert wurden die Götterwesen in die Reiche der Mineralien, Pflanzen, Tiere. Aber wer fähig wird, wiederum zur spirituellen Welt zurückzugehen, der findet die Götter in allen Erscheinungen; der lernt erkennen, daß die Götter vorher verbunden waren mit den Menschen, bevor irdisches Leben da war. Und er lernt, was das Leben der Seele ist, er lernt erkennen, daß der Tag mit seinen Eindrücken ein schwacher Ausschnitt ist aus der großen Welt, deren Wesentliches die Dauer, die Ewigkeit ist. Und er lernt entzaubern, was in den Reichen der Natur schwebt.
[ 17 ] Das trat in Novalis’ Seele ein, als er in seinem Ewigen mit der Seele seiner Sophie verbunden war - und ihr nachstarb. Und in diesem Nachsterben wurde der Geist lebendig. Da hatte er dieses «Stirb und Werde» erlebt, und da ging ihm auf, was er nennt seinen «magischen Idealismus».
[ 17 ] Das trat in Novalis’ Seele ein, als er in seinem Ewigen mit der Seele seiner Sophie verbunden war - und ihr nachstarb. Und in diesem Nachsterben wurde der Geist lebendig. Da hatte er dieses «Stirb und Werde» erlebt, und da ging ihm auf, was er nennt seinen «magischen Idealismus».
Es folgte die Rezitation der vierten Hymne, ab Zeile 20, und des Anfangs der fünften Hymne.
Es folgte die Rezitation der vierten Hymne, ab Zeile 20, und des Anfangs der fünften Hymne.
III
Einst da ich bittre Tränen vergoß, da in Schmerz aufgelöst meine Hoffnung zerrann, und ich einsam stand am dürren Hügel, der in engen, dunkeln Raum die Gestalt meines Lebens barg — einsam, wie noch kein Einsamer war, von unsäglicher Angst getrieben — kraftlos, nur ein Gedanken des Elends noch. — Wie ich da nach Hilfe umherschaute, vorwärts nicht konnte und rückwärts nicht, und am fliehenden, verlöschten Leben mit unendlicher Sehnsucht hing: — da kam aus blauen Fernen — von den Höhen meiner alten Seligkeit ein Dämmerungsschauer -und mit einem Male riß das Band der Geburt — des Lichtes Fessel. Hin floh die irdische Herrlichkeit und meine Trauer mit ihr — zusammen floß die Wehmut in eine neue, unergründliche Welt — du Nachtbegeisterung, Schlummer des Himmels kamst über mich — die Gegend hob sich sacht empor; über der Gegend schwebte mein entbundner, neugeborner Geist. Zur Staubwolke wurde der Hügel — durch die Wolke sah ich die verklärten Züge der Geliebten. In ihren Augen ruhte die Ewigkeit — ich faßte ihre Hände, und die Tränen wurden ein funkelndes, unzerreißliches Band. Jahrtausende zogen abwärts in die Ferne, wie Ungewitter. An ihrem Halse weint' ich dem neuen Leben entzückende Tränen. — Es war der erste, einzige Traum — und erst seitdem fühl' ich ewigen, unwandelbaren Glauben an den Himmel der Nacht und sein Licht, die Geliebte.
III
Einst da ich bittre Tränen vergoß, da in Schmerz aufgelöst meine Hoffnung zerrann, und ich einsam stand am dürren Hügel, der in engen, dunkeln Raum die Gestalt meines Lebens barg — einsam, wie noch kein Einsamer war, von unsäglicher Angst getrieben — kraftlos, nur ein Gedanken des Elends noch. — Wie ich da nach Hilfe umherschaute, vorwärts nicht konnte und rückwärts nicht, und am fliehenden, verlöschten Leben mit unendlicher Sehnsucht hing: — da kam aus blauen Fernen — von den Höhen meiner alten Seligkeit ein Dämmerungsschauer -und mit einem Male riß das Band der Geburt — des Lichtes Fessel. Hin floh die irdische Herrlichkeit und meine Trauer mit ihr — zusammen floß die Wehmut in eine neue, unergründliche Welt — du Nachtbegeisterung, Schlummer des Himmels kamst über mich — die Gegend hob sich sacht empor; über der Gegend schwebte mein entbundner, neugeborner Geist. Zur Staubwolke wurde der Hügel — durch die Wolke sah ich die verklärten Züge der Geliebten. In ihren Augen ruhte die Ewigkeit — ich faßte ihre Hände, und die Tränen wurden ein funkelndes, unzerreißliches Band. Jahrtausende zogen abwärts in die Ferne, wie Ungewitter. An ihrem Halse weint' ich dem neuen Leben entzückende Tränen. — Es war der erste, einzige Traum — und erst seitdem fühl' ich ewigen, unwandelbaren Glauben an den Himmel der Nacht und sein Licht, die Geliebte.
IV
Nun weiß ich, wenn der letzte Morgen sein wird — wenn das Licht nicht mehr die Nacht und die Liebe scheucht — wenn der Schlummer ewig und nur ein unerschöpflicher Traum sein wird. Himmlische Müdigkeit fühl' ich in mir. — Weit und ermüdend ward mir die Wallfahrt zum Heiligen Grabe, drückend das Kreuz. Die kristallene Woge, die gemeinen Sinnen unvernehmlich, in des Hügels dunkeln Schoß quillt, an dessen Fuß die irdische Flut bricht, wer sie gekostet, wer oben stand auf dem Grenzgebirge der Welt, und hinübersah in das neue Land, in der Nacht Wohnsitz — wahrlich der kehrt nicht in das Treiben der Welt zurück, in das Land, wo das Licht in ewiger Unruh' hauset.
Oben baut er sich Hütten, Hütten des Friedens, sehnt sich und liebt, schaut hinüber, bis die vollkommenste aller Stunden hinunter ihn in den Brunnen der Quelle zieht — das Irdische schwimmt obenauf, wird von Stürmen zurückgeführt, aber was heilig durch der Liebe Berührung ward, rinnt aufgelöst in verborgenen Gängen auf das jenseitige Gebiet, wo es, wie Düfte, sich mit entschlummerten Lieben mischt. Noch weckst du, muntres Licht, den Müden zur Arbeit — flößest fröhliches Leben mir ein — aber du lockst mich von der Erinnerung moosigem Denkmal nicht. Gern will ich die fleißigen Hände rühren, überall umschaun, wo du mich brauchst — rühmen deines Glanzes volle Pracht — unverdrossen verfolgen deines künstlichen Werks schönen Zusammenhang — gern betrachten deiner gewaltigen, leuchtenden Uhr sinnvollen Gang — ergründen der Kräfte Ebenmaß und die Regeln des Wunderspiels unzähliger Räume und ihrer Zeiten. Aber getreu der Nacht bleibt mein geheimes Herz, und der schaffenden Liebe, ihrer Tochter. Kannst du mir zeigen ein ewig treues Herz? hat deine Sonne freundliche Augen, die mich erkennen? fassen deine Sterne meine verlangende Hand? geben mir wieder den zärtlichen Druck und das kosende Wort? hast du mit Farben und leichtem Umriß sie geziert -oder war _sie_ es, die deinem Schmuck höhere, liebere Bedeutung gab? Welche Wollust, welchen Genuß bietet dein Leben, die aufwögen des Todes Entzückungen? Trägt nicht alles, was uns begeistert, die Farbe der Nacht? Sie trägt dich mütterlich, und ihr verdankst du all deine Herrlichkeit. Du verflögst in dir selbst — in endlosen Raum zergingst du, wenn sie dich nicht hielte, dich nicht bände, daß du warm würdest und flammend die Welt zeugtest. Wahrlich ich war, eh' du warst — die Mutter schickte mit meinen Geschwistern mich, zu bewohnen deine Welt, sie zu heiligen mit Liebe, daß sie ein ewig angeschautes Denkmal werde — zu bepflanzen sie mit unverwelklichen Blumen. Noch reiften sie nicht, diese göttlichen Gedanken — Noch sind der Spuren unserer Offenbarung wenig — Einst zeigt deine Uhr das Ende der Zeit, wenn du wirst wie unsereiner, und voll Sehnsucht und Inbrunst auslöschest und stirbst. In mir fühl' ich deiner Geschäftigkeit Ende — himmlische Freiheit, selige Rückkehr. In wilden Schmerzen erkenn' ich deine Entfernung von unsrer Heimat, deinen Widerstand gegen den alten, herrlichen Himmel. Deine Wut und dein Toben ist vergebens. Unverbrennlich steht das Kreuz — eine Siegesfahne unsers Geschlechts.
Hinüber wall' ich,
Und jede Pein
Wird einst ein Stachel
Der Wollust sein.
Noch wenig Zeiten,
So bin ich los,
Und liege trunken
Der Lieb' im Schoß.
Unendliches Leben
Wogt mächtig in mir,
Ich schaue von oben
Herunter nach dir.
An jenem Hügel
Verlischt dein Glanz —
Ein Schatten bringet
Den kühlenden Kranz.
O! sauge, Geliebter,
Gewaltig mich an,
Daß ich entschlummern
Und lieben kann.
Ich fühle des Todes
Verjüngende Flut,
Zu Balsam und Äther
Verwandelt mein Blut —
Ich lebe bei Tage
Voll Glauben und Mut
Und sterbe die Nächte
In heiliger Glut.
IV
Nun weiß ich, wenn der letzte Morgen sein wird — wenn das Licht nicht mehr die Nacht und die Liebe scheucht — wenn der Schlummer ewig und nur ein unerschöpflicher Traum sein wird. Himmlische Müdigkeit fühl' ich in mir. — Weit und ermüdend ward mir die Wallfahrt zum Heiligen Grabe, drückend das Kreuz. Die kristallene Woge, die gemeinen Sinnen unvernehmlich, in des Hügels dunkeln Schoß quillt, an dessen Fuß die irdische Flut bricht, wer sie gekostet, wer oben stand auf dem Grenzgebirge der Welt, und hinübersah in das neue Land, in der Nacht Wohnsitz — wahrlich der kehrt nicht in das Treiben der Welt zurück, in das Land, wo das Licht in ewiger Unruh' hauset.
Oben baut er sich Hütten, Hütten des Friedens, sehnt sich und liebt, schaut hinüber, bis die vollkommenste aller Stunden hinunter ihn in den Brunnen der Quelle zieht — das Irdische schwimmt obenauf, wird von Stürmen zurückgeführt, aber was heilig durch der Liebe Berührung ward, rinnt aufgelöst in verborgenen Gängen auf das jenseitige Gebiet, wo es, wie Düfte, sich mit entschlummerten Lieben mischt. Noch weckst du, muntres Licht, den Müden zur Arbeit — flößest fröhliches Leben mir ein — aber du lockst mich von der Erinnerung moosigem Denkmal nicht. Gern will ich die fleißigen Hände rühren, überall umschaun, wo du mich brauchst — rühmen deines Glanzes volle Pracht — unverdrossen verfolgen deines künstlichen Werks schönen Zusammenhang — gern betrachten deiner gewaltigen, leuchtenden Uhr sinnvollen Gang — ergründen der Kräfte Ebenmaß und die Regeln des Wunderspiels unzähliger Räume und ihrer Zeiten. Aber getreu der Nacht bleibt mein geheimes Herz, und der schaffenden Liebe, ihrer Tochter. Kannst du mir zeigen ein ewig treues Herz? hat deine Sonne freundliche Augen, die mich erkennen? fassen deine Sterne meine verlangende Hand? geben mir wieder den zärtlichen Druck und das kosende Wort? hast du mit Farben und leichtem Umriß sie geziert -oder war _sie_ es, die deinem Schmuck höhere, liebere Bedeutung gab? Welche Wollust, welchen Genuß bietet dein Leben, die aufwögen des Todes Entzückungen? Trägt nicht alles, was uns begeistert, die Farbe der Nacht? Sie trägt dich mütterlich, und ihr verdankst du all deine Herrlichkeit. Du verflögst in dir selbst — in endlosen Raum zergingst du, wenn sie dich nicht hielte, dich nicht bände, daß du warm würdest und flammend die Welt zeugtest. Wahrlich ich war, eh' du warst — die Mutter schickte mit meinen Geschwistern mich, zu bewohnen deine Welt, sie zu heiligen mit Liebe, daß sie ein ewig angeschautes Denkmal werde — zu bepflanzen sie mit unverwelklichen Blumen. Noch reiften sie nicht, diese göttlichen Gedanken — Noch sind der Spuren unserer Offenbarung wenig — Einst zeigt deine Uhr das Ende der Zeit, wenn du wirst wie unsereiner, und voll Sehnsucht und Inbrunst auslöschest und stirbst. In mir fühl' ich deiner Geschäftigkeit Ende — himmlische Freiheit, selige Rückkehr. In wilden Schmerzen erkenn' ich deine Entfernung von unsrer Heimat, deinen Widerstand gegen den alten, herrlichen Himmel. Deine Wut und dein Toben ist vergebens. Unverbrennlich steht das Kreuz — eine Siegesfahne unsers Geschlechts.
Hinüber wall' ich,
Und jede Pein
Wird einst ein Stachel
Der Wollust sein.
Noch wenig Zeiten,
So bin ich los,
Und liege trunken
Der Lieb' im Schoß.
Unendliches Leben
Wogt mächtig in mir,
Ich schaue von oben
Herunter nach dir.
An jenem Hügel
Verlischt dein Glanz —
Ein Schatten bringet
Den kühlenden Kranz.
O! sauge, Geliebter,
Gewaltig mich an,
Daß ich entschlummern
Und lieben kann.
Ich fühle des Todes
Verjüngende Flut,
Zu Balsam und Äther
Verwandelt mein Blut —
Ich lebe bei Tage
Voll Glauben und Mut
Und sterbe die Nächte
In heiliger Glut.
[ 18 ] So konnte Novalis hineinschauen in die Zeiten, in denen die Götter unter den Menschen waren, als alles geistig sich abspielte, als noch nicht die Geister und Seelen heruntergestiegen waren in irdische Leiber. So konnte er sehen den Übergang: wie der Tod einschlug in die Welt, und wie der Mensch in jenen Zeiten den Tod darstellte in seiner irdischen Abschattung und wie er ihn durch Phantasie, durch Kunst zu verschönen suchte. Aber Rätsel blieb der Tod.
[ 18 ] So konnte Novalis hineinschauen in die Zeiten, in denen die Götter unter den Menschen waren, als alles geistig sich abspielte, als noch nicht die Geister und Seelen heruntergestiegen waren in irdische Leiber. So konnte er sehen den Übergang: wie der Tod einschlug in die Welt, und wie der Mensch in jenen Zeiten den Tod darstellte in seiner irdischen Abschattung und wie er ihn durch Phantasie, durch Kunst zu verschönen suchte. Aber Rätsel blieb der Tod.
[ 19 ] Da trat etwas ein von universeller Bedeutung. Und Novalis konnte schauen die universelle Bedeutung dessen, was damals in der Welt geschah. Heruntergestiegen waren die Seelen der Reiche der Natur in die Welt. Vergessen war die Erinnerung an den geistigen Urgrund des Daseins, doch war geblieben eine besondere geistige Wesenheit in diesem universellen Mutterschoß, aus dem alles heruntergestiegen war. Eine Wesenheit war vorläufig zurückgeblieben; sie hatte sich drobengehalten und nur vorläufig ihre Gabe der Gnade heruntergeschickt, um dann, wenn die Menschheit es am meisten brauchen würde, selber herunterzusteigen in die irdische Sphäre. Es war geblieben in der Sphäre der Geistigkeit oben das Wesen des geistigen Lichtes, jenes Wesen, das sich hinter dem physischen Sonnenwesen verbarg. Es hält sich in himmlischen Sphären und steigt herunter, wenn die Menschheit es braucht, auf daß diese wieder hinaufgetragen werden könne in die geistigen Welten. Und es stieg herunter, als mit dem Mysterium von Golgatha der Christus in einem physischen Menschenleib erschien.
[ 19 ] Da trat etwas ein von universeller Bedeutung. Und Novalis konnte schauen die universelle Bedeutung dessen, was damals in der Welt geschah. Heruntergestiegen waren die Seelen der Reiche der Natur in die Welt. Vergessen war die Erinnerung an den geistigen Urgrund des Daseins, doch war geblieben eine besondere geistige Wesenheit in diesem universellen Mutterschoß, aus dem alles heruntergestiegen war. Eine Wesenheit war vorläufig zurückgeblieben; sie hatte sich drobengehalten und nur vorläufig ihre Gabe der Gnade heruntergeschickt, um dann, wenn die Menschheit es am meisten brauchen würde, selber herunterzusteigen in die irdische Sphäre. Es war geblieben in der Sphäre der Geistigkeit oben das Wesen des geistigen Lichtes, jenes Wesen, das sich hinter dem physischen Sonnenwesen verbarg. Es hält sich in himmlischen Sphären und steigt herunter, wenn die Menschheit es braucht, auf daß diese wieder hinaufgetragen werden könne in die geistigen Welten. Und es stieg herunter, als mit dem Mysterium von Golgatha der Christus in einem physischen Menschenleib erschien.
[ 22 ] Man begreift diesen Christus in seiner universellen Entfaltung, wenn man dasjenige, was in dem Jesus von Nazareth lebte, hinaufverfolgt bis zu seinem geistigen Ursprung, bis zu jenem geistigen Lichte. Dann begreift man auch, wie dieses einbezogen war in dasjenige, was das unenträtselbare Rätsel des Todes war. Als ein sinnender Jüngling erschien dem griechischen Geiste der Tod, als ein Rätsel, das nicht gelöst werden konnte. Aber auch der Grieche erahnte, daß das Rätsel, welches sich in der Seele dieses Jünglings birgt, seine Lösung gefunden hat mit dem Ereignis von Golgatha, daß da das Leben den Sieg über den Tod davongetragen hat, und daß dadurch ein neuer Einschlag der Menschheit gegeben war.
[ 22 ] Man begreift diesen Christus in seiner universellen Entfaltung, wenn man dasjenige, was in dem Jesus von Nazareth lebte, hinaufverfolgt bis zu seinem geistigen Ursprung, bis zu jenem geistigen Lichte. Dann begreift man auch, wie dieses einbezogen war in dasjenige, was das unenträtselbare Rätsel des Todes war. Als ein sinnender Jüngling erschien dem griechischen Geiste der Tod, als ein Rätsel, das nicht gelöst werden konnte. Aber auch der Grieche erahnte, daß das Rätsel, welches sich in der Seele dieses Jünglings birgt, seine Lösung gefunden hat mit dem Ereignis von Golgatha, daß da das Leben den Sieg über den Tod davongetragen hat, und daß dadurch ein neuer Einschlag der Menschheit gegeben war.
[ 21 ] Das konnte Novalis schauen; und dadurch erhielt er den Mysterienglauben, das Mysterienwissen über den Stern, der die alten magischen Weisen geführt hat. Da wurde ihm das ganze Wesen dessen klar, was der Christus-Tod bedeutet. Da enthüllte sich ihm in der Nacht des Seelischen das Rätsel des Todes, das Rätsel des Christus. Da war es, daß diese eigenartige Individualität wissen lernte - durch ihre Erinnerung an die früheren Leben -, was der Christus, was das Ereignis von Golgatha für die Welt bedeutete.
[ 21 ] Das konnte Novalis schauen; und dadurch erhielt er den Mysterienglauben, das Mysterienwissen über den Stern, der die alten magischen Weisen geführt hat. Da wurde ihm das ganze Wesen dessen klar, was der Christus-Tod bedeutet. Da enthüllte sich ihm in der Nacht des Seelischen das Rätsel des Todes, das Rätsel des Christus. Da war es, daß diese eigenartige Individualität wissen lernte - durch ihre Erinnerung an die früheren Leben -, was der Christus, was das Ereignis von Golgatha für die Welt bedeutete.
Anschließend rezitierte Marie von Sivers (Marie Steiner) den Schluß der fünften und die sechste Hymne.
Anschließend rezitierte Marie von Sivers (Marie Steiner) den Schluß der fünften und die sechste Hymne.
V
Über der Menschen weitverbreitete Stämme herrschte vorzeiten ein eisernes Schicksal mit stummer Gewalt. Eine dunkle, schwere Binde lag um ihre bange Seele — Unendlich war die Erde — der Götter Aufenthalt, und ihre Heimat. Seit Ewigkeiten stand ihr geheimnisvoller Bau. Über des Morgens roten Bergen, in des Meeres heiligem Schoß wohnte die Sonne, das allzündende, lebendige Licht. Ein alter Riese trug die selige Welt. Fest unter Bergen lagen die Ursöhne der Mutter Erde. Ohnmächtig in ihrer zerstörenden Wut gegen das neue herrliche Göttergeschlecht und dessen Verwandten, die fröhlichen Menschen. Des Meers dunkle, grüne Tiefe war einer Göttin Schoß. In den kristallenen Grotten schwelgte ein üppiges Volk. Flüsse, Bäume, Blumen und Tiere hatten menschlichen Sinn. Süßer schmeckte der Wein von sichtbarer Jugendfülle geschenkt — ein Gott in den Trauben — eine liebende, mütterliche Göttin, emporwachsend in vollen goldenen Garben — der Liebe heil'ger Rausch ein süßer Dienst der schönsten Götterfrau — ein ewig buntes Fest der Himmelskinder und der Erdbewohner rauschte das Leben, wie ein Frühling, durch die Jahrhunderte hin — Alle Geschlechter verehrten kindlich die zarte, tausendfältige Flamme als das Höchste der Welt. Ein Gedanke nur war es. Ein entsetzliches Traumbild,
V
Über der Menschen weitverbreitete Stämme herrschte vorzeiten ein eisernes Schicksal mit stummer Gewalt. Eine dunkle, schwere Binde lag um ihre bange Seele — Unendlich war die Erde — der Götter Aufenthalt, und ihre Heimat. Seit Ewigkeiten stand ihr geheimnisvoller Bau. Über des Morgens roten Bergen, in des Meeres heiligem Schoß wohnte die Sonne, das allzündende, lebendige Licht. Ein alter Riese trug die selige Welt. Fest unter Bergen lagen die Ursöhne der Mutter Erde. Ohnmächtig in ihrer zerstörenden Wut gegen das neue herrliche Göttergeschlecht und dessen Verwandten, die fröhlichen Menschen. Des Meers dunkle, grüne Tiefe war einer Göttin Schoß. In den kristallenen Grotten schwelgte ein üppiges Volk. Flüsse, Bäume, Blumen und Tiere hatten menschlichen Sinn. Süßer schmeckte der Wein von sichtbarer Jugendfülle geschenkt — ein Gott in den Trauben — eine liebende, mütterliche Göttin, emporwachsend in vollen goldenen Garben — der Liebe heil'ger Rausch ein süßer Dienst der schönsten Götterfrau — ein ewig buntes Fest der Himmelskinder und der Erdbewohner rauschte das Leben, wie ein Frühling, durch die Jahrhunderte hin — Alle Geschlechter verehrten kindlich die zarte, tausendfältige Flamme als das Höchste der Welt. Ein Gedanke nur war es. Ein entsetzliches Traumbild,
Das furchtbar zu den frohen Tischen trat
Und das Gemüt in wilde Schrecken hüllte.
Hier wußten selbst die Götter keinen Rat,
Der die beklommne Brust mit Trost erfüllte.
Geheimnisvoll war dieses Unholds Pfad,
Des Wut kein Flehn und keine Gabe stillte;
Es war der Tod, der dieses Lustgelag'
Mit Angst und Schmerz und Tränen unterbrach.Auf ewig nun von allem abgeschieden,
Was hier das Herz in süßer Wollust regt,
Getrennt von den Geliebten, die hienieden
Vergebne Sehnsucht, langes Weh bewegt,
Schien matter Traum dem Toten nur beschieden,
Ohnmächt'ges Ringen nur ihm auferlegt.
Zerbrochen war die Woge des Genusses
Am Felsen des unendlichen Verdrusses.Mit kühnem Geist und hoher Sinnenglut
Verschönte sich der Mensch die grause Larve,
Ein sanfter Jüngling löscht das Licht und ruht —
Sanft wird das Ende, wie ein Wehn der Harfe.
Erinnrung schmilzt in kühler Schattenflut,
So sang das Lied dem traurigen Bedarfe.
Doch unenträtselt blieb die ew'ge Nacht,
Das ernste Zeichen einer fernen Macht.
Das furchtbar zu den frohen Tischen trat
Und das Gemüt in wilde Schrecken hüllte.
Hier wußten selbst die Götter keinen Rat,
Der die beklommne Brust mit Trost erfüllte.
Geheimnisvoll war dieses Unholds Pfad,
Des Wut kein Flehn und keine Gabe stillte;
Es war der Tod, der dieses Lustgelag'
Mit Angst und Schmerz und Tränen unterbrach.Auf ewig nun von allem abgeschieden,
Was hier das Herz in süßer Wollust regt,
Getrennt von den Geliebten, die hienieden
Vergebne Sehnsucht, langes Weh bewegt,
Schien matter Traum dem Toten nur beschieden,
Ohnmächt'ges Ringen nur ihm auferlegt.
Zerbrochen war die Woge des Genusses
Am Felsen des unendlichen Verdrusses.Mit kühnem Geist und hoher Sinnenglut
Verschönte sich der Mensch die grause Larve,
Ein sanfter Jüngling löscht das Licht und ruht —
Sanft wird das Ende, wie ein Wehn der Harfe.
Erinnrung schmilzt in kühler Schattenflut,
So sang das Lied dem traurigen Bedarfe.
Doch unenträtselt blieb die ew'ge Nacht,
Das ernste Zeichen einer fernen Macht.
Zu Ende neigte die alte Welt sich. Des jungen Geschlechts Lustgarten verwelkte — hinauf in den freieren, wüsten Raum strebten die unkindlichen, wachsenden Menschen. Die Götter verschwanden mit ihrem Gefolge — Einsam und leblos stand die Natur. Mit eiserner Kette band sie die dürre Zahl und das strenge Maß. Wie in Staub und Lüfte zerfiel in dunkle Worte die unermeßliche Blüte des Lebens. Entflohn war der beschwörende Glauben, und die allverwandelnde, allverschwisternde Himmelsgenossin, die Phantasie. Unfreundlich blies ein kalter Nordwind über die erstarrte Flur, und die erstarrte Wunderheimat verflog in den Äther. Des Himmels Fernen füllten mit leuchtenden Welten sich. Ins tiefre Heiligtum, in des Gemüts höhern Raum zog mit ihren Mächten die Seele der Welt — zu walten dort bis zum Anbruch der tagenden Weltherrlichkeit. Nicht mehr war das Licht der Götter Aufenthalt und himmlisches Zeichen — den Schleier der Nacht warfen sie über sich. Die Nacht ward der Offenbarungen mächtiger Schoß — in ihn kehrten die Götter zurück — schlummerten ein, um in neuen herrlichern Gestalten auszugehn über die veränderte Welt. Im Volk, das vor allen verachtet zu früh reif und der seligen Unschuld der Jugend trotzig fremd geworden war, erschien mit nie gesehenem Angesicht die neue Welt — In der Armut dichterischer Hütte — Ein Sohn der ersten Jungfrau und Mutter -Geheimnisvoller Umarmung unendliche Frucht. Des Morgenlands ahndende, blütenreiche Weisheit erkannte zuerst der neuen Zeit Beginn — Zu des Königs demütiger Wiege wies ihr ein Stern den Weg. In der weiten Zukunft Namen huldigten sie ihm mit Glanz und Duft, den höchsten Wundern der Natur. Einsam entfaltete das himmlische Herz sich zu einem Blütenkelch allmächtger Liebe — des Vaters hohem Antlitz zugewandt und ruhend an dem ahndungssel'gen Busen der lieblich-ernsten Mutter. Mit vergötternder Inbrunst schaute das weissagende Auge des blühenden Kindes auf die Tage der Zukunft, nach seinen Geliebten, den Sprossen seines Götterstamms, unbekümmert über seiner Tage irdisches Schicksal. Bald sammelten die kindlichsten Gemüter von inniger Liebe wundersam ergriffen sich um ihn her. Wie Blumen keimte ein neues fremdes Leben in seiner Nähe. Unerschöpfliche Worte und der Botschaften fröhlichste fielen wie Funken eines göttlichen Geistes von seinen freundlichen Lippen. Von ferner Küste, unter Hellas' heiterm Himmel geboren, kam ein Sänger nach Palästina und ergab sein ganzes Herz dem Wunderkinde:
Zu Ende neigte die alte Welt sich. Des jungen Geschlechts Lustgarten verwelkte — hinauf in den freieren, wüsten Raum strebten die unkindlichen, wachsenden Menschen. Die Götter verschwanden mit ihrem Gefolge — Einsam und leblos stand die Natur. Mit eiserner Kette band sie die dürre Zahl und das strenge Maß. Wie in Staub und Lüfte zerfiel in dunkle Worte die unermeßliche Blüte des Lebens. Entflohn war der beschwörende Glauben, und die allverwandelnde, allverschwisternde Himmelsgenossin, die Phantasie. Unfreundlich blies ein kalter Nordwind über die erstarrte Flur, und die erstarrte Wunderheimat verflog in den Äther. Des Himmels Fernen füllten mit leuchtenden Welten sich. Ins tiefre Heiligtum, in des Gemüts höhern Raum zog mit ihren Mächten die Seele der Welt — zu walten dort bis zum Anbruch der tagenden Weltherrlichkeit. Nicht mehr war das Licht der Götter Aufenthalt und himmlisches Zeichen — den Schleier der Nacht warfen sie über sich. Die Nacht ward der Offenbarungen mächtiger Schoß — in ihn kehrten die Götter zurück — schlummerten ein, um in neuen herrlichern Gestalten auszugehn über die veränderte Welt. Im Volk, das vor allen verachtet zu früh reif und der seligen Unschuld der Jugend trotzig fremd geworden war, erschien mit nie gesehenem Angesicht die neue Welt — In der Armut dichterischer Hütte — Ein Sohn der ersten Jungfrau und Mutter -Geheimnisvoller Umarmung unendliche Frucht. Des Morgenlands ahndende, blütenreiche Weisheit erkannte zuerst der neuen Zeit Beginn — Zu des Königs demütiger Wiege wies ihr ein Stern den Weg. In der weiten Zukunft Namen huldigten sie ihm mit Glanz und Duft, den höchsten Wundern der Natur. Einsam entfaltete das himmlische Herz sich zu einem Blütenkelch allmächtger Liebe — des Vaters hohem Antlitz zugewandt und ruhend an dem ahndungssel'gen Busen der lieblich-ernsten Mutter. Mit vergötternder Inbrunst schaute das weissagende Auge des blühenden Kindes auf die Tage der Zukunft, nach seinen Geliebten, den Sprossen seines Götterstamms, unbekümmert über seiner Tage irdisches Schicksal. Bald sammelten die kindlichsten Gemüter von inniger Liebe wundersam ergriffen sich um ihn her. Wie Blumen keimte ein neues fremdes Leben in seiner Nähe. Unerschöpfliche Worte und der Botschaften fröhlichste fielen wie Funken eines göttlichen Geistes von seinen freundlichen Lippen. Von ferner Küste, unter Hellas' heiterm Himmel geboren, kam ein Sänger nach Palästina und ergab sein ganzes Herz dem Wunderkinde:
Der Jüngling bist du, der seit langer Zeit
Auf unsern Gräbern steht in tiefen Sinnen;
Ein tröstlich Zeichen in der Dunkelheit —
Der höhern Menschheit freudiges Beginnen.
Was uns gesenkt in tiefe Traurigkeit,
Zieht uns mit süßer Sehnsucht nun von hinnen.
Im Tode ward das ew'ge Leben kund,
Du bist der Tod und machst uns erst gesund.
Der Jüngling bist du, der seit langer Zeit
Auf unsern Gräbern steht in tiefen Sinnen;
Ein tröstlich Zeichen in der Dunkelheit —
Der höhern Menschheit freudiges Beginnen.
Was uns gesenkt in tiefe Traurigkeit,
Zieht uns mit süßer Sehnsucht nun von hinnen.
Im Tode ward das ew'ge Leben kund,
Du bist der Tod und machst uns erst gesund.
Der Sänger zog voll Freudigkeit nach Indostan — das Herz von süßer Liebe trunken; und schüttete in feurigen Gesängen es unter jenem milden Himmel aus, daß tausend Herzen sich zu ihm neigten, und die fröhliche Botschaft tausendzweigig emporwuchs. Bald nach des Sängers Abschied ward das köstliche Leben ein Opfer des menschlichen tiefen Verfalls — Er starb in jungen Jahren, weggerissen von der geliebten Welt, von der weinenden Mutter und seinen zagenden Freunden. Der unsäglichen Leiden dunkeln Kelch leerte der liebliche Mund — In entsetzlicher Angst nahte die Stunde der Geburt der neuen Welt. Hart rang er mit des alten Todes Schrecken — Schwer lag der Druck der alten Welt auf ihm. Noch einmal sah er freundlich nach der Mutter — da kam der ewigen Liebe lösende Hand — und er entschlief. Nur wenig Tage hing ein tiefer Schleier über das brausende Meer, über das bebende Land — unzählige Tränen weinten die Geliebten — Entsiegelt ward das Geheimnis — himmlische Geister hoben den uralten Stein vom dunkeln Grabe. Engel saßen bei dem Schlummernden — aus seinen Träumen zartgebildet — Erwacht in neuer Götterherrlichkeit erstieg er die Höhe der neugebornen Welt — begrub mit eigner Hand den alten Leichnam in die verlaßne Höhle, und legte mit allmächtiger Hand den Stein, den keine Macht erhebt, darauf.
Noch weinen deine Lieben Tränen der Freude, Tränen der Rührung und des unendlichen Danks an deinem Grabe — sehn dich noch immer, freudig erschreckt, auferstehn — und sich mit dir; sehn dich weinen mit süßer Inbrunst an der Mutter seligem Busen, ernst mit den Freunden wandeln, Worte sagen, wie vom Baum des Lebens gebrochen; sehen dich eilen mit voller Sehnsucht in des Vaters Arm, bringend die junge Menschheit, und der goldnen Zukunft unversieglichen Becher. Die Mutter eilte bald dir nach — in himmlischem Triumph — Sie war die Erste in der neuen Heimat bei dir. Lange Zeiten entflossen seitdem, und in immer höherm Glanze regte deine neue Schöpfung sich — und Tausende zogen aus Schmerzen und Qualen, voll Glauben und Sehnsucht und Treue dir nach — walten mit dir und der himmlischen Jungfrau im Reiche der Liebe — dienen im Tempel des himmlischen Todes und sind in Ewigkeit dein.
Der Sänger zog voll Freudigkeit nach Indostan — das Herz von süßer Liebe trunken; und schüttete in feurigen Gesängen es unter jenem milden Himmel aus, daß tausend Herzen sich zu ihm neigten, und die fröhliche Botschaft tausendzweigig emporwuchs. Bald nach des Sängers Abschied ward das köstliche Leben ein Opfer des menschlichen tiefen Verfalls — Er starb in jungen Jahren, weggerissen von der geliebten Welt, von der weinenden Mutter und seinen zagenden Freunden. Der unsäglichen Leiden dunkeln Kelch leerte der liebliche Mund — In entsetzlicher Angst nahte die Stunde der Geburt der neuen Welt. Hart rang er mit des alten Todes Schrecken — Schwer lag der Druck der alten Welt auf ihm. Noch einmal sah er freundlich nach der Mutter — da kam der ewigen Liebe lösende Hand — und er entschlief. Nur wenig Tage hing ein tiefer Schleier über das brausende Meer, über das bebende Land — unzählige Tränen weinten die Geliebten — Entsiegelt ward das Geheimnis — himmlische Geister hoben den uralten Stein vom dunkeln Grabe. Engel saßen bei dem Schlummernden — aus seinen Träumen zartgebildet — Erwacht in neuer Götterherrlichkeit erstieg er die Höhe der neugebornen Welt — begrub mit eigner Hand den alten Leichnam in die verlaßne Höhle, und legte mit allmächtiger Hand den Stein, den keine Macht erhebt, darauf.
Noch weinen deine Lieben Tränen der Freude, Tränen der Rührung und des unendlichen Danks an deinem Grabe — sehn dich noch immer, freudig erschreckt, auferstehn — und sich mit dir; sehn dich weinen mit süßer Inbrunst an der Mutter seligem Busen, ernst mit den Freunden wandeln, Worte sagen, wie vom Baum des Lebens gebrochen; sehen dich eilen mit voller Sehnsucht in des Vaters Arm, bringend die junge Menschheit, und der goldnen Zukunft unversieglichen Becher. Die Mutter eilte bald dir nach — in himmlischem Triumph — Sie war die Erste in der neuen Heimat bei dir. Lange Zeiten entflossen seitdem, und in immer höherm Glanze regte deine neue Schöpfung sich — und Tausende zogen aus Schmerzen und Qualen, voll Glauben und Sehnsucht und Treue dir nach — walten mit dir und der himmlischen Jungfrau im Reiche der Liebe — dienen im Tempel des himmlischen Todes und sind in Ewigkeit dein.
Gehoben ist der Stein —
Die Menschheit ist erstanden —
Wir alle bleiben dein
Und fühlen keine Banden.
Der herbste Kummer fleucht
Vor deiner goldnen Schale,
Wenn Erd' und Leben weicht,
Im letzten Abendmahle.Zur Hochzeit ruft der Tod —
Die Lampen brennen helle —
Die Jungfraun sind zur Stelle —
Um Öl ist keine Not —
Erklänge doch die Ferne
Von deinem Zuge schon,
Und ruften uns die Sterne
Mit Menschenzung' und Ton.Nach dir, Maria, heben
Schon tausend Herzen sich.
In diesem Schattenleben
Verlangten sie nur dich.
Sie hoffen zu genesen
Mit ahndungsvoller Lust —
Drückst du sie, heil'ges Wesen,
An deine treue Brust.So manche, die sich glühend
In bittrer Qual verzehrt
Und dieser Welt entfliehend
Nach dir sich hingekehrt;
Die hilfreich uns erschienen
In mancher Not und Pein —
Wir kommen nun zu ihnen,
Um ewig da zu sein.Nun weint an keinem Grabe,
Für Schmerz, wer liebend glaubt,
Der Liebe süße Habe
Wird keinem nicht geraubt —
Die Sehnsucht ihm zu lindern,
Begeistert ihn die Nacht —
Von treuen Himmelskindern
Wird ihm sein Herz bewacht.Getrost, das Leben schreitet
Zum ew'gen Leben hin;
Von innrer Glut geweitet
Verklärt sich unser Sinn.
Die Sternwelt wird zerfließen
Zum goldnen Lebenswein,
Wir werden sie genießen
Und lichte Sterne sein.Die Lieb' ist freigegeben,
Und keine Trennung mehr.
Es wogt das volle Leben
Wie ein unendlich Meer.
Nur _eine_ Nacht der Wonne —
Ein ewiges Gedicht —
Und unser aller Sonne
Ist Gottes Angesicht.
Gehoben ist der Stein —
Die Menschheit ist erstanden —
Wir alle bleiben dein
Und fühlen keine Banden.
Der herbste Kummer fleucht
Vor deiner goldnen Schale,
Wenn Erd' und Leben weicht,
Im letzten Abendmahle.Zur Hochzeit ruft der Tod —
Die Lampen brennen helle —
Die Jungfraun sind zur Stelle —
Um Öl ist keine Not —
Erklänge doch die Ferne
Von deinem Zuge schon,
Und ruften uns die Sterne
Mit Menschenzung' und Ton.Nach dir, Maria, heben
Schon tausend Herzen sich.
In diesem Schattenleben
Verlangten sie nur dich.
Sie hoffen zu genesen
Mit ahndungsvoller Lust —
Drückst du sie, heil'ges Wesen,
An deine treue Brust.So manche, die sich glühend
In bittrer Qual verzehrt
Und dieser Welt entfliehend
Nach dir sich hingekehrt;
Die hilfreich uns erschienen
In mancher Not und Pein —
Wir kommen nun zu ihnen,
Um ewig da zu sein.Nun weint an keinem Grabe,
Für Schmerz, wer liebend glaubt,
Der Liebe süße Habe
Wird keinem nicht geraubt —
Die Sehnsucht ihm zu lindern,
Begeistert ihn die Nacht —
Von treuen Himmelskindern
Wird ihm sein Herz bewacht.Getrost, das Leben schreitet
Zum ew'gen Leben hin;
Von innrer Glut geweitet
Verklärt sich unser Sinn.
Die Sternwelt wird zerfließen
Zum goldnen Lebenswein,
Wir werden sie genießen
Und lichte Sterne sein.Die Lieb' ist freigegeben,
Und keine Trennung mehr.
Es wogt das volle Leben
Wie ein unendlich Meer.
Nur _eine_ Nacht der Wonne —
Ein ewiges Gedicht —
Und unser aller Sonne
Ist Gottes Angesicht.
VI. Sehnsucht nach dem Tode
Hinunter in der Erde Schoß,
Weg aus des Lichtes Reichen,
Der Schmerzen Wut und wilder Stoß
Ist froher Abfahrt Zeichen.
Wir kommen in dem engen Kahn
Geschwind am Himmelsufer an.Gelobt sei uns die ew'ge Nacht,
Gelobt der ew'ge Schlummer.
Wohl hat der Tag uns warm gemacht,
Und welk der lange Kummer.
Die Lust der Fremde ging uns aus,
Zum Vater wollen wir nach Haus.Was sollen wir auf dieser Welt
Mit unsrer Lieb' und Treue.
Das Alte wird hintangestellt,
Was soll uns dann das Neue.
O! einsam steht und tiefbetrübt,
Wer heiß und fromm die Vorzeit liebt.Die Vorzeit, wo die Sinne licht
In hohen Flammen brannten,
Des Vaters Hand und Angesicht
Die Menschen noch erkannten,
Und hohen Sinns, einfältiglich
Noch mancher seinem Urbild glich.Die Vorzeit, wo noch blütenreich
Uralte Stämme prangten,
Und Kinder für das Himmelreich
Nach Qual und Tod verlangten.
Und wenn auch Lust und Leben sprach,
Doch manches Herz für Liebe brach.Die Vorzeit, wo in Jugendglut
Gott selbst sich kundgegeben
Und frühem Tod in Liebesmut
Geweiht sein süßes Leben.
Und Angst und Schmerz nicht von sich trieb,
Damit er uns nur teuer blieb.Mit banger Sehnsucht sehn wir sie
In dunkle Nacht gehüllet,
In dieser Zeitlichkeit wird nie
Der heiße Durst gestillet.
Wir müssen nach der Heimat gehn,
Um diese heil'ge Zeit zu sehn.Was hält noch unsre Rückkehr auf,
Die Liebsten ruhn schon lange.
Ihr Grab schließt unsern Lebenslauf,
Nun wird uns weh und bange.
Zu suchen haben wir nichts mehr —
Das Herz ist satt — die Welt ist leer.Unendlich und geheimnisvoll
Durchströmt uns süßer Schauer —
Mir deucht, aus tiefen Fernen scholl
Ein Echo unsrer Trauer
Die Lieben sehnen sich wohl auch
Und sandten uns der Sehnsucht Hauch.Hinunter zu der süßen Braut,
Zu Jesus, dem Geliebten —
Getrost, die Abenddämmrung graut
Den Liebenden, Betrübten.
Ein Traum bricht unsre Banden los
Und senkt uns in des Vaters Schoß.
VI. Sehnsucht nach dem Tode
Hinunter in der Erde Schoß,
Weg aus des Lichtes Reichen,
Der Schmerzen Wut und wilder Stoß
Ist froher Abfahrt Zeichen.
Wir kommen in dem engen Kahn
Geschwind am Himmelsufer an.Gelobt sei uns die ew'ge Nacht,
Gelobt der ew'ge Schlummer.
Wohl hat der Tag uns warm gemacht,
Und welk der lange Kummer.
Die Lust der Fremde ging uns aus,
Zum Vater wollen wir nach Haus.Was sollen wir auf dieser Welt
Mit unsrer Lieb' und Treue.
Das Alte wird hintangestellt,
Was soll uns dann das Neue.
O! einsam steht und tiefbetrübt,
Wer heiß und fromm die Vorzeit liebt.Die Vorzeit, wo die Sinne licht
In hohen Flammen brannten,
Des Vaters Hand und Angesicht
Die Menschen noch erkannten,
Und hohen Sinns, einfältiglich
Noch mancher seinem Urbild glich.Die Vorzeit, wo noch blütenreich
Uralte Stämme prangten,
Und Kinder für das Himmelreich
Nach Qual und Tod verlangten.
Und wenn auch Lust und Leben sprach,
Doch manches Herz für Liebe brach.Die Vorzeit, wo in Jugendglut
Gott selbst sich kundgegeben
Und frühem Tod in Liebesmut
Geweiht sein süßes Leben.
Und Angst und Schmerz nicht von sich trieb,
Damit er uns nur teuer blieb.Mit banger Sehnsucht sehn wir sie
In dunkle Nacht gehüllet,
In dieser Zeitlichkeit wird nie
Der heiße Durst gestillet.
Wir müssen nach der Heimat gehn,
Um diese heil'ge Zeit zu sehn.Was hält noch unsre Rückkehr auf,
Die Liebsten ruhn schon lange.
Ihr Grab schließt unsern Lebenslauf,
Nun wird uns weh und bange.
Zu suchen haben wir nichts mehr —
Das Herz ist satt — die Welt ist leer.Unendlich und geheimnisvoll
Durchströmt uns süßer Schauer —
Mir deucht, aus tiefen Fernen scholl
Ein Echo unsrer Trauer
Die Lieben sehnen sich wohl auch
Und sandten uns der Sehnsucht Hauch.Hinunter zu der süßen Braut,
Zu Jesus, dem Geliebten —
Getrost, die Abenddämmrung graut
Den Liebenden, Betrübten.
Ein Traum bricht unsre Banden los
Und senkt uns in des Vaters Schoß.
